News 2022

leben / 21.12.2022
Solidaritätspartnerschaft mit westukrainischer Stadt Riwne

Nach Kontaktaufnahme wird jetzt dringend um Spenden gebeten

Spendenaufruf im Rahmen der Solidaritätspartnerschaft mit der westukrainischen Stadt Riwne
Die Bezirksverordnetenversammlung Pankow hat auf ihrer Dezembertagung das Bezirksamt ersucht, eine Solidaritätspartnerschaft mit der westukrainischen Stadt Riwne einzugehen. Das Bezirksamt hat daraufhin unmittelbar mit der Kontaktaufnahme begonnen und ein Spendenkonto eingerichtet.

Bezirksbürgermeister Sören Benn: „Seit über 300 Tagen hält die Ukraine der russischen Invasion stand und ringt darum, den Invasoren zurückzuschlagen. Russland zerstört dabei mit Dauerbombardements systematisch die ukrainische Infrastruktur und löst mit seinem Krieg millionenfache Fluchtbewegungen aus, die nicht nur ins Ausland gehen, sondern auch in Städte der Westukraine wie Riwne.
Dies stellt die Menschen dort vor enorme Herausforderungen. Gebraucht werden Medikamente, Medizinprodukte, Ersatzteile, Generatoren, Powerbanks, Winterkleidung, Transportkapazitäten und Vieles mehr.
Ich bitte Sie daher, helfen Sie uns dabei, der Stadt Riwne ganz konkret zu helfen. Das können Sie durch eine Spende auf das folgende Konto tun:

Bezirkskasse Pankow,
IBAN DE06 1005 0000 4163 6100 01,
Verwendungszweck: 0833000220971 / Ukraine-Riwne

Wir werden in Absprache mit der Stadt Riwne und in Kooperation mit anderen Hilfestrukturen das Spendengeld zielgerichtet zum Erwerb und Transport dringend notwendiger Hilfsgüter einsetzen und darüber transparent Rechenschaft ablegen. Gleichzeitig wollen wir zwischenmenschliche Kontakte und  zivilgesellschaftliche Brücken aufbauen, die Riwne nicht nur  bei der Integration Geflüchteter unterstützen können, sondern auch dabei helfen, Perspektiven für die Stadtentwicklung über die Zeit des Krieges hinaus zu schaffen.“

Bezirksbürgermeister Benn hat dem Bürgermeister der Stadt Riwne einen entsprechenden Brief übersandt, in dem er u.a. die Absicht erklärt, Riwne so bald wie möglich besuchen zu wollen, um sich ein eigenes Bild von der Lage der Menschen und den Bedarfen vor Ort machen zu können.


 

produzieren / 20.12.2022
Wechsel im Aufsichtsrat der Eckert & Ziegler AG

Die Eckert Wagniskapital und Frühphasenfinanzierung GmbH hat die Strahlenphysikerin Paola Eckert-Palvarini als ihre neue Vertreterin in den Aufsichtsrat der Eckert & Ziegler AG (ISIN DE0005659700, SDAX) entsendet. Sie ersetzt die Sinologin Jutta Ludwig, die zum 01.01.2023 als Asienbeauftragte in den Vorstand der Eckert & Ziegler AG wechselt.

Frau Eckert-Palvarini studierte Physik in Mailand und war in der Vergangenheit u.a. Verwaltungsrätin der an der Brüsseler EURONEXT notierten Eckert & Ziegler BEBIG SA. Die gebürtige Italienerin ist Gesellschafterin des Eckert & Ziegler Hauptaktionärs Eckert Wagniskapital und Frühphasenfinanzierung GmbH und mit der Gruppe seit langem vertraut.

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produzieren / 19.12.2022
Veränderungen im Vorstand der Eckert & Ziegler AG

Der Gründer und Vorstandsvorsitzende der Eckert & Ziegler AG (ISIN DE0005659700, SDAX), Dr. Andreas Eckert, hat der Gesellschaft heute mitgeteilt, dass er zur Hauptversammlung Mitte 2023 aus dem Vorstand ausscheiden und in den Aufsichtsrat der Gesellschaft wechseln möchte. Zuvor hatte der Aufsichtsrat für jeweils zwei Jahre zwei zusätzliche Vorstände ab dem 1.1.2023 berufen, Dr. Hakim Bouterfa für die klinische Entwicklung und Jutta Ludwig für das Asien-Geschäft. Beide sind dem Unternehmen schon lange verbunden und sollen nunmehr auf Vorstandsebene zur Entlastung von Dr. Harald Hasselmann beitragen, den Eckert als künftigen CEO vorschlug.

Anlass für die Umstrukturierung gab die Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde, der Eckert & Ziegler AG die Durchführung einer Zulassungsstudie der Phase III zu erlauben. Sie machte eine Neuadjustierung der Aufgabengebiete notwendig. Zugleich bot sie Gelegenheit, einen anstehenden Generationswechsel vorzubereiten. Eckert leitet als einer der dienstältesten Vorstandsvorsitzenden einer börsennotierten deutschen Publikumsgesellschaft das Unternehmen seit nunmehr über 30 Jahren und will sich aus dem unmittelbaren operativen Geschäft zurückziehen.

Die Eckert Wagniskapital und Frühphasenfinanzierung GmbH, die mehr als 30% der Aktien an der Eckert & Ziegler AG hält und ein Entsendungsrecht für den Aufsichtsrat besitzt, wird den Wechsel von Eckert unterstützen, so dass dem Übergang weder das Aktienrecht noch die Empfehlungen des Kodex guter Unternehmensführung entgegenstehen.

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forschen / 14.12.2022
Die Schwelle zur Krankheit verstehen

Proben in der Biobank. © Max Delbrück Center/David Ausserhofer
Proben in der Biobank. © Max Delbrück Center/David Ausserhofer

Forschende der Charité und des Max Delbrück Centers bringen europäischen Verbund auf den Weg

Was wäre, wenn Krankheiten gar nicht erst entstünden? Wie genau verläuft der Übergang von Gesundheit zu Krankheit? Was sagen uns entzündliche Vorboten von Erkrankungen? Und wie beeinflussen Ernährung und Darmmikrobiom zusammen das Immunsystem? Unter der Leitung von Forschenden der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max Delbrück Centers suchen Teams in Deutschland und mehreren europäischen Ländern nach Strategien der Gesunderhaltung sowie nach Möglichkeiten, Krankheiten frühzeitig zu erkennen. Die Europäische Union fördert das Projekt IMMEDIATE in den kommenden vier Jahren mit mehr als sieben Millionen Euro.

Am Anfang vieler organischer Krankheiten steht eine chronische Entzündung. Was bei diesem Übergang von gesund zu krank auf molekularer Ebene im Körper passiert, ist jedoch weitgehend unbekannt. Mit dem Vorhaben namens IMMEDIATE wollen europäische und israelische Forschende das im Verborgenen ablaufende Geschehen nun näher beleuchten und herausfinden, inwieweit es sich durch die Ernährung und das Mikrobiom des Darms so verändern lässt, dass sich Erkrankungen gar nicht erst entwickeln. Die Bezeichnung IMMEDIATE steht für „Imminent Disease Prediction and Prevention at the Environment Host Interface“, übersetzt „Unmittelbare Krankheitsvorhersage und -prävention an der Schnittstelle zwischen Umwelt und Wirt“.

Um individuelle Krankheitsrisiken abschätzen und rechtzeitig eingreifen zu können, sollen im Zuge der Arbeiten messbare Indikatoren, sogenannte Biomarker, gefunden werden, erklärt Projektleiter Prof. Dr. Friedemann Paul, Direktor des Experimental and Clinical Research Center (ECRC), eine gemeinsame Einrichtung von Charité und Max Delbrück Center: „Wir möchten zunächst die entzündlichen Prozesse, die der Fehlfunktion oder Schädigung eines Organs vorausgehen, besser verstehen. Außerdem wollen wir Biomarker identifizieren, anhand derer wir Prozesse nachweisen können, noch ehe es zu Krankheitssymptomen kommt.“ Hierfür werden die Forschenden unter anderem modernste Omics-Technologien anwenden und klinische Daten sowie Bioproben aus drei laufenden Beobachtungsstudien nutzen. „Dabei handelt es sich um die deutsche NAKO Gesundheitsstudie und um eine Kohorte von Patientinnen und Patienten der multizentrischen KTx360°-Studie an Transplantationszentren, denen eine Niere transplantiert und somit die Nierenfunktion neu gestartet wurde. Hinzu kommt eine spezifische israelische Kohorte“, so Privatdozentin Dr. Chotima Böttcher vom ECRC, die das Projekt mitkoordiniert.

Mit umfangreichen Proteom-Analysen wird eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Tobias Pischon am Max Delbrück Center zu dem Vorhaben beitragen. Eine Vielzahl von Entzündungsmarkern will das Team bestimmen und Signaturen identifizieren, die mit Änderungen der Herz-Kreislauf- und Nierenfunktion sowie des Stoffwechsels in Zusammenhang stehen. Anschließend werden die Forschenden prüfen, ob sich diese Signaturen bei verschiedenen Erkrankungen ähneln oder voneinander unterscheiden. Parallel dazu wird sich unter der Leitung von Dr. Sofia Forslund eine Arbeitsgruppe am Max Delbrück Center und ECRC mit der Frage beschäftigen, ob ein bestimmter Darmkeim Entzündungen lindern kann. „Unser Ziel ist es, zu verstehen, wie und warum Interventionen wie eine bestimmte Ernährung oder die Gabe spezieller Mikrobiotika die Zusammensetzung des Darmmikrobioms verändern – und wie Stoffwechselprodukte der Mikroben das Immunsystem beeinflussen“, sagt Dr. Forslund. Dieses Wissen soll es zukünftig ermöglichen, Krankheiten zu verhindern und Gesundheit gezielt zu fördern. Das Team um Dr. Forslund wird die erforderlichen Infrastrukturen und Analysemethoden entwickeln, um die riesigen Mengen an Daten, die mit Omics-Technologien generiert werden, zu sammeln und mithilfe künstlicher Intelligenz auszuwerten. Weitere Forschende der Charité und Arbeitsgruppen am Campus Berlin-Buch sind an dem umfangreichen Analysevorhaben beteiligt, darunter die Gruppen „Proteomics“ um Dr. Philipp Mertins, „Metabolomik“ um Dr. Jennifer Kirwan, „Immun-mikrobielle Dynamiken bei kardiorenalen Erkrankungen“ um Dr. Nicola Wilck und die Clinical Research Unit von Dr. Anja Mähler.

Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in einem weiteren Schritt in der Praxis erprobt werden. Dazu plant das IMMEDIATE-Konsortium eigene Interventionsstudien – etwa eine Untersuchung mit rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die in einem Krankenhaus arbeiten. „Da unsere Probandinnen und Probanden aufgrund ihres Jobs häufig viel Stress haben sowie meist unregelmäßig und eher ungesund essen, gehen wir davon aus, dass ihre Entzündungswerte erhöht sind“, vermutet Privatdozentin Böttcher. Die Forschenden wollen unter anderem herausfinden, ob sich durch die Gabe der entzündungshemmenden Mikrobe Akkermansia muciniphila sowohl die Biomarker als auch das Wohlbefinden der Probandinnen und Probanden zum Positiven verändern lassen. Helfen sollen dabei mobile Apps, die das IMMEDIATE-Team in Zusammenarbeit mit Patientenorganisationen entwickelt hat. Diese geben Feedback und liefern Anleitungen, um erprobte gesundheitsfördernde Maßnahmen leichter ins eigene Leben zu integrieren – auf dass ihre Nutzerinnen und Nutzer bereits vor der Schwelle zur Krankheit stehenbleiben und umkehren.

Über IMMEDIATE
Koordiniert wird der Verbund, an dem insgesamt zwölf europäische Einrichtungen beteiligt sind, von Prof. Dr. Friedemann Paul, Direktor des Experimental and Clinical Research Center (ECRC), eine gemeinsame Einrichtung von Charité und Max Delbrück Center. Prof. Paul ist Prodekan für Forschung mit klinischem Schwerpunkt an der Charité und Wissenschaftler am NeuroCure Clinical Research Center. Finanziell unterstützt wird das neue Vorhaben im europäischen Forschungsrahmenprogramm Horizon Europe mit insgesamt rund 7,2 Millionen Euro. Die Charité erhält davon gut 1,6 Millionen Euro, das Max Delbrück Center rund eine Million Euro. Das European Research and Project Office (Eurice) ist an der Planung und Umsetzung des Großprojekts ebenfalls beteiligt. IMMEDIATE wird am 1. Januar 2023 starten und hat eine Laufzeit von 4 Jahren. Die Grant Agreement No. ist 101095540.

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung der Charité und des Max Delbrück Centers
Die Schwelle zur Krankheit verstehen

investieren / 13.12.2022
Glycotope mit südkoreanischem Partner gegen Brustkrebs

Glycotope entwickelt mit einer firmeneigenen Technologieplattform monoklonale Antikörper mit verbesserter Tumorspezifität für die (Immun-)Onkologie, die auf die Zucker-Anhänge an Proteinen gerichtet sind (sogenannte GlycoTargets). Nun kann das Berliner Unternehmen, das im Wesentlichen von den Gebrüdern Strüngmann sowie dem Berliner Seriengründer Andreas Eckert (Eckert & Ziegler AG) finanziert wird, eine neue Kooperation mit der südkoreanischen Stammzellfirma Therabest vermelden.

Lesen Sie auf www.transkript.de den vollen Artikel:

https://transkript.de/news/glycotope-mit-suedkoreanischem-partner-gegen-brustkrebs.html

forschen, produzieren, leben, heilen, bilden / 13.12.2022
Die neue Ausgabe des Standortjournals buchinside ist erschienen

Titelbild der buchinside 2022/02
Titelbild der buchinside 2022/02

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

wer heute unseren Forschungscampus besucht, erlebt Aufbruch. Nach den zwei Pandemiejahren pulsiert wieder das Leben: Der BerlinBioCube, ein Gründerzentrum für die Start-up-Szene, wächst und soll 2023 eröffnet werden. Darauf freuen wir uns sehr. Neue Häuser entstehen, bestehende Gebäude werden modernisiert, und aufgerissene Straßen zeugen von der Erneuerung unserer Infrastruktur. Arbeitsgruppen ziehen um und viele neue Teams richten ihre Labore ein. Junge Menschen aus aller Welt strömen jeden Morgen mit Bahn, Bus oder auf dem Rad hierher, um zu forschen. Mit viel Energie und jeder Menge Ambition starten sie hier bei uns ihre wissenschaftliche Karriere oder setzen diese fort. Eine wunderbare Sprachenvielfalt klingt auf der Wiese, in den Laboren und in der Mensa. Kein Zweifel: Der Campus Berlin Buch ist ein Anziehungspunkt für die internationale biomedizinische Community. Und mittendrin sind wir – das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der´Helmholtz-Gemeinschaft (Max Delbrück Center) und das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) – als Herz dieser Gemeinschaft.

Ob vor 30 Jahren eine ähnliche Aufbruchsstimmung zu spüren war? Jedenfalls sind seit 1992, als unsere beiden Institute gegründet wurden, zwei großartige Zentren gewachsen, beide der molekularen Grundlagenforschung verschrieben, welche die dynamische Entwicklung der Biomedizin und der molekularen Pharmakologie von hier aus und in nationalen wie internationalen Netzwerken beschleunigen. Wir treiben Erkenntnis und technologischen Fortschritt voran und tragen so dazu bei, dass Volkskrankheiten wie Krebs, Herzkreislauf- oder neurodegenerative Erkrankungen, aber auch manch seltene Erkrankung besser verstanden, möglichst früh erkannt und behandelt werden können. Langfristig setzen wir auf Prävention. Wir wollen Ärztinnen und Ärzten mit unserem Wissen und unseren Innovationen, mit von uns entwickelten Wirkstoffen und Therapien die Möglichkeit geben, Krankheitsprozesse zu stoppen, bevor überhaupt gravierende Symptome auftreten, und gesundes Altern zu ermöglichen. FMP und Max Delbrück Center eint diese Vision: Mit exzellenter Grundlagenforschung und neuen Technologien wollen wir hier von Berlin aus die Gesundheit der Menschen verbessern. Und dafür arbeiten wir intensiv zusammen.

Unsere Teams haben dabei immer wieder Neues probiert und Brücken in die Anwendung, also zu den Patientinnen und Patienten, geschlagen. Unsere Ausgründungen – ob Omeicos, T-knife, MyoPax oder Tubulis und PROSION – erzählen davon eigene Geschichten. Auch unsere enge Verflechtung mit Kliniken sind ein Beleg dafür. Die Kinder, Jugendlichen und Lehrer:innen, die gemeinsam mit unseren Forscher:innen im Gläsernen Labor oder während der Langen Nacht der Wissenschaften die Biomedizin kennenlernen dürfen und von denen wir sicherlich einige für die Lebenswissenschaften begeistern konnten, bestärken uns in unserer Arbeit.

Doch wir bleiben nicht stehen. In diesem agilen internationalen Zentrum der biomedizinischen Forschung, das sich auf dem Campus entwickelt, verstehen wir uns als Taktgeber, die Innovationen fördern. Deshalb setzen wir alles daran, unsere Synergien noch besser zu nutzen und die Zusammenarbeit über Fächer- und Institutsgrenzen hinweg zu vertiefen.

Die Voraussetzungen sind ausgezeichnet. Denn vieles, das es braucht, ist schon da: exzellente Ausstattung, ausgewiesene Expert:innen der verschiedenen Disziplinen und dazu unzählige junge, neugierige, aufgeschlossene Menschen aus aller Welt. Ihr Spirit und ihre Begeisterung für die Medizin von morgen wird uns tragen!
 

Prof. Dr. Volker Haucke
Direktor am FMP

 

Prof. Dr. Maike Sander
Wissenschaftliche Vorständin des Max Delbrück Center

 

Hier geht es zur neuen Ausgabe: www.berlin-buch.com/de/buchinside

forschen / 12.12.2022
Max Delbrück Center feiert 30-jähriges Bestehen

(v.l.) Wissenschaftssenatorin Ulrike Gote, Wissenschaftliche Vorständin des Max Delbrück Center, Maike Sander, Vorsitzende des MDC-Aufsichtsrats Veronika von Messling und Thomas Sommer, ehem. Vorstand (Foto: David Ausserhofer, MDC)
(v.l.) Wissenschaftssenatorin Ulrike Gote, Wissenschaftliche Vorständin des Max Delbrück Center, Maike Sander, Vorsitzende des MDC-Aufsichtsrats Veronika von Messling und Thomas Sommer, ehem. Vorstand (Foto: David Ausserhofer, MDC)

Mit der Amtseinführung von Maike Sander als neue Wissenschaftliche Vorständin hat das Max Delbrück Center in Berlin am 7. Dezember seinen 30. Geburtstag gefeiert. Die Diabetesforscherin wirbt dafür, wissenschaftliche Spitzenleistung und Innovationen besser mit medizinischer Anwendung zu verzahnen.

Discovery for tomorrow’s medicine

Zum Fest kamen rund 300 Gäste aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft: Am Mittwoch, dem 7. Dezember 2022 hat das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft unter dem Motto „Discovery for tomorrow’s medicine“ sein 30-jähriges Bestehen gefeiert. Die neue Wissenschaftliche Vorständin, Professorin Maike Sander, entfaltete zum Amtsantritt ihre Vision für das Max Delbrück Center: „Grundlagenforschung, wie wir sie hier am Max Delbrück Center vorantreiben, erschließt Neuland für die Medizin. Sie macht Therapien nicht nur passgenauer, sie ermöglicht ganz neue Perspektiven“, sagt Sander.

 „Mit Publikationen in Spitzenjournalen ist es allerdings nicht getan. Innovation entfaltet erst ihre Wirkung, wenn sie ihren Weg in die Anwendung findet. Hier in der Gesundheitsstadt Berlin haben wir dafür beste Voraussetzungen: starke klinische Partner wie die Charité, das Berlin Institute of Health, eine aufstrebende Biotech-Szene, Inkubatoren für Start-ups.“ Wie wichtig ein solches Umfeld ist, betont Maike Sander mit Blick auf ihre Erfahrungen und die Biotech-Branche im Silicon Valley und in San Diego. Die Diabetesforscherin hat fast drei Jahrzehnte in den Vereinigten Staaten gearbeitet. „Kein Labor, kein Zentrum kann seine Ideen allein verwirklichen. Wir arbeiten Hand in Hand, und der Gedankenaustausch beflügelt. Meine Priorität wird sein, gemeinsam mit den Partnern Hürden für die medizinische Anwendung zu senken und die Transfer-Infrastruktur zu stärken. So legen wir den Grundstein für die Medizin von morgen.“

Die menschliche Gesundheit verbessern

Sander unterstrich die Exzellenz der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Max Delbrück Center: „Hier wird organübergreifend geforscht. Unsere Teams widmen sich der Systemmedizin, und dieser Ansatz ist zukunftsweisend. Ständige Innovation gehört für uns selbstverständlich dazu: Wir sind führend in DNA-, RNA- und Protein-Technologien und wir wollen es künftig auch in der optischen Bildgebung sein. Forscher*innen hier und an vielen anderen Orten der Welt werden schon bald exakte Karten von der gesamten DNA und RNA, von Proteinen und Stoffwechselprodukten in Gesundheit und Krankheit in Einzelzellauflösung erstellen. Diese Technologien erlauben uns, die Komplexität des Lebens genauer zu erfassen als jemals zuvor. Wir können beobachten, wann eine Zelle vom gesunden Pfad abweicht und analysieren, warum das Gleichgewicht in Richtung Krankheit kippt. Und wir bleiben nicht auf dieser Ebene stehen. Mit Organoiden – also Mini-Organen in der Petrischale – können wir Krankheitsprozesse im Gewebe nachvollziehen. Und natürlich ist der Blick auf den ganzen Organismus ein ebenso zentraler Bestandteil unserer Forschung. Auf all diesen Ebenen entdecken wir neue Ansätze für die Prävention, für die Diagnostik und die Therapie. Dieses Wissen wird helfen, die menschliche Gesundheit entscheidend zu verbessern. Und darin besteht unsere Herausforderung für die kommenden Jahrzehnte: Wir wollen dieses Versprechen einlösen und die Therapien der Zukunft entwickeln helfen.“

Zu den Gratulant*innen gehörte Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger. Sie sagte in ihrer Grußbotschaft: „Ich gratuliere dem Max Delbrück Center herzlich zum Geburtstag! 30 Jahre biomedizinische Spitzenforschung, 30 Jahre Entwicklung zu einem international führenden Life-Science-Institut. Das MDC genießt schon länger auch international einen hervorragenden Ruf. Besonders freut mich, dass mit Maike Sander nun erstmals eine Frau an der Spitze des MDC steht. Sie vereint in besonderer Weise, was zur Mission des MDC gehört und unser Ziel in der Forschungsförderung ist: Neue Erkenntnisse aus der Grundlagenwissenschaft möglichst schnell in die Anwendung und damit zu den Patientinnen und Patienten zu bringen. Maike Sander ist ein großer Gewinn für den Forschungsstandort Deutschland. Ich wünsche ihr einen guten Start und dem gesamten MDC weiterhin viel Erfolg."

Geschichte des Gelingens nach der Wiedervereinigung

Ulrike Gote, Berliner Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, betonte in ihrer Rede: „Die Geschichte des Max Delbrück Centers ist eine Berliner Erfolgsgeschichte, eine Geschichte des Gelingens nach der Wiedervereinigung. Von Beginn an war das Zentrum ein Magnet für internationale Spitzenforscher*innen. Viele ambitionierte junge Wissenschaftler*innen aus der ganzen Welt starten hier ihre Karriere. Mit seinen inzwischen fast 1800 Beschäftigten und seinem exzellenten Ruf in der molekularmedizinischen Grundlagenforschung ist das MDC ein zentraler Akteur für die Gesundheitsstadt Berlin. Dass es uns gelungen ist, Professorin Maike Sander aus San Diego als Wissenschaftliche Vorständin für das MDC zu gewinnen, zeigt, wie attraktiv Berlin als Standort der Biomedizin ist. Am Max Delbrück Centrum stehen jetzt zwei Frauen an der Spitze. Als Gleichstellungs- und Wissenschaftssenatorin freut mich das natürlich besonders. Es ist wegweisend in einer immer noch männlich dominierten Forschungswelt, in der das Ziel der Parität noch recht weit entfernt ist.“

„Enorme Brain Power, unglaubliches Know-How“

Dirk Heinz, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) und Christopher Baum, Vorstandsvorsitzender des BIH; im Hintergrund ist Jutta Koch-Unterseher (Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit, Pflege und Gleichstellung) im Gespräch mit Volker Haucke, Direktor am Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) (von links nach rechts).

Professor Otmar D. Wiestler, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, sagte: „Happy Birthday, Max Delbrück Center! Auf die nächsten 30 Jahre erfolgreiche Gesundheitsforschung. Seit seiner Gründung ist das Zentrum zu einem Key Player in der Gemeinschaft und zu einer international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtung gereift. Hier kommen enorme Brain Power und ein unglaubliches Know-how zusammen. Die Kolleginnen und Kollegen schaffen mit ihrer Forschung die Grundlagen für neue medizinische Therapien und Diagnosen. Professorin Sander ist nicht nur eine exzellente Medizinerin und Diabetesforscherin, sondern auch eine herausragende, inspirierende Führungspersönlichkeit. Sie hat ein besonderes Auge für Talente, sie steht für Zusammenarbeit auf Augenhöhe, und sie verfügt über ein besonderes Gespür für medizinische Innovation. Für die spannende Aufgabe, die vor ihr liegt, wünsche ich Maike Sander von Herzen viel Erfolg und viel Freude.“

Prävention, Diagnostik und Therapien verbessern

Seit drei Jahrzehnten widmen sich Forscher*innen des Max Delbrück Center ihrer Mission, die molekularen Grundlagen von Krankheit und Gesundheit zu verstehen und ihre Erkenntnisse möglichst schnell in die klinische Anwendung zu bringen, also Prävention, Diagnostik und Therapien zu verbessern. Ihr Fokus ist nicht ein einzelnes Organ oder eine einzelne Krankheit, sondern gilt der Systemmedizin. Die Teams untersuchen bis in die kleinste Ebene der Gene, Proteine oder Moleküle, was das Gleichgewicht in einer Zelle, einem Organ oder dem ganzen Körper steuert oder stört. Gegründet wurde das Zentrum im Jahr 1992 von Detlev Ganten auf dem Campus Buch, damals mit rund 350 Wissenschaftler*innen aus Ost und West. Heute arbeiten hier und am zweiten Standort in Berlin Mitte, dem Berliner Institut für Medizinische Systembiologie, rund 1800 Menschen (Beschäftigte und Gäste) aus mehr als 70 Ländern. „Es sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihrer Leidenschaft und ihrer ganz eigenen Kreativität und Motivation, die unser Zentrum, unsere Kultur und unsere Erfolge ausmachen“, sagte Heike Graßmann, Administrative Vorständin beim Festakt.

Start-Ups und 571 Patente

Erfolgsgeschichten

Publikationen, Therapien und Spin-Offs

Unsere ERC Grants

Geförderte Wissenschaftler*innen

Wenngleich Grundlagenforschung einen langen Atem braucht, gibt es erhebliche Erfolge: Die Teams am Max Delbrück Center gehören zur internationalen Spitze in der Einzelzellbiologie, der vaskulären Medizin, der Immunologie oder auch der Erforschung von neurologischen Erkrankungen und Schmerz. Sie sind maßgeblich beteiligt an der Kartierung des menschlichen Herzens, dem Human Heart Atlas. Zwei Medikamente, eines gegen Leukämie und eines gegen eine erbliche Blutgerinnungsstörung, wurden am Max Delbrück Center entwickelt und sind im Einsatz. Mehrere Spin-Offs des Max Delbrück Center bereiten die Marktzulassung von Therapien vor – etwa eine Immuntherapie gegen Krebs oder eine Stammzelltherapie, die das Leid von Patient*innen mit Muskeldystrophien lindern soll. Das Zentrum verfügt über 86 Patentfamilien für Technologien (Produkte und Anwendungen; weltweit wurden damit insgesamt 571 Patente angemeldet und erteilt. Während der Pandemie haben sich die Wissenschaftler*innen außerdem in der Corona-Forschung engagiert, über Fachgrenzen hinweg. Insgesamt 26 Wissenschaftler*innen des Zentrums erhielten einen begehrten ERC-Grant.

Weiterführende Informationen


Foto: Ulrike Gote, Berliner Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, Maike Sander, Wissenschaftliche Vorständin des Max Delbrück Center, Veronika von Messling, Vorsitzende des MDC-Aufsichtsrats und Thomas Sommer, ehemaliger kommissarischer Vorstand (Foto: David Ausserhofer, MDC)

Zur Pressemitteilung auf der Website des Max Delbrück Centers

leben / 12.12.2022
Helfen, füreinander einstehen, Verantwortung übernehmen – Ehrenamtspreise 2022 verliehen

Foto: Bezirksamt Pankow
Foto: Bezirksamt Pankow

Die Bezirksverordnetenversammlung Pankow von Berlin hat am 9. Dezember 2022 im Rahmen einer Festveranstaltung im Rathaus Pankow den Pankower Ehrenamtspreis 2022 verliehen.

Anderen helfen, füreinander einstehen, Verantwortung übernehmen – von diesen Kriterien ist das vielfältige Engagement der Pankower:innen geprägt, die für den diesjährigen Ehrenamtspreis vorgeschlagen worden sind und die sich  in den unterschiedlichsten Bereichen des Zusammenlebens in unserem Bezirk freiwillig, selbstlos und ohne direktes Eigeninteresse unentgeltlich für das Gemeinwohl engagieren.
In besonderer Anerkennung und Würdigung der ehrenamtlichen Arbeit zeichnet die Bezirksverordnetenversammlung die folgenden ehrenamtlich Tätigen aus:

  • Christa Engl für das Engagement im Senioren Internetcafé "Weltenbummler"
  • Hannelore Sigbjoernsen für das Engagement im Freundeskreis der Chronik Pankow e.V.
  • Förderverein Kirchturm Buch e.V. für das große Engagement zum denkmalgerechten Wiederaufbau des Turmes der barocken Schlosskirche in Berlin-Buch
  • Monika Bergen für das unermüdliche ehrenamtliche Engagement im Flüchtlingsrat, im Willkommensnetzwerk "Pankow hilft" und im Pankower Integrationsbeirat
  • Ortsverband Pankow des Technischen Hilfswerks für das außergewöhnliche ehrenamtliche Engagement
  • Ursula Kriese und Angelika Deinert für die Arbeit im Café La Boheme, einer generationsübergreifenden und multikulturellen Kiezeinrichtung

Der Preis ist mit jeweils 500 Euro dotiert, alle Preisträger:innen erhielten eine Urkunde und trugen sich in das Goldene Buch des Bezirks Pankow ein.

forschen / 08.12.2022
Die Gene des sechsten Sinns

Zellpopulationen von sensorischen Neuronen in einem Spinalganglion des Rückenmarks (rechts) und ihre Axone im Rückenmark (links) © Stephan Dietrich, AG Zampieri, Max Delbrück Center
Zellpopulationen von sensorischen Neuronen in einem Spinalganglion des Rückenmarks (rechts) und ihre Axone im Rückenmark (links) © Stephan Dietrich, AG Zampieri, Max Delbrück Center

Ohne sie wäre gezielte Bewegung unmöglich: Nur dank spezieller Sensoren in den Muskeln und Gelenken weiß das Gehirn, was der Rest des Körpers tut. In „Nature Communications“ beschreibt ein Team um Niccolò Zampieri molekulare Marker dieser sensorischen Neurone, um ihre Funktionen besser zu verstehen.

Sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen – mit diesen fünf Sinnen, die wohl jedem von uns geläufig sind, nehmen wir Menschen unsere Umwelt wahr. Ähnlich wichtig, aber weit weniger bekannt, ist der sechste Sinn. „Seine Aufgabe ist es, Informationen aus den Muskeln und Gelenken über Bewegungen sowie die Haltung und Position unseres Körpers im Raum zu sammeln und an das zentrale Nervensystem weiterzuleiten“, erklärt Dr. Niccolò Zampieri, Leiter der Arbeitsgruppe „Entwicklung und Funktion neuraler Netzwerke“ am Berliner Max Delbrück Center. „Nur mithilfe dieser Propriozeption genannten Fähigkeit ist es dem zentralen Nervensystem möglich, unseren Muskeln über die Motoneurone für eine bestimmte Bewegung die richtigen Signale zu senden.“

Dem sechsten Sinn, der anders als die restlichen fünf Sinne völlig unbewusst abläuft, ist es somit zu verdanken, dass wir nachts, selbst wenn es völlig dunkel ist, nicht hinfallen oder die Tasse Kaffee am Morgen auch mit geschlossenen Augen zum Mund führen können. Doch nicht nur das: „Menschen ohne Propriozeption sind zu keiner wirklich gezielten Bewegung fähig“, erläutert Zampieri. Im Fachblatt „Nature Communications“ beschreiben er und sein Team jetzt molekulare Marker der am sechsten Sinn beteiligten Zellen. Sie sollen dabei helfen, die Funktionen dieser propriozeptiven sensorischen Neurone, kurz pSN, künftig noch besser zu verstehen.

Ohne präzise Verbindungen geht es nicht

Lokalisiert sind die Zellkörper der pSN in den Spinalganglien des Rückenmarks. Über ihre langen Nervenfasern sind sie mit den Muskelspindeln und Golgi-Sehnenorganen verbunden, die permanent die Dehnung und die Spannung aller Muskeln im Körper erfassen. Die pSN senden diese Informationen an das zentrale Nervensystem, wo sie genutzt werden, um die Aktivität der Motoneurone zu steuern und somit zielgerichtete Bewegungen zu ermöglichen.

„Eine Grundvoraussetzung dafür ist, dass die pSN präzise mit den verschiedenen Muskeln unseres Körpers verbunden sind“, sagt Dr. Stephan Dietrich aus Zampieris Arbeitsgruppe. Molekulare Programme, die solch exakte Verknüpfungen gewährleisten und den muskelspezifischen pSN ihre ganz eigene Identität verleihen, waren bislang jedoch weitgehend unbekannt. „In unserer Studie haben wir daher nach molekularen Markern gesucht, durch die sich die pSN der Bauch-, Rücken- und Beinmuskulatur bei Mäusen voneinander unterscheiden“, erläutert Dietrich, der Erstautor der am Max Delbrück Center vorgenommenen Arbeit ist.

Wachsenden Nervenfasern den Weg weisen

Mithilfe der Einzelzell-Sequenzierung untersuchte das Team, welche Gene in den pSN der Bauch-, Rücken- und Beinmuskulatur jeweils abgelesen und in RNA übersetzt werden. „Tatsächlich konnten wir für die pSN der unterschiedlichen Muskelgruppen charakteristische Gene identifizieren“, berichtet Dietrich. „Außerdem haben wir gezeigt, dass diese Erbanlagen bereits im Embryonalstadium aktiv sind und auch nach der Geburt zumindest noch eine Zeit lang angeschaltet bleiben.“ Es gebe also festgelegte genetische Programme dafür, dass bestimmte Propriozeptoren entweder die Bauch-, Rücken- oder Beinmuskulatur ansteuern, sagt Dietrich.

Gefunden haben die Berliner Forschenden unter anderem mehrere Gene für Ephrine und deren Rezeptoren. „Von diesen Proteinen weiß man, dass sie daran beteiligt sind, wachsenden Nervenfasern im sich entwickelnden Nervensystem den richtigen Weg zu weisen“, erklärt Dietrich. In Mäusen, die das Ephrin A5 nicht herstellen können, beobachtete das Team, dass bei diesen Tieren die Verbindungen zwischen den Propriozeptoren und der hinteren Beinmuskulatur beeinträchtigt sind.

Ein Ziel sind bessere Neuroprothesen

Geheimnisvolle Sensoren im Rückenmark

Pressemitteilung Nr. 24 / 24. Mai 2022 / Berlin

„Die in unserer Arbeit identifizierten Marker sollen nun helfen, die Entwicklung und Funktion von individuellen muskelspezifischen sensorischen Netzwerken weiter zu erforschen“, sagt Dietrich. „Mit den Methoden der Optogenetik zum Beispiel können wir Propriozeptoren per Licht entweder einzeln oder als Gruppe gezielt an- und ausschalten – so dass ihre konkrete Aufgabe beim sechsten Sinn ersichtlich wird“, ergänzt Zampieri.

In Zukunft solle das neu gewonnene Wissen zum Beispiel Patient*innen zugute kommen, die eine Rückenmarksverletzung erlitten haben, sagt Zampieri: „Wenn wir die Details der Propriozeption besser verstehen, kann man das Design von Neuroprothesen optimieren, die die eingeschränkten motorischen oder sensorischen Fähigkeiten der verletzten Menschen übernehmen.“

Krummer Rücken wegen veränderter Muskelspannung

Darüber hinaus hätten Forschende in Israel kürzlich herausgefunden, dass eine gut funktionierende Propriozeption auch wesentlich für ein gesundes Knochenskelett sei, sagt Zampieri. Manche Jugendliche entwickeln zum Beispiel während des Wachstums eine Skoliose, bei der die Wirbelsäule verkrümmt und zugleich verdreht ist. „Dies liegt vermutlich daran, dass aufgrund einer gestörten Propriozeption die Muskelspannung im Rücken verändert ist und die Wirbelsäule sich dadurch verformt“, erläutert Zampieri.

Auch eine Hüftdysplasie, eine Fehlstellung des Hüftgelenks, sei womöglich die Folge einer mangelhaften Propriozeption. Der Forscher hat somit noch ein weiteres Ziel vor Augen: „Wenn wir den sechsten Sinn besser durchschauen, lassen sich neue Therapien entwickeln, die solchen und anderen skelettalen Schäden effektiv entgegenwirken.“

Text: Anke Brodmerkel

Abbildung: Zellpopulationen von sensorischen Neuronen in einem Spinalganglion des Rückenmarks (rechts) und ihre Axone im Rückenmark (links): Die Zellen, die grün dargestellt sind, erfassen propriozeptive Informationen; die rot angefärbten Zellen in Rot Wärme und Berührung.

© Stephan Dietrich, AG Zampieri, Max Delbrück Center

investieren / 07.12.2022
OMEICOS Therapeutics Announces Expansion of OMT-28 Clinical Development Program into Primary Mitochondrial Diseases

OMT-28’s established safety profile, biomarker data, and funding secured from existing investors enable swift transition into a Phase II clinical study

OMEICOS, a biopharmaceutical company developing first-in-class small molecule therapeutics based on the reimagining of omega-3 fatty acid metabolism and physiology, announced the closing of a new financing round and the expansion of its clinical development activities into an indication with high unmet medical need - Primary Mitochondrial Disease (PMD). The financing, led by Remiges Ventures, Vesalius Biocapital and SMS group GmbH, will allow OMEICOS to advance its lead program, OMT-28, into a first Phase II study in PMD patients in H1 2023. OMT-28 had shown an excellent safety profile in two clinical trials and 162 individuals in total and profound effects on key biomarkers of metabolic and inflammatory stress such as GDF-15, IL-6, PTX-3 and hs-CRP.

“The expansion of OMT-28’s clinical development program into PMD will allow us to gain further evidence on the compound’s capability to target mitochondrial dysfunction and associated inflammation as well as to obtain first clinical response data from this group of severely affected patients that still have very limited treatment options”, commented Dr. Robert Fischer, CEO/CSO of OMEICOS Therapeutics. “With the initiation of the upcoming Phase II study in PMD, OMEICOS is immediately positioned as a clinical-stage developer in an attractive rare disease market with a significant unmet medical need. In this indication, OMEICOS benefits from the unique blend of expertise in cardiology and muscle cell physiology combined with the profound understanding of the multimodal effects of our molecules in metabolic and inflammatory stress pathways.”

Defects of the mitochondrial oxidative phosphorylation system (OXPHOS) results in oxidative and reductive stress and chronic activation of pro-inflammatory pathways, leading to disease progression and ultimately reduced life expectancy in many indications, including PMD. While PMD’s are a highly heterogeneous group of diseases, high energy requiring tissue and organs are most affected and as a consequence, myopathies and cardiomyopathies represent two of the key hallmarks in several PMD patient populations.

About OMEICOS
OMEICOS Therapeutics has discovered a series of metabolically robust synthetic analogues of omega-3 fatty acid-derived epoxyeicosanoids that have the potential to treat mitochondrial dysfunction, inflammatory, cardiovascular and other diseases. Epoxyeicosanoids activate cell type-specific endogenous pathways that promote organ and tissue protection. OMEICOS’ small molecules are orally available and show improved biological activity and pharmacokinetic properties compared to their natural counterparts. For more, please visit: www.omeicos.com

forschen / 02.12.2022
Von Kalifornien nach Berlin: Maike Sander

Diabetesforscherin Maike Sander (Foto: Peter Himsel/MDC)
Diabetesforscherin Maike Sander (Foto: Peter Himsel/MDC)

Am 1. November 2022 hat Professorin Maike Sander den Wissenschaftlichen Vorstand des Max Delbrück Centers übernommen. Die Diabetesforscherin löst Professor Thomas Sommer ab, der das Zentrum seit 2019 kommissarisch geleitet hat.

Als Medizinstudentin in Heidelberg hatte Maike Sander gerade ihre Dissertation begonnen, als sie 1991 ein Forschungsaustausch nach San Francisco führte. Vier Monate wollte sie in Kalifornien bleiben. Es wurden fast 30 Jahre daraus, zunächst an der University of California in San Francisco, später in Irvine und ab 2008 in San Diego. „Ich habe in den USA zwei Dinge erkannt: Ich liebe die Wissenschaft und ich löse gern gemeinsam mit klugen Menschen aus aller Welt Probleme. Unabhängig von Hierarchie-Ebenen“, sagt sie. Die offene Atmosphäre beflügelte sie.

Bekannt wurde Sander mit wegweisender Diabetes-Forschung insbesondere zu den insulin-produzierenden Beta-Zellen. Beta-Zellen sind in den Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse zu finden und spielen eine zentrale Rolle bei der Kontrolle des Blutzuckerspiegels. Bei Typ-1 Diabetes zerstört das Immunsystem die Betazellen, bei Typ-2 Diabetes dagegen verlieren die Betazellen ihre Funktion und verursachen so einen Insulinmangel.

Im Fokus: Beta-Zellen

Um zu verstehen wie sich die Betazellen entwickeln, welche molekularen Mechanismen zu Diabetes führen und wie man Fehlfunktionen dieser Zellen korrigieren kann, kombiniert ihr Team Methoden aus Genetik, Genomik, Stammzellforschung und Biotechnologie. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler produzieren aus menschlichen pluripotenten Stammzellen Bauchspeicheldrüsen-Inseln. Diese Organoide bilden die natürliche Mikroumgebung der Beta-Zellen in der Petrischale nach und erlauben detaillierte Analysen. Betazellen zu regenerieren oder mithilfe von menschlichen pluripotenten Stammzellen zu ersetzen, könnte in Zukunft für beide Formen von Diabetes ein Therapieansatz sein.

„Noch ist nicht geklärt, wie man Menschen aus Stammzellen gewonnene Betazellen transplantieren und im Körper vor der Abstoßung schützen kann“, sagte Sander, als ihr zuletzt die European Society for the Study of Diabetes (EASD) für diese Arbeit den Albert-Renold-Preis 2022 verlieh. „Um Antworten auf diese Fragen zu finden, müssen Wissenschaft und Industrie intensiv zusammenarbeiten.“ Am Pediatric Diabetes Research Center an der University of California in San Diego, das sie als Direktorin leitete, ist das gelebte Praxis. Diese Erfahrung bringt sie mit: „Eines meiner Ziele ist, die Hürden für die Translation von Grundlagenforschung zu senken. Ich sehe großes Potenzial in Berlin und will gemeinsam mit unseren Partnern darauf aufbauen.“

„Max Delbrück Center war immer innovativ“

Das Max Delbrück Center habe weltweit einen sehr guten Ruf: „Das Zentrum war immer innovativ. Es wagt, anders zu sein und hat sich so einen Namen erarbeitet. Ich habe die Leidenschaft für die Wissenschaft, das unermüdliche Streben nach Exzellenz, die ganze Energie hier bereits während meines Sabbaticals vor sechs Jahren erlebt und freue mich, nun Teil dieser Gemeinschaft zu werden.“

Die Voraussetzungen für Forschung und Innovation seien hervorragend – von der wissenschaftlichen Infrastruktur über die Ausrichtung auf organübergreifende Krankheitsmechanismen bis hin zur Internationalität. Das Umfeld mit starken Partnern wie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, dem Berlin Institute of Health in der Charité und dem Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), aber auch mit einer aufstrebenden Biotech-Branche stimme in Berlin. „Wir haben die Chance, die Medizin von morgen zu prägen“, sagt sie. „Mit dem Max Delbrück Center als Forschungsmotor.“

Pressemitteilung auf der Webseite des Max Delbrück Center:
https://www.mdc-berlin.de/de/news/news/von-kalifornien-nach-berlin-maike-sander

 

forschen, produzieren, heilen / 30.11.2022
Campus Buch wird Dritter bei „Wer radelt am meisten?“

Siegerkleinteam "Rolling Organoids" (Foto: Peter Himsel/Campus Berlin-Buch)
Siegerkleinteam "Rolling Organoids" (Foto: Peter Himsel/Campus Berlin-Buch)

Vierundzwanzig Berliner Landesunternehmen traten im August und September 2022 im Wettbewerb „Wer radelt am meisten?“ gegeneinander an. Gewonnen haben die Berliner Wasserbetriebe vor der BVG. Der Campus Berlin-Buch wurde in diesem Jahr Dritter. Die 205 Radlerinnen und Radler des Bucher Wissenschafts- und Biotechcampus & Max Delbrück Center/BIMSB erradelten gemeinsam 124.412,5 Kilometer.

Campus-intern verteilten sich die besten Fahrerinnen und Fahrer über verschiedene Campuseinrichtungen: Günther Pätz, Celares GmbH, belegte mit 5211 km den ersten Platz, Theda Bartolomaeus, ECRC, errang mit 3224,1 km den zweiten Platz und Thomas Gladytz, Max Delbrück Center, mit 2641,5 km den dritten Platz.

Der Teamwettbewerb fand in diesem Jahr erstmals in veränderter Form statt. Neben den bekannten Dreierteams konnten Gruppenteams (bis 10 Personen) und Megateams (ab 11 Personen) gebildet werden. Bei den Campus-Dreierteams siegte das Team „Rolling Organids“ mit Alina Pflaume, Cellphenomics GmbH, Jürgen Loskutov, Cellphenomics GmbH und Larissa Ruhe, ASC Oncology GmbH. Bestes Gruppenteam des Campus wurde „Die Tanke kann uns mal“ mit Nic&Ole, Marion Rösch, Carina Richter, Isabell Becker, alle Max Delbrück Center. Den ersten Platz bei den Megateams erreichten die „Titin-Biker“ mit Victor Badillo, Carmen Judis, Zee Azizah, Simone Jung, Rene Jüttner, Michael Gotthardt, Michael Radke, Lorena Suárez Artiles, Janine Fröhlich, Jacobo Lopez Carballo, Elisabeth Fritsch, Claudia Crocini, Christel Andree, Giuliano Ballacchino, Andra Eisenmann, alle Max Delbrück Center. Sie waren auch in der Wertung des Gesamtwettbewerbs erfolgreich – als zweitbestes Megateam.

Der Wettbewerb ist aus einer Radfahraktion der Berliner Verkehrsbetriebe mit der Berliner Stadtreinigung und den Berliner Wasserbetrieben entstanden und wird von der Initiative „mehrwert“ ausgetragen. Insgesamt sammelten 1925 Beschäftigte ihre Radkilometer. Der Wettbewerb fördert nicht nur eine umweltfreundliche und gesunde Mobilität, sondern möchte Lebensqualität bei gleichzeitiger Kosteneinsparung aufzeigen.

10 Jahre – 10 Aktionen
Im Jubiläumsjahr wurde der Wettbewerb von einer Reihe von Aktionen wie Ergonomieworkshop, Fahrsicherheitstraining und Feierabendrunden bis Fotowettbewerb begleitet.

Im kommenden Jahr gibt es eine Neuerung, der Wettbewerb wird zum Auftakt der Radsaison in den Monaten Mai und Juni stattfinden.

Mehr zum Wettbewerb

forschen, produzieren, leben, heilen, bilden / 29.11.2022
CAMPUSart lädt ein

Foto: David Ausserhofer
Foto: David Ausserhofer

Rundgänge zu Kunst, Wissenschaft und Botanik bereichern den Campus Berlin-Buch

CAMPUSart heißt ein neues Projekt auf dem Gelände des Campus Berlin-Buch, das auf faszinierende Weise Wissenschaft mit Kunst und Botanik verbindet. Zu CAMPUSart gehören sechs Bereiche, die auf dem Campusgelände verteilt zu finden sind: Wissenschaftsgeschichtliche Angebote, botanische Besonderheiten, eine Jeanne-Mammen-Ausstellung, Skulpturen im Park und ein Campusmuseum mit Mikroskop-Sammlung.

Innerhalb dieser Themenbereiche erwarten interessierte Besucher:innen faszinierende Ausstellungen und Hintergrundgeschichten, die zum Teil sowohl vor Ort als auch virtuell bestaunt werden können. Neu angelegte Rundgänge auf dem Campusgelände führen zu Skulpturen und Installationen renommierter Künstler:innen oder zu seltenen Baumarten oder Kräutern mit besonderen sensorischen Eigenheiten.

Kunst und Wissenschaft

Kunst und Wissenschaft haben viel gemeinsam, sowohl historisch als auch bezogen auf ihre Beobachtungsgabe für die Rätsel des Lebens. Stellvertretend für diese Verbindung steht auch die langjährige und enge Freundschaft zwischen dem Physiker Max Delbrück und der Künstlerin Jeanne Mammen. Ein Ergebnis davon ist unter anderem die weltweit größte öffentlich ausgestellte Sammlung an Kunstwerken der Berliner Künstlerin Jeanne Mammen im Torhaus des Campus Berlin-Buch. Die Nähe zwischen Kunst und Wissenschaft vermitteln auch die 18 Skulpturen und Installationen namhafter internationaler Künstler:innen, die sich verteilt auf dem Gelände des Campus befinden. Interessierte können sie in einem etwa einstündigen Spaziergang entdecken und genießen.

Natur und Medizin

Den Bucher Campus zeichnet nicht nur sein einzigartig naturverbundener und grüner Standort aus. Im Rahmen des CAMPUSart-Projektes werden nun auch die botanischen Besonderheiten auf dem Gelände herausgestellt und für Besucher:innen erlebbar gemacht. Auf einem Rundgang von einer Stunde können Naturfreunde an 25 Stationen eine Auswahl an seltenen oder für die Naturheilkunde wichtigen Gehölzen und Gewächsen entdecken.

Persönlichkeiten

Der Campus in Berlin-Buch steht in einer langen Tradition für exzellente biomedizinische Grundlagen- und klinische Forschung sowie klinische Expertise. Berühmte Wissenschaftler:innen wie Max Delbrück, Oskar und Cécile Vogt oder Timoféeff-Ressovsky haben hier geforscht und ihr Leben der Suche nach Erkenntnis gewidmet. Auf dem Campusgelände kann man nun auf den Spuren einiger der berühmtesten Persönlichkeiten aus der Wissenschaftsgeschichte des Standorts wandeln.

Geschichte bewahren

Das Campusmuseum im Oskar-und-Cécile-Vogt-Haus präsentiert wissenschaftliche Geräte aus einem Jahrhundert biomedizinischer Forschung. Integriert ist eine einzigartige Mikroskopausstellung. Unter dem Titel "Unsichtbar-Sichtbar-Durchschaut" zeigt sie die Verbindung von Wissenschaft und optischer Industrie, die sich in der Region Berlin/Brandenburg am Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelte.

Begleitend zu den thematischen Bereichen des Projekts bieten eine Reihe von Publikationen, Rundgänge, im Internet verfügbare Audioguides und eine umfassende Webseite zusätzliche Informationen und Hintergrundgeschichten.

Foto: Ein aufrechtstehender, dreibeiniger Mann aus Bronze streckt seine Arme zu beiden Seiten aus und grüßt als erste Skulptur auf dem Rundgang. „L‘Homme“, zu Deutsch: der Mann, ist ein Kunstwerk des französischen Bildhauers, Zeichners, Aquarellisten und Schriftstellers Jean Ipoustéguy.

Text: Edda Simon

Zuerst erschienen in der buchinside 2/22

Website von CAMPUSart

28.11.2022
Mit den Augen der Jeanne Mammen

Blick in den Jeanne-Mammen-Saal (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)
Blick in den Jeanne-Mammen-Saal (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)

Die Welt sehen mit den Augen von Jeanne Mammen – das war das Motto eines feierlichen Abends auf dem Campus Buch anlässlich des 132. Geburtstags der Künstlerin und Freundin von Max Delbrück. Mit der Lesung wurde das Projekt CampusArt – Wissenschaft und Kunst auf dem Campus offiziell eröffnet.

Dr. Martina Weinland, Beauftragte für kulturelles Erbe vom Stadtmuseum Berlin, nahm die rund 30 Gäste im Jeanne-Mammen-Saal in Berlin-Buch am 21. November mit auf eine eindrückliche Reise durch das Berlin von 1915 bis 1976. In dieser Zeit lebte die Malerin Jeanne Mammen in ihrem Atelier im Gartenhaus am Kurfürstendamm 29. Hier wirkte sie, und von hier aus teilte sie ihre Gedanken jahrzehntelang in einem Briefwechsel mit Max Delbrück. Der Biophysiker, Genetiker und spätere Nobelpreisträger hatte Mammen 1935 bei einem Hauskonzert der Ehepaare Gaffron und Wohl in deren Villa am Schlachtensee kennengerlernt: die Herren Gaffron und Wohl waren Naturwissenschaftler, Grete Wohl ausgebildete Pianistin. Jeanne Mammen (21. 11.1890 bis 22. 4. 1976) gehört heute mit ihren Bildern der 1920er Jahre zu den bekanntesten Berliner Malerinnen und Grafikerinnen.

Ein Gang durch Berlin

Umgeben von Mammens Gemälden und Skulpturen tauchten die rund 30 Teilnehmer*innen gemeinsam mit Martina Weinland ein in die Welt der Künstlerin, in das Berlin der Kaiserzeit, die 20er Jahre, ins Berlin des Nationalsozialismus. Sie hörten von der Zerstörung der Stadt, den schweren Jahren danach, in denen Mammen von Delbrück, der inzwischen in Amerika forschte, mit Care Paketen versorgt wurde. Sogar aus der Paketschnur zauberte sie Kunstwerke. Im Kabarett der „Badewanne“ (1949) gewann sie mit den jungen Dichtern Lothar Klünner und Johannes Hübner weitere Freunde fürs Leben.

Jeanne Mammen erlebt eine wunderbare Zeit, von der sie ein Jahr vor ihrem Tod im August 1975 in einem Brief an Max Delbrück sagt: „[…] damals hatten wir alle noch Mumm in den Knochen und es war in Berlin direkt eine Explosion von Witz, Verstand und Poesie. Jetzt wird das Leben immer blöder, man kann sich nur in seiner Bude verschanzen als Solokrebs, um sich von der allgemeinen Krankheit nicht anstecken zu lassen.“

Zwei Ausstellungen

Jeanne Mammens Atelier am Berliner Kurfürstendamm, ihre „Zauberbude“, ist bis heute erhalten und seit 2018 in der Obhut des Stadtmuseums Berlin. Es kann in Führungen oder in Absprache mit Dr. Martina Weinland (martina.weinland@stadtmuseum.de) besichtigt werden. Darüber hinaus ist es möglich, Jeanne Mammens Lebens- und Wirkungsstätte auch in einem 360 °-Rundgang virtuell zu erleben.

Die virtuelle Jeanne-Mammen-Ausstellung auf dem Campus Buch führt die Besucher*innen durch die Sammlung mit Dutzenden ihrer Gemälde und Skulpturen, präsentiert im Torhaus. Die Schau ist Teil des CampusArt-Projekts, das von der LOTTO-Stiftung gefördert und vom Max Delbrück Center unterstützt wird.

Text: Dana Lafuente

Weiterführende Informationen

 

leben / 27.11.2022
Advent- und Weihnachtskonzert

Der Förderverein Dorfkirche Schwanebeck e.V. lädt ein zum Advent-/ Weihnachtskonzert am 27. 11. 2022 um 16:00 in der Dorfkirche Schwanebeck.
Es singen die Westend-Gospel-Singers aus Eberswalde

Der Eintritt ist kostenlos, um eine Spende für die Erhaltung der Kirche wird gebeten.

Ort:

Dorfkirche Schwanebeck
Dorfstraße 23A
16341 Panketal

heilen / 24.11.2022
Impfaktion gegen Covid-19 im Bucher Bürgerhaus am 30.11. und 01.12.2022

Das Impfteam des Pankower Gesundheitsamtes bietet wieder Impfungen gegen Covid-19 an. Geplant sind u.a. mehrere Aktionen im Bucher Bürgerhaus in der Franz-Schmidt-Straße 8, 13125 Berlin. Im Angebot ist der angepasste Impfstoff von BioNTech gegen die Omikron-Varianten BA.4-5. Die nächsten Impftermine finden statt am Mittwoch, dem 30. November 2022, von 09.30 bis 13.30 Uhr sowie am Donnerstag, dem 1. Dezember 2022, von 15.00 bis 18.00 Uhr.

Ohne Termin vorbeikommen
Jede:r ab zwölf Jahren kann sich spontan ohne vorherige Terminabsprache seine Erst-, Zweit-, oder Boosterimpfung abholen. Auf Nachfrage können auch die digitalen Impfzertifikate ausgestellt werden.

Ausweis und Impfpass nicht vergessen
Interessierte bringen bitte ihren Impfpass und Personalausweis mit. Weitere Informationen erteilt die Impfstelle des Gesundheitsamts Pankow per E-Mail an impfstelle@ba-pankow.berlin.de oder unter Tel.:  030 90295-2947.

Website der Impfstelle: www.berlin.de/ba-pankow/impfstelle

forschen / 22.11.2022
ERC Starting Grants für Berliner Wissenschaftler

Sie haben schwerwiegende Krankheiten im Visier: Gabriele G. Schiattarella untersucht die Mechanismen der Herzschwäche, Simon Haas möchte Immuntherapien gegen Leukämie verbessern und Michael Sigal würde gern Darmkrankheiten verhindern. Nun zeichnet der ERC die Forscher mit einem Starting Grant aus.

Der Starting Grant des Europäischen Forschungsrates ERC gilt als Ritterschlag für Nachwuchsforscher*innen. Neben Prestige geht er mit einer Förderung in Höhe von etwa 1,5 Millionen Euro über fünf Jahre einher, er öffnet Türen und zieht gute Bewerber*innen für Doktoranden- und PostDoc-Stellen an. Der Europäische Forschungsrat sucht nach ungewöhnlichen Ansätzen, die – sofern sie funktionieren – erheblichen Fortschritt ermöglichen („high risk, high reward“). Die Kandidat*innen müssen seit ihrer Promotion zwei bis sieben Jahre Erfahrung gesammelt haben und vielversprechende Erfolge vorweisen. Am Max Delbrück Center können sich nun drei Gastwissenschaftler über die begehrte Auszeichnung freuen: Dr. Gabriele G. Schiattarella, Dr. Simon Haas und Professor Michael Sigal.

Gabriele G. Schiattarella leitet eine DZHK-geförderte Gastgruppe „Translationale Ansätze bei Herzinsuffizienz und kardiometabolischen Erkrankungen“ am Max Delbrück Center in Buch und arbeitet an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Der ERC Starting Grant ermöglicht ihm, sein Projekt „KetoCardio“ umzusetzen. Damit geht er der Frage nach, wie sich Ketonkörper – das sind Abbauprodukte des Fettstoffwechsels – auf die Herzinsuffizienz mit konservierter Auswurfleistung – kurz HFpEF (kurz für: heart failure with preserved ejection fraction) – auswirken.

Simon Haas leitet die Nachwuchsgruppe „Systemische Hämatologie, Stammzellen & Präzisionsmedizin“ des Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) im gemeinsamen Forschungsfokus „Single Cell-Ansätze für die personalisierte Medizin“ des BIH, des Max Delbrück Centers und der Charité. Sein Team ist als Gastgruppe am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie des Max Delbrück Centers (MDC-BIMSB) angesiedelt. Mithilfe des ERC Starting Grants will er im Projekt „InteractOmics“ das Zusammenspiel von Immun- und Leukämiezellen untersuchen und herausfinden, warum die Immuntherapie bei Leukämie in manchen Fällen wirkt, in anderen jedoch versagt.

Michael Sigal ist Arzt und Wissenschaftler an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie der Charité und leitet als Gastwissenschaftler am MDC-BIMSB die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Emmy Noether-Nachwuchsgruppe „Gastrointestinale Barriere, Regeneration und Karzinogenese“. Mit seinem Projekt „Revert“ will er aufklären, wie sich das Gewebe des Magen-Darm-Trakts bei einer Schädigung verändert. Das könne ein Grundstein für die Therapie entzündlicher Darmkrankheiten sein und zur Prävention von Darmkrebs beitragen.

Die Projekte im Detail:

Den Herzstoffwechsel neu starten

HFpEF ist eine sehr häufige Form der Herzschwäche – weltweit sind mehr als 30 Millionen Menschen daran erkrankt. „In den kommenden Jahren wird sie zur häufigsten Form der Herzinsuffizienz werden“, sagt Gabriele G. Schiattarella. Dabei ist nicht die Pumpkraft des Herzens wesentlich beeinträchtigt, sondern seine Dehnbarkeit. Deshalb kann der Herzmuskel nicht genug Blut aufnehmen, um den Körper ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Die Betroffenen sind weniger belastbar, lagern Wasser in der Lunge und im übrigen Körper ein, werden kurzatmig. Über die molekularen Mechanismen der Krankheit ist wenig bekannt; Medikamente dagegen gibt es kaum.

Schiattarellas Team hat herausgefunden, dass bei Patient*innen mit HFpEF der Ketonspiegel im Blut erhöht ist. Ketone sind Abbauprodukte des Fettstoffwechsels. Wenn Körperzellen nicht ausreichend Glukose erhalten – etwa beim Fasten oder beim Sport –, verbrennt der Körper Fett statt Glukose. Dabei entstehen Ketone oder Ketonkörper, die die Zellen nutzen können, um ihren Energiebedarf zu decken. „Sie sind ein starker Treibstoff für den Zellstoffwechsel“, sagt Gabriele G. Schiattarella. „Die Zellen kommunizieren außerdem mit ihrer Hilfe Veränderungen in ihrem Stoffwechsel.“ 

Schiattarella will untersuchen, was den Keton-Stoffwechsel bei HFpEF ankurbelt und warum. „Möglicherweise will der Körper auf diese Weise die in Mitleidenschaft gezogenen Herzmuskelzellen mit mehr Energie versorgen oder ihre Schäden kompensieren“, vermutet der Forscher. Außerdem will er klären, ob und wie Ketone, insbesondere das häufigste Keton namens ß-Hydroxybutyrat (ß-OHB), die Chromatinstruktur, Gentranskription und Signalübertragung in den Herzmuskelzellen regulieren und so beispielsweise ihre Elastizität beeinflussen. Und er will therapeutische Strategien entwickeln, um den Keton-Spiegel bei HFpEF weiter zu erhöhen – sei es durch eine angepasste Ernährung, ein spezielles Bewegungstraining oder Medikamente. 

Am Max Delbrück Center steht dem Wissenschaftler und seinem Team eine breite Palette an Technologien zur Verfügung. „Wir werden verschiedene Tiermodelle entwickeln und Proteomik-, Transkriptomik- und Genomikansätze miteinander verknüpfen“, sagt der Forscher. „Das und die drei Säulen des Projektes – der Keton-Stoffwechsel, ihre Signalübertragung plus die Entwicklung Keton-basierter therapeutischer Strategien – machen KetoCardio zu einem ‚big deal‘ der kardiovaskulären Forschung.“

Wie sich Leukämie- und Immunzellen begegnen

Leukämie entsteht aus unreifen Immunzellen, die sich nicht weiterentwickeln, sondern sich ständig teilen und das Blut überschwemmen. Sie treffen dort auf reife und aktive Immunzellen, die sie entweder erkennen und abtöten oder aber entkommen lassen. Bislang ist wenig darüber bekannt, wie die Immunzellen mit den Leukämiezellen interagieren. „Das wäre aber wichtig, um zu verstehen, warum das Immunsystem in manchen Fällen die Leukämiezellen besiegt und in anderen versagt“, sagt Simon Haas. „Und warum bei manchen Patient*innen die Immuntherapie gut anschlägt, bei anderen dagegen nicht.“

Simon Haas möchte die Einzelzell-Analyse so weiter entwickeln, dass sie das Zusammenspiel und die Kommunikation aller Immunzellen mit Krebszellen erfassen kann. Er ist mit seinem Team am MDC-BIMSB untergebracht, das dafür hervorragende technische Voraussetzungen bietet. „Wir möchten statt Einzelzellen Millionen von Zellpaaren untersuchen, die gerade miteinander interagieren. Diese Doubletten verraten uns, wer an wen bindet und was dabei passiert.“

Die Wissenschaftler*innen untersuchen dafür zunächst das Blut von Mäusen, die an Leukämie erkrankt sind. Bei ihnen können sie verfolgen, wie sich die Krankheit zu verschiedenen Zeitpunkten entwickelt, wie sie voranschreitet oder gestoppt werden kann. Seine klinischen Kooperationspartner an der Charité stellen ihm außerdem Proben von Leukämiepatient*innen zur Verfügung. „Wenn wir verstehen, in welchem Stadium der Krankheit sich die Zellen begegnen, und in welchem Stadium der Entwicklung sich die Immunzelle und die Krebszelle jeweils befinden, können wir besser nachvollziehen, wie die Immunabwehr vorgeht und wie sich die Leukämie dagegen wehrt“, erklärt Simon Haas.

Immuntherapien, die das Immunsystem des eigenen Körpers nutzen, um den Krebs zu bekämpfen, werden bereits für die Leukämie-Therapie eingesetzt. Allerdings funktioniert dieser Ansatz nur bei einem Bruchteil der Patient*innen. „Wenn wir nun die Zellpaare aus dem Blut der erfolgreich behandelten Patienten mit denen der Patienten vergleichen, bei denen die Immuntherapie leider nicht funktioniert hat, können wir hoffentlich lernen, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit das Immunsystem gegen die Leukämie gewinnt.“ Er will vorhersagen, bei welchen Patient*innen sich der Einsatz der sehr aufwändigen und kostspieligen Immuntherapie voraussichtlich lohnt. Und wie man die Immuntherapie so weiterentwickeln kann, dass sie bei noch mehr Patient*innen gut wirkt.

Die Schwelle zum Darmkrebs verstehen

Magen und Darm sind einer Vielzahl äußerer Einflüsse ausgesetzt. Daher sind sie mit einer schützenden Innenwand ausgekleidet, die sich fortwährend regeneriert, dem Epithel. Michael Sigal beschäftigen insbesondere Stammzellen, die für die kontinuierliche Erneuerung eben jener Barriere zwischen Körper und Umwelt verantwortlich sind. Eine Emmy Noether-Nachwuchsgruppe unter seiner Leitung erforscht, wodurch diese Stammzellen möglicherweise geschädigt werden, und wie die Schäden zum Entstehen infektiöser und entzündlicher Erkrankungen oder Krebs beitragen.

Das Team konnte bereits zeigen, dass eine Verletzung der Darmschleimhaut zu einer neuen Aufgabenteilung führt. Stammzellen, die sich tief im Inneren der Schleimhaut befinden, sterben ab und werden von ausdifferenzierten Zellen der Oberfläche ersetzt. Diese werden zu Stammzellen reprogrammiert und beginnen, sich immer wieder zu teilen, um so die Schleimhaut neu aufzubauen. Zwar verhindert dieser Regenerationsprozess, dass nach einer Verletzung Bakterien aus dem Darm in die Blutbahn gelangen. Jedoch vermutet Sigal, dass hier auch der erste Schritt auf dem Weg zu Darmkrebs getan wird.

„Zellen an der Oberfläche des Epithels kommen mit dem Mikrobiom, also den im Darm lebenden Bakterien, und ihren Stoffwechselprodukten in Berührung, die mitunter ihre DNA-schädigen können“, sagt er. „Werden sie zu Stammzellen, können sich Mutationen im Epithel festsetzen und die komplexen Prozesse, die normalerweise für ein Gleichgewicht zwischen Zellteilung und Ausdifferenzierung sorgen, durcheinanderbringen – ein Vorstadium der Krebsentwicklung.“

In den kommenden fünf Jahren will er mit dem Projekt „Revert“ aufklären, wie sich das Gewebe des Magen-Darm-Trakts bei einer Schädigung verändert. Um die Tochterzellen von normalen Stammzellen mit solchen von „Ersatz-Stammzellen“ zu vergleichen, nutzt er die Einzelzellsequenzierung und erstellt für die einzelnen Zellen Stammbäume („lineage-tracing“). Sie dokumentieren die genetischen Veränderungen im Laufe der Zeit. Mithilfe solcher Technologien will Sigal ein grundlegendes Verständnis dafür entwickeln, welche Faktoren dazu beitragen, dass chronisch-entzündliche und maligne Erkrankungen des Darms sich manifestieren.  Dieses Wissen könnte den Grundstein für die Entwicklung ursachengerichteter Therapien für entzündliche Darmkrankheiten legen und zur Prävention von Darmkrebs beitragen.

Text: Charité, BIH, Jana Ehrhardt-Joswig

Weitere Informationen

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (Max Delbrück Center) gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 70 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organ-übergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das Max Delbrück Center fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am Max Delbrück Center arbeiten 1800 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete Max Delbrück Center zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

Quelle: Pressemitteilung Max Delbrück Center
ERC Starting Grants für Berliner Wissenschaftler

produzieren / 17.11.2022
Dr. Lucile Bonnin, CEO von Camrium, ist neues "Face of Future"

Dr. Lucille Bonnin (Foto: Cambrium GmbH)
Dr. Lucille Bonnin (Foto: Cambrium GmbH)

Lernen Sie Persönlichkeiten kennen, die die Berliner Zukunftsorte prägen.

Dr. Lucile Bonnin ist promovierte Chemikerin und Leiterin der Forschung & Entwicklung bei Cambrium GmbH. Bevor die gebürtige Französin dort anfing, war sie bereits für L’Oreal, Henkel und zuletzt iconmobile tätig. Dort beriet sie große Unternehmen der Schönheits- und Lebensmittelbranche hinsichtlich ihrer Innovationsstrategien in F&E und trieb die Einführung, Entwicklung und Umsetzung von KI und prädiktiven Analysen voran.

Mit Cambrium – einem Startup auf dem Campus Berlin-Buch am Zukunftsort Berlin-Buch, will sie Innovationen in der Entwicklung von Proteinen zur Kreation von Biomaterialien anstoßen.

Hier geht es zum ausführlichen Interview: https://zukunftsorte.berlin/faces-of-future/lucile-bonnin/

leben, bilden / 17.11.2022
Pankow beteiligt sich am Netz der Wärme: Fünf Bibliotheken öffnen bis zum 4. Advent auch an Wochenenden

Die Stadtbibliothek Pankow öffnet fünf Standorte an allen kommenden Wochenenden bis inklusive 18. Dezember 2022 und bietet somit allen Interessierten einen kostenfreien Treffpunkt, Lern- und Begegnungsort an.

Vier Standorte öffnen Samstag und Sonntag, ein Standort samstags
Bis zum 4. Advent sind die folgenden vier Bibliotheken sowohl samstags als auch sonntags jeweils von 10 bis 19 Uhr geöffnet: Janusz-Korczak-Bibliothek (Berliner Str. 120-121, 13187 Berlin), Heinrich-Böll-Bibliothek (Greifswalder Str. 87, 10409 Berlin), Kurt-Tucholsky-Bibliothek (Esmarchstr. 18, 10407 Berlin) und Stadtteilbibliothek Karow (Achillesstr. 77, 13125 Berlin).
Die Stadtteilbibliothek Buch (Wiltbergstr. 19-23, 13125 Berlin) öffnet bis zum 17. Dezember immer samstags von 10 bis 18 Uhr.

Veranstaltungen, Beratungsangebote und Begegnungsmöglichkeiten
Während der zusätzlichen Wochenend-Öffnungen können alle Interessierten die Bibliotheken als Lernort, Treffpunkt und Begegnungsstätten nutzen. An allen fünf Standorten finden vielfältige Veranstaltungen für verschiedene Altersgruppen statt – vom Figurentheater über Kinderschminken bis hin zur Energie- und Rechtsberatung wird es viele Angebote geben. Ein Überblick ist auf der Website der Stadtbibliothek Pankow zu finden.
Die Ausleihe und Rückgabe von Medien ist an den Automaten und Rückgabeanlagen auch an den Wochenenden möglich.

Weitere Informationen: https://www.berlin.de/stadtbibliothek-pankow

forschen / 17.11.2022
Hohe Auszeichnung für Krebsforscherin Ulrike Stein

Professorin Dr. Ulrike Stein (Foto: David Außerhofer/Max Delbrück Center)
Professorin Dr. Ulrike Stein (Foto: David Außerhofer/Max Delbrück Center)

Ulrike Stein sucht nach Schlüsselmolekülen der Metastasierung, um sie für die Therapie solider Tumore zu nutzen und die Prognose für Krebspatient*innen zu verbessern. Die Metastasis Research Society ehrt sie dafür mit dem diesjährigen Women in Science Achievement Award.

Die meisten Krebspatient*innen sterben nicht am Primärtumor, sondern daran, dass sich bösartige Tumorzellen im Körper ausbreiten und Metastasen bilden. Wie die Zellen das bewerkstelligen, ist nur teilweise bekannt. Die molekularen Mechanismen der Metastasierung zu verstehen, um neue Angriffsziele für Krebstherapien zu finden, ist das Ziel von Professorin Ulrike Stein. Sie leitet am Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung des Max Delbrück Centers und der Charité – Universitätsmedizin Berlin die Arbeitsgruppe „Translationale Onkologie solider Tumore“. Für ihre herausragenden Leistungen auf diesem Gebiet ehrt die renommierte Metastasis Research Society (MRS) die Wissenschaftlerin mit dem diesjährigen Women in Science Achievement Award. Ulrike Stein ist seit 2020 die zweite Krebsforscherin, die diesen Preis erhält.

Ihre wichtigste Entdeckung machte Ulrike Stein vor etwas mehr als zehn Jahren:  Zusammen mit Professor Peter M. Schlag vom Comprehensive Cancer Center der Charité (CCCC) und Professor Walter Birchmeier vom Max Delbrück Center identifizierte sie das Metastasis-Associated in Colon Cancer 1-Gen (MACC1), ein bis dato völlig unbekanntes Gen. Krebszellen exprimieren MACC1, um sich zu vermehren, fortzubewegen und in anderes Gewebe einzudringen. Diese Rolle von MACC1 als Schlüsselfaktor und prognostischem und prädiktivem Biomarker für Tumorwachstum und vor allem Metastasierung haben mittlerweile viele andere Forscher*innen weltweit untersucht und in mehr als 300 Veröffentlichungen bestätigt – nicht nur bei Darmkrebs, sondern bei mehr als 20 weiteren soliden Tumorarten, etwa Magen-, Leber- oder Brustkrebs.

Ein Kind der DDR

Aufgewachsen ist Ulrike Stein in Naumburg in Sachsen-Anhalt. Bereits in der siebten Klasse wusste sie, dass sie Krebsforscherin werden will. Doch so fest entschlossen sie war, so steinig war der Weg dorthin. Nach dem Abitur bewarb sie sich um einen von fünf Genetik-Studienplätzen in der DDR. Dürfte kein Problem sein bei einem Schnitt von Eins Komma Null, dachte sie –wurde jedoch aufgrund unzureichender gesellschaftlicher Aktivitäten abgelehnt.

Zum Ausgleich bot man ihr einen Studienplatz in Biochemie an der Martin-Luther-Universität in Halle an. Sie nahm ihn zähneknirschend an – und stellte bei Studienbeginn überrascht fest, dass es sich dabei um die Biochemie der Pflanzen handelte. Sie zog es trotzdem durch und schaffte es auf den letzten Metern ihres Studiums, zur Krebsforschung abzubiegen: Sie fertigte ihre Diplomarbeit am Zentralinstitut für Krebsforschung der Akademie der Wissenschaften der DDR an, also einem der drei Institute, aus dem heraus später das Max Delbrück Center gegründet wurde.

Auch für ihre Promotion war sie an der Akademie der Wissenschaften eingeschrieben. Doch als sie kurz nach dem Fall der Mauer im November 1989 die geforderten 16 Exemplare ihrer Doktorarbeit einreichen wollte, hatte die Akademie das Promotionsrecht verloren. Erst ein Jahr später, nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung, war es an der Humboldt-Universität zu Berlin wieder möglich zu promovieren. „Ich war nach der Wende die allererste Wissenschaftlerin, die ihre Promotion an der Humboldt-Uni verteidigt hat“, erinnert sich Ulrike Stein. Sie war dann drei Jahre Postdoktorandin am Max Delbrück Center, bevor sie 1994 zusammen mit ihrem Mann ans National Cancer Institute (NCI) in Frederick, USA, ging. Sie beschäftigte sich dort mit der Frage, wie Krebszellen resistent gegen Medikamente einer Chemotherapie werden.

Forschen in Amerika – „ich war im Himmel“

Hätten sie und ihr Mann nicht irgendwann festgestellt, dass ihr Sohn begann, Probleme mit der deutschen Sprache zu haben, „dann wäre ich nie nach Deutschland zurückgekehrt“, sagt sie. Die technische und finanzielle Ausstattung des Instituts, die Zusammenarbeit mit ihren Kolleg*innen hatten es ihr angetan, „ich hab geglaubt, ich bin im Himmel“, schwärmt sie noch heute. Nach ihrer Rückkehr wurde sie Forschungsgruppenleiterin, zunächst am Max Delbrück Center, dann in der Robert-Rössle-Klinik der Charité. 2003 habilitierte sie an der Charité, seit 2007 leitet sie ihre Gruppe am ECRC. Amerika blieb sie verbunden: Etwa 15 Jahre verbrachte sie jeweils die Sommerferien mit ihrem Mann am NCI in Frederick, wo sie in einem Alumni-Programm der Alexander-von-Humboldt-Stiftung weiter mit ihren altbekannten Kolleg*innen forschte. Als Ulrike Steins Gruppe am ECRC wuchs, fehlte ihr dafür irgendwann die Zeit.

An der Krebsforschung reizt sie die intellektuelle Herausforderung, sagt Ulrike Stein, „mit den eigenen Gedanken etwas bewegen zu können, was anderen Menschen hilft.“ Dabei sucht sie stets nach Themen, die wirklich neu sind: „Wenn sich Wissenschaftler*innen bereits mit etwas beschäftigen, muss meine Gruppe das nicht auch noch tun“, erklärt sie. Diese Suche nach Neuland hat sie zur Metastasierungsforschung gebracht, ein Gebiet, das ihrer Meinung nach etwas vernachlässigt wird.

„Ich wollte immer in die Krebsforschung“

Derzeit sucht sie mit ihrem Team nach Inhibitoren für MACC1. Mit Dr. Robert Preißner von der Charité hat sie herausgefunden, dass Statine, die als Cholesterinsenker verschrieben werden, die MACC1-Expression in Tumorzellen hemmen können. Nach experimentellen Untersuchungen an Zelllinien und Mausmodellen und einer retrospektiven Datenanalyse humaner Proben ist nun eine klinische Studie geplant. Man brauche einen langen Atem, bis ein Ergebnis aus der Grundlagenforschung in der klinischen Praxis ankommt.

Der ist ihr noch nie ausgegangen. Weder damals bei der Biochemie der Pflanzen noch heute beim Schreiben von Forschungsanträgen oder Publikationen. Wenn sie eine Auszeit braucht, fährt sie mit ihrem Mann ins reetgedeckte Wochenendhaus an der Ostsee – im Gepäck ein gutes Buch oder auch mal Fachliteratur. Zurück kommt sie mit unzähligen neuen Ideen. „Ich wollte immer in die Krebsforschung. Das würde ich nie aufgeben“, sagt sie im Brustton der Überzeugung.

Der Women in Science Achievement Award reiht sich ein in eine Liste hochrangiger Auszeichnungen: So verlieh ihr die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften im Jahr 2010 für die Entdeckung von MACC1 den Preis der Monika-Kutzner-Stiftung zur Förderung der Krebsforschung. 2014 erhielt sie zusammen mit Professor Ulrich Rohr von der Firma Hoffmann-La Roche und Professor Peter M. Schlag den Felix Burda Award für die „beste Präventionsidee“ gegen Darmkrebs. Die Krebsforscherin und ihre Kolleg*innen hatten einen Bluttest entwickelt, der auf dem MACC1-Gen basiert. Mit diesem Bluttest ist es bereits in einem sehr frühen Stadium einer Darmkrebserkrankung möglich, Patient*innen mit hohem Risiko für lebensbedrohliche Metastasen zu erkennen. Ulrike Stein ist glücklich darüber, dass ihre Arbeit auf diese Weise Anerkennung erfährt. „Aber was ich wirklich will“, sagt sie, „ist, diese MACC1-Inhibitoren und auch die Diagnostik in die klinische Anwendung zu bringen. Ich bin überzeugt davon, dass die Patient*innen länger leben würden.“

Text: Jana Ehrhardt-Joswig

Weitere Informationen

heilen, bilden / 16.11.2022
Zwölf Nachwuchs-Hebammen starten ihr praktisches Studium im Helios Klinikum Berlin-Buch

Die neuen Hebammenstudentinnen am Helios Klinikum Berlin-Buch (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken
Die neuen Hebammenstudentinnen am Helios Klinikum Berlin-Buch (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken

Wo das Leben beginnt, sind sie im Einsatz: die Hebammen. Sie betreuen, begleiten, unterstützen und überwachen Frauen und ihre Neugeborenen während Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit. Zum Wintersemester 2022/23 starten im Helios Klinikum Berlin-Buch nun erneut zwölf Hebammenstudentinnen in ihren Traumberuf. Seit 2017 bildet das Bucher Klinikum in Kooperation mit der Evangelischen Hochschule Berlin selbst Hebammen aus.

Das duale Bachelor-Studium „Hebammenwissenschaften“ setzt sich zur Hälfte aus theoriebasierter Lehre (Vorlesungen, Seminare und Skills-Lab) und aus Praxiseinsätzen in der Klinik zusammen. Der siebensemestrige Studiengang schließt mit dem akademischen Grad Bachelor of Science (B.Sc.) und der staatlichen Zulassung zur Hebamme ab. Das Studium zielt darauf ab, Absolventinnen und Absolventen in der Entwicklung ihrer professionellen Kompetenz als Hebammen zu unterstützen, mit der sie in ihrer späteren beruflichen Praxis komplexe Situationen und Verläufe begleiten und personenzentrierend gestalten können. Dabei werden hebammenwissenschaftliche Theorien und geburtshilfliche Praxis im Studium verknüpft.

„Die Hebammen können dann auf einen großen Wissensschatz zurückgreifen und diesen mit den komplexen Anforderungen und Erkenntnissen moderner Geburtshilfe und -medizin verknüpfen“, betont Yvonne Schildai, Leitende Hebamme im Helios Klinikum Berlin-Buch. „Wir Hebammen wissen, wann es Zeit ist abzuwarten und zu begleiten und wir wissen, wann es Zeit ist zu handeln. Voraussetzung für diese Entscheidungskompetenz ist eine fundierte und qualitativ hochwertige Hebammenausbildung. Darum sind wir sehr stolz auf unsere Kooperation mit der Evangelischen Hochschule Berlin, dank der wir auch den Hebammen-Nachwuchs für unser Klinikum in Zukunft sichern können.“

Das Helios Klinikum Berlin-Buch gehört zu den größten und modernsten Geburtskliniken Deutschlands und wird den angehenden Hebammen einen umfangreichen Einblick in die Arbeit im Kreißsaal und Wochenstationen bieten. Mit der Geburtshilfe und dem Perinatalzentrum Level 1 gehört das Bucher Klinikum zu den hochspezialisierten und mehrfach ausgezeichneten Kompetenzzentren der Region.

Das erfahrene Team aus Hebammen, pflegerischem und ärztlichem Fachpersonal der Gynäkologie und Geburtshilfe, Neonatologie und der Anästhesie sowie Babylotsinnen betreuen jährlich über 3.000 Geburten. „Wir tun alles dafür, dass sich die werdenden Eltern und ihre Kinder bei uns wohlfühlen und das Wunder der Geburt erleben. Am Schönsten ist es doch, wenn sie aus voller Überzeugung sagen können: Hier würden wir jederzeit wieder entbinden“, sagt Yvonne Schildai.
Wir wünschen unseren neuen Hebammenstudentinnen einen erfolgreichen Praxisstart mit vielen eindrucksvollen und wunderbaren Momenten und einen gut gefüllten Rucksack mit Erfahrungen, Ideen und Instrumenten, um bei ihrer zukünftigen Hebammentätigkeit darauf zurückgreifen zu können.

www.helios-gesundheit.de

leben / 15.11.2022
1. Manufakturen-Weihnachtsmarkt in Pankow im Schlosspark Schönhausen

Nachhaltige und lokale Geschenke kaufen am 1. Adventswochenende

Vor der Kulisse des Schlosses Schönhausen gibt es am ersten Adventswochenende vom 25. bis 27. November 2022 die Möglichkeit, lokal produzierte Geschenke zu kaufen, den ersten Glühwein der Saison zu genießen und in besinnliche Vorweihnachtsstimmung zu kommen – dies alles umweltfreundlich und nachhaltig. Dieser erste Manufakturen-Weihnachtsmarkt wird von den Wirtschaftsförderungen der Bezirke Lichtenberg, Mitte und Pankow gemeinsam veranstaltet.

Bezirksbürgermeister Sören Benn wird den Markt am Samstag, dem 26. November um 15 Uhr eröffnen.

Lokale Produkte – handgemacht, nachhaltig und fair

Der nachhaltige Weihnachtsmarkt bietet u.a. Kunsthandwerk, Mode, Schmuck oder Keramik von Handwerksbetrieben, Manufakturen und Craftshops aus den beteiligten Bezirken an und ist dabei ausgerichtet auf fair gehandelte, handgemachte, regionale und lokale Produkte. So werden beispielsweise Speisen und Getränke ausschließlich in Mehrweggeschirr gereicht und die weihnachtliche Dekoration erfolgt mit nachhaltigen Materialien.

Ort: Schlosspark Schönhausen
Schloss Schönhausen
Tschaikowskistraße 1

13156 Berlin

Öffnungszeiten:

Freitag, 25.11.2022, 15 bis 20 Uhr
Samstag, 26.11.2022, 13 bis 20 Uhr
Sonntag, 27.11.2022, 13 bis 18 Uhr

Der Eintritt kostet 1 Euro.

Weitere Informationen sind auf der Website des Bezirksamtes unter www.berlin.de/pankow zu finden.


 

forschen / 15.11.2022
Am meisten zitiert – und einflussreich

Sofia Forslund, Friedemann Paul und Nikolaus Rajewsky gehören zu den meistzitierten Forschenden 2022. Das Unternehmen Clarivate erstellt jedes Jahr das Ranking besonders einflussreicher Forscher*innen. Research.com listet außerdem Klaus Rajewsky als einen der besten Wissenschaftler weltweit.

Die Liste der „Highly Cited Researchers“ identifiziert Forschende, die besonders großen Einfluss auf ihrem Fachgebiet haben. Dabei orientiert sich das Ranking an der Häufigkeit, mit der Kolleg*innen die jeweiligen Studien zitieren. Eingeschlossen werden zunächst die Studien, die in den vergangenen zehn Jahren in der Datenbank „Web of Science“ nach Fachgebiet und Veröffentlichungsjahr am meisten zitiert wurden – und zwar der oberste Prozentpunkt. Doch die Expert*innen der Bibliometrie und Datenwissenschaft des US-Unternehmens Clarivate Analytics geben sich nicht mit den Zahlen zufrieden, sie kombinieren die quantitative mit der qualitativen Analyse und stellen so ein „Who is Who“ der Forschung zusammen. Seit 2022 arbeitet Clarivate zudem mit „Retraction Watch“ zusammen. Gemeinsam haben sie die qualitative Analyse erweitert, um möglichem Fehlverhalten in der Forschung Rechnung zu tragen.

In diesem Jahr stehen 6.938 Forscher*innen aus fast 70 Ländern auf der Liste.

Die meisten von ihnen arbeiten in den Vereinigten Staaten von Amerika (2.764), gefolgt von Wissenschaftler*innen aus China (1.169), dem Vereinigten Königreich (579) und Deutschland (369) – wie Dr. Sofia Forslund, Professor Friedemann Paul und Professor Nikolaus Rajewsky.

Darüber hinaus hat Research.com das Ranking „Best Scientists in the World 2022“ veröffentlicht. Das Unternehmen listet Professor Klaus Rajewsky unter den Top 500 weltweit und sieht ihn auf Platz 15 in Deutschland. Dieses Rankings basiert auf Daten, die im Dezember 2021 mithilfe des Microsoft Academic Graph erhoben wurden.

Über unsere Wissenschaftler*innen

Dr. Sofia Forslund ist Nachwuchsgruppenleiterin am Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max Delbrück Centers. Die datenbasierten Modelle der schwedische Bioinformatikerin zeigen, wie wir uns gemeinsam mit unserem Mikrobiom im Darm in Richtung Gesundheit oder Krankheit entwickeln.

Professor Friedemann Paul ist Direktor des Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max Delbrück Centers. Sein Team ist klinische Neuroimmunologie spezialisiert, es konzentriert sich darauf, Therapeutika und Diagnostik für Krankheiten wie Multiple Sklerose zu verbessern. Während der Pandemie hat es auch begonnen, das Post-COVID-19-Syndrom zu erforschen.

Professor Nikolaus Rajewsky ist Systembiologe. Er will Krankheiten bereits erkennen, wenn sie in den Zellen entstehen und sie bekämpfen, bevor sie Schaden anrichten. Um der zellbasierten Medizin in Berlin und in Europa zum Durchbruch zu verhelfen, knüpft der Systembiologe Netzwerke auf allen Ebenen. Er ist der Direktor des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie des Max Delbrück Centers (MDC-BIMSB) und leitet dort die Arbeitsgruppe „ Systembiologie und genregulatorische Elemente“.

Professor Klaus Rajewsky hat Standardmethoden etabliert, um Genfunktionen und Krankheiten wie Krebs zu erforschen und trägt bis heute zum Verständnis antikörperbildender B-Zellen bei. Am Max Delbrück Center untersucht sein Team das Entstehen von B-Zell-Lymphomen im Vergleich zur normalen Physiologie von B-Zellen.

Weiterführende Informationen

Sofia Forslund im Porträt
Arbeitsgruppe Forslund

Arbeitsgruppe Paul
Zu wenig Zucker bei schwerer Multipler Sklerose?
Nikolaus Rajewsky im Porträt
Arbeitsgruppe N. Rajewsky
Klaus Rajewsky im Porträt
Arbeitsgruppe K. Rajewsky

Highly Cited Researchers 2022 list (EN)

Analysis (EN)

Best Scientists in the World 2022 Ranking (EN)

 

Beitrag auf der Webseite des Max Delbrück Centers

 

bilden / 10.11.2022
Klima erforschen, Spiele programmieren, Naturwissenschaftler:innen treffen

Am 14. November stellt das Schülerlabor-Netzwerk GenaU das MINT-Cluster Mach´s GenaU! und das Projekt Sozial-Engagiert-GenaU im Museum für Naturkunde vor. Der Schwerpunkt liegt auf individuellen nachmittäglichen Angeboten für Schüler*innen, die mit Fördermitteln des MINT-Aktionsplans und des Schülerlabor-Förderprogramms im Rahmen des Aktionsprogramms Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche geschaffen wurden. Mit Präsentationen, Exponaten und Experimenten geben Schülerlabore, Kindern und Jugendlichen Einblicke in die Arbeitsgemeinschaften. Es werden ca. 200 Schülerinnen, Fachkräfte, Eltern und Interessierte erwartet. Die Veranstaltung wird unterstützt durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Der Sauriersaal wird zur Experimente-Börse: Zehn Arbeitsgemeinschaften in den Schülerlaboren des Netzwerks GenaU geben Einblicke in ihre Welt der Experimente. Die Schülerinnen und Schüler von der 4. bis 13. Klassenstufe zeigen ihre Exponate oder führen Experimente durch. So erhalten die Kinder und Jugendlichen zum Beispiel mittels einer VR-Brille Einblicke in die neue GenaU-App, können Kaleidoskope basteln oder sich über die verschiedenen Berufe im Labor, an der Uni oder im Museum informieren. Die Arbeitsgemeinschaften sind Angebote der Schülerlabore im Rahmen des durch das BMBF-geförderte MINT-Cluster Mach´s GenaU! bzw. Teil des Schülerlabor-Aktionsrogramms Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche.

Programm
15:00 – 15:15 Uhr Begrüßung durch Museum für Naturkunde und GenaU, Vorstellung der Projekte Mach´s GenaU! und Sozial-Engagiert-GenaU
15:15 – 18:00 Uhr Vorstellung der verschiedenen Arbeitsgemeinschaften (Informations- und Experimentierstände), Highlight-Führungen im Museum

Arbeitsgemeinschaften an den Schülerlaboren im Netzwerk GenaU fördern interessierte Schülerinnen und Schüler individuell und geben ihnen tiefere Einblicke in Wissenschaft und Technik. Sie kommen in Kontakt mit echten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und lernen die Arbeitswelt der Forschenden kennen. Einige Angebote sind auf die Berufs- oder Studienwahl spezialisiert und zielen darauf ab, junge Menschen für eine Berufswahl in Naturwissenschaft und Technik zu begeistern. Die Arbeitsgemeinschaften im MINT-Cluster Mach´s GenaU! beinhalten beispielsweise „NATürlich Ausbildung!“, eine Berufsorientierung für Mädchen ab der 9. Klasse im NatLab an der Freien Universität Berlin, im Gläsernen Labor am Campus Berlin-Buch und im Mikroskopierzentrum am Museum für Naturkunde Berlin. Eine weitere AG beschäftigt sich mit „MINT und Medien” im dEIn Labor an der Technischen Universität Berlin. Der “Science Club” findet gleich an drei Standorten für unterschiedliche Zielgruppen statt, im Wettermuseum in Lindenberg, im UniLab an der HumboldtUniversität zu Berlin und am Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie im Schülerlabor Blick in die Materie.

GenaU - Gemeinsam für naturwissenschaftlich-technischen Unterricht
Im Schülerlabor-Netzwerk GenaU haben sich 17 Schülerlabore an Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Museen und sieben assoziierte Partner in Berlin und Brandenburg zusammengeschlossen. Gemeinsames Ziel der Schülerlabore ist, junge Menschen für Naturwissenschaften und Technik zu begeistern und Lehrkräften praxis- und forschungsnahe Anregungen für einen interessanten naturwissenschaftlich-technischen Unterricht zu geben.

In den Schülerlaboren experimentieren und forschen mehr als 50.000 Schülerinnen und Schülern pro Jahr selbstständig. Dabei erhalten sie authentische Einblicke in die jeweilige Institution und lernen eine Universität oder Forschungseinrichtung auch als möglichen späteren Studien- und Arbeitsplatz kennen. Neben Schulklassen besuchen auch zahlreiche Lehramtsstudierende und Lehrkräfte die Schülerlabore, um sich zu aktuellen Themen der Forschung und der Vermittlung von naturwissenschaftlichtechnischen Inhalten weiterzubilden. Die GenaU-Webseitewww.genau-bb.de gibt einen Überblick über die Angebote der Schülerlabore im Netzwerk. Sie ist ein Service für Schulen, Wirtschaft, Politik und Presse.

Es handelt sich um eine geschlossene Veranstaltung. Wir bitten um Ihre Anmeldung: info@genau-bb.de

Weitere Informationen zu den Arbeitsgemeinschaften: www.genau-bb.de

forschen / 09.11.2022
Zweite Chance für das Sumatra-Nashorn

Sumatra-Nashorn Kertam auf der Insel Borneo. Foto: Ben Jastram, Leibniz-IZW
Sumatra-Nashorn Kertam auf der Insel Borneo. Foto: Ben Jastram, Leibniz-IZW

Der Nashornbulle Kertam ist 2019 gestorben. Nun ist es einem Team vom Max Delbrück Center gelungen, aus seinen Hautzellen Stammzellen und daraus Mini-Hirne zu züchten. Das nächste Ziel seien Spermien, um die bedrohte Art vor dem Aussterben zu bewahren, schreiben die Forschenden in „iScience“.

Einst war das Sumatra-Nashorn in weiten Teilen Ost- und Südostasiens verbreitet. Heute leben nur noch wenige Dutzend Exemplare dieser kleinsten und ursprünglichsten Nashornart in den Regenwäldern Sumatras und des indonesischen Teils der Insel Borneo. Wilderei und die Zerstörung ihres Lebensraums haben den meisten Tieren den Garaus gemacht. Paarungsbereite Nashörner finden nur schwer zusammen.

Die Letzen ihrer Art in Malaysia

In Malaysia gilt das Sumatra-Nashorn, die einzige behaarte Nashornart, seit dem Tod des Bullen Kertam im Jahr 2019 und der Kuh Iman, die ihn nur wenige Monate überlebte, als ausgestorben. Damit geben sich Berliner Forscher*innen um Dr. Vera Zywitza und Dr. Sebastian Diecke, Leiter der Technologieplattform „Pluripotente Stammzellen“ am Berliner Max Delbrück Center, und ihre internationalen Kooperationspartner nicht zufrieden. Ihr ehrgeiziges Ziel: Sie wollen Hautzellen verstorbener Nashörner zunächst in Stammzellen verwandeln und aus diesen wiederum Ei- und Samenzellen züchten, die sich für die assistierte Reproduktion, in diesem Fall die Befruchtung im Labor, eignen. Tierische Leihmütter sollen die in der Petrischale entstehenden Nashorn-Embryonen dann austragen – als Nachkommen von Kertam und anderer schon verstorbener Tiere.

In der Fachzeitschrift „iScience“ vermeldet das Team um die Erstautorin Zywitza und den Letztautor Diecke nun einen ersten Erfolg: Es sei gelungen, aus den Hautproben von Kertam induzierte pluripotente Stammzellen, kurz iPS-Zellen, zu generieren. Diese Zellen haben zwei entscheidende Vorteile. Zum einen sind sie unsterblich, da sie sich immer wieder aufs Neue teilen können. Zum anderen sind sie in der Lage, sich in jede beliebige Zellart des Körpers zu verwandeln. Mini-Gehirne (Hirn-Organoide) hat die Gruppe für ihre jetzt publizierte Studie bereits aus ihnen gezüchtet.

Vom Breitmaulnashorn abgeschaut

Die Technologieplattform hat die Methoden zur Stammzellgewinnung im Rahmen des Forschungsprojekts „BioRescue“ für das noch stärker bedrohte Nördliche Breitmaulnashorn entwickelt, von dem weltweit nur noch zwei Weibchen in einem kenianischen Wildtierreservat leben. „Unsere aktuelle Studie hat viel von den Erkenntnissen profitiert, die durch dieses vom Bundesforschungsministerium geförderte Großprojekt gewonnen wurden“, sagt Zywitza. Maßgeblich beteiligt waren zudem Professor Thomas Hildebrandt, Leiter der Abteilung Reproduktionsmanagement am Leibniz-Institut für Zoo und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) in Berlin, und seine Arbeitsgruppe.

Alle an der Studie Beteiligten seien überrascht und erfreut gewesen, dass die Methoden, mit denen man die Hautzellen der Nördlichen Breitmaulnashörner in Stammzellen verwandelt habe, auch bei den Zellen des Sumatra-Nashorns gut funktioniert hätten, sagt Zywitza. Unter dem Mikroskop seien die Stammzellen beider Nashornarten kaum von menschlichen iPS-Zellen zu unterscheiden. Artspezifische Unterschiede gab es trotzdem: „Die iPS-Zellen von Kertam konnten wir beispielsweise – anders als die der Nördlichen Breitmaulnashörner –nicht ohne Ammenzellen kultivieren, die Wachstumsfaktoren freisetzen. Sie helfen, Stammzellen in einem pluripotenten Zustand zu halten“, erläutert Zywitza.

Tiefer Blick in die Evolution

Neben dem Erhalt der Art dienen die aus der Haut von Kertam gewonnenen Stammzellen noch einem weiteren Zweck: „Anhand von iPS-Zellen exotischer Tiere können wir einzigartige Einblicke in die Evolution der Organentwicklung gewinnen“, sagt Zywitza. Um das zu zeigen, hat Dr. Silke Frahm-Barske, die ebenfalls zur Arbeitsgruppe von Diecke gehört, aus den Zellen Hirn-Organoide gezüchtet.

„Soweit wir wissen, wurden solche Mini-Gehirne bisher nur aus iPS-Zellen von Mäusen, Menschen und nichtmenschlichen Primaten gewonnen“, sagt Frahm-Barske. „Daher waren wir sehr froh, dass sich aus den von uns erzeugten Stammzellen eines Sumatra-Nashorns Organoide bildeten, die denen des Menschen recht ähnlich sind.“ Allerdings habe das Team die iPS-Zellen von Mensch und Nashorn leicht unterschiedlich behandeln müssen, um die Gehirne im Miniaturformat zu erzeugen, ergänzt die Forscherin.

Spermien nur über Umwege

Das nächste Ziel des Teams ist es nun, aus Kertams iPS-Zellen Samenzellen zu züchten, die sich für eine künstliche Befruchtung eignen. „Dieser Schritt ist allerdings schwieriger“, sagt Zywitza. „Um Spermien zu gewinnen, ist es erforderlich, aus den iPS-Zellen zunächst primordiale Keimzellen, die Vorläufer von Ei- und Samenzellen, zu generieren.“ Diese kniffelige Aufgabe solle jetzt angegangen werden. Darüber hinaus sei geplant, auch von anderen Sumatra-Nashörnern iPS-Zellen herzustellen.

Warum ein solcher Aufwand nötig ist, erklärt der Fortpflanzungsexperte Thomas Hildebrandt: „Zwar gibt es in Indonesien Bemühungen, den Bestand zu sichern, indem die noch vorhandenen Sumatra-Nashörner in Wildtierreservaten zusammengebracht werden. Doch Weibchen, die lange Zeit nicht trächtig waren, werden oft unfruchtbar, zum Beispiel durch Zysten an ihren Fortpflanzungsorganen“, sagt er. Oder sie seien für Nachwuchs inzwischen schlicht zu alt.

„Auch wenn unsere Arbeit versucht, das scheinbar Unmögliche möglich zu machen, nämlich Arten zu erhalten, die ansonsten vermutlich von unserem Planeten verschwinden würden, muss sie eine Ausnahme bleiben und darf nicht zur Regel werden“, sagt Zywitza. „Trotz aller Begeisterung: Was wir im Labor tun, kann allenfalls ein kleines Stück weit dazu beitragen, die Nashörner vor dem Aussterben zu retten.“ Ebenso wichtig sei es definitiv, die noch vorhandenen Lebensräume der Tiere zu schützen und zu bewahren.

Weiterführende Informationen

Technologieplattform „Pluripotente Stammzellen“ am Max Delbrück Center

Nashörner aus Hautzellen

Biorescue-Konsortium

Literatur

Vera Zywitza et al (2022): „Induced pluripotent stem cells and cerebral organoids from the critically endangered Sumatran rhinoceros“. In: iScience, DOI: 10.1016/j.isci.2022.105414

www.mdc-berlin.de

leben / 09.11.2022
Symbolische Begegnung am 9. November 2020 am früheren Grenzübergang

Die Bezirksbürgermeisterin aus Mitte, Stefanie Remlinger (Bündnis90 / Die Grünen), und der Pankower Bezirksbürgermeister Sören Benn (Die Linke) werden sich anlässlich des 33. Jahrestags des Mauerfalls am heutigen 9. November am ehemaligen Grenzübergang Bornholmer Straße treffen. Eingeladen zu diesem Termin sind auch die Bezirksverordneten aus Mitte und Pankow.

Die symbolische Begegnung der beiden Bezirke östlich und westlich dieses welthistorisch bedeutsamen Ortes findet ab 21 Uhr am „Platz des 9. November“ an der Bösebrücke statt.

Auf der Brücke an der Bornholmer Straße öffnete sich in der Nacht vom 9. zum 10. November 1989 erstmals seit dem 13. August 1961 die Mauer und die Berlinerinnen und Berliner aus Ost und West kamen wieder zusammen.

Dieses Ereignis war seither für die Bürgermeister der angrenzenden Bezirke Anlass, sich am 9. November eines jeden Jahres in den Abendstunden an der Bornholmer Straße an der Bösebrücke zu treffen und mit interessierten Menschen an die Geschehnisse der Wendezeit zu erinnern und ins Gespräch zu kommen.

Hinweis: Gäste werden gebeten, sich an die Abstands- und Hygieneregeln zu halten.

produzieren / 08.11.2022
Eckert & Ziegler: 9-Monatszahlen mit starkem Umsatzwachstum

Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG (ISIN DE0005659700, SDAX), konnte ihren Umsatz in den ersten neun Monaten 2022 um 25% auf 164,0 Mio. EUR steigern. Der Nettogewinn lag mit 23,3 Mio. EUR um 5,8 Mio. EUR unter dem Vorjahreszeitraum, in dem der Verkauf und die damit verbundene Entkonsolidierung der Tumorgerätesparte Einmalerträge in Höhe von ca. 9,4 Mio. EUR generierte. Bereinigt um diesen Einmaleffekt erhöhte sich das Konzernergebnis der Aktionäre der EZAG im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 18% von 19,7 auf 23,3 Mio. EUR. Zu diesem Ertragsanstieg trugen, neben günstigen Wechselkursen, gestiegene Umsätze mit industriellen Produkten und Radiopharmazeutika bei.

Das Segment Isotope Products erzielte mit 102,7 Mio. EUR einen um 29,6 Mio. EUR (+40%) gestiegenen Umsatz gegenüber den ersten neun Monaten 2021. Alle Hauptproduktgruppen trugen zu dieser guten Entwicklung bei. Die Entwicklung der Öl- und Gaspreise beflügelt die Explorationstätigkeiten der Energiekonzerne und in der Folge die Nachfrage nach messtechnischen Komponenten. Rund 7,9 Mio. EUR des Anstiegs sind auf die Akquisition der argentinischen Gesellschaft Tecnonuclear SA zurückzuführen; weitere 7,0 Mio. EUR begründeten sich in einem günstigen US-Dollar Wechselkurs (+12% im Durchschnitt zwischen den ersten drei Quartalen 2021 und 2022).

Im Segment Medical lagen die Umsätze in den ersten neun Monaten des Jahres mit 65,5 Mio. EUR rund 6% über dem Vorjahresniveau (61,6 Mio. EUR). Hauptwachstumstreiber bleibt dabei nach wie vor das Geschäft mit pharmazeutischen Radioisotopen. Ebenfalls deutlich zulegen konnten die Umsätze mit Laborgeräten sowie im Anlagenbau.

Ungeachtet der guten Neunmonatszahlen hält der Vorstand weiterhin an seiner bisherigen Umsatz- und Ertragsprognose für das Geschäftsjahr 2022 von etwa 200 Mio. EUR bzw. rund 27 Mio. EUR fest. Diese Haltung begründet sich in der aktuell angespannten und mit Risiken behafteten Weltwirtschaftslage.

Den vollständigen Quartalsbericht finden Sie hier:
https://www.ezag.com/fileadmin/user_upload/ezag/investors-financial-reports/deutsch/euz322d.pdf

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den führenden Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet weltweit an seinen Standorten Dienstleistungen und Produkte im Bereich der Radiopharmazie an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im SDAX der Deutschen Börse gelistet.
Wir helfen zu heilen.

heilen / 02.11.2022
Erstmals in Berlin: Katheterablation mit MRT-Bildgebung durchgeführt

Dr. med. Michael Wiedemann, Leiter des Herz-Rhythmus-Zentrums, und Dr. med. Marcel Prothmann besprechen die MRT-Bildgebung während der Katheterablation (Foto: Kareen Kittelmann/Helios Kliniken)
Dr. med. Michael Wiedemann, Leiter des Herz-Rhythmus-Zentrums, und Dr. med. Marcel Prothmann besprechen die MRT-Bildgebung während der Katheterablation (Foto: Kareen Kittelmann/Helios Kliniken)

Im Helios Klinikum Berlin-Buch wurde eine Katheterablation mithilfe eines Herz-MRTs durchgeführt. Ein Kardiologen-Team hat zum ersten Mal das Standardverfahren einer Katheterablation mit einem Kardio-MRT gepaart. Dieses neue Verfahren verspricht in Zukunft eine Verbesserung der Behandlung von komplexen Herzrhythmusstörungen durch eine Bildgebung in Echtzeit und präzisere Behandlung des Herzgewebes.

Der Leiter vom Herz-Rhythmus-Zentrum Berlin/Brandenburg am Helios Klinikum Berlin-Buch Dr. med. Michael Wiedemann erklärt das innovative Verfahren im Interview:

Welche Voraussetzungen werden für dieses besondere Verfahren benötigt?

Dr. Wiedemann: „Aufgrund unserer exzellenten Erfahrung im Team und interdisziplinären Zusammenarbeit sowie unserer besonderen Ausstattung eines Kardio-MRTs und zusätzlichem Instrumentarium konnten wir erstmals in Berlin diese MRT-gestützte Katheterablation durchführen. Für das OP-Verfahren mit MRT-Bildgebung benötigt man Herzkatheter, welche nicht vom magnetischen MRT-Gerät angezogen werden. Deshalb haben wir Katheter aus Kunststoff mit Goldspitze und zwei Elektroden verwendet, welche speziell für diesen Einsatz entwickelt wurden. Damit gehören wir zu den ersten zehn kardiologischen Zentren in Europa, die in der Lage sind, diese Methode umzusetzen.“

Was ist ein Kardio-MRT?

Dr. Wiedemann: „Im Gartengeschoss unseres Klinikums befindet sich unser hochmodernes Kardio-MRT. Dieses „Herz-MRT“ macht in Echtzeit Bewegtbilder der Herz-Anatomie. Das Verfahren ist strahlungsfrei und ermöglicht den Ärztinnen und Ärzten sehr genaue Untersuchungsergebnisse, da die MRT-Bilder die individuelle Struktur und Funktion des Herzens sehr genau darstellen. So werden zum Beispiel Besonderheiten wie komplizierte Ausbuchtungen des Gewebes dargestellt. In diesem konkreten Fall der MRT-basierten Katheterablation haben wir bei unserem Patienten Vorhofflattern, eine besondere Form der Herzrhythmusstörung, präzise behandelt und während des Eingriffs auf die MRT-Bilder schauen können. Meine Kolleginnen und Kollegen aus unserer Kardio-MRT-Abteilung profitieren dabei sehr von der Leitung von Prof. Dr. med. Jeanette Schulz-Menger, die bereits mehrfach für ihre exzellente Forschungsarbeit ausgezeichnet wurde.“

Was ist Vorhofflattern?

Dr. Wiedemann: „Bei typischem Vorhofflattern ist das elektrische Signal im Herzen gestört. Die Signale kommen vom Weg ab und „kreisen“ im rechten Vorhof. Dieser sogenannte Erregungskreis ist bei allen Patientinnen und Patienten gleich. Als Ergebnis können die Vorhöfe nicht mehr richtig pumpen: Sie „flattern“ und werden bis zu 300-mal pro Minute erregt. In Deutschland ist die Diagnose Vorhofflattern und insbesondere Vorhofflimmern der zweithäufigste Grund für einen Krankenhausaufenthalt. Vorhofflattern wird in der Regel durch eine Katheterablation behandelt.“

Was ist eine Katheterablation?

Dr. Wiedemann: „Eine Katheterablation ist bis auf wenige Ausnahmen das Standardverfahren   zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen. Als bildgebendes Verfahren wird hier normalerweise eine Durchleuchtung mit Röntgenstrahlen genutzt und mit einem Navigationsverfahren kombiniert. In dem minimalinvasiven Eingriff werden Katheter, biegsame Kunststoffschläuche, über die Leistenvene bis zum Herzen geschoben und im Herzen platziert. Über den Ablationskatheter wird mit Hitze, die durch Hochfrequenzstrom erzeugt wird, gezielt Herzmuskelgewebe verödet. Eine weitere Methode ist die Verödung durch Kälte. Die verödeten Zellen können das elektrische Signal nicht mehr weiterleiten und – wie in unserem Fall des Vorhofflatterns – werden die kreisenden Erregungen so unterbrochen. Das Signal im Herzen kann wieder geordnet weitergeleitet werden und der Herzrhythmus ist wieder intakt.

Wie viele Herz-MRT, Katheterablationen und elektrophysische Untersuchungen werden durchschnittlich im Jahr im Helios Klinikum Berlin-Buch durchgeführt?

Dr. Wiedemann: „In unseren vier hochspezialisierten kardiologischen Laboren führen wir spezielle kathetergestützte Herzuntersuchungen zur Diagnostik und Therapie durch. Zwei dieser Labore sind dabei speziell für die Behandlung von Herzrhythmusstörungen ausgestattet. So finden im Helios Klinikum Berlin-Buch jährlich rund 1000 Behandlungen wie Ablationen und elektrophysische Untersuchungen statt. In unserem Kardio-MRT unter der Leitung von Prof. Dr. med. Jeanette Schulz-Menger werden zudem rund 3000 Herzen pro Jahr untersucht.“

Welche Vorteile verspricht dieses Verfahren der MRT-basierten Katheterablation?

Dr. Wiedemann: „In Zukunft werden komplexe Rhythmusstörungen, insbesondere lebensbedrohliche Herzrasenzustände im Fokus dieser Behandlungsmethode stehen. Die MRT-Bildgebung kann nicht nur anatomische Besonderheiten des Herzens in Echtzeit darstellen, sondern auch narbige Veränderungen sichtbar machen. Häufig gehen gerade von diesen Narben ganz unterschiedliche, zum Teil lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen aus. Mithilfe des MRTs sollte es möglich sein, eine optimale Therapieplanung und Durchführung zu gewährleisten. Dies ist ein wichtiger Vorteil gegenüber dem klassischen „Röntgen“, einer Durchleuchtungs-gestützten Katheterablation. Zwar existieren bereits weitere Navigationssysteme für Eingriffe am Herzen, die eine 3D-Planung ermöglichen und bei der OP auch verwendet werden, allerdings können diese nicht in Echtzeit wie beim MRT die Behandlung und Ergebnisse darstellen. Zudem entsteht bei dem Verfahren keine Röntgenstrahlenbelastung für Patientinnen und Patienten oder das medizinische Personal. Weitere Forschungsarbeiten und technische Weiterentwicklungen sind erforderlich, um die genannten Vorteile in die Praxis zu bringen. Wir freuen uns auf diese interessante Arbeit.“

Was versteht man unter der Rhythmologie?

Dr. Wiedemann: „Die Rhythmologie ist ein Spezialgebiet der Kardiologie und beschäftigt sich mit der Diagnostik und Behandlung von Herzrhythmusstörungen. Unter Rhythmologie versteht man die Wissenschaft der elektrischen Erregung im Herzen. Um Störungen dabei zu erkennen und zu therapieren, nutzen wir das EKG oder eine Herzkatheteruntersuchung. Standardtherapien sind dann zum Beispiel eine Katheterablation bei Herzrasen oder ein Herzschrittmacher bei einem zu langsamen Herzschlag. Die Untersuchungen zur Diagnostik sowie die Eingriffe führen wir in unseren hochmodernen Herzkatheterlaboren mit allen technischen Voraussetzungen für spezielle kathetergestützte Herzuntersuchungen durch.“

                                                                                                   

TELEFONSPRECHSTUNDE

Um mehr Menschen über Herzrhytmusstörungen aufzuklären, bietet Dr. med. Wiedemann am Donnerstag, 10. November und 17. November, von 16:00 bis 17:00 Uhr eine Telefonsprechstunde an. Fragen zu Therapie rund um das Thema Herzrhytmusstörungen können im Rahmen der Sprechstunde besprochen werden. Unter der Rufnummer (030) 9401-54444 können sich Betroffene beraten lassen. Die Sprechstunde ist kostenfrei und ohne Anmeldung nutzbar.
 

Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 1.000 Betten in mehr als 60 Kliniken, Instituten und spezialisierten Zentren sowie einem Notfallzentrum mit Hubschrauberlandeplatz. Jährlich werden hier mehr als 55.000 stationäre und über 144.000 ambulante Patienten mit hohem medizinischem und pflegerischem Standard in Diagnostik und Therapie fachübergreifend behandelt, insbesondere in interdisziplinären Zentren wie z.B. im Brustzentrum, Darmzentrum, Hauttumorzentrum, Perinatalzentrum, der Stroke Unit und in der Chest Pain Unit. Die Klinik ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als Onkologisches Zentrum und von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetiker geeignet DDG“ zertifiziert.

Gelegen mitten in Berlin-Brandenburg, im grünen Nordosten Berlins in Pankow und in unmittelbarer Nähe zum Barnim, ist das Klinikum mit der S-Bahn (S 2) und Buslinie 893 oder per Auto (ca. 20 km vom Brandenburger Tor entfernt) direkt zu erreichen.

Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 125.000 Mitarbeitenden. Zum Unternehmen gehören unter dem Dach der Holding Helios Health die Helios Kliniken in Deutschland sowie Quirónsalud in Spanien und Lateinamerika und die Eugin-Gruppe mit einem globalen Netzwerk von Reproduktionskliniken. Mehr als 22 Millionen Patient:innen entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios. 2021 erzielte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von rund 10,9 Milliarden Euro.

In Deutschland verfügt Helios über 87 Kliniken, rund 130 Medizinische Versorgungszentren (MVZ), sechs Präventionszentren und 17 arbeitsmedizinische Zentren. Jährlich werden in Deutschland rund 5,4 Millionen Patient:innen behandelt, davon 4,4 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland mehr als 75.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 6,7 Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.

Quirónsalud betreibt 56 Kliniken, davon sieben in Lateinamerika, 88 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 17 Millionen Patient:innen behandelt, davon 16,1 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt mehr als 46.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 4 Milliarden Euro.

Das Netzwerk der Eugin-Gruppe umfasst 33 Kliniken und 39 weitere Standorte in zehn Ländern auf drei Kontinenten. Mit rund 1.600 Beschäftigten bietet das Unternehmen ein breites Spektrum modernster Dienstleistungen auf dem Gebiet der Reproduktionsmedizin an und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 133 Millionen Euro.

Helios gehört zum Gesundheitskonzern Fresenius.

www.helios-gesundheit.de

forschen, produzieren / 01.11.2022
ASC Oncology verkündet neue Partnerschaft mit der Tamer Group

Dr. Christian Regenbrecht, CEO von ASC Oncology und Yasser Khattab, Sales Director der Tamer Group, unterzeichnen das Memorandum of Understanding für eine strategische Partnerschaft. (Foto: ASC Oncology)
Dr. Christian Regenbrecht, CEO von ASC Oncology und Yasser Khattab, Sales Director der Tamer Group, unterzeichnen das Memorandum of Understanding für eine strategische Partnerschaft. (Foto: ASC Oncology)

Krebs macht keinen Halt vor Grenzen – ein in Berlin entwickelter Ansatz der personalisierten Krebstherapie auch nicht. Das Reverse Clinical Engineering® ist nun auch für Onkologen und Krebspatienten in Saudi-Arabien, im Mittleren Osten und Nordafrika nutzbar.

Krebs gehört über Grenzen hinweg zu den Krankheiten, die unberechenbar, bösartig und trotz hoher Forschungsanstrengungen noch nicht besiegt sind. So erkranken jährlich ca. 19,3 Millionen Menschen weltweit an Krebs, gleichzeitig versagt bei rund der Hälfte aller Krebspatienten die verschriebene Chemotherapie. Es gilt daher, Fortschritte in der personalisierten Krebsbehandlung rund um den Globus Ärzten und Krebspatienten verantwortungsvoll schnellstmöglich zugänglich zu machen.

Daher denkt das in Berlin ansässige Biotechunternehmen ASC Oncology GmbH (ASC Oncology“) über Grenzen hinweg und engagiert sich für eine internationale Nutzung des Reverse Clinical Engineering®. Das Patienten und Onkologen vor einer medikamentösen Therapie aufgrund wissenschaftlicher Daten wissen, welches Medikament wahrscheinlich bei diesen einem individuellen Patienten wirken wird, sollte weltweit zu einer Selbstverständlichkeit werden.

Als wichtigen nächsten Schritt auf diesem Weg gibt ASC Oncology heute seine strategische Partnerschaft mit der Tamer Group bekannt. Durch ihre hundertjährige Firmengeschichte, die damit verbundene Erfahrung im Gesundheitswesen und das große Netzwerk der Tamer Group im Königreich Saudi-Arabien, im Mittleren Osten und Nordafrika wird das Reverse Clinical Engineering®-Testverfahren als wichtiger Ansatz der personalisierten Krebstherapie so eine Vielzahl von Patienten zugänglich.

Der Tumorforscher Dr. Christian Regenbrecht, Mitentwickler der Reverse Clinical Engineering®-Methode, betont den Nutzen der neuen Partnerschaft für Krebspatienten und behandelnde Ärzte: „Seit drei Jahren unterstützen wir Onkologen und Patienten durch das Testverfahren darin, eine Krebsbehandlung optimal zu individualisieren. Mit dem Reverse Clinical Engineering® testen wir vor Therapiebeginn verschiedene medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten und finden so die Therapieoption, welche am wahrscheinlichsten auf den individuellen Patiententumor wirken wird. Außerhalb des Körpers des Patienten und somit ohne Nebenwirkungen. Dies ist ein zentraler Schritt auf dem Weg zur Etablierung der personalisierten Krebstherapie, den wir nun gemeinsam mit der Tamer Group beschreiten.“

Das Reverse Clinical Engineering® ermöglicht es Onkologen, ihren Patienten von Anfang an eine wirksame Therapie anbieten zu können. Anhand einer während einer Biopsie oder Tumoroperation entnommenen Gewebeprobe des Patiententumors werden 3D-Kopien des Tumors, sogenannte Organoide, im Labor gezüchtet. An diesen Organoiden werden im nächsten Schritt verschiedene Krebsmedikamente getestet, um deren Wirksamkeit auf den individuellen Patiententumor zu ermitteln. So kann zum einen verhindert werden, dass eine wahrscheinlich erfolglose Therapie den Krebspatienten unnötig belastet und zum anderen kann so die Chance auf ein Therapieansprechen deutlich verbessert werden

Foto: Dr. Christian Regenbrecht, CEO von ASC Oncology unterzeichnet in Dschiddah (Saudi-Arabien) mit dem Sales Director der Tamer Group, Yasser Khattab, das Memorandum of Understanding für eine strategische Partnerschaft. (Foto: ASC Oncology)

Wer ist ASC Oncology?
ASC Oncology wurde von neun führenden Wissenschaftlern der Kompetenzfelder Pathologie, Tumorbiologie, Biochemie, Biotechnologie und Molekularbiologie 2019 mit dem Ziel gegründet, sich der wichtigsten Herausforderung der modernen Onkologie anzunehmen: Patienten zur richtigen Zeit mit der richtigen Therapie zu versorgen. Dabei treten die Wissenschaftler von ASC Oncology an, durch das in Berlin entwickelte Reverse Clinical Engineering®-Verfahren die Präzisionsmedizin international voranzutreiben, um in Partnerschaft mit Onkologen Krebspatienten von Anfang an die bestmögliche Therapie bieten zu können. Unser Ziel ist es, mehr Patienten besser zu versorgen als je zuvor in der Geschichte der Onkologie. ASC Oncology - Rethink Oncology.

www.asc-oncology.com

bilden / 28.10.2022
Die Genschere CRISPR-Cas in Aktion

Mitglieder und Mitarbeiter:innen des Bundestages informierten sich in einem Workshop im Gläsernen Labor auf dem Campus Berlin-Buch über CRISPR-Cas
Mitglieder und Mitarbeiter:innen des Bundestages informierten sich in einem Workshop im Gläsernen Labor auf dem Campus Berlin-Buch über CRISPR-Cas

Am 27.10.2022 besuchten Mitglieder und Mitarbeiter:innen des Deutschen Bundestages das Gläserne Labor auf dem Campus Berlin-Buch. Angeleitet von Wissenschaftler:innen führten sie ein Experiment mit CRISPR-Cas durch und erhielten Einblicke in die Möglichkeiten und potenzielle Risiken des Genome-Editing-Verfahrens.

Um die Methode der Genom-Editierung mit CRISPR-Cas besser zu verstehen, bietet das Schülerlabor auf dem Wissenschafts- und Biotechcampus in Berlin-Buch ein anschauliches Experiment an. Es zeigt das Arbeitsprinzip der „Genschere“ und erleichtert den Einstieg in eine wissensbasierte Debatte darüber, in welchen Bereichen diese Methode eingesetzt wird bzw. werden könnte.

Heute schlüpften Mitglieder und Mitarbeiter:innen des Bundestags in die Laborkittel und untersuchten in einem halbtägigen Workshop die Wirkung von CRISPR-Cas an Bakterien. Geleitet wurde der Workshop von Ulrike Mittmann und Andrea Rodak, Mitarbeiterinnen des Gläsernen Labors. Den aktuellen Einsatz der Methode und ihr Potenzial erläuterte Dr. Michael Strehle vom Max Delbrück Center, und leitete damit eine spannende Debatte ein. Nach einer theoretischen Einführung und einem Pipettier-Training starteten die Teilnehmenden den praktischen Laborversuch: Sie schalteten ein Gen, das Bakterien blau färbt, mit CRISPR-Cas aus, sodass die Färbung verschwand. Anhand dieser Erfahrungen tauschten sich die Gäste mit den anwesenden Wissenschaftler:innen über die ethischen und gesellschaftlichen Aspekte dieser Technologie aus.

Petra Sitte, MdB: „Ich habe in den letzten Jahren immer wieder über CRISPR-Cas und die Auseinandersetzungen um den Einsatz gelesen, hatte aber keine genauere Vorstellung davon, wie die Methode im Labor funktioniert, woher die Genauigkeit kommt und welche Teilschritte notwendig sind. Gene abzuschalten – das klingt so einfach, ist es aber keineswegs. Uns wurde heute vermittelt, wo die Probleme von CRISPR-Cas liegen, aber auch, wie es zielgenauer eingesetzt werden kann. Wir wissen jetzt mehr über den Einsatz in somatischen Behandlungen und für weitere Therapien in der Medizin. Ein ganz eigenes Thema ist die grüne Gentechnik. Ich denke, dass wir CRISPR-Cas vor dem Hintergrund des Klimawandels und der Notwendigkeit klimaresistenter Pflanzen in den nächsten Jahren weiter diskutieren müssen.“

Über das Gläserne Labor
Das Gläserne Labor ist eine außerschulische Bildungseinrichtung auf dem Campus Berlin-Buch, einem international renommierten Wissenschafts- und Biotechnologiepark. Seine sechs Schülerlabore bieten über 20 Experimentierkurse zu den Themen Molekularbiologie, Herz-Kreislauf, Neurobiologie, Chemie, Radioaktivität sowie Ökologie für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe an. Die Kursinhalte sind eng auf die aktuelle Forschung auf dem Campus bezogen, sodass neuestes Wissen vermittelt werden kann.
Das Gläserne Labor wird durch die Campuspartner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (Max Delbrück Center), Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) sowie die Eckert & Ziegler AG und durch zahlreiche Förderer und Sponsoren unterstützt.

www.glaesernes-labor.de

investieren / 27.10.2022
First CNS Lymphoma Patient Imaged with PentixaFor in Phase 2 Trial

The University Hospital Aalborg (Denmark) yesterday has imaged the first patient with Eckert and Ziegler’s Gallium (68Ga) boclatixafortide (PENTIXAFOR) in an international phase 2 trial. Code named PTF202, the clinical examination tries to measure the predictive potential of the CXCR4 receptor targeting radiotracer for the treatment of central nervous system lymphoma (CNSL). If successful, PENTIXAFOR could change the way that chemotherapy in the future will be prescribed. Among others, it could save CNSL patients who do not respond to treatment from unnecessary hardship.

CNSL are severe tumors with a poor prognosis. They force oncologists to retort to aggressive chemotherapy regimens, which not only have strong side effects, but often fail to even stop tumor growth. In this situation, knowing quickly whether a lymphoma responds to treatment is very valuable. This can be achieved by looking for CXCR4 receptors, which central nervous system tumors often express while progressing. PENTIXAFOR detects such receptors. The information from the innovative radiotracer hence has the potential to significantly increase the options for an improved response and risk assessment and for the optimization of CNSL patient’s therapeutic needs.

“We are very excited to enrol the first patient into the trial." stated Jakob Madsen, MD, Head of the Department for Hematology at the University Hospital Aalborg and principal investigator of the trial. Helle Zacho, MD, Professor at the Nuclear Medicine Department at the University Hospital Aalborg added, "The overall aim of the study is to prospectively and systematically investigate whether PENTIXAFOR can be used for response assessment in CNSL and in addition, can serve as a prognostic marker.”

The PTF202 phase 2 trial, which includes 50 patients from up to eight clinics in Europe and the United States, is expected to be finished by the first quarter of 2025. It is only a part of Eckert & Ziegler’s broader drive to develop the CXCR4 compound. The European Medicine Agency (EMA) is currently reviewing a study design from Eckert & Ziegler for an even larger phase 3 trial with PENTIXAFOR which aims at patients suffering from various other forms of lymphoma. It may include up to 500 participants and could be finished as early as 2025. A decision of the EMA for the go-ahead of this diagnostic radiotracer is expected still within this year.

Further, Eckert & Ziegler is preparing an application for a phase 1 clinical trial in which a modified version of PENTIXAFOR is used to directly attack tumor cells that express the CXCR4 receptor. This modified version of the radiopharmaceutical, Yttrium (90Y) anditixafortide, would hopefully show therapeutic effects. The clinical development of the therapeutic, however, is still at the beginning.

Dr. Hakim Bouterfa, Managing Director of Eckert & Ziegler’s subsidiary PentixaPharm, which conducts and sponsors the study, explains: “We are very optimistic about the prospects of radiopharmaceuticals using the CXCR4 receptor. The target has already shown its usefulness in a broad array of academic studies, under compassionate-use, and in investigator-initiated study settings. Scans with radiopharmaceuticals targeting the CXCR4 receptor have been summarized in over 70 publications which include more than 1100 patients. PTF202 is our first step in clinically exploring the potential of this compound.

Quelle: Pressemitteilung EZAG
For more information, visit Pentixapharm

forschen, produzieren, heilen / 26.10.2022
Umweltfreundlich unterwegs – Jelbi-Netz bringt Sharing nach Buch

Eröffnung des Jelbi-Netzes: Michael Bartnik, Projektleiter Jelbi-Stationen, Mobilitätsplattform und -stationen der BVG, und Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführer der Campus Berlin-Buch GmbH durchtrennten feierlich das Band (Foto: Elke Stamm)
Eröffnung des Jelbi-Netzes: Michael Bartnik, Projektleiter Jelbi-Stationen, Mobilitätsplattform und -stationen der BVG, und Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführer der Campus Berlin-Buch GmbH durchtrennten feierlich das Band (Foto: Elke Stamm)

Die Campus-Bikes erhalten Zuwachs: Das neue Jelbi-Netz in Berlin-Buch bietet verschiedenste Fahrzeuge, integriert den Nahverkehr und ist offen für alle Nutzer:innen

Schnell, flexibel und gut für die Umwelt – die Idee der Campus-Bikes hat sich seit 2018 erfolgreich bewährt. Die Beschäftigten des Campus Berlin-Buch und von Helios nutzen die Campus-Bikes für die letzte Meile zwischen Bahnhof und Arbeitsort, die ersten 30 Minuten sind für sie kostenlos. 2021 kam eine Station mit E-Scootern auf dem Campus hinzu. Heute eröffneten die BVG, Sharing-Anbieter und die Betreibergesellschaft des Wissenschafts- und Biotechcampus ein Jelbi-Netz für den Gesundheitsstandort, das weitaus mehr bietet.

Ab sofort gibt es sieben Stationen bzw. Punkte auf dem Campus, an denen man umweltfreundliche Sharing-Angebote nutzen kann. Ergänzend zu den Campus-Bikes von nextbike und den E-Scootern von LIME kommen weitere Mobilitätsanbieter nach Buch. Erstmals wird dadurch auch CarSharing und E-CarSharing angeboten.  Neben den Stationen auf dem Campus wurde das Angebot am S-Bahnhof ausgeweitet. Ein weiterer Standort findet sich in der Karower Chaussee.

Alle Angebote sind über die Jelbi-App buchbar, in der man die Fahrt unkompliziert mit dem öffentlichen Nahverkehr und der Vermittlung „Taxi Berlin“ verknüpfen kann. Damit verbunden ist auch, dass die Sharing-Angebote nun auch für externe Nutzer:innen offen sind. Für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Campus sind die ersten 30 Minuten der Fahrt mit den Campus-Bikes nach wie vor frei.

Das Angebot aus einer Hand soll die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr unterstützen und damit eine umweltfreundliche Alternative zum Privat-PKW bieten. Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführer der Campus Berlin-Buch GmbH sagte: „Wir wünschen uns, dass sich Buch zu einer grünen Gesundheitsstadt entwickelt, in der sich Leben, Arbeiten und Wohnen angenehm verbinden lassen. Weniger Lärm, saubere Luft und gute Aufenthaltsqualität im Freien – dazu trägt die Jelbi-Flotte nachhaltig bei.“

Das Sharing-Angebot in Buch umfassst E-Bikes von Lime und Tier, E-Scooter von Lime, Tier und Voi sowie stationäres E-Carsharing von Mobileee. Auch flexibles Carsharing für „One-Way-Fahrten“ von Miles und Sixt Share sind vor Ort buchbar.


Weitere Informationen zum neuen Jelbi-Netz finden Sie unter www.jelbi.de/buch.

Lesen Sie auch die Pressemitteilung der BVG: Eröffnung des Jelbi-Netzes in Buch: Buch endlich!

leben, heilen / 25.10.2022
Weiterentwicklung Klinikstandort Buch - Helios startet Erweiterungsbau

Visualisierung des geplanten Erweiterungsneubaus: Der mehrgeschossige Neubau ergibt eine Fläche von rund 4200 Quadratmetern und fügt sich optimal in die funktionale Architektur der kurzen Wege ein. (Bild: M.R Architekten)
Visualisierung des geplanten Erweiterungsneubaus: Der mehrgeschossige Neubau ergibt eine Fläche von rund 4200 Quadratmetern und fügt sich optimal in die funktionale Architektur der kurzen Wege ein. (Bild: M.R Architekten)

Mehr Kreißsäle und digitaler OP: Helios Klinikum Berlin-Buch startet Erweiterungsneubau für rund 20 Millionen Euro

Das Helios Klinikum Berlin-Buch hat den Bau für ein Erweiterungsgebäude gestartet. Der viergeschossige Neubau ermöglicht zwei neue Kreißsäle und zusätzliche Vorwehenzimmer sowie sieben weitere OP-Säle inklusive einem „digitalen OP“ und ambulanten Operationszentrum.
 
Feierlicher Spatenstich am Helios Klinikum Berlin-Buch für den Erweiterungsneubau
Für das Gebäude und die geplanten Umbauten des angrenzenden Bestandsgebäudes investiert das Helios Klinikum Berlin-Buch rund 20 Millionen Euro. Der Förderanteil beträgt rund drei Millionen Euro. „Dieser Neubau wird unser exzellentes medizinisches Leistungsangebot für den stark wachsenden Berliner Norden und darüber hinaus noch weiter verbessern“, sagt Tim Steckel, Klinikgeschäftsführer im Helios Klinikum Berlin-Buch.
Das Helios Klinikum Berlin-Buch als hochspezialisiertes Krankenhaus der Maximalversorgung liegt im Bezirk Berlin-Pankow, dem am stärksten wachsenden und mit über 400.000 Einwohnern jetzt schon einwohnerstärksten Bezirk Berlins. Entsprechend bedient dieser Neubau die Nachfrage in der Patientenversorgung im Bezirk.

4200 Quadratmeter für Kreißsäle und OPs
Der mehrgeschossige Neubau ergibt eine Fläche von rund 4200 Quadratmetern und fügt sich optimal in die bestehende, funktionale Architektur der kurzen Wege ein. Im zweiten Obergeschoss ist die Erweiterung um zwei Kreißsäle sowie zusätzliche Vorwehenzimmer geplant, im ersten Obergeschoss entstehen drei weitere OP-Säle für die stationäre Hochleistungsmedizin. Davon ein sogenannter digitaler OP, mit allen Voraussetzungen zur Vernetzung für modernste digitale OP-Technik. Im Erdgeschoss entsteht ein ambulantes Operationszentrum mit vier Sälen. Im Gartenschoss ist Raum für Technik und ein Rechenzentrum. Für den Neubau werden 300 Tonnen Betonstahl, 7.000 Tonnen Beton und 32.000 laufende Meter Kabel verbaut werden.

Digitaler OP für modernste Operationstechnik
„Der geplante Operationstrakt mit einem digitalen OP ist eine große Chance für Berlin und schafft perfekte Voraussetzungen für kommende Entwicklungen aus Robotik, digitalen Hightechgeräten bei hochspezialisierten Eingriffen sowie neuen Technologien zur Steigerung der Patientensicherheit“, ergänzt Prof. Dr. Sebastian Heumüller, Regionalgeschäftsführer Ost Helios Kliniken.
Die ersten Patient:innen können dort voraussichtlich Anfang 2025 behandelt werden. Die Weiterentwicklung des Standortes Helios Klinikum Berlin-Buch wurde mit einem „Spatenstich“ in Anwesenheit vom Helios Management gewürdigt.


Abbildung: Visualisierung des geplanten Erweiterungsneubaus: Der mehrgeschossige Neubau ergibt eine Fläche von rund 4200 Quadratmetern und fügt sich optimal in die funktionale Architektur der kurzen Wege ein. (Bild: M.R Architekten)

Zur Pressemitteilung auf der Website des Helios Klinikums Berlin-Buch geht es hier.


Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 1.000 Betten in mehr als 60 Kliniken, Instituten und spezialisierten Zentren sowie einem Notfallzentrum mit Hubschrauberlandeplatz. Jährlich werden hier mehr als 55.000 stationäre und über 144.000 ambulante Patienten mit hohem medizinischem und pflegerischem Standard in Diagnostik und Therapie fachübergreifend behandelt, insbesondere in interdisziplinären Zentren wie z.B. im Brustzentrum, Darmzentrum, Hauttumorzentrum, Perinatalzentrum, der Stroke Unit und in der Chest Pain Unit. Die Klinik ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als Onkologisches Zentrum und von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetiker geeignet DDG“ zertifiziert.
Gelegen mitten in Berlin-Brandenburg, im grünen Nordosten Berlins in Pankow und in unmittelbarer Nähe zum Barnim, ist das Klinikum mit der S-Bahn (S 2) und Buslinie 893 oder per Auto (ca. 20 km vom Brandenburger Tor entfernt) direkt zu erreichen.

Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 125.000 Mitarbeitenden. Zum Unternehmen gehören unter dem Dach der Holding Helios Health die Helios Kliniken in Deutschland sowie Quirónsalud in Spanien und Lateinamerika und die Eugin-Gruppe mit einem globalen Netzwerk von Reproduktionskliniken. Mehr als 22 Millionen Patient:innen entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios. 2021 erzielte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von rund 10,9 Milliarden Euro.
In Deutschland verfügt Helios über 87 Kliniken, rund 130 Medizinische Versorgungszentren (MVZ), sechs Präventionszentren und 17 arbeitsmedizinische Zentren. Jährlich werden in Deutschland rund 5,4 Millionen Patient:innen behandelt, davon 4,4 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland mehr als 75.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 6,7 Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.
Quirónsalud betreibt 56 Kliniken, davon sieben in Lateinamerika, 88 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 17 Millionen Patient:innen behandelt, davon 16,1 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt mehr als 46.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 4 Milliarden Euro.
Das Netzwerk der Eugin-Gruppe umfasst 33 Kliniken und 39 weitere Standorte in zehn Ländern auf drei Kontinenten. Mit rund 1.600 Beschäftigten bietet das Unternehmen ein breites Spektrum modernster Dienstleistungen auf dem Gebiet der Reproduktionsmedizin an und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 133 Millionen Euro.
Helios gehört zum Gesundheitskonzern Fresenius. 

 

 

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investieren / 20.10.2022
T-knife Therapeutics Announces Dosing of First Patient with TK-8001 in the IMAG1NE Phase 1/2 Clinical Trial

 

  • The IMAG1NE Phase 1/2 trial is an accelerated dose-titration, open-label, multi-center Phase 1/2 trial to evaluate TK-8001 in patients with MAGE-A1 positive solid tumors
  • TK-8001 targets a MAGE-A1 epitope presented on HLA-A*02:01
  • IMAG1NE utilizes biomarker-guided patient selection criteria to enroll those patients that have the highest potential for safe, deep, and durable responses 
  • MAGE-A1 is an attractive therapeutic target that is highly cancer specific and demonstrates significant consistency of expression between primary tumor and metastases
     

San Francisco, CA and Berlin, Germany – October 20, 2022 - T-knife Therapeutics, Inc., a clinical-stage biopharmaceutical company dedicated to developing T cell receptor-based immunotherapies that deliver transformational benefits to cancer patients, today announced it has dosed the first patient in the IMAG1NE Phase 1/2 clinical trial. The IMAG1NE trial is designed to evaluate the safety and preliminary efficacy of TK-8001, a T cell receptor (TCR) engineered T cell therapy (TCR-T) specific for the Melanoma-associated Antigen Gene-A1 (MAGE-A1), in patients with solid tumors.

“We believe our MyT Platform is distinct in its ability to identify TCRs that have been naturally optimized for affinity, specificity and sustaining long-term T cell function, making TK-8001 a promising new therapy to target MAGE-A1 positive solid tumors,” stated Eugen Leo, M.D., Ph.D., Chief Medical Officer of T-knife. “Our IMAG1NE trial combines a TCR with best-in-class potential, manufacturing designed to select the most potent T cells, and biomarker-guided patient selection criteria that seeks to enroll those patients that we believe have the highest likelihood of safe, deep and durable responses to TK-8001.”

“We are excited to bring our first MyT Platform derived product candidate into the clinic,” added Thomas M. Soloway, Chief Executive Officer of T-knife. “This is a significant milestone representing the rapid progress at T-knife, and we are thankful for the support and trust we have received from our many collaborators, investigators and the patient community as we pursue our goal to build a global company focused on bringing the power of TCR-based therapies to cancer patients.”  

In preclinical studies, the MAGE-A1-directed TCR incorporated in TK-8001 exhibited high binding affinity and specificity to a MAGE-A1 epitope presented on HLA-A*02:01. Importantly, T cells incorporating the MyT Platform derived TK-8001 TCR demonstrated in vitro serial killing activity and enhanced in vivo anti-tumor activity compared to T cells engineered with TCRs derived from human donors. 

The IMAG1NE Phase 1/2 trial is an accelerated dose-titration, open-label, multi-center Phase 1/2 trial designed to evaluate the safety and preliminary efficacy of TK-8001 in patients with MAGE-A1 positive solid tumors. The Phase 1 part of the study is focused on the selection of a dose to advance into the Phase 2 part of the study. The Phase 1 dose escalation part is designed to enroll approximately 6 to 18 patients to assess the safety and tolerability of TK-8001 at various doses. Once the recommended Phase 2 dose has been identified, TK-8001 will then be evaluated in an expansion part of the trial.  

About TK-8001 TCR-T Targeting MAGE-A1 Positive Solid Tumors

TK-8001 is a TCR-T specific for the Melanoma-associated Antigen Gene-A1, or MAGE-A1. MAGE-A1 is associated with hallmarks of aggressive cancers and poor clinical prognosis, and there is an emerging body of evidence indicating its involvement as a potential driver of tumorigenesis. MAGE-A1 represents an attractive therapeutic target given the high unmet need in MAGE-A1 expressing cancers, no reported protein expression in healthy tissues other than testis (an immune privileged site where HLA is not expressed and antigen is not presented), and significant consistency of expression between the primary tumor and metastases. As high affinity TCRs specific for MAGE-A1 in humans are eliminated through central immunological tolerance, T-knife believes its MyT Platform is a differentiated means to discover and select MAGE-A1 specific TCRs with an optimal affinity and specificity profile.

About the T-knife MyT™ Platform

Genetic engineering of T cells with T-cell receptors (TCRs) recognizing antigens aberrantly or over-expressed in cancers can redirect these T cells to the tumor, potentially offering curative responses to cancer patients. However, the ability to identify potent cancer-specific TCRs has been limiting for the field of TCR-T. In the case of self-antigens, T cells bearing those TCRs are eliminated during T cell development to avoid recognition and attack of healthy tissues. For non-self tumor antigens, such as those derived from mutations or viral sequences, the very low T cell frequency in the blood has limited TCR discovery efforts.

To overcome these challenges, T-knife has developed transgenic mice carrying the human TCRαβ gene loci and expressing single or multiple human HLAs. Immunizing these mice with human tumor antigens, for which mice are not tolerant, allows for the identification of both CD4+ and CD8+ T cells with TCRs that have optimized affinity / specificity profiles capable of mediating significant anti-tumor activity. The TCRs from these mice are of higher affinity for tumor self-antigens than TCRs isolated from human donors and are naturally optimized to maintain a high specificity profile, making MyT mice a powerful high-throughput platform for rapidly generating TCRs with best-in-class potential.

About T-knife Therapeutics

T-knife is a clinical-stage biopharmaceutical company dedicated to developing T cell receptor-based immunotherapies that deliver transformational benefits to cancer patients, initially focused on T cell receptor (TCR) engineered T cell therapies (TCR-Ts), a modality that holds the potential to generate transformational responses in patients with solid tumors. The Company’s unique approach leverages its proprietary MyT Platform, a next-generation T cell receptor and epitope discovery engine that produces fully human, tumor-specific TCRs, naturally selected in vivo for optimal affinity and specificity.

T-knife is advancing a portfolio of TCR-T product candidates against targets with high unmet medical need, including cancer testis antigens and commonly shared tumor-driving neoantigens. T-knife was founded by leading T cell and immunology experts utilizing technology developed at the Max Delbrück Center for Molecular Medicine together with the Charité – Universitätsmedizin Berlin. For additional information, please visit the Company’s website at www.t-knife.com.

investieren / 20.10.2022
FyoniBio and Strike Pharma sign a Master Service Agreement covering Cell Line Development for a novel bi-specific therapeutic mAb

Berlin, Germany and Stockholm, Sweden, October 20, 2022: FyoniBio, a CDO expert specialized in tailored cell line development and Strike Pharma, whose proprietary Adaptable Drug Affinity Conjugate (ADAC) technology enables development of individualized immunotherapeutic treatments, are pleased to announce the signing of a cell line development agreement for Strike Pharma`s novel, innovative therapeutic recombinant mAb candidate.

For the project, FyoniBio will use its versatile CHOnamite® cell line development platform comprising various host cell lines and enabling screening of different hosts to select the most suitable cell line to produce Strike Pharma's new mAb format at the desired quality and yield.

"We are proud that Strike Pharma has selected FyoniBio as their preferred trusted partner, demonstrating that our highly potent, well-established CHOnamite® cell line platform is perfectly suited for complex protein formats", outlined Dr. Lars Stöckl, Managing Director at FyoniBio.“Strike Pharma is now entering an important new step in its short, but intense, company history. Dedicated work in recent months has resulted in careful selection of a lead compound that will now be prepared for manufacturing. We are happy to team up with the professional and highly skilled team at FyoniBio for this exciting next stage”, commented Mårten Winge, CEO at Strike Pharma.

FyoniBio Facts
FyoniBio’s ISO-9001 certified service portfolio covers the development chain from cell line development, process development and in-depth analytical characterization, including bioassays and clinical sample monitoring under GCLP. FyoniBio’s expertise builds on the long-standing experience of our scientists who have developed various cell lines and processes which entered late-stage clinical trials. Our customized approaches enable rapid, high-titer cell line development in various mammalian host cell lines specialized in meeting individual product requirements. Besides our CHOnamite® platform, we provide the human GEX® platform, which is particularly suited for recombinant proteins with complex glycan structures. Furthermore FyoniBio is highly skilled in mass spectrometry based in-depth analytical characterization of biopharmaceuticals and offers the whole package of clinical sample analysis from assay establishment, validation and measurement of clinical samples under GCLP.
All services are established according to our internal quality management system to assure compliance with international ISO standard and meeting international GMP standards.

Strike Pharma Facts
Headquartered in Uppsala, Sweden, Strike Pharma is using the company’s proprietary Adaptable Drug Affinity Conjugate (ADAC) technology to take precision medicine to a new level, enabling development of truly individualized immunotherapeutic treatments based on the genetic profile of each patient’s tumor. Such highly targeted treatment offers the potential to not only increase therapeutic efficacy, but also to reduce dosage levels thereby minimizing the risk of side effects.
Today, Strike Pharma’s development program is focused on selection of novel, clinically-relevant candidates for use as immunotherapeutic vaccines in the treatment of solid tumors. However, the company is confident that the ADAC technology platform has the potential to facilitate development of many other antibody-based therapeutics and thatthis novel approach will have a significant impact across a wide variety of disease indications within the rapidly developing field of personalized medicine.
Strike Pharma was founded in 2020 with the aim of commercializing ADAC technology. Investors include Eir Ventures, Flerie Invest, Uppsala University Invest, Almi Invest, SLU Invest and Monesi Förvaltnings.

FyoniBio Contact:
Dr. Ulrike Scheffler; Senior Director Business Development
contact@fyonibio.com
Phone: +49 (0) 17619489825
www.fyonibio.com

Strike Pharma Contact:
Mårten Winge , CEO
marten.winge@strikepharma.com
Phone: +46 (0) 70 657 59 27
www.strikepharma.com

leben / 20.10.2022
Ein nächster Schritt zur Klimaneutralität für Pankow

Förderantrag bewilligt – Klimaschutzkonzept für Pankow auf dem Weg

Diesen Oktober hat das Bezirksamt Pankow die Bewilligung des Förderantrags „Klimaschutzkonzepte und Klimaschutzmanagement – Erstvorhaben“ durch die Nationale Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz erhalten. Das Vorhaben umfasst die Erstellung eines integrierten Klimaschutzkonzeptes durch ein:e Klimaschutzmanager:in sowie die Umsetzung weiterer Klimaschutzmaßnahmen. Aktuell ist die Stelle ausgeschrieben und soll schnellstmöglich besetzt werden. Diese personelle Aufstockung ist ein weiterer wichtiger Schritt für mehr Klimaschutz in Pankow.

Pankows Teilnahme am European Energy Award (eea)

Für eine strukturierte Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen nimmt der Bezirk zusätzlich am European Energy Award (eea) teil. Der eea unterstützt die Kommunen dabei, alle kommunalen Energieaktivitäten systematisch zu erfassen, zu bewerten, kontinuierlich zu überprüfen und aufeinander abzustimmen. Durch die strukturierte und fachübergreifende Vorgehensweise im eea-Prozess sollen effektive und effiziente Maßnahmen für kommunalen Klimaschutz erarbeitet und umgesetzt werden. Das internationale Qualitätsmanagement- und Zertifizierungsinstrument European Energy Award wird durch das Berliner Programm für Nachhaltige Entwicklung aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung sowie durch das Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm gefördert. Mit dem Energiepolitisches Arbeitsprogramm hat das Bezirksamt im September 2022 die Umsetzung zahlreicher Klimaschutzmaßnahmen der verschiedenen Fachabteilungen beschlossen.

Bereits 2021 hat das Bezirksamt den Pankower Klimarat als ehrenamtliches Gremium eingerichtet. Im Mai 2022 fand zudem eine Klausurtagung der Stadträt:innen und des Bezirksbürgermeisters zum Thema Klimaschutz und dessen Verankerung im Bezirk statt. Gemeinsam mit allen Fachämtern wird kontinuierlich an der Umsetzung und Weiterentwicklung geeigneter Maßnahmen gearbeitet.

Weiterführende Links

Informationen zu Klimaschutz und der Auflistung aller Klimaschutzmaßnahmen in Pankow erhalten Sie unter: www.berlin.de/ba-pankow/klimaschutzmassnahmen

Zusätzlich gibt es hier Fakten zum Klimaschutzkonzept und dem Förderantrag des Bezirksamtes sowie zum European Energy Award. (PDF)

Ansprechpartnerin:

Angelika Haaser
Klimaschutzbeauftragte
E-Mail: angelika.haaser@ba-pankow.berlin.de
Telefon: (030) 90295-2449

forschen / 19.10.2022
Geschütztes Herz trotz hohem Blutdruck

@ canva.com
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Ein überaktives Enzym führt zwar zu erblich bedingtem Bluthochdruck, bewahrt das Herz aber offenbar vor Folgeschäden. Das könnte die Therapie der Herzinsuffizienz grundlegend verändern, berichtet ein Team am Max Delbrück Center, ECRC und DZHK um Enno Klußmann im Fachblatt „Circulation“.

Die seltsame Erkrankung erforschen Berliner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schon seit Jahrzehnten: In manchen Familien haben die Hälfte der Mitglieder sehr kurze Finger und extrem hohen Blutdruck. Wird dieser nicht behandelt, sterben sie meist schon im Alter von etwa 50 Jahren an einem Schlaganfall. Die Ursache haben Forschende des Berliner Max Delbrück Centers bereits 2015 ausgemacht und fünf Jahre später anhand von Tiermodellen endgültig bewiesen: Ein mutiertes Phosphodiesterase-3A-Gen (PDE3A) bewirkt, dass das kodierte Enzym überaktiv wird. Die Veränderung beeinflusst sowohl das Wachstum der Knochen als auch das der Blutgefäße. Letztere verengen sich, was den erhöhten Blutdruck zur Folge hat.

Vor Folgeschäden gefeit

„Bluthochdruck führt eigentlich fast immer dazu, dass das Herz schwächer wird“, sagt Dr. Enno Klußmann, Leiter der Arbeitsgruppe „Ankerproteine und Signaltransduktion“ am Max Delbrück Center, der auch Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für Herz- Kreislauf-Forschung (DZHK) ist. Da das Organ gegen einen höheren Druck anpumpen müsse, versuche es, seine linke Kammer zu stärken. „Doch letztendlich bewirkt dieses verstärkte Wachstum, Herzhypertrophie genannt, dass es irgendwann zu einer Herzinsuffizienz kommt, bei der die Pumpleistung deutlich nachlässt“, erläutert Klußmann.

Genau das geschieht bei den Bluthochdruck-Patient*innen mit den verkürzten Fingern und einem veränderten PDE3A-Gen allerdings nicht. „Aus einem Grund, den wir jetzt im Ansatz, aber noch nicht vollständig verstanden haben, ist ihr Herz vor solchen Folgeschäden des Bluthochdrucks gefeit“, sagt Klußmann.

Die Veröffentlichung im Fachblatt „Circulation“ ist eine Gemeinschaftsarbeit von Forschenden des Max Delbrück Centers, der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des DZHK; als Letztautor*innen waren neben Klußmann die Professoren Norbert Hübner und Michael Bader des Max Delbrück Centers sowie Dr. Sylvia Bähring vom Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max Delbrück Centers, involviert. Zusammen mit 43 weiteren Forschenden aus Berlin, Bochum, Heidelberg, Kassel, Limburg, Lübeck, Kanada und Neuseeland berichten sie nun, was das Team über die schützenden Effekte der Genmutation herausgefunden hat – und warum die Erkenntnisse die Therapie der Herzinsuffizienz verändern könnten. Die Publikation hat vier Erstautor*innen, drei von ihnen forschen am Max Delbrück Center und einer am ECRC.

Zwei Mutationen, ein Effekt

Ihre Untersuchungen haben die Wissenschaftler*innen zum einen an Menschen mit Hypertonie und Brachydaktylie, also Bluthochdruck und Kurzfingrigkeit (HTNB), vorgenommen, zum anderem an einem Rattenmodell und an Herzmuskelzellen. Letztere hatten sie aus speziell manipulierten Stammzellen, den induzierten pluripotenten Stammzellen, gezüchtet. Sowohl in den Tieren als auch in den Zellen hatten die Forschenden zuvor das PDE3A-Gen gezielt verändert und so die HTNB-Mutationen nachgeahmt.

„Bei den jetzt untersuchten Patient*innen sind wir auf eine bisher unbekannte Mutation des PDE3A-Gens gestoßen“, berichtet Bähring. „Bislang war in dem Enzym immer eine Stelle außerhalb des katalytischen Zentrums verändert gewesen, nun lag die Abweichung genau in diesem Zentrum.“ Erstaunlicherweise hätten aber beide Mutationen den gleichen Effekt: Sie machen das Enzym aktiver als gewöhnlich. Dadurch wird ein wichtiger Botenstoff der Zelle namens cAMP (cyclisches Adenosinmonophosphat), der an der Kontraktion der Herzmuskelzellen beteiligt ist, verstärkt abgebaut. „Möglicherweise können sich durch die Genveränderung – unabhängig von ihrer Position – zwei oder mehr PDE3A-Moleküle zusammenlagern und auf diese Weise effektiver arbeiten“, vermutet Bähring.

Die Proteine bleiben gleich

In ihrem Rattenmodell, das die Gruppe von Michael Bader mit der CRISPR/Cas9-Methode am Max Delbrück Center generiert hat, versuchten die Forschenden, die Auswirkungen der Mutationen besser zu verstehen. „Wir haben die Tiere mit dem Wirkstoff Isoproterenol, einem sogenannten Beta-Rezeptor-Agonisten, behandelt“, sagt Klußmann. Solche Medikamente kommen manchmal im Endstadium einer Herzinsuffizienz zum Einsatz. Isoproterenol ist dafür bekannt, das Herz verstärkt wachsen zu lassen. „Bei den genveränderten Ratten geschah dies jedoch erstaunlicherweise nur so, wie wir es auch in den wildtypischen Tieren beobachteten. Wider Erwarten hat der bestehende Bluthochdruck die Situation nicht verschlimmert“, berichtet Klußmann. „Ihr Herz war ganz offenbar vor diesem Effekt des Wirkstoffs geschützt.“

In weiteren Experimenten untersuchte das Team, ob und wenn ja welche Proteine in einer bestimmten Signalkaskade der Herzmuskelzellen aufgrund der Mutation verändert sind. Über diese Kette chemischer Reaktionen beginnt das Herz, zum Beispiel bei Aufregung, vermehrt Adrenalin auszuschütten und schneller zu schlagen. Adrenalin aktiviert die Beta-Rezeptoren der Zellen, wodurch diese mehr cAMP bilden. Die PDE3A und andere PDE stoppen den Prozess, indem sie cAMP chemisch verändern. „Wir haben allerdings auf der Protein- und auch auf der RNA-Ebene kaum Unterschiede zwischen mutierten und nicht mutierten Ratten gefunden“, sagt Klußmann.

Mehr Kalzium im Cytosol

Der Umbau von cAMP durch die PDE3A erfolgt nicht irgendwo in der Muskelzelle, sondern in der Nähe eines röhrenförmigen Membransystems, das Kalzium-Ionen speichert. Eine Ausschüttung dieser Ionen ins Cytosol der Zelle löst die Muskelkontraktion und somit den Herzschlag aus. Nach der Kontraktion wird das Kalzium durch einen Proteinkomplex in seinen Speicher zurückgepumpt. Auch dieser Prozess wird lokal von PDE gesteuert.

Klußmann und sein Team stellten die Hypothese auf, dass es aufgrund der Hyperaktivität dieser Enzyme rund um die Kalzium-Pumpe weniger cAMP geben müsste – was die Pumpe hemmen würde. „Tatsächlich konnten wir in den genveränderten Herzmuskelzellen nachweisen, dass die Kalzium-Ionen länger als gewöhnlich im Cytosol verbleiben“, sagt Dr. Maria Ercu aus Klußmanns Arbeitsgruppe, die eine der vier Erstautor*innen der Studie ist. Dadurch könnte sich die Kontraktionskraft der Zellen erhöhen.

Nicht hemmen, sondern aktivieren

„Eine akute Herzinsuffizienz wird derzeit oft mit PDE3-Hemmern behandelt, um den cAMP-Spiegel zu erhöhen“, erklärt Klußmann. Eine dauerhafte Therapie mit diesen Wirkstoffen würde den Herzmuskel rasch erschöpfen. „Unsere Ergebnisse deuten nun daraufhin, dass nicht eine Hemmung der PDE3, sondern – im Gegenteil – eine selektive Aktivierung der PDE3A ein neuer und sehr viel besserer Ansatz sein könnte, um durch Bluthochdruck ausgelösten Herzschäden wie einer Herzmuskelhypertrophie und der Herzinsuffizienz vorzubeugen und zu behandeln“, sagt Klußmann.

Zuvor müsse man die protektiven Effekte der Mutation aber noch besser verstehen. „Wir haben beobachtet, dass die PDE3A nicht nur aktiver wird, sondern gleichzeitig ihre Konzentration in den Herzmuskelzellen abnimmt“, berichtet der Forscher. Möglicherweise ließe sich Ersteres durch eine Oligomerisierung erklären – dabei tun sich mindestens zwei Enzymmoleküle zusammen. „In diesem Fall“, sagt Klußmann, „könnten wir vermutlich Strategien entwickeln, um eine lokale Oligomerisierung künstlich in Gang zu setzen – und so den schützenden Effekt für das Herz imitieren.“

Weiterführende Informationen

Pressemeldung auf der MDC-Website lesen (ab 19.10.2022)

AG Klußmann

AG Bader

AG Hübner

Erblicher Bluthochdruck durch überaktives Enzym

Was haben kurze Finger mit Bluthochdruck zu tun?

Literatur

Maria Ercu et al. (2022): “Mutant phosphodiesterase 3A protects from hypertension-induced cardiac damage”; Circulation, DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.122.060210

investieren / 14.10.2022
MyoPax wins NLSInvest Awards at Nordic Life Science Days

Verena Schöwel, CEO and co-founder of MyoPax, recieves the NLSInvest Award on stage at NLSDays 2022. From the left: Chelsea Ranger, Verena Schöwel, Frida Lawenius, Peter Bak, and Ulrica Sehlstedt. Photo: Camille Sonally/SwedenBIO
Verena Schöwel, CEO and co-founder of MyoPax, recieves the NLSInvest Award on stage at NLSDays 2022. From the left: Chelsea Ranger, Verena Schöwel, Frida Lawenius, Peter Bak, and Ulrica Sehlstedt. Photo: Camille Sonally/SwedenBIO

The two biotech start-up companies MyoPax and Asgards Therapeutics won first and second prize at NLSINvest Awards, out of 40 companies that participated in Nordic Life Science Days’ start-up pitching challenge.

40 selected Nordic start-up companies attended Nordic Life Science Days, the largest partnering conference for life sciences in the Nordics, in Malmö on September 28-29 2022.  As part of the conference’s investment track NLSInvest, the start-ups got to pitch their innovative solutions in front of an audience of investors and delegates at the conference.

A panel of judges scored each company based on pitch quality, innovation, impact, and investment readiness.

MyoPax was subsequently awarded the first prize at NLSInvest Awards. They are an early clinical stage biotech with sites in Copenhagen (BioInnovation Institute) and Berlin (spin-off Charité University Medicine/Helmholtz Association). They are developing a platform for regenerative stem cell therapies for the targeted treatment of multiple muscle diseases.

The runner-up, Asgard Therapeutics, is a Swedish private biotech company exploring the application of in vivo direct cell reprogramming for cancer immunotherapy. They are pioneering a gene delivery approach centered on their proprietary TrojanDC technology, designed to set in motion immune responses based on the biological properties of professional antigen presenting cells.

Chelsea Ranger, chair of the NLSINvest Committee and senior advisor to SwedenBIO, said: “Both of the winning companies had confident and engaging pitches that thoroughly showcased the unmet medical needs and the patient populations they serve.

However, what was so great about this competition is how close the scores were amongst all those the jury ranked highest. So, what that tells us is that we have a lot of potential amongst these innovative start-ups and I fully expect to see successful trajectories for many of them.”

The first and second prize consists of consulting and review support from some of the award sponsors, and access to NLSDays 2023 and a company presentation slot in next year’s programme. The first prize also included a cash award. Both winners earned coverage in Labiotech.eu as well as in NLSDays’ and SwedenBIO’s official channels.

The panel of judges consisted of representatives from JLABS, AstraZeneca, Hadean Ventures, Sciety, Erik Penser Bank, and Arthur D. Little. The awards were sponsored by Arthur D. Little, Back Bacy Life Science Advisors, BIO, SwedenBIO, JLABS, and Erik Penser Bank.
 

Om SwedenBIO

– NORDIC LIFE SCIENCE DAYS – Nordic Life Science Days is the largest Nordic partnering conference dedicated to the life science industry. Since its inception in 2013, the event has nurtured a community of people from the world of life science and created a unique place to do business. NLSDays attracts leading decision makers from biotech, pharma and medtech, as well as finance, research, policy and regulatory authorities. NLSDays is owned and organized by SwedenBIO. – SWEDENBIO – SwedenBIO is the national association for the Swedish life science industry, representing the sector both domestically and globally. Sweden has a vibrant, innovative life science industry, strong academia, and world-leading infrastructure for research. SwedenBIO’s 320+ members are companies within pharma, biotech, diagnostics and medtech, and comprise the entire range from small start-ups to SMEs and large enterprises. NLSDays is SwedenBIO’s flagship event.

produzieren / 13.10.2022
Eckert & Ziegler und Alpha-9 Unterzeichnen Reservierungsvereinbarung für Actinium-225

Eckert & Ziegler (ISIN DE0005659700, SDAX) und Alpha-9 Theranostics Inc. (Alpha-9), ein radiopharmazeutisches Unternehmen mit Sitz in Vancouver und Boston, haben einen Vertrag über die bevorzugte Lieferung von Actinium-225 in GMP-Qualität unterzeichnet. Die Reservierung gibt Alpha-9 vorrangigen Zugang zu Eckert & Zieglers hochreinem Actinium-225, einem Radionuklid, das für die nächste Generation von therapeutischen Radiopharmazeutika verwendet wird.

"Nach dem erfolgreichen Abschluss unseres Liefervertrags für Lutetium-177 zu Beginn dieses Jahres freuen wir uns, die Zusammenarbeit mit Alpha-9 weiter auszubauen und durch die Lieferung von Actinium-225, einem vielversprechenden therapeutischen Radioisotop, zur Innovation in der Krebsbehandlung beizutragen", erklärte Dr. Harald Hasselmann, Mitglied des Vorstands und verantwortlich für das Segment Medical bei Eckert & Ziegler. "Der Zugang zu Actinium-225 war in der Vergangenheit begrenzt, was die klinische Forschung und die kommerzielle Nutzung verlangsamte. Mit dem Bau unserer neuen Ac-225-Produktionsanlage reagieren wir auf diese Situation und gehen davon aus, dass wir das Radioisotop im vierten Quartal 2023 in begrenzten Mengen und in der zweiten Hälfte 2024 in größeren Mengen anbieten können."

"Das Radionuklid Actinium-225 ist eine Schlüsselkomponente der therapeutischen Wirkstoffe in unserem Portfolio und der Zugang ist entscheidend, um unsere Entwicklung und klinische Forschung voranzutreiben", erklärte David Hirsch, CEO von Alpha-9. "Wir freuen uns, unsere Zusammenarbeit mit Eckert & Ziegler auszuweiten, um das Leben von Patienten, die an metastasierenden Krebserkrankungen leiden, zu verbessern."

Actinium-225 wird als Wirkstoff in der Krebsbehandlung eingesetzt. Das Radioisotop emittiert leistungsstarke, hochenergetische Alpha-Partikel mit kurzer Eindringtiefe, die eine präzise Behandlung von Tumorzellen, einschließlich schwer zu erfassender Mikrometastasen, mit minimalen Auswirkungen auf das umgebende gesunde Gewebe ermöglichen. Hierzu wird Actinium-225 mit einem geeigneten Träger (z.B. einem Antikörper oder Peptid) kombiniert, der spezifisch an Krebszellen bindet und diese damit selektiv bekämpft. Momentan werden Radiopharmazeutika auf Basis von Actinium-225 in vielen klinischen Indikationen getestet, u.a. gegen Prostatatumore, Darmkrebs und Leukämie. Experten erwarten, dass der Bedarf an Actinium-225 in der nächsten Dekade exponentiell zunimmt.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im SDAX der Deutschen Börse gelistet.
Wir helfen zu heilen.

Über Alpha-9 Theranostics
Alpha-9 Theranostics ist ein radiopharmazeutisches Unternehmen in der klinischen Phase, das bildgebende und therapeutische Moleküle für solide und hämatologische Malignome entwickelt. Unter Verwendung der firmeneigenen Technologie und der Expertise des Unternehmens haben diese differenzierten Moleküle das Potenzial, das Leben von Patienten mit günstigen Sicherheitsprofilen deutlich zu verlängern.

Quelle: Pressemitteilung EZAG
Eckert & Ziegler und Alpha-9 Unterzeichnen Reservierungsvereinbarung für Actinium-225

forschen / 12.10.2022
Virenfahndung in der Kanalisation

Abwasserprobe vor der Sequenzierung. Foto: Felix Petermann, MDC
Abwasserprobe vor der Sequenzierung. Foto: Felix Petermann, MDC

Mit am Max Delbrück Center entwickelten Algorithmen lassen sich nicht nur neue Varianten des Coronavirus im Abwasser rasch aufspüren. Das Verfahren, das ein Team um Altuna Akalin in „Science of the Total Environment“ vorstellt, kommt auch anderen Krankheitserregern leicht auf die Schliche.

Nicht nur das Coronavirus verändert permanent sein Gesicht, um sich den Angriffen des menschlichen Immunsystems möglichst zu entziehen. Auch andere Erreger nutzen diese Strategie: Durch winzige Veränderungen in ihrem Erbgut, den Mutationen, bringen sie immer wieder neue Varianten hervor, denen die Körperabwehr oft weniger entgegenzusetzen hat als den Erregern, die sie schon durch eine Infektion oder Impfung kennt.

Alle Infizierten hinterlassen ihre Spuren

„Daher ist es so wichtig, neu entstehende Virusvarianten möglichst rasch aufzuspüren“, erklärt Dr. Altuna Akalin, Leiter der „Bioinformatics and Omics Data Science Platform“ am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie des Max Delbrück Centers (MDC-BIMSB). Gemeinsam mit vielen weiteren Forschenden des Max Delbrück Centers, den Berliner Wasserbetrieben und dem Laborunternehmen amedes hat der Bioinformatiker Akalin ein Verfahren entwickelt, um diese Varianten im Abwasser nachzuweisen. Denn dort hinterlässt sie jeder Mensch, der sich mit den Viren infiziert hat – unabhängig davon, ob oder welche Symptome er entwickelt und ob er getestet ist oder nicht.

Beteiligt waren an dem Projekt die Arbeitsgruppen „RNA-Biologie und Posttranscriptionale Regulation“ von Professor Markus Landthaler und „Systembiologie von Gen-regulatorischen Elementen“ von Professor Nikolaus Rajewsky sowie die Technologieplattform „Genomik“, die Dr. Janine Altmüller leitet. Landthaler und Rajewsky sind gemeinsam mit Akalin Letztautoren der aktuellen Publikation. Erstmals vorgestellt hatte das Team um Akalin

das computergestützte Werkzeug namens „PiGx SARS-CoV-2“ im Dezember 2021 auf der Preprint-Platform „medRxiv“. Erstautor*innen waren damals wie jetzt Vic-Fabienne Schumann und Dr. Rafael Cuadrat aus Akalins Arbeitsgruppe sowie Dr. Emanuel Wyler aus Landthalers Team.

Schneller als mit Proben von Patient*innen

Die Grundidee der Datenanalyse-Pipeline hat sich seither nicht verändert. „Um sie zu nutzen, muss das Erbgut der Viren im Abwasser zunächst sequenziert, also entschlüsselt werden“, erklärt Akalin. Die gewonnen Daten werden dann gemeinsam mit ein paar zusätzlichen Informationen, zum Beispiel zur verwendeten Sequenziermethode, in die Pipeline eingespeist. Heraus kommen grafische Darstellungen, an denen nicht nur Expert*innen, sondern auch Laien die Infektionsdynamik und die zirkulierenden Virusvarianten zeitgleich an verschiedenen Standorten ablesen können.

„Auch neu auftretende Varianten lassen sich auf diese Weise aufspüren – in den meisten Fällen sogar ein paar Tage früher, als es durch kontinuierliche Tests und die Sequenzierung von Patient*innenproben möglich wäre“, sagt Akalin. „Dank unserer Kooperationen konnten wir zudem zeigen, dass ein solches Abwasser-Frühwarnsystem sowohl in einem wissenschaftlichen Umfeld als auch auf industrieller Ebene erfolgreich ist.“ Routineuntersuchungen führe das Max Delbrück Center aber nicht durch, man stelle das Verfahren lediglich zur Verfügung, ergänzt Akalin.

Die Pipeline funktioniert weltweit

Das jetzt im Fachblatt „Science of the Total Environment“ beschriebene Tool hat sich in den vergangenen Monaten weiterentwickelt. „Die von uns erstellten Algorithmen sind robuster geworden“, sagt Akalin. „Wir haben etwa den Beweis erbracht, unter anderem am Beispiel von New York, dass die Pipeline Daten aus ganz unterschiedlichen Teilen der Welt zuverlässig analysieren kann – auch unabhängig davon, nach welchem Protokoll diese Daten erstellt wurden.“

Mit ihrer Methode haben Akalin und seine Kolleg*innen bereits die Delta- und die Omikron-Variante des Coronavirus entdeckt, bevor diese zu den jeweils dominierenden Varianten in der Bevölkerung wurden. „Unsere Software kann neu auftretende Mutationen sowohl räumlich als auch zeitlich verfolgen“, erklärt Akalin. „Finden sich an bestimmten Orten im Abwasser immer mehr Mutationen, werden diese markiert, um auf die Möglichkeit einer neuen Virusvariante hinzuweisen.“

„Mithilfe zusätzlicher Tools, die in die Pipeline integriert werden, lassen sich sogar die Auswirkungen der gefundenen Mutation vorhersagen“, ergänzt Akalin. Man könne so künftig beispielsweise abschätzen, inwieweit sich die neuen Virusvarianten dem menschlichen Immunsystem entziehen – und ob sie dadurch ansteckender als die alten Varianten sein werden oder schwerere Krankheitsverläufe hervorrufen.

Auch Grippeviren lassen sich aufspüren

„Eines der wichtigsten Merkmale unseres Ansatzes besteht jedoch darin, dass wir ein sehr robustes System mit einem hohen Automatisierungsgrad entwickelt haben, so dass es sich ohne Weiteres bei groß angelegten Abwasserüberwachungen einsetzen lässt“, sagt Akalin. Allerdings wolle sein Team nun noch weiter erforschen, wie das optimale Verfahren aussehe, um die Abwasserproben zu entnehmen. „Wo und wann man eine Probe nimmt, scheint die Daten durchaus zu beeinflussen“, räumt der Wissenschaftler ein.

Ziel aller beteiligten Teams am MDC-BIMSB ist es jedenfalls, den Ansatz nun auf andere Erreger als das Coronavirus auszuweiten und ein Frühwarnsystem zum Beispiel für kommende Grippe- oder Noroviren zu etablieren – also für Erreger, die sich ebenfalls stark auf die menschliche Gesundheit und damit auch auf die wirtschaftliche Produktivität auswirken.

„In den USA gibt es aufstrebende Unternehmen, die solche Dienstleistungen bereits anbieten“, sagt Akalin. Es sei daher absehbar, dass diese Art von Überwachungsstrategie künftig regelmäßig auch in anderen Teilen der Welt und, so hoffe er, auch für andere Krankheitserreger eingesetzt werde. Auch Impfstoffhersteller könnten von der Frühwarnung profitieren und ihre Impfstoffe in Zukunft womöglich leichter als bisher an neu auftretende Varianten anpassen.

Weitere Informationen:

Omikron hat Berlin im Griff

Technologieplattform „Bioinformatics and omics data science

Arbeitsgruppe Landthaler

Arbeitsgruppe N. Rajewsky

Literatur

Vic-Fabienne Schumann, Rafael Ricardo de Castro Cuadrat, Emanuel Wyler et al. (2022): „COVID-19 infection dynamics revealed by SARS-CoV-2 wastewater sequencing analysis and deconvolution“, Science of the total environment, DOI: 10.1016/j.scitotenv.2022.158931

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (Max Delbrück Center) gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 70 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organ-übergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das Max Delbrück Center fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am Max Delbrück Center arbeiten 1800 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete Max Delbrück Center zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de

Quelle: Pressemitteilung Max Delbrück Center
Virenfahndung in der Kanalisation

produzieren / 11.10.2022
Eckert & Ziegler baut Actinium-225-Produktionslinie für NorthStar Medical Radioisotopes

Berlin und Beloit, Wis., 11. Oktober 2022 - Eckert & Ziegler Isotope Technologies Dresden (ITD), ein Spezialist für radiopharmazeutischen Anlagenbau und hundertprozentige Tochtergesellschaft der Eckert & Ziegler AG (ISIN DE0005659700, SDAX) und NorthStar Medical Radioisotopes, LLC, ein globaler Innovator in der Entwicklung, Produktion und Vermarktung von Radiopharmazeutika für therapeutische Anwendungen und die medizinische Bildgebung, haben heute eine Vereinbarung über den Kauf von Heißzellen und zugehöriger Ausrüstung für die NorthStar Actinium-225-Produktionsanlage geschlossen. Heißzellen sind speziell konstruierte abgeschirmte Gehäuse, die den sicheren Umgang mit radioaktivem Material ermöglichen. Die Ausrüstung im Wert von mehreren Millionen USD wird von NorthStar in Beloit, Wisconsin, zur Herstellung von trägerfreiem (n.c.a.) Actinium-225 (Ac-225) im kommerziellen Maßstab genutzt. Ac-225 ist ein zukunftsträchtiges medizinisches Radioisotop, das für die Behandlung von Krebs eingesetzt werden könnte. Der Herstellungsprozess für diese fortschrittlichen Radiopharmazeutika erfordert innovative Lösungen und Anlagen, um eine routinemäßige kommerzielle Produktion von Ac-225 im großen Maßstab zu ermöglichen.

"Der Auftrag unterstreicht nicht nur aufgrund des Umfangs, sondern auch hinsichtlich des technologischen Anspruchs unsere langjährige und hohe Expertise im Bau von kundenspezifischen Spezialanlagen,“ erklärt Felix Husmann, Geschäftsführer der auf Anlagenbau spezialisierten Eckert & Ziegler Tochtergesellschaft Isotope Technologies Dresden GmbH (ITD). „Wir sind stolz darauf, dass ein führendes radiopharmazeutisches Unternehmen wie NorthStar sein Vertrauen in unser Fachwissen in der Prozessentwicklung setzt.“

"NorthStar ist zuversichtlich, dass wir der erste kommerzielle Anbieter von n.c.a. Ac-225 sein werden, der die Elektronenbeschleunigertechnologie nutzt, welche umweltfreundlich ist und nicht auf Uran basiert", sagte Stephen Merrick, Chief Executive Officer von NorthStar Medical Radioisotopes. "Schon in der Anfangsphase dieses Projekts haben wir die volle Unterstützung des ITD-Technologieteams erhalten. Wir betrachten sie als führende Branchenspezialisten für schlüsselfertige Anlagen für radiochemische und radiopharmazeutische Prozesse und gehen davon aus, dass ihre technischen Lösungen uns in die Lage versetzen werden, in Zukunft einen wesentlichen Beitrag zur weltweiten Versorgung mit Ac-225 zu leisten."

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im SDAX der Deutschen Börse gelistet.
Wir helfen zu heilen.

Über Isotope Technologies Dresden
Die Isotope Technologies Dresden GmbH (ITD) ist ein Tochterunternehmen der Eckert & Ziegler AG und einer der international führenden Spezialisten für die Entwicklung, Konstruktion und Herstellung von Heißzellen für Produktion, Materialtestung, Forschung & Entwicklung, sowie weiterer Anwendungen im radiopharmazeutischen und industriellen Umfeld. ITD verfügt über langjährige Erfahrung in der Entwicklung, Herstellung und Installation von kundenspezifischem Sonderanlagenbau.

Über NorthStar Medical Radioisotopes, LLC
NorthStar Medical Radioisotopes ist ein nuklearmedizinisches Unternehmen im kommerziellen Stadium, das diagnostische und therapeutische Radioisotope und Radiopharmazeutika herstellt und vertreibt. Die firmeneigene hochmoderne Technologie und das bewährte Managementteam haben das Unternehmen als einzigen inländischen Hersteller des diagnostischen Bildgebungsradioisotops Molybdän-99 (Mo-99) an die Spitze der medizinischen Radioisotopenproduktion in den USA gebracht. Mo-99 wird zur Herstellung von Technetium-99m (Tc-99m) verwendet, dem Standard in der diagnostischen Bildgebung zur Beurteilung des Ausmaßes und der Schwere von Herzerkrankungen und Krebs. Das einzigartige Mo-99-Produktionsverfahren von NorthStar basiert nicht auf Uran und ist umweltfreundlich. NorthStar baut seine branchenführende Position im aufstrebenden Bereich der therapeutischen Radioisotope aus, die in der gezielten radiopharmazeutischen Therapie zur Behandlung von Krebs, Atemwegserkrankungen und anderen Krankheiten eingesetzt werden. Durch den Einsatz einer neuartigen und umweltfreundlichen Elektronenbeschleunigertechnologie ist NorthStar in der Lage, der erste kommerzielle Hersteller von therapeutischen Radioisotopen Actinium-225 (Ac-225) und Kupfer-67 (Cu-67) zu werden. NorthStar arbeitet bei der Entwicklung von Radiopharmazeutika auch mit anderen Unternehmen zusammen. Weitere Informationen über das umfassende radiopharmazeutische Portfolio von NorthStar finden Sie unter: www.northstarnm.com.

www.ezag.com

07.10.2022
Kunstwerk "Augenhöhe" gewinnt Wettbewerb für neue Grundschule in Buch

Abb.: Siegerentwurf der Berliner Künstlergruppe "inges idee"
Abb.: Siegerentwurf der Berliner Künstlergruppe "inges idee"

Entwurf „AUGENHÖHE“ gewinnt Kunstwettbewerb für den Neubau der Grundschule an der Karower Chaussee

Das Preisgericht des nichtoffenen Kunstwettbewerbs für den Neubau der Grundschule in Karower Chaussee 97 im Ortsteil Buch hat unter Vorsitz der Berliner Künstlerin Antje Schiffers aus elf eingereichten künstlerischen Entwürfen zwei erste Preise und eine Anerkennung ausgewählt.

Entwurf „AUGENHÖHE“ der Gruppe „inges idee“ wird umgesetzt
Der Entwurf „AUGENHÖHE“ der Berliner Künstlergruppe „inges idee“ erhielt den ersten 1. Preis und wurde zur Realisierung empfohlen. Die comic-hafte, reduzierte und überdimensionale Skulptur eines orangefarbenen Hasen auf der Grünfläche neben der Freitreppe nimmt über eine Blickachse Kontakt mit einem kopfüber an der Decke des Foyers installierten, kleineren „Artgenossen“ auf und beide eröffnen eine „absurd humorvolle Erzählung“. Als überzeugend wertete das Preisgericht, dass die Elemente in einen Dialog mit den nutzenden Kindern treten und mit deren Erfahrungswelt korrespondieren. Die Realisierung der Kunst ist für 2023 geplant, hierfür stehen bis zu 185.000 Euro zur Verfügung.

Zweiter 1. Preis für „Vier farbige Metallskulpturen“ von Christian Henkel
Mit dem zweiten 1. Preis wurde die Arbeit „Vier farbige Metallskulpturen“ des Berliner Künstlers Christian Henkel ausgezeichnet, welche vier farbige, großformatige Stahlelemente an verschiedenen Orten des Eingangsbereiches platziert. Die Skulpturengruppe belebt und strukturiert den architektonischen Raum. Das Preisgericht hebt das identitätsstiftende Potential des Entwurfs hervor, seine selbstbewusste Präsenz und Farbigkeit. Die lockere Anordnung der Skulpturen, welche an ausgeschnittene Zufallsformen erinnert, bietet Durchblicke und eine räumliche Bezugnahme.

Anerkennung für Shila Khatamis Entwurf „Miteinander, Zueinander, Ineinander und Übereinander“
Die Anerkennung ging an Shila Khatami für ihren Entwurf „Miteinander, Zueinander, Ineinander und Übereinander“, bei dem eine aus farbigen Windrädern bestehende Skulptur im Eingangsbereich mit einer abstrahierten, großformatigen Wandarbeit im Foyer korrespondiert. Das Windspiel aus vier Rotoren liefert den Betrachter:innen ein sich je nach Windrichtung veränderndes Erscheinungsbild. Die Arbeit inspiriert zum Nachdenken über die Nutzung von nachhaltiger Energie und macht sie anschaulich.

Über den Kunstwettbewerb
Der nichtoffene einphasige Kunstwettbewerb wurde im Mai 2022 von der Abteilung Schule, Sport, Weiterbildung und Kultur des Bezirksamtes Pankow von Berlin, vertreten durch die Galerie Pankow / Kunst im öffentlichen Raum ausgelobt. Anlass war der Neubau der Grundschule Karower Chaussee im Rahmen der Schulbauoffensive der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. Aufgabe des Kunstwettbewerbs war es, eigenständige Entwürfe für eine künstlerische Gestaltung zu entwickeln, welche im Haupteingangsbereich der Schule signifikante Zeichen setzen, die Foyer und Vorplatz zueinander in Verbindung setzen und für die Nutzenden ein Identifikationsmoment herstellen.

Am Wettbewerb beteiligten sich die Künstler:innen Antje Blumenstein, Barbara Breitenfellner, Christian Henkel, „inges idee“ (Hans Hemmert, Axel Lieber, Thomas A. Schmidt, Georg Zey), Maarten Janssen, Florian Japp, Shila Khatami, Simone Lanzenstiel, Martin Pfahler, Mariel Poppe und TRAK Wendisch.

Alle Wettbewerbsentwürfe sind auf der Plattform www.wettbewerbe-aktuell.de zu sehen.

investieren, leben / 05.10.2022
Pilotprojekt der HOWOGE in Buch zur Dachaufstockung fertiggestellt

Foto: HOWOGE/Rentsch
Foto: HOWOGE/Rentsch

Allein die vier- bis sechsgeschossigen Plattenbauten im Bestand der Berliner HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft mbH verfügen über mehr als 320.000 Quadratmeter Dachfläche. Platz für mehrere Tausend Wohnungen? Diese Frage hat sich das landeseigene Unternehmen gestellt und ein Pilotprojekt gestartet, das die technische und wirtschaftliche Machbarkeit von Dachaufstockungen auf dem Plattenbautyp WBS 70 / Typ Berlin untersucht. Innerhalb von zwei Pilotaufstockungen entstanden insgesamt 50 Neubauwohnungen, für die weder zusätzliche Grundstücksressourcen erforderlich waren noch zusätzlich Flächen versiegelt wurden. Die Hälfte der Wohnungen ist sozial gefördert und wird zu Einstiegsmieten ab 6,50 pro Quadratmeter vermietet.

Anlässlich der Fertigstellung der ersten Dachaufstockung in Berlin-Buch zog die HOWOGE in Anwesenheit von Bundesbauministerin Klara Geywitz und der Regierenden Bürgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey, eine erste Bilanz und sprach über Herausforderungen und Chancen von Dachaufstockungen im Bestand. „320.000 Quadratmeter Dachfläche allein bei unseren Fünf- und Sechsgeschossern klingt zunächst vielversprechend“, sagt HOWOGE-Geschäftsführer Ulrich Schiller. „Allerdings haben unsere Untersuchungen gezeigt, dass Dachaufstockungen sehr komplex sind und sich nicht auf jedem Gebäude und an jedem Standort realisieren lassen. Dabei spielen u.a. der Städtebau und der Bautyp eine große Rolle. Gleichwohl haben sie das Potenzial das konventionelle Bauen sinnvoll zu ergänzen und einen wichtigen Beitrag zur Schaffung neuen Wohnraums zu leisten.“ Ein Beitrag, der angesichts steigender Grundstückspreise, knapper werdenden Baulands und der Forderung nach ressourcensparendem Bauen dringend nötig ist, wie die Regierende Bürgermeisterin von Berlin Franziska Giffey bestätigt: „Wir müssen die Wohnungsbaupotenziale, die Berlin an vielen Stellen noch hat, nutzen. Das gilt besonders für Dachaufstockungen. Wir können so dringend benötigte Wohnungen für die Berlinerinnen und Berliner schaffen und dabei ressourcenschonend nachverdichten, weil keine zusätzlichen Bodenflächen notwendig sind. Das hat einen doppelten Mehrwert – es ist gut für die Menschen und die Umwelt. Ich begrüße es sehr, dass die HOWOGE als Berliner Wohnungsbaugesellschaft mit innovativen Projekten vorangeht, um Potenziale des Wohnens und Bauens zu heben.“

Bauvorhaben und -ablauf

Für die Dachaufstockungen ausgewählt wurden ein Fünfgeschosser in der Franz-Schmidt-Straße 11-17 mit vier Hauseingängen in Berlin-Buch und ein Sechsgeschosser in der Seefelder Straße 34-46 mit sieben Hauseingängen in Berlin-Hohenschönhausen. Während das Haus in Hohenschönhausen um zwei Geschosse und 28 Wohnungen aufgestockt wurde, sind es in Buch drei Etagen und 22 Wohnungen. Beide Projekte entstanden als Typenhaus in ökologischer Holz-Hybridbauweise. „Hier in Buch werden bald in 22 Wohnungen Singles, Familien und WGs einziehen. Menschen, die dringend Wohnraum brauchen, finden hier ein neues Zuhause und eine gute, schon vorhandene Nachbarschaft“, sagt Klara Geywitz, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. „Die HOWOGE hat nicht nur das mit diesem Nachverdichtungsprojekt geschafft, sie hat auch von Anfang an alle Kriterien der Nachhaltigkeit berücksichtigt. Mit Holz als Baumaterial wurde ein Material gewählt, dass CO2 speichert und lange haltbar ist und sogar wiederverwertet werden kann. Zudem ist Holz ein nachwachsender Rohstoff. Boden wächst nicht nach, wenn er einmal veräußert ist. Deshalb hat die HOWOGE klug vorgemacht, was u.a. mit den alten WBS70-Häusern der DDR wunderbar funktioniert: durch Dachaufbau Fläche sparen. In Deutschland entstehen immer mehr Großfabriken, die Holzmodule für das Wohnen herstellen. Wir sind auf dem richtigen Weg. In Buch und Hohenschönhausen stehen zwei Beispiele, die zeigen: Nachverdichtung ist Lebensqualität“, so Klara Geywitz weiter.

Der Start für die Planungen erfolgte im September 2018. Die Bauarbeiten begannen Ende 2020 / Anfang 2021. Die Franz-Schmidt-Straße wird im Oktober 2022 fertiggestellt und befindet sich bereits in der Vermietung. Die Seefelder Straße folgt im November dieses Jahres.

Der entscheidende Vorteil von Holz für die Dachaufstockung ist sein geringes Gewicht. Trotzdem sind aufwändige Fundamentverstärkungen erforderlich, um die Last besser zu verteilen. In beiden Bauvorhaben wurde eine 20-25 Zentimeter hohe Bodenplatte im Keller aufgebaut, für die mittels Bohrungen in den Außenwänden ein entsprechendes Stahlgeflecht mit dem vorhandenen Boden erstellt wurde.

Im Dachbereich wurde das Drempelgeschoss vollständig entfernt, nur die letzte Geschossdecke blieb erhalten. „Da die Aufstockung im bewohnten Zustand erfolgte, haben wir unmittelbar nach den Abbrucharbeiten eine Notabdichtung aufgebracht. Anschließend wurden die vorhandenen Medienstränge weitergeführt und für den späteren Anschluss der Aufstockung vorbereitet“, erklärt Ragnar Ruhle, Geschäftsführer B&O Bau und Gebäudetechnik GmbH & Co. KG. „Erst dann konnten wir mit der eigentlichen Dachaufstockung und dem Stellen der Wände beginnen.“

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil der Dachaufstockung ist zudem die barrierefreie Erschließung der Neubauwohnungen. Hier hat die HOWOGE zwei unterschiedliche Szenarien geprüft.

So erhielt die Seefelder Straße zwei vorgesetzte Aufzüge, die lediglich eine barrierefreie Erschließung der Neubauwohnungen ermöglichen, da der Fahrstuhl aus baulichen Gründen nur auf den Zwischenebenen der Etagen hält. In der Franz-Schmidt-Straße hingegen wurde eines der bestehenden Treppenhäuser komplett ersetzt, sodass der neue Aufzug auf der jeweiligen Wohnungsebene hält und auch für die Bestandsmieter:innen des betreffenden Aufgangs eine barrierefreie Erreichbarkeit gewährleistet ist. Damit dies möglich ist, mussten die zehn Mietparteien des Aufgangs für neun Wochen in einem Ausweichquartier untergebracht werden.

Herausforderungen und Erkenntnisse

Im Rahmen des Pilotprojektes wurden insbesondere die Themen Brandschutz, Gebäudestatik, barrierefreie Erschließung, die Anbindung an den Bestand sowie die Wirtschaftlichkeit untersucht.

Bausubstanz

Trotz des gleichen Bautyps hat sich gezeigt, dass die untersuchten Gebäude einen unterschiedlichen Baustandard aufweisen. Geschuldet ist dies zum einen den verschiedenen Ausbau- und Einsparstufen (u.a. unterschiedliche Betonhärten, Keller- und Raumführung, Verrohrung) zum Zeitpunkt der Errichtung. Aber auch die Beschaffenheit des Bodens wirkt sich auf den Bestandsbau aus.

Jede Dachaufstockung stellt einen nicht zu unterschätzenden Eingriff in die Substanz des Gebäudes dar. Daher sind die Gebäude für weitere geplante Vorhaben ganzheitlicher und tiefergehender zu betrachten, um mögliche Synergieeffekte zwischen Dachaufstockung und Bestand besser nutzen zu können. Das gilt insbesondere für die Fassade sowie den Anschluss an Steigleitungen, Elektrik und Lüftung.

Wirtschaftlichkeit

Die Wirtschaftlichkeit im Projekt zu erreichen ist eine große Herausforderung. In der ursprünglichen Planung sollte die Aufstockung komplett in Holz erfolgen. Aufgrund des Preisanstiegs des Baustoffs mussten beide Bauvorhaben in Holzhybrid umgeplant werden. Neben dem Baustoff spielt die Geschossigkeit eine wichtige Rolle für die Wirtschaftlichkeit. So sollte eine Dachaufstockung mindestens zweigeschossig errichtet werden. Von einer eingeschossigen Aufstockung ist in der Gesamtwirtschaftlichkeitsbetrachtung abzuraten, da zu wenig Wohnfläche im Verhältnis zu den Baukosten entsteht. „Auch wenn es statisch möglich wäre. Die Hochhausgrenze von 23,5 Metern bzw. acht Geschossen sollte nicht überschritten werden“, sagt Ulrich Schiller. „Die Folge sind erhebliche Brandschutzauflagen, die im Bestand schwer umsetzbar sind und sich in der Gesamtbetrachtung wirtschaftlich kaum darstellen lassen.“ Letztendlich ist Wirtschaftlichkeit aber ein Wechselspiel aus Einnahmen und Ausgaben, sodass die Ausgestaltung der Mieten hier eine maßgebliche Rolle spielt.

Hinsichtlich der barrierefreien Erschließung hat sich gezeigt, dass die Variante in der Franz-Schmidt-Straße nur unwesentlich teurer und aufgrund des hohen Mehrwerts für die Bestandsmieter:innen zu präferieren ist.  

Bauzeit

Ziel ist es, die u.a. durch die geopolitische Lage vergleichsweise lange Bauzeit der Pilotprojekte von rund 20 Monaten auf elf Monate zu verkürzen. „Mit zunehmender Erfahrung und auch einer stetigen Auslastung in der Produktion der Fertigelemente, lässt sich der Zeitplan optimieren und auch straffen“, sagt Ragnar Ruhle. Auch eine Steigerung des Vorfertigungsgrades wirke sich positiv auf die Bauzeit, aber auch auf die Wirtschaftlichkeit aus.     

Fazit und Ausblick

Besonders vorteilhaft ist die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum innerhalb einer bestehenden Infrastruktur ohne zusätzliche Versiegelung weiterer Flächen. Gleichzeitig kann der Verwaltungsaufwand in der Bewirtschaftung optimiert werden. Insbesondere letzteres führt zu einer Reduzierung von Betriebskosten für alle im Objekt wohnenden Mietparteien. Die Aufwertung des Bestandsgebäudes und eine Verbesserung des Wohnumfelds durch neue Spiel- und Erholungsflächen, mehr Barrierefreiheit sowie Abstellmöglichkeiten für Fahrräder zählen zu den Vorteilen einer Dachaufstockung.

Dem entgegen steht, dass eine Dachaufstockung im Vergleich zum konventionellen Bauen teurer ist. „Die finale Auswertung der Kosten liegt noch nicht vor. Wir können aber schon jetzt sagen, dass die Baukosten im Vergleich zu einem konventionellen Holz-Hybridbau deutlich höher liegen“, sagt Ulrich Schiller. Die hohen Baukosten in Kombination mit den in der Kooperationsvereinbarung mit dem Berliner Senat vorgegebenen Mieten, ließen unter den untersuchten Voraussetzungen keine Wirtschaftlichkeit zu. „Hier müsste seitens der Politik nachgesteuert werden“, so Ulrich Schiller weiter. „In der Franz-Schmidt-Straße liegt die durchschnittliche Nettokaltmiete im Bestand bei 5,26 pro Quadratmeter. Hier sollte das gesamte Gebäude in die Betrachtung einbezogen und die Mietengestaltung des Neubaus entsprechend angepasst werden.“

Ein nicht zu unterschätzender Punkt ist darüber hinaus die Aufstockung im bewohnten Zustand. Für die Mieterinnen und Mieter sind die Arbeiten eine hohe Belastung. Sie gilt es in ihrem Alltag so gut es geht zu unterstützen und für zukünftige Projekte noch intensiver aufzuklären. Trotz aller Herausforderungen zieht Ulrich Schiller eine positive Bilanz: „Die wichtigste Erkenntnis ist, dass wir weitere Dachaufstockungen aus der Perspektive des Bestandsgebäudes denken. Ausschlaggebend ist dann neben den städtebaulichen Aspekten der Primärenergieverbrauch des Gebäudes. Die Dachaufstockung erfolgt im Rahmen einer energetischen Sanierung und ist Teil unserer Klimastrategie.“ Insgesamt hat die HOWOGE Potenzial für 2.000 weitere Wohnungen auf ihren WBS 70-Platten ausgemacht. Zwei weitere Projekte befinden sich bereits in konkreter Planung, finden aber derzeit keine Zustimmung bei den Planungsbehörden, da Bauvorhaben in geschlossen Nachbarschaften aktuell kritisch gesehen werden.

Über die HOWOGE

Die HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft mbH ist eines der sechs kommunalen Wohnungsunternehmen des Landes Berlin. Mit einem eigenen Wohnungsbestand von rund 74.500 Wohnungen (Stand 30.06.2022) gehört das Unternehmen zu den größten Vermietern deutschlandweit. Die HOWOGE will ihr Wohnungsportfolio insbesondere durch Neubau mittel- bis langfristig auf rund 100.000 Wohnungen erweitern. Als Teil der Berliner Schulbauoffensive übernimmt die HOWOGE zudem für das Land Berlin Neubauten und Großsanierungen von Schulen.

Der rbb berichtete über das Projekt in einem Beitrag:
https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2022/10/berlin-buch-mehr-wohnungen-durch-aufstocken-howoge.html

www.howoge.de/

leben, bilden / 04.10.2022
Herbstferien - Ferien für kleine Forscher!

Bild: Gläsernes Labor
Bild: Gläsernes Labor

Forschen, Lernen und Staunen im Labor: In den Herbstferien gibt es noch freie Plätze in den Forscherferien im Gläsernen Labor für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren:


25.11.22 GEGEN DEN STROM

09:00 bis 16:00 Uhr

Wie müssen Boote gebaut sein, damit sie schnell sind und wenig Energie verbrauchen? Wie können Fische in der Tiefe tarieren? In einem Strömungskanal und einem Wasserbecken findet ihr die Lösungen heraus.

Für wen? Kinder von 9 bis 12 Jahren


02.11.22 1001 NACHT

09:00 bis 16:00 Uhr

Wer kennt sie nicht, die Abenteuer von Sindbad, Aladin und Ali Baba. Jede Nacht erzählte Scheherazade ihrem König eine Geschichte. Gehe auf Erkundungssuche, wo die Geschichten spielen. Erfahre, was die Wunderlampe eigentlich war. Nimm Wüstensand unter die Lupe. Beschwöre deine eigene Schlange. Lerne die Gewürze des Orients kennen und erfahre, welches davon das teuerste Gewürz der Welt ist. Anschließend bereitest du mit den Gewürzen ein Mittagessen vor.

Für wen? Kinder von 8 bis 10 Jahren


03.11.22 WENN DIE OHREN KLINGEN...

09:00 bis 16:00 Uhr

Wir haben zwei Ohren, warum? Und wie funktioniert eigentlich das Hören? Kann man Töne sichtbar machen? Am Vormittag erkunden wir das Feld der Akustik und am Nachmittag sind wir zu Besuch in der Musikschule Buch, um selbst verschiedenen Instrumenten Töne zu entlocken.

Für wen? Kinder von 6 bis 9 Jahren

 

forschen / 26.09.2022
Blick in einzelne Zellen: Prozesse der akuten Nierenschädigung aufgedeckt

Mikroskopische Aufnahme einer einzelnen menschlichen Nierenzelle. Credit: Human kidney cell, Gated-STED microscopy.Alison Dun, ESRIC
Mikroskopische Aufnahme einer einzelnen menschlichen Nierenzelle. Credit: Human kidney cell, Gated-STED microscopy.Alison Dun, ESRIC

Die akute Nierenschädigung ist eine häufige Komplikation bei unterschiedlichen Erkrankungen. Insbesondere Intensivpatient:innen sind betroffen. Die dazu führenden Mechanismen waren allerdings bislang nur wenig verstanden. Jetzt konnte ein interdisziplinäres Forschungsteam die molekularen Prozesse mithilfe der Einzelzell-Sequenzierung näher beleuchten. In den Fachmagazinen Genome Medicine* und Kidney International** zeigen sie molekulare Muster der geschädigten Nierenzellen auf, die zu neuen Ansätzen für künftige Diagnostik und Behandlung von Nierenschädigungen führen können. Derzeit ist eine Therapie nur eingeschränkt möglich. Die Studien sind in enger Kooperation zwischen der Charité – Universitätsmedizin Berlin mit dem Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des Max Delbrück Centers sowie mit dem Deutschen Rheuma-Forschungszentrum Berlin, ein Leibniz-Institut (DRFZ) und der Medizinischen Hochschule Hannover entstanden.

Blut, stabilisieren Wasserhaushalt und Blutdruck, beeinflussen den Energiestoffwechsel und stellen lebenswichtige Hormone her. Sind die Nieren funktionell eingeschränkt – wie etwa bei einer akuten Nierenschädigung – kann das schwerwiegende Folgen haben. „Die akute Nierenschädigung ist in der Klinik eine häufige und ernsthafte Komplikation bei schwerkranken Patient*innen, etwa die Hälfte der Intensivpatient*innen ist betroffen“, sagt Dr. Jan Klocke von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie und Internistische Intensivmedizin der Charité – Universitätsmedizin Berlin. „Die Problematik wird häufig unterschätzt. Eine akute Nierenschädigung ist mit einer erhöhten Sterblichkeit assoziiert, und Patientinnen und Patienten können bleibende Schäden davontragen bis hin zum kompletten Verlust der Nierenfunktion.“

Eine akute Nierenschädigung kann mit unterschiedlichsten Erkrankungen einhergehen. Sie tritt oftmals bei Herz-Kreislauferkrankungen oder schweren Infektionskrankheiten wie etwa COVID-19 auf, aber auch nach chirurgischen Eingriffen oder im Zusammenhang mit medikamentösen Therapien. Konkrete Behandlungsmöglichkeiten gibt es häufig nicht. „Wir versuchen betroffene Patient*innen zu stabilisieren, doch bislang ist es meist nicht möglich, die Schädigungsprozesse in der Niere medikamentös umzukehren“, sagt Dr. Christian Hinze, der eine der Studien maßgeblich an der Charité und in der Arbeitsgruppe von Professor Kai Schmidt-Ott am Max Delbrück Center betreut hat. Schmidt-Ott ist jetzt Direktor an der Klinik für Nephrologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), wo auch Hinze nun tätig ist. „Welche Mechanismen in den Nierenzellen ablaufen, darüber war bislang kaum etwas bekannt. Ziel unserer Studien war es, hier etwas Licht ins Dunkel zu bringen, mit dem langfristigen Ziel, in der Klinik künftig besser behandeln zu können“, sagt Hinze. Die Studien sind in enger Kooperation zwischen der Charité – Universitätsmedizin Berlin mit dem Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des Max Delbrück Centers sowie mit dem Deutschen Rheumaforschungszentrum und der MHH entstanden.

Auslöser für eine akute Nierenschädigung ist häufig eine unzureichende Blutversorgung der Niere. Dann erhalten die Zellen dort nicht mehr genügend Sauerstoff und Nährstoffe – sie reagieren mit Stress. Die Zellen gehen in eine Art Alarmmodus über und produzieren Signalstoffe, die im umliegenden Gewebe zu Entzündungs- und Umbauprozessen (Fibrose) führen. Aus Untersuchungen in Tiermodellen weiß man, dass Epithelzellen – Zellen, die die feinen Nierenkanälchen auskleiden – an diesen entzündlichen und fibrotischen Prozessen beteiligt sind. Das zeigten Untersuchungen mit Hilfe der sogenannten Einzelzell-Sequenzierung. Mit dieser modernen Methode kann der molekulare Zustand einer einzelnen Zelle präzise erfasst werden. Doch was passiert bei einer akuten Nierenschädigung auf zellulärer Ebene beim Menschen?

Dieser Frage sind die Teams um Dr. Hinze und Dr. Klocke in zwei nun veröffentlichten Studien nachgegangen. Sie gehören zu den ersten Arbeiten überhaupt, die die Prozesse der akuten Nierenschädigung mithilfe der Einzelzell-Sequenzierung in menschlichen Nierenzellen untersuchen. Dafür haben die Forschenden in Kooperation mit Professor Nikolaus Rajewsky am BIMSB Zellen aus Gewebeproben und Urin von über 40 Patient:innen untersucht und die molekularen Muster von mehr als 140.000 Zellen computergestützt analysiert und miteinander verglichen. „Mit der Einzelzell-Sequenzierung können wir quasi in jede Zelle hineinzoomen und sehen, welche Gene zu diesem Zeitpunkt in der Zelle aktiv sind“, erklärt Dr. Hinze. „Daran können wir erkennen, ob die jeweilige Nierenzelle gerade normal funktioniert, unter Stress steht oder dabei ist, abzusterben. Mit dieser hochmodernen Technik erhalten wir über die akute Nierenschädigung ein Verständnis in nie dagewesener Detailschärfe.“

So konnte das Team auch zeigen, dass verschiedene Zelltypen der Niere ganz unterschiedlich auf die akute Nierenschädigung reagieren. Die stärksten Antworten beobachteten sie in den Epithelzellen der Nierenkanälchen. Das sind die kleinsten Funktionseinheiten der Niere, die aus mehreren Abschnitten bestehen. Aus Tiermodellen wusste man, dass hauptsächlich Epithelzellen eines bestimmten Abschnitts von den Auswirkungen der akuten Nierenschädigung betroffen waren. Die Ergebnisse der vorliegenden Studien an menschlichen Nierenzellen ergaben nun aber, dass Epithelzellen nahezu aller Abschnitte der Nierenkanälchen in die Schädigungsprozesse involviert sind. „Das verdeutlicht noch einmal, wie wichtig es ist, dass wir humane Systeme untersuchen und besser verstehen lernen“, sagt Dr. Hinze. „In den verschiedenen Typen von Epithelzellen konnten wir bestimmte molekulare Muster identifizieren, die bei allen Patient:innen mit akuter Nierenschädigung vorkamen, jedoch mit individuell unterschiedlicher Häufigkeit. Diese Befunde könnten künftig dabei helfen, Risiken für schwere Krankheitsverläufe besser abschätzen zu können.“

Für die klinische Praxis wäre eine schnelle, nichtinvasive und präzise Untersuchungsmethode wünschenswert, die es ermöglicht, eine akute Nierenschädigung früh eindeutig zu diagnostizieren. Um dieser Zukunftsvision ein Stück näherzukommen, hat Dr. Klocke in Urinproben nach Epithelzellen gefahndet. Im Urin gesunder Menschen sind kaum Zellen zu finden. Doch bei einer akuten Nierenschädigung lösen sich Epithelzellen aus dem Gewebe der Nierenkanälchen und werden mit dem Urin ausgeschieden. Da aber Zellen im Urin nicht lange überleben, war zunächst unklar, ob die Zellen noch intakt sind und sich ihr molekularer Status quo mittels Einzelzell-Sequenzierung überhaupt messen lässt. „Wir haben die Urinproben binnen vier bis sechs Stunden verarbeitet, und es hat tatsächlich sehr gut funktioniert“, sagt Dr. Klocke. Die Forschenden konnten bestimmen, aus welchem Abschnitt der Nierenkanälchen die Zellen stammten und welche genetischen Programme sie als Antwort auf die Nierenschädigung aktiviert hatten. „Die Informationen, die die Zellen aus den Urinproben lieferten, stimmten mit denen der entsprechenden Zellen aus Gewebeproben gut überein“ sagt Dr. Klocke. „Somit verfügen wir mit dem Urin über eine unkomplizierte und nicht invasive Methode, um an Probenmaterial für weiterführende Untersuchungen zu kommen – um Biomarker auszumachen und so auf lange Sicht vielleicht Nierenbiopsien reduzieren oder ganz ersetzen zu können.“

Mit den beiden aktuellen Studien lieferte das Forschungsteam gänzlich neue Einblicke in die zellulären Mechanismen bei akuter Nierenschädigung sowie vielversprechende Ansätze für künftige Diagnoseverfahren und personalisierte Therapien. In weiterführenden Studien wollen sie eine größere Zahl an Patient:innen aufnehmen, die Ausprägungen der Zellantworten bei unterschiedlichen Grunderkrankungen untersuchen sowie grundlegende molekulare Mechanismen bei akuter Nierenschädigung mit Hilfe von Zellkulturen weiter aufdecken.

Weiterführende Informationen

Literatur
Christian Hinze et al. (2022): “Single-cell transcriptomics reveals common epithelial response patterns in human acute kidney injury”; Genome Med. DOI: s13073-022-01108-9
Jan Klocke et al. (2022): “Urinary single-cell sequencing captures intrarenal injury and repair processes in human acute kidney injury”; Kidney Int. DOI: 10.1016/j.kint.2022.07.032

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (Max Delbrück Center) gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 70 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organ-übergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das Max Delbrück Center fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am Max Delbrück Center arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete Max Delbrück Center zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

www.mdc-berlin.de

Über die Charité – Universitätsmedizin Berlin

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin ist mit rund 100 Kliniken und Instituten an 4 Campi sowie 3.099 Betten eine der größten Universitätskliniken Europas. Forschung, Lehre und Krankenversorgung sind eng miteinander vernetzt. Mit Charité-weit durchschnittlich 17.615 und konzernweit durchschnittlich 20.921 Beschäftigten gehört die Berliner Universitätsmedizin auch 2021 zu den größten Arbeitgebern der Hauptstadt. Dabei waren 5.047 der Beschäftigten in der Pflege und 4.988 im wissenschaftlichen und ärztlichen Bereich sowie 1.265 in der Verwaltung tätig. An der Charité konnten im vergangenen Jahr 123.793 voll- und teilstationäre Fälle sowie 682.731 ambulante Fälle behandelt werden. Im Jahr 2021 hat die Charité Gesamteinnahmen von rund 2,3 Milliarden Euro, inklusive Drittmitteleinnahmen und Investitionszuschüssen, erzielt. Mit 215,8 Millionen Euro eingenommenen Drittmitteln erreichte die Charité 2021 einen erneuten Rekord. An einer der größten medizinischen Fakultät Deutschlands werden mehr als 9.000 Studierende in Human- und Zahnmedizin sowie Gesundheitswissenschaften und Pflege ausgebildet. Darüber hinaus werden 730 Ausbildungsplätze in 11 Gesundheitsberufen sowie 111 in 8 weiteren Berufen angeboten. Die Berliner Universitätsmedizin setzt Akzente in den Forschungsschwerpunkten: Infektion, Inflammation und Immunität einschließlich Forschung zu COVID-19, Kardiovaskuläre Forschung und Metabolismus, Neurowissenschaften, Onkologie, Regenerative Therapien sowie Seltene Erkrankungen und Genetik. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité arbeiten unter anderem in 28 DFG-Sonderforschungsbereichen, darunter sieben mit Sprecherfunktion, in drei Exzellenzclustern, davon eines mit Sprecherschaft, 10 Emmy Noether-Nachwuchsgruppen, 14 Grants des European Research Councils und 8 europäischen Verbundprojekten mit Charité-Koordination.
Forschung an der Charité

Sonderforschungsbereich Nephroprotektion

Die beiden Studien sind im Kontext des durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderten Sonderforschungsbereichs SFB 1365 „Nephroprotektion“ entstanden. Das interdisziplinäre Forschungskonsortium zielt darauf ab, übergeordnete Schädigungsmechanismen, die bei akuter Nierenschädigung sowie chronischer Nierenerkrankung eine Rolle spielen, besser zu verstehen und mögliche therapeutische Ansatzpunkte zu identifizieren.

Foto: Mikroskopische Aufnahme einer einzelnen menschlichen Nierenzelle. Credit: Human kidney cell, Gated-STED microscopy.Alison Dun, ESRIC (Edinburgh Super-Resolution Imaging Consortium).Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)

Quelle: Gemeinsame Pressmeldung des Max Delbrück Centers und der Charité – Universitätsmedizin Berlin
Blick in einzelne Zellen: Prozesse der akuten Nierenschädigung aufgedeckt

forschen, produzieren, heilen, bilden / 26.09.2022
Karriere in den Life Sciences

Dr. Uwe Lohmeier leitet die Akademie des Gläsernen Labors (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)
Dr. Uwe Lohmeier leitet die Akademie des Gläsernen Labors (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)

Die Akademie des Gläsernen Labors (GLA) gibt Überblick über Industrieprozesse, vermittelt Management-Skills und trainiert aktuelle Labortechnologien. Ein Interview mit dem Leiter der GLA, Dr. Uwe Lohmeier
 

Herr Dr. Lohmeier, an wen richten sich die Fort- und Weiterbildungen der Akademie des Gläsernen Labors auf dem Wissenschafts- und Biotech-Campus Berlin-Buch?

Unsere Zielgruppen kommen vorwiegend aus den Life Sciences und der medizinischen Biotechnologie. Es sind junge akademische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Technische Angestellte (TAs) und Laborfachkräfte. Wir vermitteln zum Beispiel in unseren Summer Schools einen Überblick über die Prozesse der Arzneimittelentwicklung und -herstellung für Forschende, die in dieses Thema einsteigen oder in die Industrie wechseln wollen. TAs und Laborfachkräften bieten wir die Möglichkeit, mit den Entwicklungen in der molekularbiologischen Forschung und Biotechnologie Schritt zu halten. In ihren Kursen geht es um Labor-4.0-Themen wie Digitalisierung, Automatisierung und Miniaturisierung und CrisprCas oder Epigenetik.

Wie entstehen die Kurse der GLA?

Als Einrichtung des Campus entwickeln wir die Kurse unter anderem gemeinsam mit Forscher:innen des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft und des Leibniz-Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie und passen unser Programm ständig dem Bedarf an. Wir beziehen bei der Konzeption und Zertifizierung auch Berufsverbände wie den Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie, den TÜV Rheinland oder Behörden wie das LAGeSo Berlin ein. Ebenso fließen die Anforderungen von Unternehmen im BiotechPark ein, deren Beschäftigte wir fortbilden.

Was zeichnet die Akademie-Kurse aus?

Unsere Kurse und Summer Schools sind kompakt, lassen aber genügend Zeit für Diskussionen und Erfahrungsaustausch, da dies sehr produktive Elemente sind, insbesondere, wenn Teilnehmende aus verschiedensten Bereichen aufeinandertreffen. Fast alle Kurse für Wissenschaftler:innen finden auf Englisch statt, die für TAs und Laborant:innen grundsätzlich auf Deutsch. Wir vermitteln Laborfachkräften Technologien praxisorientiert, sodass die Mitarbeiter:innen die Inhalte in ihrem Laboralltag anwenden und in ihre Arbeitsgruppe weitertragen können. Der große Kurshefter vom Fachkraftkurs für Molekularbiologie steht wohl in einigen Laboren als das Nachschlagewerk für viele Labortechnologien. Weil wir auf dem Campus eng vernetzt sind, gewinnen wir viele sehr gute Dozent:innen aus den hiesigen Forschungseinrichtungen und Unternehmen – dieses Potenzial ist eine weitere Besonderheit. Hervorzuheben ist auch, dass wir nicht gewinnorientiert arbeiten müssen und daher günstige Preise bieten können.

Welche neuen Kurse stehen auf dem Programm?

Für Wissenschaftler:innen haben wir einen eintägigen Online-Kurs zum „Scientific Ressource Management“ entwickelt. TAs können am neuen Seminar „Bioinformatik im Labor 4.0“ teilnehmen. Für Projektleiter:innen und Beauftragte für Biologische Sicherheit bieten wir ab jetzt einen zweitägigen Online-Grundkurs.

Was vermittelt der Kurs „Scientific Ressource Management“?

Er vermittelt Wissen und Methoden für das professionelle Management von Forschungsinfrastrukturen, Technologieplattformen und wissenschaftlichen Core Facilities wie zum Beispiel für Genomics oder Mikroskopie. Die Teilnehmenden lernen von erfahrenen Führungskräften, wie Forschungsprojekte und Infrastrukturen aus betriebswirtschaftlicher Sicht entwickelt, aufgebaut und unterhalten werden: Wie sieht ein Geschäftsmodell aus, das ein Gleichgewicht zwischen gemeinnütziger Forschungszusammenarbeit und gewinnorientierten Forschungsdienstleistungen herstellt? Wie regelt man die Nutzung von Ressourcen in Gemeinschaftslaboren? Hier gilt es, gemeinsame Businesspläne aufzustellen und die Nutzung der Ressourcen bzw. entsprechende Berechtigungen auszuhandeln. Wer an einer Führungsposition in der wissenschaftlichen Forschung interessiert ist oder ein eigenes Unternehmen gründen möchte, erhält mit dem Kurs „Scientific Ressource Management“ einen wichtigen Einblick in die Prozesse und Erfordernisse.

Was bietet der neue Bioinformatikkurs für TAs?

Auf vielfachen Wunsch führen wir damit einen Teil unseres ehemaligen Kurses „Digital Life Sciences“ weiter. In Vorträgen und Workshops geben wir an einem Tag einen Überblick über aktuelle Trends in der Bioinformatik, bieten praktische Übungen mit Biodatenbanken und führen in das Next Generation Sequencing ein. Das Seminar vermittelt ein grundlegendes Verständnis für die zunehmend komplexe Datenlandschaft und gibt gleichzeitig praktisches Wissen an die Hand, das am Arbeitsplatz angewendet werden kann.

Dem Aktualisierungskurs für Projektleiter und Beauftragte für Biologische Sicherheit folgt jetzt ein zweitägiger Grundkurs zu diesem Thema.

Die Aktualisierungskurse liefen sehr erfolgreich und wurden auch von vielen Campusfirmen genutzt. Aufgrund der Nachfrage haben wir einen Grundkurs konzipiert, der ebenfalls online durchgeführt wird und fast dasselbe Dozentenpanel hat. Der Kurs bildet künftige Projektleiter:innen bzw. Beauftragten für Biologische Sicherheit in Deutschland im Sinne des § 28 der aktuellen Gentechnik Sicherheitsverordnung (GenTSV) aus. Er wird vom LAGeSo Berlin anerkannt, zertifiziert und geprüft. Die Fortbildung bietet Impulsvorträge und Fallbeispiele, thematisiert gesetzliche Anforderungen an die Sicherheitsmaßnahmen bei gentechnischen Arbeiten in den unterschiedlichen Sicherheitsstufen.

Welche Pläne hat die GLA für das kommende Jahr?

Wir sehen einen immensen Weiterbildungsbedarf zum Labor 4.0, für den wir noch weitere passende Angebote schaffen werden. Die TAs rein an der Cleanbench mit Pipette – das reicht bei weitem nicht mehr. Um sich einen Karrierevorsprung zu verschaffen, ist eine Weiterbildung in modernen Technologien und Nachhaltigkeit wichtig. Im Juni steht auch wieder ein umfassender Weiterbildungstag für TAs an, mit Vorträgen, Workshops, Methodentrainings, Networking und Laborführungen, die man individuell zusammenstellen kann. Die Teilnahme kann jetzt schon gebucht werden.

Wenn 2023 unser neues Gründerzentrum BerlinBioCube eröffnen wird, planen wir eine Reihe „Talk im Cube“ zu etablieren, die spannende Themen auf die Agenda bringen und das Networking befördern soll. Wir wünschen uns, dass daraus ein fixer Termin im Kalender der Start-ups und Akteure auf dem Campus wird.


Interview: Christine Minkewitz

 

Die Akademie des Gläsernes Labors schult in berufsbegleitenden Weiterbildungen und Orientierungskursen Laborkräfte und Wissenschaftler:innen. Gemeinsam mit der TÜV Rheinland-Akademie, dem Bundesverband Pharmazeutischer Industrie, dem VBIO, zahlreichen Biotech- und Pharmaunternehmen und anderen Partnern werden dazu zertifizierte Labor- und Trainingskurse zu Themen der Life Sciences angeboten.
 

Dr. Uwe Lohmeier hat an der Freien Universität Berlin Biologie studiert und nach seinem erfolgreichen Diplomabschluss erste Erfahrungen mit klinischen Studien an einem Berliner Auftragsforschungsinstitut gesammelt. Nach seiner Promotion an der TU München im Bereich Phytopathologie trat er eine Stelle in der Klinischen Qualitätssicherung bei der Schering AG, später Bayer AG, an. Dort arbeitete er fast 15 Jahre lang als leitender Angestellter und kennt alle Prozesse der klinischen Arzneimittelentwicklung – bis hin zur behördlichen Inspektion. Seit 2017 leitet er die Akademie des Gläsernen Labors, wo er seine Expertise in beiden Welten – in der akademischen Forschung und in der pharmazeutischen Industrie – einbringt.

 

www.glaesernes-labor-akademie.de

forschen, heilen / 22.09.2022
Vorhersage aus dem Blut: Metabolomanalyse verrät Risiko für mehrere Krankheiten gleichzeitig

Gemeinsame PRESSEMITTEILUNG des BIH in der Charité und der Charité– Universitätsmedizin Berlin

Um Krankheiten vorzubeugen, ist es wichtig, dass Menschen, die ein besonders hohes Risiko tragen, möglichst früh entdeckt werden. Die derzeitigen Vorsorgeuntersuchungen sind jedoch oft aufwändig und auf einzelne Krankheiten beschränkt. Wissenschafter*innen vom Berlin Institute of Health in der Charité (BIH), der Charité – Universitätsmedizin Berlin und vom University College London haben nun Blutwerte von 168 Stoffwechselprodukten (Metaboliten) sowie die Krankengeschichte von über 100.000 Menschen ausgewertet. So konnten sie mithilfe von künstlicher Intelligenz das Risiko für mehrere Krankheiten gleichzeitig berechnen und aufzeigen, wo sich eine frühzeitige Intervention lohnen könnte. Ihre Ergebnisse haben sie in der Zeitschrift Nature Medicine veröffentlicht.

Vorbeugen ist besser als heilen: Dieses Motto im Hinterkopf hatten die Wissenschaftler*innen vom BIH, von der Charité und vom University College London, als sie Einblick in den riesigen Datenschatz der UK Biobank erhielten. Die britische Studie verfolgt seit über 15 Jahren das Schicksal von mehr als 500.000 Teilnehmer*innen. Weil alle Briten seit den 90er Jahren eine elektronische Patientenakte besitzen, lässt sich hier – pseudonym – die Entwicklung von Krankheiten über lange Zeiträume beobachten.

Kürzlich hatte die UK Biobank ein immenses Datenpaket veröffentlicht: Die zum Teil über 15 Jahre alten, tiefgekühlten Blutproben der Teilnehmer*innen waren mittels Kernspinspektroskopie auf ihren Gehalt von 168 Stoffwechselprodukten untersucht worden. Die Methode gilt als zuverlässig, einfach umzusetzen und relativ günstig. Gemessen werden Substanzen wie Cholesterin oder Blutzucker, aber auch Moleküle, die weniger bekannt sind und auch seltener bei Blutuntersuchungen bestimmt werden. „Jüngste Studien haben gezeigt, dass einzelne Stoffwechselprodukte – oder Metaboliten – für die Entwicklung einer Vielzahl von Krankheiten relevant sind. Wir haben vermutet, dass die Kombination mehrerer verschiedener Metaboliten Hinweise auf das Risiko für verschiedene Krankheiten gleichzeitig liefern könnte. Und das wollten wir untersuchen“, erklärt Jakob Steinfeldt, Assistenzarzt an der Medizinischen Klinik für Kardiologie am Charité Campus Benjamin Franklin.

Mit Künstlicher Intelligenz Krankheitsrisiko berechnet

Die Wissenschaftler*innen untersuchten daraufhin gemeinsam mit Kolleg*innen vom Digital Health Center des BIH die Daten der Teilnehmer*innen auf 24 häufige Krankheiten, darunter Stoffwechselstörungen wie Diabetes, Herz-Kreislaufleiden wie Herzinfarkt und Herzmuskelschwäche, aber auch neurologische Krankheiten wie Parkinson, Muskelerkrankungen oder verschiedene Krebsleiden. Für jede der 24 Krankheiten ermittelten sie zunächst, welche Teilnehmer*innen im Verlauf der Studie daran erkrankt waren und kombinierten dies anschließend mit der Zusammensetzung der Metaboliten im Blutserum, dem Metabolom, das vor Ausbruch der Krankheit entnommen worden war. Daraus errechneten sie mithilfe von Künstlicher Intelligenz ein Modell, das die Wahrscheinlichkeit, mit der eine bestimmte Metaboliten-Kombination im Blut eine zukünftige Krankheit vorhersagt, berechnet.

„Wir haben die Metaboliten-Profile auf ihre Vorhersagekraft geprüft und mit herkömmlichen Methoden zur Risikoberechnung verglichen“, berichtet Thore Bürgel, Doktorand im Digital Health Center des BIH und gemeinsam mit Jakob Steinfeldt Erstautor der Veröffentlichung. „Dabei hat sich gezeigt, dass die Profile die Risikovorhersage für die Mehrheit der untersuchten Krankheiten verbesserten, wenn wir sie mit der Information über das Alter und das biologische Geschlecht der Teilnehmenden kombinierten.“

Ziel: Rechtzeitig das Risiko erkennen und vorbeugen

So konnte die Kombination aus Alter, biologischem Geschlecht und Metabolom das Risiko für Diabetes oder eine Herzmuskelschwäche besser vorhersagen als etablierte Risikomodelle, die auf einer herkömmlichen Bestimmung des Blutzuckers oder des Cholesterins im Blut basieren. Mit Kosten von unter 20 Euro ist die Untersuchung des Metaboloms zudem relativ günstig. „Das ist deshalb interessant, weil wir mit dem Metabolom das Risiko für viele Krankheiten gleichzeitig abschätzen können“, erklärt Professor Ulf Landmesser, Direktor der Medizinischen Klinik für Kardiologie am Charité Campus Benjamin Franklin. „Natürlich würden wir nach einer „Risikowarnung“ aufgrund von Auffälligkeiten im Blut den Patienten oder die Patientin weiter untersuchen, bevor wir eingreifen. Dennoch ist das genau die Richtung, in die wir auch mit dem neuen Friede Springer Kardiovaskulären Präventionszentrum gehen wollen: Die Menschen motivieren, sich ab einem bestimmten Alter regelmäßig untersuchen zu lassen, um im Falle eines Falles rechtzeitig vorbeugen zu können.“ Und er fügt hinzu: „Bei ihrem Auto machen die meisten das ja auch.“

Die Wissenschaftler*innen gingen nun mit ihrem Modell noch einen Schritt weiter und berechneten, welche Grenzwerte sich für präventive Eingriffe eignen könnten. Konkret: Bei welchen Schwellenwerten könnten mit der neuen Methode am besten Menschen identifiziert werden, um sie beispielsweise durch den Einsatz von Medikamenten vor einer Herzmuskelschwäche zu bewahren? „Auch hier haben wir gesehen, dass die Metabolomanalyse kombiniert mit der Information über Alter und biologischem Geschlecht gleichwertig oder sogar besser als herkömmliche Analysen darin war, Menschen zu identifizieren, die von einem präventiven Eingreifen in Form von Medikamenten oder einer Änderung des Lebensstils profitieren könnten“, sagt Professor Roland Eils, Gründungsdirektor des Digital Health Center des BIH in der Charité. Und er fügt hinzu: „Wir haben unser Modell anschließend in vier weiteren großen Bevölkerungsstudien aus den Niederlanden und Großbritannien erfolgreich validieren können, was darauf hinweist, dass unsere Modelle breit anwendbar sind.“

Offen zugängliche Daten ermöglichen Studie

Ebenfalls eng eingebunden in die Arbeit war Professor John Deanfield, Kardiologe vom University College London. Als Einstein BIH Visiting Fellow, finanziert von der Stiftung Charité, besucht er seinen Gastgeber Ulf Landmesser regelmäßig in Berlin, umgekehrt waren Ulf Landmesser und Roland Eils bei ihm in London. Beide betonen: „Wissenschaft überwindet Grenzen zwischen Ländern und Fachdisziplinen. Die Verbindung nach London, gepaart mit der großen Offenheit der UK Biobank, ihre Daten weltweit für Studien zur Verfügung zu stellen, hat uns diese großartige Arbeit ermöglicht.“

 

ERC Advanced Grants
Die Förderlinie Advanced Grants ist eines von derzeit fünf Forschungsförderungsprogrammen des Europäischen Forschungsrates (European Research Council – ERC). Unterstützt werden etablierte Spitzenforscherinnen und -forscher mit mehr als zehnjähriger Erfahrung und einer prägenden Rolle in ihrem Forschungsgebiet bei der Realisierung exzellenter, selbst initiierter Forschungsprojekte. Die Förderung umfasst in der Regel rund 2,5 Millionen Euro, bei einer Laufzeit von fünf Jahren. Die Summe kann aber auch auf bis zu 3,5 Mio. Euro erhöht werden.

Europäischer Forschungsrat
Der Europäische Forschungsrat ist 2007 von der Europäischen Union eingerichtet worden und ist die erste europäische Förderorganisation für exzellente Pionierforschung. Jedes Jahr wählt und finanziert er die besten und kreativsten Forschenden jeder Nationalität und jeden Alters, um Projekte mit Sitz in Europa zu unterstützen. Der ERC fördert in vier Kernprogrammen: Starting, Consolidator, Advanced und Synergy Grants. Mit seinem zusätzlichen Proof-of-Concept-Grant-Programm ermöglicht er Stipendiaten, die Lücke zwischen ihrer Pionierforschung und den frühen Phasen der weiteren Nutzung zu schließen.

Thore Buergel, Jakob Steinfeldt, Greg Ruyoga, Maik Pietzner, ……John Deanfield, Roland Eils, Ulf Landmesser: „ Metabolomic profiles predict individual multi-disease outcomes “ Nature Medicine 2022 DOI 10.1038/s41591-022-01980-3

bih-charite.de

bilden / 22.09.2022
Rückschlag für Schulsanierungen und –neubauten in Pankow

Schulstadträtin Dominique Krössin zu den Auswirkungen der Investitionsplanung des Senats

Die vom Senat beschlossene Investitionsplanung für die Jahre 2022-26 wird die Versorgung mit Schulplätzen in Pankow weiterhin verschärfen.

Schon jetzt besteht im Bereich der weiterführenden Schulen eine Überbelegung von etwa 2.900 Plätzen, was zu übervollen Klassen führt. Das Schulplatzdefizit insgesamt ist höher. Jährlich müssen immer mehr Pankower Schülerinnen und Schüler – besonders im Oberschulbereich – durch andere Bezirke versorgt werden und längere Schulwege in Kauf nehmen. Ohne wirksame Gegenmaßnahmen wird das Schulplatzdefizit im Sekundarbereich I in den kommenden Jahren auf bis zu 7.000 Schulplätze anwachsen. Durch ausbleibende Großsanierungen an maroden Schulstandorten kommen nochmal bis zu 3.500 Schulplätze hinzu, die dem Bezirk fehlen, um eine angemessene schulische Versorgung zu sichern.

Der Entwurf der Investitionsplanung sah für Pankow eine Verschiebung von 29 Sanierungsmaßnahmen um bis zu fünf Jahre vor. Ziel dieser Maßnahmen ist sowohl der Erhalt von ca. 6.500 Schulplätzen, als auch die Erhöhung der Schulplatzkapazität um 1.200 Plätze.

Bezirk hat Widerspruch eingelegt, priorisiert und neu eingereicht

Der Bezirk Pankow hat gegen diesen Entwurf der Investitionsplanung Widerspruch eingelegt, neun Sanierungsmaßnahmen sowie den Bau von sogenannten Schuldrehscheiben priorisiert und erneut eingereicht.

Erst nach der Befassung der Senatsvorlage im Rat der Bürgermeister wurde den Bezirken Gespräche mit der Senatsverwaltung für Finanzen angeboten. Für Pankow wurde mitgeteilt, dass die Gesamtsumme gedeckelt bleibt. Dieser Vorgabe entsprechend hat der Bezirk erneut Widerspruch eingelegt und vorgeschlagen, die für die Planjahre 2024 -2026 vorgegebenen Summen jährlich einzuhalten, indem die Raten einzelner Bauvorhaben gekürzt würden. Auf diese Weise sollen Maßnahmen beginnen  können, um bereits aufgewendete Planungskosten nicht erneut finanzieren zu müssen.

Folgende fünf Schulbaumaßnahmen, bei denen verlorene Planungskosten drohen, waren am 6. September erneut angemeldet worden: Grundschule am Planetarium, Gustave-Eiffel-Schule, Gymnasium am Europasportpark, Rosa-Luxemburg-Gymnasium und Max-Delbrück-Gymnasium

Durch diese Maßnahmen würden 688 Plätze zusätzlich geschaffen und 3.170 durch Sanierung erhalten, denn drei der o.g. Schulen droht die kurzfristige Sperrung bzw. Teilsperrung von Gebäuden, da sie seit bis zu 30 Jahren auf die Sanierung warten.

Trotz Einhaltung des Finanzrahmens bleiben wichtige Sanierungen unberücksichtigt

Obwohl sich der Bezirk an den vorgegebenen Finanzrahmen gehalten und seine Sanierungsvorhaben noch einmal priorisiert hat, bleiben die Sanierung des Gymnasiums am Europasportpark, des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums und des Max-Delbrück-Gymnasium weiterhin unberücksichtigt.

Außerdem wurden der Neubau von Sportanlagen und die dringend benötigten drei sogenannten Drehscheibenstandorte verschoben.  Diese wären als Ausweichobjekte für Sanierungen dringend nötig.

Dominique Krössin, Bezirksstadträtin für Schule, Sport, Weiterbildung und Kultur (LINKE): „Seit Bekanntwerden des Senatsbeschlusses zur Investitionsplanung 2022-26 haben sich zahlreiche Schulleitungen und Elternvertretungen an mich gewandt und ich teile die Sorge der Pankower Familien. Der Bezirk erlebt durch den Beschluss eine dramatische Verkennung der Sanierungsproblematik, die zu Lasten der Schüler.:innen, der Pädagog:innen, der Bildungs- und Erziehungsqualität und letztlich auch der öffentlichen Finanzen gehen wird. Ich werde deshalb umgehend die im Senatsbeschluss aufgezeigte Möglichkeit der Antragstellung für besondere Notfälle nutzen. Es muss dennoch leider abgewartet werden, wann der versprochene Fokus auf neue Schulstandorte seine Früchte in Pankow tragen wird: Aktuell ist keiner der 13 angemeldeten Schulneubauten mit Sekundarstufe einer Baudienststelle zugeteilt und damit finanziell gesichert. Die Schulplatzversorgung kann in Pankow nur durch zeitnahe Sanierung und Neubau von Schulen garantiert werden. “

forschen / 21.09.2022
Maike Sander erhält den Albert-Renold-Preis 2022

Professorin Maike Sander (Foto: Peter Himsel)
Professorin Maike Sander (Foto: Peter Himsel)

Die künftige Wissenschaftliche Vorständin des Max Delbrück Centers wurde für ihre wegweisende Diabetesforschung ausgezeichnet. Ihr Team analysiert die Entwicklung und Funktion insulin-produzierender Beta-Zellen. Diese Zellen aus Stammzellen zu erzeugen, ebnet den Weg für therapeutische Anwendungen.

Um ihre herausragenden Leistungen in der Erforschung der Langerhans-Inseln anzuerkennen, hat die European Society for the Study of Diabetes (EASD) Professorin Maike Sander den Albert-Renold-Preis 2022 verliehen. Den Preis hat die künftige Wissenschaftliche Vorständin des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (Max Delbrück Center) am 20. September 2022 auf der EASD-Jahrestagung in Stockholm entgegengenommen. Die EASD ist eine der größten internationalen Diabetes-Gesellschaften und erwartet mehr als 12.000 Konferenz-Teilnehmer*innen.

„Dieser Preis ist eine große Ehre. Ich habe das Glück, mit hervorragenden Nachwuchsforscherinnen und -forschern zusammenzuarbeiten, die diese Anerkennung wirklich verdienen. Ich danke außerdem allen Kooperationspartner*innen für ihren Einfallsreichtum und ihre Unterstützung“, sagt Sander. 

Eine Stammzelltherapie für Diabetes

Die insulin-produzierenden Beta-Zellen sind in den Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse zu finden und spielen eine zentrale Rolle bei der Kontrolle des Blutzuckerspiegels. Bei Typ-1 Diabetes zerstört das Immunsystem die Betazellen, bei Typ-2 Diabetes dagegen verlieren die Betazellen ihre Funktion und verursachen so einen Insulinmangel. Betazellen zu regenerieren oder zu ersetzen, könnte für beide Formen von Diabetes ein Therapieansatz sein.

Die molekularen Mechanismen aufzuklären, die die Entwicklung und die volle Funktion der Betazellen gewährleisten, ist ein zentrales Thema von Sanders Forschung. „Meine Arbeitsgruppe hat mehrere wichtige Faktoren identifiziert, die unreifen fötalen Zellen das Signal geben, zu Betazellen zu werden und Insulin zu produzieren“, erklärt Sander. Dieses Wissen diente ihrem Team als Blaupause, um aus menschlichen pluripotenten Stammzellen Betazellen herzustellen. Derzeit optimieren die Forscherinnen und Forscher die Methode; Biotech- und Pharmaunternehmen entwickeln zudem Technologien für klinische Anwendungen der aus Stammzellen gewonnenen Betazellen. „Es ist sehr ermutigend, dass unsere Arbeit die Grundlage für erste klinische Studien ist“, sagt Sander. „Ich hoffe, dass bald eine Stammzelltherapie realisiert wird.“

Allerdings liegt noch viel Arbeit vor den Forscher*innen. Obwohl die aus Stammzellen gewonnen Betazellen Insulin ausschütten, tun sie das nicht auf genau dieselbe Art und Weise wie in der menschlichen Bauchspeicheldrüse. Sanders Arbeitsgruppe nutzt nun Einzelzelltechnologien, um die molekularen Unterschiede zu verstehen. Das Team hat außerdem angefangen, andere Zelltypen in die Stammzell-Langerhans-Inseln zu integrieren – zum Beispiel Blutgefäß-Zellen. Diese Zelltypen sind normalerweise unmittelbar benachbart und erzeugen wichtige Signale. Indem die Wissenschaftler*innen die natürliche Mikroumgebung in den Stammzell-Inseln nachbilden, will Sanders Team ein geeignetes Modell schaffen, um menschliche Beta-Zellen zu analysieren und die Mechanismen von Diabetes in der Petrischale aufzuklären.

„Noch ist nicht geklärt, wie man Menschen aus Stammzellen gewonnene Betazellen transplantieren und im Körper vor der Abstoßung schützen kann“, ergänzt Sander. „Um Antworten auf diese Fragen zu finden, müssen Wissenschaft und Industrie intensiv zusammenarbeiten.“

Zu Maike Sander

Sander ist Direktorin des Pediatric Diabetes Research Center an der University of California in San Diego. Dort hat sie auch eine Professur für Pädiatrie und Molekular- und Zellmedizin inne. Ab dem 1. November 2022 übernimmt Sander den Wissenschaftlichen Vorstand des Max Delbrück Centers und eine Professur an der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Sander ist gewähltes Mitglied der Leopoldina, der Vereinigung amerikanischer Ärztinnen und Ärzte (Association of American Physicians) und der American Society of Clinical Investigation. Sie ist Preisträgerin des Grodsky-Preises des Juvenile Diabetes Research Foundation, und des Forschungspreises der Alexander von Humboldt-Stiftung. Seit 2019 ist Maike Sander Einstein Visiting Fellow am Berlin Institute of Health in der Charité (BIH).

Weiterführende Informationen

EASD 2022

Maike Sander leitet künftig das Max Delbrück Center

 

forschen / 20.09.2022
Aggressive Krebszellen schachmatt setzen

Dreidimensionale Kultur menschlicher Brustkrebszellen, mit blau gefärbter DNA und einem grün gefärbten Protein in der Zelloberflächenmembran (© NCI Center for Cancer Research, National Cancer Institute, National Institutes of Health)
Dreidimensionale Kultur menschlicher Brustkrebszellen, mit blau gefärbter DNA und einem grün gefärbten Protein in der Zelloberflächenmembran (© NCI Center for Cancer Research, National Cancer Institute, National Institutes of Health)

Trotz Chemo- oder Strahlentherapie überleben BRCA1/2-mutierte Tumorzellen oft. Es gelingt ihnen, therapiebedingte DNA-Schäden zu reparieren. Wie eine Blockade des Proteins TSG101 sie daran hindert, darüber berichtet ein Team um Claus Scheidereit vom Max Delbrück Center nun im „EMBO Journal“.

Um Einzel- oder Doppelstrangbrüche an der DNA zu beheben, die durch Umweltgifte, Chemotherapien oder ionisierende Strahlung entstanden sind, hat jede Zelle einen „Werkzeugkasten“ parat – mit zwei unterschiedlichen Tools. Das eine besteht aus den Reparaturgenen BRCA1 und BRCA2. Das andere ist ein Enzym namens PARP1, eine Poly-(ADP-Ribose)-Polymerase. Sowohl gesunde als auch entartete Zellen nutzen diese Werkzeuge. Sie bewirken im Endeffekt das gleiche und können sich gegenseitig ersetzen. Gelingt die DNA-Reparatur nicht, weil die Schäden zu massiv sind, leitet die Zelle ihr Selbstmordprogramm ein – die Apoptose – und zerstört sich selbst. Darauf zielen Krebsbehandlungen ab.

Menschen, die Träger von Genmutationen an BRCA1 und/oder BRCA2 sind, haben ein sehr hohes Risiko für bestimmte Tumorarten, allen voran für Brust-, Eierstock- und Prostatakrebs. Ihnen fehlt eines dieser Werkzeuge – deshalb entstehen öfter Krebszellen. Zwar haben auch diese Tumorzellen nur ein Tool zur Verfügung, um ihr Überleben zu sichern: PARP1. Dennoch sind gerade BRCA1/2 assoziierte Tumore meist sehr aggressiv und schwer behandelbar. Forschende um Professor Claus Scheidereit vom Max Delbrück Center und Letztautor der Studie, haben sich deshalb den Signalweg, der das Enzym PARP1 aktiviert, genau angesehen. Dabei entdeckten sie einen Weg, dieses Werkzeug gezielt unbrauchbar zu machen.

Um nach DNA-Schäden die Apoptose zu verhindern, springt der NF-κB-Signalweg an. Er initiiert im Zellkern das Ablesen von Genen, die letztlich PARP1 aktivieren, sodass die Zelle den Schaden beheben kann. Ahmet Tufan, Erstautor der Studie, screente zusammen mit Katina Lazarow vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) das gesamte menschliche Erbgut nach Genen, die diesen Signalweg steuern, indem er Gen für Gen einzeln ausschaltete. Dazu schleuste er zunächst ein „Mess-Gen“ in das Genom ein, das den Bauplan für ein fluoreszierendes Protein liefert. „Wenige Stunden nachdem das zugegebene Chemotherapeutikum Etoposid DNA-Schäden verursacht hat, leuchten die Zellen grün auf, weil NF-κB aktiviert wird“, erklärt Tufan. Sehr, sehr viele der Proben für die 20.000 Gene leuchteten – einige aber nicht. Denn in diesen war offenbar ein Gen ausgeschaltet, das für den Signalweg wichtig war.

Die Reparatur mit PARP1 verhindern

Doch welches? Infrage kamen ein paar Tausend Kandidatengene – schließlich werden über den NF-κB-Signalweg eine ganze Reihe von Zellfunktionen gesteuert, etwa die Immunantwort. „Bioinformatisch haben wir zunächst die aussortiert, die reguläre Aufgaben im Zellhaushalt erfüllen und die verbleibenden 500 Gene der gleichen Prozedur noch einmal unterzogen.“ Das Team setzte erneut Etoposid ein, um DNA-Schäden hervorzurufen. „Jeweils parallel haben wir das Zytokin TNF-alpha genutzt, was auch diesen Signalweg aktiviert, aber nur bei Entzündungen ins Spiel kommt“, sagt Claus Scheidereit.

Nur eine kleine Gruppe von Genen blieb übrig: Von einigen wussten die Forschenden bereits, dass sie zum Signalweg gehören, von anderen nicht. Welches war das Entscheidende? Ahmet Tufan durchforstete mit Hilfe von Algorithmen diverse Datenbanken nach Hinweisen. Wo wurden Produkte dieser Gene zusammen mit anderen zitiert? Gab es Publikationen, laut denen die fraglichen Proteine Komplexe mit weiteren bilden? Auch die laboreigenen Datenbanken hat das Team durchkämmt. Und plötzlich war alles klar: Das gesuchte Protein war TSG101. Kein Unbekannter, denn es hat etliche Aufgaben in der Zelle. Aber in diesem speziellen Fall bindet es an PARP1, sobald das Enzym am Schadensort angedockt hat. Und erst dann – und nur dann! – kann PARP1 selbst aktiv werden.

„PARP1 ist wie ein geladener Revolver“, sagt Scheidereit. „Egal, ob man nur an den Zellen kratzt, Scherkräfte darauf wirken lässt oder sie gänzlich zertrümmert: PARP1 wird aktiviert. Doch wenn kein TSG101 in der Zelle ist, funktioniert das nicht. Es fehlt quasi der Abzug.“ Das Geschehen konnten die Forschenden mittels eines fluoreszenzmarkierten PARP1 live unter dem Mikroskop verfolgen: Wenige Sekunden nachdem sie mit einem Laser winzige Löcher in den Zellkern gebrannt hatten, leuchteten die Zellen grün auf. PARP1 strömte von allen Seiten in den Zellkern ein und band an die defekten DNA-Stellen. Nach einigen Minuten schwächte sich das Leuchten wieder ab.

Eine erstaunliche Beobachtung

„PARP1 modifiziert sich selbst, lockt weitere Hilfsproteine an, welche die Reparatur vollziehen und fällt anschließend wieder ab“, erklärt Scheidereit. War das TSG101-Gen aber ausgeschaltet, strömte PARP1 zwar genauso schnell in die DNA-Schäden im Zellkern ein – aber das grüne Leuchten blieb bestehen. PARP1 gelang es nicht, sich wieder von der DNA lösen. „Unter all den Beobachtungen während der Live-Cell-Imaging-Experimente, die ich gemacht habe, war das die erstaunlichste: dass PARP1 an DNA-Schäden mit TSG101-freien Zellen tatsächlich gefangen wurde“, sagt Ahmet Tufan.

„Mit dieser Arbeit haben wir gezeigt, dass PARP-Inhibitoren und das Wegnehmen von TSG101 den gleichen Effekt haben“, betont Scheidereit. An verschiedenen Brustkrebszelllinien konnten die Forschenden zudem im Labor zeigen, dass Zellen, bei denen das TSG101-Gen ausgeschaltet war, nach einer Chemo rasch absterben. Am schnellsten kapitulierten jedoch diejenigen, die Mutationen an BRCA1 aufwiesen. Ihnen stand nun kein Werkzeug zur DNA-Reparatur mehr zur Verfügung.

PARP-Inhibitoren werden bereits seit einigen Jahren im Rahmen bestimmter Tumortherapien eingesetzt – etwa bei Brustkrebs mit nachgewiesener BRCA-Mutation. „Leider gibt es bisher keinen einzigen Hemmer, der wirklich selektiv für PARP1 ist, denn es gibt eine ganze Gruppe von PARP-Genen. Aufgrund unserer Ergebnisse kann man nun aber gezielt nach Wirkstoffen suchen, welche die Bindung von TSG101 an PARP1 blockieren“, sagt Claus Scheidereit. Damit ist die Studie eine mögliche Grundlage für die zukünftige Entwicklung hochwirksamer und gezielterer Therapien für BRCA1/2 assoziierte Tumorerkrankungen.

Weiterführende Informationen

Pressemeldung auf der MDC-Website lesen

AG Signaltransduktion in Tumorzellen

Literatur

Ahmet Buğra Tufan et al. (2022): „TSG101 Associates with PARP1 and is Essential for PARylation and DNA Damage-induced NF-κB Activation“. EMBO Journal, DOI: 10.15252/embj.2021110372

Bild

Dreidimensionale Kultur menschlicher Brustkrebszellen, mit blau gefärbter DNA und einem grün gefärbten Protein in der Zelloberflächenmembran. Dieses Bild wurde ursprünglich im Rahmen des NCI Cancer Close Up-Projekts 2015 eingereicht und für die Ausstellung ausgewählt. Siehe auch visualsonline.cancer.gov/closeup.

© NCI Center for Cancer Research, National Cancer Institute, National Institutes of Health; CC BY-NC 2.0

www.mdc-berlin.de

forschen / 16.09.2022
Hemmstoff der Lipidkinase PI3KC2α als potenzielles neues Therapeutikum zur Behandlung von Thrombose identifiziert

Visualisierung: Barth van Rossum
Visualisierung: Barth van Rossum

Die Lipidkinase PI3KC2α ist ein potenzielles pharmakologisches Ziel für die Behandlung von Thrombose und möglicherweise auch von Krebs. Forscher des Leibniz-Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (FMP) haben nun einen potenten Hemmstoff für ihre Aktivität identifiziert, der als Leitstruktur für die weitere Arzneimittelentwicklung dient.

Thrombosen wie Venenthrombosen und Lungenembolien, die jährlich bei etwa 1 von 1.000 Erwachsenen auftreten, sind eine große Gefahr für die menschliche Gesundheit, insbesondere im Alter. Um der Blutgerinnung entgegenzuwirken, nehmen Patient:innen blutverdünnende Medikamente ein, die jedoch schwere Nebenwirkungen wie Blutungen (Hämorrhagie) verursachen können.

Es ist bekannt, dass die Lipidkinase PI3KC2α die Blutgerinnung maßgeblich beeinflusst, da sie die Funktion der Blutplättchen reguliert, die für die Auslösung der Blutgerinnung von zentraler Bedeutung sind, z.B. als Antwort auf einen Anstieg des Blutdrucks oder Atherosklerose . PI3KC2α ist daher ein geeignetes Ziel für die Entwicklung neuer antithrombotischer Arzneimittel. Bisher wurde jedoch noch kein spezifischer Hemmstoff von PI3KC2α beschrieben.

Dr. Wen-Ting Lo aus der Arbeitsgruppe von Prof. Volker Haucke hat nun in enger Zusammenarbeit mit dem Medizinalchemiker Dr. Marc Nazaré und seinem Team, Forschern aus Toulouse und der Screening Unit des FMP (unter Leitung von Dr. Jens Peter von Kries) die ersten PI3KC2α-Inhibitoren entwickelt und charakterisiert. Als Ergebnis umfangreicher chemischer Optimierungsstudien gelang es den Forschern, die Wirksamkeit der Inhibitoren über das gesamte Kinom, insbesondere gegenüber allen anderen Lipidkinasen zu optimieren. Eine dieser Verbindungen mit der Bezeichnung PITCOIN3 zeigt eine besonders markante Selektivität für PI3KC2α und beeinträchtigt nachweislich den Umbau der Thrombozytenmembran und die Thrombusbildung.

„Diese bahnbrechende Entwicklung war nur aufgrund unserer früheren Strukturstudien zu PI3KC2α möglich", kommentiert Dr. Lo, der Erstautor, der gerade in „Nature Chemical Biology“ veröffentlichten Studie. Dr. Nazaré fügt hinzu, dass der unerwartete nicht-klassische Bindungsmodus der PITCOIN-Inhibitoren ein vielversprechendes neues Konzept für die Entwicklung verwandter Wirkstoffkandidaten aufzeigt. Die PITCOINs könnten auch wichtige Werkzeuge sein, die anderen Forschern helfen, unbekannte Funktionen von PI3KC2α zu untersuchen und aufzudecken.

„Die antithrombotische Wirkung der PITCOIN-Inhibitoren wirkt der Thrombose über Effekte auf die interne Membranstruktur der Thrombozyten entgegen und nicht durch die Blockierung ihrer Aktivierung, wodurch sich ein verbessertes therapeutisches Fenster öffnet“, betont Prof. Haucke.

Die vorgestellten Ergebnisse könnten neue Möglichkeiten für die Behandlung von Thrombose und Krebs eröffnen, was durch die Eigenschaft von PITCOINs, die Migration von Brustkrebszellen in vitro zu beeinträchtigen, belegt wird.

www.fmp-berlin.de

forschen / 14.09.2022
Dicht und durchlässig: Molekulare Organisation von Tight junctions entschlüsselt

Nano-Netzwerke von segregierenden Claudin 2 (gelb) und Claudin 10 (mangenta) wurden mittels STED Mikroskopie mit 20 nm Pixelgrösse aufgelöst (Bild: FMP)
Nano-Netzwerke von segregierenden Claudin 2 (gelb) und Claudin 10 (mangenta) wurden mittels STED Mikroskopie mit 20 nm Pixelgrösse aufgelöst (Bild: FMP)

Sie dichten Epithelzellen ab und lassen unter bestimmten Bedingungen Ionen und Wasser durch: Tight junctions bilden eine parazelluläre Barriere in Geweben und ihre Funktionsstörung wird mit Krankheiten in Verbindung gebracht, die von Lungenödemen bis hin zu entzündlichen und metabolischen Störungen reichen. Ihre molekularen Komponenten sind schon seit den 1990er Jahren bekannt, nicht jedoch wie sich die 26 Proteine namens Claudine miteinander organisieren. Tiefe Einblicke in die Struktur der Tight junctions haben nun Wissenschaftler vom Leibniz- Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) mit Hilfe der hochauflösenden Lichtmikroskopietechnik STED gewinnen können. Damit wurde erstmals der grundlegende Mechanismus für alle Epithelbarriere-Eigenschaften beschrieben. Die Ergebnisse der Arbeit sind soeben im renommierten Fachmagazin „Nature Communications“ erschienen.

Nur das Nötige durchlassen, ansonsten eine dichte Barriere bilden – Tight junctions (TJ) gelingt das normalerweise hervorragend, um unser Körperinneres vor Bakterien und ihren Toxinen zu schützen. Die parazellulären Barrieren, die gleichzeitig selektive Ionen- und Wasserkanäle sein können, findet man überall dort, wo Epithelzellen oder Endothelzellen aufeinandertreffen, also verschiedene Gewebe aneinandergrenzen, oder wenn das Lumen eines Organs gegen den Blutstrom abgedichtet werden muss.

Dass es Tight junctions gibt, weiß man ungefähr seit 60 Jahren, und seit 30 Jahren sind deren molekulare Hauptkomponenten bekannt: Es sind 26 Membranproteine namens Claudine, die sich je nach Zelle in verschiedenen Konstellationen zu semipermeablen bis zu einige hundert Nanometer breiten Netzwerken organisieren. In der Regel tun sich mehrere Claudine zusammen, manche Barrieren bestehen aber nur aus einem oder zwei der Strukturproteine.

Doch wie organisieren sich Claudine eigentlich, um je nach Zelle bzw. Gewebe unterschiedliche Barriere-Eigenschaften anzunehmen? Und wie sehr sind die Claudine dabei aufeinander angewiesen? Diese Fragen blieben bislang unbeantwortet, weil niemand die Struktur der nur ca. zehn Nanometer dicken Stränge durchschauen konnte. Nun ist genau das Wissenschaftlern vom FMP mit Hilfe der STED-Mikroskopie gelungen.

„Diese Art von hochauflösender Mikroskopie und ein exzellentes Team aus Zellbiologen, Informatikern und Physiologen haben uns geholfen, die molekulare Struktur der Tight junctions aufzuklären“, betont Dr. Martin Lehmann, Leiter der Gruppe Cellular Imaging. „Zum ersten Mal können wir nun den Mechanismus für alle Hauptepithelbarriere-Eigenschaften beschreiben.“

Mit STED einzelne Netzwerk-Maschen aufgelöst 

Normalerweise ist die Auflösung von Fluoreszenzmikroskopen auf ungefähr 250 Nanometer begrenzt. Im STED sind 50 Nanometer oder weniger möglich. Das verschaffte den Forschenden buchstäblich mehr Durchblick. „Mit der gewöhnlichen Fluoreszenzmikroskopie hätten wir nie die dichte Organisation der Tight junction durchdrungen, aber mit STED konnten wir die einzelnen Maschen des Netzwerks auflösen. Und so können wir nun die genaue Position der Proteine bestimmen, sehen, ob sich die Claudine mischen oder voneinander getrennt sind und wie sie sich entmischen“, sagt Hannes Gonschior, Erstautor der Studie, der am FMP zum Thema promoviert. „Diese Nano-Organisation war zuvor nicht bekannt.“

Zunächst erfolgten die Untersuchungen auf zellulärem Niveau, dann im Gewebe aus Darm und Nieren von Mäusen. Eindrucksvolle Bilder geben die fluoreszent markierten Proteine in verschiedenen Farben wieder, zeigen, wo sich welche Proteine befinden und wie sie sich zu einem bunten Reißverschluss aneinanderketten.

Drei Erkenntnisse aus der jetzt in „Nature Communications“ publizierten Arbeit sind besonders hervorzuheben:
Erstens: Claudine dichten Zellzwischenräume für Ionen und kleine Moleküle ab - ähnlich einem Reißverschluss. Diese Abdichtungen sind je nach Gewebe und Zusammensetzung der Tight junction selektiv ionendurchlässig.
Zweitens: Jedes zweite Claudin kann gar nicht in Stränge polymerisieren. Es ist zur Bildung einer Tight junction auf andere Teammitglieder angewiesen, die es „funktionalisieren“.
Drittens: Claudine agieren in fünf Organisationsprinzipien miteinander. Das heißt, es gibt fünf verschiedene Wege, wie sie sich mischen können, aber auch wieder entmischen.

Modell für die Wirkstoffsuche geschaffen

Dass die FMP-Forschenden erstmals die Nano-Organisation der Tight junctions bestimmen konnten, ist ein großer Erfolg für die Grundlagenforschung. Aber auch die Medizin kann profitieren. Denn Mutationen an Claudinen spielen bei verschiedenen Erbkrankheiten eine Rolle. Am offensichtlichsten ist dies beim sogenannten HELIX-Syndrom der Fall – eine seltene Erkrankung, bei denen die Betroffenen zu wenig Schweiß produzieren. Schuld ist eine Mutation im Claudin 10b, das zu Defekten an den Schweiß-, Tränen- und Mundspeicheldrüsen sowie gestörter Kalzium- und Magnesiumregulation in der Niere führt. Auch mit dieser Krankheitsmutante hatte das Forscherteam experimentiert.

„Unsere Forschung ist vom klinischen Bezug noch sehr weit weg“, ordnet Biophysiker Martin Lehmann ein. „Doch wir verstehen jetzt, wie diese Netzwerke aufgebaut sind. Das ist der erste Schritt, damit man später einmal nach kleinen Molekülen suchen kann, die diese Barrieren öffnen oder schließen.“

Zellbiologe Hannes Gonschior ergänzt: „Wir haben ein vereinfachtes Modell für die Wirkstoffsuche und die Erforschung des parazellulären Ionenflusses ganz generell gefunden. Es ist sehr gut möglich, dass es dabei helfen wird, bislang unerklärliche klinische Phänotypen und Symptomatiken einmal verstehen zu können – mit einem Defekt in eben dieser parazellulären Barriere.“
 

Publikation:

Nanoscale segregation of channel and barrier claudins enables paracellular ion flux
Gonschior H, Schmied C, van der Veen RM, Eichhorst J, Himmerkus N, Piontek J, Günzel D, Bleich M, Furuse M, Haucke V, Lehmann M.
Nat Commun 13, 4985 (2022) https://doi.org/10.1038/s41467-022-32533-4

www.fmp-berlin.de

forschen / 08.09.2022
Büsten von Marguerite und Marthe Vogt enthüllt

Künstlerin Anna Franziska Schwarzbach mit der von ihr gestalteten Büste von Marguerite Vogt (Foto: Peter Himsel)
Künstlerin Anna Franziska Schwarzbach mit der von ihr gestalteten Büste von Marguerite Vogt (Foto: Peter Himsel)

Campus Berlin-Buch würdigt zwei bedeutende Wissenschaftlerinnen des 20. Jahrhunderts

Die Schwestern Marguerite und Marthe Vogt waren außergewöhnliche Frauen und in der Forschung überaus erfolgreich. Ihre Arbeiten hatten großen Einfluss auf andere Wissenschaftler:innen und lieferten wichtige Erkenntnisse in der Neurowissenschaft und der Krebsforschung. Doch Würdigungen und Auszeichnungen blieben aus. Anlässlich des 119. Geburtstages von Marthe Louise Vogt wurden am 8. September 2022 Büsten der beiden bedeutenden Wissenschaftlerinnen auf dem Campus Berlin-Buch enthüllt.

Marthe Vogt
Marthe Louise Vogt (1903-2003) war eine deutsche Pharmakologin und Neurowissenschaftlerin. Ihre Arbeit bildet eine Grundlage für die moderne Neuropharmakologie. Die Wirkungen von vielen Psychopharmaka oder Muskelrelaxanzien wäre ohne ihre Erkenntnisse nicht zu erklären.

Marthe Louise Vogt war die ältere Tochter des berühmten Wissenschaftler-Ehepaars Oskar und Cécile Vogt. Sie studierte und promovierte in Medizin und Chemie in Berlin. 1935 verließ sie Deutschland und arbeitete in Cambridge und London, wo sie gemeinsam mit berühmten Wissenschaftlern wie dem Nobelpreisträger Henry Hallett Dale zum ersten Mal Neurotransmitter wie Adrenalin im zentralen Nervensystem nachwies. Auch nach ihrer Emeritierung 1966 forschte Marthe Vogt weiter und erhielt 1974 als erste Frau die Ehrendoktorwürde der Universität Cambridge. 1990 zog sie zu ihrer Schwester Marguerite nach Kalifornien, wo sie 2003, einen Tag nach ihrem 100. Geburtstag, verstarb.

Marguerite Vogt
Die Krebsforscherin und Virologin Marguerite Vogt (1913-2007) gilt als eine der herausragenden Wissenschaftlerinnen des 20. Jahrhunderts. Sie lieferte wichtige Erkenntnisse zu Poliomyelitis und in der Krebsforschung. Sie war die jüngere Schwester von Marthe Vogt und studierte Medizin in Berlin, wo sie 1937 mit Promotion abschloss. 1950 verließ sie Deutschland und ging in die USA. Dort gelang es Vogt gemeinsam mit dem späteren Nobelpreisträger Renato Dulbecco, erstmals das Poliovirus zu kultivieren. Dies war die Voraussetzung, um Impfstoffe gegen Polio zu entwickeln. In den Folgejahren befasste Marguerite Vogt sich zunehmend mit krebserregenden Viren und leistete dabei wichtige Beiträge zum Verständnis der Tumorentstehung. Sie starb 2007 in Kalifornien, ohne je einen bedeutsamen Preis erhalten zu haben. Doch ihre Fähigkeiten in der Zellkultur und ihr Engagement in der Nachwuchsförderung machten sie zu einer gefragten Mentorin für Wissenschaftler:innen, zu denen mehrere spätere Nobelpreisträger gehörten.

Vor allem Marguerite Vogt hatte kein Interesse an Anerkennung, öffentlichen Auftritten, Erfolg und Karriere. Sie liebte ihre Arbeit im Labor, hielt sich gerne im Hintergrund. Der Campus Berlin-Buch würdigt die große Wissenschaftlerin nun sogar in zweifacher Hinsicht. Neben der Enthüllung ihrer Büste auf dem Campusgelände wird künftig auch das Gebäude der wissenschaftlichen Bibliothek ihren Namen tragen: „Marguerite-Vogt-Haus“.

Gestaltet hat die Büsten die vielfach ausgezeichnete Berliner Künstlerin Anna Franziska Schwarzbach, von der auch weitere Werke auf dem Campus Berlin-Buch zu finden sind. Darunter das Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer nationalsozialistischer Euthanasieverbrechen sowie Büsten der Nobelpreisträgerin Marie Curie und vom Gründungsdirektor des Max Delbrück Centers Detlev Ganten.

CAMPUSart - Projekt zeigt Kunst, Botanik und Wissenschaft auf dem Campus Berlin-Buch
Die neuen Büsten setzen die Tradition fort, Gebäude auf dem Campus Berlin-Buch nach Wissenschaftler:innen zu benennen und mit Porträtbüsten zu ehren. Mit der Enthüllung sowie der Umbenennung des Bibliotheksgebäudes startet das Projekt CAMPUSart, das Kunst, botanische Besonderheiten und wissenschaftshistorische Sammlungen auf dem Campus Berlin-Buch für die Öffentlichkeit zugänglich und erlebbar macht. Begleitend dazu entstehen Publikationen, Rundgänge, Audioguides und eine umfassende Webseite.

Die neuen Büsten gehören zum Projekt „Kunst und Wissenschaft im Park“, finanziert mit Mitteln der LOTTO-Stiftung Berlin und Eigenmitteln des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (Max Delbrück Center) sowie der Einrichtungen des Campus Berlin-Buch.

Website von CAMPUSart

forschen, produzieren, heilen / 07.09.2022
Von der Europäischen Union finanziertes Projekt soll zu neuen Therapieansätzen verschiedener solider Tumorarten führen

Indivumed und CELLphenomics verkünden Partnerschaft für verbesserte Krebstherapeutika

Berlin/Hamburg, Deutschland (07. September 2022) – Indivumed GmbH („Indivumed“) und CELLphenomics GmbH („CELLphenomics“) geben heute ihre Partnerschaft bekannt, in der eine bisher einzigartige Plattform entsteht, die eine schnellere und effizientere Identifizierung und Validierung therapeutischer Targets ermöglichen wird. Die neue Plattform kombiniert die KI-gestützten onkologischen Analysemethoden von Indivumed mit der Expertise von CELLphenomics im Bereich der Entwicklung von Organoid-Modellen, um therapeutisch relevante Targets identifizieren und diese Targets in vitro validieren zu können. In-silico-Target-Discovery und -Development werden im Rahmen dieser Partnerschaft mit passenden Tumormodellen verknüpft und anschließend validiert, was die Entwicklung von Krebstherapeutika beschleunigen wird.

„Mithilfe unserer Multi-omics-Datenbank und KI-gestützter Analysemethoden sind wir in der Lage, die komplexen Mechanismen von Tumoren zu entschlüsseln und so die Entwicklung der Präzisionsonkologie voranzutreiben“, so Prof. Dr. Hartmut Juhl, CEO und Gründer von Indivumed. „Die Partnerschaft mit CELLphenomics versetzt uns in die Lage, schnell therapeutisch relevante Targets zu validieren, um so neue Therapieansätze zu identifizieren und die Entwicklung von Krebstherapeutika in Zukunft zu beschleunigen.“

Die Verkündung der Partnerschaft erfolgt, kurz nachdem Indivumed vom Strukturfonds der Europäischen Union (EFRE) 4,3 Millionen Euro zur Beschleunigung der Arzneimittelentwicklung und zur Personalisierung von Krebsbehandlungen erhalten hat. Die technologischen Ressourcen und die wissenschaftliche Expertise von CELLphenomics waren für Indivumed bei der Partnerwahl ausschlaggebend. Zunächst wird der Schwerpunkt auf Krebsarten mit dem derzeit größten medizinischen Bedarf liegen.

„Die umfangreiche Datenbank und die modernen KI-Kapazitäten sind für die Ermittlung therapeutisch relevanter Targets von zentraler Bedeutung“, so Dr. Christian Regenbrecht, CEO von CELLphenomics. „Durch die Kombination dieser Targets mit Organoid-Modellen und In-vitro-Assays von CELLphenomics wird es möglich sein, zuverlässige Rückschlüsse hinsichtlich der Behandlungsfähigkeit des Tumors und eines Therapieerfolgs oder -versagens zu ziehen.“

Die Basis des Projekts ist die Erfassung der molekularen Realität der Erkrankung eines jeden einzelnen Patienten, die durch die hoch standardisierte Bioprobenentnahme durch Indivumeds globales klinisches Netzwerk gewährleistet ist. Indivumed hat den umfassendsten und detailreichsten Multi-omic-Datensatz für Krebsbiologie weltweit und setzt fortschrittlichste Analysemethoden ein, um aus diesen komplexen Daten biologische Einblicke zu gewinnen. Die Analyseplattform von Indivumed, nRavel®, wird potenzielle Targets für die ausgewählten Tumorarten identifizieren, charakterisieren und priorisieren. Die von Patienten stammenden zellulären Modelle, die von CELLphenomics bereitgestellt werden, werden nun von denselben Tumoren abgeleitet. Das bedeutet, dass der gesamte Prozess – von der Gewebeentnahme über die Datenerfassung bis hin zur Identifizierung und Validierung – mit denselben Daten und demselben Gewebe arbeiten wird.

Pressekontakt:
Kristin Maack
+49 40 41 3383 71
maack.kristin@indivumed.com

Melanie Alperstaedt
+49 30 235 9467 76
melanie.alperstaedt@cellphenomics.com

 

Über CELLphenomics
CELLphenomics GmbH ist ein Biotech-Unternehmen aus Berlin, das 2014 gegründet wurde. Unsere Kernkompetenz ist das Erstellen und Kultivieren von patientenspezifischen Organoid-Kulturen (PD3D®) aus verschiedenen Tumorentitäten sowie deren Anwendung für Forschungszwecke und High-Throughput-Screenings sowie personalisierte Toxizitätsuntersuchungen. Unsere PD3D®-Modelle rekapitulieren das Ursprungsgewebe zuverlässig. Dieses Potenzial nutzen wir dazu, die Entwicklung von Krebstherapeutika voranzutreiben. Unsere unternehmenseigene PD3D®-Präzisionsmedizinplattform bietet viele Möglichkeiten wie High-Throughput-Wirksamkeitsuntersuchungen, Arzneimittelkombination-Screenings, die Erstellung von Toxizitätsprofilen, Target-Validierungen, Untersuchungen der Korrelationen zwischen Arzneimittelempfindlichkeit und klinischem Ansprechen sowie die Identifizierung von Biomarkern.

Über Indivumed
Unsere Mission ist es, die Komplexität von Krebserkrankungen für die Entwicklung personalisierter onkologischer Therapien zu entschlüsseln und therapeutisch nutzbar zu machen. Um diese Mission zu erfüllen, verknüpfen wir unser Fachwissen in Medizin und Bioinformatik mit der umfangreichsten Multi-omics-Krebsdatenbank der Welt und mit modernsten, KI-integrierten Analysemethoden.
Über enge Partnerschaften mit klinischen Institutionen auf der ganzen Welt nutzen wir eigens entwickelte Standardverfahren, um Bioproben und klinische Informationen von beispielloser Tiefe und Qualität zu sammeln. Diese Daten bilden die Grundlage unserer Produkte, Dienstleistungen und Entwicklungspartnerschaften in den drei Geschäftsbereichen IndivuServ, IndivuTest und IndivuType, neue Erkenntnisse zu gewinnen und die Präzisionsonkologie voranzutreiben. Mehr Informationen unter www.indivumed.com.

Hintergrund der Fördermaßnahme
Im Rahmen der Reaktionen auf die COVID-19-Pandemie ist mit dem Krisenreaktionsfonds REACT-EU ein Instrument im Zusammenhang mit den EU-Strukturfonds EFRE und ESF vorgesehen. Mit den Mitteln aus dem Krisenreaktionsfonds REACT-EU soll die Bewältigung der COVID-19-Pandemie und ihrer sozialen Folgen sowie die Vorbereitung einer grünen, digitalen und stabilen Erholung der Wirtschaft unterstützt werden.
Der Fonds ist mit einem Budget von 47,5 Mrd. EUR für die Jahre 2021–2022 ausgestattet, 2,4 Mrd. EUR entfallen hierbei auf Deutschland. Hamburg erhält aufgrund bundesdeutscher Verteilungsentscheidungen ca. 47 Mio. EUR REACT-EU-Mittel. In der Fördermaßnahme Life Science sind zwei Schwerpunkte gesetzt worden. Zum einen liegt der Fokus auf die Infektions- und Pandemiebekämpfung und zum anderen auf der Digitalisierung.

forschen, produzieren, heilen / 05.09.2022
Millionenförderung für MyoPax

Bild: Dr. Eric Metzler, Wissenschaftler der MyoPax GmbH
Bild: Dr. Eric Metzler, Wissenschaftler der MyoPax GmbH

MyoPax, eine neue Ausgründung des Max Delbrück Centers und der Charité, erhält ein Darlehen in Höhe von 1,3 Millionen Euro, um das Unternehmen aufzubauen. Mit seiner innovativen Stammzelltechnologie entwickelt das Start-up regenerative Therapien für bislang unheilbare Muskelerkrankungen.

Die Stiftung BioInnovation Institute (BII) in Kopenhagen, Dänemark, wird drei internationale Start-ups aus Deutschland, dem Vereinigten Königreich und Finnland unterstützen. Die Unternehmen passen strategisch zum Fokus des Inkubators: Ihre wissenschaftlichen Initiativen zu Therapeutika und Gesundheitstechnologien sind wegweisend.

MyoPax

Website

Unter den drei geförderten lebenswissenschaftlichen Ausgründungen ist MyoPax. Die Firma baut auf zukunftsweisenden Technologien auf, die Wissenschaftler*innen am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (Max Delbrück Center) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin entwickelt haben. Die Ärztin Dr. Verena Schöwel-Wolf und Professorin Simone Spuler, Leiterin einer Arbeitsgruppe zur Muskelforschung und einer Hochschulambulanz am Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung der Charité und des Max Delbrück Centers auf dem Campus in Berlin-Buch, haben das Start-up kürzlich gegründet. Jetzt hat es drei Mitarbeiter*innen und wagt erste Schritte auf internationaler Ebene.

Die Muskelfunktion wiederherstellen

MyoPax hat es sich zur Aufgabe gemacht, fortschrittliche regenerative Therapien zu entwickeln, um die verheerenden Folgen von Muskelerkrankungen zu lindern. Ihre wegweisende Technologie kombiniert Zell- und Gentherapie, um die Funktion der Muskeln wiederherzustellen.

Das Start-up ist in Berlin und Kopenhagen angesiedelt und entstand aus dem translationalen Umfeld des Max Delbrück Centers, der Charité und des Berlin Institute of Health in der Charité (BIH). Im Vorfeld der Ausgründung haben sowohl das Max Delbrück Center als auch das BIH MyoPax tatkräftig unterstützt. Um den Sprung vom Labor in die Klinik zu ermöglichen, hat das Max Delbrück Center die Entwicklung des Projekts in seinem EFRE-geförderten Pharma-Inkubator mit den Programmen PreGoBio und SPOT vorangetrieben. Das BIH hat die Ausgründung über sein Spark-Programm beschleunigt. Die ersten klinischen Studien am Menschen laufen an der Charité. Sie sollen die Sicherheit und Wirksamkeit der mit der neuen Technologie entwickelten Prüfpräparate nachweisen und werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Helmholtz-Validierungsfonds (HVF) mit rund fünf Millionen Euro optimal gefördert.

International wettbewerbsfähig werden

MyoPax bekommt nun – wie die anderen beiden Unternehmen – eine risikofreie Wandelanleihe in Höhe von 1,3 Millionen Euro und wird zur BII-Gemeinschaft lebenswissenschaftlicher Start-ups gehören. In Zusammenarbeit mit dem BII-Team und einem ganzen Netzwerk von Expert*innen sollen die drei Unternehmen ein international wettbewerbsfähiges Niveau erreichen. Im Vorfeld einer Seed- oder Series-A-Finanzierungsrunde erhalten sie umfassende Unterstützung, um detaillierte Pläne für die Arzneimittelentwicklung, für die gute Herstellungspraxis (Good Manufacturing Practice) und für die Zulassungsstrategie zu erarbeiten und umzusetzen.

Professor Thomas Sommer, Wissenschaftlicher Vorstand des Max Delbrück Centers (kommissarisch) sagt: „Wir freuen uns sehr über diese Unterstützung für MyoPax. Hier werden auf Grundlage der Forschung an MDC und ECRC wichtige neue therapeutische Ansätze vorangetrieben. Muskelkrankheiten sind häufig und haben vielfältige Ursachen, leider ist die Aussicht auf Heilung bisher gering. Stammzelltechnologien könnten hier Abhilfe schaffen.“

Dr. Verena Schöwel, CEO von MyoPax, ergänzte: „Wir danken dem BII für das Vertrauen in MyoPax und freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit. Mit unseren Standorten in Berlin und Kopenhagen sind wir in zwei hervorragende Netzwerke eingebunden. So können wir MyoPax aufbauen und unserem Ziel, wegweisende wissenschaftliche Erkenntnisse in regenerativen Therapien für Muskelkrankheiten zu übersetzen, näherkommen.“

Die anderen beiden Unternehmen

Sevenless Therapeutics: Mithilfe fortschrittlicher mathematischer Methoden hat dieses Biotech-Unternehmen einen neuartigen Angriffspunkt in den Schmerz-Signalwegen identifiziert, es hat die für den Erfolg erforderlichen Parameter definiert und diese Vorhersagen mit Daten validiert. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse wird das sehr erfahrene Arzneimittelforschungsteam des Unternehmens einen sicheren und effektiven Wirkstoffkandidaten für die Schmerztherapie entwickeln. Diese Entdeckung wird viele Patient*innen, die unter unzureichend therapierbaren chronischen Schmerzen leiden, einen erheblichen Fortschritt bedeuten.

VEIL.AI: Ein Unternehmen, das die Qualität anonymisierter Gesundheitsdaten mit einer Anonymisierungstechnologie der nächsten Generation auf ein neues Niveau hebt. Es erstellt extrem hochwertige anonymisierte und synthetische Daten auf der Ebene der Proband*innen und ermöglicht eine bessere Nutzung von GDPR-freien Daten für Life-Science- und Diagnostik-Unternehmen, Krankenhäuser und Gesundheitsdaten-Hubs.

Text: BII / MDC

 

Weiterführende Informationen

Spuler Lab
Myologie

 

MAX DELBRÜCK CENTER

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (Max Delbrück Center) gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 70 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organ-übergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch

Patient*innen zugutekommen. Das Max Delbrück Center fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am Max Delbrück Center arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete Max Delbrück Center zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

www.mdc-berlin.de

BIOINNOVATION INSTITUTE FOUNDATION

Die Stiftung BioInnovation Institute (BII) ist eine internationale kommerzielle Stiftung ohne Gewinnabsicht, die von der Novo Nordisk Foundation unterstützt wird. BII betreibt einen Inkubator, um Life-Science-Innovationen von Weltrang voranzutreiben. Ihre Vision ist es, erstklassige Life-Science-Innovationen zu unterstützen, mit denen junge Life-Science-Start-ups neue Lösungen zum Wohle der Menschen und der Gesellschaft entwickeln können. Die Novo Nordisk Foundation kann BII bei anhaltend positiver Entwicklung über einen Zeitraum von zehn Jahren bis zu 470 Mio. EUR (3,5 Mia. DKK) zur Verfügung stellen. Bisher hat BII 62 Start-ups mit 50 Mio. EUR unterstützt und die Start-ups haben insgesamt 207 Mio. EUR von lokalen und internationalen Investoren aufgebracht. Das vielseitige BII-Team bringt Risikokapital-, Pharma- und Geschäftsexpertise zusammen, um Unternehmen in der Frühphase zu helfen, die nächste Stufe zu erreichen. Zu den jüngsten Unternehmenserfolgen zählen Adcendo, Stipe Therapeutics, Twelve Bio, Octarine Bio und Cirqle Biomedical.

Zur Pressemitteilung auf der Website des Max Delbrück Centers:
www.mdc-berlin.de/de/news/press/millionenfoerderung-fuer-myopax

forschen, produzieren, heilen / 02.09.2022
Mit Geduld und grünem Daumen

Blumenrabatten auf dem Campus Berlin-Buch (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)
Blumenrabatten auf dem Campus Berlin-Buch (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)

Sie hat einen grünen Daumen: Viola Ehrig. Mit ihrem Kollegen Steve Kossack sorgt sie dafür, dass auf dem Campus Berlin-Buch neben Wissenschaft und Innovationen auch Blumen und Bäume prächtig gedeihen. Damit schafft sie auch für die Beschäftigten des Max Delbrück Center eine schöne Arbeitsumgebung.

Wenn morgens um vier die Krähen zetern, dann weiß Viola Ehrig, dass der Waschbär nach Hause kommt. „Ich weiß noch nicht, wo er wohnt – aber seit kurzem haben wir einen hier“, sagt sie. Die Gärtnerin kümmert sich mit ihrem Kollegen Steve Kossack um die Grünanlagen auf dem Campus Berlin-Buch. Seit 2013 ist sie bei der Campus Berlin-Buch GmbH angestellt.

Im Sommer beginnt der Arbeitstag von Viola Ehrig und Steve Kossack morgens zwischen drei und vier Uhr: Zuerst verladen sie Schläuche, Schaufeln, Spaten, Rechen und allerlei andere Geräte und Werkzeuge auf die Ladefläche ihres Transporters, dann geht’s los. Beete und Bäume müssen sie in den frühen Morgenstunden wässern, weil der Wasserdruck tagsüber nicht reichen würde. Und an heißen Tagen würde die Feuchtigkeit sofort verdunsten. Bis alle Pflanzen versorgt sind, vergehen zwei bis drei Stunden. „Ein einziger Baum schluckt 120 Liter“, weiß Viola Ehrig.

Statt Friedhof grüne Stadtoase

Der Campus im Herzen von Berlin-Buch erinnert mit seinen 32 Hektar an einen weitläufigen Park. Zwischen Forschungs- und Unternehmensgebäuden erstrecken sich von Bäumen und Blumen gesäumte Grünflächen, schlängeln sich Wege, steht hier und da eine Skulptur. Ein Ort der Wissenschaft, zugleich eine grüne Stadtoase. Einst sollte hier nach den Plänen des Landschaftsplaners Albert Brodersen – von 1910 bis 1924 städtischer Gartendirektor von Berlin – der „Städtische Zentralfriedhof Buch-Karow“ entstehen. Das Torhaus, ein Wirtschaftsgebäude – das heutige Gläserne Labor (Haus A13) – und eine Kapelle waren bereits errichtet, als sich herausstellte, dass der Grundwasserspiegel unter dem Gelände zu hoch war, um die Toten dort zur letzten Ruhe zu betten. Also eröffnete 1925 anstelle des Friedhofs eine Baumschule. An die Kapelle, die in den 1950-er Jahren dem heutigen Walter-Friedrich-Haus (Haus C27) weichen musste, erinnern zwei dorische Säulen; an die Baumschule der Campuswald und einzelne Bäume wie Robinien, Kanadische Helmlocktannen, Zedern oder Christusdorn, die in unseren Breiten eher selten wachsen. 

Viola Ehrig kennt jeden einzelnen von ihnen. Sie weiß, welche Bäume wann gefällt und welche neu gepflanzt worden sind. Wo die Rehe in den Nächten äsen. Sie kennt auch den Lieblingsort der zwei Stieglitz-Schwärme, die über den Campus streifen – der Splitthaufen zwischen Fahrradwerkstatt und Gärtnerei. An der Längsseite von Haus D23, einem Gebäude der Eckert & Ziegler AG, blüht eine große Distel. „Voriges Jahr stand sie auf der anderen Straßenseite“, sagt Ehrig und beschreibt mit ihrer Hand einen Bogen in der Luft. „Jetzt hat sie sich hierher ausgesät. Die lassen wir natürlich stehen.“ Die purpurroten Blütenpuschel sind Nahrungsquelle für Vögel und Insekten. Und Trockenheit macht einer Distel nichts aus.

Augen- und Bienenweide

Die stachelige Schönheit verkörpert damit in gewisser Weise die Anforderungen, die die Campus-Bepflanzung erfüllen soll. Nicht nur fürs Auge soll sie sein, sondern auch Lebensraum für Insekten und andere Tiere. Außerdem muss sie mit immer heißeren Sommern zurechtkommen. Vor dem Arnold-Graffi-Haus (Haus D85), dem Sitz der Campus Berlin-Buch GmbH, und dem Karl-Lohmann-Haus (Haus D82) haben Viola Ehrig und Steve Kossack Rabatten angelegt, die Augen- und Bienenweide zugleich sind. Taglilien blühen mit Phlox, Lavendel, Salbei, Sonnenhut und Stockrosen um die Wette, locken Hummeln, Bienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge an. Es summt und brummt in der Luft. Ob auch Campusbienen dabei sind? Zwei Völker bewohnen die Bienenstöcke vor dem Gläsernen Labor. In den Ferien kommen Kinder zu den Bienentagen, bei denen sie viel über die Lebensweise der Insekten und ihre wichtige Rolle in der Natur erfahren und sogar ihren eigenen Honig schleudern können.

Auch vor dem Erwin-Negelein-Haus (Haus D79) ist der Tisch für Insekten reich gedeckt. Studierende der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde haben dort eine Wildblumenwiese angelegt. Walderdbeeren, wilde Möhre und Kornblumen wachsen neben gewöhnlichem Wirbeldost, Herzgespann, kleiner Bibernelle und großem Klappertopf. Die Samen stammen von der Wildsamen-Insel Temmen in der Schorfheide. Die Studierenden beobachten, welche Pflanzen sich wie verbreiten. Auf fünf Jahre ist das Wiesenprojekt angelegt, das wissenschaftlich ausgewertet werden soll. „Schönheit muss neu definiert werden“, sagt Claudia Lühr, Teamleiterin Liegenschaftsverwaltung. Abgezirkelte Rasenflächen und symmetrisch angelegte Rosenbeete gehören der Vergangenheit an. Ganz auf Rasen zu verzichten, geht allerdings auch nicht. Für Mitarbeiter*innen auf dem Campus bietet der Rasen idealen Platz zum Erholen und Entspannen. „Veranstaltungen wie Grillfeste oder auch die Mittagspausen brauchen gemähte Flächen“, betont Claudia Lühr. „Aber wir müssen uns gut überlegen, wo wir der Natur ihren Lauf lassen können und wo wir in sie eingreifen.“ 

Ausgleich für gefällte Bäume

Im Campuswald beispielsweise ist zu DDR-Zeiten nicht viel passiert. Das klingt eigentlich, als sei es im Sinn der Natur. Aber: „Die Bäume stehen zu dicht“, sagt Viola Ehrig. Ein Erbe der früheren Baumschule. Weil es inzwischen im Frühjahr immer eher immer wärmer wird, treiben die Bäume früher aus, was sie letztendlich schwächt. Aufgrund des jahrzehntelangen Pflegerückstandes konnten sich außerdem Pilzkrankheiten und die Weißfäule ausbreiten. Zusätzlich machen Eichenprozessionsspinner den alten Eichen zu schaffen. „Da muss man auch mal den ein oder anderen Baum fällen“, sagt Viola Ehrig.

Um zu gewährleisten, dass die Motorsäge nicht vorschnell angesetzt wird, gibt es regelmäßige Rundgänge mit Mitarbeiter*innen des Umweltamtes Pankow. „Bei allen landschaftsplanerischen Fragestellungen arbeiten wir eng mit der Eberswalder Hochschule für nachhaltige Entwicklung und dem Umwelt- und Naturschutzamt Pankow zusammen“, sagt Dr. Christina Quensel, Geschäftsführerin der Campus Berlin-Buch GmbH. Bevor ein Baum gefällt wird, muss das Umweltamt Pankow zustimmen. Und für jeden umgeschlagenen Baum muss ein neuer gepflanzt werden.

„Wenn wir eine Fläche umgestalten wollen, stellen wir die Pläne in der Campus-Management-Beratung vor und stimmen sie mit Vertreter*innen aller Einrichtungen ab“, fährt Christina Quensel fort. Nachdem die Bäume am Gästehaus (Haus B54) altersschwach und sturzgefährdet waren, sprach sich die Runde dafür aus, dass an dieser Stelle ein Feuchtbiotop entstehen soll. Schon immer hat sich dort Regenwasser vom Dach des Gästehauses und von der Straße angesammelt. Die Kuhle wurde noch etwas stärker ausgeformt und mit Kieseln ausgelegt, damit das Wasser nicht so schnell im märkischen Sandboden versickert. Viola Ehrig und Steve Kossack haben den Tümpel mit Rohrkolben, Sumpfschwertlilien und Pfennigkraut bepflanzt und davor eine Wildblumenwiese angelegt, auf der jetzt Kirsch- und Birnenbäume sowie einige Rhododendren wachsen.

Geduld – die Tugend der Gärtnerin

Die Pappeln vor dem Max-Delbrück-Haus (Haus C32) mussten ebenfalls weichen, nachdem sie Totholz abgeworfen und ihre Wurzeln Kabelschächte und Rohrleitungen angegriffen hatten. Auch ihr Verlust soll ausgeglichen werden, vorzugsweise mit Bäumen, die auf der „Liste der Zukunftsbäume“ der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) stehen. Derzeit enthält sie 65 Baumarten, denen Trockenheit, Hitze, Frost oder Schädlinge wenig ausmachen. Die Trompetenbäume, die vor drei Jahren vor der Mensa gepflanzt wurden, stehen ebenso darauf wie Kupferfelsenbirnen, Amber- und Maulbeerbäume, die den BerlinBioCube (Neubau D95) säumen werden. Auch Tulpenbäume gehören zu den Zukunftsbäumen. Einer davon wächst jetzt in einer Gruppe mit drei Trompetenbäumen.. „In etwa zehn Jahren wird er eine dichte Krone voller tulpenförmiger Blüten tragen – der Wahnsinn!“, schwärmt Viola Ehrig. „Man muss halt ein bisschen Geduld haben.“

Geduld verlangt auch der Blauglockenbaum, der im Hof von Haus D9 wächst: Wenn er sechs bis zehn Jahre alt ist, betört er im Frühjahr mit violetten Blüten, die wie bei der Kastanie aufrecht an einer Dolde stehen und einen Duft verströmen, der an Vanille erinnert. Im Schutz der Gebäudemauern findet er ideale Wuchsbedingungen vor – „eigentlich ist ihm das Interkontinentalklima von Berlin ein bisschen zu kalt“, erklärt Ehrig, als würde sie über einen guten alten Bekannten reden. Tatsächlich kann sie zu allen Pflanzen etwas erzählen. Manchmal redet sie ihnen auch gut zu – und siehe da, sie gedeihen plötzlich prächtig.

Wildkräuter sind kein Unkraut

Am Kunstwerk vor dem Forschungsgebäude B88 hilft das leider nicht. Unter Kiefern sind dort schmale, von Metallstreifen eingefasste Beete angelegt, in denen Minze und Bergkümmel vor sich hin kümmern. Sie gehören zur Molekülskulptur der Künstlerin Ulrike Mohr vor Haus 89 des MDC. Das Modell stellt die Struktur von Carvon dar, Hauptbestandteil der ätherischen Öle von Kümmel und Pfefferminze. „Die Idee ist gut“, findet die Gärtnerin. „Leider haben Minze und Kümmel unter den Kiefern wenig Chancen.“ Zumal immer wieder Pflanzen aus den Beeten verschwinden. „Es gibt Leute, die graben sich was aus“, sagt sie und schüttelt verständnislos den Kopf.  

Welche Pflanzen sie am meisten mag? Viola Ehrig zuckt mit den Schultern. „Ich liebe das geordnete Chaos“, sagt sie. Auch unscheinbare Wildkräuter gefallen ihr. Zumal die so etwas wie die stillen Helden des Beetes sind. Sie helfen den Stauden beim Wachsen, indem sie ihnen Schatten spenden und den Boden länger feucht halten. Während ein Eichhörnchen über die Wiese vor Haus C84 hüpft, steuert Viola Ehrig auf die Gärtnerei zu. Die Planung für den nächsten Tag steht an. Der beginnt wieder im Morgengrauen. Kurz bevor die Rehe sich ins Unterholz zurückziehen.

Text: Jana Ehrhardt-Joswig 

 

Quelle: MDC
Mit Geduld und grünem Daumen

forschen / 02.09.2022
Wie ein Rezeptor zu Entzündungen beiträgt

Foto: Flo Dahm, Pexels Licence
Foto: Flo Dahm, Pexels Licence

Welche Rolle spielen ein verbreiteter Rezeptor und die Ernährung bei chronischen Entzündungen? Das untersuchen Forschende des Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und weitere Partner in den kommenden drei Jahren in einem BMBF-geförderten Verbundprojekt.

Gemeinsame Pressemitteilung mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin 

Viele chronische Erkrankungen und Autoimmunerkrankungen gehen mit andauernden oder schubweise auftretenden Entzündungen einher, die zu schweren Organschäden führen können. Mit solchen chronischen Entzündungsprozessen wird der Arylhydrocarbon-Rezeptor (AhR), der in einer Vielzahl unserer Körper- und Immunzellen vorkommt und dabei hilft, körperfremde Stoffe aus dem Körper zu schleusen, in Zusammenhang gebracht. Die dahinterstehenden Mechanismen sind allerdings bislang nicht hinreichend erforscht. 

Nun startet das Verbundprojekt TAhRget (Targeting AhR-dependent Inflammation for Organ Protection) unter Federführung der Charité – Universitätsmedizin Berlin, das die Rolle des Rezeptors AhR bei der Entstehung von Entzündungen und den Einfluss von Ernährung am Beispiel der chronischen Niereninsuffizienz (CKD) und der Multiplen Sklerose (MS) näher beleuchten soll. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die Arbeiten mit rund drei Millionen Euro. Die Projektleitung hat das Experimental and Clinical Research Center (ECRC) – ein gemeinsames klinisches Forschungszentrum der Charité und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft. 

Vor dem Hintergrund der beiden sehr unterschiedlichen Erkrankungen erhoffen sich die Wissenschaftler*innen ein genaueres Bild über das Bindungs- und Wirkspektrum von AhR. „Wir möchten herausfinden, ob sich AhR als therapeutisches Ziel – im Englischen „target“ – für Behandlungsstrategien eignet, mit denen Entzündungsprozesse in Schach gehalten und Organschäden minimiert oder gänzlich verhindert werden könnten“, sagt Dr. Nicola Wilck, Gruppenleiter am ECRC, Facharzt an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie und Internistische Intensivmedizin der Charité und Koordinator des Projekts.

Die Ernährung bei der Behandlung berücksichtigen 

Das interdisziplinäre Forschungsteam des Verbunds aus sechs überregionalen Partnern will in den kommenden drei Jahren mit Hilfe von Patientenkohorten, Tiermodellen, Zellkulturen, Einzelzellanalysen sowie Mikrobiom- und Ernährungsstudien herausfinden, ob und in welchem Maße der Rezeptor AhR zu Entzündungsprozessen bei chronischer Niereninsuffizienz und Multipler Sklerose beiträgt, die die Organe schädigen. Auch fahnden die Forschenden nach aussagekräftigen Biomarkern, die die Aktivität von AhR anzeigen können. Bekannt ist, dass der Rezeptor körperfremde Stoffe – etwa Nahrungsbestandteile oder Stoffwechselprodukte unserer Darmbakterien – bindet, um sie ausscheidungsfähig zu machen. Studienergebnisse zeigen außerdem, dass sich Ernährungsumstellungen auf Erkrankungen mit chronischen Entzündungen positiv auswirken können.

„Wir vermuten, dass hier AhR-vermittelte Prozesse eine Rolle spielen. Ein Schwerpunkt unserer Untersuchungen wird daher insbesondere auf ernährungs- und mikrobiomvermittelten Prozessen liegen, die den AhR und damit einhergehende entzündliche Prozesse bei CKD und MS steuern“, sagt Dr. Anja Mähler, Leiterin der Clinical Research Unit am ECRC und Teilprojektleiterin von TAhRget mit dem Schwerpunkt Ernährung. Das Ziel ist herauszufinden, welche Nahrungsbestandteile, Stoffwechselprodukte und Ernährungsformen sich negativ und welche sich positiv auf AhR-vermittelte entzündliche Prozesse auswirken, um dies bei der Behandlung von Patient*innen künftig berücksichtigen zu können. Mit dabei sind unter anderem die ECRC-Arbeitsgruppen von Professor Dominik Müller und Professor Friedemann Paul sowie die ECRC-Wissenschaftler*innen Dr. Victoria Parland, Dr. Chotima Böttcher und Dr. Hendrik Bartolomaeus, die jeweils eigenständige Teilprojekte beitragen. 

„Unser interdisziplinärer Verbund vereint Kliniker*innen aus Nephrologie und Neurologie, Immunologinnen und Immunologen, Mikrobiom- und Metabolomik-Forschende sowie Ernährungswissenschaftler*innen“, sagt Wilck. „Mit diesem gemeinschaftlichen und fachübergreifenden Forschungsansatz erhoffen wir uns, grundlegend neue und zukunftsweisende Erkenntnisse über die Beteiligung des AhR an chronischen Entzündungen zu gewinnen und damit den Weg zu neuen Behandlungsformen zu bahnen.“

Das Verbundvorhaben TAhRget 

Das TAhRget-Verbundprojekt wird im Rahmen der BMBF-Ausschreibung „Förderung interdisziplinärer Verbünde zur Erforschung von Pathomechanismen“ gefördert. Die Charité – Universitätsmedizin Berlin koordiniert das interdisziplinäre Vorhaben aus sechs Partnern. Das Experimental and Clinical Research Center (ECRC) – ein gemeinsames klinisches Forschungszentrum der Charité und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft – hat die Projektleitung inne. Weitere Partner sind das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI), das Universitätsklinikum Erlangen, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Universität Regensburg. Projektstart ist der 1. September 2022. 

Text: Nicole Silbermann, Charité 

Weiterführende Informationen  

Wilck Lab

Immun-mikrobielle Dynamiken bei kardiorenalen Erkrankungen

Clinical Research Unit

The Clinical Research Unit on Campus Buch

Diet influences the course of multiple sclerosis

Science / 30. März 2020

Clinical Research

Experimental and Clinical Research Center (ECRC) of the MDC and Charité Berlin

Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie und Internistische Intensivmedizin 

 

www.mdc-berlin.de

forschen / 01.09.2022
Wie neue Strukturen entstehen

Säugetiere verfügen über ein neuartiges Gen, das eine neuartige Struktur in den Nervenzellen steuert. Forschende des Max Delbrück Centers und des Milner Centre for Evolution haben es entdeckt und beschreiben es in der Fachzeitschrift „Molecular Biology and Evolution“.

Die Evolution wird oft als „Bastelprozess“ beschrieben, bei dem bereits vorhandene Fähigkeiten leicht verändert werden.  Doch wie entwickeln Organismen völlig neue, bislang nicht dagewesene Strukturen?

Ein Forschungsteam um Dr. Zsuzsanna Izsvák vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (Max Delbrück Center) und Professor Laurence Hurst vom Milner Centre for Evolution an der University of Bath (Großbritannien) haben nun Hinweise darauf gefunden, dass ein neuartiges Gen die Entwicklung einer neuen Struktur in Nervenzellen unterstützt. In der Fachzeitschrift „Molecular Biology and Evolution“ beschreiben sie dieses ungewöhnliche Gen namens piggyBac Transposable Element-derived 1, kurz PGBD1.

„Springende Gene“ verursachen Mutationen

PGBD1 ist eins von fünf miteinander verwandten PGBD-Genen, die eine deutliche Ähnlichkeit mit piggyBac-Elementen aufweisen, die zuerst bei Insekten identifiziert wurden – daher auch der Name piggyBac Transposable Element-derived PiggyBac-Elemente sind „springende Gene“, auch Transposons genannt. Sie sind in der Lage, sich selbst zu kopieren und in andere, teilweise weit entfernte Abschnitte der DNA „hineinzuspringen“. Dabei können sie Mutationen verursachen oder Funktionen verändern. PiggyBac-Transposons sind durch horizontalen Transfer in unsere Spezies gelangt – ähnlich wie manche Viren ihr Genom in unsere DNA integrieren können. Im Lauf der Zeit haben sie ihre Fähigkeit verloren, in unserer DNA herumzuspringen. Fünf von ihnen abgeleitete Gene sind jedoch (PGBD1-5) beim Menschen fixiert worden. „Wir wollten wissen, welche potenziell nützliche Funktion die PGBD-Gene haben könnten“, sagt Zsuzsanna Izsvák. „Dabei haben wir uns auf PGBD1 konzentriert.“

Unter den fünf PGBD-Genen ist PGBD1 insofern einzigartig, als dass es auch Fragmente anderer Gene aufgenommen hat. Dies resultiert in einem Protein, das sowohl an andere Proteine als auch an DNA binden kann. Es ist also zum Teil inaktives Transposon, zum Teil menschliches Genfragment.

PGBD1 reguliert Nervenzellen und deren „Proteinschwämme“

PGBD1 kommt nur in Säugetieren vor. Es ist insbesondere in Zellen sehr aktiv, die zu Nervenzellen werden.  Die Forschenden untersuchten zunächst, wo das PGBD1-Protein an die DNA bindet. Sie fanden heraus, dass es sich in Genen und um Gene herum festsetzt, die an der Nervenentwicklung beteiligt sind. Dort blockiert es einerseits Gene, die in reifen Nervenzellen exprimiert werden. Andererseits bleiben die Gene aktiviert, die mit der Entwicklung von neuronalen Vorläuferzellen in Verbindung stehen. Als die Forschenden den PGBD1-Spiegel in den Vornervenzellen absenkten, entwickelten sie sich zu Nervenzellen. 

Eines der Gene, die an das PGBD1-Protein binden, erregte ihr besonderes Interesse: NEAT1 kodiert für eine RNA, aus der kein Protein entsteht, sondern Paraspeckles. Das sind winzige, membranlose Strukturen in den Kernen einiger Zellen. Wie ein „molekularer Schwamm“ bewahren sie bestimmte RNA und Proteine auf. Die Wissenschaftler*innen fanden heraus, dass das PGBD1-Protein in den neuronalen Vorläuferzellen an das NEAT1-Gen bindet und es an seiner Arbeit hindert. Vermindert sich das PGBD1, steigt der NEAT1-RNA-Spiegel. Es bilden sich Paraspeckles und die Zellen werden zu reifen Nervenzellen. PGBD1 reguliert also das Vorhandensein oder Fehlen von Paraspeckles und damit die Entwicklung der Nervenzellen.

Evolution ist keine zufällige Bastelei

Am erstaunlichsten ist, dass Paraspeckles wie PGBD1 nur in Säugetieren vorkommt. PGBD1 ist also ein seltenes Beispiel für ein neues Gen, das sich entwickelt hat, um eine neue Struktur zu regulieren, wenn auch eine recht kleine. „Dies ist eine wirklich ungewöhnliche und zufällige Entdeckung“, sagt Co-Letztautorin Zuzanna Izsvák vom MDC. „Wir wissen, dass die Duplikation bereits existierender Gene die Evolution neuer Strukturen unterstützen kann. PGBD1 ist aber ein seltenes Beispiel dafür, dass die Evolution mehr ist als zufällige Bastelei. Es zeigt, dass Gene neu entstehen, um neuartige Strukturen zu steuern.“ Spannend sei nun die Frage, ob PGBD1 auch in erwachsenen Neuronen eine Rolle spiele.

Co-Letztautor Laurence Hurst vom Milner Centre for Evolution an der University of Bath ergänzt: „Jetzt, da wir wissen, wie Paraspeckles kontrolliert werden, müssen wir nur noch herausfinden, wie sich diese Struktur selbst entwickelt hat. Dies könnte eine viel schwierigere Aufgabe sein, da sich nicht-kodierende RNAs wie NEAT1 schnell entwickeln und daher im Laufe der Evolution nur schwer zu verfolgen sind.“

Die Kopplung zwischen NEAT1 und PGBD1 könnte auch bei Schizophrenie eine Rolle spielen. NEAT1 wird schon länger mit dieser neurologischen Krankheit in Verbindung gebracht. Das Forschungsteam identifizierte nun einige Mutationen in PGBD1, die auch bei Patient*innen mit Schizophrenie häufig vorkommen. Eine dieser Mutationen verändert das PGBD1-Protein, während andere möglicherweise dessen Menge kontrollieren. „Es ist sicherlich kein Zufall, dass beide Gene an Schizophrenie beteiligt sind“, sagt Erstautor Tamas Raskó, zum Zeitpunkt der Studie Postdoktorand in der Gruppe von Zsuzsanna Izsvák. „Es ist sehr ungewöhnlich, eine Mutation zu finden, die ein Protein verändert, das mit dieser Krankheit gekoppelt ist. Ihre Auswirkungen müssen nun in weiteren Studien untersucht werden.“

Weitere Informationen

Literatur

Tamás Raskó et al (2022): A novel gene controls a new structure: PiggyBac Transposable Element-derived 1, unique to mammals, controls mammal-specific neuronal paraspeckles, in: Molecular Biology and Evolution, DOI: 10.1093/molbev/msac175

Milner Centre for Evolution

Das Milner Centre for Evolution ist eine international führende Forschungseinrichtung, die die Disziplinen Biologie, Gesundheit und Bildung miteinander verbindet. Das Zentrum, das zur Universität Bath im Vereinigten Königreich gehört, hilft bei der Beantwortung einiger der grundlegendsten Fragen der Evolutionsbiologie und nutzt diese Erkenntnisse, um neue technologische und klinische Forschungsanwendungen zu finden. Die Erforschung von Lehrmethoden und ein neuartiges Outreach-Programm tragen dazu bei, das Verständnis der Öffentlichkeit für die Genetik und die Bedeutung des Evolutionsprozesses für das gesamte Leben auf der Erde zu verbessern. Das Milner Centre for Evolution ist nach dem ehemaligen Studenten der Universität Bath, Dr. Jonathan Milner, benannt, der das Gründungskapital für die Gründung und den Aufbau des Zentrums bereitgestellt hat. www.bath.ac.uk/research-centres/milner-centre-for-evolution/

 

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin

 Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (Max Delbrück Center) gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das Max Delbrück Center fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am Max Delbrück Center arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete Max Delbrück Center zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung des Max Delbrück Centers und der University of Bath
Wie neue Strukturen entstehen

forschen, heilen / 31.08.2022
SARS-CoV-2 kann Chronisches Fatigue-Syndrom auslösen

Gemeinsame Pressemitteilung von Mac Delbrück Center und Charité – Universitätsmedizin Berlin

Ein Forschungsteam der Charité und des Max Delbrück Centers liefert in „Nature Communications“ den wissenschaftlichen Beleg für die lang gehegte Vermutung, dass SARS-CoV-2 das Chronische Fatigue-Syndrom (ME/CFS) auslösen kann. Die Forschenden beschreiben zudem ein ähnliches Krankheitsbild mit vermutlich anderer Ursache.

„Bereits in der ersten Welle der Pandemie entstand der Verdacht, dass COVID-19 ein Trigger für ME/CFS sein könnte“, sagt Professorin Carmen Scheibenbogen, kommissarische Direktorin des Instituts für Medizinische Immunologie am Charité Campus Virchow-Klinikum. Sie leitet das Charité Fatigue Centrum, das auf die Diagnostik von ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom) spezialisiert ist – eine komplexe Erkrankung, die unter anderem von bleierner körperlicher Schwäche geprägt ist. Das Zentrum wurde bereits im Sommer 2020 von den ersten Patient*innen nach einer SARS-CoV-2-Infektion aufgesucht. Seither mehren sich die Hinweise auf einen ursächlichen Zusammenhang zwischen COVID-19 und der Erkrankung ME/CFS, die oft zu einem hohen Grad körperlicher Beeinträchtigung führt.

„Diese Annahme wissenschaftlich zu belegen, ist jedoch nicht trivial“, erklärt Carmen Scheibenbogen. „Das liegt auch daran, dass ME/CFS noch wenig erforscht ist und es keine einheitlichen Diagnosekriterien gibt. Durch eine sehr gründliche Diagnostik und einen umfassenden Vergleich mit ME/CFS-Betroffenen, die nach anderen Infektionen erkrankt waren, konnten wir jetzt aber nachweisen, dass ME/CFS durch COVID-19 ausgelöst werden kann.“

Chronische Erschöpfung – auch nach mildem COVID-19-Verlauf

Für die Studie untersuchten Expert*innen des Post-COVID-Netzwerks der Charité 42 Personen, die sich mindestens sechs Monate nach ihrer SARS-CoV-2-Infektion an das Charité Fatigue Centrum gewandt hatten, weil sie noch immer stark an Fatigue, also einer krankhaften Erschöpfung und eingeschränkter Belastungsfähigkeit in ihrem Alltag litten. Die meisten von ihnen konnten lediglich zwei bis vier Stunden am Tag einer leichten Beschäftigung nachgehen, einige waren arbeitsunfähig und konnten sich kaum noch selbst versorgen.

Während der akuten SARS-CoV-2-Infektion hatten nur drei der 42 Patient*innen ein Krankenhaus aufgesucht, aber keine Sauerstoffgabe benötigt. 32 von ihnen hatten einen nach der WHO-Klassifizierung milden COVID-19-Verlauf erlebt, also keine Lungenentzündung entwickelt, in der Regel jedoch ein bis zwei Wochen lang starke Krankheitssymptome wie Fieber, Husten, Muskel- und Gliederschmerzen empfunden. Da die SARS-CoV-2-Infektion in der ersten Welle der Pandemie stattgefunden hatte, war keine der in die Studie eingeschlossenen Personen geimpft gewesen. In der Charité wurden alle Betroffenen von einem interdisziplinären Team aus den Fachbereichen Neurologie, Immunologie, Rheumatologie, Kardiologie, Endokrinologie und Pneumologie mit langjähriger Erfahrung in der Diagnose von ME/CFS untersucht. Zum Vergleich zogen die Forschenden 19 Personen mit ähnlichem Alters- und Geschlechtsprofil sowie einer vergleichbaren Krankheitsdauer heran, die ME/CFS nach einer anderen Infektion entwickelt hatten.

Eindeutige Diagnose gemäß kanadischer Konsensuskriterien

Für die Diagnosestellung berücksichtigten die Forschenden die kanadischen Konsensuskriterien. „Dieser Kriterienkatalog wurde wissenschaftlich entwickelt und hat sich im klinischen Alltag bewährt, um ein Chronisches Fatigue-Syndrom eindeutig zu diagnostizieren“, erklärt Dr. Judith Bellmann-Strobl, Leiterin der multidisziplinären Hochschulambulanz des Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung der Charité und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). Zusammen mit Carmen Scheibenbogen hat sie die Studie geleitet.

Den kanadischen Konsensuskriterien zufolge erfüllten knapp die Hälfte der untersuchten Patient*innen nach ihrer SARS-CoV-2-Infektion das Vollbild einer ME/CFS-Erkrankung. Die andere Hälfte hatte vergleichbare Symptome, ihre Beschwerden nach körperlicher Anstrengung, die sogenannte Postexertionelle Malaise, waren jedoch meist nicht so stark ausgeprägt und hielten nur für einige Stunden an. Dagegen trat die Verschlimmerung der Symptome bei den ME/CFS-Patient*innen auch noch am nächsten Tag auf. „Wir können also zwei Gruppen von Post-COVID-Betroffenen mit stark reduzierter Belastbarkeit unterscheiden“, resümiert Judith Bellmann-Strobl.

Verminderte Handkraft

Neben der Erfassung der Symptome ermittelten die Forschenden verschiedene Laborwerte und setzten sie in Beziehung zur Handkraft der Erkrankten, die bei den meisten vermindert war. „Bei den Menschen mit der weniger stark ausgeprägten Belastungsintoleranz stellten wir unter anderem fest, dass sie weniger Kraft in den Händen hatten, wenn sie einen erhöhten Spiegel des Immunbotenstoffs Interleukin-8 aufwiesen. Möglicherweise ist die reduzierte Kraft der Muskulatur in diesen Fällen auf eine anhaltende Entzündungsreaktion zurückzuführen“, sagt Carmen Scheibenbogen. „Bei den Betroffenen mit ME/CFS korrelierte die Handkraft dagegen mit dem Hormon NT-proBNP, das von Muskelzellen bei zu schlechter Sauerstoffversorgung ausgeschüttet werden kann. Das könnte darauf hinweisen, dass bei ihnen eine verminderte Durchblutung für die Muskelschwäche verantwortlich ist.“

Nach vorläufigen Beobachtungen der Wissenschaftler*innen könnte die Unterscheidung der beiden Gruppen sich auch im Krankheitsverlauf spiegeln. „Bei vielen Menschen, die ME/CFS-ähnliche Symptome haben, aber nicht das Vollbild der Erkrankung entwickeln, scheinen sich die Beschwerden langfristig zu verbessern“, erklärt Carmen Scheibenbogen.

ME/CFS ist nicht psychosomatisch

Die neuen Erkenntnisse könnten zur Entwicklung spezifischer Therapien für das Post-COVID-Syndrom und ME/CFS beitragen. „Unsere Daten liefern aber auch einen weiteren Beleg dafür, dass es sich bei ME/CFS nicht um eine psychosomatische, sondern um eine schwerwiegende körperliche Erkrankung handelt, die man mit objektiven Untersuchungsmethoden erfassen kann“, betont Carmen Scheibenbogen. „Leider können wir ME/CFS aktuell nur symptomatisch behandeln. Deshalb kann ich auch jungen Menschen nur ans Herz legen, sich mithilfe einer Impfung und dem Tragen von FFP2-Masken vor einer SARS-CoV-2-Infektion zu schützen.“

Über ME/CFS

ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom) ist eine schwerwiegende Erkrankung, die meistens durch einen Infekt ausgelöst wird und oft chronifiziert. Hauptmerkmal ist die „Postexertionelle Malaise“, eine ausgeprägte Verstärkung der Beschwerden nach geringer körperlicher oder geistiger Belastung, die erst nach mehreren Stunden oder am Folgetag einsetzt und mindestens bis zum nächsten, aber oft auch mehrere Tage oder länger anhält. Sie ist verbunden mit körperlicher Schwäche, häufig Kopf- oder Muskelschmerzen sowie neurokognitiven, autonomen und immunologischen Symptomen. Die Häufigkeit von ME/CFS in der Bevölkerung wurde weltweit bereits vor der Pandemie auf etwa 0,3 Prozent geschätzt. Expert*innen gehen davon aus, dass die Anzahl der Betroffenen durch die COVID-19-Pandemie deutlich steigen wird. Als Auslöser für ME/CFS waren bisher Krankheitserreger wie das Epstein-Barr-Virus, das Dengue-Virus und Enteroviren bekannt. Auch unter den Personen, die sich 2002/2003 mit dem ersten SARS-Coronavirus infizierten, wurden ME/CFS-Fälle beobachtet. Von einer ME/CFS-Erkrankung abzugrenzen ist eine sogenannte postinfektiöse Fatigue, die im Rahmen vieler Infektionskrankheiten wochen- bis monatelang anhalten kann.

Zur Studie

Basis für die jetzt veröffentlichten Daten war die Studienplattform Pa-COVID-19. Pa-COVID-19 ist die zentrale longitudinale Registerstudie für COVID-19-Patient*innen an der Charité. Sie zielt darauf ab, COVID-19-Betroffene klinisch sowie molekular schnell und umfassend zu untersuchen, um individuelle Risikofaktoren für schwere Verlaufsformen sowie prognostische Biomarker und Therapieansätze zu identifizieren.

Behandlung von ME/CFS an der Charité

Für die Diagnostik und Behandlung von Menschen mit lang andauernden Beschwerden nach einer SARS-CoV-2-Infektion betreibt die Charité elf Spezialambulanzen an verschiedenen Kliniken und Instituten, die im Post-COVID-Netzwerk zusammenarbeiten und unterschiedliche Patient*innen abhängig von ihrer Hauptsymptomatik betreuen. Dazu gehört auch das Charité Fatigue Centrum, das die Anlaufstelle für Personen ist, die mindestens sechs Monate nach ihrer COVID-19-Erkrankung anhaltend schwere Fatigue, Konzentrationsstörungen und eine Belastungsintoleranz haben und deren Symptome nach Anstrengung zunehmen. Im Rahmen des Projekts CFS_CARE besteht ein interdisziplinäres Versorgungsangebot für Patient*innen mit ME/CFS, das ein speziell entwickeltes Rehaprogramm mit einschließt.

Weitere Informationen

forschen / 19.08.2022
CRISPR-basierte Schnelltests für Herzinfarkt & Krebs

Illustration von Nanopartikeln, die aus einem Goldkern und einer Hülle aus Platin bestehen. Sie wirken als Signalverstärker, um mit CRISPR/Cas Enzymen Nukleinsäuren zu ermitteln. (Illustration: Midjourney)
Illustration von Nanopartikeln, die aus einem Goldkern und einer Hülle aus Platin bestehen. Sie wirken als Signalverstärker, um mit CRISPR/Cas Enzymen Nukleinsäuren zu ermitteln. (Illustration: Midjourney)

Ein CRISPR-basierter Schnelltest namens CrisprZyme könnte Hausärztinnen und -ärzten helfen, Herzinfarkte zu diagnostizieren und Prostatakrebsarten zu unterscheiden. Dafür sei kein eigenes Labor nötig, berichtet ein internationales Team – darunter Michael Kaminski – in „Nature Nanotechnology“.

Antigen-Schnelltests kennt seit der Pandemie fast jeder. Sind virale Eiweißfragmente in einem Abstrich enthalten, binden Antikörper sie auf einem Teststreifen und eine Bande entsteht. Sollen dagegen typische Erbgutbestandteile (RNA oder DNA) nachgewiesen werden, sind aufwändigere Verfahren wie die PCR nötig. Das Erbgut muss zuerst aufbereitet und vervielfältigt werden. Solche Tests dauern länger und sie sind nur in einem entsprechenden Labor möglich.

Ähnlich ist es bisher bei der CRISPR-basierten Diagnostik, bei der Cas-Enzyme so programmiert werden, dass sie DNA- oder RNA-Stücke aufspüren. Die Technologie kann zwar mit einem Teststreifen sehr kleine, für eine Krankheit oder Infektion typische Segmente einer RNA-Sequenz (Biomarker) in Proben wie Urin oder Blut aufspüren. Doch zuvor muss man zumeist die RNA unter kontrollierten Bedingungen und mit teurem Gerät vervielfältigen, damit das Signal stark genug ist. Wie viel Biomarker in der Probe war, ist dann nicht mehr nachvollziehbar. Für Ärzt*innen, die etwa den Verlauf von Krankheiten wie Krebs oder Herzleiden überwachen, ist diese Information aber zentral.

Eine neue Methode namens CrisprZyme bietet nun diese Signalverstärkung für CRISPR-basierte Diagnostik, berichtet ein internationales Forschungsteam vom Imperial College London, vom M.I.T. in Boston und vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) sowie der Charité – Universitätsmedizin Berlin im Fachmagazin „Nature Nanotechnology“. Mit dem Schnelltest könnten Ärztinnen in Zukunft ohne eigenes Labor Biomarker für akute Herzinfarkte schnell aufspüren und bestimmte Prostatakrebsarten unterscheiden. Damit sei die Methode vor allem für Hausärzt*innen oder für karg ausgestattete Kliniken im globalen Süden relevant.

Auch bei Raumtemperatur

„Der Test ist einfach handzuhaben und funktioniert selbst bei Raumtemperatur. Das Ergebnis kann mit bloßem Auge oder auf einem Papierstreifen ausgelesen werden“, sagt Dr. Michael Kaminski, einer der Erstautoren und Leiter einer Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und am Berlin Institute for Medical Systems Biology (BIMSB) des MDC. „Wenn wir diagnostische Tests vereinfachen, können Ärzt*innen sie gleich in ihrer Praxis machen – ohne neue Termine für Folgeanalysen und Bluttests zu vereinbaren“, ergänzt Erstautorin Dr. Marta Broto vom Imperial College London.

CrisprZyme ersetzt oder verstärkt den Prozess der Vervielfältigung mit einer kolorimetrischen Analyse. Die Menge des Biomarkers ist anhand einer Farbskala erkennbar. Möglich war das dank Nanoenzymen, also winzigen synthetischen Materialien, die sich wie Enzyme verhalten. Sie verstärken das Signal des Tests, sodass die Kolorimetrie leichter abzulesen ist. Temperaturkontrolle und weitere Schritte entfallen. Der Test kann auch nichtkodierende RNA aufspüren, einschließlich mikroRNA, lange nichtkodierende RNA und zirkuläre RNA.

Noch schneller und nutzerfreundlicher

„Das Verfahren kann uns genau sagen, wie viel Biomarker vorhanden ist. Es hilft uns also nicht nur bei der Diagnose, sondern wir können damit auch den Verlauf einer Erkrankung im Laufe der Zeit überwachen und die Reaktion auf eine Behandlung“, sagt Hauptautorin Professorin Molly Stevens vom Imperial College London.

Derzeit macht CrisprZyme noch nicht alle Schritte überflüssig. Die Probe muss vor dem Test mit Chemikalien behandelt werden, um den gewünschten Biomarker zu extrahieren. „Wir arbeiten aber daran, den Prozess noch schneller und nutzerfreundlicher zu machen“, sagt Kaminski. Auch wie empfindlich und wie zuverlässig der Test verschiedene Biomarker bei Patientinnen und Patienten erkennt, muss das Team noch sorgfältig validieren. Das Potenzial allerdings ist groß, meinen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Sie haben die nächsten Krankheitsbilder bereits im Blick.

Weiterführende Informationen

Zur MDC-Pressemeldung

AG Kaminski

Neuer CRISPR-Diagnostiktest

Pressemeldung des Imperial College London (03.08.2022)

Literatur

Michael M. Kaminski et al (2022): „Nanozyme-catalysed CRISPR assay for preamplification-free detection of non-coding RNAs“. Nature Nanotechnology, DOI: 10.1038/s41565-022-01179-0

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de

Quelle: Pressemitteilung MDC

www.mdc-berlin.de

forschen, produzieren, heilen / 17.08.2022
Made in Berlin – Wirtschaftssenator Stephan Schwarz besuchte den Campus Berlin-Buch

Dr. Ulrich Scheller, Senator Stephan Schwarz, Staatssekretär Michael Biel und Dr. Christina Quensel vor dem Gründerzentrum BerlinBioCube. Foto: Peter Himsel
Dr. Ulrich Scheller, Senator Stephan Schwarz, Staatssekretär Michael Biel und Dr. Christina Quensel vor dem Gründerzentrum BerlinBioCube. Foto: Peter Himsel

Wirtschaftssenator Stephan Schwarz informierte sich am 17. August 2022 gemeinsam mit Staatssekretär Michael Biel über die wirtschaftliche Entwicklung des Wissenschafts- und Biotechcampus

Berlin-Buch ist einer der elf Zukunftsorte in Berlin, die über ein hohes Potenzial an Innovationskraft und Flächen verfügen. Auf dem biomedizinischen Campus arbeiten exzellente Wissenschaftler:innen aus aller Welt an der Medizin der Zukunft. Im BiotechPark Berlin-Buch zeigen Spin-offs der Forschungseinrichtungen, wie aus Wissenschaft Wirtschaft wird.

Im Rahmen der Unternehmenstour „Made in Berlin“ besuchte Stephan Schwarz, Senator für Wirtschaft, Energie und Betriebe des Landes Berlin, gemeinsam mit Staatsekretär Michael Biel am 17. August 2022 erfolgreiche Unternehmen des BiotechParks und informierte sich über vielversprechende Ausgründungsprojekte von Forschungsteams am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin.

Enges Netzwerk für die Gesundheit
Am Gesundheitsstandort Berlin-Buch verbinden sich seit Jahrzehnten Forschen und Heilen, Erfinden und Therapieren. Hier arbeiten etablierte Unternehmen neben Start-ups in den Life Sciences, wirken Ärzte- und Forschungsteams Hand in Hand. International renommierte Forschungseinrichtungen wie das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), die Charité – Universitätsmedizin, das Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) sowie Biotechnologieunternehmen und Kliniken bilden ein Netzwerk. Aufbauend auf ersten Ausgründungen zu Beginn der neunziger Jahre, gehört der Campus heute zu den größten BiotechParks in Europa. Mit klarem Fokus auf Biomedizin bildet er die komplette Wertschöpfungskette von der Erkenntnis über die Entwicklung bis zur Produktion marktfähiger Innovationen ab und besitzt ein herausragendes Wachstumspotenzial.

Seit 1992 wurden auf dem Campus mehr als 600 Millionen Euro von EU, Bund und Land in die Forschungs- und Biotech-Infrastruktur investiert. „Ganz entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg unseres Campus ist die enge Verbindung von Grundlagen- und klinischer Forschung, State-of-the-art-Technologieplattformen und dem Ziel, biomedizinische Erkenntnisse in die Anwendung zu bringen“, sagte Dr. Christina Quensel, Geschäftsführerin der Betreibergesellschaft des Campus.

Sichtbares Zeichen für das anhaltende Wachstum ist der Neubau des Gründerzentrums BerlinBioCube im BiotechPark. Der „BerlinBioCube“ wird 2023 eröffnen und 8.000 Quadratmeter modernste Labor- und Bürofläche für Startups in der Biotechnologie, Medizintechnik und angrenzenden Bereichen bieten. Mit seiner Fertigstellung im nächsten Jahr können circa 30 Start-ups ihre Geschäftstätigkeit aufnehmen und bis zu 400 Arbeitsplätze schaffen. Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführer der Campus Berlin-Buch GmbH, und Dr. Quensel informierten die Besucher über Pläne für den Ausbau des Campus, die Erweiterung des Biotechparks auf ca. 9 ha in unmittelbarer Nähe, um die Expansion der Firmen vor Ort und zusätzliche Ansiedlung von Biotech-Unternehmen zu ermöglichen.

Made in Berlin – Made in Buch
Auf dem Programm stand der Besuch der Labore von T-knife, einer Ausgründung des MDC zusammen mit der Charité. T-knife, dessen Technologie für neuartige Immuntherapien gegen Krebs auf jahrzehntelanger Grundlagenforschung am MDC beruht, gehört zu den erfolgreichsten Start-ups in der Biotech-Szene. Das junge Unternehmen ist in der Lage, die T-Zellen der Patient:innen so zu verändern, dass sie Krebszellen als Eindringlinge identifizieren können. Das Ziel von T-knife ist es, Krebserkrankungen mit Hilfe genetisch veränderter Immunzellen zu heilen. 2021 konnte T-knife 110 Millionen Dollar von internationalen Investoren einwerben.

Die zweite Station führte zur emp Biotech GmbH. Das Unternehmen wurde 1993 gegründet und gehörte zu den ersten im BiotechPark. Stark gewachsen, ist emp Biotech heute ein führender Hersteller von Reagenzien für die Oligonukleotidsynthese, Feinchemikalien und Chromatographie-Materialien – Produkte für die frühe Phase der Forschung und Entwicklung bis hin zur großtechnischen Herstellung in der pharmazeutischen und biotechnologischen Industrie.

Am Max-Delbrück-Centrum stellten der Wissenschaftliche Vorstand Prof. Thomas Sommer (komm.) und die Forscherinnen PD Dr. Uta Elisabeth Höpken und Dr. med. Verena Schöwel-Wolf zwei vielsprechende Ausgründungsprojekte vor. So entwickelt die Arbeitsgruppe von Uta Höpken mittels Designer-Immunzellen eine zelluläre Immuntherapie, die Leukämien und Lymphome spezifischer bekämpfen kann. Das Start-Up-Projekt MyoPax des MDC-Charité-Teams von Prof. Simone Spuler, das Dr. Schöwel-Wolf präsentierte, nutzt seine innovative Muskelstammzelltechnologie zur Entwicklung regenerativer Therapien für bisher unheilbare Muskelkrankheiten.  „Wir fördern am MDC systematisch solche innovativen Projekte und Spin-offs. Wir wollen unsere Forschung schnell zu den Patient:innen bringen und ermutigen in diesem Sinne zu einer Entrepreneurship-Kultur“, sagte Thomas Sommer.

Zum Abschluss besuchten Wirtschaftssenator Schwarz und Staatssekretär Biel die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG, die ihren Ursprung ebenfalls auf dem Campus hat und heute mit über 900 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie gehört. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung und ist im SDAX der Deutschen Börse gelistet.

Abschließend sagte Wirtschaftssenator Stephan Schwarz: "Ich bin fasziniert, diesen Biotechnologie- und Life Science Standort in Berlin zu haben. Er ist sicherlich einer der Treiber der wirtschaftlichen Entwicklung."

Hintergrundinformationen
Der Campus Berlin‐Buch ist ein moderner Wissenschafts‐, Gesundheits‐ und Biotechnologiepark. Alleinstellungsmerkmale sind der klare inhaltliche Fokus auf Biomedizin und das enge räumliche und inhaltliche Zusammenwirken von Forschungsinstituten, Kliniken und Biotechnologie‐Unternehmen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erforschung molekularer Ursachen von Krebs,‐ Herzkreislauf‐ und neurodegenerativen Erkrankungen, eine interdisziplinär angelegte Grundlagenforschung zur Entwicklung neuer Therapien und Diagnoseverfahren, eine patientenorientierte Forschung und die unternehmerische Umsetzung biomedizinischer Erkenntnisse.
Dank exzellenter Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen im BiotechPark hat der Campus ein herausragendes Innovations‐ und Wachstumspotenzial. Dazu gehören als Einrichtungen der Grundlagenforschung das Max‐Delbrück‐Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz‐Gemeinschaft (MDC) und das Leibniz‐Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), das gemeinsam von MDC und Charité – Universitätsmedizin Berlin betriebene und auf klinische Forschung spezialisierte Experimental and Clinical Research Center (ECRC) sowie das Berlin Institute of Health (BIH). Seit 1992 sind über 600 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln durch die EU, den Bund und das Land Berlin in den Campus Berlin‐Buch investiert worden, um diese Synergien zu unterstützen.

Der BiotechPark Berlin‐Buch gehört mit 73 Unternehmen, 820 Beschäftigten und rund 31.000 Quadratmetern Büro‐ und Laborfläche zu den führenden Technologieparks in Deutschland. Ausgründungen im Bereich der Life Sciences finden hier ideale Bedingungen, vom Technologietransfer bis hin zu branchenspezifischen Labor‐ und Büroflächen. Die Life Science Community vor Ort ermöglicht einen direkten Austausch und gemeinsame Projekte. Der BiotechPark trägt maßgeblich zur dynamischen Entwicklung der Biotechnologie‐Region Berlin‐ Brandenburg bei und stärkt in besonderem Maße die industrielle Gesundheitswirtschaft.

Als Betreibergesellschaft des Campus ist die Campus Berlin‐Buch GmbH (CBB) Partner für alle dort ansässigen Unternehmen und Einrichtungen. Biotechnologieunternehmen – von Start‐ups bis zu ausgereiften Firmen – anzusiedeln, zu begleiten und in allen Belangen zu unterstützen, gehört zu ihren wesentlichen Aufgaben. Hauptgesellschafter der CBB ist mit 50,1 % das Land Berlin. Weitere Gesellschafter sind das Max‐Delbrück‐Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz‐Gemeinschaft (29,9 %) und der Forschungsverbund Berlin e.V. für das Leibniz‐Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (20 %).
 
Zukunftsorte sind Standorte, an denen vor Ort Netzwerkstrukturen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft existieren bzw. geschaffen werden sollen. Der tatsächlich gelebte Austausch und die Kooperationen von Wirtschafts-, Forschungs-, und Technologieeinrichtungen fördern die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft. Zukunftsorte generieren Wachstum basierend auf zukunftsweisenden Produkten durch wertschöpfende Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft. Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe fördert diesen europaweit einzigartigen Zusammenschluss u. a. durch die gemeinsame Geschäftsstelle der Zukunftsorte Berlin. Näheres dazu: www.businesslocationcenter.de/zukunftsorte
www.campusberlinbuch.de

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.
www.mdc-berlin.de

produzieren / 11.08.2022
Eckert & Ziegler mit erfolgreichem ersten Halbjahr 2022

Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG (ISIN DE0005659700, SDAX) konnte ihren Umsatz im ersten Halbjahr um 19% auf 106,8 Mio. EUR steigern. Der Nettogewinn lag mit 15,4 Mio. EUR unter dem Vorjahreszeitraum, in dem der Verkauf und die damit verbundene Entkonsolidierung der Tumorgerätesparte Sondererträge in Höhe von ca. 9,4 Mio. EUR generierte. Bereinigt um diesen Einmaleffekt erhöhte sich das Konzernergebnis der Aktionäre der EZAG im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 20% von 12,8 auf 15,4 Mio. EUR. Zu diesem Ertragsanstieg trugen gestiegene Umsätze mit industriellen Produkten und Radiopharmazeutika sowie günstige Wechselkurse bei.

Das Segment Isotope Products erzielte mit 68,2 Mio. EUR einen um 17,9 Mio. EUR (36%) gestiegenen Umsatz gegenüber den ersten sechs Monaten 2021. Fast alle Hauptproduktgruppen trugen zu dieser guten Entwicklung bei, insbesondere die industriellen Komponenten und das Entsorgungsgeschäft. Rund 4,7 Mio. EUR des Anstiegs sind auf die Akquisition der argentinischen Gesellschaft Tecnonuclear SA zurückzuführen. 3,7 Mio. EUR begründeten sich in einem günstigen US-Dollar Wechselkurs.

Die Umsätze im Segment Medical lagen im ersten Halbjahr mit 41,7 Mio. EUR auf Vorjahresniveau. Unter Berücksichtigung der durch die Entkonsolidierung der Tumorgerätesparte entfallenen Umsätze in Höhe von 1,1 Mio. EUR konnte das Umsatzniveau im Vergleich zum Vorjahr allerdings leicht gesteigert werden.

Die Ergebnisse des ersten Halbjahres entsprechen den Erwartungen des Vorstands. Für das Geschäftsjahr 2022 rechnet der Vorstand mit einem Umsatz von rund 200 Mio. EUR und einem Jahresüberschuss von rund 27 Mio. EUR. Die Prognose steht unter dem Vorbehalt, dass aus den Entwicklungen in der Ukraine weiterhin keine größeren Verwerfungen resultieren.

Den vollständigen Quartalsbericht finden Sie hier:
https://www.ezag.com/fileadmin/user_upload/ezag/investors-financial-reports/deutsch/euz222d.pdf

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den führenden Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet weltweit an seinen Standorten Dienstleistungen und Produkte im Bereich der Radiopharmazie an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im SDAX der Deutschen Börse gelistet.
 

Quelle: Press Release EZAG
Eckert & Ziegler mit erfolgreichem ersten Halbjahr 2022

www.ezag.com

forschen, produzieren, leben, heilen / 28.07.2022
Bausenator Geisel zu Gast am Zukunftsort Berlin-Buch

Bezirksbürgermeister Sören Benn und Bausenator Andreas Geisel vor dem Neubau der Grundschule Karower Chaussee (Foto: Jonas Teune / BA Pankow)
Bezirksbürgermeister Sören Benn und Bausenator Andreas Geisel vor dem Neubau der Grundschule Karower Chaussee (Foto: Jonas Teune / BA Pankow)

Heute besuchte Bausenator Geisel auf Einladung des Bezirksbürgermeister Sören Benn den Zukunftsort Berlin-Buch. Der Stadtteil wird in den nächsten Jahren nachhaltig erneuert – Gesundheitswirtschaft, Wohnen und Leben werden wachsen. Auf einer Radtour zeigten Sören Benn und Bezirksstadträtin Rona Tietje dem Bausenator daher die Bereiche, die sich besonders stark entwickeln werden.

Start war auf dem Wissenschafts- und Technologiecampus. Dr. Christina Quensel und Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführende der Campus Berlin-Buch GmbH, stellten die Potenziale des biomedizinischen Campus vor, auf dem aus Wissenschaft Wirtschaft wird. Der BiotechPark gehört mit 73 Firmen zu den größten in Europa. Aktuell entsteht ein neues Gründerzentrum BerlinBioCube, in dem Start-ups bis zu 400 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen können. Der Bedarf nach zusätzlichen Flächen für Biotech-Firmen ist groß: Auf der benachbarten Brunnengalerie soll der Campus deshalb auf einer Fläche von 9 ha für forschungsnahes Gewerbe erweitert werden.

Die Tour führte über die Brunnengalerie nach Buch Süd und zur Fläche Am Sandhaus, wo zwei neue nachhaltige Quartiere mit 3.500 Wohnungen geplant sind. Das Ludwig Hoffmann Quartier wächst noch um 500 Wohnungen. Aktuell entsteht eine neue Grundschule, und es werden weitere Schulen, Kitas und ein Bildungs- und Integrationszentrum entstehen. Auch die Infrastruktur mit Parks, Radwegen wird erneuert.

„Wohnen, Gewerbe und Wissenschaft zusammenzubringen – das hat schon Potenzial", sagte Senator Geisel. „Es war ein anregender Austausch über konkrete Projekte vor Ort. Berlin braucht mehr bezahlbare Wohnungen, aber auch soziale Infrastruktur und Freiflächen. Meine Verwaltung und das Bezirksamt Pankow arbeiten eng zusammen, um all das hier in Buch entstehen zu lassen.“

www.campusberlinbuch.de

forschen / 24.07.2022
Ungebremst gegen den Blutkrebs

Armin Rehm und Uta Höpken wollen die Immunabwehr gegen Krebs verbessern. Was bislang nur im Mausmodell möglich war, zeigen die Forschenden nun in menschlichen Zellen – die Ergebnisse in „Molecular Therapy“ erhöhen die Chancen auf eine hochwirksame Immuntherapie gegen Blutkrebs.

Für Menschen mit bestimmten Leukämieformen, Lymphomen oder Multiplem Myelom, sind sie manchmal die letzte Chance, den Krebs zu besiegen: Behandlungen mit chimären Antigenrezeptor-T-Zellen, kurz: CAR-T-Zellen. Dazu werden den Patient*innen T-Zellen aus dem Blut entnommen, um diese außerhalb des Körpers mit künstlich hergestellten Rezeptoren, den CARs auszustatten. Als Wächter des Immunsystems patrouillieren T-Zellen permanent durch Gefäße und Gewebe, um körperfremde Strukturen aufzuspüren. Durch die CARs können sie zusätzlich ganz bestimmte Oberflächenstrukturen auf Krebszellen erkennen. Via Infusion dem oder der Patient*in zurückgegeben, zirkulieren sie dann als „lebendes Medikament“ im Körper, binden hochspezifisch an Tumorzellen und zerstören sie.

Die veränderten Immunzellen verbleiben dauerhaft im Organismus, vermehren sich und treten erneut in Aktion, wenn der Krebs wieder aufflammen sollte – so die Theorie. Doch in der Praxis kommt es bei vielen Patient*innen trotzdem zu einem Rückfall. Denn den Tumorzellen gelingt es durch einen Trick, die CAR-T-Zellen auszubremsen: Sie bilden vermehrt das Protein EBAG9, kurbeln aber auch dessen Synthese in den T-Zellen an. In den Immunzellen hemmt EBAG9 die Ausschüttung von zelltoxischen Enzymen – bremst also die gewünschte Immunreaktion aus.

Bereits im Juni 2022 zeigte ein Team um die Letztautor*innen Dr. Armin Rehm und Dr. Uta Höpken vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) im Fachjournal „JCI Insight“, dass die Immunantwort gegen die Krebszellen dauerhaft verstärkt wird, wenn sie bei Mäusen das EBAG9-Gen ausschalten. Bei den Nagern entwickelten sich außerdem mehr T-Memory-Zellen. Sie sind Teil des immunologischen Gedächtnisses, das nach dem ersten Kontakt mit einem Krebsantigen seine Reaktionsfähigkeit erhöht.

Nun konnten die Forschenden diese zentralen Ergebnisse auch in vitro bei menschlichen CAR-T-Zellen zeigen. Der entscheidende Schritt zur therapeutischen Anwendung sei damit gelungen, berichtet das Team jetzt in „Molecular Therapy“. „Ohne EBAG9 kommt es früher zu einem radikaleren Ausmerzen von Tumorzellen, was vermutlich nicht nur zu länger andauernden Therapieerfolgen führt, sondern auch echte Heilungschancen eröffnet“, sagt Rehm.

Bremse lösen in der Immuntherapie

Schon als das EBAG9-Gen entdeckt wurde, erkannten Wissenschaftler*innen, dass es bei Krebs eine wichtige Rolle spielt. Doch welche genau, blieb lange unklar. Als das MDC-Team 2009 in das Thema einstieg, stellte es zunächst fest, dass Mäuse, denen das Gen fehlte, viel leichter mit bakteriellen und viralen Infektionen fertig wurden als ihre Artgenossen und mehr T-Gedächtniszellen bildeten, die für die Tumorbiologie besonders interessant sind.

2015 gelang es dann Erstautorin Dr. Anthea Wirges, die Synthese des Proteins EBAG9 mit Hilfe von Mikro-RNAs erfolgreich zu drosseln. Für die aktuelle Studie kultivierte die Forscherin auf diese Weise „enthemmte“ CAR-T-Zellen jeweils zusammen mit verschiedenen menschlichen Blut- oder Lymphdrüsenkrebszellen. Genau wie zuvor im Mausmodell wurde das Tumorwachstum deutlich stärker reduziert. Auch Rezidive entwickelten sich erst sehr viel später.

„Durch das Lösen der EBAG9-Bremse kann die genetisch veränderte T-Zelle mehr zytotoxische Substanzen ausscheiden. Sie entfacht aber keinen stärkeren Zytokinsturm, der eine typische Nebenwirkung der CAR-Therapie ist“, erklärt Wirges. Im Gegenteil: das Risiko lässt sich sogar minimieren, weil weniger Zellen als üblich verwendet werden müssen. „Das Ausschalten der Immunbremse funktioniert universell. Das können wir bei jeder CAR-T-Zelle anwenden, die wir herstellen – egal gegen welche Blutkrebsform sie gerichtet ist.“

Der nächste Schritt sind klinische Studien

Die erste Therapie bei Blutkrebs ist und bleibt aber weiterhin die Chemotherapie, dazu kommt eine klassische Antikörpertherapie, denn viele Patient*innen sprechen sehr gut darauf an. „Erst wenn der Krebs zurückkehrt, kommt die CAR-Therapie ins Spiel. Sie ist sehr kostspielig, weil sie ein individuelles zelluläres Produkt für nur einen einzigen Menschen ist“, sagt Höpken. Eines, mit dem man mit einer einmaligen Behandlung ein Leben retten kann.

An EBAG9 zeigt sich, wie wichtig es ist, in der Forschung durchzuhalten und einen langen Atem zu haben. Wirges ließ sich davon anspornen, dass am Ende ihrer Arbeit eine reale Chance für die klinische Anwendung steht. „Projekte wie dieses erlauben es, sich zunächst in der Grundlagenforschung Techniken anzueignen, um dann in der translationalen Forschung alles anzuwenden – bis hin zum toxikologischen Screening für die regulatorischen Prozesse“, ergänzt Rehm. An diesem letzten Punkt ist das Projekt nun angelangt: Im November werden die Forschenden ihr Konzept dem Paul-Ehrlich-Institut, der deutschen Zulassungsbehörde, vorstellen.

Aus Tiermodellen und in vitro-Experimenten mit menschlichen Zellen weiß das Team mittlerweile, dass die gelöste EBA9-Bremse sehr wirksam ist, aber nicht zu mehr Nebenwirkungen führt als die herkömmliche CAR-T-Zelltherapie. „Nun braucht es mutige Klinikerinnen und Kliniker und einen Partner für die Finanzierung der klinischen Studien“, sagt Rehm. Wenn alles gut geht, könnte die ungebremste CAR-T-Zelltherapie bereits in zwei Jahren Patient*innen zur Verfügung stehen.

Weiterführende Informationen

Literatur:

Anthea Wirges et al. (2022): „EBAG9-silencing exerts an immune checkpoint function without aggravating adverse effects“. Molecular Therapy, DOI: 10.1016/j.ymthe.2022.07.009

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

Quelle: Pressemitteilung MDC
Ungebremst gegen den Blutkrebs

forschen / 22.07.2022
Die Reparaturtricks des Zebrafischs

Bild: AG Panáková, MDC
Bild: AG Panáková, MDC

Zebrafische können zerstörtes Herzmuskelgewebe regenerieren. Dabei spielen Bindegewebszellen eine wichtige Rolle, die vorübergehend in einen aktivierten Zellzustand übergehen. Das berichten MDC-Forscher*innen um Jan Philipp Junker und Daniela Panáková im Magazin „Nature Genetics“.

Wenn ein Mensch einen Herzinfarkt erleidet und nicht schnell behandelt wird, sterben durch den Sauerstoffmangel geschädigte Herzmuskelzellen ab. Es bildet sich Narbengewebe. Weil sich daraus keine neuen Herzmuskelzellen (Kardiomyozyten) entwickeln können, sinkt die Pumpleistung des Herzens. Ganz anders bei niederen Wirbeltieren wie dem Zebrafisch: Er kann Organe regenerieren – auch sein Herz.

„Wir wollten wissen, wie der kleine Fisch das macht und ob wir daraus lernen können“, sagt Professor Jan Philipp Junker, Leiter der Arbeitsgruppe „Quantitative Entwicklungsbiologie“ am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) in Berlin. Zusammen mit Dr. Daniela Panáková, die am MDC die AG „Elektrochemische Signalübertragung in der Entwicklung und bei Krankheiten“ leitet, simulierten die Wissenschaftler*innen infarktähnliche Verletzungen am Zebrafischherz. Anhand von Einzelzellanalysen und Zellstammbäumen verfolgten sie, wie sich die Herzmuskelzellen regenerierten. Ihre Beobachtungen beschreiben sie nun im Fachmagazin „Nature Genetics“.

Beim Menschen stoppt der Prozess

Zunächst berührten sie das nur einen Millimeter große Fischherz unter dem Mikroskop für wenige Sekunden mit einer kalten Nadel. Das betroffene Gewebe stirbt dort ab. Genau wie bei Infarktpatient*innen kommt es zunächst zu einer Entzündungsreaktion, dann bildet sich eine Narbe aus Bindegewebszellen, den Fibroblasten. „Überraschenderweise ist die unmittelbare Antwort auf die Verletzung ganz ähnlich. Doch während der Prozess beim Menschen an dieser Stelle stoppt, geht er beim Fisch weiter. Es bilden sich neue kontraktionsfähige Kardiomyozyten“, erklärt Junker.

„Wir wollten wissen, welche Signale von anderen Zellen kommen und dazu beitragen, diese Regeneration zu steuern“, fährt er fort. Mithilfe der Einzelzell-Genomik durchsuchte Junkers Team das verletzte Herz nach Zelltypen, die es im gesunden Fischherz nicht gibt. Die Forscher*innen fanden dabei drei neue Fibroblasten-Varianten, die vorübergehend in einen aktivierten Zellzustand übergehen. Äußerlich identisch mit den üblichen Fibroblasten, lesen diese aktivierten Zellen eine ganze Reihe von zusätzlichen Genen ab, die für die Bildung von Proteinen zuständig sind – unter anderem Bindegewebsfaktoren wie das Kollagen-12.

Fibroblasten geben Signal für Regeneration

Die Narbenbildung (Fibrose) wird beim Menschen eigentlich als Hindernis für die Regeneration des Herzens angesehen. Aber die Bindegewebszellen sind anscheinend für den Prozess wichtig, sobald sie vorübergehend in einen aktivierten Zustand übergehen. Wie wichtig zeigte sich, als Daniela Panáková mit Hilfe eines genetischen Tricks die Kollagen-12-bildenden Fibroblasten im Zebrafisch gezielt ausschaltete. Die Regeneration blieb aus. Dass es ausgerechnet Fibroblasten sind, die Signale für die Reparatur geben, ist aus Junkers Sicht sogar sinnvoll. „Denn sie entstehen ja genau am Ort der Verletzung“, sagt der Zellbiologe.

Um den Ursprung dieser aktivierten Fibroblasten zu finden, erstellte Junkers Team mithilfe einer 2018 in seinem Labor entwickelten Technik namens LINNAEUS Zellstammbäume. Die Technik beruht auf Narben im Erbgut, deren Kombination wie ein Barcode für die Herkunft jeder Zelle funktioniert. „Dieser Barcode entsteht mithilfe der Genschere CRISPR/Cas9. Wenn nach der Verletzung zwei Zellen die gleiche Barcodesequenz aufweisen, müssen sie miteinander verwandt sein“, erläutert Junkers das Prinzip. Die Wissenschaftler*innen machten zwei Quellen für vorübergehend aktivierte Fibroblasten aus: die äußere Herzgewebsschicht, das Epikard, und die innere, das Endokard. Zellen, die Kollagen-12 produzieren, fanden die Forschenden ausschließlich im Epikard.

Intensive Zusammenarbeit verschiedener Forschungsdisziplinen

Für die Studie arbeiteten mehrere MDC-Wissenschaftler*innen Hand in Hand – angefangen bei den Versuchen mit den Fischen über die Genanalyse bis hin zur bioinformatischen Interpretation der Ergebnisse. „Das Spannendste war für mich zu sehen, wie gut sich unsere Disziplinen ergänzen und wie sich die Resultate der Bioinformatik an einem lebenden Tier verifizieren lassen“, sagt Sara Lelek, Erstautorin der Studie und verantwortlich für die Tierversuche. „Es war ein großes Projekt, zu dem jeder sein Fachwissen beitragen konnte. Ich denke, das macht die Studie so umfassend und nützlich für viele Forschende.“

Dr. Sebastiaan Spanjaard, ebenfalls Erstautor, sieht das ähnlich. „Aufgrund unserer sehr verschiedenen Expertisen mussten wir uns regelmäßig gegenseitig unsere Experimente und Analysen erklären. Die Herzregeneration ist ein komplexer Prozess mit vielen Einflüssen. Die Datenmengen, die bei den Experimenten herauskommen, sind riesig. Daraus die richtigen biologischen Signale herauszufiltern, war eine große Herausforderung.“ 

Noch ist unklar, ob es dem geschädigten Herz von Säugetieren wie Mensch und Maus an entsprechenden Signalen fehlt – oder an der Fähigkeit, die Signale auszulesen. Fehlende Signale ließen sich wohl irgendwann durch entsprechende Medikamente imitieren. Eine fehlende Signalinterpretation nachzustellen, wäre sehr viel schwieriger, meint Jan Philipp Junker. 

Fibroblasten auch an neuen Blutgefäßen beteiligt

Als nächstes wollen die Forschenden sich die Gene genauer ansehen, die die vorübergehend aktivierten Fibroblasten besonders oft ablesen. Bekannt ist, dass darunter etliche sind, die für die Ausschüttung von Proteinen in die Umgebung wichtig sind. Darunter könnten Faktoren sein, die auch die Kardiomyozyten beeinflussen. Zudem gibt es erste Hinweise, dass die regenerationsfördernde Funktion dieser Fibroblasten im aktivierten Zellzustand nicht nur auf die Herzmuskelzellen, sondern auch auf die Bildung neuer Blutgefäße abzielt, die das Herzgewebe mit Sauerstoff versorgen.

Weiterführende Informationen

AG Quantitative Entwicklungsbiologie

AG Elektrochemische Signalübertragung in der Entwicklung und bei Krankheiten

Zwei ERC-Consolidator-Grants für MDC-Forscher

Wie Zellen Entscheidungen treffen

Literatur

Bo Hu et al (2022): „Origin and function of activated fibroblast states during zebrafish heart regeneration”. Nature Genetics, DOI: 10.1038/s41588-022-01129-5

Foto: Der Zebrafisch ist ein hervorragendes Modell, um die Regeneration zu untersuchen. Rechts: Ausgewachsener Zebrafisch unter dem Mikroskop. Links: Sieben Tage nach der Kryoverletzung lokalisieren sich im Zebrafischherz transient aktivierte Fibroblasten im Bereich der Verletzung. Bild: AG Panáková, MDC

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

Quelle: Pressemitteilung MDC
Die Reparaturtricks des Zebrafischs

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investieren / 21.07.2022
Eckert & Ziegler Affiliate Receives Further NIAID Funding for Clinical Development

Myelo Therapeutics GmbH, an Affiliate of Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG (ISIN DE0005659700, SDAX), has announced that the U.S. National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), part of the National Institutes of Health, extended their contract to advance the development of the new chemical entity Myelo001 to mitigate the acute radiation syndrome. The extension into year three of the three-year contract provides additional $ 2 million USD to Myelo Therapeutics to develop clinical-stage Myelo001 as an oral formulation MCM for the treatment of Hematopoietic Acute Radiation Syndrome (H-ARS). Initially awarded in April 2020, the total contract is valued at up to $ 6.5 million USD over three years, extending until March 2023.

About Acute Radiation Syndrome: ARS, also known as radiation toxicity or radiation sickness, is an acute illness that presents after exposure of large portions of the body to high levels of radiation, like those that might be experienced during a radiological or nuclear incident or attack. The primary manifestation of ARS is the depletion of hematopoietic stem and progenitor cells, constituting one of the major causes of mortality.

About Myelo001: Myelo001 is a clinical-stage, adjuvant cancer therapy for the treatment of chemotherapy- and radiotherapy-induced myelosuppression. It is delivered as an oral tablet formulation and can be stored at room temperature. Preclinical and clinical studies have shown that Myelo001 has prophylactic and therapeutic efficacy in reducing hematopoietic symptoms caused by radiation and chemotherapy. In irradiated mice and rabbits, Myelo001 reduced the nadir and accelerated the recovery of neutrophils, lymphocytes, thrombocytes, and erythrocytes. In mice, treatment 24 hours post-total body irradiation resulted in increased survival, faster bone marrow recovery, and reduced body weight loss. Moreover, Myelo001 treatment prior to and after chemotherapy led to the accelerated recovery of blood cells in human subjects. Comprehensive chronic toxicology and safety studies, as well as clinical studies, have confirmed Myelo001’s excellent safety profile.

About Eckert & Ziegler: Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG with its 900 employees, is a leading global specialist for isotope-related applications in nuclear medicine, industry, and radiation therapy. The company offers a broad range of services and products along the radioactive value chain, from early development work to contract manufacturing and distribution. Eckert & Ziegler shares (ISIN DE0005659700) are listed in the SDAX index of Deutsche Börse.

About Myelo Therapeutics: Myelo Therapeutics GmbH is a clinical-stage pharmaceutical company focused on developing medical countermeasures (MCM) and therapies for cancer supportive care in areas of high unmet medical needs, among them Radiation-Induced Myelosuppression (RIM), Acute Radiation Syndrome (ARS), and Chemotherapy-Induced Myelosuppression (CIM).

Quelle: Press Release EZAG
Eckert & Ziegler Affiliate Receives Further NIAID Funding for Clinical Development

forschen / 21.07.2022
Profiling für Zellen

Einzelzellanalysen liefern eine Fülle molekularer und genetischer Informationen. Mit Hilfe des maschinellen Lernens führt ein Team um MDC-Forscher Uwe Ohler diese Daten zusammen und erstellt aussagekräftige Profile der Zellen. Die Chan Zuckerberg Initiative (CZI) fördert das Projekt nun.

Trotz ihrer winzigen Größe ist jede einzelne Zelle ausgesprochen komplex. So liest sie etwa aus riesigen DNA-Bibliotheken im Zellkern die Erbinformationen aus, die sie gerade benötigt, übersetzt sie in RNA und schließlich in eine große Vielfalt an Proteinen. Mit unterschiedlichen Techniken lassen sich heute die Eigenschaften und Zustände von Zellen in einem nie ereichtem Detailreichtum charakterisieren. So können Wissenschaftler*innen etwa die DNA und ihre zugehörigen Genschalter auslesen, die RNA analysieren oder die unterschiedlichen Proteine und ihre Formen ermitteln. Das Problem dabei: man hat am Ende riesige Datenmengen, die vollkommen unterschiedliche Aspekte der Zelle beschreiben. Und selbst wenn es sich eigentlich um die gleichen Informationen vom gleichen Zelltyp handelt, unterscheiden sich die Daten voneinander – abhängig davon, in welchem Labor, zu welchem Zeitpunkt und mit welcher Technik sie gewonnen wurden. 

 Ein Modell der Zelle 

Die Arbeitsgruppe „Computational Regulatory Genomics“ von Professor Uwe Ohler am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB), das zum Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) gehört, will Abhilfe schaffen. Das Team arbeitet an computergestützten Methoden, die diese Daten automatisch in ein Modell der Zelle zusammenführen und analysieren, ohne dass man diese im Vorfeld entsprechend aufbereiten muss. Dazu nutzen die Forscher*innen Methoden des maschinellen Lernens, eines Bereiches der künstlichen Intelligenz. Die Entwicklung der Datenaufbereitung und -analyse wird nun von der Chan Zuckerberg Initiative (CZI) gefördert. Mit der CZI finanzieren der Facebook-Gründer Marc Zuckerberg und Priscilla Chan seit 2015 Projekte in Wissenschaft und Forschung, Bildung sowie in sozialer Gerechtigkeit und Inklusion.

Das Zusammenführen der unterschiedlichen Daten soll detailreiche molekulare Profile von einzelnen Zellen und Zelltypen ermöglichen und so konkrete Fragen beantworten, zum Beispiel: Welche Merkmale charakterisieren einen bestimmten Zelltyp? Ist die Zelle gesund oder krank? Wie kann ich aus den abgelesenen Genen, also der Genexpression, auf die Menge von bestimmten Oberflächenproteinen schließen? Welche regulatorischen DNA-Abschnitte spielen bei Erbkrankheiten eine Rolle? 

Wenn es um die Charakterisierung der Zelltypen geht, hat die Gruppe schon einige Antworten parat. So gelang es etwa Pia Rautenstrauch aus der AG Ohler, drei verschiedene Datentypen zur Genregulation derartig miteinander zu kombinieren, dass sie die biologisch relevanten Daten der jeweiligen Zellen herausfiltern konnte. Das Rauschen – also Unterschiede, die zum Beispiel allein auf der Messtechnik beruhten und die Interpretation der Daten erschweren – vernachlässigte ihr Deep-Learning-Modell dagegen. Mit dem Modell war Rautenstrauch im Winter 2021 auf dem NeurIPS-Wettbewerb erfolgreich. In einem anderen Projekt kategorisierten die Wissenschaftler*innen um Ohler mit selbstlernenden Algorithmen die Datensätze von Genschaltern im Zebrafisch. Sie wollten herausfinden, welche Schalter es bei welchem Zelltyp gibt.

Ökosystem für die Datenanalyse

„Die CZI hat großes Interesse an solchen Methoden zur automatisierten Datenintegration. Sie fördert ja ein umfangreiches Netzwerk biomedizinischer Labore“, sagt Ohler. Programme wie die von Ohlers Arbeitsgruppe sollen die vielschichtigen Daten der Forschungsgruppen zusammenführen und deren gemeinsame Analyse ermöglichen. Das Ziel sei letztlich „ein großes Ökosystem für Analyseplattformen, das dann allen Interessierten zur Verfügung gestellt wird“, sagt Ohler. Schließlich könnten die entwickelten Methoden und Prinzipien auf ganz andere Forschungsfelder übertragen werden, sagt Ohler. Denkbar sei zum Beispiel die Integration von unterschiedlichen Satellitenmessdaten, die verschiedene Wellenlängen abdecken. Auch in solchen Fällen müsse man die Informationen sinnvoll zusammenführen, um ein aussagekräftiges Gesamtbild zu erhalten.

Weiterführende Informationen

Chan Zuckerberg Initiative: Project Summary

AG Ohler

Mit Deep Learning durch den Daten-Dschungel

Eine detaillierte Genschalterkarte des Zebrafischs

Über die Chan Zuckerberg Initiative

Die Chan Zuckerberg Initiative wurde 2015 gegründet, um zur Lösung einiger der größten gesellschaftlichen Herausforderungen beizutragen – von der Ausrottung von Krankheiten über die Verbesserung der Bildung bis hin zu den Bedürfnissen unserer lokalen Gemeinschaften. Unsere Mission ist es, durch Zusammenarbeit, das Bereitstellen von Ressourcen und den Ausbau von Technologien, eine inklusivere, gerechtere und gesündere Zukunft für alle zu schaffen. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte www.chanzuckerberg.com.

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de 

 

Quelle: Pressemitteilung MDC
Profiling für Zellen

www.mdc-berlin.de

produzieren / 20.07.2022
Eckert & Ziegler und PRECIRIX schließen Vereinbarung über vorrangige Belieferung mit dem therapeutischen Radioisotop Actinium-225 (Ac-225)

Eckert & Ziegler (ISIN DE0005659700, SDAX) und das belgische Biotech-Unternehmen PRECIRIX NV (PRECIRIX) haben einen Vertrag über die Lieferung von Actinium-225 unterzeichnet. Damit bekommt PRECIRIX vorrangigen Zugang zu Eckert & Zieglers hochreinem, trägerfreiem Actinium-225, das für die Markierung von Prüfarzneimitteln in der Radionuklidtherapie eingesetzt wird.

„Bisher wird die klinische Forschung und die kommerzielle Nutzung von Actinium-225 durch die Knappheit dieses Radioisotops begrenzt. Wir freuen uns daher über die Zusammenarbeit mit PRECIRIX und darüber, die Hersteller von Radiopharmazeutika mit diesem vielversprechenden therapeutischen Radioisotop versorgen zu können“, erklärt Dr. Lutz Helmke, Mitglied des Vorstands und Betriebsvorstand für das Segment Medical. „Dank unserer Kooperation mit dem kernphysikalischen Institut der tschechischen Akademie der Wissenschaften (UJF) ist die erste Produktion von Actinium-225 in radiochemischer Qualität für Ende 2023 geplant. Wir gehen davon aus, dass wir anschließend einen Drug Master File bei der FDA (USA) einreichen werden, um Actinium-225 in cGMP-Qualität zu produzieren.

"Precirix entwickelt neuartige Präzisions-Radiopharmazeutika mit Single-Domain-Antikörpern, um den hohen ungedeckten Bedarf bei der Behandlung solider Tumore zu decken. Unser Ziel ist es, den Wert sowohl von Alpha- als auch von Beta-emittierenden Radionukliden in unserer breiten Pipeline von Produktkandidaten zu erschließen", erklärte Ruth Devenyns, Vorstandsvorsitzende von Precirix. "Wir freuen uns besonders, einen erfahrenen Radioisotopenspezialisten wie Eckert & Ziegler an unserer Seite zu haben, um unsere ambitionierten Entwicklungspläne zu unterstützen.

Actinium-225 wird als Wirkstoff in der Krebsbehandlung eingesetzt. Das Radioisotop emittiert leistungsstarke, hochenergetische Alpha-Partikel mit kurzer Eindringtiefe, die eine präzise Behandlung von Tumorzellen, einschließlich schwer zu erfassender Mikrometastasen, mit minimalen Auswirkungen auf das umgebende gesunde Gewebe ermöglichen. Hierzu wird Actinium-225 mit einem geeigneten Träger (z.B. einem Antikörper oder Peptid) kombiniert, der spezifisch an Krebszellen bindet und diese damit selektiv bekämpft. Momentan werden Radiopharmazeutika auf Basis von Actinium-225 in vielen klinischen Indikationen getestet, u.a. gegen Prostatatumore, Darmkrebs und Leukämie. Experten erwarten, dass der Bedarf an Actinium-225 in der nächsten Dekade exponentiell zunimmt.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im SDAX der Deutschen Börse gelistet.
Wir helfen zu heilen.

Über PRECIRIX
Precirix ist ein privates biopharmazeutisches Unternehmen im klinischen Stadium, das 2014 als Spin-off der VUB gegründet wurde und sich der Verlängerung und Verbesserung des Lebens von Krebspatienten widmet, indem es Präzisionsradiopharmazeutika unter Verwendung von mit Radioisotopen markierten Kameliden-Antikörpern konzipiert und entwickelt. Das Unternehmen verfügt über eine breite Pipeline mit einem Produktkandidaten in einer klinischen Studie der Phase I/II und zwei weiteren im fortgeschrittenen präklinischen Stadium. Forschungen zu Mehrfachisotopen, Linker-Technologie und Kombinationstherapien erweitern die Plattform. Die Technologie von Precirix ermöglicht auch einen theranostischen Ansatz, bei dem Patienten mit einer niedrig dosierten/bildgebenden Version des Produkts ausgewählt werden können, gefolgt von einer therapeutischen Dosis für die Behandlung.

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forschen / 14.07.2022
Die Stunde der unerforschten Gensegmente

Unbekannte Gebiete im menschlichen Genom (Bild: Karen Arnott/EMBL-EBI)
Unbekannte Gebiete im menschlichen Genom (Bild: Karen Arnott/EMBL-EBI)

Etwa 7200 kaum erforschte Gensegmente aus dem menschlichen Erbgut fasst ein internationales Konsortium in „Nature Biotechnology“ zusammen und schlägt vor, wie man sie in die Humangenom-Datenbanken integrieren kann. Sie könnten zeigen, was den Menschen von anderen Tieren unterscheidet.

Als Forschende im Jahr 2001 mit dem Humangenomprojekt das Erbgut des Menschen vollständig entschlüsselt hatten, gab es eine große Überraschung: Sie hatten nur 20.000 Gene gefunden, die Proteine produzieren. Sollte der Mensch also nur etwa doppelt so viele Gene besitzen wie eine Fliege? Wissenschaftler*innen hatten mit erheblich mehr gerechnet.

Nun haben Forschende aus 20 Institutionen weltweit mehr als 7200 weitgehend unerforschte Genabschnitte zusammengefasst, die möglicherweise für neue Proteine kodieren. Sie haben dabei eine neue Technologie eingesetzt, die die proteinproduzierende Maschinerie in den Zellen im Detail untersucht, um mögliche Proteine beim Menschen zu finden. Das Humangenomprojekt mit all seinen Bemühungen, die menschlichen Gene zu beschreiben, war erst der Anfang, legt die neue Studie nahe. Das Forschungskonsortium möchte die wissenschaftliche Gemeinschaft dazu ermutigen, ihre Daten in die großen Humangenom-Datenbanken zu integrieren.

Vier gleichberechtigte Forscher haben die Studie, die nun in „Nature Biotechnology“ erschienen ist, geleitet: Dr. Jorge Ruiz-Orera vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) in Deutschland, Dr. Sebastiaan van Heesch vom Prinses Máxima Centrum in den Niederlanden, Dr. Jonathan Mudge vom Bioinformatik-Institut am European Molecular Biology Laboratory (EMBL-EBI) in Großbritannien und Dr. John Prensner vom Broad Institute des MIT und Harvard in den USA.

Die neuen Gensequenzen blieben unsichtbar

In den letzten Jahren wurden Tausende, häufig sehr kleine „Open Reading Frames“ im menschlichen Genom entdeckt. Das sind Abschnitte im Erbgut, die Bauanleitungen für Proteine enthalten könnten. Mehrere Autor*innen der aktuellen Studie haben in der Vergangenheit bereits ORFs gefunden:  Van Heesch hat gemeinsam mit den Professoren Norbert Hübner und Uwe Ohler am MDC neue Mini-Proteine im menschlichen Herzen beschrieben und berichtete darüber 2019 in „Cell“; auch Prensner veröffentlichte 2021 zu ORFs in „Nature Biotechnology“. Keine dieser bislang nahezu unerforschten Segmente tauchten jedoch daraufhin in Referenzdatenbanken auf. Viele andere neu entdeckte Sequenzen, die Forschende weltweit z.B. in „Science“ oder „Nature Biochemical Biology“ beschrieben, blieben ebenfalls für den größten Teil der wissenschaftlichen Gemeinschaft unsichtbar – obwohl belegt ist, dass sie RNA-Moleküle produzieren, die daraufhin an die Proteinfabriken der Zelle, die Ribosome, binden.

Traditionell haben Wissenschaftler*innen proteinkodierende Abschnitte in Genen identifiziert, indem sie DNA-Sequenzen von mehreren Spezies miteinander verglichen. Denn die wichtigsten kodierenden DNA-Sequenzen blieben im Laufe der Evolution von Tieren erhalten. Mit dieser Methode fielen jedoch kodierende Sequenzen durchs Raster, die relativ jung sind, die also erst während der Entwicklung von Primaten entstanden sind. Sie fehlen in den Datenbanken.

Nun galt es also, die wenig beachteten ORFs in die größten Referenzdatenbanken zu integrieren, denn bislang musste man in der Literatur gezielt nach ihnen suchen, wenn man sie erforschen wollte. In einem ersten Schritt sammelte das internationale Forschungsteam Informationen zu Sequenzen, die mit dem „Ribosom-Profiling“ neu entdeckt wurden – diese Methode ermittelt, mit welchem Teil der Boten-RNA (mRNA) das Ribosom interagiert. Danach fügten sie die Daten zu einem standardisierten Satz zusammen. Keine leichte Aufgabe. Denn Daten aus unterschiedlichen Laboren, die auf verschiedenste Weisen gewonnen wurden, können nicht einfach so miteinander kombiniert werden.

Sobald dies geschafft war, beschäftigte sich das internationale Konsortium mit zentralen Fragen, die unsere Vorstellung vom menschlichen Genom prägen: Was ist ein Gen? Was ist ein Protein? Brauchen wir flexible Vorstellungen davon, ob Ribosomen immer ein Protein produzieren oder vielleicht auch ein ganz anderes zelluläres Signal?

Die Gruppe will nun die Humangenom-Datenbanken überarbeiten, die Forschende weltweit nutzen. Ensembl-GENCODE richtet den ORF-Katalog als Bestandteil ihrer Referenz-Annotation-Datenbank ein, viele weitere wie UniProt, HGNC, PeptideAtlas and HUPO wollen folgen.

Vermutlich tragen die ORFs zu Volkskrankheiten bei

„Unsere Forschung bringt das Verständnis des genetischen Aufbaus und der vollständigen Anzahl der Proteine im Menschen einen großen Schritt voran“, sagt van Heesch. „Es ist ungeheuer spannend, die Forschungsgemeinschaft mit unserem Katalog zu unterstützen.  Wir können zwar jetzt noch nicht sagen, dass es sich bei allen neuen Sequenzen wirklich menschliche Proteine repräsentieren. Fest steht jedoch, dass ein großer Teil des menschlichen Genoms noch unerforscht ist und die Welt dies zur Kenntnis nehmen sollte.“

„Viel zu lange wurde die wissenschaftliche Gemeinschaft über diese ORFs im Unklaren gelassen“, sagt Mudge. „Wir sind sehr stolz darauf, dass Forschende auf der ganzen Welt sie nun untersuchen können. Ab jetzt sind sie für alle Wissenschaftler*innen aus der Genomik und Medizin verfügbar – davon versprechen wir uns weitreichende Impulse.“

„Die meisten der 7200 ORFs aus unserem Katalog gibt es nur bei Primaten und stellen möglicherweise evolutionäre Neuerungen dar, die einzigartig sind für unsere Spezies,“ sagt Orera, Evolutionsbiologe und Wissenschaftler in Hübners Arbeitsgruppe. „Vielleicht verraten sie mehr darüber, was den Menschen wirklich ausmacht.“

Was kommt als nächstes? Prensner meint, dass „diese ORFs mit ziemlicher Sicherheit zu vielen menschlichen Merkmalen und Krankheiten beitragen, auch zu häufigen Krankheiten wie Krebs.“ Die Herausforderung bestehe nun darin, herauszufinden, welche ORFs bei welchen Krankheiten welche Rolle spielen.

Weiterführende Informationen

Unbekannte Mini-Eiweiße im Herzen

AG Hübner

Van Heesch Lab

Ohler Lab

GENCODE

GENCODE Ribo-seq ORFs

PeptideAtlas

GWIPS-viz

Openprot

RiboTaper

Literatur

Jorge Ruiz-Orera et al (2022): “A community-driven roadmap to advance research on translated open reading frames”. Nature Biotechnology, DOI: 10.1038/s41587-022-01369-0

Über das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

Über das Prinzessin-Máxima-Zentrum für pädiatrische Onkologie
Wenn ein Kind schwer an Krebs erkrankt ist, zählt nur eines: eine Heilung. Deshalb arbeiten wir im Prinzessin-Máxima-Zentrum für pädiatrische Onkologie mit Leidenschaft zusammen, um die Überlebenschancen und die Lebensqualität von krebskranken Kindern zu verbessern. Jetzt und auf lange Sicht. Denn Kinder haben ihr ganzes Leben noch vor sich. Das Prinzessin-Máxima-Zentrum für pädiatrische Onkologie ist kein gewöhnliches Krankenhaus, sondern ein Forschungskrankenhaus, das größte Zentrum für Kinderkrebs in Europa. Hier arbeiten mehr als 400 Wissenschaftler und 900 medizinische Fachkräfte eng mit niederländischen und internationalen Krankenhäusern zusammen, um neue Behandlungsmethoden und neue Perspektiven für eine Heilung zu finden. Auf diese Weise bieten wir den Kindern von heute die bestmögliche Behandlung und unternehmen wichtige Schritte zur Verbesserung der Überlebenschancen der Kinder, die noch nicht geheilt sind.

Über EMBL-EBI
Das Europäische Bioinformatik-Institut (EMBL-EBI) ist weltweit führend bei der Speicherung, Analyse und Verbreitung großer biologischer Datensätze. Wir helfen Wissenschaftlern, das Potenzial großer Datenmengen auszuschöpfen, indem wir ihre Fähigkeit verbessern, komplexe Informationen zu nutzen, um Entdeckungen zum Nutzen der Menschheit zu machen. Wir sind führend in der computergestützten biologischen Forschung und arbeiten an Methoden der Sequenzanalyse, der multidimensionalen statistischen Analyse und der datengesteuerten biologischen Entdeckung, von der Pflanzenbiologie bis zur Entwicklung von Säugetieren und Krankheiten. Wir sind Teil des EMBL und befinden uns auf dem Wellcome Genome Campus, einer der weltweit größten Konzentrationen von wissenschaftlichem und technischem Know-how im Bereich der Genomik.

Quelle: Gemeinsame Pressmitteilung des MDC, Prinses Máxima Centrum & EMBL-EBI
Die Stunde der unerforschten Gensegmente

www.mdc-berlin.de

produzieren / 12.07.2022
LegoChem Biosciences and Glycotope Announce Research Collaboration and License Agreement for an Antibody for use as Antibody Drug Conjugate

Seoul, South Korea, and Berlin, Germany - (July 12, 2022)

LegoChem Biosciences Inc. (LCB) and Glycotope GmbH (Glycotope) have signed a Research Collaboration and License Agreement to develop an antibody drug conjugate (ADC) by combining LCB's proprietary ADC technology with one of Glycotope's investigational tumor targeting antibodies.
Under the terms of the agreement LCB has the right to exercise its option for worldwide exclusive rights to develop and commercialize the selected antibody as ADC, upon successful completion of a feasibility study. If LCB exercises these rights, Glycotope will receive an upfront payment as well as development and sales milestone payments plus royalties. Specific financial terms have not been disclosed.

“Through this collaboration, once the candidate ADC is discovered and nominated, Glycotope and LCB plan to advance this very innovative program to clinical stage as a competitive cancer therapy,” said Dr. Yong-Zu Kim, CEO & President of LCB. “We are very pleased that companies with innovative antibody platforms, such as Glycotope have recognized the advantages of LCB’s linker-payload technology, which has been proven to be plasma stable as well as cancer-selectively activated.”

"This exciting collaboration with LegoChem further underlines the value of Glycotope’s unique technology platform and strengthens our leading position in the development of highly specific glyco-epitope targeting antibodies," added Henner Kollenberg, CEO, Glycotope.
“Our antibodies are designed to deliver increased tumor selectivity. Combining these with LCB’s ADC technology platform offers the opportunity to develop ADCs with potential to perform beyond today’s best standard of care,” said Patrik Kehler, CSO, Glycotope.

ADCs are a type of targeted cancer medicine that deliver cytotoxic chemotherapy ("payload") to cancer cells via a linker attached to a monoclonal antibody that binds to a specific target expressed on cancer cells. LCB's ADC platform technologies overcome the existing limitations of ADCs by imparting a trinity of improved properties, (1) site-specific stable bioconjugation (2) cancer selective linker activation and (3) cancer-selective activation of potent payload, all of which in a significantly broader Therapeutic Window.

Glycotope’s antibodies target specific tumor-associated carbohydrate structures or protein/carbohydrate combined glyco-epitopes (GlycoTargets). Targeting these specific antigens enables broad indication range, long-term treatment potential and reduced on-target/off tumor toxicity, key elements of highly potent therapies. Based on this unrivalled tumor-specificity, Glycotope’s antibodies are highly suitable for a multi-function platform approach with independent modes of action to provide a tailored therapy format for as many patients as possible. Contact Information: LegoChem Biosciences

About LegoChem Biosciences
LegoChem Biosciences (LCB, KOSDAQ: 141080) is a clinical-stage biopharmaceutical company focusing on the development of next-generation novel therapeutics utilizing its proprietary medicinal drug discovery technology LegoChemistry and ADC platform technology ConjuAll Since its foundation in 2006, LCB has focused on the research and development of Antibody-Drug-Conjugates (ADCs), antibiotics, anti-fibrotic and anticancer therapeutics based on proprietary platform technologies.

About Glycotope
Glycotope is a biotechnology company utilizing a proprietary technology platform to develop uniquely tumor-specific monoclonal antibodies. We combine expertise in glycobiology and antibody development to advance first-in-class therapeutics for oncology. Our antibodies target specific tumor-associated carbohydrate structures or protein/carbohydrate combined glyco-
epitopes (GlycoTargets). Based on their superior tumor-specificity, our antibodies are suitable for development in an array of different modes of action including naked antibodies, bispecifics, antibody-drug-conjugates, cellular therapies or fusion-proteins. Glycotope has to date discovered more than 200 GlycoTargets with antibodies against several of these targets currently under development. Visit http://www.glycotope.com/.

www.glycotope.com

produzieren / 06.07.2022
Eckert & Ziegler wird Auftragshersteller für klinische Entwicklungskandidaten basierend auf Lutetium-177 und Actinium-225

Eckert & Ziegler (ISIN DE0005659700, SDAX) hat mit dem US-amerikanischen Pharmaunternehmen Ratio Therapeutics Inc. einen Vertrag über die gemeinsame Entwicklung und darauffolgende Herstellung von innovativen radiopharmazeutischen Produkten auf der Basis von Lu-177 und Ac-225 unterzeichnet. Die Vereinbarung umfasst die Entwicklung eines validierten Herstellungsprozesses sowie die GMP-konforme Herstellung klinischer Prüfpräparate. Ratio Therapeutics wird hierfür ab Juli 2022 die neu errichteten GMP-Suiten am Eckert & Ziegler Produktionsstandort Boston, MA (USA) nutzen.

„Das wachsende Interesse an Radiopharmazeutika schafft einen enormen Bedarf an Expertise bei der Entwicklung und Herstellung von klinischen Prüfpräparaten. Durch die Notwendigkeit Kosten zu senken, hat die Pharmaindustrie in den letzten Jahren einen Paradigmenwechsel eingeläutet – vom vertikal integrierten Geschäftsmodell hin zu einem Lieferantennetzwerk. Mit unseren neuen GMP-Suites und unserem langjährigen Know-how unterstützen wir die Pharmaindustrie, ihre Radiopharmazeutika schneller an den Markt zu bringen“, erklärt Dr. Lutz Helmke, Mitglied des Vorstands und Betriebsvorstand für das Segment Medical bei Eckert & Ziegler.

"Mit Eckert & Ziegler haben wir einen etablierten Partner an unserer Seite, der über erstklassige radiopharmazeutische Fertigungskompetenzen für medizinische und wissenschaftliche Anwendungen verfügt," ergänzt Dr. Matthias Friebe, Chief Technology Officer bei Ratio Therapeutics. "Die Expertise von Eckert & Ziegler bei der Herstellung von Radiopharmazeutika sichert uns qualitativ hochwertige Produkte und eine solide Produktions- und Logistikkompetenz für unsere anstehenden klinischen Programme, bei denen wir gerade die Einreichung unseres ersten IND-Antrags (Investigational New Drug) vorantreiben."

Die Radioaktivlabore am Eckert & Ziegler Produktionsstandort in Boston, MA (USA) verfügen über Heißzellen für Alpha-, Beta- und Gammastrahler, Radiosynthese-, Qualitätskontroll- und weitere Geräte für die Produktion unter GMP-Bedingungen. Die anmietbaren Reinraumsuiten sind auf die Durchführung von Prozessen für die Herstellung von Radiopharmazeutika optimiert.

Mit der GMP-Anlage bietet Eckert & Ziegler sowohl regionalen als auch globalen Pharmaunternehmen einen One-Stop-Service für eine Vielzahl von radiopharmazeutischen Dienstleistungen unter GMP- und cGMP-Bedingungen. Dazu zählen komplette Frühentwicklungsdienstleistungen einschließlich Prozessentwicklung und Scale-up, CMC-Herstellung und -Verpackung, Produktfreigabe und Stabilitätsprogramme. Als radiopharmazeutischer Lohnhersteller ist Eckert & Ziegler in der Lage, kleinste Chargen für klinische Studien der Phase I, II oder III bis hin zu kommerziell einsetzbaren Chargengrößen zu realisieren.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im SDAX der Deutschen Börse gelistet.
Wir helfen zu heilen.

Über Ratio Therapeutics.

Ratio Therapeutics Inc. ist ein in Boston ansässiges pharmazeutisches Unternehmen, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Entwicklung von Präzisions-Radiopharmazeutika der nächsten Generation für solide Tumore zu beschleunigen und damit die onkologischen Behandlungsparadigmen zu verändern. Die vollständig integrierten proprietären F&E-Plattformen von Ratio, Trillium™ und Macropa™, ermöglichen die Bildgebung, Entdeckung und Weiterentwicklung neuartiger Radiopharmazeutika mit erstklassigen Eigenschaften in Bezug auf Verabreichung, Sicherheit und Wirksamkeit. Die Anpassungsfähigkeit der F&E Plattformen ermöglicht eine effiziente und zeitnahe Entwicklung zahlreicher neuartiger Radiopharmazeutika für ein breites Spektrum von Patienten mit hohem ungedecktem Behandlungsbedarf bei soliden Tumoren. Besuchen Sie uns auf www.ratiotx.com und folgen Sie uns auf Twitter und LinkedIn.

 

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heilen / 01.07.2022
Helios Klinikum Berlin-Buch stellt interdisziplinäres Gefäßzentrum neu auf - neue erfahrene Doppelspitze

Dr. med. Peter Klein-Weigel (links) und Dr. med. Alexander Meyer (Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken)
Dr. med. Peter Klein-Weigel (links) und Dr. med. Alexander Meyer (Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken)

Mit Privatdozent Dr. med. Alexander Meyer und Dr. med. Peter Klein-Weigel begrüßt das Helios Klinikum Berlin-Buch zum 01.07.2022 zwei erfahrene Spezialisten auf dem Gebiet der Gefäßmedizin. Als Chefärzte für Gefäßchirurgie sowie Angiologie streben Priv.-Doz. Dr. med. Meyer und Dr. med. Klein-Weigel eine Neuaufstellung des interdisziplinären Gefäßzentrums in Buch an und ergänzen das bereits breit angelegte Behandlungsspektrum mit innovativen Ansätzen und neuen Strukturen.

Prof. Dr. med. Henning T. Baberg, Ärztlicher Direktor des Helios Klinikums Berlin-Buch, erklärt: „Wir freuen uns, dass wir mit Privatdozent Dr. Meyer einen ausgewiesenen Spezialisten auf dem Gebiet der Gefäßchirurgie für unser Haus gewinnen konnten und sind uns sicher, dass er sowohl eine persönliche als auch eine ausgewiesene fachliche Bereicherung für unser Haus sein wird. Über die Rückkehr von Dr. med. Klein-Weigel sind wir ebenfalls sehr erfreut, da wir die Neuaufstellung unseres interdisziplinären Gefäßzentrums somit in äußerst erfahrenen und fähigen Händen wissen.“

Priv.-Doz. Dr. med. Alexander Meyer wechselt vom Universitätsklinikum Erlangen zum Helios Klinikum in Buch. Er ist ausgebildeter Facharzt für Gefäßchirurgie mit der Zusatzbezeichnung Phlebologie und Fellow of the European Board of Vascular Surgeons. Seine fachlichen Schwerpunkte sind die operative Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit und insbesondere die Bypasschirurgie der unteren Extremität sowie die offene und minimal- invasive Behandlung von Aortenaneurysmen. Auf dem Gebiet der chirurgischen Behandlung von Stenosen der Halsschlagader ist er ebenfalls anerkannter Experte.

„Ich blicke meinen Aufgaben und den neuen Herausforderungen im Helios Klinikum Berlin-Buch mit Spannung entgegen und freue mich auf die Zusammenarbeit mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Mein Ziel ist die Stärkung und Förderung von Kooperation und Interdisziplinarität als Schlüssel zur erfolgreichen Behandlung von Gefäßerkrankungen, damit individuell für jeden Patienten das optimale Therapieverfahren ausgewählt und durchgeführt werden kann“, bestätigt Priv.-Doz. Dr. med. Meyer.

Dr. med. Peter Klein-Weigel ist Facharzt für Innere Medizin und Angiologie und renommierter Gefäßspezialist mit einem fundierten Diagnose- und Therapiespektrum aller Erkrankungen des Gefäßsystems. Er wechselt vom Ernst von Bergmann Klinikum in Potsdam, in dem er seit Januar 2019 als Chefarzt der Angiologie tätig war, zurück in das Helios Klinikum Berlin-Buch. Hier war er bereits von 2012 bis Ende 2018 als Chefarzt der Klinik für Angiologie angestellt. 2017 übernahm er zusätzlich die Chefarztposition im Helios Klinikum Emil von Behring in Berlin-Zehlendorf. Seine fachlichen Schwerpunkte sind die Diagnostik und Therapie akraler Durchblutungsstörungen, die konservative und invasive Behandlung der arteriellen Verschlusskrankheit, venöser Thromboembolien sowie vaskulärer Malformationen. Des Weiteren legt er den Fokus verstärkt auf die Behandlung von Arteriosklerose und deren Risikofaktoren.

„Die Zusammenarbeit in unserem Gefäßzentrum ermöglicht es uns, gemeinsam eine individuelle Therapie festzulegen und so Gefäßpatienten bestmöglich fachlich zu betreuen“, betont der neue Chefarzt.

Beide Spezialisten möchten ihre Expertise auf dem Gebiet der Gefäßmedizin nutzen, um die hervorragende Versorgung der Patientinnen und Patienten im Gefäßzentrum Berlin-Buch aktiv weiterzuentwickeln. Zudem streben sie eine enge Vernetzung mit niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen an und betrachten die intensive Zusammenarbeit mit den Pflegekräften des Bucher Klinikums als essentielle Säule einer guten Patientenversorgung. Ebenfalls als wichtige Aufgabe und wertvolle Chance zugleich sehen Privatdozent Dr. med. Meyer und Dr. med. Klein-Weigel die Aus- und Weiterbildung ambitionierter Assistenzärztinnen und -ärzte an.

„Wir begrüßen Dr. med. Peter Klein-Weigel und Priv.-Doz. Dr. med. Alexander Meyer, die uns mit ihrer Erfahrung in Praxis und Forschung zukünftig vielversprechend verstärken. Zugleich verabschieden wir uns von Dr. med. Andreas Gussmann und bedanken uns für seinen wertvollen und langjährigen Einsatz für unser Klinikum“, sagt Prof. Dr. Sebastian Heumüller, Klinikgeschäftsführer und Geschäftsführer der Helios Region Ost.

 

www.helios-gesundheit.de

heilen / 01.07.2022
Helios Klinikum Berlin-Buch begrüßt Tim Steckel als neuen Klinikgeschäftsführer

Tim Steckel - neuer Geschäftsführer des Helios Klinikums Berlin-Buch (Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken)
Tim Steckel - neuer Geschäftsführer des Helios Klinikums Berlin-Buch (Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken)

Ab dem 1. Juli 2022 übernimmt Tim Steckel als Nachfolger von Daniel Amrein die Klinikgeschäftsführung im Helios Klinikum Berlin-Buch. Der erfahrene Klinikmanager wechselt von der Ernst von Bergmann Gruppe in Potsdam zu Helios und bringt somit regionales Know-how, aber auch neue Impulse mit nach Buch. In der Zwischenzeit führte Prof. Dr. Sebastian Heumüller, zweiter Klinikgeschäftsführer und Geschäftsführer der Helios Region Ost, die Geschäfte des Maximalversorgers in alleiniger Verantwortung.

Verstärkung mit Regionalexpertise: Tim Steckel blickt auf 14 Jahre Führungserfahrung im Berliner Umland zurück und profitiert somit von seinen tiefgehenden Kenntnissen regionaler Gegebenheiten. 

„Ich freue mich über die Nachbesetzung mit einem Kollegen aus dem Berliner Umland, dem die lokalen Herausforderungen in Berlin-Brandenburg ebenfalls bekannt sind. Ich bin mir sicher, dass unser gesamtes Haus, von den Stationsteams über den ärztlichen Dienst bis hin zu unseren Verwaltungsabteilungen, von seiner Erfahrung und seinem umfangreichen Know-how im Klinikmanagement profitieren werden“, bestätigt Prof. Dr. Sebastian Heumüller. 

Seit 2008 war Tim Steckel im Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam beschäftigt und seit 2020 als einer von zwei Geschäftsführern dort tätig. Er setzte mit der Einführung eines professionellen Controllings, der Entwicklung hin zur regionalen Klinikgruppe sowie der Einführung der elektronischen Patientenakte viele positive Akzente. Er begleitete das Potsdamer Klinikum als Geschäftsführer durch bewegte Zeiten und überzeugte dabei stets mit Professionalität und Kompetenz. 

Geboren in Henstedt-Ulzburg und aufgewachsen in Hamburg, absolvierte Tim Steckel zunächst ein Studium zum Wirtschaftsingenieur, bevor er an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf (UKE) und als Prokurist der UKE-eigenen Krankenhausberatungsgesellschaft den beruflichen Einstieg in das Gesundheitswesen unternahm. 

„Ich freue mich auf die konstruktive interdisziplinäre und interprofessionelle Zusammenarbeit mit meinen zukünftigen Kolleginnen und Kollegen. Als Maximalversorger hat sich das Helios Klinikum Berlin-Buch in den vergangenen Jahrzehnten einen hervorragenden Ruf erarbeitet, den ich mit neuen Impulsen weiterhin stärken und zugleich die bekannte Zuverlässigkeit der medizinischen Versorgung in der Region garantieren möchte“, erklärt Tim Steckel. 

Sein Ziel ist es, interne Prozesse stetig weiterzuentwickeln und die strukturellen Belange des Maximalversorgers mit modernster medizinischer Ausstattung und professionellen sowie motivierten Mitarbeitenden in ein optimales Verhältnis zu aktuellen Geschehnissen, Entwicklungen und Trends im Gesundheitswesen zu setzen.

Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 1.000 Betten in mehr als 60 Kliniken, Instituten und spezialisierten Zentren sowie einem Notfallzentrum mit Hubschrauberlandeplatz. Jährlich werden hier mehr als 55.000 stationäre und über 144.000 ambulante Patienten mit hohem medizinischem und pflegerischem Standard in Diagnostik und Therapie fachübergreifend behandelt, insbesondere in interdisziplinären Zentren wie z.B. im Brustzentrum, Darmzentrum, Hauttumorzentrum, Perinatalzentrum, der Stroke Unit und in der Chest Pain Unit. Die Klinik ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als Onkologisches Zentrum und von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetiker geeignet DDG“ zertifiziert.
 Gelegen mitten in Berlin-Brandenburg, im grünen Nordosten Berlins in Pankow und in unmittelbarer Nähe zum Barnim, ist das Klinikum mit der S-Bahn (S 2) und Buslinie 893 oder per Auto (ca. 20 km vom Brandenburger Tor entfernt) direkt zu erreichen.

Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 125.000 Mitarbeitenden. Zum Unternehmen gehören unter dem Dach der Holding Helios Health die Helios Kliniken in Deutschland sowie Quirónsalud in Spanien und Lateinamerika und die Eugin-Gruppe mit einem globalen Netzwerk von Reproduktionskliniken. Mehr als 22 Millionen Patient:innen entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios. 2021 erzielte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von rund 10,9 Milliarden Euro.

In Deutschland verfügt Helios über 89 Kliniken, rund 130 Medizinische Versorgungszentren (MVZ), sechs Präventionszentren und 17 arbeitsmedizinische Zentren. Jährlich werden in Deutschland rund 5,4 Millionen Patient:innen behandelt, davon 4,4 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland mehr als 75.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 6,7 Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.

Quirónsalud betreibt 56 Kliniken, davon sieben in Lateinamerika, 88 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 17 Millionen Patient:innen behandelt, davon 16,1 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt mehr als 46.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 4 Milliarden Euro.

Das Netzwerk der Eugin-Gruppe umfasst 33 Kliniken und 39 weitere Standorte in zehn Ländern auf drei Kontinenten. Mit rund 1.600 Beschäftigten bietet das Unternehmen ein breites Spektrum modernster Dienstleistungen auf dem Gebiet der Reproduktionsmedizin an und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 133 Millionen Euro.

Helios gehört zum Gesundheitskonzern Fresenius.

www.helios-gesundheit.de

forschen, produzieren, heilen / 01.07.2022
Forschung zum Anfassen und Mitmachen: Lange Nacht der Wissenschaften am 2. Juli

Experimentieren im Lehrlabor. Foto: Peter Himsel
Experimentieren im Lehrlabor. Foto: Peter Himsel

Laborführungen • Experimente zum Mitmachen • Vorträge & Ausstellungen • Stammzell- & RNA-Forschung • KI in der Biomedizin • Kunst trifft Wissenschaft • Begehbares Gehirnmodell • Forscherdiplom Für Kinder: Experimentieren, Staunen, Lernen • Princess of Science • Chemagie: Die Show • Musik & Essen

Die klügste Nacht des Jahres: Die Einrichtungen des Campus Berlin-Buch begrüßen Wissenschaftsinteressierte am 2. Juli 2022 zur Langen Nacht der Wissenschaften!

Forschung zum Anfassen und Mitmachen bieten die Einrichtungen des Campus Berlin-Buch und das MDC-BIMSB wenn sie zum 20. Mal ihre Türen zur Langen Nacht der Wissenschaften öffnen. Sie laden alle Wissbegierigen ein, in Laborführungen, Workshops, Vorträgen, Rundgängen oder an interaktiven Infoständen mit Wissenschaftler:innen in den Dialog zu treten und sich faszinieren zu lassen von der Welt der Biomedizin.

Mikroskopieren, pipettieren, experimentieren - vielfältige Angebote zum Mitmachen und Ausprobieren. Das Gläserne Labor bietet gemeinsam mit dem Forschergarten und seinen Partnerschulen ein Programm nicht nur für Kinder und Schüler:innen zur Langen Nacht der Wissenschaften!

Informationen zum Programm der Einrichtungen des Campus Berlin-Buch finden Sie hier:

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)

Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie

Gläsernes Labor

Berlin Institue of Health @Charité

→ FÜHRUNGEN IM BIOTECHPARK

16:15, 17:15, 18:15, 19:15, 20:15, 21:15 Uhr
Die Entdeckung neuer Medikamente beginnt am Computer und im Forschungslabor
Willkommen in den Forschungslaboren von Silence Therapeutics! Wir nutzen einen natürlichen Mechanismus menschlicher Zellen, die RNA-Interferenz (RNAi). Hiermit verringern wir die Produktion krankheitsverursachender Proteine, um Krankheiten zu behandeln. Bei einem Besuch in unseren Laboren werden wir Ihnen erklären, wie unsere Medikamente, die sogenannten „siRNAs“ (short interfering RNAs), funktionieren, wie wir diese auswählen, synthetisieren und erste Tests durchführen, um die besten zu identifizieren.
Silence Therapeutics GmbH
Anmeldung am Infopunkt erforderlich.
Start: Vor dem MDC.C

18:00, 19:00, 20:00, 21:00 Uhr
Eine Reise in die Zukunft der personalisierten Krebstherapie
Krebsbetroffene erhalten hier eine optimal auf sie zugeschnittene individuelle Therapie zum richtigen Zeitpunkt. Welche Rolle hierbei die Verwendung von winzigen 3D-Kopien, sogenannten Organoiden,eines Patiententumors spielen, wie Organoide bei der Suche nach neuartigen Medikamenten helfen, wie sie aussehen und was sie für die Krebsforschung so besonders macht, erfahren Interessierte an unserem Aktionsstand und während der Führung durch die Labore von CELLphenomics.
CELLphenomics GmbH
Anmeldung am Infopunkt erforderlich.
Start: Vor dem MDC.C

N e u   i m   P r o g r a m m

16:15, 17:15, 18:15, 19:15, 20:15, 21:15 Uhr
Die Entdeckung neuer Medikamente beginnt am Computer und im Forschungslabor
Willkommen in den Forschungslaboren von Silence Therapeutics! Wir nutzen einen natürlichen Mechanismus menschlicher Zellen, die RNA-Interferenz (RNAi). Hiermit verringern wir die Produktion krankheitsverursachender Proteine, um Krankheiten zu behandeln. Bei einem Besuch in unseren Laboren werden wir Ihnen erklären, wie unsere Medikamente, die sogenannten „siRNAs“ (short interfering RNAs), funktionieren, wie wir diese auswählen, synthetisieren und erste Tests durchführen, um die besten zu identifizieren.
Silence Therapeutics GmbH
Anmeldung am Infopunkt erforderlich.
Start: Vor dem MDC.C

18:00 Uhr
Künstliche Intelligenz in der Wirkstoffforschung
Ob Gesichtserkennung auf dem Smartphone oder der nächste Kaufvorschlag, die Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz sind im Alltag immer präsenter. Auch in der Wissenschaft werden objektive Analyse von enormen Datenmengen genutzt, um bessere Medikamente zu entwickeln. In der Screening Unit am FMP benutzen wir modernste Robotik um automatisiert die Wirkung tausender chemischer Substanzen an Millionen einzelner Zellen zu messen. Ziel ist es Anhand von Mikroskopiebildern bestimmte Muster zu erkennen, um damit die Wirkung chemischer Substanzen vorherzusagen. Wie das mit Hilfe von maschinellem Lernen funktioniert, zeigt Ihnen Dr. Carsten Beese.
Vortrag, Dr. Carsten Beese, Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP)
Dauer: circa 25 Minuten
Ort: Axon 2, 1. OG., Max Delbrück Communications Center (MDC.C) (C83)

Programmänderungen

Diese Führung findet zu geänderten Zeiten statt
16:30, 18:30, 20:30 Uhr
Faszinierende Bilder aus dem Inneren unseres Körpers — Was Super-Magneten leisten
Moderne Ultrahochfeld-Magnetresonanz-Bildgebung bietet neue Einblicke in den Körper des Menschen. Wir führen Sie durch unser   Forschungsgebäude mit einigen der stärksten Kernspintomographen weltweit.
Hinweis: Besucher*innen mit Herzschrittmachern oder Implantaten können NICHT teilnehmen.
Ab 14 Jahre oder in Begleitung Erziehungsberechtigter.
AG Niendorf

D i e s e   P r o g r a m m p u n k t e   e n t f a l l e n

Dieser Vortrag wird leider entfallen:
18:00 Uhr
Multiresistente Keime, brauchen wir immer mehr Wirkstoffe?
Der medizinisch begründete Einsatz von Antibiotika hat über Jahrzehnte hinweg zu einer Selektion von Bakterienstämmen geführt, die gegen eine zunehmend größere Zahl von Wirkstoffen resistent sind und die empfindlicheren Bakterienstämme allmählich verdrängen. Multiresistente Erreger kommen in Krankenhäusern und in der Massentierhaltung vor und stellen Mediziner:innen und Forschende vor große Herausforderungen. Woher kommen neue Wirkstoffe und wie findet man sie? Jens von Kries ist der Leiter der Screening Unit; hier wird seit über 25 Jahren mit Hilfe von Robotern nach neuen Wirkstoffen gesucht.
Dr. Jens von Kries, Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP)
Dauer: circa 25 Minuten

Diese Führung wird leider entfallen:
18:00 Uhr
Hier ist Wissenschaft zu Hause
Exzellente Wissenschaft braucht exzellente Infrastrukur. Die Themen und Methoden der Forschung ändern sich mit der Zeit und so auch deren Ansprüche an Räumlichkeiten. Auf dem Campus Buch kann man die Entwicklung gut sehen. Kommen Sie mit auf eine Tour der Archtektur der Wissenschaft und machen Sie eine Zeitreise mit. Kunst am Bau namenhafter Kunstler*innen ist inklusive.
Ralf Streckwall, MDC
Dauer: circa 45 Minuten

Dieser Vortrag wird leider entfallen:
19:15 Uhr
Stammzellen retten (Nashorn-) Leben
Es gibt auf der Welt nur noch drei Individuen des nördlichen Breitmaulnashorns, alle drei Tiere sind auf natürlichem Weg nicht mehr fortpflanzungsfähig. Mit einer neuen Methode zur Gewinnung von Eizellen wollen Reproduktionsexperten die Art retten. Dr. Sebastian Diecke erklärt wie Stammzellforschung zur Rettung bedrohter Tierarten beitragen kann.
Vortrag.

Dieser Programmpunkt entfällt leider
19:30, 21:30 Uhr
Proteine atomgenau: Superstarke Magneten und NMR Spektroskopie
NMR-Spektroskopie liefert Informationen über Moleküle mit atomarer Auflösung. Während der Führung werden zum einen die für die Methode notwendigen technischen Voraussetzungen - insbesondere die sehr starken Magnete - vorgestellt, zum anderen die am FMP angewendeten Techniken erläutert und demonstriert sowie deren Bedeutung für die Wissenschaft erklärt.
AG Lösungs-NMR, FMP, Dr. Peter Schmieder

Wir empfehlen das Tragen einer medizinischen oder FFP2-Maske in allen Innenräumen.

Bei folgenden Veranstaltungen besteht Maskenpflicht:
Bei allen Laborführungen im Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Mein Erbgut - die eigene DNA aus der Mundschleimhaut isolieren - (Experimentierkurs im MDC-Lehrlingslabor)
Vom Wunderstoff zum Problem: Kunststoffe (Experimentierkurs im Gläsernen Labor)
Wie wird eine Erbkrankheit diagnostiziert? (Experimentierkurs im Gläsernen Labor)
Diagnostik-Scout: Laborwerte selber erstellen und interpretieren (Akademie der Gesundheit)

Tickets & Preise

Die Tickets können ab Freitag, 20. Mai 2022, bis einschließlich Samstag, 2. Juli  2022, über den Online-Ticket-Shop der Langen Nacht der Wissenschaften erworben werden. Tickets sind außerdem an allen ausgewiesenen VVK-Stellen von Ticketmaster und unter 01806 999 0000* erhältlich.

Die Tickets berechtigen zum Besuch aller Einzelveranstaltungen in den teilnehmenden Wissenschaftseinrichtungen. Außerdem können mit den Tickets die eingesetzten Sonderbusse zur Veranstaltung kostenfrei genutzt werden. Informationen zu den Ticketarten und Preisen bekommen Sie auf der Webseite https://www.langenachtderwissenschaften.de/besuch/tickets.

Am Veranstaltungsort gibt es keine Abendkasse. Tickets können auch während der laufenden Veranstaltung online erworben werden.

Lange Nacht der Wissenschaften

30.06.2022
FERIENCAMP MAL ANDERS!

Herstellung von Lehmziegeln (Foto: Gläsernes Labor 2020)
Herstellung von Lehmziegeln (Foto: Gläsernes Labor 2020)

Wann: 18.07. bis 22.07.2022

                       oder   

            25.07. bis 29.07.2022
            täglich von 9-16 Uhr

Wo:    Archäologie- und Abenteuerspielplatz Moorwiese
           Wiltbergstraße 29 b, 13125 Berlin

Für wen: Kinder im Alter von 10 bis 12 Jahren, kostenfrei

Inhalte:
Kochen, Leben in der Steinzeit, Schmieden, Wasserreinigung, Hütten bauen, Cyber Mobbing, Feuer machen

Anmeldung erforderlich, unter:
paola.eckert-palvarini@forschergarten.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

leben / 29.06.2022
Eine Promenade für Buch - Beteiligungsveranstaltung am 7. Juli

Die Promenade in Richtung des zukünftigen Bildungs- und Integrationszentrums (BIZ) / © Anka Stahl
Die Promenade in Richtung des zukünftigen Bildungs- und Integrationszentrums (BIZ) / © Anka Stahl

Interessierte sind herzlich zur Beteiligungsveranstaltung zur Planung der Promenade Wiltbergstraße eingeladen. Der Bezirk Pankow und die beauftragten Planungsbüros möchten Ihnen verschiedene Varianten für den Ausbau einer attraktiven Fußwege-Anbindung an das zukünftige Bildungs- und Integrationszentrums (BIZ) vorstellen und mit Ihnen darüber ins Gespräch kommen.

Mit der Entscheidung zum Bau des BIZ auf dem nördlichen Kopf der Brunnengalerie in Buch soll eine wichtige Bildungseinrichtung im Nordostraum von Pankow entstehen. Die Promenade Wiltbergstraße soll für eine repräsentative Anbindung des neuen BIZ an die Schlossparkpassage sorgen.

Wann? Donnerstag 7. Juli 2022 um 17:30 Uhr

Wo? Im Garten des Bucher Bürgerhauses (bei Regen im Bürgerhaus)


Kontakt:

André Kima
Bezirksamt Pankow von Berlin
Stadtentwicklungsamt, Fachbereich Stadterneuerung
andre.kima@ba-pankow.berlin.de
Tel.: 90295-3138

Winfried Pichierri
Gebietsbeauftragter
Planergemeinschaft für Stadt und Raum eG
w.pichierri@planergemeinschaft.de
Tel.: 885 914-32

Weitere Informationen:

Fußgängerpromenade zum geplanten Bildungs- und Integrationszentrum in Buch

In den kommenden Jahren soll an der Ecke Wiltbergstraße / Karower Chaussee im nördlichen Teil der sogenannten Brunnengalerie das Bildungs- und Integrationszentrum BIZ mit Bibliothek, Filialen der Volkshochschule und der Musikschule sowie Ausstellungsflächen und einem Café entstehen. Diese wichtige Einrichtung benötigt eine attraktive Anbindung an das Zentrum und den S-Bahnhof Buch. Diese soll in Form einer repräsentativen Promenade zwischen dem Einkaufszentrum "Schlosspark-Passagen" und dem Vorplatz des BIZ geschaffen werden. Die geplante Promenade war auch Bestandteil des Wettbewerbs zum BIZ.

Der erste Bauabschnitt vor der Erweiterung des Einkaufszentrums zwischen Walter-Friedrich- und Groscurthstraße wurde bis Mai  2022 hergesellt. Er bindet schon jetzt den dortigen Gehweg in die Promenadengestaltung ein.

Bereits mit dem Ausbau der Wiltbergstraße wurde aus Mitteln des Programms "Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) der Gehweg von der Walter-Friedrich-Straße in Richtung Karower Chaussee „berlintypisch“ mit Gehwegplatten und Mosaik hergestellt. Direkt vor dem neu eröffneten Fachmarktzentrum war der unbefestigte Gehwegbereich der Baustelle zwischenzeitlich mit provisorischen Asphalt befestigt. Dieser provisorische Asphaltbereich wurde nunmehr auf 80 Metern Länge durch Mosaikpflaster und Gehwegplatten ersetzt.

Die Plastik "Mutter mit Kind" an der Walter-Friedrich-Straße wurde fachgerecht saniert und am gleichen Ort auf einem neuen Sockel wieder eingebaut. Kurz vor der Lieferzufahrt zum Einkaufszentrum entstand eine kleine Grünfläche mit zwei Winterlinden, daneben wurden Fahrradbügel integriert.

1. Bauabschnitt: Walter-Friedrich- bis Groscurthstraße

  • Projektbeschreibung
  • Fotos
  • Projektblatt/PDF

    Adresse: Wiltbergstraße, 13125 Berlin, Pankow
    Auftraggeber/Bauherr: Bezirk Pankow
    Planung: Bezirksamt Pankow, Straßen- und Grünflächenamt
    Gesamtkosten: 80.000 EUR aus dem Programm Nachhaltige Erneuerung

www.stadtentwicklung.berlin.de/nachhaltige-erneuerung/buch/fussgaengerpromenade-zum-biz

leben / 28.06.2022
Ludwig Hoffmann Quartier wächst weiter

Mittelpunkt des Projekts FRANZ: Das Franz-Ehrlich-Haus (Abb.: Ludwig Hoffmann Quartier)
Mittelpunkt des Projekts FRANZ: Das Franz-Ehrlich-Haus (Abb.: Ludwig Hoffmann Quartier)

Das Ludwig Hoffmann Quartier baut Angebotspalette aus – Weitere Projekte bis 2025 - Franz-Ehrlich-Haus nach Sanierung architektonisches Highlight des Stadtquartiers

Erfolgskonzept

Die Arbeiten am Ludwig Hoffmann Quartier begannen 2012 mit einer klaren Zielstellung. „Wir wollten von Anfang an keine reine Wohnanlage errichten“, erklärt Andreas Dahlke, Initiator des Ludwig Hoffmann Quartiers, „sondern ein Quartier zum Wohnen und Leben. Den Unterschied macht die Kombination traditioneller Wohnangebote mit städtischen Leistungen aus Bereichen wie Bildung, Betreuung, Freizeit und Arbeit.“ Heute sind zwei Drittel aller Projekte fertig und in Nutzung. Dazu gehören etwa 500 von später insgesamt 1.000 Wohnungen, zwei Schulen, drei Kitas, eine Mutter-Kind-Einrichtung, zwei Wohnheime für Kinder sowie Gewerbe.

Planungen
Mit der Fertigstellung des historischen Teils sind die Arbeiten am Stadtquartier nicht abgeschlossen. Bis 2025 stehen fünf weitere Projekte an. Dazu gehören drei Wohnanlagen und ein Komplex mit kleinen möblierten Wohnungen, dessen Arbeitstitel FRANZ lautet. Das kurz vor der Eröffnung stehende fünfte Projekt trägt den Namen TRIBUS und umfasst ein modernes Wohnhaus, ein unter Denkmalschutz stehendes Verwaltungsgebäude und ein Waisenhaus.

Möglichkeiten
„Mit dem Projekt FRANZ werden wir erstmals Wohnungen anbieten, die sich am klassischen Micro-Apartment orientieren, aber unseren Bedingungen angepasst sind“, erklärt Andreas Dahlke. Dieses Angebot richtet sich vorrangig an junge Leute – Studenten, Berufseinsteiger, Doktoranden oder Wissenschaftler, die in Bucher Forschungs- und Gesundheitseinrichtungen arbeiten oder sich weiter qualifizieren. Sie können 20 bis 30 Quadratmeter große moderne Wohnungen mieten. Diese sind vollständig ausgestattet, verfügen über Küche und Bad sowie zeitgemäße Kommunikationstechnik. Neben allgemeinen Bereichen wie Lounge mit Café oder Waschsalon stehen auch Bibliothek und Räume für Meetings zur Verfügung. Zahlreiche Serviceleistungen können in Anspruch genommen werden.

Rahmenbedingungen
Für das Projekt FRANZ stehen drei Gebäude zur Verfügung, zwei Neubauten und das architektonisch bedeutsame Franz-Ehrlich-Haus, dessen Zukunft längere Zeit unklar war. „Wir haben alles versucht, eine Lösung für eine zeitgemäße Nutzung zu finden“, sagt Andreas Dahlke. „Schließlich haben wir ein Konzept entwickelt, das eine Angebotslücke im Ludwig Hoffmann Quartier schließen wird.“

Würdigung
Im Zusammenhang mit der Entwicklung des Projektes FRANZ wurde das Haus 34 in Franz-Ehrlich-Haus umbenannt. Franz Ehrlich war ein bekannter deutscher Architekt und Künstler des 20. Jahrhunderts. Zeit seines Lebens war er darauf bedacht, als „Universalkünstler“ mit vielen Fähigkeiten wahrgenommen zu werden. Die Liste seiner Erfolge ist lang. Eines seiner bekanntesten Projekte ist der Neubau des Rundfunkhauses in Berlin-Oberschöneweide. In Buch war Franz Ehrlich auch aktiv. Unter anderem leitete er als Chefplaner den Bau jenes architektonisch beeindruckenden Gebäudes, das heute seinen Namen trägt.

Text: Dr. Ingolf Neunübel

Das Interview erschien zuerst im Standortjournal buchinside.

forschen, heilen / 24.06.2022
Nährstoffe für Frühchen statt Antibiotika

Mit dem Forschungsprojekt PROSPER will ein Team an vier Standorten in Deutschland untersuchen, ob ein bestimmtes Nahrungsergänzungsmittel Frühgeborene vor einer Blutvergiftung schützen kann. Das BMBF unterstützt das Vorhaben, an dem ECRC-Forscherin Sofia Forslund beteiligt ist, mit 1,9 Millionen Euro.

Eine Blutvergiftung kann tödlich sein. Vor allem Frühgeborene, die eine Sepsis erleiden, sterben mitunter innerhalb weniger Stunden daran. Überleben die Kinder, sind sie oft viele Jahre lang besonders anfällig für Krankheiten. Da sich derzeit nur schwer abschätzen lässt, welches Baby eine Sepsis entwickelt, erhalten die meisten Frühgeborenen – bis zu 85 Prozent – vorsorglich Antibiotika. Die Medikamente sind zwar für viele der Kinder lebensrettend, sie haben aber auch Nachteile. Unter anderem können sie Antibiotika-Resistenzen begünstigen und die Darmflora der Babys nachhaltig stören. Dies wiederum kann langfristig zu chronisch entzündlichen Erkrankungen, Allergien, Fettleibigkeit und Diabetes führen.

Für das kindliche Immunsystem sind Alarmine sehr wichtig

Ein Team um Professorin Dorothee Viemann von der Klinik für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) will jetzt in einem Forschungsprojekt namens PROSPER (Prevention of Sepsis by Personalized Nutritional S100A8/A9 Supplementation to Vulnerable Neonates) untersuchen, ob auch ein Nahrungsergänzungsmittel – ein Alarmin – Frühgeborene vor einer Blutvergiftung schützen kann. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt das Projekt mit rund 1,9 Millionen Euro.

Alarmine sind bei Erwachsenen vor allem ein Marker für Entzündungen. Gemeinsam mit Dr. Sabine Pirr, Oberärztin der MHH-Intensivstation für Früh- und Neugeborene hatte Viemann aber herausgefunden, dass die Alarmine bei Neugeborenen die Entwicklung der Darmflora und des Immunsystems positiv beeinflussen. In großen Mengen finden sich diese Proteine zum Beispiel in der Muttermilch.

„Zudem scheint eine vaginale Entbindung anders als ein Kaiserschnitt die körpereigene Alarmin-Produktion der Neugeborenen anzuregen“, sagt Dr. Sofia Forslund, die Leiterin der Arbeitsgruppe „Wirt-Mikrobiom-Faktoren in Herz-Kreislauf-Erkrankungen“ am Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung des Berliner Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Forslund ist als Bioinformatikerin mit einem besonderen Schwerpunkt auf der statistischen Analyse des Mikrobioms an dem Projekt PROSPER beteiligt.

Ein Calprotectin-Mangel erhöht das Sepsisrisiko von Frühgeborenen

In einem früheren Projekt namens PRIMAL (Priming Immunity at the Beginning of Life) hatten die drei Forscherinnen gemeinsam mit weiteren Kolleginnen und Kollegen bereits zeigen können, dass sich ein hoher Spiegel des Alarmins Calprotectin positiv auf das Mikrobiom und das Immunsystem von Neugeborenen auswirkt, die per Kaiserschnitt zur Welt gekommen sind und nicht gestillt werden können. „Inzwischen wissen wir auch, dass das Sepsisrisiko deutlich erhöht ist, wenn es Frühgeborenen an Calprotectin mangelt“, sagt Forslund.

Das Projekt PROSPER soll daher nun ermitteln, ob die Gabe des Proteins Frühgeborene, die niedrige Calprotectin-Spiegel aufweisen, vor einer Blutvergiftung schützt. An dem Projekt sind neben den Expertinnen und Experten der MHH und des ECRC auch Forschende der Kinderklinik des Universitätsklinikums Würzburg und des Instituts für Immunologie der Universität Münster beteiligt. „Am ECRC werden wir die Entwicklung des Mikrobioms der Frühgeborenen im Detail verfolgen und dazu unsere statistische und datenanalytische Expertise zur Verfügung stellen“, sagt Forslund. „Zudem wollen wir hier mit den Methoden der Bioinformatik genauer erforschen, wie der schützende Effekt von Calprotectin zustande kommt.“

Das gemeinsame Ziel aller an PROSPER Beteiligten ist es, die Voraussetzungen für eine größere klinische Studie zu schaffen – um auf diese Weise die breite Anwendung von Antibiotika bei Frühgeborenen möglichst bald überflüssig zu machen.

Text: MHH / Anke Brodmerkel

Weiterführende Informationen

AG Forslund

Wirt-Mikrobiom Faktoren in Herz-Kreislauferkrankungen

Wie Herz und Bauch zusammenhängen

Wissenschaft / 25. Juli 2019

forschen, investieren, produzieren, heilen, bilden / 23.06.2022
Platz für neue Quartiere und Unternehmen in Berlin-Buch

So könnte das Quartier am Sandhaus in Berlin-Buch einmal aussehen(Abb.: Studio Wessendorf / Grieger Harzer)
So könnte das Quartier am Sandhaus in Berlin-Buch einmal aussehen(Abb.: Studio Wessendorf / Grieger Harzer)

Herr Benn, der Stadtteil Buch soll in den nächsten Jahren um bis zu 4.000 Wohnungen wachsen. Wie beurteilen Sie aus bezirklicher Sicht die Planungen zur Wohnbebauung?

Ich bin sehr froh, dass uns in Buch Flächen für den dringend benötigten Bau neuer Wohnungen zur Verfügung stehen, und zwar insbesondere von bezahlbarem Wohnraum. Hier bietet sich die Chance, moderne und nachhaltige Quartiere zu errichten, die mit einem Ausbau des Angebots von Handel, Dienstleistungen und sozialer Infrastruktur einhergehen.
Wenn Sie von 4.000 Wohnungen sprechen, sind die rund 500 zusätzlichen Wohnungen im Ludwig Hoffmann Quartier eingeschlossen. In Buch Süd und Am Sandhaus können bis zu 3.500 Wohnungen entstehen. In den nächsten Jahren werden am Standort unterschiedlichste Wohnungsangebote entstehen, so dass es für mehr Beschäftigte in Buch attraktiv werden könnte, Wohnen und Arbeiten zu verbinden.
Bereits jetzt zeigt sich, wie komplex die jeweiligen Planungsaufgaben und Zusammenhänge sind. Im Rahmen des Förderprogramms „Nachhaltige Erneuerung“ werden frühzeitig Infrastrukturbedarfe mitgeplant und Planungen für den Ausbau integriert behandelt. Als Bauherren sollen landeseigene Wohnungsbaugesellschaften, Genossenschaften, Baugruppen und private Investoren zum Zuge kommen.
Der Großteil der Planungen wird unter Beteiligung der Öffentlichkeit durch den Bezirk vorgenommen und koordiniert – nur das Quartier „Am Sandhaus“ liegt in der Verantwortung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. Der Senat arbeitet hier eng mit uns zusammen.

Für das Quartier Am Sandhaus wurde bereits unter Beteiligung der Öffentlichkeit ein Masterplan entwickelt. Welchen Anspruch soll dieses Quartier erfüllen?

Auf circa 57 Hektar sollen dort rund 2.700 Wohnungen entstehen. Ziel ist es, ein städtebaulich und architektonisch attraktives Stadtquartier zu schaffen, das den Anforderungen an die Nachhaltigkeit, den Klimaschutz und an eine soziale Mischung Rechnung trägt.

Wie sollen diese Ziele erreicht werden?

Der Siegerentwurf plant ein zusammenhängendes Siedlungsband, das ländliche Qualitäten und urbane Strukturen gut vereint. Durch flächensparendes und naturschonendes, verdichtetes Bauen, eine Regenwasserbewirtschaftung und nachhaltige Baustoffe wie Holz soll das Ziel Berlins zur Klimaneutralität bis 2045 unterstützt werden. Dazu dienen auch Maßnahmen für ein autoarmes Quartier sowie Maßnahmen im Energiebereich.
Um eine soziale Mischung zu erzielen, schaffen wir Wohnraum in verschiedenen Segmenten, sowohl mietpreis- und belegungsgebunden sowie gemeinwohlorientiert, als auch für Menschen mittleren Einkommens. Wir setzen verschiedene Bautypologien ein, fördern gemischte Nutzungen und sozio-kulturelle Angebote, damit ein lebendiges Quartier entsteht.

Welche Infrastruktur wird das Quartier erhalten?

Geplant sind eine Grundschule mit Sport- und Multifunktionshalle, zwei Kitas und Einrichtungen für Jugendliche. Es soll drei Quartiersgaragen geben, verkehrsberuhigte Abschnitte sowie Ladezonen. Im Übergangsbereich zur Landschaft werden mehrere Spielplätze und Sportflächen entstehen, der Naturerfahrungsraum und der Archäologiespielplatz Moorwiese bleiben erhalten. Derzeit prüfen wir, ob es möglich ist, am S-Bahnhof ein Fahrradparkhaus und eine Jelbi-Station zu errichten.

Wie ist der aktuelle Stand der Vorbereitungen?

Der Entwurf wird nun in den Rahmenplan integriert, der bis zum Sommer fertiggestellt werden soll. Parallel findet die Abstimmung mit den öffentlichen und privaten Eigentümern statt. Zudem bereitet die Senatsverwaltung das förmliche Bebauungsplanverfahren mit dem Aufstellungsbeschluss als Grundlage für das Plan- und Baurecht vor.

In Buch Süd sollen weiterer Wohnraum, Schulen, eine Kita sowie forschungsnahes Gewerbe für den Campus entstehen. Eine Erweiterungsfläche in unmittelbarer Nähe des Campus ist für uns sehr bedeutsam. Wie ist der Stand der Planungen?

Eine vertiefende städtebauliche Studie steht vor dem Abschluss, die Öffentlichkeit soll im Sommer 2022 beteiligt werden. Wir streben eine Beschlussfassung für das dritte Quartal dieses Jahres an. Danach kann das Bebauungsplanverfahren starten.

Insgesamt soll in Buch Süd ein gemeinwohlorientiertes Wohnungsangebot mit 650 Wohneinheiten in eher aufgelockerter Bebauung entstehen. Die Umsetzung soll durch ein landeseigenes Wohnungsunternehmen erfolgen. Auch dieses Quartier wird nachhaltig und weitgehend ohne Autoverkehr angelegt, weshalb eine Quartiersgarage zum Konzept gehört. Um das Quartier gut zu erschließen, soll die Max-Burghardt-Straße bis zur Kleinen Wiltbergstraße verlängert werden. Geplant ist, einen umgrenzenden Grünsaum zu schaffen, der zugleich Spiel- und Sportflächen integriert und Wegebeziehungen in den angrenzenden Pankepark sichern soll. Das Konzept für die Qualifikation des Pankeparks wird aktuell zum Abschluss gebracht. Für den Wissenschafts- und Biotech-Campus ist eine Erweiterungsfläche von insgesamt neun Hektar auf dem südlichen Teil der ehemaligen Brunnengalerie ab Wolfgang-Heinz-Straße vorgesehen sowie entlang des Kappgrabens.

Auf dem nördlichen Teil der Brunnengalerie sollen eine Kita mit 150 Plätzen und ein Schulcampus entstehen. Dieser sieht eine Gemeinschaftsschule mit Grundschule und Sekundarstufe vor. Eine Machbarkeitsstudie für den Schulcampus wurde 2021 fertiggestellt. Er ist bereits als Teil der Investitionsplanung des Landes Berlin bestätigt und soll im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive realisiert werden.

Wann kann die bauliche Umsetzung starten?

Eine bauliche Umsetzung ist etappenweise möglich. Die vorhandene Druckwasserleitung muss vor Beginn zwingend verlegt werden, ebenso ist die Verlegung und Bündelung der Medientrasse in einem neuen Korridor erforderlich. Dies gilt auch für die Erweiterungsfläche des Campus auf der Brunnengalerie.

Buch braucht ein lebendiges kulturelles Zentrum. Wie steht es um das geplante innovative Bildungs- und Integrationszentrum?

Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten, da durch die derzeitige vorläufige Haushaltswirtschaft eine Beauftragung schwierig ist. Somit ist ein Termin für den Baubeginn in der zweiten Hälfte 2023 geplant. Sollte es noch Änderungen im Haushalt geben, könnte sich der Termin auch noch weiter verschieben. Die Bauzeit soll zwei Jahre betrage

Interview: Dr. Ulrich Scheller / Campus Berlin-Buch GmbH

Das Interview erschien zuerst im Standortjournal buchinside.

 

forschen / 23.06.2022
Feinschliff für die Genschere

Van Trung Chu working in the lab (Foto: Felix Petermann, MDC)
Van Trung Chu working in the lab (Foto: Felix Petermann, MDC)

Mit dem molekularen Werkzeug CRISPR-Cas9 lassen sich erbliche Blutleiden behandeln. Dabei kann es zu ungewollten Veränderungen im Erbgut kommen. Ein Team um die MDC-Forscher Klaus Rajewsky und Van Trung Chu stellt jetzt in „Science Advances“ eine Methode vor, die solche Folgen minimiert.

Die Hoffnungen, die in die Genschere CRISPR-Cas9 gesetzt werden, sind groß. Denn mit dem molekularen Skalpell lassen sich krankhaft veränderte Gene, die zum Beispiel zu Erbleiden führen, punktgenau herausschneiden und reparieren. Doch so präzise das Werkzeug sein Ziel auf der DNA in der Regel auch findet: Völlig fehlerfrei arbeitet es bislang nicht. 

Mitunter setzt die Genschere ihren Schnitt auch an Stellen des Erbgutfadens, die der eigentlichen Zielsequenz sehr ähnlich sind, aber ganz woanders liegen. Forschende sprechen dann von Off-Target-Mutationen, die ungeahnte Konsequenzen haben können. Doch selbst wenn CRISPR-Cas9 an der richtigen Stelle schneidet, kann es bei der Reparatur des Schnitts zu Fehlern kommen, den On-Target-Mutationen. 

Zwei Schnitte mit Abstand

„Solche Fehler entstehen vor allem deshalb, weil die klassische Genschere beide Stränge, aus denen das DNA-Molekül besteht, auf einmal durchschneidet“, erklärt Professor Klaus Rajewsky, der Leiter der Arbeitsgruppe „Immunregulation und Krebs“ am Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). Gemeinsam mit weiteren Forschenden des MDC und der Humboldt-Universität zu Berlin hat der Wissenschaftler jetzt in der Fachzeitschrift „Science Advances“ eine verfeinerte Methode namens Spacer-Nick vorgestellt. Dabei schneidet eine modifizierte Genschere, Nickase genannt, die gegenüberliegenden Stränge der DNA an verschiedenen Stellen jeweils einzeln durch.

Entscheidend für die größere Präzision, mit der die Doppelschere fehlerhafte Gene aufspürt und repariert, ist eine Art Abstandshalter, Spacer genannt, den das Team in sein Werkzeug eingebaut hat. „Mit ihm stellen wir sicher, dass die beiden Schnitte in einem Abstand von 200 bis 350 Basenpaaren gesetzt und Doppelstrangbrüche der DNA vermieden werden“, erläutert Dr. Van Trung Chu aus Rajewskys Arbeitsgruppe. Die beiden Forscher sind gemeinsame Letztautoren der Studie. „Diese Länge hat sich in unseren Experimenten mit blutbildenden Stammzellen und T-Zellen als optimale Distanz erwiesen, um On- und Off-Target-Mutationen zu reduzieren“, sagt Chu. „Ist sie kürzer, kann es nämlich trotz der Verwendung zweier getrennter Scheren passieren, dass der DNA-Strang letztendlich komplett durchschnitten wird.“

Beim Aufspüren von Off-Target-Mutationen haben zwei weitere MDC-Teams einen wichtigen Beitrag zu der Publikation geleistet: zum einen die Arbeitsgruppe „Krebs & Immunologie / Immunmechanismen und humane Antikörper“ von Professorin Kathrin de la Rosa, zum anderen die Arbeitsgruppe „Genom-Editierung & Krankheitsmodelle“ von Dr. Ralf Kühn, der Dr. Van Trung Chu ebenfalls angehört. „Spacer-Nick ist somit auch ein gutes Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit von Forschenden verschiedener Gruppen am MDC“, sagt Rajewsky.   

Fast fehlerfrei und effektiv

Die Überlegenheit ihrer feingeschliffenen Genschere und des versetzten Schnitts können die Wissenschaftler*innen sogar beziffern: „Der Anteil an On-Target-Mutationen liegt mit der klassischen CRISPR-Cas9-Methode bei mehr als 40 Prozent“, berichtet Chu. „Spacer-Nick kann diese Rate auf weniger als zwei Prozent senken.“ Nicht ganz so leicht exakt zu ermitteln sei der Erfolg bei den Off-Target-Mutationen, sagt Chu. „Zu ihnen können wir eigentlich nur sagen, dass sie beim Einsatz der gewöhnlichen Genschere relativ oft vorkommen, während sie bei unserem Ansatz kaum oder gar nicht auftraten.“ Unklar ist bislang der genaue Mechanismus, über den das Erbgut nach den Schnitten von Spacer-Nick repariert wird. „Es handelt sich jedenfalls anscheinend nicht um den bekannten – und fehleranfälligen – NHEJ-Signalweg“, erklärt Chu.

Im Hinblick auf die Effektivität kann Spacer-Nick mit dem herkömmlichen Verfahren mithalten. „Bei beiden Methoden können wir zwischen 20 und 50 Prozent der behandelten Zellen erfolgreich reparieren“, sagt Chu. Das reiche vermutlich aus, um Patient*innen mit einer erblichen Bluterkrankung, bei denen nur ein einzelnes Gen verändert sei, zu heilen. Beispiele für solche Blutleiden sind die Beta-Thalassämie, bei der der rote Blutfarbstoff Hämoglobin nicht richtig gebildet wird, oder die schwere kongenitale Neutropenie. Sie ist durch eine deutlich verminderte Zahl an Granulozyten – eine Form weißer Blutkörperchen – gekennzeichnet und geht mit einer stark geschwächten Immunabwehr einher.

Korrektur der Stammzellen

Chu und Rajewsky hoffen, dass andere Forscher*innen ihre Idee aufgreifen und Spacer-Nick zunächst im Tiermodell und dann bald an ersten Patient*innen testen werden. „Das Prinzip der Therapie ist einfach“, sagt Chu: Menschen mit einem monogenen Erbleiden werden nach etablierten Methoden blutbildende Stammzellen entnommen. In der Zellkultur repariert Spacer-Nick die fehlerhaften Gene. Sobald die Genschere ihre Arbeit getan hat, werden die reparierten Stammzellen den Patient*innen wieder verabreicht. Aus ihnen gehen dann neue und vor allem gesunde Blutzellen hervor. 

Weiterführende Informationen

AG Klaus Rajewsky

AG Ralf Kühn

AG Kathrin de la Rosa

Literatur

Ngoc Tung Tran, Eric Danner, Xun Li, Robin Graf et al. (2022): „Precise CRISPR-Cas–mediated gene repair with minimal off-target and unintended on-target mutations in human hematopoietic stem cells“. Science Advances, DOI: 10.1126/sciadv.abm9106

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

 

Quelle: Pressemitteilung auf der Webseite des MDC
Feinschliff für die Genschere

www.mdc-berlin.de

forschen, investieren, produzieren / 22.06.2022
Neuer Serviceanbieter auf dem Campus Berlin-Buch: FyoniBio

(v. l.) Dr. Lars Stöckl und Dr. Hans Baumeister (Foto: FyoniBio GmbH)
(v. l.) Dr. Lars Stöckl und Dr. Hans Baumeister (Foto: FyoniBio GmbH)

Die neu gegründete FyoniBio GmbH ist spezialisiert auf biopharmazeutische Dienstleistungen in der Arzneimittelentwicklung. Interview mit den Geschäftsführern, Dr. Hans Baumeister und Dr. Lars Stöckl

Glycotope hat Anfang des Jahres sein Dienstleistungsgeschäft in die FyoniBio GmbH ausgegliedert. Was war der Anlass dafür?

Dr. Baumeister: Glycotope wollte sich auf die Entwicklung von Biotherapeutika fokussieren. In den letzten zwei Jahren haben Dr. Stöckl und ich die Marke FyoniBio entwickelt, und die Glycotope hat mit unserer Unterstützung die Ausgründung von FyoniBio vorangetrieben und nach Investoren gesucht. Durch die Corona-Pandemie gestaltete sich dies schwieriger. Mit der chinesischen Canton Biologics Co. Ltd. hat sich schließlich einer der bisherigen Partner der Glycotope unter den Bietern durchgesetzt. Canton Biologics ist ein in China etablierter und stark wachsender Auftragsentwickler und -hersteller von Biotherapeutika.

Welchen Status hat FyoniBio?

Dr. Stöckl: Wir sind als FyoniBio GmbH eine eigenständig operierende Firma in Berlin-Buch. Als Teil der Canton Biologics Group können wir unseren Kunden über unsere Dienstleistungen hinaus weitere Lösungen anbieten.

Welche Chancen bietet die neue Konstellation?

Dr. Baumeister: In China wächst ein riesiger Markt für Biotherapeutika, der sehr interessant für Firmen aus Deutschland und Europa ist. Wenn Biotherapeutika hier entwickelt wurden, müssen sie für den chinesischen Markt dort erneut produziert und zumindest teilweise getestet werden. Wir
können einen Transfer anbieten, bei dem unser chinesischer Partner die Produktion übernehmen kann. Andersherum haben immer mehr chinesische Firmen Interesse am europäischen Markt, für die FyoniBio attraktive Angebote machen kann. Darüber hinaus können wir gegenseitig von unseren Technologien und Marktkenntnissen profitieren.

Wie setzt sich Ihr Team zusammen?

Dr. Baumeister: Unser erfahrenes 25-köpfiges Team arbeitet zum großen Teil schon über lange Jahre bei Glycotope zusammen. Etwa drei Viertel der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben eine wissenschaftliche Ausbildung, zehn davon sind promoviert.

Welchen Service bietet FyoniBio?

Dr. Stöckl: FyoniBio bietet ISO 9001-zertifizierte biopharmazeutische Dienstleistungen in verschiedenen Phasen der Arzneimittelentwicklung an. Wenn ein Kunde zum Beispiel ein Protein therapeutisch entwickeln möchte, bieten wir das komplette Paket von der Zelllinien- und
Prozessentwicklung, inklusive der gesamten analytischen Entwicklung zur Proteincharakterisierung, etwa der massenspektrometrischen Analyse, bis zum Transfer zum GMP-Hersteller an. Der GMP-Hersteller kann Canton Biologics sein, muss es aber nicht. Ganz zentral ist sicherlich die Herstellung von Zelllinien für diese therapeutischen Proteine, also der erste Schritt für einen zukünftigen Herstellungsprozess. Dafür braucht man Technologien, Know-how und Equipment, über die viele Biotech Firmen, ob etabliert oder Start-ups, oft nicht verfügen.
Dr. Baumeister: Darüber hinaus entwickeln wir zelluläre Bioassays, um die Aktivität des therapeutischen Proteins zu überprüfen. Nach der GMP-Herstellung kommen die klinischen Studien. In der klinischen Bioanalytik ist unsere Expertise in der Etablierung und Validierung von Assays, zum
Beispiel zur Analyse der Pharmakokinetik und der Immunogenizität, sehr gefragt, ebenso die Nutzung der Assays zur Analyse von Patientenproben, alles gemäß Good Clinical Laboratory Practice. Diese Kombination aus präklinischer Entwicklung und klinischer Analytik wird selten angeboten, macht aber viel Sinn, da die meisten klinischen Assays während der präklinischen Phase entwickelt werden müssen.
Dr. Stöckl: Damit ein Protein-Therapeutikum am Menschen getestet werden kann, muss die Struktur exakt charakterisiert werden. Dafür stehen uns zwei Massenspektrometer zur Verfügung, mit denen zum Beispiel Aminosäuresequenzen und post-translationale Modifikationen, auch bei Alterungsprozessen in der Lagerung, analysiert werden können.

Welche Kooperationen gibt es, welche wünschen Sie sich?

Dr. Stöckl: Wir kooperieren mit langjährigen Geschäftspartnern und sind im Gespräch mit neuen Kooperationspartnern – auch hier auf dem Campus. Daneben sind wir interessiert an Partnern, mit denen wir im Rahmen von Fördermaßnahmen zusammen forschen können, um neue Techniken zu entwickeln.

www.fyonibio.com

forschen / 21.06.2022
Was Blutgefäße wachsen lässt

Wachsendes Blutgefäßnetzwerk in der Netzhaut der Maus: Zellen der Gefäßinnenwand – die Endothelzellen (türkis/weiß) – wandern in das umgebende Gewebe ein, um dort neue Verbindungen zu bilden. (Foto: Michael Potente, MDC)
Wachsendes Blutgefäßnetzwerk in der Netzhaut der Maus: Zellen der Gefäßinnenwand – die Endothelzellen (türkis/weiß) – wandern in das umgebende Gewebe ein, um dort neue Verbindungen zu bilden. (Foto: Michael Potente, MDC)

Blutgefäße müssen ihr Wachstum an das in ihrer Umgebung vorhandene Nährstoffangebot anpassen, um Organe bedarfsgerecht zu versorgen. Ein Team um Michael Potente hat in „Nature Metabolism“ zwei Proteine beschrieben, die eine wichtige Rolle in diesem Prozess spielen.

Blutgefäße durchziehen den gesamten menschlichen Körper. Sie stellen sicher, dass Organen ausreichend Nährstoffe und Sauerstoff zur Verfügung stehen. Funktionieren diese feinmaschigen Netzwerke nicht mehr so, wie sie sollen, drohen Krankheiten. Während sie zum Beispiel bei altersabhängigen Herz-Kreislauf-Leiden häufig verkümmern, sind bösartige Tumore durch ein überschießendes Wachstum fehlgeleiteter Gefäße gekennzeichnet. Auch bei der feuchten Makuladegeneration des Auges sprießen neue Blutgefäße – allerdings nicht dort, wo sie es sollen. Dies kann im schlimmsten Fall zu Blindheit führen.

Zwei Türöffner für Nährstoffe

„Um für solche Erkrankungen maßgeschneiderte Therapien entwickeln zu können, wollen wir herausfinden, wie genau das Wachstum neuer Blutgefäße, die Angiogenese, im Körper gesteuert wird“, sagt Michael Potente, Professor für Translationale Vaskuläre Biomedizin am Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) und Gastforscher am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). Sein Labor für Angiogenese & Metabolismus gehört zum „Berlin Center for Translational Vascular Biomedicine“. Das interdisziplinäre Zentrum ist ein gemeinsamer Schwerpunkt von BIH, Charité – Universitätsmedizin Berlin und MDC.

Gemeinsam mit einem internationalen Team hat Potente jetzt einen wichtigen Schritt getan: Wie die Forschenden in der Fachzeitschrift „Nature Metabolism“ berichten, sind zwei Proteine namens YAP und TAZ entscheidend dafür, dass auch unter schwierigen Stoffwechselbedingungen Gefäße aussprießen können. Die Proteine gehören zum Hippo-Signalweg, der in fast allen Lebewesen das Wachstum und die Größe von Organen bestimmt. „Sind die beiden Moleküle in den Zellen der Gefäßinnenwand – dem Endothel – aktiv, so werden Gene abgelesen, die zur vermehrten Bildung bestimmter Oberflächentransporter führen“, erläutert Potente. „Diese ermöglichen es den Gefäßzellen, vermehrt Nährstoffe aufzunehmen, die für Wachstum und Zellteilung erforderlich sind.“ Die in ihrer Funktionsweise ähnlichen Proteine YAP und TAZ fungieren damit als eine Art Türöffner.

„Die gesteigerte Nährstoffaufnahme wiederum ermöglicht die Aktivierung eines weiteren Proteins, das mTOR genannt wird“, sagt Potente. mTOR ist eine zentrale Schaltstelle in Zellen, die Wachstum und Zellteilung in Gang setzt. „Auf diese Weise können neue Gefäßnetzwerke expandieren“, erklärt der Forscher. Welche Signale die Aktivität von YAP und TAZ in Endothelzellen bestimmen, wissen er und sein Team bislang allerdings noch nicht.

Einsichten aus der Netzhaut

Erstautorin der Studie ist Dr. Yu Ting Ong vom Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung im hessischen Bad Nauheim, an dem Potente bis zu seinem Wechsel nach Berlin eine Arbeitsgruppe geleitet hat. Auch Professor Holger Gerhardt, Leiter der MDC-Arbeitsgruppe „Integrative Vaskuläre Biologie“ und Potentes Nachbar im Käthe-Beutler-Haus in Berlin-Buch, war an der Publikation beteiligt. „Wir haben gemeinsam einen wichtigen Mechanismus entschlüsselt, der es Blutgefäßen ermöglicht, ihr Wachstumsverhalten eng an die Umgebungsbedingungen anzupassen“, sagt Gerhardt. „Er verhindert, dass Endothelzellen sich teilen, wenn die dafür notwendigen Stoffwechselressourcen nicht vorhanden sind.“

Die Ergebnisse basieren auf Experimenten an Mäusen. Deren Netzhaut ist ein ideales Modell, um die Entwicklung von Blutgefäßen zu untersuchen. „Mithilfe genetisch veränderter Mauslinien konnten wir zeigen, dass Endothelzellen, in denen die Proteine YAP und TAZ nicht hergestellt werden, sich kaum teilen“, berichtet Potente. „Dies führte bei den Tieren zu einer Hemmung des Gefäßwachstum.“ Das Protein TAZ spielt bei dem Prozess eine besonders wichtige Rolle – anders als bei den meisten Zelltypen, in denen YAP entscheidend ist.

Eine bedeutsame molekulare Maschinerie

„Da neue Blutgefäße häufig in mangeldurchbluteten Geweben entstehen, müssen Endothelzellen in der Lage sein, unter schwierigsten Stoffwechselbedingungen zu wachsen“, sagt Potente. „Daher ist es für diese Zellen von besonderer Bedeutung, eine molekulare Maschinerie zu besitzen, die subtile Veränderungen im extrazellulären Milieu wahrnimmt und auf diese reagiert.“

Gemeinsam mit ihren Teams wollen Potente und Gerhardt nun untersuchen, inwieweit der von ihnen während der Gewebeentwicklung beschriebene Mechanismus auch in Regenerations- und Reparaturprozesse involviert ist, bei denen Blutgefäße eine essentielle Rolle spielen. „In erster Linie sind wir daran interessiert, herauszufinden, ob und – wenn ja – auf welche Weise Störungen des beschriebenen Signalwegs beim Menschen Gefäßkrankheiten bedingen“, sagt Potente.

 

Foto: Wachsendes Blutgefäßnetzwerk in der Netzhaut der Maus: Zellen der Gefäßinnenwand – die Endothelzellen (türkis/weiß) – wandern in das umgebende Gewebe ein, um dort neue Verbindungen zu bilden. (Foto: Michael Potente, MDC)

Weiterführende Informationen

Berlin Center for Translational Vascular Biomedicine

AG Michael Potente

AG Holger Gerhardt

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin und des Berlin Institute of Health in der Charité
Was Blutgefäße wachsen lässt

 

bilden / 20.06.2022
Richtfest für eine 4-zügige Grundschule mit Sporthalle an der Karower Chaussee

Zum Richtfest sprachen Bildungssenatorin Astrid Busse (li), Schulstadträtin Dominique Krössin (Mitte) und Staatssekretärin Ülker Radziwill (re) (Foto: Jonas Teune/BA Pankow)
Zum Richtfest sprachen Bildungssenatorin Astrid Busse (li), Schulstadträtin Dominique Krössin (Mitte) und Staatssekretärin Ülker Radziwill (re) (Foto: Jonas Teune/BA Pankow)

Richtfest für eine 4-zügige Grundschule mit Sporthalle an der Karower Chaussee

Am heutigen Montag fand das Richtfest für den Neubau einer 4-zügigen Grundschule mit Sporthalle und Außenanlagen der Berliner Schulbauoffensive (BSOII) in der Karower Chaussee 97 in 13125 Berlin statt. Die Grundschule wird in Amtshilfe für den Bezirk Pankow von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen geplant und gebaut.

Konzept der Compartmentschule

Umgesetzt wird hier das schulpädagogische Konzept der Compartmentschule, die Klassen- und Teilungsräume um einen Forumsraum gruppiert und so vielfältige Lehrsituationen ermöglicht.

Senatorin für Bildung, Jugend und Familie Astrid-Sabine Busse: „In der Karower Chaussee entsteht eine der ersten neuen Grundschulen in Berlin, die nach dem Raumkonzept der Berliner Lern- und Teamhäuser gebaut werden. Mit diesem sogenannten Compartmentprinzip können die zeitgemäßen pädagogischen Anforderungen an inklusive und ganztägige Bildung mustergültig umgesetzt werden. Die Compartments bieten flexible und offene Lernlandschaften, die zugleich auch Platz für Rückzug und Erholung schaffen. Was mich besonders freut, ist die beschleunigte Bauweise, die durch die modulare Bauweise, aber auch durch verbesserte Planungsprozesse möglich wurde. Damit können jetzt 576 dringend benötigte Schulplätze im attraktiven Norden Berlins schnell geschaffen werden - im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive.“

Die Generalplaner Bruno Fioretti Marquez GmbH aus Berlin konnten Ende 2018 in einem Realisierungswettbewerb für mehrere Schulstandorte mit ihrem modular aufgebauten Entwurf für das Schulgebäude und die Sporthalle überzeugen: Die Vor- und Rücksprünge des Baukörpers erlauben eine optimale Belichtung aller Räume und binden auch die grünen Außenbereiche gut ein.

Staatssekretärin für Mieterschutz und Quartiersentwicklung Ülker Radziwill: „Erneut erhebt sich ein Richtkranz über den Rohbau einer Schule, die bald Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften ideale Bedingungen zum Lernen und Lehren bieten wird. Darauf sind wir stolz, zeigt es doch, dass die Schulbauoffensive hält, was versprochen wurde: schnelles Bauen, moderne, vielfältig nutzbare Räume, energieeffiziente Gebäude und viel Platz für Sport und Spiel. Dafür danken wir allen an der Planung und am Bau Beteiligten.“

Bezirksbürgermeister Sören Benn: „Mit dem Schulneubau werden insgesamt 576 Schulplätze für die Kinder der Ortsteile Buch und Karow geschaffen. Wie groß der Bedarf ist, sieht man daran, dass bereits zum neuen Schuljahr im August 2022 vier erste Klassen eingerichtet werden, die bis zur Fertigstellung des Neubaus Karower Chaussee in drei umliegenden Schulen ihre ersten Schulmonate verbringen werden. Schon jetzt warten diese 100 Kinder gespannt und neugierig auf ihre neue tolle Schule."

Vielseitige Raumnutzung

Im Erdgeschoss des barrierefreien Gebäudes sind neben der Mensa und einem großen Mehrzweckraum auch Unterrichtsräume angeordnet. In den drei Obergeschossen befinden sich weitere Unterrichtsräume als Compartment gruppiert, die Fachräume, eine Bibliothek und der Verwaltungsbereich. Die barrierefreie Sporthalle – die auch außerschulisch durch Vereine genutzt werden kann – besteht aus drei Hallenteilen, einer Zuschauergalerie sowie einem Empfangs- und Begegnungsbereich im Erdgeschoss.

Die Energiestandards nach KfW-Effizienzhaus 55 finden ebenso Anwendung wie ein Regenwassermanagement, eine extensive Dachbegrünung, eine Photovoltaikanlage sowie die Verwendung nachhaltiger Baustoffe in Verbindung mit einem Recyclingkonzept.

Der modulare Aufbau von Schulgebäude und Sporthalle ermöglicht dem Generalunternehmer KLEBL GmbH aus Neumarkt in der Oberpfalz, der nach einem offenen Vergabeverfahren Anfang 2021 einen Rahmenvertrag für bis zu zwölf Schulstandorte erhielt, den Einsatz eines hohen Anteils von gleichen vorgefertigten Bauteilen wie z.B. Brüstungen, Stützen und Deckenelementen, die maßgeblich zu einer kurzen Bauzeit beitragen.

Die Gesamtkosten für diesen Standort belaufen sich auf ca. 50 Mio. Euro.

 

forschen / 17.06.2022
Maike Sander leitet künftig das Max-Delbrück-Centrum

Prof. Dr. Maike Sander (Foto: Peter Himsel/MDC)
Prof. Dr. Maike Sander (Foto: Peter Himsel/MDC)

Maike Sander steht künftig an der Spitze des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC). Der Aufsichtsrat hat die Diabetes-Forscherin und Professorin für Pädiatrie und Molekular- und Zellmedizin am 16. Juni 2022 als Wissenschaftliche Vorständin und Vorstandsvorsitzende bestellt. Maike Sander möchte die Rolle des MDC als führendes Zentrum in der Biomedizin weiter ausbauen.

Professorin Maike Sander wird ab 1. November 2022 als Wissenschaftliche Vorständin und Vorstandsvorsitzende das Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) führen. Die Bestellung erfolgte am Donnerstag, den 16. Juni 2022 durch den Aufsichtsrat des MDC. Das MDC, das in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiert, ist eines von fünf Gesundheitszentren in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Die international renommierte Forscherin und erfahrene Wissenschaftsmanagerin Maike Sander löst Professor Thomas Sommer ab, der das MDC seit 2019 kommissarisch geleitet hat. Damit wird erstmals eine Frau an der Spitze eines der Helmholtz-Gesundheitszentren stehen.

„Das MDC ist ein weltweit bekanntes Zentrum, das sich durch innovative Spitzenforschung in der Biomedizin auszeichnet. Hier werden die Grundlagen für die Therapien der Zukunft gelegt. Das MDC ist ein Magnet für hervorragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt und bietet Forschungsmöglichkeiten, die man weltweit an nur wenigen Zentren findet. All das habe ich bereits als Gastprofessorin am MDC erleben können“, sagt Maike Sander. „Als Wissenschaftliche Vorständin wird es mein Ziel sein, die Rolle des MDC als führendes Zentrum in der Biomedizin weiter zu stärken und auch unsere engen Partnerschaften, insbesondere in Berlin, weiter zu vertiefen, damit unsere Entdeckungen schnell in Therapien umgesetzt werden können.“ Sander betont weiter: „Moderne Biomedizin lebt von der engen Zusammenarbeit und dem lebendigen Austausch zwischen Grundlagenforschung, Kliniken und der Industrie. All das gibt es in der Gesundheitsstadt Berlin reichlich: Die Region hat sich zum florierenden Biotech-Pharma-Hub entwickelt. Das MDC sehe ich dabei als wesentlichen Innovationsmotor, und ich freue mich auf die Arbeit und das ganze Team hier sehr.“

Neue Therapieansätze für Diabetes

Schwerpunkt der Forschung von Maike Sander sind neue Therapieansätze gegen Diabetes. Sander untersucht die molekularen Mechanismen, die der Bildung und Funktion der verschiedenen Zelltypen der Bauchspeicheldrüse zugrunde liegen, insbesondere der insulinproduzierenden Beta-Zellen. Sie arbeitet daran, mithilfe von menschlichen pluripotenten Stammzellen Strategien für den Ersatz von Betazellen zu finden und so neue Behandlungsmethoden für Diabetes zu entwickeln.

Sander ist seit dem Jahr 2012 Direktorin des Pediatric Diabetes Research Centers an der University of California in San Diego. Dort hat sie auch eine Professur für Pädiatrie und Molekular- und Zellmedizin inne. In Berlin wird Maike Sander eine Professur an der Charité – Universitätsmedizin übernehmen.

Bundesforschungsministerin: Herausragende Wissenschaftlerin mit internationaler Erfahrung

„Maike Sander ist eine herausragende Wissenschaftlerin und Innovatorin mit ausgewiesener internationaler Erfahrung. Ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, sie nach vielen Jahren in den USA an den Forschungsstandort Deutschland zurückzuholen und für die Leitung des Max-Delbrück-Centrums zu gewinnen. Das belegt, wie attraktiv die biomedizinische Forschung am Standort Berlin ist“, sagte die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Bettina Stark-Watzinger. „Maike Sander vereint in besonderer Weise, was zur Mission des MDC gehört und was unser Ziel in der Forschungsförderung ist: Neue Erkenntnisse aus der Grundlagenwissenschaft möglichst schnell in die Anwendung und damit zu den Patientinnen und Patienten zu bringen. Es ist ein starkes Signal, dass künftig erstmals eine Frau an der Spitze des MDC steht. Die Besetzung ist ein großer Gewinn für den Forschungsstandort Deutschland.“

Berlins Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, Ulrike Gote, erklärt: „Mit Professorin Maike Sander konnte eine international renommierte Spitzenforscherin für das Amt der Wissenschaftlichen Vorständin des Max-Delbrück-Centrums gewonnen werden. Ich heiße sie in der Forschungs- und Gesundheitsmetropole Berlin sehr herzlich willkommen. Mit ihrem breiten Erfahrungsschatz bringt sie ideale Voraussetzungen mit, um die Rolle des MDC als Berliner Leuchtturm der lebenswissenschaftlichen Forschung in der internationalen Forschungslandschaft weiter auszubauen. Als Wissenschafts- und Gleichstellungssenatorin begrüße ich außerdem sehr, dass mit Maike Sander erstmals eine Frau an der Spitze eines der Helmholtz-Gesundheitszentren steht.“

Wiestler: Helmholtz-Gemeinschaft kann enorm profitieren

„Als Gastprofessorin am MDC habe ich die Diabetes- und Stammzellenexpertin Maike Sander bereits kennenlernt: Mit ihrem wissenschaftlichen Renommée und ihrer internationalen Erfahrung wird sie als Wissenschaftliche Vorständin und Vorstandsvorsitzende das MDC zukunftsweisend weiterentwickeln“, erklärt Otmar D. Wiestler, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. „Wir gewinnen mit Frau Sander eine exzellente Wissenschaftlerin, von deren Expertise die Helmholtz-Gemeinschaft enorm profitieren kann. Eines unserer großen Ziele ist die personalisierte Medizin – und das MDC leistet wichtige Beiträge zur interdisziplinären und translationalen Spitzenforschung. Ich freue mich sehr auf den Austausch und die Zusammenarbeit mit Maike Sander.“

Zur Person

Maike Sander, gebürtig in Göttingen, ist 54 Jahre alt. Nach dem Abschluss ihres Medizinstudiums an der Universität Heidelberg im Jahr 1994 forschte sie zunächst an der University of California in San Francisco. Bevor sie 2008 an die University of California San Diego wechselte, hatte sie Fakultätspositionen an der Medical School Hamburg und der University of California in Irvine inne. Als Expertin für insulinproduzierende Betazellen der Bauchspeicheldrüse verfügt sie über fast dreißig Jahre Erfahrung in der Medizin und der Diabetesforschung.

Sander ist gewähltes Mitglied der Leopoldina, der Vereinigung amerikanischer Ärztinnen und Ärzte (Association of American Physicians), der American Society of Clinical Investigation und Mitglied des NIH-Human Islet Research Network sowie des NIH-Impact of Genomic Variation on Function-Konsortiums zur Erforschung grundlegender Mechanismen der Genregulation.
Sie ist Preisträgerin des Grodsky-Preises des Juvenile Diabetes Research Foundation, des 2022 Albert Renold-Preises der European Association for the Study of Diabetes, und des Forschungspreises der Alexander von Humboldt-Stiftung. Seit 2019 ist Maike Sander Einstein Visiting Fellow am Berlin Institute of Health in der Charité (BIH). 

 

Weiterführende Informationen

Pressemitteilung auf der MDC-Webseite

30 Jahre MDC

Sander-Lab und Publikationen an der University of California, San Diego (UCSD)

 

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

forschen / 16.06.2022
Weltweite Krebs-Challenge: Das Rätsel der DNA-Ringe

Zirkuläre DNA (Foto: AG Henssen, ECRC)
Zirkuläre DNA (Foto: AG Henssen, ECRC)

Der Kinderonkologe Anton Henssen hat gemeinsam mit Forschenden aus den USA und Großbritannien den Zuschlag für eine „Cancer Grand Challenge“ erhalten: Mit fast 24 Millionen Euro wird das internationale Team die Rolle ringförmiger DNA bei der Entstehung und Bekämpfung von Krebs untersuchen.

Im Jahr 2014 machte Professor Anton Henssen in den Zellen krebskranker Kinder eine ungewöhnliche Entdeckung. Er bemerkte, dass sich dort kleine Ringe aus DNA angesammelt hatten. Ein Teil der genetischen Information war somit nicht mehr wie gewöhnlich in den Chromosomen verpackt. Und ganz offensichtlich brachten die Ringe das restliche Erbgut derart durcheinander, dass die kindlichen Zellen anfingen zu entarten.

Das Thema hat den 36-jährigen Forscher und Arzt, der seit 2019 am Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), die Emmy-Noether-Forschungsgruppe „Genomische Instabilität bei kindlichen Tumoren“ leitet, seither nicht mehr losgelassen.

Die Rolle der Ringe

„Als ich anfing, mich für die zirkuläre DNA und ihre Rolle bei der Entstehung von Krebs zu interessieren, war ich damit ziemlich allein“, erzählt Henssen, der nicht nur Wissenschaftler ist, sondern sich auch als Kinderarzt der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie der Charité um seine kleinen Krebspatient*innen kümmert. Inzwischen sei das Forschungsfeld jedoch weiter ins Zentrum des wissenschaftlichen Interesses gerückt, sagt Henssen.

Schon seit knapp zwei Jahren werden der Wissenschaftler und sein Projekt „CancerCirculome“ mit einem Starting Grant des European Research Council (ERC) unterstützt. Auch der Förderinitiative „Cancer Grand Challenges“ – die seit 2020 von den beiden größten Geldgebern in der Krebsforschung weltweit, der Cancer Research UK und des National Cancer Institute der National Institutes of Health in den USA, getragen wird – ist die bislang womöglich unterschätzte Rolle der winzigen DNA-Ringe nicht entgangen. Als eine von neun großen Herausforderungen in der Krebsforschung wählte sie das Thema „Extrachromosomale DNA“, kurz ecDNA.

Die „Cancer Grand Challenges“ unterstützen derzeit mehr als 700 Forschende und Befürworter*innen in zehn Ländern, die elf Teams vertreten, die sich zehn der schwierigsten Herausforderungen in der Krebsforschung stellen. Am 16. Juni wurden vier neue Teams bekannt gegeben.

Eine Million für das Berliner Team

„Für mich stand damit fest, dass ich an dieser Challenge teilnehmen will“, erzählt Henssen, der am 1. Juni an der Charité eine Mildred-Scheel-Professur der Deutschen Krebshilfe angetreten hat. Weltweit gebe es gerade einmal eine Handvoll Gruppen, die sich mit dem Thema beschäftigen. Nun hat das Team aus den USA, Großbritannien und Deutschland, das von Professor Paul Mischel von Stanford Medicine in Kalifornien geleitet wird, mit seinem Projekt „eDyNAmiC“ (extrachromosomal DNA in Cancer) den Zuschlag erhalten. Verbunden ist damit eine finanzielle Förderung in Höhe von 20 Millionen britischen Pfund für die kommenden fünf Jahre. Etwa eine Million davon wird Henssen und seinem Berliner Team zur Verfügung stehen.

Man wisse inzwischen, dass fast ein Drittel aller kindlichen und erwachsenen Tumore in ihren Zellen DNA-Ringe tragen und dass diese Tumore fast immer besonders aggressiv seien, sagt Henssen. „Wir wollen nun herausfinden, was genau diese Ringe so gefährlich macht, wie sie entstehen und wie wir sie ausbremsen können – um so effektivere Therapien zu entwickeln“, sagt Henssen. Dieser Herausforderung stellen sich nicht nur Biolog*innen und Mediziner*innen, sondern auch Mathematiker*innen und Informatiker*innen.

Aussicht auf ganz neue Therapieansätze

Henssen und sein Berliner Team, zu dem auch Forschende des Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) gehören, wollen sich zunächst die Struktur der Ringe genauer anschauen und herausfinden, wie ihre DNA in Histonen und anderen Proteinen verpackt ist und wie die Expression ihrer Gene reguliert wird. „Denn möglicherweise führen Veränderungen in der Genexpression dazu, dass Tumore mithilfe der Ringe gegen die derzeit vorhandenen Therapien resistent werden“, sagt er.

Dass sein einst vermeintliches Nischenthema nun eine solch große Aufmerksamkeit und Unterstützung erhält, freut Henssen natürlich sehr. „Mir persönlich hätte nichts Besseres passieren können“, sagt der Forscher. Seine große Hoffnung ist nun, seinen Patient*innen in absehbarer Zeit zu helfen, die ja eigentlich ihr ganzes Leben noch vor sich haben – dank einer neuartigen Therapie, die die Ringe attackiert und so den tödlichen Tumor verschwinden lässt.

Weiterführende Informationen

Pressemitteilung zu den Cancer Grand Challenges

Das eDyNAmiC Team

Porträt Anton Henssen

ECRC-Arbeitsgruppe von Anton Henssen

Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie der Charité

Berliner Wissenschaftspreis

ERC Starting Grant

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

 

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin
Weltweite Krebs-Challenge: Das Rätsel der DNA-Ringe

forschen / 10.06.2022
KI identifiziert Krebszellen

© National Cancer Institute / NIH
© National Cancer Institute / NIH

Wie unterscheiden sich krebskranke von gesunden Zellen? Ein neuer Machine-Learning-Algorithmus namens „ikarus“ kennt die Antwort, berichtet ein Team um den Bioinformatiker Altuna Akalin vom MDC nun im Fachjournal „Genome Biology“. Das Programm hat eine charakteristische Gensignatur gefunden.

Wenn es darum geht, in Datenbergen Muster zu identifizieren, ist ein Mensch einer künstlichen Intelligenz (KI) chancenlos unterlegen. Besonders das maschinelle Lernen, ein Teilbereich der KI, wird oft eingesetzt, um Gesetzmäßigkeiten in Datensätzen zu finden – sei es zur Aktienmarktanalyse, Bild- und Spracherkennung oder der Klassifizierung von Zellen. Um Krebszellen zuverlässig von gesunden Zellen zu unterscheiden, hat ein Team um Dr. Altuna Akalin, Leiter der Technologieplattform „Bioinformatik und Omics-Datenwissenschaft“ am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), nun ein Machine-Learning-Programm namens „ikarus“ entwickelt. In den Tumorzellen fand das Programm ein krebsübergreifendes Muster, bestehend aus einer charakteristischen Kombination an Genen. Der Algorithmus entdeckte in dem Muster außerdem Arten von Genen, die man bislang nicht eindeutig mit Krebs in Verbindung gebracht hatte, schreibt die Forschungsgruppe im Fachjournal „Genome Biology“. 

Maschinelles Lernen bedeutet im Grunde, dass ein Algorithmus anhand von Trainingsdaten selbstständig lernt, bestimmte Fragestellungen zu beantworten. Seine Strategie ist dabei, nach Mustern in den Daten zu suchen, die ihm bei der Problemlösung helfen. Nach der Trainingsphase kann das System das Gelernte verallgemeinern und somit unbekannte Daten beurteilen. „Eine große Herausforderung war, geeignete Lerndatensätze zu bekommen, bei denen Fachleute bereits eine präzise Einteilung der Zellen in ‚gesund’ und ‚krebskrank’ vorgenommen hatten“, erzählt Jan Dohmen, der Erstautor der Studie. 

Eine überraschend gute Trefferquote

Obendrein sind Datensätze aus Einzelzell-Sequenzierungen häufig verrauscht. Das bedeutet: Die Informationen über die molekularen Eigenschaften der einzelnen Zellen sind nicht ganz genau – weil zum Beispiel in jeder Zelle eine unterschiedliche Anzahl Gene erkannt wird oder die Proben nicht immer gleich verarbeitet werden. Sie hätten unzählige Publikationen durchforstet und etliche Forschungsgruppen kontaktiert, um ausreichend gute Datensätze zu bekommen, berichten Dohmen und sein Kollege Dr. Vedran Franke, der Ko-Leiter der Studie. Mit Daten von Lungen- und Darmkrebszellen trainierten das Team den Algorithmus schließlich, bevor sie ihn auf Datensätze von weiteren Tumorarten anwendeten. 

In der Trainingsphase musste ikarus eine Liste charakteristischer Gene finden, anhand derer das Programm die Zellen einteilen konnte: „Wir haben verschiedene Ansätze ausprobiert und verfeinert“, sagt Dohmen. Eine zeitintensive Arbeit, wie sich alle drei Forscher erzählen. „Ausschlaggebend war, dass ikarus letztlich zwei Listen nutzte: eine für Krebsgene und eine für Gene anderer Zellen“, erklärt Franke. Nach der Lernperiode konnte der Algorithmus auch bei anderen Krebsarten zuverlässig zwischen gesunden und krebskranken Zellen unterscheiden, etwa in Gewebeproben von Leberkrebs oder Neuroblastomen. Seine Trefferquote lag meist nur wenige Prozent daneben. Das hat auch die Forschungsgruppe überrascht: „Wir haben nicht erwartet, dass eine gemeinsame Signatur existiert, die Tumorzellen von verschiedenen Krebsarten so genau definiert“, sagt Akalin. „Noch können wir allerdings nicht sagen, dass die Methode für alle Krebsarten funktioniert“, fügt Dohmen hinzu. Damit ikarus zuverlässig bei der Krebsdiagnose helfen kann, wollen die Forschenden ihn noch an weiteren Tumorarten testen. 

KI als vollautomatische Diagnose-Hilfe

Die Klassifizierung „gesund“ versus „krebskrank“ ist dabei längst nicht das Ende des Projekts. In ersten Tests konnte ikarus bereits zeigen, dass sich die Methode auch andere Zelltypen oder bestimmte Subtypen von Tumorzellen unterscheiden kann. „Wir wollen den Ansatz verallgemeinern“, sagt Akalin, „also ihn derart weiterentwickeln, dass er alle möglichen Zelltypen in einer Biopsie unterscheiden kann“. 

In der Klinik schauen sich Pathologen Gewebeproben von Tumoren meist nur unter dem Mikroskop an und identifizieren so die unterschiedlichen Zelltypen. Da ist mühsam und kostet viel Zeit. Mit ikarus könnte dieser Schritt irgendwann vollautomatisch ablaufen. Außerdem könne man aus den Daten zusätzlich etwas über die unmittelbare Umgebung des Tumors ableiten, sagt Akalin. Das wiederum könnte den Ärztinnen und Ärzten helfen, eine optimale Therapie auszuwählen. Denn oftmals deute die Zusammensetzung des Krebsgewebes und der Mikroumgebung darauf hin, ob eine bestimmte Behandlung oder ein Medikament anschlagen wird oder nicht. Darüber hinaus hilft die KI möglicherweise, neue Medikament zu entwickeln: „Wir können mit ikarus Gene identifizieren, die potenzielle Treiber der Krebserkrankung sind“, sagt Akalin. Neuartige Wirkstoffe könnten dann an diesen molekularen Zielstrukturen ansetzen. 

Zusammenarbeit im Home-Office

Bemerkenswert an der Publikation sei, dass die notwendigen Arbeiten vollständig während der Coronapandemie durchgeführt wurden. Alle Beteiligten waren zu der Zeit nicht an ihren normalen Arbeitsplätzen im Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB), das zum MDC gehört. Sie hielten im Home-Office nur über digitale Kanäle Kontakt. „Das Projekt beweist, dass man eine digitale Struktur schaffen kann, die wissenschaftliche Arbeiten unter diesen Bedingungen ermöglicht“, findet Franke daher.

Weiterführende Informationen
Technologieplattform „Bioinformatics and Omics Data Science
Deep Learning erkennt molekulare Muster von Krebs

Literatur
Jan Dohmen et al. (2022): „Identifying tumor cells at the single-cell level using machine learning“. Genome Biology, DOI: 10.1186/s13059‐022‐02683‐1
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

 

Quelle: Pressemitteilung MDC
KI identifiziert Krebszellen

forschen / 09.06.2022
Wie die Immuntherapie effizienter werden kann

Foto: Rita Elena Serda, NIH
Foto: Rita Elena Serda, NIH

T-Zellen beseitigen kranke Körperzellen normalerweise sehr effektiv. Bei Tumorzellen jedoch versagen sie anscheinend. MDC-Forscher*innen haben nun herausgefunden, was die Immunabwehr hemmt. In „JCI Insight“ beschreiben sie, wie sie diese Bremse lösen und die Immunantwort bei Krebs stärken können.

Sie sind das Räumkommando des Immunsystems: T-Zellen patrouillieren ständig durch Blut, Lymphsystem, Gewebe und Organe. Stoßen sie auf Zellen, die von Krankheitserregern befallen oder beschädigt sind, beseitigen sie diese. Auch Krebszellen können sie erkennen und vernichten. Allerdings entwickeln Tumorzellen Strategien, um sich dieser Abwehr zu entziehen. Weltweit arbeiten Krebsforscher*innen deshalb daran, diese Ausweichmanöver unmöglich zu machen und T-Zellen für gezielte Immuntherapien gegen Krebs zu nutzen. 

Die Arbeitsgruppen von Dr. Armin Rehm und Dr. Uta Höpken am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) in Berlin haben nun einen Mechanismus identifiziert, mit dem Tumorzellen die körpereigene Immunabwehr umgehen. „In vielen Tumoren lesen die Zellen besonders oft das Gen EBAG9 ab. Die Krebszellen bilden deshalb ein Protein, das sie einerseits selbst schützt. Auf der anderen Seite hat EBAG9 auch Einfluss auf Zellen des Immunsystems, denn T-Zellen stellen EBAG9 ebenfalls her. In den T-Zellen verhindert EBAG9 die Abgabe von Enzymen, die als Zellgift wirken und Tumorzellen abtöten“, sagt Armin Rehm. Im Fachjournal „JCI Insight“ beschreiben die Wissenschaftler*innen, wie sie in Mäusen diese Bremse gelöst haben. „Wir haben das EBAG9-Gen stillgelegt“, erklärt Co-Erstautorin Dr. Anthea Wirges aus Rehms Forschungsgruppe. „So konnten wir verhindern, dass EBAG9 in den T-Zellen entsteht, und damit die Immunantwort gegen Krebs dauerhaft stärken.“

EBAG9 entwaffnet die Immunzellen

Dass Krebszellen Immunzellen ausbremsen können, ist bekannt. Darauf beruhen Immuntherapien mit Checkpoint-Inhibitoren, die bereits in der Klinik verwendet werden. Die Checkpoint-Inhibitoren machen es den Krebszellen schwer, sich als „ungefährlich“ zu maskieren und so den T-Zellen zu entkommen. „Mit EBAG9 haben die Krebszellen aber einen zusätzlichen Schutz vor dem Immunsystem“, sagt Rehm. „EBAG9 entwaffnet die T-Zellen und drosselt die Ausschüttung von Stoffen, die ihnen schaden würden.“

Armin Rehm und Uta Höpken hegen schon lange den Verdacht, dass EBAG9 die T-Zellen ausbremst. Bereits 2009 etablierte Rehms Team ein Mausmodell, bei dem die Wissenschaftler*innen das Gen für EBAG9 ausschalteten. „Ohne EBAG9 funktionierte das Immunsystem der Tiere besser und sie konnten sich gegen Infektionen wesentlich effizienter zur Wehr setzen“, sagt Armin Rehm. Das Team von Uta Höpken kreuzte die Mäuse ohne EBAG9 dann mit einem weiteren genetisch veränderten Mausmodell, das spontan Leukämie entwickelt. „Wir haben diese doppelt genveränderten Mäuse über einen langen Zeitraum beobachtet“, erzählt Uta Höpken. „Bei ihnen entwickeln sich die Tumore deutlich langsamer als in den Mäusen mit EBAG9.“

Anders als bei Infektionen

Anthea Wirges überprüfte die Effekte des EBAG9-Gens auf die T-Zellen mithilfe von Einzelzell-RNA-Sequenzierung und bioinformatischen Methoden. Anhand der Daten konnten die Wissenschaftler*innen nicht nur bestätigen, dass EBAG9 die T-Zellantwort hemmt. Sie fanden auch heraus, dass die Immunreaktion bei Krebserkrankungen anders abläuft als bei Infektionen.

„Das Wissen darüber, wie das Immunsystem ein Gedächtnis aufbaut, stammt aus Infektionsversuchen. Dies kann nicht 1:1 auf Tumore übertragen werden“, sagt Armin Rehm. T-Zellen erkennen kranke oder infizierte Zellen an Signalmolekülen auf deren Oberfläche. Identifizieren sie solche schädlichen Strukturen, differenzieren sie in zytotoxische T-Zellen und T-Gedächtniszellen. Die zytotoxischen T-Zellen schütten Proteine aus, die die Membranen der erkrankten Zellen durchlöchern, in sie eindringen und vergiften, so dass sie absterben. Außerdem produzieren infizierte Gewebe entzündliche Botenstoffe, etwa Zytokine, die noch mehr T-Zellen herbeirufen und die Ausreifung der T-Zellen zu T-Gedächtniszellen steuern. Die Gedächtniszellen speichern die Immunantwort ab, sodass das Immunsystem nicht jedes Mal von vorn anfangen muss, wenn T-Zellen auf erkrankte Zellen stoßen.

Die Idee: CAR-T-Zellen ohne Immunbremse

Tumore im frühen Stadium gehen jedoch nicht mit einer Entzündung einher. Bislang ist man davon ausgegangen, dass dies daran liegt, dass T-Zellen Tumorzellen nicht gut identifizieren können. „Als körpereigene Zellen weisen Tumorzellen nur ganz wenige Oberflächenmoleküle auf, die als fremde Strukturen erkennbar sind“, erläutert Uta Höpken. Doch offenbar reichen den T-Zellen diese minimalen Unterschiede aus, um Tumorzellen aufspüren zu können. Denn nachdem die Forscher*innen EBAG9 ausgeschaltet hatten, kam es zu einer überwältigenden Abbaureaktion. „Die enthemmten T-Zellen beseitigen Tumorzellen sehr früh und sehr radikal“, sagt Armin Rehm. Auch dauerhaft baut sich so ein Schutz vor Tumorzellen auf. „Je heftiger die T-Zellen am Anfang reagieren, umso besser fällt das T-Zellgedächtnis im Anschluss aus“, sagt Rehm.

„Basierend auf diesen Ergebnissen wollen wir nun CAR-T-Zellen ohne die Immunbremse EBAG9 für eine Immuntherapie gegen Blutkrebs entwickeln“, sagt Anthea Wirges. CAR steht für chimärer Antigen-Rezeptor – ein künstlich geschaffener Rezeptor, der Tumorzellen aufspürt und der in patienteneigene T-Zellen integriert wird. Bekommen die Patient*innen eine Infusion mit den CAR-T-Zellen, können diese den Krebs bekämpfen. Die MDC-Wissenschaftler*innen gehen davon aus, dass sie ohne EBAG9 noch viel wirkungsvoller sind. Bis zu einer klinischen Studie wird zwar noch einige Zeit verstreichen. „Wir hoffen aber nicht nur, damit die Therapie von Leukämien und Lymphomen effizienter zu machen. Wir hoffen sogar, diese Krankheiten heilen zu können“, sagt Armin Rehm.

 

Weiterführende Informationen
AG Rehm, Translationale Tumorimmunologie
AG Höpken, Mikroumgebung als Regulator bei Autoimmunität und Krebs

Literatur
Armin Rehm et al (2022): „EBAG9 controls CD8 + T cell memory formation responding to tumor challenge in mice“. JCI Insight, DOI: 10.1172/jci.insight.155534

forschen, produzieren, leben, heilen / 08.06.2022
Neue Ausgabe des Standortjournals buchinside erschienen

Cover der Ausgabe 1/2022 (Abb.: Studio Wessendorf/Grieger Harzer Landschaftsarchitekten)
Cover der Ausgabe 1/2022 (Abb.: Studio Wessendorf/Grieger Harzer Landschaftsarchitekten)

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

Berlin braucht dringend neuen und insbesondere bezahlbaren Wohnraum. Hier in Berlin-Buch werden in den nächsten Jahren zwei neue, nachhaltig angelegte Quartiere mit bis zu 3.500 Wohnungen entstehen. Das größere davon, das Quartier Am Sandhaus, ist eines der 16 neuen Stadtquartiere, die das Land Berlin entwickeln wird. Mindestens 30 Prozent des entstehenden Wohnraums soll für niedrige Einkommen vorbehalten sein, weitere Wohnungen für Menschen mit mittlerem Einkommen erschwinglich sein. Auch im historischen Ludwig Hoffmann Quartier wird weiter gebaut – dort kommen noch etwa 500 Wohnungen hinzu. Die Zahl der Einwohner von Buch, die derzeit fast 17.000 beträgt, kann auf längere Sicht um
etwa ein Drittel steigen.

Schon seit geraumer Zeit wird Buchs soziale Infrastruktur sichtbar ausgebaut, bekommen Bildung, Freizeit und Erholung neue Orte. Der Bau des überregional ausstrahlenden Bildungs- und Integrationszentrums könnte im nächsten Jahr starten. Weitere Schulen und Kitas werden im Zuge der neuen Quartiere folgen. Zu diesen Entwicklungen gibt der Bezirksbürgermeister von Pankow, Sören Benn, im Titelthema
Auskunft.

Ein wichtiger Teil der Planungen sieht vor, dass der BiotechPark Flächen in unmittelbarer Nähe des Campus erhält. Hintergrund ist, dass die Zahl der Firmen steigt, die innovative medizinische Therapien und Diagnostik entwickeln und expandieren, und der BiotechPark mit dem Neubau des Gründerzentrums BerlinBioCube an seine Grenzen stößt.

Davon, wie aus Wissenschaft Wirtschaft wird, konnten sich im April der Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland, Carsten Schneider, und die Regierende Bürgermeisterin Berlins, Franziska Giffey,bei ihrem Besuch im BiotechPark überzeugen. Die Campus-Akteure aus Forschung
und Biotech stellten Beispiele erfolgreichen Wissenstransfers vor. Auf einem Rundgang vermittelten die Campus-Akteure auch, welche Unterstützung der Zukunftsort Buch benötigt, um auch das weitere Wachstum von Gesundheitswirtschaft und Arbeitsplätzen vor Ort zu ermöglichen.

Der Zukunftsort Berlin-Buch hat großes Potenzial – sowohl an Innovationskraft als auch an Flächen. Hier entsteht eine Green Health City, in der umweltfreundliche Mobilität dominiert und sich Arbeiten, Wohnen und Leben gut verbinden lassen.

Dr. Christina Quensel und Dr. Ulrich Scheller
Geschäftsführende der Campus Berlin-Buch GmbH


Hier finden Sie die neue Ausgabe zum Download.
 

forschen, produzieren, leben, heilen, bilden / 07.06.2022
Noch freie Plätze bei den Forscherferien!

Waldboden unter dem Mikroskop (Foto: Gläsernes Labor)
Waldboden unter dem Mikroskop (Foto: Gläsernes Labor)

Keine Langeweile in den Sommerferien: Im Gläsernen Labor werdet ihr selbst zu Forschern. Zusammen mit Wissenschaftlern vom Campus könnt ihr Versuche aus verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebieten durchführen.

Es gibt täglich andere Kurse - für jeden ist mit Sicherheit etwas dabei. Bei diesen Ganztagskursen findet ihr noch etliche freie Plätze:

 

12.07.22 9:00 bis 16:00 Uhr
Wundersame Wasserexperimente

Wenn du dich schon immer mal gefragt hast, warum Wasserläufer nicht untergehen, bist du bei diesem Kurs genau richtig. Entdecke mit uns, was es mit der "Wasserhaut" auf sich hat und warum Wasser sich oft anders verhält als andere Flüssigkeiten.
Und warum sagt man dazu auch "das kostbare Nass"?
Am Nachmittag wird es ein Bootsrennen mit selbstgebauten Booten geben.

Für wen? Kinder von 6 bis 9 Jahren

* * *

11.08.22 09:00 bis 16:00 Uhr
Wald & Boden

Als Feldforscher haben ihr die Aufgabe, den Boden als Lebensraum kennenzulernen. Ihr sammelt Bodentiere, Blätter, Früchte und Bodenproben. Im Labor wird alles unter die Lupe genommen Dabei werden die Aufgaben von unterschiedlichen Bodenbewohnern, wie z.B. dem Regenwurm oder der Assel besprochen. Und was wird aus dem Laub, dass von den Bäumen fällt?

Für wen? Kinder von 8 bis 10 Jahren

* * *

19.08. 22 09:00 bis 16:00 Uhr
Klebende Steine

Wie entstehen Magnete und wie sind sie aufgebaut? Was hat die Erde und ein Kompass damit zu tun? Wo werden überall Magnete eingesetzt? Finde es mit uns gemeinsam heraus.

Für wen? Kinder von 6 bis 9 Jahren

* * *

Zum vollständigen Ferienprogramm geht es hier:

www.forscherferien-berlin.de

heilen / 01.06.2022
Dependance der renommierten ENDO-Klinik Hamburg öffnet im Helios Klinikum Berlin-Buch

Seit Mai nutzt das Ärzte-Team der Orthopädie ein neues computerbasiertes Assistenzsystem bei Gelenkoperationen
Seit Mai nutzt das Ärzte-Team der Orthopädie ein neues computerbasiertes Assistenzsystem bei Gelenkoperationen

Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ab dem 01.06. Partnerklinik von Europas größter Spezialklinik für Endoprothetik, Sportorthopädie und Wirbelsäulenchirurgie – der ENDO-Klinik Hamburg. Nach zwei Jahren der Vorbereitung steht damit allen Patientinnen und Patienten in der Region eine wohnortnahe endoprothetische Versorgung auf medizinisch höchstem Niveau offen.

Ein Prothesenwechsel stellt hohe Anforderungen an den Chirurgen, aber auch an die Ausstattung einer Klinik. Endoprothetik von Hüfte und Knie ist Behandlungsschwerpunkt der Orthopädie im Helios Klinikum Berlin-Buch. Aufgrund der jahrelangen Erfahrungen von Prof. Dr. med. Daniel Kendoff, Chefarzt Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie im Helios Klinikum Berlin-Buch, ist das Orthopädie-Team nationales und internationales Referenzzentrum in der Primär- und Revisionsendoprothetik, insbesondere für Infekte und einzeitigen Wechsel. Der Wechsel infizierter Prothesen im „einzeitigen“ Verfahren ist ein ganz spezielles Verfahren, das nur ganz wenige Kliniken in Deutschland anwenden und das Prof. Kendoff während seiner langjährigen oberärztlichen Tätigkeit in der ENDO-Klinik Hamburg perfektioniert hat.
Sowohl bei seiner Tätigkeit in der ENDO-Klinik Hamburg, als auch als Chefarzt im Helios Klinikum Berlin-Buch hat Prof. Kendoff eine Vielzahl von endoprothetischen Eingriffen aller Schwierigkeitsgrade durchgeführt und Patientinnen und Patienten unter Einhaltung der erfolgreichen Prinzipien der ENDO-Klinik Hamburg mit künstlichen Gelenken (Endoprothesen) versorgt.

Helios ENDO-Klinik Berlin
In den letzten zwei Jahren wurden nun im Helios Klinikum Berlin-Buch die organisatorischen und strukturellen Voraussetzungen geschaffen, um auch hier die Qualitätsstandards der ENDO-Klinik Hamburg konsequent umzusetzen. „Das erfolgreiche Konzept und die medizinische Expertise der ENDO-Klinik Hamburg jetzt in Berlin umsetzen zu können, freut mich besonders. Ich bin sehr stolz auf mein erfahrenes und eingespieltes Team: wir stehen für rund 2000 Hüft- und Knie-Endoprothetik-OPs im Jahr und die ersten 150 roboterassistierten Knie-Operationen sind umgesetzt. Bereits heute gehören wir zu den medizinischen Vorreitern auf diesem Gebiet in ganz Deutschland. Jetzt gehen wir einen Schritt weiter und werden die ENDO-Klinik Berlin“, betont Prof. Kendoff.

Maximale und ganzheitliche Versorgung vor Ort
Mit der jetzt gestarteten Kooperation möchte das Team der Orthopädie im Helios Klinikum Berlin-Buch landesweit Maßstäbe im Ersatz von Knie- und Hüftgelenken setzen. „Wir erweitern die Versorgungslandschaft im Bereich der Endoprothetik nicht nur im Kreis Berlin/Brandenburg, sondern auch über die regionalen Grenzen hinweg. Das Konzept der Behandlung aus einer Hand setzt das Helios Klinikum Berlin-Buch seit Jahren konsequent um“, betont Prof. Dr. Sebastian Heumüller, Klinikgeschäftsführer im Helios Klinikum Berlin-Buch und Regionalgeschäftsführer der Helios Region Ost.
Prof. Dr. med. Henning T. Baberg, Ärztlicher Direktor im Helios Klinikum Berlin-Buch, ergänzt: „Im Mittelpunkt der ENDO-Klinik Berlin steht die spezialisierte orthopädische Behandlung.  Darüber hinaus kann dem Patienten die oft notwendige umfassende Behandlung durch die anderen Spezialabteilungen unseres Klinikums als Maximalversorger angeboten werden. Dieses ist insbesondere für die Patienten von Bedeutung, die zusätzlich mehrere internistische Erkrankungen aufweisen. Dieses „Zusammenspiel unter einem Dach“ gibt es nur an Kliniken der Maximalversorgung wie dem Helios Klinikum Berlin-Buch.“

Helios ENDO-Klinik Hamburg
Das Konzept der ENDO-Klinik Hamburg setzt auf eine intensive Betreuung der Patientinnen und Patienten, die in jedem Schritt klar definierte Kriterien erfüllen soll. Jährlich werden dort über 8.000 gelenkchirurgische Eingriffe vorgenommen — die Klinik hat sich seit ihrer Gründung 1976 einen Weltruf erarbeitet. „Dieses Renommee beruht auf standardisierten Prozessen, die auch in Berlin-Buch erfolgreich angewendet werden. Von der Primärversorgung eines Kunstgelenkes bis zur komplizierten Austauschoperation können alle Eingriffe unter Verwendung hochwertiger Implantate und modernster OP-Techniken angeboten werden“, sagt Dr. Thorsten Gehrke, Ärztlicher Direktor der Helios ENDO-Klinik Hamburg.

Modernste OP-Technik
Seit Mai 2021 setzt das orthopädische Team um Prof. Kendoff auf die Unterstützung eines sogenannten semi-aktiven Roboters namens ROSA© im Operationssaal. Die halb-aktiven Roboter gelten als die sicherste Form in der Robotik. Hier trifft die Praxiserfahrung der Operateure auf die Präzision der Roboter. „Es optimiert die Anpassung der Gelenkprothese und sorgt für deren perfekten Sitz. Die Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten mit ihrem künstlichen Gelenk wird somit nochmals gesteigert“, erklärt Prof. Kendoff.

Informationshotline
Im Rahmen der operativen und konservativen Behandlung orthopädischer Erkrankungen bietet die ENDO-Klinik Berlin zahlreiche Spezialverfahren an. Am Donnerstag, 09. Juni von 12 bis 16 Uhr sowie am Donnerstag, 16. Juni von 12 bis 16 Uhr können sich Interessierte und Betroffene über die Informationshotline detaillierter zu Terminen und allgemeinen Abläufen rund um das Thema Endoprothetik und Revisionsendoprothetik informieren -  zusätzlich zum regulären Angebot der Endoprothetik-Hotline. Die Rufnummer der Informationshotline ist (030) 9401-12345. Die Hotline ist kostenfrei und ohne Anmeldung nutzbar.

Kontakt:
Helios Klinikum Berlin-Buch
Fachbereich Orthopädie
ENDO-Klinik Berlin
Chefarzt: Prof. Dr. med. Daniel Kendoff
Schwanebecker Chaussee 50
13125 Berlin
T: (030) 9401-12345 (Erreichbarkeit Montag bis Donnerstag: 08:00 bis 16:00 Uhr, Freitag: 08:00 bis 15:00 Uhr)
www.helios-gesundheit.de/endoklinik-berlin
 

Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 1.000 Betten in mehr als 60 Kliniken, Instituten und spezialisierten Zentren sowie einem Notfallzentrum mit Hubschrauberlandeplatz. Jährlich werden hier mehr als 55.000 stationäre und über 144.000 ambulante Patienten mit hohem medizinischem und pflegerischem Standard in Diagnostik und Therapie fachübergreifend behandelt, insbesondere in interdisziplinären Zentren wie z.B. im Brustzentrum, Darmzentrum, Hauttumorzentrum, Perinatalzentrum, der Stroke Unit und in der Chest Pain Unit. Die Klinik ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als Onkologisches Zentrum und von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetiker geeignet DDG“ zertifiziert.
Gelegen mitten in Berlin-Brandenburg, im grünen Nordosten Berlins in Pankow und in unmittelbarer Nähe zum Barnim, ist das Klinikum mit der S-Bahn (S 2) und Buslinie 893 oder per Auto (ca. 20 km vom Brandenburger Tor entfernt) direkt zu erreichen.
Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 125.000 Mitarbeitenden. Zum Unternehmen gehören unter dem Dach der Holding Helios Health die Helios Kliniken in Deutschland sowie Quirónsalud in Spanien und Lateinamerika und die Eugin-Gruppe mit einem globalen Netzwerk von Reproduktionskliniken. Mehr als 22 Millionen Patient:innen entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios. 2021 erzielte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von rund 10,9 Milliarden Euro.
In Deutschland verfügt Helios über 89 Kliniken, rund 130 Medizinische Versorgungszentren (MVZ), sechs Präventionszentren und 17 arbeitsmedizinische Zentren. Jährlich werden in Deutschland rund 5,4 Millionen Patient:innen behandelt, davon 4,4 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland mehr als 75.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 6,7 Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.
Quirónsalud betreibt 56 Kliniken, davon sieben in Lateinamerika, 88 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 17 Millionen Patient:innen behandelt, davon 16,1 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt mehr als 46.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 4 Milliarden Euro.
Das Netzwerk der Eugin-Gruppe umfasst 33 Kliniken und 39 weitere Standorte in zehn Ländern auf drei Kontinenten. Mit rund 1.600 Beschäftigten bietet das Unternehmen ein breites Spektrum modernster Dienstleistungen auf dem Gebiet der Reproduktionsmedizin an und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 133 Millionen Euro.
Helios gehört zum Gesundheitskonzern Fresenius.


Foto: Ein neues computerbasiertes Assistenzsystem unterstützt seit Mai 2021 das Ärzte-Team der Orthopädie im Helios Klinikum Berlin–Buch bei Gelenkoperationen. Es optimiert die Anpassung der Gelenkprothese und sorgt für deren perfekten Sitz. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

 

www.helios-gesundheit.de/endoklinik-berlin

forschen, produzieren / 30.05.2022
Unternehmen der Wohnungswirtschaft für Projekt „WohnZukunft“ mit „Innovationspreis Reallabore“ des BMWK ausgezeichnet

Bei der Preisverleihung: (v. l.) Florian Felgentreu, Campus Berlin-Buch GmbH, Christopher Gumppenberg, KUGU GmbH, Jörg Lorenz, green with IT, Nicole Jaegers und Jürgen Busch, GWG Lübben eG
Bei der Preisverleihung: (v. l.) Florian Felgentreu, Campus Berlin-Buch GmbH, Christopher Gumppenberg, KUGU GmbH, Jörg Lorenz, green with IT, Nicole Jaegers und Jürgen Busch, GWG Lübben eG

Nachhaltige Verbesserung der Energieeffizienz - Campus Berlin-Buch als eines der Reallabore

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) hat im Rahmen einer Festveranstaltung das Projekt „WohnZukunft“ mit dem „Innovationspreis Reallabore“ ausgezeichnet. Damit würdigt das Ministerium herausragende Testräume für Innovation und Regulierung, die sich durch ihren Vorbildcharakter und ihren Beitrag für ein modernes und innovationsfreundliches Recht auszeichnen.

Die Gestalter des Projektes waren die ABG Paradies aus Berlin, die GWG eG aus Lübben und die Wohnbau Eisleben GmbH. Wissenschaftlich geleitet wurde das Projekt von der HTW Berlin, Initiator und Koordinator waren die Frequenz eG sowie als Projektträger das Netzwerk „green with IT“.

Dazu das BMWK: „Reallabore erproben die digitale und nachhaltige Transformation zunächst im Kleinen, um sie dann später im Großen auszurollen. Den Preisträgern des Innovationspreises Reallabore gelingt es auf vorbildliche Weise, digitale Technologien wie etwa Künstliche Intelligenz (KI) im Reallabor in die konkrete Anwendung zu bringen und damit echten Mehrwert zu schaffen, besonders auch für den Klima- und Umweltschutz. So steuert und unterstützt KI ganze Wohnquartiere und spart dabei Energie“.

Mit dem Juryentscheid gelingt es der Wohnungswirtschaft erstmals, die gesellschaftlich herausragende Rolle der Quartiere und den Einbezug von Mietern mit einem bedeutenden bundesweiten Preis ins Rampenlicht zu rücken. Dies ist umso beeindruckender, da die Wohnungswirtschaft im kontinuierlichen Themenwettbewerb mit Infrastrukturprojekten aus Verkehr-, Mobilität- und regenerativer Energie steht. Die Mittlerrolle der kommunalen und genossenschaftlichen Vermieter bei der Gestaltung des Klimawandels wird offenbar, da der Konsens mit den Mietern die Basis für die Einsparung von Heizenergie darstellt.

Zum Juryentscheid für das Projekt „WohnZukunft“ erklärt Dr. Kai Hielscher, Leiter der Geschäftsstelle Reallabore im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz: „Die Entscheidung war denkbar knapp. Ausschlaggebend war die frühe Pilotierung innovativer Technologien wie KI und zukunftsweisender Smart-Meter-Gateway-Anwendungen.“

Dazu der Projektleiter Jörg Lorenz: „Schon 2014 war uns klar, dass nur die Zangenbewegung aus Anlageneffizienz und Dekarbonisierung zu Nullemissions-Quartieren führen kann. Der damit verbundene gesellschaftliche Transformationsprozess beginnt bei den Mietern, die zwingend ins Boot geholt werden müssen. Alle Projektbeteiligten freut es sehr, dass die gründliche Planung, Umsetzung, Validierung und Berichtslegung nun mit diesem besonderen Preis gewürdigt werden. Ein hoffnungsfroher Tag für die Wohnungswirtschaft; ist doch die digital gestützte Energieeffizienz und ihre Umsetzung ins Bewusstsein der Ministerien gerückt. Für uns sind dies verbesserte Aussichten für die positive Entscheidung zukünftiger Förderanträge.“

Axel Gedaschko, Präsident des GdW, hatte bereits 2021 dieses Projekt branchenintern gewürdigt und beim Verleih des DW-Zukunftspreises dafür plädiert, dass diese Projektinhalte breit ausgerollt werden. Der Verein green with IT, eine Initiative von 23 Unternehmen, bestehend aus Partnern wissenschaftlicher Einrichtungen und KMU. Schwerpunkt ist die Implementierung disruptiver Lösungen zur nachhaltigen Verbesserung der Energieeffizienz und die Schaffung neuer Wertschöpfungsketten mit digitalen Energieeffizienz-Systemen.


Text: Jörg Lorenz

 

Ü B E R  D I E   P R E I S T R Ä G E R

Die 1902 gegründete Arbeiter-Baugenossenschaft Paradies e. G. verfügt über insgesamt 873 Wohnungseinheiten in der Gartenstadt Berlin-Bohnsdorf sowie im Stadtteil Prenzlauer Berg. Gegründet wurde die ABG von Gustav Voigt, der ab 1886 den Selbsthilfegedanken popularisierte. So wurden Möglichkeiten eröffnet, aus der Wohnungsnot und dem Mietwucher herauszukommen.
www.abg-paradies.de

Die Genossenschaftliche Wohngemeinschaft Lübben eG wurde 1954 als AWG „Neues Leben” des ehemaligen Trikotagenwerkes „Spree” Lübbengegründet und in der Wendezeit in die „GWG Lübben eG“ umorganisiert. Sie verfügt heute über ca. 1.300 Wohnungen mit insgesamt ca. 74.000 qm Wohnfläche in Lübben ebenso in Golßen, Neu Zauche, Drahnsdorf, Straupitz, Groß Leuthen und Schönwalde. Der überwiegende Anteil der Gebäude wurde in Plattenbauweise errichtet.
www.gwg-luebben.de

Die Wohnungsbaugesellschaft der Lutherstadt Eisleben GmbH ist seit 1994 der größte Wohnungsanbieter in Eisleben. Mit der Entwicklung und Förderung neuer Wohnformen und maßgeschneiderter Angebote für eine sich wandelnde Gesellschaft gestalten sie die Zukunft aktiv mit und versteht sich als Partner im Stadtumbauprozess. Die WOBAU lässt sich von der Vision eines attraktiven Wohnens in individueller Vielfalt leiten.
www.wobau-eisleben.de

Der Campus Berlin-Buch ist ein moderner Wissenschafts- und Biotechnologiepark. Alleinstellungsmerkmale sind der klare inhaltliche Fokus auf Biomedizin und das enge räumliche und inhaltliche Zusammenwirken von Forschungsinstituten, Kliniken und Biotechnologie-Unternehmen. Seit Jahren setzt die CBB konsequent auf Energieeffizienz. Dennoch lässt sich an vielen Stellen weiterhin Energie einsparen oder durch erneuerbare Energien ersetzen, um den Ausstoß an Kohlenstoffdioxid zu verringern. Um diese Potenziale zu ermitteln und auszuschöpfen, hat die CBB eigenständig ein Energiemanagementsystem entwickelt und eingeführt. Dieses System wurde nun an den erneuerten Standard DIN EN ISO 50001:2018 angepasst
www.campusberlinbuch.de

Weiere Informationen:

https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2022/05/20220531-ausgezeichnete-reallabore.html

https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Wettbewerb/Finalisten/innovationspreis-reallabore-wohnzukunft.html

 

forschen / 20.05.2022
Chloridionenkanal ASOR bringt Vesikel zum Schrumpfen

Seit Entdeckung des Chloridionenkanals ASOR vor drei Jahren suchen Forscher nach dessen biologischen Funktionen. Jetzt ist das Team um Prof. Thomas Jentsch vom FMP und MDC in Berlin fündig geworden: ASOR ist essenziell für das Schrumpfen von Makropinosomen – besonders großen Vesikeln, die unspezifisch große Mengen extrazellulärer Flüssigkeit inklusive Ionen und Proteinen aufnehmen. Dieser Prozess ist besonders wichtig für bestimmte Immun- und Krebszellen. In der Tat war unter nährstoffarmen Bedingungen das Wachstum von Tumorzellen, denen ASOR fehlte, verbessert. Die Arbeit präsentiert zudem zum ersten Mal ein konsistentes Modell für das ionenabhängige Schrumpfen dieser Vesikel. Die Ergebnisse wurden in „Nature Cell Biology“ publiziert.

Unsere Zellen nehmen ständig Wasser, Salze und Nährstoffe auf. Dies geschieht neben einem spezifischen, Protein-vermitteltem Transport über die äußere Zellmembran auch über kleine Bläschen (Vesikel), die von der (Plasma)Membran abgeschnürt werden. Der Inhalt dieser Vesikel wird weiterverarbeitet oder nach Abschnüren kleinerer Vesikel in das äußere Medium zurücktransportiert. Makropinosomen sind besonders große Vesikel, die durch eine spezielle Form der Endozytose, die Makropinozytose, gebildet werden. Dieser Prozess kommt praktisch in allen Zellen vor, ist aber besonders ausgeprägt in spezialisierten Immunzellen (Makrophagen) und Tumorzellen.

Die zelluläre Verarbeitung der Vesikel und seiner Inhaltsstoffe erfordert ihre Schrumpfung, was aber nicht allein durch das Abschnüren kleiner Vesikel erfolgen kann. Vielmehr muss Wasser, osmotisch getrieben von passivem Salztransport über spezifische Ionenkanäle, die Vesikel verlassen. Fehlt diese osmotische Schrumpfung, können sich auch keine kleineren Vesikel mehr abschnüren. Vor wenigen Jahren konnte eine kanadische Gruppe zeigen, dass zwei spezifische endosomale Natriumkanäle für die Schrumpfung von Makropinosomen notwendig sind. Die Identität der für den Natriumchlorid-Transport zwingend erforderlichen parallelen Chloridkanäle blieb aber ungeklärt. Kandidaten für die Chloridtransporter waren CLC Chlorid-Protonenaustauscher, der schwellaktivierte Anionenkanal VRAC sowie ASOR – alles Proteine, die von dem Berliner Ionenkanalforschers Prof. Dr. Thomas Jentsch entdeckt wurden.

Doch weder die CLCs noch VRAC sind für die Schrumpfung der Vesikel von Bedeutung, wie Jentschs Team am Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) nun in einer aktuellen Arbeit zeigen konnte. Die Hauptrolle spielt der Chloridkanal ASOR. Diesen säureempfindlichen Ionenkanal hatte Jentschs Gruppe erst 2019 entdeckt. Bis dato war unklar, warum praktisch alle menschlichen Zellen den Kanal besitzen.

Schrumpfung wird durch säureempfindlichen Kanal und pH-Wert geregelt

„Wir konnten jetzt zeigen, dass ASOR absolut notwendig für das Schrumpfen von Makropinosomen ist“, sagt Thomas Jentsch. „Alle anderen Kandidaten, die wir untersucht haben, zeigten keinen Effekt.“ Damit konnten Jentsch und sein Team dem „Acid-Sensitive Outwardly Rectifying Anion Channel“ eine wichtige biologische Funktion zuweisen.

Um den Prozess zu untersuchten, isolierten die Forschenden Makrophagen aus verschiedenen Knock-out-Mauslinien, denen jeweils ein bestimmter Chloridtransporter fehlte. Da sich Makropinosomen aufgrund ihrer Größe von 1 bis 3 Mikrometern gut durch das Lichtmikroskop betrachten lassen, konnten sie zusehen, wie die Vesikel in den Zellen schrumpften. Dabei zeigte sich: Vesikel der ASOR-Knock-out-Mäuse schrumpften wesentlich langsamer als die Wildtyp-Vesikel. Und: Die Schrumpfung ist pH-abhängig. Wurde nämlich die Ansäuerung der Vesikel verhindert, war auch der Volumenverlust eingeschränkt.

„Das ergibt Sinn, denn ASOR wird durch Säure aktiviert “, sagt die Erstautorin der Studie Maria Zeziulia. „Inzwischen wissen wir, dass ASOR eben nicht nur in der Plasmamembran vorkommt, wo der gut regulierte pH-Wert fast nie die für die Kanalaktivierung notwendigen sauren Werte annimmt, sondern auch in verschiedenen intrazellulären Organellen, Endosomen, die ja bekanntlich angesäuert werden. Die luminale Azidifizierung spielt also – neben den beiden Natriumkanälen und ASOR – eine ganz wesentliche Rolle bei der Schrumpfung dieser Vesikel“, fasst die MDC-Wissenschaftlerin die wesentlichen Ergebnisse zusammen.

Modell mit hoher Vorhersagekraft entwickelt

Die Forscher integrierten ASOR, die Natriumkanäle und die Vesikel ansäuernde Transportprozesse in ein einfaches mathematisches Modell. Dies erlaubt nicht nur eine Überprüfung der Plausibilität des vorgeschlagenen Mechanismus, sondern auch semiquantitative Vorhersagen von nur schwer messbaren Parametern wie der sich langsam einstellenden elektrischen Spannung über die Vesikelmembran. „Die mathematischen Modelle sagen unsere Resultate sehr schön voraus, so dass wir zum ersten Mal ein konsistentes Modell für das Schrumpfen dieser Vesikel haben“, erklärt Thomas Jentsch.

Doch wozu ist das Schrumpfen der Vesikel eigentlich gut? Es ist notwendig für die Abschnürung von Transportvesikeln, die unter anderem den Rücktransport aufgenommener Substanzen nach außen ermöglichen und dadurch der Degradation durch Enzyme aus Lysosomen, mit denen Makropinosomen später fusionieren, entgehen. Auch wichtige Oberflächenproteine wie Signal-Rezeptoren müssen „recycelt“ werden. Andererseits dient die Degradation aufgenommener Proteine zur Ernährung von Tumorzellen und zur Herstellung von Proteinbruchstücken, die für die Erkennung von Antigenen durch Immunzellen notwendig ist. Degradation und Recycling müssen also der Aufgabe entsprechend balanciert werden.

Ohne ASOR wachsen Tumorzellen besser

Was passieren kann, wenn dieser ausgeklügelte Mechanismus nicht richtig funktioniert, konnten die Wissenschaftler in Experimenten mit Tumorzellen zeigen: Zellen, bei denen ASOR eliminiert war, wuchsen schneller in der Abwesenheit extrazellulärer Aminosäuren, aber Anwesenheit extrazellulärer Proteine. Warum? Verringertes Schrumpfen bedeutet weniger Recycling, so dass sich die Tumorzellen mehr Proteine aus der ansonsten nährstoffarmen Umgebung holen konnten, vor allem das physiologisch in hohen Konzentrationen vorliegende Eiweiß Albumin. „Die Makropinozytose ist zum Beispiel bei Tumoren mit Mutationen in dem Onkogen K-RAS überaktiv“, berichtet Thomas Jentsch. „Das führt dazu, dass die Tumorzellen vermehrt extrazelluläre Proteine aufnehmen, die sie dann lysosomal degradieren und für ihre Ernährung und Wachstum verwenden. Öffentliche Tumordatenbanken unterstützen diese Schlussfolgerung: Pankreaskarzinompatienten überlebten schlechter, wenn ihr Tumor weniger ASOR enthielt.“

Im nächsten Schritt wollen die Berliner Forscher weitere Transporter und auch Wasserkanäle untersuchen, die möglicherweise ebenfalls an der Schrumpfung von Makropinosomen beteiligt sind. Neue Daten werden das Vesikelmodell vervollständigen.

 

Publikation
Maria Zeziulia, Sandy Blin, Franziska W. Schmitt, Martin Lehmann, Thomas J. Jentsch. Proton-gated anion transport governs macropinosome shrinkage. Nature Cell Biology, doi: 10.1038/s41556-022-00912-0, https://www.nature.com/articles/s41556-022-00912-0.

Die Pressemitteilung inkl. Abbildung ist in Deutsch und Englisch auf der FMP-Website abrufbar: https://www.leibniz-fmp.de/de/press-media/press-releases/press-releases-single-view1/article/chloride-ion-channel-asor-is-required-for-vesicle-shrinkage

forschen / 20.05.2022
Proteinlandkarten von Tumoren

Vor der Proteomanalyse müssen die hochempfindlichen Massenspektrometer kalibriert werden. Foto: Felix Petermann, MDC
Vor der Proteomanalyse müssen die hochempfindlichen Massenspektrometer kalibriert werden. Foto: Felix Petermann, MDC

Die Eigenschaften von Krebszellen kann man mithilfe von Deep Visual Proteomics besser verstehen, schreibt ein deutsch-dänisches Team in „Nature Biotechnology“. Fabian Coscia hat das Verfahren mitentwickelt und wird es am MDC weiter verfeinern – um auch für resistente Tumore Therapien zu finden.

Um zu begreifen, was eine entartete Zelle so gefährlich, aber womöglich auch verwundbar macht, reicht es nicht aus, ihre Gene anzuschauen. „Entscheidend für die Funktionen aller Zellen sind vielmehr die Proteine“, sagt Dr. Fabian Coscia, der seit Juni 2021 am Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) die Arbeitsgruppe „Spatial Proteomics“ leitet.

In seiner Zeit als Postdoc hat Coscia gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Andreas Mund am Novo Nordisk Foundation Center for Protein Research (CPR) der Universität Kopenhagen in der Gruppe von Professor Matthias Mann daher ein Verfahren entwickelt, das mithilfe künstlicher Intelligenz das Proteom, also die Gesamtheit aller hergestellten Proteine, von Krebszellen analysiert. Die Teams stellen die Methode namens Deep Visual Proteomics (DVP) jetzt in der Fachzeitschrift „Nature Biotechnology“ vor.

Tiefer Blick ins Tumorgewebe

„Wenn in unseren Zellen etwas schiefläuft und wir krank werden, können wir sicher sein, dass Proteine in vielfältiger Weise daran beteiligt sind“, erläutert Mann, der nicht nur in Kopenhagen forscht, sondern am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried bei München auch die Forschungsabteilung „Proteomics und Signaltransduktion“ leitet und das noch recht junge Fachgebiet der Proteomik mitgegründet hat. „Deshalb kann uns die Kartierung der Proteinlandschaft dabei helfen, herauszufinden, warum sich bei einem bestimmten Patienten ein Tumor entwickeln konnte, welche Schwachstellen dieser Tumor hat und welche Behandlungsstrategie die nützlichste sein könnte.“

Mit Deep Visual Proteomics lassen sich die Proteine unterschiedlicher Krebszellen so detailliert wie nie zuvor erfassen. Das Verfahren besteht im Prinzip aus vier Schritten. Zunächst erstellt ein hochauflösendes Mikroskop ein genaues Bild der Gewebeprobe. Mithilfe künstlicher Intelligenz werden die einzelnen Zellen der Probe im nächsten Schritt anhand ihrer visuellen Merkmale, die für ein menschliches Auge kaum zu erfassen sind, in verschiedene Gruppen eingeteilt. Ein Laserstrahl schneidet die Zellen anschließend Gruppe für Gruppe automatisiert aus dem Gewebe heraus und fasst sie in jeweils einer neuen Probe zusammen. Im letzten Schritt ermittelt ein Massenspektrometer in den unterschiedlichen Proben die genaue Zusammensetzung der Proteine.

Ein Werkzeug für alle Krebsarten

„Mit der Kombination modernster mikroskopischer und massenspektrometrischer Verfahren sowie dank künstlicher Intelligenz erreichen wir einen bislang noch nie dagewesenen Einblick in das Krankheitsgeschehen bei Krebs“, sagt Coscia. „Inzwischen reichen uns weniger als hundert Zellen aus, um in ihnen Tausende von Proteinen gleichzeitig zu erfassen.“ Zudem erhalte man ein gänzlich unvoreingenommenes Bild von den Abläufen in verschiedenen Krebszellen und könne womöglich noch unbekannte Proteine entdecken, die zum Beispiel an der Ausbreitung der Zellen im Körper und somit an der Entstehung von Metastasen beteiligt sind. Auch Wechselwirkungen zwischen den Krebszellen und dem sie umgebenden Gewebe kann Deep Visual Proteomics besser erfassen.

In ihrer aktuellen Publikation haben sich die Forschenden auf Zellen von Haut- und Speicheldrüsenkrebs beschränkt. „Aber natürlich lassen sich mit dem Verfahren auch alle anderen Tumorarten näher charakterisieren“, sagt Coscia. Einige von ihnen will sich der Wissenschaftler nun im Rahmen des Projekts MSTARS (Multimodale klinische Massenspektrometrie für die Untersuchung von Therapieresistenz) vornehmen, an dem neben dem MDC auch die Charité – Universitätsmedizin Berlin, das Berliner Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik und die Humboldt-Universität zu Berlin beteiligt sind.

Therapien auch für andere Erkrankungen

„Das Gute an Proteinen ist unter anderem, dass sie so stabil sind“, sagt Coscia. Mit der neuen Methode könne man daher auch in Formalin fixierte Gewebeproben von Patient*innen untersuchen, die bereits viele Jahre alt seien, und die Ergebnisse mit den klinischen Daten dieser Menschen vergleichen. „Auf diese Weise wollen wir erkennen, warum eine bestimmte Therapie in dem einen Fall vielleicht besonders gut angeschlagen, in dem anderen aber leider versagt hat“, erläutert der Forscher. Sein Ziel sei es, neue Angriffspunkte für individuelle, also auf die Patient*innen maßgeschneiderte Krebstherapien – auch für bislang behandlungsresistente Tumore – zu finden.

Doch nicht nur das Krebsgeschehen lässt sich per Deep Visual Proteomics besser verstehen. Auch auf andere Krankheiten ist das Verfahren anwendbar. „Man kann zum Beispiel die Proteine in Nervenzellen analysieren und so herausfinden, was bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson in den Zellen genau passiert“, sagt Coscia. Er freue sich jedenfalls sehr, wenn das von ihm und seinen Kolleg*innen entwickelte Tool künftig auch von Forschenden vieler anderer Fachrichtungen genutzt werde, um mit dessen Hilfe zu neuen biomedizinischen Erkenntnissen zu gelangen.

Weiterführende Informationen
MDC-Arbeitsgruppe „Spatial Proteomics
Proteomik-Konsortium „MSTARS“ in Berlin
Wie Fabian Coscia Krebszellen besser verstehen will
Forschungsabteilung „Proteomics und Signaltransduktion“ am Max-Planck-Institut für Biochemie in München

Literatur
Andreas Mund, Fabian Coscia et al. (2022): „Deep Visual Proteomics defines single cell identity and heterogeneity“. Nature Biotechnology, DOI: 10.1038/s41587-022-01302-5

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Der Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de

 

Quelle: Pressemitteilung MDC
Proteinlandkarten von Tumoren

forschen, produzieren, heilen, bilden / 13.05.2022
Das MDC beim Salon Sophie Charlotte: Für immer jung – für immer gesund?

Buchstaben der DNA (Foto: Peter Himsel)
Buchstaben der DNA (Foto: Peter Himsel)

Der Blick einer Ärztin und der einer Künstlerin auf die Editierung des Erbguts mit CRISPR unterscheiden sich grundlegend. Doch beide zeigen uns Möglichkeiten, wie wir das Leben mit der Natur gestalten können. Wissenschaft trifft Kunst: das Max-Delbrück-Centrum beim Salon Sophie Charlotte 2022 in Berlin.

Pandemie, Klimakrise und Krieg machen die Fragilität des Lebens deutlich erlebbar. Zugleich mobilisieren wir ungeahnte Kräfte, um neue Formen zu finden, die das Leben – immer noch – lebenswert machen. „still, LIFE IS LIFE“ ist deshalb der Salon Sophie Charlotte 2022 überschrieben. Am Abend des 21. Mai 2022, von 18 bis 24 Uhr, lädt die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW) dazu ein, Fragen nach der Lebensvermessung und -gestaltung zu diskutieren. 

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) ist zum ersten Mal beim Salon Sophie Charlotte dabei. Im ersten Obergeschoss der BBAW, Raum 3, bietet das Centrum zwei Perspektiven auf die Möglichkeiten, die uns die Editierung des Erbguts mit CRISPR eröffnet: die der Künstlerin Emilia Tikka und die der Forscherin und Ärztin Simone Spuler.

ÆON – Trajectories of Longevity and CRISPR

Als Artist in Residence konnte Emilia Tikka 2018 in den Laboren des MDC erleben und selbst ausprobieren, was CRISPR bereits kann. Basierend auf dieser Erfahrung hat die Finnin mit ihrem Werk „ÆON – Trajectories of Longevity and CRISPR“ ein spekulatives Szenario einer möglichen Zukunft entworfen: 

Ein Mann, eine Frau. Ein Liebespaar. Er ist jung, und er wird es bleiben. Dank CRISPR/dCas9. Sie hingegen wird alt, hat sich bewusst gegen ewige Jugend entschieden. Und Sie? Was würden Sie tun: inhalieren und die Unsterblichkeit wählen? Emilia Tikka möchte mit ÆON zum Nachdenken über eine mögliche Zukunft anregen. Ab 19:30 Uhr diskutiert sie mit den Salon-Gästen, Teile des Kunstwerks sind ab 18:00 Uhr im Raum zu sehen.

Vom Verstehen und Verändern: Die Zukunft der Genomforschung

Für die Patient*innen mit genetisch bedingten Muskelerkrankungen geht es nicht um ewige Jugend. Professorin Simone Spuler will sie vor dem Verfall ihres Muskelgewebes bewahren – oder dieses sogar reparieren. Für Krankheiten, die bisher als unheilbar galten, könnte es künftig dank Stammzellen und CRISPR/Cas9 zumindest Linderung geben. 

Simone Spuler forscht am Experimental and Clinical Research Center, einer gemeinsamen Einrichtung des MDC und der Charité – Universitätsmedizin Berlin in Berlin-Buch. Das Team um die Medizinerin betreut in einer Hochschulambulanz etwa 2000 Patient*innen. Gleichzeitig leitet Spuler die Arbeitsgruppe „Myologie“ und legt dort die Grundlagen für erste Therapieansätze. Sie weiß, dass Gentherapien nicht nur Hoffnungen machen, sondern auch Ängste auslösen. In ihrem Vortrag diskutiert sie ab 21:00 Uhr daher unter anderem die technischen und ethischen Grenzen und will mit den Salon-Gästen ins Gespräch kommen.

Quiz: Schnipp, schnapp – das Gen ist ab

Sie kennen die Genschere CRISPR und haben die Kontroversen in den vergangenen Jahren verfolgt? Mit dem Quiz „Schnipp, schnapp – das Gen ist ab“ versucht das MDC dennoch, die Salon-Besucher*innen aufs Glatteis zu führen. Auf zehn Quizkarten können sie im Ausstellungsraum 3 ihr Wissen testen und herausfinden, was heute schon mit CRISPR möglich ist, was möglich werden könnte und was Fantasie ist und bleibt.

Für immer jung – für immer gesund?
21. Mai 2022, 18 bis 24 Uhr beim Salon Sophie Charlotte
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)
Markgrafenstraße 38, 10117 Berlin
Erstes Obergeschoss, Raum 3

Anmeldung hier 

Weiterführende Informationen

Salon Sophie Charlotte 2022 „still, LIFE IS LIFE“ (Anmeldung erforderlich)

Porträt von Simone Spuler: „Die Muskelretterin

Über das Projekt von Emilia Tikka: „Für immer jung?“

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

 

produzieren / 12.05.2022
Eckert & Ziegler mit Umsatzplus im ersten Quartal 2022

Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG (ISIN DE0005659700, TecDAX) konnte ihren Umsatz im ersten Quartal 2022 um 13% auf 49,9 Mio. EUR steigern. Der Nettogewinn lag mit 6,7 Mio. EUR oder 0,32 EUR pro Aktie unter dem Vorjahresquartal. Grund für die Ergebnislücke zum Vorjahr ist ein Einmaleffekt in Höhe von rund 6,8 Mio. EUR im ersten Quartal 2021, in dem der Konzern seine Tumorbestrahlungssparte gewinnbringend verkaufte. Trotz Pandemie und Krieg in der Ukraine verzeichnete Eckert & Ziegler mit den vorliegenden Zahlen einen stabilen Jahresauftakt.

Die Umsätze im Segment Medical lagen im ersten Quartal bei 20,1 Mio. EUR und damit um 1,2 Mio. EUR oder 5% unter dem Vorjahreswert. Unter Berücksichtigung der durch die Entkonsolidierung der Tumorgerätesparte entfallenen Umsätze in Höhe von 1,1 Mio. EUR konnte das Umsatzniveau im Vergleich zum Vorjahr gehalten werden.

Das Segment Isotope Products erzielte mit 29,8 Mio. EUR einen um 7,0 Mio. EUR oder etwa 31% höheren Umsatz als in den ersten drei Monaten 2021. Grund hierfür sind unter anderem steigende Öl- und Gaspreise und eine damit einhergehende Sonderkonjunktur bei radiometrischen Komponenten für Energiekonzerne. Rund 1,9 Mio. EUR des Anstiegs sind auf die Akquisition der argentinischen Gesellschaft Tecnonuclear SA im Januar 2022 zurückzuführen.

Die Ergebnisse des ersten Quartals 2022 entsprechen den Erwartungen des Vorstands. Die im März veröffentlichte Prognose für das Geschäftsjahr 2022 bleibt unberührt. Der Vorstand rechnet weiterhin mit einem Umsatz von rund 200 Mio. EUR und einem Jahresüberschuss von rund 38 Mio. EUR. Die Prognose steht unter dem Vorbehalt, dass aus den Entwicklungen in der Ukraine weiterhin keine größeren Verwerfungen resultieren.

Den vollständigen Quartalsbericht finden Sie hier: https://www.ezag.com/fileadmin/user_upload/ezag/investors-financial-reports/deutsch/euz122d.pdf

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den führenden Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet weltweit an seinen Standorten Dienstleistungen und Produkte im Bereich der Radiopharmazie an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.

www.ezag.de

produzieren / 11.05.2022
Eckert & Ziegler kooperiert mit tschechischem Forschungszentrum UJF bei der Herstellung von medizinischen Alpha-Radioisotopen

Die Eckert & Ziegler AG (ISIN DE0005659700, TecDAX), ein Spezialist für medizinische Radioisotope, hat mit dem kernphysikalischen Institut der tschechischen Akademie der Wissenschaften, Ústav jaderné fyziky (UJF), eine langfristige Zusammenarbeit für die Herstellung des Alphastrahlers Actinium-225 vereinbart. Die Vereinbarung sieht vor, dass Eckert & Ziegler dem UJF-Forschungszentrum mehrere Millionen Euro für Investitionen in Anlagen und Heißzellen sowie Radium-226 als Ausgangsmaterial für Tests und Bestrahlungen zur Verfügung stellt. Im Gegenzug erhält Eckert & Ziegler exklusiven Zugang zu den Produktionskapazitäten einer Pilotanlage, die in den nächsten zwei Jahren in der Nähe von Prag gebaut wird, sowie Mitnutzungsrechte an Prozessschritten, die für eine kommerzielle Ac-225 Produktion im großen Maßstab entwickelt werden.

Actinium-225 wird als Wirkstoff in der Krebsbehandlung eingesetzt. Das Radioisotop emittiert leistungsstarke, hochenergetische Alpha-Partikel mit kurzer Eindringtiefe, die eine präzise Behandlung von Tumorzellen, einschließlich schwer zu erfassender Mikrometastasen, mit minimalen Auswirkungen auf das umgebende gesunde Gewebe ermöglichen. Hierzu wird Actinium-225 mit einem geeigneten Träger (z.B. einem Antikörper oder Peptid) kombiniert, der spezifisch an Krebszellen bindet und diese damit selektiv bekämpft. Momentan werden Radiopharmazeutika auf Basis von Actinium-255 in vielen klinischen Indikationen getestet, u.a. gegen Prostatatumore, Darmkrebs und Leukämie. Experten erwarten, dass der Bedarf an Actinium-225 in der nächsten Dekade exponentiell zunimmt.

„Die Zusammenarbeit mit Eckert & Ziegler trägt dazu bei, in der europäischen Union leistungsfähige Betriebe für die Herstellung von therapeutischen Radiopharmazeutika zu schaffen“, erläuterte Dr. Petr Lukáš, Direktor des UJF. „Corona und die jüngsten politischen Krisen zeigen, wie schnell der globale Austausch stocken und wie wichtig es für Produzenten neuer Radiopharmazeutika sein kann, Teile ihrer Wertschöpfungskette mit lokalen Partnern zu entwickeln“, ergänzte Prof. Ondřej Lebeda, Leiter der Abteilung Radiopharmazeutika des UJF.

„Mit dem UJF haben wir nur 90 Autominuten von unserem sächsischen Standort entfernt einen kompetenten Ansprechpartner für die vielen komplexen Aufgaben, die bei der Herstellung von Actinium-225 anfallen“, ergänzte Dr. Lutz Helmke, Mitglied des Vorstands und Betriebsvorstand für das Segment Medical. „Wir gewinnen einen wertvollen Partner in der Bemühung, unsere führende Position im Weltmarkt für therapeutische Radioisotope auszubauen. Als Ausgangsmaterial greifen wir dabei auf einen Bestand von Radium-226 zurück, den wir bei der Rücknahme von medizinischen Strahlenquellen in unserem Recyclinggeschäft angesammelt haben. Diese Aufarbeitung der Strahlenquellen liefert im Übrigen ein Beispiel dafür, wie gut Kreislaufkonzepte innerhalb der Branche funktionieren.“

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.
Wir helfen zu heilen.

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forschen, produzieren / 03.05.2022
FMP & LMU spin-off Tubulis closes €60 million Series B financing to accelerate its ADC Pipeline

Great relief after the contract was signed: Ingo Lehrke, Christian Hackenberger, Marc-André Kasper, Dominik Schumacher and Jonas Helma-Smets (Foto: Tubulis)
Great relief after the contract was signed: Ingo Lehrke, Christian Hackenberger, Marc-André Kasper, Dominik Schumacher and Jonas Helma-Smets (Foto: Tubulis)

Tubulis has a set of proprietary technologies for producing novel and particularly stable antibody drug conjugates (ADCs). Their portfolio enables the company to link a wide range of drugs to an antibody specific to the relevant indication by way of stable coupling (conjugation). One positive aspect of this is that adverse side effects in healthy tissue can be minimized, since biophysical properties of the ADC are optimized and the drug is prevented from separating from the antibody prematurely, a common side effect from current compounds on the market. In addition, the company’s proprietary technologies offer the potential to generate previously inaccessible protein-drug combinations, enabling a broader therapeutic window.

“Our research group is very proud to be part of Tubulis’ success story. Together with Prof. Heinrich Leonhardt’s group at LMU München, we have developed new methods to generate the novel ADCs that form the scientific basis that Tubulis uses. Closing the Series B round is a big step forward and the proceeds will enable the company to deliver the true therapeutic potential of ADCs through further innovation of novel payload classes and identification of new cancer targets.” remarks Professor Dr. Christian Hackenberger, Head of Chemical Biology at the FMP and Leibniz-Humboldt Professor at the Humboldt-Universität zu Berlin and co-founder of Tubulis.

 “This funding emphasizes that Tubulis is uniquely positioned to consolidate the findings of the last 20 years in the ADC field and translate this understanding into meaningful therapeutic benefits for patients. We have reached an important inflection point in the development of our platform technologies as well as our pipeline of highly novel protein-drug conjugates and we are now focused on unlocking new avenues in the treatment of solid tumors bringing safe and effective ADCs to patients,” said Dominik Schumacher, PhD, CEO and co-founder of Tubulis. “With this capital in place, we will execute on our growth strategy, including important focus areas for our pipeline and for how we can apply our proprietary technologies, biologic insights and new mechanisms of action to enable the true therapeutic value inherent in targeted therapeutics.”

In conjunction with the round, Sofia Ioannidou, PhD, Partner at Andera Partners, Thomas Hanke, PhD, EVP, Head of Academic Partnerships at Evotec as well as Jan Van den Bossche, Partner at Fund+ will join Tubulis’ Board of Directors consisting of Sebastian Pünzeler, PhD, Principal at coparion, Dominik Schumacher, PhD, CEO of Tubulis and Christian Grøndahl, MD, DVM, PhD, MBA, the Chairman of the Board. In addition, Valentin Piëch, PhD, Partner at BioMedPartners will take over the board seat from Michael Wacker, PhD, General Partner at BioMedPartners.

Tubulis was founded as a spin-off of the Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin and the Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München in 2019.

Zur Pressemitteilung auf der Website des FMP

tubulis.com

leben, bilden / 28.04.2022
Freiluftkino Buch startet am 6. Mai

Freiluftkino auf dem Pankeplatz an einem wunderbaren Sommerabend 2021 (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)
Freiluftkino auf dem Pankeplatz an einem wunderbaren Sommerabend 2021 (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)

Das Freiluftkino Buch startet am 6. Mai 2022 und widmet sich in diesem Jahr unter dem Titel "Grenzenlos" den Themen Migration, Flucht, Mobilität und Integration und zeigt möglichst mehrsprachige Filme.

Es wird in diesem Jahr drei Filmvorführungen geben. Diese finden zweimal im Garten des Bucher Bürgerhauses und einmal auf dem Panke-Platz statt. Die drei Filme, die dieses Jahr gezeigt werden, wurden aus jeweils fünf Filmen unter anderem von Kindern und Jugendlichen mittels Abstimmung ausgewählt.

1. Termin:
- Film: "Transit" (Deutsch/ Französisch mit deutschen Untertiteln)
- Altersempfehlung: FSK 12
- Datum/Uhrzeit: 06. Mai, 20:45 Uhr (Einlass 19:45 Uhr)
- Ort: Garten des Bucher Bürgerhauses, Franz-Schmidt-Str. 8-10, 13125 Berlin

2. Termin:
- Film: "Deine Schönheit ist nichts wert." (Deutsch/ Türkisch mit deutschen Untertiteln)
- Altersempfehlung: FSK 6
- Datum/Uhrzeit: 03. Juni, 21:30 Uhr (Einlass 20:30 Uhr)
- Ort: Panke-Platz, zwischen dem S-Bahnhof Buch und der Hufeland-Schule gleich neben den Tennisfeldern

3. Termin:

- Film: "Heute bin ich Samba" (Deutsch/ eventuell mit arabischen Untertiteln)
- Altersempfehlung: FSK 6
- Datum/Uhrzeit: 26. August, 20:45 Uhr (Einlass 19:45 Uhr)
- Ort: Garten des Bucher Bürgerhauses, Franz-Schmidt-Str. 8-10, 13125 Berlin

 

Förderer:

Das Freiluftkino wird in diesem Jahr durch das Bezirksamt Pankow Amt für Weiterbildung und Kultur gefördert. Veranstalter sind das Stadtteilzentrum Buch und der Bildungsverbund Buch in Kooperation mit Nomadenkino, Frauenberatung BerTa und Willkommenskulturprojekt Buch sowie mit Unterstützung durch das Sport- und Umweltamt Pankow.

forschen / 26.04.2022
ERC Advanced Grant für Herzforschung am MDC

Künstliches Herzgewebe kann gegen einen Widerstand kontrahieren und entspannen (Foto: Michael Gotthardt, MDC)
Künstliches Herzgewebe kann gegen einen Widerstand kontrahieren und entspannen (Foto: Michael Gotthardt, MDC)

Die kontraktilen und elastischen Eigenschaften des Herzens sind fein abgestimmt und ermöglichen einen hohen Wirkungsgrad und schnelle Anpassung. Michael Gotthardt erforscht am MDC die zugrundeliegenden molekularen und biomechanischen Regulationsmechanismen. Dafür erhält er nun einen ERC Advanced Grant.

MERAS steht auf dem kürzlich bewilligten Projektantrag. Die Abkürzung bedeutet: „Mechanoregulation des alternativen Spleißens“. Worum geht es bei MERAS? „Wir wollen verstehen, wie das Herz es schafft, auf Umwelteinflüsse zu reagieren und seine elastischen Eigenschaften so einzustellen, dass es optimal arbeiten kann“, sagt Professor Michael Gotthardt. Der Wissenschaftler leitet am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) die Arbeitsgruppe „Neuromuskuläre und kardiovaskuläre Zellbiologie“. Für sein Vorhaben erhält er jetzt einen Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) in Höhe von 2,5 Millionen Euro. 

 

Der ERC Advanced Grant geht an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit mehr als zehn Jahren Forschungserfahrung, die in ihrem Gebiet bereits eine prägende Rolle gespielt haben. Insgesamt hatten sich 1735 Forscherinnen und Forscher aus ganz Europa und allen Disziplinen beworben, 253 waren erfolgreich. 

Verantwortlich für die Pumpleistung des Herzens sind die Sarkomere, die kleinsten kontraktilen Einheiten des Herzmuskels. Sie bestehen aus Aktin- und Myosinfilamenten, welche die Kontraktion ermöglichen, und dem Riesenprotein Titin. Letzteres ist elastisch und beeinflusst wesentlich die mechanischen Eigenschaften der Herzmuskelzellen. Dabei können unterschiedliche Titin-Varianten (Isoformen) auf Basis eines einzelnen Gens exprimiert werden – jeweils perfekt angepasst an die aktuelle Belastungssituation des Herzens. Diesen Prozess – das alternative Spleißen – wollen die Forschenden im Detail untersuchen.

Raffinierte regulatorische Rückkopplung

„Bei ersten Analysen der Proteinzusammensetzung des Sarkomers fanden wir nicht nur die bekannten Strukturproteine, sondern auch einige bekannte Signalstoffe, die sowohl mit dem Stoffwechsel als auch mit der Regulation der Genexpression und dem alternativen Spleißen zu tun haben. Es sind Proteine, die man normalerweise im Zellkern erwarten würde – aber nicht im Sarkomer“, betont Michael Gotthardt. „Offenbar kommuniziert das Sarkomer dem Zellkern direkt, wie es sich anpassen muss.“ Ein raffinierter regulatorischer Rückkopplungsmechanismus, der erklären würde, wie sich Sarkomere auf die jeweils aktuelle mechanische Belastung einstellen. Das ist eine neue Hypothese, der die Forschenden auf den Grund gehen wollen.

Ein detailliertes Verständnis des gesamten Regelprozesses wäre auch von therapeutischem Nutzen – etwa für Menschen mit Herzinsuffizienz. Bei ihnen sind die Ventrikelwände durch „falsche“ Titine so versteift, so dass sich die Herzkammern nicht mehr ausreichend füllen können. Könnte man am richtigen Punkt medikamentös in den Prozess eingreifen, ließe sich ein kranker Herzmuskel etwas elastischer oder steifer machen, damit er wieder effektiver arbeiten kann.

Ein zweiter ERC Grant

Im ERC-Auswahlverfahren wurden die Forschungsvorhaben dieses Jahr erstmals nicht nur in Papierform, sondern auch als Kurzvortrag präsentiert – Corona-bedingt natürlich online. „Vier Folien in acht Minuten für ein 2,5-Millionen-Euro-Projekt“, fasst Michael Gotthardt zusammen. Für den Wissenschaftler, der an der Charité – Universitätsmedizin Berlin eine Professur für „Experimentelle und translationale Kardiologe“ innehat, ist es nach dem ERC Starting Grant 2011 bereits die zweite umfangreiche EU-Förderung. Sie ist auf fünf Jahre angelegt. „Das gibt uns die Möglichkeit, Kooperationen auszubauen und nun auch langfristig ausgelegte Vorhaben umzusetzen. Umfangreiche, kostenintensive Sequenzierarbeiten, die zur Erforschung des alternativen Spleißens nötig sind, ließen sich sonst kaum finanzieren.“

Gotthardts Team arbeitet mit genetischen Mausmodellen, an künstlichem Herzgewebe aus Patientenzellen sowie an Einzelzellen. Bisher sind Experimente zur Einzelzellmechanik echte Feinstarbeit. „Die Herzmuskelzelle muss dafür zunächst isoliert, unter einem besonderen Mikroskop fixiert und elektrisch stimuliert werden. Dann kann man sehen, welche aktiven und passiven Kräfte sie entwickelt“, sagt Michael Gotthardt. Damit wäre genau eine Zelle untersucht. Für aussagekräftige Studien sind jedoch sehr viele solcher Experimente nötig.

Das Ziel: neue Technologien für Einzelzellmechanik und Multi-Omik

Um zu verstehen, welche Titin-Isoformen unter Belastung oder bei Krankheitsprozessen gebildet werden, ist ebenfalls aufwendige Handarbeit nötig. Im Vergleich zu einem großen Gewebestück enthält eine Einzelzelle verhältnismäßig wenige RNA-Moleküle, so dass Untersuchungen der Genexpression oft an der Nachweisgrenze stattfinden. „Die Analyse des alternativen Spleißens ist insbesondere für die bis zu 100.000 Basen langen Titin-Isoformen erschwert – denn die verfügbaren kurzen Sequenzabschnitte müssen wie ein Puzzle zusammengesetzt werden, bei dem oft wichtige Teile fehlen“, sagt Michael Gotthardt. Mit dem ERC-Geld will er unter anderem neue Technologien für die Einzelzellmechanik, -transkriptomik und -proteomik entwickeln, die diese Arbeiten erleichtern und einen höheren Durchsatz erlauben.

Weiterführende Informationen

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

Pressemitteilung auf der Webseite des MDC:
ERC Advanced Grant für Herzforschung am MDC

forschen, produzieren, heilen / 25.04.2022
Antrittsbesuch des Ostbeauftragten und der Regierenden Bürgermeisterin – Carsten Schneider mit Franziska Giffey auf dem Campus Berlin-Buch

Dr. Christina Quensel stellte den Campus Berlin-Buch gemeinsam mit den Campus-Akteuren vor (Foto: Peter Himsel)
Dr. Christina Quensel stellte den Campus Berlin-Buch gemeinsam mit den Campus-Akteuren vor (Foto: Peter Himsel)

Wo aus Wissenschaft Wirtschaft wird: Staatsminister Carsten Schneider und die Regierende Bürgermeisterin, Franziska Giffey, informierten sich am 25. April 2022 über die Entwicklung des Zukunftsorts Berlin-Buch

Auf Einladung des Campus Berlin-Buch haben der Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland, Staatsminister Carsten Schneider, und Berlins Regierende Bürgermeisterin, Franziska Giffey, am 25. April 2022 gemeinsam den Wissenschafts- und Technologiestandort besucht. Begleitet wurden sie vom Pankower Bezirksbürgermeister Sören Benn. Auf dem Campus erhielten die Gäste einen Einblick in den BiotechPark Berlin-Buch.

Der Forschungscampus gehört zu den elf Berliner Zukunftsorten, an die es exzellente Wissenschaftler*innen aus aller Welt zieht. Buch steht für die Zukunft der Medizin. Seit Jahrzehnten verbinden sich am Gesundheitsstandort Berlin-Buch Forschen und Heilen, Erfinden und Therapieren. Hier arbeiten etablierte Unternehmen neben Start-ups in den Life Sciences, wirken Ärzte- und Forschungsteams Hand in Hand. International renommierte Forschungseinrichtungen wie das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft und das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), die Charité – Universitätsmedizin, das Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) sowie Biotechnologieunternehmen und Kliniken bilden ein Netzwerk. Aufbauend auf ersten Ausgründungen zu Beginn der neunziger Jahre, gehört der Campus heute zu den größten BiotechParks in Europa. Mit klarem Fokus auf Biomedizin bildet er die komplette Wertschöpfungskette von der Erkenntnis über die Entwicklung bis zur Produktion marktfähiger Innovationen ab und besitzt ein herausragendes Wachstumspotenzial.

Die Investitionen lohnen sich

„Seit 1992 wurden auf dem Campus über 600 Millionen Euro von EU, Bund und Land in die Forschungs- und Biotech-Infrastruktur investiert. Und auf unserem Campus wird ersichtlich, dass sich diese Investitionen lohnen“, sagte Dr. Christina Quensel, Geschäftsführerin der Betreibergesellschaft des Campus. „Durch die enge Verbindung von Grundlagen- und klinischer Forschung, State-of-the-art-Technologieplattformen und dem Ziel, biomedizinische Erkenntnisse in die Anwendung zu bringen, entsteht hier aus Wissenschaft Wirtschaft.“

Sichtbares Zeichen für das anhaltende Wachstum ist der Neubau des Gründerzentrums BerlinBioCube im BiotechPark. Der „BerlinBioCube“ wird 2023 eröffnen und 8.000 Quadratmeter Nutzfläche für Startups in der Biotechnologie, Medizintechnik und angrenzenden Bereichen bieten. Mit seiner Fertigstellung im nächsten Jahr können circa 30 Biotech-Start-ups modernste Labore und Büro nutzen und ihre Geschäftstätigkeit aufnehmen. Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführer der Campus Berlin-Buch GmbH, und Dr. Quensel informierten den Besuch über Pläne für den Ausbau des Campus, die Erweiterung des Biotechparks auf benachbarten Flächen im Ort und zur verstärkten Ansiedlung von Biotech-Unternehmen.

Auf einem Rundgang kamen die Politiker mit Forscher*innen und erfolgreichen Unternehmerinnen und Unternehmern in Gespräch. Sie besichtigten die Labore von T-knife, einem der erfolgreichsten Start-ups in der Biotech-Szene, dessen Technologie für neuartige Immuntherapien gegen Krebs auf jahrzehntelanger Grundlagenforschung am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin beruht.

Weltspitze in Buch

In einem anschließenden Gespräch in der Konzernzentrale der Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG diskutierten die Gäste mit Vertreterinnen und Vertretern aus Unternehmen und Forschungseinrichtungen des Campus aktuelle Themen der Wirtschaftsförderung in Technologie- und Gründerzentren, Fragen und Best-Practice-Beispiele der wertschöpfenden Vernetzung von Forschung und Wirtschaft, den Ausbau der regionalen Verkehrsinfrastruktur sowie die abgestimmte Entwicklung von Gewerbe- und Wohnbaupotenzialflächen am Zukunftsort Berlin-Buch.

„Der Campus Berlin-Buch mit seinen zahlreichen Playern aus Wissenschaft und Gesundheitswirtschaft ist Beispiel gelungener Transformation hin zu einem modernen Technologiestandort für klinische Forschung, molekulare Medizin und molekulare Pharmakologie. Buch beweist, wie gezieltes Innovationsmanagement zu Erfolg und weltweiter Vernetzung führt, wenn es unterstützt wird durch aktive Ansiedlungs- und Förderpolitik, die Wirtschaft und Wissenschaft einbezieht und die Verkehr und Wohnen und Arbeiten zusammendenkt. Danke an alle unsere Gastgeberinnen und Gastgeber für die inspirierenden Eindrücke“, sagte Franziska Giffey.

Auch Staatsminister Carsten Schneider bedankte sich bei den Campus-Akteur*innen. „Wir erhielten heute hochspannende Einblicke in die BioTech-Branche in Berlin-Buch. Hier wird innovativ geforscht und gearbeitet. Damit gehört der Campus Berlin-Buch zur Weltspitze“, erklärte Schneider. „Mit der Forschungsförderung durch den Bund schaffen wir langfristige Strukturen.“


Hintergrundinformationen

Der Campus Berlin‐Buch ist ein moderner Wissenschafts‐, Gesundheits‐ und Biotechnologiepark. Alleinstellungsmerkmale sind der klare inhaltliche Fokus auf Biomedizin und das enge räumliche und inhaltliche Zusammenwirken von Forschungsinstituten, Kliniken und Biotechnologie‐Unternehmen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erforschung molekularer Ursachen von Krebs,‐ Herzkreislauf‐ und neurodegenerativen Erkrankungen, eine interdisziplinär angelegte Grundlagenforschung zur Entwicklung neuer Therapien und Diagnoseverfahren, eine patientenorientierte Forschung und die unternehmerische Umsetzung biomedizinischer Erkenntnisse.
Dank exzellenter Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen im BiotechPark hat der Campus ein herausragendes Innovations‐ und Wachstumspotenzial. Dazu gehören als Einrichtungen der Grundlagenforschung das Max‐Delbrück‐Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz‐Gemeinschaft (MDC) und das Leibniz‐Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), das gemeinsam von MDC und Charité – Universitätsmedizin Berlin betriebene und auf klinische Forschung spezialisierte Experimental and Clinical Research Center (ECRC) sowie das Berlin Institute of Health (BIH). Seit 1992 sind über 600 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln durch die EU, den Bund und das Land Berlin in den Campus Berlin‐Buch investiert worden, um diese Synergien zu unterstützen.

Der BiotechPark Berlin‐Buch gehört mit 74 Unternehmen, 820 Beschäftigten und rund 31.000 Quadratmetern Büro‐ und Laborfläche zu den führenden Technologieparks in Deutschland. Ausgründungen im Bereich der Life Sciences finden hier ideale Bedingungen, vom Technologietransfer bis hin zu branchenspezifischen Labor‐ und Büroflächen. Die Life Science Community vor Ort ermöglicht einen direkten Austausch und gemeinsame Projekte. Der BiotechPark trägt maßgeblich zur dynamischen Entwicklung der Biotechnologie‐Region Berlin‐ Brandenburg bei und stärkt in besonderem Maße die industrielle Gesundheitswirtschaft.

Als Betreibergesellschaft des Campus ist die Campus Berlin‐Buch GmbH (CBB) Partner für alle dort ansässigen Unternehmen und Einrichtungen. Biotechnologieunternehmen – von Start‐ups bis zu ausgereiften Firmen – anzusiedeln, zu begleiten und in allen Belangen zu unterstützen, gehört zu ihren wesentlichen Aufgaben. Hauptgesellschafter der CBB ist mit 50,1 % das Land Berlin. Weitere Gesellschafter sind das Max‐Delbrück‐Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz‐Gemeinschaft (29,9 %) und der Forschungsverbund Berlin e.V. für das Leibniz‐Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (20 %).

www.campusberlinbuch.de

forschen, bilden / 21.04.2022
Ein Ferientag auf dem Campus Berlin-Buch für ukrainische Kinder

Ukrainische Kinder und Jugendliche experimentierten auf dem Bucher Campus zum Thema DNA (Foto: Felix Petermann, MDC)
Ukrainische Kinder und Jugendliche experimentierten auf dem Bucher Campus zum Thema DNA (Foto: Felix Petermann, MDC)

Im Gläsernen Labor herrschte am Vormittag des 20. April reger Betrieb: Zwölf Kinder und Jugendliche von 13 – 17 Jahren extrahierten DNA aus Früchten, ihrer Mundschleimhaut und aus Bakterien. Um an ihre eigene DNA zu gelangen, mussten sie mit einem Schluck Trinkwasser gurgeln und das Ergebnis in ein Reagenzröhrchen speien. Ein Schluck aus einem Reagenzröhrchen ist schon ungewöhnlich, und spätestens beim Gurgeln im Labor mussten viele über sich lachen.

Wer dem Treiben zusah, konnte zunächst kaum einen Unterschied zu den üblichen Ferienkursen des Schülerlabors auf dem Campus Berlin-Buch entdecken. Anders als sonst existierte jedoch eine Sprachbarriere. Die Zahl der Betreuenden war viel höher als sonst, denn die Anweisungen wurden auf Englisch und Ukrainisch gegeben.

Die Kurse des Gläsernen Labors für ukrainische Kinder anzubieten, geht auf die Initiative des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) zurück. „Die Resonanz auf meine E-Mail-Umfrage am MDC war enorm. Es ist toll, wie viele bereit sind zu helfen“, sagt Dr. Luiza Bengtsson, die am MDC für Wissenstransfer zuständig ist. Der erste Kurs mit Unterstützung der Freiwilligen vom MDC fand bereits am 13. April statt.

Neugierig auf die Biologie

Nach dem Mittagessen in der Mensa konnten die Kinder etwas entspannen, um dann Führungen Forschungslabore des MDC zu erleben. Sie lernten eine Technologieplattform zur Tierphänotypisierung kennen, besuchten die Arbeitsgruppe „Ankerproteine und Signaltransduktion“ von PD Dr. Enno Klußmann und die Arbeitsgruppe von Professor Thomas Willnow, die unter anderem Ursachen und Therapien von Alzheimer erforscht.

MDC-Doktorandin Oleksandra Kalnytska war eine der Freiwilligen, die die Kinder an diesem Tag begleiteten. Sie erlebte die Kinder und Jugendlichen als sehr aufgeschlossen. „Einige von ihnen kamen aus innerer Neugierde auf die Biologie, andere, um etwas Interessantes zu sehen, wieder andere, um neue Leute kennen zu lernen und möglicherweise Freundschaften zu schließen. Sie waren extrem neugierig und stellten viele Fragen, vor allem während der Laborbesuche“, sagt Kalnytska. „Ein 13-jähriges Mädchen fragte mich immer wieder nach der Alzheimer-Krankheit und ob es Möglichkeiten gibt, sie zu verhindern. Sie war begeistert von den Gehirn-Organoiden und wollte wissen, ob es möglich sei, ein echtes Gehirn zu züchten. Sie hofft, eines Tages Psychologin zu werden. Ein anderes Mädchen, 14 Jahre alt, fragte nach Lernmaterial über Biologie, da sie später gern Wissenschaftlerin werden würde.“

Auch Dr. Ihor Minia, Wissenschaftler am MDC, gehörte zu den Unterstützer*innen bei den Kursen für die ukrainischen Kinder. Er steuerte einige Experimente für den Kurs bei und verstand es, komplexe Themen wie die Plasmidbildung bei Bakterien so leicht zu erklären, dass sogar ein 10-Jähriger es verstand.

Oleksandra Kalnytska, die wie Ihor Minia aus der Ukraine stammt, engagiert sich seit Beginn des Krieges für Hilfe und Spenden für die Ukraine. Für das Ferienangebot ist sie sehr dankbar: „Ich denke, dass der Tag eine sehr positive Erfahrung für die ukrainischen Kinder war. Hier konnten sie zumindest für ein paar Stunden der Last des Flüchtlingsdaseins entfliehen und in eine neue Welt der wissenschaftlichen Wunder eintauchen.“

www.glaesernes-labor.de

forschen, bilden / 20.04.2022
Neu: Wissen erweitern in der CampusVital LOUNGE

Im Café rock-paper findet künftig auch die CampusVital LOUNGE statt. (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)
Im Café rock-paper findet künftig auch die CampusVital LOUNGE statt. (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)

CampusVital lädt alle Interessierten herzlich zur Auftaktveranstaltung der CampusVital LOUNGE am Mittwoch, den 27. April 2022 von 12:30-13:00 Uhr im Café rock-raper (Mensafoyer) ein.

Die CampusVital LOUNGE wird monatlich interessante Themen aus verschiedensten Wissensgebieten präsentieren. Dabei soll auch der Stand der Gesundheitsforschung auf dem Campus Berlin-Buch einfließen. In der ersten Veranstaltung stellt Dr. Katharina Nimptsch vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) das Thema „Krebsprävention durch Ernährung“ vor.

Katharina Nimptsch ist Ernährungswissenschaftlerin und Epidemiologin am MDC. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich vor allem mit dem Einfluss der Ernährung auf das Krebsrisiko, insbesondere auf die Entstehung von Darmkrebs. Sie ist an verschiedenen Projekten im Rahmen großer, europaweiter und amerikanischer Kohortenstudien beteiligt. In der CampusVital LOUNGE stellt Dr. Nimptsch wissenschaftlich fundierte Ernährungsempfehlungen zur Krebsprävention vor und erläutert diese.

Ort:

Campus Berlin-Buch
Mensafoyer, Haus A14
Café rock-paper
Robert-Rössle-Str. 10
13125 Berlin

forschen, heilen / 13.04.2022
Zusammen ist besser als allein: Wie ein altbekannter Wirkstoff zum Gamechanger werden kann

© Judith Bushe/ Anne Voß, FU Berlin
© Judith Bushe/ Anne Voß, FU Berlin

Zur Behandlung von COVID-19 stehen immer mehr Medikamente zur Verfügung. Berliner Forschende von Charité, FU und MDC haben die Wirkmechanismen von antiviralen und anti-entzündlichen Substanzen untersucht. Im Journal „Molecular Therapy“ beschreiben sie, dass eine Kombination aus beiden am besten funktioniert.

Noch immer führen Infektionen mit SARS-CoV-2 auch zu Aufnahmen in ein Krankenhaus. Derzeit werden laut Robert-Koch-Institut innerhalb einer Woche pro 100.000 Einwohner*innen etwa sechs bis sieben Menschen mit COVID-19 eingewiesen. Bei der stationären Behandlung von COVID-19-Patient*innen gibt es mittlerweile eine Reihe von Medikamenten, die den Krankheitsverlauf abmildern oder bei Schwerkranken das Risiko eines tödlichen Verlaufs verringern. Einige bekämpfen das Virus, andere die Entzündung, die es hervorruft.

Besonders werden monoklonale Antikörper und das stark entzündungshemmende Medikament Dexamethason eingesetzt. Antikörper fangen das Virus ab, heften sich an die Oberfläche des Spikeproteins und verhindern so, dass es in die menschlichen Zellen eintritt. Diese Therapie wird bis zum siebten Tag nach Beginn der Symptome angewandt. Sauerstoffpflichtige COVID-19-Patient*innen im Krankenaus erhalten in der Regel Dexamethason. Das Glukokortikoid hat sich seit etwa 60 Jahren bei einigen, auf einer übermäßigen Aktivierung des Immunsystems beruhenden Entzündungen bewährt. Auch bei COVID-19 dämpft es die Entzündungsreaktion des Körpers zuverlässig. Allerdings geht der Wirkstoff mit verschiedenen Nebenwirkungen einher, so kann er beispielsweise Pilzinfektionen nach sich ziehen. Deshalb sollte das Mittel nur sehr gezielt eingesetzt werden.

Schwerer Verlauf beim Zwerghamster

Wissenschaftler*innen der Charité, des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie (BIMSB) am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und der FU Berlin haben die Wirkmechanismen beider Therapien untersucht. „Dabei haben wir Hinweise dafür gefunden, dass eine Kombination aus Antikörper- und Dexamethason-Therapie besser wirkt als die einzelnen Therapien für sich genommen“, sagt Dr. Emanuel Wyler, Wissenschaftler der Arbeitsgruppe RNA Biologie und Posttranscriptionale Regulation unter Leitung von Prof. Dr. Markus Landthaler am BIMSB, und Erstautor der Studie. Da nicht alle Lungenareale anhand von Proben von Patient*innen untersucht werden können, suchten die Forschungsteams im vergangenen Jahr zunächst nach einem geeigneten Modell. Co-Letztautor Dr. Jakob Trimpert, Tiermediziner und Arbeitsgruppenleiter am Institut für Virologie der Freien Universität Berlin, entwickelte in diesem Zuge COVID-19-Hamstermodelle. Die Tiere sind derzeit der wichtigste nicht transgene Modellorganismus für COVID-19, da sie sich mit denselben Virusvarianten wie Menschen infizieren und ähnliche Krankheitssymptome entwickeln. Die Erkrankung läuft bei den einzelnen Arten unterschiedlich ab: Goldhamster erkranken nur moderat, während Roborovski-Zwerghamster einen schweren Verlauf zeigen, der dem von COVID-19-Patient*innen auf Intensivstationen ähnelt.

Zusammenspiel der Signalwege

„In der aktuellen Studie haben wir die Auswirkungen von separaten und kombinierten antiviralen und entzündungshemmenden Behandlungen für COVID-19, also mit monoklonalen Antikörpern, Dexamethason oder einer Kombination aus beiden Therapien, in den vorhandenen Modellen geprüft“, erklärt Dr. Trimpert. Um das Ausmaß der Schädigung des Lungengewebes zu analysieren, untersuchten die Veterinärpathologen der FU Berlin infiziertes Lungengewebe unter dem Mikroskop. Außerdem bestimmte das Team um Dr. Trimpert zu verschiedenen Zeitpunkten der Behandlung die Menge an infektiösen Viren und Virus-RNA. So konnten die Wissenschaftler*innen überprüfen, ob und wie sich die Virenaktivität im Lauf der Therapie veränderte. „Mithilfe von detaillierten Analysen verschiedener Parameter einer COVID-19-Erkrankung, die so nur im Tiermodell möglich sind, ist es uns gelungen, nicht nur die Grundlagen der Wirkungsweise von zwei besonders wichtigen COVID-19-Medikamenten besser zu verstehen, wir fanden auch deutliche Hinweise auf mögliche Vorteile einer Kombinationstherapie aus monoklonalen Antikörpern und Dexamethason“, sagt Dr. Trimpert.

Den Einfluss der Medikamente auf das komplexe Zusammenspiel der Signalwege innerhalb der Gewebezellen und auf die Anzahl der Immunzellen haben Einzelzellanalysen gezeigt. Dabei lassen die Forschenden die einzelnen Zellen einer Probe über einen Chip laufen. Dort werden sie zusammen mit einem Barcode in kleine wässrige Tröpfchen verpackt. Auf diese Weise kann die RNA – der Teil des Erbgutes, den die Zelle gerade abgelesen hatte – sequenziert und später der Zelle wieder zugeordnet werden. Aus den gewonnenen Daten lässt sich mit hoher Präzision auf die Funktion der Zelle schließen. „So konnten wir beobachten, dass die Antikörper die Virusmenge effizient reduzieren konnten“, erläutert Dr. Wyler. „Im Modell half das jedoch nicht viel.“ Denn nicht die Viren schädigen das Lungengewebe, sondern die starke Entzündungsreaktion, die sie auslösen. Die Immunzellen, die die Eindringlinge bekämpfen, schütten Botenstoffe aus, um Verstärkung herbeizurufen. Die Massen an Abwehrkämpfern, die herbeiströmen, können die Lunge regelrecht verstopfen. „Verschlossene Blutgefäße und instabile Gefäßwände können dann zu einem akuten Lungenversagen führen“, erklärt der Wissenschaftler.

Bekannter Wirkstoff als Gamechanger?

Für eine Überraschung sorgte das altbekannte Dexamethason. „Der Entzündungshemmer wirkt ganz besonders stark auf eine bestimmte Art von Immunzellen, die Neutrophilen“, sagt Co-Letztautorin Dr. Geraldine Nouailles, wissenschaftliche Arbeitsgruppenleiterin an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité. Die Neutrophilen gehören zu den weißen Blutkörperchen und treten bei Infektionen mit Viren und Bakterien sehr schnell auf den Plan. „Das Kortison-Präparat unterdrückt das Immunsystem und hindert die Neutrophilen daran, Botenstoffe zu produzieren, die andere Immunzellen anlocken“, führt Dr. Nouailles aus. „So verhindert das Medikament sehr effektiv eine Eskalation der Immunabwehr.“

Die besten Behandlungsergebnisse erreichten die Forschenden, als sie die anti-virale mit der anti-entzündlichen Therapie kombinierten. „Eine solche Kombinationstherapie sehen die medizinischen Leitlinien bislang nicht vor“, betont Dr. Nouailles. „Hinzu kommt, dass eine Antikörpertherapie bislang nur bis zum maximal siebten Tag nach Symptombeginn bei Hochrisikopatient*innen verabreicht werden darf. Dexamethason wird in der Praxis erst verabreicht, wenn die Patient*innen sauerstoffpflichtig werden, also ihre Erkrankung bereits weit fortgeschritten ist. In der Kombination hingegen eröffnen sich ganz neue Zeitfenster der Behandlung.“ Ein Ansatz, der nun in klinischen Studien überprüft werden muss, bevor er für die Behandlung von Patient*innen infrage kommt.

Weitere Informationen

Arbeitsgruppe von Prof. Markus Landthaler

Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie

Fachbereich Veterinärmedizin der FU Berlin

AG Landthaler

Pressemitteilung zu vorangegangener Publikation 08/2021 in Nature Communications

Über die Studie

Gefördert wurden die Arbeiten unter anderem durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Sonderforschungsbereich SFB-TR84, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit den Projekten CAPSyS-COVID sowie PROVID und das Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité mit CM-COVID. Ebenfalls ermöglicht hat die Studie das BMBF-geförderte Nationale Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin zu Covid-19 (NUM), im Teilvorhaben Organostrat.

Literatur

Emanuel Wyler et al (2022): „Key benefits of dexamethasone and antibody treatment in COVID-19 hamster models revealed by single cell transcriptomics “, in: Molecular Therapy, DOI: https://doi.org/10.1016/j.ymthe.2022.03.014

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

Über die Charité – Universitätsmedizin Berlin
Die Charité – Universitätsmedizin Berlin ist mit rund 100 Kliniken und Instituten an vier Campi sowie 3.001 Betten eine der größten Universitätskliniken Europas. Forschung, Lehre und Krankenversorgung sind hier eng miteinander vernetzt. Mit Charité-weit durchschnittlich 16.391 und konzernweit rund 19.400 Beschäftigten aus über 100 Nationen gehört die Berliner Universitätsmedizin zu den größten Arbeitgeberinnen der Hauptstadt. Dabei waren 4.707 der Beschäftigten im Pflegebereich und 4.693 im wissenschaftlichen und ärztlichen Bereich tätig. An der Charité wurden im vergangenen Jahr 132.383 voll- und teilstationäre Fälle sowie 655.138 ambulante Fälle behandelt. Im Jahr 2020 hat die Charité Gesamteinnahmen von rund 2,2 Milliarden Euro, inklusive Drittmitteleinnahmen und Investitionszuschüssen, erzielt. Mit den 196 Millionen Euro eingeworbenen Drittmitteln erreichte die Charité einen erneuten Rekord. An der medizinischen Fakultät, die zu den größten in Deutschland gehört, werden mehr als 8.600 Studierende in Humanmedizin, Zahnmedizin sowie Gesundheitswissenschaften ausgebildet. Darüber hinaus gibt es 577 Ausbildungsplätze in 10 Gesundheitsberufen. Die Berliner Universitätsmedizin setzt Akzente in den Forschungsschwerpunkten: Infektion, Inflammation und Immunität einschließlich Forschung zu COVID-19, Kardiovaskuläre Forschung und Metabolismus, Neurowissenschaften, Onkologie, Regenerative Therapien sowie Seltene Erkrankungen und Genetik. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité arbeiten unter anderem in 29 DFG-Sonderforschungsbereichen, darunter sechs mit Sprecherfunktion, in drei Exzellenzclustern, davon eines mit Sprecherschaft, 8 Emmy-Noether-Nachwuchsgruppen, 16 Grants des European Research Councils und 9 europäischen Verbundprojekten mit Charité-Koordination.

Foto: In jeweils 600-facher Vergrößerung: gesundes Lungengewebe mit offenen Lungenbläschen (links), schwere SARS-CoV-2-Infektion mit zerstörtem Gewebe und Immunzellen (mitte), deutlich weniger Zerstörung und verbesserter Gasaustausch nach Kombinationsbehandlung (rechts).© Judith Bushe/ Anne Voß, FU Berlin

Quelle: Pressemitteilung MDC
Zusammen ist besser als allein: Wie ein altbekannter Wirkstoff zum Gamechanger werden kann

leben / 12.04.2022
Fördermittel zur Unterstützung geflüchteter Menschen aus der Ukraine in Pankow

Das Integrationsbüro des Bezirksamts Pankow stellt ab sofort zwei neue Fördermöglichkeiten bereit, um Organisationen, Initiativen und Vereine im Bezirk bei ihrem Engagement für geflüchtete Menschen aus der Ukraine zu unterstützen.

I. #SolidarischesPankow: Im neu eingerichteten Projektfonds #SolidarischesPankow stehen Gelder in Gesamthöhe von 20.000 Euro zur Verfügung. In einem vereinfachten Verfahren können Sachmittel bis zu 2.000 Euro pro Organisation, Initiative oder Freiwilligen beantragt werden. Möglich ist beispielsweise die Anschaffung von Unterrichtsmaterialien, Hygieneartikeln, Fahrkarten, Eintrittskarten oder mobilen Internetzugängen. Auch verhältnismäßige Aufwandsentschädigungen können beantragt werden. Anträge können ab sofort laufend gestellt werden, eine Frist für die Einreichung gibt es nicht.  Die Förderentscheidung wird zeitnah nach Antragseingang getroffen.

2. #SonderprojekteUkraine: Die zweite Fördermöglichkeit #SonderprojekteUkraine ist ausschließlich für Projekte von Pankower Migrant:innenselbstorganisationen (MSO) vorgesehen und hat ein Gesamtvolumen von 100.000 Euro. Schwerpunkt der Maßnahme ist die Schaffung von Angeboten für Menschen, die im Zusammenanhang mit dem Kriegsgeschehen aus der Ukraine geflohen sind. Dabei kann es sich um die Unterstützung von Familien, Frauen und Kindern oder die Beratung und Begleitung von Schutzsuchenden handeln. Die Förderung bezieht sich auch auf Geflüchtete aus der Ukraine, die nicht die ukrainische Staatsbürgerschaft besitzen. Migrant:innenselbstorganisationen mit Sitz in Pankow können diese Zuwendungen für Projekte beantragen, die frühestens im Juni 2022 starten und die maximal bis Ende Dezember 2022 dauern. Die Frist zur Antragseinreichung im Integrationsbüro ist der 5. Mai 2022 (postalischer Eingang).

Bezirksbürgermeister Sören Benn: „Unser Integrationsbüro bietet mit diesen zwei neuen Fördertöpfen zwar keinen riesigen Fonds, aber jeder Euro zählt! Der Topf #SolidarischesPankow ist bürokratiearm angelegt und spricht eine breite Zielgruppe an. Mit #SonderprojekteUkraine soll gezielt die Arbeit der migrantischen Organisationen im Bezirk gestärkt werden. Ich danke allen, die sich für die Unterstützung der Geflüchteten einsetzen von Herzen für das unermüdliche Engagement!“

Antragsunterlagen für beide Fördermöglichkeiten befinden sich auf der Website des Integrationsbüros:
https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/beauftragte/integration/informationen-fuer-organisationen-und-initiativen/artikel.1189080.php

forschen / 11.04.2022
Magenentzündungen: wie eine bakterielle Infektion das Gewebe verändert

Mit Helicobacter-Bakterien infiziertes Magengewebe. Sich teilende Zellen sind grün, Zellkerne blau dargestellt. © Charité / Michael Sigal
Mit Helicobacter-Bakterien infiziertes Magengewebe. Sich teilende Zellen sind grün, Zellkerne blau dargestellt. © Charité / Michael Sigal

Wenn Bakterien die Magenschleimhaut besiedeln, drohen Entzündungen oder gar Magenkrebs. Ein Forschungsteam von Charité und MDC erklärt nun in „Nature Communications“, wie sich die Magendrüsen im Zuge einer Infektion verändern. Daraus könnte sich ein neuer Ansatzpunkt für Krebstherapien ergeben.

Eine Besiedelung des Magens mit Helicobacter pylori tritt weltweit bei etwa der Hälfte der Menschheit auf; sie zählt damit zu den häufigsten chronischen bakteriellen Infektionen. In der Folge können sich Entzündungen des Magens (Gastritis) oder Magenkrebs entwickeln. Wegen des ständigen Kontakts mit der Magensäure erneuert sich die gesunde Magenschleimhaut innerhalb weniger Wochen komplett, wobei ihre Struktur und Zusammensetzung stets unverändert bleibt. „Bisher ging man davon aus, dass eine Helicobacter-Infektion die Drüsenzellen der Magenschleimhaut direkt schädigt“, erklärt Professor Michael Sigal, Letztautor der Studie. „Unser Team hat nun herausgefunden, dass die komplexen Interaktionen verschiedener Zellen und Signale, die für die Stabilität des Gewebes sorgen, durch eine Infektion gestört werden.“

Michael Sigal ist Emmy Noether-Arbeitsgruppenleiter an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie der Charité und am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB), das zum MDC gehört. Um die Veränderungen der Magendrüsen durch eine Helicobacter-Infektion nachzuverfolgen, hat sich das Team um Michael Sigal zusammen mit Forschenden vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie komplexe Mausmodelle zu Nutze gemacht, bei denen sich bestimmte Zellen der Magendrüsen mittels modernster Technologien – wie Bildgebung und Einzelzellsequenzierung am Gewebe – visualisieren, isolieren und genau untersuchen lassen. Darüber hinaus entwickelten sie im Labor spezielle organähnliche Mikrostrukturen – sogenannte Organoide –, um damit den Einsatz von Tiermodellen einschränken zu können. Mithilfe dieser winzigen Miniaturmägen konnten sie viele Eigenschaften der Drüsen nachempfinden und den Einfluss verschiedener Signale auf die dortigen Stammzellen, aus denen verschiedene Zelltypen entstehen können, untersuchen.

Stromazellen unterdrücken BMP-Signalweg

„Wir haben herausgefunden, dass die sogenannten Stromazellen, welche die Drüsen umgeben, nicht – wie bisher gedacht – nur für die mechanische Stabilität verantwortlich sind. Sie produzieren auch verschiedene Botenstoffe, die das Verhalten der Drüsen maßgeblich beeinflussen“, beschreibt Michael Sigal. Zu diesen Botenstoffen gehört auch das „Bone Morphogenetic Protein“ (BMP), das für die Gewebeentwicklung von Bedeutung ist. Die Forschenden konnten zeigen, dass Stromazellen, die die Drüsenbasis umgeben, den BMP-Signalweg fortwährend unterdrücken und so die Teilung der dortigen Stammzellen anregen. Hingegen aktivieren Stromazellen an der Drüsenspitze den Signalweg und unterbinden dort die Zellteilung. Dieser Einfluss der Umgebung ist die Grundlage für die stabile Drüsenstruktur. Durch eine Helicobacter-Infektion kommt es hingegen zur Ausschüttung von Endzündungsstoffen wie Interferon-gamma (IFN-γ). Im Zuge dieser Entzündungsreaktion werden nun vermehrt Botenstoffe produziert, die die Zellteilung der Stammzellen in den Drüsen anregen. Das führt schließlich zur sogenannten Hyperplasie – also dazu, dass sich das Gewebe vergrößert und Krebsvorläufer entstehen können.

„Unsere Erkenntnisse zeigen, dass eine Infektion und damit einhergehende Entzündung viel mehr Effekte im Gewebe hat als bisher angenommen: Klassische Entzündungsstoffe wie IFN-γ haben nicht nur eine direkte antimikrobielle Wirkung, sondern beeinflussen auch die Zellteilung und das Verhalten von Stammzellen im Gewebe. Bei einer Gewebeschädigung kann eine schnelle Zellteilung sehr sinnvoll sein, um eine rasche Heilung zu ermöglichen. Bei einer chronischen Entzündung im Zuge einer Helicobacter-Infektion könnte sie jedoch die Entwicklung von Krebsvorläufern begünstigen“, resümiert Michael Sigal. Die Signalwege bei der Interaktion zwischen dem Immunsystem und Stammzellen, die auch für andere Organe als den Magen bedeutsam sein könnten, stellen somit einen Ansatzpunkt für neue Therapien – sowohl in der Krebsvorsorge als auch in der regenerativen Medizin – dar.

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung von Charité und MDC
Magenentzündungen: wie eine bakterielle Infektion das Gewebe verändert

produzieren, heilen / 08.04.2022
Eckert & Ziegler: Radboud University Medical Center in den Niederlanden behandelt ersten Patienten mit PENTIXAFOR

Das Radboud University Medical Center (RUMC) in Nijmegen, eines der größten Kompetenzzentren der Niederlande für Nebennierenerkrankungen, hat im Rahmen der CASTUS-Studie den ersten Patienten mit primärem Aldosteronismus mit dem Ga-68 basierten Diagnostikum PENTIXAFOR behandelt.

Das von PentixaPharm entwickelte PENTIXAFOR ist ein innovativer bildgebender PET-Tracer, der auf den Chemokin-4-Rezeptor (CXCR4) abzielt und zur Diagnose von verschiedenen onkologischen und inflammatorischen Erkrankungen eingesetzt wird. Das auf Ga-68 basierende PET-Radiodiagnostikum soll das Potenzial haben, die Diagnostik bei diesen Krankheitsbildern erheblich zu verbessern und die Patienten der passenden Therapie zuzuführen.

Beim primären Aldosteronismus (PA), auch Conn-Syndrom genannt, handelt es sich um eine Anomalie der Nebenniere, die entweder durch ein einseitiges Aldosteron produzierendes Adenom (APA) oder durch eine bilaterale Nebennierenhyperplasie (BAH) gekennzeichnet ist. Unabhängig von der Lage des pathologischen Gewebes verursachen Nebennierentumore eine Hypersekretion von Aldosteron, die zu einem erhöhten Blutdruck führt und daher eng mit einer hohen vaskulären Morbidität verbunden ist. Bei Patienten mit Bluthochdruck, allein in Deutschland ca. 20 Mio. Patienten, liegt die Prävalenz von PA bei etwa 5,9 %. Die Dunkelziffer ist aufgrund der komplizierten und invasiven Standarddiagnose mittels Nebennierenvenenentnahme (AVS) noch höher.

Die CASTUS-Studie ist ein klinisches Forschungsprogramm mit dem Ziel, die Genauigkeit von PENTIXAFOR bei der Diagnose von primärem Aldosteronismus zu evaluieren. Das Ga-68 basierende PET-Radiodiagnostikum soll insbesondere die Ein- oder Zweiseitigkeit der Aldosteron-Hypersekretion bei primärem Aldosteronismus erkennen. Dieses Unterscheidungsmerkmal bestimmt das Patientenmanagement und die medizinische Therapie. Im Vergleich zum bisherigen Diagnoseverfahren, bei dem mit einem aufwändigen operativen Eingriff Hormonwerte an der Nebenniere gemessen werden, handelt es sich um eine nicht-invasive Diagnostik. Um das Potenzial von PENTIXAFOR zu untersuchen, rekrutiert das RUMC bis zu 300 Patienten.

Das RUMC hat mit großem Erfolg begonnen, den ersten Patienten mit PENTIXAFOR zu untersuchen. Hochauflösende Bilder zeigen das Potenzial des nicht-invasiven PET-Radiodiagnostikums PENTIXAFOR. Einer der leitenden Prüfärzte der CASTUS-Studie, Professor J. F. Langenhuijsen erklärt: "Durch die höhere Sensitivität von PENTIXAFOR können wir die Lage des Nebennierentumors viel genauer bestimmen und möglicherweise den bisherigen, invasiven Goldstandard AVS für die Diagnose in der Zukunft ersetzen. Weitere Studien sind erforderlich, um den vielversprechenden prognostischen Wert von PENTIXAFOR zu Beginn oder während der Behandlungsbewertung zu bestimmen."

"Die Tatsache, dass eines der führenden Zentren in den Niederlanden wie das RUMC beschlossen hat, selbst an PENTIXAFOR zu arbeiten, zeigt das große Interesse, ein neues Diagnostikum für Nebennierenerkrankungen zu finden, und könnte den Weg zu zusätzlichen therapeutischen Alternativen ebnen. Mit der CASTUS-Studie hat PentixaPharm die Möglichkeit, neben seiner Kernentwicklungsstrategie in der Onkologie einen weiteren Therapiebereich zu erschließen", kommentiert Dr. Hakim Bouterfa, Gründer und Geschäftsführer der PentixaPharm GmbH. "Wir freuen uns, dass wir Professor J. F. Langenhuijsen, Professor J. Deinum und Professor M. Gotthard als Hauptprüfer für diese Studie gewinnen konnten."

Eckert & Ziegler (ISIN DE0005659700, TecDAX), der Inhaber der Rechte an der zugrundeliegenden [68Ga]Ga-PentixaFor PET-Verbindung, unterstützt das RUMC-Team durch die Bereitstellung von PENTIXAFOR. Im Gegenzug erhält Eckert & Ziegler Zugang zu den Studienergebnissen. PENTIXAFOR wird von der Eckert & Ziegler Tochter PentixaPharm GmbH als hochsensibles Diagnostikum für ein Portfolio von hämato-onkologischen Malignomen, darunter Myelome und Lymphome, entwickelt.

2021 erteilte die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) Eckert & Ziegler grünes Licht für den direkten Sprung in eine klinische Prüfung der Phase III für PENTIXAFOR und ermöglichte dem Unternehmen damit, eine Reihe zeitraubender Evaluierungsschritte einzusparen. Seit Ende Dezember ist das Phase III-Studiendesign in Amsterdam zur Prüfung eingereicht. Die EMA hat den Start der Begutachtung, der für den 7. März 2022 geplant war, jedoch vor kurzem um zwei Monate verschieben müssen, weil eine “außergewöhnlich hohe Nummer an Anträgen” auf einen durch Corona dezimierten Pool von Gutachtern traf und ihre Bearbeitungskapazitäten nicht ausreichen. Die klinische Prüfung der Phase III soll etwa 5 Monate nach Beginn der Begutachtung starten und etwa 500 Patienten in einer PAN-Krebsstudie mit europäischer Beteiligung einschließen.

Die CASTUS-Studie wird von ZonMW, der nationalen niederländischen Organisation für Gesundheitsforschung und Innovation im Gesundheitswesen unterstützt.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den führenden Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet weltweit an seinen Standorten Dienstleistungen und Produkte im Bereich der Radiopharmazie an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.
 

Quelle: Pressemeldung Eckert & Ziegler
Eckert & Ziegler: Radboud University Medical Center in den Niederlanden behandelt ersten Patienten mit PENTIXAFOR

forschen / 06.04.2022
Ranghohe Nacktmulle sind widerstandsfähiger

Begegnungen im Tunnel sind Statuswettbewerbe: Das ranghöhere Tier bewegt sich über das ihm unterlegene hinweg. Foto: Colin Lewin
Begegnungen im Tunnel sind Statuswettbewerbe: Das ranghöhere Tier bewegt sich über das ihm unterlegene hinweg. Foto: Colin Lewin

Nacktmulle sind immer wieder für eine Überraschung gut. Die MDC-Arbeitsgruppe von Gary Lewin hat jetzt herausgefunden, dass Tiere mit einem höheren Rang den sozial schwächeren wahrscheinlich auch in immunologischer Hinsicht überlegen sind. Seine Ergebnisse beschreibt das Team in „Open Biology“.

Sie sehen nicht nur ungewöhnlich aus, sie haben auch einen ungewöhnlichen Lebensstil: Ihr gesamtes Leben verbringen Nacktmulle unter der Erde. Sie kennen kaum Schmerz, erkranken nur äußerst selten an Krebs und werden für Nagetiere extrem alt; bis zu 37 Jahre. All das macht die nackten Tunnelbewohner zu besonders interessanten Tieren für die Wissenschaft.

Seit beinahe 20 Jahren erforscht Professor Gary Lewin am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) diese außergewöhnlichen Tiere. „Die Nacktmulle leben in straff organisierten Kolonien. Jedes Tier kennt seinen Rang und die damit verbundenen Aufgaben“, sagt Lewin. Gerade ist seiner Arbeitsgruppe „Molekulare Biologie der sensomotorischen Wahrnehmung“ gemeinsam mit Wissenschaftler*innen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), der Freien Universität Berlin und der Universität von Pretoria eine neue Entdeckung gelungen: Im Fachjournal „Open Biology“ schreiben die Forscher*innen, dass Nacktmulle mit höherem sozialen Rang eine größere Milz haben. Das Organ spielt eine wichtige Rolle im Immunsystem: Es ist an der Bildung, Reifung und Speicherung von Immunzellen beteiligt. „Das könnte bedeuten, dass ranghöhere Tiere eine bessere körpereigene Abwehr haben als Tiere, die unter ihnen stehen“, sagt Erstautorin Dr. Valérie Bégay aus Lewins Team.

Vergrößerte Milz ohne jegliche Krankheitszeichen

Weil die schrumpligen Würstchen auf vier Beinen so besonders sind, untersucht Dr. Valérie Bégay jeden einzelnen Nacktmull, der in einem Versuch zum Einsatz kommt. Dabei fiel ihr auf, dass bei einigen Tieren die Milz größer ist als bei anderen. Das machte sie stutzig. „Wir dachten zunächst, dass die Tiere mit der größeren Milz krank sind“, erzählt die Forscherin. Denn wenn der Körper gegen eine Entzündung oder Krankheit kämpft, vergrößert sich das Organ, weil dort viele Immunzellen gebildet und gespeichert werden. „Doch wir konnten nichts finden: weder Entzündungsmarker im Blut noch andere Hinweise auf eine Erkrankung. Hinter der vergrößerten Milz musste etwas anderes stecken.“

Dass die Größe der Milz vom Status des Tieres abhängt, fand Valérie Bégay mit Unterstützung von Dr. Alison Barker heraus. Die Wissenschaftlerin, die zuletzt die Dialekte der Mulle erforscht hat, kennt sich mit Experimenten für die Verhaltensforschung bestens aus. Um ihre Rangordnung zu bestimmen, lässt man zwei Nacktmulle in einer Röhre aufeinander zu laufen. „Das Tier mit dem höheren Rang wird dabei immer über das rangniedrigere Tier hinwegsteigen“, sagt Alison Barker, „es behält sozusagen die Oberhand.“

Ranghöhere Tiere kommen besser mit Krankheiten zurecht

So erkannten die Forscher*innen, dass es die höhergestellten Tiere sind, deren Milz vergrößert ist. Dann untersuchte Valérie Bégay die Organe auch auf molekularer Ebene. Mittels RNA-Sequenzierung und der Analyse von Gewebeproben klassifizierte sie die verschiedenen Immunzellen in der Milz. Dabei zeigte sich, dass in den vergrößerten Organen die Zahl der Makrophagen erhöht ist. Makrophagen sind so etwas wie die Abwehrsoldaten des Körpers. Sie beseitigen Krankheitserreger, indem sie sie umschließen und verdauen. Deshalb werden sie auch Fresszellen genannt. „Die vergrößerte Milz könnte die ranghöheren Tiere also in die Lage versetzen, Infektionen besser zu bekämpfen und mit Entzündungen oder Verletzungen leichter fertig zu werden“, erklärt Valérie Bégay.

Das stärkere Immunsystem bei höherstehenden Tieren ist kein Alleinstellungsmerkmal der Nacktmulle. Auch bei Makaken sind die Ranghöheren besser gegen Krankheiten gefeit. Allerdings ist bei den Affen nicht die Milz vergrößert, sondern das Immunsystem anders organisiert. „Dass es solche großen Unterschiede bei der Größe der Milz geben kann, ohne dass eine Krankheit vorliegt, hat uns wirklich überrascht“, sagt Gary Lewin. „Der Rang eines Nacktmulls hängt davon ab, wie er sich in der Gruppe verhält. Die Größe der Milz hängt wiederum mit dem Rang zusammen. Das würde letztlich bedeuten, dass das Verhalten direkt die physischen Eigenschaften des Immunsystems beeinflusst. Oder umgekehrt.“

Die Königin kennt keine Menopause

Die Forscher*innen vermuten außerdem, dass die Milz auch die Langlebigkeit der Tiere beeinflusst. Erfolgreiche Nacktmulle, also diejenigen, die sich am besten gegen die anderen durchsetzen, leben länger. Die Königin stirbt in der Regel nicht an ihrem Alter, sondern fällt meist einem Mord zum Opfer – nämlich dann, wenn ein anderes Weibchen männliche Anhänger um sich schart und die alte Königin aus dem Weg räumen lässt. „Bis zu ihrem letzten Tag ist die Königin fruchtbar“, sagt Gary Lewin. „Sie kennt keine Menopause – als würde ihr Organismus nicht altern.“ Das deutet zumindest darauf hin, dass ein starkes Immunsystem den Alterungsprozess verlangsamt. Für gewöhnlich bringen Säugetiere nicht bis an ihr Lebensende Nachkommen hervor, auf die fruchtbare folgt eine reproduktionsfreie Phase.

Den Wissenschaftler*innen stellen sich nun weitere Fragen. Etwa: Was ist zuerst da – die größere Milz oder der höhere Rang? Das ist bislang nicht geklärt. Klar ist nur, dass Nacktmulle nicht in ihren sozialen Status hineingeboren werden, sondern sich hocharbeiten. Ihre Triebfeder könnte das Verlangen nach Sex sein: Nur die Ranghöchsten – die Königin und zwei bis drei Paschas – dürfen sich vermehren. „Es könnte sich um einen Selektionsmechanismus handeln“, überlegt Gary Lewin. „Indem sich nur die Erfolgreichsten paaren, ist gewährleistet, dass die Tiere mit dem stärksten Immunsystem ihre Gene weitergeben.“

Auch für die Krebsforschung erhofft sich Gary Lewin neue Einblicke. Nacktmulle verfügen offenbar über ein sehr effizientes Krebsabwehrsystem. Ob die Milz daran beteiligt ist, müssen weitere Zellanalysen erst zeigen. „Da sind wir noch ganz am Anfang“, betont der MDC-Wissenschaftler.

Weitere Informationen

Literatur

Valérie Bégay et al (2022): „Immune competence and spleen size scale with colony status in the naked mole-rat“, in: Open Biology, DOI: https://doi.org/10.1098/rsob.210292

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

Quelle: Pressemitteilung auf der Webseite des MDC:
Ranghohe Nacktmulle sind widerstandsfähiger

heilen / 05.04.2022
Sarkomzentrum am Helios Klinikum Berlin-Buch ist Teil des EURACAN Netzwerkes

Priv.-Doz. Dr. med. Per-Ulf Tunn (li) und Priv.-Doz. Dr. med. Peter Reichardt freuen sich sehr über die erfolgreiche Bewerbung bei EURACAN. (Archivfoto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Priv.-Doz. Dr. med. Per-Ulf Tunn (li) und Priv.-Doz. Dr. med. Peter Reichardt freuen sich sehr über die erfolgreiche Bewerbung bei EURACAN. (Archivfoto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

EU-weiter Zusammenschluss von Expertenzentren

Seit dem 17. März ist es offiziell: Das Sarkomzentrum am Helios Klinikum Berlin-Buch ist jetzt Teil des Europaweiten Netzwerkes für seltene Tumoren bei Erwachsenen (European Reference Network EURACAN). Damit ist das Bucher Klinikum nach einem zweijährigen Bewerbungs- und Auswahlprozess die einzige Helios Klinik, die im EURACAN Netzwerk vertreten ist. Ziel dieses Netzwerkes ist die Verbesserung der Versorgungsqualität für alle europäischen Bürgerinnen und Bürger, die von seltenen Krebserkrankungen betroffen sind, sowie die Gewährleistung des Zugangs zu Innovationen in allen Mitgliedstaaten der EU.

Sarkome sind eine der komplexesten Krebsdiagnosen. Die Zahl der Sarkom-Neuerkrankungen in Deutschland wird auf ungefähr 5.000 pro Jahr geschätzt. Die Tumoren sind selten, oft aggressiv und schwer zu behandeln. Gerade deswegen sollten Betroffene die Sarkomtherapie in ausgewiesenen Spezial- bzw. Referenzzentren durchführen lassen. Das Sarkomzentrum am Helios Klinikum Berlin-Buch wurde nun offiziell als EURACAN Expert Center im europäischen Referenznetzwerk (ERN) aufgenommen und ist somit eines von vier wichtigen Onkologischen Zentren in Deutschland, die sich auf die Sarkombehandlung spezialisiert haben und im EURACAN Referenznetzwerk vertreten sind. Hier werden Betroffene von ausgewiesenen Expertinnen und Experten behandelt.

Priv.-Doz. Dr. med. Peter Reichardt, Chefarzt der Klinik für Onkologie und Palliativmedizin und Leiter des Sarkomzentrums, erklärt: „Von der herausfordernden Diagnostik, über die verschiedenen Möglichkeiten in der chirurgischen Therapie und der Strahlentherapie, bis hin zu innovativen Ansätzen in der medikamentösen Therapie von Sarkomen: Das Sarkomzentrum am Helios Klinikum Berlin-Buch verfügt über eine außergewöhnliche Expertise in der Behandlung und Erforschung dieser Krebsart, die wir fachübergreifend zum Wohle der Patientinnen und Patienten bündeln.“

Priv.-Doz. Dr. med. Per-Ulf Tunn, Chefarzt der Klinik für Tumororthopädie und ebenfalls Leiter des Sarkomzentrums im Helios Klinikum Berlin-Buch, ergänzt: „Wir freuen uns sehr über die erfolgreiche Bewerbung und auf den Austausch sowie die Zusammenarbeit in diesem internationalen Team. Wir hoffen mit unserer Fachexpertise die Versorgung von Betroffenen mit seltenen Tumorerkrankungen nachhaltig verbessern zu können.“

European Reference Network (ERN)

Bei den sogenannten ERNs handelt es sich um 24 europäische Referenznetzwerke, in denen mehr als 900 Einheiten aus 300 Krankenhäusern in Europa zusammenarbeiten. Diese patientenzentrierten virtuellen Netzwerke, an denen Gesundheitsdienstleister und Patientenvertreter aus ganz Europa beteiligt sind, zielen darauf ab, komplexe oder seltene Krankheiten und Leiden zu bekämpfen, die eine hochspezialisierte Behandlung sowie konzentriertes Wissen und Ressourcen erfordern. Als Teil der European Reference Networks befasst sich EURACAN speziell mit der Optimierung der Behandlung von erwachsenen Patientinnen und Patienten mit seltenen soliden Tumoren (RAre CANcers). EURACAN deckt insgesamt zehn Krankheitsdomänen ab. Eine Domäne davon ist der Bereich „Sarkome“.

Im Rahmen der Bewerbung für eine Domäne des Europäischen Referenznetzwerkes wird die Qualifikation eines Zentrums individuell geprüft. Das Sarkomzentrum am Helios Klinikum Berlin-Buch wurde durch die internationalen Gutachterinnen und Gutachter für die Sarkome positiv bewertet. Durch die Mitarbeit im ERN unterstützt das Bucher Sarkomzentrum das EURACAN Netzwerk in der Umsetzung seiner Ziele. Diese umfassen zum Beispiel den verbesserten Zugang zu molekularer Diagnostik oder zu modernen Therapieverfahren in ganz Europa. Verwirklicht wird dies durch die Entwicklung von klinischen Leitlinien und durch die Ausarbeitung gemeinsamer Fort- und Weiterbildungskonzepte. Des Weiteren dient das Netzwerk als Plattform für den Austausch mit Patientinnen und Patienten und erleichtert die internationale Vernetzung und Zusammenarbeit.

Einen Überblick zum Referenznetzwerk EURACAN gibt es unter: euracan.ern-net.eu

Über das Sarkomzentrum am Helios Klinikum Berlin-Buch

Das Sarkomzentrum am Helios Klinikum Berlin-Buch ist national und international eines der größten Zentren mit umfassender Expertise und jahrzehntelanger Erfahrung bei der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Knochen- und Weichgewebssarkomen. Wenige spezialisierte Zentren haben die nötige Erfahrung mit den seltenen Tumoren. Unser Sarkomzentrum ist seit Oktober 2008 von der Arbeitsgemeinschaft Knochentumoren e.V. als erstes „Interdisziplinäres Zentrum für Knochentumoren“ in Deutschland anerkannt. Im Sarkomzentrum wird die enge fachübergreifende Zusammenarbeit besonders spezialisierter Ärztinnen und Ärzte aus den Fachgebieten Medizinische Onkologie, Tumororthopädie, Chirurgische Onkologie, Thoraxchirurgie, Strahlentherapie, Kinderonkologie, Radiologie und Gewebediagnostik unter Einbeziehung der Psychoonkologie, des psychosozialen Dienstes und der Physiotherapie sichergestellt.

Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 1.000 Betten in mehr als 60 Kliniken, Instituten und spezialisierten Zentren sowie einem Notfallzentrum mit Hubschrauberlandeplatz. Jährlich werden hier mehr als 55.000 stationäre und über 144.000 ambulante Patienten mit hohem medizinischem und pflegerischem Standard in Diagnostik und Therapie fachübergreifend behandelt, insbesondere in interdisziplinären Zentren wie z.B. im Brustzentrum, Darmzentrum, Hauttumorzentrum, Perinatalzentrum, der Stroke Unit und in der Chest Pain Unit. Die Klinik ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als Onkologisches Zentrum und von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetiker geeignet DDG“ zertifiziert.

Gelegen mitten in Berlin-Brandenburg, im grünen Nordosten Berlins in Pankow und in unmittelbarer Nähe zum Barnim, ist das Klinikum mit der S-Bahn (S 2) und Buslinie 893 oder per Auto (ca. 20 km vom Brandenburger Tor entfernt) direkt zu erreichen.
Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 125.000 Mitarbeitenden. Zum Unternehmen gehören unter dem Dach der Holding Helios Health die Helios Kliniken in Deutschland sowie Quirónsalud in Spanien und Lateinamerika und die Eugin-Gruppe mit einem globalen Netzwerk von Reproduktionskliniken. Mehr als 22 Millionen Patient:innen entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios. 2021 erzielte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von rund 10,9 Milliarden Euro.

In Deutschland verfügt Helios über 89 Kliniken, rund 130 Medizinische Versorgungszentren (MVZ), sechs Präventionszentren und 17 arbeitsmedizinische Zentren. Jährlich werden in Deutschland rund 5,4 Millionen Patient:innen behandelt, davon 4,4 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland mehr als 75.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 6,7 Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.

Quirónsalud betreibt 56 Kliniken, davon sieben in Lateinamerika, 88 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 17 Millionen Patient:innen behandelt, davon 16,1 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt mehr als 46.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 4 Milliarden Euro.

Das Netzwerk der Eugin-Gruppe umfasst 33 Kliniken und 39 weitere Standorte in zehn Ländern auf drei Kontinenten. Mit rund 1.600 Beschäftigten bietet das Unternehmen ein breites Spektrum modernster Dienstleistungen auf dem Gebiet der Reproduktionsmedizin an und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 133 Millionen Euro.

Helios gehört zum Gesundheitskonzern Fresenius.

forschen, bilden / 05.04.2022
Forschung zum Anfassen

Claudia Jacob (Foto: Peter Himsel)
Claudia Jacob (Foto: Peter Himsel)

Erklären ist ihre Leidenschaft: Diplom-Biologin Claudia Jacob leitet das Gläserne Labor auf dem Campus Berlin-Buch. Dort bietet sie Schüler*innen die Möglichkeit, die Naturwissenschaften zu erkunden, zu experimentieren und sich mit Wissenschaftler*innen auszutauschen – vielleicht auch, um selbst mal eine*r zu werden.

Wenn sie die Kinder und Jugendlichen zu einem Neurobiologie-Kurs begrüßt, stattet Claudia Jacob die Schüler*innen erst einmal mit besonderen Brillen aus und lässt sie dann im Foyer des Max Delbrück Communications Center Ball spielen. Schnell breitet sich Gelächter über die plötzliche eigene Unbeholfenheit aus. Die Brillen ändern den Sehwinkel, das Werfen und Fangen funktioniert überhaupt nicht – so fühlt es sich an, wenn unser Gehirn und das Nervensystem nicht richtig arbeiten. „Dieser Beginn schürt die Neugier auf das Thema”, sagt Claudia Jacob. Sie leitet das Gläserne Labor, eine Bildungseinrichtung im Wissenschafts- und Biotechnologiepark Campus Berlin-Buch. Das Schülerlabor wird gemeinsam vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), dem Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und der Campus Berlin-Buch GmbH betrieben. Zahlreiche Förder-Institutionen und Sponsor*innen unterstützen es, darunter auch die auf dem Campus ansässige Eckert & Ziegler AG.

Claudia Jacob leitet das Gläserne Labor seit 2015. Nach einer Ausbildung zur chemisch-biologischen Assistentin hat sie Biologie und Umweltmanagement studiert. Ihr Studium finanzierte sie mit einer Halbtagsstelle an der Freien Universität Berlin. Bei der Arbeit mit jüngeren Studentinnen und Studenten merkte Claudia Jakob, dass sie gern erklärt. Also wurde sie Dozentin – und bewarb sich schließlich beim Gläsernen Labor, wo sie 2004 die Leitung des MDC-Schülerlabors übernahm. „Das Labor ist eine echte Perle”, sagt sie. Im Interview erklärt sie, warum.

Hier können Schüler*innen CRISPRn

Seit wann gibt es das Gläserne Labor?

Claudia Jacob: Das Gläserne Labor öffnete seine Labortür im Jahr 1999. Die Idee dazu hatte MDC-Gründungsdirektor Prof. Detlev Ganten: Es war zunächst als Informationszentrum zum Thema Gen- und Biotechnologie für eine allgemeine Öffentlichkeit gedacht. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern experimentieren, den Besucher*innen erklären, was auf dem Campus Berlin-Buch passiert, was Grundlagenforschung ist, wie Wissenschaft funktioniert. Es haben dann aber recht schnell Lehrkräfte ihren Bedarf an außerschulischen Experimentiermöglichkeiten angemeldet. Und so ist das Gläserne Labor schon bald zu einem der größten Schülerlabore Deutschlands geworden. Jährlich besuchen uns etwa 14.000 Schüler*innen und Lehrer*innen vor allem aus Berlin und Brandenburg.

Was bietet das Gläserne Labor an?

Claudia Jacob: Wir haben insgesamt sechs Labore, in denen wir für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe über 20 Experimentierkurse anbieten. Zu den Themen der Kurse gehören Molekularbiologie, Zellbiologie, Neurobiologie, Chemie, Radioaktivität sowie Ökologie. Wir gehören zu den wenigen Schülerlaboren in Deutschland, in denen Jugendliche Experimente mit CRISPR-Cas9 durchführen können. Daneben bieten wir aber auch Experimentierangebote für Grundschüler*innen oder in unserem Forschergarten sogar für die Kleinsten im Kindergartenalter. Zusätzlich haben wir Arbeitsgemeinschaften, in denen Schüler*innen naturwissenschaftliche Ausbildungsberufe kennenlernen und zu Themen wie Artenvielfalt, 3D-Druck oder naturwissenschaftlichen Phänomenen experimentieren können. Es gibt auch Ferienkurse, in denen Jugendliche herausfinden können, wie Laborarbeit aussieht, inklusive Besuch in einem Forschungslabor und dem Austausch mit Wissenschaftler*innen.

Verständnis schaffen, Begeisterung wecken

Sie machen also sozusagen Nachwuchswerbung für die Naturwissenschaften?

Claudia Jacob: Wir wollen mit unseren Angeboten erreichen, dass sich die Kinder und Jugendlichen für die Naturwissenschaften interessieren - und im besten Fall begeistern. Und ja: Die Ausbildungs- und Studienberatung machen wir gleich mit. Es müssen nicht alle studieren. Es gibt viele Ausbildungsberufe hier auf dem Campus. Neben Biologie- und Chemielaborant*in kann man hier zum Beispiel auch Tierpfleger*in, Fachinformatiker*in für Systemintegration, Medizinisch-technische*r Laboratoriumsassistent*in oder Kauffrau*mann für Büromanagement werden. Wir haben für ein Projekt eine Tierpflegerin porträtiert, die begeistert erklärt, wie wichtig ihr Beruf für die Forschung ist und welchen Stellenwert das Tierwohl hat. Im Gläsernen Labor können Jugendliche auch ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolvieren, in dem sie erst einmal ausprobieren können, ob ein naturwissenschaftlicher Beruf das Richtige für sie ist. Aber unsere Nachwuchsarbeit geht noch darüber hinaus.

Inwiefern?

Claudia Jacob: Im Rahmen des Sonderforschungsbereiches „Einrüstung von Membranen: Molekulare Mechanismen und zelluläre Funktionen“ (SFB 958) – Sprecher ist Professor Stephan Sigrist von der Freien Universität Berlin – gibt es ein Teilprojekt zur Öffentlichkeitsarbeit unter der Leitung von Professorin Petra Skiebe-Corrette und Professor Dirk Krüger, ebenfalls FU. Das Gläserne Labor und das NatLab der FU sind involviert. Doktorand*innen im SFB 958, Lehramtsstudierende der FU Berlin , Schüler*innen, Lehrkräfte und die interessierte Öffentlichkeit können hier lernen, wie Wissenschaftskommunikation funktioniert. Die Doktorand*innen erstellen dafür kurze Videos. In einem anderen Teilprojekt des SFB entwickelt die Arbeitsgruppe von Professor Oliver Daumke vom MDC einen Versuch zur Kristallisation und Röntgenstrukturanalyse von Membranproteinen. Dieses Experiment wird in unsere bestehenden Neurobiologiekurse für Schüler*innen sowie in die des NatLab der Universität integriert werden. Gleichzeitig erhalten die Schüler*innen mit Hilfe der Videos ein Einblick in die Membranforschung.

Fortbildung – auch fürs Fernsehen

Die Angebote des Gläsernen Labors beschränken sich nicht auf Schüler*innen?

Claudia Jacob: Nein. Wir bieten Fortbildungen für Biologie- und Chemielehrkräfte oder auch Vorlesungen an. Gerade jetzt, in Zeiten des Lehrer*innenmangels, erfahren wir einen sehr großen Zulauf. Daneben gibt es in unserer Akademie des Gläsernen Labors Weiterbildungen für Fachkräfte in den Life Sciences. Das Themenspektrum reicht von der PCR über die gute klinische Praxis bis hin zur Aktualisierung für Projektleitung und Beauftragte für Biologische Sicherheit und Patentrecht. Ein Thema ist auch, welche Karrierewege in der Wissenschaft möglich sind. Die Dozentinnen und Dozenten kommen aus dem MDC, dem FMP oder auch aus der Industrie und Wirtschaft.

Das ist eine ganze Menge.

Claudia Jacob: Und noch längst nicht alles. Auch Film und Fernsehen haben uns als Experten entdeckt. Kürzlich hatten wir eine Anfrage vom ZDF, es ging um die Produktion von Impfstoffen. Die Redaktion wollte wissen, ob sie die Laborsituation korrekt dargestellt hatte. Ich war sehr froh über diese Anfrage! Ich ärgere mich immer, wenn ich im Fernsehen Labore sehe, in denen es in Glaskolben blubbert, zischt und dampft, was mit der Realität nicht so viel zu tun hat.

Arbeiten Sie regelmäßig mit Wissenschaftler*innen des MDC zusammen?

Claudia Jacob: Selbstverständlich! Wir wollen das noch vertiefen. Die Ideen und Impulse aus den Arbeitsgruppen sind uns sehr wichtig. Wenn wir beispielsweise im Neurobiologiekurs das Thema Alzheimer behandeln, ist es zum Beispiel toll, dass mir Professor Thomas Willnow ein Präparat von einem Gehirnschnitt gibt. Manchmal reicht uns auch einfach eine schöne Geschichte.

Persönliche Geschichten erleichtern den Zugang

Können Sie ein Beispiel nennen?

Claudia Jacob: Geschichten, die uns helfen, die Forschung interessant zu erzählen. Von Herrn Willnow wissen wir zum Beispiel, dass er ursprünglich aus der Herz-Kreislaufforschung kommt und eher durch Zufall auf das Thema Alzheimer gestoßen ist. Heute ist er darin Experte. Wenn ich solche persönlichen Geschichten erzählen kann, finden das die Schüler*innen meistens sehr spannend.

Hat sich die Arbeit im Gläsernen Labor durch Corona verändert?

Claudia Jacob: Durch den Lockdown haben wir es jetzt oft mit jungen Menschen zu tun, die noch nie ein Labor von innen gesehen und eine Pipette in der Hand gehalten haben. Außerdem haben wir während dieser Phase erstmals Video-Experimentierkurse angeboten. Das war auch für uns ein großes Experiment! Wir mussten das ganze Labor umbauen, es war gar nicht so einfach, die Beleuchtung und die Kamerafrau da unterzubringen. Ein Kollege hat die Versuche bei sich zu Hause gemacht, er wurde dann dazu geschaltet. Das war schon eine spannende Erfahrung. Aber ich bin sehr froh, dass unsere Kurse wieder auf dem Campus in unseren Laboren stattfinden. Persönliche Begegnungen sind einfach besser.

Wissen über Wissenschaft vermitteln – wichtiger denn je

Erhalten Sie Feedback auf die Kurse?

Claudia Jacob: Viele Studierende sagen uns, dass wir besser ausgerüstet sind als die Unis. Darauf sind wir ein bisschen stolz. Als ich beim Gläsernen Labor angefangen haben, war das noch nicht so. Wir haben sehr viele Förderanträge geschrieben und auf diese Weise eine bessere Ausstattung finanziert. Von den Eltern hören wir oft, dass die Forscherferien, die wir übrigens auch für die Kinder von Campus-Mitarbeiter*innen anbieten, für ihre Jungen und Mädchen ganz toll waren – das freut uns natürlich sehr! Dann gibt es viele Lehrer*innen, die schon seit Jahren mit ihren Schüler*innen zu uns kommen. Aber auch junge Leute besuchen uns oft mehr als einmal. Nach einem Kurs fragen Schüler*innen, ob sie ein Praktikum bei uns machen können, um sich auf die Präsentationsprüfung in der zehnten Klasse vorzubereiten. Das ermöglichen wir ihnen gern. Zum Beispiel hatten wir einmal eine Schülerin, die mikroskopisch untersuchen wollte, welche Stärke sich besonders gut für ökologische Windeln eignet – Mais-, Kartoffel- oder Reisstärke? Die Reisstärke war’s. Von den Mitarbeiterinnen in unserer Ausbildungszentrale höre ich außerdem immer wieder, dass die meisten Bewerber*innen bereits als Schüler*in im Gläsernen Labor waren. Ich nehme an, dann hat es ihnen bei uns gefallen.

Was schätzen Sie an Ihrer Arbeit besonders?

Claudia Jacob: Es ist mir ein Anliegen, den jungen Menschen Wissenschaftsmündigkeit zu vermitteln – gerade heute, da so viele Wissenschaftsskeptiker auf den Plan treten und ihre selbsterfundenen Wahrheiten im Internet verbreiten. Für viele Menschen ist es sehr schwer, zwischen echten und den sogenannten “alternativen Fakten” zu unterscheiden. Ich hoffe, dass ich dabei helfen kann.

Das Interview führte Jana Ehrhardt-Joswig.

Zuerst erschienen auf https://www.mdc-berlin.de/de/news/news/forschung-zum-anfassen

Quelle: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
Forschung zum Anfassen

bilden / 05.04.2022
#EUwomen: Ausstellung zur Gleichberechtigung und Rolle der Frauen in der EU noch bis 4. Mai 2022 im Rathaus Pankow

Blick in die Ausstellung #EUwomen im Rathaus Pankow, Foto: Bezirksamt Pankow
Blick in die Ausstellung #EUwomen im Rathaus Pankow, Foto: Bezirksamt Pankow

Besucher:innen können Ideen zur Zukunft Europas einreichen

Wenn es um die Geschichte der Europäischen Union geht, dann ist oft von Vordenkern und Gründervätern die Rede. Dass auch Frauen aktiv und wegweisend an der Entwicklung und Umsetzung der europäischen Idee mitgewirkt haben, ist dagegen wenig bekannt. Die Wanderausstellung „#EUwomen. Frauen in der europäischen Politik. Erfolge, Chancen und Hürden“ beschäftigt sich mit Frauen, die die europäische Integration mitgestaltet haben oder noch heute mitgestalten. Im Vorfeld der diesjährigen Europa-Woche wird sie noch bis zum 4. Mai 2022 im Rathaus Pankow gezeigt. Die Ausstellung präsentiert Pionierinnen der europäischen Politik und greift darüber hinaus weitere Aspekte zur Chancengleichheit in EU-Institutionen und ihren Mitgliedstaaten auf.

Wer die Ausstellung im Rathaus Pankow besucht, kann in eigene Meinungen und Vorschläge zu wichtigen Zukunftsthemen der europäischen Politik aufschreiben und in eine aufgestellte Box einwerfen. Diese „Boxen-Aktion“ findet im Rahmen der Konferenz zur Zukunft Europas statt. Die Zukunfts-Konferenz bietet bei vielfältigen Veranstaltungen und Foren interessierten Bürger:innen die Möglichkeit, sich über die künftige Entwicklung in Europa austauschen. Die im Rathaus Pankow eingereichten Hinweise werden von der EU-Beauftragten des Bezirks Pankow, Dr. Ute Waschkowitz nach dem Ende der Ausstellung gesichtet und an die Plattform der Konferenz zur Zukunft Europas weitergeleitet. Das Europäische Parlament, der Rat und die Europäische Kommission haben sich verpflichtet, die Empfehlungen aus allen EU-Ländern in ihrem weiteren Handeln aufzugreifen. 

Die Wanderausstellung #EUwomen ist ein Projekt der Europaabteilung der Freien Hansestadt Bremen, gefördert durch die Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland. Im Anschluss wird sie im Mai im Fontanehaus in Reinickendorf und im Juni im Rathaus Spandau gezeigt.

Noch bis zum 4. Mai 2022 ist #EUwomen von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr in der 2. Etage des Rathauses Pankow (Breite Straße 24a-26, 13187 Berlin) kostenfrei zugänglich. Das Rathaus bleibt an Feiertagen geschlossen.

Weitere Informationen zur Konferenz zur Zukunft Europas: https://futureu.europa.eu

forschen / 01.04.2022
Ausgezeichnete Wissenschaftskommunikation

V.l.n.r.: Stephanie Sturm, Jana Schlütter, Jutta Kramm, Karoline Knop, Felix Petermann; von oben nach unten: Anke Brodmerkel, freelance writer and author of the text, Christina Anders, Silvio Schwartz, © Felix Petermann, MDC
V.l.n.r.: Stephanie Sturm, Jana Schlütter, Jutta Kramm, Karoline Knop, Felix Petermann; von oben nach unten: Anke Brodmerkel, freelance writer and author of the text, Christina Anders, Silvio Schwartz, © Felix Petermann, MDC

Nacktmulle sprechen Dialekt – das war eine der meistzitierten Pressemitteilungen des MDC im vergangenen Jahr. Nun beschert der Text dem Kommunikationsteam eine weitere Freude: den  ersten Platz beim diesjährigen Preis für Wissenschaftskommunikation des Informationsdienstes Wissenschaft.

Die Abteilung Kommunikation des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) wird für ihre Medienarbeit im Jahr 2021 ausgezeichnet und erhält den ersten Preis des Informationsdienstes Wissenschaft (idw). Mit dem Preis für Wissenschaftskommunikation würdigt der idw Pressemitteilungen von hoher handwerklicher Professionalität, überragendem Nachrichtenwert und wissenschaftlicher Bedeutung. Die Nachricht, dass Nacktmullkolonien ihre eigenen Mundarten entwickeln – so wie Menschen beispielsweise Bayrisch oder Sächsisch reden –, hat im vergangenen Jahr internationales Medienecho ausgelöst: „Die Zeit“ und „GEO“ berichteten darüber ebenso wie der „New Scientist“, der niederländische „De Standaard“, der Deutschlandfunk, die BBC oder ARTE. Das Kommunikationsteam des MDC hatte mit seiner prämierten Pressemitteilung auch umfangreiches Film- und Fotomaterial sowie Audiobeispiele für die Medien angeboten. „Das Interesse an dem Thema ist nach wie vor groß“, sagt Jana Schlütter, die stellvertretende Kommunikationsleiterin, „bis heute bekommen wir Anfragen zu dem Thema.“ Insgesamt hatten sich 84 Pressestellen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien um den idw-Preis beworben.

Die Jury begründet ihre Entscheidung damit, dass auf einen „lebendigen und neugierig machenden Einstieg ein klar gegliederter Fließtext folgt mit einer verständlichen, kurzweiligen und zugleich umfassenden Darstellung der erbrachten interdisziplinären Forschungsleistungen. Wir erfahren nicht nur viel über die Kommunikation der Nacktmulle, der Text bringt sie uns auch als soziale Wesen näher. Die Geschichte brachte den Nacktmull aufs Titelbild von ,Science‘. Zum großen internationalen Medienecho hat sicher auch das multimediale Paket aus Text, Bild und – bei diesem Thema natürlich besonders wichtig – Ton beigetragen.“

„Ein Ansporn für unsere Arbeit“

Jutta Kramm, Leiterin der MDC-Kommunikation, sagt zur Preisverleihung: „Wir freuen uns außerordentlich und bedanken uns für diese Auszeichnung. Sie ist für uns ein Ansporn. Wir wollen die biomedizinische Grundlagenforschung am MDC für alle Interessierten zugänglich, verständlich und erlebbar machen und die Prozesse des wissenschaftlichen Arbeitens erläutern. Dabei übertreiben wir nicht und versprechen nicht zu viel. Wie wichtig dies ist, zeigt sich gerade jetzt, wo Wissenschaftskeptiker*innen immer lauter werden.“

Insgesamt 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind am MDC damit befasst, der Öffentlichkeit die Forschungsinhalte des MDC zu vermitteln: in Form von Pressemitteilungen, Fotos und Videos, Ausstellungen und Social-Media-Aktivitäten, im Newsletter und auf der MDC-Webseite. Außerdem richten sie wissenschaftliche Konferenzen aus und organisieren Veranstaltungen für ein breites Laienpublikum, etwa zur Langen Nacht der Wissenschaft oder der Berlin Science Week, und für Schulen. Die Abteilung arbeitet dafür Hand in Hand mit den Wissenschaftler*innen des MDC sowie mit zahlreichen Kommunikationsteams von Partnerinstitutionen im In- und Ausland.

Die Nacktmulle sind besondere Versuchstiere am MDC: Sie kennen keinen Schmerz und keinen Krebs, sie werden sehr alt. Sie bilden Staaten und leben in freier Wildbahn unter extremen Bedingungen. „Das macht sie für die Wissenschaft – und für die Öffentlichkeit – interessant“, sagt Jana Schlütter. „In unserer Verantwortung liegt es, auch die damit verbundenen Tierversuche einzuordnen und zu zeigen, wozu sie gut sind.“

Pressemitteilung mit Wow-Effekt

Die ausgezeichnete Pressemitteilung stellt eine Science-Studie aus der Arbeitsgruppe „Molekulare Physiologie der somatosensorischen Wahrnehmung“ von Professor Gary Lewin vor. Gemeinsam mit Dr. Alison Barker aus seinem Team und mit Forscher*innen der südafrikanischen Universität Pretoria hat Lewin das leise Zwitschern von 166 Nacktmullen mithilfe von Algorithmen analysiert. Dabei haben die Wissenschaftler*innen festgestellt, dass jeder Nacktmull eine unverwechselbare Stimme und jede Kolonie ihren eigenen Dialekt hat. Das stärkt den Zusammenhalt im Nacktmullstaat – und hilft bei der Abgrenzung. „Menschen und Nacktmulle scheinen sich viel ähnlicher zu sein, als irgendjemand hätte ahnen können“, lautet das Fazit von Lewin. „Nacktmulle verfügen über eine Sprachkultur, die sich entwickelt hat, lange bevor es den Menschen überhaupt gab.“

Die zweitplatzierte Pressemitteilung kam vom Institut für Weltwirtschaft, Platz 3 belegte die Pressestelle der Philipps Universität Marburg. Der erste Platz ist mit 2.000 Euro dotiert, für den zweiten Platz gibt es 1.000 Euro, für den dritten Platz 500 Euro.

Weitere Informationen

Kontakt

Jutta Kramm

Leiterin Abteilung Kommunikation
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
+49-30-9406-2140
jutta.kramm@mdc-berlin.de oder presse@mdc-berlin.de

 

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

forschen / 31.03.2022
Methode der Hyper-CEST NMR erklärt den Aufbau eines neuartigen Container-Moleküls

Hyper-CEST als ultra-sensitive Methode der NMR-Spektroskopie weist zwei bislang "versteckte" Strukturen Metall-Organischer Käfige nach (Visualisierung: Barth van Rossum, FMP)
Hyper-CEST als ultra-sensitive Methode der NMR-Spektroskopie weist zwei bislang "versteckte" Strukturen Metall-Organischer Käfige nach (Visualisierung: Barth van Rossum, FMP)

Das Team um Leif Schröder vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) konnte mit Hilfe der Methode der Hyper-CEST NMR zwei bisher wenig erforschte Varianten eines Transportcontainertyps aus der Klasse der Metal Organic Polyhedra (MOP) darstellen. Diese Erkenntnis wollen die Forscher nutzen, um einen neuen Typ von Kontrastmitteln in der MR-Tomographie zu entwickeln.

Das Baukastenprinzip der Transportcontainer erweist sich in vielen Anwendungen als nützlich, um komplexe Strukturen für bestimmte Funktionen aus einzelnen, sich wiederholenden Untereinheiten zusammenzusetzen. In der Chemie kann es genutzt werden, um aus kleineren Moleküleinheiten ein sich selbst formendes Netzwerk zu bilden, das als Transportcontainer mit definierter Größe fungiert. Mehrere Metall-Ionen können etwa mit organischen Molekülen „verstrebt“ werden. Diese MOPs (Metal Organic Polyhedra) werden beispielsweise eingesetzt, um Treibhausgase einzufangen oder bessere Chemotherapeutika zu ermöglichen, indem sie mit bestimmten Wirkstoffen beladen werden, die sie dann im Tumor freisetzen. Etliche Aspekte des Verhaltens dieser Strukturen sind noch unzureichend erforscht. Dies liegt unter anderem daran, dass es nicht immer geeignete Methoden gibt, um das Be- und Entladen dieser MOPs auf molekularer Ebene zu beobachten – oft kann man weder für den Inhalt noch den Container selber Unterschiede zwischen der leeren und der beladenen Variante messen.

In Zusammenarbeit mit einem Team der Universität Oulu in Finnland hat die Arbeitsgruppe von Leif Schröder nun MOPs untersucht, die sich in Lösung spontan aus Eisen-Ionen und einer organischen Verbindung zu Tetraedern zusammensetzen. Dabei können die organischen Verstrebungen unterschiedlich an den „Knotenpunkten“ aus Eisen angebracht werden. Grundsätzlich beeinflusst dies die Eigenschaften der MOPs, u.a. auch in Bezug auf ihre Wirksamkeit, Tumorzellen zu töten. Bei dem hier untersuchten MOP dachte man bislang jedoch immer, dass es nur eine der theoretisch drei vorhergesagten Varianten gibt. Die beiden anderen wurden als zu instabil angesehen, weil sie sich in keiner analytischen Methode nachweisen ließen. Mit einem neuen Verfahren der Magnetresonanz (Hyper-CEST NMR) hat Schröders Mitarbeiter Jabadurai Jayapaul diese bislang fehlenden Varianten nun doch nachweisen können. Die Kollegen aus Finnland konnten mit theoretischen Berechnungen die Signale der „versteckten“ MOPs bestätigen. Sie treten zwar nur in sehr kleinen Anteilen auf, aber die Messungen ergaben, dass die veränderte Anbringung der Streben sehr starke Veränderungen beim Be- und Entladen der Container hervorrufen. Bestimmte Sub-Typen der Container können für eine Beschleunigung des Prozesses ausgewählt werden. Diese Erkenntnis nutzen die Forscher nun, um einen neuen Typ von Kontrastmitteln in der MR-Tomographie zu entwickeln, bei dem die Beladung des Containers das MRT-Signal beeinflusst. Die Beobachtung zeigt aber auch, dass es weiteres Potenzial für neue Einblicke bei der weiteren Optimierung von Wirkstoffträgern gibt. Der erste Eindruck, den man von diesen Strukturen bekommt, muss also nicht immer der richtige sein. Ein wesentlicher Teil ihrer Natur kann im Verborgenen liegen, bis man sie mit wesentlich empfindlicheren Methoden aufspürt.

Publikation

Jabadurai Jayapaul, Sanna Komulainen, Vladimir V. Zhivonitko, Jiři Mareš, Chandan Giri, Kari Rissanen, Perttu Lantto, Ville-Veikko Telkki, and Leif Schröder; Hyper-CEST NMR of metal organic polyhedral cages reveals hidden diastereomers with diverse guest exchange kinetics; Nature Communications; https://doi.org/10.1038/s41467-022-29249-w

produzieren / 30.03.2022
Eckert & Ziegler mit Rekordergebnis im GJ 2021 und positivem Ausblick

Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG (ISIN DE0005659700, TecDAX) erzielte im Geschäftsjahr 2021 einen Umsatz von 180,4 Mio. EUR (Vj. 176,1 Mio. EUR). Der Konzernjahresüberschuss erreichte mit 34,5 Mio. EUR (Vj. 22,9 Mio. EUR) oder 1,67 EUR pro Aktie (Vj. 1,11 EUR) eine neue Rekordmarke.

Im Segment Isotope Products stieg der Umsatz um 7% auf 95,8 Mio. EUR. Der Umsatzanstieg verteilte sich über alle Produktbereiche.
Aufgrund der Entkonsolidierung des Tumorbestrahlungsgeschäfts ging der Umsatz im Segment Medical um 2% auf 84,5 Mio. EUR zurück. Bereinigt um diesen Einmaleffekt generierte das Segment im Vergleich zum Vorjahr zusätzliches Umsatzwachstum. Wachstumstreiber ist weiterhin das Geschäft mit pharmazeutischen Radioisotopen.

Der Finanzmittelbestand zum 31. Dezember 2021 betrug 93,7 Mio. EUR. Gegenüber dem Jahresende 2020 entspricht dies einer Zunahme um 6,2 Mio. EUR. Da das Unternehmen weiterhin profitabel und selbstfinanzierend arbeitet, sieht sich der Vorstand mit den Barmitteln für anstehende Wachstumsinvestitionen gut gerüstet.

Für das laufende Geschäftsjahr 2022 rechnet der Vorstand mit einem Umsatzanstieg auf rund 200 Mio. EUR und einem Jahresüberschuss von rund 38 Mio. EUR. Die Prognose basiert auf einem gewichteten Durchschnittskurs von 1,20 USD pro Euro und steht unter dem Vorbehalt, dass aus den Entwicklungen in der Ukraine weiterhin keine größeren Verwerfungen resultieren.

Vorstand und Aufsichtsrat werden der Hauptversammlung eine Dividende in Höhe von 0,50 EUR pro dividendenberechtigter Aktie (Vj. 0,45 EUR) vorschlagen

Den vollständigen Jahresabschluss 2021 finden Sie hier:
https://www.ezag.com/fileadmin/user_upload/ezag/investors-financial-reports/deutsch/euzj21d.pdf

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.

Pressemitteilung auf der Webseite von Eckert & Ziegler:
Pressemitteilung EZAG

forschen, investieren, produzieren, heilen / 28.03.2022
„Zulassung und Refinanzierung sind eine Herausforderung“

Interview mit Dr. Christina Quensel, Campus Berlin-Buch GmbH, und Dr. Kai Uwe Bindseil, Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH, erschienen in der Ausgabe „Smarte Medizin“ der Plattform Life Sciences 1/22


Berlin ist ein Hotspot der deutschen Biotechszene. Start-ups treffen auf gewachsene Unternehmen. Immer mehr Investoren und Risikokapital zieht es in die Stadt. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens sorgt für zusätzlichen Schub.

Plattform Life Sciences: Frau Dr. Quensel, wie definieren Sie eigentlich „smarte Medizin“? Welche Trends sehen Sie?

Dr. Quensel: Smarte Medizin bedeutet vor ­allem, dichter am Patienten zu sein. Auch wenn Begriffe wie „personalisiert“ oder ­„individualisiert“ schon länger genutzt werden, sind wir im Bereich der digitalisierten Medizin noch relativ am Anfang. Manche Begriffe werden in die Welt gesetzt, bevor wir wirklich auf dem Weg sind. Natürlich ­haben wir im Bereich der Technologie­entwicklung und Datenauswertung in den vergangenen Jahren immense Fortschritte gesehen: Wir können einzelne Zellen auf DNA- und RNA-Level sequenzieren oder das Proteinlevel und den metabolischen Zustand qualitativ und quantitativ bestimmen sowie die entsprechenden Daten anschließend mit Algorithmen auswerten. Ähnlich verhält es sich in der Bildauswertung. All diese Dinge muss man zusammenbringen, vor allem mit den Phänotypen, also den Krankheitsbildern, um eine zielgerichtete Behandlung und ­Therapie zu entwickeln. Auch die Gentherapie gewinnt mit den neuen Technologien eine ganz neue Bedeutung. Man geht neue Wege, weg von den klassischen Vektoren. Smarte Medizin umfasst nicht nur die digitale, sondern auch die biologische Welt.

Am Campus Berlin-Buch sind Sie mit Start-up-Themen sehr vertraut. Wie entwickelt sich aus Ihrer Sicht das Gründungsgeschehen im Bereich der smarten Medizin?

Dr. Quensel: T-knife mit seiner 110-Mio.-USD-Finanzierung aus dem vergangenen Jahr ist natürlich ein hervorragendes Beispiel für die Innovationskraft unseres Standorts. Aktuell sind weitere Ausgründungen aus dem ­benachbarten Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC Berlin) in der Pipeline, beispielsweise ein Projekt im ­Bereich Muskelstammzellen von Dr. med. Verena Schöwel-Wolf aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. med. Simone Spuler, sowie ­weitere Projekte aus der Stammzellforschung. Weiterhin sehen wir eine zunehmende Spezifizierung im Diagnostikbereich.

Herr Dr. Bindseil, welche Rolle spielt die smarte Medizin auf der nächsten BIONNALE?

Dr. Bindseil: In die smarte Medizin spielt der digitale Aspekt natürlich sehr hinein. Hier setzen wir auf der BIONNALE einen Schwerpunkt in der Zusammenarbeit mit der pharma­zeutischen Industrie. Es präsentieren sich kleine und mittelgroße Unternehmen im Rahmen der Veranstaltung, aber auch die großen Pharmakonzerne. „Precision Medicine“ ist ein weiterer Schwerpunkt, speziell mRNA und Immuntherapien. Erstmalig kommt das große Thema Nachhaltigkeit.

Dr.Quensel: Auf der BIONNALE trifft sich die gesamte Biotechbranche aus Berlin-Brandenburg. Zusätzlich wollen wir Ausgründungen an das Event heranbringen und auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, für die das Thema Ausgründung aktuell noch keine Rolle spielt.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen gewachsenen Unternehmen und jungen Akteuren im Bereich der smarten Medizin?

Dr. Bindseil: Dass kleine und große Unternehmen, Wirtschaft und Wissenschaft zusammenarbeiten müssen und frühzeitig Medizin in die Lebenswissenschaften einbezogen werden muss, all das hat sich inzwischen durchgesetzt. Gerade in einem regulierten Markt muss man häufig von hinten aus ­denken: Wer verschreibt und bezahlt ein Produkt? Wer setzt es tatsächlich ein? Wer kann es produzieren? Wir sehen viele Teams, die sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette finden und zusammenkommen. Auch Big Pharma sucht vermehrt die Kooperation mit Start-ups, ebenso wie größere IT-getriebene Firmen. Auf der ­BIONNALE haben wir auch entsprechende Partnering-Formate. Zudem will Big Pharma immer häufiger auch frühe Technologien ­sehen. Die Zeiten sind vorbei, als man eine Phase II oder Phase III abgewartet hat, um dann einen Produktkandidaten einzulizenzieren oder aufzukaufen. Ein gutes Beispiel ist das Projekt „Virchow 2.0 – Innovationscluster für zellbasierte Medizin in Berlin-Brandenburg“. Ziel des Projekts ist es, die Kluft zwischen Grundlagenforschung und klinischen Anwendungen zu überbrücken und zellbasierte Medizin in die Klinik zu bringen. „Virchow 2.0“ ist einziger Berliner Finalist der zweiten Wettbewerbsrunde der Clusters4Future-Initiative des BMBF und geht aktuell in die Konzeptionsphase.

Wie muss ein Inkubator aufgestellt sein, um Ausgründungen im Bereich der Wirk­stoffentwicklung oder Gen- und Zellthera­pien eine starke Unterstützung zu sein?

Dr. Quensel: „Inkubator“ ist ein dehnbarer Begriff. Als Landesunternehmen sind wir vollständig selbstfinanziert. Auf Fördermittel können wir für größere Projekte zurückgreifen, etwa zur Errichtung unseres neuen Gründerzentrums BerlinBioCube. Anders sieht es bei den zu vermietenden Einheiten für Start-ups aus: Die Laborflächen, die wir anbieten, sind komplett leer, es sei denn, ­Geräte und anderes Inventar können vom Vormieter übernommen werden. Das bedeutet, dass die Projekte in der Wissenschaft so weit gegründet sein müssen, dass sie tatsächlich schon als Firma existieren und eine gewisse Grundfinanzierung mitbringen. In der Regel kennen wir natürlich die Start-up-Projekte und stehen mit den entsprechenden Technologietransferstellen in Verbindung. Wir versuchen beispielsweise, mittels unserer Netzwerke auch frühzeitig Kontakte zu Investoren herzustellen. Über die Akademie des Gläsernen Labors haben wir Programme aufgesetzt, um Entrepreneurship zu fördern. Wenn ein Start-up einmal größere Geräte benötigt, sind wir auf dem Campus mit unseren über 50 Biotechfirmen und den Forschungseinrichtungen ausgezeichnet vernetzt und können hier die entsprechenden Kontakte herstellen.

Hat die Pandemie zu verstärkten ­Investments in die risikobehaftete ­Biotechnologie geführt?

Dr. Bindseil: Ja – Investoren schauen verstärkt auf die Biotechnologie. Gleichzeitig erleben wir, dass auch neue Investoren aus anderen Branchen sich vermehrt für Life Sciences interessieren. Im vergangenen Jahr wurden in Berlin 10 Mrd. von in Deutschland insgesamt 15 Mrd. EUR Venture Capital investiert. Davon flossen aber nur rund 1 Mrd. EUR in die Lebenswissenschaften, wobei Berlin auch hier das größte Stück vom Kuchen abgreifen konnte. Einerseits sind das beeindruckende Zahlen, ­andererseits ist der Anteil der Life Sciences immer noch vergleichsweise klein. Trotzdem glauben Investoren wieder mehr an Biotechnologie und Pharmaentwicklung. Aber da muss mehr gehen! Natürlich sind wir glücklich über eine BioNTech-Erfolgsstory. In der digitalen Gesundheit kommen parallel neue Investoren hinzu. Gerade internationale ­Investoren wissen mittlerweile um das ­Potenzial der Lebenswissenschaften in Berlin. Nehmen wir die Finanzierungsrunden von T-knife, Ada Health oder caresyntax, einem Spezialisten für OP-Software. Persönlich ­erwarte ich in Zukunft auch stärkere Engagements von Corporate-Investoren.

Welche Hürden sehen Sie auf dem weiteren Siegeszug der smarten Medizin?

Dr. Quensel: Auf jeden Fall sehe ich Hürden im Bereich der Zulassung und Refinanzierung. Zahlreiche Firmen werden mit ihrer Technologie zunächst ins Ausland gehen. An unserem Standort gibt es z.B. das Unternehmen ASC Oncology, welches sich auf ­individualisierte Krebsdiagnostik spezialisiert hat. Dies wird aber noch nicht über das deutsche Gesundheitssystem refinanziert. Die Patienten zahlen heute diese Diagnostik selbst, denn der Outcome belegt, welche Art von Therapie eingesetzt werden kann, wenn diese in der 3D-Zellkultur anschlägt. Zukünftig ist größte Hürde für solche Technologien wahrscheinlich die Einführung der neuen EU-Verordnung über In-vitro-Diagnostika (IVDR). Diese stellt einen enormen personellen und finanziellen Aufwand für die Etablierung von Qualitätsmanagementstrukturen und deren Akkreditierung dar, um neue Medizinprodukte überhaupt auf den Markt bringen zu können. Gerade für kleine Firmen ist das nur schwer zu stemmen. Beim Thema Zelltherapie wird es spannend werden, zu beobachten, wie man Entwicklungen belohnen kann, damit noch mehr Investoren in dieses Thema einsteigen. Ein Problem während der Corona­pandemie war aber auch, dass Zulassungen, sofern sie sich nicht explizit mit COVID-19 ­beschäftigen, häufig auf die lange Bank ­geschoben wurden. Es gibt viele Krankheiten, die wesentlich tödlicher sind als Corona.

Dr. Bindseil: Es existiert eine Vielzahl von Hürden, gerade in Sachen Regulierung. Doch gerade am Beispiel Coronaimpfstoffentwicklung lässt sich beobachten: Wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen und der Nutzen klar vorhanden ist, kann eine Entwicklung sehr schnell vorangetrieben werden. Neben der Erstattung geht es auch um das Thema Datenschutz. Nehmen wir die Beispiele „elektronische Patientenakte“ oder „elektronisches Rezept“ – hier liegen die Bremsklötze nicht nur bei der Politik, sondern auch bei den Lobbygruppen von Pharma und Medizinern. Auch hier müssen wir gemeinsam zu dem Punkt kommen: Das wollen wir! „Real World Evidence Data“ ist das Schlagwort. Und natürlich: Lebenswissenschaften kosten Geld. Es müssen weiterhin Anreize geschaffen werden, in zukunftsweisende Technologien zu investieren, und zwar nicht nur bei Milliardären, sondern auch bei breiteren Bevölkerungsschichten. Entsprechende Erträge dürfen nicht steuerlich belastet werden.

Frau Dr. Quensel, Herr Dr. Bindseil, ich bedanke mich für das interessante Gespräch!

Zu den Personen

Dr. Christina Quensel ist Geschäftsführerin der Campus Berlin-Buch GmbH – Center for Biotechs.

Dr. Kai Uwe Bindseil ist Head of Division Life Sciences/Healthcare Industry bei der Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH.

Das Interview erscheint in der Ausgabe „Smarte Medizin“ der Plattform Life Sciences 1/22.

 

Quelle: GoingPublic Redaktion /hg - 23. März 2022
„Zulassung und Refinanzierung sind eine Herausforderung“

forschen / 23.03.2022
Hilfe für die Ukraine

© Feraye Kocaoglu, MDC
© Feraye Kocaoglu, MDC

Kolleg*innen spenden Geld für Medikamente, Arbeitsgruppen bieten Jobs für ukrainische Forscher*innen an, und das Schülerlabor öffnet seine Tür für ukrainische Kinder. Der Krieg in der Ukraine hat am MDC große Solidarität ausgelöst. Ein Überblick.

Feraye Kocaoglu ist überwältigt. Mit so viel Geld und so großer Hilfsbereitschaft hatte sie nicht gerechnet. Kocaoglu, Assistentin mehrerer MDC-Forschungsgruppen, organisiert zurzeit die Unterstützung für ukrainische Geflüchtete. Gemeinsam mit Joanna Kaldrack aus der Abteilung Forschungsförderung und im Auftrag des Vorstands sowie des Krisenstabs am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) koordiniert sie die Aktivitäten des Zentrums, das Team ist unter ukraine@mdc-berlin.de erreichbar. Um rasch Spenden für Medikamente zu sammeln, hatte Feraye Kocaoglu bereits wenige Tage nach dem russischen Einmarsch einen Kuchenbasar organisiert, der sowohl auf dem Campus Buch als auch am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie des MDC in Mitte stattfand.

Geld für verschreibungspflichtige Medikamente

„Viele Beschäftigte haben Kuchen gebacken und gestiftet, und anstelle fester Preise konnten alle eine beliebige Summe für ihr Kuchenstück bezahlen. Dabei kamen unglaubliche 3223 Euro zusammen“, sagt Feraye Kocaoglu. Von dem Geld besorgen MDC-Forschende, die eine ärztliche Approbation haben, verschreibungspflichtige Medikamente. Diese bringt die Initiative für Wissensaustausch, Empowerment und Kultur (IWEK) in die Ukraine und verteilt sie dort. Wegen des großen Erfolgs planen die beiden Frauen nun einen weiteren Basar mit internationalem Fingerfood.

Auch Sachspenden – Hygieneartikel, frei verkäufliche Medizinprodukte wie Schmerzmittel oder Verbandmaterial sowie haltbare Lebensmittel – werden am MDC gesammelt, mit großer Unterstützung der technischen Assistentin Margareta Herzog. Koordiniert von der Doktorandin Oleksandra Kalnytska holen ukrainische Freiwillige diese Spenden regelmäßig ab und bringen sie an die Grenze. Auf einer Ukraine-Hilfe-Website im Intranet finden die MDC-Mitarbeitenden weitere Informationen, etwa wo man ebenfalls sinnvoll privat spenden kann. Dort werden auch konkrete Hilfsaufrufe veröffentlicht, etwa die Bitte um eine Möbelspende für eine geflüchtete Familie.

Dr. Luiza Bengtsson aus dem Kommunikationsteam des MDC ist Expertin für Wissenstransfer und arbeitet eng mit dem Schülerlabor des Campus Buch zusammen. Gemeinsam mit den Kolleg*innen des Gläsernen Labors organisiert sie jetzt einen Kurs für geflüchtete Kinder aus der Ukraine. „Die Resonanz auf meine E-Mail-Umfrage am MDC war enorm. Es ist toll, wie viele bereit sind zu helfen“, sagt sie. Zwei Termine stehen bereits fest: Am 13. und 20. April 2022 sind Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren eingeladen, „Forscherferien“ auf dem Campus Buch zu erleben, in denen sie Laborexperimente machen, spielen und basteln können.

Angebot für ukrainische Forschende

Dr. Joanna Kaldrack und Dr. Oksana Seumenicht kümmern sich um Fördermöglichkeiten für ukrainische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Denn neben schneller humanitärer Hilfe geht es auch darum, dass die geflüchteten Forscher*innen rasch wieder in ihrem Beruf arbeiten können. Das MDC ist auf Solidaritätslisten verschiedener wissenschaftlicher Organisationen und Initiativen vertreten. „Dort bieten wir uns als Partnerinstitution für ukrainische Forschende an, etwa um sich gemeinsam auf Förderungen zu bewerben“, berichtet Joanna Kaldrack. Die Forschenden können das MDC über die Solidaritätslisten der European Molecular Biology Organization (EMBO), von EU-LIFE, dem Bündnis der biowissenschaftlicher Spitzenforschungsinstitute Europas, oder der Initiative Science for Ukraine kontaktieren. Verschiedene MDC-Arbeitsgruppen haben sich dort mit ihrem wissenschaftlichen Fokus eingetragen.

Interessierte werden von Joanna Kaldrack zu den Arbeitsmöglichkeiten am MDC beraten. Zudem ist ein Matching-Programm in Vorbereitung, bei dem Gruppenleiterinnen und -leiter des MDC mit ukrainischen Forschenden verbunden werden sollen. „Noch ist unklar, wie solche Anstellungen administrativ geregelt und finanziert werden, und das MDC kann aktuell noch keine konkreten Jobs anbieten“, stellt Joanna Kaldrack klar. Um Geflüchtete aus der Ukraine, die eine Stelle im Bereich Administration oder Technische Assistenz suchen, kümmert sich die Geflüchteten-Initiative des Impuls- und Vernetzungsfonds der Helmholtz-Gemeinschaft. Auch hier hilft Joanna Kaldrack bei der Antragstellung.

Viele Menschen vom MDC engagieren sich außerdem privat. Zum Beispiel Molekularbiologe Dr. Emanuel Wyler. Er war mehrfach als Helfer am Berliner Hauptbahnhof im Einsatz, auch um die ukrainischen Familien über Corona zu informieren: „Am MDC haben wir ein Informationsblatt entwickelt, das die Krankheit und Maßnahmen wie 3G leicht verständlich erklärt. Eine Kollegin und ein Kollege haben es nun ins Ukrainische und Russische übersetzt“, berichtet der Wissenschaftler. Geplant ist, das Material auch in den großen Unterkünften in Berlin verteilen zu lassen, die in der nächsten Zeit Menschen aus der Ukraine aufnehmen werden.

Text: Wiebke Peters

Die Ukraine-Hilfe am MDC ist zentral über ukraine@mdc-berlin.de erreichbar. Geflüchtete aus der Ukraine sind herzlich willkommen, sich dort zu melden.

Weiterführende Informationen

produzieren / 23.03.2022
Eckert & Ziegler liefert Lutetium-177 für klinische Studien der kanadischen Alpha-9 Theranostics

Eckert & Ziegler (ISIN DE0005659700, TecDAX) hat mit dem kanadischen Biotechunternehmen Alpha-9 Theranostics Inc. (Alpha-9) einen Vertrag über die Lieferung von Lutetium-177 (non-carrier-added 177Lu) unterzeichnet. Das Radiopharmazeutikum wird für die Markierung von Prüfarzneimitteln eingesetzt, die Alpha-9 momentan in der klinischen Prüfung hat.

Zur Herstellung einer hochreinen Form von Lu-177 n.c.a. hat Eckert & Ziegler ein innovatives und einzigartiges Verfahren entwickelt. Alpha-9 wird das Radionuklid für die klinische Prüfung seiner therapeutischen Kandidaten gegen solide und hämatologische Tumore verwenden.

Mit dem Betastrahler Lutetium-177 lassen sich eine Vielzahl tumorspezifischer Medikamente markieren, die die strahlende Wirkung des Isotops direkt zur Tumorzelle bringt.

"Der Liefervertrag mit dem kanadischen Unternehmen Alpha-9 unterstreicht erneut unsere herausragende Kompetenz bei der Versorgung der pharmazeutischen Industrie mit Isotopen. Mit Produktionsstandorten in Europa, Asien und Nordamerika sind wir hervorragend aufgestellt, um die wachsende Nachfrage nach relevanten Isotopen und den damit verbundenen Entwicklungs- und Produktionsdienstleistungen zu bedienen", erklärt Dr. Harald Hasselmann, Mitglied des Vorstands und verantwortlich für das Segment Medical bei Eckert & Ziegler. "Unser kürzlich geschlossenes Joint Venture mit Atom Mines LLC verschafft uns einen exzellenten Zugang zu der knappen und unverzichtbaren Vorstufe Ytterbium-176 und ermöglicht es uns, Lutetium-177 n.c.a. in höchster Reinheit und zuverlässig an Pharmakunden weltweit zu liefern."

Alpha-9 fokussiert sich darauf, sein Portfolio an klinischen Kandidaten für die Radioligandentherapie weiterzuentwickeln und mögliche Therapien zu erforschen, um Patienten zu helfen.

Die Radionuklidtherapie mit Lutetium-177, die sich derzeit in einem späten Stadium der klinischen Entwicklung für verschiedene Krebsarten befindet, kann eine wertvolle Behandlungsalternative innerhalb der Präzisionsonkologie eröffnen.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.
Wir helfen zu heilen.

Über Alpha-9 Theranostics

Alpha-9 Theranostics ist ein radiopharmazeutisches Unternehmen und entwickelt diagnostische und therapeutische Wirkstoffe für solide und hämatologische Tumore. www.alpha9tx.com

produzieren / 22.03.2022
Eckert & Ziegler erweitert Liefervertrag mit Sirtex Medical auf chinesischen Markt

Die Eckert & Ziegler AG (ISIN DE0005659700, TecDAX) und Sirtex Medical (Sirtex) haben ihren langfristigen Liefervertrag über die Verwendung von Yttrium-90 in Sirtex-Mikrosphären zur Behandlung von Leberkrebs auf den chinesischen Markt ausgeweitet. Die Vereinbarung garantiert EZAG einen maßgeblichen Anteil an der steigenden weltweiten Nachfrage von Y90-basierten Mikrosphären. Von seinen Produktionsstätten in Braunschweig und Boston (MA), USA versorgt Eckert & Ziegler die Sirtex Standorte in Frankfurt, Boston und Singapur mit Yttrium-90.

„Wir freuen uns, dass die Sirtex-Mikrosphären nun die Zulassung für China erhalten haben und wir damit unsere langfristige strategische Partnerschaft sowohl volumenseitig als auch regional ausbauen werden,“ erklärt Dr. Harald Hasselmann, Vertriebsvorstand der Eckert & Ziegler AG. „Bereits seit 2019 sind wir mit unserer Radiopharma-Sparte in China, einem der am stärksten wachsenden Gesundheitsmärkte und treiben den Ausbau unserer Aktivitäten stetig voran. Dabei setzen wir vor allem auf Kundennähe. Mit der Eröffnung einer eigenen Produktionsstätte in Jintan ab Ende 2024 wollen wir unseren globalen Pharmakunden vor Ort mit der Lieferung medizinischer Isotope und Dienstleistungen bestmöglich zur Seite stehen und damit am Wachstum des chinesischen Gesundheitsmarktes partizipieren.“

"Der Abschluss dieses Liefervertrags stärkt die bereits enge Beziehung zwischen den beiden Unternehmen im Hinblick auf den Eintritt von Sirtex in den chinesischen Markt," ergänzt Grant Spindler, Global Head of Operations bei Sirtex Medical Limited.

Bei der Radioembolisation oder selektiven internen Radiotherapie (SIRT) werden winzige radioaktive Kügelchen direkt in die Lebertumore eingebracht. Die klinischen Daten dieser Therapieform, die bereits seit 2002 angewendet wird, überzeugen immer stärker. Das renommierte britische National Institute for Health and Care Excellence (NICE) erteilte im Februar 2021 eine positive Empfehlung für die Behandlung von fortgeschrittenen Leberkarzinomen mit SIR-Spheres® Y-90 Mikrosphären.
Nach Schätzungen von GLOBOCAN 2020 sind die Morbiditäts- und Mortalitätsraten für Leber- und Darmkrebs in China etwa doppelt so hoch wie die durchschnittlichen weltweiten Werte. In China gab es im Jahr 2020 410.000 neue Fälle von Leberkrebs mit 390.000 Todesfällen und mehr als 550.000 neue Fälle von Darmkrebs mit mehr als 280.000 Todesfällen.

Im Hinblick auf die steigende Nachfrage nach radiopharmazeutischen Substanzen erweitert Eckert & Ziegler momentan seine Produktionsstandorte. Der Standort Boston (MA), USA wurde vor kurzem um eine neue GMP-Anlage ergänzt. Am Standort Berlin werden die GMP-Anlagen ebenfalls ausgebaut:  im zweiten Quartal 2022 ist eine GMP-Gesamtfläche von rund 270 m² betriebsbereit, weitere GMP-Laborflächen werden folgen. In Jintan (China) investiert Eckert & Ziegler bis zu 50 Mio. EUR in den Bau einer Produktionsstätte für Radiopharmazeutika.

Mit dieser Expansionsstrategie positioniert sich Eckert & Ziegler als globaler Partner der radiopharmazeutischen Industrie und bietet neben der Lieferung von Isotopen komplette Frühentwicklungsdienstleistungen an, einschließlich Prozessentwicklung und Scale-up, CMC-Entwicklung, Herstellung und Verpackung, Produktfreigabe und Stabilitätsprogramme. Das Unternehmen wird damit in der Lage sein, als radiopharmazeutischer Auftragsfertiger Produkte im klinischen Maßstab der Phasen I, II und III und für den kommerziellen Einsatz herzustellen.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 800 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.
 

Quelle: Pressemitteilung EZAG
Eckert & Ziegler erweitert Liefervertrag mit Sirtex Medical auf chinesischen Markt

17.03.2022
Voraussetzungen für 10-Minuten-Takt von Buch nach Bernau geschaffen

Länder Berlin und Brandenburg unterzeichnen Finanzierungsvereinbarung für 13 weitere Teilmaßnahmen (2. Tranche) mit Deutscher Bahn. Darunter: der zweigleisige Ausbau zwischen Buch und Bernau

Die Länder Berlin und Brandenburg haben eine Finanzierungsvereinbarung mit der Deutschen Bahn für weitere Teilmaßnahmen zur Weiterentwicklung und Engpassbeseitigung im Berliner S-Bahnnetz unterzeichnet. Für die kommenden Projektplanungen stehen nach einer ersten Tranche über 32 Mio. Euro vom Februar 2021 jetzt weitere 35 Mio. Euro Landesmittel für die zweite Tranche zur Verfügung. Der Netzausbau ist Bestandteil des Infrastrukturprojektes i2030, in dem sich die Länder Berlin und Brandenburg, die Deutsche Bahn und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) zusammengeschlossen haben. Für die gesamte Hauptstadtregion sollen damit mehr und bessere Schienenverbindungen geschaffen werden.

Die 35 infrastrukturellen Einzelmaßnahmen, zu denen sich die i2030-Partner verständigt haben, sind zur Bestellung zusätzlicher Verkehrsleistungen, zur Verbesserung der Betriebsqualität und für die geplanten Streckenausbauten im Berliner S-Bahnnetz erforderlich. Die im Februar 2021 abgeschlossene Sammelvereinbarung regelt die finanzielle Absicherung der Planung von der Vor- bis hin zur Genehmigungsplanung (Leistungsphasen 2 bis 4) durch die Länder Berlin und Brandenburg. In einer zweiten Tranche stehen nun 35 Mio. Euro Landesmittel zur Fortführung der Planungen von 13 Teilmaßnahmen bereit. Für die noch offenen Maßnahmen wird die Bildung von weiteren Tranchen in den kommenden Monaten angestrebt.

Bettina Jarasch, Senatorin für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz des Landes Berlin:

 „Wir binden Berlins Peripherie besser an und schaffen neue Mobilitätsangebote für die Menschen in der Hauptstadtregion. Berlin investiert gemeinsam mit Brandenburg, der Bahn und dem VBB in das Schienenausbau-Projekt i2030, das diese neuen Verbindungen stärkt, innerhalb der Stadt, bis an den Stadtrand und darüber hinaus. Mit der zweiten Finanzierungstranche verbessern wir das Berliner S-Bahn-Netz, schaffen mehr Flexibilität und Kapazität für die wichtigsten Strecken in und um Berlin. Die S-Bahn kann so verlässlich mehr Fahrgäste transportieren – und wir liefern endlich die Voraussetzungen für 10-Minuten-Taktungen auf bestehenden Außenstrecken, etwa zwischen Bernau und Buch. Das sind genau die Verbesserungen, die wir brauchen, um Pendlerinnen und Pendler vom Umstieg auf die Bahn zu überzeugen.“

Guido Beermann, Minister für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg:

„Die S-Bahn ist ein wichtiges Bindeglied zwischen unseren beiden Ländern. Sie trägt damit wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung der Hauptstadtregion bei. Deshalb wollen wir mit i2030 gemeinsam Engpässe beseitigen, die Angebote ausbauen und so die Pendlerströme zwischen Berlin und Brandenburg entzerren. Gleichzeitig bringen wir mit der klimafreundlichen S-Bahn die Verkehrswende voran. Mit der jetzt startenden Planung zum zweigleisigen Ausbau der S-Bahn zwischen Buch und Bernau schaffen wir die Voraussetzungen für den betrieblich möglichen 10-Minutentakt auf dem Nordast der S2. Die S5 nach Strausberg ist schon Gegenstand der 1. Tranche gewesen.“

Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern:

„Nicht nur Streckenverlängerungen bringen mehr und neue Fahrgäste in das System Bahn. Wenn die Mobilitätswende wirklich Realität werden soll, braucht auch das bestehende S-Bahnnetz Verbesserungen in Qualität und Quantität. In der 2. Tranche des S-Bahnpakets in i2030 schaffen wir als Deutsche Bahn gemeinsam mit den Ländern Berlin und Brandenburg die Voraussetzungen für mehr Fahrgäste in noch pünktlicheren und häufiger fahrenden Zügen u.a. durch zahlreiche neue Abstell- sowie Zugbildungsanlagen.“

Susanne Henckel, Geschäftsführerin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB):

„Die Berliner S-Bahn ist seit Jahrzehnten eine tragende Säule des Öffentlichen Verkehrs in Berlin und Brandenburg. Sie ist eine Hauptschlagader des ÖPNV im VBB-Land. Mit der jetzigen Finanzierungsvereinbarung wird die Zukunftsfähigkeit der S-Bahn weiter abgesichert. Die vorgesehenen Verbesserungen bringen neben mehr Material besonders auch mehr Qualität für die Fahrgäste sowie absolute Klimafreundlichkeit. Es braucht jetzt alle gebündelten Kräfte, um die 35 Einzelmaßnahmen für die Berliner S-Bahn und die weiteren acht i2030-Korridore in den kommenden Jahren umzusetzen. Das ist essentiell für eine gelingende Verkehrswende.“

Der Fokus bei der zweiten Tranche liegt auf dem Ausbau von Abstellanlagen im Zuge der S-Bahnausschreibung mit einer Erweiterung der Zugflotte und Angebotsverdichtung in den kommenden Jahren. Die zusätzlich benötigte Infrastruktur wird auch innerhalb von i2030 geplant und umgesetzt. Weitere Schwerpunkte sind der Streckenausbau zur Ermöglichung eines 10-Minuten-Taktes zwischen Buch und Bernau und die Realisierung der Verkehrsstation Kamenzer Damm. Darüber hinaus sollen die S-Bahnverkehre auf der Ringbahn durch neue Weichenverbindungen und Bahnsteigkanten, den Ausbau der Energieversorgung und die Ergänzung moderner Leit- und Sicherungstechnik stabilisiert werden.

Hintergrund Berliner S-Bahn: Die S-Bahn leistet einen wichtigen Beitrag für eine klimafreundliche Mobilität in der Stadt und auf den Siedlungsachsen im nahegelegenen Umland. Sie ist komplett elektrifiziert und fährt vollständig mit Ökostrom. Die Fahrgäste profitieren von einem gut ausgebauten Netz und kurzen Fahrzeiten durch die großflächige Stadt. Die S-Bahn vernetzt den Innenstadtbereich mehrmals die Stunde mit den Umlandgemeinden. Sie bringt bereits heute täglich etwa 1,5 Millionen Menschen von A nach B. Seit Jahren entscheiden sich immer mehr Menschen für die S-Bahn. So stiegen die Fahrgastzahlen von 2012 bis 2018 um 21 Prozent. Der aktuelle Berliner Nahverkehrsplan rechnet bis 2030 mit einer weiteren Nachfragesteigerung von bis zu 42 Prozent für die öffentlichen Verkehrsangebote.

 

Die 2. Tranche umfasst folgende Teilmaßnahmen:

  1. Abstellanlage Beusselstraße/Westhafen

  2. Zweigleisiger Ausbau zwischen Buch – Bernau

  3. Abstellanlage Frohnau

  4. Umwandlung Haltepunkt Westkreuz in einen Bahnhof durch zusätzliche Weichenverbindung

  5. Abstellanlage Waidmannslust

  6. Abstellanlage Marzahn

  7. Zugbildungsanlage Nordbahnhof

  8. Abstellanlage Lichterfelde Süd

  9. 3. Bahnsteigkante Halensee

  10. 3. Bahnsteigkante Messe Nord und Anbindung Kehranlage

  11. 3. Bahnsteigkante Westend

  12. Verkehrsstation Kamenzer Damm

  13. Abstellanlage Hundekehle

 

Das i2030-Maßnahmenpaket für die Berliner S-Bahn ermöglicht die Umsetzung folgender Ziele:

  • Mehr Züge: Angebotsausweitung und mehr Kapazität

  • Ausweitung des 10-Minuten-Taktes auf Außenästen des Netzes

  • Verbesserung der Pünktlichkeit und der Zuverlässigkeit

  • Erweiterung des Netzes für einen stabilen Verkehr nicht nur im Regelbetrieb, sondern auch bei planmäßigen Abweichungen wie Baustellen oder Instandsetzungsarbeiten sowie im Störungsfall

  • Veränderung des Modal Split zu Gunsten des ÖPNV

  • Senkung des CO2-Ausstoßes

 

Mehr Informationen zum Projekt finden sich auf www.i2030.de/sbahn

forschen / 17.03.2022
Zwei ERC-Consolidator-Grants für MDC-Forscher

Dr. Jan-Philipp Junker (links) und Dr. Darío Lupiáñez © Felix Petermann, MDC
Dr. Jan-Philipp Junker (links) und Dr. Darío Lupiáñez © Felix Petermann, MDC

Wie kann ein Herz sich selbst heilen? Und wie entscheidet sich, welches Geschlecht ein Lebewesen hat? Der Europäische Forschungsrat ERC zeichnet Dr. Jan-Philipp Junker und Dr. Darío Lupiáñez mit Consolidator Grants aus. Damit verbunden ist eine Förderung in Höhe von zwei Millionen Euro über fünf Jahre.

Im Labor sind sie Nachbarn, jetzt können sie auch gemeinsam feiern: Der Europäische Forschungsrat ERC zeichnet Dr. Jan-Philipp Junker und Dr. Darío Lupiáñez jeweils mit einem Consolidator Grant aus. Die beiden Juniorgruppenleiter am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) gehören damit zu 61 Preisträger*innen aus Deutschland. Insgesamt hatten sich dieses Mal 2.652 Forscherinnen und Forscher aus ganz Europa beworben, 313 waren erfolgreich. Die begehrte Auszeichnung ist mit einer Förderung in Höhe von zwei Millionen Euro über fünf Jahre verbunden. Die klügsten Köpfe können damit ihren Ideen freien Lauf lassen und ihre Projekte voranbringen.  

Für Jan-Philipp Junker ist es bereits die zweite ERC-Förderung. „Dabei geht es nicht nur um Geld, ein ERC bringt auch Sichtbarkeit. Und man kann größer denken, hat mehr Flexibilität“, sagt der Leiter der Arbeitsgruppe „Quantitative Entwicklungsbiologie“. Junker forscht seit 2015 am MDC. Mit „Heart States“ will er untersuchen, wie sich die verschiedenen Zellen im Zebrafisch-Herzen zeitlich und räumlich so koordinieren, dass sich das Organ selbst heilen kann. „Das Herz ist für uns auch ein Modell: Wie reagiert ein komplexes System auf eine Störung?“ 

Dass die dreidimensionale Struktur des Genoms Auswirkungen auf die Biologie eines Organismus hat, hat Darío Lupiáñez bereits als Postdoktorand gezeigt. „Damals waren wir die ersten, die einen Zusammenhang nachgewiesen haben“, sagt Leiter der Arbeitsgruppe „Epigenetik und Geschlechtsentwicklung“. Seit 2017 forscht er am MDC, mit „3D-Revolution“ will er abermals Pionierarbeit leisten. Ihn interessiert, wie sich die Verpackung des DNA-Strangs in den Zellkern bei verschiedenen Arten auf die Geschlechtsentwicklung auswirkt. „Wir wollen die molekularen Mechanismen verstehen, die den Arten eine Anpassung an ihren Lebensraum ermöglichen und ihre Evolution antreiben“, sagt er. Sein Projekt wird er ab 2023 als Forschungsgruppenleiter am Andalusischen Zentrum für Entwicklungsbiologie (CABD) in Sevilla weiterführen. 

Die Projekte im Detail: 

Das Zebrafisch-Herz heilt sich selbst

Wenn ein Mensch einen Herzinfarkt hat, bleibt Narbengewebe zurück. Das Organ kann sich nicht vollständig erholen. Beim Zebrafisch ist das anders. Wird das Herz des Tieres verletzt, heilt es sich selbst. Dieses Kunststück würde die Medizin gern kopieren – zumindest teilweise. Doch der Weg dahin ist lang. Zuerst gilt es, den Prozess grundlegend zu verstehen.

Jan Philipp Junker untersucht mit seinem Projekt „Heart States“, wie es die verschiedenen Zellen im Herzen schaffen, sich zeitlich und räumlich so zu koordinieren, dass sie die Organfunktion wiederherstellen können. „Wir haben zum Beispiel eine Art molekulare Zeitmaschine entwickelt“, sagt er. Damit kann sein Team nachvollziehen, welche Gene die Zellen zu zwei verschiedenen Zeitpunkten abgelesen haben. „Diese Daten zeigen uns, welche Zelltypen beim Zebrafisch in welchem Umfang auf die Verletzung des Herzens reagieren und vorübergehend in einen aktivierten Zustand übergehen.“  

In einem zweiten Schritt analysieren Junker und seine Kolleg*innen, was dabei innerhalb der jeweiligen Zellen passiert: Welche Mechanismen lösen die Aktivierung aus und welche Programme werden durch die Änderung des Zellzustands angeschaltet? Der dritte Schritt betrifft die Koordination der Zellen untereinander. „Um die Heilung des Herzens zu orchestrieren, müssen die Zellen miteinander kommunizieren“, sagt Junker. „Und dazu müssen wir wissen, welche Zellen eigentlich benachbart waren, ob Rezeptoren und Liganden sich räumlich nah waren.“ Nach und nach will Junkers Team die entscheidenden Schalter herausfiltern und ihre Rolle in Experimenten bestätigen – und den ersten umfassenden Überblick erstellen, wie Zellzustände zur Regeneration eines komplexen Organs führen.

Ein erwachsenes Organ wie das Herz sei für ihn auch ein Wagnis, sagt Junker. „Ich komme ja aus der Entwicklungsbiologie. Umso dankbarer bin ich Daniela Panáková, die schon lange am Zebrafisch-Herz forscht und uns mit ihrem Wissen und ihren Ideen sehr bei der Konzeption geholfen hat.“ Das Projekt passe perfekt zum MDC. Systemmedizin mit Schwerpunkt Herz – dafür finde man hier alle Kooperationen: für bioinformatische Analysen, räumliche Transkriptomik und auch für die Kardiologie beim Menschen. „Das Regenerationspotenzial beim menschlichen Herzen zu wecken, wäre natürlich großartig“, sagt Junker. Doch vorher stünden sicherlich Maus-Experimente an: Vielleicht bekommt ja das Säugetierherz die richtigen Signale, kann aber nicht mehr darauf reagieren?

Geschlechterfrage fasziniert Menschen seit 3000 Jahren

Ein Labor weiter schaut sich Darío Lupiáñez ebenfalls ein Phänomen an, das im Tierreich mitunter völlig anders funktioniert als beim Menschen. „Mit unserem Projekt 3D-Revolution versuchen wir eine Frage zu beantworten, die die Menschheit seit fast 3000 Jahren fasziniert: Wie wird das Geschlecht eines Individuums bestimmt“, sagt Lupiáñez. Die Hochkulturen der Antike griffen auf Mythologie zurück. „Wir nutzen jetzt die Genetik.“ 

Die Evolution hat zahlreiche Wege gefunden, um das Geschlecht zu bestimmen – und das berühmte Y-Chromosom gibt es nur bei Säugetieren. Bei Vögeln sind es die Weibchen, die über das entscheidende Chromosom verfügen. Bei Amphibien wie Fröschen sind die Geschlechtschromosomen dagegen nicht gut differenziert. Und in extremeren Fällen, wie bei Schildkröten, kann die Temperatur den Ausschlag geben, ob ein Embryo männlich oder weiblich sein wird. „Dieser Prozess ist offenbar einer raschen Evolution unterworfen. Wir werden uns die 3D-Organisation der Genome ansehen, um zu verstehen wie er auf molekularer Ebene abläuft“, sagt Lupiáñez. 

In jedem Zellkern, der etwa 200-mal kleiner als ein Stecknadelkopf ist, ist ein zwei Meter langer Erbgutfaden verpackt. Er hält trotzdem alle Informationen auf Abruf bereit, die ein Organismus zu seiner Entwicklung und seinem Fortbestehen benötigt. „Die Verpackung ist alles andere als zufällig“, sagt Lupiáñez. „Wir haben gezeigt, dass die die dreidimensionale Struktur des Genoms Auswirkungen auf die Regulation der Gene hat und zu bestimmten Krankheiten führen kann. Die Veränderungen können aber auch zur Evolution einer Art beitragen, zu einer besseren Anpassung an ihre Umwelt.“

Er und sein Team werden sich genau jenen Zeitpunkt in der Entwicklung von Säugetieren, Vögeln, Amphibien und Schildkröten anschauen, an dem sich das Geschlecht entscheidet. Sie werden die Daten durchforsten und vergleichen, inwieweit die genregulatorischen 3D-Landschaften übereinstimmen und was sich im Laufe der Evolution verändern kann. „Das ist wirklich Neuland, niemand hat sich das bisher angeschaut“, sagt Lupiáñez. Denn Forscher*innen hatten bisher nur begrenzte Möglichkeiten, das Genom zu lesen, zu interpretieren und zu verändern. „Jetzt haben wir neue Werkzeuge, um Genomvarianten mit Phänotypen zu verbinden. Und die Förderung des ERC wird es uns ermöglichen, unsere Forschung auf eine breitere Basis zu stellen. Ich bin meinem Team unendlich dankbar. Alle haben sich sehr engagiert, um die notwendigen vorläufigen Daten zu erstellen.“

Weiterführende Informationen

Pressemitteilung des ERC

AG Junker 

Porträt: Wie Zellen Entscheidungen treffen

AG Lupiáñez

Darío Lupiáñez wird EMBO Young Investigator

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de 

Quelle: Pressemitteilung MDC
Zwei ERC-Consolidator-Grants für MDC-Forscher

 

forschen / 14.03.2022
Kooperation für bessere medizinische Bildgebung

Bei der Vertragsunterzeichnung (von oben): Prof. Thoralf Niendorf (MDC), Prof. Dr. Georg Rose (STIMULATE und OGVU), Prof. Heike Graßmann, Administrative Vorständin (MDC) u. Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan (Rektor der OGVU). © Peter Himsel/MDC
Bei der Vertragsunterzeichnung (von oben): Prof. Thoralf Niendorf (MDC), Prof. Dr. Georg Rose (STIMULATE und OGVU), Prof. Heike Graßmann, Administrative Vorständin (MDC) u. Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan (Rektor der OGVU). © Peter Himsel/MDC

Gemeinsame Pressemitteilung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin und die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg werden künftig auf dem Gebiet der medizinischen Bildgebung zusammenarbeiten. Dazu ist am Freitag, den 11. März 2022, auf dem Forschungscampus Berlin-Buch ein Kooperationsvertrag unterzeichnet worden.

Der Forschungscampus STIMULATE der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (OVGU) und das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) in Berlin wollen in Zukunft kooperieren. Ein entsprechender Vertrag wurde am 11. März 2022 in Berlin unterzeichnet. Der Rektor der OVGU, Professor Jens Strackeljan, sagte nach der Unterzeichnung: „Ich freue mich sehr darüber, dass durch die vereinbarte enge Kooperation des MDC mit dem Forschungscampus STIMULATE unserer Universität eine starke Medizintechnik-Achse zwischen Berlin und Magdeburg aufgebaut wird.“

„Die Forschungsprofile unserer beiden Einrichtungen sind geeignet, Synergieeffekte zu generieren sowie Ressourcen und Kompetenzen wechselseitig zu optimieren“, ergänzte die Administrative Vorständin des MDC, Professorin Heike Graßmann. Beide Einrichtungen wollen die Medizintechnik insbesondere in der diagnostischen und interventionellen Bildgebung gemeinsam weiterentwickeln.

Die intensivere wissenschaftliche Kooperation sehen die Partner als eine langfristige Aufgabe an. Beide Vertragspartner nannten neben der Forschung, der Translation und der Lehre vor allem die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses als wichtiges Anliegen.

Gemeinsame Symposien und Summer Schools

Konkret geht es darum, mit Drittmitteln eine Plattform für Magnetresonanz-Tomographie (MRT) gemeinsam mit akademischen und industriellen Partnern beider Seiten aufzubauen. Sie soll die Zukunft der Technologie definieren. Außerdem wollen die beiden Institutionen gemeinsame Symposien und Summer Schools organisieren sowie einen Inkubator für Start-ups aufbauen.

Bereits jetzt engagieren sich das MDC und die OVGU gemeinsam mit Berliner und Potsdamer Universitäten im Netzwerk „Artificial Intelligence in Digital Health (AIDHeal)“. „Künstliche Intelligenz ist Technologietreiber für die moderne medizinische Bildgebung. Deshalb verknüpfen wir im AIDHeal-Netzwerk Entwickler und Anwender, um die internationale Sichtbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit von ‚Digital Healthcare, Made in Germany‘ zu erhöhen“, sagte Professor Thoralf Niendorf, der am MDC die Arbeitsgruppe Experimentelle Ultrahochfeld-MR leitet.

„Die sich ergänzenden Expertisen beider Standorte, also die exzellente Grundlagenforschung des MDC und die transferorientierte Forschung verbunden mit den bereits entstandenen Start-ups am Forschungscampus STIMULATE, sind der Schlüssel für eine kontinuierliche Translation der Lösungen in die Gesellschaft“, sagt der Sprecher des Magdeburger Forschungscampus, Professor Georg Rose. Medizinische Bildgebung und translationale Anwendung stehen im Mittelpunkt, wenngleich auch gesellschaftspolitische Fragestellungen berücksichtigt werden sollen, die methodisch eine verstärkte Interdisziplinarität erfordern.

Das MDC gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Die OVGU führt mit dem Forschungscampus STIMULATE eines der international wichtigsten Zentren für bildgeführte minimal-invasive Interventionen. Beide Institutionen besitzen exzellente Expertise in der Bildgebung.  

Foto: Bei der Vertragsunterzeichnung (von oben nach unten): Prof. Thoralf Niendorf (MDC), Prof. Dr. Georg Rose (Sprecher Forschungscampus STIMULATE und Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg), Prof. Heike Graßmann, Administrative Vorständin (MDC) und Prof. Dr. -Ing. Jens Strackeljan (Rektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg). © Peter Himsel/MDC

Weiterführende Informationen

Pressemitteilung auf der MDC-Webseite

Experimentelle Ultrahochfeld-MR am MDC

Forschungscampus STIMULATE

Was bringt künstliche Intelligenz der Medizin?

www.mdc-berlin.de

forschen / 14.03.2022
Mit mRNA zu neuer Muskelkraft

Nach der Genomeditierung verschmolzen die Stammzellen zu mehrkernigen Fasern (Myotuben). In grün ist eine schwere Kette Myosin zu sehen; in blau die Zellkerne. (Foto: AG Spuler)
Nach der Genomeditierung verschmolzen die Stammzellen zu mehrkernigen Fasern (Myotuben). In grün ist eine schwere Kette Myosin zu sehen; in blau die Zellkerne. (Foto: AG Spuler)

Mutationen, die zu Muskelschwund führen, lassen sich mit der Genschere CRISPR/Cas9 reparieren. Ein Team um die ECRC-Forscherin Helena Escobar hat das Werkzeug jetzt erstmals mit mRNA in menschliche Muskelstammzellen eingeschleust. Damit ist eine Methode gefunden, die sich therapeutisch nutzen lässt.

Es ist nur eine winzige Veränderung im Genom, die dennoch fatale Effekte hat: Muskeldystrophien werden fast immer durch ein einzelnes fehlerhaftes Gen ausgelöst. So unterschiedlich die Mutationen bei den rund fünfzig bekannten Formen dieser Erkrankungen sind, führen sie letztendlich alle zu einem sehr ähnlichen Ergebnis. „Aufgrund des Genfehlers verändern sich der Aufbau und die Funktion der Muskeln, so dass die Erkrankten einen fortschreitenden Muskelschwund erleiden“, erläutert Professorin Simone Spuler, die Leiterin der Arbeitsgruppe Myologie am Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung des Berliner Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Ist beispielsweise die Atem- oder Herzmuskulatur betroffen, kann die Krankheit tödlich enden.

Bei Mäusen hat sich die Methode schon bewährt

Heilbar sind Muskeldystrophien bislang nicht. Genau das versuchen Spuler und ihr Team jedoch zu ändern. Ihre jüngste Publikation, die in der Fachzeitschrift „Molecular Therapy Nucleic Acids“ erschienen ist, macht den Weg frei für eine Studie, bei der eine am ECRC entwickelte Therapie erstmals an Patientinnen und Patienten mit erblichem Muskelschwund getestet werden soll. „Wir verfolgen schon seit Jahren die Idee, erkrankten Menschen Muskelstammzellen zu entnehmen, die veränderten Gene mithilfe der Genschere CRISPR/Cas9 zu reparieren und die so behandelten Zellen zurück in die Muskeln zu injizieren, damit sie sich dort vermehren und neues Muskelgewebe bilden“, erläutert Dr. Helena Escobar, Postdoktorandin in Spulers Arbeitsgruppe und gemeinsam mit ihr Letztautorin der aktuellen Arbeit.

Vor einiger Zeit konnten die Forscher*innen bereits zeigen, dass das Verfahren bei Mäusen, die an Muskelschwund leiden, funktioniert. „Unsere Methode hatte bisher allerdings einen Haken“, sagt Escobar: „Wir haben die Bauanleitung für die Genschere mithilfe von Plasmiden – das sind ringförmige, doppelsträngige DNA-Moleküle aus Bakterien – in die Stammzellen eingeführt.“ Plasmide könnten sich aber ungewollt in das ebenfalls doppelsträngige Genom der menschlichen Zellen integrieren und dann zu unerwünschten, wenig abschätzbaren Effekten führen. „Patientinnen und Patienten hätten wir so daher nicht behandeln können“, sagt Escobar.

Gendefekte werden gezielt korrigiert

Das Team machte sich daher auf die Suche nach einer besseren Alternative: Gefunden hat es sie in Form von mRNA, jenen einsträngigen Erbgutmolekülen, die zuletzt vor allem als wesentlicher Bestandteil zweier Corona-Impfstoffe von sich reden gemacht haben. „In den Impfstoffen enthalten die mRNA-Moleküle die genetische Information für den Aufbau des Spike-Proteins des Virus, mit dem der Erreger in menschliche Zellen eindringt“, erläutert Christian Stadelmann, Doktorand in Spulers Arbeitsgruppe. Neben Silvia Di Francescantonio aus dem gleichen Team ist er einer der beiden Erstautor*innen der Studie. „Für unsere Zwecke nutzen wir mRNA-Moleküle, die die Bauanleitung für die Genschere enthalten.“

Um die mRNA in die Stammzellen hineinzuschleusen, wendeten die Forscher*innen ein Verfahren namens Elektroporation an, bei dem die Zellmembranen vorübergehend für größere Moleküle durchlässig werden. „Mithilfe von mRNA, die die genetische Information für einen grün fluoreszierenden Farbstoff enthielt, konnten wir zunächst nachweisen, dass fast alle Stammzellen die mRNA-Moleküle in sich aufnehmen“, berichtet Stadelmann. In einem nächsten Schritt zeigte das Team über ein absichtlich verändertes Molekül auf der Oberfläche menschlicher Muskelstammzellen, dass es mithilfe der Methode gelingen kann, Gendefekte gezielt zu reparieren.

Eine klinische Studie ist bereits geplant

Schließlich probierte das Team noch ein der Genschere CRISPR/Cas9 ähnliches Werkzeug aus, das die DNA aber nicht zerschneidet, sondern nur an einer Stelle punktgenau verändert. „Wir können damit noch feiner arbeiten. Allerdings ist dieses Tool nicht für jede Mutation geeignet, die eine Muskeldystrophie hervorruft“, erklärt Stadelmann. Mit Experimenten in der Petrischale konnten er und sein Team nun zeigen, dass die reparierten Muskelstammzellen ebenso wie gesunde Zellen in der Lage sind, miteinander zu fusionieren und junge Muskelfasern zu bilden.

„Wir planen jetzt, gegen Ende des Jahres eine erste klinische Studie mit fünf bis sieben Patientinnen und Patienten zu starten, die an Muskeldystrophie leiden“, kündigt Spuler an. Das zuständige Paul-Ehrlich-Institut habe die Idee beratend unterstützt. Natürlich könne man keine Wunder erwarten, sagt die Forscherin. „Erkrankte, die im Rollstuhl sitzen, werden auch nach unserer Therapie nicht einfach aufstehen und loslaufen.“ Doch für viele der Betroffenen sei es schon ein großer Fortschritt, wenn ein kleiner Muskel, der beispielsweise fürs Greifen oder Schlucken wichtig sei, wieder besser funktioniere. Die Idee, auch größere Muskeln, wie sie zum Stehen und Gehen benötigt werden, zu reparieren, stehe bereits im Raum, sagt Spuler. Dazu müssten die molekularen Werkzeuge allerdings so sicher werden, dass man sie bedenkenlos nicht nur in isolierte Muskelstammzellen, sondern direkt in den degenerierten Muskel einbringen könnte.

Weiterführende Informationen

AG Spuler

Die Muskelretterin – Porträt von Simone Spuler

Pressemitteilung: Meilenstein für Therapie der Muskeldystrophie

Literatur

Christian Stadelmann, Silvia Di Francescantonio et al. (2022): „mRNA-mediated delivery of gene editing tools to human primary muscle stem cells“. In: Molecular Therapy Nucleic Acids, DOI: 10.1016/j.omtn.2022.02.016

Foto: Die Forscher*innen schleusten die Genschere CRISPR/Cas9 mithilfe von mRNA in die Muskelstammzellen. Nach der Genomeditierung verschmolzen die Stammzellen zu mehrkernigen Fasern (Myotuben). In grün ist eine schwere Kette Myosin zu sehen; in blau die Zellkerne. (Foto: AG Spuler)

www.mdc-berlin.de

leben / 11.03.2022
Pankower Wochen gegen Rassismus bieten vom 14. bis 27. März vielfältiges Programm

Am 14. März 2022 starten die Wochen gegen Rassismus, die von einem Netzwerk aus Vereinen, Einrichtungen, Bibliotheken und Teilen der Bezirksverwaltung veranstaltet werden. Die Besucher:innen erwartet ein zweiwöchiges Programm mit Workshops, Kiezaktionen, Ausstellungen, Sportveranstaltungen, einer Fahrraddemo und noch vielem mehr. Das Motto ist auch in diesem Jahr: „Mach mit!“  Die Veranstaltungen bieten Alt- und Neu-Pankower:innen sowie Jung und Alt eine Plattform, um ihre Stimmen gegen Rassismus zu erheben und sie im gemeinsamen Dialog zu vereinen. Dabei werden z.B. interessante Zusammenhänge zwischen Rassismus, Kolonialismus und Diversität sowie auch Klimawandel und der Reflexion eigener Privilegien hergestellt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen - das Programm ist auf der Homepage www.pankow-gegen-rassismus.de zu finden.

Dass auch in Pankow ein Bedarf an lokalen Zeichen und Aktionen gegen Alltagsrassismus und rassistische Gewalt besteht, ist erneut nach den Angriffen auf die 17-jährige Dilan Sözeri am 5. Februar an der Greifswalder Straße deutlich geworden. Auch im Lichte dieses Vorfalls betont Bezirksbürgermeister Sören Benn: „Unsere wichtigste Aufgabe während der Wochen gegen Rassismus in Pankow ist es, die Bürger:innen zu ermutigen, Zivilcourage zu zeigen und sich für ein offenes und couragiertes Pankow zu engagieren. Betroffene von rassistischen Beleidigungen und Gewalt müssen unsere aktive Unterstützung erfahren.“

Dazu passt auch das Faustsymbol der diesjährigen Kampagne, das sich aus vielen verschiedenen Menschen zusammensetzt. Rassismus geht alle an, egal ob als betroffene Person oder Teil der Mehrheitsgesellschaft. Es liegt an uns allen, für eine vielfältige und rassismuskritische Gesellschaft zu kämpfen!
 

Überblick der Programm-Highlights:

Sa., 12.03. | 12 Uhr | Fahrraddemo: Auf/ Rollen gegen Rassismus durch Buch & Karow
Mo., 14.03. | 17 Uhr | Auftaktveranstaltung in der Heinrich-Böll-Bibliothek (Greifswalder Str. 87, 10409 Berlin)
Sa., 19.03. |14 – 18:30 Uhr | digitales Barcamp pARTizipation


Gemeinsame Kiezaktionen - Triff unser Netzwerk!
Di., 22.03. | 9 – 14 Uhr | Vorplatz Heinrich-Böll-Bibliothek (Prenzlauer Berg)
Mi., 23. März | 15 – 18 Uhr | Antonplatz (Weißensee)
Fr., 25. März | 10 – 14 Uhr | Breite Straße (Pankow Zentrum)


Die Öffentlichkeitsarbeit der Wochen gegen Rassismus in Pankow wird gefördert durch das Bezirksamt und die Partnerschaften für Demokratie Pankow Nord, Süd und Ost im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Kontakt und weitere Infos:
Roxane Josten (Öffentlichkeitsarbeit der Pankower Wochen gegen Rassismus): info@pankow-gegen-rassismus.de
Web: www.pankow-gegen-rassismus.de
Instagram: pankowgegenrassismus
Facebook: Pankow gegen Rassismus

forschen / 11.03.2022
Der künstlichen Nashorn-Eizelle ein Stück näher

Erstautorin Dr. Vera Zywitza im Labor (Foto: Jan Zwilling, BioRescue)
Erstautorin Dr. Vera Zywitza im Labor (Foto: Jan Zwilling, BioRescue)

Um das Aussterben der nördlichen Breitmaulnashörner zu verhindern, will das internationale Konsortium BioRescue unter anderem Eizellen der Tiere aus Stammzellen erschaffen. Diesem Ziel ist ein Team um Sebastian Diecke vom MDC und Micha Drukker von der Universität Leiden nun nähergekommen, berichten sie in „Scientific Reports“.

Fatu und Najin sind die beiden letzten nördlichen Breitmaulnashörner auf der Welt, eine natürliche Fortpflanzung ist damit unmöglich und ein Aussterben quasi nicht mehr zu verhindern. Doch das internationale BioRescue-Konsortium arbeitet unter Hochdruck daran, dass die Unterart des Breitmaulnashorns nicht gänzlich von der Erdoberfläche verschwindet. Die Forscherinnen und Forscher verfolgen dabei zwei Strategien: Sie entwickeln zum einen fortgeschrittene Methoden der assistierten Reproduktion.  Zum anderen wollen sie im Labor aus Hautzellen des nördlichen Breitmaulnashorns induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) und schließlich Eizellen erzeugen. Dabei ist das Team des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) gemeinsam mit Partnern in München, den Niederlanden und Japan nun einen großen Schritt vorangekommen. Im Fachjournal „Scientific Reports“ beschreiben sie, dass sie pluripotente Nashornstammzellen gewonnen und eingehend untersucht haben. „Unsere nun veröffentlichte Arbeit trägt zum Verständnis der Pluripotenz bei – also zur Fähigkeit vom Stammzellen, in alle Körperzellen zu differenzieren“, sagt Erstautorin Dr. Vera Zywitza von der Technologieplattform „Pluripotente Stammzellen“ unter der Leitung von Dr. Sebastian Diecke am MDC. „Damit markiert sie einen bedeutenden Meilenstein auf dem Weg zur künstlich erzeugten Nashorn-Eizelle.“

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das BioRescue-Projekt mit vier Millionen Euro. Neben dem federführenden Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) ist in Deutschland das MDC daran beteiligt, und das Helmholtz Zentrum München ist ein Kooperationspartner von BioRescue.

Hohe Zellingenieurskunst

iPS-Zellen können in der Kulturschale alle Zellen des Körpers hervorbringen. Bei dem Vorhaben, daraus Keimzellen zu machen, arbeiten die Forscher*innen eng mit dem Labor des japanischen Stammzellforschers Professor Katsuhiko Hayashi von der Kyushu-Universität zusammen. Hayashi ist es 2016 gelungen, aus der Haut von Mäusen Eizellen zu generieren, diese künstlich zu befruchten und weiblichen Mäusen einzupflanzen. Die mit dieser Methode gezeugten Mäuse waren gesund und fruchtbar.

Die Herstellung der iPS-Zellen gelang dem Stammzellforscher Professor Micha Drukker und seinem Team vom Helmholtz Zentrum München sowie vom Leiden Academic Centre for Drug Research der Universität Leiden mit der Methode der episomalen Reprogrammierung. Dafür hat der Forscher fremde DNA-Moleküle in die Hautzellen eingeschleust, sogenannte Plasmide. Sie enthalten Gene, die die Hautzellen zu iPS-Zellen reprogrammieren. Die so erzeugten Nashornstammzellen sind humanen iPS-Zellen erstaunlich ähnlich. „Unter dem Mikroskop sind sie kaum von menschlichen iPS-Zellen zu unterscheiden,“ sagt Micha Drukker. „Außerdem reagieren sie sehr ähnlich auf äußere Einflüsse.“ 

Vielversprechender Ausgangspunkt, um Keimbahnzellen zu kultivieren

Es gibt verschiedene Zustände von iPS-Zellen. Sie können naïv – in einem sehr ursprünglichen Zustand – oder geprimed vorliegen. Von letzterem nimmt man an, dass er in der Embryonalentwicklung etwas weiter vorangeschritten ist. Aus Versuchen mit Stammzellen von Mäusen ist bekannt, dass sie Keimbahnzellen besonders gut beim Übergang von geprimed zu naïv hervorbringen. Beim Versuch, die Nashornzellen in den naïven Zustand zu versetzen, starben diese jedoch zunächst ab. Deshalb führten die Forschenden ein Gen in die Nashornzellen ein, das den Zelltod verhindert. Mit Erfolg: Sie erhielten naïve iPS-Zellen. „Wir haben die Zellen ausführlich unter anderem durch Analyse von Transkriptomdaten charakterisiert“, erklärt Vera Zywitza. „Die erfolgreiche Konvertierung in den naïven Zustand der Pluripotenz ist ein vielversprechender Ausgangspunkt, um Keimbahnzellen zu generieren.“

Dennoch machten Vera Zywitza und ihre Kolleg*innen an dieser Stelle vorerst nicht weiter. „Die iPS-Zellen enthalten dauerhaft fremdes genetisches Material, nämlich die Reprogrammierungsfaktoren und das Gen gegen den Zelltod. Daraus können wir keine Keimzellen machen, da das Risiko besteht, dass diese krankhaft verändert wären“, erklärt Vera Zywitza. Trotzdem sind diese Zellen ein sehr gutes Werkzeug, um die Stammzellen des Nashorns an sich zu erforschen und ihre verschiedenen Zustände besser zu verstehen. Mit ihrer Hilfe können Wissenschaftler*innen die molekularen Mechanismen erforschen, die in Stammzellen ablaufen. „Wir können zum Beispiel untersuchen, warum die Tragzeit beim Nashorn 16 Monate beträgt und bei der Maus nur 21 Tage“, erläutert die Wissenschaftlerin. „Oder wie sich die Organe in den unterschiedlichen Spezies entwickeln. Wir können damit wirklich viel über die Evolution lernen.“

Auch Eierstockgewebe wird benötigt

Mittlerweile hat die Arbeitsgruppe von Sebastian Diecke weitere iPS-Zellen erzeugt. Dabei haben die Wissenschaftler*innen die Reprogrammierungsfaktoren nicht mithilfe von Plasmiden eingeschleust, sondern mithilfe von RNA-Viren. Diese neuen iPS-Zellen enthalten nichts mehr, was nicht hineingehört. Nun versuchen die Wissenschaftler*innen, daraus Vorläuferzellen von Eizellen herzustellen.

Und nicht nur das: Vorläuferzellen reifen nur zu Eizellen heran, wenn sie von Eierstockgewebe umgeben sind. Es ist nahezu unmöglich, dieses Material aus lebenden oder verstorbenen Nashörnern zu erhalten. „Wir müssen also sowohl Vorläuferzellen kreieren als auch Eierstockgewebe“, fasst Vera Zywitza zusammen. Auch dabei stehen die Berliner Wissenschaftler*innen mit Katsuhiko Hayashi in engem Austausch. Er hat im vergangenen Jahr erfolgreich Eierstockgewebe aus Stammzellen von Mäusen kultiviert.

Bislang 14 Embryonen durch assistierte Reproduktion

Derweil gibt es ebenfalls Fortschritte in der assistierten Reproduktion: Zuletzt hatten Wissenschaftler*innen des Leibniz-IZW in Zusammenarbeit mit dem Kenya Wildlife Service, dem Wildlife Research and Training Institute, dem Safari Park Dvůr Králové und der Ol Pejeta Conservany im Januar 2022 Eizellen von Fatu entnommen. Im Avantea-Labor in Italien wurden sie zur Reifung gebracht und mit dem aufgetauten Sperma eines bereits verstorbenen Bullen befruchtet. Insgesamt 14 Embryonen des nördlichen Breitmaulnashorns gibt es jetzt. Sie schlummern bei minus 196 Grad in flüssigem Stickstoff. In naher Zukunft werden die Wissenschaftler*innen sie Leihmüttern des südlichen Breitmaulnashorns einpflanzen, in der Hoffnung, dass ein gesundes Kalb auf die Welt kommt.

14 Embryonen – das ist ein großer Erfolg der Reproduktionsbiologie. Es ist jedoch nicht viel, wenn daraus eine sich selbsterhaltene Anzahl von Tieren werden soll. „Najin und Fatu sind zudem eng miteinander verwandt und ihre Erbanlagen teilweise identisch“, sagt BioRescue-Projektleiter Professor Thomas Hildebrandt vom Leibniz-IZW. „Von Najin konnten wir aufgrund ihres Alters und Beeinträchtigungen im Reproduktionstrakt keine Eizellen gewinnen, aus denen erfolgreich Embryonen erzeugt werden konnten – alle 14 Embryonen stammen von Fatu. Wir brauchen daher dringend eine komplementäre Strategie, um von deutlich mehr Individuen Gameten – also Eizellen und Spermien – zu erzeugen.“

Arten erhalten, bevor es zu spät ist

„Funktionsfähige Eizellen des nördlichen Breitmaulnashorns – das wäre die Krönung unserer Forschungsarbeit“, sagt Sebastian Diecke. Sie könnte Vorbildcharakter für andere bedrohte Tierarten haben: Gelingt die Fortpflanzung aus Stammzellen, könnten auf diese Weise weitaus mehr bedrohte oder vom Menschen bereits ausgerottete Arten wiederbelebt werden. Im Frozen Zoo – dem „Gefrorenen Zoo“ – am Beckman Center for Conservation Research in San Diego und in der Biobank des Instituts für Wildtierforschung in Berlin lagern über 10.000 tiefgefrorene Zellkulturen von mehr als 1.000 bedrohten Arten. „Diese Ressource könnte man verwenden“, sagt Sebastian Diecke. Das nördliche Breitmaulnashorn wäre dann nur der Anfang – „auch wenn es mir am besten gefallen würde, wenn unser Ansatz nie verwendet werden müsste und mehr für die Arterhaltung getan wird, bevor es zu spät ist.“

Für Vera Zywitza steht derweil fest: Sollte irgendwann ein nördliches Breitmaulnashorn dank Stammzelltechnologien geboren werden, würde sie es gerne kennenlernen.

Weiterführende Informationen

Literatur

Vera Zywitza et al (2022): Naïve‑like pluripotency to pave the way for saving the northern white rhinoceros from extinction, in: Scientific Reports, DOI: 10.1038/s41598-022-07059-w

Gemeinsame Pressemitteilung des MDC und des Leibniz-IZW

www.mdc-berlin.de

forschen / 11.03.2022
ERC-Starting Grant für die Erforschung der Wirkung von Isotopen in der Chemischen Biologie

Live-Zellbildgebung von nativen Zelloberflächenrezeptoren (hier GLP1R in rot) in lebenden Zellen (Kern in grün, Maßstabsbalken = 5 Mikrometer). Autor: Johannes Broichhagen und Ramona Birke
Live-Zellbildgebung von nativen Zelloberflächenrezeptoren (hier GLP1R in rot) in lebenden Zellen (Kern in grün, Maßstabsbalken = 5 Mikrometer). Autor: Johannes Broichhagen und Ramona Birke

Der renommierte Starting Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) wurde an Dr. Johannes Broichhagen vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) verliehen.

Dr. Broichhagen wird die mit 1,5 Millionen Euro dotierte Förderung nutzen, um an verschiedenen Fronten an der Visualisierung und Manipulation von Biomolekülen zu arbeiten, um deren Lokalisierung und Funktion grundlegend zu verstehen. Ein Traum vieler Zellbiologen und Bildgebungsspezialisten ist es, ein Molekül so abzubilden, wie es sich in lebenden Zellen verhält, da dies die uneingeschränkte Untersuchung von biologischen Proben ermöglichen würde. Das bedeutet, dass keine Gentechnik, keine Singulett-Sauerstoff-Erzeugung und keine Notwendigkeit, zusätzliche Moleküle einzuführen, eine biologische Probe stören würde. Dr. Broichhagen sieht also die Verwendung einer bio-orthogonalen Einheit vor, die von der Biologie und dem Stoffwechsel einer Zelle „unsichtbar“ bleibt, aber eine Signatur aufweist, die vom Forscher „gesehen“ werden kann. In seiner Arbeit versucht er, diesen Schritt zu überwinden, indem er Deuterium schrittweise in kleine Moleküle einführt. Dieser bahnbrechende Ansatz kann nur mit Hilfe der organischen Synthese erreicht werden, die flexibel genug ist, um Deuterium an den gewünschten Positionen auf molekularen Gerüsten einzuführen. Das Wissen muss aufgebaut werden, und so werden deuterierte Chromophore (d.h. Fluoreszenzfarbstoffe und kleine Molekül-Fotoschalter) für bestimmte Disziplinen der Chemischen Biologie synthetisiert, z.B. im Rahmen von Programmen zur Aufklärung der Position und Aktivität von Rezeptoren in endokrinem- und im Nervengewebe. Darüber hinaus will er tiefere Kenntnisse über physiologische und pathologische Zustände erlangen und die einzigartigen Eigenschaften einer Kohlenstoff-Deuterium-Bindung in der Bildgebung nutzen, um eine „markierungsfreie Kennzeichnung“ zu ermöglichen und die Pharmakokinetik zugelassener Arzneimittel mit noch nicht vollständig identifizierten Wirkmechanismen schnell und sauber zu bewerten.

Titel des Projekts: deuterON: Introducing deuterium for next generation chemical biology probes and direct imaging

Über die ERC-Grants: Das Förderprogramm des Europäischen Forschungsrats (ERC) ist eines der renommiertesten in Europa. Starting Grants unterstützen exzellente Forscher:innen, die mit einem eigenen unabhängigen Team oder Programm beginnen.  Die Grants sind mit bis zu 1,5 Millionen Euro über fünf Jahre dotiert.

forschen / 10.03.2022
Wie SARS-CoV-2 die Proteinfabrik der Zelle kapert

Bislang wurde widersprüchlich diskutiert, wie Coronaviren es schaffen, Wirtszellen zu kapern und dabei die körpereigene Abwehr zu blockieren. Forschende um Marina Chekulaeva vom MDC haben nun den entscheidenden Mechanismus entschlüsselt. Ihre Ergebnisse stellen sie im Fachjournal „RNA“ vor.

Etwas mehr als zwei Jahre sind seit dem Ausbruch des Coronavirus SARS-CoV-2 vergangen. Um das Virus in Schach zu halten und seine pandemische Ausbreitung zu stoppen, stehen bislang hauptsächlich Impfstoffe zur Verfügung. Diese vermögen derzeit die Übertragung des Virus jedoch nicht vollständig zu stoppen. Zudem ist damit zu rechnen, dass künftige Virusvarianten derart verändert sind, dass sie den Impfschutz umgehen können. Daher ist es von großer Bedeutung, das Virus und die Mechanismen, mit denen es Zellen infiziert, eigene Eiweißmoleküle herstellt und schließlich neue Viruspartikel produziert, besser zu verstehen. So lassen sich mögliche Angriffspunkte für die gezielte Therapie einer Infektion mit SARS-CoV-2 finden.

Ein Forschungsteam um Dr. Marina Chekulaeva am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) hat gemeinsam mit Kolleg*innen des Leibniz-Instituts für Analytische Wissenschaften in Dortmund herausgefunden, wie das Virus die Proteinfabrik der Zelle für sich einnimmt – um virale Proteine zu synthetisieren, gleichzeitig die Produktion von körpereigenen Eiweißstoffen zu blockieren und so die Immunantwort der Wirtszelle auszuhebeln. Im Fachjournal „RNA“ stellen die Wissenschaftler*innen ihre Ergebnisse vor.

NSP1 unterdrückt die Proteinproduktion in der Zelle

Schon länger hatten Forschende in diesem Zusammenhang ein virales Protein mit dem Kürzel NSP1 im Visier. Es ist das erste Virusprotein, das nach der Infektion der Wirtszelle entsteht. „NSP1 unterdrückt die Proteinproduktion der Zelle, ohne dabei die Synthese viraler Proteine zu beeinträchtigen“, sagt Marina Chekulaeva. „Darüber, wie das gelingt, gab es bislang sehr widersprüchliche Hypothesen. Wir haben beschlossen, diesen Mechanismus mit Lucija Buinic zu erforschen, der Erstautorin des Manuskripts. Sie hat während des Lockdowns in unserem Labor ihre Masterarbeit geschrieben.

Marina Chekulaeva ist es mit ihrem Team gelungen, diesen Prozess aufzudecken. Bekannt war bereits, dass sich das NSP1-Protein an die Ribosomen heftet, die der Zelle als Proteinfabriken dienen. Genauer gesagt, verankert es sich im Tunnel, durch das die messenger-RNA (mRNA) in das Ribosom eintritt, damit die Bauanleitung abgelesen und schließlich in Proteine übersetzt werden kann. Dadurch ist das Ribosom quasi blockiert: Zelluläre mRNAs gelangen nicht mehr in die Proteinfabrik, die Synthese wichtiger zellulärer Eiweißmoleküle der Zelle kann nicht stattfinden. Das betrifft letztlich auch die Immunantwort, die auf diese Weise unterdrückt wird.

Haarnadelstruktur dient als Passierschein

Allerdings benötigen auch virale mRNAs Zugang zu den Proteinfabriken, damit letztlich neue Viruspartikel entstehen können. Wie aber umgehen diese die Blockade, die das Virus verursacht hat? Marina Chekulaeva und ihr Team haben festgestellt, dass dabei bestimmte Nukleotide in einer speziellen Struktur der viralen mRNA, der sogenannten Haarnadel oder Stammschleife, eine Rolle spielen. Diese Haarnadel scheint als eine Art Passierschein zu dienen: Sie interagiert mit NSP1, das dadurch den Weg in das Ribosom freigibt. Das virale Protein kann synthetisiert werden.

„Wir haben damit drei mögliche Angriffspunkte für die antivirale Therapie entdeckt“, sagt Marina Chekulaeva. Eine Möglichkeit wäre, das NSP1-Protein selbst anzugreifen, sodass es nicht mit dem Ribosom interagieren kann. Alternativ könnte die Interaktion zwischen dem NSP1-Protein und der viralen mRNA unterbunden werden. Dazu könnte man etwa die Stelle blockieren, an der NSP1 mit der Haarnadelstruktur interagiert.

Es wäre auch denkbar, gezielt virale mRNA zu beseitigen. Chekulaeva und ihr Team haben dafür chemisch veränderte und dadurch stabilisierte Oligonukleotide hergestellt, die sich an die Haarnadelstruktur heften. So entsteht ein RNA-DNA-Hybrid, der von der Zelle beseitigt wird. Da diese Haarnadelstruktur spezifisch ist für virale mRNA, ist ein solcher Eingriff sehr spezifisch – die zelluläre mRNA und damit die Proteinsynthese der infizierten Zelle werden nicht beeinträchtigt. „Zudem handelt es sich um eine sehr wichtige Struktur, von der wir mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen dürfen, dass sie kaum mutiert“, sagt Chekulaeva. „Eine Resistenzbildung wäre also eher unwahrscheinlich.“

Zumindest im Experiment in der Kulturschale sind alle drei Möglichkeiten denkbar. Welche davon sich letztlich für die Therapie eignet, werden künftige Untersuchungen zeigen müssen.
 

Weitere Informationen

Literatur

Lucija Bujanic et al (2022): “The key features of SARS-CoV-2 leader and NSP1 required for viral escape of NSP1-mediated repression“, in: RNA, DOI: 10.1261/rna.079086.121

 

www.mdc-berlin.de

10.03.2022
Darmkrebs-Vorsorge kann Leben retten - Telefonsprechstunde am 14. März

© Thomas Oberländer/Helios Kliniken
© Thomas Oberländer/Helios Kliniken

Telefonsprechstunde zum Thema Darmkrebs und Darmkrebsvorsorge am 14. März

Der März steht ganz im Zeichen der Aufklärung und Prävention von Darmkrebs, denn frühes Erkennen könnte Darmkrebsfälle verhindern oder heilen. Anlässlich des bundesweiten Darmkrebsmonats informieren drei Experten aus dem zertifizierten Darmkrebszentrum im Helios Klinikum Berlin-Buch im Rahmen einer Telefonsprechstunde Interessierte, Betroffene und Angehörige über Vorsorge und Früherkennung sowie Therapiemöglichkeiten bei Darmkrebs

Prof. Dr. med. Frank Kolligs, Prof. Dr. med. Martin Strik und Priv.-Doz. Dr. med. Robert Siegel haben ein gemeinsames Ziel. Sie wollen mehr Menschen zur Darmkrebsvorsorge bewegen, denn keine andere Krebsart bietet durch Früherkennung so große Heilungschancen. Die drei Experten bieten am Montag, 14. März von 16 bis 17 Uhr eine Telefonsprechstunde zum Thema Darmkrebs und Darmkrebsvorsorge an und klären individuelle Fragen.

Darmkrebs, genauer Krebs des Dickdarms oder Mastdarms, gehört zu den häufigsten Krebsarten in den westlichen Ländern. Allein in Deutschland erkranken jährlich rund 61.000 Menschen an einem bösartigen Darmtumor, fast 25.000 sterben daran. Ab dem 50. Lebensjahr steigt das Risiko einer bösartigen Veränderung der Darmschleimhaut, meist spüren Betroffene zu Beginn der Erkrankung nichts. „Die Erkrankung entwickelt sich schleichend und wird daher oft erst spät erkannt. Daher ist es besonders wichtig, mögliche Warnzeichen ernst zu nehmen und zur Darmkrebsvorsorge zu gehen“, erklärt Prof. Dr. med. Frank Kolligs, Chefarzt der Inneren Medizin und Gastroenterologie, Leiter des Interdisziplinären Endoskopiezentrums sowie stellv. Leiter des Darmkrebszentrums im Helios Klinikum Berlin-Buch. Um Darmkrebs zu verhindern, sollten Männer spätestens ab dem 50. und Frauen spätestens ab dem 55. Lebensjahr zur Früherkennung gehen.

Vorsorge und Früherkennung

Darmkrebs zeigt am Anfang meist keine Symptome und kann zunächst unbemerkt bleiben. Die Wahrscheinlichkeit, daran zu erkranken, hängt von genetischen und anderen Faktoren ab. Die meisten davon sind beeinflussbar. Eine Darmspiegelung ermöglicht den Experten die frühzeitige Erkennung bösartiger Veränderungen der Darmschleimhaut. „Mithilfe moderner Endoskope können wir in hochauflösender Qualität und besonders schonend Polypen, die eine Vorstufe von Darmkrebs darstellen, erkennen und frühzeitig behandeln“, betont Prof. Kolligs. Angst vor einer Darmspiegelung braucht niemand zu haben, beruhigt der Mediziner: „Es besteht die Möglichkeit die Untersuchung unter Kurznarkose durchzuführen. Patienten werden diese dann im wahrsten Sinn des Wortes verschlafen.“

Abgesehen von einer Vorsorge, gibt es aber auch verschiedene Beschwerden, die die Betroffenen ernst nehmen sollten. Dazu gehören krampfartige Schmerzen im linken Unterbauch, sehr unregelmäßiger Stuhlgang, mit Schmerzen verbunden, Blut im Stuhl, teerfarbener Stuhl, starke Gewichtsabnahme und Blutarmut. Diese Symptome können jedoch auch auf andere Erkrankungen hinweisen, was eine medizinische Abklärung umso wichtiger macht. 

Diagnose Darmkrebs: Was nun?

Sollte ein Tumor diagnostiziert werden, ist es wichtig, dass er in einem zertifizierten Darmkrebszentrum behandelt wird. Hier arbeiten mehrere Fachdisziplinen eng zusammen und können gezielt die erforderlichen Therapiemaßnahmen zusammenstellen. „Für jeden Betroffenen entwickeln wir eine individuelle Therapie. Entscheidend ist, dass der Betroffene engmaschig betreut wird und ein Behandlungsschritt unverzüglich auf den nächsten erfolgen kann. Das Zusammenwirken der Disziplinen spielt dabei eine wichtige Rolle“, sagt Priv.-Doz. Dr. med. Robert Siegel, Bereichsleiter kolorektale Chirurgie und CED-Zentrum sowie Koordinator des zertifizierten Darmkrebszentrums im Helios Klinikum Berlin-Buch. 

Eine Vielzahl der Operationen bei Darmkrebs können inzwischen minimalinvasiv durchgeführt werden. „Durch die sogenannte Schlüsselloch-Technik genesen die Patienten schneller, haben weniger Schmerzen und geringere Wund- und Narbenbeschwerden“, sagt Prof. Dr. med. Martin Strik, Leiter des zertifizierten Darmkrebszentrums sowie Chefarzt der Chirurgie, und ergänzt: „Auch im Stadium mit Metastasen können wir durch neueste Behandlungsmethoden oft die Lebensqualität der Betroffenen erhalten und die Lebenszeit verlängern.“

Telefonsprechstunde

Um mehr Menschen für eine Vorsorge-Untersuchung zu motivieren und über Therapiemöglichkeiten aufzuklären, bieten die drei Mediziner am Montag, 14. März, von 16 bis 17 Uhr eine Telefonsprechstunde an. Fragen zu Vorsorgeuntersuchungen, zur Behandlung von Dick- und Mastdarmkrebs, zur operativen Therapie bei Darmkrebs und weitere Fragen rund um das Thema Darmkrebs können im Rahmen der Sprechstunde besprochen werden. Unter der Rufnummer (030) 9401-5 4444 können sich Betroffene, Angehörige und Interessierte beraten lassen. Die Sprechstunde ist kostenfrei und ohne Anmeldung nutzbar.

Gut zu wissen:

Das zertifizierte interdisziplinäre Darmkrebszentrum im Helios Klinikum Berlin-Buch bietet eine umfassende medizinische Versorgung auf höchstem Niveau mit Beratung von Risikopersonen, Prävention und Früherkennung, endoskopischer und radiologischer Diagnostik, medikamentöser und operativer Therapie, Bestrahlung und strukturierter Nachsorge. Bei jedem Darmkrebspatienten erfolgt die individuelle Festlegung des Behandlungskonzeptes in unserer interdisziplinären Tumorkonferenz.

Weitere Infos zum Thema Darmkrebs unter: www.helios-gesundheit.de/darmkrebsmonat

Kontakt:

Helios Klinikum Berlin-Buch

Zertifiziertes Darmkrebszentrum Berlin-Buch

Schwanebecker Chaussee 50, 13125 Berlin

T (030) 94 01-12720/23

robert.siegel@helios-gesundheit.de

www.helios-gesundheit.de/berlin-buch

 

Foto (Archivbild): (v.l.n.r.) Prof. Dr. med. Frank Kolligs, Prof. Dr. med. Martin Strik und Priv.-Doz. Dr. med. Robert Siegel wollen im Rahmen einer Telefonsprechstunde mehr Menschen für eine Vorsorge-Untersuchung motivieren und über Therapiemöglichkeiten aufklären. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

forschen / 07.03.2022
Lipid-Kinase Klasse II PI3K: Struktur von neuem Arzneimitteltarget aufgeklärt

Strukturmodell der aktiven PI3KC2α an der Plasmamembran (Abb.: Wen-Ting Lo, FMP)
Strukturmodell der aktiven PI3KC2α an der Plasmamembran (Abb.: Wen-Ting Lo, FMP)

Die Phosphoinosit 3-Kinase, kurz PI3K, ist eine Gruppe von Lipid-Kinasen, die Schlüsselfunktionen im menschlichen Körper, etwa bei der Zellteilung, beim Stoffwechsel und beim Zellwachstum ausüben. Während die Klasse I PI3-Kinase-α gut erforscht und ein wichtiger Angriffspunkt für Krebsmedikamente ist, ist über die Klasse II dieser Lipid-Kinase-Familie bisher wenig bekannt. Nun konnten Forscher vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) deren Struktur und Funktionsweise aufklären. Erste Resultate sind wegweisend für die Entwicklung neuartiger Blutplättchenhemmer. Zudem erhärtet sich der Verdacht, dass die Hemmung der Klasse II Kinase PI3KC2α die Angiogenese von Tumoren stoppen könnte. Die Arbeit ist jetzt in „Nature Structural & Molecular Biology“ erschienen. Eine zweite in „Science“ publizierte Arbeit führt zu einer weiteren wichtigen Spur.

Lipid-Kinasen gehören zu den vielversprechenden Targets neuer Arzneimittel-Klassen. Das liegt vor allem an der Klasse I PI3-Kinase-α, die bei der Entstehung von Krebs und Metastasen eine bedeutende Rolle spielt. In 30-40% aller Tumore ist dieses Enzym hyperaktiv, was zu unkontrolliertem Zellwachstum führt. Seit zwei Jahrzehnten wird diese gut erforschte Lipid-Kinase darum als Angriffspunkt für Krebsmedikamente genutzt.
Dagegen weiß man bislang nur wenig über das Schwester-Enzym, die Klasse II PI3-Kinase-α. Sie soll ebenfalls an zahlreichen biomedizinischen Vorgängen beteiligt sein, zum Beispiel an der Aggregation von Blutplättchen oder der Bildung neuer Blutgefäße, der sogenannten Angiogenese. Doch um Fehlfunktionen besser zu verstehen und medikamentös anzugehen, muss man wissen, wie diese Kinase im Detail aussieht und wie sie funktioniert.
Genau das ist Forschern vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) jetzt gelungen. Mit einer Kombination aus Röntgenkristallografie und Kryoelektronenmikroskopie (Kryo-EM) konnte die Arbeitsgruppe von Prof. Volker Haucke die Struktur der Klasse II PI3-Kinase-α (PI3KC2α) aufklären und zum ersten Mal den Aktivierungsmechanismus des Enzyms beschreiben. Dadurch ergeben sich nun völlig neue therapeutische Ansatzpunkte. Die Arbeit ist jetzt in „Nature Structural & Molecular Biology“ erschienen.

Hemmung der Kinaseaktivität könnte etlichen Patienten helfen
„Man kann davon ausgehen, dass die Hemmung der Kinaseaktivität in vielen biomedizinischen Anwendungen eine Rolle spielt, etwa dem Wachstum oder der Angiogenese von Tumoren“, erklärt Volker Haucke. „Und sie dürfte auch für die Hemmung der Blutplättchenaggregation wichtig sein.“
So weiß man, dass die Kinase benötigt wird, damit Blutplättchen einen Thrombus bilden. Interessant ist dabei, dass die Funktion der Kinase PI3KC2α strömungsabhängig ist, also abhängig vom Blutdruck. Würde man nun die Kinase medikamentös hemmen, würde die Plättchenaggregation vor allem im Fall eines Blutdruckanstiegs gestoppt. Die meisten „Blutverdünner“, die Patienten heute zur Vermeidung thromboembolischer Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall bekommen, wirken dagegen auch bei normalem Blutdruck, was fatale Nebenwirkungen wie Hirnblutungen haben kann. PI3KC2α-Kinase Inhibitoren hätten ein deutlich besseres pharmakologisches und biomedizinisches Profil als die bisherigen Blutplättchenhemmer, vermuten die FMP-Forscher.
Erste Experimente mit potenziellen Wirkstoffkandidaten zeigten auch schon, dass eine Hemmung der Kinase grundsätzlich möglich ist. Die Aufklärung der Struktur und des Aktivierungsmechanismus war dafür essentiell.

Voraussetzung für neue Medikamente geschaffen
Die Forschenden haben nämlich herausgefunden, wie die Bindetasche der Kinase beschaffen ist, die das Lipid und Adenosintriphosphat (ATP) als „zelluläre Währung“ bindet, um so die Übertragung einer Phosphatgruppe auf das Lipid zu ermöglichen. Außerdem wissen die Forscher nun, welche Art von "molekularer Gymnastik" die Kinase durchlaufen muss, um genau an der richtigen Stelle in der Zelle aktiviert zu werden.
„Diese Informationen sind die entscheidenden Voraussetzungen, um einen spezifischen Inhibitor zu entwickeln, der eben ausschließlich PI3KC2α hemmt und kein anderes verwandtes Enzym“, so Wen-Ting Lo, der Erstautor der Studie. Das Team um Volker Haucke und Wen-Ting Lo arbeitet bereits mit anderen Wissenschaftlern des Instituts an spezifischen Hemmstoffen, welche die ATP Bindetasche des Enzyms besetzen und somit die enzymatische Reaktion verhindern.

Kinase am letzten Stadium der Zellteilung beteiligt
Doch die FMP-Forscher haben noch mehr über PI3KC2α herausgefunden. Gemeinsam mit der Gruppe von Emilio Hirsch, Universität Turin, konnten die Forschenden zeigen, dass die Kinase auch am letzten Stadium der Zellteilung beteiligt ist, der sogenannten Zytokinese.
Ausgangspunkt der in „Science“ publizierten Arbeit waren Patienten, bei denen die Kinase aufgrund von Mutationen fehlt. Diese Personen leiden neben diversen Organdefekten an einer Linsentrübung, dem sogenannten Katarakt. An Mäusen und Zebrafischen konnte das Forscherteam aufzeigen, wie der Funktionsverlust des Enzyms zum „Grauen Star“ führt.
Bei der Zellteilung verdoppelt sich das Erbmaterial und wird anschließend auf die beiden Tochterzellen verteilt. Ein Schnitt durch die Zellmembran trennt schließlich die Tochterzellen voneinander. Doch wenn die Kinase fehlt, kommt es nicht zu diesem letzten Schnitt, weil ein entscheidendes Lipid, das nur von PI3KC2α hergestellt werden kann, fehlt. Die Epithelzellen der Augenlinse bleiben deshalb in der Zellteilung stehen. Damit ist nun geklärt, warum diese Patienten an einem Katarakt leiden. Der Fund hat aber noch eine weitere darüber hinausgehende Bedeutung: Die Erkenntnis, dass die Kinase eine maßgebliche Komponente der Zytokinese, also der Trennung der Tochterzellen, ist – dieser Mechanismus könnte auch für Tumore, die auf ständige Zellteilung angewiesen sind, von großer Bedeutung sein. Damit würden PI3KC2α Hemmstoffe möglicherweise auch neue Perspektiven in der Krebstherapie eröffnen.

Abbildung:
Strukturmodell der aktiven PI3KC2α an der Plasmamembran. In dieser offenen Konformation assoziieren die distalen PX und C2 Domänen mit Plasmamembranlipiden, während die Ras-bindende Domäne (RBD) an ein bislang unbekanntes Rab Protein bindet. (Abb.: Wen-Ting Lo, FMP)

www.leibniz-fmp.de

forschen, produzieren, heilen, bilden / 03.03.2022
Campus Berlin-Buch kürte Regional-Sieger von „Jugend forscht“

Prof. Volker Haucke, Direktor des Leibniz-Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (FMP), mit der Urkunde über den Campus-Sonderpreis für Mono Bergheim vom Primo-Levi-Gymnasium
Prof. Volker Haucke, Direktor des Leibniz-Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (FMP), mit der Urkunde über den Campus-Sonderpreis für Mono Bergheim vom Primo-Levi-Gymnasium

Von einer Schul-App für Covid-Schnelltests über Methoden der Makrofotografie bis zum smarten Rollator – beim 57. Regionalwettbewerb wurden in Buch viele spannende Projekte bewertet

Am 1. März 2022 präsentierten Schülerinnen und Schüler ihre Forschungsarbeiten beim Online-Wettbewerb „Jugend forscht“ unter dem Motto „Zufällig genial?“ auf dem Campus Berlin-Buch. Insgesamt 38 Projekte betreute der Campus für den Berliner Regionalwettbewerb. Für die Umsetzung sorgten drei Pateneinrichtungen des Campus: das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), die Campus Berlin-Buch GmbH und – assoziiert – das Experimental and Clinical Research Center (ECRC) von MDC und Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Campus-Sonderpreis: Ein Tag im Labor
Bei der Siegerehrung am 2. März 2022 wurden zehn erste Preise vergeben, verteilt auf die Wettbewerbssparten „Jugend forscht“ und „Schüler experimentieren“. Ein Projekt im Fachbereich Arbeitswelt gewann zusätzlich als „bestes interdisziplinäres Projekt“. Damit rücken insgesamt elf Projekte auf die nächste Stufe des bundesweiten Wettbewerbs: Die Gewinnerinnen und Gewinner dürfen beim Landeswettbewerb an der TU Berlin teilnehmen.

Zusätzlich zu den 1. bis 3. Plätzen ging der Sonderpreis „Plus-MINT“ an eine zehnjährige Schülerin und ihr Projekt einer „Smiley-Maske“, die Gesichtsausdrücke trotz Bedeckung zeigen kann. Den Sonderpreis „Energiewende“ erhielt das Projekt-Team „Windkraft-Anlage an Hochhäusern“.

In den Fachgebieten Physik, Arbeitswelt und Technik qualifizierten sich darüber hinaus drei Teams und ein Schüler mit Einzelprojekt für den Campus-Sonderpreis: Sie können demnächst einen Tag im Labor verbringen und erhalten dabei Einblicke in die Forschung der jeweiligen Institute.

Der Sonderpreis des MDC geht an das Team Faris Alagic, Lilly Persch und Konrad Vogt. Die drei erhielten außerdem im Fachgebiet Arbeitswelt den ersten Preis. Die Schüler*innen des Humboldt-Gymnasiums in Berlin-Tegel haben während der Corona-Pandemie 2021 in ihrem Informatik-Leistungskurs und in der Freizeit eine Software entwickelt, mit der Covid-Schnelltests an ihrer Schule besser organisiert und digitalisiert wurden. Auf der Grundlage dieser Software konnte zudem eine App entwickelt werden, die erfolgreich genutzt wird. „Die Schüler*innen haben mit Sachverstand, Phantasie, geradezu unternehmerischer Initiative und persönlichem Engagement für ihre Schulgemeinschaft sehr viel bewegt“, sagte Kirstin Bodensiek, Leiterin der Rechtsabteilung des MDC, bei der Preisverleihung. „Besonders beeindruckt mich, dass die Nachwuchs-Informatiker*innen ihr Projekt immer weiter verbessern und einfach nicht aufgeben. Außerdem haben sie mit ihrer Erfindung auch etwas für die Umwelt getan – denn sie spart viel Papier.“

Das FMP zeichnet Mono Bergheim, einen Schüler des Primo-Levi-Gymnasiums, aus. Er verglich verschiedene Methoden und Aspekte der Makrofotografie. Professor Volker Haucke, Direktor des FMP, bemerkte zu dieser Arbeit: „Die Ernsthaftigkeit und Genauigkeit, mit der Mono Bergheim die optischen Grundlagen der Makrofotografie bearbeitet hat und die augenfälligen Ergebnisse sind bemerkenswert. Kleinste Details sichtbar zu machen, ist ein wesentlicher Aspekt der Wissenschaft, den er im Rahmen seiner Möglichkeiten hervorragend ausgeschöpft hat.“

Rolli, der Rollator der Zukunft

Professor Friedemann Paul, Direktor des ECRC, zeigte sich beeindruckt von der Arbeit von Christian Diem, 13 Jahre, und Ferdinand Stein, 12 Jahre. Ihre Arbeit wurde nicht nur mit dem Campus-Sonderpreis, sondern auch mit dem ersten Preis im Fachbereich Technik ausgezeichnet. Die Schüler des Humboldt-Gymnasiums haben in der Sparte Technik eine Lösung für ein Alltagsproblem entwickelt. Sie hatten beobachtet, dass einer der Großväter Schwierigkeiten hatte, seinen Rollator beim Gehen zu bremsen und dadurch in Gefahr geriet zu stürzen. Dies spornte sie an, „Rolli“ zu entwickeln, einen Rollator, der bremst, wenn der Nutzer zu schnell wird, und damit Unfälle verhindert. „Mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln wie Legobausteinen und sinnvoll durchdachter Programmierung mit schülerverständlicher Software konnte bei diesem Projekt in hervorragender Eigenleistung ein Rollator entwickelt werden, der hoffentlich in naher Zukunft Anwendung finden könnte“, so Professor Paul.

In der Sparte „Schüler experimentieren“, Fachgebiet Physik, erhielten Theo Suchomski, Minh-Nhat Le und Justus Stephan vom Humboldt-Gymnasium einen Sonderpreis für ihren Bau einer Nebelkammer. Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführer der Campus Berlin-Buch GmbH, würdigte ihr Projekt bei der Preisübergabe: "Radioaktive Strahlung – eingesetzt in der Krebstherapie oder als Ersatz für fossile Energiequellen – ist ein Thema, das sicherlich kontroverse Diskussionen hervorrufen kann. Damit man sich ein umfassendes Bild machen kann, muss man zu allererst verstehen: Was ist Radioaktivität, und wo kommt sie her? Eine Nebelkammer zu bauen, um die Radioaktivität sichtbar zu machen, ist dafür ein guter Ansatz. Wenn dann noch auf das sonst übliche gefrorene Kohlenstoffdioxid verzichtet werden kann, ist das ein hervorragender Beitrag zur Klimarettung. Mit Hilfe des Vaters von Theo Suchomski konnten die jungen Forscher, zwischen elf und zwölf Jahren alt, den physikalischen Eigenschaften der Radioaktivität schon sehr früh und mit Erfolg auf die Spur kommen.“

Im nächsten Jahr wird der Campus den „Jugend forscht“-Wettbewerb gern wieder unterstützen – hoffentlich in Präsenz und nicht mehr im Online-Format. „Es ist uns wichtig, die Begeisterung für MINT-Fächer und fürs Forschen so früh wie möglich zu fördern“, so Dr. Ulrich Scheller. „Der Wettbewerb ‚Jugend forscht‘ ist ein Baustein unserer naturwissenschaftlichen Bildungsarbeit auf dem Campus.“
 

Weiterführende Informationen


Kontakt
Annett Krause
Öffentlichkeitsarbeit
Campus Berlin-Buch
Tel.: +49-(0)30-9489-2920
a.krause@campusberlinbuch.de

 

www.campusberlinbuch.de

forschen, produzieren, heilen / 01.03.2022
Berliner Zukunftsorte starten Kampagne „Zukunft ist, wenn…“

Motiv des Zukunftsorts Berlin-Buch (© Zukunftsorte Berlin)
Motiv des Zukunftsorts Berlin-Buch (© Zukunftsorte Berlin)

Die Berliner Zukunftsorte starten in dieser Woche eine breit angelegte Kampagne. Innovative Motive veranschaulichen, wie in Berlin an wichtigen Aufgaben für die Zukunft der Stadt gearbeitet wird. Auf 146 City-Light-Säulen und 237 Public-Video-Stations sowie mit Social-Media-Werbung werden die Zukunftsthemen einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Drei Motive machen den Anfang. Über das Jahr verteilt werden dann weitere Motive in der Stadt gezeigt.

Die Geschäftsstelle der Berliner Zukunftsorte ist ein von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe seit 2017 eingerichtetes Regionalmanagement mit den Kernaufgaben Vermarktung, Vernetzung und Kommunikation. Ein Ziel ist es, die elf Berliner Zukunftsorte und die Standortvorteile Berlins sichtbarer und bekannter zu machen, in dem anschaulich gezeigt wird, wie aus wissenschaftlichen Erkenntnissen innovative Produkte und Leistungen entstehen.

Hervorgehoben werden bei der Kampagne: „Zukunft ist, wenn …“ folgende Herausforderungen: Wie können wir die Welt vom Plastikmüll befreien, die Artenvielfalt erhalten oder Krankheiten wie Krebs besiegen? Ist es möglich, das Leben für alle Menschen lebenswerter zu machen und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen zu schonen? Die Kampagne stellt zum Start unter folgenden Slogans drei Lösungen vor:

  1. „Zukunft ist, wenn Plastikmüll Geschichte ist.“ (zukunftsorte.berlin/plastik)
    Am Zukunftsort „Berlin Adlershof“ entwickeln Forschende aus der Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik e.V., Mitglied der Zuse-Gemeinschaft, eine digitale Technik, Mikropartikel im Abwasser so aufzuspüren, dass sie herausgefiltert werden können und nicht in unsere Gewässer gelangen.
  1. „Zukunft ist, wenn die Bienen wiederkommen.“ (zukunftsorte.berlin/bienen)
    Am Zukunftsort „Technologie-Park Berlin Humboldthain“ wurde das Projekt „Sens4Bee“ vom Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM ins Leben gerufen. Das Ziel ist, mithilfe von Sensoren in Bienenstöcken und an Einzeltieren genügend Daten zu erheben, um die Verbindung von Bienenwohl und Umweltereignissen zu analysieren.
  1. „Zukunft ist, wenn Krebs nur noch ein Tier ist.“ (zukunftsorte.berlin/krebs)
    Am Zukunftsort „Berlin-Buch“ entwickelt T-knife neuartige Immuntherapien gegen Krebs: Sie bringen den T-Zellen von Patient:innen bei, solide Tumoren zu erkennen und zu bekämpfen. T-knife ist ein Spin-off des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) zusammen mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

 

Zukunftsorte Berlin

T-knife

forschen / 28.02.2022
Multiples Myelom: Warum der Krebs wiederkehrt

Die Massenspektrometrie bietet neue Ansätze für die personalisierte Krebsmedizin (Foto: David Ausserhofer, MDC)
Die Massenspektrometrie bietet neue Ansätze für die personalisierte Krebsmedizin (Foto: David Ausserhofer, MDC)

Mit zukunftsweisenden Methoden der Proteomanalyse hat ein interdisziplinäres Berliner Forschungsteam einen bisher unbekannten Mechanismus entschlüsselt, der einen Rückfall von Knochenmarkskrebs verursachen kann. Das berichten die Teams um Jan Krönke und Philipp Mertins in „Nature Communications“.

Selbst nach einer zunächst erfolgreichen Behandlung kehrt ein Multiples Myelom, der häufigste Knochenmarkkrebs in Deutschland, fast immer zurück. Die Ursachen für die Therapieresistenz, wie genetische Veränderungen, und die damit verbundene Rückkehr der Erkrankung sind jedoch nur in wenigen Fällen bekannt. Wie ein Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin, des Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) jetzt zeigt, macht die vermehrte Produktion eines bestimmten Proteins den Krebs unempfindlich gegen die Therapie. Die im Fachmagazin „Nature Communications“ veröffentlichten Ergebnisse eröffnen neue Behandlungsperspektiven.

Das Multiple Myelom ist eine Krebserkrankung, bei der Immunzellen im Knochenmark, die Plasmazellen, entarten. Das kann zur Schwächung des Immunsystems, Nierenversagen und starkem Knochenabbau und daraus folgenden Knochenbrüchen führen. Die durchschnittliche Überlebensdauer der Betroffenen hat sich mittlerweile durch neue Behandlungsmöglichkeiten deutlich verbessert. Beispielsweise drängt eine Therapie mit den Medikamenten Lenalidomid und Pomalidomid den Krebs häufig erfolgreich zurück. Allerdings wird der Tumor in fast allen Fällen unempfindlich gegen die Medikamente, entwickelt also eine Therapieresistenz. Trotz Behandlung fängt er wieder an zu wachsen, was mit einer schlechten Prognose für die Patientinnen und Patienten einhergeht.

Ein neuer Ansatz für die Behandlung

Mit zukunftsweisenden Methoden der Proteomanalyse hat ein interdisziplinäres Berliner Forschungsteam jetzt einen bisher unbekannten Mechanismus entschlüsselt, der einen solchen Rückfall verursachen kann. „Wir konnten zeigen, dass der Zellteilungsregulator CDK6 von den Krebszellen zum Zeitpunkt der Therapieresistenz übermäßig stark produziert wird“, erklärt Professor Jan Krönke von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie am Charité Campus Benjamin Franklin und einer der beiden Leiter der Studie. „Auf Basis unserer Daten gehen wir davon aus, dass die Hemmung von CDK6 ein neuer Ansatz für die Behandlung eines zurückgekehrten Multiplen Myeloms sein könnte.“

Beim Multiplen Myelom wurden bislang trotz umfangreicher DNA-Sequenzierung nur selten Veränderungen auf der genetischen Ebene, wie beispielsweise Mutationen oder Genverluste, gefunden, die die Therapieresistenz erklären. „Das deutet darauf hin, dass es in den Krebszellen auf anderer Ebene Veränderungen geben muss, die den Rückfall erklären“, sagt der zweite Studienleiter Dr. Philipp Mertins. Der MDC-Forscher leitet die Technologieplattform „Proteomics“ von MDC und BIH. „Zum Beispiel können die Gene der Krebszellen auch auf Proteinebene unterschiedlich reguliert sein. Das ist ein Effekt, den wir hier für das Protein CDK6 beobachtet haben.“ Um herauszufinden, ob solche Veränderungen auf Proteinebene den Tumor resistent gegen die Therapie machen, nutzte das Forschungsteam neueste Entwicklungen der Massenspektrometrie-Technologie. So gelang es, in Tumorproben, die bei Patientinnen und Patienten vor und nach dem Rückfall entnommen wurden, mehr als 6.000 Proteine zu quantifizieren.

Die Proteinanalyse lenkte den Blick auf ein einzelnes Enzym 

Die Forschenden stellten auf diese Weise für eine ganze Reihe von Proteinen fest, dass sie in den Krebszellen nach dem Rückfall in größeren oder auch kleineren Mengen vorlagen als vor der Therapie. Ein Großteil dieser Effekte ließ sich jedoch durch statistische und bioinformatische Analysen auf ein einzelnes Protein zurückführen: CDK6. Die Abkürzung steht für Cyclin Dependent Kinase 6 und bezeichnet ein Enzym, das in der Zelle den Eintritt in die Zellteilung reguliert. 

Dass CDK6 eine zentrale Rolle in der Entwicklung einer Therapieresistenz beim Multiplen Myelom spielt, wies das Forschungsteam zunächst in der Zellkultur nach. „Als wir die Menge von CDK6 in kultivierten Myelomzellen künstlich erhöhten, wurden diese Zellen unempfindlich gegen die Wirkstoffe Lenalidomid und Pomalidomid“, erläutert Dora Ng, Wissenschaftlerin an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie am Charité Campus Benjamin Franklin und Erstautorin der Studie. „Gaben wir jedoch zusätzlich einen CDK6-Hemmer hinzu, zeigten die Medikamente wieder Wirkung und die Krebszellen gingen zugrunde. Das zeigt, dass sich die Resistenz der Myelomzellen gegen die Therapie zumindest teilweise aufheben lässt, indem man CDK6 hemmt.“

Einige CDK6-Hemmer sind bereits zugelassen

Diesen Effekt konnte das Team ebenso im Tiermodell bestätigen: Wurde neben Pomalidomid auch ein CDK6-Hemmer verabreicht, waren die Überlebenschancen bei einer solchen Erkrankung deutlich besser. „Diese Daten weisen darauf hin, dass auch Patientinnen und Patienten mit einem therapieresistenten Multiplen Myelom von einer zusätzlichen CDK6-Hemmung profitieren könnten“, sagt Krönke, der durch das Emmy Noether-Programm der DFG gefördert und auch Wissenschaftler des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK) am Partnerstandort Berlin ist: „Um diese Annahme zu überprüfen, sind nun weitere Studien nötig. Dabei ist von Vorteil, dass einige CDK6-Hemmer bereits für die Behandlung von Brustkrebs zugelassen sind.“ 

Dr. Evelyn Ramberger, zweite Erstautorin der Studie, hat die Proteinanalysen für das Projekt durchgeführt. Die Postdoktorandin an der Charité und Technologieplattform „Proteomics“ von MDC und BIH ist von dem hohen Nutzen der Methode für die Krebsforschung überzeugt: „In Zukunft wollen wir den neuen Ansatz moderner, umfassender Proteinanalysen an Tumorgewebe beim Multiplen Myelom und weiteren Krebserkrankungen zur Aufdeckung therapeutischer Ziele und Biomarker für die personalisierte Krebsmedizin weiterverfolgen“, sagt sie. 

Über die Studie
Unterstützt wurde das Projekt durch das Emmy Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Die Arbeit ist innerhalb des Konsortiums MSTARS (Multimodal Clinical Mass Spectrometry to Target Treatment Resistance) entstanden. Darin bündeln Forschungsgruppen der Charité und des MDC mit weiteren Berliner Partnern ihre herausragende Expertise in der Massenspektrometrie zu einem Forschungskern. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt seit 2020 mit rund 5,7 Millionen Euro.

Massenspektrometrie
Die Massenspektrometrie ist ein technisches Verfahren zur Analyse der Masse von Molekülen und Atomen. Die zu untersuchende Substanz wird dabei in eine Gasphase überführt und ionisiert. Die Ionen werden mithilfe eines elektrischen Feldes stark beschleunigt und in der Analyseeinheit des Massenspektrometers nach dem Verhältnis ihrer Masse zu ihrer Ladung gemessen. Das Massenspektrum einer Substanz gibt Aufschluss über ihre molekulare Zusammensetzung. Daher eignet sich die Massenspektrometrie zur Identifizierung, Charakterisierung und Quantifizierung einer Vielzahl von Biomolekülen, wie Proteinen, Metaboliten, Zuckern und Fetten, die sich je nach Krankheitsbild und Individuum anders verhalten.

Weiterführende Informationen
Gemeinsame Pressemitteilung von Charité, BIH und MDC vom 17.06.2021 zur Leistungsfähigkeit der Proteinanalyse: Tiefer Einblick in Tumore
Gemeinsame Pressemitteilung von Charité, BIH und MDC vom 10.02.2020 zum MSTARS-Konsortium: Massenspektrometrie für die Präzisionsmedizin
Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie (CBF)
Technologieplattform „Proteomics“ von MDC und BIH
BIH Core Unit Proteomics
Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung DKTK

Literatur
Dora Ng, Evelyn Ramberger et al. (2022): „Proteomic profiling reveals CDK6 upregulation as a targetable resistance mechanism for lenalidomide in multiple myeloma”. Nat Communications. DOI: 10.1038/s41467-022-28515-1

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de 

Gemeinsame Pressemitteilung der Charité und des BIH mit dem MDC auf der Website des MDC:
Multiples Myelom: Warum der Krebs wiederkehrt

forschen / 28.02.2022
Cholesterinsenker können Metastasen ausbremsen

Viele Menschen müssen Statine einnehmen, um ihren Cholesterinspiegel zu senken. Doch Statine können möglicherweise noch mehr: Forscher*innen um Ulrike Stein vom ECRC und Robert Preißner von der Charité berichten in „Clinical and Translational Medicine“, dass sie ein Gen hemmen, das Krebszellen metastasieren lässt.

Die wenigsten Krebspatient*innen sterben an einem Primärtumor, sondern an dessen Metastasen – auch nach einer geglückten Tumoroperation. Denn Krebszellen können sich früh auf Wanderschaft im Körper begeben, wenn der Tumor noch sehr klein, vielleicht noch gar nicht entdeckt worden ist. Dafür müssen sie sich aus ihrem Zellverband lösen, in benachbarte Lymph- oder Blutgefäße ein- und von dort wieder auswandern, sich in neuem Gewebe niederlassen und vermehren.  

Die molekularen Mechanismen der Metastasierung zu verstehen, ist daher ein wichtiges Puzzlestück im Kampf gegen Krebs. Vor über zehn Jahren ist es Professorin Ulrike Stein mit ihrer Arbeitsgruppe am Experimental and Clinical Research Center (ECRC) gelungen, im menschlichen Darmkrebs einen wichtigen Treiber dieses Prozesses ausfindig zu machen: das Metastasis-Associated in Colon Cancer 1-Gen (MACC1). Das ECRC ist eine gemeinsame Einrichtung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Ein Screening führte zu den Statinen

Um sich zu vermehren, fortzubewegen und in anderes Gewebe einzudringen, exprimieren diese Krebszellen MACC1. „Viele Krebsarten streuen nur bei den Patientinnen und Patienten mit hoher MACC1-Expression“, erläutert Ulrike Stein. Diese Rolle von MACC1 als Schlüsselfaktor und Biomarker für Tumorwachstum und Metastasierung haben mittlerweile viele andere Forscher*innen weltweit untersucht und in mehr als 300 Veröffentlichungen bestätigt – nicht nur bei Darmkrebs, sondern bei mehr als 20 soliden Tumoren, etwa Magen-, Leber- oder Brustkrebs. Nun hat Ulrike Stein zusammen mit PD Dr. Robert Preißner von der Charité entdeckt, was den Metastasenantrieb in solchen Fällen stören könnte: Statine, die als Cholesterinsenker verschrieben werden, hemmen die MACC1-Expression in Tumorzellen. Ihre Ergebnisse stellen die Wissenschaftler*innen im Fachjournal „Clinical and Translational Medicine“ vor.

Auf der Suche nach MACC1-Inhibitoren führten die Forschenden zusammen mit Kolleg*innen am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg Hochdurchsatz-Medikamentenscreenings durch. Und stießen unabhängig voneinander auf Statine. An verschiedenen Tumorzelllinien überprüften sie diese Entdeckung – mit positivem Ergebnis: Alle sieben getesteten Medikamente verminderten die MACC1-Expression in den Zellen, allerdings nicht alle gleich stark. Daraufhin verabreichten die Wissenschaftler*innen die Cholesterinhemmer genetisch veränderten Mäusen mit erhöhter MACC1-Expression. Die Tiere bildeten daraufhin kaum noch Tumore und Metastasen aus. „Besonders bemerkenswert ist, dass dies bei den Tieren auch dann noch funktioniert hat, nachdem wir die Dosis im Verhältnis zur Menge, die Menschen normalerweise einnehmen, verkleinert haben“, sagt Ulrike Stein.

Der Vorteil: Statine sind bereits zugelassen

Robert Preißner und Wissenschaftler*innen der Universität von Virginia analysierten außerdem die Daten von insgesamt 300.000 Patient*innen, denen Statine verschrieben worden waren. Dabei stießen sie auf eine Korrelation: „Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung war bei den Patient*innen, die Statine einnehmen, die Krebshäufigkeit um die Hälfte niedriger“, fasst Robert Preißner zusammen.

Von einer präventiven Einnahme der Statine ohne ärztliche Beratung und Check der Lipidwerte rät Ulrike Stein ab, damit eventuelle schwerwiegende Nebenwirkungen unter Kontrolle bleiben.

„Wir stehen noch ganz am Anfang“, betont die Wissenschaftlerin. „Zelllinien und Mäuse sind keine Menschen, wir können die Ergebnisse nicht ohne Weiteres übertragen.“ Nach den experimentellen Untersuchungen und der retrospektiven Datenanalyse sei nun eine klinische Studie geplant. Erst danach könne man mit Gewissheit sagen, ob Statine die Metastasierung bei Patient*innen mit hoher MACC1-Expression tatsächlich verhindern oder abschwächen.

Weitere Informationen

Literatur

Bjoern-O Gohlke et al (2022): Real-world Evidence for Preventive Effects of Statins on Cancer Incidence: A Trans-Atlantic Analysis, in: Clinical and Translational Medicine, DOI: https://doi.org/10.1002/ctm2.726

 

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

Text: Jana Ehrhardt-Joswig

 

leben / 28.02.2022
Veranstaltungen zum Pankower Frauenmärz 2022

Anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März finden auch in Pankow zahlreiche Veranstaltungen der bezirklichen Fraueneinrichtungen statt.
Im Fokus der Veranstaltungen steht das Empowerment von Frauen in einer Gesellschaft, die noch immer von einer Vielzahl geschlechtsspezifischer Benachteiligungen geprägt und in der eine alltägliche Gleichstellung von Frauen und Männern noch längst nicht erreicht ist. Verstärkt werden diese Benachteiligungen durch eine weltweite Pandemie, weshalb der Pankower Frauenmärz und seine Veranstaltungen wichtiger denn je sind.
Ob zum Thema Catcalling (verbale sexuelle Belästigung) im öffentlichen Raum, Frauen in der Literatur und Kunst, auch und insbesondere im Kontext von Migration und Flucht, das Arbeiten und Leben in familiären Belastungssituationen - alle Veranstaltungen bieten Raum für einen solidarischen Austausch, Begegnung und Vernetzung.

Das Bezirksamt Pankow beteiligt sich am Pankower Frauenmärz mit zwei Aktionen: So setzt es am 7. März mit Hängung der Equal-Pay-Day-Fahne am Rathaus Pankow ein solidarisches Zeichen für die Schließung der Lohnlücke zwischen Frauen und Männern. Am 10. März wird die Fürsorgerin Gertrud Pincus durch eine Platzbenennung in Prenzlauer Berg gewürdigt und dadurch mehr Sichtbarkeit für Frauenpersönlichkeiten im öffentlichen Raum geschaffen.

Alle Termine und weitere Informationen sind im Frauenmärz-Programm auf der Website der Gleichstellungsbeauftragten im Bezirksamt Pankow zu finden: www.berlin.de/ba-pankow/gleichstellung.

forschen / 28.02.2022
Immer Richtung Arterien

Blutgefäße eines Zebrafischembryos: die Expression des Wiskott-Aldrich-Gens ist auf dem rechten Bild abgeschwächt. Schwarz: Aktinfilamente im Zellzytoskelett, rot: Zellkerne von Endothelzellen (© Andre Angelo Sousa Rosa /Gerhardt Lab, MDC)
Blutgefäße eines Zebrafischembryos: die Expression des Wiskott-Aldrich-Gens ist auf dem rechten Bild abgeschwächt. Schwarz: Aktinfilamente im Zellzytoskelett, rot: Zellkerne von Endothelzellen (© Andre Angelo Sousa Rosa /Gerhardt Lab, MDC)

Wie ein neues Blutgefäß den passenden Durchmesser erhält, war bisher unbekannt. Ein Team um den MDC-Forscher Holger Gerhardt berichtet jetzt im Fachblatt „Development“, dass eine zielgerichtete Wanderung neu gebildeter Zellen von den Venen in Richtung Arterien entscheidend dafür ist.

Auf einer Länge von etwa 150.000 Kilometern bilden die menschlichen Blutgefäße ein weit verzweigtes Netz, das jede noch so entlegene Stelle des Körpers mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Je weiter sich die vom Herz wegführenden Gefäße verästeln, desto feiner werden sie. Während die Hauptschlagader, die Aorta, einen stolzen Durchmesser von rund drei Zentimetern besitzt, beträgt dieser bei den kleinsten Kapillaren nur noch ein paar Mikrometer.

Ähnlich sieht es auf dem Weg zurück zum Herzen aus. Zwar liegt der Durchmesser der kleinen Venolen, die das sauerstoffarme Blut transportieren, bereits im zwei- bis dreistelligen Mikrometerbereich. Bei den beiden Hohlvenen aber, die ins Herz münden, beträgt er zwei Zentimeter.

Fehlbildungen der Gefäße verstehen

„Wie ein neu gebildetes Gefäß den passenden Durchmesser erhält und diesen auch auf seiner ganzen Länge konstant beibehält, war bisher unbekannt“, sagt Professor Holger Gerhardt, Leiter der Arbeitsgruppe „Integrative Vaskuläre Biologie“ am Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). Gemeinsam mit seinem Team und Forscher*innen des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) in Berlin, des Berlin Institute of Health (BIH) und der University of Edinburgh in Schottland ist Gerhardt dieser Frage nachgegangen.

„Mit unserer Forschung können wir dazu beitragen, angeborene Fehlbildungen von Gefäßen besser zu verstehen – zum Beispiel die Entstehung von Shunts, bei denen Arterien und Venen direkt miteinander verbunden sind, wodurch das Gewebe über die Kapillaren nicht mehr ausreichend mit frischem Blut versorgt werden kann“, erläutert Gerhardt. Finanziell unterstützt wurde seine Studie vom DZHK, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), vom European Research Council (ERC) und von der Leducq Foundation. Publiziert ist sie in der Fachzeitschrift „Development“. Erstautoren der Veröffentlichung sind der Entwicklungsbiologe Dr. André Rosa und der Mathematiker Dr. Wolfgang Giese, beide Postdocs in Gerhardts Arbeitsgruppe.

Wanderung gegen den Blutstrom

„In Experimenten mit durchsichtigen Zebrafischlarven haben wir beobachten können, wie sich Arterien und Venen erstmalig bilden“, berichtet Gerhardt. Man habe sich insbesondere das Endothel, also die innere Auskleidung der Blutgefäße, angeschaut, um zu verstehen, wie die Gefäße aussprießen und sich miteinander verbinden. „Dabei konnten wir jede einzelne Endothelzelle auf ihrer Wanderung durch den Organismus verfolgen“, sagt der Forscher. Ihre zahlreichen Live-Aufnahmen haben die Wissenschaftler*innen anschließend mithilfe mathematischer Modelle am Computer analysiert.

Die Zahl der Zellteilungen bestimmt demnach den Durchmesser der Venen. Bei Arterien wird er hingegen durch die zielgerichtete Migration von Zellen aus den Venen festgelegt.

„Die Zellen wandern also aktiv, gegen den Blutfluss, in die sich bildenden Arterien ein“, erklärt Gerhardt. „Tun sie dies nicht, werden die Venen zu dick und die Arterien zu dünn – und es kommt darüber hinaus zu Shunts, die dann auch bestehen bleiben.“

Ein Protein reguliert die Migration

In einem weiteren Schritt haben die Forscher*innen ermittelt, ob die Migration der Zellen von den Venen in die Arterien durch ein bestimmtes Gen kontrolliert wird. „Gesucht haben wir zunächst bei den Erbanlagen, die das Aktinzytoskelett regulieren, das an allen Bewegungen von Zellen im Organismus beteiligt ist“, erzählt Gerhardt. „Dabei haben wir erstaunlicherweise gesehen, dass das Gen für ein Protein namens WASp in den Endothelzellen äußerst aktiv ist.“

Die Abkürzung WASp steht für die englische Bezeichnung „Wiskott-Aldrich-Syndrome protein“, das für die Funktion des Zytoskeletts ganz wesentlich ist. Ist es defekt, ruft es eine erbliche Immunstörung hervor. „Bislang hatte man gedacht, dass das WASp-Gen nur in weißen Blutkörperchen exprimiert wird“, sagt Gerhardt. „In Endothelzellen hingegen schien es bisher keine große Rolle zu spielen.“

Diese Annahme stellte sich allerdings als ein Irrtum heraus: „Nachdem wir in einigen Zebrafischlarven das WASp-Gen gezielt ausgeschaltet hatten, blieb die zielgerichtete Wanderung von Endothelzellen in Richtung Arterien aus und es kam vermehrt zu Shunts“, berichtet Gerhardt. Spannend sei diese Beobachtung vor allem deshalb, weil Menschen mit einem veränderten WASp-Gen mitunter auch an wiederkehrenden Aneurysmen leiden. Ein Aneurysma ist eine ballonartige Aussackung in der Wand von Blutgefäßen, meist von Arterien. Wenn es reißt, kann dies zu lebensbedrohlichen Blutungen führen.

Forschung mit menschlichem Gewebe

Als nächstes wollen Gerhardt und seine Kolleg*innen überprüfen, inwieweit sich ihre Beobachtungen auf den Menschen übertragen lassen. „Wir möchten herausfinden, ob der von uns entdeckte Mechanismus bei der Entstehung von Krankheiten eine Rolle spielt und, wenn ja, inwieweit er sich beeinflussen lässt“, sagt Gerhardt. Dabei stehe nicht nur das seltene Wiskott-Aldrich-Syndrom im Fokus ihrer Forschung. Denkbar sei auch, dass ein verändertes WASp-Gen zum sehr viel häufigeren Lungenhochdruck führen könne.

Text: Anke Brodmerkel

Abbildung: Blutgefäße eines Zebrafischembryos: die Expression des Wiskott-Aldrich-Gens ist auf dem rechten Bild abgeschwächt. Die Aktinfilamente im Zellzytoskelett sind in schwarz dargestellt, Zellkerne von Endothelzellen in rot. (© Andre Angelo Sousa Rosa /Gerhardt Lab, MDC)

Weiterführende Informationen

Literatur

André Rosa, Wolfgang Giese et al. (2022): „WASp controls oriented migration of endothelial cells to achieve functional vascular patterning“, Development, DOI: 10.1242/dev.200195

www.mdc-berlin.de

leben / 23.02.2022
Beirat für Menschen mit Behinderungen konstituiert sich neu

Engagierte für neue Wahlperiode gesucht

Nach den Wahlen im Herbst konstituiert sich auch der Beirat für Menschen mit Behinderungen neu. Aktuell sind Interessierte, die künftig in dem Gremium mitwirken möchten, aufgerufen, sich beim Bezirksamt Pankow zu bewerben.

Erwartet wird eine regelmäßige, aktive Teilnahme der Mitglieder an den turnusmäßigen Sitzungen, die alle zwei Monate freitags stattfinden. Engagierten Menschen mit Behinderungen, Träger der öffentlichen Verwaltung und Vereine der Inklusionshilfe können bis zum 25. März 2022 ihr Interesse an der Mitarbeit bekunden. Ein entsprechendes Formular und alle Kontaktdaten gibt es auf der Seite der Beauftragten für Menschen mit Behinderung im Bezirksamt Pankow unter:

https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/beauftragte/menschen-mit-behinderung/

Bezirksbürgermeister Sören Benn: "Lassen Sie uns gemeinsam das Leben der Menschen mit Behinderungen erleichtern und in unserem Bezirk die Umsetzung des Landesgleichberechtigungsgesetzes beleben und gestalten. Pankow steht für eine gleichberechtigte Teilhabe in allen Lebensbereichen".

Weitere Informationen und Anforderung des Formulars bei Ilona Struck, E-Mail: Ilona.Struck@ba-pankow.berlin.de, Tel.: 030 90295-2568.

forschen / 21.02.2022
Was der Darm über das Herz verrät

Medikamente können die Darmmikroben auf unterschiedliche Weise beeinflussen. © Isabel Romero Calvo/EMBL
Medikamente können die Darmmikroben auf unterschiedliche Weise beeinflussen. © Isabel Romero Calvo/EMBL

Veränderungen im Darm-Mikrobiom können langfristig zu Herz-Kreislauf-Leiden führen. Wie ein Team um die ECRC-Forscherin Sofia Forslund in „Nature Medicine“ berichtet, normalisieren sich einige der Abweichungen bei chronischen Zuständen aber anscheinend wieder. Medizinisch lässt sich das vielleicht nutzen.

Die Keime des menschlichen Darms beeinflussen die Gesundheit erheblich. Verstanden sind die komplizierten Zusammenhänge zwischen dem Mikrobiom und der Entstehung von Krankheiten bisher aber allenfalls in Ansätzen. Der schwedischen Bioinformatikerin Dr. Sofia Forslund, die am Experimental and Clinical Research Center (ECRC) die Arbeitsgruppe „Wirt-Mikrobiom Faktoren in Herz-Kreislauferkrankungen“ leitet, ist es einmal mehr gelungen, Veränderungen im komplexen Zusammenspiel der Darmkeime aufzuspüren, die offenbar entscheidend zur Entwicklung der großen Volkskrankheiten beitragen. Das ECRC ist eine gemeinsame Einrichtung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Bereits im Dezember hatte Forslund als Erstautorin eine Studie in der Zeitschrift „Nature“ publiziert, in der sie gemeinsam mit ihren Kolleg*innen an 2.173 europäischen Patient*innen untersucht hatte, wie sich das Mikrobiom und kardiometabolische Erkrankungen – zu denen neben Herzleiden zum Beispiel auch der Diabetes gehört – gegenseitig beeinflussen und welche Rolle die verordneten Medikamente dabei spielen.

Das Mikrobiom ist von Anfang an beteiligt

In ihrer aktuellen Veröffentlichung im Fachblatt „Nature Medicine“ beschreibt Sofia Forslund gemeinsam mit einem internationalen Team aus 62 weiteren Forscher*innen mehrere wichtige Abweichungen im Mikrobiom des Darms, die an der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beteiligt sind. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der koronaren Herzkrankheit (KHK). Dabei sind die Gefäße, die den Herzmuskel mit Sauerstoff versorgen, verengt. Die KHK gilt als die häufigste Todesursache in den westlichen Ländern. Sofia Forslund ist eine von sechs Erstautor*innen der Arbeit, die neue Wege zur Prävention von Herzleiden eröffnen könnte.

Für die Studie rekrutierten die Forschenden 1.241 Europäer*innen mittleren Alters, darunter gesunde Menschen und Patient*innen mit KHK in drei Krankheitsstadien – einem akuten Koronarsyndrom, einer chronischen KHK oder KHK mit begleitender Herzinsuffizienz. Außerdem waren auch Patient*innen ohne KHK, aber mit metabolischen Erkrankungen wie Adipositas oder Typ-2-Diabetes dabei. In Deutschland wirkten unter anderem das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) in Berlin und das European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg sowie in Israel das Weizmann Institute of Science in Rehovot an der Veröffentlichung mit.

Die Wissenschaftler*innen analysierten bei allen Proband*innen das Metagenom des Darms sowie das Metabolom des Bluts und des Urins. Das Metagenom enthält die genomischen Informationen aller Mikroorganismen, die den Darm besiedeln; das Metabolom umfasst alle am Stoffwechsel beteiligten Moleküle. „Wir haben festgestellt, dass – wenn wir den Lebensstil und die Auswirkungen von Medikamenten berücksichtigen – etwa drei Viertel der Mikrobiom- und Metabolom-Merkmale, die Menschen mit KHK von gesunden Personen unterscheiden, auch bei Menschen mit Stoffwechselerkrankungen vorhanden sind“, sagt Forslund. „Das deutet darauf hin, dass sich das Mikrobiom und das Metabolom schon lange vor dem offensichtlichen Beginn eines Herz-Kreislauf-Leidens verändern, nämlich bereits in den Vorstufen einer Stoffwechselerkrankung.“ Das wiederum spreche stark dafür, dass das Mikrobiom schon zu einem frühen Zeitpunkt an der Entstehung von Herzkrankheiten beteiligt sei.

Manche Merkmale normalisieren sich wieder

In einem weiteren Schritt analysierte das Team um Forslund Mikrobiom- und Metabolom-Merkmale, die spezifisch für die KHK und die drei untersuchten Krankheitsstadien sind – um exakte Diagnosen künftig zu erleichtern. „Zudem wollten wir herausfinden, inwieweit diese Signaturen mit einer Änderung der Medikation in Zusammenhang stehen“, sagt Forslund. „Was uns bei all unseren Analysen besonders überrascht hat, war die Beobachtung, dass sich einige Auffälligkeiten, die wir im akuten Krankheitsfall finden, anscheinend bei chronischen Zuständen wieder normalisieren“, berichtet die Forscherin. Diese Abweichungen wolle sie sich noch genauer ansehen: „Sie zu beseitigen, könnte helfen, eine akut erkrankte Person zu stabilisieren.“

Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse nach Ansicht von Forslund, dass bei künftigen klinischen Studien Vorsicht geboten sei. „Viele der Signaturen, die wir gefunden haben, sind nicht spezifisch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, sagt sie. Das müsse man bei weiteren Untersuchungen mit Patient*innen berücksichtigen. Forslund sieht auch die Grenzen ihrer aktuellen Arbeit: „Da es sich um eine Querschnittsstudie handelt, können wir keine Kausalität nachweisen, sondern nur Assoziationen aufzeigen.“

Weitere Einblicke ins menschliche Herz

Nun bleibe abzuwarten, ob Längsschnittdaten die Ergebnisse bestätigen. „Liefern soll solche Daten zum Beispiel die Berliner BeLOVE-Studie, für die wir rund 10.000 Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen rekrutieren“, sagt Forslund. Erste Resultate der Studie, an der neben dem MDC die Charité und das Berlin Institute of Health (BIH) beteiligt sind, erwartet die Forscherin in einigen Jahren. Gespannt ist Forslund zudem auf die Daten einer weiteren Untersuchung. Dafür analysiert sie derzeit gemeinsam mit Kolleg*innen das Mikrobiom von Patient*innen mit Herzinsuffizienz, bei denen die Pumpleistung des Herzens eingeschränkt ist.

Die ECRC-Forscherin war noch an einer weiteren zeitgleich in „Nature Medicine“ veröffentlichten Arbeit beteiligt. In dieser Publikation haben die Autor*innen das Mikrobiom und das Metabolom im Blut von 199 Patient*innen mit einem akuten Koronarsyndrom nach Auffälligkeiten durchforstet. Dabei haben sie unter anderem festgestellt, dass die Betroffenen, die in zwei großen israelischen Krankenhäusern behandelt wurden, im Vergleich zu Menschen ohne die lebensbedrohliche Durchblutungsstörung des Herzens deutlich geringere Mengen einer bisher unbekannten Bakterienart aus der Familie der Clostridiaceae aufweisen.

Weitere Informationen

Literatur
Sofia K. Forslund et al (2022): „Microbiome and Metabolome Features of the Cardiometabolic Disease Spectrum”, in: Nature Medicine, DOI: 10.1038/s41591-022-01688-4
Yeela Talmor-Barkan et al (2022): „Metabolomic and microbiome profiling reveals personalized risk factors for coronary artery disease”, in: Nature Medicine, DOI: 10.1038/s41591-022-01686-6

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

Pressemitteilung auf der Webseite des MDC:
Was der Darm über das Herz verrät

forschen / 21.02.2022
IT Girls in der Biomedizin - Was macht eine Informatikerin in der Gesundheitsforschung?

Lizenzfrei. (c) Pixabay
Lizenzfrei. (c) Pixabay

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) lädt am 28. April von 9.15 - 14 Uhr Schülerinnen ein:

Herzlich willkommen zum Girls‘ Day am MDC !

Wir nehmen Euch für einen Tag mit in unsere Labore! Unsere Azubis, Forscherinnen und IT-Fachfrauen zeigen Euch ihren Berufsalltag und erzählen Euch warum sie ihren Beruf gewählt haben, wie ihr Weg dahin ausgesehen hat und was daran so cool ist. Einblicke in die biomedizinische Spitzenforschung sind mit auf dem Menu. Dieses Angebot ist ab Klassenstufe 8 (mind. 13 Jahre alt).

Mehr Information zum Ablauf und zu den Themen findest Du unten.  Zur Anmeldung klicke bitte auf „Register now

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Die Hälfte der Forschenden sind Frauen; sie haben meist Biologie, Medizin oder Physik studiert, und es gibt auch Mathematikerinnen und Bioinformatikerinnen; viele haben erst nach dem Studium mit Informatik angefangen. Computer-gestützte Wissenschaft und Methoden der künstlichen Intelligenz spielen bei der Forschung eine immer wichtigere Rolle. Forschung funktioniert nur, weil sie von zahlreichen Menschen aus verschiedensten Berufsgruppen unterstützt wird, besonders von IT-Fachleuten.

Programm

9:15

Ankommen am MDC in Berlin-Buch bzw. am BIMSB in Berlin Mitte

9:30-10:20 Begrüßung und Kennenlernen der ganzen Gruppe. Was ist das MDC? Was bedeutet „Data Science“ und IT für die Arbeit am MDC?

10:20-10:30

Blitzlicht: die sechs gastgebenden Gruppen* („Hosts“) stellen sich kurz vor; Aufteilung auf die Gruppen (2 Mädchen/Gruppe)

10:30-12:30

Zeit in den Gruppen; Einblick in den Berufsalltag; Aktionen; Fragen und Antworten

12:35-13:15

Alle kommen zusammen  zum abschließenden Austausch und Feedback, Zusammenfassung, Verabschiedung

13:30-14:00

Gemeinsames Mittagessen in der Mensa in Buch bzw. Cafeteria in Mitte
Ende ca. 14 Uhr

Diese Gruppen laden jeweils zwei von Euch ein, ihren Berufsalltag kennenzulernen:

  1. Brigitte Bouman und das Team von Laleh Haghverdi entwickelt neue mathematische, computergestützte Methoden zur Analyse von biologischen Datensätzen.
  2. Untersuchungen zur Entwicklung des Nervensystems am Modell der Fliege könnt Ihr mit Miriam Faxel aus dem Team von Robert Zinzen erleben.
  3. Rebecca Knoll und Theda Bartolomäus aus dem Team von Sofia Forslund untersuchen anhand von Computermodellen, wie Herz-Kreislauf-Leiden das Leben im Darm beeinflussen und umgekehrt.
  4. Isabella Douzoglou Munoz und Johanna Elisabeth Fritsch aus dem Team von Melissa Birol erforschen, was „tanzende Spagetti“ im Gehirn anrichten.
  5. Petra Lange und ihre Kolleginnen führen Euch auf eine Roadshow durch die IT. Dort erfahrt Ihr, was Frauen in der IT alles leisten, und wie sie mit Mut, Können und manchmal Glück in diese Berufe gefunden haben.

Veranstaltungsort:

MDC (Buch und Mitte)
Robert-Rössle-Straße 10 bzw. Hannoversche Straße 28
13125 Berlin
Germany

Girl's Day 2022 am MDC

17.02.2022
Neue Kleingewässer im Landschaftsschutzgebiet Buch

Im Landschaftsschutzgebiet Buch sollen im Rahmen der Kompensation von Eingriffen durch den Ausbau der Autobahn A114 fünf Kleingewässer mit einer Gesamtfläche von 1.290 Quadratmetern angelegt werden. Drei kleinere Senken werden mit etwa 50 bis 80 cm Tiefe und zwei größere Mulden mit einer Tiefwasserzone von bis zu zwei Metern gebaut. Die geplanten Biotope bieten Vögeln, Amphibien und Insekten Lebensraum und Nahrungsmöglichkeiten.

Die Prüfung des Areals ergab jetzt, dass von dem Projekt keine erheblichen nachteiligen Umweltauswirkungen zu erwarten sind und auf eine aufwendige Umweltverträglichkeitsprüfung verzichtet werden kann. Maßgebend für die Einschätzung waren die nur geringen Einflüsse hinsichtlich der Nutzungs- und Schutzkriterien sowie die positiven Effekte auf Reichtum, Verfügbarkeit, Qualität und Regenerationsfähigkeit der natürlichen Ressourcen, insbesondere Tiere, Pflanzen und biologische Vielfalt des Gebiets. „Vorbehaltlich eines zeitnahen Abschlusses des Plangenehmigungsverfahrens und entsprechender Vergabemöglichkeit an einen Landschaftsbaubetrieb kann der Bau voraussichtlich im Winter 2022 beginnen und bis Frühjahr 2023 abgeschlossen sein“, erklärt die Bezirksstadträtin für Ordnung und Öffentlicher Raum, Manuela Anders-Granitzki.

Die Unterlagen, welche der Entscheidung zugrunde liegen, sind bei Interesse im Umwelt- und Naturschutzamt Pankow zur Einsicht zu erfragen und im Internet unter dem folgen Link veröffentlicht:

https://www.uvp-verbund.de/trefferanzeige?docuuid=D812625E-8451-43AD-9AA5-CAADA4E1F4F1&plugid=/ingrid-group:ige-iplug-be&docid=D812625E-8451-43AD-9AA5-CAADA4E1F4F1

leben / 16.02.2022
Sturmwarnung des Deutschen Wetterdienstes - Bezirksamt Pankow warnt vor Betreten der Grünanlagen

Das Straßen- und Grünflächenamt Pankow warnt für den 16. und 17. Februar 2022 ausdrücklich und dringend vor dem Betreten der öffentlichen Grün- und Erholungsanlagen. Es liegt eine aktuelle Sturmwarnung auch bis in die Nacht zum Samstag, 19.02.2022 des Deutschen Wetterdienstes vor. Örtlich kann es orkanartige Böen geben.

Aufgrund der langen Trockenperioden der vergangenen Jahre sind viele Bäume stark geschwächt und aktuell besonders gefährdet.

Trotz regelmäßiger Überprüfung der Bäume auf Verkehrssicherheit kann es daher zum Umsturz von Bäumen oder dem Abbrechen starker Äste kommen. Für Menschen, die sich in Parks und Grünanlagen aufhalten, besteht daher Lebensgefahr.

forschen / 11.02.2022
Neuer Omikron-Subtyp auf dem Vormarsch

© Felix Petermann, MDC
© Felix Petermann, MDC

Ähnlich wie zuvor in Dänemark breitet sich in Berlin ein weiterer Subtyp der Omikron-Variante aus: BA.2. Das ergab die Auswertung von Abwasserproben am MDC in Kooperation mit den Berliner Wasserbetrieben und dem Berliner Labor der amedes-Gruppe. Durch BA.2 könnte sich die derzeitige Corona-Welle verlängern.

Das Coronavirus mutiert ständig. Nach Alpha und Beta kam Delta, auch Gamma, Lambda, Epsilon und Iota kursieren in Teilen der Welt. Seit Omikron auf den Plan getreten ist, ist Delta in Deutschland fast vollständig verschwunden. Von Omikron sind zwei Subtypen bekannt, BA.1 und BA.2. In Berlin dominiert bislang BA.1. Doch Wissenschaftler*innen des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), der Berliner Wasserbetriebe (BWB) und des Laborunternehmens amedes konnten nun im Berliner Abwasser die Omikron-Untervariante BA.2 nachweisen: Anfang Januar war der Anteil kaum sichtbar, doch bereits am 13. Januar machte BA.2 ungefähr sechs und am 19. Januar ungefähr zwölf Prozent aus. Er wächst also schnell an.

 

Die beiden Subtypen unterscheiden sich in etwa 20 Mutationen voneinander. In Dänemark und in Südafrika hat BA.2 den Subtyp BA.1 nahezu verdrängt, in Großbritannien nimmt der Anteil von BA.2 seit Anfang Januar ebenfalls schnell zu. Eine Untersuchung dänischer Forscher*innen zeigt, dass BA.2 sich offenbar noch schneller verbreitet als BA.1. „Es ist möglich, dass BA.2 die derzeitige Omikron-Welle etwas verlängert“, sagt der MDC-Molekularbiologe Dr. Emanuel Wyler aus der Arbeitsgruppe „RNA-Biologie und Posttranscriptionale Regulation“ von Professor Markus Landthaler. „Die bisherigen Daten aus Großbritannien und Dänemark deuten aber eher darauf hin, dass bezüglich Krankheitsschwere und Wirkung der Impfung BA.1 und BA.2 vergleichbar sind.“

Computer-Tool sagt voraus, ob Inzidenz zu- oder abnimmt

Bei ihrer Vorhersage stützen sich die MDC-Wissenschaftler*innen auf ein computergestütztes Tool, das Vic-Fabienne Schumann und Dr. Rafael Cuadrat von der Technologie-Plattform „Bioinformatics and Omics Data Science“ von Dr. Altuna Akalin am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des MDC zusammen mit Kolleg*innen entwickelt haben. Mit „PiGx SARS-CoV-2“ können sie die Ausbreitung von SARS-CoV-2 sowie die Häufigkeit von Mutationen oder Virusvarianten aufdecken. Es funktioniert unabhängig von der Anzahl der Coronatests und den Krankheitsverläufen.

Ihre Ergebnisse decken sich mit denen der Berliner Wasserbetriebe, die in Kooperation mit dem Berliner Labor der amedes-Gruppe unter der Leitung von Dr. Martin Meixner ein eigenes Nachweis-Modell inklusive der Sequenzierung der Virusvarianten sowie eine App für die Visualisierung der Daten entwickelt haben. MDC und die Berliner Wasserbetriebe teilen sich die Arbeit auf: Während der Fokus der Wasserbetriebe auf der schnellen Bestimmung und Übermittlung der Viruslast liegt, analysiert das MDC vorrangig Untertypen und Mutationen.

Seit mehr als einem Jahr suchen die Forschenden im Berliner Abwasser nach dem Erbgut des Coronavirus. Einmal wöchentlich bereiten die Berliner Wasserbetriebe, die aktuell eine eigene Virus-Sequenzierung in ihrem Labor einrichten, Abwasserproben auf und senden diese ans BIMSB sowie an amedes. Die Wissenschaftler*innen reichern die Viruspartikel an und vervielfältigen das Virus-Erbgut mithilfe der PCR. In einem nächsten Schritt können sie mit Hochdurchsatz-Sequenzierungen sehen, welchen Anteil die einzelnen Virusvarianten unter den gefundenen Coronaviren ausmachen. Für die Abwasser-Sequenzierung am BIMSB ist insbesondere die Arbeitsgruppe von Markus Landthaler sowie die Genomik-Plattform unter der Leitung von Dr. Janine Altmüller verantwortlich.

Werden Proben aus dem Hals-Rachenraum sequenziert, wird bislang nicht zwischen Virusvarianten unterschieden. Abwasseranalysen machen das leichter: „Für ein aussagekräftiges Ergebnis über die Verbreitung neuer Virusvarianten müssen deutlich weniger Proben untersucht werden als bei der Analyse von Nasen-Rachenabstrichen“, sagt Markus Landthaler. „Außerdem können sie zur Frühwarnung dienen, da sie mit einigen Tagen Vorsprung zeigen, welche Variante im Umlauf ist. Die Daten zu BA.2 zeigen, wie empfindlich und effizient das Abwasser-Monitoring ist beim Bestimmen von Krankheitserregern. Das ist auch über SARS-CoV-2 hinaus von Bedeutung.“

Untersuchungen des Abwassers sind in Deutschland noch nicht als Teil eines Corona-Frühwarnsystems etabliert – weder für bekannte noch für ganz neue Virusvarianten. Das könnte sich jetzt ändern: Berlin ist einer von 20 Pilotstandorten im Abwasser-Monitoring-Programm, das die Bundesministerien für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU), für Gesundheit (BMG) sowie für Bildung und Forschung (BMBF) mithilfe von EU-Mitteln fördern. Projektpartner sind die Berliner Wasserbetriebe und das Landesamt für Gesundheit und Soziales. Ziel ist ein nationales Abwasserüberwachungssystem. Es soll Daten über SARS-CoV-2 und insbesondere seine Varianten im Abwasser erheben und an die zuständigen Gesundheitsbehörden sowie an eine europäische Austauschplattform übermitteln.

Weiterführende Informationen

 

forschen / 11.02.2022
ERC-„Proof of Concept“-Grant für Gaetano Gargiulo

© David Ausserhofer, MDC
© David Ausserhofer, MDC

Hochdurchsatzmethoden für die Suche nach neuen Krebsmedikamenten basieren oft auf grob vereinfachten Modellen. So vernachlässigen sie die häufigsten Zellzustände, die bei Krebs auftreten. MDC-Forscher Gaetano Gargiulo will mit einem ERC Proof of Concept Grant eine Lösung für dieses Problem finden.

Krebszellen täuschen den Körper auf perfide Art und Weise. Dabei verändern sie nicht nur ihr Erbgut und werden so vielfältiger. Sie können auch immer wieder ihren Zustand wechseln. „Wer Krebszellen mit präzisen Therapien zu fassen kriegen will, muss ihre ganze Heterogenität beachten und mögliche Ausweichmanöver einkalkulieren“, sagt Dr. Gaetano Gargiulo, der Leiter der Arbeitsgruppe „Molekulare Onkologie“ am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). Es wird immer klarer, dass die Zellzustände unbedingt dazugehören. Er und seine Kolleg*innen haben eine Technologie erfunden, die sie sichtbar machen und ihren Verlauf dokumentieren kann.

Die Zellen vieler solider Tumore, einschließlich der häufigen Lungen-, Brust-, Dickdarm- und Bauchspeicheldrüsenkrebsarten, machen sich ein Zellprogramm aus der Embryonalentwicklung zunutze: die epithelial-mesenchymale Transition (EMT). Wenn epitheliale Tumorzellen in den mesenchymalen Zustand übergehen, können sie zum Beispiel leichter durch den Körper wandern und sie reagieren anders auf Krebsmedikamente. Mithilfe ihrer neuen Technologie konnten Gargiulo und sein Team zum Beispiel zeigen, dass Immunzellen dabei zu Kollaborateuren werden können. Im Gehirn helfen sie den Zellen des Glioblastoms, in einen mesenchymalen Zustand überzugehen und so resistent gegen eine Chemotherapie zu werden. Auch beim Lungenkrebs hat das Team die Zustandsänderungen verfolgt. „Und sie sind keine Einbahnstraße“, sagt Gargiulo.

Die Erfindung der molekularen Reporter, die den Übergang sichtbar machen, war Teil eines Projekts, das der Europäische Forschungsrat ERC bereits mit einem Starting Grant fördert. Schnell war Gargiulo und seinem Team klar, dass die Technologie nicht nur für ihre eigenen Forschungsfragen relevant ist. Sie könnte die Suche nach neuen Wirkstoffen gegen Krebs effektiver machen. Das sieht auch der ERC so und fördert nun die ersten Schritte zur Kommerzialisierung der Erfindung mit einem „Proof of Concept“-Grant über 150.000 Euro. Gargiulo ist einer 166 Forscherinnen und Forschern aus ganz Europa, die der ERC in diesem Jahr so unterstützt und den Weg dafür ebnet, dass ihre Ergebnisse in breit verfügbare Lösungen übersetzt werden können.

Effektiver nach neuen Wirkstoffen gegen Krebs suchen

Gargiulos Projekt soll vor allem die Hochdurchsatz-Methoden verbessern, mit denen Wissenschaft und Pharmaindustrie nach neuen Krebsmedikamenten suchen. Um ganze Wirkstoff-Bibliotheken in einem Screening testen, nutzen sie etablierte Zelllinien als Standard-Modelle. „Dieser Ansatz ist allerdings derzeit zu grob vereinfacht. Denn Informationen zu den Zellzustände werden dabei weder erhoben noch im Prozess berücksichtigt“, sagt Gargiulo. „Dabei beeinflussen sie grundlegend, ob Therapeutika wirken können oder nicht. Und es ist mittlerweile Konsens, dass künftig eine Kombination verschiedener Wirkstoffe angewendet werden muss, um mögliche Ausweichmanöver zu verhindern.“ Mithilfe des „Proof of Concept“-Grants wollen er und seine Kolleg*innen nun einen Werkzeugkasten entwickeln, der die molekularen Reporter für oft genutzte Zelllinien nutzbar macht. Außerdem wollen sie die Nährmedien so definieren, dass sie die Zellen zielgerichtet in den einen oder anderen Zustand drängen.

„Als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können wir einen Prototyp entwickeln“, sagt Gargiulo. Doch das sei nur ein Schritt in Richtung breite Anwendung. Fachwissen zu geistigem Eigentum und eine Strategie, die die Wertschöpfung der Entdeckung fördert, seien ebenfalls unverzichtbar – etwa in Zusammenarbeit mit dem Technologietransfer-Team des MDC. „Der ERC-Grant gibt uns Zeit, uns auf diese Schritte zu konzentrieren. Das ist ein wichtiger Impuls.“ Er ist davon überzeugt, dass es sich lohnt. Schließlich verschlingen die Mängel in der Arzneimittelentwicklung derzeit Milliarden und selbst kleine Verbesserungen könnten erhebliche Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft haben. Und auf die unzähligen Patienten, die wirksame Therapien benötigen.
 

Weiterführende Informationen

AG Gargiulo
Molekulare Reporter stellen Verbündete des Hirntumors bloß

Die Gangschaltung von Tumorzellveränderungen
Pressemitteilung des ERC

investieren, produzieren / 09.02.2022
Eckert & Ziegler liefert Lutetium-177 für klinische Studien von Telix

Eckert & Ziegler (ISIN DE0005659700, TecDAX) hat mit Telix Pharmaceuticals Limited (ASX:TLX, Telix) einen langfristigen, weltweiten Vertrag über die Lieferung von Lutetium-177 (n.c.a. 177Lu) unterzeichnet. Das Radiopharmazeutikum wird für die Markierung von Prüfarzneimitteln eingesetzt, die Telix momentan in der klinischen Prüfung hat, und die in der Radionuklidtherapie (MTR) angewendet werden.

Zunächst soll Lutetium-177 von Eckert & Ziegler für die klinischen Prüfpräparate von Telix TLX591 (177Lu-rosopatamab für fortgeschrittenen Prostatakrebs) und TLX250 (177Lu-girentuximab für Nierenkrebs) eingesetzt werden.

Lutetium-177 wird für die Radionuklidtherapie innerhalb der Präzisionsonkologie verwendet. Dabei wird das Radioisotop Lutetium-177 an ein tumorspezifisches Medikament gekoppelt. Nach der Injektion reichert sich die Verbindung im Tumor an und zerstört die Tumorzellen von innen heraus unter weitgehender Schonung des gesunden Gewebes.

"Die Vereinbarung zeigt unsere herausragende Kompetenz bei der Lieferung von Isotopen an die pharmazeutische Industrie. Mit unseren Produktionsstätten in Europa, Asien und Nordamerika sind wir hervorragend aufgestellt, um die steigende Nachfrage nach diesem Isotop und den damit verbundenen Entwicklungs- und Produktionsdienstleistungen zu bedienen", erklärt Dr. Harald Hasselmann, Vorstand und verantwortlich für das Segment Medical bei Eckert & Ziegler. "Unser kürzlich geschlossenes Joint Venture mit Atom Mines LLC verschafft uns einen exzellenten Zugang zu dem knappen und unverzichtbaren Vorprodukt Ytterbium-176 und ermöglicht es uns, Lutetium-177 n.c.a. in höchster Reinheit und zuverlässig an Pharmakunden weltweit zu liefern."

"Wir freuen uns über die Vereinbarung mit Eckert & Ziegler, einem führenden Anbieter hochwertiger medizinischer Radioisotope, der nun Teil unseres globalen Netzwerks von Lutetiumlieferanten ist. Unser Ziel ist es, mit globalen Partnern zusammenzuarbeiten, die Isotope in höchster Qualität liefern, und die sich nachweislich für ökologisch nachhaltige Produktionstechnologien einsetzen. Die Beziehung zwischen Telix und Eckert & Ziegler ist eine Multi-Isotopen-Partnerschaft, und wir freuen uns, dass wir nun auch Lutetium-177 in die Lieferkette aufnehmen können“, ergänzte Dr. Gabriel Liberatore, Chief Operating Officer von Telix.

Radiotherapeutische Wirkstoffe, die vor der Injektion mit Lutetium-177 gekoppelt werden, befinden sich - für verschiedene Krebsarten - derzeit in einem fortgeschrittenen Stadium der klinischen Entwicklung.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.

Über Telix Pharmaceuticals
Telix ist ein biopharmazeutisches Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von diagnostischen und therapeutischen Produkten mittels Molecularly Targeted Radiation (MTR) spezialisiert hat. Telix hat seinen Hauptsitz in Melbourne, Australien und internationale Niederlassungen in Belgien, Schweiz, Japan und den Vereinigten Staaten. Telix entwickelt ein Portfolio von Produkten, die sich in der klinischen Phase befinden und einen bedeutenden, bisher ungedeckten medizinischen Bedarf in der Onkologie und bei seltenen Krankheiten adressieren. Telix ist an der Australian Securities Exchange (ASX: TLX) notiert.

Quelle: Pressmitteilung EZAG
Eckert & Ziegler liefert Lutetium-177 für klinische Studien von Telix

www.ezag.de

leben, heilen / 07.02.2022
Impftag in Buch am 16. Februar 2022

Mobiles Impfteam des Gesundheitsamtes Pankow im Bucher Bürgerhaus

Das Mobile Impfteam des Gesundheitsamtes Pankow ist am Mittwoch, dem 16. Februar 2022 von 9 bis 14 Uhr im Bucher Bürgerhaus, Franz-Schmidt-Straße 8, 13125 Berlin, im Einsatz.

Geimpft werden Personen ab dem 12. Lebensjahr, Minderjährige nur in Begleitung eines/einer Erziehungsberechtigten, Terminvereinbarung ist nicht erforderlich. Zum Einsatz kommt der Impfstoff BioNTech/Pfizer für Erst- und Zweitimpfung sowie die Boosterimpfung nach aktuellen Empfehlungen der STIKO. Vorgelegt werden muss ein Lichtbildausweis bzw. ein gültiges Ausweisdokument, Impfpass ist wünschenswert.

Dazu sagt Dr. Cordelia Koch, Stadträtin für Gesundheit: „Impfen schützt Leben. Impfen schützt vor schweren Krankheitsverläufen. Schon ab dem 1. Piks. Ich freue mich daher sehr über unseren Impftag und ich hoffe, dass viele Menschen am 16. Februar 2022 ins Bucher Bürgerhaus kommen.“

Weitere Informationen auf der Seite des Gesundheitsamtes:

https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/aemter/gesundheitsamt/artikel.1173657.php

forschen / 03.02.2022
Weiteres Rätsel um den Chloridionenkanal ASOR gelöst

Quelle: FMP
Quelle: FMP

Der Chloridionenkanal ASOR ist allgegenwärtig in unseren Zellen. Doch außer seiner Beteiligung am Zelltod weiß man nicht viel über seine physiologische Bedeutung. Nachdem Forscher um Prof. Thomas Jentsch vom FMP und MDC vor zwei Jahren das Gen des säureempfindlichen Ionenkanals identifizieren konnten, haben sie nun Erstaunliches über dessen Struktur und Aktivierungsmechanismen herausgefunden. Die jetzt in „Science Advances“ publizierten Erkenntnisse sind ein weiterer Schritt auf dem Weg zu des Rätsels Lösung.

Ionenkanäle haben lebenswichtige Funktionen: Sie sorgen dafür, dass Ionen wie Chlorid, Kalium oder Natrium in unsere Körperzellen ein- und ausausströmen können. Auf diese Art und Weise wird der Elektrolytgehalt in den Zellen und ihrer Umgebung reguliert und beispielsweise elektrische Signale generiert. Ionenkanäle sind aber auch sehr wichtig für intrazelluläre Organellen, deren Funktion sie maßgeblich beeinflussen. Der Chloridionenkanal ASOR ist einer von ihnen.

Doch bislang weiß man nur wenig über den Acid-Sensitive Outwardly Rectifying Anion Channel – kurz ASOR. 2019 konnte das Team von Prof. Thomas Jentsch vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin, parallel zu einer Gruppe in den USA, das Gen für den säureempfindlichen Ionenkanal identifizieren. Schon damals war bekannt, dass sich dieser Kanal nur öffnet, wenn die extrazelluläre Umgebung sehr sauer wird. Das ist ungewöhnlich, denn ein derart niedriger pH-Wert kommt normalerweise nur vor, wenn Zellen absterben – etwa bei einem Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Bis heute ist unklar, warum praktisch alle menschlichen und tierischen Zellen diesen Ionenkanal besitzen. Neuere Daten weisen darauf hin, dass ASOR eine wichtige Rolle in intrazellulären Vesikeln spielt, die normalerweise einen pH aufweisen, der sauer genug ist, um ASOR zu aktivieren. Der Mechanismus dieser Aktivierung sowie die Struktur der Pore, durch die Chloridionen strömen können, waren bisher jedoch unbekannt. Erst die Kenntnis dieser Eigenschaften würde ein Design von Pharmaka, die ASOR beeinflussen, ermöglichen. In enger Zusammenarbeit mit Strukturbiologen in New York konnten die Berliner Forscher nun neue wichtige Erkenntnisse gewinnen: Zum ersten Mal überhaupt wurde die Struktur des offenen Kanals gezeigt sowie ein neuer Aktivierungsmechanismus identifiziert.

Struktur des offenen Kanals beschrieben
Die Kollegen um Professor Steve Long am Memorial Sloan Kettering Cancer Institute erhielten mit Hilfe von Kryo-Elektronenmikroskopie hochauflösende Strukturen des Kanals bei verschiedenen pH-Werten. Aus einem Vergleich dieser Strukturen wurden Modelle für die Funktion des Kanals abgeleitet, die die Berliner Arbeitsgruppe mit Hilfe des Austauschs einzelner Aminosäuren und anschließender elektrophysiologischer Analyse überprüfte. „Was wir gefunden haben, ist für einen Ionenkanal ziemlich ungewöhnlich“, sagt Post-Doktorandin Maya Polovitskaya, eine der Erstautorinnen der Studie. „Änderungen des pH Werts führen zu einer Kontraktion der extrazellulären Domäne des Kanals, die dadurch an Membran-durchquerenden helikalen Segmenten des Kanalproteins zieht. Im Gegensatz zu anderen Kanälen, bei denen die Öffnung der Pore nur mit relativ kleinen Veränderungen der Position einzelner oder weniger Aminosäuren einhergeht, sehen wir bei ASOR eine drastische Veränderung des Membrananteils des Kanals. Dieser Prozess, den wir Transmembranmetamorphose nennen, führt zur Bildung einer Pore, durch die Chlorid fließt. Diese Umbildung unterscheidet sich daher eklatant von der Öffnung anderer bekannter Kanäle.“

Säure führt über elektrische Kräfte zur Metamorphose des Kanals
Durch den Vergleich der Kanalstrukturen bei neutralem und saurem pH kamen die Forscher auch dem zugrundeliegenden Aktivierungsmechanismus auf die Spur. Pro Untereinheit des aus drei gleichen Proteinen zusammengesetzten Kanals gibt es in der extrazellulären Domäne drei Paare von negativ geladenen Aminosäuren, die sich normalerweise elektrisch abstoßen. Bei saurem pH, das heißt einer hohen Konzentration von H+ (Protonen), lagern sich diese positiv geladenen Partikel zwischen die negativen Seitenketten der Aminosäurepaare und „kleben“ diese zusammen. Dadurch kommt es zur oben beschriebenen Kontraktion des extrazellulären Teils und der Bildung der Membranpore. Dies erklärt die starke pH-Abhängigkeit von ASOR.

Der seit Jahrzehnten bekannte Natriumkanal ASIC wird ebenfalls durch sauren pH geöffnet. Der Mechanismus der pH-Sensitivität und die Iris-ähnliche Öffnung der Pore von ASIC unterscheiden sich aber grundlegend von ASOR. „Wir haben in unserer Arbeit neue Mechanismen entdeckt und eine Grundlage zur Entwicklung von ASOR-beeinflussenden Substanzen geschaffen“, so Polovitskaya.

Was bleibt, ist die Frage: Wozu ist ASOR eigentlich gut? Eine Gruppe aus den USA konnte vor einiger Zeit zeigen, dass der Ionenkanal eine fatale Rolle beim Schlaganfall spielt. Knock-out-Mäuse, bei denen ASOR abgeschaltet war, überstanden den Hirnschlag mit weniger bleibenden Schäden als ihre Artgenossen mit funktionsfähigem Kanal.

Zelltod kann nicht der einzige Zweck von ASOR sein
„ASOR spielt definitiv eine Rolle bei Säure-induziertem Zelltod, aber eine Rolle in intrazellulären Prozessen, zum Beispiel beim Transport von Vesikeln, rückt nun mehr in den Vordergrund“, sagt Arbeitsgruppenleiter Prof. Thomas Jentsch. Er hat schon etliche Ionenkanäle entdeckt, deren biologische Funktionen beschrieben und einige davon als Krankheitsgene entlarven können. Darum ist der Forscher zuversichtlich, auch eines Tages das Rätsel um ASOR zu lösen. „Wir haben jetzt schon Anhaltspunkte, dass eine Inhibition des Kanals das Absterben von Gehirnzellen beim Schlaganfall abmildern könnte. Aber als Grundlagenforscher wollen wir natürlich auch die biologische Funktion im gesunden Organismus verstehen“, meint Jentsch. „Und dieser spannenden Frage bleiben wir auf den Fersen.“

Publikation:
Chongyuan Wang, Maya M. Polovitskaya, Bryce D. Delgado, Thomas J. Jentsch, Stephen B. Long. Gating choreography and mechanism of the human proton-activated chloride channel ASOR. Science Advances, Vol 8, Issue 5, DOI: 10.1126/sciadv.abm3942, https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.abm3942

Bildtext: Struktur des ASOR-Kanals in der geschlossenen und offenen (säureaktivierten) Konfiguration. ASOR ist ein Trimer aus identischen TMEM206-Proteinen. Jedes Protein durchquert die Membran zweimal. Man beachte die ausgeprägte Umstrukturierung des Proteins beim Öffnungsvorgang. Dies führt zur Bildung einer zentralen Pore (hellbraun dargestellt, oben rechts), durch die das Chlorid-Ion passieren kann. Ein Querschnitt auf der Ebene G (innerhalb der Membran) ist unten dargestellt. Bild: Ausschnitte aus Bild 2, aus Wang et al, Science Advances 2022

Zur Pressemitteilung auf der Website des Leibniz-Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (FMP) im Forschungsverbund Berlin e.V.
Weiteres Rätsel um den Chloridionenkanal ASOR gelöst

forschen, produzieren, heilen, bilden / 02.02.2022
Campus Berlin-Buch fördert erneut den bundesweiten Wettbewerb „Jugend forscht“

© Jugend forscht
© Jugend forscht

In dieser Woche beginnen die Regional-Wettbewerbe der 57. Runde von „Jugend forscht“

Junge Talente in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) starten im Februar in Berlin beim bundesweiten Nachwuchswettbewerb „Jugend forscht“/“Schüler experimentieren“. Das diesjährige Motto lautet: „Zufällig genial?“

Der Campus Buch ist einer der vier Standorte in Berlin. Als Paten richten den Wettbewerb aus: das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), die Campus Berlin-Buch GmbH und – assoziiert – das Experimental and Clinical Research Center (ECRC) von MDC und Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Insgesamt 38 Projekte von Schülerinnen und Schülern zwischen 10 und 18 Jahren wurden dem Campus Buch zugewiesen. Die Pateninstitutionen richten ein Programm für den Regionalwettbewerb aus – von der Einführungsveranstaltung über die Gestaltung der Präsentationen und deren Bewertung durch die Jury, bis hin zur Siegerehrung.

 „Der Wettbewerb ist jedes Mal wieder spannend“, sagt Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführer der Campus Berlin-Buch GmbH. „Ob ‚zufällig genial‘ oder einfach begeistert dabei, eigene Ideen umzusetzen – ‚Jugend forscht‘ ist ein sehr guter Ansporn, sich in den naturwissenschaftlichen und technischen Bereichen auszuprobieren und in Kontakt mit Forschungseinrichtungen oder Unternehmen zu kommen.“
 

Über den Wettbewerb
„Jugend forscht“ ist der größte und bekannteste naturwissenschaftlich-technische Nachwuchswettbewerb Deutschlands. Er ist eine gemeinsame Initiative von Bundesregierung, der Zeitschrift „stern“, Wirtschaft, Wissenschaft und Schulen. Ziel ist es, besondere Leistungen und Begabungen von Jugendlichen in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) zu fördern. In sieben Fachgebieten treten jährlich junge Forscherinnen und Forscher an. Ab Klasse 4 können talentierte Kinder in der Juniorensparte „Schüler experimentieren“ teilnehmen. Jugendliche ab 15 Jahren starten in der Sparte „Jugend forscht“. Veranstaltet wird der Wettbewerb von der Stiftung Jugend forscht e.V.
www.jugend-forscht.de
https://jufo-berlin.de/#
Pressemitteilung von „Jugend forscht“ zum Auftakt 2022

Über den Campus Berlin-Buch
Der Campus Berlin-Buch ist ein moderner Wissenschafts-, Gesundheits- und Biotechnologiepark. Alleinstellungsmerkmale sind der klare inhaltliche Fokus auf Biomedizin und das enge räumliche und inhaltliche Zusammenwirken von Forschungsinstituten, Kliniken und Biotechnologie-Unternehmen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erforschung molekularer Ursachen von Krebs,- Herzkreislauf- und neurodegenerativen Erkrankungen, eine interdisziplinär angelegte Grundlagenforschung zur Entwicklung neuer Therapien und Diagnoseverfahren, eine patientenorientierte Forschung und die unternehmerische Umsetzung biomedizinischer Erkenntnisse.
Dank exzellenter Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen im BiotechPark hat der Campus ein herausragendes Innovations- und Wachstumspotenzial. Dazu gehören als Einrichtungen der Grundlagenforschung das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), das gemeinsam von MDC und Charité – Universitätsmedizin Berlin betriebene und auf klinische Forschung spezialisierte Experimental and Clinical Research Center (ECRC) sowie das Berlin Institute of Health (BIH). Der BiotechPark Berlin-Buch gehört mit 65 Unternehmen, 820 Beschäftigten und rund 31.000 Quadratmetern Büro- und Laborfläche zu den führenden Technologieparks in Deutschland. Seit 1992 sind über 600 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln durch die EU, den Bund und das Land Berlin in den Campus Berlin-Buch investiert worden, um diese Synergien zu unterstützen.
www.campusberlinbuch.de

leben / 02.02.2022
Vorstellung Masterplan „Pankower Tor“ - Digitales Bürgerforum mit Regierender Bürgermeisterin Franziska Giffey am 9. Februar 2022

Leben, Einkaufen, Arbeiten im neuen Stadtquartier „Pankower Tor“: Mit der Fertigstellung des Masterplans wurde jetzt ein wichtiger planerischer Meilenstein des Großprojekts erreicht. Vor dem nun folgenden ersten Beteiligungsschritt im Bebauungsplanverfahren begrüßt die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey alle Interessierten am 9. Februar 2022 um 18 Uhr im Rahmen eines digitalen Bürgerforums via Live-Stream auf www.pankower-tor.de

In Bürgerforum stellen Vertreter:innen des Bezirksamts Pankow, des Senats und der Krieger Handel SE zusammen mit dem Planerteam den Masterplan „Pankower Tor“ anhand eines Modells vor. Über einen Live-Chat können Fragen an die Mitwirkenden gestellt werden.

Der Masterplan für die Hauptfläche des Vorhabengebiets zwischen Mühlenstraße und Prenzlauer Promenade ist die Grundlage für den Entwurf des Bebauungsplans, mit dem das Planungsrecht für das neue Quartier geschaffen werden soll.

In Kürze werden die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit sowie parallel die Beteiligung der Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange durchgeführt. Der konkrete Beteiligungszeitraum wird nach erfolgter Beschlussfassung durch das Bezirksamt noch gesondert öffentlich bekannt gemacht. Nach den frühzeitigen Beteiligungsschritten erfolgt (den gesetzlichen Vorgaben entsprechend) vor dem Abschluss des Verfahrens mindestens noch eine weitere Beteiligung der Öffentlichkeit zum Entwurf des Bebauungsplans.

investieren / 01.02.2022
Glycotope to spin-out its Service Business to the newly formed FyoniBio GmbH

Glycotope GmbH, a biotechnology company developing antibodies against proteins carrying tumor-specific carbohydrate structures, and CantonBio Deutschland GmbH, a subsidiary of Canton Biologics Co. Ltd., a leading Chinese CDMO, today announced the successful completion of CantonBio’s acquisition of Glycotope’s service business under the newly formed FyoniBio GmbH.

The spin-out completes Glycotope’s refocus solely towards drug discovery and development, utilizing its proprietary technology platform to develop uniquely tumor-specific monoclonal antibodies. FyoniBio, now as part of Canton Biologics Group, will continue the contract development service business and offer a broad range of ISO-9001 compliant services from cell line development to clinical bioanalysis.

Henner Kollenberg, Glycotope’s Chief Executive Officer, said “We look forward to collaborating with FyoniBio for our development needs, while Glycotope’s renewed focus solely on drug discovery and development sharpens our profile as a platform company for tumor targeting antibodies with unique specificity.”

Dr. Lars Stöckl, Managing Director of FyoniBio said “We are also looking forward to continuing the service business with a great team of long-term colleagues and long-standing existing partners as well as potential new collaborators.”

Dr. Hans Baumeister, Managing Director of FyoniBio added; “We are so happy to be able to offer extended one-stop service packages from clone and cell line development all the way to GMP manufacturing. Our portfolio in clinical bioassay services performed under GCLP quality regulations is surely an add-on for the CDMO service offered by FyoniBio and Canton Biologics.”

Dr. Xiao Shen, Founder and Chief Executive Officer of Canton Biologics said, “The acquisition of FyoniBio not only supports the international growth strategy of Canton Biologics, more importantly, through FyoniBio, Canton Biologics can significantly extend our technology platforms and service scope to better support international clients in Europe and worldwide.”

About Glycotope
Glycotope is a biotechnology company utilizing a proprietary technology platform to develop uniquely tumor-specific monoclonal antibodies. Glycotope antibodies target specific tumor-associated carbohydrate structures or protein/carbohydrate combined glyco-epitopes (GlycoTargets). Glycotope has to date discovered in excess of 150 GlycoTargets with antibodies against several of these targets currently under development.

Based on their superior tumor-specificity, Glycotope antibodies are suitable for development in an array of different modes of action including naked antibodies, bispecifics, antibody-drug-conjugates, cellular therapies or fusion-proteins.

Currently six clinical and pre-clinical programs based on this technology are under development by Glycotope or its licensing partners. Visit www.glycotope.com.

About FyoniBio
FyoniBio is a newly formed contract development and clinical lab company continuing the service business of Glycotope on the biotech campus Berlin Buch. FyoniBio is offering 20 years of experience in developing biopharmaceuticals to customers. FyoniBio is an ISO 9001 certified company and operates in part under GCLP. Comprehensive one-stop shop services, from clone development to RCB for CHO and GEX cell lines, process development ready to transfer to the GMP facility of your choice, cutting edge know-how in glycobiology (analytics and cell biology), bioassay development for a wide range of proteins. Excellent know-how in clinical PK, biomarker and immunogenicity analysis of clinical samples under good clinical and laboratory practice (GCLP). Visit www.fyonibio.com.

About Canton Biologics
Canton Biologics Co., Ltd. is a private-funded science-driven high-tech enterprise located in Canton Greater Bay Area. It is in process of international-leading cell line development, upstream, downstream process development, formulation development, physicochemical analysis and bioanalysis method development technology platforms in its R&D centre, as well as fed-batch and perfusion cGMP manufacturing in 50-2000L SUBs under the most stringent regulatory requirement in its commercial manufacturing site. Since the establishment in 2016, Canton Biologics has provided biopharmaceutical and biotech companies with high quality one-stop CMC services covering a broad range of biomacromolecule drugs including monoclonal (mono- and multi-specific) antibodies, recombinant and fusion proteins, probiotic bacteria, vaccines and recombinant viruses for cell and gene therapy. Visit www.cantonbio.com.

Quelle: GLYCOTOPE GmbH
Glycotope to spin-out its Service Business to the newly formed FyoniBio GmbH

leben / 29.01.2022
Wasserpumpe und Sonnenliegen: Die Grünfläche rund um die Gänseplastik in Buch wird 2022 erneuert

Blick in die Zukunft: Perspektive des Büros Belvedere Landschaftsarchitekten © Belvedere Landschaftsarchitekten
Blick in die Zukunft: Perspektive des Büros Belvedere Landschaftsarchitekten © Belvedere Landschaftsarchitekten

Das Bucher Bürgerhaus gegenüber der zukünftigen Baustelle feiert 2022 sein zehnjähriges Bestehen

Kunst gibt es in den Pankower Quartieren überall zu entdecken: Brunnen, Plastiken aus Sandstein oder Bronzefiguren, wie die Gruppe von Gänsen auf der Grünfläche an der Franz-Schmidt-Straße in Buch. Schon 1980 warf der Künstler Nikolaus Bode mitten im Plattenbaugebiet einen wehmütigen oder auch belustigten Blick auf das dörfliche Leben längst vergangener Zeiten. Doch die Bucher – ob jung oder alt – lieben ihre Gänse. Seit Jahren trägt jede von ihnen im Winter einen passenden, handgemachten Wollschal – der oder die Urheber:innen dieser Art von Aktionskunst blieben bisher unerkannt, auch wenn die Mitarbeiter:innen im Bucher Bürgerhaus einen direkten Blick auf die Fläche haben.

Das Bürgerhaus ist mit seinen Angeboten seit der Eröffnung 2012 ein wichtiger Anlaufpunkt für den gesamten Ortsteil geworden: Nach dem Umbau der ehemaligen Kita mit Stadtumbaumitteln sind hier das Bürgeramt Karow/Buch sowie die Eltern- und Familienberatung und ein Familienzentrum eingezogen, außerdem zahlreiche weitere Angebote freier Träger, u.a. das Stadtteilzentrum, die Stadtteilzeitung Bucher Bote und ein Second-Hand-Laden. 2022 feiert das Bucher Bürgerhaus sein zehnjähriges Bestehen – coronabedingt steht noch nicht fest, in welcher Form. Wir werden es rechtzeitig ankündigen.

In diesem Jahr wird mit Mitteln der Nachhaltigen Erneuerung auch die gegenüberliegende Grünfläche um die Gänseplastik behutsam aufgewertet und barrierefrei gestaltet. Dieser Wunsch ist unter der aktiven Bucher Bürgerschaft weit verbreitet. Schon 2019 fand dazu eine öffentliche Beteiligungsveranstaltung statt, deren Ergebnisse in die Planung des Büros Belvedere Landschaftsarchitekten einflossen.

Die Wege werden teilweise mit einem berollbaren, aber wasserdurchlässigen Natursteinbelag (Markenname Luwadur) ausgestattet. Im neuen Mosaikpflaster des zentralen Platzes mit dem Kunstwerk findet sich auch das Gänsemotiv wieder. Liegen, eine Baumrundbank, Parkbänke und Sitzauflagen auf der Beton-Einfassung des Pflanzrings aus Stauden, Gräsern und Gehölzen bieten Platz für die verschiedensten Erholungsansprüche.

Die vorhandenen Baumgruppen werden ergänzt: Kirschen, Birken-, Linden und Ahornbäume betonen die verschiedenen Zugänge. Wildsträucher und Zieräpfel schirmen die Grünfläche von der Straße ab und bieten Schutz für Vögel und Insekten. Und auch die Menschen aus der Nachbarschaft können weiterhin ihre Verbundenheit mit ihrem Quartier zeigen, z. B. wenn sie bei trockenem Wetter die Beete und jungen Bäume wässern. Möglich macht es die neue Wasserpumpe – dieser Aspekt des traditionellen Dorflebens ist in den Zeiten der Klimakrise modern und nachhaltig.

Text: Anka Stahl

www.stadtentwicklung.berlin.de

forschen, produzieren / 26.01.2022
Vereint gegen Krebs: ASC Oncology erhält ab 2022 hochkarätig besetzten Beirat

Die Verbesserung der Behandlung von Krebspatienten ist ein zentrales Thema für Betroffene, Angehörige, Onkologen und Forscher weltweit. Die
grenzüberschreitende, interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie die Etablierung personalisierter Behandlungsmethoden sind hierfür essenzielle Schritte. Durch die Gründung des mit internationalen Experten besetzten Beirates eröffnet ASC Oncology zusätzliche Perspektiven mit dem Ziel, das Reverse Clinical Engineering® für Krebspatienten in die Regelversorgung zu integrieren.

Das hochkarätig besetzte Gremium setzt sich für die Jahre 2022/2023 aus Vor- und Nachdenkern zusammen, die mit ihrer herausragenden Expertise in verschiedenen relevanten Bereichen strategisch unterstützend tätig werden:

Vorsitzende: Prof. Dr. med Angela Brand (Utrecht, Niederlande)
Die Kinderärztin und Fachärztin für Öffentliches Gesundheitswesen ist Professorin an der medizinischen Fakultät der Universität Maastricht, am Maastricht Wirtschafts- und Sozialforschungsinstitut für Innovation und Technologie der Vereinten Nationen sowie an der Fakultät für Lebenswissenschaften an der Universität Manipal in Indien. Ihre mehrjährige berufliche Erfahrung im klinischen, ministeriellen und akademischen Bereich im In- und Ausland bringt sie derzeit als Direktorin und Beiratsmitglied in diversen internationalen Gremien ein, wie etwa der Digital Health Society, dem global Health Foresight der Weltgesundheitsorganisation sowie des internationalen Konsortiums zur personalisierten Medizin.

Dr. med. Dr. rer. nat. Saskia Biskup (Tübingen, Deutschland)
Als Fachärztin für Humangenetik führt sie in Tübingen eine Praxis für Humangenetik und ist die Mitgründerin der CeGaT GmbH. Sie forscht an genetischen Erkrankungen und deren Diagnostik, einer ihrer weiteren Schwerpunkte ist die Anwendung neuer Methoden im klinischen Alltag.

Prof. Tony Ng (London, Vereinigtes Königreich)
Tony Ng ist Leiter der Fakultät für Krebs und Pharmazeutische Wissenschaften sowie Richard Dimbleby Professor für Krebsforschung am King’s College London. Darüber hinaus ist er Professor für molekulare Onkologie am University College London Cancer Institute. Seine Expertise als Wissenschaftler umfasst u.a. die Fachbereiche Medizin, Immunologie, Krebszellbiologie, Biochemie, optische Bildgebung und Zellbiophysik.

Bettina Ryll, MD, PhD (Uppsala, Schweden)
Dr. Ryll ist Ärztin und promovierte Wissenschaftlerin der Biomedizin. Sie ist Gründerin des Melanoma Patient Network Europe und war zwischen 2015 und 2018 Vorsitzende der ESMO Patient Advocacy Working Group - das erste Mal, dass diese Position von einer Nicht-Onkologin besetzt wurde. Seit Oktober 2019 ist sie Mitglied des Cancer Mission Board der Europäischen Kommission. Als Patientenfürsprecherin hat sie ein besonderes Interesse an evidenzbasierter Patientenfürsprache und der aktiven Beteiligung von Patienten an aktueller Forschung.

Till Willebrand, M.Sc. (Berlin, Deutschland)
Till Willebrand ist als Senior-Unternehmenskundenbetreuer Gesundheitswirtschaft bei der Berliner Sparkasse tätig. In dieser Funktion unterstützt er Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sowie Medizintechnik- und Pharmaunternehmen mit Finanzierungslösungen. Er bereichert als Finanzexperte den Beirat und ASC Oncology in wirtschaftsstrategischen Fragen.

Gemeinsam mit allen Mitgliedern des neu konstituierten Beirates arbeitet ASC Oncology daran, die personalisierte Behandlung von Patienten als neuen Standard in der Krebstherapie zu etablieren. Die herkömmliche Leitlinientherapie, nach der Krebspatienten behandelt werden, zeigt in lediglich 30 bis 80 Prozent der sogenannten Erstlinientherapien Wirkung. Bei der zweiten und dritten Therapierunde nimmt die Erfolgsquote drastisch ab. Das Reverse Clinical Engineering®-Testverfahren von ASC Oncology ist deshalb der konsequente, nächste Schritt der personalisierten Medizin. Onkologen und Betroffene werden von Behandlungsbeginn an mit evidenzbasierten, wissenschaftlichen Daten bei der Wahl der bestmöglichen individuellen Therapie unterstützt.

Über ASC Oncology
ASC Oncology wurde von neun führenden Wissenschaftlern der Kompetenzfelder Pathologie, Tumorbiologie, Biochemie, Biotechnologie und Molekularbiologie 2019 mit dem Ziel gegründet, sich der wichtigsten Herausforderung der modernen Onkologie anzunehmen: Patienten zur richtigen Zeit mit der richtigen Therapie zu versorgen. Dabei treten die Wissenschaftler von ASC Oncology an, durch das Reverse Clinical Engineering®-Verfahren mehr Patienten besser zu versorgen als je zuvor in der Geschichte der Onkologie. ASC Oncology - Rethink Oncology.

forschen, produzieren, leben, bilden / 24.01.2022
Ausstellung würdigt Pionierinnen

Gudrun Erzgräber vor ihrem Porträt in der Ausstellung „Berlin – Hauptstadt der Wissenschaftlerinnen“ © Sabine Gudath
Gudrun Erzgräber vor ihrem Porträt in der Ausstellung „Berlin – Hauptstadt der Wissenschaftlerinnen“ © Sabine Gudath

Dass die Nobelpreisträgerin Emmanuelle Charpentier in Berlin forscht, ist bekannt. Doch welche Forscherinnen haben die Stadt ebenso geprägt? All diesen Pionierinnen ist eine Ausstellung des BIH und der Senatskanzlei Berlin gewidmet, die bis zum 9. März am MDC und jederzeit online zu sehen ist.

Die Wanderausstellung „Berlin – Hauptstadt der Wissenschaftlerinnen“ stellt insgesamt 22 außergewöhnliche Forscherinnen vor, die Berlin als Stadt und Wissenschaftsstandort geprägt haben und heute noch prägen. Es sind Pionierinnen ihres Faches und Wegbereiterinnen für künftige Generationen von Wissenschaftlerinnen: von Agnes Harnack, die sich im Jahr 1908 als erste Studentin der Stadt offiziell immatrikulieren durfte, über Marlis Dürkop-Leptihn, die nach 118 männlichen Vorgängern im Jahr 1992 zur ersten Präsidentin der Berliner Humboldt-Universität gewählt wurde, bis zur Chemie-Nobelpreisträgerin des Jahres 2020, Emmanuelle Charpentier.

Die Inhalte können alle Interessierten auf deutsch in der Mediathek der BIH-Website abrufen. Beschäftigte des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) sowie Besucher*innen des Gläsernen Labors haben außerdem vom 24. Januar bis zum 9. März 2022 die Chance, sich die Ausstellung vor Ort im Foyer des MDC.C anzuschauen. Leider ist aufgrund der Omikron-Welle kein weiterer Besuchsbetrieb möglich.

„Die Welt der Wissenschaft gehört Euch“

Die Ausstellung ist eine Initiative des ehemaligen Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Michael Müller, und des Berlin Institute of Health in der Charité (BIH). Um Wissenschaftlerinnen in der öffentlichen Wahrnehmung mehr Sichtbarkeit zu geben, haben BIH-Expertinnen gemeinsam mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern in sogenannten Edit-a-thons neue Wikipedia-Einträge von Berliner Hochschullehrerinnen und Forscherinnen erstellt oder bestehende Einträge überarbeitet.

Zur Vernissage am 19. Oktober im Roten Rathaus sagte Müller: „Viele großartige Wissenschaftlerinnen haben Berlin über Jahrzehnte zu der führenden Innovationsmetropole gemacht, die sie heute ist. Wir wollen nicht nur informieren, sondern besonders die kommenden Generationen inspirieren und jeder Schülerin und jungen Frau zurufen: Die Welt der Wissenschaft gehört Euch!“ Auch zwei Wissenschaftlerinnen, die auf dem Campus Berlin-Buch wirkten, sind auf den Tafeln der Ausstellung gewürdigt: Dr. Cécile Vogt und Dr. Gudrun Erzgräber.

Dr. Cécile Vogt und Dr. Gudrun Erzgräber

Cécile Vogt (1875-1962) war promovierte Neurologin und gilt gemeinsam mit ihrem Ehemann Oskar Vogt als eine der Begründerinnen der modernen Hirnforschung. Sie leistete herausragende Arbeit am Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung, das 1929 in Buch einen modernen Forschungsbau in Buch bekam. Ihre bahnbrechenden Arbeiten trugen zur Aufklärung des Gehirnaufbaus bei, außerdem erforschte sie Erkrankungen des Nervensystems. Nach Angaben der Nobelstiftung war Vogt die erste Frau, die für einen Nobelpreis in Medizin oder Physiologie nominiert war, insgesamt 13-mal zwischen 1922 und 1953. 1932 nahm sie die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina zusammen mit Oskar Vogt als Mitglied auf, eine hohe Auszeichnung in Deutschland.

Gudrun Erzgräber (*1939) ist Kernphysikerin. Sie promovierte am Zentralinstitut für Molekularbiologie der Akademie der Wissenschaften der DDR in Berlin-Buch, lebte und arbeitete etliche Jahre in der Sowjetunion. Mitte der 1980er Jahre kehrte sie nach Buch zurück und begann eine Karriere als Wissenschaftsmanagerin, 1992 am Campus Berlin-Buch. Hier war sie maßgeblich an der Entwicklung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) beteiligt. Sie warb 66 Millionen Euro an Fördermitteln von Bund, Land und EU für die Entwicklung des Wissenschafts- und Technologiestandorts Buch ein und baute mit großem Engagement den Biotechnologiepark auf. Unter ihrer Leitung entstand zudem das Gläserne Labor. Das Land Berlin und die Bundesrepublik Deutschland haben Gudrun Erzgräber für ihre herausragenden Leistungen jeweils mit einem Verdienstorden geehrt. Über die Ausstellung freut sie sich: „Ich denke, das ist das auch ein kleines Element dafür, dass Frauen mehr in die Wissenschaft gehen, mehr in Führungspositionen gehen, in Vorstände, in Aufsichtsräte.“

Weiterführende Informationen

Pressemitteilung auf der Webseite des Max Delbrück Centrums für Molekulare Medizin (MDC)
Ausstellung würdigt Pionierinnen

bilden / 24.01.2022
Naturwissenschaften hautnah

Foto: Peter Himsel
Foto: Peter Himsel

Das Lernen von zu Hause fiel manchen Kindern und Jugendlichen während der COVID-19-Pandemie besonders schwer. Für diese Schülerinnen und Schülern aus Buch bietet das Gläserne Labor deshalb ab Februar Arbeitsgemeinschaften (AGs) und Projektwochen, um naturwissenschaftliche Inhalte nachzuholen und anschaulich zu vermitteln. Über den Dachverband der Schülerlabore „Lernort Labor“ wird dies vom Bundeswirtschafts- und vom Bundesfamilienministerium gefördert und ist daher kostenfrei.

Angewandter 3D-Druck und Biodiversität
Für Jugendliche aus der Hufeland-Schule gibt es zwei AGs mit je 10 Plätzen, Anmeldungen sind noch möglich. In der AG „3D-Druck“ dürfen sie einen 3D-Drucker aufbauen, lernen Kunststoffe kennen und können eigene Modelle entwerfen und drucken. Dabei kommen Chemie und Mathe zum Einsatz, auch die Wiederverwendbarkeit von Kunststoffen ist Thema. Die zweite AG beschäftigt sich mit Insekten und der rückläufigen Biodiversität. Welche Insekten lassen sich auf dem Campus und in dessen Umgebung finden, und wie viele sind auf definierten Teilbereichen der Wildblumenwiesen zu zählen? Biologie wird auch greifbar, wenn Honig der Campusbienen untersucht wird, insektenfreundliche Pflanzen gepflanzt und Insektenhotels gebaut werden.

Grundschul-Kinder entdecken Naturphänome
Mit 10 Kindern der Evangelischen Grundschule kann die „Forscher-AG“ starten. Hier steht im Mittelpunkt, mit allen Sinnen die Naturphänomene und den eigenen Körper zu entdecken. Bei letzterem wird es um Ernährung gehen, um Tastsinn und Sehvermögen. Im Labor wird dazu experimentiert, das Programm folgt auch den Interessen der Kinder. Am Ende gibt es ein Forscherdiplom.

Spannende Projektwochen
Je 12 Schülerinnen und Schüler der Oberstufe, die von den Lehrkräften empfohlen werden, können sich für die drei Projektwochen zur Systembiologie, zu Verfahren der Klonierung und zur Genschere CRISPR/Cas bewerben. Sie schlüpfen in dieser Zeit in die Rolle von Wissenschaftler:innen und Technischen Assistent:innen. Im Labor planen sie die Experimente, führen sie durch, protokollieren den Verlauf, werten sie aus und präsentieren die Ergebnisse vor Experten. Die Projektwochen vermitteln auch berufliche Möglichkeiten in der Molekular- und Systembiologie, Biotechnologie sowie Bioinformatik: Von Ausbildungen wie Technische Assistent:in, Chemie- oder Biologie-Laborant:in bis hin zu Studienfächern wie Biologie, Biotechnologie und Medizin.

Weitere Informationen zu den Arbeitsgemeinschaften: https://www.glaesernes-labor.de/de/arbeitsgemeinschaften

Weitere Informationen zu den Projektwochen: https://www.glaesernes-labor.de/de/fit-studium

leben / 21.01.2022
Der Opfer gedenken, neuen Faschismus verhindern

Lichterkette zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar 2022

Die Lichterkette vor dem ehemaligen Jüdischen Waisenhaus in der Berliner Straße 120-121 in 13187 Berlin findet am 27. Januar 2022 ab 18 Uhr statt. Die Veranstaltung anlässlich des Holocaust-Gedenktags führt die Kommission für Bürgerarbeit in Pankow in Kooperation mit der evangelischen Kirchengemeinde Alt-Pankow und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) durch. Bezirksbürgermeister Sören Benn eröffnet die Lichterkette um 18 Uhr. Anschließend findet in der Alten Pfarrkirche Pankow um 19 Uhr eine kleine Andacht mit Pfarrerin i.R. Ruth Misselwitz statt.

Weitere Informationen unter www.lichterkette-pankow.de.

bilden / 21.01.2022
MINT-Berufe kennenlernen und ausprobieren

Abb.: Schülerlabornetzwerk Genau
Abb.: Schülerlabornetzwerk Genau

Welche Berufsbilder bieten Naturwissenschaft und Technik? Das Gläserne Labor hilft Jugendlichen bei der Orientierung

Schülerinnen ab Klasse 9 bietet das Gläserne Labor seit dem vergangenen Jahr die Chance, in der Reihe „NATürlich Ausbildung!“ Berufe in den Naturwissenschaften und mit Technik-Bezug kennenzulernen. Sie lernen dort Frauen kennen, die in MINT-Ausbildungsberufen arbeiten, können selbst experimentieren und sich mit anderen naturwissenschaftlich Interessierten austauschen. Die Reihe wird bis 2023 fortgesetzt und findet abwechselnd im NatLab der Freien Universität Berlin, im Gläsernen Labor und im Mikroskopierzentrum des Naturkundemuseums statt. Hier erfolgt die Anmeldung über das NatLab. 

Am 16. und 17. März 2022 findet auf dem Campus Buch im Max-Delbrück-Communications Centrum die Ausbildungsmesse vocatium Berlin focus statt. Unter anderem gibt dort das Gläserne Labor Einblicke in MINT-Ausbildungsberufe auf dem Campus Berlin-Buch, stellt die Reihe „NATürlich Ausbildung!“ vor und lädt zu Workshops ein, die den Berufsalltag von Biologie- und Chemielaborant:innen zeigen.

Entdecken Sie das Programm von "NATürlich Ausbildung!“

News auf der Website des Gläsernen Labors
MINT-Berufe kennenlernen und ausprobieren

forschen, produzieren / 21.01.2022
Angriff auf das zelluläre Netzwerk von Krebs - Neue Option für die Entwicklung wirksamer Therapien bei Lungenkrebs?

Die Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkrebs stellt trotz wesentlicher Fortschritte nach wie vor eine große medizinische Herausforderung dar. Die zur Verfügung stehenden Therapieoptionen bedeuten in der Regel zwar eine Verlängerung der Lebenszeit können aber die tödliche Krankheit in den meisten Fällen nur für einen begrenzten Zeitraum aufhalten. Tumore können als Organe verstanden werden, die aus einem interaktiven Netzwerk verschiedener Zelltypen mit unterschiedlichen biologischen Funktionen aufgebaut sind. Tumorzellen programmieren in diesem Netzwerk gesunde Zellen um und ermöglichen damit das Wachstum und das Streuen des Krebses. Ebenso kann dieses Netzwerk auch ein Grund für das Versagen von Krebsmedikamenten sein, die nur einen Mechanismus des Tumorwachstums angreifen.

Wissenschaftlern um Stefan Langhammer, der Firma Experimentelle Pharmakologie und Onkologie in Berlin-Buch und der Universität Kiel ist es nun gelungen, mit einer Kombination aus bereits zugelassenen Arzneimitteln dieses zelluläre Netzwerk bei therapieresistenten Tumoren des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms zu durchbrechen. In experimentellen Modellen zeigte sich bei allen behandelten Tumoren unterschiedlicher Gewebetypen eine vollständige Unterdrückung des Tumorwachstums. Darüber hinaus konnte in der Mehrzahl der behandelten Tumore ein anhaltender Rückgang der Größe um bis zu 58% unter Therapie beobachtet werden, bei gleichzeitig guter Verträglichkeit. Die jetzt in einer Fachzeitschrift veröffentlichten Ergebnisse belegen die hohe Wirksamkeit einer Kombinationstherapie, die das zelluläre Netzwerk von Krebs an verschiedenen Stellen gleichzeitig angreift und bieten einen Ansatzpunkt für die Entwicklung neuer Therapieoptionen bei Lungenkrebs mit bereits zugelassenen Medikamenten.

www.epo-berlin.com

leben / 19.01.2022
Verteilung von kostenlosen FFP2-Masken für Bedürftige im Bezirk Pankow

Ausgabe an den drei Rathausstandorten ab 20. Januar 2022

Im Land Berlin gilt derzeit wieder eine verschärfte Maskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Der Bezirk Pankow verteilt ab dem 20. Januar 2022 die vom Berliner Senat zur Verfügung gestellten FFP2-Masken an Personen mit geringem Einkommen. Dazu gehören zum Beispiel:

• Personen mit Anspruch auf den Berlinpass
• Bezieher:innen von Leistungen nach dem SGB II
• Bezieher:innen von Leistungen nach SGB XII
• Empfänger:innen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG)
• Empfänger:innen des Kinderzuschlags nach Bundeskindergeldgesetz (BKGG) etc.

Die Verteilung erfolgt in den Rathäusern Pankow (Breite Str. 24a-26, 13187 Berlin), Weißensee (Berliner Allee 252-260, 13088 Berlin) und Prenzlauer Berg (Fröbelstraße 17, 10405 Berlin) jeweils im Eingangsbereich in der Pförtnerloge während der Öffnungszeiten der Rathäuser (Mo. bis Fr. 8 bis 18 Uhr, außer an Feiertagen).

Am ersten Ausgabetag (20.01.2022) beginnt die Ausgabe voraussichtlich erst ab 10:00 Uhr.

Pro berechtigter Person können bis zu fünf Schutzmasken ausgegeben werden. Die Ausgabe erfolgt solange der Vorrat reicht. Die Bedürftigkeit ist durch geeignete Dokumente (BerlinPass, BaFög, ALG, Grundsicherung u. ä.) zu belegen.

forschen / 13.01.2022
Omikron hat Berlin im Griff

Abwasserprobe vor der Sequenzierung (Foto: Felix Petermann, MDC)
Abwasserprobe vor der Sequenzierung (Foto: Felix Petermann, MDC)

Der Anteil von Omikron liegt in Berlin bei 90 Prozent. Das zeigen jüngste Abwasser-Analysen des Max-Delbrück-Centrums und der Wasserbetriebe. Anfang Dezember lag der Anteil noch bei fünf Prozent. MDC-Teams haben ein computerbasiertes Werkzeug für solche Untersuchungen entwickelt.

Wer sich mit Corona ansteckt, scheidet das Erbgut der Viren unweigerlich aus. Unabhängig davon, ob Symptome da sind oder nicht, und auch nicht nur mit der Atemluft oder dem Speichel: Im Stuhlgang infizierter Menschen ist die RNA von SARS-CoV-2 ebenfalls zu finden. Und von der Toilette aus gelangt sie mit dem Abwasser zügig in die Kläranlage.

Im Februar 2021 begannen mehrere Teams des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), im Berliner Abwasser nach dem Erbgut des Coronavirus zu suchen. Sie sequenzierten es, interpretierten die erhaltenen Daten und visualisierten die Ergebnisse in anschau