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forschen / 17.06.2021
Tiefer Einblick in Tumore

Tumorschnitt; im Hintergrund ist ein Massenspektrometer zu sehen. © Corinna Friedrich, MDC / Charité
Tumorschnitt; im Hintergrund ist ein Massenspektrometer zu sehen. © Corinna Friedrich, MDC / Charité

Forschende des MDC, des BIH und der Charité haben Methoden entwickelt, um Proteine in fixierten Proben von Krebsgeweben umfassend zu analysieren. Wie das Team in „Nature Communications“ berichtet, lassen sich damit neue Erkenntnisse über die Krankheitsabläufe bei verschiedenen Krebsarten gewinnen.

Um eine Krebserkrankung zu diagnostizieren, entnehmen Ärzt*innen heute wie schon vor 100 Jahren ihren Patient*innen Gewebeproben, die sie – meist fixiert in Formalin – mikroskopisch untersuchen. In den vergangenen 20 Jahren wurden zudem genetische Verfahren etabliert, die es erlauben, Mutationen in den Tumoren näher zu charakterisieren, und Hinweise auf die beste Behandlungsstrategie liefern.

Selbst kleinste Gewebeproben reichen aus, um Proteine aufzuspüren

Jetzt ist es einer Gruppe von Forscher*innen des Berliner Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), des Berlin Institute of Health (BIH), der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK) gelungen, in fixierten Proben von Lungenkrebsgewebe mehr als 8.000 Proteine mit Massenspektrometern im Detail zu analysieren.

„Mit den von uns entwickelten Methoden ist es möglich geworden, molekulare Prozesse in Krebszellen auf der Proteinebene tiefgreifend zu untersuchen – und zwar in bereits vorhandenen Patientenproben, die im Klinikalltag in großer Zahl anfallen und eingelagert werden“, sagt Dr. Philipp Mertins, der Leiter der Technologieplattform „Proteomics“ am MDC und BIH. „Selbst kleinste Gewebemengen, wie sie bei Nadelbiopsien gewonnen werden, sind für unsere Experimente ausreichend.“

Die Studie, die in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht ist, gilt als ein wichtiger Erfolg für das Forschungsprojekt MSTARS (Multimodal Clinical Mass Spectrometry to Target Treatment Resistance), das seit dem Jahr 2020 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund 5,7 Millionen Euro finanziert wird.

Das Team um Philipp Mertins und Professor Frederick Klauschen vom Institut für Pathologie der Charité hat zum einen zeigen können, dass die Proteine – anders als die häufig untersuchten, aber recht empfindlichen RNA-Moleküle – in den Proben viele Jahre lang stabil bleiben und präzise quantifiziert werden können. „Zum anderen bilden die in dem Tumorgewebe vorhandenen Proteine das Krankheitsgeschehen besonders gut ab“, sagt Erstautorin Corinna Friedrich, Doktorandin in den Arbeitsgruppen von Mertins und Klauschen. „Denn sie geben zum Beispiel Aufschluss darüber, welche der Gene, die das Wachstum eines Tumors fördern oder hemmen, in den Zellen besonders aktiv sind.“

Die Methode soll helfen, die jeweils beste Behandlungsoption zu finden

Das Bild, das die Forschenden mit ihrer Analyse von Adeno- und Plattenepithelkarzinomen – zwei Formen von Lungenkrebs – gewonnen haben, ist auch deshalb so detailliert geworden, weil sie nicht nur eine sehr große Zahl von den in der Zelle vorhandenen Proteinen haben aufspüren können, sondern darüber hinaus mehr als 14.000 Phosphorylierungsstellen ermittelt haben. Mithilfe der Phosphorylierung, dem reversiblem Anhängen von Phosphatgruppen an Proteine, kontrolliert die Zelle fast alle biologischen Prozesse, indem sie bestimmte Signalwege auf diese Weise ein- oder ausschaltet.

„Unsere Publikation bildet somit eine wichtige Grundlage, um zu einem besseren Verständnis des Krankheitsgeschehens bei Lungenkrebs und auch bei anderen Krebsarten zu gelangen“, sagt Klauschen, der zusammen mit Mertins korrespondierender Autor der Studie ist. Inzwischen hat Klauschen die Leitung des Pathologischen Instituts an der Ludwig-Maximilians-Universität München übernommen, forscht aber auch weiterhin an der Charité. „Darüber hinaus werden wir mit den von uns entwickelten Methoden künftig besser erklären können, warum eine ganz bestimmte Therapie bei manchen Erkrankten wirkt, während sie bei anderen versagt“, ergänzt der Pathologe. Somit werde man leichter für alle Patient*innen die jeweils beste Behandlungsoption finden.

Auch Herz-Kreislauf-Leiden lassen sich besser erforschen

Philipp Mertins hofft zudem, dass sich mit der massenspektrometrischen Analyse des Proteoms in Gewebeproben nicht nur neue Biomarker für die Therapieentscheidung und die Überlebensprognose der Patient*innen finden lassen, sondern auch weitere molekulare Zielstukturen entdeckt werden, an denen potenzielle Medikamente künftig angreifen könnten.

Und noch einen Pluspunkt der geleisteten Arbeit kann der Forscher benennen: „Unsere Methode ist nicht nur für die Erforschung von Krebs geeignet, sondern sehr breit einsetzbar.“ Unter anderem hat die Arbeitsgruppe „Proteomics“ bereits das Proteom fixierter Immunzellen von COVID-19-Patient*innen erfolgreich analysiert. Zudem können die Autoren Empfehlungen geben, welche massenspektrometrischen Methoden für verschiedene Arten von klinischen Studien jeweils besonders zu empfehlen sind.

Als Nächstes sollen am MDC sowohl weitere fixierte Immunzellen als auch fixiertes kardiovaskuläres Gewebe massenspektrometrisch auf vorhandene Proteine und Phosphorylierungsstellen untersucht werden. „Auf diese Weise wollen wir zu einem besseren Verständnis für Infektions- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommen“, erläutert Mertins. „Denn dann würden sich auch diese Krankheiten eines Tages vermutlich sehr viel besser behandeln lassen, als es bislang der Fall ist.“

Gemeinsame Pressemitteilung von MDC, BIH und Charité

Weitere Informationen

Literatur

Corinna Friedrich et al (2021): „Comprehensive micro-scaled proteome and phosphoproteome characterization of archived retrospective cancer repositories”, in: Nature Communications, DOI: 10.1038/s41467-021-23855-w

forschen / 15.06.2021
Einstein-Zentrum 3R will tierversuchsfreie Forschung voranbringen – MDC beteiligt

Das Einstein-Zentrum für alternative Methoden in der biomedizinischen Forschung geht an den Start. Die Einstein Stiftung fördert das Berliner Zentrum bis Ende 2026 mit rund 5,3 Millionen Euro. Die Mittel stellt das Land Berlin zur Verfügung. Das MDC ist mit mehreren Projekten beteiligt.

Ziel des „Einstein-Zentrums 3R“ (3R: Replace, Reduce, Refine) ist es, neue Therapien für menschliche Erkrankungen zu entwickeln, indem die Übertragbarkeit von Laborerkenntnissen auf den Patienten verbessert und gleichzeitig der Tierschutz gestärkt wird. Forschungsschwerpunkt sind 3D-Modelle aus menschlichen Gewebekulturen, die Tierversuche ersetzen sollen. Diese speziellen Zellkulturen, sogenannte Organoide, können die Strukturen und Funktionen einzelner Organe darstellen und damit einen Zugang zur Erforschung und Behandlung menschlicher Erkrankungen ermöglichen. Sie sind der Untersuchung einzelner Zellen oder Tierversuchen in manchen Bereichen überlegen. Die Herausforderungen der Forschung bestehen daher in der Entwicklung von Organoiden, die in Reifung und Komplexität, beispielsweise durch Ausbildung eines Gefäß- und Immunsystems, den menschlichen Organen so ähnlich wie möglich sind.

Voraussetzung für die Förderung des Einstein-Zentrums 3R bis zum Jahr 2026 ist eine erfolgreiche Zwischenevaluation durch die Wissenschaftliche Kommission der Einstein Stiftung im Jahr 2024. Das Land Berlin stellt der Einstein Stiftung 5,3 Millionen-Förderung zusätzlich zu ihrem Grundhaushalt zur Verfügung. Der positiven Entscheidung war eine einjährige Vorbereitungsphase vorausgegangen.

„Internationale Experten und die Wissenschaftliche Kommission der Einstein Stiftung haben das Einstein-Zentrum als besonders förderungswürdig bewertet. Forschungsansatz, Struktur und Vernetzung der beteiligten Partner haben großes Potential, Berlin als wichtigen Standort in der Erforschung alternativer Methoden zu Tierversuchen zu etablieren“, sagt Prof. Dr. Günter Stock, der Vorstandsvorsitzende der Einstein Stiftung anlässlich der Förderentscheidung.

Aufgrund der artspezifischen Unterschiede ist bei Tierversuchen die Übertragbarkeit auf den Menschen häufig beeinträchtigt. Der große Vorteil der Organoide ist, dass die biomedizinische Forschung hier direkt menschliche Zellen zur Grundlage hat. Am Einstein-Zentrum sind sechs Forschungsprojekte zu Darm, Lunge, Herz, Hirn, Leber und zur neuromuskulären Verbindung geplant. Hinzu kommen zwei Querschnittsprojekte zur Qualitätsverbesserung der Modelle: Eines erarbeitet einen für alle gültigen Rahmen von Maßnahmen und Prinzipien, das andere richtet eine Bildgebungs- und Analyseplattform ein, um menschliche und tierische Modelle hinsichtlich der Ausprägung von Krankheitsmerkmalen, beispielsweise bei COVID-19, besser vergleichen können.

Regierender Bürgermeister: Vorreiterrolle für Berlin

Der Regierende Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung, Michael Müller, bekräftigt: „Zusammen mit der Charité, unseren Universitäten und Forschungsinstituten haben wir in den vergangenen Jahren viel dafür getan, Berlin Schritt für Schritt zur Hauptstadt der Erforschung und Entwicklung von Alternativen zu Tierversuchen zu machen. Das neue Einstein-Zentrum 3R ist nun ein weiterer Schritt in diese Richtung. Es vereint die herausragende Expertise der exzellenten und innovativen Biomedizin-Forschung in Berlin und nimmt mit seinem breit aufgestellten Forschungsnetzwerk deutschlandweit und international eine wichtige Vorreiterrolle ein.“

Die Gründung eines Einstein-Zentrums 3R wurde initiiert von der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin sowie der Technischen Universität Berlin; es entsteht in enger Kooperation mit dem Berlin Institute of Health in der Charité (BIH), dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft, dem Bundesinstitut für Risikobewertung und dem Robert Koch-Institut. Das Zentrum soll langfristig ein Forschungsnetzwerk in Berlin etablieren, das gemeinsam an Gewebemodellen forscht und innovative Projekte entwickelt. Nach dem 3R-Prinzip von William Russell und Rex Burch gilt es, Tierversuche zu ersetzen (Replace), die Anzahl der Versuchstiere zu reduzieren (Reduce) oder die Belastung für Versuchstiere zu mindern (Refine). Nachwuchswissenschaftler*innen sollen im geplanten Zentrum durch Ausbildung, Schulung und Weiterbildung in die Lage versetzt werden, das 3R-Prinzip stringent anzuwenden. Auch die Wissenschaftskommunikation und der Dialog mit der Öffentlichkeit werden eine bedeutende Rolle einnehmen.

„Wir freuen uns sehr, dass nun mit dem Einstein-Zentrum 3R eine institutionenübergreifende Struktur geschaffen wird, die die Umsetzung des 3R-Prinzips und die Entwicklung von Alternativmethoden verbessert sowie die berlinweite Vernetzung der Forschungsprojekte strukturell befördert“, ergänzt Prof. Dr. Axel Radlach Pries, Dekan der Charité.

MDC mit Stammzell- und Organoid-Technologien beteiligt

Das MDC ist mit mehreren Forschungsinitiativen am Einstein-Zentrum 3R beteiligt. So arbeiten die Professor*innen Mina Gouti, Carmen Birchmeier und Nikolaus Rajewsky mit ihren Teams daran, aus pluripotenten Stammzellen reife menschliche Organoide zu entwickeln und zu charakterisieren, die den adulten Geweben sehr ähnlich sind. Dies wird es ermöglichen, Krankheiten zu modellieren, die sich erst spät im Leben entwickeln, wie die Amyotrophe Lateralsklerose. Ein solcher Fortschritt erfordert die Zusammenarbeit von interdisziplinären Teams, die an der Schnittstelle von Stammzell- und Organoid-Technologien, Mausgenetik und Systembiologie arbeiten. Dies könnte letztendlich dazu beitragen, die für die Forschung benötigten Tiermodelle zu reduzieren. Langfristig könnte die Entwicklung von ausgereiften Organoid-Modellen auch die Grundlage für neue Ansätze in der personalisierten Medizin bilden.

Die beiden MDC-Wissenschaftler Professor Michael Gotthardt und Sebastian Diecke untersuchen gemeinsam mit Burkert Pieske (Charité) gentechnisch hergestelltes künstliches menschliches Herzgewebe (Engineered Heart Tissue, kurz ETH). Hierfür nutzen sie pluripotente menschliche Stammzellen. Die Teams wollen so die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen­ - noch immer eine der häufigsten Todesursachen weltweit - tiefer erforschen und neue Therapieansätze finden. Dabei sollen auch Erkenntnisse aus Tierversuchen mit denen der ETH-Technologie verglichen werden. Außerdem wollen sie in Berlin die notwendige Infrastruktur aufbauen, um möglichst vielen Wissenschaftler*innen Zugang zur EHT-Technologie zu ermöglichen.

Thomas Sommer, Wissenschaftlicher Vorstand des MDC (komm.), sagte zu der Entscheidung: „Das Vermeiden, Verringern, Verbessern von Tierversuchen ist für uns am MDC oberstes Prinzip. In unserer Gesundheitsforschung nutzen wir bei der großen Mehrheit aller Experimente Zell- und Gewebekulturen, Computermodelle und Künstliche Intelligenz. Außerdem haben wir am MDC eine Organoid-Plattform etabliert und inzwischen viel Erfahrung auf diesem Gebiet. Deshalb freue ich mich sehr, dass wir unsere Expertise in das Berliner Einstein-Zentrum 3R einbringen und gemeinsam mit Partnern weiterentwickeln können. Das Einstein-Zentrum ist ein Meilenstein auf dem Weg zur Weiterentwicklung von Alternativen zu Tierversuchen. Das ist wichtig für den Wissenschaftsstandort Berlin als Vorreiter. Allerdings möchte auch dies betonen: Noch sind, aus heutiger Sicht, Tierversuche für die Grundlagenforschung und Medikamentenentwicklung unverzichtbar.“

Mehr Informationen:

Mini-Organ, mathematisches Modell oder Maus? Forschungsmodelle am MDC

Technologie-Plattform Organoide am MDC

Technologie-Plattform Pluripotente Stammzellen

Forschung, Tierversuche und 3R am MDC

Einstein-Zentrum 3R

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de

Einstein Stiftung

Die Einstein Stiftung Berlin ist eine gemeinnützige, unabhängige und wissenschaftsgeleitete Einrichtung, die als Stiftung bürgerlichen Rechts gegründet wurde. Sie fördert Wissenschaft und Forschung fächer- und institutionenübergreifend in und für Berlin auf internationalem Spitzenniveau. Insgesamt 172 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – unter ihnen drei Nobelpreisträger – 71 Projekte und sechs Einstein-Zentren wurden bislang gefördert.

Quelle: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
https://www.mdc-berlin.de/de/news/news/einstein-zentrum-3r-will-tierversuchsfreie-forschung-voranbringen-mdc-beteiligt

investieren, leben / 14.06.2021
Start der dritten Beteiligungsphase für das neue Stadtquartier Buch-Am Sandhaus

Abbildung aus der Beteiligungsbroschüre der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen
Abbildung aus der Beteiligungsbroschüre der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen

In Berlin-Buch soll in den kommenden Jahren eines von 16 neuen Stadtquartieren entstehen. Neben 2.400 bis 3.000 neuen Wohnungen sind im autoarmen Quartier auch Kitas und eine neue Grundschule vorgesehen. Nun startet die dritte Beteiligungsphase. Bis zum 24. Juni 2021 haben wieder alle Interessierten die Gelegenheit, sich über die Entwurfsarbeiten zu informieren und aktiv an deren Weiterentwicklung mitzuarbeiten.

- Zaunausstellung
Die Entwürfe werden am Zaun der Grundschule Am Sandhaus, Wiltbergstraße 37, am Rande des Plangebietes ausgehängt. Ab dem 14. Juni können Passant:innen sich so vor Ort über den Planungsstand informieren.
 
- Online-Dialog
Die neuen Entwürfe sind bereits auf mein.berlin.de, der Beteiligungsplattform des Landes Berlins, abrufbar: https://mein.berlin.de/projekte/rahmenplanung-buch-am-sandhaus/
Neben den Entwürfen aus dem aktuellen Verfahren wird auf der Seite diesmal auch der städtebauliche Entwurf der Bürgerinitiative Buch Am Sandhaus vorgestellt. Aufgrund der formalen Regeln und inhaltlichen Rahmenbedingungen, zu deren Einhaltung die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen als Ausloberin verpflichtet ist, kann der Entwurf nicht als vierte Variante mit in die Auswahl der zu beurteilenden Entwürfe aufgenommen werden.  Er stellt jedoch einen wichtigen Diskussionsbeitrag da, der die Vorstellungen der Bürgerinitiative gegenüber der Berliner Stadtöffentlichkeit kommuniziert. Der städtebauliche Entwurf der Initiative wird somit als Stellungnahme gewertet, die sich daraus ergebenden Fragestellungen und Vorschläge fließen in die weitere Ausarbeitung im nächsten Planungsschritt ein. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen begrüßt die aktive Mitwirkung der Initiative am Verfahren und die konstruktive Zusammenarbeit ausdrücklich.
 
In der nächsten Sitzung des Gutachter:innengremiums am 24. Juni wird eine Vorzugsvariante für die weitere Bearbeitung ausgewählt. Das Ergebnis der Sitzung wird zeitnah bekanntgemacht. Das städtebauliche Gutachter*innenverfahren ist Teil des informellen Rahmenplanverfahrens mit dem Ziel der Erarbeitung eines Masterplans. Er bildet die Grundlage für das darauffolgende formelle Bebauungsplanverfahren, mit dem die planungsrechtlichen Voraussetzungen für den dringend benötigten Wohnungsneubau geschaffen werden.
 
Weitere Informationen über das neue Stadtquartier Buch-Am Sandhaus finden Sie online unter folgendem Link: https://www.stadtentwicklung.berlin.de/wohnen/wohnungsbau/buch-am-sandhaus/index.shtml
 

 

Weitere Informationen:

Mein.Berlin.de Beteiligung

Projektwebsite

forschen / 14.06.2021
Sieben Millionen Dollar für die Herz-Kreislauf-Forschung

Herzmuskelzelle der Ratte: Das Protein alpha-Aktinin (rot) zeigt die periodische Struktur der Muskelfibrille. Zwei Zellkerne sind blau gefärbt. © CU Boulder
Herzmuskelzelle der Ratte: Das Protein alpha-Aktinin (rot) zeigt die periodische Struktur der Muskelfibrille. Zwei Zellkerne sind blau gefärbt. © CU Boulder

Unterschiedliche Boten-RNAs entstehen in Zellen durch „alternatives Spleißen“. Die Leducq Foundation unterstützt nun ein transatlantisches Netzwerk, das diesen Prozess in Herzmuskelzellen erforscht – und welche Rolle er bei der Entstehung von kardiovaskulären Krankheiten spielt. Professor Michael Gotthardt vom MDC und Professorin Leslie Leinwand von der Universität Boulder, Colorado, koordinieren das Projekt.

Herzkreislauferkrankungen sind trotz Prävention und verbesserter Therapien noch immer eine der Haupttodesursachen weltweit. Wie wichtig alternatives Spleißen – der „Zusammenschnitt“ der Boten-RNA beim Ablesen der Gene – bei kardiovaskulären Erkrankungen ist, wurde erst vor kurzem erkannt. Mit sieben Millionen US-Dollar unterstützt die Leducq Foundation in den nächsten fünf Jahren das Projekt CASTT (Cardiac Splicing as a Therapeutic Target) von sechs europäischen und US-amerikanischen Forscherinnen und Forschern. Sie werden insbesondere die Regulation und Krankheitsrelevanz von alternativem Spleißen in den unterschiedlichen Zellen des Herzens untersuchen.

„Ziel ist es unter anderem, den Weg von der Identifizierung eines Spleißfaktors hin zum Medikament aufzuzeigen sowie eine Datenbank aufzubauen, die es künftig erleichtert, die komplexen Spleißinformationen in die Diagnostik von Herzerkrankungen einzubeziehen“, sagt Professor Michael Gotthardt, Leiter der Arbeitsgruppe „Neuromuskuläre und kardiovaskuläre Zellbiologie“ am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und europäischer Koordinator von CASTT. Die nordamerikanische Koordinatorin Professorin Leslie Leinwand, Biologin und Gründerin mehrerer erfolgreicher BioPharma-Unternehmen, ergänzt: „Die Leducq-Stiftung ermöglicht es Grundlagenwissenschaftlern und Klinikern, über den traditionellen Tellerrand effektiver Behandlungen für Herzkrankheiten hinauszudenken und unterschiedliche Forschungsrichtungen vom Tiermodell bis zum Patienten mit innovativen genomischen und rechnergestützten Ansätzen zu verbinden.“

Zum Netzwerk gehören außerdem Professor Euan Ashley, Kardiologe an der Stanford Universität (Kalifornien), Professorin Maria Carmo-Fonseca, Zell- und Onkobiologin an der Universität Lissabon, der Kardiologe Professor Benjamin Meder vom Universitätsklinikum Heidelberg sowie Lars Steinmetz, Professor für Genetik am EMBL Heidelberg und der Stanford Universität.

Fehler beim Spleißen können Herzerkrankungen verursachen
Herzmuskelzellen benötigen eine Vielzahl von Proteinen, um sich zu entwickeln, zu kontrahieren, elektrische Impulse an Nachbarzellen weiterzuleiten oder auf äußere Einflüsse wie Stress zu reagieren. Die Baupläne für diese Eiweiße sind in den Genen abgelegt und werden in die Boten-RNA (mRNA) umgeschrieben, die diese Information dann an die Proteinfabriken der Zelle – die Ribosomen – übermittelt.

Um eine große Vielfalt an Eiweißmolekülen zur Verfügung stellen zu können, nutzen Zellen vor allem in höheren Lebewesen einen Trick: Ihre Gene codieren nicht nur für jeweils ein Protein, sondern können die Blaupause für mehrere sein. Gene enthalten in der Regel mehrere codierende Abschnitte, die Exons, und nicht-codierende Bereiche, die Introns. Letztere können beim Ablesen je nach Bedarf herausgeschnitten werden und Exons variabel verknüpft werden. So entstehen mRNAs, die unterschiedlich zusammengesetzt sind. Dieser als „alternatives Spleißen“ bezeichnete Vorgang wird vom Spleißosom gesteuert - einer komplexen Maschinerie aus Spleißfaktoren und Spleißregulatoren. Fehler beim Spleißen können Ursache von Herzerkrankungen sein. „Während im embryonalen Herzen Umbauprozesse dominieren, die das Herz wachsen und reifen lassen, sind es beim erwachsenen Organ eher solche, die eine effektive Pumpfunktion sicher stellen“, erklärt Michael Gotthardt. „Bei kranken Herzen sehen wir jedoch Genexpressionsmuster, die bezüglich der Proteinbildung zum Teil wieder in die embryonale Richtung gehen. Dadurch arbeitet das Herz nicht mehr im normalen Bereich.“

Ein Herz für große Mahlzeiten
Die Forschenden arbeiten sowohl klinisch als auch mit künstlichem Herzgewebe, Zellkulturen und mit Tiermodellen. Neben der Maus kommt dabei der burmesische Python ins Spiel, denn die Würgeschlange gehört zu den wenigen Lebewesen, die kurzfristig die Größe ihres Herzens verändern können – innerhalb eines Tages, nachdem sie eine große Beute verschluckt hat. Dadurch werden die Durchblutung erhöht und Nährstoffe schneller im Körper verteilt. Anschließend schrumpft das Organ wieder auf Normalgröße. „Wir wollen die sehr spezielle Regulation der Spleißprozesse am Pythonherz aufklären, weil wir denken, dass diese Erkenntnisse von therapeutischem Nutzen sein können. Etwa für Patienten, die an hypertropher Kardiomyopathie leiden, also einer Verdickung der Herzmuskulatur“, sagt Leslie Leinwand, die das BioFrontiers-Institut an der Universität Boulder, Colorado, leitet.

Die Leducq Foundation wurde 1996 in Paris von dem Industriellen Jean Leducq und seiner Frau Sylviane gegründet, um die transatlantische Zusammenarbeit bei der Erforschung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfällen voranzutreiben. Seither hat die Stiftung über 70 internationale Netzwerke auf diesen Gebieten gefördert, an denen mehr als 800 Forschende an über 130 Institutionen in 25 Ländern beteiligt sind.

Weiterführende Informationen

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC ) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de

Die University of Colorado Boulder ist eine innovative Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden, die nach Lösungen für die humanitären, sozialen und technologischen Herausforderungen unserer Zeit suchen. Das BioFrontiers Institute vereint Forschende aus den Bereichen Lebenswissenschaften, Physik, Informatik und Ingenieurwesen, um die Grenzen der interdisziplinären Wissenschaft zu erweitern. Gemeinsam mit Partnern aus der Industrie wandeln sie die gewonnenen Erkenntnisse in Instrumente zur Verbesserung der menschlichen Gesundheit um. www.colorado.edu

Quelle: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
Sieben Millionen Dollar für die Herz-Kreislauf-Forschung

forschen, produzieren, heilen / 10.06.2021
Gründerin Kieback startet mit T-knife durch

Dr. Elisa Kieback, Mitgründerin und Chief Technology Officer von T-knife (Foto: © T-Knife)
Dr. Elisa Kieback, Mitgründerin und Chief Technology Officer von T-knife (Foto: © T-Knife)

Bestfinanziertes Start-up der deutschen Biotech-Szene

Ein aufgehender Stern am Himmel der deutschen Biotech-Branche ist ein junges Berliner Unternehmen: T-knife. Mitgründerin Dr. Elisa Kieback hat das Spin-off von MDC und Charité gemeinsam mit Kolleg*innen an die Spitze der deutschen Biotech-Start-ups katapultiert.Seit einem Jahr fühlt sich Dr. Elisa Kieback „wie auf einer Raketenabschussrampe“, sagt sie. 2015 hat die heute 40-jährige Forscherin und Unternehmerin zusammen mit Professor Thomas Blankenstein vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und Holger Specht, Investment Director bei der IBB Beteiligungsgesellschaft, T-knife als Unternehmensgemeinschaft aus dem MDC und der Charité heraus gegründet. Diesem Sprung aus der Wissenschaft in die Wirtschaft gingen fast 20 Jahre Grundlagenforschung am MDC voraus – so lange schon arbeitet Thomas Blankenstein an seiner Vision, mit Hilfe genetisch veränderter Immunzellen, den T-Zellen, Krebserkrankungen zu heilen.

Etwa zehn Jahre lang trug er den Gedanken an eine Ausgründung mit sich herum. Elisa Kieback lernte er 2004 als Zweitgutachter ihrer Doktorarbeit kennen. „Sie ist eine herausragend intelligente, motivierte, organisierte und hart arbeitende junge Wissenschaftlerin, die sich der T-Zell-Rezeptor (TCR)-Gentherapie verschrieben hat“, charakterisiert Blankenstein seine Mitgründerin. 2015 wechselte die Biologin aus der Arbeitsgruppe von Professor Wolfgang Uckert in Blankensteins Team und koordinierte die erste klinische Studie zur TCR-Gentherapie, die im Januar dieses Jahres an der Charité – Universitätsmedizin Berlin startete. „Als sie hörte, dass ich eine Ausgründung aus dem MDC plane, wollte sie gerne dabei sein. Ich stimmte sofort zu. Das werde ich nie bereuen“, erzählt Blankenstein. Der Name T-knife ist so alt wie die Gründungsidee selbst: Er steht dafür, dass gentechnisch veränderte T-Zellen – das sind Zellen des Immunsystems – wie ein chirurgisches Präzisionsmesser Tumore aus dem gesunden Geweber herausschneiden sollen.

Neue Immuntherapie gegen Krebs in der klinischen Prüfung

Bis 2018 bestand T-knife nur auf dem Papier. „Die Rechtsform als Unternehmensgemeinschaft war wichtig, um erste organisatorische Schritte zu gehen, beispielsweise eine Anwaltskanzlei beauftragen zu können“, sagt Elisa Kieback. Dann wandelten die Gründer*innen T-knife in eine GmbH um, Holger Specht stieg aus, das Technologietransfer-Unternehmen Ascenion stieg ein. Die Venture-Fonds von Boehringer Ingelheim und Andera Partners stellten eine Anschubfinanzierung von acht Millionen Euro zur Verfügung. Davon engagierte Elisa Kieback 15 Mitarbeiter*innen und richtete die ersten eigenen Räume und Labore am Campus Berlin-Buch ein. 2020 drehte sie eine zweite Finanzierungsrunde und konnte stolze 66 Millionen Euro einwerben – wieder von Andera Partners und Boehringer Ingelheim sowie von den US-Risikokapitalgebern Versant Ventures und RA Capital Management. Damit machte sie T-knife zum bis dato bestfinanzierten Start-up der deutschen Biotech-Szene. Sie hat sich Thomas Soloway als Geschäftsführer und Camille Landis als Finanzchefin an die Seite geholt. Sie selbst kümmert sich als Technologiechefin um die Plattform- und Produktentwicklung, Thomas Blankenstein gehört dem Beirat an.

Seitdem gibt es für T-knife kein Halten mehr. Gut finanziert kann Elisa Kieback mit ihrem Team nach weiteren TCR-Kandidaten für verschiedene Krebsarten suchen. Die Forschenden haben mehrere vielversprechende Antigene entdeckt, die bei Krebserkrankungen auftreten. „Wir werden nun passende Rezeptoren herstellen und testen“, sagt Elisa Kieback. Die 450 Quadratmeter am Campus Berlin-Buch, die T-knife bezogen hat, werden allerdings langsam eng. Ende 2020 arbeiteten dort 20 Menschen, in der ersten Jahreshälfte 2021 ist ihre Zahl auf 40 angewachsen. „Bis zum Ende dieses Jahres wird sich die Anzahl noch einmal verdoppeln“, schätzt die Gründerin. In Berlin Mitte eröffnet T-knife ein Büro für das Team, das sich um klinische Studien kümmert.

Auf nach Amerika – und in die ganze Welt

Parallel dazu hat T-knife einen Standort in der Biotech-Hochburg San Francisco gegründet. Denn zum einen kommt das meiste Kapital, das in T-knife steckt, aus den USA. „Wenn wir uns langfristig als Firma gut aufstellen wollen durch weitere Finanzierungsrunden oder einen Börsengang, dann müssen wir für amerikanische Investoren attraktiv sein“, erklärt Elisa Kieback. Zum anderen strebt sie klinische Studien in amerikanischen Kliniken an. „Gerade bei der Umsetzung der T-Zell-Therapien in klinische Studien ist die wissenschaftliche Expertise in den USA derzeit größer als in Deutschland.“ Nicht zuletzt erhofft sie sich dadurch eine raschere Zulassung und einen schnelleren Zugang zum amerikanischen Markt.

Was nicht heißt, dass sie Deutschland den Rücken kehren will. „Berlin als Wissenschaftsstandort hat sehr viel zu bieten“, schwärmt sie. Aus den zahlreichen Forschungsinstituten, Universitäten und der Charité gehen viele Forscherinnen und Forscher hervor, die T-knife rekrutieren könne. San Francisco sei der Schlüssel zum amerikanischen Markt – Elisa Kieback will jedoch auf den Weltmarkt.

Einzigartige Technologie mit riesigem Potenzial

Sie ist zuversichtlich, dass das gelingt. „Wir verfügen über eine einzigartige Technologie, die Thomas Blankenstein entwickelt hat“, erklärt sie selbstbewusst. „Auch Leute, die nicht aus der Biotechnologie kommen, erkennen sehr schnell, dass sie etwas ganz Besonderes und Neuartiges ist – mit großem Wachstumspotenzial in medizinischer wie ökonomischer Hinsicht.“ Deshalb habe sie die Investoren überzeugen können. Ohne das viele Geld wäre es auch gar nicht gegangen. „Diese Form der Therapie ist sehr kapitalintensiv“, erklärt sie. Für die klinische Studie, die sie an der Charité zum Laufen gebracht hat, stellte das Bundesforschungsministerium vier Millionen Euro zur Verfügung. „Das erscheint viel und ist auch eine tolle Unterstützung. Im Zelltherapiebereich ist das Geld aber ganz schnell weg, wenn man ein echtes Produkt entwickeln möchte, das vielen Patienten zu Gute kommt.“ Die klinische Studie, das Monitoring, die Herstellung der patientenindividuellen Zellprodukte – das ist absolutes Neuland und kostet eine ganze Menge. Die Gründung sei deshalb unausweichlich gewesen, um Geld für die weitere Entwicklung einwerben zu können. Ihr Budgetplan steht jetzt bis 2023.

Erfindungen brauchen Unternehmer

Mit ihrer neuen Rolle als Unternehmerin hadert Elisa Kieback kein bisschen. „Wir brauchen im Forschungsumfeld eine viel größere Offenheit dafür, dass Unternehmertum gebraucht wird, damit Erfindungen den Sprung aus der Forschung in die Anwendung schaffen“, ist sie überzeugt. Außerdem forsche sie ja weiter – wenn auch mit einem anderen Fokus: weg von der Grundlagenforschung, die die Basis gebildet hat, hin zu neuen Produktkandidaten und letztlich neuen Therapeutika.

Forschen wollte sie schon immer und hat sich deshalb nach dem Abitur für ein Biologiestudium in Heidelberg entschieden. Nach einem Erasmusjahr in Schottland schrieb sie ihre Diplomarbeit am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). 2004 bewarb sie sich für das PhD-Programm am MDC in Uckerts Arbeitsgruppe zur Zellulären Gentherapie. „Gentherapie hat mich total fasziniert“, erzählt sie. „In den 2000-er Jahren war es ein großer Hype, dass man Krankheiten heilen kann, indem man kaputte Gene repariert und neue Gene in die Zelle einschleust. Das wollte ich auch.“ Für ihre Doktorarbeit entwickelte sie eine Art Sicherheitsschalter, mit dem eine Zell- und Gentherapie im Fall unerwünschter Nebenwirkungen gestoppt werden kann.

Rollenmodell für Frauen in Wissenschaft und Wirtschaft

Irgendwann wollte sie neue Karrierewege gehen und bewarb sich deshalb als Studienkoordinatorin in der Arbeitsgruppe von Thomas Blankenstein. „Das war ein Allroundjob, der den großen Vorteil hatte, dass ich in viele Bereiche reinschnuppern konnte“, erinnert sie sich. Als sie von Blankensteins Gründungsabsichten hörte, war sie sofort begeistert und dabei. Es macht ihr Spaß, Teams aufzubauen, zu erkennen, wer welche Stärken und Schwächen hat, Menschen zu fördern und in ihrer Karriere zu unterstützen. Was ihr sehr wichtig ist: „Vorbild zu sein für Frauen in Wissenschaft und Wirtschaft. Ich wusste nicht, dass mich das reizt. T-knife hat mir dazu verholfen.“ Parallel dazu möchte sie unbedingt herausfinden, ob die T-knife-Technologie für die Patient*innen wirklich funktioniert. Das werden am Ende erst die klinischen Daten zeigen. „Doch für unsere Plattform haben wir die allerbesten Voraussetzungen geschaffen, um sie optimal zu testen. Das ist das, was mich antreibt“, betont sie.

Das atemberaubende Tempo, das T-knife an den Tag legt, bedeutet, sich konstant zu verändern. Muss man aushalten können. Es ist nicht immer leicht zu managen, wenn aus 20 Mitarbeiter*innen binnen kürzester Zeit 40 werden. „Aber ich bin ein Mensch, der eher von und mit Bewegung lebt als mit Stillstand. Stillstand frustriert mich“, sagt sie und lacht ein bisschen.

Von Stillstand kann vorerst keine Rede sein. Im Juli bringt sie ihr zweites Kind auf die Welt. Und wenn im nächsten Jahr tatsächlich alles ein bisschen ruhiger werden sollte, hofft sie, wieder Zeit für ihr Hobby zu finden: das Tanzen. Passt zu ihr, vereinen sich darin doch harte Arbeit und schwebende Leichtfüßigkeit.  

Text: Jana Ehrhardt-Joswig

Mehr Informationen

Website von T-knife

Film "Der lange Atem" - ein Film mit Thomas Blankenstein, Elisa Kieback, Mathias Leisegang, Antonio Pezzutto und Wolfgang Uckert

heilen / 08.06.2021
Diagnose Hirntumor: Live-Chat mit Neurochirurgin Prof. Dr. Yu-Mi Ryang am 16. Juni

Chefärztin der Neurochirurgie im Helios Klinikum Berlin-Buch Prof. Dr. med. Yu-Mi Ryang informiert im Live-Chat rund um das Thema Tumor im Kopf. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Chefärztin der Neurochirurgie im Helios Klinikum Berlin-Buch Prof. Dr. med. Yu-Mi Ryang informiert im Live-Chat rund um das Thema Tumor im Kopf. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

Jeden Tag wird bei rund 20 Menschen in Deutschland ein bösartiger Hirntumor diagnostiziert und kann Menschen in jedem Lebensalter treffen. Zum Welthirntumortag am 8. Juni haben Patient:innen und Interessierte die Möglichkeit, ihre Fragen rund um das Thema Tumor im Kopf direkt im Live-Chat an die Chefärztin der Neurochirurgie im Helios Klinikum Berlin-Buch Prof. Dr. med. Yu-Mi Ryang, zu stellen.

Schockdiagnose Hirntumor: Wie geht man damit um und was bedeutet ein chirurgischer Eingriff am Gehirn? „Hirntumore gehören zwar zu den selteneren Erkrankungen, bedeuten aber eine besondere Herausforderung für die Betroffenen. Deshalb ist es wichtig, über die mögliche Behandlung und ihre Grenzen zu sprechen. Mit modernsten Verfahren der Neuromedizin können wir in vielen Fällen den Patienten spürbar Erleichterung verschaffen“, sagt Professor Ryang. Mit dem Begriff „Hirntumor“ werden alle Tumore im Gehirn oder Kopf beschrieben, die man u.a. in gutartig und bösartig und in hirneigen und nicht hirneigen unterteilen kann. Der häufigste bösartige Hirntumor bei Erwachsenen ist das Glioblastom. „Zum Welthirntumortag möchten wir ein Zeichen für Hirntumorpatienten setzen und über mögliche Krankheitsverläufe und Heilungschancen aufklären,“ so Prof. Dr. Ryang. 

Live-Chat und Fragen
Der Hirntumor-Live-Chat findet am Mittwoch, 16.06.2021 um 17:00 Uhr auf Facebook statt. Chefärztin Prof. Dr. med. Yu-Mi Ryang, erklärt die wichtigsten Themenbereiche wie Krankheitsbild, Diagnose, Therapie und Behandlungsschritte und lässt viel Raum für Fragen. Stellen Sie uns Ihre Fragen gerne bereits vorab via Facebook und Instagram und schalten am 16. Juni ein. 

Link zur Facebook Veranstaltung

Welthirntumortag 

Der Welthirntumortag wurde von der gemeinnützigen Organisation Deutsche Hirntumorhilfe initiiert, um auf die schwierige Situation von Betroffenen aufmerksam zu machen. Weitere Informationen und Aktionen zum Welthirntumortag unter: www.hirntumorhilfe.de

Mehr über die Neurochirurgie im Helios Klinikum Berlin-Buch:

www.helios-gesundheit.de/kliniken/berlin-buch/unser-angebot/unsere-fachbereiche/neurochirurgie/

investieren, leben / 08.06.2021
Konzept für Gebietsentwicklung Buch-Süd noch bis 23. Juni online

Abbildung: Bezirksamt Pankow
Abbildung: Bezirksamt Pankow

Stadt der kurzen Wege - Schwammstadt - Holzbauweise: Quartier mit neuem Charakter für Buch

Zwischen der Wolfgang-Heinz-Straße, der Panke und der Autobahn soll ein autoarmes Wohnquartier mit rund 650 Wohneinheiten, einer Kita und Gewerbeflächen für den Biomedizinischen Campus Berlin Buch errichtet werden. Wie kann ein vielfältiges und nachhaltiges Quartier aussehen, das eine Verknüpfung zu den Nachbarschaften schafft und sich in den umgebenden Landschaftraum einfügt?

Hier gibt es Überlegungen, eine „Stadt der kurzen Wege“ zu etablieren, die auf eine Nutzungsvielfalt und dem Nebeneinander von Wohnen, Versorgung, Arbeit und Erholung setzt. Das Konzept soll für den Wohnungsbau eine lockere Anordnung der Gebäude zum Waldbereich an der Panke und eine Durchlässigkeit zum Grünraum des zukünftigen Pankeparks gewährleisten. Um den ruhenden Verkehr zu bündeln, ist eine Quartiersgarage geplant. Nach dem Prinzip der „Schwammstadt“ soll ein abflussloses Stadtquartier entwickelt werden – das Regenwasser wird als eine Ressource verstanden. Dächer und Teile der Fassaden sollen begrünt werden und einen Betrag zu Steigerung der Biodiversität, Kühlung und Rückhaltung des Regenwassers leisten. Die Dächer eigenen sich auch für die Gewinnung regenerativer Energien, diese Qualität soll genutzt werden. Durch die offene Bebauungsstruktur soll sichergestellt werden, dass das neue Stadtquartier in Hitzeperioden durch die Umgebungsluft gekühlt wird. Ein grüner Saum wird für den ökologischen Ausgleich von Eingriffen in Natur und Landschaft einen wichtigen Beitrag leisten. Bei der weiteren Planung werden auch die Anwendung von Holzbauweise und die Verwendung kreislauffähiger Baumaterialien Thema sein. Weiterhin spielt die Energieeffizienz von Gebäuden eine bedeutende Rolle zur Erreichung der Klimaziele Berlins. Entsprechend soll eine innovative und effiziente Energieversorgung vorgesehen und die Gebäude mit einem hohen Energiestandard ausgestattet werden.

Online-Beteiligung bis 23. Juni 2021

Die Planungen der vertiefenden städtebaulichen Studie für Buch-Süd werden vom 2. - 23. Juni 2021 auf dem Portal mein.berlin.de vorgestellt. Alle Interessierten sind eingeladen, Hinweise und Ergänzungen für die weitere Ausarbeitung mitzuteilen.

Hier geht es zum Projekt Buch-Süd: https://mein.berlin.de/projekte/gebietsentwicklung-buch-sud-bezirk-pankow/

Auswertung des Online-Beteiligungsverfahrens

Die Hinweise aus der Online-Beteiligung werden inhaltlich ausgewertet und fließen gebündelt in die weitere Bearbeitung der städtebaulichen Studie ein. Im Zuge der Abwägung von verschiedenen Interessen (Einzelinteressen, lokale Interessen, Gemeinwohl- bzw. Interesse der Gesamtstadt etc.) erfolgt eine Ergänzung oder Anpassungen der bisher aufgenommenen Planungsinhalte.

Die abschließende Fassung der städtebaulichen Studie soll vom Bezirksamt Pankow von Berlin beschlossen werden und damit Grundlage für das weitere Planungsverfahren und die fortlaufende Beteiligung der Öffentlichkeit werden.

Hintergrund:

Seit 2010 verzeichnet das Land Berlin eine kontinuierliche Bevölkerungszunahme, die eine verstärkte Nachfrage nach Wohnraum auslöst. Dieses dynamische Wachstum bietet für den Ortsteil Buch die Chance und die Herausforderung, geeignete Wohnbaupotenziale zu erschließen und durch entsprechende Planungen auch Verbesserungen für die bestehenden Quartiere im Ortsteil zu erreichen. Die seit 2009 bestehenden Förderprogramme Stadtumbau / nachhaltige Stadtentwicklung ermöglichten und ermöglichen hier bereits die Umsetzung wichtiger Maßnahmen mit dem Schwerpunkt der Erneuerung und Qualifizierung der Infrastruktur. Weitere Herausforderungen stellen u.a. die Umwandlung des ehemaligen THW-Geländes neben der Panke zu einem Park und die Nutzung der ehem. Industriebahntrasse als Wegeverbindung dar. Daher sind die Konzepte für Buch-Süd mit den weiteren Planungen aus der Umgebung zu den Themen Verkehr, soziale Infrastruktur und Grünflächen aufeinander abzustimmen.

Nachdem die städtebauliche Rahmenplanung für das zentrale und südliche Gebiet von Buch durch das Bezirksamt am 5. Mai 2020 beschlossen wurde, sollen durch eine vertiefende städtebauliche Studie Vorschläge für die Weiterentwicklung der Wohnsiedlung Buch IV und die Aktivierung der Flächenpotenziale im Bereich zwischen der Ernst-Busch-Straße und dem südlich gelegenen Kappgraben gemacht werden.
 

Quelle: mein.berlin.de

bilden / 08.06.2021
Ein Ferientag zum Thema BIENEN

Campusprojekt mit der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde: Wildblumenwiese, um Insekten noch mehr Nahrung zu bieten (Foto: David Außerhofer)
Campusprojekt mit der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde: Wildblumenwiese, um Insekten noch mehr Nahrung zu bieten (Foto: David Außerhofer)

Kaum wird es wärmer und die ersten Blüten lassen sich sehen, summt und brummt es in Gärten und Grünanlagen. Bienen fliegen in gewagten Flugmanövern von Blüte zu Blüte, sammeln Nektar und bestäuben dabei die Blüten. Tänzelnd zeigen sie anderen Bienen, wo die besten Futterstellen zu finden sind.

Das Gläserne Labor, die Stadtteilbibliothek Buch und Spielkultur Berlin-Buch e.V. laden Kinder zwischen sechs und zehn Jahren zu einem Ferientag rund um die Biene ein. Dabei gibt es viele spannende Dinge zu erfahren: Welche Obst- und Gemüsesorten gäbe es ohne die bestäubenden Insekten nicht? Wie leben Bienen? Wie sind die Augen von Bienen aufgebaut und wie sehen Bienen?

Wissen aus Büchern und Experimenten
Um ihr Wissen zu erweitern, stöbern die Kinder zunächst in der Bibliothek in bereitgestellten Medien. Dort stehen auch Experimente bereit: Wer schon immer mal wie eine Biene sehen wollte, darf durch ein Facettenauge gucken und Blüten auf dem UV-Lichttisch ansehen. Mit allen Sinnen geht es weiter beim Honigtest: Hier erfahren die Kinder, wie unterschiedlich Honige riechen, schmecken und aussehen können.

Lebensräume der Bienen kennenlernen
Die nächste Station ist der grüne Campus Berlin-Buch. Hier dürfen die Kinder den Alltag der Bienen am Bienenstock des Gläsernen Labors beobachten. Sie können das Innenleben des Stocks erforschen und sogar Honigproben entnehmen.

Zahlreiche Wildbienenarten leben nicht als Volk zusammen, sondern sind Einzelgänger und bevorzugen Nistplätze an verschiedensten Orten. Insektenhotels können den Wildbienen helfen, sich anzusiedeln. Doch dabei gilt es, geeignete Materialien zu verwenden und die Inneneinrichtung richtig anzulegen. Die Experten dafür finden sich auf dem Abenteuerspielplatz Moorwiese. An dieser letzten Station des Ferientages kann jedes Kind sein eigenes Insektenhotel bauen – und mit nach Hause nehmen.

Termine: 4. August 2021; 5. August 2021 & 6. August 2021, jeweils 9 bis 17 Uhr

Geeignet für Kinder von 6 bis 10

Dauer: Eintägig

Begrenzte Teilnehmerzahl. Anmeldung erforderlich.
Anmeldung und weitere Informationen:
Stadtteilbibliothek Buch bei Doreen Tiepke unter doreen.tiepke@ba-pankow.berlin.de unter Benennung des Wunschtermins

Anmeldefrist bis zum 20. Juli 2021

Veranstaltungsort: Der Kurs findet in Berlin-Buch in der Stadtteilbibliothek, im Gläsernen Labor auf dem Campus Berlin-Buch und auf der Moorwiese statt.

Kosten: keine

Die Ferientage zum Thema BIENEN werden von der HOWOGE gefördert.

Zur Corona Pandemie: Die Veranstaltung findet zumeist draußen oder in großen, belüfteten Räumen statt, so dass Abstand gewahrt werden kann. Die Gruppe wird eine Anzahl von 12 Kindern und zwei Dozenten nicht übersteigen. Wir bitten um das Tragen eines Mundschutzes und regelmäßiges Händewaschen.

produzieren, heilen / 08.06.2021
Eckert & Ziegler-Verbundunternehmen erhält zusätzliche NIAID-Förderung für pharmazeutische Entwicklung

Myelo Therapeutics GmbH, ein Verbundunternehmen von Eckert & Ziegler (ISIN DE0005659700, TecDAX), hat von der NIAD, einer Zweigstelle der amerikanischen Gesundheitsbehörde, weitere finanzielle Mittel zur Entwicklung seiner Wirkstoffkomponente Myelo001 erhalten. Aufgrund einer Aufstockung der bestehenden Vereinbarung erhält Myelo Therapeutics jetzt zusätzlich 2 Millionen US-Dollar für die klinische Entwicklung zur Behandlung des Hämatopoetischen Akuten Strahlensyndroms (H-ARS). Der Rahmenvertrag, der im April 2020 unterzeichnet wurde, umfasst nunmehr ein Volumen von bis zu 6,2 Mio. US$.

Mit den Mitteln wird unter anderem die Entwicklung von Myelo001 als H-ARS-Monotherapie in Richtung einer Investigational New Drug Application bei der U.S. Food and Drug Administration (FDA) vorangetrieben. Die Gelder für die Entwicklung werden ganz oder teilweise durch das Radiation and Nuclear Countermeasures Program der NIAID finanziert. Nur eine ausgewählte Anzahl von Unternehmen wird auf der Grundlage eines hoch kompetitiven Bewerbungsverfahrens gefördert.

Über das Akute Strahlensyndrom (ARS)
Das akute Strahlensyndrom (ARS), auch Strahlentoxizität oder Strahlenkrankheit genannt, ist eine Erkrankung, die auftritt, wenn große Teile des Körpers einer hohen Strahlenbelastung ausgesetzt sind. Das Hauptmerkmal von ARS ist die Zerstörung von hämatopoetischen Stamm- und Vorläuferzellen, eine der Hauptursachen für die Sterblichkeit. Die US-Regierung fördert die Entwicklung neuer Medikamente zur Behandlung von körperlichen Schäden, die durch ARS entstehen.

Über Myelo Therapeutics
Myelo Therapeutics entwickelt in Berlin innovative Therapien mit hohem medizinischem Bedarf z.B. gegen chemotherapieinduzierte Myelosuppression, strahleninduzierte Myelosuppression und ARS. Sein Leitkandidat Myelo001 ist ein adjuvantes Krebstherapeutikum im klinischen Stadium zur Behandlung von chemotherapie- und strahlentherapieinduzierter Myelosuppression. Er wird als orale Tablettenformulierung verabreicht und ist bei Raumtemperatur für mindestens drei Jahre stabil. Präklinische und klinische Studien haben gezeigt, dass Myelo001 sowohl prophylaktisch als auch therapeutisch wirksam ist, um durch Strahlen- und Chemotherapie verursachte hämatopoetische Symptome zu reduzieren. Eckert & Ziegler ist einer der größten Anteilseigner von Myelo und unterstützt einen wesentlichen Teil der Entwicklungsaktivitäten. www.myelotherapeutics.com.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit rund 800 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet. www.ezag.com

forschen / 07.06.2021
RNA-Moleküle in Raum und Zeit beobachten

Einzellembryo des Zebrafisches: Die MDC-Forschungsgruppe fand darin zahlreiche lokalisierte Gene. Viele ihrer Erbinformationen wandern in die Vorläuferzellen der späteren Keimzellen.  © AG Junker, MDC
Einzellembryo des Zebrafisches: Die MDC-Forschungsgruppe fand darin zahlreiche lokalisierte Gene. Viele ihrer Erbinformationen wandern in die Vorläuferzellen der späteren Keimzellen. © AG Junker, MDC

Einem MDC-Team ist es gelungen, im Einzellembryo des Zebrafisches Gene in Raum und Zeit zu beobachten – noch bevor die Zellteilung einsetzt. Im Fachjournal „Nature Communications“ stellen sie eine Methode vor, mit der künftig beispielsweise auch in Organoiden gemessen werden könnte, wie Zellen auf Medikamente reagieren.

Zu keinem späteren Zeitpunkt offenbart sich das „Wunder des Lebens“ so sehr wie an seinem Anfang: wenn die befruchtete Eizelle sich zu Blastomeren furcht, mit einer Fruchtblase umhüllt, Keimblätter ausfaltet. Wenn die Blastomere beginnen, zu unterschiedlichen Zellen zu differenzieren. Wenn aus ihnen schließlich ein kompletter Organismus wird.

„Wir wollten herausfinden, ob die späteren Unterschiede zwischen den verschiedenen Zellen zum Teil bereits in der befruchteten Eizelle angelegt sind“, sagt Dr. Jan Philipp Junker, der am Berliner Institut für Systembiologie (BIMSB) des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) die Arbeitsgruppe „Quantitative Entwicklungsbiologie“ leitet. Mit seinem Team untersucht Junker, wie Zellen Entscheidungen treffen und wovon es abhängt, ob sie zu Nerven-, Muskel- oder Hautzellen werden. Dafür erstellen die Wissenschaftler*innen Stammbäume von Zellen, mit denen sie Herkunft und Zelltyp für Tausende einzelner Zellen aus einem Organismus bestimmen können. Anhand dieser Stammbäume können sie nachvollziehen, wie und auf welchen Wegen Zellen sich zu einem funktionierenden Organismus zusammenfügen oder wie sie auf Störungen reagieren.

Baupläne für verschiedene Zelltypen stecken schon im Einzellembryo

Doch diese Spurensuche mittels Zellstammbäumen setzt an einem späteren Zeitpunkt an – nämlich dann, wenn Zellteilung und -differenzierung eingesetzt haben. Zudem werden dabei große Zeiträume – über Monate oder Jahre hinweg – betrachtet. In ihrer aktuellen Studie, die gerade im Fachjournal „Nature Communications“ erschienen ist, legt Junkers Forschungsgruppe ihr Augenmerk auf eine sehr kurze Zeitspanne: auf die ersten Stunden nach der Befruchtung, vom Einzellstadium bis zur Gastrulation – der Ausbildung der Keimblätter – des Embryos. Die Wissenschaftler*innen wollten wissen, ob in der einzelnen Zelle bereits Teile des Bauplans für die vielen verschiedenen Körperzellen stecken, die sich später aus ihr bilden. Sie arbeiteten dafür mit Zebrafisch- und mit Klauenfroschembryonen. Schon zuvor war es Forschenden gelungen, einzelne Gene zu finden, deren RNA innerhalb der Einzellembryonen des Zebrafisches an bestimmten Stellen lokalisiert ist. Die Berliner Wissenschaftler*innen haben nun nachgewiesen, dass es noch viel mehrsolcher Gene gibt. „Wir haben zehnmal mehr Gene entdeckt als bislang bekannt, deren RNA in der befruchteten Eizelle räumlich lokalisiert ist“, erklärt Karoline Holler, Erstautorin der Studie. „Viele dieser RNA-Moleküle werden später in die Vorläuferzellen der Keimzellen transportiert. Das bedeutet, dass schon in der befruchteten Eizelle das Programm für die spätere Zelldifferenzierung angelegt ist.“  

Neue Ansätze für die Transkriptomik

Die Zelldifferenzierung lässt sich mit modernen Methoden der Einzelzell-Transkriptomik sehr gut nachvollziehen. Wissenschaftler*innen ordnen dafür einzelne Zellen nach der Ähnlichkeit ihrer Transkriptome – das sind sämtliche in der Zelle enthaltenen RNA-Moleküle – und können anhand der sich dabei bildenden Muster bestimmen, auf welchen Wegen die Zellen zu dem geworden sind, was sie sind. Die ersten Schritte in der Embryonalentwicklung können sie damit allerdings nicht nachvollziehen, denn hier ist die räumliche Anordnung von RNA-Molekülen entscheidend. Dafür griff das Team auf eine Technik namens „Tomo-seq“ zurück, die Jan Philipp Junker 2014 am Hubrecht Institute in den Niederlanden entwickelt hat. Damit ist es möglich, RNA-Moleküle räumlich innerhalb der Zelle zu verfolgen. Das funktioniert, indem die Wissenschaftler*innen Embryonen der Modellorganismen in dünne Scheiben schneiden. Entlang der Schnittflächen können sie die RNA-Profile ablesen und in räumliche Expressionsmuster umrechnen. Karoline Holler verfeinerte diese Technik so, dass nun auch die räumliche Verteilung des Transkriptoms in der befruchteten Eizelle gemessen werden kann.

Mit einer zweiten neuen Methode untersuchten die Wissenschaftler*innen, zu welchen Zellen die lokalisierten Gene später beitragen. „Um die RNA-Moleküle über verschiedene Entwicklungsstadien zu verfolgen, markieren wir sie. So können wir sie nicht nur im Raum, sondern auch im Lauf der Zeit beobachten“, erläutert Jan Philipp Junker. Auf diese Weise können die Wissenschaftler*innen die RNA, die seitens der Mutter in den Embryo gelegt wird, von der RNA unterscheiden, die der Embryo selbst bildet. Diese „scSLAM-seq“ genannte Methode zur Markierung von RNA wurde am BIMSB in den Arbeitsgruppen von Professor Markus Landthaler und Professor Nikolaus Rajewsky verbessert, so dass nun eine Anwendung im lebenden Zebrafisch möglich ist. „Das Labeling von RNA-Molekülen erlaubt es uns, mit hoher Präzision zu messen, wie sich die Genexpression in einzelnen Zellen verändert, beispielsweise nach einem experimentellen Eingriff“, erläutert Junker.

Wie wirken sich Medikamente auf die Zelldifferenzierung aus?

Mit RNA-Labeling eröffnen sich ganz neue Wege, um beispielsweise die Wirkungsweise medikamentöser Therapien zu erforschen. „Wir können damit in Organoiden untersuchen, wie verschiedene Zelltypen auf Substanzen reagieren“, erklärt der Physiker. Für langfristige Veränderungsprozesse sei die Methode nicht geeignet. „Aber wir sehen, welche Gene sich innerhalb von fünf bis sechs Stunden nach der Behandlung verändern. So können wir versuchen zu verstehen, wie wir die Zelldifferenzierung beeinflussen können.“ 

Auch die räumliche Analyse hat medizinische Relevanz: Auf lange Sicht könnte sie für die Erforschung solcher Krankheiten geeignet sein, die auf fehllokalisierte RNA zurückzuführen sind, beispielsweise Krebs oder neurodegenerative Erkrankungen. Bei ihnen werden viele Moleküle durch die Zelle transportiert. „Wenn wir diese Transportprozesse verstehen, dann können wir möglicherweise Risikofaktoren für diese Krankheiten bestimmen“, erklärt Karoline Holler. Doch das ist Zukunftsmusik. „Bis der Zebrafisch-Einzellembryo als Modellsystem für menschliche neurodegenerative Erkrankungen genutzt werden kann, ist es noch ein sehr weiter Weg“, betont Jan Philipp Junker. 

Vorerst wollen die Wissenschaftler*innen die Mechanismen zur Lokalisierung der RNA entschlüsseln: Worin unterscheidet sich die aufgespürte RNA von den Transkripten, die sonst noch in der Zelle stecken? Zusammen mit der Arbeitsgruppe von Professorin Irmtraud Meyer am BIMSB will Junkers Team die Sequenzmerkmale der lokalisierten RNA charakterisieren. Mithilfe von Algorithmen wollen sie vorhersagen, ob die lokalisierten Gene eine zwei- oder dreidimensionale Faltung gemeinsam haben. Darüber hinaus arbeiten sie daran, ihre Methode so weiterzuentwickeln, dass sie auch in anderen Systemen als dem Zebrafisch-Einzellembryo zum Einsatz kommen kann.

Weitere Informationen

AG Junker, Quantitative Entwicklungsbiologie
AG Landthaler, RNA-Biologie und Posttranskriptionale Regulation
AG Meyer, Bioinformatik der RNA-Struktur und Transkriptomregulierung
AG N. Rajewsky, Systembiologie von Gen-regulatorischen Elementen

Wie Zellen Entscheidungen treffen

Literatur

Karoline Holler et al (2021): „Spatio-temporal mRNA tracking in the early zebrafish embryo“, Nature Communications, DOI: 10.1038/s41467-021-23834-1

forschen / 04.06.2021
130 Aha-Momente am 5. Juni 2021: wissenschaftliche Einrichtungen präsentieren sich digital

Auch wenn die Lange Nacht der Wissenschaften in diesem Jahr mit Präsenzveranstaltungen noch einmal aussetzen muss, am 5. Juni präsentieren wissenschaftliche Einrichtungen 130 digitale Programmpunkte auf langenachtderwissenschaften.de und sorgen damit für viele Aha-Momente. In einer LNDW-Sondersendung von radioeins berichten Expert*innen aus den Forschungsbereichen Mensch, Natur und Technik.

Die Programmpunkte zeigen das breite Spektrum der Berliner Forschungslandschaft auf und bieten mit einer Auswahl an Vorträgen, virtuellen Touren, Konzerten, einem Pubquiz und Speed-Dating ein abwechslungsreiches Angebot − rein digital. Umweltthemen, medizinischer Fortschritt, archäologische Forschungsreisen und Murphys Law, kaum ein Themenfeld, das nicht erkundet werden kann:

• Ob Zero-Waste in einer Stadt wie Berlin überhaupt praktikabel ist, fragt zum Beispiel die Humboldt-Universität Expert*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gastronomie.
• Dass das als klimaschädlich bekannte Kohlendioxid auch ein Rohstoff sein könnte, aus dem sich Kraftstoffe und Chemikalien herstellen lassen, wird bei einer virtuellen Tour im Helmholtz-Zentrum Berlin erklärt.
• Wie erfolgreiche Influencer*innen Partnerschaftsvorstellungen der 50er reproduzieren, verfolgt die Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft.
• Wie ein 3D-Rundgang in einer türkischen Tempelanlage aussieht, zeigt die Beuth-Hochschule.
• Wie man Maschinen mit Algorithmen dazu bringt, eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen und wo dabei die Grenzen liegen, wird im Zuse-Institut Berlin ergründet.
• Die Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung verrät, wie sich Sütterlin & Co entziffern lassen.

Auch für Kinder und Jugendliche werden besondere Programmpunkte angeboten:
• Bist du eher Dichter*in oder Denker*in fragt zum Beispiel das Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft Kinder zwischen 5 und 12 Jahren.
• Die Frage, ob es für uns Menschen einen Bauplan gibt, können Kinder ab 12 Jahren zusammen mit dem Gläsernen Labor auf dem Campus Berlin Buch beantworten.

Eine Sondersendung von radioeins wird am 5. Juni 2021 von 19 bis 23 Uhr live aus dem Futurium in Berlin ausgestrahlt. In der vierstündigen Sendung kommen Wissenschaftler*innen mit ihren spannenden Projekten zu Wort. Die radioeins-Reporterin hat sich zum Beispiel angeschaut, wie an der Technischen Universität ein Lungenmodell am 3D-Drucker produziert wird, um daran Impfstoffe zu erforschen. Auf dem Gelände der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in Horstwalde macht sie sich zudem auf die Spur nach dem grünen Wasserstoff.

Folgende Einrichtungen beteiligen sich mit digitalen Angeboten:
• Beuth Hochschule für Technik Berlin
• Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung (BBF) des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation
• Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)
• Bundesinstitut für Risikobewertung
• Forschungsverbund Berlin e.V.
• Futurium
Gläsernes Labor/Campus Berlin-Buch GmbH
• Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH
• HMKW Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft
• Humboldt-Universität zu Berlin
• Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS)
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft
• Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene
• Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie
• Stiftung Planetarium Berlin
• Technische Universität Berlin
• Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik (WIAS)
• Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS)
• Zuse-Institut Berlin (ZIB)

Alle Informationen zu den digitalen Programmpunkten sind auf der LNDW-Website unter www.langenachtderwissenschaften.de veröffentlicht.

Über die Lange Nacht der Wissenschaften Berlin | Potsdam
Die Lange Nacht der Wissenschaften (LNDW) findet seit 2001 jährlich statt. 2022 ist sie für den 2. Juli geplant. Organisiert und finanziert wird die Lange Nacht der Wissenschaften weitgehend von den beteiligten wissenschaftlichen Einrichtungen selbst. Darüber hinaus wird sie von zahlreichen Partnern unterstützt, insbesondere von der Senatskanzlei – Wissenschaft und Forschung, Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH und der Technologiestiftung Berlin. 2021 konnten zusätzlich Siemens und Bayer als Unterstützer gewonnen werden.

 

produzieren / 03.06.2021
Eckert & Ziegler und Telix Pharmaceuticals schließen Vertrag zur gemeinsamen Vermarktung eines Prostatakrebs-Diagnostikums in den Vereinigten Staaten

Eckert & Ziegler (ISIN DE0005659700, TecDAX) und Telix Pharmaceuticals (Telix) werden bei der Vermarktung von GalliaPharm® (68Ge/68Ga Generator) und Illuccix® (Kit zur Herstellung von Ga-68 PSMA-11 Injektion) in den USA eng zusammenarbeiten. Ein entsprechender Vertrag, wurde jetzt von beiden Unternehmen unterzeichnet. Illuccix® ist ein Präparat für die Bildgebung von Prostatakrebs mit Positronen-Emissions-Tomographie (PET), das derzeit in mehreren Märkten weltweit, darunter auch in den Vereinigten Staaten, zur Zulassung geprüft wird.

Eckert & Ziegler und Telix werden ihre bestehende Zusammenarbeit ausbauen, um den Zugang zur Ga-68 Versorgung in den Vereinigten Staaten weiter voranzutreiben. Im Rahmen der Vereinbarung werden Eckert & Ziegler und Telix die Kombination von GalliaPharm® und Illuccix® an nationale Radiopharmazie-Netzwerke, kommerzielle Apothekenketten, Krankenhausapotheken und andere Zielinstitutionen vermarkten.

"Nachdem wir vor kurzem für Illuccix® die exklusiven Vertriebsrechte für Deutschland erhalten haben, markiert diese Kooperation einen weiteren wichtigen Meilenstein für unser Ga-68 Generatoren Geschäft sowie unsere nuklearmedizinischen Aktivitäten,“ erklärte Dr. Harald Hasselmann, Eckert & Ziegler Vertriebsvorstand und verantwortlich für das Segment Medical. "Wir freuen uns, gemeinsam mit Telix die Versorgung von Prostatakrebspatienten in den Vereinigten Staaten sicherzustellen."

"Die enge Zusammenarbeit zwischen den Eckert & Ziegler und Telix Vertriebsteams wird uns dabei helfen, die 68Ga-PSMA-Bildgebung in den USA einzuführen. Vorbehaltlich der FDA-Zulassung werden wir gemeinsam das Bewusstsein für dieses innovative bildgebende Verfahren erhöhen und Prostatakrebspatienten in den USA den Zugang zu dieser Diagnosemethode erleichtern", ergänzte Dr. Bernard Lambert, Präsident von Telix Americas.

Nach der Marktzulassung soll Illuccix® als sogenannte Kit-Präparation für die Diagnose von Prostatakrebs angeboten werden. Illuccix® ermöglicht eine Markierung von PSMA-11 mit dem Radionuklid Ga-68 durch das medizinische Personal, direkt vor Verabreichung. Nach Fertigstellung des Radiopharmazeutikums und Injektion in den Patienten können Tumore, die das sogenannte Prostataspezifische Membranantigen aufweisen, mittels Positronen-Emissions-Tomographie (PET) genau lokalisiert werden.(1), (2)

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern in Deutschland, die mit etwa 68.000 Fällen im Jahr 2020, eine deutlich höhere Inzidenz als Lungenkrebs (38.000 Neuerkrankungen) oder Darmkrebs (31.000 Neuerkrankungen) (3) aufweist. Prostatakrebs ist die zweithäufigste Krebstodesursache bei Männern. Im Jahr 2020 starben in Deutschland über 15.000 Männer an Prostatakrebs. Im gleichen Jahr lebten in Deutschland schätzungsweise 290.000 Prostatakrebspatienten.

  1. Fendler W et al. JAMA Oncol. 2019; 5(6): 856-863.
  2. Hofman M et al. The Lancet. 2020; 395: 1208-1216.
  3. IARC Global Cancer Observatory, 2020.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit rund 800 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet. www.ezag.com

Über Telix Pharmaceuticals
Telix ist ein biopharmazeutisches Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von diagnostischen und therapeutischen Produkten mittels Molecularly Targeted Radiation (MTR) spezialisiert hat. Telix hat seinen Hauptsitz in Melbourne, Australien und internationale Niederlassungen in Belgien, Japan und den Vereinigten Staaten. Telix entwickelt ein Portfolio von Produkten, die sich in der klinischen Phase befinden und einen bedeutenden, bisher ungedeckten medizinischen Bedarf in der Onkologie und bei seltenen Krankheiten adressieren. Telix ist an der Australian Securities Exchange (ASX: TLX) notiert. www.telixpharma.com 

Über Illuccix®
Das führende Entwicklungsprodukt von Telix, Illuccix® (TLX591-CDx) für die Bildgebung bei Prostatakrebs, wurde von der US-amerikanischen FDA zur Einreichung angenommen und wird von der australischen Therapeutic Goods Administration (TGA) vorrangig geprüft. Telix arbeitet außerdem an den Zulassungsanträgen für Illuccix® in der Europäischen Union und in Kanada.

forschen / 02.06.2021
Einzelzellen, RNA und die Zukunft der Medizin

Drei Tage, zwei Veranstaltungen: Forscher*innen, Vertreter*innen der Industrie und Politik sowie die Öffentlichkeit sind am 16./17. Juni zur LifeTime-Konferenz 2.0 und am 18. Juni zum Berlin Summer Meeting 2021 eingeladen, um neueste Technologien, Werkzeuge und Methoden der Krankheitsbehandlung zu diskutieren.

Die zweite LifeTime-Konferenz tut sich in diesem Jahr Berlin Summer Meeting zusammen. Veranstalter der beiden spannenden virtuellen Events vom 16. bis 18. Juni ist das Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). 

Während der LifeTime-Konferenz 2.0 am 16. und 17. Juni präsentieren führende Forscher*innen, die an Einzelzell-Multi-Omics, Bildgebung, künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen sowie experimentellen Krankheitsmodellen aus den Zellen von Patient*innen arbeiten, ihre neuesten Ergebnisse. Ihr Ziel ist eine „zellbasierte Medizin“, die eine Erkrankung in allerfrühsten Stadien oder sogar bereits vor Beginn abfangen und unterbrechen kann. Beim 14. Berliner Summer Meeting am 18. Juni stehen Wissenschaftler*innen im Mittelpunkt, die innovative RNA-Werkzeuge entwickeln und damit ganz aktuell einen Wandel in der Medizin herbeiführen. 

„Diese beiden sich ergänzenden Veranstaltungen bringen weltweit anerkannte Wissenschaftler*innen zusammen, die auf wichtigen Gebieten von Forschung und Entwicklung Pionierarbeit leisten. Sie verändern grundlegend, wie wir Krankheiten analysieren und behandeln“, beschreibt Professor Nikolaus Rajewsky, Wissenschaftlicher Direktor des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des MDC. „Wir freuen uns darauf, dass Forscher*innen, Vertreter*innen der Industrie, politische Entscheidungsträger*innen, Investor*innen und Patientensprecher*innen bei uns Ideen austauschen und helfen, schnell neue Lösungen für Patient*innen zu finden.“

Krankheitsursachen verfolgen – Zelle für Zelle
Die seit 2019 von MDC und Pariser Institut Curie gemeinsam koordinierte LifeTime-Initiative will früheste Mechanismen verstehen, die Zellen von gesunden Wegen abweichen und stattdessen Krankheit entstehen lassen. Derartige Veränderungen Jahre oder sogar Jahrzehnte vor Entstehung eines Tumors oder der Degeneration von Nervenzellen abzufangen und zu korrigieren, könnte vollkommen neue Wege in der Behandlung eines breiten Krankheitsspektrums öffnen. Die LifeTime-Konferenz 2.0 widmet sich den neuesten Fortschritten, die die außergewöhnlich detailreiche Analyse einzelner Zellen im Verlauf der Zeit sowie deren genaue Verortung im Gewebe für die Erforschung von Gesundheit und Krankheit bietet.

Professor Ido Amit, Molekularbiologe am israelischen Weizmann Institute of Science, hält am 16. Juni eine Keynote mit dem Titel „The power of ONE: Immunology in the age of single cell genomics”. Amit ist entwickelt Technologien der Einzelzell-Genomik und nutzt sie, um grundlegende Fragen zum Immunsystem zu beantworten. Mit seinen Kolleg*innen erforscht er außerdem, wie man Gensequenzen für die Therapie herstellen kann.

Weitere Sprecher*innen aus den USA und Europa – darunter Partner aus dem Single Cell Omics Germany (SCOG) Netzwerk und dem LifeTime-Konsortium – gruppieren ihre Präsentation um fünf zentrale Themen: „Wir sind froh, renommierte Expert*innen aus aller Welt zusammenzubringen und freuen uns, außerdem Postdocs und Doktoranden die Möglichkeit geben zu können, auf kurze Vorträge Feedback zu ihren Projekten zu erhalten“, sagt Marco Uhrig, Projektmanager am BIMSB. „Eine weitere Besonderheit wird eine Paneldiskussion mit Geschäftsführer*innen von Unternehmen aus dem Bereich Einzelzelltechnologie sein.“

RNA kommt zu Hilfe
Das Berlin Summer Meeting ist ein Dauerbrenner und bekannt dafür, rechnergestützte und experimentelle biologische Forschung zusammenzubringen. Die diesjährige Ausgabe 

Innovative RNA: from basic discoveries to future medicine“ befasst sich dank RNA-basierter COVID-19-Impfstoffe mit einem derzeit hochaktuellen Thema.

Natürlich sind die COVID-19-Impfstoffe nur ein Beispiel, das zeigt, dass RNA die Medizin grundlegend verändern kann. Führende Wissenschaftler*innen aus den USA Und Europa stellen kurz ihre aktuelle Forschung vor, sowohl zur Entwicklung RNA-basierter Medikamente gegen Krebs und neurodegenerative Krankheiten als zu Nanobauteilen und RNA-Editierung. Zu den renommierten Vortragenden gehört Professor David Liu von der Harvard University, dessen Arbeitsgruppe erfolgreich das Base-Editing etabliert hat, mit dem man einzelne Basenpaare in DNA austauschen kann. Derartige Werkzeuge, die auf CRISPR-Cas9 Technologie aufbauen, könnten in Zukunft bei der Behandlung von Erbkrankheiten helfen. Denn viele werden von einer Punktmutation verursacht, etwa Sichelzellanämie.

Auch die Perspektive von Forscher*innen in der Industrie ist vertreten, beispielweise durch Dr. Jennifer Petter, Gründerin und wissenschaftliche Leiterin von Arrakis Therapeutics. Das Unternehmen baut eine Pipeline  auf RNA abzielender, auf niedermolekularen Verbindungen basierender Medikamente („small-molecule (rSM) medicines“), um ein ganzes Spektrum an Krankheiten zu behandeln. Darunter sind verschiedene Krebsarten und kardiovaskuläre Erkrankungen. Die Idee besteht darin, RNA zu verändern, bevor sie in DNA und Proteine umgewandelt wird, was „flussaufwärts“ ganz neue Eingriffsmöglichkeiten schafft.

„Wissenschaftler*innen haben das Potenzial von RNA für die Impfstoffanwendung schon seit über 30 Jahren erforscht, doch die Genehmigung von RNA-basierten COVID-19 Impfstoffen hat die Tür nun richtig weit aufgestoßen, das Konzept dahinter bewiesen und den Weg für die Entwicklung von RNA-Impfstoffen gegen Krebs und neurodegenerative Krankheiten geebnet“, bilanziert Rajewsky, einer der wissenschaftlichen Organisatoren des Berlin Summer Meeting.

Das wissenschaftliche Komitee umfasst außerdem Professor Emmanuelle Charpentier, Direktorin der Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene und 2020 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet, Professor Markus Landthaler, Leiter der Arbeitsgruppe RNA-Biologie und Posttranskriptionale Regulation am MDC sowie Professor Jörg Vogel, Gründungsdirektor des Helmholtz-Instituts für RNA-basierte Infektionsforschung.

Weiterführende Informationen
Bitte beachten Sie, dass man sich für die beiden Veranstaltungen jeweils einzeln registrieren muss. Die Teilnahme ist in beiden Fällen kostenlos. Sämtliche Details und Registrierung:

https://lifetime-initiative.eu/lifetime-conference-2-0/

https://berlin-summer-meeting.org/

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de 

forschen, investieren, produzieren, leben, heilen, bilden / 31.05.2021
Die neue Ausgabe des Standortmagazins buchinside ist erschienen

Cover der Ausgabe 1/2021. Foto: Peter Himsel
Cover der Ausgabe 1/2021. Foto: Peter Himsel

Im Titelthema: Bauen für die Medizin der Zukunft - Grundsteinlegung für den BerlinBioCube

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

ein neues Forschungshaus zu eröffnen oder einen Grundstein für ein Gründerzentrum zu legen, darf hoffentlich bald wieder ein Höhepunkt mit zahlreichen Gästen vor Ort sein – mit freudigem Händedruck, lächelnden Gesichtern und Beifall. Doch noch gelten Einschränkungen.

So fand die außerordentlich spannende Eröffnung des Käthe-Beutler-Hauses auf dem Campus Berlin-Buch im März virtuell statt. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und der Regierende Bürgermeister und Senator für Wissenschaft und Forschung Berlins, Michael Müller, weihten das neue Gebäude für die translationale medizinische Forschung des Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) ein. Hier werden rund 200 Spezialist*innen aus MDC und BIH auf dem Gebiet der Blutgefäßmedizin forschen – zum Nutzen der Patient*innen. Mit dem neuen Gebäude wird der nördliche Eingang des Campus am Lindenberger Weg deutlich aufgewertet.

Mit kleinster, ebenfalls prominenter Besetzung wurde Mitte April der Grundstein des BerlinBioCube gelegt. Der Regierende Bürgermeister von Berlin und der Bezirksbürgermeister von Pankow, Sören Benn, nahmen an der feierlichen Zeremonie teil. Hier, im neuen Gründerzentrum des BiotechPark Berlin-Buch, werden ab 2023 junge Unternehmen in der Biotechnologie und Medizintechnik ausgezeichnete Bedingungen vorfinden.

Moderne, helle Laborräume sind das eine, was Start-ups in dieser Branche benötigen. Der biomedizinische Campus bietet jedoch weit mehr. Zum Umfeld gehören exzellente Grundlagen- und klinische Forschung, Hightech-Plattformen und Kliniken ebenso wie junge und etablierte Unternehmen. Durch die räumliche und inhaltliche Nähe entstehen vielfältige Vernetzungen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Eine inspirierende Life-Science-Community prägt den Campus, dessen 3.000 Beschäftigte aus 60 Nationen stammen. Im BerlinBioCube sollen die Vernetzung und der Austausch weiter intensiviert werden. Darum sind im Gebäude Gemeinschaftsflächen und ein großer Konferenzraum geplant. Der parkartige grüne Campus lädt zum Arbeiten und Entspannen im Freien ein. Ein Barista-Café, die Mensa oder Foodtrucks bringen ein urbanes Lebensgefühl nach Buch. Sommerfeste, sportliche Wettbewerbe oder die Lange Nacht der Wissenschaften sind Teil der Campus-Kultur. Nachhaltigkeit ist fest im Leitbild des Green Campus verankert und wirkt bis in die Standortentwicklung hinein, für die sich die Campusakteure ebenfalls engagieren. Der Ort Buch, der an die Landschaft des Barnim grenzt, wächst. In den nächsten Jahren entstehen hier mehrere tausend Wohnungen. Und auch hier findet sich die Bestrebung, modellhaft eine Green Health City zu entwickeln.

Bis zu 40 Start-ups können im BerlinBioCube einziehen, und die Nachfrage nach branchenspezifischen Flächen ist bereits jetzt sehr hoch. Die Pandemie hat eines gezeigt: Die Medizinische Biotechnologie ist eine Branche, die essenzielle Beiträge zur Bewältigung der Krise liefern und sogar noch Wachstum verzeichnen konnte. Der Zeitpunkt, in ein neues Gründerzentrum in Buch zu investieren und an die 400 Arbeitsplätze zu schaffen, ist genau richtig.

Dr. Christina Quensel und Dr. Ulrich Scheller
Geschäftsführende der Campus Berlin-Buch GmbH

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forschen, heilen / 28.05.2021
Neue Muskeln für die Blase

Menschliche Muskelzelle, wie sie aus Muskelstammzellen differenziert. (Blau: Zellkern, grün: Desmin, rot: Myosin Heavy Chain). Foto: mit freundlicher Genehmigung der American Society for Clinical Investigation; https://insight.jci.org
Menschliche Muskelzelle, wie sie aus Muskelstammzellen differenziert. (Blau: Zellkern, grün: Desmin, rot: Myosin Heavy Chain). Foto: mit freundlicher Genehmigung der American Society for Clinical Investigation; https://insight.jci.org

Etwa sieben Jungen, deren Harnröhre und Blasenschließmuskel unvollständig ausgebildet sind, werden jedes Jahr in Deutschland geboren. Sie bleiben oft inkontinent. ECRC-Forscher*innen wollen prüfen, ob den Kindern eine Stammzell-Transplantation helfen kann. BMBF und BIH in der Charité fördern die Studie mit ca. 4,3 Millionen Euro.

Über 8000 verschiedene Seltene Erkrankungen sind bekannt, über 30 Millionen Menschen sind allein in Europa betroffen. Therapien für diese meist noch nicht behandelbaren Krankheiten zu entwickeln, ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe und damit eine Herausforderung für die Forschung. Die Epispadie ist eine davon. Hier führt eine vorgeburtliche Entwicklungsstörung zu einer abnormalen Lage und Spaltbildung der Harnröhre und einem unvollständig ausgebildeten Blasenschließmuskel. 

Nur etwa sieben Jungen und noch weniger Mädchen werden jedes Jahr in Deutschland mit dieser Besonderheit geboren. Sie ist mit einem hohen Leidensdruck verbunden: Denn die äußerlich sichtbare Fehlbildung kann man mit einer Operation beheben, das gelingt aber leider beim Blasenschließmuskel nicht so einfach. „Daher sind diese Kinder oft lebenslang inkontinent, was mit einer hohen psychologischen Belastung für die Betroffenen und deren Familien einhergeht“, erklärt Professorin Simone Spuler vom Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). Sie ist Spezialistin für Stammzell- und Muskelforschung. „Wir haben deshalb überlegt, wie wir ihnen mit unserer Expertise helfen können.“ 

Das Bundesforschungsministerium (BMBF) fördert die Studie mit rund 3,3 Millionen Euro. Das Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité hat das Vorhaben mit seinem Spark-BIH-Programm auf dem Weg vom Labor in die Klinik mit einer Million Euro unterstützt.

Muskelstammzellen bilden neuen Schließmuskel

Die Wissenschaftler*innen um Simone Spuler hatten eine Methode entwickelt, mit der sie regenerationsfähige Muskelstammzellen aus Muskelgewebe isolieren können. „Wir nehmen eine Gewebeprobe, eine Biopsie, aus dem Oberschenkel und isolieren daraus Muskelstammzellen. Diese vermehren wir anschließend auf ein Vielfaches und spritzen sie direkt an in die Defektstelle des Blasenschließmuskels.“ Bei Ratten führte das tatsächlich dazu, dass sich ein neuer Schließmuskel bildete, der auch funktionstüchtig war. Da deren verändertes Immunsystem menschliche Zellen tolerierte, gelang dies auch mit menschlichen Muskelstammzellen.

„Doch trotz dieser ermutigenden Ergebnisse konnten wir nicht sofort eine klinische Studie mit Betroffenen beginnen“, sagt die Medizinerin. „Denn die Vorschriften sind streng. Nur Zellen, die in einem pharmazeutischen Herstellungsverfahren, der „good manufacturing practice“ kurz GMP, produziert werden, dürfen im Menschen angewandt werden. Dieses Verfahren aufzusetzen, ist sehr anspruchsvoll.“ Die unter GMP-Bedingungen hergestellten Zellen werden für die präklinischen Sicherheitsprüfungen zunächst im Tiermodell eingesetzt. 

Unterstützung aus den USA – und vom BIH

Die Auflagen der Zulassungsbehörden, in Deutschland das Paul-Ehrlich-Institut, verlangen, dass nur speziell dafür akkreditierte Labore die Tierversuche für eine klinische Studie durchführen dürfen. Der Fachbegriff ist „good laboratory practice“, GLP-Bedingungen. Auf der Suche nach einem GLP-Labor, das gleichzeitig über mikrochirurgische Fähigkeiten verfügte, mit denen sich die Muskelstammzellen in den Blasenschließmuskel von Ratten übertragen lassen, wurden die Wissenschaftler*innen in den USA fündig: „Ungefähr 300 km östlich von Chicago, mitten in Michigan, gab es ein solches Labor“, berichtet Simone Spuler. „Um den dortigen Kollegen genau zu erklären, was wir planen, mussten wir mehrmals in die USA reisen. Die Vorbereitungen, die erforderliche Einarbeitungszeit und die Durchführung der Versuche waren unglaublich zeit- und kostenintensiv. Das hätten wir ohne die Unterstützung durch das BIH-Spark-Programm nicht geschafft!“ 

Eine Million Euro stellte das BIH den Muskelforscher*innen um Simone Spuler zur Verfügung. „Genau dies ist unser Anliegen“, erklärt Professor Christopher Baum, Vorsitzender des BIH-Direktoriums und Vorstand für den Translationsforschungsbereich der Charité. „Wir wollen Wissenschaftler*innen dabei unterstützen, ihre Ergebnisse aus dem Labor zu den Patientinnen und Patienten zu bringen und damit die medizinische Translation fördern. Damit erreichen wir, dass aus Forschung Gesundheit wird.“ Dr. Tanja Rosenmund, die Leiterin des BIH-Spark-Programms freut sich ebenfalls. „Das Projekt für die Epispadie ist deshalb so spannend, weil es – falls es gelingt – viele weitere Möglichkeiten eröffnet: Inkontinenz ist ja ein weit verbreitetes Problem und Muskelschwäche ohnehin. Wir hoffen deshalb, mit dieser Förderung möglichst vielen weiteren Studien den Weg zu ebnen.“ 

Klinische Studie mit 21 Jungen 

Nachdem die Ergebnisse in den USA gezeigt hatten, dass die transplantierten Muskelstammzellen die Inkontinenz bei den Ratten beheben konnte und die Sicherheit des Zellproduktes bestmöglich bestätigt werden konnte, steht nun der klinischen Studie nichts mehr im Weg: 21 betroffene Jungen im Alter zwischen drei und siebzehn Jahren sollen an den Universitätskliniken Ulm und Regensburg behandelt werden. Dort leiten Professorin Anne-Karoline Ebert und Professor Wolfgang Rösch die Zentren für den Blasenekstrophie-Epispadie-Komplex. Die Studie ist Placebo-kontrolliert, randomisiert und doppelt-verblindet geplant. Das bedeutet, dass zufällig ausgewählte fünf der 21 Jungen ein Placebo (Kochsalzlösung) statt ihrer eigenen Muskelstammzellen erhalten. Weder Ärzt*innen noch Patient*innen wissen bis zum Ende der Studie, wer diese fünf waren. „Das müssen wir tun, um wissenschaftlich gesicherte Ergebnisse zu erhalten“, erklärt Simone Spuler. „Wenn sich nach der Datenanalyse zeigt, dass es den Kindern nach der Zellinjektion besser geht als denen, die das Placebo erhalten haben, besteht natürlich die Möglichkeit, die Zellinjektion nachzuholen. Das ist möglich, da sich die isolierten Muskelstammzellen problemlos tiefgekühlt aufbewahren lassen.“ 

Das Bundesforschungsministerium war so überzeugt von dem Antrag aus Berlin, dass es 3,3 Millionen Euro für die Durchführung der Klinischen Studie zur Verfügung gestellt hat. In wenigen Monaten soll der erste Patient behandelt werden. 

Berlin Institute of Health in der Charité (BIH)
Die Mission des Berlin Institute of Health (BIH) ist die medizinische Translation: Erkenntnisse aus der biomedizinischen Forschung werden in neue Ansätze zur personalisierten Vorhersage, Prävention, Diagnostik und Therapie übertragen, umgekehrt führen Beobachtungen im klinischen Alltag zu neuen Forschungsideen. Ziel ist es, einen relevanten medizinischen Nutzen für Patient*innen und Bürger*innen zu erreichen. Dazu etabliert das BIH als Translationsforschungsbereich in der Charité ein umfassendes translationales Ökosystem, setzt auf ein organübergreifendes Verständnis von Gesundheit und Krankheit und fördert einen translationalen Kulturwandel in der biomedizinischen Forschung. Das BIH wurde 2013 gegründet und wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu zehn Prozent vom Land Berlin gefördert. Die Gründungsinstitutionen Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) waren bis 2020 eigenständige Gliedkörperschaften im BIH. Seit 2021 ist das BIH als so genannte dritte Säule in die Charité integriert, das MDC ist Privilegierter Partner des BIH.

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de

Quelle :Gemeinsame Pressemitteilung von MDC und BIH
https://www.mdc-berlin.de/de/news/press/epispadie-neue-muskeln-fuer-die-blase

forschen, produzieren, heilen, bilden / 26.05.2021
Lange Nacht der Wissenschaften 2021 digital

Grafik: Campus Berlin-Buch GmbH
Grafik: Campus Berlin-Buch GmbH

Die klügste Nacht des Jahres einmal anders: Der Campus Berlin-Buch begrüßt große und kleine Wissenschaftsinteressierte zur diesjährigen Langen Nacht der Wissenschaften am 5. Juni, 17 -24 Uhr digital! Die Teilnahme ist kostenfrei.

Wie schön wäre es, endlich einmal wieder Besucher in die Labore zu lotsen, ihnen die spannende biomedizinisch Forschung persönlich näher zu bringen, Luftballons zu verteilen, Kinder mit Experimenten zu begeistern oder ihnen am Rande Spiel und Spaß auf dem Bungee-Trampolin zu bieten. Doch in diesem Jahr ist im Juni noch keine Großveranstaltung möglich. Die Campus-Einrichtungen laden Sie daher ein, sich virtuell dazuzuschalten, per "Reality TV" mit ins Labor zu kommen, beim Online-Quiz mitzumachen oder sich die Instagram-Live-Show anzusehen! Experimentieren Sie mit dem Team vom Gläsernen Labor am heimischen Küchentisch, werfen Sie im Instagram-Live-Stream einen Blick hinter die Kulissen des Schülerlabors oder seien Sie dabei, wenn ein Sars-CoV-2-Schnelltest-Kit auseinandergenommen und erklärt wird.

Das Programm des Gläsernen Labors finden Sie hier https://www.glaesernes-labor.de/de/news/programm2021-lnw

Das Programm des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) finden Sie hier: https://www.mdc-berlin.de/de/lange-nacht

Lange Nacht der Wissenschaften im Radio
Zur Langen Nacht der Wissenschaften am 5. Juni 2021 gibt es von 19 bis  23 Uhr eine Sondersendung auf radioeins. Zum Nachhören: Lange Nacht der Wissenschaften 2020 auf radioeins

Veranstaltungsort:

Online-Veranstaltung

forschen, produzieren, heilen / 25.05.2021
E-Scooter bis an Brandenburgs Grenze: Lime startet Pilotprojekt mit Pankow und Senatsverwaltung in Berlin-Buch

Von links: Jashar Seyfi, Lime-Deutschlandchef; Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz; Dr. Ulrich Scheller, Campus Berlin-Buch GmbH; Magnus Johansson, Swiftmile EMEA Managing Director (Foto: Peter Himsel/Campus Berlin-Buch GmbH)
Von links: Jashar Seyfi, Lime-Deutschlandchef; Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz; Dr. Ulrich Scheller, Campus Berlin-Buch GmbH; Magnus Johansson, Swiftmile EMEA Managing Director (Foto: Peter Himsel/Campus Berlin-Buch GmbH)

Im Zentrum von Berlin haben sich E-Scooter längst als nachhaltige Mobilitätsoption bewährt. Im Rahmen des einzigartigen Pilotprojekts „Erste und Letzte Meile gemeinsam bewältigen“ mit dem  Bezirk Pankow und der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz bietet Lime ab sofort  stationsungebundene E-Scooter in Berlin-Buch über seine App an. Lime ist damit der erste E-Scooter-Anbieter, der seinen Betrieb bis an die Grenze von Brandenburg ausweitet. Neu ist, dass es an hoch frequentierten Knotenpunkten feste Swiftmile-Ladestationen für die E-Scooter geben wird. Zum Start des Projekts sind insgesamt 30 E-Scooter im gesamten Geschäftsgebiet rund um den S-Bahnhof und den Forschungscampus Berlin-Buch sowie das Klinikum verfügbar sowie drei Swiftmile-Ladestationen. Ziel der Initiative  ist es, den Pendlerinnen und Pendlern aus Berlin und dem angrenzenden Brandenburg ein möglichst attraktives Angebot für die “letzte Meile” zu ihrem Zielort zu machen. Die Swiftmile-Ladestationen sorgen für ein geordnetes Stadtbild und erlaubt Lime Logistikkosten einzusparen, um die Wirtschaftlichkeit des Projekts nachhaltig zu sichern.

Wir meinen es ernst mit unserem Ziel, dass noch mehr Berlinerinnen und Berliner ihr Auto stehen lassen. Als Berliner Unternehmen möchten wir unseren Teil dazu beitragen die Mobilität in der gesamten Stadt zu verbessern und investieren deshalb kräftig“, sagt Lime-Deutschland-Chef Jashar Seyfi. „Dazu gehört auch die Anbindung von Außenbezirken wie Berlin-Buch mit nachhaltiger Mikromobilität, in denen die Dichte an ÖPNV-Haltestellen geringer ist. Das Pilotprojekt zusammen mit dem Bezirk Pankow und der Berliner Senatsverwaltung ist ein schönes Beispiel, das zeigt, wie eine nachhaltige Verkehrswende nicht nur in den Stadtzentren gelingen kann. Finanziert wird das Projekt übrigens vollständig durch unsere E-Bike und E-Scooter Flotte im Zentrum der Stadt.”

Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, ergänzt: „E-Scooter können eine wichtige Rolle für die Mobilitätswende spielen: Sie sind klimafreundlich, leise und bedienen im besten Fall Strecken, die den Nahverkehr bequem ergänzen – wie hier auf dem Campus Buch, wo Mitarbeitende künftig von und zur S-Bahn fahren können, auf dem Weg zur Arbeit oder in den Feierabend. Ich begrüße sehr, dass der Anbieter Lime hier am Stadtrand, an einem bedeutenden Gesundheitsstandort, aktiv wird. Dies sollte an anderen Standorten ausgeweitet werden und viele Nachahmer finden. Ich wünsche allen Nutzer*innen eine sichere Fahrt.“

Vollrad Kuhn, stellvertretender Bezirksbürgermeister und Bezirksstadtrat von Pankow: „Ich freue mich, dass dieses Mobilitätsangebot für alle nun auch am Stadtrand Pankows in Buch möglich wird. Wir sehen das als Startpunkt für weitere Angebote wie z. B. eine zukünftige Jelbi-Mobilitätsstation in Buch. Dazu sind wir mit der BVG in intensiven Abstimmungen.“

Stefan Gelbhaar, Direktkandidat aus Pankow und Sprecher für städtische Mobilität und Radverkehr der Grünen-Bundestagsfraktion, sagt: „Damit startet ein innovatives Projekt zur Verbesserung der Verkehrssituation im Pankower Norden. Der Ausbau der Infrastruktur für die letzte Meile wird um einen Aspekt bereichert. Weitere Angebotsverbesserungen für den Pendelverkehr insbesondere bei Rad, Bus und Bahn sind notwendig und stehen auf der Agenda.“

Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführer der Campus Berlin-Buch GmbH: „Wir fördern bereits auf vielfältige Weise die umweltfreundliche Mobilität unserer Beschäftigten – entsprechend unserem Leitbild eines Green Health Campus. Mit den E-Scootern von Lime erproben wir eine zusätzliche Möglichkeit, den S-Bahnhof und den Campus attraktiv und flexibel zu verbinden. Berlin-Buch bietet mit eng kooperierenden Regionalakteuren wie Helios sehr gute Voraussetzungen, ÖPNV und Sharing-Angebote zu verknüpfen.“

Daniel Amrein, Geschäftsführer im Helios Klinikum Berlin-Buch: „Klasse, dass wir neben unserer etablierten Nextbike-Kooperation nun ein weiteres umweltfreundliches Mobilitätsangebot direkt auf unserem Gelände machen können. Wir unterstützen das Projekt als gemeinsames Experiment zum Ausbau des Zukunftsstandortes Buch und wünschen uns, dass vor allem unsere Pendlerinnen und Pendler noch flexibler zum Arbeitsort kommen.“

Swftimile: "Ein wirklich autofreies Berlin ist nur möglich, wenn alternative Verkehrsmittel über das Stadtzentrum hinaus ausgebaut werden und für sie die nötige Infrastruktur zum Laden und Parken zur Verfügung steht”, sagt Magnus Johansson, Swiftmile EMEA Managing Director. “Swiftmile ist stolz darauf mit Lime zusammenzuarbeiten und ein nachhaltiges Verkehrsmittel in den Bezirk Pankow zu bringen, das zu Anfang vor allem Studenten und Krankenhauspersonal zur Verfügung steht.”

Das Projekt setzt auf eine partnerschaftliche Kooperation zwischen der Stadt, Lime und Swiftmile. Nach sechs Monaten wird  das Projekt evaluiert. Lime wird anonymisierte Daten zur Verfügung stellen, auf Basis derer gegebenenfalls Änderungen am Geschäftsgebiet und der Scooter-Anzahl vorgenommen werden. Bei großer Nachfrage können weitere Ladestationen hinzukommen. 

Lime ist lokaler Marktführer in Berlin bei E-Scootern und hat als einziger New-Mobility-Anbieter der Stadt zusätzlich auch E-Bikes im Angebot. Seit dem Start von Lime in Berlin im Juni 2019 wurden bereits mehr als 5 Millionen Fahrten mit Lime E-Scootern und E-Bikes absolviert. Die flexibel nutzbaren elektrischen Fahrräder und Tretroller werden insbesondere als Zubringer zum öffentlichen Nahverkehr und auf der „letzten Meile“ zum Zielort genutzt. „Wir sind überzeugt davon, dass Lime auch und gerade außerhalb des Zentrums weitere Autofahrten ersetzen kann“, sagt Seyfi. „In der Corona-Pandemie wollen wir sicherstellen, dass Menschen Zugang zu einfacherer und sicherer Mobilität haben, die physische Distanz ermöglicht.

Theoretisch könnten jeden Tag 30 Millionen Pkw-Fahrten durch E-Scooter ersetzt werden

Bike-Sharing-Angebote wie das von Lime ergänzen und komplettieren das Mobilitäts-Angebot von Großstädten. „Je einfacher und je vielfältiger die Alternativen zum Auto sind, desto eher wird es stehengelassen oder sogar abgeschafft“, sagt Seyfi. „Da in der Lime-App sowohl Fahrräder als auch Scooter verfügbar sind, haben wir ein einfach nutzbares ökologisches und sicheres Angebot für Kundinnen und Kunden für unterschiedliche Vorlieben und Nutzungsfälle.“ Die durchschnittlich per E-Bike zurückgelegte Strecke ist fast doppelt so lang wie auf dem E-Scooter. „40 Prozent unser Kundinnen und Kunden nutzen nur E-Scooter, 30 Prozent nutzen nur E-Bikes und die restlichen 30 Prozent sind multimodal unterwegs”.

Täglich werden deutschlandweit 120 Millionen Fahrten im motorisierten Individualverkehr zurückgelegt – 25 Prozent davon sind unter zwei Kilometer lang. Die Durchschnittsstrecke von Limes E-Scootern liegt bei 1,9 Kilometer. Rein theoretisch könnten also allein mit E-Scootern jeden Tag 30 Millionen Pkw-Fahrten ersetzt werden.

Lime in Deutschland

In Deutschland ist Lime mit mehr als 45.000 E-Scootern und E-Bikes in 52 Städten der führende Anbieter von Mikromobilität und will seine Präsenz und Marktführerschaft im deutschen Markt zeitnah weiter ausbauen. Seit Juni 2019 ist Lime in Deutschland aktiv und zählt hierzulande bereits mehr als 2,5 Millionen aktive Nutzer, die bislang mehr als 18 Mio. Fahrten unternommen haben. Deutschland ist für das kalifornische Unternehmen einer der bedeutendsten und profitabelsten Märkte weltweit.

Weitere Informationen zu Lime gibt es HIER.

Über Lime

Die Mission von Lime ist es, Städte zu unterstützen, in denen die Menschen an erster Stelle stehen, indem die Bewohner auf erschwingliche, zuverlässige und nachhaltige Mobilitätslösungen zurückgreifen können. Als weltweit führender Anbieter von Mikromobilität arbeitet Lime eng mit Städten zusammen, um E-Bikes und E-Scooter anzubieten, die mit GPS und selbstaktivierenden Schlössern ausgestattet sind. Mit mehr als 200 Millionen absolvierten Fahrten in mehr als 120 Städten auf fünf Kontinenten hat Lime eine neue Generation sauberer Alternativen zum Autobesitz hervorgebracht. Mehr Informationen unter li.me.

About Swiftmile

Swiftmile ist der Pionier und Marktführer im LEV-Laden und bietet eine neue Klasse von grüner Infrastruktur, die den Grundstein für "Tankstellen der Zukunft" legt. Wir bauen und betreiben Mobility Hubs zum Laden und Organisieren von E-Scootern, E-Bikes und E-Mopeds, und zwar zu geringen oder gar keinen Kosten für die Städte, dank eines Werbebildschirms im Hub. Die Infrastruktur von Swiftmile treibt die Standardisierung von Batterien und Ladegeräten für den globalen Mikromobilitätssektor voran, mit Hubs in ganz Nordamerika und Europa. Swiftmile hat seinen Sitz in San Carlos, CA. Für die neuesten Informationen über Swiftmile, besuchen Sie https://swiftmile.com/

investieren, produzieren / 18.05.2021
Eckert & Ziegler erhält exklusive Vertriebsrechte für Prostatakrebsdiagnostikum von Telix Pharmaceuticals

Die Eckert & Ziegler (ISIN DE0005659700, TecDAX) hat mit der australischen Telix Pharmaceuticals (Telix) einen Vertrag über den exklusiven Vertrieb von Illuccix® (Kit für die Zubereitung einer Ga-68 PSMA-11 Injektion) in Deutschland geschlossen. Das von Telix hergestellte Illuccix® ist ein Präparat für die Prostatakrebsdiagnostik mittels Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und wird derzeit in mehreren Ländern weltweit, darunter auch in Deutschland, zur Zulassung geprüft.

„Illuccix® dürfte eines der wichtigsten Produkte für die bildgebende Diagnostik von Prostatakrebs werden. Die breite Zulassung eines Präparates zur Diagnose von Prostatakrebs wird dringend benötigt und wir freuen uns, mit Telix den Vorreiter bei diesem Arzneimittel als Partner gewinnen zu können“, erklärt Dr. Harald Hasselmann, Mitglied des Vorstands der Eckert & Ziegler AG und verantwortlich für das Segment Medical. „Zusammen mit unseren anderen Produkten können wir den nuklearmedizinischen Praxen und Kliniken in Deutschland nach der Zulassung ein vollumfängliches Produktportfolio zur Herstellung von Ga-68 PSMA anbieten.“

"Wir freuen uns über diese Vertriebsvereinbarung mit Eckert & Ziegler. Dadurch erhalten Prostatakrebspatienten in Deutschland – vorbehaltlich der Genehmigung durch die deutsche Zulassungsbehörde - Zugang zu einem neuen Prostatakrebsdiagnostikum. Die Partnerschaft mit einem so kompetenten und patientenorientierten Marktführer in der Nuklearmedizin passt hervorragend zu unserer Mission, Krebspatienten zu einem längeren und besseren Leben zu verhelfen", erklärt Dr. Christian Behrenbruch, Vorstandsvorsitzender von Telix. 

Illuccix® wird als sogenannte Kit-Präparation für die Diagnose von Prostatakrebs angeboten. Illuccix® ermöglicht eine Markierung von PSMA-11 mit dem Radionuklid Ga-68 durch das medizinische Personal, direkt vor Verabreichung. Nach Fertigstellung des Radiopharmazeutikums und Injektion in den Patienten können Tumore, die das sogenannte Prostataspezifische Membranantigen aufweisen, mittels Positronen-Emissions-Tomographie (PET) genau lokalisiert werden.(1), (2)

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern in Deutschland, die mit etwa 68.000 Fällen im Jahr 2020, eine deutlich höhere Inzidenz als Lungenkrebs (38.000 Neuerkrankungen) oder Darmkrebs (31.000 Neuerkrankungen) (3) aufweist. Prostatakrebs ist die zweithäufigste Krebstodesursache bei Männern. Im Jahr 2020 starben in Deutschland über 15.000 Männer an Prostatakrebs. Im gleichen Jahr lebten in Deutschland schätzungsweise 290.000 Prostatakrebspatienten.

  1. Fendler W et al. JAMA Oncol. 2019; 5(6): 856-863.
  2. Hofman M et al. The Lancet. 2020; 395: 1208-1216.
  3. IARC Global Cancer Observatory, 2020.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 800 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.

Über Telix Pharmaceuticals
Telix ist ein biopharmazeutisches Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von diagnostischen und therapeutischen Produkten mittels Molecularly Targeted Radiation (MTR) spezialisiert hat. Telix hat seinen Hauptsitz in Melbourne, Australien und internationale Niederlassungen in Belgien, Japan und den Vereinigten Staaten. Telix entwickelt ein Portfolio von Produkten, die sich in der klinischen Phase befinden und einen bedeutenden, bisher ungedeckten medizinischen Bedarf in der Onkologie und bei seltenen Krankheiten adressieren. Telix ist an der Australian Securities Exchange (ASX: TLX) notiert. www.telixpharma.com www.telixpharma.com 

Über Illuccix®
Das führende Entwicklungsprodukt von Telix, Illuccix® (TLX591-CDx) für die Bildgebung bei Prostatakrebs, wurde von der US-amerikanischen FDA zur Einreichung angenommen und wird von der australischen Therapeutic Goods Administration (TGA) vorrangig geprüft. Telix arbeitet außerdem an den Zulassungsanträgen für Illuccix® in der Europäischen Union und in Kanada.

forschen, heilen / 18.05.2021
Mit Virchow in die Zukunft

Die einzelnen aus dem Gewebe isolierten Zellen werden zur Analyse in miniaturisierte Chips geschleust. Foto: Felix Petermann, MDC
Die einzelnen aus dem Gewebe isolierten Zellen werden zur Analyse in miniaturisierte Chips geschleust. Foto: Felix Petermann, MDC

Virchow 2.0“ ist unter den 15 Finalisten der zweiten Wettbewerbsrunde der Zukunftscluster-Initiative des BMBF (Clusters4Future). Das vom MDC koordinierte Berliner Netzwerk will ein biomedizinisches KI-Ökosystem schaffen, um die zellbasierte Medizin in die Klinik zu bringen.

„Wenn Zellen falsche Entscheidungen treffen, entstehen Krankheiten.“ Diese Erkenntnis stammt aus Berlin – von Rudolf Virchow, dessen 200. Geburtstag die Stadt in diesem Jahr feiert. Eine Zukunftsvision knüpft an diese große Tradition an und soll sie konsequent weiterentwickeln: „Wir wollen eine zellbasierte Medizin schaffen – und zwar mithilfe der neuesten Technologien. Dazu zählen bahnbrechende Einzelzell- und Bildgebungsmethoden, die wir mit künstlicher Intelligenz und personalisierten Krankheitsmodellen wie Organoiden kombinieren“, sagt Professor Nikolaus Rajewsky. Der Direktor des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) koordiniert die Initiative. „So wird es möglich, anhand der ersten zellulären Veränderungen Krankheiten zu diagnostizieren, den möglichen Verlauf einer Erkrankung vorauszusagen und die molekularen Netzwerke von der entstehenden Krankheit zurück auf den Weg eines gesunden Gleichgewichts zu lenken. Außerdem können wir so ganz neue Ansatzpunkte für Wirkstoffe oder zelluläre Therapien finden.“ 

„Die Medizin kann dann sehr früh und gezielt korrigierend eingreifen – mit der jeweils wirksamsten Behandlung. Das würde die Prognose für viele Patientinnen und Patienten erheblich verbessern“, sagt Professorin Angelika Eggert, Direktorin der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Sie stellt in dieser Initiative die Verbindung zwischen Grundlagenforschung und Klinik sicher. „Wir wollen den Krankheitsverlauf unterbrechen, bevor irreparable Schäden auftreten, und auch Therapieresistenzen rechtzeitig erkennen.“

Eine einzigartige Konstellation regionaler Akteure

Berlin bietet beste Voraussetzungen dafür, Diagnostik, die Entwicklung personalisierter Therapien und die Suche nach geeigneten Ansatzpunkten für Wirkstoffe auf völlig neue Füße zu stellen, sie effizienter, schneller und kostengünstiger zu machen: Denn hier gibt es eine deutschlandweit einzigartige Konstellation regionaler Akteure aus der Grundlagenforschung, Klinik und anwendungsorientierter Forschung und Entwicklung, die in den benötigten Technologie-, Datenwissenschafts- und Medizinfeldern weltweit führend sind. 

Die Expert*innen aus Systembiologie, Medizin, Biotechnologie, Physik und Informatik/Künstliche Intelligenz wollen gemeinsam mit lokalen und überregionalen Industriepartnern ein biomedizinisches KI-Ökosystem schaffen, um die zellbasierte Medizin in die Klinik zu bringen. Gleichzeitig soll ein positives Ausgründungsklima und eine Unterstützungsplattform für etablierte Firmen entstehen. Bereits jetzt unterstützen 15 Firmen aus Pharmaindustrie und Biotech-Branche, KI-Start-ups und Investoren die Initiative. Kernpartner für das geplante Zukunftscluster sind das MDC, die Charité, das Berlin Institute of Health in der Charité (BIH), das Zuse-Institut Berlin (ZIB) und das Berlin Institute for the Foundations of Learning and Data (BIFOLD), ein Berliner Forschungsnetzwerk, das Anwendungen für Big Data und maschinelles Lernen entwickelt.

 „Jüngste Beispiele des maschinellen Lernens und der künstlichen Intelligenz zeigen, dass diese neuartigen Ansätze einen bedeutenden Beitrag für die Medizin leisten können“, sagt PD Dr. Tim Conrad, Abteilungsleiter für „Visual and Data-centric Computing“ am Zuse-Institut Berlin und Projektleiter am BIFOLD. „Mit der Entwicklung von spezialisierten Algorithmen und der notwendigen mathematischen Analyse werden wir sicherstellen, dass die entstehenden Methoden und Ergebnisse nachvollziehbar und interpretierbar werden.“ 

Einen ersten Eindruck des geplanten Clusters können Interessierte und potenzielle Partner bei einem HealthCapital-Webinar am 26. Mai 2021 oder auch beim Kick-Off-Symposium des Single-Cell-Fokusbereichs von BIH und MDC am 20. Mai 2021 bekommen – und sich der Initiative anschließen.

Der „Clusters4Future“-Wettbewerb

Unter dem Dach der Hightech-Strategie 2025 will das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit dem themenoffenen Wettbewerb „Clusters4Future“ den Wissens- und Technologietransfer stärken. Akteure aus Hochschulen, Forschungsinstituten, Unternehmen und gesellschaftlichen Einrichtungen einer Region sollen optimal zusammenwirken. Die Bundesregierung plant, in den kommenden zehn Jahren insgesamt bis zu 450 Millionen Euro für die Zukunftscluster bereitzustellen.

Für die zweite Runde des Wettbewerbs konnten sich bis Mitte Februar 2021 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit ihren Vorschlägen aus allen Fachrichtungen wie zum Beispiel Robotik, Energie oder eben Biomedizin für regionale Innovationsnetzwerke – den Zukunftsclustern – bewerben. Eine unabhängige Expertenjury hat nun die besten 15 der 117 Clusterideen für eine Konzeptionsphase empfohlen. Das BMBF fördert diese sechsmonatige Phase mit bis zu 250.000 Euro. Der einzige Finalist aus Berlin: „Virchow 2.0 – Schaffung eines Innovationsclusters zur Umsetzung zellbasierter Medizin in Berlin“. 

In der Konzeptionsphase erarbeiten die Beteiligten Clusterstrategien und Projekte der ersten Umsetzungsphase. Mitte 2022 werden nach dem Votum einer unabhängigen Expertenjury bis zu sieben Zukunftscluster der zweiten Wettbewerbsrunde ausgewählt. Diese können bis zu neun Jahre lang ihre Konzepte realisieren. Pro Cluster und Jahr sind bis zu fünf Millionen Euro vorgesehen.

Weiterführende Informationen

Webinar am 26. Mai 2021: „Cluster meets | Virchow 2.0 – implementing cell-based medicine in Berlin

Pressemitteilung des BMBF: „Karliczek: Wir fördern die Innovationsnetzwerke von morgen

Die Zukunftscluster-Initiative (Clusters4Future) des BMBF

Webseite der Clusters4Future

Berlin soll zur „Zellklinik“ werden

Die LifeTime-Initiative

Single-Cell-Ansätze für die personalisierte Medizin – Fokusbereich des MDC mit dem Berlin Institute of Health (BIH) und der Charité

Single Cell Focus Area Kick-Off-Symposium

Einzelzellanalyse am MDC

BIFOLD

Zuse-Institut Berlin

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de

 

investieren, produzieren / 17.05.2021
Eckert & Ziegler: Rekordquartal durch Spartenverkauf und starkes Stammgeschäft

Sondererträge aus der Entkonsolidierung der Tumorgerätesparte, ein Abflauen der Corona-Einbrüche sowie eine anhaltend starke Nachfrage insbesondere nach pharmazeutischen Radioisotopen haben im erstem Quartal 2021 den Nettogewinn bei der Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG (ISIN DE0005659700; TecDAX) mehr als verdoppelt. Bei Umsätzen von gut 44 Mio. EUR (VJ: 44) konnte das Berliner Technologieunternehmen einen Nettogewinn von 13,8 Mio. EUR und damit 8,8 Mio. EUR mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres verbuchen.

6,8 Mio. EUR der Quartalserträge gehen auf die Entkonsolidierung der Tumorbestrahlungssparte zurück, die im Segment Medical verbucht wurde. Nettogewinne in Höhe von weiteren 4,9 Mio. EUR (36% mehr als im Vorjahr) erwirtschaftete das Segment mit gestiegenen Erträgen und Umsätzen insbesondere bei pharmazeutischen Radioisotopen und Laborgeräten, aber auch durch Ertragsverbesserungen im Anlagenbau. Sie überkompensierten einen eher schwachen Jahresauftakt im Projektgeschäft (Dienstleistungen für Unternehmen). Die Industriesparte kehrte auf ihr historisches Ertragsniveau vor Corona zurück und wies einen Nettogewinn von 2,5 Mio. EUR aus. Das dritte Segment des Konzerns, die Holding, in der unter anderem präklinische Entwicklungskosten verbucht werden, schloss das Quartal mit einem Verlust von 0,4 Mio. EUR ab.

Obwohl im ersten Quartal bereits fast die Hälfte (48%) der 2021er Jahresertragsprognose von 29 Mio. EUR erreicht wurde, bleibt der Vorstand aufgrund der anhaltenden Pandemie, der das Geschäft weiterhin behindernden Reisebeschränkungen sowie der verlängerten Lieferzeiten für Vorprodukte, etwa im Anlagenbau, vorerst bei den im März veröffentlichten Erwartungen.

Den vollständigen Quartalsbericht finden Sie hier:  https://www.ezag.com/fileadmin/user_upload/ezag/investors-financial-reports/deutsch/euz121d.pdf

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 800 Mitarbeitern zu den führenden Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet weltweit an seinen Standorten Dienstleistungen und Produkte im Bereich der Radiopharmazie an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.
 

leben, bilden / 17.05.2021
Forschen und Entdecken in den Ferien

Papier schöpfen (Foto: Gläsernes Labor)
Papier schöpfen (Foto: Gläsernes Labor)

Im Sommer soll es wieder ein Ferienprogramm auf dem schönen Campus geben. Draußen grünt und blüht alles – beste Voraussetzungen also für Outdoor-Ferien. Bei Regen geht es unter ein Zeltdach.

Das Programm findet vom 24. 06. - 02. 07. und 26. 07. - 06. 08. 2021 statt.

Im Kurs „Geheime Schriften und Tintengeheimnis“ lernt ihr, wie man Tinte und Geheimtinte herstellen kann, wie ein Tintenkiller funktioniert und wie man insgeheim Botschaften übermitteln kann. Wer immer schon experimentell herausfinden wollte, welche Stoffe in unserer Nahrung enthalten sind, ist im Kurs mit dem Titel „Du bist, was du isst“ richtig. Hier geht es um Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße, Vitamine und die Bausteine einer gesunden Ernährung. Kleine Tüftlerinnen und Tüftler lernen, wie Mechanik funktioniert und wo sie zum Einsatz kommt. Schon beim Pyramidenbau haben die Menschen mechanische Hilfsmittel gebaut, um riesige Steinblöcke transportieren und heben zu können. In der Zeit, als die eindrucksvollen Pyramiden entstanden, nutzte man in Ägypten bereits einen Vorläufer unseres heutigen Papiers. Das Mark der Papyrusstaude wurde zu einem Schriftträger verarbeitet, und diesem verdankt es auch seinen Namen. Die Urform des Papiers stammt allerdings aus China. Wer mehr darüber wissen will und auch selbst Papier herstellen möchte, sollte den Kurs „Alles aus Papier“ wählen.

Hier eine weitere Auswahl von Kursen:

29.06.21 9:00 – 16:00 Uhr

CHAOS IN DER BÄCKERSTUBE
Beim Bäcker Müller läuft alles drunter und drüber. Sein Lehrling sollte aufräumen und putzen. Aber was ist das? 7 Eimer ohne Beschriftung, alle gefüllt mit weißem Pulver. Finde es mit uns gemeinsam heraus, was es ist (ohne zu kosten!)
Für wen?: Kinder von 10 bis 12 Jahren

26.07.21 9:00 – 16:00 Uhr
HERZ GEGEN LUNGE
Kann das Herz ohne Lunge überhaupt arbeiten? Und wie arbeiten die beiden zusammen? In verschiedenen Experimenten zum Herz und der Lunge werden die Funktionen und das Zusammenspiel erklärt. Am Nachmittag schauen wir, wie gut eurer Herz und eure Lunge funktionieren.
Für wen: Kinder von 8 bis 10 Jahren

03.08.21 9:00 – 16:00 Uhr
DIE BUNTE WOLLE
Aus was besteht unsere Kleidung und wie erhalten sie die Farben? Wie kann man Wolle natürlich färben? Geht das auch in bunt? Stelle verschiedene Färbelösungen her mit denen du färben und zeichnen kannst. Am Nachmittag wird die fertige Wolle dann verarbeitet.

https://www.forscherferien-berlin.de

Hinweis:

Für die Teilnahme an dem Ferienkurs ist ein negativer Schnelltest auf Covid-19 verpflichtend, der nicht älter als 24 h sein darf. Dies ist durch eine aktuelle Bescheinigung nachzuweisen. Es besteht die Möglichkeit, für einen Kostenbeitrag von 4,- EUR einen Schnelltest beim Gläsernen Labor zu erwerben und diesen wahlweise selbst mit Ihrem Kind vor Ort durchzuführen oder den Test durch das geschulte Team des Gläsernen Labors durchführen zu lassen.

heilen / 14.05.2021
Impfzentrum in Buch gestartet: Online-Termine buchbar

Schnell und unkompliziert zum verbindlichen Impftermin im neuen Impfzentrum in der Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Schnell und unkompliziert zum verbindlichen Impftermin im neuen Impfzentrum in der Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

Impfangebot für alle

Die Impfreihenfolge nach priorisierten Gruppen für AstraZeneca ist in Deutschland aufgehoben, doch wie kommt man zu einem verbindlichen Corona-Impftermin? Die Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch hat nun ihr Service-Angebot erweitert und ein „Impfzentrum“ gestartet. Termine können ab sofort online gebucht werden. Schnell und verbindlich zum Impfangebot

„Unser Ziel ist es, möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern ein Impfangebot zu machen“, sagt Dr. med. Michael Fiedler, Facharzt für Innere Medizin und Diabetologie, verantwortlich für die Impfungen im neuen Impfzentrum der Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch. Über die Online-Terminvergabe können Interessierte zurzeit einen Termin für den SARS-CoV-2-Impfstoff AstraZeneca vereinbaren. „Über 60-Jährige können sich bedenkenlos mit dem AstraZeneca-Impfstoff impfen lassen. Bei den unter 60-Jährigen ist in der Regel der Nutzen größer als das Risiko und gerade diese Menschen möchten wir erreichen“, sagt Dr. Fiedler. „Bei den sehr jungen Menschen muss individuell geklärt werden, ob der angebotene Impfstoff passend ist, denn hier überwiegt nach den aktuellen Empfehlungen noch das Risiko“, fügt er ergänzend hinzu. Seit Mitte April haben in der Poliklinik und im Impfzentrum bereits 1000 Menschen eine Corona-Impfung erhalten.

Digitaler Service

„Wir freuen uns, den Menschen mit unserer Online-Impfterminvergabe ganz unkompliziert weiterzuhelfen und dass die Corona-Impfung nun für viele konkret planbar wird“, sagt Daniel Amrein, Geschäftsführer im Helios Klinikum Berlin-Buch.

Die Patientinnen und Patienten können sich neben dem langersehnten Piks auch auf weniger Zettelwirtschaft freuen: Neben der Terminvergabe werden auch die Anamnese und Impfaufklärung bequem ganz digital abgewickelt. „Jeder Impfling kann den Anamnesebogen und das Einverständnis zur Impfung über einen Link bzw. QR-Code bequem von zu Hause ausfüllen. Der Link wird direkt bei der Terminbuchung angezeigt. Somit kann im Impfzentrum ohne Papier geimpft werden. Wir leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz und es geht schneller voran,“ erklärt Dr. Susanne Dörr, Ärztliche Leitung der Poliklinik, den fortschrittlichen Prozess.

„Wir hoffen, mit dem Impfangebot vielen Menschen so schnell wie möglich ein Stück Normalität im Alltag zurückzubringen. Und da die Zweitimpfung mit AstraZeneca bereits nach vier Wochen erfolgen kann, eröffnet sich für manche vielleicht noch die Chance auf einen Sommerurlaub in der Ferne“, ergänzt Amrein.

Online-Termin buchen

Unter diesem Link, kann ein Impftermin online vereinbart werden: Online-Impftermin

Impftermin-Benachrichtigung

Melden Sie sich unter diesem Link an, um direkt per E-Mail benachrichtigt zu werden, wenn neue Impftermine freigeschaltet werden. Impftermin-Alert

www.helios-gesundheit.de/kliniken/berlin-buch

forschen, heilen / 12.05.2021
Zu wenig Zucker bei schwerer Multipler Sklerose?

Forschende des Berliner ECRC sind gemeinsam mit einem Team aus den USA und Kanada auf ein Zuckermolekül gestoßen, dessen Konzentration im Blut von Patient*innen mit besonders schwerer Multipler Sklerose verringert ist. Wie sie im Fachblatt „JAMA Neurology“ berichten, könnte ihre Entdeckung eine neue Therapieoption eröffnen.

Die Multiple Sklerose, kurz MS, äußert sich bei jedem Menschen etwas anders. Man nennt sie daher auch die Krankheit der tausend Gesichter. Ein besonders düsteres Gesicht trägt die MS bei Patient*innen, die an der chronisch fortschreitenden Verlaufsform erkrankt sind. Denn anders als bei der häufigeren schubförmigen Variante, bei der die Betroffenen oft monate- oder gar jahrelang beschwerdefrei sind, verschlechtert sich der Zustand der Patient*innen bei der auch als progredient bezeichneten Form der MS kontinuierlich.

Die schlecht isolierten Nervenzellen sterben ab

Heutige Therapieansätze gehen davon aus, dass ein fehlgesteuertes Immunsystem irrtümlich die Myelinschicht der Nervenzellen angreift. Dabei handelt es sich um eine isolierende Schutzhülle, die die langen Ausläufer der Zellen, die Axone, umgibt. „Bei der progredienten MS kommt es zu vermehrten neurodegenerativen Prozessen. Dadurch sterben immer mehr Nervenzellen im Gehirn und im Rückenmark ab“, erläutert Dr. Alexander Brandt, Erstautor der jetzt in der Fachzeitschrift „JAMA Neurology“ veröffentlichten Studie. „Die genauen Ursachen für diese Variante der Erkrankung sind jedoch noch immer unbekannt.“ Das US-amerikanische National Institute of Allergy and Infectious Disease, das National Center for Complimentary and Integrative Health sowie das deutsche Exzellenzcluster NeuroCure förderten die Studie.

Nun hofft Dr. Brandt zusammen mit Professor Friedemann Paul vom Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), sowie elf weiteren Forschenden aus Berlin, Irvine und Toronto, etwas mehr Licht ins Dunkel gebracht zu haben. Wie das Team in seiner Studie berichtet, könnte der Einfachzucker N-Acetylglucosamin, kurz GlcNAc genannt, eine wichtige Rolle bei der Entstehung der progredienten MS spielen. Im Organismus ist GlcNAc gemeinsam mit anderen Zuckermolekülen kettenartig an Proteine auf der Zelloberfläche gebunden. Dieser als Glykosylierung bekannte Mechanismus kontrolliert über eine Verzweigung dieser Zuckerketten diverse Zellfunktionen.

Das Zuckermolekül konnte als ein Biomarker dienen

„Wir haben 120 Probandinnen und Probanden aus Irvine untersucht und konnten zeigen, dass bei dieser besonders schweren Form der Erkrankung deutlich geringere Konzentrationen an N-Acetylglucosamin im Blutserum vorliegen als bei gesunden Menschen oder Patientinnen und Patienten mit schubförmiger MS“, sagt Brandt. Zum Zeitpunkt der Untersuchungen leitete der Mediziner das „Translational Neuroimaging Laboratory“ in Pauls Arbeitsgruppe für Klinische Neuroimmunologie der Charité. Inzwischen ist Brandt als Dozent für Neurologie zur School of Medicine der University of California in Irvine (UCI) gewechselt, bleibt der Charité aber weiterhin als Gastwissenschaftler erhalten.

„In einer weiteren Untersuchung von 180 Patientinnen und Patienten mit schubförmiger oder progredienter MS aus Berlin haben wir zudem festgestellt, dass niedrige Serumspiegel von GlcNAc mit einem progressiven Krankheitsverlauf, klinischer Behinderung und Neurodegeneration assoziiert sind“, ergänzt der korrespondierende Autor der Studie, Professor Michael Demetriou von der UC Irvine. „Dies eröffnet neue potenzielle Wege, um Erkrankte mit einem erhöhten Risiko für einen progredienten Verlauf frühzeitig zu identifizieren und ihre Therapie entsprechend anzupassen.“

Therapiestudien am Menschen sind in Planung

Bereits im Herbst 2020 hatten Brandt, Demetriou und weitere Forschende um den damaligen Erstautor Dr. Michael Sy von der UC Irvine im „Journal of Biological Chemistry“ berichtet, dass sie GlcNAc säugenden Mäusen verabreicht hatten. Die Tiere gaben den Zucker, der übrigens auch in der menschlichen Muttermilch enthalten ist, an ihre Nachkommen weiter. Dies stimulierte die primäre Myelinisierung der Nervenzellausläufer bei den Jungtieren. „In den Mäuseexperimenten konnten wir zudem beobachten, dass N-Acetylglucosamin die Vorläuferzellen des Myelins aktiviert und auf diese Weise sowohl die primäre Myelinisierung als auch die Reparatur von beschädigtem Myelin fördert“, sagt Brandt.

Die Forschenden hoffen daher, dass sich GlcNAc nicht nur als Biomarker für die progrediente MS eignet, sondern darüber hinaus eine neue Therapieoption eröffnen könnte. „Unsere Hoffnung ist es, dass wir mit GlcNAc und der verbundenen Glykosylierung die Myelinreparatur fördern und so die Neurodegeneration verringern“, sagt Brandt. In einer ersten gerade abgeschlossenen, aber noch unveröffentlichten Phase-I Studie mit rund 30 Proband*innen haben die Wissenschaftler*innen untersucht, ob eine Einnahme von GlcNAc in bestimmten Dosierungen sicher ist. Sollte sich dieses bestätigen, hofft das Forschungsteam, in weiteren Studien mögliche Effekte als MS-Therapie untersuchen zu können.

Das US-amerikanische National Institute of Allergy and Infectious Disease, das National Center for Complimentary and Integrative Health sowie das deutsche Exzellenzcluster NeuroCure förderten die Studie.

Weitere Informationen

Literatur

Alexander Brandt et. al. (2021): „Association of a Marker of N-Acetylglucosamine With Progressive Multiple Sclerosis and Neurodegeneration“, JAMA Neurology, DOI:10.1001/jamaneurol.2021.1116

Über das ECRC

Als gemeinsame Einrichtung von MDC und Charité fördert das Experimental and Clinical Research Center die Zusammenarbeit zwischen Grundlagenwissenschaftler*innen und klinisch Forschenden. Hier werden neue Ansätze für Diagnose, Prävention und Therapie von Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen, Krebs sowie neurologischen Erkrankungen entwickelt und zeitnah am Patienten eingesetzt. Die AG Klinische Neuroimmunologie unter Leitung von Prof. Dr. Friedemann Paul erforscht Ursachen und Therapien von autoimmun neuroinflammatorischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose.

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

 Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de

forschen / 07.05.2021
LNDW-Podcast: "Wissenschaften als Antwort auf Fake News" (Folge 12)

Fake News und Lügen haben gerade in Pandemiezeiten Konjunktur, Fakten es dagegen in Zeiten großer Unsicherheiten schwer. Die Lüge fliegt, die Wahrheit humpelt hinterher, wusste schon der irische Satiriker Jonathan Swift. „Wissenschaft als Antwort auf Fake News“ ist Thema der zwölften Ausgabe des Inforadiopodcasts „Lange Nacht der Wissenschaften“.

Gäste der Sendung sind: Prof. Dr. Ulrich Panne, Präsident der Bundesanstalt für Materialprüfung und -forschung (BAM) und Vorsitzender des Vereins der Langen Nacht der Wissenschaften sowie Dr. Jürgen Schulz, Professor für strategische Kommunikationsplanung an der Universität der Künste (UdK) Berlin. Die Aufzeichnung fand in einem Studie des rbb unter Einhaltung der Corona-Regeln statt. Nachfolgend geben wir das Gespräch in Auszügen wieder. Das vollständige Gespräch hören Sie in der ARD Audiothek.

Thomas Prinzler: Herr Prof. Panne, vor ungefähr genau einem Jahr durfte ich Sie hier schon einmal begrüßen. Damals musste die Lange Nacht der Wissenschaften zum ersten Mal abgesagt werden. Nun muss die Lange Nacht auch 2021 ausfallen. Wie sehr schmerzt Sie die Absage? Und vor allem, wie geht es den wissenschaftlichen Einrichtungen und Institutionen der LNDW damit?

Prof. Panne: Das tat weh! Wir sind im Herbst 2020 gestartet mit dem Ziel, wieder Wissenschaft vor Ort erlebbar zu machen. Mit viel Elan und Zuversicht haben wir die Lange Nacht der Wissenschaften 2021 geplant, aber wir mussten uns auch der Pandemie beugen. Und diese Nacht – diese magische Nacht, in der man in Labore hineinkann, in der man Ort besuchen kann, die man sonst nicht sehen kann − die Lange Nacht lebt ja von der Präsenz – diese Lange Nacht mussten wir dieses Jahr leider auch absagen. Da die Wissenschaft zur strikteren Kontaktvermeidung und vielen anderen Maßnahmen rät, hätten wir uns als Veranstalter aus dem Wissenschaftsbereich selbst ad absurdum geführt. Insofern mussten wir auch 2021 auf die Lange Nacht der Wissenschaften verzichten.

Wissenschaft beginnt mit Zweifel

Im Wissenschaftsbarometer 2020 der Initiative Wissenschaft im Dialog sagen zwei Drittel der Befragten, sie hätten großes Vertrauen in Wissenschaft und Forschung, etwa so viele halten auch laut ARD Deutschlandtrend im April 2021 die Corona-Maßnahmen für angemessen. In beiden Umfragen ist die Tendenz allerdings fallend. Demgegenüber steht das Ergebnis einer Allensbach-Umfrage, derzufolge rund vierzig Prozent der Bevölkerung Fakten als Ansichtssache sehen. Woher kommt diese Diskrepanz?

Prof. Schulz: Wissenschaftler*innen beginnen ja mit dem Zweifel. Das hat auch schon Descartes mit seinem Ausspruch „dubito, ergo cogito“ („ich zweifle, also denke ich“) zum Ausdruck gebracht. Daher würde ich mit Blick auf die von Ihnen zitierten Umfragen zweifelnd nachfragen, was mit dem Begriff des Vertrauens gemeint ist. Ich glaube, dass man Befragte auch manchmal damit überfordert, was mit Vertrauen gemeint ist. Meines Erachtens haben solche Fragestellungen oft auch mit einem trivialen Verständnis von Wissenschaft zu tun. Wissenschaft wird oft reduziert auf Aussage einzelner Wissenschaften, die dann als Experten gehört werden. Getreu dem Motto eines Humoristen: „Von weit her kommt er angereist, Professor Dreist“. Als Experte gibt er Auskunft über das „Richtige“ und legt den Schalter um. Als wäre es so einfach, zwischen Wahrheit und Unwahrheit eine einfache Unterscheidung zu treffen. Das ist in den Wissenschaften, in den Geistes- wie den Naturwissenschaften, aber nicht so.

LNDW-Kampagne „Fake News. Sei klüger. Wissenschaften als Antwort auf Fake News“

Herr Prof. Panne, der Verein der Langen Nacht der Wissenschaften hat eine Kampagne entwickelt, „Fake News. Sei klüger“. Sie wollen damit Position beziehen gegen Falschdarstellungen, erfundene Behauptungen, Irrationalismus mit der Leitidee „Wissenschaften als Antwort auf Fake News“: Warum ist Ihnen das Thema Fake News in Bezug auf Wissenschaften so wichtig?

Prof. Panne: Uns ist es wichtig, dass wir an einem neuen Verständnis von Wissenschaft und deren Kommunikation arbeiten. Wir leben in einem postfaktischen Zeitalter, in dem manchmal objektive Fakten weniger einflussreich auf die Meinungsbildung sind als emotionale Appelle oder der persönliche Glaube. Wir sind der Meinung, dass wir als Bürger:innen die Verantwortung tragen, wie wir unsere Überzeugungen überprüfen und nach Evidenz suchen. Wir haben in diesem Jahr gesehen, dass sich zu den Fake News rund um die Klimadebatte Fake News hinzukamen, die aus dem pandemischen Erlebnis von Wissenschaft in Echtzeit entstanden. Gesellschaft und Politik haben miterlebt, dass es nicht DIE Wissenschaft gibt. Wissenschaft ist ein fortwährender Diskurs von Menschen, von Institutionen, von Disziplinen – das kann keine letzten Wahrheiten generieren. Das tut natürlich von außen betrachtet manchmal weh. Und wir haben auch erleben müssen, dass manchmal Wissen, lang erhärtetes Wissen in Debatten verflüssigt wird. Dagegen wollen wir mit der Kampagne „Fake News. Sei klüger“ etwas entgegenstellen.

Es geht darum, Vertrautheit mit Wissenschaften herstellen

Prof. Schulz: Ich würde gerne bekräftigen, was Herr Panne gesagt hat. Es gab einmal die Werbung einer Versicherung, die für sich war mit dem Spruch, „Vertrauen ist der Anfang von allem“. Aber der Anfang von allem ist vielmehr Vertrautheit. Veranstaltungen wie die Lange Nacht der Wissenschaften tragen dazu bei, wieder eine größere Vertrautheit mit der Wissenschaft zu erzielen. Das ist derzeit unser Problem auch mit unterschiedlichen Wahrheitsvorstellungen: Dass die Vertrautheit mit Wissenschaft, aber auch mit anderen Bereichen wie etwa der Politik nicht gegeben ist. Es gilt diese Vertrautheit mit Wissenschaft, mit Politik oder auch Kultur wiederherzustellen.

Haben sich Wissenschaftler*innen von den Menschen entfremdet?

Prof. Schulz: Wer da sich von wem entfremdet hat, lasse ich mal dahingestellt. Ich komme beispielsweise aus einfachen Verhältnissen. Meine Schwester war die erste in der Familie, die Abitur gemacht hat. Mein Vater sagte damals, jetzt „bist du eine Intellektüelle“. Was ich damit sagen will: Es liegt auch in der Verantwortung jedes Menschen, sich mit Wissen zu beschäftigen. Das Motiv des Menschen ist es, zu verstehen und verstanden zu werden – und da sind wir mittendrin in der Wissenschaft.

Fake News folgen Strategien – für die sollte man gewappnet sein

Herr Prof. Schulz, sie unterrichten strategische Kommunikation und spielen dabei unter anderem Rollenspiele mit den Studierenden. Was wollen Sie mit den Spielen vermitteln?

Prof. Schulz: Wir spielen so etwas wie Stuttgart 21 nach, Projekte bei denen unterschiedliche Interessensgruppen aufeinandertreffen. Es ist interessant, dass die Studierende dabei von sich aus auf den Gedanken kommen, Fake News zu verbreiten. Sie nutzen Fake News für ihre Strategien, um ihre Position in der Öffentlichkeit – wir vergeben verschiedene Rollen wie Politiker, Bürgerbewegung und eben auch Medien – nach vorne zu bringen. Die triviale Vorstellung von Strategie besagt, das ist nichts anderes als ein Plan. Im Spielerischen, beim Schach, bei Go, aber auch in anderen Kulturen gibt es einen anderen Begriff von Strategie. Das Verfremden von Informationen, das Simulieren von Informationen spielen dabei eine große Rolle. In China gibt es beispielsweise ein Arsenal von Kniffen und Kunstgriffen, die 36 Strategeme. Wenn man dort unterwegs sein will, muss diese Strategeme kennen. Um das auf Fake News zu beziehen: Es gibt die berühmte Gerasimov-Doktrin, benannt nach einem russischen Militär, der formulierte, dass bei der Kriegsführung mittlerweile auch Kommunikation eine Waffe sei, Stichwort: Cyber-Attacken. Meine Aufgabe als Wissenschaftler sehe ich darin, gewappnet zu sein und auch andere zu wappnen.

Den Wert von Technologien kenntlich machen, nicht nur deren Risiken

Herr Prof. Panne, Sie sind auch Präsident der Bundesanstalt für Materialprüfung und -forschung (BAM) und damit beauftragt, die Sicherheit in Technik und Chemie zu überprüfen, zu erforschen und Politik und Wirtschaft entsprechend zu beraten. Gibt es Fake News/Gerüchte, die Sie und Ihre Mitarbeitenden beschäftigen? Gegen die Sie angehen müssen?

Prof. Panne: Das hat sich deutlich verändert. Die BAM ist dieses Jahr 150 Jahre alt geworden. Das Verständnis von Wissenschaft und Technik war damals sicher ein ganz anderes als heutzutage. Damals war Technik ein Fortschrittsmotor, etwas, das mit Wohlstand verknüpft wurde. Technische Risiken wurden viel eher akzeptiert. Der Begriff Sicherheit hat heute eine ganz andere Bedeutung bekommen. Wir kümmern uns beispielsweise derzeit sehr intensiv in unserem Kompetenzzentrum Wasserstofftechnologie um Vertrauen in diese neue Technologie. Warum? Heutzutage können wir es uns nicht mehr erlauben, dass bei einem Technologiehochlauf etwas passiert. Wir müssen heute schon darüber nachdenken, wie wir mit Unfällen umgehen. Denn es können immer welche passieren, wir leben nicht in einer risikofreien Gesellschaft. Wie schaffen wir es, dass diese Technologie dann trotzdem noch für uns erhalten bleibt? Das ist die Schnittstelle, an der wir arbeiten und bei der es dann auch um Kommunikation geht. Etwa mit der Frage, wie wir dabei auch nicht-evidenzbasierten Argumentationen entgegentreten.

Als Chemiker kennen Sie sicher die Vorurteile, besser gesagt, Voreingenommenheit von Menschen gegenüber der Chemie. Obwohl unsere moderne Welt und unser Wohlstand ohne Chemie einfach nicht denkbar sind, wird „Chemisches“ abgelehnt und das Natürliche, die Natur, romantisiert. Wie gehen Sie, wie ihre Mitarbeit damit um?

Prof. Panne: Sicherlich gibt es ein wachsendes Misstrauen gegenüber manchen Disziplinen. Die Chemie gehört dazu. Auf der anderen Seite sind die Chemie und Materialwissenschaften die wichtigsten transformativen Naturwissenschaften, denen wir gegenüberstehen. Denn unsere Zukunft ist „dinglich“. Die vermutlich wichtigste Herausforderung heute ist die Lösung der Energiefrage. Diese Frage wird am Ende durch „Dinglichkeit“, durch „Sachen“ geregelt. Es geht also um Materialien, um Chemie, damit wir diesen Technologiewandel und eine gute Zukunft für uns alle erreichen. Insoweit müssen wir erreichen, dass auch der Wert gesehen wird und nicht immer nur Gefahren, die mit einer Disziplin und ihren Fortschritten verbunden sind.

Wissenschaftler:innen als Experten − Verlockung der Eindeutigkeit

Experten wie der Virologe Christian Drosten, der Präsident des RKI Roland Wieler oder die Modelliererin Viola Priesemann sind als Expert:innen medial und in der Politikberatung präsent. Nun wird kritisiert, man höre viel zu viel und geradezu sklavisch auf die Wissenschaftler – oder sogar auf die falschen. Können Sie diese Kritik nachvollziehen?

Prof. Schulz: Die Kritik ist dann berechtigt, wenn andere wissenschaftliche Disziplinen nicht auch befragt werden. Man kann die Maßnahmen beispielsweise aus einer sozialwissenschaftlichen Perspektive betrachten. Also beispielsweise, welche Folgen haben die Maßnahmen für Kinder, für bestimmte soziale Schichten. Gesellschaftlich habe ich den Eindruck, es gibt eine Verlockung der Eindeutigkeit. Als wenn alles nur mit einer Antwort beantwortet werden kann. Mitnichten! Auch in den Naturwissenschaften gibt es Widersprüche. Was mir fehlt, ist das Generieren von Alternativen. Das ist wieder strategisch, das weiß jeder Schach-, jeder Gospieler: Wenn ich keine Alternativen mehr habe, ist das Spiel vorbei. Dann bin ich schachmatt bzw. habe keine Freiheiten, wie es im Go heißt. Ich muss also Alternativen generieren und dafür sind die auch Wissenschaften unterschiedlicher Disziplinen wichtig.

Herr Prof. Panne, Ihr Kollege vom Robert-Koch-Institut (RKI), Prof. Dr. Lothar Wieler, steht in der Pandemie im Licht der Öffentlichkeit und wird mitunter massiv, auch persönlich angegriffen. Sind Sie manchmal froh, dass sie als BAM-Präsident so in der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen?

Prof. Panne: Die Ressortforschungseinrichtungen haben einen guten Kontakt zueinander. Ich habe immer wieder gegenüber den Kollegen Lothar Wieler und Klaus Cichutek (Anm.: Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel), die im grellen Licht der Öffentlichkeit stehen, meine Solidarität und auch meinen Respekt ausgedrückt. Ich finde, sie machen einen hervorragenden Job. Die Frage der Experten ist eine schwierige. Aus wissenschaftlicher Sicht lässt sich ja keine Aussage treffen, wie wir in Zukunft leben möchten. Empirische Wissenschaften können auf letzte Sinn- und Wertfragen keine Antwort geben. Auf der anderen Seite – und darüber freue ich mich sehr – ist eine lebhafte Diskussion entbrannt, wie soll ich heutzutage als Wissenschaftler agieren? Der klassische Satz in der Wissenschaft ist: „Good fences make good neighbours“. Man hält sich also vom Politischen und Gesellschaftlichen fern. Ich glaube nicht, dass das in der Zukunft haltbar sein wird. Wir werden sicher darüber streiten müssen, was das richtige Maß der Zuwendung von Wissenschaft zur Welt ist. In der nächste Dekade, die eine entscheidende für uns alle sein wird, wird sich die Wissenschaft nicht hinter einem Zaun vor der Politik verstecken dürfen. Wissenschaft muss zurück in die Gesellschaft. Wir müssen zeigen, dass die großen Lösungen nicht eindimensional sind. Wir werden das Thema Energie bspw. nicht mit, ketzerisch formuliert, ein wenig Wasserstoff lösen können. Heutzutage brauchen wir nicht nur inter-, sondern transdisziplinäre Lösungen. Der Klimawandel wird nicht mit drei Technologien gelöst werden.

Fakten und Wissenschaften waren niemals wichtiger als heute

Prof. Schulz: Diese Anfeindungen gegenüber Wissenschaftler:innen machen auch mir Sorge. In der Demokratie geht es um den Austausch von Argumenten. Die Trennung von Argument und Person ist ein wichtiger Bestandteil unserer demokratischen Vorstellung. Aristoteles äußert in seiner Poetika, dass das glaubwürdig Unmögliche höher wiege als das unglaubwürdig Mögliche. Das ist ein sehr denkwürdiger Satz. Warum? Weil damit die Argumente in eine moralische Kategorie verschoben werden. Und wir es dann sehr schnell und leicht mit solchen Anfeindungen zu tun haben.

Sehr oft wird dabei auch die Meinungsfreiheit bei Fake News bemüht, nach dem Motto: „Das wird man doch noch sagen dürfen …“

Prof. Panne: Wir müssen uns aktiv um Vertrauen bemühen. Demokratie und Wissenschaft werden erst durch Anfeindungen gestärkt. Das sind wir in den Wissenschaften vielleicht nicht gewöhnt, nicht mehr gewöhnt, gehört aber dazu. Fakten und Wissenschaften scheinen zwar bedroht, sie waren aber auch niemals wichtiger als in diesem Moment. Das ist die zentrale Botschaft.

Prof. Schulz: Da sind wir wieder bei „dubito, ergo cogito“ („ich zweifle, also denke ich“), dem Zweifel als Anfang. Das ist der entscheidende Punkte, dass Alternativen auch genannt werden. Was natürlich passiert, ist, dass sie vereinnahmt von bestimmten Gruppen werden. Da muss sich auch die Politik vorsehen, dass das nicht passiert. Um eines der genannten 36 Strategeme zu zitieren: „Das Brennholz heimlich unter dem Kessel wegnehmen“, also sinngemäß, das Wasser abgraben. Was aber häufig gemacht wird, ist, es wird noch ein Feuerholz drunter gelegt und dann geht die Sache erst richtig los.

Warum Wissenschaften Antwort auf Fake News sind

Fake News erzählen einfache Geschichte. Alles ist schwarz-weiß und sehr überschaubar. Wissenschaft ist komplizierter, prozesshafter, dauert länger. Wie können Wissenschaften diesen Nachteil ausgleichen und sind sie „Antwort auf Fake News“?

Prof. Panne: Auf jeden Fall! Wir leben zwar in einer beschleunigten Zeit, und das zieht auch eine Beschleunigung der Informationsverbreitung nach sich, was häufig eine direkte Eskalation erzeugt. Es gibt aber sehr wohl Gegenmaßnahmen: Das Vertrauen in Institutionen etwa. Das haben wir in der Pandemie jetzt erlebt. Institutionen wie das RKI ermöglichen es, uns schnell zu orientieren. Das andere, was wir erlebt haben, ist unter dem Begriff Open Science interessant. Wir haben noch nie mehr wissenschaftliche Zusammenarbeit erlebt als in dieser Pandemie. Das wird Open Science noch zu einem ganz anderen Durchbruch verhelfen. Man hat gesehen, globale Wissenschaften ist zumindest ein erstes Pflaster in einer so schwierigen Situation. Wir haben gesehen, wie schnell der Virus sequenziert wurde, wie schnell Impfstoffe entwickelt wurden mit einer Technologie, die noch wenigen Jahren keiner erwartet hätte. Das ist auch eine Beschleunigung der Wissenschaft, die durch Transparenz auch eine Möglichkeit für die Zukunft bietet. Und am Ende auch einen Mechanismus bietet, um sich Fake News entgegenzustemmen.

Prof. Schulz: Da stimme ich voll zu. Wir sprechen mittlerweile ja nicht nur von Interdisziplinarität, sondern von Transdisziplinarität. Insofern sind alle wissenschaftlichen Bereiche wichtig. Es ist interessant, dass der moderne Roman und die Wahrscheinlichkeitsrechnung in der gleichen Zeit entstanden sind. Beide sind dafür da, verschiedene Realitäten zu erheben oder zu konstruieren. Insofern sind auch die Kunst- und Kulturwissenschaften zentral, deren Aufgabe es ja gerade ist, Realität zu verdoppeln bzw. Realitätsangebote zu schaffen, die in vielen Zusammenhängen ganz hilfreich sind. Und die dann wiederum dazu führen, auch technologische Entwicklungen zu beflügeln.

Ausblick auf die LNDW 2021/2022

Die Lange Nacht der Wissenschaften ist tot. Es lebe die Lange Nacht der Wissenschaften. Herr Prof. Panne, wie geht es weiter?

Prof. Panne: Zunächst einmal gibt es trotz der jetzt ausgefallenen Veranstaltungen vor Ort, am 5. Juni 2021 auch digitale Angebote. Welche das sind können Sie auf der Website der LNDW ab Anfang Juni beobachten. Ich kann alle Zuhörer:innen nur einladen, dort virtuell Laborrundgängen und anderen interessanten Dingen zu folgen. Ich möchte auch noch auf unsere Sondersendung auf RadioEINS am 5. Juni zwischen 19 und 23 Uhr hinweisen, wo wir über den Äther einige spannende Projekte vorstellen. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir 2022 eine ganz tolle Lange Nacht der Wissenschaften haben werden, bei besten Wetter, mit ganz unglaublich tollen Einblicken in die Wissenschaft vor Ort in Berlin und Potsdam. Und darauf freuen wir uns aus dem Verein und alle Partner:innen ganz besonders.

"Wissenschaften als Antwort auf Fake News" (Folge 12)

investieren, heilen / 05.05.2021
Roboterassistierte Knie-Operation mit „Rosa“

Innovation bei Helios: Ab sofort setzt das orthopädische Team um Chefarzt Prof. Dr. Daniel Kendoff auf die Unterstützung eines semi-aktiven Roboters namens Rosa (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Innovation bei Helios: Ab sofort setzt das orthopädische Team um Chefarzt Prof. Dr. Daniel Kendoff auf die Unterstützung eines semi-aktiven Roboters namens Rosa (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

Ein neues computerbasiertes Assistenzsystem unterstützt ab sofort das Ärzte-Team der Orthopädie im Helios Klinikum Berlin–Buch bei Gelenkoperationen. Es optimiert die Anpassung der Gelenkprothese und sorgt für deren perfekten Sitz. Die Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten mit ihrem künstlichen Gelenk wird somit nochmals gesteigert.

Mit einem OP-Roboter zum künstlichen Kniegelenk

Ab sofort setzt das orthopädische Team um Prof. Dr. Kendoff auf die Unterstützung eines sogenannten semi-aktiven Roboters namens ROSA© im Operationssaal. Die halb-aktiven Roboter gelten als die sicherste Form in der Robotik. Hier trifft die Praxiserfahrung der Operateure auf die Präzision der Roboter. Prof. Dr. med. Daniel Kendoff, Chefarzt der Orthopädie sagt: „Unser Ziel ist, dass der Patient vergisst, dass er ein künstliches Gelenk hat. Das roboterassistierte Operieren mit dem System Rosa ist für uns Orthopäden ein neuer Meilenstein, um dieses Ziel zu erreichen.“

„Wir sind stolz, diese Innovation als erster Maximalversorger für Orthopädie in Deutschland und als eine der ersten Kliniken im Raum Berlin-Brandenburg anbieten zu können“, ergänzt Daniel Amrein, Geschäftsführer im Helios Klinikum Berlin-Buch. „Wir setzen auf digitale Lösungen, um die bestmögliche medizinische Versorgung für unsere Patientinnen und Patienten zu erreichen. Auch deutschlandweit gehören wir so zu den medizinischen Vorreitern auf diesem Gebiet, denn in ganz Deutschland bieten derzeit nur 15 Kliniken die Operation mit einem roboterassistierten Eingriff an“, sagt Amrein.   

Wie funktioniert eine roboterassistierte Operation?

Zuerst wird das Knie mithilfe von Röntgenaufnahmen individuell vermessen. Am Computer fertigen die Orthopäden dann eine digitale Operationsplanung an. Im Operationssaal werden sogenannte Tracker am Knie des Patienten angebracht - die Navigationseinheit erkennt sie und überträgt die räumliche Kniestellung sowie die geplanten Knochenschnitte an den Roboter.

Am einarmigen Roboter können Werkzeuge befestigt werden, um den Knochen zu bearbeiten. Der Operateur führt mit seinen Händen selbst die Säge/Fräse und besitzt jederzeit die Kontrolle über das Instrument. Der Roboter definiert millimetergenau die Schnittebene und die Grenzen. Dadurch wird ein unkorrektes Sägen verhindert. Nerven, Gefäße oder Bänder werden besser geschützt.

Am Ende der Knie-Operation kann noch einmal die geplante Prothesenposition und die korrekte Stabilität im Gelenk individuell überprüft werden. Dabei hilft die Kontrollfunktion des Systems. Durch die digitale Dokumentation wird die Operation sehr genau nachvollziehbar.

Roboter und Operateur im Team: Präzision und geringe Fehleranfälligkeit

Prof. Dr. Kendoff ist von der Orthopädie-Robotik überzeugt: „Mit robotergesteuerter Unterstützung wird das künstliche Kniegelenk millimetergenau eingesetzt, die erforderliche Herstellung der geraden Beinachse im Kniegelenk sowie die korrekten Rotationen der Prothesenkomponenten kann mithilfe des neuen System Rosa sichergestellt werden.“

Wissenschaftliche Studien zeigten eine hohe Reproduzierbarkeit und extrem geringe Fehleranfälligkeit. Es wurden bereits zahlreiche positive Effekte nachgewiesen, wie beispielsweise ein geringeres Risiko für Revisionsoperationen und eine schnellere Rehabilitation oder geringerer postoperativer Schmerz.

Operationen am Knie gelten als schwierig – das Kniegelenk ist ein hochkomplexes System mit Knochen, Nerven, Sehnen, Bändern. Studien zufolge sind rund 25 Prozent der Patientinnen und Patienten nach herkömmlichen Knieoperationen mit ihrer Prothese nicht vollkommen zufrieden. Sie klagen u.a. über Bewegungseinschränkungen und Schmerzen. Solche Begleiterscheinungen sollen künftig seltener vorkommen, weil bei Operationen mit Unterstützung künstlicher Intelligenz die Kniegelenke optimal eingepasst sind.

Kontakt:

Helios Klinikum Berlin-Buch
Fachbereich Orthopädie

Chefarzt: Prof. Dr. med. Daniel Kendoff
Schwanebecker Chaussee 50, 13125 Berlin
T (030) 9401-52 320 und -12 345 (Erreichbarkeit Montag bis Freitag: 08:00 bis 15:00 Uhr)

forschen / 04.05.2021
Zuviel Salz bremst Fresszellen aus

Erhöhte Natriumkonzentrationen im Blut führen dazu, dass die Mitochondrien – die Kraftwerke der Zellen – vorübergehend weniger ATP produzieren. © Felix Petermann, MDC
Erhöhte Natriumkonzentrationen im Blut führen dazu, dass die Mitochondrien – die Kraftwerke der Zellen – vorübergehend weniger ATP produzieren. © Felix Petermann, MDC

Erhöhte Natriumkonzentrationen im Blut dämpfen die Energieproduktion in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle. Das hat Folgen für Immunzellen. Den Mechanismus dahinter hat ein internationales Team um eine Forschungsgruppe am MDC aufgeklärt und im Fachjournal „Circulation“ publiziert.

Das Essen nachzusalzen ist für viele Menschen ganz normal. Im Grunde denkt man gar nicht darüber nach. Sollte man aber! Denn zu viel Kochsalz kann nicht nur den Blutdruck in die Höhe treiben, sondern auch den Energiehaushalt von Immunzellen empfindlich stören und damit ihre Funktionsfähigkeit beeinträchtigen.

Bereits 2015 hatte die Arbeitsgruppe von Professor Dominik Müller vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und vom Experimental and Clinical Research Center (ECRC) herausgefunden, dass erhöhte Natriumkonzentrationen im Blut sich sowohl auf die Aktivierung als auch die Funktion patrouillierender Monozyten, der Vorläuferzellen der Makrophagen, auswirkt. „Wir wussten aber nicht, was dabei genau in der Zelle passiert“, sagt Dr. Sabrina Geisberger vom Berlin Institute for Medical Systems Biology (BIMSB) des MDC. Sie ist Erstautorin der Studie eines internationalen Teams, das MDC-Wissenschaftler*innen zusammen mit Forscher*innen der Universität Regensburg und des Flämischen Instituts für Biotechnologie (VIB) / Hasselt University in Belgien angeführt haben. Das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislaufforschung (DZHK) hat die Arbeit gefördert, die jetzt im Fachjournal „Circulation“ erschienen ist.

Salz unterbricht die Atmungskette in den Zellen

Gemeinsam mit dem Biochemiker und Metabolomics-Experten Dr. Stefan Kempa vom BIMSB sahen sich die Forschenden zunächst im Labor den Stoffwechsel von Immunzellen an, die zuvor erhöhten Salzkonzentrationen ausgesetzt waren. Schon nach drei Stunden zeigten sich Veränderungen. „Die Atmungskette wird unterbrochen: Die Zellen produzieren weniger ATP und verbrauchen weniger Sauerstoff“, erklärt Sabrina Geisberger. ATP (Adenosin-Triphosphat) ist der universelle Kraftstoff aller Zellen. Er liefert Energie für die „chemische Arbeit“ – die Synthese von Proteinen und anderen Molekülen – für Muskelkraft und die Regulation des Stoffwechsels. Gewonnen wird ATP in den Mitochondrien, den „Kraftwerken“ der Zelle, mit Hilfe einer komplexen Folge von biochemischen Reaktionen – der Atmungskette. „Kochsalz inhibiert sehr spezifisch den Komplex II der Atmungskette.“

Das hat Folgen: Wegen des Energiemangels reifen die Monozyten anders aus. „Die Fresszellen, deren Aufgabe es ist, Krankheitserreger im Körper aufzuspüren und zu beseitigen, konnten einerseits Pathogene besser bekämpfen. Andererseits könnten Entzündungsprozesse dadurch eher gefördert werden, was unter Umständen das kardiovaskuläre Risiko erhöht“, erklärt Dominik Müller.

Reversible Salzeffekte

Professor Markus Kleinewietfeld von der Universität Hasselt und VIB und Professor Jonathan Jantsch von der Universität Regensburg waren maßgeblich an den Untersuchungen von humanen Monozyten und Makrophagen beteiligt. Sie konnten zeigen, dass in humanen Fresszellen Salz in gleicher Weise die Funktion beeinflusst.

Am ECRC, einer gemeinsamen Einrichtung des MDC und der Charité – Universitätsmedizin Berlin, folgte dann eine Studie, bei der gesunde männliche Probanden 14 Tage lang zusätzlich zu ihrer gewohnten Nahrung täglich sechs Gramm Kochsalz in Form von Salztabletten aufnahmen. In einer anderen klinischen Studie untersuchten die Forschenden auch eine typische Alltagssituation: den Verzehr einer Pizza vom Lieblingsitaliener. Anschließend analysierten sie den Zustand der Monozyten im Blut der Probanden. Das Ergebnis: Der dämpfende Effekt auf die Mitochondrien zeigte sich nicht nur bei der längerfristig erhöhten Salzzufuhr, sondern schon nach einmaligem Pizzagenuss. Wie lange er anhält, zeigten die Daten des Pizza-Experiments. Den Probanden wurde nach drei und acht Stunden Blut abgenommen: In der zweiten Probe war der Effekt kaum noch messbar.

„Das ist auch gut so. Denn wäre es zu einer langanhaltenden Störung gekommen, müsste man sich Sorgen machen, dass die Zellen längerfristig nur eingeschränkt mit Energie versorgt werden“, sagt Dominik Müller. Die Mitochondrien-Aktivität ist demnach nicht dauerhaft gehemmt. Dass es zu Akkumulationseffekten kommt, wenn Menschen mehrmals am Tag stark salzige Mahlzeiten zu sich nehmen, ist jedoch nicht auszuschließen. Dies muss jetzt näher untersucht werden. Die Pizza enthielt übrigens insgesamt zehn Gramm Salz. Ernährungsgesellschaften empfehlen Erwachsenen pro Tag nicht mehr als fünf bis sechs Gramm. Das versteckte Salz in verarbeiteten Lebensmitteln ist dabei bereits eingerechnet.

Kleines Ion, große Wirkung

„Die grundlegende Erkenntnis unserer Studie ist, dass so ein kleines Molekül wie das Natriumion ein ganz zentrales Enzym der Atmungskette extrem effizient hemmen kann“, betont Stefan Kempa. „Wenn diese Ionen in die Mitochondrien einströmen – und das tun sie unter verschiedenen physiologischen Bedingungen – regulieren sie den zentralen Punkt in der Elektronentransportkette.“ Es scheint also ein sehr grundlegender Regulationsmechanismus der Zelle zu sein.

Nun müsse untersucht werden, ob dieser Mechanismus auch bei anderen Zelltypen durch Salz beeinflussbar ist. Und das sei äußerst wahrscheinlich, meint Markus Kleinewietfeld. Denn Mitochondrien finden sich nicht nur in Immunzellen, sondern – mit Ausnahme der roten Blutkörperchen – in jeder Körperzelle. Besonders viele sitzen dort, wo viel Energie verbraucht wird: in Muskel-, Nerven-, Sinnes- und Eizellen.

Noch ist unklar, wie bei bestimmten Zelltypen der Natriumeinstrom in die Mitochondrien reguliert wird. Die Studie untermauert jedoch, dass zu hoher Salzkonsum die Gesundheit beeinträchtigen kann. „Man denkt natürlich zuerst an das kardio-vaskuläre Risiko. Doch mehrere Studien haben gezeigt, dass Salz Immunzellen auf verschiedenste Weise beeinflussen kann. Ist ein so fundamentaler Zellmechanismus langfristig gestört, könnte sich das nachteilig auswirken. Entzündliche Erkrankungen an Gefäßen, an Gelenken oder Autoimmunerkrankungen könnten dadurch möglicherweise begünstigt werden“, sagt Markus Kleinewietfeld.

Weiterführende Informationen

Sabrina Geisberger et al. (2021): „Salt transiently inhibits mitochondrial energetics in mononuclear phagocytes“. Circulation, DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.120.052788

 

produzieren / 28.04.2021
Eckert & Ziegler schließt langfristigen Liefervertrag mit Sirtex Medical für Yttrium-90 zur Behandlung von Leberkrebs

Die Eckert & Ziegler AG (ISIN DE0005659700, TecDAX) und Sirtex Medical (Sirtex) haben einen langfristigen Liefervertrag über die Verwendung von Yttrium-90 in Sirtex-Mikrosphären zur Behandlung von Leberkrebs abgeschlossen. Die Vereinbarung hat zunächst eine Laufzeit von fünf Jahren und garantiert EZAG einen substanziellen Anteil an der steigenden weltweiten Nachfrage von Sirtex. Sie ergänzt die bestehende Liefervereinbarung, die bereits seit 2009 zwischen Sirtex und Eckert & Ziegler besteht. Die für das Geschäftsjahr 2021 abgegebene Umsatzprognose der Eckert & Ziegler AG bleibt unberührt.

„Wir freuen uns über diese langfristige strategische Partnerschaft. Der Vertrag festigt unsere langjährige Zusammenarbeit und vereinfacht die Planbarkeit für beide Parteien. Er unterstreicht erneut unsere starke Marktposition und Kompetenz als führender Produktionspartner für die pharmazeutische Industrie“, erklärt Dr. Lutz Helmke, Mitglied des Vorstands der Eckert & Ziegler AG und verantwortlich für das Segment Medical. „Mit unserer geographischen Expansionsstrategie bieten wir unseren Kunden eine zuverlässige und weltweite Versorgung mit hochwertigen Radioisotopen.“

„Mit seinem globalen Produktionsnetzwerk ist Eckert & Ziegler für uns der ideale Partner für die weltweite Zulieferung von Yttrium-90. In mehr als 50 Ländern wird unsere Therapie zur Behandlung von Leberkrebs eingesetzt. Unsere vor kurzem bei der FDA eingereichte, erste prospektive, multizentrische US-Studie zur Zulassung als Primärtherapie des hepatozellulären Karzinoms hat das Potenzial, die von der FDA zugelassene Indikation für den Einsatz von SIR-Spheres® in den USA zu erweitern“, erläutert Kevin R. Smith, CEO von Sirtex Medical Ltd.

Von seinen Produktionsstätten in Braunschweig und Boston (MA), USA beliefert Eckert & Ziegler die Sirtex Standorte in Frankfurt, Boston und Singapur mit Yttrium-90.

Bei der Radioembolisation oder selektiven internen Radiotherapie (SIRT) werden winzige radioaktive Kügelchen direkt in die Lebertumore eingebracht. Die klinischen Daten dieser Therapieform, die bereits seit 2002 angewendet wird, überzeugen immer stärker. Das renommierte britische National Institute for Health and Care Excellence (NICE) erteilte im Februar 2021 eine positive Empfehlung für die Behandlung von fortgeschrittenen Leberkarzinomen mit SIR-Spheres® Y-90 Mikrosphären. Jährlich erkranken weltweit rund 840.000 Personen an Leberkrebs (Quelle: Globocan, 2018).

Im Hinblick auf die steigende Nachfrage nach radiopharmazeutischen Substanzen erweitert Eckert & Ziegler momentan seine Produktionsstandorte. Der Standort Boston (MA), USA wird zum Jahresende 2021 um eine neue GMP-Anlage ergänzt. In Berlin wird im ersten Quartal 2022 eine neue GMP-Anlage mit einer Gesamtfläche von rund 270 m² betriebsbereit sein. In Jintan (China) investiert Eckert & Ziegler bis zu 50 Mio. EUR in den Bau einer Produktionsstätte für Radiopharmazeutika.

Mit dieser Expansionsstrategie positioniert sich Eckert & Ziegler als globaler Partner der radiopharmazeutischen Industrie und bietet komplette Frühentwicklungsdienstleistungen an, einschließlich Prozessentwicklung und Scale-up, CMC-Entwicklung, Herstellung und Verpackung, Produktfreigabe und Stabilitätsprogramme. Das Unternehmen wird damit in der Lage sein, als radiopharmazeutischer Auftragsfertiger Produkte im klinischen Maßstab der Phasen I, II und III und für den kommerziellen Einsatz herzustellen.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 800 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.

www.ezag.de

forschen / 22.04.2021
MDC für vorbildliche Kommunikation zu Tierversuchen ausgezeichnet

Forscher*innen am MDC haben während der Corona-Pandemie im Jahr 2020 deutlich weniger Versuchstiere verwendet als in den Jahren zuvor. Für seine Transparenz beim Thema Tierversuche ist das MDC jetzt mit dem Siegel „Vorbildliche Kommunikation tierexperimenteller Forschung“ ausgezeichnet worden.

Am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) sind im Jahr 2020 insgesamt 35.166 Tiere für die biomedizinische Grundlagenforschung eingesetzt worden. Das sind 9.359 Tiere weniger als 2019. Der weitaus größte Teil der genutzten Tiere auf dem Campus Buch und in Berlin-Mitte waren Mäuse (insgesamt 30.315). Außerdem haben MDC-Wissenschaftler*innen mit Ratten und Fischen erforscht, wie sich menschliche Krankheiten entwickeln. Diese Zahlen hat das MDC jetzt an das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) übermittelt.

 

Starker Rückgang wegen Corona-Einschränkungen

 

Der Rückgang der Zahl der Versuchstiere setzt eine Entwicklung der vergangenen beiden Jahre fort und hat mehrere Gründe. Die Dimension des Rückgangs im Jahr 2020 hat vor allem mit der Corona-Pandemie und den damit verbundenen erschwerten Forschungsbedingungen in der Biomedizin zu tun: Im März 2020 hat das MDC zunächst auf den Basisbetrieb umgestellt, und nur einige wenige Forschungsgruppen konnten wie üblich weiterarbeiten. Bis heute sind alle Beschäftigten im erweiterten Basisbetrieb, in den Laboren und in den Büros muss nach wie vor genügend Abstand gehalten werden. Auch der Tierhaus-Betrieb unterliegt den strengeren Corona-Vorschriften. Deshalb wurden während der Pandemie weniger neue Experimente begonnen.

 

 

Neben den üblichen Schwankungen (Beginn bzw. Ende von Experimenten oder Arbeitsgruppen) sind zudem die 3R-Prinzipien (Vermeiden, Verringern, Verbessern) zu nennen, die Wissenschaftler*innen am MDC systematisch befolgen und weiterentwickeln.

Ende 2020 hat das MDC sein neues Präklinisches Forschungscentrum (PRC) eröffnet. Dort hat das MDC beste Bedingungen dafür geschaffen, dass wissenschaftlich notwendige Tierversuche so schonend wie möglich durchgeführt und reduziert werden können.

Ohnehin nutzen MDC-Forscherinnen und -Forscher vorwiegend Zell- und Gewebekulturen sowie oft auch Computermodelle und Künstliche Intelligenz. Sie entwickeln neuartige Verfahren, um zum Beispiel mit Organoiden (Mini-Organen in der Petrischale) und anderen Stammzelltechnologien medizinische Probleme zu untersuchen. Nur wenn es keine alternativen Methoden gibt, um zu dem erstrebten Fortschritt zu kommen, darf ein Tierversuch stattfinden. Hierbei müssen die Wissenschaftler*innen möglichst wenig Tiere einsetzen, und sie müssen die Versuche so schonend wie möglich gestalten. Der erwartete wissenschaftliche und medizinische Nutzen jedes Versuchs muss also gegen die Belastung der Versuchstiere abgewogen werden.

Siegel für Transparenz

Für seine offene und dialogorientierte Kommunikation zum Thema Tierversuche und 3R ist das MDC jetzt mit dem Siegel „Vorbildliche Kommunikation tierexperimenteller Forschung“ ausgezeichnet worden. Die Initiative „Tierversuche verstehen“ vergibt dieses Siegel in diesem Jahr erstmals an Forschungseinrichtungen und Wissenschaftsorganisationen, die „sich in vorbildlicher Weise für transparente und offene Kommunikation zum Thema engagieren“. Zur Begründung heißt es von der Initiative: „In vorbildlicher Weise werden auf der Webseite des MDC an zentraler Stelle Informationen zu Versuchstierzahlen, dem 3R-Prinzip oder der Entwicklung und Verwendung alternativer Forschungsmethoden transparent und verständlich dargestellt. Das MDC beteiligt sich an Informationsveranstaltungen für die Politik oder regionalen Events wie etwa der Berlin Science Week. Vorbildlich ist auch die Solidarität unter den Mitarbeitenden.“

Neben dem MDC hat die Initiative die Universität Hohenheim (Stuttgart), das Deutsches Primatenzentrum – Leibniz Institut für Primatenforschung (Göttingen), das Rudolf-Zenker-Institut für Experimentelle Chirurgie der Universitätsmedizin Rostock sowie Pro-Test Deutschland e.V. und die Max-Planck-Gesellschaft ausgezeichnet.

Das MDC kommuniziert seit Jahren aufgeschlossen und proaktiv. Forscher*innen erklären, warum sie in der biomedizinischen Grundlagenforschung und der angewandten Gesundheitsforschung Tiere einsetzen und warum sie auf Tierversuche noch nicht verzichten können. Auf seiner Webseite und in öffentlichen Diskussionen, bei großen Publikumsevents wie der Langen Nacht der Wissenschaften oder bei Besuchen am MDC suchen die Wissenschaftler*innen den Dialog, beantworten Fragen und stellen sich Kritik. Zuletzt haben sich viele Forschungsgruppenleiter*innen aus allen Bereichen am MDC zu Wort gemeldet und öffentlich erklärt: „Warum wir auf Tierversuche noch nicht verzichten können.“

Thomas Sommer: Kein Impfstoff ohne Tierversuche

„Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung. Sie ist für uns eine Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Unsere Gesellschaft braucht den offenen Austausch auch über strittige Fragen“, sagt Professor Thomas Sommer, Wissenschaftlicher Vorstand des MDC (komm). „Gerade in der Corona-Pandemie haben wir gesehen, wie wichtig ein gutes Verständnis für wissenschaftliche Prozesse und wissenschaftliches Arbeiten ist. Dazu möchten wir beitragen, auch durch eine ehrliche Tierversuchskommunikation. Denn auch das hat die Corona-Pandemie gezeigt: Ohne Tierversuche gibt es keinen medizinischen Fortschritt! Alle Impfstoffe, die uns vor dem Virus schützen können, basieren auf jahrzehntelanger Grundlagenforschung - mit Tierversuchen.“

Weiterführende Informationen:

Forschung, Tierversuche und 3R am MDC

Pressemitteilung auf der MDC-Webseite

Alle Zahlen im Überblick

Präklinisches Forschungscentrum des MDC – Meilenstein für schonende Tierversuche

Tierversuche verstehen: Qualitätssiegel für Best Practice in der Tierversuchskommunikation


Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

Quelle :Pressemitteilung: MDC für vorbildliche Kommunikation zu Tierversuchen ausgezeichnet
Pressemitteilung: MDC für vorbildliche Kommunikation zu Tierversuchen ausgezeichnet

leben, heilen / 22.04.2021
Neue Corona-Teststelle in Buch

Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung eröffnet am Donnerstag, den 22. April 2021 weitere Corona-Teststellen in Berliner Außenbezirken.

Die Teststellen befinden sich in:

  • Reinickendorf: Alt-Heiligensee 45/47, 13503 Berlin, geöffnet von 8 – 18 Uhr
  • Marzahn-Hellersdorf, Ortsteil Biesdorf: Frankenholzerweg 4 12683 Berlin, geöffnet von 8 – 18 Uhr
  • Neukölln: Alte Dorfschule Rudow, Alt-Rudow 60, 12355 Berlin, geöffnet am 22. April 2021 von 9 – 18 Uhr, ab dem 23. April 2021 von 8 – 18 Uhr
  • Pankow: Groscurthstr. 29-33, 13125 Berlin, geöffnet von 8 – 18 Uhr
  • Lichtenberg: Treskowallee 8, 10318 Berlin, geöffnet von 8 – 18 Uhr
  • Spandau: Zitadelle, Am Juliusturm 64, 13599 Berlin, geöffnet von 8 – 18 Uhr

Die neuen Zentren haben zusammen eine Testkapazität von 4.500 Tests pro Tag und verfügen über die Fähigkeit zum PoC-Schnelltest und zur PCR-Nachtestung.

Weitere Informationen finden Sie unter https://test-to-go.berlin

Quelle: Pressemitteilung der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung

forschen / 22.04.2021
Mit Organoiden erstmals das Leigh-Syndrom erklären

In den Organoiden, in denen die SURF1-Mutation genetisch korrigiert wurde, sind die neurogenen Vorläuferzonen (grün) wiederhergestellt, und es können reife Neuronen (rot) gebildet werden. (© Dr. Rybak-Wolf, Organoide Plattform, MDC)
In den Organoiden, in denen die SURF1-Mutation genetisch korrigiert wurde, sind die neurogenen Vorläuferzonen (grün) wiederhergestellt, und es können reife Neuronen (rot) gebildet werden. (© Dr. Rybak-Wolf, Organoide Plattform, MDC)

Wenn die Kraftwerke der Zellen nicht richtig funktionieren, ist die Lebenswartung gering. Sonst weiß man wenig über das Leigh-Syndrom. Mit Organoiden haben Forschende aus Düsseldorf und Berlin nun ein erstes menschliches Modell dieser seltenen Erkrankung geschaffen und stellen es in „Nature Communications“ vor.

Das Leigh-Syndrom, auch als subakute nekrotisierende Enzephalomyelopathie bezeichnet, ist eine der schwersten erblichen Hirnerkrankungen bei Kindern. Dabei bringen verschiedene Genmutationen die Mitochondrien aus dem Gleichgewicht, die eine wichtige Rolle im Energiehaushalt des Körpers spielen. SURF1 ist eines der Kernene, das beim Leigh-Syndrom häufig verändert ist.  Die betroffenen Kinder erkranken meist in den ersten Lebensmonaten, leiden an Bewegungsstörungen, Atem- und Schluckbeschwerden sowie einergeistigen Behinderung. Die meisten Kinder sterben innerhalb weniger Monate oder Jahre. Therapien gibt es nicht.

Gesucht: Angriffspunkte für gezielte Therapie

„Bislang gab es kein effektives Modell für das durch SURF1-Defekte verursachte Leigh-Syndrom, das Wissenschaftler*innen dabei unterstützt, die molekularen Mechanismen der Krankheit zu verstehen“, erklärt Professor Alessandro Prigione, der mit seinem Team an der Klinik für Allgemeine Pädiatrie des Universitätsklinikums Düsseldorf den Stoffwechsel von Stammzellen erforscht. Gemeinsam mit den Gruppen von Professor Nikolaus Rajewsky, Direktor des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), und von Professor Markus Schuelke an der Klinik für Neuropädiatrie der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben die Wissenschaftler*innen um Prigione nun das erste Organoid des Leigh-Syndroms entwickelt. Das Modell, das sie im Fachblatt „Nature Communications“ vorstellen, basiert auf induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen), die mit der CRISPR-Cas9-Genschere verändert wurden. Im Fachblatt „Nature Communications“ stellen sie es vor. „Wir zeigen mit dieser Studie, dass Modellsysteme aus iPS-Zellen von Patient*innen den Weg zu Therapien für eine seltene Krankheit mit hohem medizinischen Bedarf eröffnen“, umschreibt Erstautorin Dr. Gizem Inak die Bedeutung ihrer Arbeit.

Wissenschaftler*innen haben in der Vergangenheit vielfach versucht, mitochondriale Erkrankungen an Tiermodellen zu untersuchen. „Doch das Erbgut der Mitochondrien unterscheidet sich deutlich von der Kern-DNA“, erklärt Prigione. „Methoden, mit denen Gene im Zellkern modifiziert werden können, funktionieren bei Mitochondrien einfach nicht.“ Schon vor einigen Jahren hat Prigione, damals Delbrück-Fellow am MDC, mit seinem Forschungsteam ein zellbasiertes Modell für mitochondriale Erkrankungen entwickelt. Die Wissenschaftler*innen versetzten Hautzellen von Erkrankten in einen ursprünglicheren Zustand zurück und schufen so iPS-Zellen. Diese wandelten sie in einem weiteren Schritt in Nervenzellen um.

Neue Einsatzgebiete für vorhandene Medikamente finden

Dabei stellten sie fest, dass die Vorläuferzellen von Neuronen auf den Stoffwechsel der Mitochondrien angewiesen sind. Da dieser Stoffwechsel medikamentös beeinflusst werden kann, eignen sich die Vorläuferzellen als Modell für die Entwicklung von Medikamenten. So kann an den Vorläuferzellen getestet werden, wie verschiedene Substanzen wirken. Als Koordinator eines Konsortiums, das vom European Joint Program for Rare Diseases (EJP-RD) finanziert wird, sucht Prigione mit dieser Methode nach Wirkstoffen, die für andere Indikationen bereits zugelassen sind, möglicherweise aber auch gegen das Leigh-Syndrom wirken. Der Vorteil: Bei Medikamenten, die von den Zulassungsbehörden bereits geprüft worden sind, ist die Testphase deutlich kürzer. Klinische Studien können eher beginnen, so dass neue Therapien schneller zur Verfügung stehen.

Mit Organoiden die Hirnentwicklung modellieren

Auch für die aktuelle Studie schuf Gizem Inak aus den Zellen von Patient*innen iPS-Zellen. Mithilfe der Genschere CRISPR-Cas9 korrigierte sie  die SURF1-Mutation. Parallel dazu schleuste sie das mutierte SURF1-Gen in gesunde Kontroll-iPS-Zellen ein. Dann gingen die Wissenschaftler*innen einen Schritt weiter. Dr. Agnieszka Rybak-Wolf, die die MDC-Technologieplattform „Organoide“ leitet, züchtete aus den genetisch veränderten Stammzellen Organoide. „Organoide ermöglichen es, die komplexe menschliche Gehirnentwicklung bis zu einem gewissen Grad zu modellieren. Mit Standard-Monolayer-Zellkulturen allein ist das nicht wirklich möglich“, sagt Agnieszka Rybak-Wolf. Organoide sind Miniatur-Organe, kaum so groß wie ein Stecknadelkopf, in denen sich die Zellen dreidimensional anordnen und einige Strukturen des Original-Organs in der Petrischale widerspiegeln – in diesem Fall der Gehirne von Menschen mit und ohne Leigh-Syndrom.

So entdeckten die Wissenschaftler*innen, dass die neuronalen Defekte beim Leigh-Syndrom möglicherweise von einem Energiedefizit bereits auf der Ebene der Vorläuferzellen verursacht werden. „Die Vorläuferzellen der Patient*innen bildeten keine Verzweigungen und differenzierten nicht weiter zu Neuronen“, beschreibt Prigione die Stagnation auf Ebene der Neuronen-Vorstufe. „Es war unglaublich, was in der Petrischale passiert ist, nachdem die Mutation korrigiert worden war“,sagt Agnieszka Rybak-Wolf. „Das Organoid fing an, sich zu entwickeln. Am Ende sah es fast genauso aus wie die gesunden Organoide.“

Leigh-Syndrom ist eine neurologische Entwicklungsstörung

Das war nicht die einzige Überraschung. Das Leigh-Syndrom galt bislang als neurodegenerative Erkrankung, ausgelöst von einer Schädigung der Neuronen durch freie Radikale. „Indem wir nachgewiesen haben, dass der gestörte Zellstoffwechsel bereits die neuronalen Vorläuferzellen beeinträchtigt, haben wir gezeigt, dass es sich beim Leigh-Syndrom nicht ausschließlich um eine neurodegenerative Erkrankung handelt, bei der sich Neuronen erst ausbilden und dann absterben“, fasst Gizem Inak zusammen. „Es handelt sich eher um eine neurologische Entwicklungsstörung.“ Dies könnte auch erklären, warum Kinder, die am Leigh-Syndrom erkrankt sind, häufig einen vergleichsweise kleinen Schädel haben oder geistig beeinträchtigt sind.

Ansätze für neue Behandlungsstrategien

„Dieser Einblick in den Mechanismus der Krankheit kann nun dafür genutzt werden, zielgerichtete Behandlungsstrategien für Kinder zu entwickeln, die an dieser seltenen Erkrankung leiden“, sagt Prigione. Ein Weg könnte darin bestehen, die verminderte Energieleistung in den Vorläuferzellen mithilfe der SURF1-Gentherapie zu verbessern. Dabei würde nicht das mutierte SURF1-Gen entfernt, sondern eine gesunde Kopie des Gen eingeschleust, damit sie die Mutation schachmatt setzt. Für andere neurologische Erkrankungen wird dieser Ansatz bereits getestet. Als möglichen Kandidaten für eine medikamentöse Therapie identifizierten die Wissenschaftler*innen Bezafibrat, ein Medikament, das zur Diätunterstützung bei Erwachsenen zugelassen ist. Es kurbelt nicht nur den Fettstoffwechsel an, sondern aktiviert auch das sogenannte PGC1-Alpha, einen Regulator des Zellstoffwechsels. „Ein Krankheitsmodell zu entwickeln war der erste Schritt“, fasst Prigione zusammen, „jetzt können wir dieses Modell nutzen, um nach den effektivsten therapeutischen Strategien gegen diese schwere Kinderkrankheit zu suchen.“

 

Weitere Informationen

 

Literatur

Gizem Inak et al: Defective metabolic programming impairs early neuronal morphogenesis in neural cultures and an organoid model of Leigh Syndrome”, in Nature Communications, DOI: 10.1038/s41467-021-22117-z

www.mdc-berlin.de