Aktuelles

leben / 04.03.2021
Pankow tritt Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ bei

Der Bezirk Pankow hat jetzt, vertreten durch den zuständigen Bezirksstadtrat Daniel Krüger, die Deklaration „Kommunen für biologische Vielfalt“ unterzeichnet. In Berlin sind mit Lichtenberg, Mitte, Marzahn-Hellersdorf, Charlottenburg-Wilmersdorf und Friedrichshain-Kreuzberg bereits fünf weitere Bezirke Mitglied.

Ziel dieses Bündnisses ist es, die biologische Vielfalt zu erhalten und zu entwickeln, um zur Stabilität der Ökosysteme und somit zur Sicherung der für uns allen bedeutsamen natürlichen Lebensgrundlagen beizutragen. Die Zerstörung und Zerschneidung von Lebensräumen gefährdet diese Artenvielfalt besonders stark und wird häufig durch Bauvorhaben (Wohnungen, Infrastrukturen) verursacht. Der Erhalt der Artenvielfalt ist eines der Hauptziele des Naturschutzes und wird im Bundesnaturschutzgesetz benannt. In der Konsequenz soll in Zukunft darauf geachtet werden, dass sämtliche Stadtentwicklungsprojekte und Infrastrukturvorhaben sich mit den Zielen des Artenschutzes vertragen und umsetzbar sind ohne diesen signifikant zu beeinträchtigen.

Seit September 2020 ist das Land Berlin zudem Mitglied beim Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“.

Weitere Informationen im Internet unter: https://www.kommbio.de/service/pressemitteilungen/articles/berlin-ist-mitglied/

produzieren, leben / 04.03.2021
Gewerberechtliche Allgemeinverfügung erlassen

"Erlöschensfristen" werden bis 31. Juli 2022 verlängert

Eine Allgemeinverfügung zum Fortbestehen von Erlaubnissen nach bestimmten gewerberechtlichen Regelungen hat das Bezirksamt Pankow jetzt erlassen. Hintergrund ist, dass bestimmte gewerberechtliche Erlaubnisse erlöschen, wenn Inhaber:innen den Betrieb nicht innerhalb eines Jahres nach Erteilung der Erlaubnis begonnen oder seit einem Jahr nicht mehr ausgeübt haben. In den mit dem Infektionsgeschehen durch das Coronavirus - SARS-CoV-2 einhergehenden rechtlichen und tatsächlichen Einschränkungen beim Betrieb der Gewerbe liegt ein wichtiger Grund für diese Fristenverlängerung bis zum 31. Juli 2022 vor.

Da Kneipen, Clubs, Spielhallen und Prostitutionsstätten erstmalig bereits ab 14. März 2020 geschlossen werden mussten, erfolgt die Bekanntmachung der Allgemeinverfügung rechtzeitig vor Ablauf der Jahresfrist. Die Fristverlängerung betrifft Gaststättenerlaubnisse gemäß § 2 Abs. 1 GastG sowie Erlaubnisse gemäß § 33a GewO, § 12 ProstSchG sowie § 2 SpielhG Bln.

Die Allgemeinverfügung ist auf der Homepage des Bezirksamtes Pankow unter www.berlin.de/pankow bei „Aktuelle Hinweise“ veröffentlicht.

forschen / 02.03.2021
Fehlfaltung im Alzheimer-Gehirn

Foto: AG Wanker, Technologieplattform „Advanced Light Microscopy“
Foto: AG Wanker, Technologieplattform „Advanced Light Microscopy“

Erich Wanker möchte herausfinden, inwieweit fehlgefaltete und damit krankhafte Amyloid-Eiweiße auch andere Proteine der Nervenzellen strukturell verändern – und so zum Fortschreiten der Alzheimer-Demenz beitragen. Dafür hat er von der privaten „Alzheimer Forschung Initiative“ 120.000 Euro erhalten.

Alzheimer entwickelt sich im Verborgenen. Bereits viele Jahre, bevor die ersten Zeichen der Erkrankung sichtbar werden, nimmt diese im Gehirn ihren unheilvollen Verlauf. Kleine Proteine, die Beta-Amyloid-Peptide, verändern aus noch unbekannten Gründen ihre räumliche Struktur. Dadurch werden sie klebrig und verklumpen zwischen den Nervenzellen zu Plaques. Das löst im Gehirn eine Entzündung aus, bei der sich Bündel ebenfalls fehlgefalteter Proteine, die Tau-Fibrillen, in den Zellen ansammeln. Irgendwann bedeuten die Fibrillen für die Zellen den sicheren Tod. Was genau diese tödliche Kaskade in Gang setzt, ist für die Wissenschaft aber noch immer ein großes Rätsel.

Krankhaft veränderte Eiweiße beeinflussen gesunde Proteine

„Erst seit einigen Jahren weiß man, dass fehlgefaltete Beta-Amyloide offenbar in der Lage sind, auch andere Proteine umzuformen – ähnlich wie man es bei den vom Rinderwahn bekannten Prionen beobachten kann“, sagt Professor Erich Wanker vom Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). „Kommt ein fehlgefaltetes Peptid mit einem gesunden Peptid in Kontakt, beginnt Letzteres ebenfalls, seine räumliche Struktur zu verändern“, erklärt der Leiter der Arbeitsgruppe „Proteomforschung und molekulare Mechanismen bei neurodegenerativen Erkrankungen“. Auf diese Weise entstehen im Gehirn immer mehr der schädlichen Plaques. Auch beim Tau-Protein hat man solche Eigenschaften in Experimenten mit Mäusen bereits beobachtet. „Das bedeutet jedoch nicht, dass Alzheimer von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann“, betont Wanker. „Die Umfaltung erfolgt ausschließlich im Gehirn, von Protein zu Protein.“

Unklar ist bislang, ob die fehlgefalteten Amyloid- und Tau-Eiweiße ihre krankmachende Struktur nur untereinander übertragen können oder ob die Ausbreitung – das „Seeding“, wie Wanker es nennt – auch zwischen den beiden Proteinen erfolgen kann. Genau das möchte der MDC-Wissenschaftler jetzt gemeinsam mit seinem Team erforschen. Unterstützt wird er dabei in den kommenden drei Jahren, als einer von insgesamt elf prämierten Forscher*innen, von der gemeinnützigen Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI). Sie stellt Wanker Fördermittel von insgesamt 120.000 Euro zur Verfügung. Die AFI ist der größte private Förderer der Alzheimer-Forschung an deutschen Universitäten und öffentlichen Einrichtungen. Seit dem Jahr 1995 sammelt der Verein private Spendengelder für sein wichtigstes Anliegen, Alzheimer eines Tages heilbar zu machen.

Ziel ist es, die Ausbreitung der Amyloide im Gehirn zu verhindern

„Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung, mit deren Hilfe ich eine wissenschaftliche Mitarbeiterin beschäftigen möchte und darüber hinaus Labormaterialien wie Zellkulturen oder synthetisch hergestellte Amyloid- und Tau-Proteine finanzieren kann“, sagt Wanker. „Unser Ziel ist es, in den nächsten Jahren Ansätze für neue Medikamente zu entwickeln, die die Vermehrung und die Ausbreitung der fehlgefalteten Proteine im Gehirn unterbinden.“

Zunächst plant der Forscher dazu Experimente mit Nervenzellen in der Kulturschale. „Die Zellen sind genetisch so verändert, dass Ansammlungen fehlgefalteter Eiweiße sichtbar werden“, erläutert Wanker. „Wir werden diese Proteine in Zellen einschleusen und dann untersuchen, ob die entstehenden Aggregate tatsächlich von Zelle zu Zelle weitergebeben werden.“ Ganz ähnliche Experimente sind mit Fruchtfliegen, also im lebenden Organismus, geplant. „Keines der bisher getesteten Medikamente gegen die Alzheimer-Demenz hat sich gegen das Seeding gerichtet“, sagt Wanker. Und vielleicht ist das ja zumindest einer der Gründe, warum man bei der Behandlung der Krankheit bislang kaum Erfolge erzielt hat.


Abbildung: Bei genetisch veränderten Mäusen, die ein Alzheimer-ähnliches Krankheitsbild entwickeln, treten im Gehirngewebe ebenfalls Beta-Amyloid-Plaques auf. Der Kern der Plaques erscheint hellblau, hier ist die typische Faltblattstruktur am stärksten ausgeprägt. In gelb und lila ist lose um den Kern angereichertes Beta-Amyloid zu sehen. Foto: AG Wanker, Technologieplattform „Advanced Light Microscopy“.


Weiterführende Informationen

www.mdc-berlin.de

leben / 02.03.2021
Steine ohne Grenzen wird 20: Mitmachprojekt - Courage gegen Rassismus - Wertepfad

Die Kunsttaschen werden als „lebendige Box“ zum Mitmachen an verschiedene Orte und Institutionen, in Bibliotheken und Bürgertreffs verteilt.
Die Kunsttaschen werden als „lebendige Box“ zum Mitmachen an verschiedene Orte und Institutionen, in Bibliotheken und Bürgertreffs verteilt.

Im Jubiläumsjahr des Symposions 2021 werden die beiden Künstler Silvia Fohrer und Rudolf J. Kaltenbach „coronakonform“ ein Kunstwerk mit interessierten Bürger*innen schaffen. Teilnehmen können Pankower*innen ab dem 23.03.2021. Es werden dazu Kunsttaschen „lebendige Box“ zum Mitmachen an verschiedene Orte und Institutionen, in Bibliotheken und Bürgertreffs verteilt. Darin befinden sich Steine aus vielen Kontinenten zumGestalten für ein gemeinsames Mosaik und Mobile, eine Verlosung mit Fotoaktion für einen Bildhauerworkshop und Informationen zur Aktion. 

Die gemeinsam geschaffenenen Kunstwerke Mosaik und Mobile werden in Berlin-Buch auf der Skulpturenlinie Steine ohne Grenzen aufgestellt.

Die Aufstellorte der Box findet man im Internet unter steineohnegrenzen.wordpress.com. Die fertigen gestalteten Steine können dann wieder dort zurückgegeben werden, wo sie abgeholt wurden oder im bb-EWERKultur in Berlin-Buch oder unter info steineohnegrenzen@web.de. Das läßt sich gleichzeitig verbinden mit einem interessanten Atelierbesuch bei den beiden Künstlern im alten E-WERK Buch.

Die Abschlussveranstaltung findet am 27.11.2021 ab 11.00 Uhr auf derSkulpturenlinie statt.

Treffpunkt ist der Parkplatz Steine ohne Grenzen in der Hobrechtsfelder Chaussee an der Ländergrenze zu Brandenburg. Von dort aus geht es mit den Bildhauern bis zur Wiltbergstraße entlang der zahlreichen Skulpturen der Künstler*innen des Symposions „verboten-verfolgt-entartet 1937“.

Steine ohne Grenzen hat mit seinen bisher 12 Internationalen Symposien mit über 200 Skulpturen im In- und Ausland, Berlins größtes Denkmal für einfriedliches Miteinander geschaffen, gegen Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit. Zwei Denkmale für die Opfer des Nationalsozialismus erinnern andie Bucher Geschichte in dieser Zeit. Es lohnt sich auch sonst, die Skulpturen in der Landschaft um Berlin-Buch und Hobrechtsfelde zu erkunden. Eine abwechslungsreiche Landschaft mit hohem Erholungswert erwartet sie.

Kontakt und Informationen
Steine ohne Grenzen e.V.
Rudolf J. Kaltenbach
Mobil: 0175 7562872

Gemeinnüziger Verein seit 2017: Steine ohne Grenzen e.V., co/o Silvia Fohrer, Rudolf Kaltenbach, postadresse: Rathenower Str. 43, 10559 Berlin, web: steineohnegrenzen.wordpress.com, 0175 7562872 Mail: steineohnegrenzen@web.de

Das Projekt wird unterstützt von Demokratie-leben! Pankow

heilen / 01.03.2021
Evangelische Lungenklinik begrüßt neuen Chefarzt

Dr. Gunda Leschber und Dr. med. Zataar auf dem Bucher Klinikcampus
Dr. Gunda Leschber und Dr. med. Zataar auf dem Bucher Klinikcampus

Dr. med. Mohamed Zaatar übernimmt die Leitung der Klinik für Thoraxchirurgie

Heute, am 1. März 2021, übernimmt Dr. med. Mohamed Zaatar die Leitung der Klinik für Thoraxchirurgie an der Evangelischen Lungenklinik in Berlin-Buch und folgt damit auf Dr. med. Gunda Leschber, die nach fast 18 Jahren als Chefärztin in den Ruhestand geht.

Dr. Zaatar über die neue Herausforderung: „Die Evangelische Lungenklinik ist eine etablierte Lungen-Spezialklinik mit langer Tradition. Ich freue mich, die Nachfolge von Frau Dr. Leschber antreten zu dürfen. Zudem sehe ich großes Potenzial, die bereits positive Entwicklung der Lungenklinik weiter voranzutreiben.“

Die Klinik für Thoraxchirurgie bietet das komplette Spektrum thoraxchirurgischer Operationen. Dazu gehören Eingriffe an den Atemwegen, der Lunge, dem Mittelfellraum und der Brustwand. Dr. Zaatar: „Ich übernehme eine etablierte Klinik, deren hervorragenden Ruf es aufrecht zu erhalten gilt. Es liegt mir sehr daran, das vorhandene und umfassende Behandlungsspektrum fortzuführen und es gleichzeitig durch Ausweitung der minimal-invasiven Chirurgie, der erweiterten Resektionen und der Luftröhrenchirurgie auszubauen. Prozessoptimierung, Steigerung der Effizienz und der Behandlungsqualität sind im chirurgischen Alltag von äußerster Wichtigkeit.“

Dr. Zaatar arbeitete zuletzt als Oberarzt an der Klinik für Thoraxchirurgie und Thorakale Endoskopie an der Ruhrlandklinik Essen, einer der größten thoraxchirurgischen Kliniken Europas. Er weiß um den großen Wandel auf seinem Spezialgebiet: „In den vergangenen Jahren hat sich beispielsweise die minimal-invasive, schonende Chirurgie als Standard bei den meisten thoraxchirurgischen Eingriffen etabliert. Die Herausforderung besteht darin, für jede Patientin, jeden Patienten einen individuellen und optimalen Therapieplan zu erstellen.“ Seine Schwerpunkte sieht der gebürtige Ägypter unter anderem in der chirurgischen Behandlung von Lungenkrebs sowie der sogenannte parenchymsparenden - also gewebesparenden -  Resektion bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen. Bei dieser Operationsmethode wird mit einem speziellen Rekonstruktions-Verfahren das Lungengewebe und somit auch die Lebensqualität der Patient*innen erhalten.

Auch die Förderung junger Ärztinnen und Ärzte möchte der neue Chefarzt (41) weiter voranbringen.
 

ÜBER DIE EVANGELISCHE LUNGENKLINIK

Die Evangelische Lungenklinik, ein Unternehmen der Johannesstift Diakonie, ist seit ihrer Gründung im Jahr 1952 eine weithin anerkannte Spezialklinik für akute und chronische Erkrankungen der Lunge sowie des Brustkorbs.

Die Evangelische Lungenklinik in Berlin-Buch behandelt rund 6.400 stationäre und etwa 12.200 ambulante Patienten jährlich und ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

 

ÜBER DIE JOHANNESSTIFT DIAKONIE

Die Johannesstift Diakonie gAG ist das größte konfessionelle Gesundheits- und Sozialunternehmen in der Region Berlin und Nordostdeutschland. Rund 9.300  Mitarbeitende leisten moderne Medizin, zugewandte Betreuung und Beratung im Einklang mit den christlich-diakonischen Werten des Unternehmens. Der Träger betreibt Einrichtungen in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Niedersachsen mit einem vielfältigen Angebot in den Bereichen:

  • Krankenhäuser und ambulante Versorgungszentren
  • Pflege- und Wohneinrichtungen sowie Hospize
  • Behindertenhilfe
  • Kinder-, Jugend- und Familienhilfe
  • Arbeit, Beschäftigung und Soziales
  • Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie Ergotherapie
  • Dienstleistungen für Gesundheits- und Sozialeinrichtungen
www.pgdiakonie.de/evangelische-lungenklinik

bilden / 01.03.2021
Broschüre zur Umweltbildung in Pankow erschienen

Bild: Bezirksamt Pankow
Bild: Bezirksamt Pankow

„Raus geht´s in die Natur!“

Eine Broschüre mit dem Titel „Raus geht´s in die Natur!“ hat die im Mai 2020 gegründete Koordinierungsstelle Umweltbildung Pankow jetzt veröffentlicht. Die Publikation bietet eine nützliche Übersicht über die verschiedenen Akteur:innen der Natur- und Umweltbildung im Bezirk. Der Fokus liegt dabei auf der Präsentation und Vorstellung von etwa 50 umweltpädagogischen Angeboten, die vorwiegend draußen stattfinden. Mit der Broschüre ist es für Pankower Erziehende und Lehrkräfte ab sofort leichter, Kinder und Jugendliche an das Thema Natur- und Umweltschutz heranzuführen und sie für die Stadtnatur zu begeistern und zu sensibilisieren. Denn laut Senatsbeschluss soll jedes Grundschulkind mindestens einmal im Jahr ein Umweltbildungsangebot wahrnehmen.

Zusätzlich stellt die Koordinierungsstelle eine Karte zum Zusammenfalten und für unterwegs zur Verfügung. Die Angebote der Natur- und Umweltbildung sind hier gelistet. Diese Karte lädt zur Entdeckungstour durch den gesamten Bezirk, aber auch durch die direkte Nachbarschaft ein. Zunächst ist die Broschüre nur online auf der Homepage des Bezirksamtes Pankow unter www.berlin.de/pankow unter "Aktuelle Hinweise" abrufbar.

Weitere Informationen bei der Koordinierungsstelle Umweltbildung Pankow, Susan Brost und Isabelle Deerberg, Hansastraße 182A, 13088 Berlin, E-Mail: ubk.pankow@agrar-boerse-ev.de, Tel.: 030 88497399

leben / 26.02.2021
Warten ohne abzusteigen

@SenUVKBerlin
@SenUVKBerlin

An der Kreuzung Wisbyer Straße, Prenzlauer Allee, Ostseestraße, Prenzlauer Promenade hat das Bezirksamt Pankow so genannte Haltestangen für Radfahrende vor allen vier Fahrrad-Ampeln aufgestellt. Die mit einem Trittbrett versehenen Festhaltebügel ermöglichen das Warten an roten Ampeln ohne vom Fahrrad abzusteigen. Insbesondere ältere Menschen, Radfahrende mit schwerem Gepäck oder Klickpedal-Nutzende warten nun komfortabler und kommen so schneller wieder in Fahrt.

Das Bezirksamt hat sich bei der Gestaltung der Bügel von den in Kopenhagen weit verbreiteten Modellen inspirieren lassen. In Kooperation mit einem Berliner Stahlbauunternehmen wurden zwei verschiedene Modelle entworfen, die nun auf Praxistauglichkeit getestet werden. Feedback unter Nennung des Betreffs „Festhaltebügel“ nimmt das Straßen- und Grünflächenamt daher gerne entgegen unter sga-pankow@ba-pankow.berlin.de . Die Kosten für das Pilotprojekt belaufen sich auf ca. 3.500 Euro und wurden finanziert aus dem Radverkehrsprogramm der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz.

Die Festhaltebügel sind ein Element, mit denen die Rad-Infrastruktur in Pankow aufgewertet werden soll, um Radfahrenden ihre Wege attraktiver zu gestalten. Auch für den Fußverkehr bieten die Bügel einen Vorteil, denn sie erschweren das beliebte Umfahren von roten Ampeln über den Gehweg.

forschen, bilden / 24.02.2021
Zukunftsfähige Ideen im Wettbewerb „Jugend forscht“

Professorin Heike Graßmann, Administrative Vorständin des Max-Delbrück-Centrums, zeichnete Peter Armin Jung von der Katholischen Oberschule Salvator mit einem Campus-Sonderpreis aus. (Foto: Felix Petermann, MDC)
Professorin Heike Graßmann, Administrative Vorständin des Max-Delbrück-Centrums, zeichnete Peter Armin Jung von der Katholischen Oberschule Salvator mit einem Campus-Sonderpreis aus. (Foto: Felix Petermann, MDC)

Das Immunsystem mit Kefirknollen stärken, intelligente Straßenmodelle entwickeln, ein Programm für chemische Reaktionen schreiben: Die Gewinner*innen des 56. Regionalwettbewerbs auf dem Campus Berlin-Buch überzeugten mit hohem Engagement und ideenreichen Projekten.

Pandemiezeiten sind außergewöhnlich, auch für den Wettbewerb „Jugend forscht“. Junge MINT-Talente und diejenigen, die sie fachlich betreuten, mussten sehr flexibel und kreativ sein, um die Projektideen umzusetzen. Dennoch war die Zahl der bundesweiten Anmeldungen im Vergleich zum Vorjahr nur um ein Viertel geringer: Etwa 9.000 junge Forscher*innen gingen 2021 an den Start. Der Campus Berlin-Buch, erstmals einer von drei Berliner Standorten des Regionalwettbewerbs, betreute insgesamt 39 Projekte.

Am 16. Februar 2021 präsentierten die Schülerinnen und Schüler unter dem Motto „Lass Zukunft da“ ihre Forschungsarbeiten beim digitalen Wettbewerb in Buch. Für die Umsetzung sorgten drei Pateneinrichtungen des Campus: das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), die Campus Berlin-Buch GmbH und – assoziiert – das Experimental and Clinical Research Center (ECRC) von MDC und Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Sonderpreis: Ein Tag im Labor
Bei der Siegerehrung am 23. Februar 2021 wurden in jedem der sieben Fachgebiete zwei Projekte mit einem ersten Preis ausgezeichnet – eines von „Jugend forscht“ und eines in der Juniorensparte des Wettbewerbs „Schüler experimentieren“. Im Fachbereich Technik gab es sogar ein zusätzliches Siegerprojekt und ein herausragendes Physik-Projekt gewann als „bestes interdisziplinäres Projekt“. Damit rücken insgesamt 16 Projekte auf die nächste Stufe des Wettbewerbs: Die Gewinnerinnen und Gewinner dürfen beim Landeswettbewerb an der TU Berlin teilnehmen. Zusätzlich zu den ersten bis dritten Plätzen wurden zahlreiche Sonderpreise vergeben, zum Beispiel der Sonderpreis „Ressourcenschonung“ des BilRess-Netzwerks für ein Projekt, das sich mit der Wiedergewinnung des Seltenerdmetalls Neodym aus gealterten Magneten befasst.

In den Fachgebieten Biologie, Physik, Arbeitswelt und Mathematik/Informatik qualifizierten sich darüber hinaus fünf junge Forscher für den Campus-Sonderpreis: ein Tag im Labor, der dem engagierten Nachwuchs Einblicke in die Forschung der jeweiligen Institute ermöglicht.

So zeichnete das FMP die beiden 14-jährigen Schüler des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums, Emil Dahms und Luca Achilles, aus. Sie schrieben ein eigenes Programm, um chemische Reaktionen zu berechnen. Professor Volker Haucke, Direktor des FMP, würdigte im Vorfeld diese Leistung: „In diesem Alter ein Programm zu schreiben, das eine unvollständige chemische Reaktion als Eingabe erhält und dann alle fehlenden Ausgangsstoffe und Produkte berechnet und anschließend ausgleicht, ist sehr beachtlich.“

Vom MDC erhielt Peter Armin Jung, der die zwölfte Klasse der Katholischen Oberschule Salvator besucht, einen Campuspreis. Er legte dar, warum sich die Kefirknolle als wirkungsvolles Probiotikum zur Stärkung des Immunsystems eignet und untersuchte, wie sie sich am besten für den Verzehr vermehren lässt. „Ich bin sehr beeindruckt vom Engagement der Schülerinnen und Schüler – aber noch mehr von der Qualität ihrer Arbeiten. Besonders gefreut habe ich mich über die professionelle Versuchsanordnung und die Alltagsnähe des Experiments mit der Kefirknolle. Ich gratuliere Peter Armin Jung zum verdienten Sonderpreis“, sagte Professorin Heike Graßmann, Administrative Vorständin des MDC, während der Siegerehrung.

Umweltfreundliche Mobilität und Strahlenschutz
Professor Friedemann Paul, Direktor des ECRC, beglückwünschte Marvin Ramm, 17 Jahre, vom Archenhold-Gymnasium zu seiner bemerkenswerten Arbeit: „Marvin Ramm hat einen eigenen Geigerzähler konstruiert, dafür eine Platine sowie die nötige Software entwickelt und ein Gehäuse im 3D-Druck erstellt. Mit seinem Prototypen war er in der Lage, die Abschirmung oder Abschwächung ionisierender Strahlen näher zu untersuchen. Sein letztendliches Ziel ist aber vor allem, ein kostengünstiges Gerät für den Gebrauch in Schulen zu entwickeln.“ 

Im Fachgebiet Arbeitswelt erhielt Leonardo Kluge, 13 Jahre, Schüler des Robert-Havemann-Gymnasiums einen Sonderpreis für seine Arbeit, die sich experimentell mit einer intelligenten Straße beschäftigte. Er hat ein Straßenmodell entwickelt, das Elektroautos mittels Induktion nachhaltig mit elektrischer Energie versorgen soll. Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführer des Patenunternehmens Campus Berlin-Buch GmbH, sagte dazu: „Umweltfreundliche Mobilität ist für den Campus und den gesamten Zukunftsort Buch ein wichtiges Anliegen, das wir intensiv verfolgen. Wir freuen uns darauf, Leonardo Kluge für einen Tag auf dem Campus zu begrüßen.“

Im nächsten Jahr unterstützt der Campus gerne wieder den „Jugend forscht“-Wettbewerb. „Die Ideenvielfalt, die sorgfältige Umsetzung der Projekte und die Begeisterung der Nachwuchstalente sprechen dafür“, erklärte Dr. Scheller. „Und nachdem in diesem Jahr alles digital stattfinden musste, kann im kommenden Februar der Wettbewerb hoffentlich wieder in Präsenz stattfinden. Denn der wichtige Austausch von Ideen funktioniert trotz aller Technik immer noch am besten von Angesicht zu Angesicht.“

Weiterführende Informationen

Liste der Siegerinnen und Sieger (Regionalwettbewerb Berlin-Buch 2021)

„Jugend forscht“

Der Wettbewerb „Jugend forscht“
„Jugend forscht“ ist der größte und bekannteste naturwissenschaftlich-technische Nachwuchswettbewerb Deutschlands. Er ist eine gemeinsame Initiative von Bundesregierung, der Zeitschrift „stern“, Wirtschaft, Wissenschaft und Schulen. Ziel ist es, besondere Leistungen und Begabungen von Jugendlichen in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) zu fördern. In sieben Fachgebieten treten jährlich junge Forscherinnen und Forscher an. Ab Klasse 4 können talentierte Kinder in der Juniorensparte „Schüler experimentieren“ teilnehmen. Jugendliche ab 15 Jahren starten in der Sparte „Jugend forscht“. Veranstaltet wird der Wettbewerb von der Stiftung Jugend forscht e.V. www.jugend-forscht.de

Campus Berlin-Buch
Der Campus Berlin-Buch ist ein moderner Wissenschafts-, Gesundheits- und Biotechnologiepark. Alleinstellungsmerkmale sind der klare inhaltliche Fokus auf Biomedizin und das enge räumliche und inhaltliche Zusammenwirken von Forschungsinstituten, Kliniken und Biotechnologie-Unternehmen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erforschung molekularer Ursachen von Krebs,- Herzkreislauf- und neurodegenerativen Erkrankungen, eine interdisziplinär angelegte Grundlagenforschung zur Entwicklung neuer Therapien und Diagnoseverfahren, eine patientenorientierte Forschung und die unternehmerische Umsetzung biomedizinischer Erkenntnisse.

Dank exzellenter Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen im BiotechPark hat der Campus ein herausragendes Innovations- und Wachstumspotenzial. Dazu gehören als Einrichtungen der Grundlagenforschung das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), das gemeinsam von MDC und Charité – Universitätsmedizin Berlin betriebene und auf klinische Forschung spezialisierte Experimental and Clinical Research Center (ECRC) sowie das Berlin Institute of Health (BIH). Der BiotechPark Berlin-Buch gehört mit 67 Unternehmen, 800 Beschäftigten und rund 31.000 Quadratmetern Büro- und Laborfläche zu den führenden Technologieparks in Deutschland. Seit 1992 sind über 600 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln durch die EU, den Bund und das Land Berlin in den Campus Berlin-Buch investiert worden, um diese Synergien zu unterstützen. www.campusberlinbuch.de

forschen / 22.02.2021
Schlafenden Tumorzellen die Orientierung nehmen

Abbildung: Matthias Barone (Erläuterung siehe unten)
Abbildung: Matthias Barone (Erläuterung siehe unten)

Dormante Krebszellen, die sich vom Primärtumor gelöst haben und nun im Blutkreislauf zirkulieren, können durch die Chemotherapie oft nur unzureichend vernichtet werden. So kommt der Krebs früher oder später als Fernmetastase wieder zurück. Einem interdisziplinären Forscherteam vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin, der Universität zu Köln, sowie der Universiteit Leiden ist es gelungen, neuartige Moleküle zu entwickeln, die das Dilemma unterbrechen. Die Substanzen sind in der Lage, eine für die Metastasierung essentielle Proteinfamilie zu hemmen, so dass Krebszellen an ihrer Wanderschaft in entfernte Orte des Organismus gehindert werden, wie präklinische Experimente zeigten. Die Ergebnisse der Arbeit sind im Fachjournal PNAS erschienen.

Krebs ist tückisch. Selbst wenn der Tumor scheinbar komplett entfernt worden ist, verbleiben häufig etliche Tumorzellen schlummernd in den Blutbahnen des Körpers. Zytostatika sollen einen Rückfall verhindern, doch die „schlafenden“ Krebszellen erwischt die Chemotherapie nicht. Der Grund: Die meisten Zytostatika töten nur die sich schnell vermehrenden Zellen. Dormante Tumorzellen sind nicht aktiv und es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Zellen eine Resistenz gegen die Therapie entwickeln. Danach wandern sie - angelockt durch Wachstumshormone – aus den Lymph- oder Blutbahnen aus und nisten sich im Organ ein. Über diesen Weg bilden sie dann Metastasen, die meist nicht mehr heilbar sind.
Forscher am FMP versuchen deshalb, invasive Krebszellen an ihrer Wanderschaft zu hindern. Angriffspunkt ist die Proteinfamilie Ena/VASP. Diese Proteine werden von allen Zellen benutzt, die ihre Form verändern müssen, etwa Immunzellen, Nervenzellen oder Blutplättchen; in besonders invasiven Krebszellen sind sie stark überexprimiert. Ena/VASP-Proteine sorgen in Interaktion mit weiteren Proteinen für den Umbau des Zellskelettes, damit eine Zelle gerichtet wandern kann, weshalb sie bei Krebs unerlässlich für die Metastasierung sind. Und genau an diesem Punkt greifen die Forscher an: „Die Idee ist, dass schlafende Krebszellen ihre Orientierung verlieren, wenn wir die fatale Maschinerie mit Hemmstoffen unterbrechen“, sagt Dr. Matthias Barone, Biochemiker in der Arbeitsgruppe „Drug Design“ von Ronald Kühne.

Set von Molekülen erfolgreich modifiziert
Bereits 2015 hatte das Forscherteam ein Molekül identifiziert, das an die Proteinfamilie bindet, jedoch war es noch nicht wirksam genug, um in geringen Mengen einen Effekt im Organismus zu erreichen. Dies ist jetzt durch weitere chemische Modifikationen am Molekül gelungen.
Zellexperimente zeigten: Krebszellen, die mit den Substanzen behandelt wurden, verlieren ihre Fähigkeit, entlang der Lockstoffe zu wandern. Je höher die Konzentration, desto stärker war der Effekt. „Unsere Moleküle binden spezifisch an die Proteinfamilie Ena/VASP, wodurch die Interkation mit weiteren Proteinen verhindert wird bzw. Partnerproteine verdrängt werden“, erläutert Matthias Barone das Wirkprinzip. „Dadurch werden die Krebszellen zwar nicht abgetötet, aber sie werden sozusagen orientierungslos und können ihren Weg in die Blutbahn oder in andere Organe nicht mehr finden.“
Dass dies auch im lebenden Organismus funktioniert, zeigten Experimente mit Zebrafischembryos, denen Brustkrebszellen implantiert worden waren. Fischembryos, die in diesen Substanzen schwammen, zeigten danach signifikant weniger Brustkrebszellen, die aus dem Blutkreislauf in die Schwanzflosse metastasierten.
Wichtig für die Weiterentwicklung der Substanzen: Das Forscherteam konnte nachweisen, dass die modifizierten Moleküle spezifisch an die Proteinfamilie binden und nicht an andere verwandte Proteine, was weitreichende unerwünschte Folgen nach sich ziehen könnte.

Blockade verhindert Metastasierung
„Wir haben in dieser Arbeit zum einen gezeigt, dass diese Proteinfamilie absolut notwendig für den Prozess der Metastasierung von Krebszellen ist“, fasst Arbeitsgruppenleiter Dr. Ronald Kühne die im Fachjournal PNAS publizierten Ergebnisse zusammen. „Und zweitens konnten wir als erste Forschergruppe weltweit ein Set an Molekülen entwickeln, das die Proteinfamilie erkennen und den Prozess hemmen kann. Das öffnet natürlich die Möglichkeit, parallel zu den zytostatischen Therapien, die Metastasierung zu unterbinden oder wenigsten zu verlangsamen.“
Im nächsten Schritt werden die Berliner Drug Designer die pharmakologischen Eigenschaften des Moleküls optimieren, damit es im Tiermodell erprobt werden kann. Am Ende einer langen Entwicklungsprozesses könnte in Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie ein Medikament entstehen, das das Überleben bei Krebs deutlich verbessert. Bis dahin ist es zwar noch ein steiniger Weg, aber die wichtige erste Etappe ist erreicht.

Abbildung: Links: Anhand von Kristallstrukturen wurden die Inhibitoren optimiert und die Bindungsstärke an Ena/VASP erhöht. Rechts oben: Behandelte Krebszellen wandern nicht mehr zum Lockstoff hin. Optimierte Inhibitoren rufen diesen Effekt schon bei geringerer Konzentration hervor. Rechts unten: Krebszellen (rot) metastasieren aus den Blutgefäßen (grün) in der Schwanzflosse von Zebrafischen. Optimierte Inhibitoren (Inh. 7) reduzieren die Metastasenbildung. (Bild: Matthias Barone)

Publikation
Matthias Barone, Matthias Müller, Slim Chiha, Jiang Ren, Dominik Albat, Arne Soicke, Stephan Dohmen, Marco Klein, Judith Bruns, Maarten van Dinther, Robert Opitz, Peter Lindemann, Monika Beerbaum, Kathrin Motzny, Yvette Roske, Peter Schmieder, Rudolf Volkmer, Marc Nazaré, Udo Heinemann, Hartmut Oschkinat, Peter ten Dijke, Hans-Günther Schmalz, Ronald Kühne, Designed nanomolar small-molecule inhibitors of Ena/VASP EVH1 interaction impair invasion and extravasation of breast cancer cells, Proceedings of the National Academy of Sciences, Nov 2020, 117 (47) 29684-29690; DOI: 10.1073/pnas.2007213117

Das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V. (FVB), einem Zusammenschluss von sieben natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft. Entstanden ist der Forschungsverbund 1992 in einer einzigartigen historischen Situation aus der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR.

Quelle: https://www.leibniz-fmp.de/de/press-media/press-releases/press-releases-single-view1/article/disorientating-dormant-tumor-cells

17.02.2021
Umzug des Regional Sozialpädagogischen Dienstes (RSD) Region Nord

Eingeschränkte Erreichbarkeit vom 1. – 5. März 2021
 
Der Regional Sozialpädagogische Dienst (RSD) Region Nord des Pankower Jugendamtes zieht in der Woche vom 1. - 5. März 2021 in seine neuen Räumlichkeiten in die Friedrich-Richter-Straße 8 – 10, 13125 Berlin, in Buch. In dieser Zeit wird er wegen des Umzuges nur eingeschränkt erreichbar sein. Eine Bereitschaft ist eingerichtet vom 1.– 3. März von 9 – 16 Uhr, am 4. März von 9 – 18 Uhr und am 5. März 2021 von 9. – 13 Uhr unter Tel.: 030 90295–8730/8720. Die bezirkliche Hotline Kinderschutz des Jugendamtes Pankow ist weiterhin regulär besetzt und von Montag bis Freitag in der Zeit von 8 bis 18 Uhr unter 030 90295-5555 erreichbar.

Ab dem 9. März 2021 ist der RSD Nord regulär erreichbar unter:
Regional Sozialpädagogischer Dienst (RSD) Region Nord
Friedrich-Richter-Straße 8 – 10, 13125 Berlin / Buch
Telefon: 030 / 90295–8720
Fax: 030 / 90295–8722
E-Mail: rsd.nord@ba-pankow.berlin.de

forschen / 16.02.2021
Wie das Immunsystem SARS-CoV-2 den Weg ebnet

Darm-Organoide: Nach einer Behandlung mit IFN-Y differenzieren die Darmzellen © AG Sigal
Darm-Organoide: Nach einer Behandlung mit IFN-Y differenzieren die Darmzellen © AG Sigal

Mit antiviralen Botenstoffen will das Immunsystem SARS-CoV-2 eigentlich bekämpfen. Ein Forschungsteam von Charité und MDC hat nun gezeigt, wie ein solcher Botenstoff die Vermehrung des Virus begünstigen kann. Die Ergebnisse sind im Fachjournal EMBO Molecular Medicine veröffentlicht.

Die meisten Menschen, die SARS-CoV-2 infiziert, können die Erkrankung zu Hause auskurieren – auch wenn es bei ihnen sehr belastende Krankheitsverläufe gibt. Ein Teil hat gar keine Symptome. Doch etwa zehn Prozent der Betroffenen sind so schwer erkrankt, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Die Annahme, dass hinter einem schweren Verlauf ein schwaches Immunsystem steckt, greift zu kurz. Denn gerade bei kritischen Verläufen arbeitet das Immunsystem unter Hochdruck, schafft es aber nicht, das Virus zu kontrollieren.

Eine Berliner Forschungsgruppe konnte nun beobachten, wie SARS-CoV-2 einen Verteidigungsmechanismus des Immunsystems nutzt, um verstärkt Schleimhautzellen des Körpers zu entern und sich dort zu vermehren. Ihre Studie ist gerade im Fachjournal EMBO Molecular Medicine erschienen. „Damit können wir möglicherweise einen Teil der Erklärung dafür liefern, warum bei manchen Menschen das Immunsystem Schwierigkeiten hat, die Infektion zu regulieren oder gar zu besiegen“, sagt Dr. Julian Heuberger, Wissenschaftler an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Er ist Erstautor der Studie und Mitglied einer Emmy-Noether-Arbeitsgruppe von PD Dr. Michael Sigal an der Charité und dem Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB), das zum Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) gehört. Für die Untersuchung kooperierte die Arbeitsgruppe mit Forschenden des Max-Planck-Instituts (MPI) für Infektionsbiologie, der Freien Universität Berlin und der Universität Hongkong.

SARS-CoV-2 nutzt Verteidigungsmechanismus als Eintrittspforte

Eigentlich läuft im menschlichen Körper ein sehr effektives Verteidigungsprogramm gegen Eindringlinge ab, das auf dem Zusammenspiel verschiedener Immunzellen basiert. Eine wichtige Rolle spielen dabei die T-Zellen: Stoßen Sie im Organismus auf Viren, zerstören sie die befallenen Zellen. Außerdem schütten sie den Botenstoff Interferon-Gamma (IFN-ƴ) aus. IFN-ƴ bekämpft einerseits Infektionskeime. Andererseits ruft es weitere Immunzellen auf den Plan.

Heuberger und seine Mitstreiter*innen haben nun gezeigt, wie SARS-CoV-2 diesen IFN-ƴ -vermittelten Schutzmechanismus in sein Gegenteil verkehren kann. Denn neben den Immunzellen reagieren auch die Schleimhautzellen des Körpers auf IFN-ƴ, indem sie mehr ACE2-Rezeptoren ausbilden. SARS-CoV-2 benötigt diese ACE2-Rezeptoren als Einstiegspforte in die Zellen. Infizierte Zellen wiederum bilden mehr ACE2.  Sowohl die IFN-ƴ-Antwort der Epithelzellen als auch das Virus selbst bewirken also eine verstärkte SARS-CoV-2-Infektion. 

Zelldifferenzierung im Dickdarm-Organoid beobachtet

SARS-CoV-2-infizierte Patienten zeigen teilweise gastrointestinale Beschwerden. Um die Immunkaskade in den Darmzellen beobachten zu können, hat Heuberger Organoide des menschlichen Dickdarms kultiviert. Ein Organoid ist eine Art Mini-Organ in der Petrischale, kaum so groß wie ein Stecknadelkopf. Die Dickdarm-Organoide basieren auf Zellen, die aus Darmbiopsien stammen. Sie wachsen in dreidimensional angeordneten Einheiten und bilden die Physiologie der Schleimhautzellen des menschlichen Darmtraktes ab. „Diese Dickdarm-Organoide sind ein sehr hilfreiches Werkzeug“, unterstreicht Heuberger, „wir können damit das komplexe Zusammenspiel verschiedener Signalwege erforschen, die die Zelldifferenzierung von der Stammzelle bis zur spezialisierten Epithelzelle kontrollieren.“

Die Wissenschaftler*innen haben die gezüchteten Darmzellen zunächst mit IFN-ƴ behandelt, um die Immunreaktion des Körpers zu simulieren. Dann haben sie die Organoide mit SARS-CoV-2 infiziert.  Mithilfe eines Laser-Scanning-Mikroskops – das ist ein spezielles Lichtmikroskop, das eine Probe Punkt für Punkt scannt – und Genexpressionsanalysen konnten sie in den Organoiden eine vermehrte ACE2-Expression messen. Daneben wies eine quantitative PCR eine gesteigerte Virusproduktion nach.

Das heißt: Mehr IFN-ƴ bedeutet mehr ACE2. Mehr ACE2 bedeutet, dass mehr Viren in die Zellen eindringen können. Je mehr Viren in die Zellen gelangen, umso mehr Viren werden gebildet. So ebnen die Immunantwort und die Reaktion der Oberflächenzellen auf die Infektion SARS-CoV-2 den Weg.

Überschießende IFN-ƴ-Antwort medikamentös ausbalancieren

„Wir nehmen an, dass eine starke Immunantwort die Anfälligkeit von Schleimhautzellen für SARS-CoV-2 erhöhen kann“, sagt der Leiter der Studie PD Dr. Michael Sigal. Er leitet an der Charité und am MDC die Arbeitsgruppe „Gastrointestinale Barriere, Regeneration und Karzinogenese“ und ist als Gastroenterologe an der Charité tätig. „Wenn die IFN-ƴ-Konzentration von vornherein höher ist oder die Infektion eine sehr überschießende Produktion von IFN-y triggert, haben es die Viren vermutlich leichter, in die Zellen einzudringen.“ Unter welchen Bedingungen das tatsächlich passiert, muss allerdings erst in klinischen Studien untersucht werden.

Die Ergebnisse der Studie tragen die Idee eines Behandlungsansatzes bei schweren COVID-19-Verläufen in sich, sagt Heuberger: „Eine mögliche Strategie könnte darin bestehen, die IFN-ƴ-Antwort medikamentös auszubalancieren.“ Allerdings müssten dafür zunächst die Mechanismen, die der IFN-ƴ-Antwort zugrunde liegen, sehr genau analysiert werden.

Abb.: Darm-Organoide: Nach einer Behandlung mit IFN-Y differenzieren die Darmzellen. Die Zellkerne (blau) der Epithelzellen (grün) lokalisieren sich am basalen (äußeren) Rand der Organoide. Damit geht eine verstärkte Produktion des Rezeptors ACE2 einher, den SARS-CoV-2 als Einstiegspforte in die Zellen nutzt.  © AG Sigal

Gemeinsame Pressemitteilung mit der Charité

www.mdc-berlin.de

forschen / 15.02.2021
Auszeichnung für Einzelzellforscher Leif Ludwig

Dr. Leif S. Ludwig (Foto: Felix Petermann, MDC)
Dr. Leif S. Ludwig (Foto: Felix Petermann, MDC)

Für seine Forschungen zum Erbgut der Kraftwerke der Zelle, den Mitochondrien, erhält Leif S. Ludwig den Hector Research Career Development Award. Der Preis unterstützt besonders talentierte Wissenschaftler*innen auf den ersten Schritten ihrer Karriere.

„Dass ich für den Hector Research Career Development Award ausgewählt wurde, hat mich außerordentlich gefreut“, sagt Dr. Leif S. Ludwig. „Ich möchte mich dafür zutiefst bei der Hector Fellow Academy und meinen MentorInnen bedanken, die mich während meiner wissenschaftlichen Entwicklung begleitet und unterstützt haben.“ Der Biochemiker und Humanmediziner hat sich unter anderem auf die Erforschung des Erbguts der als Zellkraftwerke bekannten Mitochondrien spezialisiert. Mit seiner Forschungsgruppe untersucht er beispielsweise, wie sich Varianten und Mutationen in der mitochondrialen DNA auf Erkrankungen beim Menschen auswirken.

Das neue Förderformat der Hector Fellow Academy richtet sich an besonders talentierte junge Forscher*innen aus den Natur- oder Ingenieurwissenschaften, der Medizin oder Psychologie, die ihr wissenschaftliches Profil bereits geschärft und ihren ersten Karriereschritt gemacht haben. Wer in das Programm aufgenommen wird, erhält neben einer einmaligen Unterstützung in Höhe von 25.000 Euro auch die Finanzierung einer Promotionsstelle sowie ergänzend 9.500 Euro Forschungsmittel pro Jahr. Darüber hinaus werden die Preisträger*innen für fünf Jahre zu Mitgliedern der Hector Fellow Academy ernannt. Das eröffnet ihnen die Möglichkeit, weitere Förderungen zu beantragen. „Der Award ist für meine Arbeitsgruppe und mich eine bedeutende Stütze. Denn nun können wir unsere Forschung in der Einzelzellanalyse und der mitochondrialen Genetik weiter stärken und ausbauen.“

Das Erbgut der Kraftwerke der Zelle im Fokus

Leif S. Ludwig ist Emmy-Noether-Gruppenleiter im neuen Forschungsfokus „Single-Cell-Ansätze für personalisierte Medizin“ des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), des Berlin Institute of Health und der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Sein Labor ist am MDC Mitte und somit am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) angesiedelt. Er hat Biochemie und Humanmedizin studiert und in beiden Fächern jeweils an der Freien Universität Berlin und der Charité promoviert. Für seine Doktorarbeit erforschte er genetische Einflüsse auf die Blutbildung im Labor von Professor Harvey Lodish am Whitehead Institute for Biomedical Research, USA. Als Postdoktorand bei Professorin Aviv Regev am Broad Institute des MIT und der Universität Harvard und bei Professor Vijay Sankaran am Boston Children's Hospital, USA, etablierte er neue Einzelzellmethoden zur Sequenzierung des mitochondrialen Genoms.

„Mit diesen neuen Ansätzen konnten wir zeigen, wie Mutationen in der mitochondrialen DNA-Sequenz dazu dienen können, die Aktivität von Stammzellen im Körper nachvollzuziehen, also wie viele Stammzellen aktiv Blut produzieren und wie diese Aktivität reguliert wird.“ Derzeit erforscht Leif S. Ludwig grundlegende Eigenschaften und Auswirkungen von Varianten und Mutationen im mitochondrialen Erbgut auf menschliche Erkrankungen. Die klinische Anwendung seiner Ergebnisse verfolgt er unter anderem gemeinsam mit seinen klinischen Partnern, den Direktoren der Medizinischen Kliniken der Charité mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie, Professor Lars Bullinger am Charité Campus Virchow-Klinikum (CVK) sowie Professor Ulrich Keller am Charité Campus Benjamin Franklin (CBF).

 

Weiterführende Informationen

Forschungsfokus „Single-Cell-Technologien für die personalisierte Medizin“
Pressemitteilung: „Mit zellbasierter Medizin Krankheiten abfangen“

Einzelzellbiologie am MDC

Das Berlin Institute of Health (BIH)
Die Mission des Berlin Institute of Health (BIH) ist die medizinische Translation: Erkenntnisse aus der biomedizinischen Forschung werden in neue Ansätze zur personalisierten Vorhersage, Prävention, Diagnostik und Therapie übertragen, umgekehrt führen Beobachtungen im klinischen Alltag zu neuen Forschungsideen. Ziel ist es, einen relevanten medizinischen Nutzen für Patient*innen und Bürger*innen zu erreichen. Dazu etabliert das BIH als Translationsforschungsbereich in der Charité ein umfassendes translationales Ökosystem, setzt auf ein organübergreifendes Verständnis von Gesundheit und Krankheit und fördert einen translationalen Kulturwandel in der biomedizinischen Forschung. Das BIH wurde 2013 gegründet und wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu zehn Prozent vom Land Berlin gefördert. Die Gründungsinstitutionen Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) waren bis 2020 eigenständige Gliedkörperschaften im BIH. Seit 2021 ist das BIH als so genannte dritte Säule in die Charité integriert, das MDC ist Privilegierter Partner des BIH.

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

www.mdc-berlin.de 

leben / 15.02.2021
Aufwertung des Schlossparks Buch geht weiter

5. Bauabschnitt startet Ende Februar 2021

Im Rahmen des Förderprogramms „Nachhaltige Erneuerung“ wird in diesem Jahr der 5. Bauabschnitt zur Aufwertung des Schlossparks Buch realisiert. Er umfasst den landschaftlichen Parkraum vom Eingang der Wiltbergstraße bis zum nördlichen Ende der Mittelallee des Holländischen Gartens, dem westlichen Kanalarm mit Teich und dem Abflussgraben. Dafür stehen Gelder in Höhe von 815.000 Euro zur Verfügung. Während der Bauzeit von Februar bis Dezember 2021 wird der betreffende Teil des Parks nicht nutzbar sein.

Im Rahmen der Maßnahmen müssen bis Ende Februar drei geschützte Bäume gefällt werden, zwei davon auf Grund ihrer starken Schädigung und der Dritte zu Gunsten der Freistellung einer besonders großen Rotbuche. In den einzelnen Parkarealen wird zudem der vorhandene Sämlingsaufwuchs entfernt. Im Gegenzug werden elf Bäume und 500 m² Gehölze neu gepflanzt, darunter drei Hainbuchen, drei Stieleichen, drei Schwarzerlen und zwei Eschen.

Im Rahmen der Maßnahme werden zudem 3.720 m² Wegeflächen erneuert sowie Bänke und Abfallbehälter ergänzt. Der in Teilen noch vorhandene Aussichtshügel am Teich mit Blickbeziehung zum ehemaligen Orangerieparterre wird wieder sichtbar gemacht, Zukunftsbäume werden freigestellt, Sämlingsaufwuchs entfernt und Blühgehölze bzw. Bodendecker gepflanzt. Am Eingang Wiltbergstraße wird die noch fehlende Parkeinfriedung durch einen schlichten Stabzaun hergestellt.

Der Schlosspark erhält außerdem ein Informationssystem: an vier Standorten werden Informationstafeln zur Geschichte des Parks und besonderen Bereichen bzw. Persönlichkeiten installiert. Die Informationen werden dann auch digital abrufbar sein.

 

forschen / 10.02.2021
"Sprechen mit Häusern & Robotern − leben in der Stadt der Zukunft" (LNDW Podcast Folge 9)

Digitalisierung und Vernetzung machen es möglich: Häuser und Quartiere können bereits heute mit „intelligenter“ Technik so ausgestattet werden, dass Energie eingespart und der Komfort erhöht wird. Ist das Konzept smarter Häuser, die miteinander verbunden werden zur Smart-City, der richtige Weg, um die Stadt Zukunft CO2-neutral, klimaresistent und dennoch lebenswert zu machen?

In der neunten Folge des LNDW-Podcasts gibt es dazu ein differenziertes Meinungsbild mit diesen Gästen:

Anne-Caroline Erbstößer ist Diplom-Ingenieurin für Innenarchitektur und Architektur und als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Technologiestiftung Berlin im Bereich Technologie und Stadt tätig. Sie beschäftigt sich mit smarten Gebäude und intelligenten Quartiere und spricht sich dafür aus, die neue digitalen Technologien zu nutzen, um den Wandel hin zur klimaneutralen, aber auch partizipativen Stadt aktiv zu gestalten.

Prof. Dr. Manfred Hild ist Professor für Digitale Systeme an der Beuth Hochschule für Technik Berlin. Der Brain City Botschafter ist Studienfachberater des Studiengangs humanoide Roboter und kritisiert den aktuellen Technologie-Trend, alles mit allem zu vernetzen. Er will Roboter nicht zu den neuen Sklaven der Menschen machen, sondern sie zu Dienstleistungen auf Augenhöhe mit den Menschen befähigen. Das geht nur im Austausch zwischen Menschen und Robotern. Im Projekt RoSen geht er derzeit bspw. der Frage nach, wie und was Senior*innen dazu beitragen können, um Roboter besser zu machen.

Axel Schultz ist Leiter der Siemens AG Niederlassung Berlin/Brandenburg sowie Leiter des Geschäfts Smart Infrastructure der Region Ost. Er erläutert, was aus Sicht der Industrie an intelligenten Häusern und Quartieren interessant ist und wie die Energieversorgung der Städte in Zukunft nicht nur gesichert, sondern auch umweltfreundlicher werden kann. Zudem spricht er über die Pläne zur Siemensstadt 2.0.

Weitere Informationen: https://www.langenachtderwissenschaften.de/news-detail/sprechen-mit-haeusern-robotern-die-stadt-der-zukunft-folge-9

Zum Podcast:
https://www.ardaudiothek.de/lange-nacht-der-wissenschaften/sprechen-mit-haeusern-und-robotern-talk-ueber-projekte-fuer-eine-stadt-der-zukunft/85988474

leben / 10.02.2021
Beteiligungsverfahren "Pankower Tor" startet am 10. Februar 2021

Bürger-Feedback zu Entwürfen am Pankower Tor gefragt

Sechs renommierte und interdisziplinäre Planerteams aus Architekten, Stadt-, Freiraum- und Verkehrsplaner:innen erarbeiten seit Dezember 2020 städtebauliche Entwürfe für ein lebenswertes, urbanes Stadtquartier auf dem ehemaligen Rangierbahnhof in Pankow, auch bekannt als „Pankower Tor“.

Vom 10. - 23. Februar 2021 können sich Interessierte diese Entwürfe auf der Webseite unter www.pankower-tor.de ansehen und kommentieren: Welcher Ansatz gefällt Ihnen? Wo sehen Sie Verbesserungsbedarf, woran sollten die Planer:innen noch arbeiten?

Ergänzend dazu findet ein digitales Bürgerforum am Montag, dem 22. Februar 2021 statt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen von 18 bis 20 Uhr die bis dahin eingegangenen Hinweise und Fragen im Rahmen einer Videokonferenz mit den Planerteams live zu besprechen. Teilnehmen werden auch Vorhabenträger Kurt Krieger, Staatssekretär Dr. Frank Nägele, Bezirksbürgermeister Sören Benn sowie Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn. Die Einwahl in die Zoom-Videokonferenz erfolgt über den folgenden Link: https://us02web.zoom.us/j/4132339211.

Alle Hinweise aus der Beteiligung werden im Anschluss ausgewertet und den Planerteams sowie der Jury für die zweite Phase des Workshopverfahrens an die Hand gegeben.

Im Mai 2021 werden die finalen Entwürfe der Planerteams vorliegen. Diese werden anschließend von den Sachverständigen geprüft und von der Jury bewertet. Im Juni 2021 werden die Ergebnisse und der Siegerentwurf der Öffentlichkeit präsentiert.

forschen / 09.02.2021
Covid-19 versus Naturschutz

Die COVID-19-Pandemie - verursacht durch das neue Coronavirus SARS-CoV-2 - hat das Leben jedes Menschen auf dem Planeten verändert und wirtschaftliche, kulturelle, soziale und politische Prozesse beeinflusst. Forschung und Naturschutz sind von diesen negativen Auswirkungen nicht ausgenommen. Derzeit werden die positiven Folgen einer „Anthropause“ auf die Umwelt kontrovers diskutiert. Das durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte BioRescue-Forschungsprogramm zur Rettung des Nördlichen Breitmaulnashorns ist ein Beispiel für die Herausforderungen, die bei der Durchführung von Forschung und Naturschutz in einem internationalen Konsortium in Zeiten einer globalen Pandemie zu bewältigen sind. COVID-19 behinderte die Kommunikation und Reisen, verhinderte oder verzögerte entscheidende Verfahren, verursachte Einnahmeverluste und senkte damit möglicherweise die Chancen auf ein Überleben des Nördlichen Breitmaulnashorns. Dennoch hat das Konsortium in diesen schwierigen Zeiten Strategien angepasst und wertvolle Erkenntnisse gewonnen und konnte seine Mission vorantreiben. Die Auswirkungen der Pandemie auf das BioRescue-Projekt wurden jetzt im wissenschaftlichen „Journal of Applied Animal Ethics Research“ veröffentlicht.

Derzeit gibt es nur noch zwei Nördliche Breitmaulnashörner auf der Welt, beide sind weiblich. Um das Aussterben des Nördlichen Breitmaulnashorns zu verhindern, versucht ein internationales Konsortium aus Wissenschaftler*innen und Naturschützer*innen Technologien der assistierten Reproduktion und stammzellverwandte Techniken voranzutreiben. Mithilfe dieser Techniken und Methoden sollen Embryonen des Nördlichen Breitmaulnashorns im Labor erzeugt werden. In naher Zukunft sollen diese Embryonen in Leihmütter von Südlichen Breitmaulnashörnern eingesetzt werden, um Nachkommen von Nördlichen Breitmaulnashörnern zu erzeugen. Dieses grenzüberschreitende Programm wird von einem internationalen Team durchgeführt, das global arbeitet und Wissenschaftler*innen und Naturschützer*innen aus Deutschland, Kenia, Japan, der Tschechischen Republik, den USA und Italien umfasst. Seit März 2020 wurde die Arbeit des Konsortiums durch die Covid-19-Pandemie in mehrfacher Hinsicht auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene stark beeinträchtigt.

Auf internationaler Ebene war das größte, zu überwindende Hindernis die internationale Reisebeschränkung. „Die Konsortialpartner hatten sich zuvor darauf geeinigt, die Eizellen der letzten beiden Nördlichen Breitmaulnashörner alle drei bis vier Monate zu entnehmen. Dieses Intervall gilt als sicher, um bei maximaler Eizellgewinnung die Gesundheit der Weibchen sicherzustellen. Jede einzelne der Eizellen ist enorm wertvoll, da daraus potenzielle Nachkommen erzeugt werden können“, erklärt BioRescue-Projektleiter Thomas Hildebrandt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW). Nach der durch die Pandemie verursachten Zwangspause war für März 2020 eine weitere Eizellenentnahme in der Ol Pejeta Conservancy in Kenia geplant. „Aufgrund internationaler Reisebeschränkungen musste auch diese Prozedur abgesagt werden und konnte erst nach der Wiederöffnung der Grenzen Kenias im August 2020 durchgeführt werden“, ergänzt Leibniz-IZW-BioRescue-Wissenschaftlerin Susanne Holtze, die sich die Erstautorenschaft der Publikation mit Hildebrandt teilt. „Das bedeutet nicht nur, dass wir eine entscheidende Chance verpasst hatten, um ein oder zwei wertvolle Embryonen herzustellen. Die Reisebeschränkungen hatten auch konkrete Auswirkungen auf unser weiteres Vorgehen im August 2020“, erklärt Holtze. Das lange Intervall seit der letzten Eizellentnahme, die im Dezember 2019 stattfand, hat die Qualität der Eizellen negativ beeinträchtigt. Das ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der Grund dafür, dass von zehn Eizellen keine Embryonen erzeugt werden konnten. Darüber hinaus verringert die Verzögerung möglicher Embryotransfers in Kenia auch die Chancen der zukünftigen Nördlichen Breitmaulnashorn-Kälber mit Individuen ihrer eigenen Art aufzuwachsen. Das minimiert auch die Chance, prägendes Sozialverhalten von der eignen Art zu erlernen.

Das BioRescue-Forschungsprogramm zur Rettung der Nördlichen Breitmaulnashörner hat durch die Pandemie fast ein Jahr verloren - eine ernsthafte Verzögerung im Wettlauf gegen die Zeit. „Auf der anderen Seite hat uns die unfreiwillige Pause neue wertvolle Erkenntnisse für das Reproduktionsmanagement der Nördlichen Breitmaulnashörner gebracht“, sagt Hildebrandt. „Für die Wissenschaft haben wir auch 2020 noch Fortschritte gemacht und konnten mit unserer Kenia-Mission im Dezember 2020 unsere Forschung erfolgreich fortsetzen.“

Neben den Herausforderungen durch die Reisebeschränkungen nach Kenia gab es noch weitere Hürden für das Forschungskonsortium. Die Abriegelungen und zeitweilige Schließungen öffentlicher Einrichtungen in der Tschechischen Republik verursachte beim Konsortialpartner Safaripark Dvůr Králové spürbare Umsatzeinbußen. „Wir standen vor der noch nie dagewesenen Situation, keine Einnahmen aus Eintrittsgeldern und anderen Dienstleistungen zu erwirtschaften. Allen Widrigkeiten zum Trotz waren wir jedoch schnell in der Lage, neue Wege zu entwickeln, wie wir unsere potenziellen Besucher*innen und Unterstützer*innen online erreichen können, und das ermöglichte es uns, unsere Unterstützung für das BioRescue-Rettungsprogramm auf demselben Niveau wie in den Vorjahren zu halten. Unsere höchste Priorität ist es, Arten vor dem Aussterben zu bewahren. COVID-19 hat uns bestätigt, wie wichtig die Unterstützung einzelner Spender ist“, sagt Jan Stejskal, Direktor für Kommunikation und internationale Projekte des Safariparks.

Ähnlich erging es der gemeinnützigen Ol Pejeta Conservancy (OPC) in Kenia, die die letzten beiden Nördlichen Breitmaulnashörner beherbergt. Auch OPC verbuchte einen drastischen Rückgang der Einnahmen aus dem internationalen Tourismus aufgrund des Reiseverbots, nationaler Ausgangssperren und der Isolation der nationalen Hauptstadt Nairobi. „Daher war Fundraising notwendig, um unsere Wildtier- und Schutzprogramme aufrechtzuerhalten und die Gehälter zu bezahlen“, sagt Ol Pejeta-Geschäftsführer Richard Vigne. „Der Schutz der Nashörner und die professionelle tierärztliche Versorgung wurden jedoch in Zusammenarbeit mit dem Kenya Wildlife Service zu jeder Zeit aufrechterhalten.“

Für die Forschungseinrichtungen der Konsortialpartner in Deutschland, Italien und Japan gab es unterschiedlich starke Einschränkungen für die Laborarbeit. Entscheidende Arbeiten am Leibniz-IZW, im Avantea Laboratory of Reproductive Technologies (Italien), an der Kyushu University (Japan) und am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (Deutschland) konnten nur eingeschränkt weitergeführt werden. „Das Personal in den Laboren war begrenzt, Hygienevorschriften wurden erlassen, der Transport von Proben und Geräten wurde erschwert und nicht zuletzt zwang die Schließung von Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen die Eltern von der Laborarbeit ins Home Office“, resümiert Sebastian Diecke vom Max-Delbrück-Centrum. Auch an der Universität Padua wurden Labore und Büros geschlossen und Online-Lehre und -Forschung implementiert. Das Team, das für die ethische Überwachung des BioRescue-Programms zuständig ist, arbeitete weiterhin von zu Hause aus und musste seine Strategien anpassen, um die ethische Bewertung für alle Einsätze weiterzuführen. „Trotz aller Schwierigkeiten wurde die ethische Bewertung bei allen BioRescue-Forschungseinsätzen immer durchgeführt, und das mit hohen Qualitätsstandards und unter der Einhaltung von Sicherheit und Wohlergehen sowohl der Forscher*innen als auch der beteiligten Tiere“, sagt Barbara de Mori von der Universität von Padua.

„COVID-19 hat auf der ganzen Welt katastrophale Folgen, aber zwei neue Embryonen, die wir im Dezember 2020 produziert haben, beweisen, dass unser BioRescue-Team entschlossen ist, alle wissenschaftlichen und logistischen Herausforderungen zu meistern, die die Rettung des Nördlichen Breitmaulnashorns mit sich bringen“, sagt Jan Stejskal.

Neben schweren negativen Auswirkungen der Pandemie gab es auch einige positive. Zum Beispiel eröffnete die Schließung der internationalen Grenzen neue Möglichkeiten für Verfahren der assistierten Reproduktion in Deutschland, die für die Weiterentwicklung und Perfektionierung von Methoden und Techniken wichtig waren. So konnte beispielsweise aufgrund von Reisebeschränkungen ein Paarungspartner für ein Südliches Breitmaulnashornweibchen in einem deutschen Zoo nicht anreisen. Dadurch hatte das BioRescue-Team die Möglichkeit, mit dem Tier zu arbeiten. Darüber hinaus trugen soziale Distanzierungsvorschriften dazu bei, eine neue Kultur der regelmäßigen Online-Treffen innerhalb der Konsortialpartner zu etablieren, die sich als nützlich erwies und beibehalten werden soll. Und schließlich gibt es ein neues Bewusstsein für die Zerstörung von Lebensraum und den Verlust von Biodiversität als Schlüsselfaktoren für neu auftretende zoonotische Infektionskrankheiten. „Bei BioRescue geht es nicht nur um die Rettung des Nördlichen Breitmaulnashorns. Auch die langfristige Wiederherstellung zerstörter Lebensräume in Zentralafrika ist ein nachhaltiges Mittel im Kampf gegen Pandemien“, sagt Thomas Hildebrandt. „Es ist ironisch und bitter, dass unsere Mission ausgerechnet durch das, was sie letztlich unwahrscheinlicher machen soll, eine Pandemie, schwer getroffen wurde.“

Mehr Informationen über BioRescue sowie Möglichkeiten, das Projekt zu unterstützen, finden Sie auf www.biorescue.org.

Publikation

Hildebrandt TB*, Holtze S*, Biasetti P, Colleoni S, de Mori B, Diecke S, Göritz F, Hayashi K, Hayashi M, Hermes R, Kariuki L, Lazzari G, Mijele D, Mutisya S, Ndeereh D, Ngulu S, Seet S, Zwilling J, Zywitza V, Stejskal J, Galli C (2021): Conservation Research in Times of Covid-19 – the Rescue of the Northern White Rhino. J APPL ANIM ETHICS RES 11, 312. doi: 10.1163/25889567-BJA10009.

Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research (Leibniz-IZW)

The Leibniz-IZW is an internationally renowned German research institute of the Forschungsverbund Berlin e.V. and a member of the Leibniz Association. Our mission is to examine evolutionary adaptations of wildlife to global change and develop new concepts and measures for the conservation of biodiversity. To achieve this, our scientists use their broad interdisciplinary expertise from biology and veterinary medicine to conduct fundamental and applied research – from molecular to landscape level – in close dialogue with the public and stakeholders. Additionally we are committed to unique and high quality services for the scientific community. http://www.izw-berlin.de

Safari Park Dvůr Králové

Safari Park Dvůr Králové is a safari park in the Czech Republic. It’s one of the best rhino breeders outside of Africa and the only place where the northern white rhino bred in human care - both remaining females, Najin and Fatu, were born here. Dvůr Králové Zoo coordinates efforts to save the northern white rhinos. https://safaripark.cz/en/

Max Delbrück Center for Molecular Medicine (MDC)

The MDC's research has a long-time goal: to advance medicine today and in the future. Its broad thematic orientation enables highly networked and collaborative projects providing insights into many different aspects of life and disease. https://www.mdc-berlin.de/research-approach

Kenya Wildlife Service

Kenya Wildlife Service is the principal government institution that conserves and manages wildlife for Kenyans and the world. It also enforces related laws and regulations. http://kws.go.ke/

 

Ol Pejeta Conservancy

Ol Pejeta Conservancy is the largest black rhino sanctuary in east Africa, and is the only place in Kenya to see chimpanzees. It is also home to the last two northern white rhinos on the planet. Ol Pejeta’s cutting-edge wildlife security includes a specialised K-9 unit, motion sensor cameras along its solar-powered electric fence, and a dedicated Rhino Protection Unit. https://www.olpejetaconservancy.org/

Avantea

Avantea is a laboratory of advanced technologies for biotechnology research and animal reproduction based in Cremona, Italy. Avantea has over twenty years of experience and the know-how in assisted reproduction of livestock developed through years of research conducted in the biomedical and animal reproduction fields. https://www.avantea.it/en/

University of Padua

University of Padua in Italy is one of the oldest in the world, celebrating 800 years. Its Department of Comparative Biomedicine and Food Science is developing leading research and education in the field of wildlife conservation and welfare with a special focus on ethical assessment and evaluation of research projects and educational programs. https://www.unipd.it/en/

PRESSEMITTEILUNG

Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) | Università degli Studi di Padova (UP) | Avantea Laboratory of Reproductive Technologies | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) | Kyushu University| Kenya Wildlife Service | Ol Pejeta Conservancy | Safaripark Dvůr Králové

heilen / 09.02.2021
Kinderonkologen sind alarmiert

Die Kinderkrebszentren des Helios Klinikums Berlin-Buch und der Charité – Universitätsmedizin Berlin verzeichnen aktuell einen besorgniserregenden Rückgang an Neudiagnosen bei Kindern mit Krebserkrankungen (Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken)
Die Kinderkrebszentren des Helios Klinikums Berlin-Buch und der Charité – Universitätsmedizin Berlin verzeichnen aktuell einen besorgniserregenden Rückgang an Neudiagnosen bei Kindern mit Krebserkrankungen (Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken)

Die Kinderkrebszentren des Helios Klinikums Berlin-Buch und der Charité – Universitätsmedizin Berlin verzeichnen aktuell einen besorgniserregenden Rückgang an Neudiagnosen bei Kindern mit Krebserkrankungen. Die Vermutung liegt nahe, dass bei den betroffenen Eltern eine Verunsicherung herrscht, ob sie in der aktuellen Situation eine Kinderarztpraxis oder Klinik aufsuchen sollten. Die Kinderonkologen appellieren jetzt an Mütter und Väter, unklare Symptome abklären zu lassen.
 
Die Kinderkrebszentren des Helios Klinikums Berlin-Buch und der Charité – Universitätsmedizin Berlin verzeichnen aktuell einen besorgniserregenden Rückgang an Neudiagnosen bei Kindern mit Krebserkrankungen.

Nehmen wir an, ein Kind fühlt sich schwach, hat einiges an Gewicht verloren, nachts schwitzt es und hat kaum Appetit. In normalen Zeiten würden Eltern mit ihrem Kind zum Arzt gehen und diese unklaren Symptome abklären lassen. Doch in Zeiten von COVID-19 suchen viele gar nicht erst die Ärztin oder den Arzt auf. Aber genau das könnte schwere Folgen haben – beispielsweise dann, wenn es erste Symptome einer Krebserkrankung sind.

Eine repräsentative Studie der Helios Kliniken für den Bereich der Krebsmedizin zeigt, dass während des ersten Corona-Lockdowns und kurze Zeit danach 10 bis 20 Prozent weniger Krebsbehandlungen durchgeführt wurden. Dies ist besonders bedenklich, weil davon ausgegangen werden muss, dass durch nicht zeitgerecht eingeleitete Untersuchungen und Behandlungen gravierende Nachteile für Patientinnen und Patienten entstehen können. Gerade bei Erkrankungen wie Krebs ist es entscheidend, so früh wie möglich mit einer geeigneten Therapie zu beginnen, um die Überlebenschancen so hoch wie möglich zu halten.

Privatdozent Dr. Patrick Hundsdörfer, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin im Helios Klinikum Berlin-Buch: „Wir machen uns Sorgen, weil die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die mit Neuerkrankungen in frühen, heilbaren Tumorstadien vorgestellt werden, in den letzten Wochen stark zurückgegangen ist. Wir befürchten, dass wir dadurch in einigen Wochen bis Monaten vermehrt junge Patienten mit Tumoren in fortgeschrittenen Stadien sehen werden. Das kann in einigen Fällen bedeuten, dass die Heilungschance enorm sinkt.“
Arztbesuch nicht aufschieben - Beschwerden abklären

„Akute und länger anhaltende Beschwerden aufgrund der Sorge um eine Ansteckung mit dem Coronavirus auszusitzen, ist keine Lösung“, sagt Prof. Dr. Angelika Eggert Direktorin der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie an der Charité. Sie warnt eindringlich: „Die Angst vor einer möglichen Corona-Infektion dürfen Eltern nicht davon abhalten, bei unklaren Symptomen ihr Kind bei einem Arzt vorzustellen.“
Sowohl in Arztpraxen als auch in Kliniken gibt es entsprechende Hygienekonzepte und Sicherheitsstandards, sodass der bestmögliche Schutz von Patientinnen und Patienten gewährleistet ist. Die beiden Berliner Kinderkrebszentren sind wie gewohnt rund um die Uhr für ihre Patientinnen und Patienten im Einsatz. Gemeinsam behandeln und betreuen sie Berliner und Brandenburger Kinder und Jugendliche mit Krebserkrankungen und stellen deren optimale medizinische Versorgung regionsweit sicher.

Die Berliner Kinderkrebszentren

Das Kinderkrebszentrum im Helios Klinikum Berlin-Buch:
Das Kinderkrebszentrum im Helios Klinikum Berlin-Buch behandelt Kinder mit allen onkologischen Krankheiten und in allen Krankheitsphasen. Dabei kooperiert es eng mit den Nachbardisziplinen, darunter der Kinderchirurgie, Kinderneuroorthopädie, Tumororthopädie, Neurochirurgie, Tumorimmunologie und Stammzelltransplantationszentrum, Radiologie, Neuroradiologie, Nuklearmedizin und Strahlentherapie.
Mehr Informationen unter: https://www.helios-gesundheit.de/kliniken/berlin-buch/unser-angebot/unsere-fachbereiche/kinderkrebszentrum/

Die Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie der Charité:
Die umfassende und ganzheitliche Krebsbehandlung an der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie basiert auf wissenschaftlich abgesicherten und qualitätsüberwachten Therapieverfahren. Sie und dauert in der Regel zwischen drei bis 12 Monaten. Etwa 120 neue Kinder und Jugendliche werden jährlich kinderonkologisch behandelt und haben damit eine Heilungsaussicht von > 80%. Die Klinik ist seit 2017 als Kinderkrebszentrum durch OnkoZert von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert und als Europäisches Referenzzentrum akkreditiert.  
Mehr Informationen unter: https://kinderonkologie.charite.de/


Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 1.000 Betten in mehr als 60 Kliniken, Instituten und spezialisierten Zentren sowie einem Notfallzentrum mit Hubschrauberlandeplatz. Jährlich werden hier mehr als 55.000 stationäre und über 144.000 ambulante Patienten mit hohem medizinischem und pflegerischem Standard in Diagnostik und Therapie fachübergreifend behandelt, insbesondere in interdisziplinären Zentren wie z.B. im Brustzentrum, Darmzentrum, Hauttumorzentrum, Perinatalzentrum, der Stroke Unit und in der Chest Pain Unit. Die Klinik ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als Onkologisches Zentrum und von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetiker geeignet DDG“ zertifiziert.
 Gelegen mitten in Berlin-Brandenburg, im grünen Nordosten Berlins in Pankow und in unmittelbarer Nähe zum Barnim, ist das Klinikum mit der S-Bahn (S 2) und Buslinie 893 oder per Auto (ca. 20 km vom Brandenburger Tor entfernt) direkt zu erreichen.

Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 110.000 Mitarbeitern. Zum Unternehmen gehören unter dem Dach der Holding Helios Health die Helios Kliniken in Deutschland sowie Quirónsalud in Spanien. Rund 21 Millionen Patienten entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios. 2019 erzielte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von 9,2 Milliarden Euro.
In Deutschland verfügt Helios über 89 Kliniken, 128 Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und sechs Präventionszentren. Jährlich werden in Deutschland rund 5,6 Millionen Patienten behandelt, davon 4,4 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland 73.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von rund sechs Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.
Quirónsalud betreibt 51 Kliniken, 71 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 15,4 Millionen Patienten behandelt, davon 14,6 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt rund 37.500 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von über drei Milliarden Euro.
Helios Deutschland und Quirónsalud gehören zum Gesundheitskonzern Fresenius.

leben / 08.02.2021
Aktuelle Wetterlage: Vorsicht bei Nutzung der öffentlichen Spielplätze

Durch den aktuellen Wintereinbruch mit starkem Frost ist der Fallschutz auf den Pankower Spielplätzen eingefroren.
Er kann daher Stürze nicht mehr in ausreichendem Maße dämpfen und es kann zu Verletzungen kommen.
Das Bezirksamt Pankow rät daher Eltern und Kinder zu erhöhter Vorsicht.

produzieren / 08.02.2021
Eckert & Ziegler erhält Auftrag für Heißzellenbau von niederländischem Forschungszentrum

Eckert & Ziegler hat einen Auftrag zum Bau von Heißzellen im Wert von mehreren Millionen Euro erhalten. Auftraggeber ist die Nuclear Research and Consultancy Group (NRG) in Petten (NL), ein weltweit führendes Forschungsinstitut für die Herstellung von Radiopharmazeutika.

Der Auftrag umfasst Planung und Bau von Heißzellen für die GMP-konforme Bearbeitung von Alpha- und Betastrahlern im sogenannten FIELD-LAB der NRG am Standort Petten (NL). Das FIELD-LAB soll für Unternehmen und Forschungsinstitute ein praxisnahes Umfeld bieten, um Radiopharmaka für die personalisierte Behandlung von Krebs und anderen Erkrankungen zu entwickeln.

„Der Auftrag unterstreicht unsere hohe Expertise im Spezialanlagenbau für radioaktive Stoffe. Wir freuen uns, mit unserem Fachwissen in den Bereichen Radiopharmazie, Technik und Prozessentwicklung zu diesem spannenden Projekt beizutragen“, erklärt Felix Husmann, Geschäftsführer der auf Anlagenbau spezialisierten Eckert & Ziegler Tochtergesellschaft Isotope Technologies Dresden GmbH (ITD). „Angesichts der weltweit hohen Nachfrage nach Radiopharmaka wird der Spezialanlagenbau zunehmend wichtiger. Mit unserer langjährigen Erfahrung sind wir hier bestens als valider Partner der pharmazeutischen Industrie aufgestellt.“

"Bei ITD überzeugten uns die langjährige Erfahrung, der Preis und der kundenorientierte Lösungsansatz", so Vinod Ramnandanlal, Commercial Director von NRG. "Mit ITD haben wir einen starken Partner gefunden, mit dem wir gemeinsam die technische Infrastruktur unseres FIELD-LABs aufbauen und so die Entwicklung von Radiopharmazeutika zur Krebsbekämpfung beschleunigen können."

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 800 Mitarbeitern zu den weltweit größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an verschiedenen Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.
Wir helfen zu heilen.

Über Isotope Technologies Dresden
Die Isotope Technologies Dresden GmbH (ITD) ist ein Tochterunternehmen der Eckert & Ziegler AG und einer der international führenden Spezialisten für die Entwicklung, Konstruktion und Herstellung von Heißzellen für Produktion, Materialtestung, Forschung & Entwicklung, sowie weiterer Anwendungen im radiopharmazeutischen und industriellen Umfeld. ITD verfügt über langjährige Erfahrung in der Entwicklung, Herstellung und Installation von kundenspezifischem Sonderanlagenbau.

Über Nuclear Research and Consultancy Group (NRG)
Die NRG ist ein international tätiger Anbieter von nuklearen Dienstleistungen. Das Unternehmen stellt Isotope her, führt nukleartechnische Forschung durch, berät zur Sicherheit und Zuverlässigkeit von Nuklearanlagen und bietet Dienstleistungen im Bereich Strahlenschutz an.

Über FIELD-LAB
FIELD-LAB ist eine Initiative des Konsortiums Advancing Nuclear Medicine und bietet Unternehmen und Forschungsinstituten ein praxisnahes Umfeld, um Radiopharmaka für die personalisierte Behandlung von Krebs und anderen Erkrankungen zu entwickeln.

www.ezag.de

investieren, leben / 04.02.2021
Städtebauliches Gutachter:innenverfahren fürs neue Stadtquartier Buch-Am Sandhaus startet

Luftbild Buch - Am Sandhaus (Foto: Dirk Laubner)
Luftbild Buch - Am Sandhaus (Foto: Dirk Laubner)

Pressemitteilung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen vom 03.02.2021

In Berlin-Buch soll in den kommenden Jahren zwischen dem S-Bahnhof Buch, der Straße Am Sandhaus und dem ehemaligen Krankenhausgelände der Staatssicherheit in enger Abstimmung zwischen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen und dem Bezirk Pankow eins von 16 neuen Stadtquartieren entstehen. Neben 2.400 bis 3.000 neue Wohnungen sind im autoarmen Quartier auch Kitas und eine neue Grundschule vorgesehen.
 
 Am 4. Februar 2021 fällt nun der Startschuss fürs diskursive, städtebauliche Gutachter:innen-verfahren. In dessen Rahmen arbeiten drei Planungsteams parallel an städtebaulichen Entwürfen. Diese werden in mehreren Schritten und unter Beteiligung der Öffentlichkeit diskutiert und weiterentwickelt. Im Sommer soll eine Fachjury, das sogenannte Gutachter:innengremium, das beste Konzept auswählen. Es dient als Grundlage für die darauffolgende verbindliche Bauleitplanung.
 
Sebastian Scheel, Senator für Stadtentwicklung und Wohnen: „Die 16 neuen Stadtquartiere spielen bei der Schaffung von leistbarem Wohnraum eine zentrale Rolle. Insgesamt entstehen so im gesamten Stadtgebiet Wohnungen für über 100.000 Berliner:innen. Umso wichtiger ist uns die städtebauliche Qualität jedes einzelnen Quartiers. Ich freue mich deshalb ganz besonders auf die Ergebnisse des städtebaulichen Gutachter:innenverfahrens für das neue Stadtquartier Buch-Am Sandhaus. Ich bin zuversichtlich, dass die Planungsteams im Austausch mit der Nachbarschaft spannende Entwürfe entwickeln und das neue Quartier so zu einem wunderbar lebenswerten Ort werden lassen.“
 
Vollrad Kuhn, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Bürgerdienste: „Der Bezirk Pankow ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Ein Projekt in der Größe des Standorts Buch-Am Sandhaus ist daher für uns ein wichtiges Element, um ausreichend Wohnraum im Bezirk anbieten zu können. Besonders attraktiv macht das Projekt die randstädtische Lage, die das Wohnen mit Bezug zur offenen Landschaft thematisiert und gleichzeitig auf bereits vorhandene Infrastruktureinrichtungen setzen kann (Ortsteilzentrum, Schulen, S-Bahn-Anschluss etc.), die auch das Potenzial bieten, das Gebiet unter den Vorzeichen eines autoreduzierten Quartiers zu entwickeln. Ich bin daher schon sehr gespannt auf die Entwürfe, die die Planerteams nun während des Gutachter-Verfahrens erarbeiten werden.“
 
Die Beteiligung der Öffentlichkeit ist ein wichtiger Baustein des diskursiven Gutachter:innen-verfahrens. Bis zum Sommer sind öffentliche Planungswerkstätten bzw. Ausstellungen vorgesehen, in denen die Teams ihre Entwürfe präsentieren und mit interessierten Bürger:innen diskutieren werden. Die Ergebnisse dieser Debatten fließen in die weitere Bearbeitung ein. Die Veranstaltungstermine und -formate werden rechtzeitig vorab bekannt gegeben.
 
Die Bürgerschaft ist zudem in der Fachjury vertreten und kann so über die Auswahl der Entwürfe mitentscheiden. Hierfür konnten sich Anwohner:innen im Vorfeld bewerben. In einem Beteiligungskonzept werden alle geplanten Maßnahmen zusammengefasst. Weitere Informationen auf der Seite der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen:

https://www.stadtentwicklung.berlin.de/aktuell/pressebox/archiv_volltext.shtml?arch_2102/nachricht7030.html

forschen / 02.02.2021
Single Cell goes clinical: Vier neue Forschungsgruppen nutzen Einzelzellmethoden für die Medizin

Die vier jungen Nachwuchsgruppenleiterinnen mit den Chairs des Single Cell Programms: Ashley Sanders, Angelika Eggert, Stefanie Grosswendt, Nikolaus Rajewsky, Leif Ludwig und Simon Haas (v.l.n.r.) © Felix Petermann, MDC
Die vier jungen Nachwuchsgruppenleiterinnen mit den Chairs des Single Cell Programms: Ashley Sanders, Angelika Eggert, Stefanie Grosswendt, Nikolaus Rajewsky, Leif Ludwig und Simon Haas (v.l.n.r.) © Felix Petermann, MDC

Das Berlin Institute of Health (BIH), das Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und die Charité – Universitätsmedizin Berlin haben vor einem Jahr den gemeinsamen Forschungsfokus „Single Cell-Ansätze für die personalisierte Medizin“ gegründet. Ziel ist es, innovative Einzelzelltechnologien für klinische Fragestellungen zu nutzen. Umsetzen sollen dieses Vorhaben vier neue Nachwuchsgruppen, die nun ihre Arbeit aufgenommen haben.

2018 waren sie der „Durchbruch des Jahres“: Das Wissenschaftsmagazin Science kürte die neuen Technologien, mit denen Wissenschaftler*innen die genetische Aktivität einzelner Körperzellen analysieren können, zur wichtigsten Errungenschaft. „Diese revolutionären Technologien haben eine große Bedeutung für die personalisierte Medizin“, sagt Professor Christopher Baum, Vorsitzender des BIH Direktoriums und Vorstand für den Translationsforschungsbereich der Charité. „Wir haben uns deshalb entschlossen, die Translation dieser Forschung zu fördern: Wir wollen die Ergebnisse der Forschung rascher in die Klinik bringen und umgekehrt, aus Beobachtungen in der Klinik neue Fragestellungen für die Single-Cell-Forschung entwickeln.“ Zu diesem Zweck haben das Berlin Institut of Health (BIH), das Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und die Charité – Universitätsmedizin Berlin gemeinsam den Fokusbereich „Single Cell Ansätze für die personalisierte Medizin“ gegründet.

Modernste Technologien für den klinischen Einsatz

Den Kern des neuen Forschungsfokus bilden vier neue Nachwuchsforschungsgruppen, deren Leiter*innen international berufen wurden: Dr. Leif Ludwig, der vom Broad Institute in Cambridge, USA nach Berlin gekommen ist, will mit seiner Gruppe die Entwicklung und Aktivität von Stammzellen im Zusammenhang mit dem Erbgut ihrer „Zellkraftwerke“, den Mitochondrien, untersuchen. Dr. Simon Haas kommt vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg und analysiert Krebsstammzellen, um damit den Ursprung von Blutkrebserkrankungen gezielt angehen zu können. Dr. Stefanie Grosswendt vom Berliner Max-Planck-Institut für molekulare Genetik möchte herausfinden, welche Zelltypen und Vorgänge aus der Embryonalentwicklung im Krankheitsbild bestimmter Krebsarten eine Rolle spielen. Die Kanadierin Dr. Ashley Sanders war bisher am Europäischen Molekularbiologischen Labor in Heidelberg und erforscht, wie neue Mutationen in einzelnen Zellen entstehen und so deren unterschiedliche Ausprägung innerhalb eines Organs oder Tumors bedingen.

Die Nachwuchsgruppen werden am MDC in Mitte, und somit am Berliner Institut für Molekulare Systembiologie (BIMSB), angesiedelt sein. Hier haben sie Zugang zu neuesten Einzelzellmethoden und kooperieren mit exzellenten Systembiologen. BIMSB-Direktor Professor Nikolaus Rajewsky hat selbst entscheidende Beiträge zur Einzelzelltechnologie geleistet. „Das ist so, als ob wir ein Supermikroskop erfunden hätten, mit dem wir plötzlich in jede Zelle in einem Gewebe hineinschauen könnten, in alle Zellen gleichzeitig, und sehen könnten, was molekular in der Zelle vor sich geht - zum Beispiel wann und warum sie krank wird.“ Nikolaus Rajewsky und Professorin Angelika Eggert, Direktorin der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie an der Charité, sind Sprecher und Sprecherin des neuen BIH-Forschungsfokus.

Zusammenarbeit mit Kliniker*innen

Das BIMSB befindet sich in Berlin Mitte und damit in unmittelbarer Nähe zum Campus Charité Mitte (CCM). Das erweist sich als großer Vorteil für ihre translationale Arbeit, denn die Nachwuchsgruppen werden jeweils eng mit einer Klinik der Charité zusammenarbeiten, um die Einzelzelltechnologien für konkrete medizinische Fragestellungen und deren klinischen Einsatz zu etablieren: Ashley Sanders wird mit Britta Siegmund, der Direktorin der Medizinischen Klinik für Gastroenterologie, Infektiologie und Rheumatologie, kooperieren. Angelika Eggert ist klinische Partnerin von Stefanie Grosswendt. Simon Haas und Leif Ludwig werden mit den Direktoren der beiden Medizinischen Kliniken mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie zusammenarbeiten, Lars Bullinger am Campus Virchow-Klinikum (CVK) sowie Ulrich Keller am Campus Benjamin Franklin (CBF).

„Ich glaube, dass insbesondere die Krebsforschung von den neuen Single-Cell-Technologien profitieren wird“, sagt Angelika Eggert. „Denn Tumoren bestehen keineswegs aus lauter gleichartigen Zellen, sondern sind oft ein sehr heterogenes Gemisch aus unterschiedlich differenzierten Krebszellen, Bindegewebs-, Blutgefäß- und Immunzellen. Je genauer man die zelluläre Zusammensetzung eines Tumors kennt, desto gezielter kann man ihn bekämpfen.“

Der Beginn eines „Cell Hospitals“

„Ich freue mich sehr und bin auch ein bisschen stolz, dass wir diese tollen jungen Leute nach Berlin holen konnten“, sagt Nikolaus Rajewsky. Gleichzeitig ist auch das Angebot für die jungen Forscher*innen besonders attraktiv. Während man als Forscherin oder Forscher den molekularen Details auf den Grund gehen kann, fragen die assoziierten Ärzt*innen nach der klinischen Relevanz der Ergebnisse und ermöglichen den Forschenden Einblicke in Krankheitsfälle, die mithilfe von Einzelzelltechnologien aufgeklärt werden können.

„In diesem Sinne betrachte ich diese Initiative als den Beginn eines ‘Cell Hospitals‘, in dem die Grundlagenforschung des MDC/BIMSB, die klinische Forschung an der Charité und die translationale Forschung des BIH zusammenkommen“, sagt Nikolaus Rajewsky. „Nicht nur, um die Mechanismen zu verstehen, warum Zellen krank werden, sondern auch, um diese Zellen so frühzeitig zu entdecken, dass man sie wieder auf den Pfad des Gesunden zurückbringen kann. Ich bin mir sicher, dass wir zumindest für einige Krankheiten signifikante Fortschritte machen werden.“
 

Über das Berlin Institute of Health (BIH)

Die Mission des Berlin Institute of Health (BIH) ist die medizinische Translation: Erkenntnisse aus der biomedizinischen Forschung werden in neue Ansätze zur personalisierten Vorhersage, Prävention, Diagnostik und Therapie übertragen, umgekehrt führen Beobachtungen im klinischen Alltag zu neuen Forschungsideen. Ziel ist es, einen relevanten medizinischen Nutzen für Patient*innen und Bürger*innen zu erreichen. Dazu etabliert das BIH als Translationsforschungsbereich in der Charité ein umfassendes translationales Ökosystem, setzt auf ein organübergreifendes Verständnis von Gesundheit und Krankheit und fördert einen translationalen Kulturwandel in der biomedizinischen Forschung. Das BIH wurde 2013 gegründet und wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu zehn Prozent vom Land Berlin gefördert. Die Gründungsinstitutionen Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) waren bis 2020 eigenständige Gliedkörperschaften im BIH. Seit 2021 ist das BIH als so genannte dritte Säule in die Charité integriert, das MDC ist Privilegierter Partner des BIH.

Kontakt

Dr. Stefanie Seltmann
Leiterin Kommunikation & Marketing
Berlin Institute of Health (BIH)
Translationsforschungsbereich
der Charité – Universitätsmedizin Berlin

+49 (0) 30 450 543019
s.seltmann@bihealth.de

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Benannt ist es nach dem deutsch-amerikanischen Biophysiker Max Delbrück, der 1969 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhielt. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um Krankheitsursachen auf den Grund zu gehen und damit eine bessere und wirksamere Krankheitsdiagnose, -prävention und -behandlung zu ermöglichen. An dieser Zielsetzung arbeitet das MDC gemeinsam mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH). Darüber hinaus besteht eine Kooperation mit weiteren nationalen Partnern wie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung und mit zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC sind über 1.600 Mitarbeiter*innen und Gäste aus fast 60 Ländern tätig, davon knapp 1.300 in der wissenschaftlichen Forschung. Finanziert wird das MDC zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin. Es ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

Kontakt

Jutta Kramm

Leiterin Abteilung Kommunikation
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare
Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)

+49-30-9406-2140
jutta.kramm@mdc-berlin.de oder presse@mdc-berlin.de  

 

leben / 01.02.2021
Start des Bürger:innenhaushalts Pankow

Bis 31. März 2021 können Vorschläge eingereicht werden

Am 20. Januar 2021 hat die Bezirksverordnetenversammlung Pankow (BVV) die Einrichtung eines Bürger:innenhaushalts ab 2021 beschlossen. Bürger:innen können in den nächsten Jahren fortlaufend Vorschläge zur Verwendung bezirklicher Haushaltsmittel einreichen.
2021 startet der Bürger:innenhaushalt mit einer Kampagne. Einwohner:innen mit Erstwohnsitz in Pankow können vom 1. Februar - 31. März 2021 über die Plattform mein.berlin.de Vorschläge einreichen, die in die Planungen für den Doppelhaushalt 2022 / 2023 einfließen.
Die eingereichten Ideen werden von den verantwortlichen Fachbereichen auf Zuständigkeit und grundsätzliche Realisierbarkeit überprüft und an die jeweiligen Fachausschüsse der BVV überwiesen. Der BVV obliegt die Entscheidung über die Berücksichtigung im Haushalt. Die Ideengeber:innen werden über den Werdegang ihrer eingegangenen  Vorschläge auf dem Laufenden gehalten.
Vorschläge können zu allen bezirklichen Belangen wie zum Beispiel Straßenquerungen, Spielplatzsanierungen, Fahrradwege, Stärkung von Kinderrechten, Straßengrün oder der Gestaltung von öffentlichen Plätzen uvm. eingebracht werden.
Vorschläge und Ideen zur Gestaltung des Bezirks und der Verwendung der Haushaltsmittel können von allen Einwohner*innen des Bezirks Pankows über folgenden Link unterbreitet werden: https://mein.berlin.de/projekte/burgerinnenhaushalt-pankow/

Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre können ihre Ideen formlos und mit Angabe des jeweiligen Ortsteils auch anonym, aber gerne mit Altersangabe, an das Büro für Bürgerbeteiligung oder die Kinder- und Jugendbeauftragte in Pankow senden oder in die Briefkästen der Bürgerämter des Bezirks einwerfen.

Für alle Bürger:innen ohne Zugang zum Internet werden ab 10. Februar 2021 postalisch einzureichende Vorschlagsformulare in den bezirklichen Bürgerämtern ausliegen.

Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite der SPK unter:
https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/service-und-organisationseinheiten/sozialraumorientierte-planungskoordination/buero-fuer-buergerbeteiligung/buerger_innenhaushalt-1044432.php
Für Rückfragen steht das Büro für Bürgerbeteiligung Pankow in der Zeit von Montag bis Freitag 9 - 15 Uhr unter den unten angegebenen Kontaktdaten zur Verfügung.

Büro für Bürgerbeteiligung (OE SPK)
Breite Straße 24a-26
13187 Berlin

Tel: (030) 90295 -2713 / -2016, E-Mail: spk@ba-pankow.berlin.de
Kinder- und Jugendbeauftragten Pankow: Britta Kaufhold, Berliner Allee 252, 13088 Berlin
Tel.: (030) 90295-7260, E-Mail: britta.kaufhold@ba-pankow.berlin.de

forschen / 29.01.2021
Paare oder Singles auf Krebszellen

Zwei embryonale Nierenzellen, die den CXCR4-Rezeptor ausbilden (in dunkelgelb). Bild: Paolo Annibale, Ali Isbilir, MDC
Zwei embryonale Nierenzellen, die den CXCR4-Rezeptor ausbilden (in dunkelgelb). Bild: Paolo Annibale, Ali Isbilir, MDC

Ein wichtiger Rezeptor auf der Oberfläche von Krebs- und Immunzellen liebt es unverbindlich: Er liegt mal als Single, mal als Paar vor. Dies hat erstmals ein Team am MDC im Journal PNAS gezeigt und bringt damit entscheidend die Entwicklung neuer Medikamente voran.

Es könnte von einer Tanzveranstaltung die Rede sein: Sind es eher Paare oder Singles, die sich da tummeln? Diese Frage trieb Ali Isbilir und Dr. Paolo Annibale am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) um. Sie untersuchten jedoch nicht etwa einen Ballsaal, sondern die Oberfläche von Zellen – und wollten wissen: Kommt eine bestimmte Eiweißantenne auf der Hülle von Krebs- und Immunzellen dort alleine vor oder verbindet sie sich paarweise?

„CXCR4“ heißt jene Antenne – der molekulare Rezeptor hatte in den vergangenen Jahren eine hitzige Debatte unter Expert*innen in Gang gehalten, weil sein Beziehungsstatus Rätsel aufgab. Trat er als Single auf oder doch als Paar? Und was macht den Unterschied? Ein Forschungsteam in der AG „Signalprozesse von Rezeptoren“ am MDC hat nun erstmals das Rätsel um seinen Beziehungsstatus gelöst. Die Ergebnisse veröffentlichte kürzlich das Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS).

CXCR4 ist ein wichtiger Rezeptor auf Immun- und Krebszellen
„Wenn CXCR4 in großer Zahl auf Krebszellen zu finden ist, sorgt er unter anderem dafür, dass diese wandern können. Er legt damit eine Basis für Metastasen“, sagt Erstautor Isbilir. Metastasen sind bekanntlich schwer zu therapieren; oftmals sterben Patient*innen an den Folgen der Tochtergeschwulste.

Auch bei jeder Entzündung ist CXCR4 mit von der Partie. Der Entzündungsherd setzt Botenstoffe aus der Klasse der Chemokine frei. Diese sorgen in den Lymphknoten dafür, dass Immunzellen sehr viele CXCR4-Antennen auf ihrer Hülle ausbilden. Mithilfe dieser Antennen orten Immunzellen den Entzündungsherd und wandern zu ihm hin. Auf diese Fähigkeit verweist im Übrigen auch der Name CXCR, der für „Chemokinrezeptor“ steht. „Solche Rezeptoren sind die wichtigsten Zielstrukturen in der Pharmaforschung“, betont Professor Martin Lohse, der Letztautor der Studie. „Ungefähr ein Drittel der Arzneien adressieren diese Klasse von Rezeptoren.“

Ob solche Rezeptoren als Paar oder Single vorliegen, ist damit nicht nur für die Grundlagenforschung, sondern auch für die Pharmabranche zentral. Mit neuen Methoden der optischen Mikroskopie konnte das Team diese Frage nun erstmalig beantworten. CXCR4 legt sich offenbar nicht fest: Er kommt vorübergehend paarweise (als transientes Dimer), dann wieder alleine (als Monomer) vor.

Der Beziehungsstatus hängt maßgeblich davon ab, wie viele der CXCR4-Rezeptoren auf einer Zelle sitzen, wies das Team nach. Ist die Zelloberfläche dicht besetzt, formieren sich mehr Paare. Sind nur wenige Rezeptoren vorhanden, bleiben diese häufiger alleine. Zugleich konnten die Forschenden zeigen, dass bestimmte Arzneien, die als CXCR4-Blocker wirken, die Paarbildung unterdrücken können. „Man nimmt an, dass die CXCR4-Paare schlecht für die Gesundheit sind. Ob das wirklich so ist, können wir mit unseren neuen mikroskopischen Methoden prüfen“, erläutert Lohse.

Fluoreszierende Paare und Singles
Die Wissenschaftler*innen haben erfolgreich zwei junge Verfahren der optischen Mikroskopie auf einzigartige Weise miteinander kombiniert: Mit Einzelmolekülmikroskopie konnten sie dann den Beziehungsstatus einzelner CXCR4-Rezeptoren auf der Oberfläche lebender Zellen ermitteln. Die Fluoreszenzfluktuationsspektroskopie ermöglichte es zusätzlich, den Beziehungsstatus bei Zellen zu messen, die sehr viele Rezeptoren hatten. Das Besondere: Dazu mussten die Forschenden ein Verfahren entwickeln, um alle Rezeptoren effizient zu markieren. Zum anderen mussten sie ein hochsensitives Mikroskop aufbauen, mit dem sie einzelne Moleküle sehen können. Die neuen Methoden stellt das Team in einem Bericht im Fachblatt „Nature Protocols“ vor.

„Das Spannende ist, dass wir mit diesen Fluoreszenzmethoden nun lebende Krebszellen untersuchen können. Wir können herausfinden, ob CXCR4 dort paarweise oder alleine vorkommt“, sagt Annibale, der Co-Leiter der Arbeitsgruppe und ebenfalls Letztautor der Studie in „Nature Protocols“ ist. „Und dann können wir CXCR4-Blocker für Paare und Singles einsetzen und prüfen, welche wirksamer gegen Tumore sind. So können hoffentlich spezifischere Krebsmedikamente mit weniger Nebenwirkungen entwickelt werden.“

Auch heute prüfen Pathologen und Pathologinnen en detail die Eigenschaften der Krebszellen von Patient*innen. Damit können die Krebstherapien so individuell und wirksam wie möglich zusammengestellt werden. Annibale hofft, dass der Ansatz bald für Medikamenten-Screenings genutzt wird, um zu untersuchen, wie Rezeptorfunktionen beeinflusst werden. So könnten neue Therapien entstehen, zum Beispiel für Brust- oder Lungenkrebs.

Weiterführende Informationen
AG „Signalprozesse von Rezeptoren“

Literatur
Ali Işbilir et al. (2020): “Advanced fluorescence microscopy reveals disruption of dynamic CXCR4 dimerization by subpocket-specific inverse agonists”, PNAS, DOI: 10.1073/pnas.2013319117

Ali Işbilir et al. (2020): “Determination of G-protein-coupled receptor oligomerization by molecular brightness analyses in single cells”, Nature Protocols, DOI: 10.1038/s41596-020-00458-1

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH ) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

https://www.mdc-berlin.de/de/news/news/paare-oder-singles-auf-krebszellen

forschen / 29.01.2021
Nacktmulle sprechen Dialekt

In freier Wildbahn leben Nacktmulle ausschließlich in unterirdischen Höhlen und Tunneln in halbtrockenen Regionen Ostafrikas. Den gesamten Wasserbedarf decken die Nager über ihre Nahrung (Foto: Felix Petermann, MDC)
In freier Wildbahn leben Nacktmulle ausschließlich in unterirdischen Höhlen und Tunneln in halbtrockenen Regionen Ostafrikas. Den gesamten Wasserbedarf decken die Nager über ihre Nahrung (Foto: Felix Petermann, MDC)

Die einen schnacken Platt, die andern schwätzen Schwäbisch. Doch nicht nur wir Menschen, auch Nacktmulle haben ihre eigenen Mundarten entwickelt. Wie ein Team um den MDC-Forscher Gary Lewin jetzt im Fachblatt Science berichtet, stärkt das den sozialen Zusammenhalt innerhalb der Nacktmull-Kolonie.

Nacktmulle sind äußerst kommunikative Wesen. Steht man vor ihrem Bau, hört man die kleinen Nager fast ununterbrochen leise zwitschern, piepsen, zirpen oder grunzen. „Mit unserer Studie wollten wir herausfinden, ob diese Laute für die Tiere, die nach strengen Regeln in ihrem eigenen kleinen Staat leben, eine soziale Bedeutung haben“, sagt Professor Gary Lewin, der Leiter der Arbeitsgruppe „Molekulare Physiologie der somatosensorischen Wahrnehmung“ am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC).

Fremde Nacktmulle sind im Staat wenig willkommen

Gemeinsam mit Dr. Alison Barker aus seinem Team sowie weiteren Forscherinnen und Forschern vom MDC und der südafrikanischen Universität Pretoria – Professor Nigel Bennett und Dr. Daniel Hart – hat Lewin das leise Zwitschern, mit dem sich Nacktmulle untereinander zu begrüßen scheinen, genauer analysiert. „Dabei haben wir festgestellt, dass jede Kolonie ihren eigenen Dialekt hat“, berichtet Barker, die Erstautorin der jetzt in Science veröffentlichten Studie. „Offenbar stärkt die Ausbildung einer speziellen Mundart das Zugehörigkeitsempfinden und den Zusammenhalt im Nacktmull-Staat.“

Denn fremde Nacktmulle sind in einem bereits bestehenden Staat alles andere als willkommen. „Man könnte sogar sagen, dass die Tiere ausgesprochen fremdenfeindlich sind“, sagt Lewin, der die Nacktmulle schon seit rund zwanzig Jahren am MDC erforscht. „Vermutlich geht dieses Verhalten auf die permanente Nahrungsknappheit in den trockenen Steppen ihrer ostafrikanischen Heimat zurück.“ Innerhalb des eigenen Staates verhalten sich die Nager jedoch sehr kooperativ: Jedes Tier kennt seinen Rang sowie die damit verbundenen Aufgaben – und geht diesen in aller Regel sehr zuverlässig nach.

Jeder Nacktmull hat seine unverwechselbare Stimme

Um die Sprache der Nacktmulle zu analysieren, nahm das Team um Lewin über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg insgesamt 36.190 leise Zwitscher von 166 Tieren aus sieben im Labor gehaltenen Kolonien in Berlin und Pretoria auf. Lewins und Barkers Kollege, der Mathematiker Grigorii Veviurko, der inzwischen an der Technischen Universiteit Delft in den Niederlanden forscht, nutzte einen Algorithmus, um die akustischen Merkmale der einzelnen Laute bildlich darzustellen. „Dadurch konnten wir acht verschiedene Faktoren wie zum Beispiel die Höhe oder die Asymmetrie der so erhaltenen Kurve erfassen und miteinander vergleichen“, erklärt Lewin.

Darüber hinaus entwickelte Veviurko ein Computerprogramm, das nach einem entsprechenden Training mit großer Zuverlässigkeit ermitteln konnte, welches leise Zwitschern von welchem Nacktmull stammt. „Wir wussten nun, dass jeder Nacktmull seine eigene Stimme hat“, sagt Barker. „Offen blieb aber, ob sich die Tiere anhand der Stimme auch untereinander erkennen.“

Das Computerprogramm, eine Form künstlicher Intelligenz, konnte die Tiere nicht nur anhand ihrer Stimme identifizieren. „Es stellte auch Gemeinsamkeiten der Laute innerhalb einer Kolonie fest“, sagt Lewin. Dadurch habe das Programm vorhersagen können, aus welcher Kolonie ein bestimmtes Tier stammt. „Jede Kolonie könnte also ihren eigenen unverwechselbaren Dialekt besitzen“, erläutert Barker. Ob den Tieren das auffalle und ob sie eigene und fremde Dialekte erkennen, sei zu diesem Zeitpunkt der Studie allerdings ebenfalls noch unklar gewesen.

Die Laute von Artgenossen wirken sehr anziehend

Um beide Fragen beantworten zu können, dachte sich Barker mehrere Experimente aus. Im ersten setzte sie wiederholt einen Nacktmull in zwei über eine Röhre miteinander verbundene Kammern. In der einen Kammer waren leise Zwitscherlaute eines anderen Nacktmulls zu hören, in der anderen war es still. „Wir konnten beobachten, dass die Tiere stets unverzüglich die Kammer mit den eingespielten Lauten aufsuchten“, erzählt Barker. Kamen die Laute von einem Tier aus der eigenen Kolonie, antwortete der Nacktmull sofort. Stammten sie von einem Tier aus einer fremden Kolonie, blieb der Nager hingegen still. „Das ließ uns vermuten, dass die Tiere den eigenen Dialekt erkennen und nur auf ihn reagieren“, sagt Barker.

Um sicher zu gehen, dass es die Mundart war und nicht die Stimme eines einzelnen Individuums, die der Nacktmull erkannte, kreierte Veviurko künstliche Laute. Diese beinhalteten spezifische Merkmale des jeweiligen Dialekts, ähnelten aber nicht der Stimme eines einzelnen Tieres. „Auch auf diese am Computer entwickelten Stimmen antworteten die Nacktmulle mit ihrem leisen Zwitschern“, berichtet Barker. Das Experiment funktionierte selbst dann, wenn in der Kammer mit der vertrauten Mundart der Duft einer fremden Kolonie verströmt wurde. „Damit hatten wir den Nachweis erbracht, dass die Tiere spezifisch den eigenen Dialekt erkennen und positiv auf ihn reagieren“, sagt Lewin. 

Pflegekinder lernen den Dialekt der neuen Kolonie

In weiteren Experimenten setzten die Forscherinnen und Forscher insgesamt drei verwaiste Nacktmull-Welpen in eine fremde Kolonie, in der die Königin – die als Einzige im Nacktmull-Staat Nachwuchs bekommen darf – ebenfalls gerade geworfen hatte. „Dies gewährleistete, dass die Neuankömmlinge nicht angegriffen wurden“, erklärt Barker. „Sechs Monate später konnten wir mithilfe unseres Computerprogramms zeigen, dass die Pflegekinder den Dialekt der Gast-Kolonie erfolgreich angenommen hatten.“

Dass die Königin im Nacktmull-Staat nicht nur für den Nachwuchs sorgt, sondern auch eine ganz entscheidende Rolle bei der Pflege der Mundart spielt, entdeckte das Team eher zufällig. „Eine unserer Kolonien verlor im Verlauf der Studie nacheinander zwei Königinnen“, sagt Lewin. „Wir stellten fest, dass sich die Laute der anderen Nacktmulle des Staates in dieser Zeit der Anarchie viel mehr als sonst voneinander unterschieden, der gemeinsame Dialekt also viel weniger ausgeprägt war.“ Das habe sich erst wieder geändert, nachdem sich ein paar Monate später ein anderes, ranghohes Nacktmull-Weibchen als neue Königin etabliert habe. 

Einblicke auch in das Wesen der menschlichen Kultur
„Menschen und Nacktmulle scheinen sich viel ähnlicher zu sein, als irgendjemand hätte ahnen können“, lautet das Fazit von Lewin. „Nacktmulle verfügen über eine Sprachkultur, die sich entwickelt hat, lange bevor es den Menschen überhaupt gab.“ Der nächste Schritt bestehe nun darin, herauszufinden, welche Mechanismen im Gehirn der Tiere eine solche Kultur unterstützen. „Denn das“, so glaubt der MDC-Forscher, „könnte uns wichtige Einblicke auch in das Wesen der menschlichen Kultur liefern.“

Weiterführende Informationen
AG Lewin „Molekulare Physiologie der somatosensorischen Wahrnehmung”
Porträt „Nacktmulle: Berührung, Schmerz und seltsame Sinneswelt“ 
Pressemitteilung „Wie Nacktmulle Sauerstoffmangel trotzen

Literatur
Alison Barker et al. (2020): „Cultural transmission of vocal dialect in the naked mole-rat“. Science, DOI: 10.1126/science.abc6588

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

www.mdc-berlin.de 

Audiobeispiele: https://www.mdc-berlin.de/de/news/press/nacktmulle-sprechen-dialekt

forschen / 29.01.2021
Paare oder Singles auf Krebszellen

 

Ein wichtiger Rezeptor auf der Oberfläche von Krebs- und Immunzellen liebt es unverbindlich: Er liegt mal als Single, mal als Paar vor. Dies hat erstmals ein Team am MDC im Journal PNAS gezeigt und bringt damit entscheidend die Entwicklung neuer Medikamente voran.

Es könnte von einer Tanzveranstaltung die Rede sein: Sind es eher Paare oder Singles, die sich da tummeln? Diese Frage trieb Ali Isbilir und Dr. Paolo Annibale am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) um. Sie untersuchten jedoch nicht etwa einen Ballsaal, sondern die Oberfläche von Zellen – und wollten wissen: Kommt eine bestimmte Eiweißantenne auf der Hülle von Krebs- und Immunzellen dort alleine vor oder verbindet sie sich paarweise?

„CXCR4“ heißt jene Antenne – der molekulare Rezeptor hatte in den vergangenen Jahren eine hitzige Debatte unter Expert*innen in Gang gehalten, weil sein Beziehungsstatus Rätsel aufgab. Trat er als Single auf oder doch als Paar? Und was macht den Unterschied? Ein Forschungsteam in der AG „Signalprozesse von Rezeptoren“ am MDC hat nun erstmals das Rätsel um seinen Beziehungsstatus gelöst. Die Ergebnisse veröffentlichte kürzlich das Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS).

CXCR4 ist ein wichtiger Rezeptor auf Immun- und Krebszellen
„Wenn CXCR4 in großer Zahl auf Krebszellen zu finden ist, sorgt er unter anderem dafür, dass diese wandern können. Er legt damit eine Basis für Metastasen“, sagt Erstautor Isbilir. Metastasen sind bekanntlich schwer zu therapieren; oftmals sterben Patient*innen an den Folgen der Tochtergeschwulste.

Auch bei jeder Entzündung ist CXCR4 mit von der Partie. Der Entzündungsherd setzt Botenstoffe aus der Klasse der Chemokine frei. Diese sorgen in den Lymphknoten dafür, dass Immunzellen sehr viele CXCR4-Antennen auf ihrer Hülle ausbilden. Mithilfe dieser Antennen orten Immunzellen den Entzündungsherd und wandern zu ihm hin. Auf diese Fähigkeit verweist im Übrigen auch der Name CXCR, der für „Chemokinrezeptor“ steht. „Solche Rezeptoren sind die wichtigsten Zielstrukturen in der Pharmaforschung“, betont Professor Martin Lohse, der Letztautor der Studie. „Ungefähr ein Drittel der Arzneien adressieren diese Klasse von Rezeptoren.“

Ob solche Rezeptoren als Paar oder Single vorliegen, ist damit nicht nur für die Grundlagenforschung, sondern auch für die Pharmabranche zentral. Mit neuen Methoden der optischen Mikroskopie konnte das Team diese Frage nun erstmalig beantworten. CXCR4 legt sich offenbar nicht fest: Er kommt vorübergehend paarweise (als transientes Dimer), dann wieder alleine (als Monomer) vor.

Der Beziehungsstatus hängt maßgeblich davon ab, wie viele der CXCR4-Rezeptoren auf einer Zelle sitzen, wies das Team nach. Ist die Zelloberfläche dicht besetzt, formieren sich mehr Paare. Sind nur wenige Rezeptoren vorhanden, bleiben diese häufiger alleine. Zugleich konnten die Forschenden zeigen, dass bestimmte Arzneien, die als CXCR4-Blocker wirken, die Paarbildung unterdrücken können. „Man nimmt an, dass die CXCR4-Paare schlecht für die Gesundheit sind. Ob das wirklich so ist, können wir mit unseren neuen mikroskopischen Methoden prüfen“, erläutert Lohse.

Fluoreszierende Paare und Singles
Die Wissenschaftler*innen haben erfolgreich zwei junge Verfahren der optischen Mikroskopie auf einzigartige Weise miteinander kombiniert: Mit Einzelmolekülmikroskopie konnten sie dann den Beziehungsstatus einzelner CXCR4-Rezeptoren auf der Oberfläche lebender Zellen ermitteln. Die Fluoreszenzfluktuationsspektroskopie ermöglichte es zusätzlich, den Beziehungsstatus bei Zellen zu messen, die sehr viele Rezeptoren hatten. Das Besondere: Dazu mussten die Forschenden ein Verfahren entwickeln, um alle Rezeptoren effizient zu markieren. Zum anderen mussten sie ein hochsensitives Mikroskop aufbauen, mit dem sie einzelne Moleküle sehen können. Die neuen Methoden stellt das Team in einem Bericht im Fachblatt „Nature Protocols“ vor.

„Das Spannende ist, dass wir mit diesen Fluoreszenzmethoden nun lebende Krebszellen untersuchen können. Wir können herausfinden, ob CXCR4 dort paarweise oder alleine vorkommt“, sagt Annibale, der Co-Leiter der Arbeitsgruppe und ebenfalls Letztautor der Studie in „Nature Protocols“ ist. „Und dann können wir CXCR4-Blocker für Paare und Singles einsetzen und prüfen, welche wirksamer gegen Tumore sind. So können hoffentlich spezifischere Krebsmedikamente mit weniger Nebenwirkungen entwickelt werden.“

Auch heute prüfen Pathologen und Pathologinnen en detail die Eigenschaften der Krebszellen von Patient*innen. Damit können die Krebstherapien so individuell und wirksam wie möglich zusammengestellt werden. Annibale hofft, dass der Ansatz bald für Medikamenten-Screenings genutzt wird, um zu untersuchen, wie Rezeptorfunktionen beeinflusst werden. So könnten neue Therapien entstehen, zum Beispiel für Brust- oder Lungenkrebs.

Weiterführende Informationen
AG „Signalprozesse von Rezeptoren“

Literatur
Ali Işbilir et al. (2020): “Advanced fluorescence microscopy reveals disruption of dynamic CXCR4 dimerization by subpocket-specific inverse agonists”, PNAS, DOI: 10.1073/pnas.2013319117

Ali Işbilir et al. (2020): “Determination of G-protein-coupled receptor oligomerization by molecular brightness analyses in single cells”, Nature Protocols, DOI: 10.1038/s41596-020-00458-1

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH ) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

https://www.mdc-berlin.de/de/news/news/paare-oder-singles-auf-krebszellen

Abb. Zwei embryonale Nierenzellen, die den CXCR4-Rezeptor ausbilden (in dunkelgelb). Bild: Paolo Annibale, Ali Isbilir, MDC

forschen, heilen / 26.01.2021
Der Herr der Ringe

PD Dr. Anton Henssen (Foto: Linda Ambrosius)
PD Dr. Anton Henssen (Foto: Linda Ambrosius)

Gemeinsame Pressemitteilung von MDC, Charité, BIH und DKTK anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar

Für die Erforschung ringförmiger DNA und deren Bedeutung bei der Entstehung kindlicher Neuroblastome ist Anton Henssen vom ECRC mit dem Preis der Kind-Philipp-Stiftung für pädiatrisch-onkologische Forschung ausgezeichnet worden. Entscheidend dafür war eine Publikation im Fachblatt „Nature Genetics“.

Krebs ist eigentlich eine typische Alterserkrankung. Im Laufe des Lebens sammeln sich in den Zellen des Körpers Veränderungen im Erbgut an, die zunehmend schlechter repariert werden. Und irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem eine Zelle aufgrund der Mutationen anfängt, unkontrolliert zu wachsen und sich zu vermehren.

Warum auch schon Kinder an Krebs erkranken, ist eine Frage, die PD Dr. Anton Henssen seit Längerem beschäftigt. Der 35-Jährige ist Wissenschaftler am Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). Seit 2019 leitet er auf dem Campus Berlin-Buch die Emmy-Noether-Forschungsgruppe „Genomische Instabilität bei kindlichen Tumoren“.

Interesse an zirkulärer DNA  ist neu

Erst im vergangenen September erhielt Henssen für seine Forschung einen der begehrten Starting Grants des European Research Council (ERC). Für das Projekt „CancerCirculome“ stellt der ERC Henssen in den kommenden fünf Jahren rund 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. „Die Bedeutung zirkulärer DNA bei der Entstehung von Krebs rückt immer mehr in das Zentrum des wissenschaftlichen Interesses“, sagt Henssen. Das sei, als er begonnen habe, sich für das Thema zu begeistern, noch ganz anders gewesen.

„Auch deshalb freue ich mich jetzt sehr über den Preis der Kind-Philipp-Stiftung für pädiatrisch-onkologische Forschung“, sagt Henssen, der neben seiner Arbeit als Wissenschaftler auch als Kinderarzt an der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie der Charité praktiziert. „Die Auszeichnung ist hierzulande eine der bedeutendsten auf dem Gebiet der Kinderonkologie.“

Winzige Ringe bringen Erbgut durcheinander

Leider werde die Preisverleihung aufgrund der Corona-Pandemie erst irgendwann im Laufe des Jahres stattfinden, sagt Henssen. Das Preisgeld von 10.000 Euro habe ihm die Stiftung aber bereits überwiesen. „Wenn die aktuelle Krise vorüber ist, werde ich mit meiner Arbeitsgruppe, ohne die ich den Preis niemals bekommen hätte, ganz groß feiern gehen“, sagt Henssen, der auch am Clinician Scientist Program des Berlin Institute of Health (BIH) und der Charité teilnimmt und darüber hinaus wissenschaftliches Mitglied im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) am Standort Berlin ist.

Mit dem Kind-Philipp-Preis wird einmal im Jahr die beste Arbeit deutschsprachiger Autor*innen zur Erforschung von Krebs bei Kindern ausgezeichnet. Prämiert hat die Stiftung dieses Mal eine Studie, die 2020 im Fachblatt „Nature Genetics“ erschienen ist. Zusammen mit Dr. Richard Koche vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York, Prof. Dr. Angelika Eggert, Direktorin der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie der Charité, sowie 35 weiteren Forscher*innen hat Henssen in der Publikation gezeigt, dass kleine DNA-Ringe in Nervenzellen von Kindern das Erbgut so durcheinanderbringen können, dass sich ein Neuroblastom entwickelt.

Wachstum des Neuroblastoms beschleunigt

Das Team hatte für die Studie Gewebeproben von 93 Kindern mit einem Neuroblastom untersucht. Dabei stellte die Gruppe fest, dass zirkuläre DNA in den Tumorzellen deutlich häufiger und in größerer Komplexität zu finden ist als bis dahin angenommen. Zusätzlich konnten die Wissenschaftler*innen anhand ihrer Daten ableiten, wie sich bestimmte Abschnitte der Erbinformation aus einem Chromosom herauslösen, Ringe bilden und sich anschließend an anderer Stelle des Chromosoms wieder einbauen. „Da dabei die ursprüngliche Abfolge der Erbinformation durcheinandergebracht wird, können die betroffenen Zellen leicht entarten“, erklärt Henssen.

Gemeinsam mit seinem Team zeigte der Forscher zudem, dass bestimmte DNA-Ringe das Wachstum von Neuroblastomen beschleunigen. Deren Nachweis könnte es künftig erleichtern, den Krankheitsverlauf der Kinder besser einzuschätzen. Henssens nächstes Ziel ist es nun, das zirkuläre Erbgut genau zu sequenzieren und jene Faktoren zu identifizieren, die das Entstehen und die Vermehrung der Ringe überhaupt erst ermöglichen.

So hofft der Forscher und Arzt, seinen kleinen Patient*innen an der Charité in Zukunft noch besser als bisher helfen zu können. „Wenn wir Marker für eine bessere Diagnose und Prognose entwickeln“, sagt Henssen, „werden wir in der Lage sein, den krebskranken Kindern und ihren Eltern eine sehr viel individuellere und damit vermutlich auch effektivere Therapie anzubieten.“

Text: Anke Brodmerkel

Weiterführende Informationen

Portrait Anton Henssen: Der DNA-Künstler
Wie DNA-Ringe Krebs bei Kindern verursachen

www.mdc-berlin.de

forschen, produzieren / 26.01.2021
Wissen was wirkt: ASC Oncologie testet vor Therapiebeginn die Wirksamkeit von Krebsmedikamenten

ASC Oncology beantwortet für Patienten und Onkologen dank eines neuen Testverfahrens vor Therapiebeginn die zentrale Frage nach der Wirksamkeit von Krebsmedikamenten am individuellen Patiententumor.

Bei rund der Hälfte aller Krebspatienten weltweit versagt die verschriebene Chemotherapie. ASC Oncology stellt sich mit dem Reverse Clinical Engineering-Testverfahren dieser Herausforderung der Krebsbehandlung und trifft wissenschaftlich belastbare Aussagen über die Wahrscheinlichkeit der Wirkung sowie Nicht-Wirkung von Krebsmedikamenten am patienteneigenen Tumorgewebe. Außerhalb des Körpers, ohne Tierversuche, ohne Nebenwirkungen und vor Therapiebeginn.

Für mindestens 1000 Patienten jährlich wird es ab dem 1. Februar 2021 möglich sein, Therapieentscheidungen mithilfe von individuellen, an 3D-Organoid-Modellen ihres jeweiligen Tumors durchgeführten, Medikamententestungen zu treffen. Die Grundlage für das Reverse Clinical Engineering-Testverfahren sind 3D-Zellkulturmodelle (PD3D), sogenannte Organoide. Dabei handelt es sich um im Labor mithilfe einer Tumorprobe gezüchtete Abbilder des Ursprungstumors des Patienten. Organoide bestehen aus Zellclustern und behalten die komplexe Architektur des Ursprungstumors bei. An diesen testet ASC Oncology in Absprache mit dem behandelnden Onkologen unterschiedliche Krebsmedikamente und Wirkstoffkombinationen parallel. Erste Ergebnisse können dabei bereits nach zwei Wochen vorliegen. Eine Testung aller infrage kommender Therapieansätze dauert, je nach von der Aggressivität des Tumors abhängigen Wachstumsgeschwindigkeit der Organoide, vier bis sechs Wochen. Auf Grundlage der pathologischen und molekularbiologischen Daten kann ASC Oncology so auf wissenschaftlicher Basis mögliche wirksame Medikamente sowie Resistenzen voraussagen.

Informationen helfen dabei, bessere Entscheidungen zu treffen – darum ist es unser Ziel, Patienten darin zu bestärken lebenswichtige Entscheidungen bestmöglich informiert zu treffen“, erläutert Dr. Christian Regenbrecht, Gründer von ASC Oncology und Entwickler des Reverse Clinical Engineering-Verfahrens. „ASC Oncology versteht sich dabei als Teamplayer, der den Onkologen mit dem angebotenen Testverfahren unterstützt, aber nicht ersetzt.“ Was in einigen Jahren vermutlich Routine in der Krebsbehandlung sein wird, ist durch ASC Oncology bereits 2021 für Betroffene und Onkologen anwendbar: Im Sinne der personalisierten Medizin die Behandlung von Krebs an jeden einzelnen Patienten effektiv und individuell anzupassen. Durch das Reverse Clinical Engineering-Verfahren werden Patienten die massiven Nebenwirkungen einer unnötigen Therapie erspart und wertvolle Zeit für die Behandlung gewonnen.

Um die Komplexität des Angebots zu vereinfachen, wird die Leistung in drei verschiedenen Paketen angeboten. Diese unterscheiden sich in der Anzahl der aufgearbeiteten Tumorgewebestücke, im Umfang der zu testenden Medikamente, in der Wahl einer zusätzlichen Protein-Analyse sowie einer optionalen Konservierung der Tumorzellen. Das Testverfahren wird zum Selbstkostenpreis angeboten und ist zurzeit eine Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL). Diese wird nicht von den Krankenkassen übernommen. Durch die Gründung des Cancer Rebels e.V. bietet ASC Oncology Krebserkrankten mit geringen finanziellen Mitteln unter anderem finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten für die Nutzung des Testverfahrens an.

Quelle: https://www.asc-oncology.com/pm-rce-testverfahren/

produzieren, leben, heilen / 25.01.2021
Verteilung medizinischer Masken ab 26. Januar 2021

Bezirksamt Pankow startet an vier Standorten Verteilung an Bedürftige

Wegen der neuen Pflicht zum Tragen medizinischer Masken im Einzelhandel und dem Öffentlichen Personennahverkehr wurden den Bezirksämtern vom Berliner Senat entsprechende Masken zur Ausgabe an Bedürftige geliefert. Die kostenlose Verteilung der OP-Masken an Pankower Bedürftige erfolgt an den Standorten der Bürgerämter. Die Bedürftigkeit ist durch geeignete Dokumente (BerlinPass, BaFög, ALG, Grundsicherung u. ä.) zu belegen.

Die Ausgabe erfolgt zu einheitlichen Sprechzeiten: Mo.: 8 – 16, Di., Do.: 10 – 18 Uhr, Mi.: 8 – 14, Fr.: 8 – 13 Uhr.

Ausgabestellen sind die Rathäuser Pankow (Breite Str. 24a-26, 13187 Berlin), Weißensee (Berliner Allee 252-260, 13088 Berlin) Prenzlauer Berg (Fröbelstraße 17, 10405 Berlin, Haus 6) sowie das Bürgerhaus Karow/Buch (Franz-Schmidt-Str. 8-10, 13125 Berlin).

An den Standorten ist ein Wegeleitsystem eingerichtet. Es gelten die Abstands- und Hygieneregeln, eine Mund-Nasenbedeckung ist zwingend.

leben / 22.01.2021
Schließung des Tempohomes in der Siverstorpstraße

Die Containerunterkunft für Geflüchtete in der Siverstorpstraße 5-19 in Berlin-Karow schließt Ende Januar 2021. Die noch rund 200 Bewohnerinnen und Bewohner, darunter zahlreiche Familien, ziehen in der letzten Januarwoche aus dem Tempohome aus. Notwendig ist die Schließung, da der Standort als temporäre Schuldrehscheibe für geplante Schulsanierungsmaßnahmen in den Ortsteilen Karow und Buch benötigt wird.

Das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten organisiert die Umzüge. Bei der Verteilung der geflüchteten Menschen auf neue Unterkünfte wird darauf geachtet, dass möglichst der Sozialraumbezug von Familien erhalten bleibt. Kindern und Jugendlichen soll es ermöglicht werden, weiterhin in ihren Kitas und Schulen zu bleiben. Ein Großteil der Menschen zieht in die beiden Gemeinschaftseinrichtungen im Lindenberger Weg und in der Wolfgang-Heinz-Straße in Buch sowie in die neu gebaute Gemeinschaftsunterkunft in der Falkenberger Straße 154 in Weißensee. 

„Mit der Schließung des Temphomes nach vierjähriger Betriebszeit endet die provisorische Unterbringung von Geflüchteten in Pankow, die in Karow mit der zur Notunterkunft umfunktionierten Sporthalle der Grundschule Am Hohen Feld im November 2015 begann. Ohne das unermüdliche Engagement der vielen Karowerinnen und Karower wären die vielen Schutzsuchenden aus Syrien, Irak, Iran oder auch Eritrea nie so gut bei uns in Pankow angekommen. Für diese nachbarschaftliche Solidarität möchte ich meinen Dank und meine Anerkennung aussprechen! Nach wie vor bleibt viel zu tun, aber ich bin zuversichtlich, dass wir diese Herausforderung gemeinsam weiterhin gut meistern.“, sagt Bezirksbürgermeister Sören Benn (DIE LINKE).

forschen, bilden / 22.01.2021
„Gefahr fürs Gehirn“ – Urania-Vortrag über Alzheimer

Prof. Thomas Willnow. Foto: Pablo Castagnola, MDC
Prof. Thomas Willnow. Foto: Pablo Castagnola, MDC

Die Neurowissenschaften bilden eines der stärksten Forschungsfelder Berlins. Die Vortragsreihe Berlin Brains an der Urania zeigt die Bandbreite dieser Forschung in der Hauptstadt – in diesem Jahr unter dem Motto „Junior trifft Senior“. Thomas Willnow und Anna Löwa vom MDC eröffnen die Reihe.

Die mittlerweile siebte „Staffel“ dieser erfolgreichen Zusammenarbeit von Charité – Universitätsmedizin Berlin und Urania Berlin wird 2021 gemeinsam präsentiert vom Einstein-Zentrum für Neurowissenschaften, dem Exzellenzcluster NeuroCure, dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), dem Sonderforschungsbereich 1315 (SFB1315), dem Centrum für Schlaganfallforschung Berlin (CSB) und dem Bernstein Zentrum für Computational Neuroscience Berlin (BCCN Berlin).

Das diesjährige Motto lautet „Junior trifft Senior“:  Jeweils zwei Neurowissenschaftler*innen stellen gemeinsam ihre aktuelle Forschung vor. Den Anfang machen am 26. Januar um 19.30 Uhr zwei Forschende des MDC: Professor Thomas Willnow, Leiter der AG Molekulare Herz- Kreislaufforschung, und Dr. Anna Löwa von der Technologie-Plattform Organoide am Berlin Institute for Medical Systems Biology (BIMSB). Sie sprechen über „Gefahr fürs Gehirn – den Ursachen von Alzheimer auf der Spur“. Der Vortrag wird aufgezeichnet.

„Gefahr fürs Gehirn – den Ursachen von Alzheimer auf der Spur“
26. Januar 2021, 19:30 Uhr

Zum Live-Stream

Weitere Informationen
AG Willnow, Molekulare Herz-Kreislaufforschung
Technologie-Plattform Kultursysteme für Gehirn-Organoide

Quelle: Pressemitteilung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC)