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forschen, produzieren, heilen / 13.10.2026
MyoPax erhält als erstes Startup B# Plus Finanzierung von IBB Ventures

Gründerinnen-Team von MyoPax: Dr. med. Verena Schöwel MBA, Prof. Dr. med. Simone Spuler und Dr. Diane Seimetz
Gründerinnen-Team von MyoPax: Dr. med. Verena Schöwel MBA, Prof. Dr. med. Simone Spuler und Dr. Diane Seimetz

B# Plus stärkt Berliner Biotech-Gründerinnen bei der Entwicklung einer wegweisenden Gen-Reparaturtherapie gegen genetisch bedingten Muskelschwund.

Berlin, 13. Oktober 2026 - MyoPax, eine Ausgründung der Charité Universitätsmedizin Berlin und des Max Delbrück Centers der Helmholtz Gemeinschaft (MDC), wird als erstes Unternehmen durch die neue B# Plus Variante des B# Pre-Seed Fonds für Deeptech Startups mit mindestens einer Gründerin im Team finanziert.

MyoPax entwickelt eine therapeutische Plattform mit transformierendem Potenzial („cure the disease at its cause“) für bisher unheilbare genetische Muskelschwundkrankheiten. Das Verfahren kombiniert eine regenerative Muskelstammzelltherapie mit präziser Gen-Reparatur: Mithilfe einer sogenannten „Genschere“ (CRISPR/Cas) werden Gene gezielt korrigiert. Ein erstes Produkt kann nun in einer klinischen Studie getestet werden.

Die B# Plus Finanzierung ergänzt die Förderung durch das hochkompetitive EIC Accelerator Programm der Europäischen Union und treibt die Weiterentwicklung des Herstellungsprozesses für die pharmazeutische Produktion voran. Damit entstehen wichtige Voraussetzungen für die erste klinische Prüfung des neuen Therapieansatzes und den Ausbau der therapeutischen Plattform.

„Die Finanzierung durch B# Plus- ist ein Meilenstein für MyoPax. IBB Ventures ist für uns seit längerer Zeit bereits ein wichtiger Partner und stärkt uns nun mit diesem Investment in einer sehr entscheidenden Entwicklungsphase“, sagt Dr. Verena Schöwel-Wolf, Mitgründerin und Geschäftsführerin von MyoPax.

Ute Mercker, Investment Director und Prokuristin bei IBB Ventures ergänzt: „Wir waren mit dem Team von MyoPax schon vor der Gründung im Kontakt und sind über lange Zeit im Gespräch geblieben. Die technologische Plattform, das tiefgehende medizinischen Know-how der Gründerinnen und ihre Fortschritte auf dem Weg zur klinischen Validierung haben uns überzeugt, hier mit unserem Pre-Seed Funds B# ein erstes Investment einzugehen.“

Ein interdisziplinäres Team um die drei Gründerinnen von MyoPax entwickelt neuartige Zell- und Gentherapien für Muskelerkrankungen. Das Unternehmen führt Technologien, die an der Berliner Charité und am MDC entwickelt wurden, in eine therapeutische Anwendung über. Ziel ist es, Muskeldefekte, ob angeboren oder erworben, zu reparieren sowie das Fortschreiten von heute nicht behandelbaren Muskelschwundkrankheiten aufhalten zu können. Damit sollen Muskelkraft, Mobilität und die Möglichkeit eines selbstbestimmten Lebens für Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichen Muskelerkrankungen langfristig erhalten bleiben.

B# Plus ist eine Erweiterung des Berliner Pre-Seed-Fonds B# („be sharp“) des Landes Berlin und der EU und durch IBB Ventures umgesetzt.
 

Über MyoPax

MyoPax ist ein Berliner Biotech-Unternehmen und eine Ausgründung aus der Charité Universitätsmedizin Berlin und dem Max Delbrück Center der Helmholtz Gemeinschaft. Das Unternehmen wird von den Gründerinnen Prof. Dr. Simone Spuler, Dr. Diane Seimetz und Dr. Verena Schöwel-Wolf aufgebaut und entwickelt neuartige Zell- und Gentherapien für Muskelerkrankungen. Die Technologieplattform von MyoPax umfasst regenerative autologe, allogene und genkorrigierte Muskelstammzellprodukte. Ziel ist es, geschädigtes Muskelgewebe zu regenerieren, Muskelkraft wiederaufzubauen und neue Behandlungsmöglichkeiten für Patientinnen und Patienten mit schweren, heute nicht therapierbaren Muskelerkrankungen zu schaffen.

www.myopax.com

 

Über B# /B# Plus

Mit dem Pre-Seed-Fonds B# – “be sharp” – investiert IBB Ventures insgesamt 11 Millionen Euro in DeepTech-Gründungen in der besonders herausfordernden frühen Phase. Mit Ticketgrößen zwischen 100.000 und 400.000 Euro (bzw. bis 500.000 Euro für Teams mit mindestens einer Gründerin) richtet sich der Fonds gezielt an Startups mit skalierbaren und innovativen DeepTech-Ansätzen wie KI, Quantentechnologien, industrielle Softwarelösungen, Robotik, umwelt- und ressourcenschonende Technologien sowie Biotechnologien, einschließlich innovativer Verfahren für Medizin, Gesundheit und Nachhaltigkeit. Seit September 2026 ergänzt B# Plus den bestehenden Pre-Seed-Fonds um eine zusätzliche Finanzierungskomponente, die gezielt DeepTech-Gründungsteams mit mindestens einer Gründerin unterstützt. Da Rückflüsse aus Exits erneut investiert werden, entsteht so ein Modell, das die Innovationskraft des Berliner DeepTech-Sektors nachhaltig stärkt. Finanziert wird B# aus Mitteln der Europäischen Union im Rahmen des EFRE-Programms STEP (Strategische Technologien für Europa).

www.bsharp.vc

Quelle: Pressemitteilung von IBB Ventures 

heilen, bilden / 13.10.2026
Trotz demografischem Wandel erfolgreiche Expansion

Foto: 290 künftige Pflegefachfrauen/-männer, OTA, ATA, Physio- und Ergotherapeuten sowie MTR starten ihre Ausbildung an der Akademie der Gesundheit in Berlin-Buch
Foto: 290 künftige Pflegefachfrauen/-männer, OTA, ATA, Physio- und Ergotherapeuten sowie MTR starten ihre Ausbildung an der Akademie der Gesundheit in Berlin-Buch

Starker Ausbildungs- und Studienstart an der AdG und HGE

Mit dem 1. Oktober hat an der Akademie der Gesundheit e. V. (AdG) ein neuer Jahrgang begonnen: Insgesamt 543 Bildungsteilnehmende starten an fünf Standorten in vielfältigen Gesundheitsfachberufen ihre Ausbildung. Parallel dazu beginnt an der Hochschule für Gesundheitsfachberufe Eberswalde (HGE) der nächste Bachelor-Studiengang in der Pflege. Damit setzen AdG und HGE gemeinsam ein starkes Signal für die Fachkräftesicherung in Berlin und Brandenburg - trotz der demografischen Herausforderungen in der Region.

Erfolgreiche Expansion nach Prenzlau: Mit dem Start von 14 angehenden Notfallsanitäter:innen am neu geschaffenen Campus Prenzlau erweitert die Akademie ihr Bildungsangebot gezielt in der Uckermark. Der neue Standort schafft wohnortnahe Qualifizierung, stärkt regionale Partnerstrukturen und ist ein wichtiger Meilenstein im Ausbau der Gesundheitsfachkräftebildung im Norden Brandenburgs.

An allen fünf Standorten verbindet die Akademie wissenschaftlich fundierten Theorieunterricht mit praxisnaher Lehre. In Skills-Labs und im interprofessionellen Lernen werden die Bildungsteilnehmenden auf die Anforderungen in Pflege, Akutversorgung, Notfallmedizin, Diagnostik und Therapie vorbereitet. Mit dem zusätzlichen Studienstart an der HGE wird der Bildungsverbund zugleich um eine akademische Qualifizierung in der Pflege gestärkt.


Standort / Ausbildungsberufe & Fachrichtungen

Berlin-Buch, 290 Teilnehmende: Pflegefachfrau/-mann, OTA, ATA, Physio- und Ergotherapie, MTR
Eberswalde, 163 Teilnehmende: Pflegefachfrau/-mann, Notfallsanitäter:innen, Logopäd:innen
Wildau, 45 Teilnehmende: Notfallsanitäter:innen
Brieskow-Finkenheerd, 31 Teilnehmende: Pflegefachfrau/-mann, Altenpflegehilfe
Prenzlau, 14 Teilnehmende: Notfallsanitäter:innen (neuer Standort zur regionalen Stärkung)

Gesamt AdG: 543


Campusübergreifend in 5 regionalen Bildungszentren

Studienstart an der HGE: Zum 1. Oktober hat an der Hochschule für Gesundheitsfachberufe Eberswalde der nächste Bachelor-Studiengang in der Pflege begonnen. Damit ergänzt die HGE die berufliche Ausbildung der AdG um einen weiteren akademischen Bildungsweg in der Pflege.
Mit dem starken Ausbildungs- und Studienstart unterstreichen AdG und HGE ihre Rolle als verlässliche Bildungs- und Entwicklungspartner für Kliniken, Rettungsdienste, Pflegeeinrichtungen und weitere Akteure der Gesundheitsversorgung in der Region.

Interesse geweckt?

Informationen zu Bildungsangebot, allen fünf Standorten sowie Bewerbungsmodalitäten:
www.gesundheit-akademie.de

forschen / 08.10.2026
Johannes Backs ist neuer Direktor des HI-TAC

Johannes Backs © Benjamin Czernoch, Universitätsklinikum Heidelberg
Johannes Backs © Benjamin Czernoch, Universitätsklinikum Heidelberg

Johannes Backs ist nun einer von zwei wissenschaftlichen Direktor*innen des Helmholtz-Instituts für translationale AngioCardioScience (HI-TAC). Gemeinsam mit Karina Yaniv wird er erforschen, wie das Herz und die Gefäße mit anderen Organen kommunizieren. Daraus sollen rasch neue Therapien entstehen.

Professor Johannes Backs ist neuer wissenschaftlicher Direktor des Helmholtz-Instituts für translationale AngioCardioScience (HI-TAC). Der Mediziner und bisherige Interimsdirektor hat seine Stelle offiziell im Oktober 2026 angetreten. Er teilt sich die Position mit der Gefäßbiologin Professorin Karina Yaniv, die im April 2026 als wissenschaftliche Direktorin des HI-TAC begonnen hat.

Das HI-TAC ist ein gemeinsames Helmholtz-Institut des Max Delbrück Center und der Universität Heidelberg mit ihren Medizinischen Fakultäten Heidelberg und Mannheim. Die Universität und das Max Delbrück Center haben es gemeinsam gegründet. Zusammen mit den HI-TAC-Nachwuchsgruppen arbeiten die Teams von Yaniv und Backs an beiden Standorten der Universität in Mannheim und Heidelberg.

„Wir haben in den vergangenen Jahren sehr viel darüber gelernt, welch zentrale Rolle das Herz-Kreislauf-System für unsere Gesundheit und bei der Entstehung von Krankheiten spielt“, sagt Karina Yaniv. „Jetzt wird es höchste Zeit, dieses Wissen in bessere Prävention, Diagnostik und Therapien umzusetzen. Mit Johannes Backs habe ich am HI-TAC nun den idealen Partner, um diese Herausforderungen zügig und gemeinsam anzugehen.“

Eine Brücke zwischen Grundlagenforschung und Anwendung

Backs, der eine Professur am Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) inne hat, bleibt weiterhin Direktor des Instituts für Experimentelle Kardiologie an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität und dem Universitätsklinikum Heidelberg. Die Hälfte seiner Arbeitszeit wird er aber künftig für das HI-TAC aufbringen, dessen Entwicklung er von Anfang an begleitet hat.

„Ich freue mich sehr darauf, gemeinsam mit Karina Yaniv die Kommunikation des Herzens mit dem Gefäßsystem und anderen Organen weiter zu erforschen. Auf diese Weise wollen wir nicht nur für kardiovaskuläre Krankheiten neue therapeutische Konzepte finden, sondern auch für altersabhängige Erkrankungen des Stoffwechsels und des Gehirns“, sagt Backs. „Zusammen mit den HI-TAC-Nachwuchsgruppen und kooperierenden Einrichtungen in Berlin, Heidelberg und Mannheim werden wir zudem daran arbeiten, aus den neuen Konzepten innovative Therapien zu entwickeln und sie so schnell wie möglich zu den Patientinnen und Patienten zu bringen.“

Von molekularen Mechanismen zu Wirkstoffzielen

Potenzielle Wirkstoffe hat Backs in den vergangenen Jahren gleich mehrfach ausgemacht. Er entdeckte zum Beispiel, dass bei Patient*innen mit einer schweren angeborenen Herzerkrankung, der RBM20-Kardiomyopathie, ein Signalprotein namens CAMK2D zu aktiv ist. Sein Team blockierte den Signalweg und konnte so die Krankheit bei Mäusen verhindern. Um ein Medikament gegen RBM20-Kardiomyopathie marktreif zu machen, kooperiert er mit einem jungen Pharmaunternehmen, das einen Hemmstoff klinisch testet.

Auch für das Broken-Heart-Syndrom hat Backs einen wichtigen Signalweg identifiziert, durch den das Enzym Calcineurin überaktiv wird. Die Erkrankung, die vor allem Frauen jenseits der Wechseljahre betrifft und durch emotionalen Stress ausgelöst wird, führt zu akuter Herzschwäche. Hier setzt Backs auf ein bereits zugelassenes Medikament, das die Körperabwehr unterdrückt und vermutlich auch gegen die stressbedingte Herzschwäche wirkt. Dies überprüft gerade eine klinische Phase-IIa-Studie am DZHK.

Für die häufige Herzschwäche HFpEF (Heart Failure with preserved Ejection Fraction), bei der der Herzmuskel versteift, ist Backs ebenfalls den molekularen Ursachen auf den Grund gegangen. Dabei ist er auf ein überaktives Enzym namens HDAC4 gestoßen, an dem er seit mehr als 20 Jahren forscht. Um HFpEF und andere kardiovaskuläre Leiden künftig besser behandeln zu können, hat Backs ein Start-up gegründet und bereitet mit dem Startkapital klinische Studien der Phasen I und IIa vor.

Wie das Herz mit anderen Organen spricht

Am HI-TAC selbst wird Backs zunächst drei Themen verfolgen, durch die er die Kommunikation des Herzens mit anderen Organen besser verstehen will. Zum einen möchte er herausfinden, wie die Herzmuskelzellen mit der inneren Zellschicht der Blutgefäße, den Endothelzellen, und mit den Blutplättchen zusammenarbeiten. Vorbefunde zeigen, dass das Herz genau dadurch bei einer HFpEF versteift. „Wir wollen therapeutische Zielstrukturen außerhalb der Herzzellen entdecken, die für neuartige Medikamente leichter erreichbar sind“, erkärt Backs.

Zum anderen nimmt er die Kommunikation des Herzens mit dem Fettgewebe stärker ins Visier. „In einem Mausmodell für die HFpEF haben wir gesehen, dass eine spezielle Hemmung von HDAC4 nicht nur das Herz stärkt. Sie bewirkt auch, dass die Tiere weniger entzündetes Fettgewebe und Übergewicht entwickeln“, erläutert Backs. „Das deutet auf neue Zielstrukturen gegen Adipositas hin.“

Im dritten Projekt wird der Wissenschaftler untersuchen, wie Hirn und Herz nicht nur beim Broken-Heart-Syndrom, sondern auch beim Schlaganfall miteinander kommunizieren. „Wir fangen gerade erst an zu verstehen, wie Signale aus dem Gehirn die Stressantwort des Herzens hervorrufen“, sagt er.

Glückwünsche aus den Institutionen

„Die Stärken von Karina Yaniv und Johannes Backs passen perfekt zusammen und sind für eine erfolgreiche Translation unerlässlich“, sagt Professorin Maike Sander, Wissenschaftliche Vorständin und Vorstandsvorsitzende des Max Delbrück Center. „Karinas Fachwissen in der Gefäßbiologie und ihre Verbindung zum Weizmann-Institut ergänzen Johannes’ Perspektive als klinischer Wissenschaftler und seine enge Verbindung zur Medizinischen Fakultät Heidelberg. Gemeinsam stärken sie im HI-TAC die Brücke zwischen Grundlagenforschung und Anwendung. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit ihnen.“

„Mit Johannes Backs übernimmt ein international ausgewiesener Herzspezialist und translationaler Forscher die wissenschaftliche Leitung des HI-TAC, der die Entwicklung des Instituts von Beginn an geprägt hat. Das HI-TAC steht beispielhaft für die Stärke unseres Forschungsstandorts: Es verbindet exzellente Herz- und Gefäßforschung mit Systemmedizin und schafft damit die Voraussetzungen, neue Erkenntnisse schneller in die klinische Anwendung zu überführen. Gemeinsam mit Karina Yaniv wird er dazu beitragen, das junge Feld der AngioCardioScience international weiter zu profilieren“, sagt Professor Michael Boutros, Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg.

„Die Medizinische Fakultät Mannheim hat die Herz-Kreislauf-Forschung um das Gebiet der Angioscience bereichert und mit dem European Center for Angioscience international sichtbar gemacht. Das Fach Angioscience erforscht, wie Blutgefäße Organfunktionen in Gesundheit und Krankheit steuern“, sagt Professor Sergij Goerdt, Dekan der Medizinischen Fakultät Mannheim. „Das HI-TAC mit den beiden wissenschaftlichen Direktor*innen Backs und Yaniv führt nun die Angioscience mit der herausragenden Cardioscience an der Medizinischen Fakultät Heidelberg zusammen, um gemeinsam die Translation der Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung voranzubringen.“

Über Johannes Backs

Johannes Backs hat an der Universität Heidelberg in Medizin promoviert. Er war später als Arzt in allen Abteilungen der Inneren Medizin am Universitätsklinikum Heidelberg sowie als Postdoktorand am Department for Molecular Biology des University of Texas Southwestern Medical Center bei Professor Eric N. Olson tätig. Im Jahr 2007 kehrte er als Emmy-Noether-Nachwuchsgruppenleiter der Deutschen Forschungsgemeinschaft an die Universität Heidelberg zurück.

Backs ist heute Direktor des Instituts für Experimentelle Kardiologie an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und dem Universitätsklinikum Heidelberg, Professor am Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) und Sprecher des DFG-Sonderforschungsbereichs „Molekulare Schaltkreise von Herzerkrankungen“ an der Universität Heidelberg. Kommissarisch hat Backs das HI-TAC seit 2024 mitgeleitet.

Weitere Informationen

HI-TAC

Karina Yaniv tritt Professur am HI-TAC, Mannheim, an

Herzschwäche durch ein überaktives Protein

Revier Therapeutics

SFB 1550 „Molekulare Schaltkreise von Herzerkrankungen“ (Englisch)

leben / 01.10.2026
Baumarbeiten zur Sicherstellung der Verkehrssicherheit im Schlosspark Buch geplant

Foto: Campus Berlin-Buch GmbH
Foto: Campus Berlin-Buch GmbH

Im Schlosspark Buch werden im Ergebnis regelmäßiger Baumkontrollen zum Ende dieses Jahres und zu Beginn des kommenden Jahres insgesamt 69 Maßnahmen an Bäumen zur Sicherstellung der Verkehrssicherheit durchgeführt. Darunter sind auch 38 Fällungen. Die betroffenen Bäume weisen erhebliche Schäden auf und können teils wegen Fäulnis, Pilzbefall oder abgestorbenen Kronenteilen nicht mehr sicher erhalten werden. Insbesondere geschädigte oder instabile Kronenbereiche können unter der Einwirkung von Windlasten einer erhöhten Bruchgefahr unterliegen.

Bei den weiteren 31 Maßnahmen handelt es sich um fachgerechte Baumpflegearbeiten, darunter Kronenkappungen, -sicherungsschnitte und -einkürzungen. Dabei werden geschädigte oder bruchgefährdete Bereiche gezielt zurückgeschnitten und die auf die Bäume einwirkende Windlast reduziert, soweit dies fachlich erforderlich und möglich ist.

Zeitweise Absperrungen und Einschränkungen

Die Arbeiten werden durch Beschäftigte des Bezirksamtes Pankowdurchgeführt. Während der Arbeiten kann es vorübergehend zu Absperrungen und Einschränkungen in einzelnen Bereichen des Schlossparks kommen. Die Absperrungen dienen dem Schutz der Besucherinnen und Besucher und sind unbedingt zu beachten. Es wird um Verständnis für die notwendigen Maßnahmen gebeten. Sie dienen dazu, Gefahren zu beseitigen und die sichere Nutzung des Schlossparks dauerhaft zu gewährleisten.

„Dem Bezirksamt Pankow ist bewusst, dass Fällungen von Bäumen gerade in einem historischen Park wie dem Schlosspark Buch ein sensibles Thema sind und viele Menschen diese Bäume mit guten Erinnerungen verbinden. Jeder Baum, der entfernt werden muss, ist einer zu viel. Gleichzeitig tragen wir die Verantwortung dafür, dass der Park sicher genutzt werden kann. Die regelmäßigen Baumkontrollen zeigen, wo Bäume oder einzelne Kronenbereiche eine Gefahr darstellen. Wo eine fachgerechte Pflege möglich ist, wird diese durchgeführt. Wo ein Baum nicht mehr sicher erhalten werden kann, müssen wir handeln. Ich bitte deshalb um Verständnis für die notwendigen Maßnahmen und die damit verbundenen Einschränkungen.“, erklärt Manuela Anders-Granitzki, Bezirksstadträtin für Ordnung und Öffentlicher Raum.

forschen, heilen / 29.09.2026
Magenkrebs verhindern, bevor er entsteht

Foto: Charité, Michael Sigal
Foto: Charité, Michael Sigal

Der Magenkeim Helicobacter pylori programmiert die Zellen der Magenschleimhaut so um, dass sie entarten und einen Tumor bilden können. Den Mechanismus dahinter stellt ein Team um Michael Sigal jetzt detailliert in ​„Nature Communications“ vor. Die Studie ermöglicht bessere Maßnahmen zur Prävention.

Krankheiten entstehen fast nie von heute auf morgen. Erkennt man sie aber erst in einem fortgeschrittenen Stadium, sind sie oft schwer behandelbar. Das gilt auch für Magenkrebs: Schon Jahre, bevor die Erkrankung ausbricht, beginnt sich die Magenschleimhaut allmählich zu verändern. Der häufigste Auslöser dafür ist der verbreitete Magenkeim Helicobacter pylori (H. pylori), der vor allem innerhalb von Familien übertragen wird. Sind die Eltern oder die Großeltern an Magenkrebs infolge einer Infektion erkrankt, ist das eigene Risiko hoch, später die geiche Diagnose zu erhalten.

Ein Team um Michael Sigal, Professor für Translationale Gastrointestinale Onkologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und Leiter der Arbeitsgruppe ​„Gastrointestinale Barriere, Regeneration und Karzinogenese“ am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie des Max Delbrück Center (MDC-BIMSB), sowie Dr. Manqiang Lin von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie der Charité hat jetzt herausgefunden, wie das Bakterium die Magenschleimhaut verändert und die Entstehung von Krebs begünstigt. Den detaillierten Mechanismus stellen die Forschenden in der Fachzeitschrift ​„Nature Communications“ vor. 

„Wenn wir verstehen, was im Magengewebe passiert, bevor sich ein Tumor entwickelt, können wir den Prozess womöglich aufhalten“, sagt Sigal. Der Forscher gehört dem Berliner Exzellenzcluster ​„ImmunoPreCept“ an, an dem die Charité und das MDC-BIMSB maßgeblich beteiligt sind. Ziel der Kooperation ist es, krankheitsauslösende Prozesse zu identifizieren und zu stoppen, bevor es zu spät ist. Für die aktuelle Studie wollten Wissenschaftler*innen des Clusters und anderer Einrichtungen ermitteln, was auf zellulärer und molekularer Ebene in der Magenschleimhaut vor sich geht, wenn diese H. pylori über einen längeren Zeitraum hinweg ausgesetzt ist.

Dass der Keim die Entstehung von Magenkrebs begünstigt, ist seit Langem bekannt. Doch welche Zelltypen sind daran beteiligt? In welcher Reihenfolge leiten sie Signale weiter? Und welches dieser Signale ist das wichtigste? ​„Aus früheren Studien wussten wir, dass das Bakterium das Gleichgewicht der Wachstumssignale in der Magenschleimhaut stört. Was uns fehlte, war der Zusammenhang zwischen der ausgelösten Entzündung und dem Umbau des Gewebes“, sagt Sigal. Denn die Schleimhaut verhält sich nicht so, wie man es eigentlich erwarten würde: Sie wächst schnell, aber ohne dass sich dabei die klassichen Stammzellen vermehren. ​„Es muss also ein anderes, bisher übersehenes Programm am Werk sein“, sagt Sigal.

Wie bei einer raffinierten Schachpartie

Mithilfe der Einzelzellsequenzierung analysierten die Forschenden Zehntausende von Zellen aus erkrankter Magenschleimhaut. Für jeden Zelltyp ermittelten sie, welche Gene bei einer Infektion jeweils aktiviert sind. Um Ursache und Wirkung zu identifizieren, verwendeten sie Tiermodelle, bei denen bestimmte Gene in einzelnen Zellen selektiv stillgelegt waren.

Darüber hinaus nutzte das Team Organoide, also im Labor gezüchtete Miniaturversionen der Magenschleimhaut, und Assembloide, eine eigens für die Studie entwickelte Kombination aus Schleimhaut- und Bindegewebszellen. Anhand dieser Modelle simulierten die Forschenden die Kommunikation zwischen den verschiedenen Zelltypen und versuchten zudem, sie gezielt zu unterbrechen. So konnten sie beobachten, welche Zellen im Gewebe tatsächlich nebeneinander liegen und Signale austauschen. Ob ihre Erkenntnisse auch für menschliches Gewebe zutreffen, überprüften sie anschließend anhand frei zugänglicher Datensätze.

Das Team stieß auf einen Prozess, der ähnlich wie eine raffinierte Schachpartie abläuft: Jeder Schritt ebnet den Weg für den nächsten. Er ende mit Krebsvorstufen und Krebs, erklärt die Erstautorin der Studie, Giulia Beccaceci aus dem Team von Sigal. ​„Die infizierte Magenschleimhaut wächst nicht einfach schneller, sondern sie wechselt in einen grundlegend anderen Zustand. Schrittweise wird dort ein Prozess aktiviert, der normalerweise nur in der embryonalen Entwicklung und bei der Wundheilung abläuft“, erläutert Beccaceci. Aus diesem Grund verändere sich das Gewebe so nachhaltig.

Der Prozess beginnt, indem der Magenkeim ein natürliches Schutzsystem des Magens außer Kraft setzt. Ein Signal fällt aus, das normalerweise dafür sorgt, dass sich die Oberflächenzellen der Schleimhaut kontrolliert erneuern und Bakterien tolerieren. Folglich wird das Immunsystem alarmiert. Immunzellen wandern ein und produzieren entzündungsfördernde Botenstoffe, vor allem Interleukin-1β. 

Dieses wiederum wirkt auf das darunter liegende Bindegewebe. Von dort folgt schließlich das entscheidende Signal: Ein Gewebshormon, das gewöhnlich bei der Heilung von Verletzungen hilft, schaltet die Schleimhaut in den Reparaturmodus. Die Zellen wachsen daraufhin unkontrolliert und teilen sich vermehrt. ​„Das Bindegewebe ist also nicht nur Zuschauer, sondern der eigentliche Schalter“, sagt Beccaceci.

Den Krankheitsprozess aufhalten

Da die Forschenden jetzt besser verstehen, wie eine Infektion mit H. pylori zu chronischer Gastritis, Krebsvorstufen und schließlich zu Krebs führt, können sie den Prozess womöglich aufhalten. ​„Wer ein erhöhtes Risiko hat, etwa durch Magenkrebs in der Familie, Beschwerden oder eine bekannte Infektion, sollte auf den Magenkeim getestet und bei positivem Befund antibiotisch behandelt werden“, sagt Sigal. ​„Das ist unkompliziert und senkt das Magenkrebsrisiko nachweislich. Dem Gewebe wird so der Dauerreiz genommen, der den krankmachenden Prozess in Gang hält.“

Doch nicht bei allen Betroffenen normalisiert sich die Magenschleimhaut nach einer Antibiotika-Behandlung vollständig. In manchen Fällen ist das Gewebe bereits nachhaltig umprogrammiert, weshalb das Krebsrisiko unverändert hoch bleibt. ​„Um diese Menschen zuverlässig zu erkennen, entwickeln wir gerade Marker, die in Proben der Schleimhaut aufzeigen, ob sie auf dem Weg zu einer Krebsvorstufe ist“, erklärt Sigal. ​„Außerdem kennen wir jetzt die einzelnen Schritte des Prozesses und damit mögliche Angriffspunkte für Medikamente.“ Die Kommunikation über das Bindegewebe ließe sich womöglich unterbrechen, indem man diese Zellen für Interleukin-1β unempfindlich macht. ​„Das würde den Umbau des Gewebes und krankhaftes Schleimhautwachstum verhindern“, sagt Sigal.

Hoffnung machen den Forschenden auch Bevölkerungsstudien, bei denen die regelmäßige Einnahme bekannter Entzündungshemmer das Risiko für Tumoren im Magen senkte. Auch diese Medikamente blockieren ein Element des nun offen gelegten Prozesses: das Enzym COX‑2. Demnach funktioniert das Prinzip – wobei die neuen Erkenntnisse helfen, den Vorgang noch gezielter und nebenwirkungsärmer zu unterbrechen. 

Über die Studie

Neben Wissenschaftler*innen der Charité, des MDC-BIMSB und des Exzellenzclusters ImmunoPreCept waren folgende Einrichtungen an der Publikation beteiligt: das Institut für Experimentelle Innere Medizin der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, das Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin, das Berlin Institute of Health (BIH) an der Charité, das BIH-Charité-Clinician-Scientist-Programm sowie die Berlin School of Integrative Oncology (BSIO) an der Charité. Gefördert haben die Studie unter anderem der Europäische Forschungsrat (ERC Starting Grant REVERT), die Deutsche Forschungsgemeinschaft, das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, das Einstein Center 3R sowie das Exzellenzcluster ImmunoPreCept.

Gemeinsame Pressemitteilung der Charité — Universitätsmedizin Berlin und des Max Delbrück Center

Text: Charité – Universitätsmedizin Berlin

Weitere Informationen

Sigal Lab
Gastrointestinale Barriere, Regeneration und Karzinogenese 

forschen / 25.09.2026
Wie die Kalziumkanäle der Muskeln synchron agieren

© Vasilii Mikirtumov, Kudryashev Lab, Max Delbrück Center
© Vasilii Mikirtumov, Kudryashev Lab, Max Delbrück Center

Die Kalziumkanäle unserer Muskelzellen öffnen sich alle gleichzeitig. Wie ihnen das gelingt, hat ein Team um Misha Kudryashev per Kryo-Elektronenmikroskopie herausgefunden. Die in ​„Nature Communications“ veröffentlichten Ergebnisse könnten erklären, wie bestimmte Muskelerkrankungen entstehen.

Jeder Schritt, den wir machen, beginnt mit einem Ausstoß von Kalzium: Unsere Muskelzellen setzen die Ionen frei, um kontrahieren zu können. Im Ruhezustand halten die Zellen das Kalzium in einem speziellen Kompartiment, dem sarkoplasmatischen Retikulum, zurück. In dessen Membran liegen Tausende der größten bekannten Ionenkanäle, RyR1-Kanäle genannt. Sie enthalten Poren, über die das Kalzium freigesetzt wird. Damit sich ein Muskel richtig zusammenziehen kann, müssen sich die Kanäle synchron über einen Mechanismus öffnen, den man als ​„gekoppeltes Gating“ bezeichnet. Er ist seit fast 30 Jahren bekannt. Unklar war jedoch bisher, wie genau er zustandekommt.

Ein Team um Dr. Vasilii Mikirtumov, ehemaliger Doktorand in der Arbeitsgruppe ​„In Situ Structural Biology“ von Professor Misha Kudryashev am Max Delbrück Center, hat jetzt per Kryo-Elektronenmikroskopie die ersten hochaufgelösten 3D-Bilder der RyR1-Kanäle erstellt. Die Aufnahmen zeigen sechs Öffnungsstadien in einer intakten Membran des sarkoplasmatischen Retikulums. Veröffentlicht sind sie in ​„Nature Communications“.

Wie die Zahnräder einer Uhr

Bereits vor der aktuellen Studie hatten Forschende die Struktur von RyR1 beschrieben. Allerdings hatten sie für ihre Experimente isolierte Kanäle verwendet, die sie aus der Membran herausgelöst hatten. Das Team von Kudryashev hingegen hat die Struktur von RyR1 jetzt in seiner natürlichen Umgebung untersucht – mithilfe modernster Bildgebungsverfahren wie der Kryo-Elektronenmikroskopie und ‑tomographie.

„Da RyR1 ein Membranprotein ist, muss man es, um es zu isolieren, mit Detergenzien aus der Membran herauslösen. Das kann für ein so empfindliches Protein schädlich sein“, sagt Mikirtumov, der mittlerweile als Postdoc in der Arbeitsgruppe ​„Kryo-Elektronenmikroskopie makromolekularer Maschinen“ von Professor Christian Spahn an der Charité – Universitätsmedizin Berlin forscht. ​„Wir wollten die Struktur des Kanals in der Membran klären und herausfinden, ob der Öffnungsmechanismus dort ein anderer ist.“

Dies scheint tatsächlich so zu sein. Die Aufnahmen des Teams zeigen, dass benachbarte Kanäle, während sie sich öffnen, miteinander in Kontakt bleiben. Beginnt ein Kanal aufzugehen, übt er dadurch Druck auf seinen Nachbarn aus. Das erleichtert es diesem Kanalprotein, sich ebenfalls zu drehen und somit zu öffnen. ​„Es ist wie bei den Zahnrädern einer Uhr“, sagt Kudryashev, der Letztautor der Studie ist. ​„Sobald sich ein Zahnrad dreht, regt es seine Nachbarn dazu an, sich ebenfalls zu drehen.“

Sechs Momentaufnahmen eines sich öffnenden Kanals

Die Forschenden isolierten das sarkoplasmatische Retikulum aus dem Muskelgewebe von Kaninchen. Die Aufnahmen des Kanalproteins erstellten sie in der Core Facility für Kryo-Elektronenmikroskopie (CFcryo-EM), die gemeinsam von der Charité – Universitätsmedizin Berlin, dem Max Delbrück Center und dem Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) betrieben wird. Das Team von Kudryashev besitzt spezielle Fachkenntnisse in den Bereichen Kryo-Elektronenmikroskopie und ‑tomographie sowie die nötigen computergestützten Werkzeuge, um die damit gewonnenen Daten zu analysieren.

„Wir beschießen die Probe mit Elektronen und erstellen Tausende von Bildern, auf denen viele Kopien desselben Proteins zu sehen sind“, erklärt Mikirtumov. ​„Anschließend bilden wir den Mittelwert aus all diesen Aufnahmen, wodurch wir eine hochaufgelöste 3D-Rekonstruktion erhalten.“

Mithilfe kleiner Moleküle, die eine Öffnung des Kanals bewirken, konnte das Team RyR1 in sechs verschiedenen Stadien erfassen – von komplett geschlossen bis vollständig offen. Ein Vergleich dieser Strukturen enthüllte den gesamten Vorgang: Der voluminöse äußere Teil des Kanalproteins dreht sich innerhalb der Membranebene, ähnlich wie sich der Ring eines Kameraobjektivs dreht. Dabei erweitert sich die Pore im Kanal auf etwa das Doppelte ihrer ursprünglichen Größe.

Per Kryo-Elektronentomographie bildeten die Forschenden zudem Paare benachbarter Kanäle in fünf verschiedenen Öffnungsstadien ab. Dabei stellten sie zwei Dinge fest: Zum einen waren benachbarte Kanäle mit höherer Wahrscheinlichkeit synchronisiert als Kanäle, die in der Membran weiter auseinander lagen. Zum anderen waren benachbarte geschlossene Kanäle stabiler als isoliert voneinander liegende geschlossene Kanäle. Diese Ergebnisse stützen die Hypothese des ​„gekoppelten Gating“ und legen nahe, dass sich die Kanäle gegenseitig geschlossen halten.

Eine therapeutische Zielstruktur bei Muskelleiden

Veränderungen im RyR1-Gen verursachen maligne Hyperthermie, eine lebensbedrohliche Reaktion auf bestimmte Anästhetika, sowie angeborene Formen der Muskelschwäche. Viele dieser Mutationen verändern den Kanal offenbar genau an der Stelle, an der er mit seinen Nachbarn in Kontakt steht. ​„Das mutierte Gen scheint nicht die Öffnung eines einzelnen Kanals zu beeinflussen, sondern vielmehr die Art und Weise, wie die Proteine mit ihren Nachbarn interagieren“, sagt Mikirtumov. ​„Wir gehen also davon aus, dass in solchen Fällen die Zusammenarbeit der Kanäle gestört ist.“

Die Forschenden vermuten, dass die veränderten Kontaktflächen dazu führen, dass die Kanäle undicht werden: Sie setzen dann Kalzium frei, obwohl sie es eigentlich zurückhalten sollten. Das würde diese Schnittstellen zu einem potenziellen Ziel für neue Therapien machen. Das Team testet die Idee bereits. ​„Wir müssen die Kanäle davon abhalten, sich spontan zu öffnen“, sagt Kudryashev. ​„Da wir jetzt wissen, wie der geschlossene Zustand der Membranproteine aussieht, können wir Wirkstoffe – Biologika oder niedermolekulare Verbinungen – entwickeln, die ihn stabilisieren.“

Text: Anita Waltho

Abbildung: 

Zwei Ryanodinrezeptor-1-Kanäle (RyR1), die in ihrer natürlichen Membran des sarkoplasmatischen Retikulums nebeneinander interagieren. Diese Kryo-EM-Struktur zeigt, wie benachbarte Kalziumfreisetzungskanäle physisch miteinander in Kontakt stehen und ihre Öffnung koordinieren, um ein schnelles, synchronisiertes Kalziumsignal zu erzeugen, das die Muskelkontraktion auslöst.

© Vasilii Mikirtumov, Kudryashev Lab, Max Delbrück Center

Quelle: Pressemitteilung Max Delbrück Center
Wie die Kalziumkanäle der Muskeln synchron agieren

forschen, heilen, bilden / 24.09.2026
125 Jahre Blutgruppensystem – Zellbiologie erforschen im Gläsernen Labor

Foto: Katharina Bohm
Foto: Katharina Bohm

1901 legte der Mediziner Karl Landsteiner den Grundstein für die moderne Transfusionsmedizin. Sein Blutgruppensystem wird im Schülerlabor auf dem Campus Berlin-Buch anschaulich erklärt – durch die Bestimmung der eigenen Blutgruppe

Für seine wissenschaftliche Entdeckung der verschiedenen Blutgruppen A, B und 0 an der Universität Wien, die er 1901 veröffentlichte, erhielt der Mediziner Karl Landsteiner den Nobelpreis. Dieses System ermöglichte später erstmals sichere Bluttransfusionen, ohne Folgeerkrankungen oder sogar Lebensgefahr.

In einem umfassenden Experiment trennte er Blut von Probanden in die Bestandteile Serum und Blutkörperchen auf und mischte anschließend die roten Blutkörperchen mit unterschiedlichen Seren. In einigen Proben verklumpte das Blut, in anderen nicht. Aus diesem Agglutination genannten Phänomen leitete er die Einteilung der Blutgruppen ab. Dieses System wurde knapp 40 Jahre danach um den Rhesusfaktor ergänzt, an dessen Entdeckung Karl Landsteiner ebenfalls beteiligt war.

Bedeutung für die Medizin vermitteln

Im Schülerlabor des Gläsernen Labors wird das Thema regelmäßig aufgegriffen: Die Blutgruppenbestimmung ist Teil von Kursen für die Sekundarstufe im Bereich Zellbiologie zu den Themen Immunabwehr, Herz-Kreislauf und Rauchen und wird auch in einem Kurs der Grundstufe durchgeführt. Die Schülerinnen und Schüler lernen, wie wichtig Blutgruppen in der Medizin sind, welche Bedeutung sie in der Immunologie haben und wie Labordiagnostik funktioniert. Mit dem Einverständnis ihrer Eltern finden sie in den Kursen auch heraus, welche Blutgruppe sie selbst haben.

„Für Bluttransfusionen ist es entscheidend, die AB0-Blutgruppe und den Rhesusfaktor zu kennen. Wir erklären, warum besonders der Rhesusfaktor eine wichtige Rolle spielt – zum Beispiel bei Bluttransfusionen oder besonders während einer Schwangerschaft“, sagt Biologin Claudia Jacob, die das Gläserne Labor leitet.
Auch der Einfluss der Genetik wird anschaulich vermittelt: „Für viele Jugendliche ist die Vererbung der Blutgruppen ein faszinierendes Beispiel, wie genetische Merkmale von den Eltern an ihre Kinder weitergegeben werden. Dass zum Beispiel ein Elternpaar mit Blutgruppe A ein Kind mit Blutgruppe 0 haben können, überrascht viele zunächst – ist genetisch aber durchaus möglich“, so Claudia Jacob.

Das Blutgruppensystem ABO

Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) besitzen Oberflächenstrukturen, sogenannte Antigene. Menschen mit Blutgruppe A haben A-Antigene, Menschen mit B B-Antigene. Bei Blutgruppe AB sind beide Antigene vorhanden, während Blutgruppe 0 keines dieser beiden Antigene besitzt.

Im Blutplasma befinden sich wiederum Antikörper gegen die Antigene, die auf den eigenen Erythrozyten fehlen. Menschen mit Blutgruppe A besitzen daher Anti-B-Antikörper, Menschen mit B Anti-A-Antikörper. Bei Blutgruppe 0 sind keine Antikörper vorhanden, bei AB in der Regel keine Anti-A- oder Anti-B-Antikörper.

Antikörper erkennen passende fremde Antigene und können an diese binden. Deshalb ist die Bestimmung der Blutgruppe vor einer Bluttransfusion besonders wichtig: Treffen Antikörper des Empfängers auf die entsprechenden fremden Antigene der übertragenen Erythrozyten, kann es zu einer Verklumpung (Agglutination) und anschließenden Zerstörung der roten Blutkörperchen kommen. Eine solche Reaktion kann lebensgefährlich sein.

forschen, produzieren, bilden / 24.09.2026
Auszeichnung für Gründergeist: Christian Hackenberger erhält UNIPRENEURS-Preis

Christian Hackenberger erhält den UNIPRENEURS-Preis. © Foto: Jürgen A. Morgenroth/Stifterverband
Christian Hackenberger erhält den UNIPRENEURS-Preis. © Foto: Jürgen A. Morgenroth/Stifterverband

Prof. Dr. Christian Hackenberger vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und der Humboldt Universität zu Berlin ist mit dem UNIPRENEURS-Preis ausgezeichnet worden. Er gehört damit zu 20 Professorinnen und Professoren, die bundesweit für ihr Engagement bei Ausgründungen geehrt wurden. Der Preis würdigt Persönlichkeiten, die neben Forschung und Lehre einen wichtigen Beitrag zum Transfer von Innovationen in die Wirtschaft geleistet haben.

„Ich freue mich wahnsinnig über diese Auszeichnung, sie ist eine phantastische Anerkennung für meine Mitarbeiter und mich, vor allem, da sie die Bedeutung der akademischen Grundlagenforschung unterstreicht. Und natürlich bin ich mächtig stolz Teil eines so tollen Gründerteams zu sein, das die Erfolgsgeschichte von Tubulis auf den Weg gebracht hat“, sagt Preisträger Prof. Dr. Christian Hackenberger.

Christian Hackenberger forscht seit 2005 an Verfahren zur Modifikation von Peptiden und Proteinen. Nach seinem Wechsel an das FMP und die Humboldt-Universität zu Berlin entwickelte sein Team 2017 das sogenannte P5-Labeling Verfahren zur Herstellung neuartiger Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs). Die Methode ermöglicht einen einfachen Zugang zu ADCs, die stabiler und wirksamer sind als andere Moleküle am Markt – und das, ohne dass die Antikörper zusätzlich gentechnisch verändert werden müssen. 

Vom P5-labeling zu Tubulis

Angesichts der überzeugenden präklinischen Ergebnisse gründete Christian Hackenberger 2019 gemeinsam mit seinem ehemaligen Doktoranden Dominik Schumacher (FMP) sowie Heinrich Leonhardt und Jonas Helma-Smets (beide LMU München) das Unternehmen Tubulis, um die P5-Technologie für neue Krebstherapien nutzbar zu machen. Aktuell befinden sich drei ADCs, die mit dem P5-Labeling hergestellt worden sind, in klinischen Studien. Die Ausgründung zählt heute zu den international erfolgreichsten Biotech-Ausgründungen der vergangenen Jahre: 2026 wurde Tubulis von Gilead Sciences für bis zu fünf Milliarden US-Dollar übernommen.

Für seine Forschung, zu der auch die Entwicklung zellpermeabler Antikörper zählt, wurde Hackenberger bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Heinz-Maier-Leibnitz-Preis der DFG, der Max-Bergmann-Medaille, dem UCB-Ehrlich Award for Excellence in Medicinal Chemistry sowie 2020 als erstem Preisträger überhaupt mit dem „Breakthrough of the Year“-Award der Falling Walls Foundation in den Lebenswissenschaften.

In diesem Jahr wurden deutschlandweit 20 Professorinnen und Professoren von UNIPRENEURS aus mehr als 800 Nominierungen ausgezeichnet. Gemeinsam haben sie rund 600 Start-ups als Mentorinnen, Mentoren, Beiräte oder Investoren begleitet; 90 Prozent der Ausgezeichneten haben selbst ein Unternehmen gegründet.

Über Unipreneurs: UNIPRENEURS ist eine Initiative zur Stärkung von Ausgründungen an deutschen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, für die der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft verantwortlich zeichnet. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt sowie das Bundeswirtschaftsministerium sind gemeinsame Schirmherren der Initiative. UNIPRENEURS vergibt seine Auszeichnung alle drei Jahre.

Mehr dazu:
https://www.stifterverband.org/pressemitteilungen/2026_09_22_unipreneurs_auszeichnung_gruendungs-engagement
www.hu-berlin.de/nachrichten/detail/christian-hackenberger-erhaelt-unipreneurs-preis-fuer-herausragendes-gruendungsengagement

forschen / 16.09.2026
Eine Karte vom erkrankten Herzen

Die hypertrophe Kardiomyopathie ist eines der häufigsten Herzleiden. Eine molekulare Karte, die ein internationales Team mit Forschenden des Max Delbrück Center in ​„Science Translational Medicine“ vorstellt, identifiziert die Signalwege der Krankheit. Damit ebnet sie den Weg für präzisere Therapien.

Herzmuskelerkrankungen treten in vielen Formen auf. Zu den häufigsten zählen die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM), bei der sich der Herzmuskel verdickt und versteift, sowie die dilatative Kardiomyopathie (DCM), bei der sich die linke Herzkammer erweitert und die Kammerwände dünner werden. Beide Formen erschweren es dem Herzen, Blut durch den Körper zu pumpen, und können schließlich zu Herzversagen führen.

Ein Team um Forschende des Max Delbrück Center in Berlin und des Brigham and Women’s Hospital in Boston stellt jetzt in der Fachzeitschrift ​„Science Translational Medicine“ die detaillierten molekularen Vorgänge vor, die einer HCM zugrunde liegen. Die Wissenschaftler*innen benennen Unterschiede zwischen frühen und späten Krankheitsstadien sowie zwischen genetisch und nicht-genetisch bedingter HCM. Darüber hinaus zeigen sie Signalwege auf, die eine HCM mit der DCM gemeinsam hat.

Geleitet haben das internationale Großprojekt Dr. Eleonora Adami aus der Arbeitsgruppe ​„Genetik und Genomik von Herz-Kreislauferkrankungen“ von Professor Norbert Hübner am Max Delbrück Center und Dr. Yuri Kim vom Brigham and Women’s Hospital. Beteiligt waren zudem Forschende der Harvard University (AG Seidman), des Imperial College London (AG Noseda), der University of Alberta (AG Oudit), von Helmholtz Munich, der TU München (AG Heinig ) und des Herz- und Diabeteszentrums NRW (AG Milting).

Krankheiten Zelle für Zelle erforschen

Um die zellulären und molekularen Merkmale der HCM zu charakterisieren, sequenzierten die Forschenden die RNA einzelner Zellkerne aus dem Herzgewebe von 47 Patient*innen. Deren Erkrankung reichte vom Früh- bis zum Endstadium. Auch Menschen mit erworbenen, also nicht-erblichen Formen der HCM waren darunter. Anschließend verglich das Team diese Genexpressionsprofile mit denen aus Herzgewebe von gesunden Spender*innen und Menschen mit DCM.

Auf diese Weise erfassten die Wissenschaftler*innen die Genaktivität in fast einer Million einzelner Herzzellen. Aus den Daten erstellten sie eine umfassende molekulare Karte, die die Genaktivität je nach Krankheitsstadium und genetischem Status detailliert abbildet.

Sie hätten einige überraschende Unterschiede gefunden, berichtet Adami. Im Frühstadium der HCM beispielsweise produzieren die Fibroblasten, die unter anderem die extrazelluläre Matrix bilden und aufrechterhalten, weniger Kollagen IV. Dies würde die Matrix, die die Zellen wie ein Gerüst umgibt, wahrscheinlich destabilisieren, erläutert Adami. Außerdem stellten die Forschenden fest, dass Patient*innen mit genetisch bedingter HCM im Vergleich zu gesunden Menschen weniger Kardiomyozyten, also Herzmuskelzellen, haben. Damit verbunden ist eine erhöhte Expression von Genen, die mit Herzrhythmusstörungen und der Bildung von Narbengewebe assoziiert sind.

„Schon lange ist bekannt, dass Menschen mit HCM und einer bekannten genetischen Ursache tendenziell einen schwereren Krankheitsverlauf haben“, sagt Adami. Doch die molekularen Mechanismen dahinter seien bisher unklar gewesen. ​„Wir haben jetzt in den Herzen dieser Patientinnen und Patienten ein charakteristisches Muster der Genaktivität aufgespürt“, berichtet die Forscherin. Darüber hinaus identifizierte das Team ein Gen namens PRR16, das die vergrößerten Herzmuskelzellen mitverursacht, die für die HCM charakteristisch sind.

Nicht nur eine Krankheit der Herzmuskelzellen 

In letzten Schritt ihrer Arbeit trainierte die Gruppe anhand der Genexpressionsdaten aus den Herzmuskelzellen ein KI-Modell. Dieses war anschließend in der Lage, frühe und späte Stadien der HCM zu unterscheiden, die HCM von der DCM abzugrenzen und zu erkennen, ob die Krankheit genetisch oder nicht-genetisch bedingt ist.

Auch allein auf der Grundlage von Genexpressionsdaten aus Fibroblasten, also Bindegewebszellen, konnte das Modell diese Unterscheidungen treffen. ​„Das war interessant“, sagt Kim. ​„Denn Kardiomyopathien werden normalerweise ausschließlich als Erkrankungen der Herzmuskelzellen angesehen.“

„Die unvoreingenommene Multiomik-Faktorenanalyse hat gezeigt, dass viele verschiedene Zelltypen zu den Signaturen beitragen, die sich bei erkrankten und gesunden Menschen unterscheiden. Das fand ich faszinierend“, ergänzt Dr. Matthias Heinig von Helmholtz Munich und der TU München, der ebenfalls an der Studie beteiligt war.

„Wir haben die Genexpression mit Einzelzellauflösung über alle Krankheitsstadien und genetischen Subtypen hinweg kartiert. So konnten wir eine molekulare Signatur des gesamten klinischen Spektrums der HCM erstellen“, fügt Hübner hinzu. ​„Dies ist eine gute Grundlage, um gezieltere Therapien gegen diese häufige Herzkrankheit zu entwickeln.“

Text: Gunjan Sinha

Quelle: Pressemitteilung Max Delbrück Center
Eine Karte vom erkrankten Herzen

forschen / 15.09.2026
Wie ein Protein die Zellmembran formt

Einstülpungen der Zellmembran können Zellen vor mechanischem Stress schützen, Nährstoffe wie Fettsäuren in die Zelle lassen und Signalzentren sein. Eine Proteinkette stabilisiert sie dabei. Die Teams von Oliver Daumke und Misha Kudryashev stellen ihre Struktur jetzt in ​„Nature Communications“ vor.

Die Membranen unserer Zellen haben viele Funktionen. Sie sind nicht nur ein mechanischer Schutz, sondern kontrollieren auch genau, welche Substanzen in die Zellen hinein- oder aus ihnen herausgelangen. Kommen sie diesen Aufgaben nicht nach, drohen Krankheiten. Entsprechend komplex ist ihr Aufbau: Die äußere Zellmembran weist zum Beispiel oft flaschenförmige Einstülpungen auf, die Caveolae. Sie schützen unter anderem die Zellen der Blutgefäße, die häufig starken mechanischen Kräften ausgesetzt sind. Zudem dienen die Caveolae als Signalzentren, die beispielsweise helfen, den Blutdruck zu regulieren. Auch Nährstoffe, vor allem Fettsäuren, nehmen die Zellen über sie auf. 

Forschende des Max Delbrück Center haben jetzt herausgefunden, wie sich die Caveolae, die in fast allen Zellen unseres Körpers vorkommen, stabilisieren. ​„Eine Kette aus Proteinmolekülen wickelt sich um den Hals der flaschenförmigen Strukturen, um ihn zu stützen“, erklärt Professor Oliver Daumke, Leiter der Arbeitsgruppe ​„Strukturbiologie Membran-assoziierter Prozesse“. Gemeinsam mit Professor Misha Kudryashev, dem Leiter der Arbeitsgruppe ​„In Situ Structural Biology“, hat Daumke die Struktur dieser Kette nun aufgeklärt. Schon früher hatte er gezeigt, dass die Caveolae ohne das Protein namens EHD2, aus dem die Kette besteht, nicht sicher in der Zellmembran verankert sind.

Die neue Studie könne zum Beispiel helfen, die Fettaufnahme von Zellen zu regulieren und so Störungen des Fettstoffwechsels künftig besser zu behandeln, hoffen die Autor*innen. Veröffentlicht haben sie die Arbeit in der Fachzeitschrift ​„Nature Communications“. Den Großteil der Experimente haben die Erstautorin Dr. Elena Vázquez-Sarandeses, ehemalige Doktorandin in Daumkes Team, und Dr. Vasilii Mikirtumov, ehemaliger Doktorand in der Gruppe von Kudryashev, durchgeführt.

Eine Kette mit vielen Gliedern

Kudryashev hat zusammen mit seinem Team neue Methoden der Kryo-Elektronenmikroskopie entwickelt. Damit konnten die Forschenden nun zeigen, dass sich jeweils zwei Moleküle des Proteins EHD2 zu einem Dimer zusammentun und so die einzelnen Kettenglieder bilden. ​„Bestimmte Teile dieser EHD2-Ringe heften sich dann aneinander, sodass eine Kette entsteht“, erkärt Vázquez-Sarandeses. ​„Wir konnten beobachten, wie sie sich um die schlauchförmigen Membranstrukturen, die wir in unseren Experimenten verwendet haben, gewickelt hat.“

EHD2 ist ein Protein, das sich aus 540 Aminosäuren zusammensetzt. Wie die Forschenden jetzt festgestellt haben, dienen die ersten 19 Aminosäuren als eine Art Abstandshalter. Er stellt sicher, dass sich immer nur eine Kette um den Hals der Einstülpungen wickelt. ​„Ohne ihn lagern sich mehrere nebeneinander an, wodurch die Caveolae ihre typische Form und Funktion verlieren“, berichtet Daumke. Gemeinsam mit seinen Kolleg*innen hat der Forscher beobachtet, wie die Flaschenhälse ohne funktionierende EHD2-Ketten immer dünner und länger wurden und sich schließlich von der Zellmembran ablösten.

„Diese Studie war technisch sehr anspruchsvoll. Aber sie hilft zu verstehen, wie Proteine zusammenfinden, um eine bestimmte Aufgabe in der Zelle zu übernehmen – wie also aus molekularen Funktionen zelluläre Funktionen werden“, ergänzt der Wissenschaftler. Dies sei ein wichtiger Schwerpunkt der Helmholtz-Forschung. 

Entscheidend für Muskeln, Herz und Gefäße

Als Nächstes wollen die Wissenschaftler*innen versuchen, die EHD2-Ketten in lebenden Zellen sichtbar zu machen – direkt am Hals einer Caveola. ​„Wenn das gelingt, werden wir uns die Proteinketten auch in Zellen mit veränderter Caveolae-Funktion anschauen. Dann verstehen wir vielleicht die daraus resultierenden Krankheiten besser“, kündigt Daumke an.

Davon gibt es viele: Neben Fettstoffwechselstörungen können fehlerhafte Caveolae unter anderem Erkrankungen der Muskeln, der Gefäße, des Herzens, der Lunge und der Niere hervorrufen. ​„Ohne die Einstülpungen halten die Zellen mechanischen Belastungen schlechter stand. Auch Signalprozesse können sie weniger gut regulieren“, erläutert Daumke. ​„Daher sind Gewebe wie Muskeln, Herz und Blutgefäße, die ständigem Stress ausgesetzt sind, besonders anfällig.“

Text: Anke Brodmerkel

Quelle: Pressemitteilung Max Delbrück Center
Wie ein Protein die Zellmembran formt

forschen / 02.09.2026
Eine Suchmaschine für RNA-Moleküle

In Sekundenschnelle kann eine Google-ähnliche Suchmaschine die Daten von Millionen einzelner Zellen aus Tausenden Experimenten weltweit analysieren. Mit dem Tool lassen sich Fragen zur RNA-Biologie klären, die niemand zuvor beantworten konnte, berichtet ein Team um Nikolaus Rajewsky in ​„Nature“.

Stellen Sie sich vor, Ärzt*innen würden genau verstehen, welche Zellen zum Beispiel einen Tumor ihrer Patient*innen verursacht haben und ob dabei vielleicht auch Viren oder Bakterien im Spiel gewesen sind. Dann könnten sie die Informationen nutzen, um für jeden und jede der Erkrankten einen maßgeschneiderten Therapieplan zu erstellen. Um Fragen wie diese im Detail zu beantworten, müssen sie jedoch zunächst Tausende von Experimenten durchforsten, deren Ergebnisse in riesigen Datenbanken rund um den Globus gespeichert sind. Die Suche hätte bislang mehrere Tage in Anspruch genommen. Mindestens.

Jetzt ist ein solches Szenario ein gutes Stück aber näher gerückt. Denn Forschende des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie des Max Delbrück Center (MDC-BIMSB) haben eine Suchmaschine namens ​„Malva“ entwickelt, die solche Aufgaben radikal vereinfacht. Es sei die erste Plattform, die riesige Mengen an Einzelzelldaten allein anhand von Sequenzinformationen sekundenschnell durchforsten könne, sagt Daniel León-Periñán. León-Periñán ist ein Erstautor der Publikation in ​„Nature“ und Doktorand in der Arbeitsgruppe ​„Systembiologie von Gen-regulatorischen Elementen“ von Professor Nikolaus Rajewsky, dem Direktor des MDC-BIMSB. 

„So ähnlich wie Google es vor 30 Jahren für das Internet getan hat, ermöglicht Malva es Wissenschaftler*innen und KI-Tools, innerhalb von Sekunden Informationen zu Millionen von Zellen zu durchsuchen – ohne riesige Dateien herunterladen zu müssen, ohne ein Referenzgenom zu benötigen und ohne dass tiefgreifende Fachkenntnisse in der Datenwissenschaft nötig wären“, fügt Rajewsky, der Letztautor der Studie, hinzu. ​„Malva verwandelt statische Transkriptom-Atlanten in dynamische Ressourcen, die unser Verständnis der RNA-Biologie vertiefen werden. Die Plattform könnte zudem entscheidend dazu beitragen, dass Forschende künftig besser verstehen, wie aus Gesundheit Krankheit wird oder wie und welche Zellen auf bestimmte medizinische Behandlungen reagieren.“

Unvorstellbar viele RNA-Daten

Mithilfe der Einzelzell-RNA-Sequenzierung bekommen Wissenschaftler*innen einen äußerst detaillierten Einblick in die Vorgänge im Inneren einzelner Zellen zu jedem beliebigen Zeitpunkt. In den vergangenen zehn Jahren haben sie so weltweit Terabytes an Daten gesammelt. Wer diese Daten auswerten möchte, um mehr über eine bestimmte DNA- oder RNA-Sequenz zu erfahren, steht allerdings vor zahlreichen Hürden.

Es müssten zum Beispiel unvorstellbare Mengen an Rohdaten heruntergeladen und erneut verarbeitet werden, wozu kein einzelnes Labor die Kapazitäten hat. Zudem müsste man einen Weg finden, Daten aus verschiedenen Quellen zu standardisieren. Darüber hinaus sind aufgrund der Art und Weise, wie die Daten indexiert sind, Informationen über RNA-Isoformen – also verschiedene RNA-Varianten, die von dem gleichen Gen kodiert werden – äußerst begrenzt.

Um die Aufgabe zu vereinfachen und die Bandbreite der Fragen zu erweitern, die sich anhand der Daten beantworten lassen, haben León-Periñán und Dr. Nikos Karaiskos, ebenfalls Erstautor aus der Gruppe von Rajewsky, öffentlich zugängliche Daten aus den Repositorien neu aufbereitet – sodass man sie nun nach bestimmten Nukleotidsequenzen durchsuchen kann. Malva indexiert zudem räumliche Daten und gibt dadurch auch Auskunft darüber, an welcher Stelle in einem Gewebeschnitt sich eine bestimmte RNA befindet.

Die Suchmaschine ist so konzipiert, dass man sie kontinuierlich erweitern kann: Sobald neue Einzelzell-RNA-Daten in der Fachliteratur veröffentlicht sind, werden diese auf einen Server am Max Delbrück Center heruntergeladen, verarbeitet und den vorhandenen Daten hinzugefügt.

Ein breites Anwendungsspektrum

Es gebe unzählige Anwendungsszenarien, sagt Karaiskos. ​„Sie reichen von ganz simplen Fragen wie ​‚In welchem Zelltyp wird dieses spezielle Gen exprimiert?‘ bis hin zu weitaus komplexeren.“ Solch einfache Fragen könne man zwar auch mit anderen Plattformen beantworten, fügt Karaiskos hinzu. ​„Mit ihnen lassen sich jedoch zum Beispiel keine Fragen zur RNA-Biologie klären, da sie RNA-Isoformen als Einheit behandeln und nicht einzeln einem Referenzgen zugeordnen.“ So könne man nicht herausfinden, ob eine bestimmte RNA-Isoform in einem bestimmten Zelltyp exprimiert werde, erklärt der Forscher. ​„Die Flexibilität, in Malva nach RNA-Sequenzen zu suchen, ermöglicht es uns, Fragen anhand dieser Daten zu beantworten, die zuvor unmöglich schienen.“

Da andere Plattformen ihre Daten zudem auf mithilfe eines Referenzgenom abbilden, das aus wenigen menschlichen DNA-Proben zusammengesetzt ist, finden Forschende, die nach Informationen über RNA suchen, die aus seltenen oder einzigartigen Genvarianten entsteht, möglicherweise nicht viel. Malva erlaubt den Zugriff auf einen wesentlich vielfältigeren RNA-Datensatz. Die neue Plattform umfasst außerdem Sequenzinformationen verschiedener Spezies, darunter Bakterien, Viren und Pilze. So können Wissenschaftler*innen untersuchen, wie diese Mikroorganismen menschliche Zellen beeinflussen und Krankheiten verursachen.

Derzeit können alle Forschenden Malva kostenlos nutzen. Rajewsky und sein Team bereiten allerdings die Gründung eines Start-ups vor, um Malva kommerziell verfügbar zu machen. Ein Patent auf die Technologie ist bereits angemeldet.

Text: Gunjan Sinha

Quelle: Pressemitteilung Max Delbrück Center
Eine Suchmaschine für RNA-Moleküle

forschen, produzieren, heilen, bilden / 02.09.2026
Forschung für die Zukunft der Medizin: Vorlesungsreihe „Neue Wege in der Biomedizin“ startet im Oktober

Vorlesung Plastik im Kopf im Zeiss-Großplanetarium. (Foto: privat)
Vorlesung Plastik im Kopf im Zeiss-Großplanetarium. (Foto: privat)

In der Vorlesungsreihe „Neue Wege in der Biomedizin“ geben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Einrichtungen des Campus Berlin-Buch Einblicke in ihre aktuelle Forschung. Die Vorlesungsreihe richtet sich vor allem an Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler, Interessierte sind herzlich willkommen. Die Vorträge finden mit Ausnahme des Termins der Neurowissenschaftlichen Gesellschaft im Zeiss-Großplanetarium statt.

Exzellente Wissenschaft für die Gesundheit
Der Campus Berlin-Buch ist ein moderner Wissenschafts-, Gesundheits- und Biotechnologiepark mit Unternehmen sowie Einrichtungen der Grundlagen- und klinischen Forschung. International genießt der Forschungscampus hohes Ansehen. Maßgebend dafür sind das Max Delbrück Center, das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) sowie das auf klinische Forschung spezialisierte Experimental and Clinical Research Center (ECRC) von Charité und Max Delbrück Center und das Berlin Institute of Health (BIH). Die Einrichtungen arbeiten eng zusammen und verbinden auf einzigartige Weise Grundlagen- und patientenorientierte Forschung. Die Ergebnisse dieser vielfältigen Zusammenarbeit helfen gesunden Menschen, Krankheiten vorzubeugen, sie verbessern zudem Diagnostik und Therapie von Erkrankungen – zunehmend mit marktfähigen Verfahren.

Die Auftaktvorlesung hält am 6. Oktober Prof. Dr. Simon Haas von der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Er spricht zum Thema "Blutstammzellen und Krebs: Wie Einzelzelltechnologien neue Wege zur personalisierten Medizin eröffnen". In den weiteren Vorlesungen geht es unter anderem um Plastik im Kopf und um die Frage Was Kokain mit unserem Gehirn macht – Epigenetische Veränderungen im Belohnungssystem. Die Themenauswahl folgt dem Lehrplan der Berliner Schulen.

Die Vorträge finden außer im November jeweils dienstags von 16 bis 18 Uhr im Kinosaal des Zeiss-Großplanetariums in deutscher Sprache statt. Die Teilnahme ist kostenlos. Um Anmeldung wird gebeten.

Übersicht der Vorträge

Dienstag, 6. Oktober 2026, 16-18 Uhr
Blutstammzellen und Krebs: Wie Einzelzelltechnologien neue Wege zur personalisierten Medizin eröffnen
Prof. Dr. Simon Haas
Charité – Universitätsmedizin Berlin, Max Delbrück Center & Berlin Institute of Health (BIH)
Ort: Zeiss-Großplanetarium, Kinosaal
Prenzlauer Allee 80, 10405 Berlin
Eintritt frei. Anmeldung erforderlich: E-Mail: ticket@planetarium.berlin

Mittwoch, 4. November 2026, 16 bis 18 Uhr
Plastik im Kopf: Nanoplastik findet sich auch in unserem Gehirn. Welchen Einfluss hat das auf die Zellfunktionen unseres Zentralorgans?

Paula Leupold, Florian Bartsch, Georg Braune
Doktoranden Forschungsgruppe Nikolaus Rajewsky, Max Delbrück Center
Ort: Zeiss-Großplanetarium, Prenzlauer Allee 80, 10405 Berlin
Eintritt frei. Anmeldung erforderlich: E-Mail: ticket@planetarium.berlin

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SONDERVERANSTALTUNG

Donnerstag, 5. November 2026, 14:00 -17:30 Uhr
Fortbildungsveranstaltung der Neurowissenschaftlichen Gesellschaft e.V. im Rahmen der
Vorlesungsreihe: Neue Wege in der Biomedizin: Aktuelle Forschungsthemen vom Campus Berlin-Buch

Die Wurzeln chronischer Schmerzen verstehen
Prof. Dr. Gary Lewin
Leiter der Forschungsgruppe Molekulare Physiologie der somatosensorischen Wahrnehmung, Max Delbrück Center

Von der Forschung zur Anwendung: Ein Spin-off gegen neuromuskuläre Leiden
Dr. Ines Lahmann

Wissenschaftlerin im Labor von Prof. Dr. Mina Gouti, Max Delbrück Center, Projektleitung NMJCare Spin-Off Max Delbrück Center, Stammzell-Modellierung der Entwicklung und Erkrankung

Workshop:
Translationale Wissenschaft: Ernährung, Darm, Bluthochdruck. Wie erforscht man das?
PD Dr. Florian Herse

Wissenschaftler, AG Müller/Dechend, Hypertonie bedingte Endorganschäden, ECRC, Charité

Vorab haben Sie um 13:00 Uhr die Möglichkeit das Tierhaus des Max Delbrück Centers im Rahmen einer Führung zu besuchen. Führung ins Tierhaus des Max Delbrück Centers (begrenzte Teilnehmerzahl; Vergabe der Plätze in der Reihenfolge der Anmeldung) Nadja Daberkow-Nitsche, Leiterin Abteilung Tierexperimentelle Serviceleistung, Max Delbrück Center

Ort:
BerlinBioCube, Robert-Rössle-Str. 10, 13125 Berlin

Anmeldung erforderlich:
E-Mail: h.fenz@campusberlinbuch.de

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Dienstag, 1. Dezember 2026, 16-18 Uhr
Was Kokain mit unserem Gehirn macht – Epigenetische Veränderungen im Belohnungssystem
Dr. Christoph Thieme

Forschungsgruppe Epigenetische Regulation und Chromatinstruktur, Max Delbrück Center
Ort: Zeiss-Großplanetarium, Kinosaal
Prenzlauer Allee 80, 10405 Berlin
Eintritt frei. Anmeldung erforderlich: E-Mail: ticket@planetarium.berlin

Dienstag, 5. Januar 2027, 16:00 bis 18:00 Uhr
Ist da Gentechnik drin? Genetisch veränderte Organismen im Tierfutter und auf unserem Teller
Prof. Ralf Einspanier
Professor a.D. für Veterinär-Biochemie an der Freien Universität Berlin (FUB)
Ort: Zeiss-Großplanetarium, Prenzlauer Allee 80, 10405 Berlin
Eintritt frei. Anmeldung erforderlich: E-Mail: ticket@planetarium.berlin

Mehr zur Vortragsreihe und zur Anmeldung unter https://www.glaesernes-labor.de/de/event

 

leben / 02.09.2026
Grundstein für Neubauensemble im WaldhausQuartier gelegt

Foto: Grundstücksgesellschaft Waldhausquartier mbH
Foto: Grundstücksgesellschaft Waldhausquartier mbH

Der Grundstein ist gelegt für das Neubauensemble, das direkt neben dem historischen Waldhaus an der Zepernicker Straße errichtet wird. Am 2. Juli hatten die Bauherren Steffen Goldmann (Goldmann Group) und Dirk Germandi (Profi Partner AG) alle am Projekt beteiligten Partner und Gäste zu dem feierlichen Akt geladen und gemeinsam auf das Projekt geblickt. In vier modernen Neubauten entstehen 195 neue Wohnungen mit insgesamt 10.450 m2 Wohnfläche. 87 der Wohneinheiten sind möblierte Apartments. Außerdem wird es eine Tiefgarage mit 114 Stellplätzen geben. Schon jetzt ist das Projekt zu 90 Prozent an Kapitalanleger verkauft (Preis für eine 77 m2-Wohnung ca. 500.000 Euro).

Von der Lungenheilstätte zum Wohnpark

Das 1904 von Stadtbaurat Ludwig Hoffmann im Stil eines neobarocken Schlosses errichtete Waldhaus soll »zeitnah denkmalgerecht vitalisiert werden«, wie von der Grundstücksgesellschaft WaldhausQuartier mbH zu vernehmen ist. Das Waldhaus diente einst als Lungenheilstätte und zu DDR-Zeiten als Orthopädische Klinik, erweitert durch einige Neubauten (u. a. mit Schwimmbad), die mittlerweile alle abgerissen wurden. Seit 34 Jahren steht das Gebäude nun schon leer – ein lost place. »Mit der denkmalgerechten Sanierung des historischen Waldhauses werden eine Architekturikone und ein einmaliger Standort in eine neue Zeit geführt«, formulierte es Steffen Goldmann von der Goldmann Group, die das Projekt gemeinsam mit der PROFI PARTNER Projektentwicklung GmbH realisiert.

Die Bauarbeiten verlaufen in zwei Bauabschnitten mit je zwei Häusern. Die Fertigstellung des Rohbaus ist Ende 2026 geplant. Die Übergabe der fertigen Wohnungen soll am 1. August 2027 erfolgen –  sofern der Winter mild werde, so die Grundstücksgesellschaft.

Im schlossartigen Altbau entstehen weitere 90 Wohnungen 

Im Altbau entstehen neben Gewerbe weitere 90 Wohnungen. Wer als (gewerblicher) Hauptmieter einzieht, ist noch nicht bekannt. Das historische Pförtnerhaus werde ebenfalls saniert und könnte sich beispielsweise als Verwaltungsgebäude für das Facility Management eignen. Die historische Parkanlage wird erhalten, alte Wege und ein Waldspielplatz entstehen neu.

Die beiden Projektentwickler Steffen Goldmann und Dirk Germandi haben bereits viel Erfahrung mit der Sanierung von Denkmälern gesammelt – auch in Berlin-Buch. So bauten sie z. B. im Ludwig Hoffmann Quartier ehemalige Klinikgebäude zu Wohnhäusern mit 338 Wohnungen um. Mit der gleichen Kombination aus Sachkenntnis und Fingerspitzengefühl wollen sie sich dem WaldhausQuartier widmen. Sie bezeichnen den Standort als spektakulär und freuen sich, ein prachtvolles, dem Verfall preisgegebenes Bauwerk aus der Kaiserzeit zu neuem Leben zu verhelfen. Die vier Neubauten seien bewusst nicht höher als das Denkmal gehalten und sollen sich so mit ihrer Klinkerfassade in die umliegende Gartenanlage gut einpassen.

Die Neubauten entstehen im Effizienzhaus-40-Standard. Sie verbrauchen lediglich 40 Prozent der Primärenergie des Referenzgebäudes. Die Außenwände bestehen aus Ziegeln, mit ihnen sollen etwa 700 t CO2 eingespart werden. Dächer, die sich für Photovoltaik eignen, werden entsprechende Anlagen erhalten. Beheizt werden die Gebäude mit zwei Luft-Wärmepumpen, die ebenfalls mit Strom aus den Photovoltaikanlagen betrieben werden. (Infos: www.profi-partner.de)

Landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge errichtet 130 Wohnungen auf dem Areal

Doch nicht nur Goldmann und Germandi bauen hier neue Wohnungen. Auch das städtische Wohnungsunternehmen Howoge ist angetreten, 130 Wohnungen, insbesondere Familienwohnungen, zu errichten. Wie die stellvertretende Pressesprecherin Annemarie Rosenfeld gegenüber »BB« erklärt, befinde sich das Projekt planmäßig in der Phase der Bauvorbereitung. Aktuell haben die Abrissarbeiten auf dem Gelände sowie die Sanierung des Bestandsfledermauskellers begonnen. Der Wohnungsbaustart habe sich verschoben, weil im Rahmen des Planungs- und Genehmigungsprozesses umfangreiche Verträglichkeitsstudien mit Blick auf das direkt angrenzende Flora-Fauna-Habitat-Gebiet durchgeführt werden mussten. »Die gesamte Planung wurde so optimiert, dass sie den Anforderungen des Natur- und Artenschutzes gerecht wird«.

Baustart ist voraussichtlich im Dezember 2026, die Fertigstellung wird im Oktober 2028 angepeilt.             

Text: Kristiane Spitz         

Dieser Artikel erschien zuerst in der September-Ausgabe des Bucher Boten 2026. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Bucher Boten.

Foto: Grundsteinlegung mit (v.l.) Pankows Baustadtrat Cornelius Bechtler, Baumamtsleiter Klaus Risken, Bauherr Steffen Goldmann, Kerstin Lindstädt, der Leiterin der Unteren Denkmalpflege von Pankow sowie Bauher Dirk Germandi
(Foto: Grundstücksgesellschaft Waldhausquartier mbH)

forschen, heilen / 01.09.2026
„Deutsches Lungenzentrum Charité-ELK“ wird zu einer der bedeutendsten Einrichtungen Europas

Unterzeichnung Kooperationsvertrag: Prof. Kroemer und Cathleen Biesen. © Johannesstift Diakonie
Unterzeichnung Kooperationsvertrag: Prof. Kroemer und Cathleen Biesen. © Johannesstift Diakonie

Gemeinsame Pressemitteilung von Charité und Evangelischer Lungenklinik

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin und die Evangelische Lungenklinik gründen zum 1. September das „Deutsche Lungenzentrum Charité-ELK“ (DLZC-ELK). Das neue Zentrum ist ein standortübergreifender Verbund, der neue Maßstäbe in der Lungenmedizin setzen wird. Ziel ist es, insbesondere Menschen mit schweren, seltenen und komplexen Lungenerkrankungen frühzeitiger, präziser und nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu diagnostizieren und zu behandeln.

Die enge Verknüpfung von universitärer Spitzenmedizin mit hochspezialisierter pneumologischer und thoraxchirurgischer Versorgung ermöglicht eine Kombination aus Forschung, klinischer Exzellenz und interdisziplinärer Expertise. Das neue Zentrum vereint international führende Kompetenzen in allen Bereichen der Lungenerkrankungen – von thorakaler Onkologie und Palliativmedizin über Thoraxchirurgie bis hin zur pneumologischen Intensiv- und Beatmungsmedizin einschließlich der Beatmungsentwöhnung, Frührehabilitation und Schlafmedizin. Das Zentrum bietet für die Patient:innen standardisierte Behandlungspfade, gemeinsame multidisziplinäre Fallkonferenzen sowie eng abgestimmte Prozesse, die für eine nahtlose Versorgung über alle Standorte hinweg sorgen.

Als eine der größten Universitätskliniken Europas bringt die Charité ihre herausragende Forschungsinfrastruktur, klinische Expertise und Lehrkompetenz in die Kooperation ein. Die Evangelische Lungenklinik ergänzt den Verbund als spezialisiertes, als erstes in Berlin anerkanntes GBA-Lungenzentrum mit umfassender Erfahrung in Pneumologie, Thoraxchirurgie, Beatmungs- und Schlafmedizin sowie interdisziplinärer Intensivmedizin. 

Auch in Forschung und Lehre setzt das DLZC-ELK neue Impulse: Gemeinsame Studien, innovative Therapieansätze sowie standortübergreifende Aus- und Weiterbildungskonzepte stärken die internationale Sichtbarkeit und sichern die medizinische Versorgung von morgen. Gesteuert wird der Verbund durch ein gemeinsames Management bei organisatorischer Eigenständigkeit beider Partner. Damit leistet das DLZC-ELK zugleich einen zentralen Beitrag zur Weiterentwicklung der Krankenhausversorgung in Berlin und Brandenburg.

„Mit dem Deutschen Lungenzentrum Charité-ELK bündeln wir universitäre Spitzenmedizin und spezialisierte Versorgung auf höchstem Niveau. Für unsere Patientinnen und Patienten bedeutet das eine individuellere, schnellere und wissenschaftlich fundierte Behandlung – insbesondere bei seltenen und komplexen Erkrankungen“, erklärt Prof. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité.

Cathleen Biesen, Geschäftsführerin der Evangelischen Lungenklinik , ergänzt: „Gemeinsam schaffen wir einen der führenden Verbünde für Lungenmedizin in Europa. Für die Menschen in Deutschland entstehen dadurch deutlich besser koordinierte und hochspezialisierte Versorgungsstrukturen.“
 

Charité – Universitätsmedizin Berlin
Die Charité gehört mit mehr als 100 Kliniken und Instituten an 4 Campi sowie 3.293 Betten zu den größten Universitätskliniken Europas. Forschung, Lehre und Krankenversorgung sind miteinander vernetzt und ergänzen sich. Im Jahr 2025 konnten 147.997 voll- und teilstationäre Fälle sowie 853.377 ambulante Fälle versorgt werden. https://www.charite.de/

Evangelische Lungenklinik
Die Evangelische Lungenklinik ist ein umfassend zertifiziertes Fachkrankenhaus für Pneumologie/Beatmungsmedizin und Thoraxchirurgie im Verbund der Johannesstift Diakonie gAG in Berlin-Buch. Sie verfügt über eine besondere Expertise in der Pneumologie, Thoraxchirurgie, Beatmungsmedizin-Weaning, Schlafmedizin sowie interdisziplinäre Intensivmedizin. Jährlich werden rund 7.000 stationäre und etwa 45.000 ambulante Patient:innen in unserer Klinik und dem MVZ behandelt. Die Evangelische Lungenklinik ist Lungenzentrum nach G-BA-Richtlinien und im ambulanten und stationären Sektor eigenverantwortlich überregional tätig. https://www.johannesstift-diakonie.de/medizinische-versorgung/evangelische-lungenklinik

forschen, produzieren, heilen, bilden / 21.08.2026
„Am coolsten ist das Vortexen“

Foto: Gläsernes Labor
Foto: Gläsernes Labor

Eine Woche, zwei Themen, viele Eindrücke: 25 Jugendliche tauchen im Gläsernen Labor tiefer in die Forschung zu seltenen Erkrankungen und Immunologie ein – etwa indem sie ihre eigenen Gene analysieren.

Stella schaut konzentriert auf das Reaktionsgefäß in ihrer Hand. Das hochgewachsene Mädchen steht an einer Laborbank des Gläsernen Labors auf dem Campus Buch. Das letzte Experiment der Gruppe ​„Seltene Erkrankungen“ in der Projektwoche des Gläsernen Labors läuft. Die 25 Jugendlichen im Alter von 13 bis 19 Jahren, die meisten aus Berlin und einige aus der Brandenburger Umgebung, wollen herausfinden, wie stark verdünnt eine Probe sein kann, damit ein PCR-Test noch Ergebnisse liefert. Die Konzentration in der Gruppe ist spürbar: Damit das Experiment klappt, müssen sie exakt und sicher pipettieren. Spaß macht es aber auch. ​„Das Vortexen eben war definitiv das Coolste in dieser Woche“, sagt Stella und wirft ihren langen blonden Pferdeschwanz lachend über die Schulter. Bei dieser Technik drückt man Proben auf einen elektrischen Rüttler bzw. Vortexmischer, der das Gefäß in schnelle Schwingungen versetzt. Das stellt sicher, dass sich die Bestandteile der Flüssigkeit gut mischen.

Diese Projektwoche ist etwas Besonderes, denn im Unterschied zum üblichen Kursprogramm des Gläsernen Labors findet sie nicht als Teil des Unterrichts während der Schulzeit statt, sondern in den Sommerferien. ​„Die Jugendlichen melden sich aus eigenem Interesse an, das ergibt eine ganz andere Dynamik“, sagt Diplom-Biotechnologin Ulrike Mittmann. Die Wissenschaftlerin betreut das Thema Molekularbiologie am Gläsernen Labor. Die Themen der Projektwoche, seltene Erkrankungen und Immunologie, sind auch Schwerpunkte des Deutschen Zentrums für Kinder- und Jugendgesundheit (DZKJ), das die Projektwoche gemeinsam mit dem Gläsernen Labor und dem Max Delbrück Center im Jahr 2025 ins Leben gerufen und konzipiert hat. ​„Uns ist wichtig, dass junge Menschen den Forschungsalltag kennenlernen und verstehen, was konkret unternommen wird, um die Forschung für mehr Kindergesundheit voranzubringen“, sagt Dr. Nancy Freitag, wissenschaftliche Projektmanagerin beim DZKJ. 

Zu Besuch im Forschungslabor

Der letzte Tag der Projektwoche geht mit viel Energie und mit einer gehörigen Portion wissenschaftlichem Input auf die Zielgerade. Stella und die anderen Jugendlichen haben in den vergangenen Tagen Grundlagen für die aktuelle Forschung gelernt und angewendet. Nun erfahren sie, wie dieses Wissen im Forschungsalltag angewendet wird. Dr. Kerstin Fentker, Postdoktorandin in der Forschungsgruppe Proteomik am Max Delbrück Center, stellte ihre vom DZKJ geförderte Arbeit zur Zystischen Fibrose vor, die wie viele seltene Krankheiten bereits im Kindes- und Jugendalter beginnt. Etwa drei bis fünf von 10.000 Kindern erkranken daran. ​„Ursache ist ein Gendefekt, der einen Ionenkanal auf der Zelloberfläche beeinträchtigt. Dadurch gerät der Salz-Wasser-Haushalt aus dem Gleichgewicht, zu wenig Wasser gelangt auf die Schleimhautoberfläche und in der Lunge bildet sich zäher Schleim“, erklärt die Forscherin. In diesem sogenannten Mukus vermehren sich Bakterien, immer wieder entstehen Infektionen und Entzündungen. Kerstin Fentker hat untersucht, wie zwei bestimmte Medikamente diese Prozesse beeinflussen. Ihre Ergebnisse können genutzt werden, um die Behandlung weiter zu verbessern und jungen Patientinnen und Patienten langfristig zu helfen.

Die Jugendlichen erfahren aber auch, welche Hürden es im Forschungsalltag geben kann. ​„Blutproben, die wir von kooperierenden Kliniken bekommen, können sich in ihrer Qualität erheblich unterscheiden. Wir merken sofort, wenn es größere Unterschiede bei der Verarbeitung der Proben gab“, sagt die Doktorandin Pauline Fahjen im anschließenden Gespräch mit den Jugendlichen. Bei großen Probenzahlen lassen sich solche technischen Unterschiede statistisch herausrechnen. Manchmal müssen Proben jedoch von der weiteren Analyse ausgeschlossen werden, wenn die Qualität zu schlecht ist. ​„Gerade bei Proben von Herzgewebe oder von seltenen Tumoren tut das richtig weh“, sagen die Forscherinnen. 

Erbgut analysieren

Stella findet solche Einblicke und die vielen neuen Erkenntnisse ​„insgesamt sehr cool“. Die Schülerin, die für jeden Projekttag eigens aus Eberswalde in Brandenburg angereist ist, hat sich für das Thema seltene Erkrankungen entschieden, weil sie es wichtig findet, dass kranken Kindern auch dann geholfen wird, wenn nur wenige Menschen von ihrer Erkrankung betroffen sind. ​„Besonders gut gefällt mir, dass man die Themen richtig vertiefen und immer wieder nachfragen konnte“, sagt Stella. Spannend war für sie außerdem, dass auch ​„Wissen drumherum“ vermittelt wurde: zum Beispiel, wer die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) erfunden hat und wie sie weiterentwickelt wurde. 

Die PCR ist eine wichtige Technik zur Analyse des Erbguts, deren Anwendung die Jugendlichen bei der Projektwoche erlernt und selbst mehrfach angewendet haben. Auch für Valentina, Elftklässlerin in einem Berliner Gymnasium, war die PCR eines der Highlights: ​„Es war toll, eine Technik zu erlernen und selbst einzusetzen, von der wir vorher im Unterricht nur theoretisch gehört haben. Gut gefiel mir auch, das eigene Genom zu analysieren“, sagt sie. Valentina stieß im Internet auf das Sommerferien-Angebot des Gläsernen Labors. Um drohender Langeweile in der schulfreien Zeit zu entgehen, hatte sie gezielt nach ​„etwas mit Biologie und Chemie“ gesucht. 

Das Profil der Projektwochen weiter schärfen

Zum Abschluss der Projektwoche stellen die Gruppen ​„Seltene Erkrankungen“ und ​„Immunologie“ einander ihre Ergebnisse vor. Auch das Programm rund um die körpereigene Abwehr war vielseitig: Die Jugendlichen besuchten die Forschungsgruppe ​„Molekulare Genetik allergischer Erkrankungen“ am Max Delbrück Center, bestimmten ihre eigene Blutgruppe, analysierten weiße Blutkörperchen, wiesen das Erbgut von Erdnüssen in verschiedenen Produkten nach und testeten sich auf bestimmte Allergien. 

Als Ulrike Mittmann in die Runde fragt: ​„Hättet ihr gerne einen Tag länger gehabt?“, erschallt ein einstimmiges ​„Ja!“ ​„Mehr Zeit wäre besser“, findet auch die Wissenschaftlerin vom Gläsernen Labor. ​„Spannende Diskussionen musste ich bremsen, damit wir fertig werden und wenigstens eine kleine Pause zwischendurch machen konnten“, sagt sie. Im Mai 2027 finden Feedbackgespräche mit dem DZKJ statt, bei denen das Profil der Projektwochen weiter geschärft werden soll. Das Zentrum wird die Projektwochen für zunächst weitere fünf Jahre mitgestalten und finanzieren. ​„Wir wünschen uns für diese Phase, dass es auch Angebote für Betroffene und deren Familien geben wird“, sagt Nancy Freitag vom DZKJ. Auch Stella hat Lust auf mehr: Sie ist entschlossen, in den nächsten Sommerferien wieder eine Projektwoche mitzumachen.

Text: Wiebke Peters

Quelle: Gläsernes Labor
„Am coolsten ist das Vortexen“

glaesernes-labor.de

forschen / 18.08.2026
Kirstin Bodensiek ist Administrative Vorständin des Max Delbrück Center

Kirstin Bodensiek, Administrative Vorständin des Max Delbrück Center  © Pablo Castagnola, Max Delbrück Center
Kirstin Bodensiek, Administrative Vorständin des Max Delbrück Center © Pablo Castagnola, Max Delbrück Center

Das Max Delbrück Center hat eine neue Administrative Vorständin: Kirstin Bodensiek trat das Amt am 15. August 2026 an. Zuvor hatte sie diese Position kommissarisch inne. 

Nach einer erfolgreichen Übergangszeit ist Kirstin Bodensiek seit dem 15. August 2026 offiziell die Administrative Vorständin des Max Delbrück Center. Sie folgt auf Professorin Heike Graßmann, die am 1. Februar 2025 zur Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus in Sachsen ernannt worden war.

„Wissenschaftliche und administrative Verantwortung sind keine getrennten Welten. Beide dienen dem Erfolg des Zentrums. Umso mehr freue ich mich, das Max Delbrück Center weiterhin gemeinsam mit Kirstin Bodensiek zu führen. Ich schätze ihre Perspektive und ihren Einsatz, das Max Delbrück Center zukunftsfähig zu machen, sehr“, sagt Professorin Maike Sander, Wissenschaftliche Vorständin des Max Delbrück Center. 

„Für meine Entscheidung, die Aufgabe der Administrativen Vorständin dauerhaft zu übernehmen, war der Teamgeist ganz wesentlich, den ich in der Zusammenarbeit mit Maike Sander erlebe. Wir denken unser Zentrum als Ganzes und suchen über Zuständigkeiten und Strukturen hinweg gemeinsam nach den besten Lösungen“, sagt Kirstin Bodensiek. „Außerdem haben mich die Abteilungsleitungen von Anfang an uneingeschränkt unterstützt. Das war nicht selbstverständlich.“ 

Jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin am Max Delbrück Center arbeite letztlich daran mit, die Gesundheit aller zu verbessern. „Das ist ein lohnendes Ziel – und ich habe den Eindruck, dass ich meinen Beitrag leisten kann“, sagt Kirstin Bodensiek. „Ich möchte Menschen dabei unterstützen, Verantwortung zu übernehmen. Dazu gehört ein intensiver Austausch mit Kolleg*innen aus allen Bereichen. Das finde ich besonders wertvoll.“

Über Kirstin Bodensiek 

Kirstin Bodensiek hat Rechtwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie Europarecht an der Rijks Universiteit Leiden studiert und 2001 mit der zweiten juristischen Staatsprüfung abgeschlossen. Ab 2002 arbeitete sie in verschiedenen Positionen bei der Deutschen Verkehrs-Assekuranz-Vermittlungs GmbH in Bad Homburg, einem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn AG. Im Juli 2018 folgte die Zulassung als Rechtsanwältin. 

Am Max Delbrück Center übernahm Kirstin Bodensiek Schritt für Schritt mehr Verantwortung: Von Oktober 2018 bis Januar 2025 leitete sie die Rechtsabteilung und war Stellvertreterin der Administrativen Vorständin, Professorin Heike Graßmann. Als Graßmann zur Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus in Sachsen ernannt worden war, hatte Kirstin Bodensiek dieses Amt zunächst kommissarisch inne. Nach der erfolgreichen Übergangzeit ist sie seit dem 15. August 2026 offiziell Administrative Vorständin des Max Delbrück Center.

Neben ihrer Tätigkeit am Max Delbrück Center koordiniert Kirstin Bodensiek seit April den Arbeitskreis Kaufmännische Informationsverarbeitung der Helmholtz-Gemeinschaft. Sie engagiert sich außerdem im Genshagener Kreis, als Vorsitzende des Verbandsgerichts beim Volleyballverband Berlin und als Volunteer bei Sportveranstaltungen wie den Special Olympics.

Weiterführende Informationen

Webseite des Max Delbrück Center
Strategie 2030 des Max Delbrück Center

Heike Graßmann wird Staatssekretärin in Sachsen


Das Max Delbrück Center

Das Max Delbrück Center für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft legt mit seinen Entdeckungen den Grundstein für die Medizin von morgen. An unseren Standorten in Berlin-Buch, Berlin-Mitte, Heidelberg und Mannheim erforschen interdisziplinäre Teams die Komplexität von Krankheiten auf Systemebene – von Molekülen und Zellen bis hin zu Organen und dem gesamten Organismus. Gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft, Klinik und Industrie sowie in internationalen Netzwerken entwickeln wir innovative Ansätze für die Früherkennung, personalisierte Therapien und Prävention von Krankheiten. Das 1992 gegründete Max Delbrück Center bietet rund 1.800 Mitarbeitenden aus mehr als 70 Ländern ein vielfältiges, dynamisches und inspirierendes Arbeitsumfeld. Wir werden zu 90 Prozent durch den Bund und zu 10 Prozent durch das Land Berlin finanziert.

produzieren / 13.08.2026
Eckert & Ziegler im ersten Halbjahr 2026 auf Kurs

2. Quartal 2026:

  • Umsatz: 76,4 Mio. € (VJ: 80,6 Mio. €)
  • EBIT vor Sondereinflüssen: 17,4 Mio. € (VJ: 19,2 Mio. €)
  • Nettogewinn: 12,1 Mio. € (VJ: 11,8 Mio. €)

1. Halbjahr 2026:

  • Umsatz: 149,3 Mio. € (VJ: 148,8 Mio. €)
  • EBIT vor Sondereinflüssen: 33,3 Mio. € (VJ: 35,4 Mio. €)
  • Nettogewinn: 22,4 Mio. € (VJ: 21,4 Mio. €)

Jahresprognose 2026:

  • Umsatz von rund 320 Mio. € (bestätigt)
  • EBIT vor Sondereinflüssen von rund 80 Mio. € (bestätigt)


Berlin, 13. August 2026. Die Eckert & Ziegler SE (ISIN DE0005659700, TecDAX) erzielte im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatz von 149,3 Mio. €. Das bereinigte EBIT der Gruppe sank um knapp 6% auf 33,3 Mio. €. Dagegen erhöhte sich das bereinigte EBIT im Segment Medical um rund 7% auf 24,9 Mio. €. Der Nettogewinn stieg um rund 5% zu und erreichte 22,4 Mio. € oder 0,36 € pro Aktie.

Bereinigt um die außerordentlichen Lizenzeinnahmen im Vorjahreszeitraum stieg der Konzernumsatz um 4% und das Ergebnis sogar um 9%. In 2026 wurden noch keine Umsätze aus dem Lizenzgeschäft realisiert.

Die Umsätze im Segment Medical lagen im ersten Halbjahr mit 80,9 Mio. € leicht über dem Niveau des Vorjahres (80,5 Mio. €). Nach wie vor bleibt das Geschäft mit pharmazeutischen Radioisotopen der wichtigste Umsatzbringer. Das Segment Isotope Products erzielte mit 68,5 Mio. € einen im Vorjahresvergleich nahezu gleichbleibenden Umsatz.


Für das laufende Geschäftsjahr 2026 bestätigt der Vorstand seine am 26. März 2026 veröffentlichte Gewinnprognose mit einem Umsatz von rund 320 Mio. € und einem bereinigtem EBIT von rund
80 Mio. €.

Den vollständigen Quartalsbericht finden Sie hier: https://www.ezag.com/Q22026de
 

leben, heilen / 12.08.2026
Gynäkologie und Geburtshilfe am Helios Klinikum Berlin-Buch wächst: Neue Räumlichkeiten und ein neuer Chefarzt stärken den Standort

Werdenden Müttern stehen künftig noch modernere Infrastruktur und mehr Komfort zur Verfügung. (Foto: Pedro Becerra/Helios Kliniken)
Werdenden Müttern stehen künftig noch modernere Infrastruktur und mehr Komfort zur Verfügung. (Foto: Pedro Becerra/Helios Kliniken)

Die Gynäkologie und Geburtshilfe am Helios Klinikum Berlin-Buch wächst weiter. Nach der Fertigstellung des Erweiterungsbaus ergänzen zukünftig neue Räumlichkeiten das Angebot für werdende Eltern. Zudem können zwei zusätzliche Kreißsäle im Hauptgebäude eingerichtet werden, sodass in Zukunft sechs Kreißsäle zur Verfügung stehen. Darüber hinaus wird Dr. med. Sebastian Hentsch zum 01. Oktober 2026 die Position als Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe antreten. Mit diesen Neuerungen baut der Standort weiter seine Versorgung von Patient:innen und werdenden Müttern aus. 

Mit der Fertigstellung des Erweiterungsbaus am Helios Klinikum Berlin-Buch im April 2026 stehen werdenden Müttern zukünftig noch modernere Infrastruktur und mehr Komfort in weiteren Räumlichkeiten zur Verfügung. Der lichtdurchflutete Anbau bietet Platz für den erweiterten Kreißsaalbereich mit neuen Vorwehenzimmern. Diese sind ein großer Zugewinn für die schwangeren Patientinnen und bieten zusätzlich auch Platz für deren Partner:innen. So können Patientinnen in der frühen Geburtsphase stationär aufgenommen werden und sich Paare gemeinsam auf die Geburt vorbereiten. In Zukunft wird das Klinikum insgesamt 6 Kreißsäle zur Verfügung haben, da aktuell noch zwei weitere gebaut werden. Die Einrichtung und die Ausstattung der Kreißsäle, wie beispielsweise Gebärhocker, Seil/Tuch, Pezziball, Entspannungsbadewanne, multifunktionales Kreißbett oder der Gebärwanne bieten modernen Komfort. 

Das Team der Geburtshilfe betreut im Schnitt rund 2700 Geburten im Jahr. Als Perinatalzentrum höchster Versorgungsstufe (Level 1) bietet die Geburtshilfe im Helios Klinikum Berlin-Buch maximale Versorgungskompetenz. Alle entscheidenden Fachbereiche wie Pränatalmedizin, Geburtshilfe mit eigenem OP, Neonatologie mit Intensivstation, Kinderklinik und Kinderchirurgie sind räumlich direkt miteinander verbunden. Diese enge Verzahnung ermöglicht schnelle Entscheidungen, kurze Wege und eine besonders sichere Versorgung von Mutter und Kind auch in komplexen Situationen, wie Risikoschwangerschaften, Mehrlingsgeburten und Frühgeborene.

Mit dieser Maßnahme reagiert das Klinikum auf die Nachfrage für Geburten. Im Helios Klinikum Berlin-Buch werden werdende Eltern von einem erfahrenen Team in einem sicheren Raum von Anfang vertrauensvoll, sicher und rund um die Uhr begleitet. Mit den vielfältigen Angeboten und den erweiterten Räumlichkeiten bietet das Team der Geburtshilfe die bestmögliche Unterstützung und einen neuen Komfort. A

lle Schwangeren können sich unter schwangerenberatung-berlin@helios-gesundheit.de per E-Mail melden. Interessierte werdende Eltern können das Team der Geburtshilfe und die Räumlichkeiten bei einem der regelmäßigen Infoabende für werdende Eltern vor Ort im Klinikum kennenlernen. Diese finden jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat um 17:30 Uhr im Helios Klinikum Berlin-Buch statt. Die nächsten Termine finden sich auf der Veranstaltungsseite des Klinikums. 

Neuer Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe

Zusätzlich steht im Fachbereich eine weitere Veränderung an: Dr. med. Sebastian Hentsch wird zum 01. Oktober 2026 die Chefärztliche Leitung der beiden Fachbereiche Gynäkologie und Geburtshilfe am Helios Klinikum Berlin-Buch von den kommissarischen Leitungen Dr. med. Christine Mau (Gynäkologie) und Dr. med. Annette Isbruch (Geburtshilfe) übernehmen. Der erfahrene Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie für Gynäkologische Onkologie ist zusätzlich auf die Bereiche Endometriose und Urogynäkologie spezialisiert. Zuletzt war Dr. med. Hentsch als Oberarzt an der Universitätsfrauenklinik in Düsseldorf tätig. In Buch betreut er zukünftig zwei große, modern ausgerichtete Fachbereiche mit kompetenten sowie erfahrenen Teams, die Patientinnen und werdende Mütter medizinisch auf höchstem Niveau betreuen. 

„Ich freue mich, unsere Patientinnen gemeinsam mit meinen Kolleg:innen vertrauensvoll und professionell zu betreuen. Sowohl die Gynäkologie als auch die Geburtshilfe sind für Frauen wichtige Anlaufpunkte, wenn es um sensible und emotionale Themen wie die gynäkologische Gesundheit, Familienplanung und Geburt geht. Ich bin mir der Verantwortung, die meine Teams und ich dahingehend tragen, überaus bewusst und trete meinen neuen Posten mit großer Motivation an“, äußert sich Dr. med. Hentsch.

Das Helios Klinikum Berlin-Buch und das Team der Gynäkologie und Geburtshilfe freuen sich auf die Zusammenarbeit mit Dr. med. Sebastian Hentsch. Mit beiden Maßnahmen erweitert der Standort das medizinische Angebot für Patient:innen und werdende Mütter.

leben / 12.08.2026
„Kommunaler Wärmeplan. Pankow im Blick" – Veranstaltung am 27. August 2026 in der Kulturmarkthalle Prenzlauer Berg

„Kommunaler Wärmeplan. Pankow im Blick" – Veranstaltung am 27. August 2026 in der Kulturmarkthalle Prenzlauer Berg

Die Leitstelle Klimaschutz des Bezirksamtes Pankow lädt Interessierte zur Veranstaltung „Kommunaler Wärmeplan. Pankow im Blick" am Donnerstag, dem 27. August 2026 von 18:00 bis 21:00 Uhr in der Kulturmarkthalle Prenzlauer Berg, Hanns-Eisler Straße 93, 10409 Berlin. Die Teilnahme ist kostenlos, um Anmeldung bis zum 25. August bei kurzlinks.de/pankowimblick wird gebeten.

Ziel der Veranstaltung ist es, über die Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung zu informieren und konkrete Handlungsmöglichkeiten sowie Beratungs- und Förderangebote aufzuzeigen. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem, der Pankower Bevölkerung niedrigschwellig Informationen zu ihrem Wohnort zu vermitteln und aufzuzeigen, welche Schritte nun folgen sollten, damit die Wärmewende erfolgreich vorangebracht wird.

Wärmewende als zentraler Hebel für den Klimaschutz

Etwa die Hälfte der Treibhausgasemissionen in Pankow entsteht durch die Wärmeversorgung. Damit ist die Wärmewende der zentrale Hebel für mehr Klimaschutz im Bezirk. Mit der kommunalen Wärmeplanung legt das Land Berlin nun erstmals fest, welche Versorgungsstrukturen für einzelne Gebiete und Gebäude zukünftig vorgesehen sind.

Doch was bedeutet das konkret für den eigenen Kiez, das eigene Zuhause? Liegt das eigene Gebäude in einem Wärmenetzerweiterungsgebiet, einem Prüfgebiet oder einem Gebiet mit dezentraler Versorgung? Und welche Möglichkeiten haben Eigentümer:innen oder Mieter:innen, jetzt aktiv zu werden? Bei der Informationsveranstaltung gibt es verständliche Antworten auf genau diese Fragen.

Programm mit Fachvorträgen, Praxisbeispielen und Thementischen

Nach der Begrüßung durch Bezirksbürgermeisterin Dr. Cordelia Koch stellt die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU) die Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung mit Fokus auf Pankow vor. Im Anschluss informieren Beschäftigte des Bezirksamtes über Beratungs- und Fördermöglichkeiten, während lokale Praxisprojekte Einblicke in bereits umgesetzte Maßnahmen geben.

Anschließend steht ausreichend Zeit für persönliche Fragen und Vernetzung zur Verfügung: An Thementischen beantworten Expert:innen individuelle Fragen rund um Handlungsoptionen, Förderprogramme und die eigene Wärmeversorgung. Ergänzend bietet eine Ausstellung mit Stellwänden bereits beim Ankommen erste Informationen zu Gebietskulissen, Karten und den nächsten Schritten.

Kontaktdaten:

Leitstelle Klimaschutz

klimaschutz@ba-pankow.berlin.de

https://www.berlin.de/ba-pankow/klima

forschen, produzieren, heilen / 01.08.2026
Wie neue Immuntherapien in die Klinik kommen

Eine neue CAR-T-Zell-Therapie von den ersten Erfolgen im Labor zu schwerkranken Krebspatient*innen zu bringen, ist alles andere als trivial. Welche Hürden auf diesem Weg zu überwinden sind und warum es in den USA oft schneller geht, beleuchtet ein Tagesspiegel-Podcast u.a. mit Armin Rehm.

Das zweistündige Expert*innengespräch mit Krebsforscher Dr. Armin Rehm vom Max Delbrück Center, Professor Lars Bullinger, Leiter der Tumorimmunologie der Charité, sowie Dr. Anne Kerber, als Senior Vice President Leiterin der Abteilung Entwicklung für den Bereich Hämatologie, Onkologie und Zelltherapie beim US-amerikanischen Pharmaunternehmen Bristol Myers-Squibb, ist der Abschluss der Serie ​„Live aus der Krebsforschung: Wie aus Ideen heilsame Therapien werden“. 

Die zwölfteilige Serie ist ein Gemeinschaftsprojekt des Ressorts Gesundheit & Wissenschaft des Tagesspiegels (Sascha Karberg und Alexander Schlichter) und der Medizinischen Klinik für Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin (Lars Bullinger) und wurde als ​„science x media Tandem“ von der Stiftung Charité gefördert.

Die Journalisten erzählen am Beispiel neuer Immuntherapien gegen Krebs, die in Berlin an der Charité und am Max Delbrück Center entwickelt werden, wie aus einer Idee im Labor schließlich eine neue Behandlung in der Klinik werden kann. Und sie zeigen die unterschiedlichen Perspektiven: die Mühe im Labor, die die Grundlagen schafft, die Motivation der Ärzt*innen, die Hoffnung der Patient*innen, das System, das die Regeln bis zur Zulassung vorgibt. 

Quelle: Aktuelles Max Delbrück Center
Wie neue Immuntherapien in die Klinik kommen

bilden / 24.07.2026
Schule fürs Leben

In der mobilen Bauwerkstatt der Hufeland_Schule bauen Schüler:innen Möbel für den Aussenbereich. In der Bildmitte: Dr. Mehrländer (Foto: Florian Göricke / Hufeland-Schule)
In der mobilen Bauwerkstatt der Hufeland_Schule bauen Schüler:innen Möbel für den Aussenbereich. In der Bildmitte: Dr. Mehrländer (Foto: Florian Göricke / Hufeland-Schule)

Frau Dr. Mehrländer, was hat Sie an Ihrer neuen Aufgabe gereizt, die Hufeland-Schule zu leiten?

Pankow ist der wachsende Berliner Bezirk, der in den nächsten zehn Jahren die meiste demographische Veränderung erfahren wird. Und gerade hier in Buch werden viele Leute eine neue Heimat finden. Die Hufeland-Schule würde gerne im Ort wachsen.
Neben dem Wachstum nach außen sehe ich großes Potenzial darin, den Ganztagsbetrieb unserer Schule noch besser auszugestalten. Wir wollen noch mehr Angebote entwickeln, Lernen und Entspannung in der Stundentafel besser verknüpfen und einen qualitativ ansprechenden Zeitraum an betreutem Erwachsenwerden gewährleisten. Welche Schulform im wachsenden Ortsteil künftig gefordert ist, lässt sich jetzt noch nicht abschätzen. Daher möchte ich die Hufeland-Schule in der jetzigen Form attraktiv aufstellen, als Mittelschule bis Klasse 10. Dank unserer Verträge mit Oberstufenzentren können alle Kinder mit geeignetem Mittleren Schulabschluss, MSA,zum Abitur dorthin wechseln.

Wie viele Jugendliche erreichen diesen geeigneten MSA?

Es sind knapp über 50 Prozent. Allerdings gehen die meisten nicht in die höhere Bildung. Im Vordergrund stehen Ausbildung, Jobs und Geld-Verdienen. Die Gründe, warum das Abitur selten angestrebt wird, kann ich noch nicht richtig einschätzen. Der Übergang in die Berufswelt ist in unserer Schule schon gut angelegt: Es kommt zweimal pro Woche eine Mitarbeiterin von der Jugendberufsagentur ins Haus, und zusätzlich haben wir jemanden, der täglich für alle Fragen von Bewerbungen, Praktika und beruflichen Perspektiven zur Verfügung steht. Künftig werden wir an unserer
Schule eine Jobmesse etablieren. Dabei wird es darum gehen, dass sich die Schüler:innen über Berufe informieren, Kontakt für Praktika knüpfen und Alumni von ihren Erfahrungen berichten. Wir wollen lokale Firmen einbinden, die Auszubildende suchen und hier erste Gespräche anbahnen können. Mein Ziel wäre, dass pro Jahr etwa 20 Absolvent:innen unserer Schule in der Region unterkommen. Wir planen, dafür eine Datenbank aufzubauen, aus der ersichtlich ist, welche Betriebe ausbilden und Nachwuchs suchen. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass die Betriebe uns auch ein Feedback über unsere Schüler:innen als Azubis geben, aus dem wir lernen können.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung in Ihrem Schulkonzept?

Wir sind sehr gut für digitale Bildung ausgestattet, worüber wir uns freuen. Aber die beste Software kann keinen Lehrer ersetzen. Mein Credo ist, dass wir es an dieser Schule schaffen, eine fundierte analoge Bildung für den reflektierten und konstruktiven Umgang mit der digitalen Welt zu vermitteln. Es geht vor allem um Basiskompetenzen und Sekundärtugenden für das zukünftige Leben unserer Schülerschaft.

Welche Initiativen planen Sie, um die Hufeland-Schule noch attraktiver werden zu lassen?

Um eine exzellente Mittelschule zu entwickeln, plane ich Erasmus-Projekte ab Klasse 7 mit jahrgangsspezifischen Partnern im Ausland. Neue Perspektiven zu gewinnen und über den Tellerrand zu blicken, ist ein großer Ansporn, sich zu entwickeln. Zudem werden wir dauerhaft Schülerfirmen etablieren und unsere Jugendlichen ermutigen, mit Unterstützung der Lehrkräfte solche zu gründen. Wir übertragen den Schüler:innen im Rahmen des „Hufeländer-Projektes“ auch mehr Eigenverantwortung für das Gelände und den Schulgarten, um das Gemeinschaftsgefühl und Verantwortungsbewusstsein zu stärken. Dass unser Schüler-Parlament vom Land Berlin in 2026 mit einem eigenen Haushalt ausgestattet wurde, ist hier schon ein starker Beginn. Insgesamt wünsche ich mir, dass Absolvent:innen von der Hufeland-Schule bei den örtlichen Betrieben künftig einen
sehr guten Ruf haben.

Welche Unterstützung wünschen Sie sich von den regionalen Akteuren aus Wirtschaft, Forschung und von der Politik?

Hier vor Ort wünsche ich mir, dass die Betriebe und Einrichtungen auf uns zukommen und ihren Bedarf mitteilen. Für uns ist wichtig zu wissen, in welchen Berufen sie Nachwuchs benötigen. Von der Politik wünsche ich mir, dass die Lehrerausbildung verstärkt vorangetrieben wird und Stellenbesetzung auch am Stadtrand verlässlich funktioniert. Ein Weg wäre aus meiner Sicht, die Verbeamtung in Berlin mit einer Stellenzuweisung zu verbinden. Außerdem appelliere ich an die Politik, die verkehrliche Anbindung von Buch zu verbessern. Erst kürzlich hat eine Referendarin aus Adlershof, die Mathe und Physik unterrichtet hätte, wegen der zahlreichen Störungen bei der S-Bahn ihre Bewerbung zurückgezogen. Nicht wenige Lehrer:innen und Schüler:innen kommen mit der S-Bahn und Bussen zur Schule, auf deren Pünktlichkeit muss Verlass sein.

Interview: Dr. Ulrich Scheller / Campus Berlin-Buch GmbH
 

Das Interview erschien zuerst im Standortjournal buchinside 2/2026

produzieren / 21.07.2026
OMEICOS’ OMT-28 Headed for Phase 3 in Primary Mitochondrial Diseases (PMD) Following Positive End-of-Phase 2 Meeting with the FDA

Berlin, Germany, July 21, 2026

  • Feedback from the U.S. Food and Drug Administration (FDA) supports acceleration of OMT-28’s development path directly into a pivotal Phase 3 study
  • With the vast majority of PMD patients having no FDA-approved therapeutic option, OMT-28 addresses a significant unmet medical need in mitochondrial disease space
  • Results from Phase 2a PMD-OPTION Study were recently presented at Euromit 2026 and
    Mito MED 2026, the two largest international conferences on mitochondrial pathologies

OMEICOS, a late-stage clinical biopharmaceutical company developing first-in-class small-molecule therapeutics for mitochondrial and inflammatory disorders, today announced the successful completion of the End-of-Phase 2 (EOP2) meeting with the FDA regarding the development of OMT-28 in Primary Mitochondrial Diseases (PMD). During the meeting, the FDA expressed strong support for OMEICOS’ plans to advance the program into
late-stage clinical development and provided clear, constructive guidance to structure the next steps efficiently. As a result, OMEICOS is now positioned to advance its proprietary, fully owned lead product candidate OMT-28 directly into a pivotal Phase 3 study.

The EOP2 meeting with the FDA was supported by results from the successfully concluded multicentre, open-label Phase 2a PMD-OPTION Study in patients with PMD. The PMD-OPTION Study demonstrated
OMT-28’s therapeutic potential to improve physical condition in patients with PMD based on significant recovery of the impaired mitochondrial function in the responding patients. The study also further underscored the excellent safety and tolerability profile of OMT-28, which has been evaluated in more than 190 individuals to date.

OMT-28 has the potential to be a first-in-class and best-in-class therapy and is clearly differentiated from competing approaches in PMD through its unique dual mechanism, targeting both redox balance and mitochondrial restoration, addressing core disease biology more comprehensively than single-pathway approaches. OMT-28 leverages the activation of mitochondrial sirtuin family members SIRT1 and SIRT3, mainly through biased modulation of S1PR1 (Sphingosine-1-Phosphate Receptor 1) signalling.

As a once-daily oral small molecule, OMT-28 would offer superior convenience and adherence compared to currently evaluated injectables or twice-daily future alternatives. Moreover, cardiomyopathy patients—a subgroup often excluded in other clinical development programs—highlights OMT-28’s potentially broader target population further reinforcing its best-in-class product profile. Beyond PMD, OMEICOS is pursuing a ‘pipeline-in-a-drug’ strategy with OMT-28 and sees potential for expansion into larger disease areas.

“The strong endorsement from the FDA marks a significant milestone for OMEICOS as a company and for our mission to address Primary Mitochondrial Disease. The meeting’s outcome even surpassed our expectations, as we are now able to advance directly from our concluded Phase 2a study into a pivotal Phase 3 study,” said Dr. Robert Fischer, CEO/CSO of OMEICOS Therapeutics. “Our goal now is to bring a much-needed new treatment option into the final stages of development—and hopefully into medical practice—as quickly as possible. We are currently evaluating the best possible infrastructure, strategic partners, and resources to achieve this goal efficiently.”

PMD patients suffer from debilitating and life-threatening health consequences, such as severely limited physical stamina and disease-related changes in the heart and skeletal muscles, as well as associated neurological disorders. The disease represents a heterogeneous group of conditions including the most prevalent subtypes MELAS, non-MELAS, and MIDD. The upcoming pivotal Phase 3 study is planned to enrol up to 160 adult patients stratified by these three common PMD subgroups and will evaluate the efficacy of OMT-28 at a 24 mg once-daily dose over 24 weeks, with an option to extend treatment up to 104 weeks. The trial will employ an adaptive design, allowing adjustments to sample size and treatment duration based on interim analyses, ensuring flexibility and efficiency in this rare disease setting. The primary endpoint is a composite measure combining the 12-Minute Walk Test (12MWT) and the 5x Sit-to-Stand Test (5xSST), with secondary endpoints including quality-of-life assessments and exploratory biomarkers such as NAD⁺, GSH, and their ratios. This design reflects the FDA’s constructive guidance and underscores the potential of OMT-28 to transform the treatment landscape for patients in need.

About OMEICOS

OMEICOS Therapeutics has discovered a series of metabolically robust synthetic analogues of omega-3 fatty acid-derived epoxyeicosanoids that have the potential to treat mitochondrial dysfunction, inflammatory, cardiovascular and other diseases. Epoxyeicosanoids activate cell type-specific endogenous pathways that promote organ and tissue protection. OMEICOS’ small molecules are orally available and show improved biological activity and pharmacokinetic properties compared to their natural counterparts. The Company’s most advanced development program OMT-28 is headed for a pivotal Phase 3 clinical study in Primary Mitochondrial Diseases (PMD). For more, please visit: www.omeicos.com

Contacts

OMEICOS Therapeutics GmbH
Dr. Robert Fischer, CEO, CSO
Phone: +49 (0) 30 9489 4810
E-Mail: r.fischer@omeicos.com
www.omeicos.com

forschen / 20.07.2026
Nur eine Dosis Kokain verändert die Gehirnzellen

Im Gehirn von Mäusen ruft schon eine einmalige Kokain-Gabe Veränderungen hervor, die mindestens zwei Wochen lang anhalten. Das berichtete Ana Pombo am 7. Juli 2026 auf dem Forum der Federation of European Neuroscience Societies. Ihre Studie könnte erklären, warum die Droge so schnell süchtig macht.

Kokain ist eine stark suchterzeugende Droge, die Angst und Paranoia auslösen sowie langfristig zu Herzschäden, Impotenz und bleibenden psychischen Problemen führen kann. Nach Angaben des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung hat der Kokain-Konsum mittlerweile einen historischen Höchststand erreicht: Weltweit gibt es geschätzt rund 25 Millionen Konsument*innen.

„Wir wissen, dass Kokain im Gehirn den Belohnungsmechanismus kapert“, sagte Professorin Ana Pombo, Bloomberg Distinguished Professorin an der Johns Hopkins University in Baltimore und Leiterin der Arbeitsgruppe ​„Epigenetische Regulation und Chromatinstruktur“ am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie des Max Delbrück Center (MDC-BIMSB), auf dem diesjährigen Forum der Federation of European Neuroscience Societies (FENS) in Barcelona. 

„Die meisten Menschen werden zwar nicht schon nach dem ersten Kokain-Konsum süchtig, aber viele entwickeln bereits nach einem zweiten Konsum oder wiederholter Einnahme eine Abhängigkeit“, fügte Pombo hinzu. ​„Wir wissen allerdings noch nicht genug darüber, was mit den Gehirnzellen geschieht, die Kokain ausgesetzt sind, und ob die Effekte der Droge dort bleibend sind.“

Pombos Team erforscht an Mäusen, wo im Gehirn die Erinnerung an den ersten Kokain-Konsum gespeichert wird. Die Forschenden wollen verstehen, warum ein wiederholter Konsum selbst dann in die Sucht führen kann, wenn zwischen diesen Ereignissen Monate oder gar Jahre liegen.

Veränderte Genomstruktur

Dazu nutzen die Wissenschaftler*innen eine von ihnen entwickelte Methode namens Genome Architecture Mapping (GAM). Die Technik ermöglicht es herauszufinden, wie das genetische Material innerhalb einer Zelle organisiert ist. Denn obwohl unsere Gene den Bauplan für alle Zellen des Körpers enthalten, kann ihre dreidimensionale Anordnung darüber entscheiden, wann ein bestimmtes Gen in einer Zelle ein- oder ausgeschaltet wird.

Bei einem Vergleich zu Mäusen, die keinem Kokain ausgesetzt waren, stellten die Forschenden fest, dass die 3D-Struktur des Genoms in den dopaminergen Neuronen in einem bestimmten Bereich des Mittelhirns stark verändert war. Von diesem Teil des Gehirns ist bekannt, dass er eine wichtige Rolle bei der Belohnung und Motivation spielt. Der Effekt war bereits 24 Stunden nach der Kokain-Exposition zu beobachten und hielt an. Einige Veränderungen waren zwei Wochen später sogar noch deutlicher zu sehen.

Wie Pombo berichtete, führte bereits eine einzige Kokain-Gabe dazu, dass in den Gehirnzellen der Mäuse rund 1.700 neue Chromatin-Domänengrenzen entstanden – Teile des Genoms, die an der Regulation der Genaktivität beteiligt sind. Weitere 1.100 dieser Bereiche gingen durch die Kokain-Exposition verloren.

Die Forscher untersuchten zudem im Detail, welche Gene in den Kokain-exponierten Gehirnzellen von Mäusen aktiv und welche inaktiv waren, und wie sich die Genaktivität zu der von Mäusen unterschied, die keinem Kokain ausgesetzt waren. Dabei zeigte sich, dass die Droge Gene aktiver werden ließ, die für bestimmte Neuropeptide kodieren. Manche dieser Botenstoffe werden beim Menschen mit Sucht in Verbindung gebracht. Andere Gene, die zur normalen Funktion der Gehirnzellen beitragen, wurden hingegen inaktiver.

Kein harmloser Konsum

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass bereits eine einzige Kokain-Exposition das Genom dieser wichtigen Gehirnzellen umbaut“, sagte Pombo. ​„Dass wir so große Veränderungen feststellen konnten, die zudem zwei Wochen lang anhielten, kam für uns unerwartet – und lässt vermuten, dass die Droge eine längerfristige Narbe im Genom der Gehirnzellen hinterlässt.“

Die anhaltenden Effekte könnten ein Grund für die stärkere Reaktion nach einer zweiten Kokain-Dosis sein – was womöglich erkläre, warum das Gehirn für eine Sucht dann anfälliger werde, sagte Pombo. ​„Wir müssen allerdings noch untersuchen, wie lange diese Veränderungen anhalten. Sind sie dauerhaft oder können sich die Gehirnzellen mit der Zeit wieder erholen? Außerdem wollen wir herausfinden, wie genau diese Veränderungen sich auf das Suchtrisiko auswirken“, fügte die Forscherin hinzu.

„Der Kokain-Konsum ist weltweit ein ernstes und wachsendes Problem. Wir müssen die Auswirkungen dieser Droge verstehen und wissen, wie Menschen von ihr abhängig werden“, ergänzte die Vorsitzende des Kommunikationskomitees des FENS-Forums, Professorin Christina Dalla von der Nationalen und Kapodistrias-Universität Athen, die nicht an der Studie beteiligt war. Es sei allerdings fast unmöglich, diese Mechanismen im menschlichen Gehirn im Detail zu erforschen. Stattdessen untersuche man Mäuse.

„In dieser Studie haben die Forschenden bereits nach einer einzigen Kokain-Exposition tiefgreifende und dauerhafte Veränderungen in den Gehirnzellen von Mäusen festgestellt“, sagte Dalla. ​„Das zeigt, dass Kokain die Struktur des Genoms in diesen Zellen verändern kann und dass die Effekte über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben. Diese Ergebnisse stellen die Vorstellung in Frage, dass der gelegentliche Freizeitkonsum von Kokain harmlos sein könnte. Vielmehr deuten sie darauf hin, dass bereits ein einmaliger Konsum unser Gehirn verändern und das Risiko einer künftigen Sucht erhöhen kann.“

Eine detaillierte Untersuchung der entdeckten Veränderungen soll nun helfen zu erklären, warum manche Menschen anfälliger für Suchterkrankungen sind als andere. Das wiederum könnte helfen, neue Wege zur Behandlung von Abhängigkeiten zu finden.

Text: FENS Forum 2026

Zur Pressemitteilung

forschen / 17.07.2026
Wie die Haut warm und kalt unterscheidet

© Phillip Bokiniec, Whitmire lab, Queensland Brain Institute, University of Queensland
© Phillip Bokiniec, Whitmire lab, Queensland Brain Institute, University of Queensland

Nur eine Gruppe von Nervenzellen der Haut nimmt sowohl Kälte als auch Wärme wahr. Das berichtet ein Team um James Poulet in „Neuron“. Die Studie stellt frühere Annahmen zum Temperaturempfinden in Frage und könnte helfen, Störungen dieses sensorischen Systems besser zu verstehen und zu behandeln.

Wenn wir eine warme Tasse in der Hand halten oder barfuß auf einen kühlen Boden treten, leiten spezielle Nervenzellen in der Haut Informationen über die Temperatur an das Gehirn weiter. Lange Zeit gingen Wissenschaftler*innen davon aus, dass unterschiedliche Gruppen von Sinneszellen Wärme- und Kältereize wahrnehmen, die nicht schmerzhaft sind. Jetzt haben Forschende um Dr. Clarissa Whitmire und Dr. Phillip Bokiniec aus der Arbeitsgruppe „Neuronale Schaltkreise und Verhalten“ von Professor James Poulet am Max Delbrück Center herausgefunden, dass diese Annahme zu einfach ist.

„Wir haben festgestellt, dass das Nervensystem nicht wie vermutet separate Wärme- und Kältesensoren nutzt, sondern nur auf eine Gruppe von Zellen zurückgreift, die Temperaturveränderungen in beide Richtungen wahrnimmt“, erklärt Bokiniec. Er und Whitmire sind gemeinsame Erstautor*innen der in der Fachzeitschrift „Neuron“ veröffentlichten Studie. Bokiniec forscht mittlerweile in Whitmires Arbeitsgruppe „Sensory Neural Coding“ am Queensland Brain Institute in Australien.

Wie das Team mithilfe modernster Bildgebungsverfahren an Mäusen zeigen konnte, werden die meisten temperaturempfindlichen Nervenzellen der Haut durch Kältereize aktiviert. Erwärmt sich die Haut, verringert sich lediglich ihre Aktivität. Zudem stellten die Forschenden fest, dass diese Zellen auf die tatsächliche Temperatur reagieren und nicht nur erfassen, wie stark sie sich verändert. Die Erkenntnisse stellen das bisherige Verständnis für einen der grundlegendsten Sinne unseres Körpers in Frage.

„Wir kennen diese Neuronen schon seit Jahren, gingen aber bisher davon aus, dass sie relativ selten sind“, sagt Poulet. „Die Entdeckung, dass sie offenbar den Großteil der temperaturempfindlichen Zellen ausmachen, hat uns überrascht.“

Neuronen in lebenden Mäusen betrachten

Poulet und seine Kolleg*innen haben eine Methode entwickelt, mit der sie Hunderte von temperaturempfindlichen Nervenzellen in den sensorischen Ganglien des Rückenmarks wacher Mäuse über einen längeren Zeitraum hinweg abbilden können. Für ihre Experimente erwärmten und kühlten sie die Pfoten der Tiere leicht und zeichneten gleichzeitig die Aktivität einzelner Neuronen mithilfe der Zwei-Photonen-Mikroskopie auf. Versuche mit betäubten Mäusen brachten die gleichen Ergebnisse hervor – was beweist, dass das Betäubungsmittel keinen Einfluss auf die Resultate hat. 

Im nächsten Schritt blockierte oder aktivierte das Team gezielt temperaturempfindliche Ionenkanäle. Eine Blockade des Proteins TRPM8, das schon lange als wichtigster Sensor des Körpers für die Wahrnehmung von Kälte bekannt ist, verhinderte sowohl die Reaktion der Neuronen auf Kälte als auch die dämpfende Wirkung, die Wärme auf diese Nervenzellen ausübt. Dies zeigt, dass ein einziger molekularer Sensor Signale für Kälte und Wärme erzeugen kann, und widerlegt die traditionelle Ansicht, dass für jede dieser Empfindungen separate Rezeptoren erforderlich sind.

Um ihre Hypothese zu überprüfen, entwickelten die Forschenden ein Computermodell. Mit ihm konnten sie zeigen, dass eine einfache Veränderung der Aktivität von TRPM8 ausreichte, um die verschiedenen in den Experimenten beobachteten Reaktionsmuster nachzubilden.

Störungen des Temperaturempfindens verstehen

Das Temperaturempfinden ist im Alltag sehr wichtig. Bei vielen Erkrankungen ist es jedoch gestört, zum Beispiel bei neuropathischen Schmerzen, einer diabetischen Neuropathie, Nervenschäden infolge einer Chemotherapie oder bei Krankheiten, die eine abnormale Kälteempfindlichkeit hervorrufen. „Zu verstehen, wie die gesunde Temperaturempfindung funktioniert, ist eine Voraussetzung dafür, um zu begreifen, was bei einer Erkrankung schiefläuft“, sagt Whitmire.

In weiteren Studien wollen die Forschenden jetzt herausfinden, wie die Signale der untersuchten Neuronen im Rückenmark verarbeitet werden, wie das Nervensystem schmerzhafte Temperaturen verarbeitet und ob die bei Mäusen entdeckten Mechanismen denen des Menschen ähneln.

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft legt mit seinen Entdeckungen von heute den Grundstein für die Medizin von morgen. An den Standorten in Berlin-Buch, Berlin-Mitte, Heidelberg und Mannheim arbeiten unsere Forschenden interdisziplinär zusammen, um die Komplexität unterschiedlicher Krankheiten auf Systemebene zu entschlüsseln – von Molekülen und Zellen über Organe bis hin zum gesamten Organismus. In wissenschaftlichen, klinischen und industriellen Partnerschaften sowie in globalen Netzwerken arbeiten wir gemeinsam daran, biologische Erkenntnisse in praxisnahe Anwendungen zu überführen – mit dem Ziel, Frühindikatoren für Krankheiten zu identifizieren, personalisierte Behandlungen zu entwickeln und letztlich Krankheiten vorzubeugen. Das Max Delbrück Center wurde 1992 gegründet und vereint heute eine vielfältige Belegschaft mit rund 1.800 Menschen aus mehr als 70 Ländern. Wir werden zu 90 Prozent durch den Bund und zu 10 Prozent durch das Land Berlin finanziert.

Ein Nervenzellcluster einer Maus, der sensorische Informationen vom Hinterbein zum Rückenmark weiterleitet. Einige dieser Nervenzellen nehmen Temperaturen wahr, während andere auf verschiedene Reize wie Berührung oder Schmerz reagieren. Die unterschiedlichen Farben heben bestimmte Zellgruppen hervor.

Abbildung: Ein Nervenzellcluster einer Maus, der sensorische Informationen vom Hinterbein zum Rückenmark weiterleitet. Einige dieser Nervenzellen nehmen Temperaturen wahr, während andere auf verschiedene Reize wie Berührung oder Schmerz reagieren. Die unterschiedlichen Farben heben bestimmte Zellgruppen hervor.

Pressemitteilung auf der Website des Max Delbrück Center:
Wie die Haut warm und kalt unterscheidet

 

forschen / 15.07.2026
Der Duft des Erfolgs

Mohammed Khallaf (links) und Gary Lewin (rechts) vor dem Gebäude, in dem die Nacktmulle untergebracht sind. (Foto: Felix Petermann, Max Delbrück Center)
Mohammed Khallaf (links) und Gary Lewin (rechts) vor dem Gebäude, in dem die Nacktmulle untergebracht sind. (Foto: Felix Petermann, Max Delbrück Center)

Ein einziger Geruchsstoff, produziert von der Königin, beugt Konkurrenzkämpfen im Nacktmull-Staat vor. Das berichtet ein Team um Gary Lewin in „Nature“. Der Duft der Königin stellt sicher, dass nur die Monarchin selbst sich fortpflanzen kann – auch wenn sie mal nicht vor Ort ist.

Man stelle sich das Szenario vor: Ein Staatsoberhaupt verströmt einen Duft, der dafür sorgt, dass mögliche Konkurrenz erst gar nicht auf dumme Gedanken kommt, sondern ruhig und pflichtbewusst der ihr zugeteilten Arbeit nachgeht. Klingt nach einer etwas düsteren Utopie? Im Nacktmull-Staat ist es die Realität.

Ein internationales Team um Professor Gary Lewin, Leiter der Arbeitsgruppe „Molekulare Physiologie der somatosensorischen Wahrnehmung“ am Max Delbrück Center in Berlin, hat herausgefunden, dass die Königin der in Kolonien lebenden Nacktmulle, einer afrikanischen Säugetierart, eine flüchtige Substanz namens Isopropylmyristat absondert. Sie bewirkt, dass alle anderen Weibchen der Gruppe unfruchtbar bleiben.

„Das funktioniert sogar dann, wenn die Königin selbst gar nicht anwesend ist, sondern die Tiere nur diesem Duftstoff ausgesetzt sind“, erklärt der Erstautor der Studie, Dr. Mohammed Khallaf aus Lewins Team. Veröffentlicht ist die Publikation, an der Arbeitsgruppen aus Berlin, Frankfurt, Jena, München und Paris sowie aus Ägypten, Südafrika, Tansania, Tschechien und den USA beteiligt waren, in der Zeitschrift „Nature“.

Für Menschen geruchlos, für Nacktmulle nicht

Seit rund einem Vierteljahrhundert erforscht Lewin die Biologie der Nacktmulle, die auch aus medizinischer Sicht äußerst interessant sind: Die Nagetiere, von denen am Max Delbrück Center derzeit rund 450 Exemplare ähnlich wie in ihrer Heimat in Tunnelsystemen leben, werden uralt, erkranken nicht an Krebs und empfinden wenig Schmerzen. Darüber hinaus zählen sie zu den ganz wenigen Säugetierarten, die eusozial sind, also wie Bienen oder Ameisen in festen Staaten leben – mit einer sich stetig fortpflanzenden Königin an der Spitze und vielen unfruchtbaren Arbeiter*innen, die zusammen Futter beschaffen, den Nachwuchs aufziehen und anderen Aufgaben, die der Gemeinschaft dienen, nachgehen.

„Für unsere aktuelle Studie wollten wir herausfinden, über welche biologischen Mechanismen die Königin ihre Alleinherrschaft aufrechterhält“, erklärt Lewin. „Wir hatten vermutet, dass Duftstoffe ähnlich wie bei Insekten eine wichtige Rolle spielen – auch weil wir festgestellt hatten, dass Nacktmulle mit ihrem Geruchssinn Tiere der eigenen und einer fremden Kolonie unterscheiden.“ Deshalb haben er und sein Team zunächst per Massenspektrometrie jene flüchtigen Substanzen charakterisiert, die ausschließlich die Königinnen im Unterschied zu den Arbeiter*innen verströmen.

Die Forschenden stießen auf eine bekannte Chemikalie namens Isopropylmyristat, die unter anderem in vielen Kosmetikprodukten enthalten ist – als Lösungsmittel und feuchtigkeitsspendende Substanz. Für Menschen ist sie nahezu geruchlos, für Nacktmulle offenbar nicht: „Mit elektrophysiologischen Methoden und funktionellem Ultraschall, der die Durchblutung und damit die Aktivität einzelner Hirnregionen erfasst, konnten wir nachweisen, dass ihre Riechrezeptoren die Substanz wahrnehmen und dass deren Signale im Geruchszentrum des Gehirns verarbeitet werden“, erläutert Khallaf. „Hochrangige Tiere mieden den Geruch zudem, wenn sie die Möglichkeit dazu erhielten – wahrscheinlich weil er sie an die Dominanz ihrer Königin erinnert.“

Der Duft der Königin beeinflusst die Hormone

Stirbt eine Nacktmull-Königin oder wird sie aus der Kolonie entfernt, kommt es innerhalb weniger Tage zu heftigen Kämpfen und neuen Sexualkontakten. Sobald das erste Weibchen trächtig ist, wird es zur neuen Königin und im Staat kehrt wieder Ruhe ein. „Wir haben in unseren Experimenten allerdings festgestellt, dass für die Harmonie in der Gruppe die Anwesenheit der Königin nicht zwingend notwendig ist“, sagt Lewin. „Es reicht aus, wenn wir dort täglich Isopropylmyristat versprühen.“ Ohne den Duft der Königin beginnen die Kämpfe nach kurzer Zeit erneut.

Ihre Wirkung entfaltet die Substanz auch in Zweiergruppen. „Bringt man ein Weibchen und ein Männchen einer Kolonie in einem Käfig zusammen, werden sie nach ein paar Tagen sexuell aktiv“, berichtet Khallaf. „Das passiert nicht, wenn sie jeden Tag Kontakt zur Einstreu und damit zum Geruch ihrer Königin haben. Erstaunlicherweise erwacht ihr sexuelles Interesse auch dann nicht, wenn wir täglich Isopropylmyristat in ihrem Käfig verteilen.“

Wie die Forschenden in weiteren Experimenten herausfanden, bewirkt die Substanz in den Nacktmullen einen Anstieg des Hormons Prolaktin, das bei Säugetieren die Fruchtbarkeit reduziert. Gleichzeitig hält sie den Progesteron-Spiegel auf einem niedrigen Niveau. Dieses Hormon erhöht die Fruchtbarkeit. „Beide Befunde erklären, warum Nacktmulle, die dem Duft der Königin ausgesetzt sind, sich nicht fortpflanzen“, sagt Lewin.

Unterschiedliche Arten, ähnliche Strategien

Die Wissenschaftler*innen konnten zudem zeigen, dass die Königin nur dann Isopropylmyristat produziert, wenn sie trächtig ist. „Kann sie sich nicht mehr fortpflanzen, steigen bei den anderen Tieren die Progesteron-Werte und die Prolaktin-Werte sinken“, berichtet Lewin. In der Kolonie komme es dann erneut zu Kämpfen um die Thronfolge.

„Der Gedanke, dass allein ein Geruch den Frieden sichern und Gewalt verhindern kann, mag an Science Fiction erinnern“, sagt Khallaf. „In der Nacktmull-Welt ist er verwirklicht.“ Das gesamte Team sei überrascht gewesen, dass ein so komplexes soziales System von einem einzigen chemischen Signal reguliert werde – und nicht wie bei den Insekten von einem Cocktail an Pheromonen. „Doch offenbar greift die Evolution auch bei extrem unterschiedlichen Arten gerne auf bewährte und dann noch vereinfachte Strategien zurück.“

 

Weitere Informationen

AG Lewin

Nacktmulle: Berührung, Schmerz und seltsame Sinneswelt

Medaille für Duftforschung

 

Literatur

Mohammed Khallaf, Daniel Hart, Wenhan Luo, et al. (2026): „A queen odour mediates reproductive suppression in a eusocial mammal“. Nature, DOI: 10.1038/s41586-026-10772-5

 

forschen, produzieren, heilen / 14.07.2026
Tagesspiegel-Beitrag "Kinderstube für neue Krebstherapien: Es braucht mehr als einen 'Geistesblitz'"

PD Dr. Uta Höpken (Foto: Peter Himsel / Campus Berlin-Buch GmbH)
PD Dr. Uta Höpken (Foto: Peter Himsel / Campus Berlin-Buch GmbH)

Eine neue Serie im Tagesspiegel "Live aus der Krebsforschung" startet mit einem Beitrag über die Immunbiologin Uta Höpken und den Mediziner Arnim Rehm, die am Max Delbrück Center an der Immunabwehr von Krebs arbeiten. Ihre neuartige Blutkrebstherapie, die auf fast zwanzig Jahren biomedizinischer Grundlagenforschung beruht, wird jetzt an der Charité erstmals an Patienten getestet.

Beide sind Gründer von CARTemis Therapeutics, einem Spin-off des Max Delbrück Centers auf dem Campus Berlin-Buch.

Hier geht es zum Beitrag:
Kinderstube für neue Krebstherapien: Es braucht mehr als einen "Geistesblitz"


Die Serie „Live aus der Krebsforschung“ ist ein Gemeinschaftsprojekt des Ressorts Gesundheit & Wissenschaft des Tagesspiegels und der Medizinischen Klinik für Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie der Charité Universitätsmedizin Berlin und wurde als „science-media-tandem“ von der Stiftung Charité finanziell gefördert.

Hier geht es zum Überblick und allen Beiträgen der Serie.

forschen, produzieren, heilen, bilden / 09.07.2026
Einladung zu „Musik trifft Wissenschaft“

Der MDC-Freundeskreis lädt alle herzlich ein zur Veranstaltung „Musik trifft Wissenschaft“ am 15. Juli, 17 Uhr im MDC.C.

Im musikalischen Teil werden für uns zwei junge Talente spielen, Paul und Michael Afonin, 22 und 16 Jahre alt. Paul Afonin begann schon mit fünfeinhalb Jahren Klavier zu spielen und studiert derzeit im vierten Semester Klavier mit Schwerpunkt Soloklavier in Rostock. Sein jüngerer Bruder, Michael Afonin, ist Violinist und besucht das Musikgymnasium Carl Philipp Emanuel Bach in Berlin. Die Brüder werden uns Werke von u.a. von van Beethoven, Brahms und Wieniawski präsentieren. Das Konzert bietet beiden Solisten die Möglichkeit, ihre Virtusität zu demonstrieren, mit der sie bereits beachtliche Erfolge bei verschiedenen Musikwettbewerben erspielen konnten.    

Im wissenschaftlichen Teil erfahren wir von Professor Johannes Huppa „Wie T-Zellen Krebs aufspüren“

Der ausgewiesene Experte für T-Zell-Erkennung will mit seinem Forschungsteam die Mechanismen der immunologischen Unterscheidung zwischen körperfremd und körpereigen im Detail aufklären, um insbesondere die Therapien gegen Krebs effektiver zu machen, und um die Behandlung von Autoimmunerkrankungen zu verbessern. Seit September 2024 hat Johannes Huppa die Professur für Tumorimmunologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und damit verbunden die Leitung des Instituts für Immunologie am Campus Berlin Buch übernommen. Er forscht am Max Delbrück Center und im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK).

Der Eintritt ist frei, Ihre Spenden gehen zugunsten des MDC-Freundeskreises und der Durchführung weiterer musikalischer Veranstaltungen im Stadtteil Berlin-Buch.

heilen / 09.07.2026
Das war „Tür auf – KLINIKUM hautnah“ im Helios Klinikum Berlin-Buch

Maskottchen Heli (Mitte) mit Klinikgeschäftsführerin Carmen Bier (3.v.r.) und dem Team des Rauschparcours unserer Rettungsstelle. / Christian Schlenker, Helios Kliniken
Maskottchen Heli (Mitte) mit Klinikgeschäftsführerin Carmen Bier (3.v.r.) und dem Team des Rauschparcours unserer Rettungsstelle. / Christian Schlenker, Helios Kliniken

Am Samstag, den 04. Juli 2026, fand zum ersten Mal das neue Format „Tür auf – KLINIKUM hautnah“ im Helios Klinikum Berlin-Buch statt. Unter dem Motto „Einblicke. Begegnungen. Gesundheit.“ öffnete das Klinikum seine Türen und lud kleine und große Besucher:innen herzlich ein, das Klinikum ganz nah kennenzulernen. Den zahlreichen Interessierten wurde ein kostenloses, abwechslungsreiches und informatives Programm geboten.
 
Vergangenen Samstag hat das Helios Klinikum Berlin-Buch von 10:00 bis 14:00 Uhr alle Interessierten zum neuen Format „Tür auf – KLINIKUM hautnah“ eingeladen. Das Motto „Einblicke. Begegnungen. Gesundheit.“ spiegelte sich in dem abwechslungsreichen Programm mit vielen informativen und spielerischen Angeboten für alle großen und kleinen Besucher:innen wider. 

So konnten diese auf der Gesundheitsmeile verschiedenste Fachbereiche eines modernen Krankenhauses kennenlernen, sich informieren und mehr über innovative Gesundheitsversorgung erfahren. Die Besucher:innen kamen mit Expert:innen ins Gespräch und ließen beispielsweise ihr eigenes Blutdruckmessgerät professionell überprüfen, informierten sich über Augenerkrankungen oder schauten sich an, wie ein Inkubator auf der Frühchen-Station eingesetzt wird. Prof. Dr. med. Henning T. Baberg, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Kardiologie und Nephrologie, sagte: „Der Tag war für uns eine wunderbare Gelegenheit, mit vielen gesundheitsinteressierten Besucher:innen ins Gespräch zu kommen und Einblicke in unsere medizinische Arbeit zu geben. Das große Interesse und positive Feedback haben uns sehr gefreut.“ 

Darüber hinaus erhielten alle Interessierten einen intensiven und spielerischen Einblick in den OP-Alltag. Mit einigen Mitmachaktionen wie dem Nähen oder der Reanimation zeigte das OP-Team, was im Operationssaal passiert. Einen besonderen Blick hinter die Kulissen ermöglichte außerdem auch das neue Ambulante OP-Zentrum: Hier waren die Türen geöffnet und die Besucher:innen konnten einmal selbst auf dem OP-Tisch probeliegen, das Ultraschallgerät ausprobieren oder den neuen Aufwachraum besichtigen. Darüber hinaus konnte sich ein intensivmedizinisches Stationszimmer der Wach- und Intensivstation angeschaut werden. Für diejenigen, die es etwas aktiver mögen, gab es die Möglichkeit, den Rauschparcours mit der Promille-Brille zu durchlaufen: Diese simuliert den Rausch wie unter Alkohol oder anderen Drogen. Damit war es für die vielen Mutigen gar nicht so einfach, den Parcours erfolgreich zu meistern. 

Die beliebtesten Programmhighlights bei den kleinen Gäst:innen waren das Kuscheltierröntgen und die Teddy- und Puppenklinik. Beim Kuscheltierröntgen warfen kleine und große Besucher:innen einen Blick ins Innere ihrer kuscheligen Lieblingsbegleiter:innen. In der Teddy- und Puppenklinik haben kleine Nachwuchschirurg:innen ihre Patient:innen mit viel Geschick und Spaß versorgt. Für werdende Mütter gab es außerdem die Gelegenheit zum Babybauch-Bemalen in entspannter Atmosphäre.

Die aufregende Kinder-Detektei der Dermatologie zum Thema Sonnenschutz führte die kleinen Gäst:innen auf Rätsel-Reise durch das Klinikum. Auf diejenigen, welche das richtige Lösungswort herausbekamen, warteten spannende und sommerliche Preise. Besonders gefragt: Das Maskottchen Heli, das fröhlich alle Kinder begrüßte und für Umarmungen, High-Fives und Fotos zu haben war. Auch Seifenblasenkunst, Ballonkunst und zwei herrliche Clowns machten gute Laune. Zudem war Radio Teddy war vor Ort und sorgte in diesem Jahr mit einer großen Hüpfburg für die Kinder für noch mehr Unterhaltung.
„Wir freuen uns über das rege Interesse an uns und unserem Klinikum. Besonders die interaktiven Mitmachprogrammpunkte für Familien und Kinder fanden viel Anklang. Solche Veranstaltungen zeigen, wie wichtig persönliche Begegnungen vor Ort sind und bestätigen uns darin, auch künftig transparent und nahbar zu bleiben. Unser herzlicher Dank gilt unseren Mitarbeitenden, die mit großem Engagement zum Gelingen dieses Tages beigetragen haben“ sagte Klinikgeschäftsführerin Carmen Bier.


Über das Helios Klinikum Berlin-Buch

Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 1.000 Betten in mehr als 60 Kliniken, Instituten und spezialisierten Zentren sowie einem Notfallzentrum mit Hubschrauberlandeplatz. Jährlich werden hier mehr als 55.000 stationäre und über 144.000 ambulante Patienten mit hohem medizinischem und pflegerischem Standard in Diagnostik und Therapie fachübergreifend behandelt, insbesondere in interdisziplinären Zentren wie z.B. im Brustzentrum, Darmzentrum, Hauttumorzentrum, Perinatalzentrum, der Stroke Unit und in der Chest Pain Unit. Die Klinik ist von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetiker geeignet DDG“ zertifiziert. Zudem ist die Gefäßmedizin in Berlin-Buch dreifach durch die Fachgesellschaften der DGG (Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin), der DGA (deutsche Gesellschaft für Angiologie) und der DEGIR (deutsche Gesellschaft für interventionelle Radiologie) als Gefäßzentrum zertifiziert. Gelegen mitten in Berlin-Brandenburg, im grünen Nordosten Berlins in Pankow und in unmittelbarer Nähe zum Barnim, ist das Klinikum mit der S-Bahn (S 2) und Buslinie 893 oder per Auto (ca. 20 km vom Brandenburger Tor entfernt) direkt zu erreichen.

Fresenius Helios ist der führende private Gesundheitsdienstleister in Europa und versorgt mit rund 140 Kliniken und zahlreichen ambulanten Einrichtungen jährlich rund 27 Millionen Menschen. Zusammen mit Fresenius Kabi, Anbieter von Gesundheitsprodukten für kritisch und chronisch Kranke, gehört Fresenius Helios zum Gesundheitskonzern Fresenius. Mit seinen rund 130.000 Mitarbeitenden der Helios Gruppe in Deutschland sowie Quirónsalud in Spanien und Lateinamerika erzielte Fresenius Helios 2025 einen Gesamtumsatz von mehr als 13,5 Milliarden Euro. 

In Deutschland betreibt Helios mehr als 80 Kliniken, rund 200 Medizinische Versorgungszentren (MVZ), sechs Präventionszentren und 30 arbeitsmedizinische Zentren. Helios behandelt im Jahr 2025 rund 5,6 Millionen Menschen in Deutschland, davon mehr als 4 Millionen ambulant. Seit seiner Gründung setzt Helios auf messbare, hohe medizinische Qualität und Datentransparenz und ist bei über 90 Prozent der Qualitätsziele besser als der bundesweite Durchschnitt. In Deutschland beschäftigt Helios rund 80.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete im Jahr 2025 einen Umsatz von rund 8,1 Milliarden Euro. Helios steht mit 35 eigenen Bildungszentren für Aus-, Fort- und Weiterbildung im Gesundheitswesen. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin. 

Quirónsalud verfügt über 57 Kliniken, davon sieben in Lateinamerika, rund 130 ambulante Gesundheitszentren sowie über 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 22 Millionen Patient:innen behandelt, davon mehr als 20 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt rund 50.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2025 einen Umsatz von mehr als 5,4 Milliarden Euro.

www.helios-gesundheit.de

forschen, produzieren, heilen / 07.07.2026
Sprung in die Welt von Big Pharma

Dr. Christian Regenbrecht (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)
Dr. Christian Regenbrecht (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)

Erfolgreiche Transformation eines Start-ups: Interview mit Dr. Christian Regenbrecht, Vice President in Translational Oncology GSK, Gründer von CELLphenomics

Ihr Start-up CELLphenomics hat sich auf dem Campus Berlin-Buch mehr als zehn Jahre erfolgreich der pharmakologischen Forschung an patientenabgeleiteten Tumor-Organoiden gewidmet. Seit 2025 gehört es zu GlaxoSmithKline (GSK). Was war der Hintergrund?

3D-Zellkulturmodelle, auch Organoide genannt, werden immer besser und aussagekräftiger, um daran therapeutische Wirkstoffe zu testen. In bestimmten Fällen und bei guter Datenlage sind die Zulassungsbehörden sogar bereit, auf Tierversuche zu verzichten. Die Modelle tragen wesentlich dazu bei, dass neue, bessere Medikamente schneller verfügbar sind. Unser Start-up hat die Organoid-Forschung vorangetrieben und sich internationales Renommee erarbeitet. Wir waren die erste kommerzielle Biobank, die in Deutschland ISO-zertifiziert wurde. Diese Hürde haben wir mit so viel Bravour genommen, dass wir seitdem in der ISO-Kommission mitgestalten, wie in Zukunft mit Organoiden pharmazeutisch geforscht wird.

Mit GSK hatten wir bereits gemeinsame Projekte durchgeführt. Sie waren begeistert von unserer Forschung, der hohen Qualität unserer Daten und dem Durchsatz an Daten und Modellen. Es gilt: Je höher die Qualität der Daten, desto höher der prädiktive Wert, desto besser die Grundlage für Machine Learning. Diese Expertise wollten sie in ihr Unternehmen holen.

Was war Ihre Motivation für den Verkauf?

Die Unternehmenskultur von GSK passte gut zu uns, und letztlich gab für mich den Ausschlag, dass wir zusammen weitaus mehr Wirkung entfalten können. Wir teilen ihre Überzeugung, Patient:innen in den Fokus zu rücken und sie schnellstmöglich mit den bestmöglichen Medikamenten zu versorgen. Jetzt verfügen wir nicht nur über größere Ressourcen, sondern finden auch viel mehr Gehör bei den Zulassungsbehörden FDA oder EMA. Auch ein sehr wichtiger Punkt: Unser ganzes Team blieb in der neuen Konstellation erhalten. Alle 18 haben einen guten und sicheren Job.

Wie verlief die Transformation zu einem Teil von GSK?

Es war gar nicht so einfach, den Kern und die Identität von CELLphenomics zu erhalten – also den Grund, warum die Leute hier gerne zur Arbeit kommen – und trotzdem die GSK-Firmenkultur zu übernehmen. Es betraf viele Kleinigkeiten, etwa hohe Anforderungen an Arbeitssicherheit oder die in England üblichen kürzeren Arbeitszeiten. Insgesamt gibt es deutlich mehr Abstimmungsbedarf in einer internationalen Pharmafirma. Es wird genau geschaut, ob Dinge tatsächlich benötigt werden, um die akuten Fragen der Firma zu beantworten.

Vieles wird leichter in den Strukturen von GSK: Dank rechtssicherer Verträge mit internationalen Partnern können wir zum Beispiel Gewebe aus aller Welt nutzen, um daraus für unsere Projekte Organoide zu züchten.

Wir haben uns vergrößert, die Labore ausgebaut und viele neue Laborgeräte bekommen. Damit können wir noch besser forschen, einen höheren Durchsatz bieten und noch bessere Qualität liefern. Die starke Struktur von GSK ermöglicht Kontinuität – wir sind gut ausgelastet, aber nicht mehr partiell überlastet wie im Start-up.

Hat sich Ihre Forschung verändert?

Ja, das würde ich ganz klar so sehen. GSK hat viele Kollaborationen und Kooperationen. Wir sind jetzt eingebettet in ein transnationales Tumor-Netzwerk, in dem führende Wissenschaftler:innen in Tokio, Oxford oder Cambridge gemeinsame Projekte und Fragestellungen diskutieren, Daten bewerten und neue Experimente entwerfen. Davon profitieren wir enorm.

Wie geht es Ihnen in Ihrer neuen Rolle?

Ich habe wieder Zeit, Paper zu lesen, kann mir Gedanken über die bestmögliche Lösung einer wissenschaftlichen Frage machen und für spannende Projekte sorgen.

Weil uns das starke Background-Team von GSK in allen Belangen unterstützt, muss ich mich weniger um Dinge wie Steuererklärungen, rechtliche Fragen oder das beste Angebot von Herstellern kümmern. Sogar drei Wochen Urlaub waren möglich.

ASC Oncology war ihr zweites Start-up, das individuelle Medikamententests an Tumor- Organoiden anbot.

Wir helfen jetzt nicht mehr nach dem Gießkännchen-Prinzip einzelnen Erkrankten, sondern einer Gruppe von Individuen. Als Teil klinischer Entwicklung können wir unsere Expertise viel strukturierter einbringen und dafür sorgen, dass Wirkstoffe schneller auf den Markt kommen.

Ein Blick zurück zu Ihren Anfängen?

2014 waren wir ein ganz kleines Start-up im „Shared Lab“. Wie unwahrscheinlich war die Transformation zu etwas sehr viel Größerem? Viele Start-ups scheitern in dieser Gründungswachstumsphase in der sich komplex entwickelnden globalisierten Welt – da muss niemand schuld sein.
Wir wurden immer sehr gut unterstützt. Und sei es durch unkomplizierte schnelle Lösungen des Campus-Managements.

 

Text und Foto: Christine Minkewitz / Campus Berlin-Buch GmbH


Dieses Interview erschien zuerst im Standortjournal buchinside 02/2026.

forschen, produzieren, heilen / 26.06.2026
Weichen stellen und Synergien fördern

Prof. Dr. Christopher Baum © Thomas Rafalzyk / Berlin Institute of Health in der Charité (BIH)
Prof. Dr. Christopher Baum © Thomas Rafalzyk / Berlin Institute of Health in der Charité (BIH)

Interview mit Prof. Dr. Christopher Baum, Vorsitzender des BIH-Direktoriums und Vorstand des Translationsforschungsbereichs der Charité

Was zeichnet das Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) aus?

Eindeutig unser Fokus auf die medizinische Translation: Unsere Mission ist, Erkenntnisse aus der biomedizinischen Forschung in neue Ansätze zur personalisierten Vorhersage, Prävention, Diagnostik und Therapie zu übertragen und umgekehrt Beobachtungen im klinischen Alltag noch zielgerichteter in Forschungsideen und Innovationen zu überführen. Ziel ist es, einen relevanten medizinischen Nutzen für Patient:innen und Bürger:innen zu erreichen.

Das BIH hat verschiedene Standorte, darunter auch in Berlin-Buch. Wie funktioniert die Kooperation an den einzelnen Standorten?

Anfangs wurden mit BIH-Mitteln an den drei großen Klinikstandorten der Charité, also Benjamin Franklin, Virchow und Mitte sowie am Standort Buch strukturelle Voraussetzungen für die translationale klinische Forschung verbessert, zum Beispiel Clinical Research Units, Biobanken und Datenräume eingerichtet. Buch ist für uns sehr wichtig als exzellentes wissenschaftliches Ökosystem und Interaktionsraum. Hier gibt es einen riesigen Schatz an hervorragender Wissenschaft mit starker Translationskultur und mit dem Experimental and Clinical Research Center (ECRC) auch schon vor Gründung des BIH eine eigene Translationseinrichtung. In Buch bestand bereits eine Kooperationswelt, die durch die Präsenz des BIH am Standort ergänzt wurde. Den Auftrag des BIH sehe ich darin, Lücken zu schließen und den Spirit in Richtung produkt- und nutzenorientierter Wissenschaft zu stärken. Idealerweise sind wir in der gesamten Wertschöpfungskette verknüpft und schauen dann, wie wir gemeinsam mehr erreichen können. Ein Beispiel wäre das Spin-off MyoPax von Max Delbrück Center und Charité, dessen Ausgründung wir über unser SPARK-BIH-Programm gefördert und begleitet haben.

Wie verhält es sich mit der privilegierten Partnerschaft mit dem Max Delbrück Center?

Zu Beginn bestand diese Partnerschaft vor allem in den Fokusbereichen vaskuläre Biomedizin und Single-Cell-Analytik. Inzwischen sind die Forschungsthemen erweitert worden. Privilegierte Partnerschaft heißt für mich, dass man sich strategisch abstimmt und idealerweise Infrastrukturen, wissenschaftliche Themen und auch Personalfragen so gestaltet, dass eine größtmögliche Synergie entsteht, ohne die jeweilige Autonomie der Einrichtungen infrage zu stellen. Wir gestalten eine Partnerschaft auf Augenhöhe.

Ein schönes Beispiel ist die Ganzgenomsequenzierung, die wir gemeinsam in die Regeldiagnostik überführt haben. Das wäre ohne die bioinformatische Expertise, die in Synergie von MDC und BIH entwickelt wurde, nicht möglich gewesen. In der Umsetzung war dann die enge Anbindung an die Diagnostikbereiche der Charité, an das Zentrum für seltene Erkrankungen

Charité und BIH haben einen gemeinsamen Technologietransfer. Wie könnte man die Brücke zum Geschäftswissen der vielen Unternehmen im Biotechpark bauen? Denn letztlich brauchen wir Innovationen am Markt.

Unsere Mission ist primär, Patientennutzen zu entfalten, nicht nur bei einzelnen Betroffenen als Beweis des Prinzips, sondern möglichst skalierbar und standortunabhängig. Marktfähigkeit ist für mich nur ein Indikator für Nutzen; dazu kommt die Herausforderung, dass ein Produkt nicht zu teuer sein darf, weil sonst das solidarische Gesundheitssystem an seine Grenzen stößt. Gen- und Zelltherapien sind dafür ein Beispiel. Kosteneffizienz wird also auch zum Innovationstreiber. In Buch gibt es enorm viele Expert:innen, die grundlegende Technologien weiterentwickeln oder solche hervorgebracht haben. Diese frühen Innovationen, die das Potenzial haben, Plattformtechnologien zu werden, müssen wir noch mehr in den Fokus rücken. Dazu gehören beispielsweise neue Gen-VektorFamilien oder grundlegend neue Arten von Immuntherapien.

Mit dem GeneNovate Investors‘ Day als einer Maßnahme der Nationalen Strategie für gen- und zellbasierte Therapien hat das BIH deutschlandweit Ressourcen gebündelt. Wie ist es gelungen, dies nach Berlin zu holen?

Wir haben mit vielfältigen Akteuren überlegt, wie wir Investorenformate für die regulatorisch und technologisch unter besonderen Herausforderungen stehende Gen- und Zelltherapie besser etablieren können. Beim ersten GeneNovate Investors‘ Day 2025 war die Nachfrage von internationalen Investor:innen, Start-ups und Politik weitaus höher als erwartet – sicher auch, weil wir dort forschungs- und wirtschaftspolitische Fragen diskutiert haben, darunter die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Investor:innen. Die präsentierenden Start-ups mussten sich erstmals nicht gegen Defense-Tech oder andere Bereiche von Biotech behaupten.

Wo sehen Sie den stärksten Hebel, um Ausgründungen aus dem BIH weiter zu verstärken und zu beschleunigen?

Ausgründungen sind ein wichtiger Indikator, darüber hinaus sehen wir uns auch in anderen Dimensionen als Ökosystemspieler. Charité, MDC und BIH haben gemeinsam großes Potenzial, werthaltige Firmen und neue Produktideen hervorzubringen, und dabei sollten wir uns noch mehr gegenseitig unterstützen. Captain T Cell und der Anschub von T-knife wurden beispielsweise vom BIH gefördert. Da wir den Auftrag haben, auch national zu agieren, entwickeln wir gemeinsam mit anderen Playern in Deutschland Formate, um bundesweit innovationsorientierte Akteure und Projekte zu fördern. Im Rahmen der Nationalen Strategie für gen- und zellbasierte Therapien haben wir zum Beispiel ein Programm für Postdocs aufgelegt, mit dem wir an Standorten wie München oder Mainz Entrepreneurship-Trainings gestalten. Dieses Jahr haben wir 200 Teilnehmende an neun Standorten und rechnen in den nächsten fünf Jahren mit mindestens 1.000 Trainees. Das Programm soll helfen, Innovationen besser in die Validierung, in klinische Studien und damit natürlich in den Markt zu bekommen sowie eine überregional vernetzte Community aufzubauen.

Das Agieren über Grenzen hinweg hat große Vorteile. Wichtig ist sicher auch der Schulterschluss zu erfahrenen Unternehmen, so dass Gründungsprojekte eine schnellere Lernkurve bekommen.

Genau, es ist vor allem sehr wichtig, dass wir dies zusammen mit anderen Standorten in Deutschland und auch in Europa angehen. Produkte im Gesundheitsbereich müssen von Anfang an im internationalen Markt konkurrenzfähig sein und dort verschiedene Marktanforderungen erfüllen.

Wir streben an, dass wir Berlin mit Standorten wie München, Heidelberg, Kopenhagen, Leuven, Barcelona, London oder Paris verknüpfen, damit Start-ups durch eine Reihe strukturierter Angebote Impulse aus verschieden Ökosystemen aufnehmen, sowie Märkte und Wachstumschancen eruieren. Das kann ein im eigenen Saft verharrendes Ökosystem nie bieten.

Start-ups müssen relativ schnell die richtigen Partner finden, etwa für die Analytik oder um klinische Studien anzugehen, und das funktioniert am besten in einem kuratierten Netzwerk.

Start-ups agieren häufig aus der eigenen, anfangs segmentalen Betrachtung ihrer Welten. Das war einer der Gründe, warum wir jetzt einen Online-Atlas für Gen- und Zelltherapie aufgelegt haben, um Kontakte zu erleichtern. Darin kartieren wir die Akteure über alle Gebiete hinweg: Forschung, Entwicklung, Good Laboratory Practice und Good Manufacturing Practice, Start-ups, Industrie, Investoren, Patientenvertretungen – eine Heatmap der Akteure in Deutschland zu diesem Thema, unter anderem als Grundlage für produktspezifische Vernetzung. Translation braucht den Weg heraus aus den vertrauten Nischen.

Seit einem Jahr gibt es den BIH Clinical Incubator (CLIC). Welchen Schwerpunkt hat dieser?

Wir sehen den Bedarf bei akademischen Projekten, die kurz vor der Gründung sind und zunächst Raum und fachlichen Input für den nächsten Schritt brauchen. Inhaltlich geht es hier nicht nur um Gen- und Zelltherapie, sondern allgemein um personalisierte, regenerative Therapieansätze.

Auch CLIC versteht sich als Mitgestalter des Ökosystems. In ein paar Jahren wird der Inkubator dann in engem Wechsel mit dem Berliner Zentrum für Gen- und Zelltherapie (BC GCT) wirken.

Mit BioLabs haben Sie einen sehr guten Partner gefunden, der Start-ups auch die Möglichkeit zu internationalen Gastaufenthalten in anderen BioLabs geben kann.

Ja, mit Paris haben wir bereits eine sehr gute Wechselwirkung, München und Heidelberg sind im Aufbau. Aber es gibt auch andere Player wie das Innovation Institute der Novo Nordisk Stiftung. Über das ARC SHEBA Medical Center in Tel Aviv (ARC steht für Accelerate Redesign Collaborate) erschließen wir gerade weitere Räume.

Weitere wichtige Impulsgeber für unser Innovationsgeschehen sind unter anderem Spark Stanford und die European University Hospital Alliance (EUHA), über die wir mit anderen Innovationszentren der Universitätsmedizin verbunden sind.

Wo steht Berlin in fünf Jahren?

Es wird uns hoffentlich gelungen sein, ein Ökosystem aufzubauen, in dem die Akteure sichtbar die Synergie entfalten, die wir erreichen möchten. Ein Ökosystem, das mit klar verteilten Domänen Freiräume für Synergien zwischen den Einrichtungen lässt. Wir wollen Berlin als starken Partner in starken Netzwerken entwickeln und nicht gegen andere, sondern mit anderen zum Erfolg zu führen. Unser Ziel ist ein konzertanter Ansatz. Da ist es vielleicht ein schönes Beispiel, dass die Charité gerade eine Kooperation mit den Berliner Philharmonikern beginnt

Interview: Dr. Christina Quensel / Campus Berlin-Buch GmbH

Das Interview erschien zuerst im Standortjournal buchinside 2/2026.