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leben, bilden / 10.07.2015
Umweltbildung im eigenen Schulwald
Vor zehn Jahren entstand die Idee, die Kinder der staatlichen Bucher Grundschule ein Stück vom nahegelegenen Forst pflegen zu lassen. Daraus entstand ein eigener Schulwald – der einzige in Berlin.
Ein Heer von kleinen Hainbuchen und Stieleichen trägt die Namen der Schülerinnen und Schüler, die sie gepflanzt haben. Noch sind die Schilder unter Hülsen verborgen, die die jungen Bäume schützen. In vier bis fünf Jahren, wenn die Bäume groß genug sind, kommen sie wieder ans Licht. Ihre Paten werden dann schon längst die Schule gewechselt haben, aber vielleicht ihrem Wald, dem Schulwald der Grundschule Am Sandhaus, noch verbunden sein.
Der Bucher Forst wächst zu weiten Teilen auf ehemaligen Rieselfeldflächen. Seit sie vor etwa 30 Jahren stillgelegt wurden, hat man zahlreiche Anstrengungen unternommen, die belasteten Flächen aufzuforsten. Teile des ausgetrockneten porösen Bodens wurden aufwändig mit Lehm stabilisiert und Flächen erneut mit Wasser versorgt. Inzwischen ist eine abwechslungsreiche Landschaft entstanden, in der seit einigen Jahren sogar Schottische Hochlandrinder und Konikpferde weiden. Für die Umweltbildung ist dieser Forst mehr als prädestiniert, weshalb das Schulwaldprojekt von Beginn an durch die Berliner Forsten unterstützt wurde.
Unterricht im Freilandlabor
Lebenskundelehrerin Ingrid Bonas, die das Projekt koordiniert und begleitet, bildet pro Jahr etwa 24 Schüler als „Waldmanager“ aus. Von April bis in den Herbst verbringen die Kinder mit ihr rund 14 Stunden im „Freilandlaboratorium“, beobachten die Natur, lernen das Ökosystem Wald kennen und pflegen ihr Waldstück. Außerdem bereiten sie die schulischen Pflanztage vor.
„Viele Viertklässler warten schon ungeduldig darauf mitzumachen, denn Waldmanager können sie erst ab der fünften Klasse werden“, so Frau Bonas. Voraussetzung ist die Erlaubnis der Eltern und ein Fahrradführerschein – der Schulwald will schnell erreicht sein. Einen Teil der Theorie erfahren die Waldmanager im Winter, wenn Biologin Antje Neumann Themen wie biologische Vielfalt und Klimaschutz vermittelt oder mit ihnen anhand von Knospen Baumarten bestimmt. Der Winterunterricht wird von der Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE finanziert, ebenso der Kauf junger Bäume für den Schulwald. Karin Schulz, Leiterin des HOWOGE-Servicecenters in Buch, erklärt das Engagement: „Uns liegt dieses Projekt am Herzen, denn unser Eindruck ist, dass die unmittelbaren Walderfahrungen zunehmend verloren gehen. Viele Bucher Kinder wachsen eher als Stadtkinder auf, obwohl der Wald vor der Tür liegt.“
Dass in den letzten Jahren junge Bäume gekauft und mit Hülsen versehen wurden, ist einem Lernprozess geschuldet. „Anfangs haben die Klassen im Bucher Forst eigenständig junge Triebe von Ahorn und Buche ausgegraben und unter Anleitung der Forstmitarbeiter eingepflanzt. Doch die wenigsten Bäumchen entwickelten sich. Meist hatten die Wurzeln das Ausgraben nicht überstanden oder Rehe die Triebe verbissen“, berichtet Frau Bonas.
Gemeinsam Bäume pflanzen
Nun finden jeden Herbst zwei erfolgversprechende Pflanzaktionstage für alle größeren Schüler der Grundschule Am Sandhaus statt – ab der dritten Klasse sind sie dabei. Auf dem Weg zum Schulwald gibt es bereits Stationen mit Wissensfragen oder Sportaufgaben, die die Waldmanager vorbereiten und betreuen. Die eigentliche gemeinsame Arbeit im Schulwald wird von Forstleuten begleitet. „Es ist beeindruckend zu sehen, mit welcher Energie die Kinder dabei sind, Bäume zu pflanzen, Hülsen anzuheften oder Unkraut zu beseitigen“, so Ingrid Bonas, „sie arbeiten locker zwei Stunden ohne Pause durch.“ Dieser Einsatz wird honoriert – mit Baumpatenschaften
und Lagerfeuer beim Förster.
„Durch den direkten persönlichen Bezug der Schülerinnen und Schüler zu ihrem eigenen Wald erhält die schulische Umweltbildung einen besonderen Stellenwert“, sagt Ingrid Bonas. „Wir spüren das auch bei den Anmeldungen. Der Schulwald wird von vielen Eltern als großes Plus hervorgehoben.
Text: Christine Minkewitz
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