Aktuelles

produzieren / 21.09.2020
DCprime and Glycotope Sign Licensing Agreement to Advance Program Combining Cancer Vaccination and Therapeutic Antibody Platforms

21.09.2020 / DCprime, the front-runner in the field of relapse vaccines, and Glycotope GmbH, a clinical-stage oncology/immuno-oncology company built on world-leading glycobiology expertise, today announced an expansion of their existing partnership through a new research collaboration and licensing agreement.

Originally initiated in July 2018, the partnership combines DCprime’s proprietary DCOne® relapse vaccine platform and Glycotope’s highly specific anti-tumor antibody platform with the aim of developing novel immunotherapeutic approaches in oncology. Under the expanded agreement a therapeutic antibody program has been selected from Glycotope’s portfolio which will be further evaluated in preclinical studies to potentially treat a broad range of solid tumors.

“Today’s agreement further exemplifies our commitment to develop novel cancer immunotherapies based on partnerships, in addition to pioneering the relapse vaccine paradigm. Our relationship with Glycotope has matured and brought forward a very promising program, potentially leading to a highly differentiated novel combination therapy towards solid tumors,” commented Erik Manting, CEO of DCprime.

“We are delighted to expand our collaboration with DCprime and to see one of our antibody programs move forward in a novel combination therapy approach with a cancer vaccine based on the DCOne® platform,” said Henner Kollenberg, Managing Director of Glycotope GmbH. “Glycotope has developed a growing pipeline of high-value cancer therapies and today’s announcement further highlights the promising product opportunities for monotherapeutic or combinational approaches offered by our portfolio.”

About DCprime
DCprime is the front-runner in the field of relapse vaccines, a new class of oncology vaccines administered after or in conjunction with standard of care therapy to delay or prevent disease recurrence. Our lead product is a whole-cell-based vaccine addressing blood cancers with a high risk of relapse. We are pursuing similar vaccination approaches for solid tumors. We believe relapse vaccines will improve survival by putting the patient’s immune system back in control. For more information, please visit: https://dcprime.com.

About Glycotope
Glycotope, founded in 2000 in Berlin, focuses on the development of antibodies with an increased tumor-specificity by binding to proteins carrying tumor-specific carbohydrate structures. These “GlycoBodies” are developed in different highly potent formats such as ADCs, bispecifics or in combination with cell and gene therapy approaches in-house or by license partners. The Company’s further pipeline includes biopharmaceuticals for various oncological indications. Visit https://www.glycotope.com.

Quelle: https://www.glycotope.com/dcprime-and-glycotope-sign-licensing-agreement-to-advance-program-combining-cancer-vaccination-and-therapeutic-antibody-platforms/

www.glycotope.com

leben / 17.09.2020
19 Wohnungen in der Berliner Allee 58 + 88 gesichert

Bezirksamt Pankow beschließt erneut Ausübung des Vorkaufsrechts im Komponistenviertel

Für die Immobilien auf dem Grundstück Berliner Allee 58 + 88 in Weißensee hat das Bezirksamt Pankow die Ausübung des Vorkaufsrechts beschlossen. Erworben werden 19 Wohn- und sechs Gewerbeeinheiten zugunsten der Gesobau AG. Die Bescheide wurden fristgerecht zugestellt. Beide Grundstücke befinden sich im räumlichen Geltungsbereich der Erhaltungsverordnung „Komponistenviertel“.

Vollrad Kuhn (Bü 90/Grüne), Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Bürgerdienste, erklärt dazu: „Im Zeitraum von 2010 bis 2015 wurden vier Prozent des Wohnungsbestands in dem Sozialen Erhaltungsgebiet „Komponistenviertel“ in Wohneigentum umgewandelt. 33 Prozent sind bislang noch nicht umgewandelt, so dass hier großes Potenzial für weitere Umwandlungen liegt. Ebenso existiert ein erhöhtes Aufwertungspotenzial der größtenteils gründerzeitlichen Bebauung, da 74 Prozent der Wohnungen lediglich eine einfache Ausstattung vorweisen und 68 Prozent der Gebäude noch über keine Fassadendämmung verfügen. Ich freue mich daher sehr, dass wir zumindest die Immobilien Berliner Allee 58 + 88 nun erfolgreich dieser Spekulationsblase entziehen können.“

leben / 09.09.2020
Aufruf zur Beteiligung von Menschen ab 65 Jahren

Telefoninterviews über Wünsche, Ideen und Bedarfe bis Mitte Oktober

Der Qualitätsverbund Netzwerk im Alter – Pankow e.V. und die Altenhilfekoordination des Bezirksamtes Pankow wollen gemeinsam mit Seniorinnen und Senioren ab 65 Jahren die bezirklichen Strukturen für die Lebensphase 65+ zukunftsfähig gestalten. Zu diesem Zweck startet jetzt ein Projekt zur Förderung der sozialen Einbindung älterer Menschen ab 65 Jahren im Bezirk. Um diese Erfahrungen, Einschätzungen, Bedarfe und Ideen zu sammeln, werden die Organisatoren mit Interessierten ein kurzes und anonymes Telefongespräch (max. 30 Minuten) durchführen. Zielgruppe sind ältere Menschen die in einem der Pankower Bezirksteile Buch, Wilhelmsruh oder Blankenfelde wohnen, an der Gestaltung mitwirken und über ihre Alltagssituation in ihrem Kiez berichten möchten. Zudem können Wünsche und Bedarfe zu sozialen und gesundheitsförderlichen Angeboten geäußert und Ideen zur Verbesserung des Wohnumfeldes eingebracht werden.

Wer Interesse an dieser Form der Mitwirkung hat und nähere Informationen benötigt, kann sich noch bis Mitte Oktober an den Qualitätsverbund Netzwerk im Alter – Pankow e.V.  oder Jana Kruspe, Leiterin Fachbereich Senioren und soziale Angebote, Bezirksamt Pankow, wenden:

Netzwerk im Alter – Pankow e.V.
Schönhauser Allee 59b, 10437 Berlin
Tel.: 030 474 88 77

Jana Kruspe
Leiterin des Fachbereichs Seniorenservice
und soziale Angebote im Bezirksamt Pankow
Tel.: 030 - 90295-6822 (Montag - Freitag von 08:00 Uhr – 16:00 Uhr).

forschen, heilen / 08.09.2020
Neue Software spürt krankmachende Genveränderungen auf

Oft ist es ein einziger Fehler im Erbgut, der eine schwere Erkrankung zur Folge hat. Doch weil zwei gesunde Menschen schon etwa drei Millionen Unterschiede in ihrem Erbgut aufweisen, ist es gar nicht so leicht, die eine, krank machende Abweichung zu entdecken und von einer harmlosen Genvariante zu unterscheiden. Wissenschaftler*innen der Core Unit Bioinformatics des Berlin Institute of Health (BIH) haben nun gemeinsam mit Kolleg*innen von der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtzgemeinschaft (MDC) eine Software entwickelt, die dabei hilft, die „Nadel im Heuhaufen“ zu finden. Besonders wichtig ist dies bei der Diagnose von sogenannten „Seltenen Erkrankungen“. Die Software „VarFish“ ist frei verfügbar und in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Nucleic Acids Research" beschrieben.

Seltene Erkrankungen sind gar nicht so selten: Etwa vier Millionen Menschen in Deutschland sind insgesamt betroffen, doch von jeder einzelnen der geschätzt 8.000 verschiedenen Krankheiten treten meist nur wenige Fälle auf. Das hat zur Folge, dass es oft Jahre dauert, bis die Betroffenen die richtige Diagnose erhalten, was jedoch die Voraussetzung für eine wirksame Therapie darstellt. „Häufig landen die betroffenen Eltern nach einer jahrelangen Odyssee bei uns“, erzählt Dr. Nadja Ehmke, Fachärztin im Institut für Medizinische Genetik und Humangenetik der Charité. „Sie haben ein krankes Kind, das sich geistig oder körperlich nicht richtig entwickelt und wollen nun wissen, warum. Wenn wir ihnen dann aufgrund einer genetischen Analyse erklären können, wo der Fehler liegt, ist das für die Eltern oft eine riesengroße Erleichterung, auch wenn das noch nicht bedeutet, dass man auch therapeutisch etwas für ihr Kind tun kann.“ So können sich die Eltern mit anderen Betroffenen austauschen, Selbsthilfegruppen besuchen oder gründen und auch besser einschätzen, ob ein weiteres Kind ebenfalls erkranken könnte.

Leistungsfähige Software entdeckt Unterschiede

Für die genetische Analyse isolieren die Wissenschaftler*innen das Erbgut aus Blutzellen der Patient*innen, lesen die Sequenz, also die Abfolge der Buchstaben und vergleichen diese mit dem Erbgut von Eltern, Geschwistern oder den vorhandenen Erbgut-Analysen in großen Datenbanken. „Hier stößt der Mensch naturgemäß an seine Grenzen“, berichtet Dr. Dieter Beule, der Leiter der BIH Core Unit Bioinformatics. „Selbst wenn wir nur die eiweißkodierenden Bereiche des Erbguts analysieren, das so genannte Exom, müssen wir Millionen von Bausteinen vergleichen. Dazu benötigt man leistungsfähige Software, die die Unterschiede entdeckt.“ Doch selbst zwischen zwei gesunden Personen unterscheidet sich das Erbgut in den kodierenden Bereichen an rund 30.000 Positionen. Welche der vielen Abweichungen ist die krankmachende? Genau hier wurden Dieter Beule und sein Team aktiv:  Sie entwickelten „VarFish“.

“VarFish“ vergleicht die eingegebene Sequenz des Patienten oder der Patientin mit Sequenzen aus weltweit zusammengetragenen Datenbanken. Die Wissenschaftler*innen der Core Unit Bioinformatics griffen dabei auf viele offene und freie Datenressourcen zurück, wie die amerikanischen Datenbanken vom National Center for Biotechnology Information, der Universität von Washington, Seattle, dem European Bioinformatics Institute EBI in Cambridge, UK, aber auch auf Datenbanken und Algorithmen der Charité und des BIH.

Sekundenschneller Abgleich

„Innerhalb weniger Sekunden kann VarFish 29.950 von den 30.000 Unterschieden ausschließen“, sagt Dieter Beule. „Denn viele dieser Abweichungen findet die Software z.B. auch in den Sequenzen der Bevölkerungsdaten und führen dort offenbar nicht zu auffälligen Problemen und sind daher aller Wahrscheinlichkeit nach nicht für die seltene Erkrankung verantwortlich.“ Die übrig gebliebenen 50 Genvarianten vergleichen die Wissenschaftler*innen dann mit bereits bekannten Erbkrankheiten und können so den Kreis der in Frage kommenden, ursächlich verantwortlichen Veränderungen weiter auf etwa zehn eingrenzen.

In manchen Fällen entdecken auch Wissenschaftler in Forschungsstudien Mutationen in einem bekannten Gen. „VarFish“ ermöglicht eine rasche Prüfung auf Mutationen in bekannten Genen“, erklärt Professorin Ute Scholl, die am BIH eine Johanna-Quandt Professur innehat. „Das ist wichtig, weil es uns Hinweise geben kann, welches Medikament helfen könnte und klinisch weiterverfolgt werden sollte."  Wenn keine Mutationen in bekannten Genen vorliegen, kann mit Hilfe von VarFish innerhalb einer größeren Familie oder im Vergleich mehrerer betroffener Familien mit der gleichen Erkrankung ein neues Kandidatengen identifiziert werden. Was genau Mutationen in einem solchen Kandidatengen bewirken, kann anschließend oft im Labor geklärt werden. Die Arbeitsgruppe von Ute Scholl schleust die mutierten Gene in Zellkulturen oder in Mäuse ein und kann so beobachten, welche Auswirkungen die Mutation hat. „Auf diese Weise haben wir kürzlich ein neues Gen für eine seltene angeborene Form von Bluthochdruck charakterisiert", berichtet die Medizinerin. Doch die Medikamentenentwicklung oder gar zielgerichtete Behandlung liegt eher in weiter Ferne. „Wir wollen zunächst einmal verstehen, wie die Krankheit überhaupt entsteht und woher die Beschwerden rühren.“

Schnelle und zielsichere Diagnose

Dr. Manuel Holtgrewe, Bioinformatiker in der Core Unit und Erstautor der Publikation, freut sich darüber, dass die neue Software so viele Anwender*innen findet: „Innerhalb der ersten Wochen wurde VarFish schon hundertfach eingesetzt, Wissenschaftler*innen und Ärzt+innen weltweit haben damit gearbeitet. Intern haben wir schon tausende Datensätze damit verarbeitet.“ Gerade bei der Erforschung und Behandlung von Seltenen Erkrankungen ist die internationale Zusammenarbeit wichtig, weil jede einzelne Mutation ja meist nur wenige Male in jedem Land auftritt. Professor Stefan Mundlos, Direktor des Instituts für Medizinische Genetik und Humangenetik der Charité und der Forschungsgruppe "Development & Disease" am Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik Berlin, berichtet: „VarFish hat uns sehr dabei geholfen, Teilnehmer*innen für unsere Klinischen Studien schnell und zielsicher zu einer Diagnose zur verhelfen.“

Manuel Holtgrewe und Dieter Beule planen nun, „VarFish“ dahingehend zu erweitern, dass auch die genomweite Analyse von sogenannten strukturellen Varianten möglich wird. Außerdem sollen weitere Funktionen für die effektive und sichere standortübergreifende Zusammenarbeit von Humangenetiker*innen eingefügt werden. „VarFish unterstützt die Anwender*innen bei der Analyse ihrer molekulargenetischen Daten sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der klinischen Anwendung. Die Mission des BIH ist ja die Translation, also die Übertragung von Ergebnissen aus der Forschung in die Klinik und umgekehrt, von Beobachtungen in der Klinik zurück ins Labor. Mit unserer Software „VarFish“ unterstützen wir genau dieses Anliegen“, sagt Dieter Beule. 


Publikation: Manuel Holtgrewe, Oliver Stolpe, Mikko Nieminen, Stefan Mundlos, Alexej Knaus, Uwe Kornak, Dominik Seelow, Lara Segebrecht, Malte Spielmann, Björn Fischer-Zirnsak, Felix Boschann, Ute Scholl, Nadja Ehmke, Dieter Beule, VarFish: comprehensive DNA variant analysis for diagnostics and research, Nucleic Acids Research, gkaa241, https://doi.org/10.1093/nar/gkaa241

 

Über das Berlin Institute of Health (BIH)

Die Mission des Berlin Institute of Health (BIH) ist die medizinische Translation: Erkenntnisse aus der biomedizinischen Forschung werden in neue Ansätze zur personalisierten Vorhersage, Prävention, Diagnostik und Therapie übertragen, umgekehrt führen Beobachtungen im klinischen Alltag zu neuen Forschungsideen. Ziel ist es, einen relevanten medizinischen Nutzen für Patient*innen und Bürger*innen zu erreichen. Dazu etabliert das BIH ein umfassendes translationales Ökosystem, setzt auf ein organübergreifendes Verständnis von Gesundheit und Krankheit und fördert einen translationalen Kulturwandel in der biomedizinischen Forschung. Das BIH wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu zehn Prozent vom Land Berlin gefördert. Die Gründungsinstitutionen Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) sind im BIH eigenständige Gliedkörperschaften.

www.bihealth.org

forschen / 08.09.2020
Mit zellbasierter Medizin Krankheiten abfangen und die Gesundheitsversorgung in Europa verbessern

Vergrößerung von Miniaturchips: Einzelzellen werden in winzige Tröpfchen eingekapselt und zur weiteren Verarbeitung mit Reagenzien versorgt.  © Felix Petermann, MDC / LifeTime
Vergrößerung von Miniaturchips: Einzelzellen werden in winzige Tröpfchen eingekapselt und zur weiteren Verarbeitung mit Reagenzien versorgt. © Felix Petermann, MDC / LifeTime

Hunderte Innovatoren, Pioniere aus Forschung, Klinik und Industrie sowie politische Entscheidungsträger*innen aus ganz Europa verbindet eine gemeinsame Vision, mit der sie die Gesundheitsversorgung verbessern wollen. In zwei Veröffentlichungen – einer Perspektive in der Zeitschrift Nature und der LifeTime Strategic Research Agenda (SRA) – präsentieren sie nun eine detaillierte Roadmap. Sie beschreibt, wie man neueste wissenschaftliche Durchbrüche und Technologien bereits innerhalb der nächsten zehn Jahre nutzen kann, um menschliche Zellen ein Leben lang zu verfolgen, ihren Zustand zu verstehen und kranke Zellen gezielt zu behandeln.

Die LifeTime-Initiative, die das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) in Berlin gemeinsam mit dem Institut Curie in Paris koordiniert wird, hat eine Strategie entwickelt, um die maßgeschneiderte Behandlung in fünf großen Krankheitsfeldern voranzubringen: Krebs, neurologische, infektiöse und chronisch-entzündliche Krankheiten sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das Ziel ist eine neue personalisierte Medizin in ganz Europa, die Abweichungen in einzelnen Zellen erkennt und eingreift, bevor Symptome entstehen, die Krankheit also abfängt („interceptive medicine“). Sie hat das Potenzial, die Therapieergebnisse zu verbessern und die Behandlung kostengünstiger zu gestalten. Sie wird außerdem grundlegend verändern, wie eine Patientin oder ein Patient die Gesundheitsversorgung erlebt.

Krankheiten früh erkennen und effektiver behandeln

Um einen funktionierenden, gesunden Körper zu bilden, folgen unsere Zellen bestimmten Entwicklungspfaden, auf denen sie bestimmte Rollen im Gewebe und in Organen übernehmen. Weichen sie jedoch vom gesunden Pfad ab, verändern sich die Zellen allmählich immer mehr. Diese Veränderungen bleiben oft unentdeckt, bis Symptome auftreten. Zu diesem Zeitpunkt der Erkrankung ist eine medizinische Behandlung jedoch oft invasiv, teuer und ineffizient. Es gibt allerdings Technologien, die die molekulare Zusammensetzung einzelner Zellen abbilden und mit denen man das Auftreten einer Krankheit oder einer Therapieresistenz deutlich früher erkennen kann.

Wenn wir bahnbrechende Einzelzell- und Bildgebungsmethoden kombiniert mit künstlicher Intelligenz und personalisierten Krankheitsmodellen nutzen, können wir nicht nur den Ausbruch einer Krankheit früher vorhersagen, sondern auch die wirksamste Therapie für jede Patientin oder jeden Patienten auswählen. Der Fokus liegt dabei auf den krankheitsauslösenden Zellen, um den Verlauf einer Krankheit rechtzeitig zu unterbrechen, bevor irreparable Schäden auftreten. Das wird die Prognose für viele Patientinnen und Patienten erheblich verbessern; in Europa können so potenziell krankheitsbedingte Kosten in Milliardenhöhe eingespart werden.   

Ein detaillierter Fahrplan, damit die Vision der LifeTime-Initiative Wirklichkeit wird

Der Nature-Artikel „LifeTime and improving European healthcare through cell-based interceptive medicine“ und die „LifeTime Strategic Research Agenda“ (SRA) erläutern, wie diese Technologien rasch gemeinsam entwickelt, in die klinische Praxis überführt und auf die fünf wichtigsten Krankheitsbilder angewendet werden sollten. Eine enge Zusammenarbeit zwischen europäischen Infrastruktur- und Forschungseinrichtungen, Kliniken und der Industrie ist unerlässlich, um im Rahmen der LifeTime-Initiative große Mengen an medizinischen Daten über die Grenzen Europas hinweg zu generieren, auszutauschen und zu analysieren. Die Initiative befürwortet eine ethisch verantwortungsvolle Forschung zum Nutzen der Bürgerinnen und Bürger in ganz Europa.  

Für Professor Nikolaus Rajewsky, wissenschaftlicher Direktor des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie (BIMSB) am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin und Koordinator der LifeTime-Initiative, ist genau dieser Ansatz der Weg in die Zukunft: „LifeTime hat Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen zusammengebracht – von Expertinnen und Experten aus der Biologie über die Datenwissenschaft und Ingenieurskunst bis hin zu Mathematik und Physik – um die molekularen Mechanismen besser zu verstehen, die für Gesundheit und Krankheit verantwortlich sind. Mithilfe der zellbasierten Medizin können Ärztinnen und Ärzte in Zukunft Krankheiten früher diagnostizieren und ihren Verlauf unterbrechen, noch bevor irreparable Schäden entstehen. LifeTime bietet das einzigartige Leistungsversprechen, die Gesundheit der Patientinnen und Patienten Europa zu verbessern.“
 
Dr. Geneviève Almouzni, Forschungsdirektorin am französischen CNRS, Ehrendirektorin des Forschungszentrums am Institut Curie in Paris und Kokoordinatorin der LifeTime-Initiative, ist davon überzeugt, dass LifeTime große soziale und wirtschaftliche Auswirkungen haben wird: „Durch eine zellbasierte Medizin, die Krankheiten aufspürt und abfängt, können wir die Behandlung zahlreicher Erkrankungen erheblich verbessern. Patientinnen und Patienten in aller Welt können so ein längeres und gesünderes Leben führen. Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen dürften erheblich sein, wenn allein durch eine effektivere Krebsbehandlung Milliarden von Euro eingespart würden und die Behandlungsdauer intensivpflichtiger COVID-19-Patient*innen erheblich verkürzt würde. Wir hoffen, dass die Staats- und Regierungschefinnen und -chefs der EU erkennen, dass wir jetzt in die notwendige Forschung investieren müssen.“

Weiterführende Informationen

Die LifeTime-Initiative
Fokusbereich Single Cell-Technologien für die personalisierte Medizin am MDC und BIH

Einzelzellbiologie am MDC

Literatur

Kontakte

Prof. Dr. Nikolaus Rajewsky
Koordinator der LifeTime-Initiative
Direktor des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie (BIMSB)
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
+49 (0)30 9406-2999 (office)
rajewsky@mdc-berlin.de

Valentin Popescu
Kommunikationsmanager der LifeTime-Inititative
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
+49 176 6563 9465
valentin.popescu@mdc-berlin.de  

Über LifeTime

Die LifeTime-Initiative ist eine stetig wachsende Community, die aus über 100 führenden europäischen Forschungseinrichtungen und Kliniken sowie internationalen Berater*innen und mehr als 80 unterstützenden Unternehmen besteht. International renommierte europäische Forschungsgruppen, die Multi-Omics-Strategien, wissenschaftliche Infrastrukturen, Bio-Imaging und Computertechnologien entwickeln und im Bereich personalisierter Krankheitsmodelle führend sind, gehören zu LifeTime. Ebenso sind Bioethiker*innen und eine Kerngruppe federführender klinischer Wissenschaftler*innen Teil der Initiative. Viele der beteiligten Institutionen verfügen über eigene translationale/klinische Forschungseinrichtungen und Kliniken oder arbeiten mit solchen zusammen. So wird sichergestellt, dass LifeTime-Erkenntnisse rasch in die klinische Praxis überführt werden können.

Über das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Benannt wurde es nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück, der 1969 mit dem Nobelpreis für Physiologie und Medizin ausgezeichnet wurde. Das MDC untersucht molekulare Mechanismen, um die Entstehung von Krankheiten zu verstehen und sie so besser und wirksamer diagnostizieren, verhindern und bekämpfen zu können. Dabei arbeitet das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern wie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislaufforschung e. V. und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen zusammen. Über 1.600 Mitarbeiter und Gäste aus fast 60 Ländern arbeiten am MDC, knapp 1.300 davon in der wissenschaftlichen Forschung. Das MDC wird zu 90 % vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 % vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de   

heilen / 08.09.2020
Selbstuntersuchung der Haut: Empfehlung für regelmäßige Kontrolle

Dr. med. Kerstin Lommel, Chefärztin der Klinik für Dermatologie und Allergologie, Leiterin Hauttumorzentrum, rät zur regelmäßigen Selbstuntersuchung der Haut. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Klinikum Berlin-Buch)
Dr. med. Kerstin Lommel, Chefärztin der Klinik für Dermatologie und Allergologie, Leiterin Hauttumorzentrum, rät zur regelmäßigen Selbstuntersuchung der Haut. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Klinikum Berlin-Buch)

Besonders zum Ende des Sommers, wenn wir über längere Zeit kurze und licht- sowie luftdurchlässige Kleidung getragen haben, verdient die Haut eine Extraportion Pflege. Durch regelmäßige Selbstkontrolle können Sie schnell reagieren, wenn Sie verdächtige Flecken oder Unebenheiten auf Ihrer Haut feststellen.

Selbstuntersuchung der Haut
Die Haut ist das größte Organ des menschlichen Körpers. Sie sagt viel darüber aus, wie wir mit unserem Körper umgehen. Umso wichtiger ist es, der Haut die Aufmerksamkeit und Pflege zu widmen, die sie verdient.
„Optimal ist es, wenn Sie Ihre Haut einmal im Monat am ganzen Körper selbst kontrollieren und etwa alle zwei Jahre zur Hautkrebsvorsorge gehen“, sagt Dr. med. Kerstin Lommel, Chefärztin der Dermatologie/Allergologie und Leiterin des Hauttumorzentrums im Helios Klinikum Berlin-Buch.
Bei Veränderungen wie Flecken, Unebenheiten oder anhaltende Rötungen wenden Sie sich zeitnah an Ihren Haus- oder Hautarzt oder kontaktieren ein Hauttumorzentrum.

Welcher Hauttyp sind Sie?
Wissen Sie, welcher Hauttyp Sie sind und wie Sie Ihre Haut am besten vor der Sonne schützen? Um Sonnenbrände zu vermeiden ist es ratsam, die Besonderheiten der eigenen Haut zu kennen. „Jede Haut ist anders und somit auch unterschiedlich empfindlich. Rötungen sind erste Warnzeichen, die darauf hindeuten, dass die Haut einen intensiveren Schutz benötigt“, sagt Dr. Lommel.
Die Expertin rät zudem, nicht nur im Sommer, sondern auch in den anderen Monaten des Jahres auf einen ausreichenden Schutz vor UV-Strahlung zu achten. Besonders Gesicht, Ohren, Hals und Hände sind regelmäßig einzucremen. Je heller die Haut ist, desto eher entsteht ein Sonnenbrand und desto höher ist die Gefahr, an weißem Hautkrebs zu erkranken.

Schon gewusst?
UV-Strahlung wirkt im, am und auf dem Wasser noch stärker, da sie dort reflektiert. Gleiches gilt auch für Gebirgsregionen und im Schnee.
Um das Bewusstsein für Hautkrebs zu stärken, die Aufmerksamkeit und das Wissen darüber zu fördern, gibt es den Europäischen Tag des hellen Hautkrebses seit 2011 jedes Jahr am 13. September.

Bei der Selbstkontrolle Ihrer Haut sind Ihnen Unregelmäßigkeiten aufgefallen? Sie möchten einen Experten kontaktieren? In der Poliklinik für Dermatologie am Helios Klinikum Berlin-Buch Haus 202, Erdgeschoss, gibt es Spezialsprechstunden.

Sprechstunde Blickdiagnose (ohne Terminvereinbarung)
Montags 08:00–10:00 Uhr

Tumorsprechstunde (mit Terminvereinbarung)
Dienstags 08:00-12:00 Uhr
hauttumorzentrum-berlin@helios-gesundheit.de oder T (030) 94 01-55700
Erreichbarkeit Montag-Freitag 8:00-16:00 Uhr
 
Kontakt
Helios Klinikum Berlin-Buch, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie; HautTumorZentrum
Chefärztin: Dr. med. Kerstin Lommel
Schwanebecker Chaussee 50, Haus 202, 13125 Berlin
T (030) 94 01-55700
hauttumorzentrum-berlin@helios-gesundheit.de
https://www.helios-gesundheit.de/kliniken/berlin-buch/unser-angebot/unsere-fachbereiche/hauttumorzentrum/

 

Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 1.000 Betten in mehr als 60 Kliniken, Instituten und spezialisierten Zentren sowie einem Notfallzentrum mit Hubschrauberlandeplatz. Jährlich werden hier mehr als 55.000 stationäre und über 144.000 ambulante Patienten mit hohem medizinischem und pflegerischem Standard in Diagnostik und Therapie fachübergreifend behandelt, insbesondere in interdisziplinären Zentren wie z.B. im Brustzentrum, Darmzentrum, Perinatalzentrum, der Stroke Unit und in der Chest Pain Unit. Die Klinik ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als Onkologisches Zentrum und von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetiker geeignet DDG“ zertifiziert.
Gelegen mitten in Berlin-Brandenburg, im grünen Nordosten Berlins in Pankow und in unmittelbarer Nähe zu Barnim, ist das Klinikum mit der S-Bahn (S 2) und Buslinie 893 oder per Auto (ca. 20 km vom Brandenburger Tor entfernt) direkt zu erreichen.

Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 110.000 Mitarbeitern. Zum Unternehmen gehören unter dem Dach der Holding Helios Health die Helios Kliniken in Deutschland sowie Quirónsalud in Spanien. Rund 21 Millionen Patienten entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios. 2019 erzielte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von 9,2 Milliarden Euro.
In Deutschland verfügt Helios über 86 Kliniken, 123 Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und sieben Präventionszentren. Jährlich werden in Deutschland rund 5,6 Millionen Patienten behandelt, davon 4,4 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland fast 69.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von rund sechs Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.

Quirónsalud betreibt 51 Kliniken, 71 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 15,4 Millionen Patienten behandelt, davon 14,6 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt rund 37.500 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von über drei Milliarden Euro.

Helios Deutschland und Quirónsalud gehören zum Gesundheitskonzern Fresenius.

 

 

forschen / 07.09.2020
Die Architektur von Synapsen erforschen - Fan Liu erhält 1,5 Millionen Euro Fördermittel vom Europäischen Forschungsrat

Prof. Dr. Fan Liu (Foto: Krzysztof Szafranek)
Prof. Dr. Fan Liu (Foto: Krzysztof Szafranek)

Prof. Dr. Fan Liu vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) erhält einen der begehrten ERC Starting Grants des Europäischen Forschungsrates (ERC). Die Wissenschaftlerin erhält für ihre hochinnovative Forschung zu den Interaktionen und der räumlichen Organisation des synaptischen Proteoms eine Gesamtförderung von bis zu 1,5 Millionen Euro für einen Zeitraum von fünf Jahren.

Die Hirnfunktionen hängen entscheidend von der chemischen Neurotransmission an Synapsen ab, während umgekehrt neurologischen und psychiatrischen Störungen eine synaptische Dysfunktion zugrunde liegt. Synapsen bestehen aus mehr als 2.000 verschiedenen Proteinen, die räumlich in speziellen Proteinkomplexen organisiert sind. Wie sich jedoch diese Tausende von Proteinen selbst anordnen und zu funktionellen makromolekularen Maschinerien zusammensetzen, ist bisher nicht hinreichend verstanden.

Das ausgezeichnete SynLink-Projekt (Revealing the Synapse Architecture and Plasticity by Structural Interactomics) zielt darauf ab, das Gesamtbild der räumlichen Anordnung, der molekularen Architektur und des Interaktionsnetzwerks des synaptischen Proteoms besser zu verstehen. Darüber hinaus zielt der Projektvorschlag aus methodischer Sicht auch darauf ab, innovative Methoden zu etablieren, insbesondere Crosslinking (Vernetzungs)-Massenspektrometrie-basierte Pipelines, die eine systemweite Profilerstellung der Interaktome komplexer biologischer Systeme ermöglichen. „Wir gehen davon aus, dass diese Studien bahnbrechende Einsichten in die molekulare Architektur der Synapse liefern und damit eine entscheidende Wissenslücke in den Neurowissenschaften schließen werden“, sagt Liu.

Prof. Dr. Fan Liu

Prof. Dr. Liu schloss ihr Studium an der Fudan-Universität in Shanghai mit einem B.Sc. in Biologie ab. Danach wechselte sie in das Labor von Prof. Dr. Mike Goshe an der North Carolina State University und promovierte dort 2013 in Biochemie. Liu arbeitete als Postdoc im Labor von Prof. Dr. Albert Heck (Utrecht, Niederlanden). Im Jahr 2017 begann Liu am Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin als Gruppenleiterin für Strukturelle Interaktomik und Leiterin der Forschungsplattform Proteomik. 2020 wird Liu gemeinsam mit der Charité - Universitätsmedizin Berlin zur W2-S-Professorin berufen.

ERC Starting Grants für talentierte junge Forscher

ERC Starting Grants werden an Nachwuchsforscherinnen und -forscher aller Nationalitäten mit zwei bis sieben Jahren Erfahrung seit Abschluss der Promotion (oder eines gleichwertigen Abschlusses) und einer vielversprechenden wissenschaftlichen Karriere vergeben. Die Forschung muss in einer öffentlichen oder privaten Forschungseinrichtung mit Sitz in einem der EU-Mitgliedstaaten oder assoziierten Länder durchgeführt werden. Die Förderung wird bis zu fünf Jahre gewährt.

www.leibniz-fmp.de

leben / 04.09.2020
Aktionswoche "Pankow in Bewegung" - zahlreiche Programmpunkte in Buch

Der neu gestaltete Skaterplatz wurde vor kurzem eröffnet (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)
Der neu gestaltete Skaterplatz wurde vor kurzem eröffnet (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)

Vom 16.-22. September findet die Aktionswoche "Pankow in Bewegung" im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche statt. Eine Woche lang können Menschen jeden Alters an verschiedensten Aktionen rund um die Themen Bewegung, Lebensqualität und Klimaschutz in ganz Pankow teilnehmen. Die Aktionen reichen von lokalen Bewegungsfesten bis zu Einzelaktionen. Eine Übersicht zu allen Pankower Aktionen ist im Programmheft zu finden. Sie können es hier herunterladen.

Auch in Berlin-Buch finden in der Woche "Pankow in Bewegung" jeden Tag zahlreiche Aktionen für Menschen jeden Alters statt.

Die zwei größten Veranstaltungen in Berlin-Buch sind:

  • Interkulturelles Sport-Event, 18.09., 14-18 Uhr, auf dem Panke-Platz
  • Aktionstag für alle Generationen, 22.09., 14-18 Uhr, im Garten des Bucher Bürgerhauses (Bitte anmelden: shz.buch@albatrosggmbh.de, 030 - 9415426)

Neben diesen zwei größeren Veranstaltungen wird es in Berlin-Buch vom 16.-22.09. außerdem noch folgende Aktionen geben (diese sind im angehängten Programmheft in grün und ausführlicher aufgeführt):

  • Mobiles Skateangebot vom Kinderclub "Der Würfel"
  • Lehmbau auf der Moorwiese
  • Achtsamkeitsparcours im Garten des Bucher Bürgerhauses
  • Bewegung im Alter (ab 65 Jahre) im Schlosspark Buch
  • Naturerfahrung im Schlosspark Buch vom Familienzentrum Buch und den naturbegleiter*innen
  • Spielerische Verkehrserziehung vom Familienzentrum Kita Busonistraße
  • Powergymnastik für Frauen vom SV Buch
  • Beachvolleyball und Volleyball vom SJC und SV Buch
  • Kunstaktionen im Waldbegegnungsgarten "Freundlich" und Spaziergänge über die Skulpturenlinie von Steine ohne Grenzen e.V.
  • Einführung in die natürliche Bienenhaltung und Bau von Klotzbeuten auf der Moorwiese
  • Cleanup Walk von Vielfarb Social gGmbH
  • Fahrradtouren vom Selbsthilfe- und Stadtteilzentrum Buch und von Gangway e.V.
  • Abenteuerparcours auf dem Naturerfahrungsraum "Wilde Welt" auf der Moorwiese
  • Mädchenfußball beim SG Blau-Weiß Buch e.V.
  • Klettern im SJC

Es ist wichtig zu überprüfen, zu welchen Aktionen sich aufgrund der derzeit vorherrschenden Corona-Pandemie vorab angemeldet werden muss. Hierzu sind alle Informationen unter dem jeweiligen Angebot im Programmheft zu finden.

Die Aktionswoche "Pankow in Bewegung" wird im Rahmen der kommunalen Gesundheitsförderung organisiert. Ein aktiver Mobilitätsstil erhöht die eigene Fitness und die Lebensqualität in Pankows Stadtteilen. Die Woche ermöglicht es als gebündelte Aktion von Vereinen, Einrichtungen und Initiativen, sich in der Nachbarschaft kennenzulernen, zu vernetzen und gemeinsam gesundheits- und klimaschutzförderlich aktiv zu werden.

Dieser Text wurde uns freundlicherweise von der Albatros gGmbH zur Verfügung gestellt.

forschen / 03.09.2020
Millionenförderung für zukunftsweisende Forschung

Dr. Kathrin de la Rosa in ihrem Labor. Foto: Pablo Castagnola / MDC (links) & Dr. Ilaria Piazza kam erst in diesem Jahr ans MDC (rechts). (Foto: David Ausserhofer/ MDC)
Dr. Kathrin de la Rosa in ihrem Labor. Foto: Pablo Castagnola / MDC (links) & Dr. Ilaria Piazza kam erst in diesem Jahr ans MDC (rechts). (Foto: David Ausserhofer/ MDC)

Zwei MDC-Wissenschaftlerinnen – Kathrin de la Rosa und Ilaria Piazza – werden mit ERC Starting Grants gefördert. Ihre Arbeit könnte eines Tages die Art und Weise verändern, wie wir Impfstoffe entwickeln und wie wir über den Einfluss kleiner Moleküle auf Genexpression und Krankheiten nachdenken.

Dr. Kathrin de la Rosa und Dr. Ilaria Piazza, beide Juniorgruppenleiterinnen am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), erhalten Starting Grants des Europäischen Forschungsrates ERC. Die begehrte Auszeichnung ist mit einer Förderung in Höhe von jeweils etwa 1,5 Millionen Euro über fünf Jahre verbunden. Damit können Nachwuchsforscher*innen eigene Teams aufbauen und „high risk, high reward“-Forschung betreiben. Sie müssen seit ihrer Promotion zwei bis sieben Jahre Erfahrung gesammelt haben und über eine vielversprechende wissenschaftliche Erfolgsbilanz verfügen. In diesem Jahr erhalten 436 europäische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlichster Fachrichtungen ERC Starting Grants.

„Die ERC Starting Grants unterstützen in der Regel Projekte, die in anderen Zusammenhängen vielleicht scheitern würden, weil die Ideen, um es mal einfach auszudrücken, zu verrückt sind“, sagt Piazza, die die Arbeitsgruppe „Allosterische Proteomik“ leitet. De la Rosa, die Leiterin der Arbeitsgruppe „Immunmechanismen und humane Antikörper“ stimmt zu: „So können wir uns an riskantere Hypothesen heranwagen.“

Kleine Interaktionen, große Wirkung?
Piazza untersucht das Zusammenspiel zwischen Proteinen und kleinen Molekülen (small molecules), bei denen es sich entweder um natürliche Metabolite oder um von Menschenhand hergestellte Medikamente handeln kann. „Wir wissen ziemlich viel darüber, wie Proteine miteinander oder mit Nukleinsäuren wie DNA oder RNA interagieren. Aber ihr Zusammenspiel mit Metaboliten oder Medikamenten in großem Maßstab zu ergründen, das ist neu“, sagt Piazza. 

Ihr Ansatz zur Analyse dieser Interaktionen ist innovativ: Sie kombiniert eine Protease – ein Protein, das andere Proteine zerkleinert oder „spaltet“ – mit Massenspektrometrie, also einer Maschine, die verschiedenste Segmente von Proteinen, die Peptide, erkennt und ausliest. Piazza vergleicht die Peptidketten eines Proteins, die einem kleinen Molekül ausgesetzt waren, mit denen, die keinen Kontakt hatten. Wenn sich die Ketten unterscheiden, ist das ein Hinweis: Es deutet darauf hin, dass das Protein anders geschnitten wurde, weil es an das jeweilige kleine Molekül gebunden war.

Die besondere Stärke des Ansatzes liegt darin, dass Piazza so Tausende Proteine gleichzeitig untersuchen kann, um zu sehen, welche von ihnen an ein bestimmtes kleines Molekül binden. Der „verrückte“ Teil ihrer Hypothese: Sie vermutet, dass ein Zusammenspiel von Proteinen und kleinen Molekülen innerhalb des Zellkerns die Genexpression direkt beeinflussen kann. Ihrer Ansicht nach sind diese Interaktionen der Schlüssel, um die Entstehung von Krankheiten zu erklären – denn im Gegensatz zu einer vorbestimmten Genetik spiegeln sie die Einflüsse der Außenwelt wider.

„Warum können Zwillinge, die das gleiche Erbgut teilen, verschiedene Persönlichkeiten haben und andere Krankheiten entwickeln“, fragt Piazza. „Wie wir leben und unsere Umwelt – das beeinflusst, wie die DNA in Proteine übersetzt wird. Und ich glaube, dass das Zusammenspiel von Proteinen und kleinen Molekülen eine enorme Rolle spielt, die noch völlig unerforscht ist.“ 

Vielleicht sei der Effekt am Ende kleiner als sie annimmt. Doch einen ERC Starting Grant zu bekommen, bestärke sie darin, der Idee nachzugehen, sagt Piazza. Dank der Förderung in Höhe von fast 1,7 Millionen Euro für ihr Projekt proteoRAGE kann sie ihr Labor erweitern, das sie seit diesem Jahr am MDC aufbaut. „Ich brauche mutige Menschen, die sich nicht scheuen, über den Tellerrand zu schauen“, sagt sie. 

Der Natur die erfolgreichsten Tricks abschauen
Kathrin de la Rosa, die seit 2018 ihr Immunologie-Labor 2018 am MDC leitet, konnte die Nachricht über die Förderung kaum glauben. „Erst als mir all jene, die mich bei der Bewerbung unterstützt haben, gratuliert haben, habe ich es realisiert und konnte den Erfolg feiern“, sagt sie. Sie bekommt fast 1,5 Millionen Euro für ihr Projekt AutoEngineering.

In dem Projekt will Kathrin de la Rosa körpereigene B-Zellen im Labor genetisch so verändern, dass sie Antikörper produzieren, die noch schlagkräftiger sind als ihre natürlichen Vorbilder. Allerdings wird de la Rosa dafür nicht auf die Gen-Schere CRISPR-Cas9 zurückgreifen. „Wenn diese Schere an der falschen Stelle schneidet, kann das unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen. Die Zellen können sogar zu Krebszellen werden“, sagt sie. Stattdessen will de la Rosa eine natürliche Fähigkeit der B-Zellen nutzen. 

B-Zellen gehören zu den weißen Blutkörperchen. Diese sind in der Lage, hochspezialisierte Antikörper zu bilden, die Eindringlinge im Körper erkennen und binden können. Damit locken sie wieder andere Abwehrzellen an, die den Erreger wie ein Virus, ein Bakterium oder einen Parasiten zerstören. Wenn die B-Zellen dem Erreger begegnen, werden sie aktiviert. Sie teilen sich und ihre DNA-Stränge brechen besonders oft an den Stellen, die die Erbinformation für die Antikörper kodieren. So entstehen nach dem Zufallsprinzip neue Antikörpervarianten, von denen manche noch besser an den Erreger binden können. Während einer Malaria können die Antikörper in seltenen Fällen sogar Segmente eines anderen Gens „stehlen“. Ein ganz neuer Rezeptor wird eingebaut, es bilden sich breit reaktive Antikörper. „Diesen Antikörpern kann ein Erreger viel schwerer entkommen, selbst wenn der Eindringling mutiert und seine Oberfläche verändert“, sagt de la Rosa.  

De la Rosa will diesen natürlichen Prozess des „Segment-Stehlens“, den sie und ihre Kolleg*innen 2016 zum ersten Mal beobachtet haben, Schritt für Schritt aufklären. Sie will die zugrundeliegenden Mechanismen verstehen und sie in der Petrischale nachstellen. „Zuerst müssen wir effiziente Wege finden, wie wir diese zelleigenen Mechanismen nutzen können. Wir möchten testen, ob unser Ansatz sicherer ist als der Einsatz zellfremder Gen-Scheren wie CRISPR-Cas9 und ihn dann anwenden, um schließlich neuartige Antikörper zu erzeugen“, sagt sie. „Stellen Sie sich nur vor, wir könnten der Natur ihre erfolgreichsten Tricks abschauen, um in Zukunft Erreger wie HIV, die unser Immunsystem überfordern, in Schach zu halten!“ Es reizt sie und ihr Team, an etwas zu arbeiten, das eines Tages ein völlig neuer Ansatz für Impfstoffe sein könnte, sagt de la Rosa. „Das wird eine spannende Reise.“

Weiterführende Informationen

ERC Starting Grants 2020: €677 million awarded to unravel scientific mysteries (Pressemitteilung des ERC, engl.)

ERC Starting Grants 2020 – Zahlen und Fakten (engl.) 

Ingenieurin des Abwehrsystems

AG de la Rosa

Wie Metabolite und Proteine sich die Hand geben

AG Piazza

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Benannt wurde es nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück, der 1969 mit dem Nobelpreis für Physiologie und Medizin ausgezeichnet wurde. Das MDC untersucht molekulare Mechanismen, um die Entstehung von Krankheiten zu verstehen und sie so besser und wirksamer diagnostizieren, verhindern und bekämpfen zu können. Dabei arbeitet das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern wie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislaufforschung e. V. und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen zusammen. Über 1.600 Mitarbeiter und Gäste aus fast 60 Ländern arbeiten am MDC, knapp 1.300 davon in der wissenschaftlichen Forschung. Das MDC wird zu 90 % vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 % vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de  

forschen / 03.09.2020
Die kontinuierliche Evolution von Krebszellen

3D-Struktur einer Melanomzelle, gewonnen durch Ionenabrieb-Rasterelektronenmikroskopie. (Foto: Sriram Subramaniam, National Cancer Institute, National Institutes of Health, Lizenz: CC BY-NC 2.0)
3D-Struktur einer Melanomzelle, gewonnen durch Ionenabrieb-Rasterelektronenmikroskopie. (Foto: Sriram Subramaniam, National Cancer Institute, National Institutes of Health, Lizenz: CC BY-NC 2.0)

Ein neuer Algorithmus zeigt, dass die Zellen eines Tumors fortlaufend ihr Genom umgestalten – eine Evolution im Schnelldurchlauf, die bei zahlreichen Tumorarten vorkommt. Doch welche Veränderungen nützen dem Tumor und tragen zur Metastasierung bei? Sie zu erkennen, könnte zu neuen Therapien beitragen.

In einigen Zellen gewinnt und verliert ein Tumor große Abschnitte von Chromosomen, in anderen Zellen jedoch nicht. Dieser Prozess kann ein Hinweis auf fortlaufende Evolution und die Selektion bevorzugte Merkmale sein. Zu diesem Schluss kommt ein Forschungsteam des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), des Francis Crick Institute und des University College London. Wie die Forschenden in der Fachzeitschrift Nature berichten, fanden sie derartige Hinweise bei 22 Tumorarten, darunter Brust-, Darm- und Lungenkrebs.

„Das Ausmaß der kontinuierlichen strukturellen Evolution in diesen Krebsgenomen ist viel größer, als wir ursprünglich gedacht hatten, und es ist auch größer als es die Community gewöhnlich annimmt“, sagt Dr. Roland Schwarz, Leiter der MDC-Arbeitsgruppe „Evolutionäre und Krebsgenomik“ und einer der Hauptautoren der Studie. 

Begünstigt werden dabei anscheinend solche Varianten, durch die die Krebszellen große Chromosomenabschnitte mit vorteilhaften Genen hinzugewinnen oder öfter kopieren können. Genabschnitte, die den Tumor unterdrücken könnten, gehen dagegen verloren. „Das ist zwar intuitiv einleuchtend, aber es wurde noch nie zuvor nachgewiesen, dass dies kontinuierlich bei so vielen Tumorarten passiert“, sagt Schwarz.

Mutter oder Vater zuerst?
Roland Schwarz und Tom Watkins, Erstautor der Studie und Doktorand am Francis Crick Institute, den Schwarz mitbetreut, haben in den letzten fünf Jahren gemeinsam ein Verfahren entwickelt, das diese umfassenden Mutationen detaillierter beschreiben kann. Die Veränderungen werden als somatische Kopienzahl-Änderungen bezeichnet und können Chromosomenarme oder sogar ganze Chromosomen umfassen. Sie sind also weitaus größer als Punktmutationen in einzelnen Genen. Die Forschenden interessierte insbesondere, ob Veränderungen an der mütterlichen oder väterlichen Kopie eines Chromosoms oder gar an beiden vorliegen und in welcher Reihenfolge sie auftreten.

„Wenn wir das Ausmaß der kontinuierlichen Instabilität der Chromosomen und die daraus resultierende Heterogenität der Kopienzahl verstehen, könnte das zukünftige Therapieansätze beeinflussen“, sagt Watkins.

Mithilfe eines neuen Algorithmus namens „Refphase“ und einer statistischen Analyse gelang es den Forschenden, diese Detailgenauigkeit in den Haplotypen zu erreichen. Gemeinsam mit Kolleg*innen wandten sie dieses Verfahren auf 1.421 Proben aus 394 Tumoren von 22 Tumorarten an. Entscheidend dabei war, dass diese Proben aus mindestens zwei verschiedenen Teilen des Tumors stammten, sodass die Forscher*innen die Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen vergleichen konnten. 

„Solche Datensätze findet man immer noch recht selten. Es war daher für mich sehr spannend, mit der größten Datensammlung unterschiedlichster Krebsarten zu arbeiten, die auch Daten aus verschiedenen Bereichen der Tumoren umfasst“, sagt Marina Petkovic, Co-Autorin der Studie und Doktorandin in Schwarz’ Labor, das Teil des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des MDC ist.

Die Forscher*innen fanden eine große Variabilität chromosomaler Gewinne und Verluste in den Zellen aus verschiedenen Tumorteilen – und zwar bei allen untersuchten Tumorarten.

Ein weit verbreitetes Ungleichgewicht
Das Team stellte auch fest, dass in einem Tumorteil ein Gewinn oder Verlust oft nur auf der mütterlichen Kopie des Chromosoms auftrat, während im anderen Teil des Tumors der Gewinn oder Verlust nur auf der väterlichen Kopie zu finden war. Dieses Phänomen, das Schwarz und seine Kollegen erstmals 2017 in einer Studie beschrieben, wird als gespiegeltes subklonales Allel-Ungleichgewicht („Mirrored Subclonal Allelic Imbalance“ oder MSAI) bezeichnet. „Diese MSAI-Ereignisse finden sich in vielen Tumorarten. Es gibt sie nahezu überall“, sagt Schwarz.

Dieses Ungleichgewicht deutet auf eine getrennte, parallel stattfindende Evolution hin – es legt also Selektion nahe. Ob die gewonnenen oder verlorenen Chromosomen-Abschnitte tatsächlich zur Metastasierung des Tumors beitragen oder nur zufällig auftreten, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Fest steht jedenfalls: Die Forschungsergebnisse zeigen mit großer Beweiskraft, dass sich Krebszellen ihre Genome kontinuierlich und in großem Maßstab umgestalten. Dieser Vorgang wird auch chromosomale Instabilität genannt.

Die Befunde greifen eine laufende Debatte auf dem Gebiet der Krebsgenomik auf. Einige Wissenschaftler*innen argumentieren, dass es zahlreiche evolutionäre Veränderungen gibt, wenn sich der Tumor gerade erst bildet und das Genom später relativ stabil bleibt. Andere wiederum – darunter Schwarz und seine Kolleg*innen – vermuten, dass diese Veränderungen über den gesamten Lebenszyklus eines Krebs hinweg anhalten. „Unser Ansatz erbringt substanzielle Nachweise für eine kontinuierliche chromosomale Instabilität – und zwar so detailliert, wie es bislang nicht möglich war“, sagt Schwarz.

Schwarz und sein Team führen derzeit Beta-Tests ihres Algorithmus für die Veröffentlichung als R-Paket durch. Mit einer solchen Open-Access-Software zur Datenanalyse können auch andere Wissenschaftler*innen in diesem Bereich das Verfahren nutzen.

Weiterführende Informationen
Pressemitteilung auf der MDC-Website lesen

Arbeitsgruppe von Dr. Roland Schwarz

Pressemitteilung: „Im Detail erfasst: Mutierte DNA in Krebszellen“

Literatur
Tom Watkins et al. (2020): „Pervasive Chromosomal Instability and Karyotype Order During Tumour Evolution“, Nature, DOI: 10.1038/s41586-020-2698-6

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Benannt wurde es nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück, der 1969 mit dem Nobelpreis für Physiologie und Medizin ausgezeichnet wurde. Das MDC untersucht molekulare Mechanismen, um die Entstehung von Krankheiten zu verstehen und sie so besser und wirksamer diagnostizieren, verhindern und bekämpfen zu können. Dabei arbeitet das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern wie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislaufforschung e. V. und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen zusammen. Über 1.600 Mitarbeiter und Gäste aus fast 60 Ländern arbeiten am MDC, knapp 1.300 davon in der wissenschaftlichen Forschung. Das MDC wird zu 90 % vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 % vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de 

leben, bilden / 03.09.2020
Buch_KulTour zum geplanten Bildungs- und Integrationszentrum

Die kleine Kräuter-Apotheke. (Foto: Katharina Bohm)
Die kleine Kräuter-Apotheke. (Foto: Katharina Bohm)

Bucher Akteure bieten vom 25. September bis 1.Oktober 2020 zahlreiche Veranstaltungen im Rahmen einer Aktionswoche zum geplanten Bildungs- und Integrationszentrum (BIZ Berlin-Buch) an. Das Gläserne Labor wird an allen Tagen mit Mitmach-Experimenten für Kinder in der Stadtbibliothek dabei sein.

Freitag, 25.09.2020, 15:00 Uhr | Stadtteilbibliothek Buch

Herr Bernoulli und der umgeklappte Regen­schirm
Strömung – Wer kennt das nicht, wenn es stürmt und regnet und plötz­lich sich der Regen­schirm umklappt. Die Erklärung für dieses Phänomen hatte der italienische Physiker Bernoulli. Mit kleinen Experimen­ten kommt man diesem Phänomen auf die Spur!

Montag, 28.09.2020, 15:00 Uhr | Stadtteilbibliothek Buch

Nutze die Hebelwirkung, um deinen Rucksack optimal zu packen!
Jeder wendet täglich die Hebelkraft an. Schon alleine, wenn man eine Tür­klinke oder eine Flasche öffnet. Auch auf einer Wippe ist die Hebel­kraft ent­scheidend. Doch bei dem Packen des Rucksacks achten wir nicht auf diese Kraft. Komm vorbei und probiere den Unter­schied aus.

Dienstag, 29.09.2020, 15:00 Uhr | Stadtteilbibliothek Buch

Die kleine Kräuter-Apotheke
Vor der Lesung zu Fontane gibt es eine kleine Kräuter­kunde und Tee­rezepte zum Wohl­fühlen.
Denn Theodor Fontane war gelernter Apotheker. Er arbeitete von 1840 bis 1848 als Apotheker, bevor er als Schrift­steller tätig wurde.

Mittwoch, 30.09.2020, 15:00 Uhr | Stadtteilbibliothek Buch

Töne in Musik verwandeln
Töne in Musik verwandeln, daraus bestand das Leben von Beethoven, aber wie entstehen tiefe und hohe Töne. Was sind Töne? Mithilfe von spannenden Experi­men­ten entdeckst du, was Töne sind sowie wie tiefe und hohe Töne entstehen.

Donnerstag, 01.10.2020, 15:00 Uhr | Stadtteilbibliothek Buch

Geheimnisse der Optik
Schrumpfende Finger oder der Knick im Stift, die verrückten Geheimnisse der Optik. Finde heraus warum Gegen­stände Unter­wasser anders aussehen als in der Luft.

Für alle Angebote des Gläsernen Labors gilt: Für die ganze Familie. Anmeldung unter doreen.tiepke@ba-pankow.berlin.de ist hilfreich, Kurzentschlossene sind aber auch herzlich willkommen.

Das Programm der Bucher Aktionswoche kurz und knapp:

Ausstellungen

    Ausstellung: »Junge Meister«
    Popup-Ausstellung: »Zum Beispiel: Fontane«

Exkursion: Historisches Dorf und Schlosspark Berlin Buch
Tag der offenen Tür in der Stadtteilbibliothek Buch
Spaziergang: Kunst im öffentlichen Raum
Themen-Konzert: »Gestatten, Beethoven«
Film und Gespräch:»Bruderland ist abgebrannt«
Lesung: »Brandenburger Notizen – Fontane-Krüger-Kienzle«
Benefizkonzert für die Orgel der Schlosskirche Buch
Bucher Bürgerforum: Austausch über das neue Bildungs- und Integrationszentrum

Mitmach-Experiment des Gläsernen Labors in der Stadtbibliothek

    Herr Bernoulli und der umgeklappte Regenschirm
    Nutze die Hebelwirkung, um deinen Rucksack optimal zu packen!
    Die kleine Kräuter-Apotheke
    Töne in Musik verwandeln
    Geheimnisse der Optik

Das vollständige Programm und weitere Informationen finden Sie hier: https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/aemter/amt-fuer-weiterbildung-und-kultur/buch_kultour-967201.php

leben / 03.09.2020
“Pankow in Bewegung”

Unter dem Titel „Pankow in Bewegung“ findet anlässlich der Europäischen Mobilitätswoche vom 16. - 22. September 2020 eine Veranstaltungsreihe mit umfangreichem Aktionsprogramm statt. Im Rahmen der kommunalen Gesundheitsförderung werden eine Woche lang lokale Bewegungsfeste und bewegte Aktionen im Freien organisiert. Ein aktiver Mobilitätsstil erhöht die eigene Fitness und die Lebensqualität in Pankows Stadtteilen.

Pankow in Bewegung ermöglicht als gebündelte Aktion von Vereinen, Einrichtungen und Initiativen, sich in der Nachbarschaft kennenzulernen, zu vernetzen und gemeinsam gesundheits- und klimaschutzförderlich aktiv zu werden. Das umfangreiche Programm für eine bewegte Woche ist fertig und es wird herzlich eingeladen. Alle weiteren Informationen im Internet unter www.berlin.de/pankow bei Aktuelle Hinweise.

forschen, heilen / 03.09.2020
Dem Ursprung und Wirken zirkulärer DNA auf der Spur

Anton G. Henssen © Linda Ambrosius
Anton G. Henssen © Linda Ambrosius

Wie entsteht Krebs und wie schreitet er voran? Dr. Anton Henssen vom Experimental and Clinical Research Center (ECRC) will mehr über zirkuläre DNA herausfinden, um deren krebszellenspezifische Merkmale für Therapie, Diagnose oder klinische Prognosen zu nutzen. Dafür bekommt er nun einen ERC Starting Grant.

Die Rolle extrachromosomalen Erbmaterials bei der Krebsentstehung rückt zunehmend in den Fokus der Forschung. Offenbar besitzen Krebszellen entsprechend neuesten Untersuchungen die Fähigkeit, kleine Erbgutringe außerhalb der Chromosomen – die sogenannte zirkuläre DNA – selbst zu erzeugen und in das bestehende Erbgut wieder einzugliedern. Wird die ursprüngliche Abfolge der DNA dabei durcheinandergebracht, kann das Zellwachstum außer Kontrolle geraten und Krebs entstehen.

„Wir konnten bereits zeigen, dass diese Phänomene bei primären Neuroblastomen, einem vorrangig im Kindesalter auftretenden Tumor, häufiger zu beobachten sind als zunächst angenommen“, bestätigt Dr. Anton Henssen, Wissenschaftler am Experimental and Clinical Research Center (ECRC ), einer gemeinsamen Einrichtung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), der auch als Arzt an der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie der Charité tätig ist. „Die Beobachtung ist ein Hinweis dafür, dass DNA-Zirkularisierung eine wichtige Triebkraft für die Umgestaltung der Krebs-DNA darstellt.“

Das Vorhaben CancerCirculome

Mit dem Start von CancerCirculome wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um den Kinderonkologen und Leiter einer Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe die zugrundeliegenden Prinzipien der Veränderungen in der Krebs-DNA bei kindlichen Tumoren aufdecken. In den kommenden fünf Jahren werden die Mechanismen und Folgen der DNA-Zirkularisierung und Re-Integration von Erbgutteilen in Chromosomen im Zentrum der Arbeiten stehen. „Wie es zur Erzeugung und Vermehrung der zirkulären DNA kommt, ist im Detail noch nicht bekannt. Dem Ursprung der kleinen Ringe wollen wir näherkommen, indem wir die Sequenzinhalte dieser Erbgutteile genau rekonstruieren“, erklärt Henssen. „Dazu werden wir auf Einzelzellebene molekulare Faktoren bestimmen, die dazu führen, dass zirkuläre DNA überhaupt entstehen kann und vervielfältigt wird.“

Das Team hofft, auf komplett neue Mechanismen zu treffen, die dafür verantwortlich sind, dass Zellen die Kontrolle über ihr Wachstum verlieren. „Diese Mechanismen könnten Angriffspunkt für neue Therapie- und Diagnoseansätze sein – nicht nur für Tumorerkrankungen bei Kindern, sondern als Grundprinzip für Krebserkrankungen insgesamt“, sagt Henssen, der auch BIH Charité Clinician Scientist und Wissenschaftler des Deutschen Krebskonsortium (DKTK) ist. Auf Einzelzell-CRISPR basierende Methoden, ein gezieltes Verändern und Stören zirkulärer DNAs, sollen ermöglichen, die biologischen Auswirkungen der DNA-Zirkularisierung und Re-Integration aufzuzeigen. Die Forscherinnen und Forscher planen, zirkuläre DNAs in menschlichen Zellen gezielt genetisch zu manipulieren, um ihren funktionellen Einfluss auf die Fitness von Krebszellen zu bewerten. Außerdem soll ihr Verhalten, das Vorhandensein und ihre chromosomale Integration während der Krebstherapie auf Einzelzellebene verfolgt werden. Ziel ist es, die krebsauslösenden Funktionen der ringförmigen Erbgutteile aufzudecken und zu ermitteln, was genau zur Re-Integration zirkulärer DNA in Chromosomen führt.

Dieses Wissen soll anschließend klinisch nutzbar gemacht werden: „Anhand der aufgedeckten Prinzipien wollen wir neue diagnostische und vorhersagende Marker definieren, die der personalisierten Diagnose, Risikoabschätzung und Behandlung von Tumoren dienen können“, schließt Henssen. Langfristiges Ziel ist es, das Verständnis über Tumoren nachhaltig zu beeinflussen und klinische Studien mit personalisierten Behandlungen für Kinder mit schwer zu behandelnden Krebsarten zu unterstützen.

Weiterführende Informationen

AG Henssen
Genomische Instabilität in pädiatrischen Tumoren
Pressemitteilung  der Charité
Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie
AG Henssen an der Charité
Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe unter Leitung PD Dr. Henssen
Wie DNA Ringe Krebs bei Kindern verursachen

leben, bilden / 01.09.2020
Mosse-Tage Berlin vom 8. - 23. September 2020

Ausstellungseröffnung am 8. September und vier Vorträge

Der Verleger Rudolf Mosse und seine Familie gehörten einst zu den großen Berliner Mäzenen. Ihr politisches und publizistisches Engagement prägte die Stadt, bis die Nationalsozialisten den Verlag arisierten und die Familie vertrieben, Rudolf Mosse geriet nach dem Krieg in Vergessenheit. Die Gruppe "Mosse erinnern!“ möchte Rudolf Mosse wieder ins öffentliche Bewusstsein rufen. Zu den Mosse-Tagen vom 8. - 23. September 2020 wird es eine Ausstellung und ein Rahmenprogramm geben.

Die Ausstellungseröffnung "100 Jahre Rudolf-Mosse-Straße" findet am Dienstag, dem 8. September 2020 um 18.00 Uhr im Beisein des Bezirksbürgermeisters Sören Benn im Cantianstadion statt (Nähe Eingang Eberswalder Str., entlang des ehemaligen Straßenverlaufs).

Rudolf Mosse spendete 1913 der Stadt Berlin den hohen Betrag von 1,7 Millionen Mark für verschiedenste Zwecke. Der Berliner Magistrat kündigte in seinem Dankesschreiben die Benennung einer Straße nach Rudolf Mosse an und wählte dafür später die Erschließungsstraße zwischen Eberswalder und Sonnenburger Straße. Am 31. Mai 1920 erhielt die Straße ihren neuen Namen, Rudolf Mosse starb kurz darauf am 8. September 1920. Die Nationalsozialisten tilgten 1935 viele jüdisch konnotierte Straßennamen aus dem Berliner Stadtbild, darunter auch die Rudolf-Mosse-Straße in Prenzlauer Berg. Nach dem Krieg wurde die Straße mit Stadion und Tennisplätzen überbaut. Heute wird im Sportpark an Friedrich Ludwig Jahn und Max Schmeling erinnert, nicht aber an den großzügigen jüdischen Mäzen. Um das zu ändern, treffen sich seit 2017 Anwohner, Fußballfans, Sportler und Lokalhistoriker in der Gruppe „Mosse erinnern!“.

Ab dem 8. September 2020, dem 100. Todestag Rudolf Mosses, soll mit den Mosse-Tagen an den Verleger erinnert werden. Am 8. September wird um 18.00 Uhr die Ausstellung "100 Jahre Rudolf-Mosse-Straße" auf elf Litfaßsäulen eröffnet, die den ehemaligen Verlauf der Rudolf-Mosse-Straße markieren. Die Ausstellung, die das Leben Rudolf Mosses nachzeichnet, die wichtigsten Projekte seines Mäzenatentums und die Geschichte des Geländes aufzeigt, wird bis zum 23. September 2020 zu
sehen sein. Das Begleitprogramm zur Ausstellung findet in den Räumen des Fanprojekts Cantianstraße 25 statt.

Mosse-Tage Berlin vom 8. bis 23. September 2020

Ausstellungseröffnung "100 Jahre Rudolf-Mosse-Straße"
Di., 8. September 2020, 18.00 Uhr
Cantianstadion Nähe Eingang Eberswalder Str., entlang des ehem. Straßenverlaufs

Im Begleitprogramm zur Ausstellung wird es vier Vorträge geben:
• 10.9.2020, 19.00 Uhr: Beate Boehnisch und Bernt Roder, (beide vom Museum Pankow) über Rudolf Mosse und jüdisches Leben im Prenzlauer Berg
• 15.9.2020: Christian Wolter, Sporthistoriker, über Arbeiterfußball in Berlin und auf dem Exer
• 17.9.2020: Dr. Meike Hoffmann vom Projekt MARI über Rudolf Mosse als Sammler und Mäzen
• 21.9.2020: Dr. René Wiese vom Zentrum deutsche Sportgeschichte über den Jahn-Sportpark als sportpolitischen Ort in der DDR

Weitere Informationen:
www.mossestrasse.de

Kontakt zur Gruppe "Mosse erinnern!"
Holger Siemann, Mail post@mossestrasse.de

 

leben / 01.09.2020
Aufruf zur Einreichung von Projektvorschlägen

Anträge für Programm Lokales Soziales Kapital 2020 bis 8. Oktober 2020
 
Vorschläge für das Programm Lokales Soziales Kapital (LSK) können bis zum 8. Oktober 2020 bei der bezirklichen Geschäftsstelle des Bündnisses für Wirtschaft und Arbeit (BBWA) eingereicht werden. Ziel ist die Förderung von Mikroprojekten, die auf lokaler Ebene für benachteiligte Personengruppen neue Beschäftigungschancen eröffnen und den sozialen Zusammenhalt stärken. Sie sind Teil der Aktionspläne der BBWA und müssen sich einem bezirklichen Handlungsfeld zuordnen lassen. Die Förderung wird aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) und dem Land Berlin zur Verfügung gestellt und in Kooperation mit den Bezirklichen Bündnissen für Wirtschaft und Arbeit umgesetzt. Beratung bei der Antragstellung bietet die Geschäftsstelle BBWA Pankow, Dr. Ute Waschkowitz, E-Mail: ute.waschkowitz@ba-pankow.berlin.de, Tel.: 030 90295-2633.

Informationsveranstaltungen zum Programm LSK finden am Montag, dem 7. September 2020, 15 - 17 Uhr und am Donnerstag, dem 10. September 2020, 10 - 12 Uhr, bei der zgs consult GmbH, Kronenstraße 6, 10117 Berlin, statt. Eine online-Anmeldung ist erforderlich.

Die Veranstaltungen werden unter Einhaltung der Infektionsschutzverordnung durchgeführt. Anmeldung, Informationen und die Ausschreibungsunterlagen im Internet unter https://www.bbwa-berlin.de/foerderprogramme/lokales-soziales-kapital-lsk.html.

forschen, bilden / 31.08.2020
Labor trifft Lehrer - jetzt digital

Abb.: MDC
Abb.: MDC

Ist es möglich, Organe in der Petrischale zu züchten? Wie funktioniert die Genschere CRISPR? Was geschieht bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 auf Zellebene? In unserem neuen Online-Fortbildungsformat Labor trifft Lehrer – digital! können Lehrkräfte aktuellen Forschungsfragen auf den Grund gehen.

Die Fortbildungsreihe Labor trifft Lehrer bietet Lehrkräften einen unmittelbaren Einblick in unsere aktuelle Forschung am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) – und das schon seit acht Jahren. „Nun haben wir mit Labor trifft Lehrer – digital! ein Online-Format entwickelt, das im September startet“, sagt Projektleiterin Dr. Luiza Bengtsson aus der Kommunikationsabteilung. Die biomedizinischen Fortbildungen richten sich an Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen, die naturwissenschaftliche Fächer wie Biologie, Chemie oder Physik unterrichten. Interessierte Lehrkräfte anderer Fachbereiche sind ebenfalls willkommen. Denn die Fortbildungsthemen sind ebenso vielfältig und multidisziplinär wie die Forschung am MDC selbst.

In insgesamt acht Online-Veranstaltungen berichten Forschende aus erster Hand, an welchen Fragen sie gerade arbeiten, wo die Herausforderungen und möglichen Anwendungsfelder ihrer Forschung liegen. Ob es dabei darum geht, mit bioinformatischen Methoden den Verlauf einer Krebserkrankung zu rekonstruieren, die vielen Unbekannten des Mikrobioms zu erkunden oder den Stand der Stammzellforschung mit ihren ethischen Fragen zu diskutieren – die Themen sind immer spannend und hochaktuell. So geht es etwa in der Fortbildung zu molekularen Maschinen darum, wie Struktur und Funktion von Proteinen zusammenhängen, und wie man ihre Geheimnisse mit Hilfe der Röntgenstrukturanalyse entschlüsseln kann. In einem Kurs zur SARS-CoV-2-Forschung erfahren die Teilnehmenden, was bei einer Infektion mit dem Virus auf Zellebene geschieht und welche unterschiedlichen Krankheitsverläufe sich daraus ergeben.

Die neunzigminütigen Online-Veranstaltungen finden über den Konferenzdienst im Deutschen Forschungsnetzwerk (DFNconf) statt. Im ersten Teil verfolgen die Lehrkräfte einen Live-Vortrag zum jeweiligen Forschungsthema. Im Anschluss gibt es viel Zeit, um Fragen zu stellen, zu diskutieren und sich auszutauschen. „Aus unserer Fortbildungserfahrung heraus wissen wir: Lehrkräfte sind wirklich sehr gut darin, Fragen zu stellen“, sagt Bengtsson. „Aber genauso soll es auch sein – nur wenn wir Forschung wirklich verständlich machen, kann auch die Begeisterung anstecken. Wir freuen uns auf viele wissbegierige Teilnehmerinnen und Teilnehmer!“

Text: Nicole Silbermann

Weiterführende Informationen

    Das aktuelle Fortbildungsprogramm
    Hier anmelden
    Mehr über Labor trifft Lehrer

www.mdc-berlin.de

forschen, investieren, produzieren / 27.08.2020
Erster Spatenstich für den BerlinBioCube

(v.l.) Projektleiter Uli Hölken, CBB, Dr. Ulrich Scheller und Dr. Christina Quensel, Geschäftsführende der CBB, Carsten Böll, Bauüberwachung für die GSE Ingenieur-Gesellschaft mbH, beim Spatenstich für das neue Gründerzentrum(Foto: Peter Himsel/CBB)
(v.l.) Projektleiter Uli Hölken, CBB, Dr. Ulrich Scheller und Dr. Christina Quensel, Geschäftsführende der CBB, Carsten Böll, Bauüberwachung für die GSE Ingenieur-Gesellschaft mbH, beim Spatenstich für das neue Gründerzentrum(Foto: Peter Himsel/CBB)

Auf dem großen Baufeld im BiotechPark Berlin-Buch drehen sich bald die Kräne für den BerlinBioCube. Das neue Gründerzentrum wird auf fünf Geschossen rund 8.000 Quadratmeter für moderne Labore, Büros und Gemeinschaftsflächen bieten. Gemeinsam mit den Firmen des BiotechParks erfolgte am 27. August 2020 der erste Spatenstich – im Rahmen des jährlichen Firmenfestes. Mit dem zukunftsweisenden Projekt können bis zu 400 neue Arbeitsplätze auf dem biomedizinischen Campus entstehen, der zu den führenden Wissenschafts- und Technologiestandorten in Deutschland gehört.

„Die gewachsene Verbindung von Wissenschaft und Wirtschaft ermöglicht erfolgreiche Ausgründungen vor Ort und macht den Campus für Start-ups attraktiv. Junge Unternehmen wie T-knife zeigen, wie wichtig es ist, in diesem Umfeld Platz für neues Wachstum zu schaffen. Das Spin-off des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin entwickelt neue Krebstherapien mit Hilfe modifizierter T-Zellen des Immunsystems und konnte dafür kürzlich die bedeutende Summe von 66 Millionen Euro Wagniskapital einwerben“, so Dr. Christina Quensel, Geschäftsführerin der Campus Berlin-Buch GmbH. „Zum internen Bedarf kommt eine große Nachfrage von externen Firmen und Start-ups aus den Bereichen Medizinische Biotechnologie, Medizintechnik und angrenzenden Gebieten, sodass wir sehr froh über diese Entwicklungsmöglichkeit sind.“

Im September beginnen die Tiefbauarbeiten für das neue Gebäude, das vom Architekturbüro doranth post architekten entworfen wurde. „Wir realisieren mit dem BerlinBioCube einen wichtigen Meilenstein – die vierte Baustufe zur Erweiterung des BiotechParks. Der Neubau ist mit einer Investition von 55 Millionen Euro verbunden und wird durch Fördermittel aus der Gemeinschaftsaufgabe ‚Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur‘ (GRW) ermöglicht“, erklärte Dr. Quensel.

Das neue Gründerzentrum komplettiert den BiotechPark. Für den weiteren Ausbau sind Flächen in Campusnähe vorgesehen, die im Rahmenplan für Buch Süd festgelegt wurden.

www.berlinbiocube.de

forschen / 27.08.2020
Gefangen von Enzymen

Die langsam fahrenden Schiffe auf offener See sollen die eingeschränkte cAMP-Dynamik veranschaulichen. Die Strudel stehen für cAMP-Nanodomänen um PDEs herum. (Bild: Charlotte Konrad, MDC)
Die langsam fahrenden Schiffe auf offener See sollen die eingeschränkte cAMP-Dynamik veranschaulichen. Die Strudel stehen für cAMP-Nanodomänen um PDEs herum. (Bild: Charlotte Konrad, MDC)

Ein Team am MDC hat eine rund vierzig Jahre alte Forschungsfrage gelöst. Im Fachblatt „Cell“ erläutert die Gruppe, wie es Zellen gelingt, mit nur einem Botenstoff, dem Molekül cAMP, ganz unterschiedliche Signalwege anzuschalten: Er wird dazu in nanometergroßen Räumen quasi inhaftiert.

Auf der Oberfläche jeder Zelle des menschlichen Körpers sitzen bis zu hundert verschiedene Antennen: Rezeptoren, mit denen die Zelle Signale von außen empfängt und diese dann in ihr Inneres weiterleitet. Solche Signale können zum Beispiel in Form von Sinneswahrnehmungen, Neurotransmittern wie Dopamin oder Hormonen wie Insulin bei der Zelle eintreffen.

Einer der wichtigsten Botenstoffe, mit denen die Zelle solche Reize in ihrem Inneren weiterleitet und dann entsprechende Signalwege anschaltet, ist ein kleines Molekül namens cAMP. Es wurde in den 1950er-Jahren entdeckt. Bislang ging man aufgrund experimenteller Beobachtungen davon aus, dass cAMP in der Zelle frei diffundiert, seine Konzentration also überall in der Zelle annähernd gleich ist – und ein Signal deswegen eigentlich die gesamte Zelle erfassen müsste.

„Seit Anfang der 1980-er Jahre wusste man allerdings, dass zum Beispiel zwei verschiedene Rezeptoren von Herzzellen beim Empfang eines äußeren Signals exakt die gleichen Mengen cAMP freisetzen, dies aber in der Zelle zu ganz unterschiedlichen Effekten führt“, berichtet Dr. Andreas Bock. Gemeinsam mit Dr. Paolo Annibale leitet er kommissarisch die Arbeitsgruppe „Signalprozesse von Rezeptoren“ am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) in Berlin.

Wie Löcher in einem Schweizer Käse

Diesen scheinbaren Widerspruch, der die Wissenschaft seit nunmehr fast vierzig Jahren beschäftigt, haben Bock und Annibale, die beiden Erstautoren der Studie, aufgelöst. Wie das Team im Fachblatt „Cell“ berichtet, kann sich das meiste cAMP entgegen früherer Annahmen nicht frei in der Zelle bewegen, sondern ist an Proteine gebunden, vor allem an Proteinkinasen. Neben den drei Wissenschaftlern waren an der Arbeit auch Professor Martin Falcke vom MDC und weitere Forschende aus Berlin, Würzburg und Minneapolis beteiligt.

„Durch die Bindung an die Proteine ist die Konzentration an freiem cAMP in der Zelle sehr niedrig“, sagt Professor Martin Lohse, früherer Arbeitsgruppenleiter am MDC und Letztautor der Studie. „Dadurch haben die eher langsamen cAMP-abbauenden Enzyme, die Phosphodiesterasen (PDE), genügend Zeit, um nanometergroße Kompartimente um sich herum zu bilden, die nahezu frei von cAMP sind.“ In diesen winzigen Räumen werde der Botenstoff jeweils separat reguliert. „Das ermöglicht es Zellen, in sehr vielen solcher Räume jeweils unterschiedliche Rezeptorsignale gleichzeitig zu verarbeiten“, erläutert Lohse. Zeigen konnten das die Forscher unter anderem am Beispiel der cAMP-abhängigen Proteinkinase A, für deren Aktivierung in verschiedenen Kompartimenten unterschiedliche cAMP-Mengen erforderlich waren.

„Man kann sich diese leergeräumten Kompartimente wie die Löcher eines Schweizer Käses vorstellen – oder auch wie winzige Gefängnisse, in denen die eigentlich eher langsam arbeitende PDE darüber wacht, dass das viel schnellere cAMP nicht ausbricht und unbeabsichtigte Effekte in der Zelle erzielt“, erklärt Annibale. „Ist der Täter erst eingesperrt, muss die Polizei nicht mehr rennen.“

Mit nanometergroßen Linealen

Erkannt hat das Team die Bewegungen des Botenstoffes in der Zelle mit fluoreszierenden cAMP-Molekülen und speziellen Methoden der Fluoreszenzspektroskopie, unter anderem Fluktuationsspektroskopie und Anisotropie, die Annibale für die Studie weiterentwickelt hat. Sogenannte Nanoruler haben der Gruppe dabei geholfen, die Größe der Löcher, in denen das cAMP jeweils spezifische Signalwege anschaltet, zu vermessen. „Dabei handelt es sich um ausgestreckte Proteine, die wir wie ein winziges Lineal benutzen konnten“, erklärt Bock, der die Nanoruler erfunden hat.

Die Messungen des Teams haben ergeben, dass die meisten Kompartimente tatsächlich kleiner als zehn Nanometer – also zehn millionstel Millimeter – sind. Auf diese Weise gewinnt die Zelle Tausende voneinander getrennter Räume, in denen sie cAMP separat reguliert und dadurch vor unbeabsichtigten Effekten des Botenstoffes geschützt ist. „Wir konnten zeigen, dass ein bestimmter Signalweg in einem nahezu cAMP-freien Loch zunächst unterbrochen war“, berichtet Annibale. „Doch wenn wir die PDE, die diese Löcher schafft, gehemmt haben, lief der Signalweg weiter.“

Kein Schalter, sondern ein Chip

„Die Zelle agiert folglich nicht wie ein einzelner An/Aus-Schalter, sondern eher wie ein ganzer Chip, der Tausende solcher Schalter enthält“, fasst Martin Lohse die Erkenntnisse der Arbeit zusammen. „Es war ein Fehler in der Vergangenheit, dass bei solchen Experimenten mit viel zu hohen cAMP-Konzentrationen gearbeitet wurde – sodass tatsächlich große Mengen des Botenstoffes in der Zelle frei diffundierten, weil alle Bindungsplätze belegt waren.“

Als nächstes wollen die Forschenden nun die Architektur der cAMP-Gefängnisse weiter untersuchen und herausfinden, welche PDE jeweils welche Signalproteine schützen. Künftig könnte auch die medizinische Forschung von ihren Erkenntnissen profitieren. „Viele Medikamente verändern Signalwege innerhalb der Zelle“, sagt Lohse. „Durch die von uns entdeckte Kompartimentierung der Zelle wissen wir nun, dass es sehr, sehr viele mögliche Angriffspunkte gibt, nach denen man jetzt suchen kann.“

„Eine zeitgleich mit unserer Publikation veröffentlichte Studie in ‚Cell’ aus San Diego zeigt zudem, dass Zellen zu wuchern beginnen, wenn ihre einzelnen Signalwege nicht mehr räumlich voneinander getrennt reguliert werden“, ergänzt Bock. Darüber hinaus wisse man, dass beispielsweise bei Herzinsuffizienz die Verteilung der cAMP-Konzentration in den Herzzellen verändert sei. Somit liefere ihre Arbeit sowohl der Krebs- als auch der Herz-Kreislauf-Forschung neue Grundlagen.

 

Weiterführende Informationen

Pressemitteilung auf der MDC-Website lesen

AG Signalprozesse von Rezeptoren

Zuschlag für neue Forschungsprojekte


Literatur

Bock, Andreas & Annibale, Paolo et al. (2020): "Optical mapping of cAMP signaling at the nanometer scale"; Cell, DOI: 10.1016/j.cell.2020.07.035

www.mdc-berlin.de

forschen / 25.08.2020
Eckert & Ziegler: Gallium-68-Generator erhält Zulassung für Kanada

Die Eckert & Ziegler Radiopharma GmbH hat von der kanadischen Gesundheitsbehörde Health Canada die Marktzulassung für ihren pharmazeutischen 68Ge/68Ga-Generator GalliaPharm® erhalten.

 

„Wir freuen uns, GalliaPharm® nun in Kanada anbieten zu können. Mittlerweile sind die Generatoren von Eckert & Ziegler in immer mehr Ländern erhältlich. Wenn sich in den kommenden Jahren Gallium-basierte Diagnosen auf breiter Front durchsetzen, sind wir als Lieferant dafür bestens gerüstet“, erklärt Dr. Lutz Helmke, Vorstandsmitglied der Eckert & Ziegler AG und verantwortlich für das Segment Medical. „Da es weltweit momentan viele klinische Studien mit sogenannten Theranostika gibt, erwarten wir eine steigende Nachfrage sowohl nach dem diagnostischen Radioisotop Gallium-68 als auch dem therapeutischen Radioisotop Lutetium-177.“

GalliaPharm® wird bereits erfolgreich für die Diagnose von neuroendokrinen Tumoren und demnächst auch für Prostatakrebs (Ga-68-PSMA) verwendet.

Galliumgeneratoren bieten eine preiswerte Alternative zur radioaktiven Markierung von Biomolekülen mit Gallium-68 im Rahmen der PET, einer bildgebenden Untersuchungsmethode, mit denen die An- oder Abwesenheit von krankem Gewebe nachgewiesen wird. Das Verfahren kommt vor allem bei der Diagnostik von Krebs, Herzinfarkten oder neurologischen Erkrankungen zum Einsatz. Bisher werden zur Markierung der Biomoleküle meist die Radioisotope Fluor-18 oder Kohlenstoff-11 benutzt. Hierfür sind Millioneninvestitionen für Großgeräte (Zyklotrone) erforderlich. Der 68Ge/68Ga-Generator dagegen hat in etwa die Größe einer Thermoskanne und kann wesentlich preiswerter bezogen werden, was in den nuklearmedizinischen Kliniken und Praxen Kosten senkt und Flexibilität erhöht.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 800 Mitarbeitern zu den weltweit größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Strahlentherapie und Nuklearmedizin. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.

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leben / 24.08.2020
Feierliche Wiedereröffnung des Anton-Saefkow-Parks am 26. August mit buntem Programm

Nach knapp drei Jahren Bauzeit wurde der neu gestaltete Anton-Saefkow-Park fertiggestellt und wird nun am Mittwoch, dem 26. August 2020 mit einem bunten Programm ab 15.30 Uhr feierlich eröffnet. Die Eröffnung findet auf der Anhöhe an der neu angelegten Parkour-Anlage statt. Der Zugang erfolgt entweder über den Parkeingang Kniprodestraße (barrierefrei) oder über die Anton-Saefkow-Str. auf Höhe der Hausummer 66 (Treppe).

„Berlin wächst - und damit steigt auch der Bedarf an Grün- und Freizeitflächen. Durch eine grundlegende Erneuerung des Anton-Saefkow-Parks wird im Quartier zwischen Kniprode- und Greifswalder Straße ein deutlich attraktiveres Erholungsangebot geschaffen. Barrieren wurden abgebaut, Wege verbreitert und die Attraktivität insgesamt erhöht. Ich bin überzeugt, auch die neuen Sport- und Spielangebote für alle Altersgruppen werden dazu beitragen, dass die Berlinerinnen und Berliner diese von ihnen mitgestaltete Erholungsfläche schnell annehmen werden.“, erklärt Hendrik Hübscher, Referatsleiter des Referats Soziale Stadt, Stadtumbau und Zukunftsinitiative Stadtteil bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen.
 
Vollrad Kuhn, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Bürgerdienste ergänzt: „Ich freue mich außerordentlich, dass wir nun diese wichtige Parkanlage umfangreich erneuern und verbessern konnten. Die dafür insgesamt eingesetzten fast 4 Mio. Euro sind gut angelegt, weil wir die im Beteiligungsprozess eingebrachten Wünsche der Anwohner*innen damit weitgehend berücksichtigen und sogar zusätzliche Maßnahmen umsetzen konnten. Zu nennen wäre hier die durch unsere Initiative eingerichtete neue Hundewiese, die dazu beitragen wird, die bisher vorhandenen Konflikte bei der Parknutzung zu verringern. Aber auch die neuen Sport- und Fitnessmöglichkeiten und natürlich die neu angepflanzten Obstbäume im Sinne einer „essbaren Stadt“ möchte ich hervorheben. Ich wünsche mir, dass uns der Park durch nachbarschaftliches Engagement und gegenseitige Rücksichtnahme lange so schön erhalten bleibt und die leider immer mal wieder auftretenden mutwilligen Schäden und Schmierereien damit verhindert werden.“
 
Bereits um 15.00 Uhr startet am 26. August der Einlass, um 15.30 Uhr beginnt das Programm mit Grußworten von Hendrik Hübscher sowie von Andreas Johnke, Amtsleiter des Straßen- und Grünflächenamtes im Bezirksamt Pankow. Die symbolische Neueröffnung des Parks erfolgt durch Enthüllung der neu angelegten Parkour-Anlage. Ein Team von ParkourONE wird dabei eine moderierte Show präsentieren.
Zwischen 16.15 und 18.00 Uhr gibt es weitere Angebote vor Ort:
 
Am Info-Point erhalten interessierte Bürgerinnen und Bürger Informationen zum Thema Stadtumbau/Nachhaltige Erneuerung. Zwei bis drei 20-minütige Einführungsworkshops durch ParkourONE finden an der Parkouranlage statt (Bei den Workshops können jeweils acht angemeldete Interessierte dabei sein. Die Anmeldung erfolgt am Stand von ParkourONE mit Aufnahme von Name und Kontaktdaten).
 
Auf zwei Rundgängen mit dem Straßen- und Grünflächenamt sowie dem Landschaftsarchitekten Henningsen können Fragen zur Durchführung der Arbeiten und der geschaffenen Angebote gestellt werden. (An den Rundgängen können jeweils max. zehn Personen teilnehmen. Die Anmeldung erfolgt am Veranstalter Info-Point für Rundgänge um 16.15 Uhr und 17.15 Uhr).
 
Am Informationsstand des Umweltbüro Pankow findet eine Bürgerberatung zu Umwelt- und Naturschutz statt. Dort besteht außerdem die Möglichkeit zum Experimentieren mit Solarmodellen, zum Malen mit Naturfarben sowie zum Gestalten von Sandbildern. Auch zwei Rundgänge zur Vogelbeobachtung mit Ferngläsern für jeweils max. acht Personen werden angeboten (Anmeldung am Stand des Umweltbüros).
 
Für das leibliche Wohl sorgt ein Coffee-Bike mit Getränken. Zudem ist das Spielmobil Pankow mit einem Kleinbus und einer Fülle von Spielgeräten und Materialien vor Ort.

Im Rahmen vertiefender Untersuchungen zum Quartier Grüne Stadt wurde der Anton-Saefkow-Park 2015 als Maßnahmenschwerpunkt identifiziert. 2016 wurde ein Entwicklungskonzept inklusive der Beteiligung von Bürger*innen erarbeitet und 2017 mit der Erneuerung und Neugestaltung der Grünanlage begonnen. Im ersten Bauabschnitt wurden die Parkeingänge an der Anton-Saefkow-Straße attraktiver und barrierearm gestaltet. Wege, Treppenanlagen und Mauern wurden erneuert, Bäume und Gehölze ausgelichtet, Bänke und Fahrradbügel ergänzt sowie der Parkbereich an der Greifswalder Straße mit der Brunnenanlage "Knabe mit Fisch“ saniert. Bis zum Frühjahr 2020 folgten dann Erneuerungs- und Neugestaltungsmaßnahmen im Inneren des Parks (Wege, Obst- und Picknickwiese, Spielplatz, wegebegleitende Fitnessgeräte). Insbesondere der große Spielplatzbereich auf der Anhöhe wurde mit attraktiven Angeboten für die Nachbarschaft, wie beispielsweise einer Parkour-Anlage, zusätzlichen Tischtennisplatten und Picknicktischen neugestaltet. Insgesamt wurden hierfür 2,5 Mio. Euro aus dem Förderprogramm Stadtumbau investiert. Zur nachhaltigen Bewirtschaftung wurde ein Pflege- und Entwicklungskonzept erarbeitet.
Der ca. sieben Hektar große Anton-Saefkow-Park zählt zu den ersten neu geschaffenen Grünanlagen in Ost-Berlin und wurde in den 1950er Jahren auf einem Trümmerberg errichtet. Der Volkspark ist nach dem deutschen Kommunisten und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus Anton Saefkow benannt.

heilen / 24.08.2020
Regenbogenfahrt 2020

Priv.-Doz. Dr. med. Patrick Hundsdörfer ließ sich nicht nehmen, mit den Regenbogenfahrern ein paar Runden zu drehen. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Priv.-Doz. Dr. med. Patrick Hundsdörfer ließ sich nicht nehmen, mit den Regenbogenfahrern ein paar Runden zu drehen. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

Die Mutmach-Tour der deutschen Kinderkrebsstiftung macht Halt im Helios Klinikum Berlin-Buch

Ehemalige Krebspatienten sind gemeinsam im Rahmen der Regenbogenfahrt 2020 mit dem Fahrrad auf dem Weg zu den Kinderkrebsstationen an ihren Wohnorten – ihre Mission: Hoffnung und Mut verbreiten. Auch das Helios Klinikum Berlin-Buch steht auf der Besuchsliste.

Die 28. Regenbogenfahrt 2020 findet dieses Jahr aufgrund der Corona-Pandemie anders als gewohnt statt. Anstatt gemeinsam von Ulm nach Würzburg zu radeln, werden die Regenbogenfahrer einzeln oder in kleinen Gruppen die Kinderkrebsstationen an ihren Wohnorten besuchen, um krebskranken Kindern und Jugendlichen und ihren Angehörigen Mut zu machen und Hoffnung zu spenden. Das Besondere: Die meisten Teilnehmer waren im Kindes- oder Jugendalter selbst an Krebs erkrankt und haben die Krankheit besiegt. Heute sind sie zwischen 18 und 40 Jahre alt und treten in die Pedale, um auf die Kinderkrebsstiftung aufmerksam zu machen.

Am Helios Klinikum Berlin-Buch werden sie von Priv.-Doz. Dr. med. Patrick Hundsdörfer, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin, erwartet, der sich sehr über den Besuch der Regenbogenfahrer freut: „Ich bin begeistert von dem Projekt und der herzlichen Truppe. Die Regenbogenfahrer schenken Hoffnung und Zuversicht und sind für die krebskranken Kinder das beste Beispiel. Fast alle Teilnehmer haben diese schwere Zeit selbst erlebt und durchgestanden. Heute haben sie diese wichtige Botschaft an die Kinder: Gebt nicht auf. Seid mutig und kämpft.“

Auf dem Vorplatz des Klinikums übergeben die Regenbogenfahrer ein paar Aufmerksamkeiten in Form einer Mutmach-Box für die kleinen Patienten. Sie wollen den jungen Patienten und ihre Familien in den Kliniken in der anstrengenden und belastenden Zeit der Therapie Zuversicht vermitteln. „Wir möchten krebskranken Kindern und Jugendlichen mit unserer eigenen Geschichte Mut machen: Wir waren alle selbst im Kindes- oder Jugendalter an Krebs erkrankt und wollen zeigen, dass man die Krankheit nicht nur überwinden kann, sondern dass danach auch ein erfülltes Leben möglich ist und man körperlich wieder leistungsfähig werden kann – auch mit Handycaps“, sagt Astrid Zehbe, (37) langjährige Mitfahrerin und Mit-Organisatorin der Regenbogenfahrt der Deutschen Kinderkrebsstiftung.

„Um den Kindern und Familien Mut machen zu können, haben wir jeweils ein Päckchen, das ein Regenbogenarmband, Mutperlen und einen USB-Stick mit einer digitalen Grußbotschaft der Regenbogenfahrer enthält“, sagt Astrid Zehbe und findet ganz klare Worte für die Kinder: „Denkt immer daran: So wie wir, könnt Ihr es auch schaffen!“ Sie selbst wurde 1999/2000 mit einem Hodgkin-Lymphom in Berlin-Buch behandelt. Die Regenbogentour ist für sie die schönste und sinnvollste Woche des Jahres. „Ich empfinde große Dankbarkeit dafür, dass ich gesund bin und es mir heute wieder so gut geht. Darum spüre ich sowas wie eine Verantwortung, anderen Betroffenen mit meiner Geschichte Mut zu machen. Schließlich weiß ich ja aus eigener Erfahrung, wie gut es tut, Menschen zu sehen, die all das auch schon durchgemacht haben und nun wieder mit beiden Beinen im Leben stehen.“ Das Bewusstsein, dass alle Teilnehmer den Krebs besiegt haben, stärke sie und die Gemeinschaft sehr.

Gut zu wissen:
Astrid Zehbe über das Regenbogensymbol: „Als die Tour 1993 gegründet wurde, hat man ein Symbol gesucht, das für „Hoffnung“ steht und ist dann auf den Regenbogen gekommen. Es gibt da ganz vielfältige Interpretationen: Beim Regenbogen treffen Regen und Sonne aufeinander – wie so oft im Leben. Und Gott sein Dank ist es meistens so, dass auf den Regen wieder Sonne folgt. Wie bei der Krankheit auch eben auch: Man muss durch eine langwierige und unangenehme Therapie, aber, wenn man das überstanden hat, wartet ein neues Leben. Oft wird auch gesagt, dass am Ende des Regenbogens ein Topf voll Gold wartet – in dem Zusammenhang kann dieser Topf voller Gold eben als Gesundheit verstanden werden.“

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forschen / 20.08.2020
ALS mit Organoiden und Sequenziertechnologien erforschen

Ein Schnitt durch ein ganzes neuromuskuläres Organoid, bei dem menschliche Rückenmarksneuronen (rot) die Skelettmuskelzellen (grün) anregen. Alle Zellkerne sind weiß angefärbt. Foto: Jorge Miguel Faustino Martins, Gouti Lab, MDC
Ein Schnitt durch ein ganzes neuromuskuläres Organoid, bei dem menschliche Rückenmarksneuronen (rot) die Skelettmuskelzellen (grün) anregen. Alle Zellkerne sind weiß angefärbt. Foto: Jorge Miguel Faustino Martins, Gouti Lab, MDC

Für ein Pilotprojekt haben MDC-Forschende eine Förderung des CZI Neurodegeneration Challenge Network in Höhe von 150.000 US-Dollar erhalten. Damit wollen sie ein typisches Merkmal von amyotropher Lateralsklerose (ALS) genauer untersuchen.

Indem sie ihre Expertise auf dem Gebiet der neuromuskulären Organoide mit den neuesten Sequenziertechnologien kombinieren, wollen Forscher*innen am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) klären, wie Mutationen in RNA-bindenden Proteinen bei ALS-Patient*innen zum Absterben von Motoneuronen führen. Dieses gemeinsame Unterfangen kommt dank der Chan Zuckerberg Initiative (CZI) zustande, die Dr. Mina Gouti und Professor Nikolaus Rajewsky mit dem Collaborative Pairs Pilot Project Award auszeichnet, einem Zuschuss für neue, interdisziplinäre Kooperationen. Gemeinsam wollen sie sich ein detailliertes Bild davon machen, wie sich Mutationen auf die RNA-Verarbeitung auswirken und welchen Einfluss dies auf den Verlauf von ALS hat.

„Wir werden sehen, wo die Krankheit ihren Anfang nimmt, also welche Zellpopulation zuerst betroffen ist – sind es die Motoneuronen oder ist es die Skelettmuskulatur?“, sagt Gouti, Leiterin der Arbeitsgruppe „Stammzell-Modellierung der Entwicklung und Erkrankung“.

Keine Zeit zu verlieren

ALS ist eine unheilbare, schnell voranschreitende und komplexe Krankheit. Wenn die Motoneuronen absterben, verschlechtern sich die Verbindungen zur Skelettmuskulatur. Nach und nach verlieren die Patient*innen die Koordination ihrer Muskeln, die Fähigkeit, ihre Gliedmaßen zu bewegen und letztlich zu atmen. Zwar werden verschiedene genetische Mutationen mit ALS in Verbindung gebracht, die genauen Schritte, die zum Absterben von Motoneuronen führen, sind indes unklar. Würde man diesen Prozess verstehen, könnte man potenzielle Angriffspunkte für Therapien und Behandlungen identifizieren.

„Wenn Motoneuronen absterben, ist das irreversibel“, sagt Nikolaus Rajewsky, Leiter der Arbeitsgruppe Systembiologie von Gen-regulatorischen Elementen und wissenschaftlicher Direktor des Berlin Institute for Medical Systems Biology (BIMSB) des MDC. „Wir müssen einen Weg finden, diese Patient*innen zu behandeln, bevor die Motoneuronen absterben.“

Neue Technologien

Mit Zellen von ALS-Patient*innen werden Gouti und ihr Team 3D-Organoide kultivieren, also organähnliche Strukturen im Miniaturformat. Sie haben vor Kurzem ein Verfahren entwickelt, mit dem sie extrem weit entwickelte und funktionsfähige neuromuskuläre Organoide erzeugen können. Sie enthalten alle kritischen Zelltypen, die gemeinsam neuromuskuläre Netzwerke bilden. Bei diesen Organoiden bringen Motoneuronen die Muskeln dazu zu kontrahieren, genau wie im menschlichen Körper. Die Forscher*innen werden Organoide mit und ohne die ALS-Mutationen züchten. Der genetische Hintergrund ist ansonsten völlig identisch. Die Organoide sind ein zuverlässiges Zellkultur-Modell, das es den Wissenschaftler*innen ermöglicht, bereits den Beginn der Krankheit zu beobachten. Bei menschlichen Patientinnen und Patienten ist das nicht möglich, da ALS oft erst sehr spät diagnostiziert wird.

Rajewsky und seine Arbeitsgruppe werden diese Organoid-Gewebeproben in verschiedenen Entwicklungsstadien sequenzieren, um den Abläufen auf RNA-Ebene auf den Grund zu gehen. Die Hauptaufgabe von RNA ist die Umwandlung von DNA in Proteine. Mutationen der RNA können daher manchmal funktionsunfähige oder sogar schädliche Proteine zur Folge haben. Das Interesse der Forscher*innen richtet sich insbesondere auf RNA-Mutationen oder Proteine, die mit mysteriösen Verklumpungen im Inneren des Zellkerns in Zusammenhang stehen. Sie wollen herausfinden, ob diese Paraspeckles genannten Erscheinungen in irgendeiner Art für das Absterben von Motoneuronen verantwortlich sind.

Die Arbeitsgruppe von Rajewsky ist auf die neuesten Sequenzierungstechnologien spezialisiert. Bei diesem Projekt kommen drei Verfahren zum Einsatz: Long-Read-Sequenzierung, bei der die gesamte im Organoid befindliche RNA aufgeschlüsselt wird, Einzelzell-RNA-Sequenzierung, bei der die RNA genau den Zelltypen zugeordnet wird, die sie exprimiert – etwa einer Zelle der Skelettmuskulatur oder einem Motoneuron, und räumliche Transkriptomik, die Aufschluss darüber gibt, wo sich Zellen und RNA im Organoid befinden. Die Kombination dieser unterschiedlichen Verfahren liefert ein detailliertes Bild der RNA-Aktivität in Raum und Zeit.

„Jede der Technologien wurde einzeln validiert. Die Herausforderung besteht jetzt darin, diese zielführend zu kombinieren“, sagt Dr. David Koppstein, Postdoktorand in der Arbeitsgruppe von Rajewsky und einer der Projektplaner.

Ein wissenschaftliches Netzwerk

Die Chan Zuckerberg Initiative wurde von Dr. Priscilla Chan und ihrem Ehemann, Facebook-CEO Mark Zuckerberg, ins Leben gerufen und setzt sich für die Unterstützung von Wissenschaft und Technologie ein. Ihr Ziel ist es, dass bis zum Jahr 2100 sämtliche Krankheiten geheilt, verhindert oder bewältigt werden können. Das CZI Neurodegeneration Challenge Network will insbesondere das Wissen über die Neurodegeneration voranbringen, mit neuen Ideen, Verfahren und Talenten sowie einer weltweiten interdisziplinären Zusammenarbeit.

Die vom Netzwerk verliehenen Collaborative Pairs Pilot Project Awards sind mit 150.000 US-Dollar dotiert und werden an Teams mit je zwei Principle Investigators (PIs) vergeben. Weitere Bedingungen: Eine*r PI muss sich am Anfang oder in der Mitte seiner Forscher*innenlaufbahn befinden, und das Team darf in der Vergangenheit keine Förderung für ein gemeinsames Projekt erhalten haben. In dieser Runde werden bis zu 30 Teams durch die Initiative gefördert. Nach dem ersten Jahr erhalten erfolgreiche Teams die Chance auf eine zweite Förderphase, bei der jedes ausgewählte Team mit 1,6 Mio. US-Dollar über vier Jahre unterstützt wird.

„Wenn man Lösungen für derart schwere, folgenschwere Krankheiten finden will, müssen Expertinnen und Experten aus vielen verschiedenen Fachbereichen an einem Strang ziehen und ihr Wissen miteinander teilen“, sagt Gouti. „Wir freuen uns auf diese neue Kooperation und die Arbeit mit anderen Beteiligten im CZI-Netzwerk.“

Weiterführende Informationen

AG Gouti

AG N. Rajewsky

Pressemitteilung: Neuromuskuläres Organoid: Es kontrahiert!

CZI-Pressemitteilung (engl.): CZI Awards $4.5M to Advance Innovative Approaches to Fighting Neurodegenerative Diseases

CZI-Webseite der geförderten Projekte (engl.)

CZI-Artikel auf Medium (engl.): “Supporting Bold and Transformative Ideas in Neurodegeneration

 

Kontakte

Dr. Mina Gouti
Leiterin der Arbeitsgruppe „Stammzell-Modellierung der Entwicklung und Erkrankung“
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
+49 (0)30 9406-2610
Mina.Gouti@mdc-berlin.de

Prof. Dr. Nikolaus Rajewsky
Leiter der Arbeitsgruppe „Systembiologie von Gen-regulatorischen Elementen“
Direktor des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie (BIMSB)
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
+49 (0)30 9406-2999 (Büro)
rajewsky@mdc-berlin.de

Jana Schlütter
Redakteurin, Abteilung Kommunikation
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
+49 (0)30 9406-2121
jana.schluetter@mdc-berlin.de oder presse@mdc-berlin.de

Über die Chan Zuckerberg Initiative

Die 2015 von Dr. Priscilla Chan und Mark Zuckerberg gegründete „Chan Zuckerberg Initiative“ (CZI) ist eine neue Art von Philanthropie. Sie nutzt Technologien, um einige der größten Herausforderungen der Welt zu lösen – wie Krankheiten zu bekämpfen, die Bildung zu verbessern und das Strafrechtssystem zu reformieren. In den drei Kernbereichen der Initiative, Wissenschaft, Bildung sowie Justiz und Chancen, verbindet CZI Technik mit Fördermitteln, wirkungsorientierten Investitionen sowie Politik- und Lobbyarbeit, um eine integrative, gerechte und gesunde Zukunft für alle aufzubauen. Weitere Informationen gibt es unter www.chanzuckerberg.com.

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

heilen / 19.08.2020
Ullrich-Turner-Zentrum Berlin-Buch zertifiziert

Dr. Uta Berndt ist Mitbegründerin des erfolgreichen Zertifizierungsprozesses. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Dr. Uta Berndt ist Mitbegründerin des erfolgreichen Zertifizierungsprozesses. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

Der Fachbereich Endokrinologie in der Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch ist aktuell von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, der Deutschen Gesellschaft für Kinderendokrinologie und der Turner-Syndrom-Vereinigung Deutschland als Ullrich-Turner-Zentrum (UTS) zertifiziert.

Die Zertifizierung als Turner-Zentrum bestätigt eine besondere Expertise, um die seltene Erkrankung „Turner-Syndrom“ zu erkennen und Betroffene von klein auf und mit fließendem Übergang auch im Erwachsenenalter optimal zu behandeln. „Wir begleiten unsere Patientinnen ein Leben lang und haben uns verpflichtet, Betroffene zu jeder Zeit nach aktuellsten Leitlinien zu behandeln“, sagt Dr. Uta Berndt, Internistin, Endokrinologin und Diabetologin in der Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch. Sie ist Mitbegründerin des erfolgreichen Zertifizierungsprozesses.

Was ist ein Turner-Syndrom?

Das Turner-Syndrom (auch Ullrich-Turner-Syndrom) ist eine genetische Erkrankung, die ausschließlich Mädchen bzw. Frauen betrifft. Etwa 1 von 3.000 neugeborenen Mädchen hat so eine Erbgut-Besonderheit, die zu diesem Syndrom führt. Das Krankheitsbild ist variabel. Es treten meist Wachstums-Störungen und eine ausbleibende Pubertät auf. Im Erwachsenenalter besteht ein erhöhtes Risiko für weitere Erkrankungen wie z.B. Typ2-Diabetes und spezifische Gesundheitsprobleme im HNO-Bereich oder auch am Herzen.

„Das bei uns in Klinik und Poliklinik die Endokrinologie und weitere Fachdisziplinen wie Kardiologie, HNO-Heilkunde usw. unter einem Dach sind, ist großartig für die Patientinnen. Die Gründung unsres Turner-Zentrums zeigt, wie wichtig fachübergreifende Zusammenarbeit insbesondere bei der Behandlung seltener Erkrankungen ist, die Betroffene ein Leben lang begleiten“, sagt Prof. Dr. med. Michael Ritter, Chefarzt der Angiologie, Diabetologie und Endokrinologie im Helios Klinikum Berlin-Buch. Das Besondere in der Bucher Poliklinik ist vor allem die Transitionssprechstunde, bei der knapp 18-jährige Patientinnen von ihrem bisherigen Kinderendokrinologen und ihrem zukünftigen Endokrinologen für Erwachsene zu einer gemeinsamen Sprechstunde kommen. „Dies soll verhindern, dass Jugendliche mit seltenen endokrinologischen Erkrankungen mit 18 Jahren in ein „Loch“ fallen, weil sie keinen Ansprechpartner mehr haben. In diesem, manchmal schwierigen Alter ist es wichtig, die spezialisierte Behandlung nahtlos weiterzuführen. Selbstverständlich können sich aber auch erwachsene Turner-Patientinnen außerhalb der Transitionssprechstunde an uns wenden“, sagt Dr. Berndt.

Wie entsteht das Turner-Syndrom?

Dr. Uta Berndt berichtet: „Ein gesunder Mensch hat 46 Chromosomen in 23 Chromosomenpaaren. Eines der Chromosomenpaare entscheidet, ob es sich um einen Jungen oder um ein Mädchen handelt: Beim männlichen Chromosomensatz liegen ein X- und ein Y-Chromosom vor, Mädchen haben zwei X-Chromosomen. Beim Turner-Syndrom existiert nur ein funktionsfähiges X-Chromosom, das zweite X-Chromosom ist verändert oder fehlt ganz.“

Woher kommt der Name Ullrich-Turner-Syndrom (UTS)?

Die Turner-Syndrom-Symptome wurden im Jahr 1929 vom deutschen Kinderarzt Dr. Otto Ullrich und 1938 vom amerikanischen Arzt Dr. Henry Turner erstmals beschrieben.

Kontakt:

Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch
Dr. med. Uta Berndt
Internistin, Endokrinologin/Diabetologin
Schwanebecker Chaussee 50
13125 Berlin-Buch
Telefon: (030) 94 01-15170

 

 

www.helios-gesundheit.de

forschen, bilden / 19.08.2020
Der Mensch als Schöpfer – was die Wissenschaften von der Natur lernen (Folge 3 des LNDW-Podcasts)

Prof. Dr. Tim Landgraf, Jannis Hülsen, Dr. Sebastiaan Meijsing und Moderator Thomas Prinzler (v.l.n.r.) Foto: rbb/Gundula Krause
Prof. Dr. Tim Landgraf, Jannis Hülsen, Dr. Sebastiaan Meijsing und Moderator Thomas Prinzler (v.l.n.r.) Foto: rbb/Gundula Krause

Die Natur ist dem Menschen seit jeher ein Lehrmeister. Längst haben wir aber nicht nur gelernt, uns der Natur anzupassen, sondern sind auch in der Lage, uns unsere Umwelt und damit auch die Natur nach unseren Bedürfnissen zu gestalten. Thomas Prinzler geht in der dritten Folge des LNDW-Podcasts mit seinen Gästen den Fragen nach, welche Rolle die Natur in den Wissenschaften spielt, was wir unter Natur verstehen und wie wir mit den Möglichkeiten umgehen, auf naturwissenschaftlich-technischer Basis in die Natur einzugreifen und sie zu gestalten.

Die 3. Folge der LNDW-Podcast-Reihe ist am 6. August 2020 erschienen, anzuhören und downloadbar in der ARD Audiothek sowie vielen anderen Audio- und Streamingplattformen.

Die Natur mithilfe von Algorithmen erkunden

„Die Natur ist für mich eine höchstentwickelte Technologie“, antwortet Prof. Dr. Tim Landgraf vom Dahlem Center für Machine Learning and Robotics (DCMLR) der Freien Universität Berlin auf die Frage, was Natur für ihn und seine Forschung ist. Der Brain City Berlin Botschafter erforscht am DCMLR mithilfe von Algorithmen des maschinellen Lernens die Schwarmintelligenz von Tieren. Dafür baut er unter anderem Fischroboter, die lernen, in Fischschwärmen mit zu schwimmen. In einem anderen Projekt versehen Landgraf und sein Team Bienen mit Barcodes. Dadurch lässt sich jede einzelne Biene im Bienenstock identifizieren, sodass die Beziehungen und das Verhalten der Bienen untereinander genau beobachtet werden kann. Im Podcast erklärt Landgraf, warum er auf Roboter und Machine Learning setzt, um Geheimnisse der Natur zu lüften.

Die Bauteile des Lebens erforschen

„Auch wir lernen von der Natur“, sagt Dr. Sebastiaan Meijsing, „indem wir die Bauteile des Lebens untersuchen.  Wir wollen herausfinden, welche Bauteile es überhaupt gibt bzw. wie diese Bauteile miteinander interagieren.“ Meijsing gehört zum Team von Prof. Emmanuelle Charpentier an der Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene gehört. Charpentier löste mit ihrer erstmals 2012 beschriebenen CRISP/Cas9-Methode eine Revolution in den Biowissenschaften aus.

Die Methode ermöglicht genetische Eingriffe, die so effiziente und punktgenaue Eingriffe ins Erbmaterial zulässt, dass CRISP/Cas9 häufig auch als „Genskalpell“ bezeichnet wird. CRISP ist innerhalb weniger Jahre zu einem Instrument der Genetik geworden, das weltweit Anwendung findet. Es kann sowohl zur Veränderung von Pflanzen wie auch Tieren und Menschen verwendet werden. Dr. Meijsing forscht derzeit vor allem daran, mithilfe von CRISP Genkrankheiten zu heilen. Im Gespräch erklärt Dr. Meijsing anschaulich, wie die CRISP/Cas9-Methode entdeckt wurde und wie sie funktioniert.

Die Natur als ganzheitliches System wahrnehmen

„Meine Perspektive auf die Natur stammt aus der Gestaltung,“ sagt Jannis Hülsen und ergänzt: „Natur ist für mich alles, was ist. Es ist ein komplexes System mit Dynamiken, die als Gemeinschaften in Abhängigkeiten zueinander stehen, sich gegenseitig regulieren und nach einem Gleichgewicht streben.“ Der Designer ist zusammen mit Stefan Schwabe Initiator und Leiter des an der Universität der Künste angesiedelten Forschungsprojektes „Farming the Uncanny Valley“ („Die Urbarmachung des Unheimlichen Tals“).

Das Projekt untersuchte in mehreren Workshops, wie Menschen, die sich in ihrem Alltag bislang noch nicht oder nur wenig mit den Themen Gentechnik und Bioökonomie auseinandergesetzt haben, auf die neuen Möglichkeiten der Biowissenschaften reagieren. „Unser Ziel ist es“, führt Hülsen aus, „mit den Ergebnissen aus den Workshops in den Austausch mit Wissenschaftler*innen und politischen Entscheidungsträger*innen zu gehen und langfristig diesen Dialog zu verstetigen – auch lokal.“ Zwischen dem 13. August und dem 11. September 2020 haben alle Berliner*innen und Berlin-Besucher*innen die Gelegenheit, mit dem Besuch der Ausstellung „Macht Natur“ im STATE Studio (Hauptstr. 3, 10827 Berlin, direkt am U-Bahnhof Kleistpark) in diesen Dialog einzutreten.

Im Podcast spricht Jannis Hülsen über das Vorgehen bei den Workshops und die Erfahrungen der Teilnehmer, die mitunter selbst Gentechniken anwenden konnten.

Weiterführende Links zu den Gästen und Themen der Sendung:

Die Ausstellung „Macht Naturist Teil des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekts „Farming the uncanny Valley“. Das Projekt wurde im Rahmen des Wissenschaftsjahres zur Bioökonomie gefördert und gemeinsam von der Universität der Künste (Projektleitung), der Beratungsagentur YOU.SE, dem Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit und Energietechnik (UMSICHT),  sowie dem STATE Studio durchgeführt.

Über die Funktionsweise der CRISP/Cas9-Methode informiert unter anderem diese Seite der Max-Planck-Gesellschaft. Welche Thearpie-Möglichkeiten sich aus CRISP/Cas-9 ergeben, können Sie nachlesen unter https://www.mpg.de/11033456/crispr-cas9-therapien.

Infos zur Biorobotik von Prof. Dr. Tim Landgraf und seinem Team finden sich unter berlinbiorobotics.blog. Über das Projekt BeesBook zur Langzeitbeobachtung des Sozialverhaltens von Bienen im Bienenstock mithilfe von KI informiert die Seite https://github.com/BioroboticsLab/bb_main/wiki. Wie man mithilfe von Roboterbienen den Schwänzeltanz erforscht, erfahren Sie unter Robobee.

Quelle: https://www.langenachtderwissenschaften.de/news-detail/podcast-folge3-mensch-als-schoepfer

heilen / 18.08.2020
Gefäßzentrum Berlin-Buch dreifach zertifiziert

Das interdisziplinäre Gefäßzentrum im Helios Klinikum Berlin-Buch wurde von der DGG, der DRG und der DGA zertifiziert (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Das interdisziplinäre Gefäßzentrum im Helios Klinikum Berlin-Buch wurde von der DGG, der DRG und der DGA zertifiziert (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

Das interdisziplinäre Gefäßzentrum Berlin-Buch erfüllt die hohen Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG), der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG) und der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA). Mit der aktuellen Zertifizierung bestätigen alle drei Gesellschaften dem gesamten Bucher Team eine besondere Expertise.

Mit der Übergabe der Zertifizierungsurkunden bestätigen die DGG, die DRG und die DGA, dass das Gefäßzentrum im Helios Klinikum Berlin-Buch sämtliche Prüfkriterien zum entsprechend qualifizierten Personal, zur apparativen Ausstattung sowie zu therapeutischen Standards erfüllt.
Die Therapie und Diagnostik von Gefäßerkrankungen erfordert ein hohes Maß an Expertise. Vor allem, weil es sich immer um systemische Erkrankungen handelt, die verschiedenste Organ- und Körperbereiche betrifft. „Wir freuen uns mit dem gesamten Team des Gefäßzentrums über diese Auszeichnung. Eine besondere Spezialisierung mit entsprechenden Qualitätszahlen und die enge Zusammenarbeit mehrerer Fachbereiche ist ganz im Sinne unserer ambulanten und stationären Patienten“, sagt Prof. Dr. med. Henning T. Baberg, Ärztlicher Direktor im Helios Klinikum Berlin-Buch. Auch im Hinblick auf die Zunahme des Alters der Betroffenen mit Gefäßerkrankungen ist eine fachübergreifende Beratung elementar, um für Patienten beste Behandlungsergebnisse zu erzielen.

Die Medizinexperten der Gefäßchirurgie sowie der Angiologie/Diabetologie, der Röntgendiagnostik und Neuroradiologie arbeiten eng mit anderen internistischen und operativen Fachabteilungen zusammen. Dazu gehören u.a. die Experten der Neurologie, Kardiologie und Nephrologie. „Das interdisziplinäre Team entwickelt für jeden Patienten ein individuelles und ganzheitliches Behandlungskonzept“, sagt Dr. med. Andreas Gussmann, Chefarzt der Gefäßchirurgie im Helios Klinikum Berlin-Buch sowie Direktor des Helios Gefäßzentrums Berlin-Brandenburg, und berichtet weiter: „Wir bieten unseren Patienten modernste Ultraschallverfahren, Computertomographie, Kernspintomographie (MRT), neueste Katheter- und Stentverfahren sowie innovative Operationsmethoden.“

Diese Vorteile wissen Patienten sowie niedergelassene Ärzte seit Aufbau des Gefäßzentrums im Jahr 2017 unter Leitung von Dr. med. Andreas Gussmann zu schätzen: Jedes Jahr werden im Gefäßzentrum Berlin-Buch mehr als 10.000 ambulante und 2.100 stationäre Patienten mit unterschiedlichsten arteriellen, venösen oder lymphatischen und angiologischen Erkrankungen behandelt. Das Team arbeitet eng mit dem deutschlandweiten Register zur langfristigen Kontrolle der Erkrankungen zusammen und ist Teil des regionalen Helios Gefäßzentrums Berlin-Brandenburg.

Klinikkontakt:
Helios Klinikum Berlin-Buch
Zertifiziertes Gefäßzentrum Berlin-Buch
Leiter und Direktor des Helios Gefäßzentrums Berlin-Brandenburg:
Dr. med. Andreas Gussmann
Schwanebecker Chaussee 50
13125 Berlin-Buch
T (030) 94 01-53900

 

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forschen / 14.08.2020
Gegen den Schmerz

© Fainzilber, WIS
© Fainzilber, WIS

Ein neuer Ansatz für die Behandlung chronischer Schmerzen zielt auf ein Molekül ab, das Schmerzsignale in die Zellkerne von Nervenzellen leitet. Die jüngst in Science erschienene Studie ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen Forschenden des Weizmann-Institut für Wissenschaften und des MDC.
 
Rund ein Viertel der Weltbevölkerung leidet irgendwann einmal im Leben an chronischen Schmerzen. Anders als bei akutem Schmerz – man denke etwa an das Gefühl, wenn man sich versehentlich mit dem Hammer auf den Finger schlägt – haben chronische Schmerzen unter Umständen nicht einmal eine eindeutige Ursache und können uns jahrelang plagen. Zu den Belastungen infolge chronischer Schmerzen gehören Beeinträchtigungen der psychischen und körperlichen Gesundheit, eine geringere Leistungsfähigkeit und Medikamentenabhängigkeit.
 
Eine neue Studie unter Leitung von Wissenschaftler*innen des Weizmann-Instituts für Wissenschaften (WIS) in Rehovot (Israel) empfiehlt einen originellen Therapieansatz, der die Aktivierung von Genen in den peripheren Nervenzellen beeinflusst, die bei vielen Formen von chronischen Schmerzen eine Rolle spielen. Die Erkenntnisse dieser Studie wurden in Science veröffentlicht.
 
Schmerz beginnt in den sensorischen Neuronen. Diese schicken Informationen von der Haut an das Zentralnervensystem. Eine Schädigung dieser Neuronen, chronische Verletzungen oder Krankheiten können einen „Kurzschluss“ zur Folge haben, sodass die Nervenzellen kontinuierlich Schmerzsignale aussenden. Professor Mike Fainzilber von der Abteilung für biomolekulare Wissenschaften am WIS untersucht Moleküle, die die biomolekularen Informationsübertragungen innerhalb dieser Nervenzellen regulieren. Diese Moleküle, sogenannte Importine, finden sich in jeder Zelle. Sie erleichtern den Transport zwischen dem Zellkern und dem Zytoplasma, schleusen Moleküle in den Zellkern und aus dem Zellkern heraus und kontrollieren somit den Zugang zu den Genen. Eine besondere Bedeutung kommt ihnen in den peripheren Nervenzellen zu: Diese sind lang und dünn und es kann Stunden dauern, bis molekulare Botschaften von den Nervenenden zu den Zellkernen gelangen. Einige der von Fainzilber und seinem Team identifizierten Importine leiten beispielsweise Informationen über Verletzungen an den Zellkörper der Nervenzelle und lösen dadurch den Heilungsvorgang aus.
 
Kontrolle eines Signalweges, der Schmerzen auslöst
 
Seit Jahren schon untersucht Professor Michael Bader als Leiter der Arbeitsgruppe „Molekularbiologie von Hormonen im Herz-Kreislaufsystem“ am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) die Bedeutung von Importinen im Rahmen eines langfristigen Projekts in Zusammenarbeit mit dem Institut für Biologie an der Universität Lübeck. „Zu diesem Zweck haben wir Mäuse genetisch so verändert, dass in jeder Linie eines dieser Importine fehlte“, erklärt Bader. Um herauszufinden, welches Importin an chronischen neuropathischen Schmerzen beteiligt ist, begannen die Forscher*innen unter der Leitung von Dr. Letizia Marvaldi aus der AG Fainzilber damit, verschiedene Mauslinien mit fehlenden Importinen aus Baders Arbeitsgruppe zu untersuchen. Gefördert wurden die Forschungsarbeiten vom Europäischen Forschungsrat.
 
Verhaltensanalysen dieser verschiedenen Linien zeigten, dass das Importin alpha-3 als einziges Importin an der Steuerung der Schmerz-Signalwege beteiligt ist. Anschließend versuchte das Team, das Genexpressionsmuster zu identifizieren, das mit lang anhaltenden Schmerzen in peripheren Nervenzellen in Verbindung gebracht werden kann – und herauszufinden, wie die Aktivität von Importin alpha-3 damit zusammenhängt. Die Wissenschaftler*innen analysierten die unterschiedlichen Expressionsmuster von normalen Neuronen und Neuronen ohne Importin alpha-3, so wurde Marvaldi auf c-Fos aufmerksam, ein Protein, das vom Importin alpha-3 in den Zellkern geschleust wird. C-Fos ist ein Transkriptionsfaktor – ein Molekül, das die Expression zahlreicher Gene erhöht oder senkt. Weitere Experimente zeigten, dass sich c-Fos bei Mäusen mit chronischen Schmerzen in den Zellkernen der peripheren Nervenzellen ansammelt.
 
Mithilfe spezialisierter Viren wurde das Importin alpha-3 oder c-Fos in den peripheren Nervenzellen der Mäuse deaktiviert oder seine Produktion reduziert. Daraufhin zeigten diese Mäuse im Gegensatz zu den normalen Mäusen eine deutlich verringerte Reaktion auf chronische Schmerzsituationen. Weitere Forschungen offenbarten, dass Importin alpha-3 eine entscheidende Rolle bei chronischen Schmerzen spielt. C-Fos ist ebenfalls an frühzeitigen Schmerzreaktionen beteiligt, doch scheint es in diesen frühen Phasen auf anderem Wege in den Zellkern zu gelangen. Das Blockieren von Importin alpha-3 könnte also ein geeignetes Mittel sein, um anhaltende, chronische Schmerzen zu verhindern.
 
Ein potenzielles Wirkstoffziel

Im nächsten Schritt wollte das Forschungsteam herausfinden, wie leicht sich die Ergebnisse der Studie auf die klinische Anwendung übertragen lassen. Dafür nutzte es eine spezialisierte Datenbank, die Connectivity Map (CMap) des US-amerikanischen Broad Institute in Massachusetts, die Aufschluss über den Zusammenhang zwischen Medikamenten und Genexpressionsmustern gibt. Mithilfe dieser Datenbank gelang es dem Team, rund 30 existierende Medikamente zu identifizieren, die ihre Wirkung möglicherweise an dem Importin-alpha-3-c-Fos-Signalweg ausüben könnten. Bei fast zwei Dritteln der identifizierten Präparate war die schmerzlindernde Wirkung bislang unbekannt. Das Team wählte zwei Präparate aus, ein kardiotonisches Mittel und ein Antibiotikum. Beide Medikamente wurden erneut an Mäusen getestet. Und tatsächlich: Die Injektion dieser Präparate konnte bei den Mäusen die neuropathischen Schmerzsymptome lindern.
 
„Die Präparate, die wir im Rahmen dieser Datenbankrecherche identifiziert haben, sind eine Art Schnellspur – ein Beweis dafür, dass bereits für andere Leiden zugelassene Medikamente wahrscheinlich auch zur Behandlung von chronischen Schmerzen eingesetzt werden können“, erklärt Marvaldi. „Da diese Präparate nachweislich für den Menschen ungefährlich sind, könnten klinische Versuche zeitnah aufgenommen werden.“
„Wir sind jetzt in der Lage, nach neuen und besseren Wirkstoffmolekülen zu suchen, die ihre Wirkung exakt an dieser Ereigniskette in den sensorischen Neuronen entfalten“, sagt Fainzilber. „Solche Zielmoleküle könnten geringere Nebenwirkungen haben und weniger Abhängigkeiten hervorrufen als aktuelle Therapien, und sie könnten neue Chancen bieten, chronische Schmerzen erträglicher zu machen.“ Ebenfalls an den Forschungsarbeiten beteiligt waren Dr. Nicolas Panayotis, Dr. Stefanie Alber, Dr. Shachar Y. Dagan, Dr. Nataliya Okladnikov, Dr. Indrek Koppel, Agostina Di Pizio, Didi-Andreas Song, Yarden Tzur, Dr. Marco Terenzio, Dr. Ida Rishal und Dr. Dalia Gordon, allesamt vom WIS aus der Abteilung für biomolekulare Wissenschaften, Dr. Franziska Rother vom MDC und der Universität Lübeck sowie Professor Enno Hartmann von der Universität Lübeck.
 
Die Forschungsarbeiten von Professor Michael Fainzilber werden vom Moross Integrated Cancer Center, dem David Barton Center for Research on the Chemistry of Life, dem Nella and Leon Benoziyo Center for Neurological Diseases, dem Laraine and Alan A. Fischer Laboratory for Biological Mass Spectrometry, der Dr. Miriam and Sheldon G. Adelson Medical Research Foundation, der Rising Tide Foundation, Lawrence Feis, dem Nachlass von Florence und Charles Cuevas, dem Nachlass von Lilly Fulop, dem Nachlass von Lola Asseof und dem Europäischen Forschungsrat unterstützt. Professor Fainzilber ist Inhaber des Chaya Lehrstuhls für molekulare Neurowissenschaft.
 
Die Originalversion dieser Pressemitteilung wurde vom WIS herausgegeben:

https://wis-wander.weizmann.ac.il/life-sciences/targeting-chronic-pain-gateway-could-bring-relief

Abbildung: Konfokalmikroskopische Aufnahme eines peripheren sensorischen Neurons in Kultur. Marker-Färbungen und Antikörper werden zur Identifizierung von Neuronen (rot), c-Fos-Proteinen (grün) und Zellkernen (blau) verwendet. Bemerkenswert ist die Kernlokalisation von c-Fos. (© Fainzilber, WIS)

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forschen / 14.08.2020
66 Millionen Euro für das Berliner Spin-Off T-knife

Foto: Johannes Fritzmann, MDC
Foto: Johannes Fritzmann, MDC

Das Berliner Biotech-Start-Up T-knife, eine Ausgründung des MDC zusammen mit der Charité, erhält Investitionsmittel in Höhe von 66 Millionen Euro. Vier Wagniskapitalfonds haben Anfang August die Finanzierung zugesagt. T-knife entwickelt neue Krebstherapien mit Hilfe modifizierter T-Zellen des Immunsystems.

Von der ersten Idee im biomedizinischen Labor bis zur Therapie ist es meist ein langer Weg. Es braucht Zeit – und vor allem auch viel Geld. Seit etwa 20 Jahren arbeiten Wissenschaftler*innen des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin um Professor Thomas Blankenstein an der Entwicklung neuer Krebstherapien mit Hilfe von körpereigenen Immunzellen, deren Rezeptoren zuvor im Labor gentechnisch verändert wurden. Blankenstein untersucht, ob diese modifizierten T-Zellen die Krebsentwicklung stoppen können. Vor zwei Jahren hat der Wissenschaftler gemeinsam mit Elisa Kieback und Holger Specht sowie mit Unterstützung der Ascenion GmbH das Unternehmen T-knife gründet. Das Biotech-Start-Up mit inzwischen 18 Mitarbeiter*innen möchte neuartige, hochentwickelte Krebstherapeutika zur Behandlung von Tumoren auf der Basis von T-Zell-Rezeptoren entwickeln.

Jetzt erhält T-knife von vier Wagniskapitalfonds (Versant Ventures und RA Capital Management aus den USA sowie den bisherigen T-knife-Unterstützern Andera Partners und Boehringer Ingelheim Venture Fund) Kapital in Höhe von insgesamt 66 Millionen Euro. Dies haben die Investoren am 6. August in einer Finanzierungsrunde der Serie A zugesagt. Als Serie A werden große Kapitalerhöhungen nach einer anfänglichen Start-Up-Finanzierung bezeichnet. T-knifes A-Runde ist die bisher größte für ein deutsches Unternehmen in diesem Jahr.

Professor Thomas Sommer, Wissenschaftlicher Vorstand des MDC (komm.), gratulierte Blankenstein und den T-knife-Kolleg*innen. „Das ist ein großer Erfolg, der unterstreicht, wie Forschung von MDC-Teams den Weg in die Anwendung, in die Klinik, zu den Patientinnen und Patienten findet. Es zeigt sich auch, wie wichtig unsere Zusammenarbeit mit der Charité ist, um Nutzen für die Patient*innen zu schaffen.“

„Wir schauen mit Spannung auf die Studienergebnisse und hoffen, dass wir mit dieser Gentherapie eine neue und vielversprechende Möglichkeit gewinnen, Krebserkrankungen künftig besser zu bekämpfen,“ sagte Blankenstein.

Behandlung solider Tumore

T-knife entwickelt eine neue Generation adoptiver T-Zell-Therapien zur Behandlung solider Tumore. Mit Hilfe einer eigenen HuTCR (Humanized T-Cell Receptor)-Plattform – Mausstämme, deren T-Zellen ausschließlich humane T-Zell-Rezeptoren tragen – sollen hochwirksame und sichere Therapeutika auf Basis dieser T-Zell-Rezeptoren (TCRs) auf den Markt gebracht werden.

„Nachdem wir so viele Jahre unter dem Radar gearbeitet haben, um eine leistungsfähige, humanisierte Maus-Plattform mit humanen TCR-Loci zu entwickeln, ist es großartig, jetzt Bestätigung von renommierten Life-Science-Fonds wie Versant Ventures und RA Capital Management zu erhalten,” sagte Elisa Kieback, Geschäftsführerin und wissenschaftliche Mitgründerin von T-knife. „Wir sind unseren Gründungsgesellschaftern und auch Andera Partners und dem Boehringer Ingelheim Venture Fund dankbar für die fortgesetzte Unterstützung. Beide sind erstklassige Life-Science-Investoren, die uns seit unserer Gründung als echte Partner zur Seite stehen. Künftig wollen wir ein transatlantisches Unternehmen werden, d. h. eine US-Präsenz aufbauen und unser Management-Team entsprechend erweitern.”

Das Unternehmen hat präklinisch bereits den Proof-of-Concept erbracht und mit der klinischen Prüfung für seinen führenden TCR-Kandidaten begonnen. Darüber hinaus hat T-knife die Plattform für mehr als 90 Tumortargets validiert. Mehrere daraus resultierende Arzneimittelkandidaten befinden sich in präklinischer Entwicklung. Bis 2022 plant das Unternehmen, drei weitere TCRs in die Klinik zu bringen.

Weiterführende Information:

Der lange Atem – Der Weg der Gundlagenforschung bis zur Therapie. Film über Thomas Blankenstein

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forschen / 13.08.2020
Michael Potente verstärkt Forschung zu Blutgefäßen

Professor Michael Potente © MPI HLR
Professor Michael Potente © MPI HLR

Gemeinsame Pressemitteilung von BIH, Charité und MDC

Mit der Berufung von BIH-Professor Michael Potente verstärken das Berlin Institute of Health (BIH), die Charité – Universitätsmedizin Berlin und das Max-Delbrück-Centrum (MDC) ihren gemeinsamen Forschungsfokus „Translationale Vaskuläre Biomedizin“. Der Kardiologe interessiert sich insbesondere für die innerste Zellschicht der Blutgefäße, das Endothel.

„Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen nach wie vor zu den häufigsten Krankheits- und Todesursachen“, sagt Professor Axel R. Pries, Dekan der Charité und Vorstandsvorsitzender des BIH (interim). „Da gerade Veränderungen der Gefäßfunktion an vielen Erkrankungen beteiligt sind, hat sich das BIH schon vor einiger Zeit dazu entschlossen, den Fokusbereich Translationale Vaskuläre Biomedizin einzurichten, um hier entscheidende Fortschritte und translationale Erfolge zu erzielen. Wir freuen uns sehr, mit der Berufung von Michael Potente diesen Bereich so hervorragend ergänzen und ausbauen zu können.“

Bereits seit 2017 ist Michael Potente, gefördert durch die Stiftung Charité Berlin, regelmäßig als BIH Visiting Professor in Berlin. Eingeladen hatte ihn BIH-Professor Holger Gerhardt, der am MDC die Arbeitsgruppe „Integrative Vaskuläre Biologie“ leitet und gleichzeitig Sprecher des BIH Fokusbereiches „Translationale Vaskuläre Biomedizin“ ist. „Ich kenne nur sehr wenige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie Michael Potente, die mit solcher Begeisterung, Neugier und klugem Gespür für die wichtigsten Fragestellungen innovative Forschung auf höchstem Niveau betreiben. Seine Arbeiten decken stets neue Zusammenhänge auf und haben nachhaltigen Einfluss auf unser Verständnis der faszinierenden Biologie der Blutgefäße“, sagt Gerhardt. „Ich freue mich außerordentlich darauf, mit ihm gemeinsam die Translation dieser Erkenntnisse in Richtung klinischer Anwendung voranzutreiben.“ Der 43-jährige Michael Potente wird zukünftig im Käthe-Beutler-Haus von BIH und MDC in Berlin Buch forschen.

Wachstum und Funktion von Blutgefäßen verstehen

Michael Potente interessiert sich vor allem für den Einfluss des Stoffwechsels (Metabolismus) auf Blutgefäße. „Wir möchten verstehen, wie Stoffwechselprozesse das Wachstum, den Umbau und die Funktion von Blutgefäßen kontrollieren“, sagt Michael Potente, der zuvor am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim die Arbeitsgruppe „Metabolismus und Angiogenese“ geleitet hat. So führen zum Beispiel Sauerstoff- und Nährstoffmangel dazu, dass sich in Tumoren neue Blutgefäße bilden. Die Angiogenese spielt auch bei Augenerkrankungen wie der feuchten Makuladegeneration, die unbehandelt zur Erblindung führt, eine zentrale Rolle. „Hier kann bereits erfolgreich therapeutisch eingegriffen werden, indem man Hemmstoffe einsetzt, die das in diesem Fall krankhafte Wachstum der Blutgefäße unterdrücken“, berichtet Michael Potente.

Bei anderen Erkrankungen dagegen, wie der chronisch ischämischen Herzerkrankung oder bei der Schaufensterkrankheit in den Beinen, führen verstopfte Gefäße zwar ebenfalls zum Sauerstoff- und Nährstoffmangel im Gewebe, aber leider häufig nicht zur ausreichenden Bildung neuer Blutgefäße. „Hier würde man sich das Wachstum neuer, funktionstüchtiger Gefäße wünschen, die die Versorgung wiederherstellen. Dies kommt aber wegen der Grunderkrankung nicht in Gang“, erklärt Michael Potente. „Wenn man hier gezielt das Wachstum von neuen Blutgefäßen fördern könnte, wäre das natürlich therapeutisch sehr wertvoll.“ Leider haben bisherige Versuche in diese Richtung keinen langfristigen Erfolg erzielt, stattdessen traten Nebenwirkungen auf.

Unterschiedliches Endothel in verschiedenen Organen

Potente und seine Mitarbeiter*innen wollen deshalb verstehen, wie das organspezifische Milieu die Blutgefäße und insbesondere das Endothel beeinflusst. Denn die Endothelzellen sind verantwortlich für das Neuaussprießen der Blutgefäße. „Die Endothelzellen sind in unterschiedlichen Organen ganz unterschiedlich ausgebildet“, berichtet Potente, „im Gehirn zum Beispiel sind sie besonders eng miteinander verbunden und bilden die Blut-Hirn-Schranke, in der Leber ist das Endothel durchlässig und ermöglicht so die Filterfunktion des Organs.“ Bei Diabetiker*innen, bei denen der Blutzuckerspiegel ständig über den Normwerten liegt, verändern sich die Endothelzellen mit der Zeit und verlieren spezifische Eigenschaften, was zu den häufigen Gefäßproblemen bei dieser Erkrankung führt.

Um herauszufinden, welche molekularen und zellulären Mechanismen diesen Unterschieden zugrunde liegen, hat Michael Potente im Jahr 2017 einen ERC Consolidator Grant des Europäischen Forschungsrates in Höhe von zwei Millionen Euro erhalten. In dieser Zeit kam er auch als BIH Visiting Professor, gefördert von der Stiftung Charité, nach Berlin. Diese für die Berufung wichtige Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren hat die Stiftung Charité im Rahmen ihrer Privaten Exzellenzinitiative Johanna Quandt gefördert.

Die Ästhetik der Blutgefäße

Als Facharzt für Kardiologie ist Michael Potente auch klinisch tätig. In Berlin möchte er seine Erfahrung an der Schnittstelle zwischen Grundlagenforschung und medizinischer Patientenversorgung einbringen und den Schwerpunkt „Translationale Vaskuläre Biomedizin“ so verstärken. „Mich fasziniert die Ästhetik der Blutgefäße, der Erkenntnisgewinn und letztendlich auch die Möglichkeit, die grundlagenorientierte Forschung eines Tages diagnostisch oder therapeutisch anwendbar zu machen.“ Ganz im Sinne der Mission des BIH: „Aus Forschung wird Gesundheit“.

Michael Potente wurde 1976 in Aachen geboren und studierte an den Universitäten Frankfurt und Toronto (Kanada) Medizin. Bereits während seiner experimentellen Doktorarbeit an der Universität Frankfurt, die er 2003 abschloss, beschäftigte er sich mit Blutgefäßen. Anschließend war er sowohl wissenschaftlich als PostDoc im Institut für Kardiovaskuläre Regeneration tätig, als auch klinisch als Arzt in der Klinik für Kardiologie der Goethe-Universität Frankfurt, wo er sich 2013 im Fach Innere Medizin habilitierte. 2012 erhielt er eine eigene Arbeitsgruppe am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim. Potente hat bereits zahlreiche Preise erhalten, so unter anderem einen ERC Starting Grant, einen ERC Consolidator Grant und eine Auszeichnung als European Molecular Biology Organization (EMBO) Young Investigator. Er hat seine Forschungsergebnisse in hochkarätigen Journalen veröffentlicht und ist als Gutachter für zahlreiche internationale Wissenschaftsjournale tätig.

produzieren / 13.08.2020
Eckert & Ziegler mit solidem Halbjahresergebnis

Wachstumstrend bei Radiopharmaka ungebrochen

Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG (ISIN DE0005659700, TecDAX), ein Spezialist für isotopentechnische Anwendungen in Medizin, Wissenschaft und Industrie, hat das erste Halbjahr 2020 trotz erheblicher Belastungen durch Corona und den Ölpreisverfall mit einem Jahresüberschuss von 12,7 Mio. EUR abgeschlossen und somit fast das Rekordniveau des Vorjahres (13,1 Mio. EUR) erreicht. Der Konzernumsatz betrug 83,6 Mio. EUR und lag damit um 6% unter dem Vorjahresniveau.

Ausschlaggebend für das stabile Ergebnis waren weiterhin stark wachsende Umsätze und Erträge mit radiopharmazeutischen Produkten und Dienstleistungen im Segment Medical. Während Laborgeräte und Brachytherapiequellen, darunter Jodimplantate, unter den reduzierten Bestellungen der Krankenhäuser aufgrund von Corona litten, stieg der Halbjahresumsatz mit pharmazeutischen Radioisotopen im Vergleich zum Vorjahr um über 4 Mio. EUR oder fast 30% auf knapp 20 Mio. EUR.

Das Segment Isotope Products konnte dagegen, bedingt durch Corona, das hohe Umsatzniveau des Vorjahresvergleichszeitraums nicht halten und erzielte mit 47,1 Mio. EUR einen um 8,3 Mio. EUR oder etwa 15% niedrigeren Umsatz als im ersten Halbjahr 2019. Umsatzrückgänge trafen insbesondere die lukrativen Komponenten für die industrielle Messtechnik, das Brasiliengeschäft und die Entsorgungsdienstleistungen. Leichte Zuwächse waren lediglich bei Komponenten für medizinische Geräte und im Rohstoffhandel zu verbuchen.

Mit den Zahlen des ersten Halbjahres hat Eckert & Ziegler die im Zusammenhang mit der Corona-Krise überarbeitete Planung für das laufende Geschäftsjahr im Wesentlichen erfüllt bzw. beim Periodenüberschuss sogar deutlich übertroffen.

Unter Berücksichtigung von Einmaleffekten und der Erwartung, dass sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht dramatisch verändern, rechnet der Vorstand damit, dass im Geschäftsjahr 2020 ein Umsatz von 170 Mio. EUR und ein Jahresüberschuss von mindestens 20 Mio. EUR erzielt werden.

Den vollständigen Quartalsbericht finden Sie hier:
http://www.ezag.com/fileadmin/user_upload/ezag/investors-financial-reports/deutsch/euz220d.pdf

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 800 Mitarbeitern zu den weltweit größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Strahlentherapie und Nuklearmedizin. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.
Wir helfen zu heilen.

Ihr Ansprechpartner bei Rückfragen:
Eckert & Ziegler AG, Karolin Riehle, Investor Relations
Robert-Rössle-Str. 10, 13125 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 / 94 10 84-138
karolin.riehle@ezag.de, www.ezag.de

 

www.ezag.de

investieren, heilen / 10.08.2020
Die Bauphase beginnt: Auf dem Klinikgelände in Buch entsteht ein neues Parkhaus

Visualisierung des zukünftigen Parkhauses am Standort Helios Klinikum Berlin-Buch. (Abb.: archRPdesign)
Visualisierung des zukünftigen Parkhauses am Standort Helios Klinikum Berlin-Buch. (Abb.: archRPdesign)

Das Helios Klinikum Berlin-Buch setzt ein lang geplantes Projekt um. Auf dem Parkplatzgelände an der Schwanebecker Chaussee entsteht ein neues Parkhaus, welches den Patienten und dem Klinikpersonal ab Januar 2021 zur Verfügung stehen soll. Die 270 zusätzlichen Parkplätze werden dringend benötigt und ergänzen die 1257 bereits bestehenden Parkplätze auf dem Klinikgelände.

Mehr Parkraum für Patienten, Angehörige und Personal

Das Helios Klinikum Berlin-Buch zählt zu den größten und modernsten Kliniken der Region. Jährlich werden hier, im Nordosten Berlins, mehr als 200.000 Patienten betreut. Um ihnen und ihren Angehörigen, aber auch dem Klinikpersonal, die Anreise und den Aufenthalt im Klinikum weiterhin so angenehm wie möglich zu gestalten, wird aktuell ein großes Bauvorhaben umgesetzt. Das neue Parkhaus bietet dringend benötigten Parkraum und soll planmäßig im Januar 2021 eingeweiht werden. „Wir freuen uns, dass wir das Parkhaus-Projekt nun umsetzen können und bedanken uns dabei bei allen Beteiligten“, sagt Daniel Amrein, Geschäftsführer im Helios Klinikum Berlin-Buch, und ergänzt: „Wir wachsen seit Jahren kontinuierlich in unseren Mitarbeiter- und Patientenzahlen und sehen uns auch für die kommenden Jahre Dank unseres tollen medizinischen Angebots auf Wachstumskurs. Daher war es für uns logisch, mit dem Bau des neuen Parkhauses unseren Patienten und Mitarbeitern die Anfahrt zu erleichtern. Die gute Autobahn-Anbindung an den Standort Buch wird rege genutzt und so können Patienten und Mitarbeiter zukünftig vor Ort schnell und unkompliziert einen Parkplatz direkt auf dem Klinikgelände finden.“

Geleitet wird das Projekt von Torsten Wegemund, dem Leiter der Betriebstechnik im Helios Klinikum Berlin-Buch. Als Projektleiter ist er für die Betreuung der gesamten Organisation des Bauvorhabens zuständig und begleitet die Baumaßnahmen. „Geplant ist das Projekt bereits seit 2016“, bestätigt Torsten Wegemund, „wir haben im Vorfeld sehr viele Gespräche mit dem Bauamt, der Stadtplanung und der Denkmalschutzbehörde geführt. Besonders die Abstimmung über den Standort war sehr intensiv und aufwendig. Meine Aufgabe war es, diese Gespräche zu leiten und einen geeigneten Generalauftragnehmer zu finden.“ Vergeben hat das Helios Klinikum Berlin-Buch den Auftrag schließlich an die Goldbeck Nordost GmbH, Niederlassung Berlin-Brandenburg, die ihre Bauvorhaben auf Basis industriell gefertigter Systembauteile umsetzt und mit ihrer langjährigen Branchenerfahrung einen kompetenten und zuverlässigen Partner darstellt.

Großzügig und geräumig: Das Parkhaus bietet Platz für 270 neue Parkplätze 

Damit sich das neue Parkhaus harmonisch in die Gesamtoptik des Klinikgeländes einfügt, befindet sich Torsten Wegemund nicht nur mit den Architekten und Handwerkern der Goldbeck Gruppe, sondern auch mit weiteren Außenanlagen-Architekten im engen Austausch: „Die Denkmalschutzbehörde hat uns zwar einige Auflagen für die Fassadengestaltung vorgegeben, aber auch ein wenig Freiraum gelassen. Dazu stimmen wir uns mit dem zuständigen Architekten während der Bauphase ab und entscheiden dann, ob wir mit Seilen, einer Begrünung oder anderen Gestaltungselementen arbeiten.“ Die besonders Herausforderung sieht der Projektleiter jedoch an anderer Stelle: „Während der Bauphase müssen wir ungefähr 100 der bereits bestehenden Parkplätze absperren. Dafür haben wir am Rand des Geländes einen Ausgleich geschaffen. Sobald die Baumaßnahmen abgeschlossen sind, werden alle Plätze aber wieder freigegeben. So entstehen 270 neue Parkplätze auf mehreren Etagen.“

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