News 2022

forschen, produzieren, leben, heilen / 28.07.2022
Bausenator Geisel zu Gast am Zukunftsort Berlin-Buch

Bezirksbürgermeister Sören Benn und Bausenator Andreas Geisel vor dem Neubau der Grundschule Karower Chaussee (Foto: Jonas Teune / BA Pankow)
Bezirksbürgermeister Sören Benn und Bausenator Andreas Geisel vor dem Neubau der Grundschule Karower Chaussee (Foto: Jonas Teune / BA Pankow)

Heute besuchte Bausenator Geisel auf Einladung des Bezirksbürgermeister Sören Benn den Zukunftsort Berlin-Buch. Der Stadtteil wird in den nächsten Jahren nachhaltig erneuert – Gesundheitswirtschaft, Wohnen und Leben werden wachsen. Auf einer Radtour zeigten Sören Benn und Bezirksstadträtin Rona Tietje dem Bausenator daher die Bereiche, die sich besonders stark entwickeln werden.

Start war auf dem Wissenschafts- und Technologiecampus. Dr. Christina Quensel und Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführende der Campus Berlin-Buch GmbH, stellten die Potenziale des biomedizinischen Campus vor, auf dem aus Wissenschaft Wirtschaft wird. Der BiotechPark gehört mit 73 Firmen zu den größten in Europa. Aktuell entsteht ein neues Gründerzentrum BerlinBioCube, in dem Start-ups bis zu 400 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen können. Der Bedarf nach zusätzlichen Flächen für Biotech-Firmen ist groß: Auf der benachbarten Brunnengalerie soll der Campus deshalb auf einer Fläche von 9 ha für forschungsnahes Gewerbe erweitert werden.

Die Tour führte über die Brunnengalerie nach Buch Süd und zur Fläche Am Sandhaus, wo zwei neue nachhaltige Quartiere mit 3.500 Wohnungen geplant sind. Das Ludwig Hoffmann Quartier wächst noch um 500 Wohnungen. Aktuell entsteht eine neue Grundschule, und es werden weitere Schulen, Kitas und ein Bildungs- und Integrationszentrum entstehen. Auch die Infrastruktur mit Parks, Radwegen wird erneuert.

„Wohnen, Gewerbe und Wissenschaft zusammenzubringen – das hat schon Potenzial", sagte Senator Geisel. „Es war ein anregender Austausch über konkrete Projekte vor Ort. Berlin braucht mehr bezahlbare Wohnungen, aber auch soziale Infrastruktur und Freiflächen. Meine Verwaltung und das Bezirksamt Pankow arbeiten eng zusammen, um all das hier in Buch entstehen zu lassen.“

www.campusberlinbuch.de

forschen / 24.07.2022
Ungebremst gegen den Blutkrebs

Armin Rehm und Uta Höpken wollen die Immunabwehr gegen Krebs verbessern. Was bislang nur im Mausmodell möglich war, zeigen die Forschenden nun in menschlichen Zellen – die Ergebnisse in „Molecular Therapy“ erhöhen die Chancen auf eine hochwirksame Immuntherapie gegen Blutkrebs.

Für Menschen mit bestimmten Leukämieformen, Lymphomen oder Multiplem Myelom, sind sie manchmal die letzte Chance, den Krebs zu besiegen: Behandlungen mit chimären Antigenrezeptor-T-Zellen, kurz: CAR-T-Zellen. Dazu werden den Patient*innen T-Zellen aus dem Blut entnommen, um diese außerhalb des Körpers mit künstlich hergestellten Rezeptoren, den CARs auszustatten. Als Wächter des Immunsystems patrouillieren T-Zellen permanent durch Gefäße und Gewebe, um körperfremde Strukturen aufzuspüren. Durch die CARs können sie zusätzlich ganz bestimmte Oberflächenstrukturen auf Krebszellen erkennen. Via Infusion dem oder der Patient*in zurückgegeben, zirkulieren sie dann als „lebendes Medikament“ im Körper, binden hochspezifisch an Tumorzellen und zerstören sie.

Die veränderten Immunzellen verbleiben dauerhaft im Organismus, vermehren sich und treten erneut in Aktion, wenn der Krebs wieder aufflammen sollte – so die Theorie. Doch in der Praxis kommt es bei vielen Patient*innen trotzdem zu einem Rückfall. Denn den Tumorzellen gelingt es durch einen Trick, die CAR-T-Zellen auszubremsen: Sie bilden vermehrt das Protein EBAG9, kurbeln aber auch dessen Synthese in den T-Zellen an. In den Immunzellen hemmt EBAG9 die Ausschüttung von zelltoxischen Enzymen – bremst also die gewünschte Immunreaktion aus.

Bereits im Juni 2022 zeigte ein Team um die Letztautor*innen Dr. Armin Rehm und Dr. Uta Höpken vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) im Fachjournal „JCI Insight“, dass die Immunantwort gegen die Krebszellen dauerhaft verstärkt wird, wenn sie bei Mäusen das EBAG9-Gen ausschalten. Bei den Nagern entwickelten sich außerdem mehr T-Memory-Zellen. Sie sind Teil des immunologischen Gedächtnisses, das nach dem ersten Kontakt mit einem Krebsantigen seine Reaktionsfähigkeit erhöht.

Nun konnten die Forschenden diese zentralen Ergebnisse auch in vitro bei menschlichen CAR-T-Zellen zeigen. Der entscheidende Schritt zur therapeutischen Anwendung sei damit gelungen, berichtet das Team jetzt in „Molecular Therapy“. „Ohne EBAG9 kommt es früher zu einem radikaleren Ausmerzen von Tumorzellen, was vermutlich nicht nur zu länger andauernden Therapieerfolgen führt, sondern auch echte Heilungschancen eröffnet“, sagt Rehm.

Bremse lösen in der Immuntherapie

Schon als das EBAG9-Gen entdeckt wurde, erkannten Wissenschaftler*innen, dass es bei Krebs eine wichtige Rolle spielt. Doch welche genau, blieb lange unklar. Als das MDC-Team 2009 in das Thema einstieg, stellte es zunächst fest, dass Mäuse, denen das Gen fehlte, viel leichter mit bakteriellen und viralen Infektionen fertig wurden als ihre Artgenossen und mehr T-Gedächtniszellen bildeten, die für die Tumorbiologie besonders interessant sind.

2015 gelang es dann Erstautorin Dr. Anthea Wirges, die Synthese des Proteins EBAG9 mit Hilfe von Mikro-RNAs erfolgreich zu drosseln. Für die aktuelle Studie kultivierte die Forscherin auf diese Weise „enthemmte“ CAR-T-Zellen jeweils zusammen mit verschiedenen menschlichen Blut- oder Lymphdrüsenkrebszellen. Genau wie zuvor im Mausmodell wurde das Tumorwachstum deutlich stärker reduziert. Auch Rezidive entwickelten sich erst sehr viel später.

„Durch das Lösen der EBAG9-Bremse kann die genetisch veränderte T-Zelle mehr zytotoxische Substanzen ausscheiden. Sie entfacht aber keinen stärkeren Zytokinsturm, der eine typische Nebenwirkung der CAR-Therapie ist“, erklärt Wirges. Im Gegenteil: das Risiko lässt sich sogar minimieren, weil weniger Zellen als üblich verwendet werden müssen. „Das Ausschalten der Immunbremse funktioniert universell. Das können wir bei jeder CAR-T-Zelle anwenden, die wir herstellen – egal gegen welche Blutkrebsform sie gerichtet ist.“

Der nächste Schritt sind klinische Studien

Die erste Therapie bei Blutkrebs ist und bleibt aber weiterhin die Chemotherapie, dazu kommt eine klassische Antikörpertherapie, denn viele Patient*innen sprechen sehr gut darauf an. „Erst wenn der Krebs zurückkehrt, kommt die CAR-Therapie ins Spiel. Sie ist sehr kostspielig, weil sie ein individuelles zelluläres Produkt für nur einen einzigen Menschen ist“, sagt Höpken. Eines, mit dem man mit einer einmaligen Behandlung ein Leben retten kann.

An EBAG9 zeigt sich, wie wichtig es ist, in der Forschung durchzuhalten und einen langen Atem zu haben. Wirges ließ sich davon anspornen, dass am Ende ihrer Arbeit eine reale Chance für die klinische Anwendung steht. „Projekte wie dieses erlauben es, sich zunächst in der Grundlagenforschung Techniken anzueignen, um dann in der translationalen Forschung alles anzuwenden – bis hin zum toxikologischen Screening für die regulatorischen Prozesse“, ergänzt Rehm. An diesem letzten Punkt ist das Projekt nun angelangt: Im November werden die Forschenden ihr Konzept dem Paul-Ehrlich-Institut, der deutschen Zulassungsbehörde, vorstellen.

Aus Tiermodellen und in vitro-Experimenten mit menschlichen Zellen weiß das Team mittlerweile, dass die gelöste EBA9-Bremse sehr wirksam ist, aber nicht zu mehr Nebenwirkungen führt als die herkömmliche CAR-T-Zelltherapie. „Nun braucht es mutige Klinikerinnen und Kliniker und einen Partner für die Finanzierung der klinischen Studien“, sagt Rehm. Wenn alles gut geht, könnte die ungebremste CAR-T-Zelltherapie bereits in zwei Jahren Patient*innen zur Verfügung stehen.

Weiterführende Informationen

Literatur:

Anthea Wirges et al. (2022): „EBAG9-silencing exerts an immune checkpoint function without aggravating adverse effects“. Molecular Therapy, DOI: 10.1016/j.ymthe.2022.07.009

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

Quelle: Pressemitteilung MDC
Ungebremst gegen den Blutkrebs

forschen / 22.07.2022
Die Reparaturtricks des Zebrafischs

Bild: AG Panáková, MDC
Bild: AG Panáková, MDC

Zebrafische können zerstörtes Herzmuskelgewebe regenerieren. Dabei spielen Bindegewebszellen eine wichtige Rolle, die vorübergehend in einen aktivierten Zellzustand übergehen. Das berichten MDC-Forscher*innen um Jan Philipp Junker und Daniela Panáková im Magazin „Nature Genetics“.

Wenn ein Mensch einen Herzinfarkt erleidet und nicht schnell behandelt wird, sterben durch den Sauerstoffmangel geschädigte Herzmuskelzellen ab. Es bildet sich Narbengewebe. Weil sich daraus keine neuen Herzmuskelzellen (Kardiomyozyten) entwickeln können, sinkt die Pumpleistung des Herzens. Ganz anders bei niederen Wirbeltieren wie dem Zebrafisch: Er kann Organe regenerieren – auch sein Herz.

„Wir wollten wissen, wie der kleine Fisch das macht und ob wir daraus lernen können“, sagt Professor Jan Philipp Junker, Leiter der Arbeitsgruppe „Quantitative Entwicklungsbiologie“ am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) in Berlin. Zusammen mit Dr. Daniela Panáková, die am MDC die AG „Elektrochemische Signalübertragung in der Entwicklung und bei Krankheiten“ leitet, simulierten die Wissenschaftler*innen infarktähnliche Verletzungen am Zebrafischherz. Anhand von Einzelzellanalysen und Zellstammbäumen verfolgten sie, wie sich die Herzmuskelzellen regenerierten. Ihre Beobachtungen beschreiben sie nun im Fachmagazin „Nature Genetics“.

Beim Menschen stoppt der Prozess

Zunächst berührten sie das nur einen Millimeter große Fischherz unter dem Mikroskop für wenige Sekunden mit einer kalten Nadel. Das betroffene Gewebe stirbt dort ab. Genau wie bei Infarktpatient*innen kommt es zunächst zu einer Entzündungsreaktion, dann bildet sich eine Narbe aus Bindegewebszellen, den Fibroblasten. „Überraschenderweise ist die unmittelbare Antwort auf die Verletzung ganz ähnlich. Doch während der Prozess beim Menschen an dieser Stelle stoppt, geht er beim Fisch weiter. Es bilden sich neue kontraktionsfähige Kardiomyozyten“, erklärt Junker.

„Wir wollten wissen, welche Signale von anderen Zellen kommen und dazu beitragen, diese Regeneration zu steuern“, fährt er fort. Mithilfe der Einzelzell-Genomik durchsuchte Junkers Team das verletzte Herz nach Zelltypen, die es im gesunden Fischherz nicht gibt. Die Forscher*innen fanden dabei drei neue Fibroblasten-Varianten, die vorübergehend in einen aktivierten Zellzustand übergehen. Äußerlich identisch mit den üblichen Fibroblasten, lesen diese aktivierten Zellen eine ganze Reihe von zusätzlichen Genen ab, die für die Bildung von Proteinen zuständig sind – unter anderem Bindegewebsfaktoren wie das Kollagen-12.

Fibroblasten geben Signal für Regeneration

Die Narbenbildung (Fibrose) wird beim Menschen eigentlich als Hindernis für die Regeneration des Herzens angesehen. Aber die Bindegewebszellen sind anscheinend für den Prozess wichtig, sobald sie vorübergehend in einen aktivierten Zustand übergehen. Wie wichtig zeigte sich, als Daniela Panáková mit Hilfe eines genetischen Tricks die Kollagen-12-bildenden Fibroblasten im Zebrafisch gezielt ausschaltete. Die Regeneration blieb aus. Dass es ausgerechnet Fibroblasten sind, die Signale für die Reparatur geben, ist aus Junkers Sicht sogar sinnvoll. „Denn sie entstehen ja genau am Ort der Verletzung“, sagt der Zellbiologe.

Um den Ursprung dieser aktivierten Fibroblasten zu finden, erstellte Junkers Team mithilfe einer 2018 in seinem Labor entwickelten Technik namens LINNAEUS Zellstammbäume. Die Technik beruht auf Narben im Erbgut, deren Kombination wie ein Barcode für die Herkunft jeder Zelle funktioniert. „Dieser Barcode entsteht mithilfe der Genschere CRISPR/Cas9. Wenn nach der Verletzung zwei Zellen die gleiche Barcodesequenz aufweisen, müssen sie miteinander verwandt sein“, erläutert Junkers das Prinzip. Die Wissenschaftler*innen machten zwei Quellen für vorübergehend aktivierte Fibroblasten aus: die äußere Herzgewebsschicht, das Epikard, und die innere, das Endokard. Zellen, die Kollagen-12 produzieren, fanden die Forschenden ausschließlich im Epikard.

Intensive Zusammenarbeit verschiedener Forschungsdisziplinen

Für die Studie arbeiteten mehrere MDC-Wissenschaftler*innen Hand in Hand – angefangen bei den Versuchen mit den Fischen über die Genanalyse bis hin zur bioinformatischen Interpretation der Ergebnisse. „Das Spannendste war für mich zu sehen, wie gut sich unsere Disziplinen ergänzen und wie sich die Resultate der Bioinformatik an einem lebenden Tier verifizieren lassen“, sagt Sara Lelek, Erstautorin der Studie und verantwortlich für die Tierversuche. „Es war ein großes Projekt, zu dem jeder sein Fachwissen beitragen konnte. Ich denke, das macht die Studie so umfassend und nützlich für viele Forschende.“

Dr. Sebastiaan Spanjaard, ebenfalls Erstautor, sieht das ähnlich. „Aufgrund unserer sehr verschiedenen Expertisen mussten wir uns regelmäßig gegenseitig unsere Experimente und Analysen erklären. Die Herzregeneration ist ein komplexer Prozess mit vielen Einflüssen. Die Datenmengen, die bei den Experimenten herauskommen, sind riesig. Daraus die richtigen biologischen Signale herauszufiltern, war eine große Herausforderung.“ 

Noch ist unklar, ob es dem geschädigten Herz von Säugetieren wie Mensch und Maus an entsprechenden Signalen fehlt – oder an der Fähigkeit, die Signale auszulesen. Fehlende Signale ließen sich wohl irgendwann durch entsprechende Medikamente imitieren. Eine fehlende Signalinterpretation nachzustellen, wäre sehr viel schwieriger, meint Jan Philipp Junker. 

Fibroblasten auch an neuen Blutgefäßen beteiligt

Als nächstes wollen die Forschenden sich die Gene genauer ansehen, die die vorübergehend aktivierten Fibroblasten besonders oft ablesen. Bekannt ist, dass darunter etliche sind, die für die Ausschüttung von Proteinen in die Umgebung wichtig sind. Darunter könnten Faktoren sein, die auch die Kardiomyozyten beeinflussen. Zudem gibt es erste Hinweise, dass die regenerationsfördernde Funktion dieser Fibroblasten im aktivierten Zellzustand nicht nur auf die Herzmuskelzellen, sondern auch auf die Bildung neuer Blutgefäße abzielt, die das Herzgewebe mit Sauerstoff versorgen.

Weiterführende Informationen

AG Quantitative Entwicklungsbiologie

AG Elektrochemische Signalübertragung in der Entwicklung und bei Krankheiten

Zwei ERC-Consolidator-Grants für MDC-Forscher

Wie Zellen Entscheidungen treffen

Literatur

Bo Hu et al (2022): „Origin and function of activated fibroblast states during zebrafish heart regeneration”. Nature Genetics, DOI: 10.1038/s41588-022-01129-5

Foto: Der Zebrafisch ist ein hervorragendes Modell, um die Regeneration zu untersuchen. Rechts: Ausgewachsener Zebrafisch unter dem Mikroskop. Links: Sieben Tage nach der Kryoverletzung lokalisieren sich im Zebrafischherz transient aktivierte Fibroblasten im Bereich der Verletzung. Bild: AG Panáková, MDC

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

Quelle: Pressemitteilung MDC
Die Reparaturtricks des Zebrafischs

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investieren / 21.07.2022
Eckert & Ziegler Affiliate Receives Further NIAID Funding for Clinical Development

Myelo Therapeutics GmbH, an Affiliate of Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG (ISIN DE0005659700, SDAX), has announced that the U.S. National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), part of the National Institutes of Health, extended their contract to advance the development of the new chemical entity Myelo001 to mitigate the acute radiation syndrome. The extension into year three of the three-year contract provides additional $ 2 million USD to Myelo Therapeutics to develop clinical-stage Myelo001 as an oral formulation MCM for the treatment of Hematopoietic Acute Radiation Syndrome (H-ARS). Initially awarded in April 2020, the total contract is valued at up to $ 6.5 million USD over three years, extending until March 2023.

About Acute Radiation Syndrome: ARS, also known as radiation toxicity or radiation sickness, is an acute illness that presents after exposure of large portions of the body to high levels of radiation, like those that might be experienced during a radiological or nuclear incident or attack. The primary manifestation of ARS is the depletion of hematopoietic stem and progenitor cells, constituting one of the major causes of mortality.

About Myelo001: Myelo001 is a clinical-stage, adjuvant cancer therapy for the treatment of chemotherapy- and radiotherapy-induced myelosuppression. It is delivered as an oral tablet formulation and can be stored at room temperature. Preclinical and clinical studies have shown that Myelo001 has prophylactic and therapeutic efficacy in reducing hematopoietic symptoms caused by radiation and chemotherapy. In irradiated mice and rabbits, Myelo001 reduced the nadir and accelerated the recovery of neutrophils, lymphocytes, thrombocytes, and erythrocytes. In mice, treatment 24 hours post-total body irradiation resulted in increased survival, faster bone marrow recovery, and reduced body weight loss. Moreover, Myelo001 treatment prior to and after chemotherapy led to the accelerated recovery of blood cells in human subjects. Comprehensive chronic toxicology and safety studies, as well as clinical studies, have confirmed Myelo001’s excellent safety profile.

About Eckert & Ziegler: Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG with its 900 employees, is a leading global specialist for isotope-related applications in nuclear medicine, industry, and radiation therapy. The company offers a broad range of services and products along the radioactive value chain, from early development work to contract manufacturing and distribution. Eckert & Ziegler shares (ISIN DE0005659700) are listed in the SDAX index of Deutsche Börse.

About Myelo Therapeutics: Myelo Therapeutics GmbH is a clinical-stage pharmaceutical company focused on developing medical countermeasures (MCM) and therapies for cancer supportive care in areas of high unmet medical needs, among them Radiation-Induced Myelosuppression (RIM), Acute Radiation Syndrome (ARS), and Chemotherapy-Induced Myelosuppression (CIM).

Quelle: Press Release EZAG
Eckert & Ziegler Affiliate Receives Further NIAID Funding for Clinical Development

forschen / 21.07.2022
Profiling für Zellen

Einzelzellanalysen liefern eine Fülle molekularer und genetischer Informationen. Mit Hilfe des maschinellen Lernens führt ein Team um MDC-Forscher Uwe Ohler diese Daten zusammen und erstellt aussagekräftige Profile der Zellen. Die Chan Zuckerberg Initiative (CZI) fördert das Projekt nun.

Trotz ihrer winzigen Größe ist jede einzelne Zelle ausgesprochen komplex. So liest sie etwa aus riesigen DNA-Bibliotheken im Zellkern die Erbinformationen aus, die sie gerade benötigt, übersetzt sie in RNA und schließlich in eine große Vielfalt an Proteinen. Mit unterschiedlichen Techniken lassen sich heute die Eigenschaften und Zustände von Zellen in einem nie ereichtem Detailreichtum charakterisieren. So können Wissenschaftler*innen etwa die DNA und ihre zugehörigen Genschalter auslesen, die RNA analysieren oder die unterschiedlichen Proteine und ihre Formen ermitteln. Das Problem dabei: man hat am Ende riesige Datenmengen, die vollkommen unterschiedliche Aspekte der Zelle beschreiben. Und selbst wenn es sich eigentlich um die gleichen Informationen vom gleichen Zelltyp handelt, unterscheiden sich die Daten voneinander – abhängig davon, in welchem Labor, zu welchem Zeitpunkt und mit welcher Technik sie gewonnen wurden. 

 Ein Modell der Zelle 

Die Arbeitsgruppe „Computational Regulatory Genomics“ von Professor Uwe Ohler am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB), das zum Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) gehört, will Abhilfe schaffen. Das Team arbeitet an computergestützten Methoden, die diese Daten automatisch in ein Modell der Zelle zusammenführen und analysieren, ohne dass man diese im Vorfeld entsprechend aufbereiten muss. Dazu nutzen die Forscher*innen Methoden des maschinellen Lernens, eines Bereiches der künstlichen Intelligenz. Die Entwicklung der Datenaufbereitung und -analyse wird nun von der Chan Zuckerberg Initiative (CZI) gefördert. Mit der CZI finanzieren der Facebook-Gründer Marc Zuckerberg und Priscilla Chan seit 2015 Projekte in Wissenschaft und Forschung, Bildung sowie in sozialer Gerechtigkeit und Inklusion.

Das Zusammenführen der unterschiedlichen Daten soll detailreiche molekulare Profile von einzelnen Zellen und Zelltypen ermöglichen und so konkrete Fragen beantworten, zum Beispiel: Welche Merkmale charakterisieren einen bestimmten Zelltyp? Ist die Zelle gesund oder krank? Wie kann ich aus den abgelesenen Genen, also der Genexpression, auf die Menge von bestimmten Oberflächenproteinen schließen? Welche regulatorischen DNA-Abschnitte spielen bei Erbkrankheiten eine Rolle? 

Wenn es um die Charakterisierung der Zelltypen geht, hat die Gruppe schon einige Antworten parat. So gelang es etwa Pia Rautenstrauch aus der AG Ohler, drei verschiedene Datentypen zur Genregulation derartig miteinander zu kombinieren, dass sie die biologisch relevanten Daten der jeweiligen Zellen herausfiltern konnte. Das Rauschen – also Unterschiede, die zum Beispiel allein auf der Messtechnik beruhten und die Interpretation der Daten erschweren – vernachlässigte ihr Deep-Learning-Modell dagegen. Mit dem Modell war Rautenstrauch im Winter 2021 auf dem NeurIPS-Wettbewerb erfolgreich. In einem anderen Projekt kategorisierten die Wissenschaftler*innen um Ohler mit selbstlernenden Algorithmen die Datensätze von Genschaltern im Zebrafisch. Sie wollten herausfinden, welche Schalter es bei welchem Zelltyp gibt.

Ökosystem für die Datenanalyse

„Die CZI hat großes Interesse an solchen Methoden zur automatisierten Datenintegration. Sie fördert ja ein umfangreiches Netzwerk biomedizinischer Labore“, sagt Ohler. Programme wie die von Ohlers Arbeitsgruppe sollen die vielschichtigen Daten der Forschungsgruppen zusammenführen und deren gemeinsame Analyse ermöglichen. Das Ziel sei letztlich „ein großes Ökosystem für Analyseplattformen, das dann allen Interessierten zur Verfügung gestellt wird“, sagt Ohler. Schließlich könnten die entwickelten Methoden und Prinzipien auf ganz andere Forschungsfelder übertragen werden, sagt Ohler. Denkbar sei zum Beispiel die Integration von unterschiedlichen Satellitenmessdaten, die verschiedene Wellenlängen abdecken. Auch in solchen Fällen müsse man die Informationen sinnvoll zusammenführen, um ein aussagekräftiges Gesamtbild zu erhalten.

Weiterführende Informationen

Chan Zuckerberg Initiative: Project Summary

AG Ohler

Mit Deep Learning durch den Daten-Dschungel

Eine detaillierte Genschalterkarte des Zebrafischs

Über die Chan Zuckerberg Initiative

Die Chan Zuckerberg Initiative wurde 2015 gegründet, um zur Lösung einiger der größten gesellschaftlichen Herausforderungen beizutragen – von der Ausrottung von Krankheiten über die Verbesserung der Bildung bis hin zu den Bedürfnissen unserer lokalen Gemeinschaften. Unsere Mission ist es, durch Zusammenarbeit, das Bereitstellen von Ressourcen und den Ausbau von Technologien, eine inklusivere, gerechtere und gesündere Zukunft für alle zu schaffen. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte www.chanzuckerberg.com.

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de 

 

Quelle: Pressemitteilung MDC
Profiling für Zellen

www.mdc-berlin.de

produzieren / 20.07.2022
Eckert & Ziegler und PRECIRIX schließen Vereinbarung über vorrangige Belieferung mit dem therapeutischen Radioisotop Actinium-225 (Ac-225)

Eckert & Ziegler (ISIN DE0005659700, SDAX) und das belgische Biotech-Unternehmen PRECIRIX NV (PRECIRIX) haben einen Vertrag über die Lieferung von Actinium-225 unterzeichnet. Damit bekommt PRECIRIX vorrangigen Zugang zu Eckert & Zieglers hochreinem, trägerfreiem Actinium-225, das für die Markierung von Prüfarzneimitteln in der Radionuklidtherapie eingesetzt wird.

„Bisher wird die klinische Forschung und die kommerzielle Nutzung von Actinium-225 durch die Knappheit dieses Radioisotops begrenzt. Wir freuen uns daher über die Zusammenarbeit mit PRECIRIX und darüber, die Hersteller von Radiopharmazeutika mit diesem vielversprechenden therapeutischen Radioisotop versorgen zu können“, erklärt Dr. Lutz Helmke, Mitglied des Vorstands und Betriebsvorstand für das Segment Medical. „Dank unserer Kooperation mit dem kernphysikalischen Institut der tschechischen Akademie der Wissenschaften (UJF) ist die erste Produktion von Actinium-225 in radiochemischer Qualität für Ende 2023 geplant. Wir gehen davon aus, dass wir anschließend einen Drug Master File bei der FDA (USA) einreichen werden, um Actinium-225 in cGMP-Qualität zu produzieren.

"Precirix entwickelt neuartige Präzisions-Radiopharmazeutika mit Single-Domain-Antikörpern, um den hohen ungedeckten Bedarf bei der Behandlung solider Tumore zu decken. Unser Ziel ist es, den Wert sowohl von Alpha- als auch von Beta-emittierenden Radionukliden in unserer breiten Pipeline von Produktkandidaten zu erschließen", erklärte Ruth Devenyns, Vorstandsvorsitzende von Precirix. "Wir freuen uns besonders, einen erfahrenen Radioisotopenspezialisten wie Eckert & Ziegler an unserer Seite zu haben, um unsere ambitionierten Entwicklungspläne zu unterstützen.

Actinium-225 wird als Wirkstoff in der Krebsbehandlung eingesetzt. Das Radioisotop emittiert leistungsstarke, hochenergetische Alpha-Partikel mit kurzer Eindringtiefe, die eine präzise Behandlung von Tumorzellen, einschließlich schwer zu erfassender Mikrometastasen, mit minimalen Auswirkungen auf das umgebende gesunde Gewebe ermöglichen. Hierzu wird Actinium-225 mit einem geeigneten Träger (z.B. einem Antikörper oder Peptid) kombiniert, der spezifisch an Krebszellen bindet und diese damit selektiv bekämpft. Momentan werden Radiopharmazeutika auf Basis von Actinium-225 in vielen klinischen Indikationen getestet, u.a. gegen Prostatatumore, Darmkrebs und Leukämie. Experten erwarten, dass der Bedarf an Actinium-225 in der nächsten Dekade exponentiell zunimmt.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im SDAX der Deutschen Börse gelistet.
Wir helfen zu heilen.

Über PRECIRIX
Precirix ist ein privates biopharmazeutisches Unternehmen im klinischen Stadium, das 2014 als Spin-off der VUB gegründet wurde und sich der Verlängerung und Verbesserung des Lebens von Krebspatienten widmet, indem es Präzisionsradiopharmazeutika unter Verwendung von mit Radioisotopen markierten Kameliden-Antikörpern konzipiert und entwickelt. Das Unternehmen verfügt über eine breite Pipeline mit einem Produktkandidaten in einer klinischen Studie der Phase I/II und zwei weiteren im fortgeschrittenen präklinischen Stadium. Forschungen zu Mehrfachisotopen, Linker-Technologie und Kombinationstherapien erweitern die Plattform. Die Technologie von Precirix ermöglicht auch einen theranostischen Ansatz, bei dem Patienten mit einer niedrig dosierten/bildgebenden Version des Produkts ausgewählt werden können, gefolgt von einer therapeutischen Dosis für die Behandlung.

www.ezag.com

forschen / 14.07.2022
Die Stunde der unerforschten Gensegmente

Unbekannte Gebiete im menschlichen Genom (Bild: Karen Arnott/EMBL-EBI)
Unbekannte Gebiete im menschlichen Genom (Bild: Karen Arnott/EMBL-EBI)

Etwa 7200 kaum erforschte Gensegmente aus dem menschlichen Erbgut fasst ein internationales Konsortium in „Nature Biotechnology“ zusammen und schlägt vor, wie man sie in die Humangenom-Datenbanken integrieren kann. Sie könnten zeigen, was den Menschen von anderen Tieren unterscheidet.

Als Forschende im Jahr 2001 mit dem Humangenomprojekt das Erbgut des Menschen vollständig entschlüsselt hatten, gab es eine große Überraschung: Sie hatten nur 20.000 Gene gefunden, die Proteine produzieren. Sollte der Mensch also nur etwa doppelt so viele Gene besitzen wie eine Fliege? Wissenschaftler*innen hatten mit erheblich mehr gerechnet.

Nun haben Forschende aus 20 Institutionen weltweit mehr als 7200 weitgehend unerforschte Genabschnitte zusammengefasst, die möglicherweise für neue Proteine kodieren. Sie haben dabei eine neue Technologie eingesetzt, die die proteinproduzierende Maschinerie in den Zellen im Detail untersucht, um mögliche Proteine beim Menschen zu finden. Das Humangenomprojekt mit all seinen Bemühungen, die menschlichen Gene zu beschreiben, war erst der Anfang, legt die neue Studie nahe. Das Forschungskonsortium möchte die wissenschaftliche Gemeinschaft dazu ermutigen, ihre Daten in die großen Humangenom-Datenbanken zu integrieren.

Vier gleichberechtigte Forscher haben die Studie, die nun in „Nature Biotechnology“ erschienen ist, geleitet: Dr. Jorge Ruiz-Orera vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) in Deutschland, Dr. Sebastiaan van Heesch vom Prinses Máxima Centrum in den Niederlanden, Dr. Jonathan Mudge vom Bioinformatik-Institut am European Molecular Biology Laboratory (EMBL-EBI) in Großbritannien und Dr. John Prensner vom Broad Institute des MIT und Harvard in den USA.

Die neuen Gensequenzen blieben unsichtbar

In den letzten Jahren wurden Tausende, häufig sehr kleine „Open Reading Frames“ im menschlichen Genom entdeckt. Das sind Abschnitte im Erbgut, die Bauanleitungen für Proteine enthalten könnten. Mehrere Autor*innen der aktuellen Studie haben in der Vergangenheit bereits ORFs gefunden:  Van Heesch hat gemeinsam mit den Professoren Norbert Hübner und Uwe Ohler am MDC neue Mini-Proteine im menschlichen Herzen beschrieben und berichtete darüber 2019 in „Cell“; auch Prensner veröffentlichte 2021 zu ORFs in „Nature Biotechnology“. Keine dieser bislang nahezu unerforschten Segmente tauchten jedoch daraufhin in Referenzdatenbanken auf. Viele andere neu entdeckte Sequenzen, die Forschende weltweit z.B. in „Science“ oder „Nature Biochemical Biology“ beschrieben, blieben ebenfalls für den größten Teil der wissenschaftlichen Gemeinschaft unsichtbar – obwohl belegt ist, dass sie RNA-Moleküle produzieren, die daraufhin an die Proteinfabriken der Zelle, die Ribosome, binden.

Traditionell haben Wissenschaftler*innen proteinkodierende Abschnitte in Genen identifiziert, indem sie DNA-Sequenzen von mehreren Spezies miteinander verglichen. Denn die wichtigsten kodierenden DNA-Sequenzen blieben im Laufe der Evolution von Tieren erhalten. Mit dieser Methode fielen jedoch kodierende Sequenzen durchs Raster, die relativ jung sind, die also erst während der Entwicklung von Primaten entstanden sind. Sie fehlen in den Datenbanken.

Nun galt es also, die wenig beachteten ORFs in die größten Referenzdatenbanken zu integrieren, denn bislang musste man in der Literatur gezielt nach ihnen suchen, wenn man sie erforschen wollte. In einem ersten Schritt sammelte das internationale Forschungsteam Informationen zu Sequenzen, die mit dem „Ribosom-Profiling“ neu entdeckt wurden – diese Methode ermittelt, mit welchem Teil der Boten-RNA (mRNA) das Ribosom interagiert. Danach fügten sie die Daten zu einem standardisierten Satz zusammen. Keine leichte Aufgabe. Denn Daten aus unterschiedlichen Laboren, die auf verschiedenste Weisen gewonnen wurden, können nicht einfach so miteinander kombiniert werden.

Sobald dies geschafft war, beschäftigte sich das internationale Konsortium mit zentralen Fragen, die unsere Vorstellung vom menschlichen Genom prägen: Was ist ein Gen? Was ist ein Protein? Brauchen wir flexible Vorstellungen davon, ob Ribosomen immer ein Protein produzieren oder vielleicht auch ein ganz anderes zelluläres Signal?

Die Gruppe will nun die Humangenom-Datenbanken überarbeiten, die Forschende weltweit nutzen. Ensembl-GENCODE richtet den ORF-Katalog als Bestandteil ihrer Referenz-Annotation-Datenbank ein, viele weitere wie UniProt, HGNC, PeptideAtlas and HUPO wollen folgen.

Vermutlich tragen die ORFs zu Volkskrankheiten bei

„Unsere Forschung bringt das Verständnis des genetischen Aufbaus und der vollständigen Anzahl der Proteine im Menschen einen großen Schritt voran“, sagt van Heesch. „Es ist ungeheuer spannend, die Forschungsgemeinschaft mit unserem Katalog zu unterstützen.  Wir können zwar jetzt noch nicht sagen, dass es sich bei allen neuen Sequenzen wirklich menschliche Proteine repräsentieren. Fest steht jedoch, dass ein großer Teil des menschlichen Genoms noch unerforscht ist und die Welt dies zur Kenntnis nehmen sollte.“

„Viel zu lange wurde die wissenschaftliche Gemeinschaft über diese ORFs im Unklaren gelassen“, sagt Mudge. „Wir sind sehr stolz darauf, dass Forschende auf der ganzen Welt sie nun untersuchen können. Ab jetzt sind sie für alle Wissenschaftler*innen aus der Genomik und Medizin verfügbar – davon versprechen wir uns weitreichende Impulse.“

„Die meisten der 7200 ORFs aus unserem Katalog gibt es nur bei Primaten und stellen möglicherweise evolutionäre Neuerungen dar, die einzigartig sind für unsere Spezies,“ sagt Orera, Evolutionsbiologe und Wissenschaftler in Hübners Arbeitsgruppe. „Vielleicht verraten sie mehr darüber, was den Menschen wirklich ausmacht.“

Was kommt als nächstes? Prensner meint, dass „diese ORFs mit ziemlicher Sicherheit zu vielen menschlichen Merkmalen und Krankheiten beitragen, auch zu häufigen Krankheiten wie Krebs.“ Die Herausforderung bestehe nun darin, herauszufinden, welche ORFs bei welchen Krankheiten welche Rolle spielen.

Weiterführende Informationen

Unbekannte Mini-Eiweiße im Herzen

AG Hübner

Van Heesch Lab

Ohler Lab

GENCODE

GENCODE Ribo-seq ORFs

PeptideAtlas

GWIPS-viz

Openprot

RiboTaper

Literatur

Jorge Ruiz-Orera et al (2022): “A community-driven roadmap to advance research on translated open reading frames”. Nature Biotechnology, DOI: 10.1038/s41587-022-01369-0

Über das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

Über das Prinzessin-Máxima-Zentrum für pädiatrische Onkologie
Wenn ein Kind schwer an Krebs erkrankt ist, zählt nur eines: eine Heilung. Deshalb arbeiten wir im Prinzessin-Máxima-Zentrum für pädiatrische Onkologie mit Leidenschaft zusammen, um die Überlebenschancen und die Lebensqualität von krebskranken Kindern zu verbessern. Jetzt und auf lange Sicht. Denn Kinder haben ihr ganzes Leben noch vor sich. Das Prinzessin-Máxima-Zentrum für pädiatrische Onkologie ist kein gewöhnliches Krankenhaus, sondern ein Forschungskrankenhaus, das größte Zentrum für Kinderkrebs in Europa. Hier arbeiten mehr als 400 Wissenschaftler und 900 medizinische Fachkräfte eng mit niederländischen und internationalen Krankenhäusern zusammen, um neue Behandlungsmethoden und neue Perspektiven für eine Heilung zu finden. Auf diese Weise bieten wir den Kindern von heute die bestmögliche Behandlung und unternehmen wichtige Schritte zur Verbesserung der Überlebenschancen der Kinder, die noch nicht geheilt sind.

Über EMBL-EBI
Das Europäische Bioinformatik-Institut (EMBL-EBI) ist weltweit führend bei der Speicherung, Analyse und Verbreitung großer biologischer Datensätze. Wir helfen Wissenschaftlern, das Potenzial großer Datenmengen auszuschöpfen, indem wir ihre Fähigkeit verbessern, komplexe Informationen zu nutzen, um Entdeckungen zum Nutzen der Menschheit zu machen. Wir sind führend in der computergestützten biologischen Forschung und arbeiten an Methoden der Sequenzanalyse, der multidimensionalen statistischen Analyse und der datengesteuerten biologischen Entdeckung, von der Pflanzenbiologie bis zur Entwicklung von Säugetieren und Krankheiten. Wir sind Teil des EMBL und befinden uns auf dem Wellcome Genome Campus, einer der weltweit größten Konzentrationen von wissenschaftlichem und technischem Know-how im Bereich der Genomik.

Quelle: Gemeinsame Pressmitteilung des MDC, Prinses Máxima Centrum & EMBL-EBI
Die Stunde der unerforschten Gensegmente

www.mdc-berlin.de

produzieren / 12.07.2022
LegoChem Biosciences and Glycotope Announce Research Collaboration and License Agreement for an Antibody for use as Antibody Drug Conjugate

Seoul, South Korea, and Berlin, Germany - (July 12, 2022)

LegoChem Biosciences Inc. (LCB) and Glycotope GmbH (Glycotope) have signed a Research Collaboration and License Agreement to develop an antibody drug conjugate (ADC) by combining LCB's proprietary ADC technology with one of Glycotope's investigational tumor targeting antibodies.
Under the terms of the agreement LCB has the right to exercise its option for worldwide exclusive rights to develop and commercialize the selected antibody as ADC, upon successful completion of a feasibility study. If LCB exercises these rights, Glycotope will receive an upfront payment as well as development and sales milestone payments plus royalties. Specific financial terms have not been disclosed.

“Through this collaboration, once the candidate ADC is discovered and nominated, Glycotope and LCB plan to advance this very innovative program to clinical stage as a competitive cancer therapy,” said Dr. Yong-Zu Kim, CEO & President of LCB. “We are very pleased that companies with innovative antibody platforms, such as Glycotope have recognized the advantages of LCB’s linker-payload technology, which has been proven to be plasma stable as well as cancer-selectively activated.”

"This exciting collaboration with LegoChem further underlines the value of Glycotope’s unique technology platform and strengthens our leading position in the development of highly specific glyco-epitope targeting antibodies," added Henner Kollenberg, CEO, Glycotope.
“Our antibodies are designed to deliver increased tumor selectivity. Combining these with LCB’s ADC technology platform offers the opportunity to develop ADCs with potential to perform beyond today’s best standard of care,” said Patrik Kehler, CSO, Glycotope.

ADCs are a type of targeted cancer medicine that deliver cytotoxic chemotherapy ("payload") to cancer cells via a linker attached to a monoclonal antibody that binds to a specific target expressed on cancer cells. LCB's ADC platform technologies overcome the existing limitations of ADCs by imparting a trinity of improved properties, (1) site-specific stable bioconjugation (2) cancer selective linker activation and (3) cancer-selective activation of potent payload, all of which in a significantly broader Therapeutic Window.

Glycotope’s antibodies target specific tumor-associated carbohydrate structures or protein/carbohydrate combined glyco-epitopes (GlycoTargets). Targeting these specific antigens enables broad indication range, long-term treatment potential and reduced on-target/off tumor toxicity, key elements of highly potent therapies. Based on this unrivalled tumor-specificity, Glycotope’s antibodies are highly suitable for a multi-function platform approach with independent modes of action to provide a tailored therapy format for as many patients as possible. Contact Information: LegoChem Biosciences

About LegoChem Biosciences
LegoChem Biosciences (LCB, KOSDAQ: 141080) is a clinical-stage biopharmaceutical company focusing on the development of next-generation novel therapeutics utilizing its proprietary medicinal drug discovery technology LegoChemistry and ADC platform technology ConjuAll Since its foundation in 2006, LCB has focused on the research and development of Antibody-Drug-Conjugates (ADCs), antibiotics, anti-fibrotic and anticancer therapeutics based on proprietary platform technologies.

About Glycotope
Glycotope is a biotechnology company utilizing a proprietary technology platform to develop uniquely tumor-specific monoclonal antibodies. We combine expertise in glycobiology and antibody development to advance first-in-class therapeutics for oncology. Our antibodies target specific tumor-associated carbohydrate structures or protein/carbohydrate combined glyco-
epitopes (GlycoTargets). Based on their superior tumor-specificity, our antibodies are suitable for development in an array of different modes of action including naked antibodies, bispecifics, antibody-drug-conjugates, cellular therapies or fusion-proteins. Glycotope has to date discovered more than 200 GlycoTargets with antibodies against several of these targets currently under development. Visit http://www.glycotope.com/.

www.glycotope.com

produzieren / 06.07.2022
Eckert & Ziegler wird Auftragshersteller für klinische Entwicklungskandidaten basierend auf Lutetium-177 und Actinium-225

Eckert & Ziegler (ISIN DE0005659700, SDAX) hat mit dem US-amerikanischen Pharmaunternehmen Ratio Therapeutics Inc. einen Vertrag über die gemeinsame Entwicklung und darauffolgende Herstellung von innovativen radiopharmazeutischen Produkten auf der Basis von Lu-177 und Ac-225 unterzeichnet. Die Vereinbarung umfasst die Entwicklung eines validierten Herstellungsprozesses sowie die GMP-konforme Herstellung klinischer Prüfpräparate. Ratio Therapeutics wird hierfür ab Juli 2022 die neu errichteten GMP-Suiten am Eckert & Ziegler Produktionsstandort Boston, MA (USA) nutzen.

„Das wachsende Interesse an Radiopharmazeutika schafft einen enormen Bedarf an Expertise bei der Entwicklung und Herstellung von klinischen Prüfpräparaten. Durch die Notwendigkeit Kosten zu senken, hat die Pharmaindustrie in den letzten Jahren einen Paradigmenwechsel eingeläutet – vom vertikal integrierten Geschäftsmodell hin zu einem Lieferantennetzwerk. Mit unseren neuen GMP-Suites und unserem langjährigen Know-how unterstützen wir die Pharmaindustrie, ihre Radiopharmazeutika schneller an den Markt zu bringen“, erklärt Dr. Lutz Helmke, Mitglied des Vorstands und Betriebsvorstand für das Segment Medical bei Eckert & Ziegler.

"Mit Eckert & Ziegler haben wir einen etablierten Partner an unserer Seite, der über erstklassige radiopharmazeutische Fertigungskompetenzen für medizinische und wissenschaftliche Anwendungen verfügt," ergänzt Dr. Matthias Friebe, Chief Technology Officer bei Ratio Therapeutics. "Die Expertise von Eckert & Ziegler bei der Herstellung von Radiopharmazeutika sichert uns qualitativ hochwertige Produkte und eine solide Produktions- und Logistikkompetenz für unsere anstehenden klinischen Programme, bei denen wir gerade die Einreichung unseres ersten IND-Antrags (Investigational New Drug) vorantreiben."

Die Radioaktivlabore am Eckert & Ziegler Produktionsstandort in Boston, MA (USA) verfügen über Heißzellen für Alpha-, Beta- und Gammastrahler, Radiosynthese-, Qualitätskontroll- und weitere Geräte für die Produktion unter GMP-Bedingungen. Die anmietbaren Reinraumsuiten sind auf die Durchführung von Prozessen für die Herstellung von Radiopharmazeutika optimiert.

Mit der GMP-Anlage bietet Eckert & Ziegler sowohl regionalen als auch globalen Pharmaunternehmen einen One-Stop-Service für eine Vielzahl von radiopharmazeutischen Dienstleistungen unter GMP- und cGMP-Bedingungen. Dazu zählen komplette Frühentwicklungsdienstleistungen einschließlich Prozessentwicklung und Scale-up, CMC-Herstellung und -Verpackung, Produktfreigabe und Stabilitätsprogramme. Als radiopharmazeutischer Lohnhersteller ist Eckert & Ziegler in der Lage, kleinste Chargen für klinische Studien der Phase I, II oder III bis hin zu kommerziell einsetzbaren Chargengrößen zu realisieren.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im SDAX der Deutschen Börse gelistet.
Wir helfen zu heilen.

Über Ratio Therapeutics.

Ratio Therapeutics Inc. ist ein in Boston ansässiges pharmazeutisches Unternehmen, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Entwicklung von Präzisions-Radiopharmazeutika der nächsten Generation für solide Tumore zu beschleunigen und damit die onkologischen Behandlungsparadigmen zu verändern. Die vollständig integrierten proprietären F&E-Plattformen von Ratio, Trillium™ und Macropa™, ermöglichen die Bildgebung, Entdeckung und Weiterentwicklung neuartiger Radiopharmazeutika mit erstklassigen Eigenschaften in Bezug auf Verabreichung, Sicherheit und Wirksamkeit. Die Anpassungsfähigkeit der F&E Plattformen ermöglicht eine effiziente und zeitnahe Entwicklung zahlreicher neuartiger Radiopharmazeutika für ein breites Spektrum von Patienten mit hohem ungedecktem Behandlungsbedarf bei soliden Tumoren. Besuchen Sie uns auf www.ratiotx.com und folgen Sie uns auf Twitter und LinkedIn.

 

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heilen / 01.07.2022
Helios Klinikum Berlin-Buch stellt interdisziplinäres Gefäßzentrum neu auf - neue erfahrene Doppelspitze

Dr. med. Peter Klein-Weigel (links) und Dr. med. Alexander Meyer (Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken)
Dr. med. Peter Klein-Weigel (links) und Dr. med. Alexander Meyer (Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken)

Mit Privatdozent Dr. med. Alexander Meyer und Dr. med. Peter Klein-Weigel begrüßt das Helios Klinikum Berlin-Buch zum 01.07.2022 zwei erfahrene Spezialisten auf dem Gebiet der Gefäßmedizin. Als Chefärzte für Gefäßchirurgie sowie Angiologie streben Priv.-Doz. Dr. med. Meyer und Dr. med. Klein-Weigel eine Neuaufstellung des interdisziplinären Gefäßzentrums in Buch an und ergänzen das bereits breit angelegte Behandlungsspektrum mit innovativen Ansätzen und neuen Strukturen.

Prof. Dr. med. Henning T. Baberg, Ärztlicher Direktor des Helios Klinikums Berlin-Buch, erklärt: „Wir freuen uns, dass wir mit Privatdozent Dr. Meyer einen ausgewiesenen Spezialisten auf dem Gebiet der Gefäßchirurgie für unser Haus gewinnen konnten und sind uns sicher, dass er sowohl eine persönliche als auch eine ausgewiesene fachliche Bereicherung für unser Haus sein wird. Über die Rückkehr von Dr. med. Klein-Weigel sind wir ebenfalls sehr erfreut, da wir die Neuaufstellung unseres interdisziplinären Gefäßzentrums somit in äußerst erfahrenen und fähigen Händen wissen.“

Priv.-Doz. Dr. med. Alexander Meyer wechselt vom Universitätsklinikum Erlangen zum Helios Klinikum in Buch. Er ist ausgebildeter Facharzt für Gefäßchirurgie mit der Zusatzbezeichnung Phlebologie und Fellow of the European Board of Vascular Surgeons. Seine fachlichen Schwerpunkte sind die operative Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit und insbesondere die Bypasschirurgie der unteren Extremität sowie die offene und minimal- invasive Behandlung von Aortenaneurysmen. Auf dem Gebiet der chirurgischen Behandlung von Stenosen der Halsschlagader ist er ebenfalls anerkannter Experte.

„Ich blicke meinen Aufgaben und den neuen Herausforderungen im Helios Klinikum Berlin-Buch mit Spannung entgegen und freue mich auf die Zusammenarbeit mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Mein Ziel ist die Stärkung und Förderung von Kooperation und Interdisziplinarität als Schlüssel zur erfolgreichen Behandlung von Gefäßerkrankungen, damit individuell für jeden Patienten das optimale Therapieverfahren ausgewählt und durchgeführt werden kann“, bestätigt Priv.-Doz. Dr. med. Meyer.

Dr. med. Peter Klein-Weigel ist Facharzt für Innere Medizin und Angiologie und renommierter Gefäßspezialist mit einem fundierten Diagnose- und Therapiespektrum aller Erkrankungen des Gefäßsystems. Er wechselt vom Ernst von Bergmann Klinikum in Potsdam, in dem er seit Januar 2019 als Chefarzt der Angiologie tätig war, zurück in das Helios Klinikum Berlin-Buch. Hier war er bereits von 2012 bis Ende 2018 als Chefarzt der Klinik für Angiologie angestellt. 2017 übernahm er zusätzlich die Chefarztposition im Helios Klinikum Emil von Behring in Berlin-Zehlendorf. Seine fachlichen Schwerpunkte sind die Diagnostik und Therapie akraler Durchblutungsstörungen, die konservative und invasive Behandlung der arteriellen Verschlusskrankheit, venöser Thromboembolien sowie vaskulärer Malformationen. Des Weiteren legt er den Fokus verstärkt auf die Behandlung von Arteriosklerose und deren Risikofaktoren.

„Die Zusammenarbeit in unserem Gefäßzentrum ermöglicht es uns, gemeinsam eine individuelle Therapie festzulegen und so Gefäßpatienten bestmöglich fachlich zu betreuen“, betont der neue Chefarzt.

Beide Spezialisten möchten ihre Expertise auf dem Gebiet der Gefäßmedizin nutzen, um die hervorragende Versorgung der Patientinnen und Patienten im Gefäßzentrum Berlin-Buch aktiv weiterzuentwickeln. Zudem streben sie eine enge Vernetzung mit niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen an und betrachten die intensive Zusammenarbeit mit den Pflegekräften des Bucher Klinikums als essentielle Säule einer guten Patientenversorgung. Ebenfalls als wichtige Aufgabe und wertvolle Chance zugleich sehen Privatdozent Dr. med. Meyer und Dr. med. Klein-Weigel die Aus- und Weiterbildung ambitionierter Assistenzärztinnen und -ärzte an.

„Wir begrüßen Dr. med. Peter Klein-Weigel und Priv.-Doz. Dr. med. Alexander Meyer, die uns mit ihrer Erfahrung in Praxis und Forschung zukünftig vielversprechend verstärken. Zugleich verabschieden wir uns von Dr. med. Andreas Gussmann und bedanken uns für seinen wertvollen und langjährigen Einsatz für unser Klinikum“, sagt Prof. Dr. Sebastian Heumüller, Klinikgeschäftsführer und Geschäftsführer der Helios Region Ost.

 

www.helios-gesundheit.de

heilen / 01.07.2022
Helios Klinikum Berlin-Buch begrüßt Tim Steckel als neuen Klinikgeschäftsführer

Tim Steckel - neuer Geschäftsführer des Helios Klinikums Berlin-Buch (Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken)
Tim Steckel - neuer Geschäftsführer des Helios Klinikums Berlin-Buch (Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken)

Ab dem 1. Juli 2022 übernimmt Tim Steckel als Nachfolger von Daniel Amrein die Klinikgeschäftsführung im Helios Klinikum Berlin-Buch. Der erfahrene Klinikmanager wechselt von der Ernst von Bergmann Gruppe in Potsdam zu Helios und bringt somit regionales Know-how, aber auch neue Impulse mit nach Buch. In der Zwischenzeit führte Prof. Dr. Sebastian Heumüller, zweiter Klinikgeschäftsführer und Geschäftsführer der Helios Region Ost, die Geschäfte des Maximalversorgers in alleiniger Verantwortung.

Verstärkung mit Regionalexpertise: Tim Steckel blickt auf 14 Jahre Führungserfahrung im Berliner Umland zurück und profitiert somit von seinen tiefgehenden Kenntnissen regionaler Gegebenheiten. 

„Ich freue mich über die Nachbesetzung mit einem Kollegen aus dem Berliner Umland, dem die lokalen Herausforderungen in Berlin-Brandenburg ebenfalls bekannt sind. Ich bin mir sicher, dass unser gesamtes Haus, von den Stationsteams über den ärztlichen Dienst bis hin zu unseren Verwaltungsabteilungen, von seiner Erfahrung und seinem umfangreichen Know-how im Klinikmanagement profitieren werden“, bestätigt Prof. Dr. Sebastian Heumüller. 

Seit 2008 war Tim Steckel im Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam beschäftigt und seit 2020 als einer von zwei Geschäftsführern dort tätig. Er setzte mit der Einführung eines professionellen Controllings, der Entwicklung hin zur regionalen Klinikgruppe sowie der Einführung der elektronischen Patientenakte viele positive Akzente. Er begleitete das Potsdamer Klinikum als Geschäftsführer durch bewegte Zeiten und überzeugte dabei stets mit Professionalität und Kompetenz. 

Geboren in Henstedt-Ulzburg und aufgewachsen in Hamburg, absolvierte Tim Steckel zunächst ein Studium zum Wirtschaftsingenieur, bevor er an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf (UKE) und als Prokurist der UKE-eigenen Krankenhausberatungsgesellschaft den beruflichen Einstieg in das Gesundheitswesen unternahm. 

„Ich freue mich auf die konstruktive interdisziplinäre und interprofessionelle Zusammenarbeit mit meinen zukünftigen Kolleginnen und Kollegen. Als Maximalversorger hat sich das Helios Klinikum Berlin-Buch in den vergangenen Jahrzehnten einen hervorragenden Ruf erarbeitet, den ich mit neuen Impulsen weiterhin stärken und zugleich die bekannte Zuverlässigkeit der medizinischen Versorgung in der Region garantieren möchte“, erklärt Tim Steckel. 

Sein Ziel ist es, interne Prozesse stetig weiterzuentwickeln und die strukturellen Belange des Maximalversorgers mit modernster medizinischer Ausstattung und professionellen sowie motivierten Mitarbeitenden in ein optimales Verhältnis zu aktuellen Geschehnissen, Entwicklungen und Trends im Gesundheitswesen zu setzen.

Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 1.000 Betten in mehr als 60 Kliniken, Instituten und spezialisierten Zentren sowie einem Notfallzentrum mit Hubschrauberlandeplatz. Jährlich werden hier mehr als 55.000 stationäre und über 144.000 ambulante Patienten mit hohem medizinischem und pflegerischem Standard in Diagnostik und Therapie fachübergreifend behandelt, insbesondere in interdisziplinären Zentren wie z.B. im Brustzentrum, Darmzentrum, Hauttumorzentrum, Perinatalzentrum, der Stroke Unit und in der Chest Pain Unit. Die Klinik ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als Onkologisches Zentrum und von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetiker geeignet DDG“ zertifiziert.
 Gelegen mitten in Berlin-Brandenburg, im grünen Nordosten Berlins in Pankow und in unmittelbarer Nähe zum Barnim, ist das Klinikum mit der S-Bahn (S 2) und Buslinie 893 oder per Auto (ca. 20 km vom Brandenburger Tor entfernt) direkt zu erreichen.

Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 125.000 Mitarbeitenden. Zum Unternehmen gehören unter dem Dach der Holding Helios Health die Helios Kliniken in Deutschland sowie Quirónsalud in Spanien und Lateinamerika und die Eugin-Gruppe mit einem globalen Netzwerk von Reproduktionskliniken. Mehr als 22 Millionen Patient:innen entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios. 2021 erzielte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von rund 10,9 Milliarden Euro.

In Deutschland verfügt Helios über 89 Kliniken, rund 130 Medizinische Versorgungszentren (MVZ), sechs Präventionszentren und 17 arbeitsmedizinische Zentren. Jährlich werden in Deutschland rund 5,4 Millionen Patient:innen behandelt, davon 4,4 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland mehr als 75.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 6,7 Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.

Quirónsalud betreibt 56 Kliniken, davon sieben in Lateinamerika, 88 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 17 Millionen Patient:innen behandelt, davon 16,1 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt mehr als 46.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 4 Milliarden Euro.

Das Netzwerk der Eugin-Gruppe umfasst 33 Kliniken und 39 weitere Standorte in zehn Ländern auf drei Kontinenten. Mit rund 1.600 Beschäftigten bietet das Unternehmen ein breites Spektrum modernster Dienstleistungen auf dem Gebiet der Reproduktionsmedizin an und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 133 Millionen Euro.

Helios gehört zum Gesundheitskonzern Fresenius.

www.helios-gesundheit.de

forschen, produzieren, heilen / 01.07.2022
Forschung zum Anfassen und Mitmachen: Lange Nacht der Wissenschaften am 2. Juli

Experimentieren im Lehrlabor. Foto: Peter Himsel
Experimentieren im Lehrlabor. Foto: Peter Himsel

Laborführungen • Experimente zum Mitmachen • Vorträge & Ausstellungen • Stammzell- & RNA-Forschung • KI in der Biomedizin • Kunst trifft Wissenschaft • Begehbares Gehirnmodell • Forscherdiplom Für Kinder: Experimentieren, Staunen, Lernen • Princess of Science • Chemagie: Die Show • Musik & Essen

Die klügste Nacht des Jahres: Die Einrichtungen des Campus Berlin-Buch begrüßen Wissenschaftsinteressierte am 2. Juli 2022 zur Langen Nacht der Wissenschaften!

Forschung zum Anfassen und Mitmachen bieten die Einrichtungen des Campus Berlin-Buch und das MDC-BIMSB wenn sie zum 20. Mal ihre Türen zur Langen Nacht der Wissenschaften öffnen. Sie laden alle Wissbegierigen ein, in Laborführungen, Workshops, Vorträgen, Rundgängen oder an interaktiven Infoständen mit Wissenschaftler:innen in den Dialog zu treten und sich faszinieren zu lassen von der Welt der Biomedizin.

Mikroskopieren, pipettieren, experimentieren - vielfältige Angebote zum Mitmachen und Ausprobieren. Das Gläserne Labor bietet gemeinsam mit dem Forschergarten und seinen Partnerschulen ein Programm nicht nur für Kinder und Schüler:innen zur Langen Nacht der Wissenschaften!

Informationen zum Programm der Einrichtungen des Campus Berlin-Buch finden Sie hier:

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)

Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie

Gläsernes Labor

Berlin Institue of Health @Charité

→ FÜHRUNGEN IM BIOTECHPARK

16:15, 17:15, 18:15, 19:15, 20:15, 21:15 Uhr
Die Entdeckung neuer Medikamente beginnt am Computer und im Forschungslabor
Willkommen in den Forschungslaboren von Silence Therapeutics! Wir nutzen einen natürlichen Mechanismus menschlicher Zellen, die RNA-Interferenz (RNAi). Hiermit verringern wir die Produktion krankheitsverursachender Proteine, um Krankheiten zu behandeln. Bei einem Besuch in unseren Laboren werden wir Ihnen erklären, wie unsere Medikamente, die sogenannten „siRNAs“ (short interfering RNAs), funktionieren, wie wir diese auswählen, synthetisieren und erste Tests durchführen, um die besten zu identifizieren.
Silence Therapeutics GmbH
Anmeldung am Infopunkt erforderlich.
Start: Vor dem MDC.C

18:00, 19:00, 20:00, 21:00 Uhr
Eine Reise in die Zukunft der personalisierten Krebstherapie
Krebsbetroffene erhalten hier eine optimal auf sie zugeschnittene individuelle Therapie zum richtigen Zeitpunkt. Welche Rolle hierbei die Verwendung von winzigen 3D-Kopien, sogenannten Organoiden,eines Patiententumors spielen, wie Organoide bei der Suche nach neuartigen Medikamenten helfen, wie sie aussehen und was sie für die Krebsforschung so besonders macht, erfahren Interessierte an unserem Aktionsstand und während der Führung durch die Labore von CELLphenomics.
CELLphenomics GmbH
Anmeldung am Infopunkt erforderlich.
Start: Vor dem MDC.C

N e u   i m   P r o g r a m m

16:15, 17:15, 18:15, 19:15, 20:15, 21:15 Uhr
Die Entdeckung neuer Medikamente beginnt am Computer und im Forschungslabor
Willkommen in den Forschungslaboren von Silence Therapeutics! Wir nutzen einen natürlichen Mechanismus menschlicher Zellen, die RNA-Interferenz (RNAi). Hiermit verringern wir die Produktion krankheitsverursachender Proteine, um Krankheiten zu behandeln. Bei einem Besuch in unseren Laboren werden wir Ihnen erklären, wie unsere Medikamente, die sogenannten „siRNAs“ (short interfering RNAs), funktionieren, wie wir diese auswählen, synthetisieren und erste Tests durchführen, um die besten zu identifizieren.
Silence Therapeutics GmbH
Anmeldung am Infopunkt erforderlich.
Start: Vor dem MDC.C

18:00 Uhr
Künstliche Intelligenz in der Wirkstoffforschung
Ob Gesichtserkennung auf dem Smartphone oder der nächste Kaufvorschlag, die Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz sind im Alltag immer präsenter. Auch in der Wissenschaft werden objektive Analyse von enormen Datenmengen genutzt, um bessere Medikamente zu entwickeln. In der Screening Unit am FMP benutzen wir modernste Robotik um automatisiert die Wirkung tausender chemischer Substanzen an Millionen einzelner Zellen zu messen. Ziel ist es Anhand von Mikroskopiebildern bestimmte Muster zu erkennen, um damit die Wirkung chemischer Substanzen vorherzusagen. Wie das mit Hilfe von maschinellem Lernen funktioniert, zeigt Ihnen Dr. Carsten Beese.
Vortrag, Dr. Carsten Beese, Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP)
Dauer: circa 25 Minuten
Ort: Axon 2, 1. OG., Max Delbrück Communications Center (MDC.C) (C83)

Programmänderungen

Diese Führung findet zu geänderten Zeiten statt
16:30, 18:30, 20:30 Uhr
Faszinierende Bilder aus dem Inneren unseres Körpers — Was Super-Magneten leisten
Moderne Ultrahochfeld-Magnetresonanz-Bildgebung bietet neue Einblicke in den Körper des Menschen. Wir führen Sie durch unser   Forschungsgebäude mit einigen der stärksten Kernspintomographen weltweit.
Hinweis: Besucher*innen mit Herzschrittmachern oder Implantaten können NICHT teilnehmen.
Ab 14 Jahre oder in Begleitung Erziehungsberechtigter.
AG Niendorf

D i e s e   P r o g r a m m p u n k t e   e n t f a l l e n

Dieser Vortrag wird leider entfallen:
18:00 Uhr
Multiresistente Keime, brauchen wir immer mehr Wirkstoffe?
Der medizinisch begründete Einsatz von Antibiotika hat über Jahrzehnte hinweg zu einer Selektion von Bakterienstämmen geführt, die gegen eine zunehmend größere Zahl von Wirkstoffen resistent sind und die empfindlicheren Bakterienstämme allmählich verdrängen. Multiresistente Erreger kommen in Krankenhäusern und in der Massentierhaltung vor und stellen Mediziner:innen und Forschende vor große Herausforderungen. Woher kommen neue Wirkstoffe und wie findet man sie? Jens von Kries ist der Leiter der Screening Unit; hier wird seit über 25 Jahren mit Hilfe von Robotern nach neuen Wirkstoffen gesucht.
Dr. Jens von Kries, Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP)
Dauer: circa 25 Minuten

Diese Führung wird leider entfallen:
18:00 Uhr
Hier ist Wissenschaft zu Hause
Exzellente Wissenschaft braucht exzellente Infrastrukur. Die Themen und Methoden der Forschung ändern sich mit der Zeit und so auch deren Ansprüche an Räumlichkeiten. Auf dem Campus Buch kann man die Entwicklung gut sehen. Kommen Sie mit auf eine Tour der Archtektur der Wissenschaft und machen Sie eine Zeitreise mit. Kunst am Bau namenhafter Kunstler*innen ist inklusive.
Ralf Streckwall, MDC
Dauer: circa 45 Minuten

Dieser Vortrag wird leider entfallen:
19:15 Uhr
Stammzellen retten (Nashorn-) Leben
Es gibt auf der Welt nur noch drei Individuen des nördlichen Breitmaulnashorns, alle drei Tiere sind auf natürlichem Weg nicht mehr fortpflanzungsfähig. Mit einer neuen Methode zur Gewinnung von Eizellen wollen Reproduktionsexperten die Art retten. Dr. Sebastian Diecke erklärt wie Stammzellforschung zur Rettung bedrohter Tierarten beitragen kann.
Vortrag.

Dieser Programmpunkt entfällt leider
19:30, 21:30 Uhr
Proteine atomgenau: Superstarke Magneten und NMR Spektroskopie
NMR-Spektroskopie liefert Informationen über Moleküle mit atomarer Auflösung. Während der Führung werden zum einen die für die Methode notwendigen technischen Voraussetzungen - insbesondere die sehr starken Magnete - vorgestellt, zum anderen die am FMP angewendeten Techniken erläutert und demonstriert sowie deren Bedeutung für die Wissenschaft erklärt.
AG Lösungs-NMR, FMP, Dr. Peter Schmieder

Wir empfehlen das Tragen einer medizinischen oder FFP2-Maske in allen Innenräumen.

Bei folgenden Veranstaltungen besteht Maskenpflicht:
Bei allen Laborführungen im Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Mein Erbgut - die eigene DNA aus der Mundschleimhaut isolieren - (Experimentierkurs im MDC-Lehrlingslabor)
Vom Wunderstoff zum Problem: Kunststoffe (Experimentierkurs im Gläsernen Labor)
Wie wird eine Erbkrankheit diagnostiziert? (Experimentierkurs im Gläsernen Labor)
Diagnostik-Scout: Laborwerte selber erstellen und interpretieren (Akademie der Gesundheit)

Tickets & Preise

Die Tickets können ab Freitag, 20. Mai 2022, bis einschließlich Samstag, 2. Juli  2022, über den Online-Ticket-Shop der Langen Nacht der Wissenschaften erworben werden. Tickets sind außerdem an allen ausgewiesenen VVK-Stellen von Ticketmaster und unter 01806 999 0000* erhältlich.

Die Tickets berechtigen zum Besuch aller Einzelveranstaltungen in den teilnehmenden Wissenschaftseinrichtungen. Außerdem können mit den Tickets die eingesetzten Sonderbusse zur Veranstaltung kostenfrei genutzt werden. Informationen zu den Ticketarten und Preisen bekommen Sie auf der Webseite https://www.langenachtderwissenschaften.de/besuch/tickets.

Am Veranstaltungsort gibt es keine Abendkasse. Tickets können auch während der laufenden Veranstaltung online erworben werden.

Lange Nacht der Wissenschaften

30.06.2022
FERIENCAMP MAL ANDERS!

Herstellung von Lehmziegeln (Foto: Gläsernes Labor 2020)
Herstellung von Lehmziegeln (Foto: Gläsernes Labor 2020)

Wann: 18.07. bis 22.07.2022

                       oder   

            25.07. bis 29.07.2022
            täglich von 9-16 Uhr

Wo:    Archäologie- und Abenteuerspielplatz Moorwiese
           Wiltbergstraße 29 b, 13125 Berlin

Für wen: Kinder im Alter von 10 bis 12 Jahren, kostenfrei

Inhalte:
Kochen, Leben in der Steinzeit, Schmieden, Wasserreinigung, Hütten bauen, Cyber Mobbing, Feuer machen

Anmeldung erforderlich, unter:
paola.eckert-palvarini@forschergarten.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

leben / 29.06.2022
Eine Promenade für Buch - Beteiligungsveranstaltung am 7. Juli

Die Promenade in Richtung des zukünftigen Bildungs- und Integrationszentrums (BIZ) / © Anka Stahl
Die Promenade in Richtung des zukünftigen Bildungs- und Integrationszentrums (BIZ) / © Anka Stahl

Interessierte sind herzlich zur Beteiligungsveranstaltung zur Planung der Promenade Wiltbergstraße eingeladen. Der Bezirk Pankow und die beauftragten Planungsbüros möchten Ihnen verschiedene Varianten für den Ausbau einer attraktiven Fußwege-Anbindung an das zukünftige Bildungs- und Integrationszentrums (BIZ) vorstellen und mit Ihnen darüber ins Gespräch kommen.

Mit der Entscheidung zum Bau des BIZ auf dem nördlichen Kopf der Brunnengalerie in Buch soll eine wichtige Bildungseinrichtung im Nordostraum von Pankow entstehen. Die Promenade Wiltbergstraße soll für eine repräsentative Anbindung des neuen BIZ an die Schlossparkpassage sorgen.

Wann? Donnerstag 7. Juli 2022 um 17:30 Uhr

Wo? Im Garten des Bucher Bürgerhauses (bei Regen im Bürgerhaus)


Kontakt:

André Kima
Bezirksamt Pankow von Berlin
Stadtentwicklungsamt, Fachbereich Stadterneuerung
andre.kima@ba-pankow.berlin.de
Tel.: 90295-3138

Winfried Pichierri
Gebietsbeauftragter
Planergemeinschaft für Stadt und Raum eG
w.pichierri@planergemeinschaft.de
Tel.: 885 914-32

Weitere Informationen:

Fußgängerpromenade zum geplanten Bildungs- und Integrationszentrum in Buch

In den kommenden Jahren soll an der Ecke Wiltbergstraße / Karower Chaussee im nördlichen Teil der sogenannten Brunnengalerie das Bildungs- und Integrationszentrum BIZ mit Bibliothek, Filialen der Volkshochschule und der Musikschule sowie Ausstellungsflächen und einem Café entstehen. Diese wichtige Einrichtung benötigt eine attraktive Anbindung an das Zentrum und den S-Bahnhof Buch. Diese soll in Form einer repräsentativen Promenade zwischen dem Einkaufszentrum "Schlosspark-Passagen" und dem Vorplatz des BIZ geschaffen werden. Die geplante Promenade war auch Bestandteil des Wettbewerbs zum BIZ.

Der erste Bauabschnitt vor der Erweiterung des Einkaufszentrums zwischen Walter-Friedrich- und Groscurthstraße wurde bis Mai  2022 hergesellt. Er bindet schon jetzt den dortigen Gehweg in die Promenadengestaltung ein.

Bereits mit dem Ausbau der Wiltbergstraße wurde aus Mitteln des Programms "Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) der Gehweg von der Walter-Friedrich-Straße in Richtung Karower Chaussee „berlintypisch“ mit Gehwegplatten und Mosaik hergestellt. Direkt vor dem neu eröffneten Fachmarktzentrum war der unbefestigte Gehwegbereich der Baustelle zwischenzeitlich mit provisorischen Asphalt befestigt. Dieser provisorische Asphaltbereich wurde nunmehr auf 80 Metern Länge durch Mosaikpflaster und Gehwegplatten ersetzt.

Die Plastik "Mutter mit Kind" an der Walter-Friedrich-Straße wurde fachgerecht saniert und am gleichen Ort auf einem neuen Sockel wieder eingebaut. Kurz vor der Lieferzufahrt zum Einkaufszentrum entstand eine kleine Grünfläche mit zwei Winterlinden, daneben wurden Fahrradbügel integriert.

1. Bauabschnitt: Walter-Friedrich- bis Groscurthstraße

  • Projektbeschreibung
  • Fotos
  • Projektblatt/PDF

    Adresse: Wiltbergstraße, 13125 Berlin, Pankow
    Auftraggeber/Bauherr: Bezirk Pankow
    Planung: Bezirksamt Pankow, Straßen- und Grünflächenamt
    Gesamtkosten: 80.000 EUR aus dem Programm Nachhaltige Erneuerung

www.stadtentwicklung.berlin.de/nachhaltige-erneuerung/buch/fussgaengerpromenade-zum-biz

leben / 28.06.2022
Ludwig Hoffmann Quartier wächst weiter

Mittelpunkt des Projekts FRANZ: Das Franz-Ehrlich-Haus (Abb.: Ludwig Hoffmann Quartier)
Mittelpunkt des Projekts FRANZ: Das Franz-Ehrlich-Haus (Abb.: Ludwig Hoffmann Quartier)

Das Ludwig Hoffmann Quartier baut Angebotspalette aus – Weitere Projekte bis 2025 - Franz-Ehrlich-Haus nach Sanierung architektonisches Highlight des Stadtquartiers

Erfolgskonzept

Die Arbeiten am Ludwig Hoffmann Quartier begannen 2012 mit einer klaren Zielstellung. „Wir wollten von Anfang an keine reine Wohnanlage errichten“, erklärt Andreas Dahlke, Initiator des Ludwig Hoffmann Quartiers, „sondern ein Quartier zum Wohnen und Leben. Den Unterschied macht die Kombination traditioneller Wohnangebote mit städtischen Leistungen aus Bereichen wie Bildung, Betreuung, Freizeit und Arbeit.“ Heute sind zwei Drittel aller Projekte fertig und in Nutzung. Dazu gehören etwa 500 von später insgesamt 1.000 Wohnungen, zwei Schulen, drei Kitas, eine Mutter-Kind-Einrichtung, zwei Wohnheime für Kinder sowie Gewerbe.

Planungen
Mit der Fertigstellung des historischen Teils sind die Arbeiten am Stadtquartier nicht abgeschlossen. Bis 2025 stehen fünf weitere Projekte an. Dazu gehören drei Wohnanlagen und ein Komplex mit kleinen möblierten Wohnungen, dessen Arbeitstitel FRANZ lautet. Das kurz vor der Eröffnung stehende fünfte Projekt trägt den Namen TRIBUS und umfasst ein modernes Wohnhaus, ein unter Denkmalschutz stehendes Verwaltungsgebäude und ein Waisenhaus.

Möglichkeiten
„Mit dem Projekt FRANZ werden wir erstmals Wohnungen anbieten, die sich am klassischen Micro-Apartment orientieren, aber unseren Bedingungen angepasst sind“, erklärt Andreas Dahlke. Dieses Angebot richtet sich vorrangig an junge Leute – Studenten, Berufseinsteiger, Doktoranden oder Wissenschaftler, die in Bucher Forschungs- und Gesundheitseinrichtungen arbeiten oder sich weiter qualifizieren. Sie können 20 bis 30 Quadratmeter große moderne Wohnungen mieten. Diese sind vollständig ausgestattet, verfügen über Küche und Bad sowie zeitgemäße Kommunikationstechnik. Neben allgemeinen Bereichen wie Lounge mit Café oder Waschsalon stehen auch Bibliothek und Räume für Meetings zur Verfügung. Zahlreiche Serviceleistungen können in Anspruch genommen werden.

Rahmenbedingungen
Für das Projekt FRANZ stehen drei Gebäude zur Verfügung, zwei Neubauten und das architektonisch bedeutsame Franz-Ehrlich-Haus, dessen Zukunft längere Zeit unklar war. „Wir haben alles versucht, eine Lösung für eine zeitgemäße Nutzung zu finden“, sagt Andreas Dahlke. „Schließlich haben wir ein Konzept entwickelt, das eine Angebotslücke im Ludwig Hoffmann Quartier schließen wird.“

Würdigung
Im Zusammenhang mit der Entwicklung des Projektes FRANZ wurde das Haus 34 in Franz-Ehrlich-Haus umbenannt. Franz Ehrlich war ein bekannter deutscher Architekt und Künstler des 20. Jahrhunderts. Zeit seines Lebens war er darauf bedacht, als „Universalkünstler“ mit vielen Fähigkeiten wahrgenommen zu werden. Die Liste seiner Erfolge ist lang. Eines seiner bekanntesten Projekte ist der Neubau des Rundfunkhauses in Berlin-Oberschöneweide. In Buch war Franz Ehrlich auch aktiv. Unter anderem leitete er als Chefplaner den Bau jenes architektonisch beeindruckenden Gebäudes, das heute seinen Namen trägt.

Text: Dr. Ingolf Neunübel

Das Interview erschien zuerst im Standortjournal buchinside.

forschen, heilen / 24.06.2022
Nährstoffe für Frühchen statt Antibiotika

Mit dem Forschungsprojekt PROSPER will ein Team an vier Standorten in Deutschland untersuchen, ob ein bestimmtes Nahrungsergänzungsmittel Frühgeborene vor einer Blutvergiftung schützen kann. Das BMBF unterstützt das Vorhaben, an dem ECRC-Forscherin Sofia Forslund beteiligt ist, mit 1,9 Millionen Euro.

Eine Blutvergiftung kann tödlich sein. Vor allem Frühgeborene, die eine Sepsis erleiden, sterben mitunter innerhalb weniger Stunden daran. Überleben die Kinder, sind sie oft viele Jahre lang besonders anfällig für Krankheiten. Da sich derzeit nur schwer abschätzen lässt, welches Baby eine Sepsis entwickelt, erhalten die meisten Frühgeborenen – bis zu 85 Prozent – vorsorglich Antibiotika. Die Medikamente sind zwar für viele der Kinder lebensrettend, sie haben aber auch Nachteile. Unter anderem können sie Antibiotika-Resistenzen begünstigen und die Darmflora der Babys nachhaltig stören. Dies wiederum kann langfristig zu chronisch entzündlichen Erkrankungen, Allergien, Fettleibigkeit und Diabetes führen.

Für das kindliche Immunsystem sind Alarmine sehr wichtig

Ein Team um Professorin Dorothee Viemann von der Klinik für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) will jetzt in einem Forschungsprojekt namens PROSPER (Prevention of Sepsis by Personalized Nutritional S100A8/A9 Supplementation to Vulnerable Neonates) untersuchen, ob auch ein Nahrungsergänzungsmittel – ein Alarmin – Frühgeborene vor einer Blutvergiftung schützen kann. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt das Projekt mit rund 1,9 Millionen Euro.

Alarmine sind bei Erwachsenen vor allem ein Marker für Entzündungen. Gemeinsam mit Dr. Sabine Pirr, Oberärztin der MHH-Intensivstation für Früh- und Neugeborene hatte Viemann aber herausgefunden, dass die Alarmine bei Neugeborenen die Entwicklung der Darmflora und des Immunsystems positiv beeinflussen. In großen Mengen finden sich diese Proteine zum Beispiel in der Muttermilch.

„Zudem scheint eine vaginale Entbindung anders als ein Kaiserschnitt die körpereigene Alarmin-Produktion der Neugeborenen anzuregen“, sagt Dr. Sofia Forslund, die Leiterin der Arbeitsgruppe „Wirt-Mikrobiom-Faktoren in Herz-Kreislauf-Erkrankungen“ am Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung des Berliner Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Forslund ist als Bioinformatikerin mit einem besonderen Schwerpunkt auf der statistischen Analyse des Mikrobioms an dem Projekt PROSPER beteiligt.

Ein Calprotectin-Mangel erhöht das Sepsisrisiko von Frühgeborenen

In einem früheren Projekt namens PRIMAL (Priming Immunity at the Beginning of Life) hatten die drei Forscherinnen gemeinsam mit weiteren Kolleginnen und Kollegen bereits zeigen können, dass sich ein hoher Spiegel des Alarmins Calprotectin positiv auf das Mikrobiom und das Immunsystem von Neugeborenen auswirkt, die per Kaiserschnitt zur Welt gekommen sind und nicht gestillt werden können. „Inzwischen wissen wir auch, dass das Sepsisrisiko deutlich erhöht ist, wenn es Frühgeborenen an Calprotectin mangelt“, sagt Forslund.

Das Projekt PROSPER soll daher nun ermitteln, ob die Gabe des Proteins Frühgeborene, die niedrige Calprotectin-Spiegel aufweisen, vor einer Blutvergiftung schützt. An dem Projekt sind neben den Expertinnen und Experten der MHH und des ECRC auch Forschende der Kinderklinik des Universitätsklinikums Würzburg und des Instituts für Immunologie der Universität Münster beteiligt. „Am ECRC werden wir die Entwicklung des Mikrobioms der Frühgeborenen im Detail verfolgen und dazu unsere statistische und datenanalytische Expertise zur Verfügung stellen“, sagt Forslund. „Zudem wollen wir hier mit den Methoden der Bioinformatik genauer erforschen, wie der schützende Effekt von Calprotectin zustande kommt.“

Das gemeinsame Ziel aller an PROSPER Beteiligten ist es, die Voraussetzungen für eine größere klinische Studie zu schaffen – um auf diese Weise die breite Anwendung von Antibiotika bei Frühgeborenen möglichst bald überflüssig zu machen.

Text: MHH / Anke Brodmerkel

Weiterführende Informationen

AG Forslund

Wirt-Mikrobiom Faktoren in Herz-Kreislauferkrankungen

Wie Herz und Bauch zusammenhängen

Wissenschaft / 25. Juli 2019

forschen, investieren, produzieren, heilen, bilden / 23.06.2022
Platz für neue Quartiere und Unternehmen in Berlin-Buch

So könnte das Quartier am Sandhaus in Berlin-Buch einmal aussehen(Abb.: Studio Wessendorf / Grieger Harzer)
So könnte das Quartier am Sandhaus in Berlin-Buch einmal aussehen(Abb.: Studio Wessendorf / Grieger Harzer)

Herr Benn, der Stadtteil Buch soll in den nächsten Jahren um bis zu 4.000 Wohnungen wachsen. Wie beurteilen Sie aus bezirklicher Sicht die Planungen zur Wohnbebauung?

Ich bin sehr froh, dass uns in Buch Flächen für den dringend benötigten Bau neuer Wohnungen zur Verfügung stehen, und zwar insbesondere von bezahlbarem Wohnraum. Hier bietet sich die Chance, moderne und nachhaltige Quartiere zu errichten, die mit einem Ausbau des Angebots von Handel, Dienstleistungen und sozialer Infrastruktur einhergehen.
Wenn Sie von 4.000 Wohnungen sprechen, sind die rund 500 zusätzlichen Wohnungen im Ludwig Hoffmann Quartier eingeschlossen. In Buch Süd und Am Sandhaus können bis zu 3.500 Wohnungen entstehen. In den nächsten Jahren werden am Standort unterschiedlichste Wohnungsangebote entstehen, so dass es für mehr Beschäftigte in Buch attraktiv werden könnte, Wohnen und Arbeiten zu verbinden.
Bereits jetzt zeigt sich, wie komplex die jeweiligen Planungsaufgaben und Zusammenhänge sind. Im Rahmen des Förderprogramms „Nachhaltige Erneuerung“ werden frühzeitig Infrastrukturbedarfe mitgeplant und Planungen für den Ausbau integriert behandelt. Als Bauherren sollen landeseigene Wohnungsbaugesellschaften, Genossenschaften, Baugruppen und private Investoren zum Zuge kommen.
Der Großteil der Planungen wird unter Beteiligung der Öffentlichkeit durch den Bezirk vorgenommen und koordiniert – nur das Quartier „Am Sandhaus“ liegt in der Verantwortung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. Der Senat arbeitet hier eng mit uns zusammen.

Für das Quartier Am Sandhaus wurde bereits unter Beteiligung der Öffentlichkeit ein Masterplan entwickelt. Welchen Anspruch soll dieses Quartier erfüllen?

Auf circa 57 Hektar sollen dort rund 2.700 Wohnungen entstehen. Ziel ist es, ein städtebaulich und architektonisch attraktives Stadtquartier zu schaffen, das den Anforderungen an die Nachhaltigkeit, den Klimaschutz und an eine soziale Mischung Rechnung trägt.

Wie sollen diese Ziele erreicht werden?

Der Siegerentwurf plant ein zusammenhängendes Siedlungsband, das ländliche Qualitäten und urbane Strukturen gut vereint. Durch flächensparendes und naturschonendes, verdichtetes Bauen, eine Regenwasserbewirtschaftung und nachhaltige Baustoffe wie Holz soll das Ziel Berlins zur Klimaneutralität bis 2045 unterstützt werden. Dazu dienen auch Maßnahmen für ein autoarmes Quartier sowie Maßnahmen im Energiebereich.
Um eine soziale Mischung zu erzielen, schaffen wir Wohnraum in verschiedenen Segmenten, sowohl mietpreis- und belegungsgebunden sowie gemeinwohlorientiert, als auch für Menschen mittleren Einkommens. Wir setzen verschiedene Bautypologien ein, fördern gemischte Nutzungen und sozio-kulturelle Angebote, damit ein lebendiges Quartier entsteht.

Welche Infrastruktur wird das Quartier erhalten?

Geplant sind eine Grundschule mit Sport- und Multifunktionshalle, zwei Kitas und Einrichtungen für Jugendliche. Es soll drei Quartiersgaragen geben, verkehrsberuhigte Abschnitte sowie Ladezonen. Im Übergangsbereich zur Landschaft werden mehrere Spielplätze und Sportflächen entstehen, der Naturerfahrungsraum und der Archäologiespielplatz Moorwiese bleiben erhalten. Derzeit prüfen wir, ob es möglich ist, am S-Bahnhof ein Fahrradparkhaus und eine Jelbi-Station zu errichten.

Wie ist der aktuelle Stand der Vorbereitungen?

Der Entwurf wird nun in den Rahmenplan integriert, der bis zum Sommer fertiggestellt werden soll. Parallel findet die Abstimmung mit den öffentlichen und privaten Eigentümern statt. Zudem bereitet die Senatsverwaltung das förmliche Bebauungsplanverfahren mit dem Aufstellungsbeschluss als Grundlage für das Plan- und Baurecht vor.

In Buch Süd sollen weiterer Wohnraum, Schulen, eine Kita sowie forschungsnahes Gewerbe für den Campus entstehen. Eine Erweiterungsfläche in unmittelbarer Nähe des Campus ist für uns sehr bedeutsam. Wie ist der Stand der Planungen?

Eine vertiefende städtebauliche Studie steht vor dem Abschluss, die Öffentlichkeit soll im Sommer 2022 beteiligt werden. Wir streben eine Beschlussfassung für das dritte Quartal dieses Jahres an. Danach kann das Bebauungsplanverfahren starten.

Insgesamt soll in Buch Süd ein gemeinwohlorientiertes Wohnungsangebot mit 650 Wohneinheiten in eher aufgelockerter Bebauung entstehen. Die Umsetzung soll durch ein landeseigenes Wohnungsunternehmen erfolgen. Auch dieses Quartier wird nachhaltig und weitgehend ohne Autoverkehr angelegt, weshalb eine Quartiersgarage zum Konzept gehört. Um das Quartier gut zu erschließen, soll die Max-Burghardt-Straße bis zur Kleinen Wiltbergstraße verlängert werden. Geplant ist, einen umgrenzenden Grünsaum zu schaffen, der zugleich Spiel- und Sportflächen integriert und Wegebeziehungen in den angrenzenden Pankepark sichern soll. Das Konzept für die Qualifikation des Pankeparks wird aktuell zum Abschluss gebracht. Für den Wissenschafts- und Biotech-Campus ist eine Erweiterungsfläche von insgesamt neun Hektar auf dem südlichen Teil der ehemaligen Brunnengalerie ab Wolfgang-Heinz-Straße vorgesehen sowie entlang des Kappgrabens.

Auf dem nördlichen Teil der Brunnengalerie sollen eine Kita mit 150 Plätzen und ein Schulcampus entstehen. Dieser sieht eine Gemeinschaftsschule mit Grundschule und Sekundarstufe vor. Eine Machbarkeitsstudie für den Schulcampus wurde 2021 fertiggestellt. Er ist bereits als Teil der Investitionsplanung des Landes Berlin bestätigt und soll im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive realisiert werden.

Wann kann die bauliche Umsetzung starten?

Eine bauliche Umsetzung ist etappenweise möglich. Die vorhandene Druckwasserleitung muss vor Beginn zwingend verlegt werden, ebenso ist die Verlegung und Bündelung der Medientrasse in einem neuen Korridor erforderlich. Dies gilt auch für die Erweiterungsfläche des Campus auf der Brunnengalerie.

Buch braucht ein lebendiges kulturelles Zentrum. Wie steht es um das geplante innovative Bildungs- und Integrationszentrum?

Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten, da durch die derzeitige vorläufige Haushaltswirtschaft eine Beauftragung schwierig ist. Somit ist ein Termin für den Baubeginn in der zweiten Hälfte 2023 geplant. Sollte es noch Änderungen im Haushalt geben, könnte sich der Termin auch noch weiter verschieben. Die Bauzeit soll zwei Jahre betrage

Interview: Dr. Ulrich Scheller / Campus Berlin-Buch GmbH

Das Interview erschien zuerst im Standortjournal buchinside.

 

forschen / 23.06.2022
Feinschliff für die Genschere

Van Trung Chu working in the lab (Foto: Felix Petermann, MDC)
Van Trung Chu working in the lab (Foto: Felix Petermann, MDC)

Mit dem molekularen Werkzeug CRISPR-Cas9 lassen sich erbliche Blutleiden behandeln. Dabei kann es zu ungewollten Veränderungen im Erbgut kommen. Ein Team um die MDC-Forscher Klaus Rajewsky und Van Trung Chu stellt jetzt in „Science Advances“ eine Methode vor, die solche Folgen minimiert.

Die Hoffnungen, die in die Genschere CRISPR-Cas9 gesetzt werden, sind groß. Denn mit dem molekularen Skalpell lassen sich krankhaft veränderte Gene, die zum Beispiel zu Erbleiden führen, punktgenau herausschneiden und reparieren. Doch so präzise das Werkzeug sein Ziel auf der DNA in der Regel auch findet: Völlig fehlerfrei arbeitet es bislang nicht. 

Mitunter setzt die Genschere ihren Schnitt auch an Stellen des Erbgutfadens, die der eigentlichen Zielsequenz sehr ähnlich sind, aber ganz woanders liegen. Forschende sprechen dann von Off-Target-Mutationen, die ungeahnte Konsequenzen haben können. Doch selbst wenn CRISPR-Cas9 an der richtigen Stelle schneidet, kann es bei der Reparatur des Schnitts zu Fehlern kommen, den On-Target-Mutationen. 

Zwei Schnitte mit Abstand

„Solche Fehler entstehen vor allem deshalb, weil die klassische Genschere beide Stränge, aus denen das DNA-Molekül besteht, auf einmal durchschneidet“, erklärt Professor Klaus Rajewsky, der Leiter der Arbeitsgruppe „Immunregulation und Krebs“ am Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). Gemeinsam mit weiteren Forschenden des MDC und der Humboldt-Universität zu Berlin hat der Wissenschaftler jetzt in der Fachzeitschrift „Science Advances“ eine verfeinerte Methode namens Spacer-Nick vorgestellt. Dabei schneidet eine modifizierte Genschere, Nickase genannt, die gegenüberliegenden Stränge der DNA an verschiedenen Stellen jeweils einzeln durch.

Entscheidend für die größere Präzision, mit der die Doppelschere fehlerhafte Gene aufspürt und repariert, ist eine Art Abstandshalter, Spacer genannt, den das Team in sein Werkzeug eingebaut hat. „Mit ihm stellen wir sicher, dass die beiden Schnitte in einem Abstand von 200 bis 350 Basenpaaren gesetzt und Doppelstrangbrüche der DNA vermieden werden“, erläutert Dr. Van Trung Chu aus Rajewskys Arbeitsgruppe. Die beiden Forscher sind gemeinsame Letztautoren der Studie. „Diese Länge hat sich in unseren Experimenten mit blutbildenden Stammzellen und T-Zellen als optimale Distanz erwiesen, um On- und Off-Target-Mutationen zu reduzieren“, sagt Chu. „Ist sie kürzer, kann es nämlich trotz der Verwendung zweier getrennter Scheren passieren, dass der DNA-Strang letztendlich komplett durchschnitten wird.“

Beim Aufspüren von Off-Target-Mutationen haben zwei weitere MDC-Teams einen wichtigen Beitrag zu der Publikation geleistet: zum einen die Arbeitsgruppe „Krebs & Immunologie / Immunmechanismen und humane Antikörper“ von Professorin Kathrin de la Rosa, zum anderen die Arbeitsgruppe „Genom-Editierung & Krankheitsmodelle“ von Dr. Ralf Kühn, der Dr. Van Trung Chu ebenfalls angehört. „Spacer-Nick ist somit auch ein gutes Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit von Forschenden verschiedener Gruppen am MDC“, sagt Rajewsky.   

Fast fehlerfrei und effektiv

Die Überlegenheit ihrer feingeschliffenen Genschere und des versetzten Schnitts können die Wissenschaftler*innen sogar beziffern: „Der Anteil an On-Target-Mutationen liegt mit der klassischen CRISPR-Cas9-Methode bei mehr als 40 Prozent“, berichtet Chu. „Spacer-Nick kann diese Rate auf weniger als zwei Prozent senken.“ Nicht ganz so leicht exakt zu ermitteln sei der Erfolg bei den Off-Target-Mutationen, sagt Chu. „Zu ihnen können wir eigentlich nur sagen, dass sie beim Einsatz der gewöhnlichen Genschere relativ oft vorkommen, während sie bei unserem Ansatz kaum oder gar nicht auftraten.“ Unklar ist bislang der genaue Mechanismus, über den das Erbgut nach den Schnitten von Spacer-Nick repariert wird. „Es handelt sich jedenfalls anscheinend nicht um den bekannten – und fehleranfälligen – NHEJ-Signalweg“, erklärt Chu.

Im Hinblick auf die Effektivität kann Spacer-Nick mit dem herkömmlichen Verfahren mithalten. „Bei beiden Methoden können wir zwischen 20 und 50 Prozent der behandelten Zellen erfolgreich reparieren“, sagt Chu. Das reiche vermutlich aus, um Patient*innen mit einer erblichen Bluterkrankung, bei denen nur ein einzelnes Gen verändert sei, zu heilen. Beispiele für solche Blutleiden sind die Beta-Thalassämie, bei der der rote Blutfarbstoff Hämoglobin nicht richtig gebildet wird, oder die schwere kongenitale Neutropenie. Sie ist durch eine deutlich verminderte Zahl an Granulozyten – eine Form weißer Blutkörperchen – gekennzeichnet und geht mit einer stark geschwächten Immunabwehr einher.

Korrektur der Stammzellen

Chu und Rajewsky hoffen, dass andere Forscher*innen ihre Idee aufgreifen und Spacer-Nick zunächst im Tiermodell und dann bald an ersten Patient*innen testen werden. „Das Prinzip der Therapie ist einfach“, sagt Chu: Menschen mit einem monogenen Erbleiden werden nach etablierten Methoden blutbildende Stammzellen entnommen. In der Zellkultur repariert Spacer-Nick die fehlerhaften Gene. Sobald die Genschere ihre Arbeit getan hat, werden die reparierten Stammzellen den Patient*innen wieder verabreicht. Aus ihnen gehen dann neue und vor allem gesunde Blutzellen hervor. 

Weiterführende Informationen

AG Klaus Rajewsky

AG Ralf Kühn

AG Kathrin de la Rosa

Literatur

Ngoc Tung Tran, Eric Danner, Xun Li, Robin Graf et al. (2022): „Precise CRISPR-Cas–mediated gene repair with minimal off-target and unintended on-target mutations in human hematopoietic stem cells“. Science Advances, DOI: 10.1126/sciadv.abm9106

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

 

Quelle: Pressemitteilung auf der Webseite des MDC
Feinschliff für die Genschere

www.mdc-berlin.de

forschen, investieren, produzieren / 22.06.2022
Neuer Serviceanbieter auf dem Campus Berlin-Buch: FyoniBio

(v. l.) Dr. Lars Stöckl und Dr. Hans Baumeister (Foto: FyoniBio GmbH)
(v. l.) Dr. Lars Stöckl und Dr. Hans Baumeister (Foto: FyoniBio GmbH)

Die neu gegründete FyoniBio GmbH ist spezialisiert auf biopharmazeutische Dienstleistungen in der Arzneimittelentwicklung. Interview mit den Geschäftsführern, Dr. Hans Baumeister und Dr. Lars Stöckl

Glycotope hat Anfang des Jahres sein Dienstleistungsgeschäft in die FyoniBio GmbH ausgegliedert. Was war der Anlass dafür?

Dr. Baumeister: Glycotope wollte sich auf die Entwicklung von Biotherapeutika fokussieren. In den letzten zwei Jahren haben Dr. Stöckl und ich die Marke FyoniBio entwickelt, und die Glycotope hat mit unserer Unterstützung die Ausgründung von FyoniBio vorangetrieben und nach Investoren gesucht. Durch die Corona-Pandemie gestaltete sich dies schwieriger. Mit der chinesischen Canton Biologics Co. Ltd. hat sich schließlich einer der bisherigen Partner der Glycotope unter den Bietern durchgesetzt. Canton Biologics ist ein in China etablierter und stark wachsender Auftragsentwickler und -hersteller von Biotherapeutika.

Welchen Status hat FyoniBio?

Dr. Stöckl: Wir sind als FyoniBio GmbH eine eigenständig operierende Firma in Berlin-Buch. Als Teil der Canton Biologics Group können wir unseren Kunden über unsere Dienstleistungen hinaus weitere Lösungen anbieten.

Welche Chancen bietet die neue Konstellation?

Dr. Baumeister: In China wächst ein riesiger Markt für Biotherapeutika, der sehr interessant für Firmen aus Deutschland und Europa ist. Wenn Biotherapeutika hier entwickelt wurden, müssen sie für den chinesischen Markt dort erneut produziert und zumindest teilweise getestet werden. Wir
können einen Transfer anbieten, bei dem unser chinesischer Partner die Produktion übernehmen kann. Andersherum haben immer mehr chinesische Firmen Interesse am europäischen Markt, für die FyoniBio attraktive Angebote machen kann. Darüber hinaus können wir gegenseitig von unseren Technologien und Marktkenntnissen profitieren.

Wie setzt sich Ihr Team zusammen?

Dr. Baumeister: Unser erfahrenes 25-köpfiges Team arbeitet zum großen Teil schon über lange Jahre bei Glycotope zusammen. Etwa drei Viertel der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben eine wissenschaftliche Ausbildung, zehn davon sind promoviert.

Welchen Service bietet FyoniBio?

Dr. Stöckl: FyoniBio bietet ISO 9001-zertifizierte biopharmazeutische Dienstleistungen in verschiedenen Phasen der Arzneimittelentwicklung an. Wenn ein Kunde zum Beispiel ein Protein therapeutisch entwickeln möchte, bieten wir das komplette Paket von der Zelllinien- und
Prozessentwicklung, inklusive der gesamten analytischen Entwicklung zur Proteincharakterisierung, etwa der massenspektrometrischen Analyse, bis zum Transfer zum GMP-Hersteller an. Der GMP-Hersteller kann Canton Biologics sein, muss es aber nicht. Ganz zentral ist sicherlich die Herstellung von Zelllinien für diese therapeutischen Proteine, also der erste Schritt für einen zukünftigen Herstellungsprozess. Dafür braucht man Technologien, Know-how und Equipment, über die viele Biotech Firmen, ob etabliert oder Start-ups, oft nicht verfügen.
Dr. Baumeister: Darüber hinaus entwickeln wir zelluläre Bioassays, um die Aktivität des therapeutischen Proteins zu überprüfen. Nach der GMP-Herstellung kommen die klinischen Studien. In der klinischen Bioanalytik ist unsere Expertise in der Etablierung und Validierung von Assays, zum
Beispiel zur Analyse der Pharmakokinetik und der Immunogenizität, sehr gefragt, ebenso die Nutzung der Assays zur Analyse von Patientenproben, alles gemäß Good Clinical Laboratory Practice. Diese Kombination aus präklinischer Entwicklung und klinischer Analytik wird selten angeboten, macht aber viel Sinn, da die meisten klinischen Assays während der präklinischen Phase entwickelt werden müssen.
Dr. Stöckl: Damit ein Protein-Therapeutikum am Menschen getestet werden kann, muss die Struktur exakt charakterisiert werden. Dafür stehen uns zwei Massenspektrometer zur Verfügung, mit denen zum Beispiel Aminosäuresequenzen und post-translationale Modifikationen, auch bei Alterungsprozessen in der Lagerung, analysiert werden können.

Welche Kooperationen gibt es, welche wünschen Sie sich?

Dr. Stöckl: Wir kooperieren mit langjährigen Geschäftspartnern und sind im Gespräch mit neuen Kooperationspartnern – auch hier auf dem Campus. Daneben sind wir interessiert an Partnern, mit denen wir im Rahmen von Fördermaßnahmen zusammen forschen können, um neue Techniken zu entwickeln.

www.fyonibio.com

forschen / 21.06.2022
Was Blutgefäße wachsen lässt

Wachsendes Blutgefäßnetzwerk in der Netzhaut der Maus: Zellen der Gefäßinnenwand – die Endothelzellen (türkis/weiß) – wandern in das umgebende Gewebe ein, um dort neue Verbindungen zu bilden. (Foto: Michael Potente, MDC)
Wachsendes Blutgefäßnetzwerk in der Netzhaut der Maus: Zellen der Gefäßinnenwand – die Endothelzellen (türkis/weiß) – wandern in das umgebende Gewebe ein, um dort neue Verbindungen zu bilden. (Foto: Michael Potente, MDC)

Blutgefäße müssen ihr Wachstum an das in ihrer Umgebung vorhandene Nährstoffangebot anpassen, um Organe bedarfsgerecht zu versorgen. Ein Team um Michael Potente hat in „Nature Metabolism“ zwei Proteine beschrieben, die eine wichtige Rolle in diesem Prozess spielen.

Blutgefäße durchziehen den gesamten menschlichen Körper. Sie stellen sicher, dass Organen ausreichend Nährstoffe und Sauerstoff zur Verfügung stehen. Funktionieren diese feinmaschigen Netzwerke nicht mehr so, wie sie sollen, drohen Krankheiten. Während sie zum Beispiel bei altersabhängigen Herz-Kreislauf-Leiden häufig verkümmern, sind bösartige Tumore durch ein überschießendes Wachstum fehlgeleiteter Gefäße gekennzeichnet. Auch bei der feuchten Makuladegeneration des Auges sprießen neue Blutgefäße – allerdings nicht dort, wo sie es sollen. Dies kann im schlimmsten Fall zu Blindheit führen.

Zwei Türöffner für Nährstoffe

„Um für solche Erkrankungen maßgeschneiderte Therapien entwickeln zu können, wollen wir herausfinden, wie genau das Wachstum neuer Blutgefäße, die Angiogenese, im Körper gesteuert wird“, sagt Michael Potente, Professor für Translationale Vaskuläre Biomedizin am Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) und Gastforscher am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). Sein Labor für Angiogenese & Metabolismus gehört zum „Berlin Center for Translational Vascular Biomedicine“. Das interdisziplinäre Zentrum ist ein gemeinsamer Schwerpunkt von BIH, Charité – Universitätsmedizin Berlin und MDC.

Gemeinsam mit einem internationalen Team hat Potente jetzt einen wichtigen Schritt getan: Wie die Forschenden in der Fachzeitschrift „Nature Metabolism“ berichten, sind zwei Proteine namens YAP und TAZ entscheidend dafür, dass auch unter schwierigen Stoffwechselbedingungen Gefäße aussprießen können. Die Proteine gehören zum Hippo-Signalweg, der in fast allen Lebewesen das Wachstum und die Größe von Organen bestimmt. „Sind die beiden Moleküle in den Zellen der Gefäßinnenwand – dem Endothel – aktiv, so werden Gene abgelesen, die zur vermehrten Bildung bestimmter Oberflächentransporter führen“, erläutert Potente. „Diese ermöglichen es den Gefäßzellen, vermehrt Nährstoffe aufzunehmen, die für Wachstum und Zellteilung erforderlich sind.“ Die in ihrer Funktionsweise ähnlichen Proteine YAP und TAZ fungieren damit als eine Art Türöffner.

„Die gesteigerte Nährstoffaufnahme wiederum ermöglicht die Aktivierung eines weiteren Proteins, das mTOR genannt wird“, sagt Potente. mTOR ist eine zentrale Schaltstelle in Zellen, die Wachstum und Zellteilung in Gang setzt. „Auf diese Weise können neue Gefäßnetzwerke expandieren“, erklärt der Forscher. Welche Signale die Aktivität von YAP und TAZ in Endothelzellen bestimmen, wissen er und sein Team bislang allerdings noch nicht.

Einsichten aus der Netzhaut

Erstautorin der Studie ist Dr. Yu Ting Ong vom Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung im hessischen Bad Nauheim, an dem Potente bis zu seinem Wechsel nach Berlin eine Arbeitsgruppe geleitet hat. Auch Professor Holger Gerhardt, Leiter der MDC-Arbeitsgruppe „Integrative Vaskuläre Biologie“ und Potentes Nachbar im Käthe-Beutler-Haus in Berlin-Buch, war an der Publikation beteiligt. „Wir haben gemeinsam einen wichtigen Mechanismus entschlüsselt, der es Blutgefäßen ermöglicht, ihr Wachstumsverhalten eng an die Umgebungsbedingungen anzupassen“, sagt Gerhardt. „Er verhindert, dass Endothelzellen sich teilen, wenn die dafür notwendigen Stoffwechselressourcen nicht vorhanden sind.“

Die Ergebnisse basieren auf Experimenten an Mäusen. Deren Netzhaut ist ein ideales Modell, um die Entwicklung von Blutgefäßen zu untersuchen. „Mithilfe genetisch veränderter Mauslinien konnten wir zeigen, dass Endothelzellen, in denen die Proteine YAP und TAZ nicht hergestellt werden, sich kaum teilen“, berichtet Potente. „Dies führte bei den Tieren zu einer Hemmung des Gefäßwachstum.“ Das Protein TAZ spielt bei dem Prozess eine besonders wichtige Rolle – anders als bei den meisten Zelltypen, in denen YAP entscheidend ist.

Eine bedeutsame molekulare Maschinerie

„Da neue Blutgefäße häufig in mangeldurchbluteten Geweben entstehen, müssen Endothelzellen in der Lage sein, unter schwierigsten Stoffwechselbedingungen zu wachsen“, sagt Potente. „Daher ist es für diese Zellen von besonderer Bedeutung, eine molekulare Maschinerie zu besitzen, die subtile Veränderungen im extrazellulären Milieu wahrnimmt und auf diese reagiert.“

Gemeinsam mit ihren Teams wollen Potente und Gerhardt nun untersuchen, inwieweit der von ihnen während der Gewebeentwicklung beschriebene Mechanismus auch in Regenerations- und Reparaturprozesse involviert ist, bei denen Blutgefäße eine essentielle Rolle spielen. „In erster Linie sind wir daran interessiert, herauszufinden, ob und – wenn ja – auf welche Weise Störungen des beschriebenen Signalwegs beim Menschen Gefäßkrankheiten bedingen“, sagt Potente.

 

Foto: Wachsendes Blutgefäßnetzwerk in der Netzhaut der Maus: Zellen der Gefäßinnenwand – die Endothelzellen (türkis/weiß) – wandern in das umgebende Gewebe ein, um dort neue Verbindungen zu bilden. (Foto: Michael Potente, MDC)

Weiterführende Informationen

Berlin Center for Translational Vascular Biomedicine

AG Michael Potente

AG Holger Gerhardt

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin und des Berlin Institute of Health in der Charité
Was Blutgefäße wachsen lässt

 

bilden / 20.06.2022
Richtfest für eine 4-zügige Grundschule mit Sporthalle an der Karower Chaussee

Zum Richtfest sprachen Bildungssenatorin Astrid Busse (li), Schulstadträtin Dominique Krössin (Mitte) und Staatssekretärin Ülker Radziwill (re) (Foto: Jonas Teune/BA Pankow)
Zum Richtfest sprachen Bildungssenatorin Astrid Busse (li), Schulstadträtin Dominique Krössin (Mitte) und Staatssekretärin Ülker Radziwill (re) (Foto: Jonas Teune/BA Pankow)

Richtfest für eine 4-zügige Grundschule mit Sporthalle an der Karower Chaussee

Am heutigen Montag fand das Richtfest für den Neubau einer 4-zügigen Grundschule mit Sporthalle und Außenanlagen der Berliner Schulbauoffensive (BSOII) in der Karower Chaussee 97 in 13125 Berlin statt. Die Grundschule wird in Amtshilfe für den Bezirk Pankow von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen geplant und gebaut.

Konzept der Compartmentschule

Umgesetzt wird hier das schulpädagogische Konzept der Compartmentschule, die Klassen- und Teilungsräume um einen Forumsraum gruppiert und so vielfältige Lehrsituationen ermöglicht.

Senatorin für Bildung, Jugend und Familie Astrid-Sabine Busse: „In der Karower Chaussee entsteht eine der ersten neuen Grundschulen in Berlin, die nach dem Raumkonzept der Berliner Lern- und Teamhäuser gebaut werden. Mit diesem sogenannten Compartmentprinzip können die zeitgemäßen pädagogischen Anforderungen an inklusive und ganztägige Bildung mustergültig umgesetzt werden. Die Compartments bieten flexible und offene Lernlandschaften, die zugleich auch Platz für Rückzug und Erholung schaffen. Was mich besonders freut, ist die beschleunigte Bauweise, die durch die modulare Bauweise, aber auch durch verbesserte Planungsprozesse möglich wurde. Damit können jetzt 576 dringend benötigte Schulplätze im attraktiven Norden Berlins schnell geschaffen werden - im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive.“

Die Generalplaner Bruno Fioretti Marquez GmbH aus Berlin konnten Ende 2018 in einem Realisierungswettbewerb für mehrere Schulstandorte mit ihrem modular aufgebauten Entwurf für das Schulgebäude und die Sporthalle überzeugen: Die Vor- und Rücksprünge des Baukörpers erlauben eine optimale Belichtung aller Räume und binden auch die grünen Außenbereiche gut ein.

Staatssekretärin für Mieterschutz und Quartiersentwicklung Ülker Radziwill: „Erneut erhebt sich ein Richtkranz über den Rohbau einer Schule, die bald Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften ideale Bedingungen zum Lernen und Lehren bieten wird. Darauf sind wir stolz, zeigt es doch, dass die Schulbauoffensive hält, was versprochen wurde: schnelles Bauen, moderne, vielfältig nutzbare Räume, energieeffiziente Gebäude und viel Platz für Sport und Spiel. Dafür danken wir allen an der Planung und am Bau Beteiligten.“

Bezirksbürgermeister Sören Benn: „Mit dem Schulneubau werden insgesamt 576 Schulplätze für die Kinder der Ortsteile Buch und Karow geschaffen. Wie groß der Bedarf ist, sieht man daran, dass bereits zum neuen Schuljahr im August 2022 vier erste Klassen eingerichtet werden, die bis zur Fertigstellung des Neubaus Karower Chaussee in drei umliegenden Schulen ihre ersten Schulmonate verbringen werden. Schon jetzt warten diese 100 Kinder gespannt und neugierig auf ihre neue tolle Schule."

Vielseitige Raumnutzung

Im Erdgeschoss des barrierefreien Gebäudes sind neben der Mensa und einem großen Mehrzweckraum auch Unterrichtsräume angeordnet. In den drei Obergeschossen befinden sich weitere Unterrichtsräume als Compartment gruppiert, die Fachräume, eine Bibliothek und der Verwaltungsbereich. Die barrierefreie Sporthalle – die auch außerschulisch durch Vereine genutzt werden kann – besteht aus drei Hallenteilen, einer Zuschauergalerie sowie einem Empfangs- und Begegnungsbereich im Erdgeschoss.

Die Energiestandards nach KfW-Effizienzhaus 55 finden ebenso Anwendung wie ein Regenwassermanagement, eine extensive Dachbegrünung, eine Photovoltaikanlage sowie die Verwendung nachhaltiger Baustoffe in Verbindung mit einem Recyclingkonzept.

Der modulare Aufbau von Schulgebäude und Sporthalle ermöglicht dem Generalunternehmer KLEBL GmbH aus Neumarkt in der Oberpfalz, der nach einem offenen Vergabeverfahren Anfang 2021 einen Rahmenvertrag für bis zu zwölf Schulstandorte erhielt, den Einsatz eines hohen Anteils von gleichen vorgefertigten Bauteilen wie z.B. Brüstungen, Stützen und Deckenelementen, die maßgeblich zu einer kurzen Bauzeit beitragen.

Die Gesamtkosten für diesen Standort belaufen sich auf ca. 50 Mio. Euro.

 

forschen / 17.06.2022
Maike Sander leitet künftig das Max-Delbrück-Centrum

Prof. Dr. Maike Sander (Foto: Peter Himsel/MDC)
Prof. Dr. Maike Sander (Foto: Peter Himsel/MDC)

Maike Sander steht künftig an der Spitze des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC). Der Aufsichtsrat hat die Diabetes-Forscherin und Professorin für Pädiatrie und Molekular- und Zellmedizin am 16. Juni 2022 als Wissenschaftliche Vorständin und Vorstandsvorsitzende bestellt. Maike Sander möchte die Rolle des MDC als führendes Zentrum in der Biomedizin weiter ausbauen.

Professorin Maike Sander wird ab 1. November 2022 als Wissenschaftliche Vorständin und Vorstandsvorsitzende das Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) führen. Die Bestellung erfolgte am Donnerstag, den 16. Juni 2022 durch den Aufsichtsrat des MDC. Das MDC, das in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiert, ist eines von fünf Gesundheitszentren in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Die international renommierte Forscherin und erfahrene Wissenschaftsmanagerin Maike Sander löst Professor Thomas Sommer ab, der das MDC seit 2019 kommissarisch geleitet hat. Damit wird erstmals eine Frau an der Spitze eines der Helmholtz-Gesundheitszentren stehen.

„Das MDC ist ein weltweit bekanntes Zentrum, das sich durch innovative Spitzenforschung in der Biomedizin auszeichnet. Hier werden die Grundlagen für die Therapien der Zukunft gelegt. Das MDC ist ein Magnet für hervorragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt und bietet Forschungsmöglichkeiten, die man weltweit an nur wenigen Zentren findet. All das habe ich bereits als Gastprofessorin am MDC erleben können“, sagt Maike Sander. „Als Wissenschaftliche Vorständin wird es mein Ziel sein, die Rolle des MDC als führendes Zentrum in der Biomedizin weiter zu stärken und auch unsere engen Partnerschaften, insbesondere in Berlin, weiter zu vertiefen, damit unsere Entdeckungen schnell in Therapien umgesetzt werden können.“ Sander betont weiter: „Moderne Biomedizin lebt von der engen Zusammenarbeit und dem lebendigen Austausch zwischen Grundlagenforschung, Kliniken und der Industrie. All das gibt es in der Gesundheitsstadt Berlin reichlich: Die Region hat sich zum florierenden Biotech-Pharma-Hub entwickelt. Das MDC sehe ich dabei als wesentlichen Innovationsmotor, und ich freue mich auf die Arbeit und das ganze Team hier sehr.“

Neue Therapieansätze für Diabetes

Schwerpunkt der Forschung von Maike Sander sind neue Therapieansätze gegen Diabetes. Sander untersucht die molekularen Mechanismen, die der Bildung und Funktion der verschiedenen Zelltypen der Bauchspeicheldrüse zugrunde liegen, insbesondere der insulinproduzierenden Beta-Zellen. Sie arbeitet daran, mithilfe von menschlichen pluripotenten Stammzellen Strategien für den Ersatz von Betazellen zu finden und so neue Behandlungsmethoden für Diabetes zu entwickeln.

Sander ist seit dem Jahr 2012 Direktorin des Pediatric Diabetes Research Centers an der University of California in San Diego. Dort hat sie auch eine Professur für Pädiatrie und Molekular- und Zellmedizin inne. In Berlin wird Maike Sander eine Professur an der Charité – Universitätsmedizin übernehmen.

Bundesforschungsministerin: Herausragende Wissenschaftlerin mit internationaler Erfahrung

„Maike Sander ist eine herausragende Wissenschaftlerin und Innovatorin mit ausgewiesener internationaler Erfahrung. Ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, sie nach vielen Jahren in den USA an den Forschungsstandort Deutschland zurückzuholen und für die Leitung des Max-Delbrück-Centrums zu gewinnen. Das belegt, wie attraktiv die biomedizinische Forschung am Standort Berlin ist“, sagte die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Bettina Stark-Watzinger. „Maike Sander vereint in besonderer Weise, was zur Mission des MDC gehört und was unser Ziel in der Forschungsförderung ist: Neue Erkenntnisse aus der Grundlagenwissenschaft möglichst schnell in die Anwendung und damit zu den Patientinnen und Patienten zu bringen. Es ist ein starkes Signal, dass künftig erstmals eine Frau an der Spitze des MDC steht. Die Besetzung ist ein großer Gewinn für den Forschungsstandort Deutschland.“

Berlins Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, Ulrike Gote, erklärt: „Mit Professorin Maike Sander konnte eine international renommierte Spitzenforscherin für das Amt der Wissenschaftlichen Vorständin des Max-Delbrück-Centrums gewonnen werden. Ich heiße sie in der Forschungs- und Gesundheitsmetropole Berlin sehr herzlich willkommen. Mit ihrem breiten Erfahrungsschatz bringt sie ideale Voraussetzungen mit, um die Rolle des MDC als Berliner Leuchtturm der lebenswissenschaftlichen Forschung in der internationalen Forschungslandschaft weiter auszubauen. Als Wissenschafts- und Gleichstellungssenatorin begrüße ich außerdem sehr, dass mit Maike Sander erstmals eine Frau an der Spitze eines der Helmholtz-Gesundheitszentren steht.“

Wiestler: Helmholtz-Gemeinschaft kann enorm profitieren

„Als Gastprofessorin am MDC habe ich die Diabetes- und Stammzellenexpertin Maike Sander bereits kennenlernt: Mit ihrem wissenschaftlichen Renommée und ihrer internationalen Erfahrung wird sie als Wissenschaftliche Vorständin und Vorstandsvorsitzende das MDC zukunftsweisend weiterentwickeln“, erklärt Otmar D. Wiestler, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. „Wir gewinnen mit Frau Sander eine exzellente Wissenschaftlerin, von deren Expertise die Helmholtz-Gemeinschaft enorm profitieren kann. Eines unserer großen Ziele ist die personalisierte Medizin – und das MDC leistet wichtige Beiträge zur interdisziplinären und translationalen Spitzenforschung. Ich freue mich sehr auf den Austausch und die Zusammenarbeit mit Maike Sander.“

Zur Person

Maike Sander, gebürtig in Göttingen, ist 54 Jahre alt. Nach dem Abschluss ihres Medizinstudiums an der Universität Heidelberg im Jahr 1994 forschte sie zunächst an der University of California in San Francisco. Bevor sie 2008 an die University of California San Diego wechselte, hatte sie Fakultätspositionen an der Medical School Hamburg und der University of California in Irvine inne. Als Expertin für insulinproduzierende Betazellen der Bauchspeicheldrüse verfügt sie über fast dreißig Jahre Erfahrung in der Medizin und der Diabetesforschung.

Sander ist gewähltes Mitglied der Leopoldina, der Vereinigung amerikanischer Ärztinnen und Ärzte (Association of American Physicians), der American Society of Clinical Investigation und Mitglied des NIH-Human Islet Research Network sowie des NIH-Impact of Genomic Variation on Function-Konsortiums zur Erforschung grundlegender Mechanismen der Genregulation.
Sie ist Preisträgerin des Grodsky-Preises des Juvenile Diabetes Research Foundation, des 2022 Albert Renold-Preises der European Association for the Study of Diabetes, und des Forschungspreises der Alexander von Humboldt-Stiftung. Seit 2019 ist Maike Sander Einstein Visiting Fellow am Berlin Institute of Health in der Charité (BIH). 

 

Weiterführende Informationen

Pressemitteilung auf der MDC-Webseite

30 Jahre MDC

Sander-Lab und Publikationen an der University of California, San Diego (UCSD)

 

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

forschen / 16.06.2022
Weltweite Krebs-Challenge: Das Rätsel der DNA-Ringe

Zirkuläre DNA (Foto: AG Henssen, ECRC)
Zirkuläre DNA (Foto: AG Henssen, ECRC)

Der Kinderonkologe Anton Henssen hat gemeinsam mit Forschenden aus den USA und Großbritannien den Zuschlag für eine „Cancer Grand Challenge“ erhalten: Mit fast 24 Millionen Euro wird das internationale Team die Rolle ringförmiger DNA bei der Entstehung und Bekämpfung von Krebs untersuchen.

Im Jahr 2014 machte Professor Anton Henssen in den Zellen krebskranker Kinder eine ungewöhnliche Entdeckung. Er bemerkte, dass sich dort kleine Ringe aus DNA angesammelt hatten. Ein Teil der genetischen Information war somit nicht mehr wie gewöhnlich in den Chromosomen verpackt. Und ganz offensichtlich brachten die Ringe das restliche Erbgut derart durcheinander, dass die kindlichen Zellen anfingen zu entarten.

Das Thema hat den 36-jährigen Forscher und Arzt, der seit 2019 am Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), die Emmy-Noether-Forschungsgruppe „Genomische Instabilität bei kindlichen Tumoren“ leitet, seither nicht mehr losgelassen.

Die Rolle der Ringe

„Als ich anfing, mich für die zirkuläre DNA und ihre Rolle bei der Entstehung von Krebs zu interessieren, war ich damit ziemlich allein“, erzählt Henssen, der nicht nur Wissenschaftler ist, sondern sich auch als Kinderarzt der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie der Charité um seine kleinen Krebspatient*innen kümmert. Inzwischen sei das Forschungsfeld jedoch weiter ins Zentrum des wissenschaftlichen Interesses gerückt, sagt Henssen.

Schon seit knapp zwei Jahren werden der Wissenschaftler und sein Projekt „CancerCirculome“ mit einem Starting Grant des European Research Council (ERC) unterstützt. Auch der Förderinitiative „Cancer Grand Challenges“ – die seit 2020 von den beiden größten Geldgebern in der Krebsforschung weltweit, der Cancer Research UK und des National Cancer Institute der National Institutes of Health in den USA, getragen wird – ist die bislang womöglich unterschätzte Rolle der winzigen DNA-Ringe nicht entgangen. Als eine von neun großen Herausforderungen in der Krebsforschung wählte sie das Thema „Extrachromosomale DNA“, kurz ecDNA.

Die „Cancer Grand Challenges“ unterstützen derzeit mehr als 700 Forschende und Befürworter*innen in zehn Ländern, die elf Teams vertreten, die sich zehn der schwierigsten Herausforderungen in der Krebsforschung stellen. Am 16. Juni wurden vier neue Teams bekannt gegeben.

Eine Million für das Berliner Team

„Für mich stand damit fest, dass ich an dieser Challenge teilnehmen will“, erzählt Henssen, der am 1. Juni an der Charité eine Mildred-Scheel-Professur der Deutschen Krebshilfe angetreten hat. Weltweit gebe es gerade einmal eine Handvoll Gruppen, die sich mit dem Thema beschäftigen. Nun hat das Team aus den USA, Großbritannien und Deutschland, das von Professor Paul Mischel von Stanford Medicine in Kalifornien geleitet wird, mit seinem Projekt „eDyNAmiC“ (extrachromosomal DNA in Cancer) den Zuschlag erhalten. Verbunden ist damit eine finanzielle Förderung in Höhe von 20 Millionen britischen Pfund für die kommenden fünf Jahre. Etwa eine Million davon wird Henssen und seinem Berliner Team zur Verfügung stehen.

Man wisse inzwischen, dass fast ein Drittel aller kindlichen und erwachsenen Tumore in ihren Zellen DNA-Ringe tragen und dass diese Tumore fast immer besonders aggressiv seien, sagt Henssen. „Wir wollen nun herausfinden, was genau diese Ringe so gefährlich macht, wie sie entstehen und wie wir sie ausbremsen können – um so effektivere Therapien zu entwickeln“, sagt Henssen. Dieser Herausforderung stellen sich nicht nur Biolog*innen und Mediziner*innen, sondern auch Mathematiker*innen und Informatiker*innen.

Aussicht auf ganz neue Therapieansätze

Henssen und sein Berliner Team, zu dem auch Forschende des Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) gehören, wollen sich zunächst die Struktur der Ringe genauer anschauen und herausfinden, wie ihre DNA in Histonen und anderen Proteinen verpackt ist und wie die Expression ihrer Gene reguliert wird. „Denn möglicherweise führen Veränderungen in der Genexpression dazu, dass Tumore mithilfe der Ringe gegen die derzeit vorhandenen Therapien resistent werden“, sagt er.

Dass sein einst vermeintliches Nischenthema nun eine solch große Aufmerksamkeit und Unterstützung erhält, freut Henssen natürlich sehr. „Mir persönlich hätte nichts Besseres passieren können“, sagt der Forscher. Seine große Hoffnung ist nun, seinen Patient*innen in absehbarer Zeit zu helfen, die ja eigentlich ihr ganzes Leben noch vor sich haben – dank einer neuartigen Therapie, die die Ringe attackiert und so den tödlichen Tumor verschwinden lässt.

Weiterführende Informationen

Pressemitteilung zu den Cancer Grand Challenges

Das eDyNAmiC Team

Porträt Anton Henssen

ECRC-Arbeitsgruppe von Anton Henssen

Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie der Charité

Berliner Wissenschaftspreis

ERC Starting Grant

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

 

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin
Weltweite Krebs-Challenge: Das Rätsel der DNA-Ringe

forschen / 10.06.2022
KI identifiziert Krebszellen

© National Cancer Institute / NIH
© National Cancer Institute / NIH

Wie unterscheiden sich krebskranke von gesunden Zellen? Ein neuer Machine-Learning-Algorithmus namens „ikarus“ kennt die Antwort, berichtet ein Team um den Bioinformatiker Altuna Akalin vom MDC nun im Fachjournal „Genome Biology“. Das Programm hat eine charakteristische Gensignatur gefunden.

Wenn es darum geht, in Datenbergen Muster zu identifizieren, ist ein Mensch einer künstlichen Intelligenz (KI) chancenlos unterlegen. Besonders das maschinelle Lernen, ein Teilbereich der KI, wird oft eingesetzt, um Gesetzmäßigkeiten in Datensätzen zu finden – sei es zur Aktienmarktanalyse, Bild- und Spracherkennung oder der Klassifizierung von Zellen. Um Krebszellen zuverlässig von gesunden Zellen zu unterscheiden, hat ein Team um Dr. Altuna Akalin, Leiter der Technologieplattform „Bioinformatik und Omics-Datenwissenschaft“ am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), nun ein Machine-Learning-Programm namens „ikarus“ entwickelt. In den Tumorzellen fand das Programm ein krebsübergreifendes Muster, bestehend aus einer charakteristischen Kombination an Genen. Der Algorithmus entdeckte in dem Muster außerdem Arten von Genen, die man bislang nicht eindeutig mit Krebs in Verbindung gebracht hatte, schreibt die Forschungsgruppe im Fachjournal „Genome Biology“. 

Maschinelles Lernen bedeutet im Grunde, dass ein Algorithmus anhand von Trainingsdaten selbstständig lernt, bestimmte Fragestellungen zu beantworten. Seine Strategie ist dabei, nach Mustern in den Daten zu suchen, die ihm bei der Problemlösung helfen. Nach der Trainingsphase kann das System das Gelernte verallgemeinern und somit unbekannte Daten beurteilen. „Eine große Herausforderung war, geeignete Lerndatensätze zu bekommen, bei denen Fachleute bereits eine präzise Einteilung der Zellen in ‚gesund’ und ‚krebskrank’ vorgenommen hatten“, erzählt Jan Dohmen, der Erstautor der Studie. 

Eine überraschend gute Trefferquote

Obendrein sind Datensätze aus Einzelzell-Sequenzierungen häufig verrauscht. Das bedeutet: Die Informationen über die molekularen Eigenschaften der einzelnen Zellen sind nicht ganz genau – weil zum Beispiel in jeder Zelle eine unterschiedliche Anzahl Gene erkannt wird oder die Proben nicht immer gleich verarbeitet werden. Sie hätten unzählige Publikationen durchforstet und etliche Forschungsgruppen kontaktiert, um ausreichend gute Datensätze zu bekommen, berichten Dohmen und sein Kollege Dr. Vedran Franke, der Ko-Leiter der Studie. Mit Daten von Lungen- und Darmkrebszellen trainierten das Team den Algorithmus schließlich, bevor sie ihn auf Datensätze von weiteren Tumorarten anwendeten. 

In der Trainingsphase musste ikarus eine Liste charakteristischer Gene finden, anhand derer das Programm die Zellen einteilen konnte: „Wir haben verschiedene Ansätze ausprobiert und verfeinert“, sagt Dohmen. Eine zeitintensive Arbeit, wie sich alle drei Forscher erzählen. „Ausschlaggebend war, dass ikarus letztlich zwei Listen nutzte: eine für Krebsgene und eine für Gene anderer Zellen“, erklärt Franke. Nach der Lernperiode konnte der Algorithmus auch bei anderen Krebsarten zuverlässig zwischen gesunden und krebskranken Zellen unterscheiden, etwa in Gewebeproben von Leberkrebs oder Neuroblastomen. Seine Trefferquote lag meist nur wenige Prozent daneben. Das hat auch die Forschungsgruppe überrascht: „Wir haben nicht erwartet, dass eine gemeinsame Signatur existiert, die Tumorzellen von verschiedenen Krebsarten so genau definiert“, sagt Akalin. „Noch können wir allerdings nicht sagen, dass die Methode für alle Krebsarten funktioniert“, fügt Dohmen hinzu. Damit ikarus zuverlässig bei der Krebsdiagnose helfen kann, wollen die Forschenden ihn noch an weiteren Tumorarten testen. 

KI als vollautomatische Diagnose-Hilfe

Die Klassifizierung „gesund“ versus „krebskrank“ ist dabei längst nicht das Ende des Projekts. In ersten Tests konnte ikarus bereits zeigen, dass sich die Methode auch andere Zelltypen oder bestimmte Subtypen von Tumorzellen unterscheiden kann. „Wir wollen den Ansatz verallgemeinern“, sagt Akalin, „also ihn derart weiterentwickeln, dass er alle möglichen Zelltypen in einer Biopsie unterscheiden kann“. 

In der Klinik schauen sich Pathologen Gewebeproben von Tumoren meist nur unter dem Mikroskop an und identifizieren so die unterschiedlichen Zelltypen. Da ist mühsam und kostet viel Zeit. Mit ikarus könnte dieser Schritt irgendwann vollautomatisch ablaufen. Außerdem könne man aus den Daten zusätzlich etwas über die unmittelbare Umgebung des Tumors ableiten, sagt Akalin. Das wiederum könnte den Ärztinnen und Ärzten helfen, eine optimale Therapie auszuwählen. Denn oftmals deute die Zusammensetzung des Krebsgewebes und der Mikroumgebung darauf hin, ob eine bestimmte Behandlung oder ein Medikament anschlagen wird oder nicht. Darüber hinaus hilft die KI möglicherweise, neue Medikament zu entwickeln: „Wir können mit ikarus Gene identifizieren, die potenzielle Treiber der Krebserkrankung sind“, sagt Akalin. Neuartige Wirkstoffe könnten dann an diesen molekularen Zielstrukturen ansetzen. 

Zusammenarbeit im Home-Office

Bemerkenswert an der Publikation sei, dass die notwendigen Arbeiten vollständig während der Coronapandemie durchgeführt wurden. Alle Beteiligten waren zu der Zeit nicht an ihren normalen Arbeitsplätzen im Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB), das zum MDC gehört. Sie hielten im Home-Office nur über digitale Kanäle Kontakt. „Das Projekt beweist, dass man eine digitale Struktur schaffen kann, die wissenschaftliche Arbeiten unter diesen Bedingungen ermöglicht“, findet Franke daher.

Weiterführende Informationen
Technologieplattform „Bioinformatics and Omics Data Science
Deep Learning erkennt molekulare Muster von Krebs

Literatur
Jan Dohmen et al. (2022): „Identifying tumor cells at the single-cell level using machine learning“. Genome Biology, DOI: 10.1186/s13059‐022‐02683‐1
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

 

Quelle: Pressemitteilung MDC
KI identifiziert Krebszellen

forschen / 09.06.2022
Wie die Immuntherapie effizienter werden kann

Foto: Rita Elena Serda, NIH
Foto: Rita Elena Serda, NIH

T-Zellen beseitigen kranke Körperzellen normalerweise sehr effektiv. Bei Tumorzellen jedoch versagen sie anscheinend. MDC-Forscher*innen haben nun herausgefunden, was die Immunabwehr hemmt. In „JCI Insight“ beschreiben sie, wie sie diese Bremse lösen und die Immunantwort bei Krebs stärken können.

Sie sind das Räumkommando des Immunsystems: T-Zellen patrouillieren ständig durch Blut, Lymphsystem, Gewebe und Organe. Stoßen sie auf Zellen, die von Krankheitserregern befallen oder beschädigt sind, beseitigen sie diese. Auch Krebszellen können sie erkennen und vernichten. Allerdings entwickeln Tumorzellen Strategien, um sich dieser Abwehr zu entziehen. Weltweit arbeiten Krebsforscher*innen deshalb daran, diese Ausweichmanöver unmöglich zu machen und T-Zellen für gezielte Immuntherapien gegen Krebs zu nutzen. 

Die Arbeitsgruppen von Dr. Armin Rehm und Dr. Uta Höpken am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) in Berlin haben nun einen Mechanismus identifiziert, mit dem Tumorzellen die körpereigene Immunabwehr umgehen. „In vielen Tumoren lesen die Zellen besonders oft das Gen EBAG9 ab. Die Krebszellen bilden deshalb ein Protein, das sie einerseits selbst schützt. Auf der anderen Seite hat EBAG9 auch Einfluss auf Zellen des Immunsystems, denn T-Zellen stellen EBAG9 ebenfalls her. In den T-Zellen verhindert EBAG9 die Abgabe von Enzymen, die als Zellgift wirken und Tumorzellen abtöten“, sagt Armin Rehm. Im Fachjournal „JCI Insight“ beschreiben die Wissenschaftler*innen, wie sie in Mäusen diese Bremse gelöst haben. „Wir haben das EBAG9-Gen stillgelegt“, erklärt Co-Erstautorin Dr. Anthea Wirges aus Rehms Forschungsgruppe. „So konnten wir verhindern, dass EBAG9 in den T-Zellen entsteht, und damit die Immunantwort gegen Krebs dauerhaft stärken.“

EBAG9 entwaffnet die Immunzellen

Dass Krebszellen Immunzellen ausbremsen können, ist bekannt. Darauf beruhen Immuntherapien mit Checkpoint-Inhibitoren, die bereits in der Klinik verwendet werden. Die Checkpoint-Inhibitoren machen es den Krebszellen schwer, sich als „ungefährlich“ zu maskieren und so den T-Zellen zu entkommen. „Mit EBAG9 haben die Krebszellen aber einen zusätzlichen Schutz vor dem Immunsystem“, sagt Rehm. „EBAG9 entwaffnet die T-Zellen und drosselt die Ausschüttung von Stoffen, die ihnen schaden würden.“

Armin Rehm und Uta Höpken hegen schon lange den Verdacht, dass EBAG9 die T-Zellen ausbremst. Bereits 2009 etablierte Rehms Team ein Mausmodell, bei dem die Wissenschaftler*innen das Gen für EBAG9 ausschalteten. „Ohne EBAG9 funktionierte das Immunsystem der Tiere besser und sie konnten sich gegen Infektionen wesentlich effizienter zur Wehr setzen“, sagt Armin Rehm. Das Team von Uta Höpken kreuzte die Mäuse ohne EBAG9 dann mit einem weiteren genetisch veränderten Mausmodell, das spontan Leukämie entwickelt. „Wir haben diese doppelt genveränderten Mäuse über einen langen Zeitraum beobachtet“, erzählt Uta Höpken. „Bei ihnen entwickeln sich die Tumore deutlich langsamer als in den Mäusen mit EBAG9.“

Anders als bei Infektionen

Anthea Wirges überprüfte die Effekte des EBAG9-Gens auf die T-Zellen mithilfe von Einzelzell-RNA-Sequenzierung und bioinformatischen Methoden. Anhand der Daten konnten die Wissenschaftler*innen nicht nur bestätigen, dass EBAG9 die T-Zellantwort hemmt. Sie fanden auch heraus, dass die Immunreaktion bei Krebserkrankungen anders abläuft als bei Infektionen.

„Das Wissen darüber, wie das Immunsystem ein Gedächtnis aufbaut, stammt aus Infektionsversuchen. Dies kann nicht 1:1 auf Tumore übertragen werden“, sagt Armin Rehm. T-Zellen erkennen kranke oder infizierte Zellen an Signalmolekülen auf deren Oberfläche. Identifizieren sie solche schädlichen Strukturen, differenzieren sie in zytotoxische T-Zellen und T-Gedächtniszellen. Die zytotoxischen T-Zellen schütten Proteine aus, die die Membranen der erkrankten Zellen durchlöchern, in sie eindringen und vergiften, so dass sie absterben. Außerdem produzieren infizierte Gewebe entzündliche Botenstoffe, etwa Zytokine, die noch mehr T-Zellen herbeirufen und die Ausreifung der T-Zellen zu T-Gedächtniszellen steuern. Die Gedächtniszellen speichern die Immunantwort ab, sodass das Immunsystem nicht jedes Mal von vorn anfangen muss, wenn T-Zellen auf erkrankte Zellen stoßen.

Die Idee: CAR-T-Zellen ohne Immunbremse

Tumore im frühen Stadium gehen jedoch nicht mit einer Entzündung einher. Bislang ist man davon ausgegangen, dass dies daran liegt, dass T-Zellen Tumorzellen nicht gut identifizieren können. „Als körpereigene Zellen weisen Tumorzellen nur ganz wenige Oberflächenmoleküle auf, die als fremde Strukturen erkennbar sind“, erläutert Uta Höpken. Doch offenbar reichen den T-Zellen diese minimalen Unterschiede aus, um Tumorzellen aufspüren zu können. Denn nachdem die Forscher*innen EBAG9 ausgeschaltet hatten, kam es zu einer überwältigenden Abbaureaktion. „Die enthemmten T-Zellen beseitigen Tumorzellen sehr früh und sehr radikal“, sagt Armin Rehm. Auch dauerhaft baut sich so ein Schutz vor Tumorzellen auf. „Je heftiger die T-Zellen am Anfang reagieren, umso besser fällt das T-Zellgedächtnis im Anschluss aus“, sagt Rehm.

„Basierend auf diesen Ergebnissen wollen wir nun CAR-T-Zellen ohne die Immunbremse EBAG9 für eine Immuntherapie gegen Blutkrebs entwickeln“, sagt Anthea Wirges. CAR steht für chimärer Antigen-Rezeptor – ein künstlich geschaffener Rezeptor, der Tumorzellen aufspürt und der in patienteneigene T-Zellen integriert wird. Bekommen die Patient*innen eine Infusion mit den CAR-T-Zellen, können diese den Krebs bekämpfen. Die MDC-Wissenschaftler*innen gehen davon aus, dass sie ohne EBAG9 noch viel wirkungsvoller sind. Bis zu einer klinischen Studie wird zwar noch einige Zeit verstreichen. „Wir hoffen aber nicht nur, damit die Therapie von Leukämien und Lymphomen effizienter zu machen. Wir hoffen sogar, diese Krankheiten heilen zu können“, sagt Armin Rehm.

 

Weiterführende Informationen
AG Rehm, Translationale Tumorimmunologie
AG Höpken, Mikroumgebung als Regulator bei Autoimmunität und Krebs

Literatur
Armin Rehm et al (2022): „EBAG9 controls CD8 + T cell memory formation responding to tumor challenge in mice“. JCI Insight, DOI: 10.1172/jci.insight.155534

forschen, produzieren, leben, heilen / 08.06.2022
Neue Ausgabe des Standortjournals buchinside erschienen

Cover der Ausgabe 1/2022 (Abb.: Studio Wessendorf/Grieger Harzer Landschaftsarchitekten)
Cover der Ausgabe 1/2022 (Abb.: Studio Wessendorf/Grieger Harzer Landschaftsarchitekten)

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

Berlin braucht dringend neuen und insbesondere bezahlbaren Wohnraum. Hier in Berlin-Buch werden in den nächsten Jahren zwei neue, nachhaltig angelegte Quartiere mit bis zu 3.500 Wohnungen entstehen. Das größere davon, das Quartier Am Sandhaus, ist eines der 16 neuen Stadtquartiere, die das Land Berlin entwickeln wird. Mindestens 30 Prozent des entstehenden Wohnraums soll für niedrige Einkommen vorbehalten sein, weitere Wohnungen für Menschen mit mittlerem Einkommen erschwinglich sein. Auch im historischen Ludwig Hoffmann Quartier wird weiter gebaut – dort kommen noch etwa 500 Wohnungen hinzu. Die Zahl der Einwohner von Buch, die derzeit fast 17.000 beträgt, kann auf längere Sicht um
etwa ein Drittel steigen.

Schon seit geraumer Zeit wird Buchs soziale Infrastruktur sichtbar ausgebaut, bekommen Bildung, Freizeit und Erholung neue Orte. Der Bau des überregional ausstrahlenden Bildungs- und Integrationszentrums könnte im nächsten Jahr starten. Weitere Schulen und Kitas werden im Zuge der neuen Quartiere folgen. Zu diesen Entwicklungen gibt der Bezirksbürgermeister von Pankow, Sören Benn, im Titelthema
Auskunft.

Ein wichtiger Teil der Planungen sieht vor, dass der BiotechPark Flächen in unmittelbarer Nähe des Campus erhält. Hintergrund ist, dass die Zahl der Firmen steigt, die innovative medizinische Therapien und Diagnostik entwickeln und expandieren, und der BiotechPark mit dem Neubau des Gründerzentrums BerlinBioCube an seine Grenzen stößt.

Davon, wie aus Wissenschaft Wirtschaft wird, konnten sich im April der Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland, Carsten Schneider, und die Regierende Bürgermeisterin Berlins, Franziska Giffey,bei ihrem Besuch im BiotechPark überzeugen. Die Campus-Akteure aus Forschung
und Biotech stellten Beispiele erfolgreichen Wissenstransfers vor. Auf einem Rundgang vermittelten die Campus-Akteure auch, welche Unterstützung der Zukunftsort Buch benötigt, um auch das weitere Wachstum von Gesundheitswirtschaft und Arbeitsplätzen vor Ort zu ermöglichen.

Der Zukunftsort Berlin-Buch hat großes Potenzial – sowohl an Innovationskraft als auch an Flächen. Hier entsteht eine Green Health City, in der umweltfreundliche Mobilität dominiert und sich Arbeiten, Wohnen und Leben gut verbinden lassen.

Dr. Christina Quensel und Dr. Ulrich Scheller
Geschäftsführende der Campus Berlin-Buch GmbH


Hier finden Sie die neue Ausgabe zum Download.
 

forschen, produzieren, leben, heilen, bilden / 07.06.2022
Noch freie Plätze bei den Forscherferien!

Waldboden unter dem Mikroskop (Foto: Gläsernes Labor)
Waldboden unter dem Mikroskop (Foto: Gläsernes Labor)

Keine Langeweile in den Sommerferien: Im Gläsernen Labor werdet ihr selbst zu Forschern. Zusammen mit Wissenschaftlern vom Campus könnt ihr Versuche aus verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebieten durchführen.

Es gibt täglich andere Kurse - für jeden ist mit Sicherheit etwas dabei. Bei diesen Ganztagskursen findet ihr noch etliche freie Plätze:

 

12.07.22 9:00 bis 16:00 Uhr
Wundersame Wasserexperimente

Wenn du dich schon immer mal gefragt hast, warum Wasserläufer nicht untergehen, bist du bei diesem Kurs genau richtig. Entdecke mit uns, was es mit der "Wasserhaut" auf sich hat und warum Wasser sich oft anders verhält als andere Flüssigkeiten.
Und warum sagt man dazu auch "das kostbare Nass"?
Am Nachmittag wird es ein Bootsrennen mit selbstgebauten Booten geben.

Für wen? Kinder von 6 bis 9 Jahren

* * *

11.08.22 09:00 bis 16:00 Uhr
Wald & Boden

Als Feldforscher haben ihr die Aufgabe, den Boden als Lebensraum kennenzulernen. Ihr sammelt Bodentiere, Blätter, Früchte und Bodenproben. Im Labor wird alles unter die Lupe genommen Dabei werden die Aufgaben von unterschiedlichen Bodenbewohnern, wie z.B. dem Regenwurm oder der Assel besprochen. Und was wird aus dem Laub, dass von den Bäumen fällt?

Für wen? Kinder von 8 bis 10 Jahren

* * *

19.08. 22 09:00 bis 16:00 Uhr
Klebende Steine

Wie entstehen Magnete und wie sind sie aufgebaut? Was hat die Erde und ein Kompass damit zu tun? Wo werden überall Magnete eingesetzt? Finde es mit uns gemeinsam heraus.

Für wen? Kinder von 6 bis 9 Jahren

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Zum vollständigen Ferienprogramm geht es hier:

www.forscherferien-berlin.de

heilen / 01.06.2022
Dependance der renommierten ENDO-Klinik Hamburg öffnet im Helios Klinikum Berlin-Buch

Seit Mai nutzt das Ärzte-Team der Orthopädie ein neues computerbasiertes Assistenzsystem bei Gelenkoperationen
Seit Mai nutzt das Ärzte-Team der Orthopädie ein neues computerbasiertes Assistenzsystem bei Gelenkoperationen

Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ab dem 01.06. Partnerklinik von Europas größter Spezialklinik für Endoprothetik, Sportorthopädie und Wirbelsäulenchirurgie – der ENDO-Klinik Hamburg. Nach zwei Jahren der Vorbereitung steht damit allen Patientinnen und Patienten in der Region eine wohnortnahe endoprothetische Versorgung auf medizinisch höchstem Niveau offen.

Ein Prothesenwechsel stellt hohe Anforderungen an den Chirurgen, aber auch an die Ausstattung einer Klinik. Endoprothetik von Hüfte und Knie ist Behandlungsschwerpunkt der Orthopädie im Helios Klinikum Berlin-Buch. Aufgrund der jahrelangen Erfahrungen von Prof. Dr. med. Daniel Kendoff, Chefarzt Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie im Helios Klinikum Berlin-Buch, ist das Orthopädie-Team nationales und internationales Referenzzentrum in der Primär- und Revisionsendoprothetik, insbesondere für Infekte und einzeitigen Wechsel. Der Wechsel infizierter Prothesen im „einzeitigen“ Verfahren ist ein ganz spezielles Verfahren, das nur ganz wenige Kliniken in Deutschland anwenden und das Prof. Kendoff während seiner langjährigen oberärztlichen Tätigkeit in der ENDO-Klinik Hamburg perfektioniert hat.
Sowohl bei seiner Tätigkeit in der ENDO-Klinik Hamburg, als auch als Chefarzt im Helios Klinikum Berlin-Buch hat Prof. Kendoff eine Vielzahl von endoprothetischen Eingriffen aller Schwierigkeitsgrade durchgeführt und Patientinnen und Patienten unter Einhaltung der erfolgreichen Prinzipien der ENDO-Klinik Hamburg mit künstlichen Gelenken (Endoprothesen) versorgt.

Helios ENDO-Klinik Berlin
In den letzten zwei Jahren wurden nun im Helios Klinikum Berlin-Buch die organisatorischen und strukturellen Voraussetzungen geschaffen, um auch hier die Qualitätsstandards der ENDO-Klinik Hamburg konsequent umzusetzen. „Das erfolgreiche Konzept und die medizinische Expertise der ENDO-Klinik Hamburg jetzt in Berlin umsetzen zu können, freut mich besonders. Ich bin sehr stolz auf mein erfahrenes und eingespieltes Team: wir stehen für rund 2000 Hüft- und Knie-Endoprothetik-OPs im Jahr und die ersten 150 roboterassistierten Knie-Operationen sind umgesetzt. Bereits heute gehören wir zu den medizinischen Vorreitern auf diesem Gebiet in ganz Deutschland. Jetzt gehen wir einen Schritt weiter und werden die ENDO-Klinik Berlin“, betont Prof. Kendoff.

Maximale und ganzheitliche Versorgung vor Ort
Mit der jetzt gestarteten Kooperation möchte das Team der Orthopädie im Helios Klinikum Berlin-Buch landesweit Maßstäbe im Ersatz von Knie- und Hüftgelenken setzen. „Wir erweitern die Versorgungslandschaft im Bereich der Endoprothetik nicht nur im Kreis Berlin/Brandenburg, sondern auch über die regionalen Grenzen hinweg. Das Konzept der Behandlung aus einer Hand setzt das Helios Klinikum Berlin-Buch seit Jahren konsequent um“, betont Prof. Dr. Sebastian Heumüller, Klinikgeschäftsführer im Helios Klinikum Berlin-Buch und Regionalgeschäftsführer der Helios Region Ost.
Prof. Dr. med. Henning T. Baberg, Ärztlicher Direktor im Helios Klinikum Berlin-Buch, ergänzt: „Im Mittelpunkt der ENDO-Klinik Berlin steht die spezialisierte orthopädische Behandlung.  Darüber hinaus kann dem Patienten die oft notwendige umfassende Behandlung durch die anderen Spezialabteilungen unseres Klinikums als Maximalversorger angeboten werden. Dieses ist insbesondere für die Patienten von Bedeutung, die zusätzlich mehrere internistische Erkrankungen aufweisen. Dieses „Zusammenspiel unter einem Dach“ gibt es nur an Kliniken der Maximalversorgung wie dem Helios Klinikum Berlin-Buch.“

Helios ENDO-Klinik Hamburg
Das Konzept der ENDO-Klinik Hamburg setzt auf eine intensive Betreuung der Patientinnen und Patienten, die in jedem Schritt klar definierte Kriterien erfüllen soll. Jährlich werden dort über 8.000 gelenkchirurgische Eingriffe vorgenommen — die Klinik hat sich seit ihrer Gründung 1976 einen Weltruf erarbeitet. „Dieses Renommee beruht auf standardisierten Prozessen, die auch in Berlin-Buch erfolgreich angewendet werden. Von der Primärversorgung eines Kunstgelenkes bis zur komplizierten Austauschoperation können alle Eingriffe unter Verwendung hochwertiger Implantate und modernster OP-Techniken angeboten werden“, sagt Dr. Thorsten Gehrke, Ärztlicher Direktor der Helios ENDO-Klinik Hamburg.

Modernste OP-Technik
Seit Mai 2021 setzt das orthopädische Team um Prof. Kendoff auf die Unterstützung eines sogenannten semi-aktiven Roboters namens ROSA© im Operationssaal. Die halb-aktiven Roboter gelten als die sicherste Form in der Robotik. Hier trifft die Praxiserfahrung der Operateure auf die Präzision der Roboter. „Es optimiert die Anpassung der Gelenkprothese und sorgt für deren perfekten Sitz. Die Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten mit ihrem künstlichen Gelenk wird somit nochmals gesteigert“, erklärt Prof. Kendoff.

Informationshotline
Im Rahmen der operativen und konservativen Behandlung orthopädischer Erkrankungen bietet die ENDO-Klinik Berlin zahlreiche Spezialverfahren an. Am Donnerstag, 09. Juni von 12 bis 16 Uhr sowie am Donnerstag, 16. Juni von 12 bis 16 Uhr können sich Interessierte und Betroffene über die Informationshotline detaillierter zu Terminen und allgemeinen Abläufen rund um das Thema Endoprothetik und Revisionsendoprothetik informieren -  zusätzlich zum regulären Angebot der Endoprothetik-Hotline. Die Rufnummer der Informationshotline ist (030) 9401-12345. Die Hotline ist kostenfrei und ohne Anmeldung nutzbar.

Kontakt:
Helios Klinikum Berlin-Buch
Fachbereich Orthopädie
ENDO-Klinik Berlin
Chefarzt: Prof. Dr. med. Daniel Kendoff
Schwanebecker Chaussee 50
13125 Berlin
T: (030) 9401-12345 (Erreichbarkeit Montag bis Donnerstag: 08:00 bis 16:00 Uhr, Freitag: 08:00 bis 15:00 Uhr)
www.helios-gesundheit.de/endoklinik-berlin
 

Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 1.000 Betten in mehr als 60 Kliniken, Instituten und spezialisierten Zentren sowie einem Notfallzentrum mit Hubschrauberlandeplatz. Jährlich werden hier mehr als 55.000 stationäre und über 144.000 ambulante Patienten mit hohem medizinischem und pflegerischem Standard in Diagnostik und Therapie fachübergreifend behandelt, insbesondere in interdisziplinären Zentren wie z.B. im Brustzentrum, Darmzentrum, Hauttumorzentrum, Perinatalzentrum, der Stroke Unit und in der Chest Pain Unit. Die Klinik ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als Onkologisches Zentrum und von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetiker geeignet DDG“ zertifiziert.
Gelegen mitten in Berlin-Brandenburg, im grünen Nordosten Berlins in Pankow und in unmittelbarer Nähe zum Barnim, ist das Klinikum mit der S-Bahn (S 2) und Buslinie 893 oder per Auto (ca. 20 km vom Brandenburger Tor entfernt) direkt zu erreichen.
Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 125.000 Mitarbeitenden. Zum Unternehmen gehören unter dem Dach der Holding Helios Health die Helios Kliniken in Deutschland sowie Quirónsalud in Spanien und Lateinamerika und die Eugin-Gruppe mit einem globalen Netzwerk von Reproduktionskliniken. Mehr als 22 Millionen Patient:innen entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios. 2021 erzielte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von rund 10,9 Milliarden Euro.
In Deutschland verfügt Helios über 89 Kliniken, rund 130 Medizinische Versorgungszentren (MVZ), sechs Präventionszentren und 17 arbeitsmedizinische Zentren. Jährlich werden in Deutschland rund 5,4 Millionen Patient:innen behandelt, davon 4,4 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland mehr als 75.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 6,7 Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.
Quirónsalud betreibt 56 Kliniken, davon sieben in Lateinamerika, 88 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 17 Millionen Patient:innen behandelt, davon 16,1 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt mehr als 46.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 4 Milliarden Euro.
Das Netzwerk der Eugin-Gruppe umfasst 33 Kliniken und 39 weitere Standorte in zehn Ländern auf drei Kontinenten. Mit rund 1.600 Beschäftigten bietet das Unternehmen ein breites Spektrum modernster Dienstleistungen auf dem Gebiet der Reproduktionsmedizin an und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 133 Millionen Euro.
Helios gehört zum Gesundheitskonzern Fresenius.


Foto: Ein neues computerbasiertes Assistenzsystem unterstützt seit Mai 2021 das Ärzte-Team der Orthopädie im Helios Klinikum Berlin–Buch bei Gelenkoperationen. Es optimiert die Anpassung der Gelenkprothese und sorgt für deren perfekten Sitz. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

 

www.helios-gesundheit.de/endoklinik-berlin

forschen, produzieren / 30.05.2022
Unternehmen der Wohnungswirtschaft für Projekt „WohnZukunft“ mit „Innovationspreis Reallabore“ des BMWK ausgezeichnet

Bei der Preisverleihung: (v. l.) Florian Felgentreu, Campus Berlin-Buch GmbH, Christopher Gumppenberg, KUGU GmbH, Jörg Lorenz, green with IT, Nicole Jaegers und Jürgen Busch, GWG Lübben eG
Bei der Preisverleihung: (v. l.) Florian Felgentreu, Campus Berlin-Buch GmbH, Christopher Gumppenberg, KUGU GmbH, Jörg Lorenz, green with IT, Nicole Jaegers und Jürgen Busch, GWG Lübben eG

Nachhaltige Verbesserung der Energieeffizienz - Campus Berlin-Buch als eines der Reallabore

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) hat im Rahmen einer Festveranstaltung das Projekt „WohnZukunft“ mit dem „Innovationspreis Reallabore“ ausgezeichnet. Damit würdigt das Ministerium herausragende Testräume für Innovation und Regulierung, die sich durch ihren Vorbildcharakter und ihren Beitrag für ein modernes und innovationsfreundliches Recht auszeichnen.

Die Gestalter des Projektes waren die ABG Paradies aus Berlin, die GWG eG aus Lübben und die Wohnbau Eisleben GmbH. Wissenschaftlich geleitet wurde das Projekt von der HTW Berlin, Initiator und Koordinator waren die Frequenz eG sowie als Projektträger das Netzwerk „green with IT“.

Dazu das BMWK: „Reallabore erproben die digitale und nachhaltige Transformation zunächst im Kleinen, um sie dann später im Großen auszurollen. Den Preisträgern des Innovationspreises Reallabore gelingt es auf vorbildliche Weise, digitale Technologien wie etwa Künstliche Intelligenz (KI) im Reallabor in die konkrete Anwendung zu bringen und damit echten Mehrwert zu schaffen, besonders auch für den Klima- und Umweltschutz. So steuert und unterstützt KI ganze Wohnquartiere und spart dabei Energie“.

Mit dem Juryentscheid gelingt es der Wohnungswirtschaft erstmals, die gesellschaftlich herausragende Rolle der Quartiere und den Einbezug von Mietern mit einem bedeutenden bundesweiten Preis ins Rampenlicht zu rücken. Dies ist umso beeindruckender, da die Wohnungswirtschaft im kontinuierlichen Themenwettbewerb mit Infrastrukturprojekten aus Verkehr-, Mobilität- und regenerativer Energie steht. Die Mittlerrolle der kommunalen und genossenschaftlichen Vermieter bei der Gestaltung des Klimawandels wird offenbar, da der Konsens mit den Mietern die Basis für die Einsparung von Heizenergie darstellt.

Zum Juryentscheid für das Projekt „WohnZukunft“ erklärt Dr. Kai Hielscher, Leiter der Geschäftsstelle Reallabore im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz: „Die Entscheidung war denkbar knapp. Ausschlaggebend war die frühe Pilotierung innovativer Technologien wie KI und zukunftsweisender Smart-Meter-Gateway-Anwendungen.“

Dazu der Projektleiter Jörg Lorenz: „Schon 2014 war uns klar, dass nur die Zangenbewegung aus Anlageneffizienz und Dekarbonisierung zu Nullemissions-Quartieren führen kann. Der damit verbundene gesellschaftliche Transformationsprozess beginnt bei den Mietern, die zwingend ins Boot geholt werden müssen. Alle Projektbeteiligten freut es sehr, dass die gründliche Planung, Umsetzung, Validierung und Berichtslegung nun mit diesem besonderen Preis gewürdigt werden. Ein hoffnungsfroher Tag für die Wohnungswirtschaft; ist doch die digital gestützte Energieeffizienz und ihre Umsetzung ins Bewusstsein der Ministerien gerückt. Für uns sind dies verbesserte Aussichten für die positive Entscheidung zukünftiger Förderanträge.“

Axel Gedaschko, Präsident des GdW, hatte bereits 2021 dieses Projekt branchenintern gewürdigt und beim Verleih des DW-Zukunftspreises dafür plädiert, dass diese Projektinhalte breit ausgerollt werden. Der Verein green with IT, eine Initiative von 23 Unternehmen, bestehend aus Partnern wissenschaftlicher Einrichtungen und KMU. Schwerpunkt ist die Implementierung disruptiver Lösungen zur nachhaltigen Verbesserung der Energieeffizienz und die Schaffung neuer Wertschöpfungsketten mit digitalen Energieeffizienz-Systemen.


Text: Jörg Lorenz

 

Ü B E R  D I E   P R E I S T R Ä G E R

Die 1902 gegründete Arbeiter-Baugenossenschaft Paradies e. G. verfügt über insgesamt 873 Wohnungseinheiten in der Gartenstadt Berlin-Bohnsdorf sowie im Stadtteil Prenzlauer Berg. Gegründet wurde die ABG von Gustav Voigt, der ab 1886 den Selbsthilfegedanken popularisierte. So wurden Möglichkeiten eröffnet, aus der Wohnungsnot und dem Mietwucher herauszukommen.
www.abg-paradies.de

Die Genossenschaftliche Wohngemeinschaft Lübben eG wurde 1954 als AWG „Neues Leben” des ehemaligen Trikotagenwerkes „Spree” Lübbengegründet und in der Wendezeit in die „GWG Lübben eG“ umorganisiert. Sie verfügt heute über ca. 1.300 Wohnungen mit insgesamt ca. 74.000 qm Wohnfläche in Lübben ebenso in Golßen, Neu Zauche, Drahnsdorf, Straupitz, Groß Leuthen und Schönwalde. Der überwiegende Anteil der Gebäude wurde in Plattenbauweise errichtet.
www.gwg-luebben.de

Die Wohnungsbaugesellschaft der Lutherstadt Eisleben GmbH ist seit 1994 der größte Wohnungsanbieter in Eisleben. Mit der Entwicklung und Förderung neuer Wohnformen und maßgeschneiderter Angebote für eine sich wandelnde Gesellschaft gestalten sie die Zukunft aktiv mit und versteht sich als Partner im Stadtumbauprozess. Die WOBAU lässt sich von der Vision eines attraktiven Wohnens in individueller Vielfalt leiten.
www.wobau-eisleben.de

Der Campus Berlin-Buch ist ein moderner Wissenschafts- und Biotechnologiepark. Alleinstellungsmerkmale sind der klare inhaltliche Fokus auf Biomedizin und das enge räumliche und inhaltliche Zusammenwirken von Forschungsinstituten, Kliniken und Biotechnologie-Unternehmen. Seit Jahren setzt die CBB konsequent auf Energieeffizienz. Dennoch lässt sich an vielen Stellen weiterhin Energie einsparen oder durch erneuerbare Energien ersetzen, um den Ausstoß an Kohlenstoffdioxid zu verringern. Um diese Potenziale zu ermitteln und auszuschöpfen, hat die CBB eigenständig ein Energiemanagementsystem entwickelt und eingeführt. Dieses System wurde nun an den erneuerten Standard DIN EN ISO 50001:2018 angepasst
www.campusberlinbuch.de

Weiere Informationen:

https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2022/05/20220531-ausgezeichnete-reallabore.html

https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Wettbewerb/Finalisten/innovationspreis-reallabore-wohnzukunft.html

 

forschen / 20.05.2022
Chloridionenkanal ASOR bringt Vesikel zum Schrumpfen

Seit Entdeckung des Chloridionenkanals ASOR vor drei Jahren suchen Forscher nach dessen biologischen Funktionen. Jetzt ist das Team um Prof. Thomas Jentsch vom FMP und MDC in Berlin fündig geworden: ASOR ist essenziell für das Schrumpfen von Makropinosomen – besonders großen Vesikeln, die unspezifisch große Mengen extrazellulärer Flüssigkeit inklusive Ionen und Proteinen aufnehmen. Dieser Prozess ist besonders wichtig für bestimmte Immun- und Krebszellen. In der Tat war unter nährstoffarmen Bedingungen das Wachstum von Tumorzellen, denen ASOR fehlte, verbessert. Die Arbeit präsentiert zudem zum ersten Mal ein konsistentes Modell für das ionenabhängige Schrumpfen dieser Vesikel. Die Ergebnisse wurden in „Nature Cell Biology“ publiziert.

Unsere Zellen nehmen ständig Wasser, Salze und Nährstoffe auf. Dies geschieht neben einem spezifischen, Protein-vermitteltem Transport über die äußere Zellmembran auch über kleine Bläschen (Vesikel), die von der (Plasma)Membran abgeschnürt werden. Der Inhalt dieser Vesikel wird weiterverarbeitet oder nach Abschnüren kleinerer Vesikel in das äußere Medium zurücktransportiert. Makropinosomen sind besonders große Vesikel, die durch eine spezielle Form der Endozytose, die Makropinozytose, gebildet werden. Dieser Prozess kommt praktisch in allen Zellen vor, ist aber besonders ausgeprägt in spezialisierten Immunzellen (Makrophagen) und Tumorzellen.

Die zelluläre Verarbeitung der Vesikel und seiner Inhaltsstoffe erfordert ihre Schrumpfung, was aber nicht allein durch das Abschnüren kleiner Vesikel erfolgen kann. Vielmehr muss Wasser, osmotisch getrieben von passivem Salztransport über spezifische Ionenkanäle, die Vesikel verlassen. Fehlt diese osmotische Schrumpfung, können sich auch keine kleineren Vesikel mehr abschnüren. Vor wenigen Jahren konnte eine kanadische Gruppe zeigen, dass zwei spezifische endosomale Natriumkanäle für die Schrumpfung von Makropinosomen notwendig sind. Die Identität der für den Natriumchlorid-Transport zwingend erforderlichen parallelen Chloridkanäle blieb aber ungeklärt. Kandidaten für die Chloridtransporter waren CLC Chlorid-Protonenaustauscher, der schwellaktivierte Anionenkanal VRAC sowie ASOR – alles Proteine, die von dem Berliner Ionenkanalforschers Prof. Dr. Thomas Jentsch entdeckt wurden.

Doch weder die CLCs noch VRAC sind für die Schrumpfung der Vesikel von Bedeutung, wie Jentschs Team am Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) nun in einer aktuellen Arbeit zeigen konnte. Die Hauptrolle spielt der Chloridkanal ASOR. Diesen säureempfindlichen Ionenkanal hatte Jentschs Gruppe erst 2019 entdeckt. Bis dato war unklar, warum praktisch alle menschlichen Zellen den Kanal besitzen.

Schrumpfung wird durch säureempfindlichen Kanal und pH-Wert geregelt

„Wir konnten jetzt zeigen, dass ASOR absolut notwendig für das Schrumpfen von Makropinosomen ist“, sagt Thomas Jentsch. „Alle anderen Kandidaten, die wir untersucht haben, zeigten keinen Effekt.“ Damit konnten Jentsch und sein Team dem „Acid-Sensitive Outwardly Rectifying Anion Channel“ eine wichtige biologische Funktion zuweisen.

Um den Prozess zu untersuchten, isolierten die Forschenden Makrophagen aus verschiedenen Knock-out-Mauslinien, denen jeweils ein bestimmter Chloridtransporter fehlte. Da sich Makropinosomen aufgrund ihrer Größe von 1 bis 3 Mikrometern gut durch das Lichtmikroskop betrachten lassen, konnten sie zusehen, wie die Vesikel in den Zellen schrumpften. Dabei zeigte sich: Vesikel der ASOR-Knock-out-Mäuse schrumpften wesentlich langsamer als die Wildtyp-Vesikel. Und: Die Schrumpfung ist pH-abhängig. Wurde nämlich die Ansäuerung der Vesikel verhindert, war auch der Volumenverlust eingeschränkt.

„Das ergibt Sinn, denn ASOR wird durch Säure aktiviert “, sagt die Erstautorin der Studie Maria Zeziulia. „Inzwischen wissen wir, dass ASOR eben nicht nur in der Plasmamembran vorkommt, wo der gut regulierte pH-Wert fast nie die für die Kanalaktivierung notwendigen sauren Werte annimmt, sondern auch in verschiedenen intrazellulären Organellen, Endosomen, die ja bekanntlich angesäuert werden. Die luminale Azidifizierung spielt also – neben den beiden Natriumkanälen und ASOR – eine ganz wesentliche Rolle bei der Schrumpfung dieser Vesikel“, fasst die MDC-Wissenschaftlerin die wesentlichen Ergebnisse zusammen.

Modell mit hoher Vorhersagekraft entwickelt

Die Forscher integrierten ASOR, die Natriumkanäle und die Vesikel ansäuernde Transportprozesse in ein einfaches mathematisches Modell. Dies erlaubt nicht nur eine Überprüfung der Plausibilität des vorgeschlagenen Mechanismus, sondern auch semiquantitative Vorhersagen von nur schwer messbaren Parametern wie der sich langsam einstellenden elektrischen Spannung über die Vesikelmembran. „Die mathematischen Modelle sagen unsere Resultate sehr schön voraus, so dass wir zum ersten Mal ein konsistentes Modell für das Schrumpfen dieser Vesikel haben“, erklärt Thomas Jentsch.

Doch wozu ist das Schrumpfen der Vesikel eigentlich gut? Es ist notwendig für die Abschnürung von Transportvesikeln, die unter anderem den Rücktransport aufgenommener Substanzen nach außen ermöglichen und dadurch der Degradation durch Enzyme aus Lysosomen, mit denen Makropinosomen später fusionieren, entgehen. Auch wichtige Oberflächenproteine wie Signal-Rezeptoren müssen „recycelt“ werden. Andererseits dient die Degradation aufgenommener Proteine zur Ernährung von Tumorzellen und zur Herstellung von Proteinbruchstücken, die für die Erkennung von Antigenen durch Immunzellen notwendig ist. Degradation und Recycling müssen also der Aufgabe entsprechend balanciert werden.

Ohne ASOR wachsen Tumorzellen besser

Was passieren kann, wenn dieser ausgeklügelte Mechanismus nicht richtig funktioniert, konnten die Wissenschaftler in Experimenten mit Tumorzellen zeigen: Zellen, bei denen ASOR eliminiert war, wuchsen schneller in der Abwesenheit extrazellulärer Aminosäuren, aber Anwesenheit extrazellulärer Proteine. Warum? Verringertes Schrumpfen bedeutet weniger Recycling, so dass sich die Tumorzellen mehr Proteine aus der ansonsten nährstoffarmen Umgebung holen konnten, vor allem das physiologisch in hohen Konzentrationen vorliegende Eiweiß Albumin. „Die Makropinozytose ist zum Beispiel bei Tumoren mit Mutationen in dem Onkogen K-RAS überaktiv“, berichtet Thomas Jentsch. „Das führt dazu, dass die Tumorzellen vermehrt extrazelluläre Proteine aufnehmen, die sie dann lysosomal degradieren und für ihre Ernährung und Wachstum verwenden. Öffentliche Tumordatenbanken unterstützen diese Schlussfolgerung: Pankreaskarzinompatienten überlebten schlechter, wenn ihr Tumor weniger ASOR enthielt.“

Im nächsten Schritt wollen die Berliner Forscher weitere Transporter und auch Wasserkanäle untersuchen, die möglicherweise ebenfalls an der Schrumpfung von Makropinosomen beteiligt sind. Neue Daten werden das Vesikelmodell vervollständigen.

 

Publikation
Maria Zeziulia, Sandy Blin, Franziska W. Schmitt, Martin Lehmann, Thomas J. Jentsch. Proton-gated anion transport governs macropinosome shrinkage. Nature Cell Biology, doi: 10.1038/s41556-022-00912-0, https://www.nature.com/articles/s41556-022-00912-0.

Die Pressemitteilung inkl. Abbildung ist in Deutsch und Englisch auf der FMP-Website abrufbar: https://www.leibniz-fmp.de/de/press-media/press-releases/press-releases-single-view1/article/chloride-ion-channel-asor-is-required-for-vesicle-shrinkage

forschen / 20.05.2022
Proteinlandkarten von Tumoren

Vor der Proteomanalyse müssen die hochempfindlichen Massenspektrometer kalibriert werden. Foto: Felix Petermann, MDC
Vor der Proteomanalyse müssen die hochempfindlichen Massenspektrometer kalibriert werden. Foto: Felix Petermann, MDC

Die Eigenschaften von Krebszellen kann man mithilfe von Deep Visual Proteomics besser verstehen, schreibt ein deutsch-dänisches Team in „Nature Biotechnology“. Fabian Coscia hat das Verfahren mitentwickelt und wird es am MDC weiter verfeinern – um auch für resistente Tumore Therapien zu finden.

Um zu begreifen, was eine entartete Zelle so gefährlich, aber womöglich auch verwundbar macht, reicht es nicht aus, ihre Gene anzuschauen. „Entscheidend für die Funktionen aller Zellen sind vielmehr die Proteine“, sagt Dr. Fabian Coscia, der seit Juni 2021 am Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) die Arbeitsgruppe „Spatial Proteomics“ leitet.

In seiner Zeit als Postdoc hat Coscia gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Andreas Mund am Novo Nordisk Foundation Center for Protein Research (CPR) der Universität Kopenhagen in der Gruppe von Professor Matthias Mann daher ein Verfahren entwickelt, das mithilfe künstlicher Intelligenz das Proteom, also die Gesamtheit aller hergestellten Proteine, von Krebszellen analysiert. Die Teams stellen die Methode namens Deep Visual Proteomics (DVP) jetzt in der Fachzeitschrift „Nature Biotechnology“ vor.

Tiefer Blick ins Tumorgewebe

„Wenn in unseren Zellen etwas schiefläuft und wir krank werden, können wir sicher sein, dass Proteine in vielfältiger Weise daran beteiligt sind“, erläutert Mann, der nicht nur in Kopenhagen forscht, sondern am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried bei München auch die Forschungsabteilung „Proteomics und Signaltransduktion“ leitet und das noch recht junge Fachgebiet der Proteomik mitgegründet hat. „Deshalb kann uns die Kartierung der Proteinlandschaft dabei helfen, herauszufinden, warum sich bei einem bestimmten Patienten ein Tumor entwickeln konnte, welche Schwachstellen dieser Tumor hat und welche Behandlungsstrategie die nützlichste sein könnte.“

Mit Deep Visual Proteomics lassen sich die Proteine unterschiedlicher Krebszellen so detailliert wie nie zuvor erfassen. Das Verfahren besteht im Prinzip aus vier Schritten. Zunächst erstellt ein hochauflösendes Mikroskop ein genaues Bild der Gewebeprobe. Mithilfe künstlicher Intelligenz werden die einzelnen Zellen der Probe im nächsten Schritt anhand ihrer visuellen Merkmale, die für ein menschliches Auge kaum zu erfassen sind, in verschiedene Gruppen eingeteilt. Ein Laserstrahl schneidet die Zellen anschließend Gruppe für Gruppe automatisiert aus dem Gewebe heraus und fasst sie in jeweils einer neuen Probe zusammen. Im letzten Schritt ermittelt ein Massenspektrometer in den unterschiedlichen Proben die genaue Zusammensetzung der Proteine.

Ein Werkzeug für alle Krebsarten

„Mit der Kombination modernster mikroskopischer und massenspektrometrischer Verfahren sowie dank künstlicher Intelligenz erreichen wir einen bislang noch nie dagewesenen Einblick in das Krankheitsgeschehen bei Krebs“, sagt Coscia. „Inzwischen reichen uns weniger als hundert Zellen aus, um in ihnen Tausende von Proteinen gleichzeitig zu erfassen.“ Zudem erhalte man ein gänzlich unvoreingenommenes Bild von den Abläufen in verschiedenen Krebszellen und könne womöglich noch unbekannte Proteine entdecken, die zum Beispiel an der Ausbreitung der Zellen im Körper und somit an der Entstehung von Metastasen beteiligt sind. Auch Wechselwirkungen zwischen den Krebszellen und dem sie umgebenden Gewebe kann Deep Visual Proteomics besser erfassen.

In ihrer aktuellen Publikation haben sich die Forschenden auf Zellen von Haut- und Speicheldrüsenkrebs beschränkt. „Aber natürlich lassen sich mit dem Verfahren auch alle anderen Tumorarten näher charakterisieren“, sagt Coscia. Einige von ihnen will sich der Wissenschaftler nun im Rahmen des Projekts MSTARS (Multimodale klinische Massenspektrometrie für die Untersuchung von Therapieresistenz) vornehmen, an dem neben dem MDC auch die Charité – Universitätsmedizin Berlin, das Berliner Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik und die Humboldt-Universität zu Berlin beteiligt sind.

Therapien auch für andere Erkrankungen

„Das Gute an Proteinen ist unter anderem, dass sie so stabil sind“, sagt Coscia. Mit der neuen Methode könne man daher auch in Formalin fixierte Gewebeproben von Patient*innen untersuchen, die bereits viele Jahre alt seien, und die Ergebnisse mit den klinischen Daten dieser Menschen vergleichen. „Auf diese Weise wollen wir erkennen, warum eine bestimmte Therapie in dem einen Fall vielleicht besonders gut angeschlagen, in dem anderen aber leider versagt hat“, erläutert der Forscher. Sein Ziel sei es, neue Angriffspunkte für individuelle, also auf die Patient*innen maßgeschneiderte Krebstherapien – auch für bislang behandlungsresistente Tumore – zu finden.

Doch nicht nur das Krebsgeschehen lässt sich per Deep Visual Proteomics besser verstehen. Auch auf andere Krankheiten ist das Verfahren anwendbar. „Man kann zum Beispiel die Proteine in Nervenzellen analysieren und so herausfinden, was bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson in den Zellen genau passiert“, sagt Coscia. Er freue sich jedenfalls sehr, wenn das von ihm und seinen Kolleg*innen entwickelte Tool künftig auch von Forschenden vieler anderer Fachrichtungen genutzt werde, um mit dessen Hilfe zu neuen biomedizinischen Erkenntnissen zu gelangen.

Weiterführende Informationen
MDC-Arbeitsgruppe „Spatial Proteomics
Proteomik-Konsortium „MSTARS“ in Berlin
Wie Fabian Coscia Krebszellen besser verstehen will
Forschungsabteilung „Proteomics und Signaltransduktion“ am Max-Planck-Institut für Biochemie in München

Literatur
Andreas Mund, Fabian Coscia et al. (2022): „Deep Visual Proteomics defines single cell identity and heterogeneity“. Nature Biotechnology, DOI: 10.1038/s41587-022-01302-5

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Der Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de

 

Quelle: Pressemitteilung MDC
Proteinlandkarten von Tumoren

forschen, produzieren, heilen, bilden / 13.05.2022
Das MDC beim Salon Sophie Charlotte: Für immer jung – für immer gesund?

Buchstaben der DNA (Foto: Peter Himsel)
Buchstaben der DNA (Foto: Peter Himsel)

Der Blick einer Ärztin und der einer Künstlerin auf die Editierung des Erbguts mit CRISPR unterscheiden sich grundlegend. Doch beide zeigen uns Möglichkeiten, wie wir das Leben mit der Natur gestalten können. Wissenschaft trifft Kunst: das Max-Delbrück-Centrum beim Salon Sophie Charlotte 2022 in Berlin.

Pandemie, Klimakrise und Krieg machen die Fragilität des Lebens deutlich erlebbar. Zugleich mobilisieren wir ungeahnte Kräfte, um neue Formen zu finden, die das Leben – immer noch – lebenswert machen. „still, LIFE IS LIFE“ ist deshalb der Salon Sophie Charlotte 2022 überschrieben. Am Abend des 21. Mai 2022, von 18 bis 24 Uhr, lädt die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW) dazu ein, Fragen nach der Lebensvermessung und -gestaltung zu diskutieren. 

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) ist zum ersten Mal beim Salon Sophie Charlotte dabei. Im ersten Obergeschoss der BBAW, Raum 3, bietet das Centrum zwei Perspektiven auf die Möglichkeiten, die uns die Editierung des Erbguts mit CRISPR eröffnet: die der Künstlerin Emilia Tikka und die der Forscherin und Ärztin Simone Spuler.

ÆON – Trajectories of Longevity and CRISPR

Als Artist in Residence konnte Emilia Tikka 2018 in den Laboren des MDC erleben und selbst ausprobieren, was CRISPR bereits kann. Basierend auf dieser Erfahrung hat die Finnin mit ihrem Werk „ÆON – Trajectories of Longevity and CRISPR“ ein spekulatives Szenario einer möglichen Zukunft entworfen: 

Ein Mann, eine Frau. Ein Liebespaar. Er ist jung, und er wird es bleiben. Dank CRISPR/dCas9. Sie hingegen wird alt, hat sich bewusst gegen ewige Jugend entschieden. Und Sie? Was würden Sie tun: inhalieren und die Unsterblichkeit wählen? Emilia Tikka möchte mit ÆON zum Nachdenken über eine mögliche Zukunft anregen. Ab 19:30 Uhr diskutiert sie mit den Salon-Gästen, Teile des Kunstwerks sind ab 18:00 Uhr im Raum zu sehen.

Vom Verstehen und Verändern: Die Zukunft der Genomforschung

Für die Patient*innen mit genetisch bedingten Muskelerkrankungen geht es nicht um ewige Jugend. Professorin Simone Spuler will sie vor dem Verfall ihres Muskelgewebes bewahren – oder dieses sogar reparieren. Für Krankheiten, die bisher als unheilbar galten, könnte es künftig dank Stammzellen und CRISPR/Cas9 zumindest Linderung geben. 

Simone Spuler forscht am Experimental and Clinical Research Center, einer gemeinsamen Einrichtung des MDC und der Charité – Universitätsmedizin Berlin in Berlin-Buch. Das Team um die Medizinerin betreut in einer Hochschulambulanz etwa 2000 Patient*innen. Gleichzeitig leitet Spuler die Arbeitsgruppe „Myologie“ und legt dort die Grundlagen für erste Therapieansätze. Sie weiß, dass Gentherapien nicht nur Hoffnungen machen, sondern auch Ängste auslösen. In ihrem Vortrag diskutiert sie ab 21:00 Uhr daher unter anderem die technischen und ethischen Grenzen und will mit den Salon-Gästen ins Gespräch kommen.

Quiz: Schnipp, schnapp – das Gen ist ab

Sie kennen die Genschere CRISPR und haben die Kontroversen in den vergangenen Jahren verfolgt? Mit dem Quiz „Schnipp, schnapp – das Gen ist ab“ versucht das MDC dennoch, die Salon-Besucher*innen aufs Glatteis zu führen. Auf zehn Quizkarten können sie im Ausstellungsraum 3 ihr Wissen testen und herausfinden, was heute schon mit CRISPR möglich ist, was möglich werden könnte und was Fantasie ist und bleibt.

Für immer jung – für immer gesund?
21. Mai 2022, 18 bis 24 Uhr beim Salon Sophie Charlotte
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)
Markgrafenstraße 38, 10117 Berlin
Erstes Obergeschoss, Raum 3

Anmeldung hier 

Weiterführende Informationen

Salon Sophie Charlotte 2022 „still, LIFE IS LIFE“ (Anmeldung erforderlich)

Porträt von Simone Spuler: „Die Muskelretterin

Über das Projekt von Emilia Tikka: „Für immer jung?“

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

 

produzieren / 12.05.2022
Eckert & Ziegler mit Umsatzplus im ersten Quartal 2022

Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG (ISIN DE0005659700, TecDAX) konnte ihren Umsatz im ersten Quartal 2022 um 13% auf 49,9 Mio. EUR steigern. Der Nettogewinn lag mit 6,7 Mio. EUR oder 0,32 EUR pro Aktie unter dem Vorjahresquartal. Grund für die Ergebnislücke zum Vorjahr ist ein Einmaleffekt in Höhe von rund 6,8 Mio. EUR im ersten Quartal 2021, in dem der Konzern seine Tumorbestrahlungssparte gewinnbringend verkaufte. Trotz Pandemie und Krieg in der Ukraine verzeichnete Eckert & Ziegler mit den vorliegenden Zahlen einen stabilen Jahresauftakt.

Die Umsätze im Segment Medical lagen im ersten Quartal bei 20,1 Mio. EUR und damit um 1,2 Mio. EUR oder 5% unter dem Vorjahreswert. Unter Berücksichtigung der durch die Entkonsolidierung der Tumorgerätesparte entfallenen Umsätze in Höhe von 1,1 Mio. EUR konnte das Umsatzniveau im Vergleich zum Vorjahr gehalten werden.

Das Segment Isotope Products erzielte mit 29,8 Mio. EUR einen um 7,0 Mio. EUR oder etwa 31% höheren Umsatz als in den ersten drei Monaten 2021. Grund hierfür sind unter anderem steigende Öl- und Gaspreise und eine damit einhergehende Sonderkonjunktur bei radiometrischen Komponenten für Energiekonzerne. Rund 1,9 Mio. EUR des Anstiegs sind auf die Akquisition der argentinischen Gesellschaft Tecnonuclear SA im Januar 2022 zurückzuführen.

Die Ergebnisse des ersten Quartals 2022 entsprechen den Erwartungen des Vorstands. Die im März veröffentlichte Prognose für das Geschäftsjahr 2022 bleibt unberührt. Der Vorstand rechnet weiterhin mit einem Umsatz von rund 200 Mio. EUR und einem Jahresüberschuss von rund 38 Mio. EUR. Die Prognose steht unter dem Vorbehalt, dass aus den Entwicklungen in der Ukraine weiterhin keine größeren Verwerfungen resultieren.

Den vollständigen Quartalsbericht finden Sie hier: https://www.ezag.com/fileadmin/user_upload/ezag/investors-financial-reports/deutsch/euz122d.pdf

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den führenden Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet weltweit an seinen Standorten Dienstleistungen und Produkte im Bereich der Radiopharmazie an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.

www.ezag.de

produzieren / 11.05.2022
Eckert & Ziegler kooperiert mit tschechischem Forschungszentrum UJF bei der Herstellung von medizinischen Alpha-Radioisotopen

Die Eckert & Ziegler AG (ISIN DE0005659700, TecDAX), ein Spezialist für medizinische Radioisotope, hat mit dem kernphysikalischen Institut der tschechischen Akademie der Wissenschaften, Ústav jaderné fyziky (UJF), eine langfristige Zusammenarbeit für die Herstellung des Alphastrahlers Actinium-225 vereinbart. Die Vereinbarung sieht vor, dass Eckert & Ziegler dem UJF-Forschungszentrum mehrere Millionen Euro für Investitionen in Anlagen und Heißzellen sowie Radium-226 als Ausgangsmaterial für Tests und Bestrahlungen zur Verfügung stellt. Im Gegenzug erhält Eckert & Ziegler exklusiven Zugang zu den Produktionskapazitäten einer Pilotanlage, die in den nächsten zwei Jahren in der Nähe von Prag gebaut wird, sowie Mitnutzungsrechte an Prozessschritten, die für eine kommerzielle Ac-225 Produktion im großen Maßstab entwickelt werden.

Actinium-225 wird als Wirkstoff in der Krebsbehandlung eingesetzt. Das Radioisotop emittiert leistungsstarke, hochenergetische Alpha-Partikel mit kurzer Eindringtiefe, die eine präzise Behandlung von Tumorzellen, einschließlich schwer zu erfassender Mikrometastasen, mit minimalen Auswirkungen auf das umgebende gesunde Gewebe ermöglichen. Hierzu wird Actinium-225 mit einem geeigneten Träger (z.B. einem Antikörper oder Peptid) kombiniert, der spezifisch an Krebszellen bindet und diese damit selektiv bekämpft. Momentan werden Radiopharmazeutika auf Basis von Actinium-255 in vielen klinischen Indikationen getestet, u.a. gegen Prostatatumore, Darmkrebs und Leukämie. Experten erwarten, dass der Bedarf an Actinium-225 in der nächsten Dekade exponentiell zunimmt.

„Die Zusammenarbeit mit Eckert & Ziegler trägt dazu bei, in der europäischen Union leistungsfähige Betriebe für die Herstellung von therapeutischen Radiopharmazeutika zu schaffen“, erläuterte Dr. Petr Lukáš, Direktor des UJF. „Corona und die jüngsten politischen Krisen zeigen, wie schnell der globale Austausch stocken und wie wichtig es für Produzenten neuer Radiopharmazeutika sein kann, Teile ihrer Wertschöpfungskette mit lokalen Partnern zu entwickeln“, ergänzte Prof. Ondřej Lebeda, Leiter der Abteilung Radiopharmazeutika des UJF.

„Mit dem UJF haben wir nur 90 Autominuten von unserem sächsischen Standort entfernt einen kompetenten Ansprechpartner für die vielen komplexen Aufgaben, die bei der Herstellung von Actinium-225 anfallen“, ergänzte Dr. Lutz Helmke, Mitglied des Vorstands und Betriebsvorstand für das Segment Medical. „Wir gewinnen einen wertvollen Partner in der Bemühung, unsere führende Position im Weltmarkt für therapeutische Radioisotope auszubauen. Als Ausgangsmaterial greifen wir dabei auf einen Bestand von Radium-226 zurück, den wir bei der Rücknahme von medizinischen Strahlenquellen in unserem Recyclinggeschäft angesammelt haben. Diese Aufarbeitung der Strahlenquellen liefert im Übrigen ein Beispiel dafür, wie gut Kreislaufkonzepte innerhalb der Branche funktionieren.“

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.
Wir helfen zu heilen.

www.ezag.de

forschen, produzieren / 03.05.2022
FMP & LMU spin-off Tubulis closes €60 million Series B financing to accelerate its ADC Pipeline

Great relief after the contract was signed: Ingo Lehrke, Christian Hackenberger, Marc-André Kasper, Dominik Schumacher and Jonas Helma-Smets (Foto: Tubulis)
Great relief after the contract was signed: Ingo Lehrke, Christian Hackenberger, Marc-André Kasper, Dominik Schumacher and Jonas Helma-Smets (Foto: Tubulis)

Tubulis has a set of proprietary technologies for producing novel and particularly stable antibody drug conjugates (ADCs). Their portfolio enables the company to link a wide range of drugs to an antibody specific to the relevant indication by way of stable coupling (conjugation). One positive aspect of this is that adverse side effects in healthy tissue can be minimized, since biophysical properties of the ADC are optimized and the drug is prevented from separating from the antibody prematurely, a common side effect from current compounds on the market. In addition, the company’s proprietary technologies offer the potential to generate previously inaccessible protein-drug combinations, enabling a broader therapeutic window.

“Our research group is very proud to be part of Tubulis’ success story. Together with Prof. Heinrich Leonhardt’s group at LMU München, we have developed new methods to generate the novel ADCs that form the scientific basis that Tubulis uses. Closing the Series B round is a big step forward and the proceeds will enable the company to deliver the true therapeutic potential of ADCs through further innovation of novel payload classes and identification of new cancer targets.” remarks Professor Dr. Christian Hackenberger, Head of Chemical Biology at the FMP and Leibniz-Humboldt Professor at the Humboldt-Universität zu Berlin and co-founder of Tubulis.

 “This funding emphasizes that Tubulis is uniquely positioned to consolidate the findings of the last 20 years in the ADC field and translate this understanding into meaningful therapeutic benefits for patients. We have reached an important inflection point in the development of our platform technologies as well as our pipeline of highly novel protein-drug conjugates and we are now focused on unlocking new avenues in the treatment of solid tumors bringing safe and effective ADCs to patients,” said Dominik Schumacher, PhD, CEO and co-founder of Tubulis. “With this capital in place, we will execute on our growth strategy, including important focus areas for our pipeline and for how we can apply our proprietary technologies, biologic insights and new mechanisms of action to enable the true therapeutic value inherent in targeted therapeutics.”

In conjunction with the round, Sofia Ioannidou, PhD, Partner at Andera Partners, Thomas Hanke, PhD, EVP, Head of Academic Partnerships at Evotec as well as Jan Van den Bossche, Partner at Fund+ will join Tubulis’ Board of Directors consisting of Sebastian Pünzeler, PhD, Principal at coparion, Dominik Schumacher, PhD, CEO of Tubulis and Christian Grøndahl, MD, DVM, PhD, MBA, the Chairman of the Board. In addition, Valentin Piëch, PhD, Partner at BioMedPartners will take over the board seat from Michael Wacker, PhD, General Partner at BioMedPartners.

Tubulis was founded as a spin-off of the Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin and the Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München in 2019.

Zur Pressemitteilung auf der Website des FMP

tubulis.com

leben, bilden / 28.04.2022
Freiluftkino Buch startet am 6. Mai

Freiluftkino auf dem Pankeplatz an einem wunderbaren Sommerabend 2021 (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)
Freiluftkino auf dem Pankeplatz an einem wunderbaren Sommerabend 2021 (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)

Das Freiluftkino Buch startet am 6. Mai 2022 und widmet sich in diesem Jahr unter dem Titel "Grenzenlos" den Themen Migration, Flucht, Mobilität und Integration und zeigt möglichst mehrsprachige Filme.

Es wird in diesem Jahr drei Filmvorführungen geben. Diese finden zweimal im Garten des Bucher Bürgerhauses und einmal auf dem Panke-Platz statt. Die drei Filme, die dieses Jahr gezeigt werden, wurden aus jeweils fünf Filmen unter anderem von Kindern und Jugendlichen mittels Abstimmung ausgewählt.

1. Termin:
- Film: "Transit" (Deutsch/ Französisch mit deutschen Untertiteln)
- Altersempfehlung: FSK 12
- Datum/Uhrzeit: 06. Mai, 20:45 Uhr (Einlass 19:45 Uhr)
- Ort: Garten des Bucher Bürgerhauses, Franz-Schmidt-Str. 8-10, 13125 Berlin

2. Termin:
- Film: "Deine Schönheit ist nichts wert." (Deutsch/ Türkisch mit deutschen Untertiteln)
- Altersempfehlung: FSK 6
- Datum/Uhrzeit: 03. Juni, 21:30 Uhr (Einlass 20:30 Uhr)
- Ort: Panke-Platz, zwischen dem S-Bahnhof Buch und der Hufeland-Schule gleich neben den Tennisfeldern

3. Termin:

- Film: "Heute bin ich Samba" (Deutsch/ eventuell mit arabischen Untertiteln)
- Altersempfehlung: FSK 6
- Datum/Uhrzeit: 26. August, 20:45 Uhr (Einlass 19:45 Uhr)
- Ort: Garten des Bucher Bürgerhauses, Franz-Schmidt-Str. 8-10, 13125 Berlin

 

Förderer:

Das Freiluftkino wird in diesem Jahr durch das Bezirksamt Pankow Amt für Weiterbildung und Kultur gefördert. Veranstalter sind das Stadtteilzentrum Buch und der Bildungsverbund Buch in Kooperation mit Nomadenkino, Frauenberatung BerTa und Willkommenskulturprojekt Buch sowie mit Unterstützung durch das Sport- und Umweltamt Pankow.

forschen / 26.04.2022
ERC Advanced Grant für Herzforschung am MDC

Künstliches Herzgewebe kann gegen einen Widerstand kontrahieren und entspannen (Foto: Michael Gotthardt, MDC)
Künstliches Herzgewebe kann gegen einen Widerstand kontrahieren und entspannen (Foto: Michael Gotthardt, MDC)

Die kontraktilen und elastischen Eigenschaften des Herzens sind fein abgestimmt und ermöglichen einen hohen Wirkungsgrad und schnelle Anpassung. Michael Gotthardt erforscht am MDC die zugrundeliegenden molekularen und biomechanischen Regulationsmechanismen. Dafür erhält er nun einen ERC Advanced Grant.

MERAS steht auf dem kürzlich bewilligten Projektantrag. Die Abkürzung bedeutet: „Mechanoregulation des alternativen Spleißens“. Worum geht es bei MERAS? „Wir wollen verstehen, wie das Herz es schafft, auf Umwelteinflüsse zu reagieren und seine elastischen Eigenschaften so einzustellen, dass es optimal arbeiten kann“, sagt Professor Michael Gotthardt. Der Wissenschaftler leitet am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) die Arbeitsgruppe „Neuromuskuläre und kardiovaskuläre Zellbiologie“. Für sein Vorhaben erhält er jetzt einen Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) in Höhe von 2,5 Millionen Euro. 

 

Der ERC Advanced Grant geht an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit mehr als zehn Jahren Forschungserfahrung, die in ihrem Gebiet bereits eine prägende Rolle gespielt haben. Insgesamt hatten sich 1735 Forscherinnen und Forscher aus ganz Europa und allen Disziplinen beworben, 253 waren erfolgreich. 

Verantwortlich für die Pumpleistung des Herzens sind die Sarkomere, die kleinsten kontraktilen Einheiten des Herzmuskels. Sie bestehen aus Aktin- und Myosinfilamenten, welche die Kontraktion ermöglichen, und dem Riesenprotein Titin. Letzteres ist elastisch und beeinflusst wesentlich die mechanischen Eigenschaften der Herzmuskelzellen. Dabei können unterschiedliche Titin-Varianten (Isoformen) auf Basis eines einzelnen Gens exprimiert werden – jeweils perfekt angepasst an die aktuelle Belastungssituation des Herzens. Diesen Prozess – das alternative Spleißen – wollen die Forschenden im Detail untersuchen.

Raffinierte regulatorische Rückkopplung

„Bei ersten Analysen der Proteinzusammensetzung des Sarkomers fanden wir nicht nur die bekannten Strukturproteine, sondern auch einige bekannte Signalstoffe, die sowohl mit dem Stoffwechsel als auch mit der Regulation der Genexpression und dem alternativen Spleißen zu tun haben. Es sind Proteine, die man normalerweise im Zellkern erwarten würde – aber nicht im Sarkomer“, betont Michael Gotthardt. „Offenbar kommuniziert das Sarkomer dem Zellkern direkt, wie es sich anpassen muss.“ Ein raffinierter regulatorischer Rückkopplungsmechanismus, der erklären würde, wie sich Sarkomere auf die jeweils aktuelle mechanische Belastung einstellen. Das ist eine neue Hypothese, der die Forschenden auf den Grund gehen wollen.

Ein detailliertes Verständnis des gesamten Regelprozesses wäre auch von therapeutischem Nutzen – etwa für Menschen mit Herzinsuffizienz. Bei ihnen sind die Ventrikelwände durch „falsche“ Titine so versteift, so dass sich die Herzkammern nicht mehr ausreichend füllen können. Könnte man am richtigen Punkt medikamentös in den Prozess eingreifen, ließe sich ein kranker Herzmuskel etwas elastischer oder steifer machen, damit er wieder effektiver arbeiten kann.

Ein zweiter ERC Grant

Im ERC-Auswahlverfahren wurden die Forschungsvorhaben dieses Jahr erstmals nicht nur in Papierform, sondern auch als Kurzvortrag präsentiert – Corona-bedingt natürlich online. „Vier Folien in acht Minuten für ein 2,5-Millionen-Euro-Projekt“, fasst Michael Gotthardt zusammen. Für den Wissenschaftler, der an der Charité – Universitätsmedizin Berlin eine Professur für „Experimentelle und translationale Kardiologe“ innehat, ist es nach dem ERC Starting Grant 2011 bereits die zweite umfangreiche EU-Förderung. Sie ist auf fünf Jahre angelegt. „Das gibt uns die Möglichkeit, Kooperationen auszubauen und nun auch langfristig ausgelegte Vorhaben umzusetzen. Umfangreiche, kostenintensive Sequenzierarbeiten, die zur Erforschung des alternativen Spleißens nötig sind, ließen sich sonst kaum finanzieren.“

Gotthardts Team arbeitet mit genetischen Mausmodellen, an künstlichem Herzgewebe aus Patientenzellen sowie an Einzelzellen. Bisher sind Experimente zur Einzelzellmechanik echte Feinstarbeit. „Die Herzmuskelzelle muss dafür zunächst isoliert, unter einem besonderen Mikroskop fixiert und elektrisch stimuliert werden. Dann kann man sehen, welche aktiven und passiven Kräfte sie entwickelt“, sagt Michael Gotthardt. Damit wäre genau eine Zelle untersucht. Für aussagekräftige Studien sind jedoch sehr viele solcher Experimente nötig.

Das Ziel: neue Technologien für Einzelzellmechanik und Multi-Omik

Um zu verstehen, welche Titin-Isoformen unter Belastung oder bei Krankheitsprozessen gebildet werden, ist ebenfalls aufwendige Handarbeit nötig. Im Vergleich zu einem großen Gewebestück enthält eine Einzelzelle verhältnismäßig wenige RNA-Moleküle, so dass Untersuchungen der Genexpression oft an der Nachweisgrenze stattfinden. „Die Analyse des alternativen Spleißens ist insbesondere für die bis zu 100.000 Basen langen Titin-Isoformen erschwert – denn die verfügbaren kurzen Sequenzabschnitte müssen wie ein Puzzle zusammengesetzt werden, bei dem oft wichtige Teile fehlen“, sagt Michael Gotthardt. Mit dem ERC-Geld will er unter anderem neue Technologien für die Einzelzellmechanik, -transkriptomik und -proteomik entwickeln, die diese Arbeiten erleichtern und einen höheren Durchsatz erlauben.

Weiterführende Informationen

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

Pressemitteilung auf der Webseite des MDC:
ERC Advanced Grant für Herzforschung am MDC

forschen, produzieren, heilen / 25.04.2022
Antrittsbesuch des Ostbeauftragten und der Regierenden Bürgermeisterin – Carsten Schneider mit Franziska Giffey auf dem Campus Berlin-Buch

Dr. Christina Quensel stellte den Campus Berlin-Buch gemeinsam mit den Campus-Akteuren vor (Foto: Peter Himsel)
Dr. Christina Quensel stellte den Campus Berlin-Buch gemeinsam mit den Campus-Akteuren vor (Foto: Peter Himsel)

Wo aus Wissenschaft Wirtschaft wird: Staatsminister Carsten Schneider und die Regierende Bürgermeisterin, Franziska Giffey, informierten sich am 25. April 2022 über die Entwicklung des Zukunftsorts Berlin-Buch

Auf Einladung des Campus Berlin-Buch haben der Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland, Staatsminister Carsten Schneider, und Berlins Regierende Bürgermeisterin, Franziska Giffey, am 25. April 2022 gemeinsam den Wissenschafts- und Technologiestandort besucht. Begleitet wurden sie vom Pankower Bezirksbürgermeister Sören Benn. Auf dem Campus erhielten die Gäste einen Einblick in den BiotechPark Berlin-Buch.

Der Forschungscampus gehört zu den elf Berliner Zukunftsorten, an die es exzellente Wissenschaftler*innen aus aller Welt zieht. Buch steht für die Zukunft der Medizin. Seit Jahrzehnten verbinden sich am Gesundheitsstandort Berlin-Buch Forschen und Heilen, Erfinden und Therapieren. Hier arbeiten etablierte Unternehmen neben Start-ups in den Life Sciences, wirken Ärzte- und Forschungsteams Hand in Hand. International renommierte Forschungseinrichtungen wie das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft und das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), die Charité – Universitätsmedizin, das Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) sowie Biotechnologieunternehmen und Kliniken bilden ein Netzwerk. Aufbauend auf ersten Ausgründungen zu Beginn der neunziger Jahre, gehört der Campus heute zu den größten BiotechParks in Europa. Mit klarem Fokus auf Biomedizin bildet er die komplette Wertschöpfungskette von der Erkenntnis über die Entwicklung bis zur Produktion marktfähiger Innovationen ab und besitzt ein herausragendes Wachstumspotenzial.

Die Investitionen lohnen sich

„Seit 1992 wurden auf dem Campus über 600 Millionen Euro von EU, Bund und Land in die Forschungs- und Biotech-Infrastruktur investiert. Und auf unserem Campus wird ersichtlich, dass sich diese Investitionen lohnen“, sagte Dr. Christina Quensel, Geschäftsführerin der Betreibergesellschaft des Campus. „Durch die enge Verbindung von Grundlagen- und klinischer Forschung, State-of-the-art-Technologieplattformen und dem Ziel, biomedizinische Erkenntnisse in die Anwendung zu bringen, entsteht hier aus Wissenschaft Wirtschaft.“

Sichtbares Zeichen für das anhaltende Wachstum ist der Neubau des Gründerzentrums BerlinBioCube im BiotechPark. Der „BerlinBioCube“ wird 2023 eröffnen und 8.000 Quadratmeter Nutzfläche für Startups in der Biotechnologie, Medizintechnik und angrenzenden Bereichen bieten. Mit seiner Fertigstellung im nächsten Jahr können circa 30 Biotech-Start-ups modernste Labore und Büro nutzen und ihre Geschäftstätigkeit aufnehmen. Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführer der Campus Berlin-Buch GmbH, und Dr. Quensel informierten den Besuch über Pläne für den Ausbau des Campus, die Erweiterung des Biotechparks auf benachbarten Flächen im Ort und zur verstärkten Ansiedlung von Biotech-Unternehmen.

Auf einem Rundgang kamen die Politiker mit Forscher*innen und erfolgreichen Unternehmerinnen und Unternehmern in Gespräch. Sie besichtigten die Labore von T-knife, einem der erfolgreichsten Start-ups in der Biotech-Szene, dessen Technologie für neuartige Immuntherapien gegen Krebs auf jahrzehntelanger Grundlagenforschung am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin beruht.

Weltspitze in Buch

In einem anschließenden Gespräch in der Konzernzentrale der Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG diskutierten die Gäste mit Vertreterinnen und Vertretern aus Unternehmen und Forschungseinrichtungen des Campus aktuelle Themen der Wirtschaftsförderung in Technologie- und Gründerzentren, Fragen und Best-Practice-Beispiele der wertschöpfenden Vernetzung von Forschung und Wirtschaft, den Ausbau der regionalen Verkehrsinfrastruktur sowie die abgestimmte Entwicklung von Gewerbe- und Wohnbaupotenzialflächen am Zukunftsort Berlin-Buch.

„Der Campus Berlin-Buch mit seinen zahlreichen Playern aus Wissenschaft und Gesundheitswirtschaft ist Beispiel gelungener Transformation hin zu einem modernen Technologiestandort für klinische Forschung, molekulare Medizin und molekulare Pharmakologie. Buch beweist, wie gezieltes Innovationsmanagement zu Erfolg und weltweiter Vernetzung führt, wenn es unterstützt wird durch aktive Ansiedlungs- und Förderpolitik, die Wirtschaft und Wissenschaft einbezieht und die Verkehr und Wohnen und Arbeiten zusammendenkt. Danke an alle unsere Gastgeberinnen und Gastgeber für die inspirierenden Eindrücke“, sagte Franziska Giffey.

Auch Staatsminister Carsten Schneider bedankte sich bei den Campus-Akteur*innen. „Wir erhielten heute hochspannende Einblicke in die BioTech-Branche in Berlin-Buch. Hier wird innovativ geforscht und gearbeitet. Damit gehört der Campus Berlin-Buch zur Weltspitze“, erklärte Schneider. „Mit der Forschungsförderung durch den Bund schaffen wir langfristige Strukturen.“


Hintergrundinformationen

Der Campus Berlin‐Buch ist ein moderner Wissenschafts‐, Gesundheits‐ und Biotechnologiepark. Alleinstellungsmerkmale sind der klare inhaltliche Fokus auf Biomedizin und das enge räumliche und inhaltliche Zusammenwirken von Forschungsinstituten, Kliniken und Biotechnologie‐Unternehmen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erforschung molekularer Ursachen von Krebs,‐ Herzkreislauf‐ und neurodegenerativen Erkrankungen, eine interdisziplinär angelegte Grundlagenforschung zur Entwicklung neuer Therapien und Diagnoseverfahren, eine patientenorientierte Forschung und die unternehmerische Umsetzung biomedizinischer Erkenntnisse.
Dank exzellenter Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen im BiotechPark hat der Campus ein herausragendes Innovations‐ und Wachstumspotenzial. Dazu gehören als Einrichtungen der Grundlagenforschung das Max‐Delbrück‐Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz‐Gemeinschaft (MDC) und das Leibniz‐Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), das gemeinsam von MDC und Charité – Universitätsmedizin Berlin betriebene und auf klinische Forschung spezialisierte Experimental and Clinical Research Center (ECRC) sowie das Berlin Institute of Health (BIH). Seit 1992 sind über 600 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln durch die EU, den Bund und das Land Berlin in den Campus Berlin‐Buch investiert worden, um diese Synergien zu unterstützen.

Der BiotechPark Berlin‐Buch gehört mit 74 Unternehmen, 820 Beschäftigten und rund 31.000 Quadratmetern Büro‐ und Laborfläche zu den führenden Technologieparks in Deutschland. Ausgründungen im Bereich der Life Sciences finden hier ideale Bedingungen, vom Technologietransfer bis hin zu branchenspezifischen Labor‐ und Büroflächen. Die Life Science Community vor Ort ermöglicht einen direkten Austausch und gemeinsame Projekte. Der BiotechPark trägt maßgeblich zur dynamischen Entwicklung der Biotechnologie‐Region Berlin‐ Brandenburg bei und stärkt in besonderem Maße die industrielle Gesundheitswirtschaft.

Als Betreibergesellschaft des Campus ist die Campus Berlin‐Buch GmbH (CBB) Partner für alle dort ansässigen Unternehmen und Einrichtungen. Biotechnologieunternehmen – von Start‐ups bis zu ausgereiften Firmen – anzusiedeln, zu begleiten und in allen Belangen zu unterstützen, gehört zu ihren wesentlichen Aufgaben. Hauptgesellschafter der CBB ist mit 50,1 % das Land Berlin. Weitere Gesellschafter sind das Max‐Delbrück‐Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz‐Gemeinschaft (29,9 %) und der Forschungsverbund Berlin e.V. für das Leibniz‐Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (20 %).

www.campusberlinbuch.de

forschen, bilden / 21.04.2022
Ein Ferientag auf dem Campus Berlin-Buch für ukrainische Kinder

Ukrainische Kinder und Jugendliche experimentierten auf dem Bucher Campus zum Thema DNA (Foto: Felix Petermann, MDC)
Ukrainische Kinder und Jugendliche experimentierten auf dem Bucher Campus zum Thema DNA (Foto: Felix Petermann, MDC)

Im Gläsernen Labor herrschte am Vormittag des 20. April reger Betrieb: Zwölf Kinder und Jugendliche von 13 – 17 Jahren extrahierten DNA aus Früchten, ihrer Mundschleimhaut und aus Bakterien. Um an ihre eigene DNA zu gelangen, mussten sie mit einem Schluck Trinkwasser gurgeln und das Ergebnis in ein Reagenzröhrchen speien. Ein Schluck aus einem Reagenzröhrchen ist schon ungewöhnlich, und spätestens beim Gurgeln im Labor mussten viele über sich lachen.

Wer dem Treiben zusah, konnte zunächst kaum einen Unterschied zu den üblichen Ferienkursen des Schülerlabors auf dem Campus Berlin-Buch entdecken. Anders als sonst existierte jedoch eine Sprachbarriere. Die Zahl der Betreuenden war viel höher als sonst, denn die Anweisungen wurden auf Englisch und Ukrainisch gegeben.

Die Kurse des Gläsernen Labors für ukrainische Kinder anzubieten, geht auf die Initiative des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) zurück. „Die Resonanz auf meine E-Mail-Umfrage am MDC war enorm. Es ist toll, wie viele bereit sind zu helfen“, sagt Dr. Luiza Bengtsson, die am MDC für Wissenstransfer zuständig ist. Der erste Kurs mit Unterstützung der Freiwilligen vom MDC fand bereits am 13. April statt.

Neugierig auf die Biologie

Nach dem Mittagessen in der Mensa konnten die Kinder etwas entspannen, um dann Führungen Forschungslabore des MDC zu erleben. Sie lernten eine Technologieplattform zur Tierphänotypisierung kennen, besuchten die Arbeitsgruppe „Ankerproteine und Signaltransduktion“ von PD Dr. Enno Klußmann und die Arbeitsgruppe von Professor Thomas Willnow, die unter anderem Ursachen und Therapien von Alzheimer erforscht.

MDC-Doktorandin Oleksandra Kalnytska war eine der Freiwilligen, die die Kinder an diesem Tag begleiteten. Sie erlebte die Kinder und Jugendlichen als sehr aufgeschlossen. „Einige von ihnen kamen aus innerer Neugierde auf die Biologie, andere, um etwas Interessantes zu sehen, wieder andere, um neue Leute kennen zu lernen und möglicherweise Freundschaften zu schließen. Sie waren extrem neugierig und stellten viele Fragen, vor allem während der Laborbesuche“, sagt Kalnytska. „Ein 13-jähriges Mädchen fragte mich immer wieder nach der Alzheimer-Krankheit und ob es Möglichkeiten gibt, sie zu verhindern. Sie war begeistert von den Gehirn-Organoiden und wollte wissen, ob es möglich sei, ein echtes Gehirn zu züchten. Sie hofft, eines Tages Psychologin zu werden. Ein anderes Mädchen, 14 Jahre alt, fragte nach Lernmaterial über Biologie, da sie später gern Wissenschaftlerin werden würde.“

Auch Dr. Ihor Minia, Wissenschaftler am MDC, gehörte zu den Unterstützer*innen bei den Kursen für die ukrainischen Kinder. Er steuerte einige Experimente für den Kurs bei und verstand es, komplexe Themen wie die Plasmidbildung bei Bakterien so leicht zu erklären, dass sogar ein 10-Jähriger es verstand.

Oleksandra Kalnytska, die wie Ihor Minia aus der Ukraine stammt, engagiert sich seit Beginn des Krieges für Hilfe und Spenden für die Ukraine. Für das Ferienangebot ist sie sehr dankbar: „Ich denke, dass der Tag eine sehr positive Erfahrung für die ukrainischen Kinder war. Hier konnten sie zumindest für ein paar Stunden der Last des Flüchtlingsdaseins entfliehen und in eine neue Welt der wissenschaftlichen Wunder eintauchen.“

www.glaesernes-labor.de

forschen, bilden / 20.04.2022
Neu: Wissen erweitern in der CampusVital LOUNGE

Im Café rock-paper findet künftig auch die CampusVital LOUNGE statt. (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)
Im Café rock-paper findet künftig auch die CampusVital LOUNGE statt. (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)

CampusVital lädt alle Interessierten herzlich zur Auftaktveranstaltung der CampusVital LOUNGE am Mittwoch, den 27. April 2022 von 12:30-13:00 Uhr im Café rock-raper (Mensafoyer) ein.

Die CampusVital LOUNGE wird monatlich interessante Themen aus verschiedensten Wissensgebieten präsentieren. Dabei soll auch der Stand der Gesundheitsforschung auf dem Campus Berlin-Buch einfließen. In der ersten Veranstaltung stellt Dr. Katharina Nimptsch vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) das Thema „Krebsprävention durch Ernährung“ vor.

Katharina Nimptsch ist Ernährungswissenschaftlerin und Epidemiologin am MDC. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich vor allem mit dem Einfluss der Ernährung auf das Krebsrisiko, insbesondere auf die Entstehung von Darmkrebs. Sie ist an verschiedenen Projekten im Rahmen großer, europaweiter und amerikanischer Kohortenstudien beteiligt. In der CampusVital LOUNGE stellt Dr. Nimptsch wissenschaftlich fundierte Ernährungsempfehlungen zur Krebsprävention vor und erläutert diese.

Ort:

Campus Berlin-Buch
Mensafoyer, Haus A14
Café rock-paper
Robert-Rössle-Str. 10
13125 Berlin

forschen, heilen / 13.04.2022
Zusammen ist besser als allein: Wie ein altbekannter Wirkstoff zum Gamechanger werden kann

© Judith Bushe/ Anne Voß, FU Berlin
© Judith Bushe/ Anne Voß, FU Berlin

Zur Behandlung von COVID-19 stehen immer mehr Medikamente zur Verfügung. Berliner Forschende von Charité, FU und MDC haben die Wirkmechanismen von antiviralen und anti-entzündlichen Substanzen untersucht. Im Journal „Molecular Therapy“ beschreiben sie, dass eine Kombination aus beiden am besten funktioniert.

Noch immer führen Infektionen mit SARS-CoV-2 auch zu Aufnahmen in ein Krankenhaus. Derzeit werden laut Robert-Koch-Institut innerhalb einer Woche pro 100.000 Einwohner*innen etwa sechs bis sieben Menschen mit COVID-19 eingewiesen. Bei der stationären Behandlung von COVID-19-Patient*innen gibt es mittlerweile eine Reihe von Medikamenten, die den Krankheitsverlauf abmildern oder bei Schwerkranken das Risiko eines tödlichen Verlaufs verringern. Einige bekämpfen das Virus, andere die Entzündung, die es hervorruft.

Besonders werden monoklonale Antikörper und das stark entzündungshemmende Medikament Dexamethason eingesetzt. Antikörper fangen das Virus ab, heften sich an die Oberfläche des Spikeproteins und verhindern so, dass es in die menschlichen Zellen eintritt. Diese Therapie wird bis zum siebten Tag nach Beginn der Symptome angewandt. Sauerstoffpflichtige COVID-19-Patient*innen im Krankenaus erhalten in der Regel Dexamethason. Das Glukokortikoid hat sich seit etwa 60 Jahren bei einigen, auf einer übermäßigen Aktivierung des Immunsystems beruhenden Entzündungen bewährt. Auch bei COVID-19 dämpft es die Entzündungsreaktion des Körpers zuverlässig. Allerdings geht der Wirkstoff mit verschiedenen Nebenwirkungen einher, so kann er beispielsweise Pilzinfektionen nach sich ziehen. Deshalb sollte das Mittel nur sehr gezielt eingesetzt werden.

Schwerer Verlauf beim Zwerghamster

Wissenschaftler*innen der Charité, des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie (BIMSB) am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und der FU Berlin haben die Wirkmechanismen beider Therapien untersucht. „Dabei haben wir Hinweise dafür gefunden, dass eine Kombination aus Antikörper- und Dexamethason-Therapie besser wirkt als die einzelnen Therapien für sich genommen“, sagt Dr. Emanuel Wyler, Wissenschaftler der Arbeitsgruppe RNA Biologie und Posttranscriptionale Regulation unter Leitung von Prof. Dr. Markus Landthaler am BIMSB, und Erstautor der Studie. Da nicht alle Lungenareale anhand von Proben von Patient*innen untersucht werden können, suchten die Forschungsteams im vergangenen Jahr zunächst nach einem geeigneten Modell. Co-Letztautor Dr. Jakob Trimpert, Tiermediziner und Arbeitsgruppenleiter am Institut für Virologie der Freien Universität Berlin, entwickelte in diesem Zuge COVID-19-Hamstermodelle. Die Tiere sind derzeit der wichtigste nicht transgene Modellorganismus für COVID-19, da sie sich mit denselben Virusvarianten wie Menschen infizieren und ähnliche Krankheitssymptome entwickeln. Die Erkrankung läuft bei den einzelnen Arten unterschiedlich ab: Goldhamster erkranken nur moderat, während Roborovski-Zwerghamster einen schweren Verlauf zeigen, der dem von COVID-19-Patient*innen auf Intensivstationen ähnelt.

Zusammenspiel der Signalwege

„In der aktuellen Studie haben wir die Auswirkungen von separaten und kombinierten antiviralen und entzündungshemmenden Behandlungen für COVID-19, also mit monoklonalen Antikörpern, Dexamethason oder einer Kombination aus beiden Therapien, in den vorhandenen Modellen geprüft“, erklärt Dr. Trimpert. Um das Ausmaß der Schädigung des Lungengewebes zu analysieren, untersuchten die Veterinärpathologen der FU Berlin infiziertes Lungengewebe unter dem Mikroskop. Außerdem bestimmte das Team um Dr. Trimpert zu verschiedenen Zeitpunkten der Behandlung die Menge an infektiösen Viren und Virus-RNA. So konnten die Wissenschaftler*innen überprüfen, ob und wie sich die Virenaktivität im Lauf der Therapie veränderte. „Mithilfe von detaillierten Analysen verschiedener Parameter einer COVID-19-Erkrankung, die so nur im Tiermodell möglich sind, ist es uns gelungen, nicht nur die Grundlagen der Wirkungsweise von zwei besonders wichtigen COVID-19-Medikamenten besser zu verstehen, wir fanden auch deutliche Hinweise auf mögliche Vorteile einer Kombinationstherapie aus monoklonalen Antikörpern und Dexamethason“, sagt Dr. Trimpert.

Den Einfluss der Medikamente auf das komplexe Zusammenspiel der Signalwege innerhalb der Gewebezellen und auf die Anzahl der Immunzellen haben Einzelzellanalysen gezeigt. Dabei lassen die Forschenden die einzelnen Zellen einer Probe über einen Chip laufen. Dort werden sie zusammen mit einem Barcode in kleine wässrige Tröpfchen verpackt. Auf diese Weise kann die RNA – der Teil des Erbgutes, den die Zelle gerade abgelesen hatte – sequenziert und später der Zelle wieder zugeordnet werden. Aus den gewonnenen Daten lässt sich mit hoher Präzision auf die Funktion der Zelle schließen. „So konnten wir beobachten, dass die Antikörper die Virusmenge effizient reduzieren konnten“, erläutert Dr. Wyler. „Im Modell half das jedoch nicht viel.“ Denn nicht die Viren schädigen das Lungengewebe, sondern die starke Entzündungsreaktion, die sie auslösen. Die Immunzellen, die die Eindringlinge bekämpfen, schütten Botenstoffe aus, um Verstärkung herbeizurufen. Die Massen an Abwehrkämpfern, die herbeiströmen, können die Lunge regelrecht verstopfen. „Verschlossene Blutgefäße und instabile Gefäßwände können dann zu einem akuten Lungenversagen führen“, erklärt der Wissenschaftler.

Bekannter Wirkstoff als Gamechanger?

Für eine Überraschung sorgte das altbekannte Dexamethason. „Der Entzündungshemmer wirkt ganz besonders stark auf eine bestimmte Art von Immunzellen, die Neutrophilen“, sagt Co-Letztautorin Dr. Geraldine Nouailles, wissenschaftliche Arbeitsgruppenleiterin an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité. Die Neutrophilen gehören zu den weißen Blutkörperchen und treten bei Infektionen mit Viren und Bakterien sehr schnell auf den Plan. „Das Kortison-Präparat unterdrückt das Immunsystem und hindert die Neutrophilen daran, Botenstoffe zu produzieren, die andere Immunzellen anlocken“, führt Dr. Nouailles aus. „So verhindert das Medikament sehr effektiv eine Eskalation der Immunabwehr.“

Die besten Behandlungsergebnisse erreichten die Forschenden, als sie die anti-virale mit der anti-entzündlichen Therapie kombinierten. „Eine solche Kombinationstherapie sehen die medizinischen Leitlinien bislang nicht vor“, betont Dr. Nouailles. „Hinzu kommt, dass eine Antikörpertherapie bislang nur bis zum maximal siebten Tag nach Symptombeginn bei Hochrisikopatient*innen verabreicht werden darf. Dexamethason wird in der Praxis erst verabreicht, wenn die Patient*innen sauerstoffpflichtig werden, also ihre Erkrankung bereits weit fortgeschritten ist. In der Kombination hingegen eröffnen sich ganz neue Zeitfenster der Behandlung.“ Ein Ansatz, der nun in klinischen Studien überprüft werden muss, bevor er für die Behandlung von Patient*innen infrage kommt.

Weitere Informationen

Arbeitsgruppe von Prof. Markus Landthaler

Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie

Fachbereich Veterinärmedizin der FU Berlin

AG Landthaler

Pressemitteilung zu vorangegangener Publikation 08/2021 in Nature Communications

Über die Studie

Gefördert wurden die Arbeiten unter anderem durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Sonderforschungsbereich SFB-TR84, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit den Projekten CAPSyS-COVID sowie PROVID und das Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité mit CM-COVID. Ebenfalls ermöglicht hat die Studie das BMBF-geförderte Nationale Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin zu Covid-19 (NUM), im Teilvorhaben Organostrat.

Literatur

Emanuel Wyler et al (2022): „Key benefits of dexamethasone and antibody treatment in COVID-19 hamster models revealed by single cell transcriptomics “, in: Molecular Therapy, DOI: https://doi.org/10.1016/j.ymthe.2022.03.014

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

Über die Charité – Universitätsmedizin Berlin
Die Charité – Universitätsmedizin Berlin ist mit rund 100 Kliniken und Instituten an vier Campi sowie 3.001 Betten eine der größten Universitätskliniken Europas. Forschung, Lehre und Krankenversorgung sind hier eng miteinander vernetzt. Mit Charité-weit durchschnittlich 16.391 und konzernweit rund 19.400 Beschäftigten aus über 100 Nationen gehört die Berliner Universitätsmedizin zu den größten Arbeitgeberinnen der Hauptstadt. Dabei waren 4.707 der Beschäftigten im Pflegebereich und 4.693 im wissenschaftlichen und ärztlichen Bereich tätig. An der Charité wurden im vergangenen Jahr 132.383 voll- und teilstationäre Fälle sowie 655.138 ambulante Fälle behandelt. Im Jahr 2020 hat die Charité Gesamteinnahmen von rund 2,2 Milliarden Euro, inklusive Drittmitteleinnahmen und Investitionszuschüssen, erzielt. Mit den 196 Millionen Euro eingeworbenen Drittmitteln erreichte die Charité einen erneuten Rekord. An der medizinischen Fakultät, die zu den größten in Deutschland gehört, werden mehr als 8.600 Studierende in Humanmedizin, Zahnmedizin sowie Gesundheitswissenschaften ausgebildet. Darüber hinaus gibt es 577 Ausbildungsplätze in 10 Gesundheitsberufen. Die Berliner Universitätsmedizin setzt Akzente in den Forschungsschwerpunkten: Infektion, Inflammation und Immunität einschließlich Forschung zu COVID-19, Kardiovaskuläre Forschung und Metabolismus, Neurowissenschaften, Onkologie, Regenerative Therapien sowie Seltene Erkrankungen und Genetik. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité arbeiten unter anderem in 29 DFG-Sonderforschungsbereichen, darunter sechs mit Sprecherfunktion, in drei Exzellenzclustern, davon eines mit Sprecherschaft, 8 Emmy-Noether-Nachwuchsgruppen, 16 Grants des European Research Councils und 9 europäischen Verbundprojekten mit Charité-Koordination.

Foto: In jeweils 600-facher Vergrößerung: gesundes Lungengewebe mit offenen Lungenbläschen (links), schwere SARS-CoV-2-Infektion mit zerstörtem Gewebe und Immunzellen (mitte), deutlich weniger Zerstörung und verbesserter Gasaustausch nach Kombinationsbehandlung (rechts).© Judith Bushe/ Anne Voß, FU Berlin

Quelle: Pressemitteilung MDC
Zusammen ist besser als allein: Wie ein altbekannter Wirkstoff zum Gamechanger werden kann

leben / 12.04.2022
Fördermittel zur Unterstützung geflüchteter Menschen aus der Ukraine in Pankow

Das Integrationsbüro des Bezirksamts Pankow stellt ab sofort zwei neue Fördermöglichkeiten bereit, um Organisationen, Initiativen und Vereine im Bezirk bei ihrem Engagement für geflüchtete Menschen aus der Ukraine zu unterstützen.

I. #SolidarischesPankow: Im neu eingerichteten Projektfonds #SolidarischesPankow stehen Gelder in Gesamthöhe von 20.000 Euro zur Verfügung. In einem vereinfachten Verfahren können Sachmittel bis zu 2.000 Euro pro Organisation, Initiative oder Freiwilligen beantragt werden. Möglich ist beispielsweise die Anschaffung von Unterrichtsmaterialien, Hygieneartikeln, Fahrkarten, Eintrittskarten oder mobilen Internetzugängen. Auch verhältnismäßige Aufwandsentschädigungen können beantragt werden. Anträge können ab sofort laufend gestellt werden, eine Frist für die Einreichung gibt es nicht.  Die Förderentscheidung wird zeitnah nach Antragseingang getroffen.

2. #SonderprojekteUkraine: Die zweite Fördermöglichkeit #SonderprojekteUkraine ist ausschließlich für Projekte von Pankower Migrant:innenselbstorganisationen (MSO) vorgesehen und hat ein Gesamtvolumen von 100.000 Euro. Schwerpunkt der Maßnahme ist die Schaffung von Angeboten für Menschen, die im Zusammenanhang mit dem Kriegsgeschehen aus der Ukraine geflohen sind. Dabei kann es sich um die Unterstützung von Familien, Frauen und Kindern oder die Beratung und Begleitung von Schutzsuchenden handeln. Die Förderung bezieht sich auch auf Geflüchtete aus der Ukraine, die nicht die ukrainische Staatsbürgerschaft besitzen. Migrant:innenselbstorganisationen mit Sitz in Pankow können diese Zuwendungen für Projekte beantragen, die frühestens im Juni 2022 starten und die maximal bis Ende Dezember 2022 dauern. Die Frist zur Antragseinreichung im Integrationsbüro ist der 5. Mai 2022 (postalischer Eingang).

Bezirksbürgermeister Sören Benn: „Unser Integrationsbüro bietet mit diesen zwei neuen Fördertöpfen zwar keinen riesigen Fonds, aber jeder Euro zählt! Der Topf #SolidarischesPankow ist bürokratiearm angelegt und spricht eine breite Zielgruppe an. Mit #SonderprojekteUkraine soll gezielt die Arbeit der migrantischen Organisationen im Bezirk gestärkt werden. Ich danke allen, die sich für die Unterstützung der Geflüchteten einsetzen von Herzen für das unermüdliche Engagement!“

Antragsunterlagen für beide Fördermöglichkeiten befinden sich auf der Website des Integrationsbüros:
https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/beauftragte/integration/informationen-fuer-organisationen-und-initiativen/artikel.1189080.php

forschen / 11.04.2022
Magenentzündungen: wie eine bakterielle Infektion das Gewebe verändert

Mit Helicobacter-Bakterien infiziertes Magengewebe. Sich teilende Zellen sind grün, Zellkerne blau dargestellt. © Charité / Michael Sigal
Mit Helicobacter-Bakterien infiziertes Magengewebe. Sich teilende Zellen sind grün, Zellkerne blau dargestellt. © Charité / Michael Sigal

Wenn Bakterien die Magenschleimhaut besiedeln, drohen Entzündungen oder gar Magenkrebs. Ein Forschungsteam von Charité und MDC erklärt nun in „Nature Communications“, wie sich die Magendrüsen im Zuge einer Infektion verändern. Daraus könnte sich ein neuer Ansatzpunkt für Krebstherapien ergeben.

Eine Besiedelung des Magens mit Helicobacter pylori tritt weltweit bei etwa der Hälfte der Menschheit auf; sie zählt damit zu den häufigsten chronischen bakteriellen Infektionen. In der Folge können sich Entzündungen des Magens (Gastritis) oder Magenkrebs entwickeln. Wegen des ständigen Kontakts mit der Magensäure erneuert sich die gesunde Magenschleimhaut innerhalb weniger Wochen komplett, wobei ihre Struktur und Zusammensetzung stets unverändert bleibt. „Bisher ging man davon aus, dass eine Helicobacter-Infektion die Drüsenzellen der Magenschleimhaut direkt schädigt“, erklärt Professor Michael Sigal, Letztautor der Studie. „Unser Team hat nun herausgefunden, dass die komplexen Interaktionen verschiedener Zellen und Signale, die für die Stabilität des Gewebes sorgen, durch eine Infektion gestört werden.“

Michael Sigal ist Emmy Noether-Arbeitsgruppenleiter an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie der Charité und am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB), das zum MDC gehört. Um die Veränderungen der Magendrüsen durch eine Helicobacter-Infektion nachzuverfolgen, hat sich das Team um Michael Sigal zusammen mit Forschenden vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie komplexe Mausmodelle zu Nutze gemacht, bei denen sich bestimmte Zellen der Magendrüsen mittels modernster Technologien – wie Bildgebung und Einzelzellsequenzierung am Gewebe – visualisieren, isolieren und genau untersuchen lassen. Darüber hinaus entwickelten sie im Labor spezielle organähnliche Mikrostrukturen – sogenannte Organoide –, um damit den Einsatz von Tiermodellen einschränken zu können. Mithilfe dieser winzigen Miniaturmägen konnten sie viele Eigenschaften der Drüsen nachempfinden und den Einfluss verschiedener Signale auf die dortigen Stammzellen, aus denen verschiedene Zelltypen entstehen können, untersuchen.

Stromazellen unterdrücken BMP-Signalweg

„Wir haben herausgefunden, dass die sogenannten Stromazellen, welche die Drüsen umgeben, nicht – wie bisher gedacht – nur für die mechanische Stabilität verantwortlich sind. Sie produzieren auch verschiedene Botenstoffe, die das Verhalten der Drüsen maßgeblich beeinflussen“, beschreibt Michael Sigal. Zu diesen Botenstoffen gehört auch das „Bone Morphogenetic Protein“ (BMP), das für die Gewebeentwicklung von Bedeutung ist. Die Forschenden konnten zeigen, dass Stromazellen, die die Drüsenbasis umgeben, den BMP-Signalweg fortwährend unterdrücken und so die Teilung der dortigen Stammzellen anregen. Hingegen aktivieren Stromazellen an der Drüsenspitze den Signalweg und unterbinden dort die Zellteilung. Dieser Einfluss der Umgebung ist die Grundlage für die stabile Drüsenstruktur. Durch eine Helicobacter-Infektion kommt es hingegen zur Ausschüttung von Endzündungsstoffen wie Interferon-gamma (IFN-γ). Im Zuge dieser Entzündungsreaktion werden nun vermehrt Botenstoffe produziert, die die Zellteilung der Stammzellen in den Drüsen anregen. Das führt schließlich zur sogenannten Hyperplasie – also dazu, dass sich das Gewebe vergrößert und Krebsvorläufer entstehen können.

„Unsere Erkenntnisse zeigen, dass eine Infektion und damit einhergehende Entzündung viel mehr Effekte im Gewebe hat als bisher angenommen: Klassische Entzündungsstoffe wie IFN-γ haben nicht nur eine direkte antimikrobielle Wirkung, sondern beeinflussen auch die Zellteilung und das Verhalten von Stammzellen im Gewebe. Bei einer Gewebeschädigung kann eine schnelle Zellteilung sehr sinnvoll sein, um eine rasche Heilung zu ermöglichen. Bei einer chronischen Entzündung im Zuge einer Helicobacter-Infektion könnte sie jedoch die Entwicklung von Krebsvorläufern begünstigen“, resümiert Michael Sigal. Die Signalwege bei der Interaktion zwischen dem Immunsystem und Stammzellen, die auch für andere Organe als den Magen bedeutsam sein könnten, stellen somit einen Ansatzpunkt für neue Therapien – sowohl in der Krebsvorsorge als auch in der regenerativen Medizin – dar.

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung von Charité und MDC
Magenentzündungen: wie eine bakterielle Infektion das Gewebe verändert

produzieren, heilen / 08.04.2022
Eckert & Ziegler: Radboud University Medical Center in den Niederlanden behandelt ersten Patienten mit PENTIXAFOR

Das Radboud University Medical Center (RUMC) in Nijmegen, eines der größten Kompetenzzentren der Niederlande für Nebennierenerkrankungen, hat im Rahmen der CASTUS-Studie den ersten Patienten mit primärem Aldosteronismus mit dem Ga-68 basierten Diagnostikum PENTIXAFOR behandelt.

Das von PentixaPharm entwickelte PENTIXAFOR ist ein innovativer bildgebender PET-Tracer, der auf den Chemokin-4-Rezeptor (CXCR4) abzielt und zur Diagnose von verschiedenen onkologischen und inflammatorischen Erkrankungen eingesetzt wird. Das auf Ga-68 basierende PET-Radiodiagnostikum soll das Potenzial haben, die Diagnostik bei diesen Krankheitsbildern erheblich zu verbessern und die Patienten der passenden Therapie zuzuführen.

Beim primären Aldosteronismus (PA), auch Conn-Syndrom genannt, handelt es sich um eine Anomalie der Nebenniere, die entweder durch ein einseitiges Aldosteron produzierendes Adenom (APA) oder durch eine bilaterale Nebennierenhyperplasie (BAH) gekennzeichnet ist. Unabhängig von der Lage des pathologischen Gewebes verursachen Nebennierentumore eine Hypersekretion von Aldosteron, die zu einem erhöhten Blutdruck führt und daher eng mit einer hohen vaskulären Morbidität verbunden ist. Bei Patienten mit Bluthochdruck, allein in Deutschland ca. 20 Mio. Patienten, liegt die Prävalenz von PA bei etwa 5,9 %. Die Dunkelziffer ist aufgrund der komplizierten und invasiven Standarddiagnose mittels Nebennierenvenenentnahme (AVS) noch höher.

Die CASTUS-Studie ist ein klinisches Forschungsprogramm mit dem Ziel, die Genauigkeit von PENTIXAFOR bei der Diagnose von primärem Aldosteronismus zu evaluieren. Das Ga-68 basierende PET-Radiodiagnostikum soll insbesondere die Ein- oder Zweiseitigkeit der Aldosteron-Hypersekretion bei primärem Aldosteronismus erkennen. Dieses Unterscheidungsmerkmal bestimmt das Patientenmanagement und die medizinische Therapie. Im Vergleich zum bisherigen Diagnoseverfahren, bei dem mit einem aufwändigen operativen Eingriff Hormonwerte an der Nebenniere gemessen werden, handelt es sich um eine nicht-invasive Diagnostik. Um das Potenzial von PENTIXAFOR zu untersuchen, rekrutiert das RUMC bis zu 300 Patienten.

Das RUMC hat mit großem Erfolg begonnen, den ersten Patienten mit PENTIXAFOR zu untersuchen. Hochauflösende Bilder zeigen das Potenzial des nicht-invasiven PET-Radiodiagnostikums PENTIXAFOR. Einer der leitenden Prüfärzte der CASTUS-Studie, Professor J. F. Langenhuijsen erklärt: "Durch die höhere Sensitivität von PENTIXAFOR können wir die Lage des Nebennierentumors viel genauer bestimmen und möglicherweise den bisherigen, invasiven Goldstandard AVS für die Diagnose in der Zukunft ersetzen. Weitere Studien sind erforderlich, um den vielversprechenden prognostischen Wert von PENTIXAFOR zu Beginn oder während der Behandlungsbewertung zu bestimmen."

"Die Tatsache, dass eines der führenden Zentren in den Niederlanden wie das RUMC beschlossen hat, selbst an PENTIXAFOR zu arbeiten, zeigt das große Interesse, ein neues Diagnostikum für Nebennierenerkrankungen zu finden, und könnte den Weg zu zusätzlichen therapeutischen Alternativen ebnen. Mit der CASTUS-Studie hat PentixaPharm die Möglichkeit, neben seiner Kernentwicklungsstrategie in der Onkologie einen weiteren Therapiebereich zu erschließen", kommentiert Dr. Hakim Bouterfa, Gründer und Geschäftsführer der PentixaPharm GmbH. "Wir freuen uns, dass wir Professor J. F. Langenhuijsen, Professor J. Deinum und Professor M. Gotthard als Hauptprüfer für diese Studie gewinnen konnten."

Eckert & Ziegler (ISIN DE0005659700, TecDAX), der Inhaber der Rechte an der zugrundeliegenden [68Ga]Ga-PentixaFor PET-Verbindung, unterstützt das RUMC-Team durch die Bereitstellung von PENTIXAFOR. Im Gegenzug erhält Eckert & Ziegler Zugang zu den Studienergebnissen. PENTIXAFOR wird von der Eckert & Ziegler Tochter PentixaPharm GmbH als hochsensibles Diagnostikum für ein Portfolio von hämato-onkologischen Malignomen, darunter Myelome und Lymphome, entwickelt.

2021 erteilte die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) Eckert & Ziegler grünes Licht für den direkten Sprung in eine klinische Prüfung der Phase III für PENTIXAFOR und ermöglichte dem Unternehmen damit, eine Reihe zeitraubender Evaluierungsschritte einzusparen. Seit Ende Dezember ist das Phase III-Studiendesign in Amsterdam zur Prüfung eingereicht. Die EMA hat den Start der Begutachtung, der für den 7. März 2022 geplant war, jedoch vor kurzem um zwei Monate verschieben müssen, weil eine “außergewöhnlich hohe Nummer an Anträgen” auf einen durch Corona dezimierten Pool von Gutachtern traf und ihre Bearbeitungskapazitäten nicht ausreichen. Die klinische Prüfung der Phase III soll etwa 5 Monate nach Beginn der Begutachtung starten und etwa 500 Patienten in einer PAN-Krebsstudie mit europäischer Beteiligung einschließen.

Die CASTUS-Studie wird von ZonMW, der nationalen niederländischen Organisation für Gesundheitsforschung und Innovation im Gesundheitswesen unterstützt.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den führenden Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet weltweit an seinen Standorten Dienstleistungen und Produkte im Bereich der Radiopharmazie an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.
 

Quelle: Pressemeldung Eckert & Ziegler
Eckert & Ziegler: Radboud University Medical Center in den Niederlanden behandelt ersten Patienten mit PENTIXAFOR

forschen / 06.04.2022
Ranghohe Nacktmulle sind widerstandsfähiger

Begegnungen im Tunnel sind Statuswettbewerbe: Das ranghöhere Tier bewegt sich über das ihm unterlegene hinweg. Foto: Colin Lewin
Begegnungen im Tunnel sind Statuswettbewerbe: Das ranghöhere Tier bewegt sich über das ihm unterlegene hinweg. Foto: Colin Lewin

Nacktmulle sind immer wieder für eine Überraschung gut. Die MDC-Arbeitsgruppe von Gary Lewin hat jetzt herausgefunden, dass Tiere mit einem höheren Rang den sozial schwächeren wahrscheinlich auch in immunologischer Hinsicht überlegen sind. Seine Ergebnisse beschreibt das Team in „Open Biology“.

Sie sehen nicht nur ungewöhnlich aus, sie haben auch einen ungewöhnlichen Lebensstil: Ihr gesamtes Leben verbringen Nacktmulle unter der Erde. Sie kennen kaum Schmerz, erkranken nur äußerst selten an Krebs und werden für Nagetiere extrem alt; bis zu 37 Jahre. All das macht die nackten Tunnelbewohner zu besonders interessanten Tieren für die Wissenschaft.

Seit beinahe 20 Jahren erforscht Professor Gary Lewin am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) diese außergewöhnlichen Tiere. „Die Nacktmulle leben in straff organisierten Kolonien. Jedes Tier kennt seinen Rang und die damit verbundenen Aufgaben“, sagt Lewin. Gerade ist seiner Arbeitsgruppe „Molekulare Biologie der sensomotorischen Wahrnehmung“ gemeinsam mit Wissenschaftler*innen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), der Freien Universität Berlin und der Universität von Pretoria eine neue Entdeckung gelungen: Im Fachjournal „Open Biology“ schreiben die Forscher*innen, dass Nacktmulle mit höherem sozialen Rang eine größere Milz haben. Das Organ spielt eine wichtige Rolle im Immunsystem: Es ist an der Bildung, Reifung und Speicherung von Immunzellen beteiligt. „Das könnte bedeuten, dass ranghöhere Tiere eine bessere körpereigene Abwehr haben als Tiere, die unter ihnen stehen“, sagt Erstautorin Dr. Valérie Bégay aus Lewins Team.

Vergrößerte Milz ohne jegliche Krankheitszeichen

Weil die schrumpligen Würstchen auf vier Beinen so besonders sind, untersucht Dr. Valérie Bégay jeden einzelnen Nacktmull, der in einem Versuch zum Einsatz kommt. Dabei fiel ihr auf, dass bei einigen Tieren die Milz größer ist als bei anderen. Das machte sie stutzig. „Wir dachten zunächst, dass die Tiere mit der größeren Milz krank sind“, erzählt die Forscherin. Denn wenn der Körper gegen eine Entzündung oder Krankheit kämpft, vergrößert sich das Organ, weil dort viele Immunzellen gebildet und gespeichert werden. „Doch wir konnten nichts finden: weder Entzündungsmarker im Blut noch andere Hinweise auf eine Erkrankung. Hinter der vergrößerten Milz musste etwas anderes stecken.“

Dass die Größe der Milz vom Status des Tieres abhängt, fand Valérie Bégay mit Unterstützung von Dr. Alison Barker heraus. Die Wissenschaftlerin, die zuletzt die Dialekte der Mulle erforscht hat, kennt sich mit Experimenten für die Verhaltensforschung bestens aus. Um ihre Rangordnung zu bestimmen, lässt man zwei Nacktmulle in einer Röhre aufeinander zu laufen. „Das Tier mit dem höheren Rang wird dabei immer über das rangniedrigere Tier hinwegsteigen“, sagt Alison Barker, „es behält sozusagen die Oberhand.“

Ranghöhere Tiere kommen besser mit Krankheiten zurecht

So erkannten die Forscher*innen, dass es die höhergestellten Tiere sind, deren Milz vergrößert ist. Dann untersuchte Valérie Bégay die Organe auch auf molekularer Ebene. Mittels RNA-Sequenzierung und der Analyse von Gewebeproben klassifizierte sie die verschiedenen Immunzellen in der Milz. Dabei zeigte sich, dass in den vergrößerten Organen die Zahl der Makrophagen erhöht ist. Makrophagen sind so etwas wie die Abwehrsoldaten des Körpers. Sie beseitigen Krankheitserreger, indem sie sie umschließen und verdauen. Deshalb werden sie auch Fresszellen genannt. „Die vergrößerte Milz könnte die ranghöheren Tiere also in die Lage versetzen, Infektionen besser zu bekämpfen und mit Entzündungen oder Verletzungen leichter fertig zu werden“, erklärt Valérie Bégay.

Das stärkere Immunsystem bei höherstehenden Tieren ist kein Alleinstellungsmerkmal der Nacktmulle. Auch bei Makaken sind die Ranghöheren besser gegen Krankheiten gefeit. Allerdings ist bei den Affen nicht die Milz vergrößert, sondern das Immunsystem anders organisiert. „Dass es solche großen Unterschiede bei der Größe der Milz geben kann, ohne dass eine Krankheit vorliegt, hat uns wirklich überrascht“, sagt Gary Lewin. „Der Rang eines Nacktmulls hängt davon ab, wie er sich in der Gruppe verhält. Die Größe der Milz hängt wiederum mit dem Rang zusammen. Das würde letztlich bedeuten, dass das Verhalten direkt die physischen Eigenschaften des Immunsystems beeinflusst. Oder umgekehrt.“

Die Königin kennt keine Menopause

Die Forscher*innen vermuten außerdem, dass die Milz auch die Langlebigkeit der Tiere beeinflusst. Erfolgreiche Nacktmulle, also diejenigen, die sich am besten gegen die anderen durchsetzen, leben länger. Die Königin stirbt in der Regel nicht an ihrem Alter, sondern fällt meist einem Mord zum Opfer – nämlich dann, wenn ein anderes Weibchen männliche Anhänger um sich schart und die alte Königin aus dem Weg räumen lässt. „Bis zu ihrem letzten Tag ist die Königin fruchtbar“, sagt Gary Lewin. „Sie kennt keine Menopause – als würde ihr Organismus nicht altern.“ Das deutet zumindest darauf hin, dass ein starkes Immunsystem den Alterungsprozess verlangsamt. Für gewöhnlich bringen Säugetiere nicht bis an ihr Lebensende Nachkommen hervor, auf die fruchtbare folgt eine reproduktionsfreie Phase.

Den Wissenschaftler*innen stellen sich nun weitere Fragen. Etwa: Was ist zuerst da – die größere Milz oder der höhere Rang? Das ist bislang nicht geklärt. Klar ist nur, dass Nacktmulle nicht in ihren sozialen Status hineingeboren werden, sondern sich hocharbeiten. Ihre Triebfeder könnte das Verlangen nach Sex sein: Nur die Ranghöchsten – die Königin und zwei bis drei Paschas – dürfen sich vermehren. „Es könnte sich um einen Selektionsmechanismus handeln“, überlegt Gary Lewin. „Indem sich nur die Erfolgreichsten paaren, ist gewährleistet, dass die Tiere mit dem stärksten Immunsystem ihre Gene weitergeben.“

Auch für die Krebsforschung erhofft sich Gary Lewin neue Einblicke. Nacktmulle verfügen offenbar über ein sehr effizientes Krebsabwehrsystem. Ob die Milz daran beteiligt ist, müssen weitere Zellanalysen erst zeigen. „Da sind wir noch ganz am Anfang“, betont der MDC-Wissenschaftler.

Weitere Informationen

Literatur

Valérie Bégay et al (2022): „Immune competence and spleen size scale with colony status in the naked mole-rat“, in: Open Biology, DOI: https://doi.org/10.1098/rsob.210292

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

Quelle: Pressemitteilung auf der Webseite des MDC:
Ranghohe Nacktmulle sind widerstandsfähiger

heilen / 05.04.2022
Sarkomzentrum am Helios Klinikum Berlin-Buch ist Teil des EURACAN Netzwerkes

Priv.-Doz. Dr. med. Per-Ulf Tunn (li) und Priv.-Doz. Dr. med. Peter Reichardt freuen sich sehr über die erfolgreiche Bewerbung bei EURACAN. (Archivfoto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Priv.-Doz. Dr. med. Per-Ulf Tunn (li) und Priv.-Doz. Dr. med. Peter Reichardt freuen sich sehr über die erfolgreiche Bewerbung bei EURACAN. (Archivfoto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

EU-weiter Zusammenschluss von Expertenzentren

Seit dem 17. März ist es offiziell: Das Sarkomzentrum am Helios Klinikum Berlin-Buch ist jetzt Teil des Europaweiten Netzwerkes für seltene Tumoren bei Erwachsenen (European Reference Network EURACAN). Damit ist das Bucher Klinikum nach einem zweijährigen Bewerbungs- und Auswahlprozess die einzige Helios Klinik, die im EURACAN Netzwerk vertreten ist. Ziel dieses Netzwerkes ist die Verbesserung der Versorgungsqualität für alle europäischen Bürgerinnen und Bürger, die von seltenen Krebserkrankungen betroffen sind, sowie die Gewährleistung des Zugangs zu Innovationen in allen Mitgliedstaaten der EU.

Sarkome sind eine der komplexesten Krebsdiagnosen. Die Zahl der Sarkom-Neuerkrankungen in Deutschland wird auf ungefähr 5.000 pro Jahr geschätzt. Die Tumoren sind selten, oft aggressiv und schwer zu behandeln. Gerade deswegen sollten Betroffene die Sarkomtherapie in ausgewiesenen Spezial- bzw. Referenzzentren durchführen lassen. Das Sarkomzentrum am Helios Klinikum Berlin-Buch wurde nun offiziell als EURACAN Expert Center im europäischen Referenznetzwerk (ERN) aufgenommen und ist somit eines von vier wichtigen Onkologischen Zentren in Deutschland, die sich auf die Sarkombehandlung spezialisiert haben und im EURACAN Referenznetzwerk vertreten sind. Hier werden Betroffene von ausgewiesenen Expertinnen und Experten behandelt.

Priv.-Doz. Dr. med. Peter Reichardt, Chefarzt der Klinik für Onkologie und Palliativmedizin und Leiter des Sarkomzentrums, erklärt: „Von der herausfordernden Diagnostik, über die verschiedenen Möglichkeiten in der chirurgischen Therapie und der Strahlentherapie, bis hin zu innovativen Ansätzen in der medikamentösen Therapie von Sarkomen: Das Sarkomzentrum am Helios Klinikum Berlin-Buch verfügt über eine außergewöhnliche Expertise in der Behandlung und Erforschung dieser Krebsart, die wir fachübergreifend zum Wohle der Patientinnen und Patienten bündeln.“

Priv.-Doz. Dr. med. Per-Ulf Tunn, Chefarzt der Klinik für Tumororthopädie und ebenfalls Leiter des Sarkomzentrums im Helios Klinikum Berlin-Buch, ergänzt: „Wir freuen uns sehr über die erfolgreiche Bewerbung und auf den Austausch sowie die Zusammenarbeit in diesem internationalen Team. Wir hoffen mit unserer Fachexpertise die Versorgung von Betroffenen mit seltenen Tumorerkrankungen nachhaltig verbessern zu können.“

European Reference Network (ERN)

Bei den sogenannten ERNs handelt es sich um 24 europäische Referenznetzwerke, in denen mehr als 900 Einheiten aus 300 Krankenhäusern in Europa zusammenarbeiten. Diese patientenzentrierten virtuellen Netzwerke, an denen Gesundheitsdienstleister und Patientenvertreter aus ganz Europa beteiligt sind, zielen darauf ab, komplexe oder seltene Krankheiten und Leiden zu bekämpfen, die eine hochspezialisierte Behandlung sowie konzentriertes Wissen und Ressourcen erfordern. Als Teil der European Reference Networks befasst sich EURACAN speziell mit der Optimierung der Behandlung von erwachsenen Patientinnen und Patienten mit seltenen soliden Tumoren (RAre CANcers). EURACAN deckt insgesamt zehn Krankheitsdomänen ab. Eine Domäne davon ist der Bereich „Sarkome“.

Im Rahmen der Bewerbung für eine Domäne des Europäischen Referenznetzwerkes wird die Qualifikation eines Zentrums individuell geprüft. Das Sarkomzentrum am Helios Klinikum Berlin-Buch wurde durch die internationalen Gutachterinnen und Gutachter für die Sarkome positiv bewertet. Durch die Mitarbeit im ERN unterstützt das Bucher Sarkomzentrum das EURACAN Netzwerk in der Umsetzung seiner Ziele. Diese umfassen zum Beispiel den verbesserten Zugang zu molekularer Diagnostik oder zu modernen Therapieverfahren in ganz Europa. Verwirklicht wird dies durch die Entwicklung von klinischen Leitlinien und durch die Ausarbeitung gemeinsamer Fort- und Weiterbildungskonzepte. Des Weiteren dient das Netzwerk als Plattform für den Austausch mit Patientinnen und Patienten und erleichtert die internationale Vernetzung und Zusammenarbeit.

Einen Überblick zum Referenznetzwerk EURACAN gibt es unter: euracan.ern-net.eu

Über das Sarkomzentrum am Helios Klinikum Berlin-Buch

Das Sarkomzentrum am Helios Klinikum Berlin-Buch ist national und international eines der größten Zentren mit umfassender Expertise und jahrzehntelanger Erfahrung bei der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Knochen- und Weichgewebssarkomen. Wenige spezialisierte Zentren haben die nötige Erfahrung mit den seltenen Tumoren. Unser Sarkomzentrum ist seit Oktober 2008 von der Arbeitsgemeinschaft Knochentumoren e.V. als erstes „Interdisziplinäres Zentrum für Knochentumoren“ in Deutschland anerkannt. Im Sarkomzentrum wird die enge fachübergreifende Zusammenarbeit besonders spezialisierter Ärztinnen und Ärzte aus den Fachgebieten Medizinische Onkologie, Tumororthopädie, Chirurgische Onkologie, Thoraxchirurgie, Strahlentherapie, Kinderonkologie, Radiologie und Gewebediagnostik unter Einbeziehung der Psychoonkologie, des psychosozialen Dienstes und der Physiotherapie sichergestellt.

Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 1.000 Betten in mehr als 60 Kliniken, Instituten und spezialisierten Zentren sowie einem Notfallzentrum mit Hubschrauberlandeplatz. Jährlich werden hier mehr als 55.000 stationäre und über 144.000 ambulante Patienten mit hohem medizinischem und pflegerischem Standard in Diagnostik und Therapie fachübergreifend behandelt, insbesondere in interdisziplinären Zentren wie z.B. im Brustzentrum, Darmzentrum, Hauttumorzentrum, Perinatalzentrum, der Stroke Unit und in der Chest Pain Unit. Die Klinik ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als Onkologisches Zentrum und von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetiker geeignet DDG“ zertifiziert.

Gelegen mitten in Berlin-Brandenburg, im grünen Nordosten Berlins in Pankow und in unmittelbarer Nähe zum Barnim, ist das Klinikum mit der S-Bahn (S 2) und Buslinie 893 oder per Auto (ca. 20 km vom Brandenburger Tor entfernt) direkt zu erreichen.
Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 125.000 Mitarbeitenden. Zum Unternehmen gehören unter dem Dach der Holding Helios Health die Helios Kliniken in Deutschland sowie Quirónsalud in Spanien und Lateinamerika und die Eugin-Gruppe mit einem globalen Netzwerk von Reproduktionskliniken. Mehr als 22 Millionen Patient:innen entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios. 2021 erzielte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von rund 10,9 Milliarden Euro.

In Deutschland verfügt Helios über 89 Kliniken, rund 130 Medizinische Versorgungszentren (MVZ), sechs Präventionszentren und 17 arbeitsmedizinische Zentren. Jährlich werden in Deutschland rund 5,4 Millionen Patient:innen behandelt, davon 4,4 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland mehr als 75.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 6,7 Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.

Quirónsalud betreibt 56 Kliniken, davon sieben in Lateinamerika, 88 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 17 Millionen Patient:innen behandelt, davon 16,1 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt mehr als 46.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 4 Milliarden Euro.

Das Netzwerk der Eugin-Gruppe umfasst 33 Kliniken und 39 weitere Standorte in zehn Ländern auf drei Kontinenten. Mit rund 1.600 Beschäftigten bietet das Unternehmen ein breites Spektrum modernster Dienstleistungen auf dem Gebiet der Reproduktionsmedizin an und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 133 Millionen Euro.

Helios gehört zum Gesundheitskonzern Fresenius.

forschen, bilden / 05.04.2022
Forschung zum Anfassen

Claudia Jacob (Foto: Peter Himsel)
Claudia Jacob (Foto: Peter Himsel)

Erklären ist ihre Leidenschaft: Diplom-Biologin Claudia Jacob leitet das Gläserne Labor auf dem Campus Berlin-Buch. Dort bietet sie Schüler*innen die Möglichkeit, die Naturwissenschaften zu erkunden, zu experimentieren und sich mit Wissenschaftler*innen auszutauschen – vielleicht auch, um selbst mal eine*r zu werden.

Wenn sie die Kinder und Jugendlichen zu einem Neurobiologie-Kurs begrüßt, stattet Claudia Jacob die Schüler*innen erst einmal mit besonderen Brillen aus und lässt sie dann im Foyer des Max Delbrück Communications Center Ball spielen. Schnell breitet sich Gelächter über die plötzliche eigene Unbeholfenheit aus. Die Brillen ändern den Sehwinkel, das Werfen und Fangen funktioniert überhaupt nicht – so fühlt es sich an, wenn unser Gehirn und das Nervensystem nicht richtig arbeiten. „Dieser Beginn schürt die Neugier auf das Thema”, sagt Claudia Jacob. Sie leitet das Gläserne Labor, eine Bildungseinrichtung im Wissenschafts- und Biotechnologiepark Campus Berlin-Buch. Das Schülerlabor wird gemeinsam vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), dem Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und der Campus Berlin-Buch GmbH betrieben. Zahlreiche Förder-Institutionen und Sponsor*innen unterstützen es, darunter auch die auf dem Campus ansässige Eckert & Ziegler AG.

Claudia Jacob leitet das Gläserne Labor seit 2015. Nach einer Ausbildung zur chemisch-biologischen Assistentin hat sie Biologie und Umweltmanagement studiert. Ihr Studium finanzierte sie mit einer Halbtagsstelle an der Freien Universität Berlin. Bei der Arbeit mit jüngeren Studentinnen und Studenten merkte Claudia Jakob, dass sie gern erklärt. Also wurde sie Dozentin – und bewarb sich schließlich beim Gläsernen Labor, wo sie 2004 die Leitung des MDC-Schülerlabors übernahm. „Das Labor ist eine echte Perle”, sagt sie. Im Interview erklärt sie, warum.

Hier können Schüler*innen CRISPRn

Seit wann gibt es das Gläserne Labor?

Claudia Jacob: Das Gläserne Labor öffnete seine Labortür im Jahr 1999. Die Idee dazu hatte MDC-Gründungsdirektor Prof. Detlev Ganten: Es war zunächst als Informationszentrum zum Thema Gen- und Biotechnologie für eine allgemeine Öffentlichkeit gedacht. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern experimentieren, den Besucher*innen erklären, was auf dem Campus Berlin-Buch passiert, was Grundlagenforschung ist, wie Wissenschaft funktioniert. Es haben dann aber recht schnell Lehrkräfte ihren Bedarf an außerschulischen Experimentiermöglichkeiten angemeldet. Und so ist das Gläserne Labor schon bald zu einem der größten Schülerlabore Deutschlands geworden. Jährlich besuchen uns etwa 14.000 Schüler*innen und Lehrer*innen vor allem aus Berlin und Brandenburg.

Was bietet das Gläserne Labor an?

Claudia Jacob: Wir haben insgesamt sechs Labore, in denen wir für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe über 20 Experimentierkurse anbieten. Zu den Themen der Kurse gehören Molekularbiologie, Zellbiologie, Neurobiologie, Chemie, Radioaktivität sowie Ökologie. Wir gehören zu den wenigen Schülerlaboren in Deutschland, in denen Jugendliche Experimente mit CRISPR-Cas9 durchführen können. Daneben bieten wir aber auch Experimentierangebote für Grundschüler*innen oder in unserem Forschergarten sogar für die Kleinsten im Kindergartenalter. Zusätzlich haben wir Arbeitsgemeinschaften, in denen Schüler*innen naturwissenschaftliche Ausbildungsberufe kennenlernen und zu Themen wie Artenvielfalt, 3D-Druck oder naturwissenschaftlichen Phänomenen experimentieren können. Es gibt auch Ferienkurse, in denen Jugendliche herausfinden können, wie Laborarbeit aussieht, inklusive Besuch in einem Forschungslabor und dem Austausch mit Wissenschaftler*innen.

Verständnis schaffen, Begeisterung wecken

Sie machen also sozusagen Nachwuchswerbung für die Naturwissenschaften?

Claudia Jacob: Wir wollen mit unseren Angeboten erreichen, dass sich die Kinder und Jugendlichen für die Naturwissenschaften interessieren - und im besten Fall begeistern. Und ja: Die Ausbildungs- und Studienberatung machen wir gleich mit. Es müssen nicht alle studieren. Es gibt viele Ausbildungsberufe hier auf dem Campus. Neben Biologie- und Chemielaborant*in kann man hier zum Beispiel auch Tierpfleger*in, Fachinformatiker*in für Systemintegration, Medizinisch-technische*r Laboratoriumsassistent*in oder Kauffrau*mann für Büromanagement werden. Wir haben für ein Projekt eine Tierpflegerin porträtiert, die begeistert erklärt, wie wichtig ihr Beruf für die Forschung ist und welchen Stellenwert das Tierwohl hat. Im Gläsernen Labor können Jugendliche auch ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolvieren, in dem sie erst einmal ausprobieren können, ob ein naturwissenschaftlicher Beruf das Richtige für sie ist. Aber unsere Nachwuchsarbeit geht noch darüber hinaus.

Inwiefern?

Claudia Jacob: Im Rahmen des Sonderforschungsbereiches „Einrüstung von Membranen: Molekulare Mechanismen und zelluläre Funktionen“ (SFB 958) – Sprecher ist Professor Stephan Sigrist von der Freien Universität Berlin – gibt es ein Teilprojekt zur Öffentlichkeitsarbeit unter der Leitung von Professorin Petra Skiebe-Corrette und Professor Dirk Krüger, ebenfalls FU. Das Gläserne Labor und das NatLab der FU sind involviert. Doktorand*innen im SFB 958, Lehramtsstudierende der FU Berlin , Schüler*innen, Lehrkräfte und die interessierte Öffentlichkeit können hier lernen, wie Wissenschaftskommunikation funktioniert. Die Doktorand*innen erstellen dafür kurze Videos. In einem anderen Teilprojekt des SFB entwickelt die Arbeitsgruppe von Professor Oliver Daumke vom MDC einen Versuch zur Kristallisation und Röntgenstrukturanalyse von Membranproteinen. Dieses Experiment wird in unsere bestehenden Neurobiologiekurse für Schüler*innen sowie in die des NatLab der Universität integriert werden. Gleichzeitig erhalten die Schüler*innen mit Hilfe der Videos ein Einblick in die Membranforschung.

Fortbildung – auch fürs Fernsehen

Die Angebote des Gläsernen Labors beschränken sich nicht auf Schüler*innen?

Claudia Jacob: Nein. Wir bieten Fortbildungen für Biologie- und Chemielehrkräfte oder auch Vorlesungen an. Gerade jetzt, in Zeiten des Lehrer*innenmangels, erfahren wir einen sehr großen Zulauf. Daneben gibt es in unserer Akademie des Gläsernen Labors Weiterbildungen für Fachkräfte in den Life Sciences. Das Themenspektrum reicht von der PCR über die gute klinische Praxis bis hin zur Aktualisierung für Projektleitung und Beauftragte für Biologische Sicherheit und Patentrecht. Ein Thema ist auch, welche Karrierewege in der Wissenschaft möglich sind. Die Dozentinnen und Dozenten kommen aus dem MDC, dem FMP oder auch aus der Industrie und Wirtschaft.

Das ist eine ganze Menge.

Claudia Jacob: Und noch längst nicht alles. Auch Film und Fernsehen haben uns als Experten entdeckt. Kürzlich hatten wir eine Anfrage vom ZDF, es ging um die Produktion von Impfstoffen. Die Redaktion wollte wissen, ob sie die Laborsituation korrekt dargestellt hatte. Ich war sehr froh über diese Anfrage! Ich ärgere mich immer, wenn ich im Fernsehen Labore sehe, in denen es in Glaskolben blubbert, zischt und dampft, was mit der Realität nicht so viel zu tun hat.

Arbeiten Sie regelmäßig mit Wissenschaftler*innen des MDC zusammen?

Claudia Jacob: Selbstverständlich! Wir wollen das noch vertiefen. Die Ideen und Impulse aus den Arbeitsgruppen sind uns sehr wichtig. Wenn wir beispielsweise im Neurobiologiekurs das Thema Alzheimer behandeln, ist es zum Beispiel toll, dass mir Professor Thomas Willnow ein Präparat von einem Gehirnschnitt gibt. Manchmal reicht uns auch einfach eine schöne Geschichte.

Persönliche Geschichten erleichtern den Zugang

Können Sie ein Beispiel nennen?

Claudia Jacob: Geschichten, die uns helfen, die Forschung interessant zu erzählen. Von Herrn Willnow wissen wir zum Beispiel, dass er ursprünglich aus der Herz-Kreislaufforschung kommt und eher durch Zufall auf das Thema Alzheimer gestoßen ist. Heute ist er darin Experte. Wenn ich solche persönlichen Geschichten erzählen kann, finden das die Schüler*innen meistens sehr spannend.

Hat sich die Arbeit im Gläsernen Labor durch Corona verändert?

Claudia Jacob: Durch den Lockdown haben wir es jetzt oft mit jungen Menschen zu tun, die noch nie ein Labor von innen gesehen und eine Pipette in der Hand gehalten haben. Außerdem haben wir während dieser Phase erstmals Video-Experimentierkurse angeboten. Das war auch für uns ein großes Experiment! Wir mussten das ganze Labor umbauen, es war gar nicht so einfach, die Beleuchtung und die Kamerafrau da unterzubringen. Ein Kollege hat die Versuche bei sich zu Hause gemacht, er wurde dann dazu geschaltet. Das war schon eine spannende Erfahrung. Aber ich bin sehr froh, dass unsere Kurse wieder auf dem Campus in unseren Laboren stattfinden. Persönliche Begegnungen sind einfach besser.

Wissen über Wissenschaft vermitteln – wichtiger denn je

Erhalten Sie Feedback auf die Kurse?

Claudia Jacob: Viele Studierende sagen uns, dass wir besser ausgerüstet sind als die Unis. Darauf sind wir ein bisschen stolz. Als ich beim Gläsernen Labor angefangen haben, war das noch nicht so. Wir haben sehr viele Förderanträge geschrieben und auf diese Weise eine bessere Ausstattung finanziert. Von den Eltern hören wir oft, dass die Forscherferien, die wir übrigens auch für die Kinder von Campus-Mitarbeiter*innen anbieten, für ihre Jungen und Mädchen ganz toll waren – das freut uns natürlich sehr! Dann gibt es viele Lehrer*innen, die schon seit Jahren mit ihren Schüler*innen zu uns kommen. Aber auch junge Leute besuchen uns oft mehr als einmal. Nach einem Kurs fragen Schüler*innen, ob sie ein Praktikum bei uns machen können, um sich auf die Präsentationsprüfung in der zehnten Klasse vorzubereiten. Das ermöglichen wir ihnen gern. Zum Beispiel hatten wir einmal eine Schülerin, die mikroskopisch untersuchen wollte, welche Stärke sich besonders gut für ökologische Windeln eignet – Mais-, Kartoffel- oder Reisstärke? Die Reisstärke war’s. Von den Mitarbeiterinnen in unserer Ausbildungszentrale höre ich außerdem immer wieder, dass die meisten Bewerber*innen bereits als Schüler*in im Gläsernen Labor waren. Ich nehme an, dann hat es ihnen bei uns gefallen.

Was schätzen Sie an Ihrer Arbeit besonders?

Claudia Jacob: Es ist mir ein Anliegen, den jungen Menschen Wissenschaftsmündigkeit zu vermitteln – gerade heute, da so viele Wissenschaftsskeptiker auf den Plan treten und ihre selbsterfundenen Wahrheiten im Internet verbreiten. Für viele Menschen ist es sehr schwer, zwischen echten und den sogenannten “alternativen Fakten” zu unterscheiden. Ich hoffe, dass ich dabei helfen kann.

Das Interview führte Jana Ehrhardt-Joswig.

Zuerst erschienen auf https://www.mdc-berlin.de/de/news/news/forschung-zum-anfassen

Quelle: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
Forschung zum Anfassen

bilden / 05.04.2022
#EUwomen: Ausstellung zur Gleichberechtigung und Rolle der Frauen in der EU noch bis 4. Mai 2022 im Rathaus Pankow

Blick in die Ausstellung #EUwomen im Rathaus Pankow, Foto: Bezirksamt Pankow
Blick in die Ausstellung #EUwomen im Rathaus Pankow, Foto: Bezirksamt Pankow

Besucher:innen können Ideen zur Zukunft Europas einreichen

Wenn es um die Geschichte der Europäischen Union geht, dann ist oft von Vordenkern und Gründervätern die Rede. Dass auch Frauen aktiv und wegweisend an der Entwicklung und Umsetzung der europäischen Idee mitgewirkt haben, ist dagegen wenig bekannt. Die Wanderausstellung „#EUwomen. Frauen in der europäischen Politik. Erfolge, Chancen und Hürden“ beschäftigt sich mit Frauen, die die europäische Integration mitgestaltet haben oder noch heute mitgestalten. Im Vorfeld der diesjährigen Europa-Woche wird sie noch bis zum 4. Mai 2022 im Rathaus Pankow gezeigt. Die Ausstellung präsentiert Pionierinnen der europäischen Politik und greift darüber hinaus weitere Aspekte zur Chancengleichheit in EU-Institutionen und ihren Mitgliedstaaten auf.

Wer die Ausstellung im Rathaus Pankow besucht, kann in eigene Meinungen und Vorschläge zu wichtigen Zukunftsthemen der europäischen Politik aufschreiben und in eine aufgestellte Box einwerfen. Diese „Boxen-Aktion“ findet im Rahmen der Konferenz zur Zukunft Europas statt. Die Zukunfts-Konferenz bietet bei vielfältigen Veranstaltungen und Foren interessierten Bürger:innen die Möglichkeit, sich über die künftige Entwicklung in Europa austauschen. Die im Rathaus Pankow eingereichten Hinweise werden von der EU-Beauftragten des Bezirks Pankow, Dr. Ute Waschkowitz nach dem Ende der Ausstellung gesichtet und an die Plattform der Konferenz zur Zukunft Europas weitergeleitet. Das Europäische Parlament, der Rat und die Europäische Kommission haben sich verpflichtet, die Empfehlungen aus allen EU-Ländern in ihrem weiteren Handeln aufzugreifen. 

Die Wanderausstellung #EUwomen ist ein Projekt der Europaabteilung der Freien Hansestadt Bremen, gefördert durch die Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland. Im Anschluss wird sie im Mai im Fontanehaus in Reinickendorf und im Juni im Rathaus Spandau gezeigt.

Noch bis zum 4. Mai 2022 ist #EUwomen von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr in der 2. Etage des Rathauses Pankow (Breite Straße 24a-26, 13187 Berlin) kostenfrei zugänglich. Das Rathaus bleibt an Feiertagen geschlossen.

Weitere Informationen zur Konferenz zur Zukunft Europas: https://futureu.europa.eu

forschen / 01.04.2022
Ausgezeichnete Wissenschaftskommunikation

V.l.n.r.: Stephanie Sturm, Jana Schlütter, Jutta Kramm, Karoline Knop, Felix Petermann; von oben nach unten: Anke Brodmerkel, freelance writer and author of the text, Christina Anders, Silvio Schwartz, © Felix Petermann, MDC
V.l.n.r.: Stephanie Sturm, Jana Schlütter, Jutta Kramm, Karoline Knop, Felix Petermann; von oben nach unten: Anke Brodmerkel, freelance writer and author of the text, Christina Anders, Silvio Schwartz, © Felix Petermann, MDC

Nacktmulle sprechen Dialekt – das war eine der meistzitierten Pressemitteilungen des MDC im vergangenen Jahr. Nun beschert der Text dem Kommunikationsteam eine weitere Freude: den  ersten Platz beim diesjährigen Preis für Wissenschaftskommunikation des Informationsdienstes Wissenschaft.

Die Abteilung Kommunikation des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) wird für ihre Medienarbeit im Jahr 2021 ausgezeichnet und erhält den ersten Preis des Informationsdienstes Wissenschaft (idw). Mit dem Preis für Wissenschaftskommunikation würdigt der idw Pressemitteilungen von hoher handwerklicher Professionalität, überragendem Nachrichtenwert und wissenschaftlicher Bedeutung. Die Nachricht, dass Nacktmullkolonien ihre eigenen Mundarten entwickeln – so wie Menschen beispielsweise Bayrisch oder Sächsisch reden –, hat im vergangenen Jahr internationales Medienecho ausgelöst: „Die Zeit“ und „GEO“ berichteten darüber ebenso wie der „New Scientist“, der niederländische „De Standaard“, der Deutschlandfunk, die BBC oder ARTE. Das Kommunikationsteam des MDC hatte mit seiner prämierten Pressemitteilung auch umfangreiches Film- und Fotomaterial sowie Audiobeispiele für die Medien angeboten. „Das Interesse an dem Thema ist nach wie vor groß“, sagt Jana Schlütter, die stellvertretende Kommunikationsleiterin, „bis heute bekommen wir Anfragen zu dem Thema.“ Insgesamt hatten sich 84 Pressestellen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien um den idw-Preis beworben.

Die Jury begründet ihre Entscheidung damit, dass auf einen „lebendigen und neugierig machenden Einstieg ein klar gegliederter Fließtext folgt mit einer verständlichen, kurzweiligen und zugleich umfassenden Darstellung der erbrachten interdisziplinären Forschungsleistungen. Wir erfahren nicht nur viel über die Kommunikation der Nacktmulle, der Text bringt sie uns auch als soziale Wesen näher. Die Geschichte brachte den Nacktmull aufs Titelbild von ,Science‘. Zum großen internationalen Medienecho hat sicher auch das multimediale Paket aus Text, Bild und – bei diesem Thema natürlich besonders wichtig – Ton beigetragen.“

„Ein Ansporn für unsere Arbeit“

Jutta Kramm, Leiterin der MDC-Kommunikation, sagt zur Preisverleihung: „Wir freuen uns außerordentlich und bedanken uns für diese Auszeichnung. Sie ist für uns ein Ansporn. Wir wollen die biomedizinische Grundlagenforschung am MDC für alle Interessierten zugänglich, verständlich und erlebbar machen und die Prozesse des wissenschaftlichen Arbeitens erläutern. Dabei übertreiben wir nicht und versprechen nicht zu viel. Wie wichtig dies ist, zeigt sich gerade jetzt, wo Wissenschaftskeptiker*innen immer lauter werden.“

Insgesamt 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind am MDC damit befasst, der Öffentlichkeit die Forschungsinhalte des MDC zu vermitteln: in Form von Pressemitteilungen, Fotos und Videos, Ausstellungen und Social-Media-Aktivitäten, im Newsletter und auf der MDC-Webseite. Außerdem richten sie wissenschaftliche Konferenzen aus und organisieren Veranstaltungen für ein breites Laienpublikum, etwa zur Langen Nacht der Wissenschaft oder der Berlin Science Week, und für Schulen. Die Abteilung arbeitet dafür Hand in Hand mit den Wissenschaftler*innen des MDC sowie mit zahlreichen Kommunikationsteams von Partnerinstitutionen im In- und Ausland.

Die Nacktmulle sind besondere Versuchstiere am MDC: Sie kennen keinen Schmerz und keinen Krebs, sie werden sehr alt. Sie bilden Staaten und leben in freier Wildbahn unter extremen Bedingungen. „Das macht sie für die Wissenschaft – und für die Öffentlichkeit – interessant“, sagt Jana Schlütter. „In unserer Verantwortung liegt es, auch die damit verbundenen Tierversuche einzuordnen und zu zeigen, wozu sie gut sind.“

Pressemitteilung mit Wow-Effekt

Die ausgezeichnete Pressemitteilung stellt eine Science-Studie aus der Arbeitsgruppe „Molekulare Physiologie der somatosensorischen Wahrnehmung“ von Professor Gary Lewin vor. Gemeinsam mit Dr. Alison Barker aus seinem Team und mit Forscher*innen der südafrikanischen Universität Pretoria hat Lewin das leise Zwitschern von 166 Nacktmullen mithilfe von Algorithmen analysiert. Dabei haben die Wissenschaftler*innen festgestellt, dass jeder Nacktmull eine unverwechselbare Stimme und jede Kolonie ihren eigenen Dialekt hat. Das stärkt den Zusammenhalt im Nacktmullstaat – und hilft bei der Abgrenzung. „Menschen und Nacktmulle scheinen sich viel ähnlicher zu sein, als irgendjemand hätte ahnen können“, lautet das Fazit von Lewin. „Nacktmulle verfügen über eine Sprachkultur, die sich entwickelt hat, lange bevor es den Menschen überhaupt gab.“

Die zweitplatzierte Pressemitteilung kam vom Institut für Weltwirtschaft, Platz 3 belegte die Pressestelle der Philipps Universität Marburg. Der erste Platz ist mit 2.000 Euro dotiert, für den zweiten Platz gibt es 1.000 Euro, für den dritten Platz 500 Euro.

Weitere Informationen

Kontakt

Jutta Kramm

Leiterin Abteilung Kommunikation
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
+49-30-9406-2140
jutta.kramm@mdc-berlin.de oder presse@mdc-berlin.de

 

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

forschen / 31.03.2022
Methode der Hyper-CEST NMR erklärt den Aufbau eines neuartigen Container-Moleküls

Hyper-CEST als ultra-sensitive Methode der NMR-Spektroskopie weist zwei bislang "versteckte" Strukturen Metall-Organischer Käfige nach (Visualisierung: Barth van Rossum, FMP)
Hyper-CEST als ultra-sensitive Methode der NMR-Spektroskopie weist zwei bislang "versteckte" Strukturen Metall-Organischer Käfige nach (Visualisierung: Barth van Rossum, FMP)

Das Team um Leif Schröder vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) konnte mit Hilfe der Methode der Hyper-CEST NMR zwei bisher wenig erforschte Varianten eines Transportcontainertyps aus der Klasse der Metal Organic Polyhedra (MOP) darstellen. Diese Erkenntnis wollen die Forscher nutzen, um einen neuen Typ von Kontrastmitteln in der MR-Tomographie zu entwickeln.

Das Baukastenprinzip der Transportcontainer erweist sich in vielen Anwendungen als nützlich, um komplexe Strukturen für bestimmte Funktionen aus einzelnen, sich wiederholenden Untereinheiten zusammenzusetzen. In der Chemie kann es genutzt werden, um aus kleineren Moleküleinheiten ein sich selbst formendes Netzwerk zu bilden, das als Transportcontainer mit definierter Größe fungiert. Mehrere Metall-Ionen können etwa mit organischen Molekülen „verstrebt“ werden. Diese MOPs (Metal Organic Polyhedra) werden beispielsweise eingesetzt, um Treibhausgase einzufangen oder bessere Chemotherapeutika zu ermöglichen, indem sie mit bestimmten Wirkstoffen beladen werden, die sie dann im Tumor freisetzen. Etliche Aspekte des Verhaltens dieser Strukturen sind noch unzureichend erforscht. Dies liegt unter anderem daran, dass es nicht immer geeignete Methoden gibt, um das Be- und Entladen dieser MOPs auf molekularer Ebene zu beobachten – oft kann man weder für den Inhalt noch den Container selber Unterschiede zwischen der leeren und der beladenen Variante messen.

In Zusammenarbeit mit einem Team der Universität Oulu in Finnland hat die Arbeitsgruppe von Leif Schröder nun MOPs untersucht, die sich in Lösung spontan aus Eisen-Ionen und einer organischen Verbindung zu Tetraedern zusammensetzen. Dabei können die organischen Verstrebungen unterschiedlich an den „Knotenpunkten“ aus Eisen angebracht werden. Grundsätzlich beeinflusst dies die Eigenschaften der MOPs, u.a. auch in Bezug auf ihre Wirksamkeit, Tumorzellen zu töten. Bei dem hier untersuchten MOP dachte man bislang jedoch immer, dass es nur eine der theoretisch drei vorhergesagten Varianten gibt. Die beiden anderen wurden als zu instabil angesehen, weil sie sich in keiner analytischen Methode nachweisen ließen. Mit einem neuen Verfahren der Magnetresonanz (Hyper-CEST NMR) hat Schröders Mitarbeiter Jabadurai Jayapaul diese bislang fehlenden Varianten nun doch nachweisen können. Die Kollegen aus Finnland konnten mit theoretischen Berechnungen die Signale der „versteckten“ MOPs bestätigen. Sie treten zwar nur in sehr kleinen Anteilen auf, aber die Messungen ergaben, dass die veränderte Anbringung der Streben sehr starke Veränderungen beim Be- und Entladen der Container hervorrufen. Bestimmte Sub-Typen der Container können für eine Beschleunigung des Prozesses ausgewählt werden. Diese Erkenntnis nutzen die Forscher nun, um einen neuen Typ von Kontrastmitteln in der MR-Tomographie zu entwickeln, bei dem die Beladung des Containers das MRT-Signal beeinflusst. Die Beobachtung zeigt aber auch, dass es weiteres Potenzial für neue Einblicke bei der weiteren Optimierung von Wirkstoffträgern gibt. Der erste Eindruck, den man von diesen Strukturen bekommt, muss also nicht immer der richtige sein. Ein wesentlicher Teil ihrer Natur kann im Verborgenen liegen, bis man sie mit wesentlich empfindlicheren Methoden aufspürt.

Publikation

Jabadurai Jayapaul, Sanna Komulainen, Vladimir V. Zhivonitko, Jiři Mareš, Chandan Giri, Kari Rissanen, Perttu Lantto, Ville-Veikko Telkki, and Leif Schröder; Hyper-CEST NMR of metal organic polyhedral cages reveals hidden diastereomers with diverse guest exchange kinetics; Nature Communications; https://doi.org/10.1038/s41467-022-29249-w

produzieren / 30.03.2022
Eckert & Ziegler mit Rekordergebnis im GJ 2021 und positivem Ausblick

Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG (ISIN DE0005659700, TecDAX) erzielte im Geschäftsjahr 2021 einen Umsatz von 180,4 Mio. EUR (Vj. 176,1 Mio. EUR). Der Konzernjahresüberschuss erreichte mit 34,5 Mio. EUR (Vj. 22,9 Mio. EUR) oder 1,67 EUR pro Aktie (Vj. 1,11 EUR) eine neue Rekordmarke.

Im Segment Isotope Products stieg der Umsatz um 7% auf 95,8 Mio. EUR. Der Umsatzanstieg verteilte sich über alle Produktbereiche.
Aufgrund der Entkonsolidierung des Tumorbestrahlungsgeschäfts ging der Umsatz im Segment Medical um 2% auf 84,5 Mio. EUR zurück. Bereinigt um diesen Einmaleffekt generierte das Segment im Vergleich zum Vorjahr zusätzliches Umsatzwachstum. Wachstumstreiber ist weiterhin das Geschäft mit pharmazeutischen Radioisotopen.

Der Finanzmittelbestand zum 31. Dezember 2021 betrug 93,7 Mio. EUR. Gegenüber dem Jahresende 2020 entspricht dies einer Zunahme um 6,2 Mio. EUR. Da das Unternehmen weiterhin profitabel und selbstfinanzierend arbeitet, sieht sich der Vorstand mit den Barmitteln für anstehende Wachstumsinvestitionen gut gerüstet.

Für das laufende Geschäftsjahr 2022 rechnet der Vorstand mit einem Umsatzanstieg auf rund 200 Mio. EUR und einem Jahresüberschuss von rund 38 Mio. EUR. Die Prognose basiert auf einem gewichteten Durchschnittskurs von 1,20 USD pro Euro und steht unter dem Vorbehalt, dass aus den Entwicklungen in der Ukraine weiterhin keine größeren Verwerfungen resultieren.

Vorstand und Aufsichtsrat werden der Hauptversammlung eine Dividende in Höhe von 0,50 EUR pro dividendenberechtigter Aktie (Vj. 0,45 EUR) vorschlagen

Den vollständigen Jahresabschluss 2021 finden Sie hier:
https://www.ezag.com/fileadmin/user_upload/ezag/investors-financial-reports/deutsch/euzj21d.pdf

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.

Pressemitteilung auf der Webseite von Eckert & Ziegler:
Pressemitteilung EZAG

forschen, investieren, produzieren, heilen / 28.03.2022
„Zulassung und Refinanzierung sind eine Herausforderung“

Interview mit Dr. Christina Quensel, Campus Berlin-Buch GmbH, und Dr. Kai Uwe Bindseil, Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH, erschienen in der Ausgabe „Smarte Medizin“ der Plattform Life Sciences 1/22


Berlin ist ein Hotspot der deutschen Biotechszene. Start-ups treffen auf gewachsene Unternehmen. Immer mehr Investoren und Risikokapital zieht es in die Stadt. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens sorgt für zusätzlichen Schub.

Plattform Life Sciences: Frau Dr. Quensel, wie definieren Sie eigentlich „smarte Medizin“? Welche Trends sehen Sie?

Dr. Quensel: Smarte Medizin bedeutet vor ­allem, dichter am Patienten zu sein. Auch wenn Begriffe wie „personalisiert“ oder ­„individualisiert“ schon länger genutzt werden, sind wir im Bereich der digitalisierten Medizin noch relativ am Anfang. Manche Begriffe werden in die Welt gesetzt, bevor wir wirklich auf dem Weg sind. Natürlich ­haben wir im Bereich der Technologie­entwicklung und Datenauswertung in den vergangenen Jahren immense Fortschritte gesehen: Wir können einzelne Zellen auf DNA- und RNA-Level sequenzieren oder das Proteinlevel und den metabolischen Zustand qualitativ und quantitativ bestimmen sowie die entsprechenden Daten anschließend mit Algorithmen auswerten. Ähnlich verhält es sich in der Bildauswertung. All diese Dinge muss man zusammenbringen, vor allem mit den Phänotypen, also den Krankheitsbildern, um eine zielgerichtete Behandlung und ­Therapie zu entwickeln. Auch die Gentherapie gewinnt mit den neuen Technologien eine ganz neue Bedeutung. Man geht neue Wege, weg von den klassischen Vektoren. Smarte Medizin umfasst nicht nur die digitale, sondern auch die biologische Welt.

Am Campus Berlin-Buch sind Sie mit Start-up-Themen sehr vertraut. Wie entwickelt sich aus Ihrer Sicht das Gründungsgeschehen im Bereich der smarten Medizin?

Dr. Quensel: T-knife mit seiner 110-Mio.-USD-Finanzierung aus dem vergangenen Jahr ist natürlich ein hervorragendes Beispiel für die Innovationskraft unseres Standorts. Aktuell sind weitere Ausgründungen aus dem ­benachbarten Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC Berlin) in der Pipeline, beispielsweise ein Projekt im ­Bereich Muskelstammzellen von Dr. med. Verena Schöwel-Wolf aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. med. Simone Spuler, sowie ­weitere Projekte aus der Stammzellforschung. Weiterhin sehen wir eine zunehmende Spezifizierung im Diagnostikbereich.

Herr Dr. Bindseil, welche Rolle spielt die smarte Medizin auf der nächsten BIONNALE?

Dr. Bindseil: In die smarte Medizin spielt der digitale Aspekt natürlich sehr hinein. Hier setzen wir auf der BIONNALE einen Schwerpunkt in der Zusammenarbeit mit der pharma­zeutischen Industrie. Es präsentieren sich kleine und mittelgroße Unternehmen im Rahmen der Veranstaltung, aber auch die großen Pharmakonzerne. „Precision Medicine“ ist ein weiterer Schwerpunkt, speziell mRNA und Immuntherapien. Erstmalig kommt das große Thema Nachhaltigkeit.

Dr.Quensel: Auf der BIONNALE trifft sich die gesamte Biotechbranche aus Berlin-Brandenburg. Zusätzlich wollen wir Ausgründungen an das Event heranbringen und auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, für die das Thema Ausgründung aktuell noch keine Rolle spielt.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen gewachsenen Unternehmen und jungen Akteuren im Bereich der smarten Medizin?

Dr. Bindseil: Dass kleine und große Unternehmen, Wirtschaft und Wissenschaft zusammenarbeiten müssen und frühzeitig Medizin in die Lebenswissenschaften einbezogen werden muss, all das hat sich inzwischen durchgesetzt. Gerade in einem regulierten Markt muss man häufig von hinten aus ­denken: Wer verschreibt und bezahlt ein Produkt? Wer setzt es tatsächlich ein? Wer kann es produzieren? Wir sehen viele Teams, die sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette finden und zusammenkommen. Auch Big Pharma sucht vermehrt die Kooperation mit Start-ups, ebenso wie größere IT-getriebene Firmen. Auf der ­BIONNALE haben wir auch entsprechende Partnering-Formate. Zudem will Big Pharma immer häufiger auch frühe Technologien ­sehen. Die Zeiten sind vorbei, als man eine Phase II oder Phase III abgewartet hat, um dann einen Produktkandidaten einzulizenzieren oder aufzukaufen. Ein gutes Beispiel ist das Projekt „Virchow 2.0 – Innovationscluster für zellbasierte Medizin in Berlin-Brandenburg“. Ziel des Projekts ist es, die Kluft zwischen Grundlagenforschung und klinischen Anwendungen zu überbrücken und zellbasierte Medizin in die Klinik zu bringen. „Virchow 2.0“ ist einziger Berliner Finalist der zweiten Wettbewerbsrunde der Clusters4Future-Initiative des BMBF und geht aktuell in die Konzeptionsphase.

Wie muss ein Inkubator aufgestellt sein, um Ausgründungen im Bereich der Wirk­stoffentwicklung oder Gen- und Zellthera­pien eine starke Unterstützung zu sein?

Dr. Quensel: „Inkubator“ ist ein dehnbarer Begriff. Als Landesunternehmen sind wir vollständig selbstfinanziert. Auf Fördermittel können wir für größere Projekte zurückgreifen, etwa zur Errichtung unseres neuen Gründerzentrums BerlinBioCube. Anders sieht es bei den zu vermietenden Einheiten für Start-ups aus: Die Laborflächen, die wir anbieten, sind komplett leer, es sei denn, ­Geräte und anderes Inventar können vom Vormieter übernommen werden. Das bedeutet, dass die Projekte in der Wissenschaft so weit gegründet sein müssen, dass sie tatsächlich schon als Firma existieren und eine gewisse Grundfinanzierung mitbringen. In der Regel kennen wir natürlich die Start-up-Projekte und stehen mit den entsprechenden Technologietransferstellen in Verbindung. Wir versuchen beispielsweise, mittels unserer Netzwerke auch frühzeitig Kontakte zu Investoren herzustellen. Über die Akademie des Gläsernen Labors haben wir Programme aufgesetzt, um Entrepreneurship zu fördern. Wenn ein Start-up einmal größere Geräte benötigt, sind wir auf dem Campus mit unseren über 50 Biotechfirmen und den Forschungseinrichtungen ausgezeichnet vernetzt und können hier die entsprechenden Kontakte herstellen.

Hat die Pandemie zu verstärkten ­Investments in die risikobehaftete ­Biotechnologie geführt?

Dr. Bindseil: Ja – Investoren schauen verstärkt auf die Biotechnologie. Gleichzeitig erleben wir, dass auch neue Investoren aus anderen Branchen sich vermehrt für Life Sciences interessieren. Im vergangenen Jahr wurden in Berlin 10 Mrd. von in Deutschland insgesamt 15 Mrd. EUR Venture Capital investiert. Davon flossen aber nur rund 1 Mrd. EUR in die Lebenswissenschaften, wobei Berlin auch hier das größte Stück vom Kuchen abgreifen konnte. Einerseits sind das beeindruckende Zahlen, ­andererseits ist der Anteil der Life Sciences immer noch vergleichsweise klein. Trotzdem glauben Investoren wieder mehr an Biotechnologie und Pharmaentwicklung. Aber da muss mehr gehen! Natürlich sind wir glücklich über eine BioNTech-Erfolgsstory. In der digitalen Gesundheit kommen parallel neue Investoren hinzu. Gerade internationale ­Investoren wissen mittlerweile um das ­Potenzial der Lebenswissenschaften in Berlin. Nehmen wir die Finanzierungsrunden von T-knife, Ada Health oder caresyntax, einem Spezialisten für OP-Software. Persönlich ­erwarte ich in Zukunft auch stärkere Engagements von Corporate-Investoren.

Welche Hürden sehen Sie auf dem weiteren Siegeszug der smarten Medizin?

Dr. Quensel: Auf jeden Fall sehe ich Hürden im Bereich der Zulassung und Refinanzierung. Zahlreiche Firmen werden mit ihrer Technologie zunächst ins Ausland gehen. An unserem Standort gibt es z.B. das Unternehmen ASC Oncology, welches sich auf ­individualisierte Krebsdiagnostik spezialisiert hat. Dies wird aber noch nicht über das deutsche Gesundheitssystem refinanziert. Die Patienten zahlen heute diese Diagnostik selbst, denn der Outcome belegt, welche Art von Therapie eingesetzt werden kann, wenn diese in der 3D-Zellkultur anschlägt. Zukünftig ist größte Hürde für solche Technologien wahrscheinlich die Einführung der neuen EU-Verordnung über In-vitro-Diagnostika (IVDR). Diese stellt einen enormen personellen und finanziellen Aufwand für die Etablierung von Qualitätsmanagementstrukturen und deren Akkreditierung dar, um neue Medizinprodukte überhaupt auf den Markt bringen zu können. Gerade für kleine Firmen ist das nur schwer zu stemmen. Beim Thema Zelltherapie wird es spannend werden, zu beobachten, wie man Entwicklungen belohnen kann, damit noch mehr Investoren in dieses Thema einsteigen. Ein Problem während der Corona­pandemie war aber auch, dass Zulassungen, sofern sie sich nicht explizit mit COVID-19 ­beschäftigen, häufig auf die lange Bank ­geschoben wurden. Es gibt viele Krankheiten, die wesentlich tödlicher sind als Corona.

Dr. Bindseil: Es existiert eine Vielzahl von Hürden, gerade in Sachen Regulierung. Doch gerade am Beispiel Coronaimpfstoffentwicklung lässt sich beobachten: Wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen und der Nutzen klar vorhanden ist, kann eine Entwicklung sehr schnell vorangetrieben werden. Neben der Erstattung geht es auch um das Thema Datenschutz. Nehmen wir die Beispiele „elektronische Patientenakte“ oder „elektronisches Rezept“ – hier liegen die Bremsklötze nicht nur bei der Politik, sondern auch bei den Lobbygruppen von Pharma und Medizinern. Auch hier müssen wir gemeinsam zu dem Punkt kommen: Das wollen wir! „Real World Evidence Data“ ist das Schlagwort. Und natürlich: Lebenswissenschaften kosten Geld. Es müssen weiterhin Anreize geschaffen werden, in zukunftsweisende Technologien zu investieren, und zwar nicht nur bei Milliardären, sondern auch bei breiteren Bevölkerungsschichten. Entsprechende Erträge dürfen nicht steuerlich belastet werden.

Frau Dr. Quensel, Herr Dr. Bindseil, ich bedanke mich für das interessante Gespräch!

Zu den Personen

Dr. Christina Quensel ist Geschäftsführerin der Campus Berlin-Buch GmbH – Center for Biotechs.

Dr. Kai Uwe Bindseil ist Head of Division Life Sciences/Healthcare Industry bei der Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH.

Das Interview erscheint in der Ausgabe „Smarte Medizin“ der Plattform Life Sciences 1/22.

 

Quelle: GoingPublic Redaktion /hg - 23. März 2022
„Zulassung und Refinanzierung sind eine Herausforderung“

forschen / 23.03.2022
Hilfe für die Ukraine

© Feraye Kocaoglu, MDC
© Feraye Kocaoglu, MDC

Kolleg*innen spenden Geld für Medikamente, Arbeitsgruppen bieten Jobs für ukrainische Forscher*innen an, und das Schülerlabor öffnet seine Tür für ukrainische Kinder. Der Krieg in der Ukraine hat am MDC große Solidarität ausgelöst. Ein Überblick.

Feraye Kocaoglu ist überwältigt. Mit so viel Geld und so großer Hilfsbereitschaft hatte sie nicht gerechnet. Kocaoglu, Assistentin mehrerer MDC-Forschungsgruppen, organisiert zurzeit die Unterstützung für ukrainische Geflüchtete. Gemeinsam mit Joanna Kaldrack aus der Abteilung Forschungsförderung und im Auftrag des Vorstands sowie des Krisenstabs am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) koordiniert sie die Aktivitäten des Zentrums, das Team ist unter ukraine@mdc-berlin.de erreichbar. Um rasch Spenden für Medikamente zu sammeln, hatte Feraye Kocaoglu bereits wenige Tage nach dem russischen Einmarsch einen Kuchenbasar organisiert, der sowohl auf dem Campus Buch als auch am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie des MDC in Mitte stattfand.

Geld für verschreibungspflichtige Medikamente

„Viele Beschäftigte haben Kuchen gebacken und gestiftet, und anstelle fester Preise konnten alle eine beliebige Summe für ihr Kuchenstück bezahlen. Dabei kamen unglaubliche 3223 Euro zusammen“, sagt Feraye Kocaoglu. Von dem Geld besorgen MDC-Forschende, die eine ärztliche Approbation haben, verschreibungspflichtige Medikamente. Diese bringt die Initiative für Wissensaustausch, Empowerment und Kultur (IWEK) in die Ukraine und verteilt sie dort. Wegen des großen Erfolgs planen die beiden Frauen nun einen weiteren Basar mit internationalem Fingerfood.

Auch Sachspenden – Hygieneartikel, frei verkäufliche Medizinprodukte wie Schmerzmittel oder Verbandmaterial sowie haltbare Lebensmittel – werden am MDC gesammelt, mit großer Unterstützung der technischen Assistentin Margareta Herzog. Koordiniert von der Doktorandin Oleksandra Kalnytska holen ukrainische Freiwillige diese Spenden regelmäßig ab und bringen sie an die Grenze. Auf einer Ukraine-Hilfe-Website im Intranet finden die MDC-Mitarbeitenden weitere Informationen, etwa wo man ebenfalls sinnvoll privat spenden kann. Dort werden auch konkrete Hilfsaufrufe veröffentlicht, etwa die Bitte um eine Möbelspende für eine geflüchtete Familie.

Dr. Luiza Bengtsson aus dem Kommunikationsteam des MDC ist Expertin für Wissenstransfer und arbeitet eng mit dem Schülerlabor des Campus Buch zusammen. Gemeinsam mit den Kolleg*innen des Gläsernen Labors organisiert sie jetzt einen Kurs für geflüchtete Kinder aus der Ukraine. „Die Resonanz auf meine E-Mail-Umfrage am MDC war enorm. Es ist toll, wie viele bereit sind zu helfen“, sagt sie. Zwei Termine stehen bereits fest: Am 13. und 20. April 2022 sind Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren eingeladen, „Forscherferien“ auf dem Campus Buch zu erleben, in denen sie Laborexperimente machen, spielen und basteln können.

Angebot für ukrainische Forschende

Dr. Joanna Kaldrack und Dr. Oksana Seumenicht kümmern sich um Fördermöglichkeiten für ukrainische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Denn neben schneller humanitärer Hilfe geht es auch darum, dass die geflüchteten Forscher*innen rasch wieder in ihrem Beruf arbeiten können. Das MDC ist auf Solidaritätslisten verschiedener wissenschaftlicher Organisationen und Initiativen vertreten. „Dort bieten wir uns als Partnerinstitution für ukrainische Forschende an, etwa um sich gemeinsam auf Förderungen zu bewerben“, berichtet Joanna Kaldrack. Die Forschenden können das MDC über die Solidaritätslisten der European Molecular Biology Organization (EMBO), von EU-LIFE, dem Bündnis der biowissenschaftlicher Spitzenforschungsinstitute Europas, oder der Initiative Science for Ukraine kontaktieren. Verschiedene MDC-Arbeitsgruppen haben sich dort mit ihrem wissenschaftlichen Fokus eingetragen.

Interessierte werden von Joanna Kaldrack zu den Arbeitsmöglichkeiten am MDC beraten. Zudem ist ein Matching-Programm in Vorbereitung, bei dem Gruppenleiterinnen und -leiter des MDC mit ukrainischen Forschenden verbunden werden sollen. „Noch ist unklar, wie solche Anstellungen administrativ geregelt und finanziert werden, und das MDC kann aktuell noch keine konkreten Jobs anbieten“, stellt Joanna Kaldrack klar. Um Geflüchtete aus der Ukraine, die eine Stelle im Bereich Administration oder Technische Assistenz suchen, kümmert sich die Geflüchteten-Initiative des Impuls- und Vernetzungsfonds der Helmholtz-Gemeinschaft. Auch hier hilft Joanna Kaldrack bei der Antragstellung.

Viele Menschen vom MDC engagieren sich außerdem privat. Zum Beispiel Molekularbiologe Dr. Emanuel Wyler. Er war mehrfach als Helfer am Berliner Hauptbahnhof im Einsatz, auch um die ukrainischen Familien über Corona zu informieren: „Am MDC haben wir ein Informationsblatt entwickelt, das die Krankheit und Maßnahmen wie 3G leicht verständlich erklärt. Eine Kollegin und ein Kollege haben es nun ins Ukrainische und Russische übersetzt“, berichtet der Wissenschaftler. Geplant ist, das Material auch in den großen Unterkünften in Berlin verteilen zu lassen, die in der nächsten Zeit Menschen aus der Ukraine aufnehmen werden.

Text: Wiebke Peters

Die Ukraine-Hilfe am MDC ist zentral über ukraine@mdc-berlin.de erreichbar. Geflüchtete aus der Ukraine sind herzlich willkommen, sich dort zu melden.

Weiterführende Informationen

produzieren / 23.03.2022
Eckert & Ziegler liefert Lutetium-177 für klinische Studien der kanadischen Alpha-9 Theranostics

Eckert & Ziegler (ISIN DE0005659700, TecDAX) hat mit dem kanadischen Biotechunternehmen Alpha-9 Theranostics Inc. (Alpha-9) einen Vertrag über die Lieferung von Lutetium-177 (non-carrier-added 177Lu) unterzeichnet. Das Radiopharmazeutikum wird für die Markierung von Prüfarzneimitteln eingesetzt, die Alpha-9 momentan in der klinischen Prüfung hat.

Zur Herstellung einer hochreinen Form von Lu-177 n.c.a. hat Eckert & Ziegler ein innovatives und einzigartiges Verfahren entwickelt. Alpha-9 wird das Radionuklid für die klinische Prüfung seiner therapeutischen Kandidaten gegen solide und hämatologische Tumore verwenden.

Mit dem Betastrahler Lutetium-177 lassen sich eine Vielzahl tumorspezifischer Medikamente markieren, die die strahlende Wirkung des Isotops direkt zur Tumorzelle bringt.

"Der Liefervertrag mit dem kanadischen Unternehmen Alpha-9 unterstreicht erneut unsere herausragende Kompetenz bei der Versorgung der pharmazeutischen Industrie mit Isotopen. Mit Produktionsstandorten in Europa, Asien und Nordamerika sind wir hervorragend aufgestellt, um die wachsende Nachfrage nach relevanten Isotopen und den damit verbundenen Entwicklungs- und Produktionsdienstleistungen zu bedienen", erklärt Dr. Harald Hasselmann, Mitglied des Vorstands und verantwortlich für das Segment Medical bei Eckert & Ziegler. "Unser kürzlich geschlossenes Joint Venture mit Atom Mines LLC verschafft uns einen exzellenten Zugang zu der knappen und unverzichtbaren Vorstufe Ytterbium-176 und ermöglicht es uns, Lutetium-177 n.c.a. in höchster Reinheit und zuverlässig an Pharmakunden weltweit zu liefern."

Alpha-9 fokussiert sich darauf, sein Portfolio an klinischen Kandidaten für die Radioligandentherapie weiterzuentwickeln und mögliche Therapien zu erforschen, um Patienten zu helfen.

Die Radionuklidtherapie mit Lutetium-177, die sich derzeit in einem späten Stadium der klinischen Entwicklung für verschiedene Krebsarten befindet, kann eine wertvolle Behandlungsalternative innerhalb der Präzisionsonkologie eröffnen.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.
Wir helfen zu heilen.

Über Alpha-9 Theranostics

Alpha-9 Theranostics ist ein radiopharmazeutisches Unternehmen und entwickelt diagnostische und therapeutische Wirkstoffe für solide und hämatologische Tumore. www.alpha9tx.com

produzieren / 22.03.2022
Eckert & Ziegler erweitert Liefervertrag mit Sirtex Medical auf chinesischen Markt

Die Eckert & Ziegler AG (ISIN DE0005659700, TecDAX) und Sirtex Medical (Sirtex) haben ihren langfristigen Liefervertrag über die Verwendung von Yttrium-90 in Sirtex-Mikrosphären zur Behandlung von Leberkrebs auf den chinesischen Markt ausgeweitet. Die Vereinbarung garantiert EZAG einen maßgeblichen Anteil an der steigenden weltweiten Nachfrage von Y90-basierten Mikrosphären. Von seinen Produktionsstätten in Braunschweig und Boston (MA), USA versorgt Eckert & Ziegler die Sirtex Standorte in Frankfurt, Boston und Singapur mit Yttrium-90.

„Wir freuen uns, dass die Sirtex-Mikrosphären nun die Zulassung für China erhalten haben und wir damit unsere langfristige strategische Partnerschaft sowohl volumenseitig als auch regional ausbauen werden,“ erklärt Dr. Harald Hasselmann, Vertriebsvorstand der Eckert & Ziegler AG. „Bereits seit 2019 sind wir mit unserer Radiopharma-Sparte in China, einem der am stärksten wachsenden Gesundheitsmärkte und treiben den Ausbau unserer Aktivitäten stetig voran. Dabei setzen wir vor allem auf Kundennähe. Mit der Eröffnung einer eigenen Produktionsstätte in Jintan ab Ende 2024 wollen wir unseren globalen Pharmakunden vor Ort mit der Lieferung medizinischer Isotope und Dienstleistungen bestmöglich zur Seite stehen und damit am Wachstum des chinesischen Gesundheitsmarktes partizipieren.“

"Der Abschluss dieses Liefervertrags stärkt die bereits enge Beziehung zwischen den beiden Unternehmen im Hinblick auf den Eintritt von Sirtex in den chinesischen Markt," ergänzt Grant Spindler, Global Head of Operations bei Sirtex Medical Limited.

Bei der Radioembolisation oder selektiven internen Radiotherapie (SIRT) werden winzige radioaktive Kügelchen direkt in die Lebertumore eingebracht. Die klinischen Daten dieser Therapieform, die bereits seit 2002 angewendet wird, überzeugen immer stärker. Das renommierte britische National Institute for Health and Care Excellence (NICE) erteilte im Februar 2021 eine positive Empfehlung für die Behandlung von fortgeschrittenen Leberkarzinomen mit SIR-Spheres® Y-90 Mikrosphären.
Nach Schätzungen von GLOBOCAN 2020 sind die Morbiditäts- und Mortalitätsraten für Leber- und Darmkrebs in China etwa doppelt so hoch wie die durchschnittlichen weltweiten Werte. In China gab es im Jahr 2020 410.000 neue Fälle von Leberkrebs mit 390.000 Todesfällen und mehr als 550.000 neue Fälle von Darmkrebs mit mehr als 280.000 Todesfällen.

Im Hinblick auf die steigende Nachfrage nach radiopharmazeutischen Substanzen erweitert Eckert & Ziegler momentan seine Produktionsstandorte. Der Standort Boston (MA), USA wurde vor kurzem um eine neue GMP-Anlage ergänzt. Am Standort Berlin werden die GMP-Anlagen ebenfalls ausgebaut:  im zweiten Quartal 2022 ist eine GMP-Gesamtfläche von rund 270 m² betriebsbereit, weitere GMP-Laborflächen werden folgen. In Jintan (China) investiert Eckert & Ziegler bis zu 50 Mio. EUR in den Bau einer Produktionsstätte für Radiopharmazeutika.

Mit dieser Expansionsstrategie positioniert sich Eckert & Ziegler als globaler Partner der radiopharmazeutischen Industrie und bietet neben der Lieferung von Isotopen komplette Frühentwicklungsdienstleistungen an, einschließlich Prozessentwicklung und Scale-up, CMC-Entwicklung, Herstellung und Verpackung, Produktfreigabe und Stabilitätsprogramme. Das Unternehmen wird damit in der Lage sein, als radiopharmazeutischer Auftragsfertiger Produkte im klinischen Maßstab der Phasen I, II und III und für den kommerziellen Einsatz herzustellen.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 800 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.
 

Quelle: Pressemitteilung EZAG
Eckert & Ziegler erweitert Liefervertrag mit Sirtex Medical auf chinesischen Markt

17.03.2022
Voraussetzungen für 10-Minuten-Takt von Buch nach Bernau geschaffen

Länder Berlin und Brandenburg unterzeichnen Finanzierungsvereinbarung für 13 weitere Teilmaßnahmen (2. Tranche) mit Deutscher Bahn. Darunter: der zweigleisige Ausbau zwischen Buch und Bernau

Die Länder Berlin und Brandenburg haben eine Finanzierungsvereinbarung mit der Deutschen Bahn für weitere Teilmaßnahmen zur Weiterentwicklung und Engpassbeseitigung im Berliner S-Bahnnetz unterzeichnet. Für die kommenden Projektplanungen stehen nach einer ersten Tranche über 32 Mio. Euro vom Februar 2021 jetzt weitere 35 Mio. Euro Landesmittel für die zweite Tranche zur Verfügung. Der Netzausbau ist Bestandteil des Infrastrukturprojektes i2030, in dem sich die Länder Berlin und Brandenburg, die Deutsche Bahn und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) zusammengeschlossen haben. Für die gesamte Hauptstadtregion sollen damit mehr und bessere Schienenverbindungen geschaffen werden.

Die 35 infrastrukturellen Einzelmaßnahmen, zu denen sich die i2030-Partner verständigt haben, sind zur Bestellung zusätzlicher Verkehrsleistungen, zur Verbesserung der Betriebsqualität und für die geplanten Streckenausbauten im Berliner S-Bahnnetz erforderlich. Die im Februar 2021 abgeschlossene Sammelvereinbarung regelt die finanzielle Absicherung der Planung von der Vor- bis hin zur Genehmigungsplanung (Leistungsphasen 2 bis 4) durch die Länder Berlin und Brandenburg. In einer zweiten Tranche stehen nun 35 Mio. Euro Landesmittel zur Fortführung der Planungen von 13 Teilmaßnahmen bereit. Für die noch offenen Maßnahmen wird die Bildung von weiteren Tranchen in den kommenden Monaten angestrebt.

Bettina Jarasch, Senatorin für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz des Landes Berlin:

 „Wir binden Berlins Peripherie besser an und schaffen neue Mobilitätsangebote für die Menschen in der Hauptstadtregion. Berlin investiert gemeinsam mit Brandenburg, der Bahn und dem VBB in das Schienenausbau-Projekt i2030, das diese neuen Verbindungen stärkt, innerhalb der Stadt, bis an den Stadtrand und darüber hinaus. Mit der zweiten Finanzierungstranche verbessern wir das Berliner S-Bahn-Netz, schaffen mehr Flexibilität und Kapazität für die wichtigsten Strecken in und um Berlin. Die S-Bahn kann so verlässlich mehr Fahrgäste transportieren – und wir liefern endlich die Voraussetzungen für 10-Minuten-Taktungen auf bestehenden Außenstrecken, etwa zwischen Bernau und Buch. Das sind genau die Verbesserungen, die wir brauchen, um Pendlerinnen und Pendler vom Umstieg auf die Bahn zu überzeugen.“

Guido Beermann, Minister für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg:

„Die S-Bahn ist ein wichtiges Bindeglied zwischen unseren beiden Ländern. Sie trägt damit wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung der Hauptstadtregion bei. Deshalb wollen wir mit i2030 gemeinsam Engpässe beseitigen, die Angebote ausbauen und so die Pendlerströme zwischen Berlin und Brandenburg entzerren. Gleichzeitig bringen wir mit der klimafreundlichen S-Bahn die Verkehrswende voran. Mit der jetzt startenden Planung zum zweigleisigen Ausbau der S-Bahn zwischen Buch und Bernau schaffen wir die Voraussetzungen für den betrieblich möglichen 10-Minutentakt auf dem Nordast der S2. Die S5 nach Strausberg ist schon Gegenstand der 1. Tranche gewesen.“

Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern:

„Nicht nur Streckenverlängerungen bringen mehr und neue Fahrgäste in das System Bahn. Wenn die Mobilitätswende wirklich Realität werden soll, braucht auch das bestehende S-Bahnnetz Verbesserungen in Qualität und Quantität. In der 2. Tranche des S-Bahnpakets in i2030 schaffen wir als Deutsche Bahn gemeinsam mit den Ländern Berlin und Brandenburg die Voraussetzungen für mehr Fahrgäste in noch pünktlicheren und häufiger fahrenden Zügen u.a. durch zahlreiche neue Abstell- sowie Zugbildungsanlagen.“

Susanne Henckel, Geschäftsführerin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB):

„Die Berliner S-Bahn ist seit Jahrzehnten eine tragende Säule des Öffentlichen Verkehrs in Berlin und Brandenburg. Sie ist eine Hauptschlagader des ÖPNV im VBB-Land. Mit der jetzigen Finanzierungsvereinbarung wird die Zukunftsfähigkeit der S-Bahn weiter abgesichert. Die vorgesehenen Verbesserungen bringen neben mehr Material besonders auch mehr Qualität für die Fahrgäste sowie absolute Klimafreundlichkeit. Es braucht jetzt alle gebündelten Kräfte, um die 35 Einzelmaßnahmen für die Berliner S-Bahn und die weiteren acht i2030-Korridore in den kommenden Jahren umzusetzen. Das ist essentiell für eine gelingende Verkehrswende.“

Der Fokus bei der zweiten Tranche liegt auf dem Ausbau von Abstellanlagen im Zuge der S-Bahnausschreibung mit einer Erweiterung der Zugflotte und Angebotsverdichtung in den kommenden Jahren. Die zusätzlich benötigte Infrastruktur wird auch innerhalb von i2030 geplant und umgesetzt. Weitere Schwerpunkte sind der Streckenausbau zur Ermöglichung eines 10-Minuten-Taktes zwischen Buch und Bernau und die Realisierung der Verkehrsstation Kamenzer Damm. Darüber hinaus sollen die S-Bahnverkehre auf der Ringbahn durch neue Weichenverbindungen und Bahnsteigkanten, den Ausbau der Energieversorgung und die Ergänzung moderner Leit- und Sicherungstechnik stabilisiert werden.

Hintergrund Berliner S-Bahn: Die S-Bahn leistet einen wichtigen Beitrag für eine klimafreundliche Mobilität in der Stadt und auf den Siedlungsachsen im nahegelegenen Umland. Sie ist komplett elektrifiziert und fährt vollständig mit Ökostrom. Die Fahrgäste profitieren von einem gut ausgebauten Netz und kurzen Fahrzeiten durch die großflächige Stadt. Die S-Bahn vernetzt den Innenstadtbereich mehrmals die Stunde mit den Umlandgemeinden. Sie bringt bereits heute täglich etwa 1,5 Millionen Menschen von A nach B. Seit Jahren entscheiden sich immer mehr Menschen für die S-Bahn. So stiegen die Fahrgastzahlen von 2012 bis 2018 um 21 Prozent. Der aktuelle Berliner Nahverkehrsplan rechnet bis 2030 mit einer weiteren Nachfragesteigerung von bis zu 42 Prozent für die öffentlichen Verkehrsangebote.

 

Die 2. Tranche umfasst folgende Teilmaßnahmen:

  1. Abstellanlage Beusselstraße/Westhafen

  2. Zweigleisiger Ausbau zwischen Buch – Bernau

  3. Abstellanlage Frohnau

  4. Umwandlung Haltepunkt Westkreuz in einen Bahnhof durch zusätzliche Weichenverbindung

  5. Abstellanlage Waidmannslust

  6. Abstellanlage Marzahn

  7. Zugbildungsanlage Nordbahnhof

  8. Abstellanlage Lichterfelde Süd

  9. 3. Bahnsteigkante Halensee

  10. 3. Bahnsteigkante Messe Nord und Anbindung Kehranlage

  11. 3. Bahnsteigkante Westend

  12. Verkehrsstation Kamenzer Damm

  13. Abstellanlage Hundekehle

 

Das i2030-Maßnahmenpaket für die Berliner S-Bahn ermöglicht die Umsetzung folgender Ziele:

  • Mehr Züge: Angebotsausweitung und mehr Kapazität

  • Ausweitung des 10-Minuten-Taktes auf Außenästen des Netzes

  • Verbesserung der Pünktlichkeit und der Zuverlässigkeit

  • Erweiterung des Netzes für einen stabilen Verkehr nicht nur im Regelbetrieb, sondern auch bei planmäßigen Abweichungen wie Baustellen oder Instandsetzungsarbeiten sowie im Störungsfall

  • Veränderung des Modal Split zu Gunsten des ÖPNV

  • Senkung des CO2-Ausstoßes

 

Mehr Informationen zum Projekt finden sich auf www.i2030.de/sbahn

forschen / 17.03.2022
Zwei ERC-Consolidator-Grants für MDC-Forscher

Dr. Jan-Philipp Junker (links) und Dr. Darío Lupiáñez © Felix Petermann, MDC
Dr. Jan-Philipp Junker (links) und Dr. Darío Lupiáñez © Felix Petermann, MDC

Wie kann ein Herz sich selbst heilen? Und wie entscheidet sich, welches Geschlecht ein Lebewesen hat? Der Europäische Forschungsrat ERC zeichnet Dr. Jan-Philipp Junker und Dr. Darío Lupiáñez mit Consolidator Grants aus. Damit verbunden ist eine Förderung in Höhe von zwei Millionen Euro über fünf Jahre.

Im Labor sind sie Nachbarn, jetzt können sie auch gemeinsam feiern: Der Europäische Forschungsrat ERC zeichnet Dr. Jan-Philipp Junker und Dr. Darío Lupiáñez jeweils mit einem Consolidator Grant aus. Die beiden Juniorgruppenleiter am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) gehören damit zu 61 Preisträger*innen aus Deutschland. Insgesamt hatten sich dieses Mal 2.652 Forscherinnen und Forscher aus ganz Europa beworben, 313 waren erfolgreich. Die begehrte Auszeichnung ist mit einer Förderung in Höhe von zwei Millionen Euro über fünf Jahre verbunden. Die klügsten Köpfe können damit ihren Ideen freien Lauf lassen und ihre Projekte voranbringen.  

Für Jan-Philipp Junker ist es bereits die zweite ERC-Förderung. „Dabei geht es nicht nur um Geld, ein ERC bringt auch Sichtbarkeit. Und man kann größer denken, hat mehr Flexibilität“, sagt der Leiter der Arbeitsgruppe „Quantitative Entwicklungsbiologie“. Junker forscht seit 2015 am MDC. Mit „Heart States“ will er untersuchen, wie sich die verschiedenen Zellen im Zebrafisch-Herzen zeitlich und räumlich so koordinieren, dass sich das Organ selbst heilen kann. „Das Herz ist für uns auch ein Modell: Wie reagiert ein komplexes System auf eine Störung?“ 

Dass die dreidimensionale Struktur des Genoms Auswirkungen auf die Biologie eines Organismus hat, hat Darío Lupiáñez bereits als Postdoktorand gezeigt. „Damals waren wir die ersten, die einen Zusammenhang nachgewiesen haben“, sagt Leiter der Arbeitsgruppe „Epigenetik und Geschlechtsentwicklung“. Seit 2017 forscht er am MDC, mit „3D-Revolution“ will er abermals Pionierarbeit leisten. Ihn interessiert, wie sich die Verpackung des DNA-Strangs in den Zellkern bei verschiedenen Arten auf die Geschlechtsentwicklung auswirkt. „Wir wollen die molekularen Mechanismen verstehen, die den Arten eine Anpassung an ihren Lebensraum ermöglichen und ihre Evolution antreiben“, sagt er. Sein Projekt wird er ab 2023 als Forschungsgruppenleiter am Andalusischen Zentrum für Entwicklungsbiologie (CABD) in Sevilla weiterführen. 

Die Projekte im Detail: 

Das Zebrafisch-Herz heilt sich selbst

Wenn ein Mensch einen Herzinfarkt hat, bleibt Narbengewebe zurück. Das Organ kann sich nicht vollständig erholen. Beim Zebrafisch ist das anders. Wird das Herz des Tieres verletzt, heilt es sich selbst. Dieses Kunststück würde die Medizin gern kopieren – zumindest teilweise. Doch der Weg dahin ist lang. Zuerst gilt es, den Prozess grundlegend zu verstehen.

Jan Philipp Junker untersucht mit seinem Projekt „Heart States“, wie es die verschiedenen Zellen im Herzen schaffen, sich zeitlich und räumlich so zu koordinieren, dass sie die Organfunktion wiederherstellen können. „Wir haben zum Beispiel eine Art molekulare Zeitmaschine entwickelt“, sagt er. Damit kann sein Team nachvollziehen, welche Gene die Zellen zu zwei verschiedenen Zeitpunkten abgelesen haben. „Diese Daten zeigen uns, welche Zelltypen beim Zebrafisch in welchem Umfang auf die Verletzung des Herzens reagieren und vorübergehend in einen aktivierten Zustand übergehen.“  

In einem zweiten Schritt analysieren Junker und seine Kolleg*innen, was dabei innerhalb der jeweiligen Zellen passiert: Welche Mechanismen lösen die Aktivierung aus und welche Programme werden durch die Änderung des Zellzustands angeschaltet? Der dritte Schritt betrifft die Koordination der Zellen untereinander. „Um die Heilung des Herzens zu orchestrieren, müssen die Zellen miteinander kommunizieren“, sagt Junker. „Und dazu müssen wir wissen, welche Zellen eigentlich benachbart waren, ob Rezeptoren und Liganden sich räumlich nah waren.“ Nach und nach will Junkers Team die entscheidenden Schalter herausfiltern und ihre Rolle in Experimenten bestätigen – und den ersten umfassenden Überblick erstellen, wie Zellzustände zur Regeneration eines komplexen Organs führen.

Ein erwachsenes Organ wie das Herz sei für ihn auch ein Wagnis, sagt Junker. „Ich komme ja aus der Entwicklungsbiologie. Umso dankbarer bin ich Daniela Panáková, die schon lange am Zebrafisch-Herz forscht und uns mit ihrem Wissen und ihren Ideen sehr bei der Konzeption geholfen hat.“ Das Projekt passe perfekt zum MDC. Systemmedizin mit Schwerpunkt Herz – dafür finde man hier alle Kooperationen: für bioinformatische Analysen, räumliche Transkriptomik und auch für die Kardiologie beim Menschen. „Das Regenerationspotenzial beim menschlichen Herzen zu wecken, wäre natürlich großartig“, sagt Junker. Doch vorher stünden sicherlich Maus-Experimente an: Vielleicht bekommt ja das Säugetierherz die richtigen Signale, kann aber nicht mehr darauf reagieren?

Geschlechterfrage fasziniert Menschen seit 3000 Jahren

Ein Labor weiter schaut sich Darío Lupiáñez ebenfalls ein Phänomen an, das im Tierreich mitunter völlig anders funktioniert als beim Menschen. „Mit unserem Projekt 3D-Revolution versuchen wir eine Frage zu beantworten, die die Menschheit seit fast 3000 Jahren fasziniert: Wie wird das Geschlecht eines Individuums bestimmt“, sagt Lupiáñez. Die Hochkulturen der Antike griffen auf Mythologie zurück. „Wir nutzen jetzt die Genetik.“ 

Die Evolution hat zahlreiche Wege gefunden, um das Geschlecht zu bestimmen – und das berühmte Y-Chromosom gibt es nur bei Säugetieren. Bei Vögeln sind es die Weibchen, die über das entscheidende Chromosom verfügen. Bei Amphibien wie Fröschen sind die Geschlechtschromosomen dagegen nicht gut differenziert. Und in extremeren Fällen, wie bei Schildkröten, kann die Temperatur den Ausschlag geben, ob ein Embryo männlich oder weiblich sein wird. „Dieser Prozess ist offenbar einer raschen Evolution unterworfen. Wir werden uns die 3D-Organisation der Genome ansehen, um zu verstehen wie er auf molekularer Ebene abläuft“, sagt Lupiáñez. 

In jedem Zellkern, der etwa 200-mal kleiner als ein Stecknadelkopf ist, ist ein zwei Meter langer Erbgutfaden verpackt. Er hält trotzdem alle Informationen auf Abruf bereit, die ein Organismus zu seiner Entwicklung und seinem Fortbestehen benötigt. „Die Verpackung ist alles andere als zufällig“, sagt Lupiáñez. „Wir haben gezeigt, dass die die dreidimensionale Struktur des Genoms Auswirkungen auf die Regulation der Gene hat und zu bestimmten Krankheiten führen kann. Die Veränderungen können aber auch zur Evolution einer Art beitragen, zu einer besseren Anpassung an ihre Umwelt.“

Er und sein Team werden sich genau jenen Zeitpunkt in der Entwicklung von Säugetieren, Vögeln, Amphibien und Schildkröten anschauen, an dem sich das Geschlecht entscheidet. Sie werden die Daten durchforsten und vergleichen, inwieweit die genregulatorischen 3D-Landschaften übereinstimmen und was sich im Laufe der Evolution verändern kann. „Das ist wirklich Neuland, niemand hat sich das bisher angeschaut“, sagt Lupiáñez. Denn Forscher*innen hatten bisher nur begrenzte Möglichkeiten, das Genom zu lesen, zu interpretieren und zu verändern. „Jetzt haben wir neue Werkzeuge, um Genomvarianten mit Phänotypen zu verbinden. Und die Förderung des ERC wird es uns ermöglichen, unsere Forschung auf eine breitere Basis zu stellen. Ich bin meinem Team unendlich dankbar. Alle haben sich sehr engagiert, um die notwendigen vorläufigen Daten zu erstellen.“

Weiterführende Informationen

Pressemitteilung des ERC

AG Junker 

Porträt: Wie Zellen Entscheidungen treffen

AG Lupiáñez

Darío Lupiáñez wird EMBO Young Investigator

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de 

Quelle: Pressemitteilung MDC
Zwei ERC-Consolidator-Grants für MDC-Forscher

 

forschen / 14.03.2022
Kooperation für bessere medizinische Bildgebung

Bei der Vertragsunterzeichnung (von oben): Prof. Thoralf Niendorf (MDC), Prof. Dr. Georg Rose (STIMULATE und OGVU), Prof. Heike Graßmann, Administrative Vorständin (MDC) u. Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan (Rektor der OGVU). © Peter Himsel/MDC
Bei der Vertragsunterzeichnung (von oben): Prof. Thoralf Niendorf (MDC), Prof. Dr. Georg Rose (STIMULATE und OGVU), Prof. Heike Graßmann, Administrative Vorständin (MDC) u. Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan (Rektor der OGVU). © Peter Himsel/MDC

Gemeinsame Pressemitteilung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin und die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg werden künftig auf dem Gebiet der medizinischen Bildgebung zusammenarbeiten. Dazu ist am Freitag, den 11. März 2022, auf dem Forschungscampus Berlin-Buch ein Kooperationsvertrag unterzeichnet worden.

Der Forschungscampus STIMULATE der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (OVGU) und das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) in Berlin wollen in Zukunft kooperieren. Ein entsprechender Vertrag wurde am 11. März 2022 in Berlin unterzeichnet. Der Rektor der OVGU, Professor Jens Strackeljan, sagte nach der Unterzeichnung: „Ich freue mich sehr darüber, dass durch die vereinbarte enge Kooperation des MDC mit dem Forschungscampus STIMULATE unserer Universität eine starke Medizintechnik-Achse zwischen Berlin und Magdeburg aufgebaut wird.“

„Die Forschungsprofile unserer beiden Einrichtungen sind geeignet, Synergieeffekte zu generieren sowie Ressourcen und Kompetenzen wechselseitig zu optimieren“, ergänzte die Administrative Vorständin des MDC, Professorin Heike Graßmann. Beide Einrichtungen wollen die Medizintechnik insbesondere in der diagnostischen und interventionellen Bildgebung gemeinsam weiterentwickeln.

Die intensivere wissenschaftliche Kooperation sehen die Partner als eine langfristige Aufgabe an. Beide Vertragspartner nannten neben der Forschung, der Translation und der Lehre vor allem die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses als wichtiges Anliegen.

Gemeinsame Symposien und Summer Schools

Konkret geht es darum, mit Drittmitteln eine Plattform für Magnetresonanz-Tomographie (MRT) gemeinsam mit akademischen und industriellen Partnern beider Seiten aufzubauen. Sie soll die Zukunft der Technologie definieren. Außerdem wollen die beiden Institutionen gemeinsame Symposien und Summer Schools organisieren sowie einen Inkubator für Start-ups aufbauen.

Bereits jetzt engagieren sich das MDC und die OVGU gemeinsam mit Berliner und Potsdamer Universitäten im Netzwerk „Artificial Intelligence in Digital Health (AIDHeal)“. „Künstliche Intelligenz ist Technologietreiber für die moderne medizinische Bildgebung. Deshalb verknüpfen wir im AIDHeal-Netzwerk Entwickler und Anwender, um die internationale Sichtbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit von ‚Digital Healthcare, Made in Germany‘ zu erhöhen“, sagte Professor Thoralf Niendorf, der am MDC die Arbeitsgruppe Experimentelle Ultrahochfeld-MR leitet.

„Die sich ergänzenden Expertisen beider Standorte, also die exzellente Grundlagenforschung des MDC und die transferorientierte Forschung verbunden mit den bereits entstandenen Start-ups am Forschungscampus STIMULATE, sind der Schlüssel für eine kontinuierliche Translation der Lösungen in die Gesellschaft“, sagt der Sprecher des Magdeburger Forschungscampus, Professor Georg Rose. Medizinische Bildgebung und translationale Anwendung stehen im Mittelpunkt, wenngleich auch gesellschaftspolitische Fragestellungen berücksichtigt werden sollen, die methodisch eine verstärkte Interdisziplinarität erfordern.

Das MDC gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Die OVGU führt mit dem Forschungscampus STIMULATE eines der international wichtigsten Zentren für bildgeführte minimal-invasive Interventionen. Beide Institutionen besitzen exzellente Expertise in der Bildgebung.  

Foto: Bei der Vertragsunterzeichnung (von oben nach unten): Prof. Thoralf Niendorf (MDC), Prof. Dr. Georg Rose (Sprecher Forschungscampus STIMULATE und Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg), Prof. Heike Graßmann, Administrative Vorständin (MDC) und Prof. Dr. -Ing. Jens Strackeljan (Rektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg). © Peter Himsel/MDC

Weiterführende Informationen

Pressemitteilung auf der MDC-Webseite

Experimentelle Ultrahochfeld-MR am MDC

Forschungscampus STIMULATE

Was bringt künstliche Intelligenz der Medizin?

www.mdc-berlin.de

forschen / 14.03.2022
Mit mRNA zu neuer Muskelkraft

Nach der Genomeditierung verschmolzen die Stammzellen zu mehrkernigen Fasern (Myotuben). In grün ist eine schwere Kette Myosin zu sehen; in blau die Zellkerne. (Foto: AG Spuler)
Nach der Genomeditierung verschmolzen die Stammzellen zu mehrkernigen Fasern (Myotuben). In grün ist eine schwere Kette Myosin zu sehen; in blau die Zellkerne. (Foto: AG Spuler)

Mutationen, die zu Muskelschwund führen, lassen sich mit der Genschere CRISPR/Cas9 reparieren. Ein Team um die ECRC-Forscherin Helena Escobar hat das Werkzeug jetzt erstmals mit mRNA in menschliche Muskelstammzellen eingeschleust. Damit ist eine Methode gefunden, die sich therapeutisch nutzen lässt.

Es ist nur eine winzige Veränderung im Genom, die dennoch fatale Effekte hat: Muskeldystrophien werden fast immer durch ein einzelnes fehlerhaftes Gen ausgelöst. So unterschiedlich die Mutationen bei den rund fünfzig bekannten Formen dieser Erkrankungen sind, führen sie letztendlich alle zu einem sehr ähnlichen Ergebnis. „Aufgrund des Genfehlers verändern sich der Aufbau und die Funktion der Muskeln, so dass die Erkrankten einen fortschreitenden Muskelschwund erleiden“, erläutert Professorin Simone Spuler, die Leiterin der Arbeitsgruppe Myologie am Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung des Berliner Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Ist beispielsweise die Atem- oder Herzmuskulatur betroffen, kann die Krankheit tödlich enden.

Bei Mäusen hat sich die Methode schon bewährt

Heilbar sind Muskeldystrophien bislang nicht. Genau das versuchen Spuler und ihr Team jedoch zu ändern. Ihre jüngste Publikation, die in der Fachzeitschrift „Molecular Therapy Nucleic Acids“ erschienen ist, macht den Weg frei für eine Studie, bei der eine am ECRC entwickelte Therapie erstmals an Patientinnen und Patienten mit erblichem Muskelschwund getestet werden soll. „Wir verfolgen schon seit Jahren die Idee, erkrankten Menschen Muskelstammzellen zu entnehmen, die veränderten Gene mithilfe der Genschere CRISPR/Cas9 zu reparieren und die so behandelten Zellen zurück in die Muskeln zu injizieren, damit sie sich dort vermehren und neues Muskelgewebe bilden“, erläutert Dr. Helena Escobar, Postdoktorandin in Spulers Arbeitsgruppe und gemeinsam mit ihr Letztautorin der aktuellen Arbeit.

Vor einiger Zeit konnten die Forscher*innen bereits zeigen, dass das Verfahren bei Mäusen, die an Muskelschwund leiden, funktioniert. „Unsere Methode hatte bisher allerdings einen Haken“, sagt Escobar: „Wir haben die Bauanleitung für die Genschere mithilfe von Plasmiden – das sind ringförmige, doppelsträngige DNA-Moleküle aus Bakterien – in die Stammzellen eingeführt.“ Plasmide könnten sich aber ungewollt in das ebenfalls doppelsträngige Genom der menschlichen Zellen integrieren und dann zu unerwünschten, wenig abschätzbaren Effekten führen. „Patientinnen und Patienten hätten wir so daher nicht behandeln können“, sagt Escobar.

Gendefekte werden gezielt korrigiert

Das Team machte sich daher auf die Suche nach einer besseren Alternative: Gefunden hat es sie in Form von mRNA, jenen einsträngigen Erbgutmolekülen, die zuletzt vor allem als wesentlicher Bestandteil zweier Corona-Impfstoffe von sich reden gemacht haben. „In den Impfstoffen enthalten die mRNA-Moleküle die genetische Information für den Aufbau des Spike-Proteins des Virus, mit dem der Erreger in menschliche Zellen eindringt“, erläutert Christian Stadelmann, Doktorand in Spulers Arbeitsgruppe. Neben Silvia Di Francescantonio aus dem gleichen Team ist er einer der beiden Erstautor*innen der Studie. „Für unsere Zwecke nutzen wir mRNA-Moleküle, die die Bauanleitung für die Genschere enthalten.“

Um die mRNA in die Stammzellen hineinzuschleusen, wendeten die Forscher*innen ein Verfahren namens Elektroporation an, bei dem die Zellmembranen vorübergehend für größere Moleküle durchlässig werden. „Mithilfe von mRNA, die die genetische Information für einen grün fluoreszierenden Farbstoff enthielt, konnten wir zunächst nachweisen, dass fast alle Stammzellen die mRNA-Moleküle in sich aufnehmen“, berichtet Stadelmann. In einem nächsten Schritt zeigte das Team über ein absichtlich verändertes Molekül auf der Oberfläche menschlicher Muskelstammzellen, dass es mithilfe der Methode gelingen kann, Gendefekte gezielt zu reparieren.

Eine klinische Studie ist bereits geplant

Schließlich probierte das Team noch ein der Genschere CRISPR/Cas9 ähnliches Werkzeug aus, das die DNA aber nicht zerschneidet, sondern nur an einer Stelle punktgenau verändert. „Wir können damit noch feiner arbeiten. Allerdings ist dieses Tool nicht für jede Mutation geeignet, die eine Muskeldystrophie hervorruft“, erklärt Stadelmann. Mit Experimenten in der Petrischale konnten er und sein Team nun zeigen, dass die reparierten Muskelstammzellen ebenso wie gesunde Zellen in der Lage sind, miteinander zu fusionieren und junge Muskelfasern zu bilden.

„Wir planen jetzt, gegen Ende des Jahres eine erste klinische Studie mit fünf bis sieben Patientinnen und Patienten zu starten, die an Muskeldystrophie leiden“, kündigt Spuler an. Das zuständige Paul-Ehrlich-Institut habe die Idee beratend unterstützt. Natürlich könne man keine Wunder erwarten, sagt die Forscherin. „Erkrankte, die im Rollstuhl sitzen, werden auch nach unserer Therapie nicht einfach aufstehen und loslaufen.“ Doch für viele der Betroffenen sei es schon ein großer Fortschritt, wenn ein kleiner Muskel, der beispielsweise fürs Greifen oder Schlucken wichtig sei, wieder besser funktioniere. Die Idee, auch größere Muskeln, wie sie zum Stehen und Gehen benötigt werden, zu reparieren, stehe bereits im Raum, sagt Spuler. Dazu müssten die molekularen Werkzeuge allerdings so sicher werden, dass man sie bedenkenlos nicht nur in isolierte Muskelstammzellen, sondern direkt in den degenerierten Muskel einbringen könnte.

Weiterführende Informationen

AG Spuler

Die Muskelretterin – Porträt von Simone Spuler

Pressemitteilung: Meilenstein für Therapie der Muskeldystrophie

Literatur

Christian Stadelmann, Silvia Di Francescantonio et al. (2022): „mRNA-mediated delivery of gene editing tools to human primary muscle stem cells“. In: Molecular Therapy Nucleic Acids, DOI: 10.1016/j.omtn.2022.02.016

Foto: Die Forscher*innen schleusten die Genschere CRISPR/Cas9 mithilfe von mRNA in die Muskelstammzellen. Nach der Genomeditierung verschmolzen die Stammzellen zu mehrkernigen Fasern (Myotuben). In grün ist eine schwere Kette Myosin zu sehen; in blau die Zellkerne. (Foto: AG Spuler)

www.mdc-berlin.de

leben / 11.03.2022
Pankower Wochen gegen Rassismus bieten vom 14. bis 27. März vielfältiges Programm

Am 14. März 2022 starten die Wochen gegen Rassismus, die von einem Netzwerk aus Vereinen, Einrichtungen, Bibliotheken und Teilen der Bezirksverwaltung veranstaltet werden. Die Besucher:innen erwartet ein zweiwöchiges Programm mit Workshops, Kiezaktionen, Ausstellungen, Sportveranstaltungen, einer Fahrraddemo und noch vielem mehr. Das Motto ist auch in diesem Jahr: „Mach mit!“  Die Veranstaltungen bieten Alt- und Neu-Pankower:innen sowie Jung und Alt eine Plattform, um ihre Stimmen gegen Rassismus zu erheben und sie im gemeinsamen Dialog zu vereinen. Dabei werden z.B. interessante Zusammenhänge zwischen Rassismus, Kolonialismus und Diversität sowie auch Klimawandel und der Reflexion eigener Privilegien hergestellt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen - das Programm ist auf der Homepage www.pankow-gegen-rassismus.de zu finden.

Dass auch in Pankow ein Bedarf an lokalen Zeichen und Aktionen gegen Alltagsrassismus und rassistische Gewalt besteht, ist erneut nach den Angriffen auf die 17-jährige Dilan Sözeri am 5. Februar an der Greifswalder Straße deutlich geworden. Auch im Lichte dieses Vorfalls betont Bezirksbürgermeister Sören Benn: „Unsere wichtigste Aufgabe während der Wochen gegen Rassismus in Pankow ist es, die Bürger:innen zu ermutigen, Zivilcourage zu zeigen und sich für ein offenes und couragiertes Pankow zu engagieren. Betroffene von rassistischen Beleidigungen und Gewalt müssen unsere aktive Unterstützung erfahren.“

Dazu passt auch das Faustsymbol der diesjährigen Kampagne, das sich aus vielen verschiedenen Menschen zusammensetzt. Rassismus geht alle an, egal ob als betroffene Person oder Teil der Mehrheitsgesellschaft. Es liegt an uns allen, für eine vielfältige und rassismuskritische Gesellschaft zu kämpfen!
 

Überblick der Programm-Highlights:

Sa., 12.03. | 12 Uhr | Fahrraddemo: Auf/ Rollen gegen Rassismus durch Buch & Karow
Mo., 14.03. | 17 Uhr | Auftaktveranstaltung in der Heinrich-Böll-Bibliothek (Greifswalder Str. 87, 10409 Berlin)
Sa., 19.03. |14 – 18:30 Uhr | digitales Barcamp pARTizipation


Gemeinsame Kiezaktionen - Triff unser Netzwerk!
Di., 22.03. | 9 – 14 Uhr | Vorplatz Heinrich-Böll-Bibliothek (Prenzlauer Berg)
Mi., 23. März | 15 – 18 Uhr | Antonplatz (Weißensee)
Fr., 25. März | 10 – 14 Uhr | Breite Straße (Pankow Zentrum)


Die Öffentlichkeitsarbeit der Wochen gegen Rassismus in Pankow wird gefördert durch das Bezirksamt und die Partnerschaften für Demokratie Pankow Nord, Süd und Ost im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Kontakt und weitere Infos:
Roxane Josten (Öffentlichkeitsarbeit der Pankower Wochen gegen Rassismus): info@pankow-gegen-rassismus.de
Web: www.pankow-gegen-rassismus.de
Instagram: pankowgegenrassismus
Facebook: Pankow gegen Rassismus

forschen / 11.03.2022
Der künstlichen Nashorn-Eizelle ein Stück näher

Erstautorin Dr. Vera Zywitza im Labor (Foto: Jan Zwilling, BioRescue)
Erstautorin Dr. Vera Zywitza im Labor (Foto: Jan Zwilling, BioRescue)

Um das Aussterben der nördlichen Breitmaulnashörner zu verhindern, will das internationale Konsortium BioRescue unter anderem Eizellen der Tiere aus Stammzellen erschaffen. Diesem Ziel ist ein Team um Sebastian Diecke vom MDC und Micha Drukker von der Universität Leiden nun nähergekommen, berichten sie in „Scientific Reports“.

Fatu und Najin sind die beiden letzten nördlichen Breitmaulnashörner auf der Welt, eine natürliche Fortpflanzung ist damit unmöglich und ein Aussterben quasi nicht mehr zu verhindern. Doch das internationale BioRescue-Konsortium arbeitet unter Hochdruck daran, dass die Unterart des Breitmaulnashorns nicht gänzlich von der Erdoberfläche verschwindet. Die Forscherinnen und Forscher verfolgen dabei zwei Strategien: Sie entwickeln zum einen fortgeschrittene Methoden der assistierten Reproduktion.  Zum anderen wollen sie im Labor aus Hautzellen des nördlichen Breitmaulnashorns induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) und schließlich Eizellen erzeugen. Dabei ist das Team des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) gemeinsam mit Partnern in München, den Niederlanden und Japan nun einen großen Schritt vorangekommen. Im Fachjournal „Scientific Reports“ beschreiben sie, dass sie pluripotente Nashornstammzellen gewonnen und eingehend untersucht haben. „Unsere nun veröffentlichte Arbeit trägt zum Verständnis der Pluripotenz bei – also zur Fähigkeit vom Stammzellen, in alle Körperzellen zu differenzieren“, sagt Erstautorin Dr. Vera Zywitza von der Technologieplattform „Pluripotente Stammzellen“ unter der Leitung von Dr. Sebastian Diecke am MDC. „Damit markiert sie einen bedeutenden Meilenstein auf dem Weg zur künstlich erzeugten Nashorn-Eizelle.“

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das BioRescue-Projekt mit vier Millionen Euro. Neben dem federführenden Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) ist in Deutschland das MDC daran beteiligt, und das Helmholtz Zentrum München ist ein Kooperationspartner von BioRescue.

Hohe Zellingenieurskunst

iPS-Zellen können in der Kulturschale alle Zellen des Körpers hervorbringen. Bei dem Vorhaben, daraus Keimzellen zu machen, arbeiten die Forscher*innen eng mit dem Labor des japanischen Stammzellforschers Professor Katsuhiko Hayashi von der Kyushu-Universität zusammen. Hayashi ist es 2016 gelungen, aus der Haut von Mäusen Eizellen zu generieren, diese künstlich zu befruchten und weiblichen Mäusen einzupflanzen. Die mit dieser Methode gezeugten Mäuse waren gesund und fruchtbar.

Die Herstellung der iPS-Zellen gelang dem Stammzellforscher Professor Micha Drukker und seinem Team vom Helmholtz Zentrum München sowie vom Leiden Academic Centre for Drug Research der Universität Leiden mit der Methode der episomalen Reprogrammierung. Dafür hat der Forscher fremde DNA-Moleküle in die Hautzellen eingeschleust, sogenannte Plasmide. Sie enthalten Gene, die die Hautzellen zu iPS-Zellen reprogrammieren. Die so erzeugten Nashornstammzellen sind humanen iPS-Zellen erstaunlich ähnlich. „Unter dem Mikroskop sind sie kaum von menschlichen iPS-Zellen zu unterscheiden,“ sagt Micha Drukker. „Außerdem reagieren sie sehr ähnlich auf äußere Einflüsse.“ 

Vielversprechender Ausgangspunkt, um Keimbahnzellen zu kultivieren

Es gibt verschiedene Zustände von iPS-Zellen. Sie können naïv – in einem sehr ursprünglichen Zustand – oder geprimed vorliegen. Von letzterem nimmt man an, dass er in der Embryonalentwicklung etwas weiter vorangeschritten ist. Aus Versuchen mit Stammzellen von Mäusen ist bekannt, dass sie Keimbahnzellen besonders gut beim Übergang von geprimed zu naïv hervorbringen. Beim Versuch, die Nashornzellen in den naïven Zustand zu versetzen, starben diese jedoch zunächst ab. Deshalb führten die Forschenden ein Gen in die Nashornzellen ein, das den Zelltod verhindert. Mit Erfolg: Sie erhielten naïve iPS-Zellen. „Wir haben die Zellen ausführlich unter anderem durch Analyse von Transkriptomdaten charakterisiert“, erklärt Vera Zywitza. „Die erfolgreiche Konvertierung in den naïven Zustand der Pluripotenz ist ein vielversprechender Ausgangspunkt, um Keimbahnzellen zu generieren.“

Dennoch machten Vera Zywitza und ihre Kolleg*innen an dieser Stelle vorerst nicht weiter. „Die iPS-Zellen enthalten dauerhaft fremdes genetisches Material, nämlich die Reprogrammierungsfaktoren und das Gen gegen den Zelltod. Daraus können wir keine Keimzellen machen, da das Risiko besteht, dass diese krankhaft verändert wären“, erklärt Vera Zywitza. Trotzdem sind diese Zellen ein sehr gutes Werkzeug, um die Stammzellen des Nashorns an sich zu erforschen und ihre verschiedenen Zustände besser zu verstehen. Mit ihrer Hilfe können Wissenschaftler*innen die molekularen Mechanismen erforschen, die in Stammzellen ablaufen. „Wir können zum Beispiel untersuchen, warum die Tragzeit beim Nashorn 16 Monate beträgt und bei der Maus nur 21 Tage“, erläutert die Wissenschaftlerin. „Oder wie sich die Organe in den unterschiedlichen Spezies entwickeln. Wir können damit wirklich viel über die Evolution lernen.“

Auch Eierstockgewebe wird benötigt

Mittlerweile hat die Arbeitsgruppe von Sebastian Diecke weitere iPS-Zellen erzeugt. Dabei haben die Wissenschaftler*innen die Reprogrammierungsfaktoren nicht mithilfe von Plasmiden eingeschleust, sondern mithilfe von RNA-Viren. Diese neuen iPS-Zellen enthalten nichts mehr, was nicht hineingehört. Nun versuchen die Wissenschaftler*innen, daraus Vorläuferzellen von Eizellen herzustellen.

Und nicht nur das: Vorläuferzellen reifen nur zu Eizellen heran, wenn sie von Eierstockgewebe umgeben sind. Es ist nahezu unmöglich, dieses Material aus lebenden oder verstorbenen Nashörnern zu erhalten. „Wir müssen also sowohl Vorläuferzellen kreieren als auch Eierstockgewebe“, fasst Vera Zywitza zusammen. Auch dabei stehen die Berliner Wissenschaftler*innen mit Katsuhiko Hayashi in engem Austausch. Er hat im vergangenen Jahr erfolgreich Eierstockgewebe aus Stammzellen von Mäusen kultiviert.

Bislang 14 Embryonen durch assistierte Reproduktion

Derweil gibt es ebenfalls Fortschritte in der assistierten Reproduktion: Zuletzt hatten Wissenschaftler*innen des Leibniz-IZW in Zusammenarbeit mit dem Kenya Wildlife Service, dem Wildlife Research and Training Institute, dem Safari Park Dvůr Králové und der Ol Pejeta Conservany im Januar 2022 Eizellen von Fatu entnommen. Im Avantea-Labor in Italien wurden sie zur Reifung gebracht und mit dem aufgetauten Sperma eines bereits verstorbenen Bullen befruchtet. Insgesamt 14 Embryonen des nördlichen Breitmaulnashorns gibt es jetzt. Sie schlummern bei minus 196 Grad in flüssigem Stickstoff. In naher Zukunft werden die Wissenschaftler*innen sie Leihmüttern des südlichen Breitmaulnashorns einpflanzen, in der Hoffnung, dass ein gesundes Kalb auf die Welt kommt.

14 Embryonen – das ist ein großer Erfolg der Reproduktionsbiologie. Es ist jedoch nicht viel, wenn daraus eine sich selbsterhaltene Anzahl von Tieren werden soll. „Najin und Fatu sind zudem eng miteinander verwandt und ihre Erbanlagen teilweise identisch“, sagt BioRescue-Projektleiter Professor Thomas Hildebrandt vom Leibniz-IZW. „Von Najin konnten wir aufgrund ihres Alters und Beeinträchtigungen im Reproduktionstrakt keine Eizellen gewinnen, aus denen erfolgreich Embryonen erzeugt werden konnten – alle 14 Embryonen stammen von Fatu. Wir brauchen daher dringend eine komplementäre Strategie, um von deutlich mehr Individuen Gameten – also Eizellen und Spermien – zu erzeugen.“

Arten erhalten, bevor es zu spät ist

„Funktionsfähige Eizellen des nördlichen Breitmaulnashorns – das wäre die Krönung unserer Forschungsarbeit“, sagt Sebastian Diecke. Sie könnte Vorbildcharakter für andere bedrohte Tierarten haben: Gelingt die Fortpflanzung aus Stammzellen, könnten auf diese Weise weitaus mehr bedrohte oder vom Menschen bereits ausgerottete Arten wiederbelebt werden. Im Frozen Zoo – dem „Gefrorenen Zoo“ – am Beckman Center for Conservation Research in San Diego und in der Biobank des Instituts für Wildtierforschung in Berlin lagern über 10.000 tiefgefrorene Zellkulturen von mehr als 1.000 bedrohten Arten. „Diese Ressource könnte man verwenden“, sagt Sebastian Diecke. Das nördliche Breitmaulnashorn wäre dann nur der Anfang – „auch wenn es mir am besten gefallen würde, wenn unser Ansatz nie verwendet werden müsste und mehr für die Arterhaltung getan wird, bevor es zu spät ist.“

Für Vera Zywitza steht derweil fest: Sollte irgendwann ein nördliches Breitmaulnashorn dank Stammzelltechnologien geboren werden, würde sie es gerne kennenlernen.

Weiterführende Informationen

Literatur

Vera Zywitza et al (2022): Naïve‑like pluripotency to pave the way for saving the northern white rhinoceros from extinction, in: Scientific Reports, DOI: 10.1038/s41598-022-07059-w

Gemeinsame Pressemitteilung des MDC und des Leibniz-IZW

www.mdc-berlin.de

forschen / 11.03.2022
ERC-Starting Grant für die Erforschung der Wirkung von Isotopen in der Chemischen Biologie

Live-Zellbildgebung von nativen Zelloberflächenrezeptoren (hier GLP1R in rot) in lebenden Zellen (Kern in grün, Maßstabsbalken = 5 Mikrometer). Autor: Johannes Broichhagen und Ramona Birke
Live-Zellbildgebung von nativen Zelloberflächenrezeptoren (hier GLP1R in rot) in lebenden Zellen (Kern in grün, Maßstabsbalken = 5 Mikrometer). Autor: Johannes Broichhagen und Ramona Birke

Der renommierte Starting Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) wurde an Dr. Johannes Broichhagen vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) verliehen.

Dr. Broichhagen wird die mit 1,5 Millionen Euro dotierte Förderung nutzen, um an verschiedenen Fronten an der Visualisierung und Manipulation von Biomolekülen zu arbeiten, um deren Lokalisierung und Funktion grundlegend zu verstehen. Ein Traum vieler Zellbiologen und Bildgebungsspezialisten ist es, ein Molekül so abzubilden, wie es sich in lebenden Zellen verhält, da dies die uneingeschränkte Untersuchung von biologischen Proben ermöglichen würde. Das bedeutet, dass keine Gentechnik, keine Singulett-Sauerstoff-Erzeugung und keine Notwendigkeit, zusätzliche Moleküle einzuführen, eine biologische Probe stören würde. Dr. Broichhagen sieht also die Verwendung einer bio-orthogonalen Einheit vor, die von der Biologie und dem Stoffwechsel einer Zelle „unsichtbar“ bleibt, aber eine Signatur aufweist, die vom Forscher „gesehen“ werden kann. In seiner Arbeit versucht er, diesen Schritt zu überwinden, indem er Deuterium schrittweise in kleine Moleküle einführt. Dieser bahnbrechende Ansatz kann nur mit Hilfe der organischen Synthese erreicht werden, die flexibel genug ist, um Deuterium an den gewünschten Positionen auf molekularen Gerüsten einzuführen. Das Wissen muss aufgebaut werden, und so werden deuterierte Chromophore (d.h. Fluoreszenzfarbstoffe und kleine Molekül-Fotoschalter) für bestimmte Disziplinen der Chemischen Biologie synthetisiert, z.B. im Rahmen von Programmen zur Aufklärung der Position und Aktivität von Rezeptoren in endokrinem- und im Nervengewebe. Darüber hinaus will er tiefere Kenntnisse über physiologische und pathologische Zustände erlangen und die einzigartigen Eigenschaften einer Kohlenstoff-Deuterium-Bindung in der Bildgebung nutzen, um eine „markierungsfreie Kennzeichnung“ zu ermöglichen und die Pharmakokinetik zugelassener Arzneimittel mit noch nicht vollständig identifizierten Wirkmechanismen schnell und sauber zu bewerten.

Titel des Projekts: deuterON: Introducing deuterium for next generation chemical biology probes and direct imaging

Über die ERC-Grants: Das Förderprogramm des Europäischen Forschungsrats (ERC) ist eines der renommiertesten in Europa. Starting Grants unterstützen exzellente Forscher:innen, die mit einem eigenen unabhängigen Team oder Programm beginnen.  Die Grants sind mit bis zu 1,5 Millionen Euro über fünf Jahre dotiert.

forschen / 10.03.2022
Wie SARS-CoV-2 die Proteinfabrik der Zelle kapert

Bislang wurde widersprüchlich diskutiert, wie Coronaviren es schaffen, Wirtszellen zu kapern und dabei die körpereigene Abwehr zu blockieren. Forschende um Marina Chekulaeva vom MDC haben nun den entscheidenden Mechanismus entschlüsselt. Ihre Ergebnisse stellen sie im Fachjournal „RNA“ vor.

Etwas mehr als zwei Jahre sind seit dem Ausbruch des Coronavirus SARS-CoV-2 vergangen. Um das Virus in Schach zu halten und seine pandemische Ausbreitung zu stoppen, stehen bislang hauptsächlich Impfstoffe zur Verfügung. Diese vermögen derzeit die Übertragung des Virus jedoch nicht vollständig zu stoppen. Zudem ist damit zu rechnen, dass künftige Virusvarianten derart verändert sind, dass sie den Impfschutz umgehen können. Daher ist es von großer Bedeutung, das Virus und die Mechanismen, mit denen es Zellen infiziert, eigene Eiweißmoleküle herstellt und schließlich neue Viruspartikel produziert, besser zu verstehen. So lassen sich mögliche Angriffspunkte für die gezielte Therapie einer Infektion mit SARS-CoV-2 finden.

Ein Forschungsteam um Dr. Marina Chekulaeva am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) hat gemeinsam mit Kolleg*innen des Leibniz-Instituts für Analytische Wissenschaften in Dortmund herausgefunden, wie das Virus die Proteinfabrik der Zelle für sich einnimmt – um virale Proteine zu synthetisieren, gleichzeitig die Produktion von körpereigenen Eiweißstoffen zu blockieren und so die Immunantwort der Wirtszelle auszuhebeln. Im Fachjournal „RNA“ stellen die Wissenschaftler*innen ihre Ergebnisse vor.

NSP1 unterdrückt die Proteinproduktion in der Zelle

Schon länger hatten Forschende in diesem Zusammenhang ein virales Protein mit dem Kürzel NSP1 im Visier. Es ist das erste Virusprotein, das nach der Infektion der Wirtszelle entsteht. „NSP1 unterdrückt die Proteinproduktion der Zelle, ohne dabei die Synthese viraler Proteine zu beeinträchtigen“, sagt Marina Chekulaeva. „Darüber, wie das gelingt, gab es bislang sehr widersprüchliche Hypothesen. Wir haben beschlossen, diesen Mechanismus mit Lucija Buinic zu erforschen, der Erstautorin des Manuskripts. Sie hat während des Lockdowns in unserem Labor ihre Masterarbeit geschrieben.

Marina Chekulaeva ist es mit ihrem Team gelungen, diesen Prozess aufzudecken. Bekannt war bereits, dass sich das NSP1-Protein an die Ribosomen heftet, die der Zelle als Proteinfabriken dienen. Genauer gesagt, verankert es sich im Tunnel, durch das die messenger-RNA (mRNA) in das Ribosom eintritt, damit die Bauanleitung abgelesen und schließlich in Proteine übersetzt werden kann. Dadurch ist das Ribosom quasi blockiert: Zelluläre mRNAs gelangen nicht mehr in die Proteinfabrik, die Synthese wichtiger zellulärer Eiweißmoleküle der Zelle kann nicht stattfinden. Das betrifft letztlich auch die Immunantwort, die auf diese Weise unterdrückt wird.

Haarnadelstruktur dient als Passierschein

Allerdings benötigen auch virale mRNAs Zugang zu den Proteinfabriken, damit letztlich neue Viruspartikel entstehen können. Wie aber umgehen diese die Blockade, die das Virus verursacht hat? Marina Chekulaeva und ihr Team haben festgestellt, dass dabei bestimmte Nukleotide in einer speziellen Struktur der viralen mRNA, der sogenannten Haarnadel oder Stammschleife, eine Rolle spielen. Diese Haarnadel scheint als eine Art Passierschein zu dienen: Sie interagiert mit NSP1, das dadurch den Weg in das Ribosom freigibt. Das virale Protein kann synthetisiert werden.

„Wir haben damit drei mögliche Angriffspunkte für die antivirale Therapie entdeckt“, sagt Marina Chekulaeva. Eine Möglichkeit wäre, das NSP1-Protein selbst anzugreifen, sodass es nicht mit dem Ribosom interagieren kann. Alternativ könnte die Interaktion zwischen dem NSP1-Protein und der viralen mRNA unterbunden werden. Dazu könnte man etwa die Stelle blockieren, an der NSP1 mit der Haarnadelstruktur interagiert.

Es wäre auch denkbar, gezielt virale mRNA zu beseitigen. Chekulaeva und ihr Team haben dafür chemisch veränderte und dadurch stabilisierte Oligonukleotide hergestellt, die sich an die Haarnadelstruktur heften. So entsteht ein RNA-DNA-Hybrid, der von der Zelle beseitigt wird. Da diese Haarnadelstruktur spezifisch ist für virale mRNA, ist ein solcher Eingriff sehr spezifisch – die zelluläre mRNA und damit die Proteinsynthese der infizierten Zelle werden nicht beeinträchtigt. „Zudem handelt es sich um eine sehr wichtige Struktur, von der wir mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen dürfen, dass sie kaum mutiert“, sagt Chekulaeva. „Eine Resistenzbildung wäre also eher unwahrscheinlich.“

Zumindest im Experiment in der Kulturschale sind alle drei Möglichkeiten denkbar. Welche davon sich letztlich für die Therapie eignet, werden künftige Untersuchungen zeigen müssen.
 

Weitere Informationen

Literatur

Lucija Bujanic et al (2022): “The key features of SARS-CoV-2 leader and NSP1 required for viral escape of NSP1-mediated repression“, in: RNA, DOI: 10.1261/rna.079086.121

 

www.mdc-berlin.de

10.03.2022
Darmkrebs-Vorsorge kann Leben retten - Telefonsprechstunde am 14. März

© Thomas Oberländer/Helios Kliniken
© Thomas Oberländer/Helios Kliniken

Telefonsprechstunde zum Thema Darmkrebs und Darmkrebsvorsorge am 14. März

Der März steht ganz im Zeichen der Aufklärung und Prävention von Darmkrebs, denn frühes Erkennen könnte Darmkrebsfälle verhindern oder heilen. Anlässlich des bundesweiten Darmkrebsmonats informieren drei Experten aus dem zertifizierten Darmkrebszentrum im Helios Klinikum Berlin-Buch im Rahmen einer Telefonsprechstunde Interessierte, Betroffene und Angehörige über Vorsorge und Früherkennung sowie Therapiemöglichkeiten bei Darmkrebs

Prof. Dr. med. Frank Kolligs, Prof. Dr. med. Martin Strik und Priv.-Doz. Dr. med. Robert Siegel haben ein gemeinsames Ziel. Sie wollen mehr Menschen zur Darmkrebsvorsorge bewegen, denn keine andere Krebsart bietet durch Früherkennung so große Heilungschancen. Die drei Experten bieten am Montag, 14. März von 16 bis 17 Uhr eine Telefonsprechstunde zum Thema Darmkrebs und Darmkrebsvorsorge an und klären individuelle Fragen.

Darmkrebs, genauer Krebs des Dickdarms oder Mastdarms, gehört zu den häufigsten Krebsarten in den westlichen Ländern. Allein in Deutschland erkranken jährlich rund 61.000 Menschen an einem bösartigen Darmtumor, fast 25.000 sterben daran. Ab dem 50. Lebensjahr steigt das Risiko einer bösartigen Veränderung der Darmschleimhaut, meist spüren Betroffene zu Beginn der Erkrankung nichts. „Die Erkrankung entwickelt sich schleichend und wird daher oft erst spät erkannt. Daher ist es besonders wichtig, mögliche Warnzeichen ernst zu nehmen und zur Darmkrebsvorsorge zu gehen“, erklärt Prof. Dr. med. Frank Kolligs, Chefarzt der Inneren Medizin und Gastroenterologie, Leiter des Interdisziplinären Endoskopiezentrums sowie stellv. Leiter des Darmkrebszentrums im Helios Klinikum Berlin-Buch. Um Darmkrebs zu verhindern, sollten Männer spätestens ab dem 50. und Frauen spätestens ab dem 55. Lebensjahr zur Früherkennung gehen.

Vorsorge und Früherkennung

Darmkrebs zeigt am Anfang meist keine Symptome und kann zunächst unbemerkt bleiben. Die Wahrscheinlichkeit, daran zu erkranken, hängt von genetischen und anderen Faktoren ab. Die meisten davon sind beeinflussbar. Eine Darmspiegelung ermöglicht den Experten die frühzeitige Erkennung bösartiger Veränderungen der Darmschleimhaut. „Mithilfe moderner Endoskope können wir in hochauflösender Qualität und besonders schonend Polypen, die eine Vorstufe von Darmkrebs darstellen, erkennen und frühzeitig behandeln“, betont Prof. Kolligs. Angst vor einer Darmspiegelung braucht niemand zu haben, beruhigt der Mediziner: „Es besteht die Möglichkeit die Untersuchung unter Kurznarkose durchzuführen. Patienten werden diese dann im wahrsten Sinn des Wortes verschlafen.“

Abgesehen von einer Vorsorge, gibt es aber auch verschiedene Beschwerden, die die Betroffenen ernst nehmen sollten. Dazu gehören krampfartige Schmerzen im linken Unterbauch, sehr unregelmäßiger Stuhlgang, mit Schmerzen verbunden, Blut im Stuhl, teerfarbener Stuhl, starke Gewichtsabnahme und Blutarmut. Diese Symptome können jedoch auch auf andere Erkrankungen hinweisen, was eine medizinische Abklärung umso wichtiger macht. 

Diagnose Darmkrebs: Was nun?

Sollte ein Tumor diagnostiziert werden, ist es wichtig, dass er in einem zertifizierten Darmkrebszentrum behandelt wird. Hier arbeiten mehrere Fachdisziplinen eng zusammen und können gezielt die erforderlichen Therapiemaßnahmen zusammenstellen. „Für jeden Betroffenen entwickeln wir eine individuelle Therapie. Entscheidend ist, dass der Betroffene engmaschig betreut wird und ein Behandlungsschritt unverzüglich auf den nächsten erfolgen kann. Das Zusammenwirken der Disziplinen spielt dabei eine wichtige Rolle“, sagt Priv.-Doz. Dr. med. Robert Siegel, Bereichsleiter kolorektale Chirurgie und CED-Zentrum sowie Koordinator des zertifizierten Darmkrebszentrums im Helios Klinikum Berlin-Buch. 

Eine Vielzahl der Operationen bei Darmkrebs können inzwischen minimalinvasiv durchgeführt werden. „Durch die sogenannte Schlüsselloch-Technik genesen die Patienten schneller, haben weniger Schmerzen und geringere Wund- und Narbenbeschwerden“, sagt Prof. Dr. med. Martin Strik, Leiter des zertifizierten Darmkrebszentrums sowie Chefarzt der Chirurgie, und ergänzt: „Auch im Stadium mit Metastasen können wir durch neueste Behandlungsmethoden oft die Lebensqualität der Betroffenen erhalten und die Lebenszeit verlängern.“

Telefonsprechstunde

Um mehr Menschen für eine Vorsorge-Untersuchung zu motivieren und über Therapiemöglichkeiten aufzuklären, bieten die drei Mediziner am Montag, 14. März, von 16 bis 17 Uhr eine Telefonsprechstunde an. Fragen zu Vorsorgeuntersuchungen, zur Behandlung von Dick- und Mastdarmkrebs, zur operativen Therapie bei Darmkrebs und weitere Fragen rund um das Thema Darmkrebs können im Rahmen der Sprechstunde besprochen werden. Unter der Rufnummer (030) 9401-5 4444 können sich Betroffene, Angehörige und Interessierte beraten lassen. Die Sprechstunde ist kostenfrei und ohne Anmeldung nutzbar.

Gut zu wissen:

Das zertifizierte interdisziplinäre Darmkrebszentrum im Helios Klinikum Berlin-Buch bietet eine umfassende medizinische Versorgung auf höchstem Niveau mit Beratung von Risikopersonen, Prävention und Früherkennung, endoskopischer und radiologischer Diagnostik, medikamentöser und operativer Therapie, Bestrahlung und strukturierter Nachsorge. Bei jedem Darmkrebspatienten erfolgt die individuelle Festlegung des Behandlungskonzeptes in unserer interdisziplinären Tumorkonferenz.

Weitere Infos zum Thema Darmkrebs unter: www.helios-gesundheit.de/darmkrebsmonat

Kontakt:

Helios Klinikum Berlin-Buch

Zertifiziertes Darmkrebszentrum Berlin-Buch

Schwanebecker Chaussee 50, 13125 Berlin

T (030) 94 01-12720/23

robert.siegel@helios-gesundheit.de

www.helios-gesundheit.de/berlin-buch

 

Foto (Archivbild): (v.l.n.r.) Prof. Dr. med. Frank Kolligs, Prof. Dr. med. Martin Strik und Priv.-Doz. Dr. med. Robert Siegel wollen im Rahmen einer Telefonsprechstunde mehr Menschen für eine Vorsorge-Untersuchung motivieren und über Therapiemöglichkeiten aufklären. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

forschen / 07.03.2022
Lipid-Kinase Klasse II PI3K: Struktur von neuem Arzneimitteltarget aufgeklärt

Strukturmodell der aktiven PI3KC2α an der Plasmamembran (Abb.: Wen-Ting Lo, FMP)
Strukturmodell der aktiven PI3KC2α an der Plasmamembran (Abb.: Wen-Ting Lo, FMP)

Die Phosphoinosit 3-Kinase, kurz PI3K, ist eine Gruppe von Lipid-Kinasen, die Schlüsselfunktionen im menschlichen Körper, etwa bei der Zellteilung, beim Stoffwechsel und beim Zellwachstum ausüben. Während die Klasse I PI3-Kinase-α gut erforscht und ein wichtiger Angriffspunkt für Krebsmedikamente ist, ist über die Klasse II dieser Lipid-Kinase-Familie bisher wenig bekannt. Nun konnten Forscher vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) deren Struktur und Funktionsweise aufklären. Erste Resultate sind wegweisend für die Entwicklung neuartiger Blutplättchenhemmer. Zudem erhärtet sich der Verdacht, dass die Hemmung der Klasse II Kinase PI3KC2α die Angiogenese von Tumoren stoppen könnte. Die Arbeit ist jetzt in „Nature Structural & Molecular Biology“ erschienen. Eine zweite in „Science“ publizierte Arbeit führt zu einer weiteren wichtigen Spur.

Lipid-Kinasen gehören zu den vielversprechenden Targets neuer Arzneimittel-Klassen. Das liegt vor allem an der Klasse I PI3-Kinase-α, die bei der Entstehung von Krebs und Metastasen eine bedeutende Rolle spielt. In 30-40% aller Tumore ist dieses Enzym hyperaktiv, was zu unkontrolliertem Zellwachstum führt. Seit zwei Jahrzehnten wird diese gut erforschte Lipid-Kinase darum als Angriffspunkt für Krebsmedikamente genutzt.
Dagegen weiß man bislang nur wenig über das Schwester-Enzym, die Klasse II PI3-Kinase-α. Sie soll ebenfalls an zahlreichen biomedizinischen Vorgängen beteiligt sein, zum Beispiel an der Aggregation von Blutplättchen oder der Bildung neuer Blutgefäße, der sogenannten Angiogenese. Doch um Fehlfunktionen besser zu verstehen und medikamentös anzugehen, muss man wissen, wie diese Kinase im Detail aussieht und wie sie funktioniert.
Genau das ist Forschern vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) jetzt gelungen. Mit einer Kombination aus Röntgenkristallografie und Kryoelektronenmikroskopie (Kryo-EM) konnte die Arbeitsgruppe von Prof. Volker Haucke die Struktur der Klasse II PI3-Kinase-α (PI3KC2α) aufklären und zum ersten Mal den Aktivierungsmechanismus des Enzyms beschreiben. Dadurch ergeben sich nun völlig neue therapeutische Ansatzpunkte. Die Arbeit ist jetzt in „Nature Structural & Molecular Biology“ erschienen.

Hemmung der Kinaseaktivität könnte etlichen Patienten helfen
„Man kann davon ausgehen, dass die Hemmung der Kinaseaktivität in vielen biomedizinischen Anwendungen eine Rolle spielt, etwa dem Wachstum oder der Angiogenese von Tumoren“, erklärt Volker Haucke. „Und sie dürfte auch für die Hemmung der Blutplättchenaggregation wichtig sein.“
So weiß man, dass die Kinase benötigt wird, damit Blutplättchen einen Thrombus bilden. Interessant ist dabei, dass die Funktion der Kinase PI3KC2α strömungsabhängig ist, also abhängig vom Blutdruck. Würde man nun die Kinase medikamentös hemmen, würde die Plättchenaggregation vor allem im Fall eines Blutdruckanstiegs gestoppt. Die meisten „Blutverdünner“, die Patienten heute zur Vermeidung thromboembolischer Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall bekommen, wirken dagegen auch bei normalem Blutdruck, was fatale Nebenwirkungen wie Hirnblutungen haben kann. PI3KC2α-Kinase Inhibitoren hätten ein deutlich besseres pharmakologisches und biomedizinisches Profil als die bisherigen Blutplättchenhemmer, vermuten die FMP-Forscher.
Erste Experimente mit potenziellen Wirkstoffkandidaten zeigten auch schon, dass eine Hemmung der Kinase grundsätzlich möglich ist. Die Aufklärung der Struktur und des Aktivierungsmechanismus war dafür essentiell.

Voraussetzung für neue Medikamente geschaffen
Die Forschenden haben nämlich herausgefunden, wie die Bindetasche der Kinase beschaffen ist, die das Lipid und Adenosintriphosphat (ATP) als „zelluläre Währung“ bindet, um so die Übertragung einer Phosphatgruppe auf das Lipid zu ermöglichen. Außerdem wissen die Forscher nun, welche Art von "molekularer Gymnastik" die Kinase durchlaufen muss, um genau an der richtigen Stelle in der Zelle aktiviert zu werden.
„Diese Informationen sind die entscheidenden Voraussetzungen, um einen spezifischen Inhibitor zu entwickeln, der eben ausschließlich PI3KC2α hemmt und kein anderes verwandtes Enzym“, so Wen-Ting Lo, der Erstautor der Studie. Das Team um Volker Haucke und Wen-Ting Lo arbeitet bereits mit anderen Wissenschaftlern des Instituts an spezifischen Hemmstoffen, welche die ATP Bindetasche des Enzyms besetzen und somit die enzymatische Reaktion verhindern.

Kinase am letzten Stadium der Zellteilung beteiligt
Doch die FMP-Forscher haben noch mehr über PI3KC2α herausgefunden. Gemeinsam mit der Gruppe von Emilio Hirsch, Universität Turin, konnten die Forschenden zeigen, dass die Kinase auch am letzten Stadium der Zellteilung beteiligt ist, der sogenannten Zytokinese.
Ausgangspunkt der in „Science“ publizierten Arbeit waren Patienten, bei denen die Kinase aufgrund von Mutationen fehlt. Diese Personen leiden neben diversen Organdefekten an einer Linsentrübung, dem sogenannten Katarakt. An Mäusen und Zebrafischen konnte das Forscherteam aufzeigen, wie der Funktionsverlust des Enzyms zum „Grauen Star“ führt.
Bei der Zellteilung verdoppelt sich das Erbmaterial und wird anschließend auf die beiden Tochterzellen verteilt. Ein Schnitt durch die Zellmembran trennt schließlich die Tochterzellen voneinander. Doch wenn die Kinase fehlt, kommt es nicht zu diesem letzten Schnitt, weil ein entscheidendes Lipid, das nur von PI3KC2α hergestellt werden kann, fehlt. Die Epithelzellen der Augenlinse bleiben deshalb in der Zellteilung stehen. Damit ist nun geklärt, warum diese Patienten an einem Katarakt leiden. Der Fund hat aber noch eine weitere darüber hinausgehende Bedeutung: Die Erkenntnis, dass die Kinase eine maßgebliche Komponente der Zytokinese, also der Trennung der Tochterzellen, ist – dieser Mechanismus könnte auch für Tumore, die auf ständige Zellteilung angewiesen sind, von großer Bedeutung sein. Damit würden PI3KC2α Hemmstoffe möglicherweise auch neue Perspektiven in der Krebstherapie eröffnen.

Abbildung:
Strukturmodell der aktiven PI3KC2α an der Plasmamembran. In dieser offenen Konformation assoziieren die distalen PX und C2 Domänen mit Plasmamembranlipiden, während die Ras-bindende Domäne (RBD) an ein bislang unbekanntes Rab Protein bindet. (Abb.: Wen-Ting Lo, FMP)

www.leibniz-fmp.de

forschen, produzieren, heilen, bilden / 03.03.2022
Campus Berlin-Buch kürte Regional-Sieger von „Jugend forscht“

Prof. Volker Haucke, Direktor des Leibniz-Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (FMP), mit der Urkunde über den Campus-Sonderpreis für Mono Bergheim vom Primo-Levi-Gymnasium
Prof. Volker Haucke, Direktor des Leibniz-Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (FMP), mit der Urkunde über den Campus-Sonderpreis für Mono Bergheim vom Primo-Levi-Gymnasium

Von einer Schul-App für Covid-Schnelltests über Methoden der Makrofotografie bis zum smarten Rollator – beim 57. Regionalwettbewerb wurden in Buch viele spannende Projekte bewertet

Am 1. März 2022 präsentierten Schülerinnen und Schüler ihre Forschungsarbeiten beim Online-Wettbewerb „Jugend forscht“ unter dem Motto „Zufällig genial?“ auf dem Campus Berlin-Buch. Insgesamt 38 Projekte betreute der Campus für den Berliner Regionalwettbewerb. Für die Umsetzung sorgten drei Pateneinrichtungen des Campus: das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), die Campus Berlin-Buch GmbH und – assoziiert – das Experimental and Clinical Research Center (ECRC) von MDC und Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Campus-Sonderpreis: Ein Tag im Labor
Bei der Siegerehrung am 2. März 2022 wurden zehn erste Preise vergeben, verteilt auf die Wettbewerbssparten „Jugend forscht“ und „Schüler experimentieren“. Ein Projekt im Fachbereich Arbeitswelt gewann zusätzlich als „bestes interdisziplinäres Projekt“. Damit rücken insgesamt elf Projekte auf die nächste Stufe des bundesweiten Wettbewerbs: Die Gewinnerinnen und Gewinner dürfen beim Landeswettbewerb an der TU Berlin teilnehmen.

Zusätzlich zu den 1. bis 3. Plätzen ging der Sonderpreis „Plus-MINT“ an eine zehnjährige Schülerin und ihr Projekt einer „Smiley-Maske“, die Gesichtsausdrücke trotz Bedeckung zeigen kann. Den Sonderpreis „Energiewende“ erhielt das Projekt-Team „Windkraft-Anlage an Hochhäusern“.

In den Fachgebieten Physik, Arbeitswelt und Technik qualifizierten sich darüber hinaus drei Teams und ein Schüler mit Einzelprojekt für den Campus-Sonderpreis: Sie können demnächst einen Tag im Labor verbringen und erhalten dabei Einblicke in die Forschung der jeweiligen Institute.

Der Sonderpreis des MDC geht an das Team Faris Alagic, Lilly Persch und Konrad Vogt. Die drei erhielten außerdem im Fachgebiet Arbeitswelt den ersten Preis. Die Schüler*innen des Humboldt-Gymnasiums in Berlin-Tegel haben während der Corona-Pandemie 2021 in ihrem Informatik-Leistungskurs und in der Freizeit eine Software entwickelt, mit der Covid-Schnelltests an ihrer Schule besser organisiert und digitalisiert wurden. Auf der Grundlage dieser Software konnte zudem eine App entwickelt werden, die erfolgreich genutzt wird. „Die Schüler*innen haben mit Sachverstand, Phantasie, geradezu unternehmerischer Initiative und persönlichem Engagement für ihre Schulgemeinschaft sehr viel bewegt“, sagte Kirstin Bodensiek, Leiterin der Rechtsabteilung des MDC, bei der Preisverleihung. „Besonders beeindruckt mich, dass die Nachwuchs-Informatiker*innen ihr Projekt immer weiter verbessern und einfach nicht aufgeben. Außerdem haben sie mit ihrer Erfindung auch etwas für die Umwelt getan – denn sie spart viel Papier.“

Das FMP zeichnet Mono Bergheim, einen Schüler des Primo-Levi-Gymnasiums, aus. Er verglich verschiedene Methoden und Aspekte der Makrofotografie. Professor Volker Haucke, Direktor des FMP, bemerkte zu dieser Arbeit: „Die Ernsthaftigkeit und Genauigkeit, mit der Mono Bergheim die optischen Grundlagen der Makrofotografie bearbeitet hat und die augenfälligen Ergebnisse sind bemerkenswert. Kleinste Details sichtbar zu machen, ist ein wesentlicher Aspekt der Wissenschaft, den er im Rahmen seiner Möglichkeiten hervorragend ausgeschöpft hat.“

Rolli, der Rollator der Zukunft

Professor Friedemann Paul, Direktor des ECRC, zeigte sich beeindruckt von der Arbeit von Christian Diem, 13 Jahre, und Ferdinand Stein, 12 Jahre. Ihre Arbeit wurde nicht nur mit dem Campus-Sonderpreis, sondern auch mit dem ersten Preis im Fachbereich Technik ausgezeichnet. Die Schüler des Humboldt-Gymnasiums haben in der Sparte Technik eine Lösung für ein Alltagsproblem entwickelt. Sie hatten beobachtet, dass einer der Großväter Schwierigkeiten hatte, seinen Rollator beim Gehen zu bremsen und dadurch in Gefahr geriet zu stürzen. Dies spornte sie an, „Rolli“ zu entwickeln, einen Rollator, der bremst, wenn der Nutzer zu schnell wird, und damit Unfälle verhindert. „Mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln wie Legobausteinen und sinnvoll durchdachter Programmierung mit schülerverständlicher Software konnte bei diesem Projekt in hervorragender Eigenleistung ein Rollator entwickelt werden, der hoffentlich in naher Zukunft Anwendung finden könnte“, so Professor Paul.

In der Sparte „Schüler experimentieren“, Fachgebiet Physik, erhielten Theo Suchomski, Minh-Nhat Le und Justus Stephan vom Humboldt-Gymnasium einen Sonderpreis für ihren Bau einer Nebelkammer. Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführer der Campus Berlin-Buch GmbH, würdigte ihr Projekt bei der Preisübergabe: "Radioaktive Strahlung – eingesetzt in der Krebstherapie oder als Ersatz für fossile Energiequellen – ist ein Thema, das sicherlich kontroverse Diskussionen hervorrufen kann. Damit man sich ein umfassendes Bild machen kann, muss man zu allererst verstehen: Was ist Radioaktivität, und wo kommt sie her? Eine Nebelkammer zu bauen, um die Radioaktivität sichtbar zu machen, ist dafür ein guter Ansatz. Wenn dann noch auf das sonst übliche gefrorene Kohlenstoffdioxid verzichtet werden kann, ist das ein hervorragender Beitrag zur Klimarettung. Mit Hilfe des Vaters von Theo Suchomski konnten die jungen Forscher, zwischen elf und zwölf Jahren alt, den physikalischen Eigenschaften der Radioaktivität schon sehr früh und mit Erfolg auf die Spur kommen.“

Im nächsten Jahr wird der Campus den „Jugend forscht“-Wettbewerb gern wieder unterstützen – hoffentlich in Präsenz und nicht mehr im Online-Format. „Es ist uns wichtig, die Begeisterung für MINT-Fächer und fürs Forschen so früh wie möglich zu fördern“, so Dr. Ulrich Scheller. „Der Wettbewerb ‚Jugend forscht‘ ist ein Baustein unserer naturwissenschaftlichen Bildungsarbeit auf dem Campus.“
 

Weiterführende Informationen


Kontakt
Annett Krause
Öffentlichkeitsarbeit
Campus Berlin-Buch
Tel.: +49-(0)30-9489-2920
a.krause@campusberlinbuch.de

 

www.campusberlinbuch.de

forschen, produzieren, heilen / 01.03.2022
Berliner Zukunftsorte starten Kampagne „Zukunft ist, wenn…“

Motiv des Zukunftsorts Berlin-Buch (© Zukunftsorte Berlin)
Motiv des Zukunftsorts Berlin-Buch (© Zukunftsorte Berlin)

Die Berliner Zukunftsorte starten in dieser Woche eine breit angelegte Kampagne. Innovative Motive veranschaulichen, wie in Berlin an wichtigen Aufgaben für die Zukunft der Stadt gearbeitet wird. Auf 146 City-Light-Säulen und 237 Public-Video-Stations sowie mit Social-Media-Werbung werden die Zukunftsthemen einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Drei Motive machen den Anfang. Über das Jahr verteilt werden dann weitere Motive in der Stadt gezeigt.

Die Geschäftsstelle der Berliner Zukunftsorte ist ein von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe seit 2017 eingerichtetes Regionalmanagement mit den Kernaufgaben Vermarktung, Vernetzung und Kommunikation. Ein Ziel ist es, die elf Berliner Zukunftsorte und die Standortvorteile Berlins sichtbarer und bekannter zu machen, in dem anschaulich gezeigt wird, wie aus wissenschaftlichen Erkenntnissen innovative Produkte und Leistungen entstehen.

Hervorgehoben werden bei der Kampagne: „Zukunft ist, wenn …“ folgende Herausforderungen: Wie können wir die Welt vom Plastikmüll befreien, die Artenvielfalt erhalten oder Krankheiten wie Krebs besiegen? Ist es möglich, das Leben für alle Menschen lebenswerter zu machen und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen zu schonen? Die Kampagne stellt zum Start unter folgenden Slogans drei Lösungen vor:

  1. „Zukunft ist, wenn Plastikmüll Geschichte ist.“ (zukunftsorte.berlin/plastik)
    Am Zukunftsort „Berlin Adlershof“ entwickeln Forschende aus der Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik e.V., Mitglied der Zuse-Gemeinschaft, eine digitale Technik, Mikropartikel im Abwasser so aufzuspüren, dass sie herausgefiltert werden können und nicht in unsere Gewässer gelangen.
  1. „Zukunft ist, wenn die Bienen wiederkommen.“ (zukunftsorte.berlin/bienen)
    Am Zukunftsort „Technologie-Park Berlin Humboldthain“ wurde das Projekt „Sens4Bee“ vom Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM ins Leben gerufen. Das Ziel ist, mithilfe von Sensoren in Bienenstöcken und an Einzeltieren genügend Daten zu erheben, um die Verbindung von Bienenwohl und Umweltereignissen zu analysieren.
  1. „Zukunft ist, wenn Krebs nur noch ein Tier ist.“ (zukunftsorte.berlin/krebs)
    Am Zukunftsort „Berlin-Buch“ entwickelt T-knife neuartige Immuntherapien gegen Krebs: Sie bringen den T-Zellen von Patient:innen bei, solide Tumoren zu erkennen und zu bekämpfen. T-knife ist ein Spin-off des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) zusammen mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

 

Zukunftsorte Berlin

T-knife

forschen / 28.02.2022
Multiples Myelom: Warum der Krebs wiederkehrt

Die Massenspektrometrie bietet neue Ansätze für die personalisierte Krebsmedizin (Foto: David Ausserhofer, MDC)
Die Massenspektrometrie bietet neue Ansätze für die personalisierte Krebsmedizin (Foto: David Ausserhofer, MDC)

Mit zukunftsweisenden Methoden der Proteomanalyse hat ein interdisziplinäres Berliner Forschungsteam einen bisher unbekannten Mechanismus entschlüsselt, der einen Rückfall von Knochenmarkskrebs verursachen kann. Das berichten die Teams um Jan Krönke und Philipp Mertins in „Nature Communications“.

Selbst nach einer zunächst erfolgreichen Behandlung kehrt ein Multiples Myelom, der häufigste Knochenmarkkrebs in Deutschland, fast immer zurück. Die Ursachen für die Therapieresistenz, wie genetische Veränderungen, und die damit verbundene Rückkehr der Erkrankung sind jedoch nur in wenigen Fällen bekannt. Wie ein Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin, des Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) jetzt zeigt, macht die vermehrte Produktion eines bestimmten Proteins den Krebs unempfindlich gegen die Therapie. Die im Fachmagazin „Nature Communications“ veröffentlichten Ergebnisse eröffnen neue Behandlungsperspektiven.

Das Multiple Myelom ist eine Krebserkrankung, bei der Immunzellen im Knochenmark, die Plasmazellen, entarten. Das kann zur Schwächung des Immunsystems, Nierenversagen und starkem Knochenabbau und daraus folgenden Knochenbrüchen führen. Die durchschnittliche Überlebensdauer der Betroffenen hat sich mittlerweile durch neue Behandlungsmöglichkeiten deutlich verbessert. Beispielsweise drängt eine Therapie mit den Medikamenten Lenalidomid und Pomalidomid den Krebs häufig erfolgreich zurück. Allerdings wird der Tumor in fast allen Fällen unempfindlich gegen die Medikamente, entwickelt also eine Therapieresistenz. Trotz Behandlung fängt er wieder an zu wachsen, was mit einer schlechten Prognose für die Patientinnen und Patienten einhergeht.

Ein neuer Ansatz für die Behandlung

Mit zukunftsweisenden Methoden der Proteomanalyse hat ein interdisziplinäres Berliner Forschungsteam jetzt einen bisher unbekannten Mechanismus entschlüsselt, der einen solchen Rückfall verursachen kann. „Wir konnten zeigen, dass der Zellteilungsregulator CDK6 von den Krebszellen zum Zeitpunkt der Therapieresistenz übermäßig stark produziert wird“, erklärt Professor Jan Krönke von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie am Charité Campus Benjamin Franklin und einer der beiden Leiter der Studie. „Auf Basis unserer Daten gehen wir davon aus, dass die Hemmung von CDK6 ein neuer Ansatz für die Behandlung eines zurückgekehrten Multiplen Myeloms sein könnte.“

Beim Multiplen Myelom wurden bislang trotz umfangreicher DNA-Sequenzierung nur selten Veränderungen auf der genetischen Ebene, wie beispielsweise Mutationen oder Genverluste, gefunden, die die Therapieresistenz erklären. „Das deutet darauf hin, dass es in den Krebszellen auf anderer Ebene Veränderungen geben muss, die den Rückfall erklären“, sagt der zweite Studienleiter Dr. Philipp Mertins. Der MDC-Forscher leitet die Technologieplattform „Proteomics“ von MDC und BIH. „Zum Beispiel können die Gene der Krebszellen auch auf Proteinebene unterschiedlich reguliert sein. Das ist ein Effekt, den wir hier für das Protein CDK6 beobachtet haben.“ Um herauszufinden, ob solche Veränderungen auf Proteinebene den Tumor resistent gegen die Therapie machen, nutzte das Forschungsteam neueste Entwicklungen der Massenspektrometrie-Technologie. So gelang es, in Tumorproben, die bei Patientinnen und Patienten vor und nach dem Rückfall entnommen wurden, mehr als 6.000 Proteine zu quantifizieren.

Die Proteinanalyse lenkte den Blick auf ein einzelnes Enzym 

Die Forschenden stellten auf diese Weise für eine ganze Reihe von Proteinen fest, dass sie in den Krebszellen nach dem Rückfall in größeren oder auch kleineren Mengen vorlagen als vor der Therapie. Ein Großteil dieser Effekte ließ sich jedoch durch statistische und bioinformatische Analysen auf ein einzelnes Protein zurückführen: CDK6. Die Abkürzung steht für Cyclin Dependent Kinase 6 und bezeichnet ein Enzym, das in der Zelle den Eintritt in die Zellteilung reguliert. 

Dass CDK6 eine zentrale Rolle in der Entwicklung einer Therapieresistenz beim Multiplen Myelom spielt, wies das Forschungsteam zunächst in der Zellkultur nach. „Als wir die Menge von CDK6 in kultivierten Myelomzellen künstlich erhöhten, wurden diese Zellen unempfindlich gegen die Wirkstoffe Lenalidomid und Pomalidomid“, erläutert Dora Ng, Wissenschaftlerin an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie am Charité Campus Benjamin Franklin und Erstautorin der Studie. „Gaben wir jedoch zusätzlich einen CDK6-Hemmer hinzu, zeigten die Medikamente wieder Wirkung und die Krebszellen gingen zugrunde. Das zeigt, dass sich die Resistenz der Myelomzellen gegen die Therapie zumindest teilweise aufheben lässt, indem man CDK6 hemmt.“

Einige CDK6-Hemmer sind bereits zugelassen

Diesen Effekt konnte das Team ebenso im Tiermodell bestätigen: Wurde neben Pomalidomid auch ein CDK6-Hemmer verabreicht, waren die Überlebenschancen bei einer solchen Erkrankung deutlich besser. „Diese Daten weisen darauf hin, dass auch Patientinnen und Patienten mit einem therapieresistenten Multiplen Myelom von einer zusätzlichen CDK6-Hemmung profitieren könnten“, sagt Krönke, der durch das Emmy Noether-Programm der DFG gefördert und auch Wissenschaftler des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK) am Partnerstandort Berlin ist: „Um diese Annahme zu überprüfen, sind nun weitere Studien nötig. Dabei ist von Vorteil, dass einige CDK6-Hemmer bereits für die Behandlung von Brustkrebs zugelassen sind.“ 

Dr. Evelyn Ramberger, zweite Erstautorin der Studie, hat die Proteinanalysen für das Projekt durchgeführt. Die Postdoktorandin an der Charité und Technologieplattform „Proteomics“ von MDC und BIH ist von dem hohen Nutzen der Methode für die Krebsforschung überzeugt: „In Zukunft wollen wir den neuen Ansatz moderner, umfassender Proteinanalysen an Tumorgewebe beim Multiplen Myelom und weiteren Krebserkrankungen zur Aufdeckung therapeutischer Ziele und Biomarker für die personalisierte Krebsmedizin weiterverfolgen“, sagt sie. 

Über die Studie
Unterstützt wurde das Projekt durch das Emmy Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Die Arbeit ist innerhalb des Konsortiums MSTARS (Multimodal Clinical Mass Spectrometry to Target Treatment Resistance) entstanden. Darin bündeln Forschungsgruppen der Charité und des MDC mit weiteren Berliner Partnern ihre herausragende Expertise in der Massenspektrometrie zu einem Forschungskern. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt seit 2020 mit rund 5,7 Millionen Euro.

Massenspektrometrie
Die Massenspektrometrie ist ein technisches Verfahren zur Analyse der Masse von Molekülen und Atomen. Die zu untersuchende Substanz wird dabei in eine Gasphase überführt und ionisiert. Die Ionen werden mithilfe eines elektrischen Feldes stark beschleunigt und in der Analyseeinheit des Massenspektrometers nach dem Verhältnis ihrer Masse zu ihrer Ladung gemessen. Das Massenspektrum einer Substanz gibt Aufschluss über ihre molekulare Zusammensetzung. Daher eignet sich die Massenspektrometrie zur Identifizierung, Charakterisierung und Quantifizierung einer Vielzahl von Biomolekülen, wie Proteinen, Metaboliten, Zuckern und Fetten, die sich je nach Krankheitsbild und Individuum anders verhalten.

Weiterführende Informationen
Gemeinsame Pressemitteilung von Charité, BIH und MDC vom 17.06.2021 zur Leistungsfähigkeit der Proteinanalyse: Tiefer Einblick in Tumore
Gemeinsame Pressemitteilung von Charité, BIH und MDC vom 10.02.2020 zum MSTARS-Konsortium: Massenspektrometrie für die Präzisionsmedizin
Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie (CBF)
Technologieplattform „Proteomics“ von MDC und BIH
BIH Core Unit Proteomics
Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung DKTK

Literatur
Dora Ng, Evelyn Ramberger et al. (2022): „Proteomic profiling reveals CDK6 upregulation as a targetable resistance mechanism for lenalidomide in multiple myeloma”. Nat Communications. DOI: 10.1038/s41467-022-28515-1

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de 

Gemeinsame Pressemitteilung der Charité und des BIH mit dem MDC auf der Website des MDC:
Multiples Myelom: Warum der Krebs wiederkehrt

forschen / 28.02.2022
Cholesterinsenker können Metastasen ausbremsen

Viele Menschen müssen Statine einnehmen, um ihren Cholesterinspiegel zu senken. Doch Statine können möglicherweise noch mehr: Forscher*innen um Ulrike Stein vom ECRC und Robert Preißner von der Charité berichten in „Clinical and Translational Medicine“, dass sie ein Gen hemmen, das Krebszellen metastasieren lässt.

Die wenigsten Krebspatient*innen sterben an einem Primärtumor, sondern an dessen Metastasen – auch nach einer geglückten Tumoroperation. Denn Krebszellen können sich früh auf Wanderschaft im Körper begeben, wenn der Tumor noch sehr klein, vielleicht noch gar nicht entdeckt worden ist. Dafür müssen sie sich aus ihrem Zellverband lösen, in benachbarte Lymph- oder Blutgefäße ein- und von dort wieder auswandern, sich in neuem Gewebe niederlassen und vermehren.  

Die molekularen Mechanismen der Metastasierung zu verstehen, ist daher ein wichtiges Puzzlestück im Kampf gegen Krebs. Vor über zehn Jahren ist es Professorin Ulrike Stein mit ihrer Arbeitsgruppe am Experimental and Clinical Research Center (ECRC) gelungen, im menschlichen Darmkrebs einen wichtigen Treiber dieses Prozesses ausfindig zu machen: das Metastasis-Associated in Colon Cancer 1-Gen (MACC1). Das ECRC ist eine gemeinsame Einrichtung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Ein Screening führte zu den Statinen

Um sich zu vermehren, fortzubewegen und in anderes Gewebe einzudringen, exprimieren diese Krebszellen MACC1. „Viele Krebsarten streuen nur bei den Patientinnen und Patienten mit hoher MACC1-Expression“, erläutert Ulrike Stein. Diese Rolle von MACC1 als Schlüsselfaktor und Biomarker für Tumorwachstum und Metastasierung haben mittlerweile viele andere Forscher*innen weltweit untersucht und in mehr als 300 Veröffentlichungen bestätigt – nicht nur bei Darmkrebs, sondern bei mehr als 20 soliden Tumoren, etwa Magen-, Leber- oder Brustkrebs. Nun hat Ulrike Stein zusammen mit PD Dr. Robert Preißner von der Charité entdeckt, was den Metastasenantrieb in solchen Fällen stören könnte: Statine, die als Cholesterinsenker verschrieben werden, hemmen die MACC1-Expression in Tumorzellen. Ihre Ergebnisse stellen die Wissenschaftler*innen im Fachjournal „Clinical and Translational Medicine“ vor.

Auf der Suche nach MACC1-Inhibitoren führten die Forschenden zusammen mit Kolleg*innen am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg Hochdurchsatz-Medikamentenscreenings durch. Und stießen unabhängig voneinander auf Statine. An verschiedenen Tumorzelllinien überprüften sie diese Entdeckung – mit positivem Ergebnis: Alle sieben getesteten Medikamente verminderten die MACC1-Expression in den Zellen, allerdings nicht alle gleich stark. Daraufhin verabreichten die Wissenschaftler*innen die Cholesterinhemmer genetisch veränderten Mäusen mit erhöhter MACC1-Expression. Die Tiere bildeten daraufhin kaum noch Tumore und Metastasen aus. „Besonders bemerkenswert ist, dass dies bei den Tieren auch dann noch funktioniert hat, nachdem wir die Dosis im Verhältnis zur Menge, die Menschen normalerweise einnehmen, verkleinert haben“, sagt Ulrike Stein.

Der Vorteil: Statine sind bereits zugelassen

Robert Preißner und Wissenschaftler*innen der Universität von Virginia analysierten außerdem die Daten von insgesamt 300.000 Patient*innen, denen Statine verschrieben worden waren. Dabei stießen sie auf eine Korrelation: „Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung war bei den Patient*innen, die Statine einnehmen, die Krebshäufigkeit um die Hälfte niedriger“, fasst Robert Preißner zusammen.

Von einer präventiven Einnahme der Statine ohne ärztliche Beratung und Check der Lipidwerte rät Ulrike Stein ab, damit eventuelle schwerwiegende Nebenwirkungen unter Kontrolle bleiben.

„Wir stehen noch ganz am Anfang“, betont die Wissenschaftlerin. „Zelllinien und Mäuse sind keine Menschen, wir können die Ergebnisse nicht ohne Weiteres übertragen.“ Nach den experimentellen Untersuchungen und der retrospektiven Datenanalyse sei nun eine klinische Studie geplant. Erst danach könne man mit Gewissheit sagen, ob Statine die Metastasierung bei Patient*innen mit hoher MACC1-Expression tatsächlich verhindern oder abschwächen.

Weitere Informationen

Literatur

Bjoern-O Gohlke et al (2022): Real-world Evidence for Preventive Effects of Statins on Cancer Incidence: A Trans-Atlantic Analysis, in: Clinical and Translational Medicine, DOI: https://doi.org/10.1002/ctm2.726

 

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

Text: Jana Ehrhardt-Joswig

 

leben / 28.02.2022
Veranstaltungen zum Pankower Frauenmärz 2022

Anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März finden auch in Pankow zahlreiche Veranstaltungen der bezirklichen Fraueneinrichtungen statt.
Im Fokus der Veranstaltungen steht das Empowerment von Frauen in einer Gesellschaft, die noch immer von einer Vielzahl geschlechtsspezifischer Benachteiligungen geprägt und in der eine alltägliche Gleichstellung von Frauen und Männern noch längst nicht erreicht ist. Verstärkt werden diese Benachteiligungen durch eine weltweite Pandemie, weshalb der Pankower Frauenmärz und seine Veranstaltungen wichtiger denn je sind.
Ob zum Thema Catcalling (verbale sexuelle Belästigung) im öffentlichen Raum, Frauen in der Literatur und Kunst, auch und insbesondere im Kontext von Migration und Flucht, das Arbeiten und Leben in familiären Belastungssituationen - alle Veranstaltungen bieten Raum für einen solidarischen Austausch, Begegnung und Vernetzung.

Das Bezirksamt Pankow beteiligt sich am Pankower Frauenmärz mit zwei Aktionen: So setzt es am 7. März mit Hängung der Equal-Pay-Day-Fahne am Rathaus Pankow ein solidarisches Zeichen für die Schließung der Lohnlücke zwischen Frauen und Männern. Am 10. März wird die Fürsorgerin Gertrud Pincus durch eine Platzbenennung in Prenzlauer Berg gewürdigt und dadurch mehr Sichtbarkeit für Frauenpersönlichkeiten im öffentlichen Raum geschaffen.

Alle Termine und weitere Informationen sind im Frauenmärz-Programm auf der Website der Gleichstellungsbeauftragten im Bezirksamt Pankow zu finden: www.berlin.de/ba-pankow/gleichstellung.

forschen / 28.02.2022
Immer Richtung Arterien

Blutgefäße eines Zebrafischembryos: die Expression des Wiskott-Aldrich-Gens ist auf dem rechten Bild abgeschwächt. Schwarz: Aktinfilamente im Zellzytoskelett, rot: Zellkerne von Endothelzellen (© Andre Angelo Sousa Rosa /Gerhardt Lab, MDC)
Blutgefäße eines Zebrafischembryos: die Expression des Wiskott-Aldrich-Gens ist auf dem rechten Bild abgeschwächt. Schwarz: Aktinfilamente im Zellzytoskelett, rot: Zellkerne von Endothelzellen (© Andre Angelo Sousa Rosa /Gerhardt Lab, MDC)

Wie ein neues Blutgefäß den passenden Durchmesser erhält, war bisher unbekannt. Ein Team um den MDC-Forscher Holger Gerhardt berichtet jetzt im Fachblatt „Development“, dass eine zielgerichtete Wanderung neu gebildeter Zellen von den Venen in Richtung Arterien entscheidend dafür ist.

Auf einer Länge von etwa 150.000 Kilometern bilden die menschlichen Blutgefäße ein weit verzweigtes Netz, das jede noch so entlegene Stelle des Körpers mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Je weiter sich die vom Herz wegführenden Gefäße verästeln, desto feiner werden sie. Während die Hauptschlagader, die Aorta, einen stolzen Durchmesser von rund drei Zentimetern besitzt, beträgt dieser bei den kleinsten Kapillaren nur noch ein paar Mikrometer.

Ähnlich sieht es auf dem Weg zurück zum Herzen aus. Zwar liegt der Durchmesser der kleinen Venolen, die das sauerstoffarme Blut transportieren, bereits im zwei- bis dreistelligen Mikrometerbereich. Bei den beiden Hohlvenen aber, die ins Herz münden, beträgt er zwei Zentimeter.

Fehlbildungen der Gefäße verstehen

„Wie ein neu gebildetes Gefäß den passenden Durchmesser erhält und diesen auch auf seiner ganzen Länge konstant beibehält, war bisher unbekannt“, sagt Professor Holger Gerhardt, Leiter der Arbeitsgruppe „Integrative Vaskuläre Biologie“ am Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). Gemeinsam mit seinem Team und Forscher*innen des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) in Berlin, des Berlin Institute of Health (BIH) und der University of Edinburgh in Schottland ist Gerhardt dieser Frage nachgegangen.

„Mit unserer Forschung können wir dazu beitragen, angeborene Fehlbildungen von Gefäßen besser zu verstehen – zum Beispiel die Entstehung von Shunts, bei denen Arterien und Venen direkt miteinander verbunden sind, wodurch das Gewebe über die Kapillaren nicht mehr ausreichend mit frischem Blut versorgt werden kann“, erläutert Gerhardt. Finanziell unterstützt wurde seine Studie vom DZHK, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), vom European Research Council (ERC) und von der Leducq Foundation. Publiziert ist sie in der Fachzeitschrift „Development“. Erstautoren der Veröffentlichung sind der Entwicklungsbiologe Dr. André Rosa und der Mathematiker Dr. Wolfgang Giese, beide Postdocs in Gerhardts Arbeitsgruppe.

Wanderung gegen den Blutstrom

„In Experimenten mit durchsichtigen Zebrafischlarven haben wir beobachten können, wie sich Arterien und Venen erstmalig bilden“, berichtet Gerhardt. Man habe sich insbesondere das Endothel, also die innere Auskleidung der Blutgefäße, angeschaut, um zu verstehen, wie die Gefäße aussprießen und sich miteinander verbinden. „Dabei konnten wir jede einzelne Endothelzelle auf ihrer Wanderung durch den Organismus verfolgen“, sagt der Forscher. Ihre zahlreichen Live-Aufnahmen haben die Wissenschaftler*innen anschließend mithilfe mathematischer Modelle am Computer analysiert.

Die Zahl der Zellteilungen bestimmt demnach den Durchmesser der Venen. Bei Arterien wird er hingegen durch die zielgerichtete Migration von Zellen aus den Venen festgelegt.

„Die Zellen wandern also aktiv, gegen den Blutfluss, in die sich bildenden Arterien ein“, erklärt Gerhardt. „Tun sie dies nicht, werden die Venen zu dick und die Arterien zu dünn – und es kommt darüber hinaus zu Shunts, die dann auch bestehen bleiben.“

Ein Protein reguliert die Migration

In einem weiteren Schritt haben die Forscher*innen ermittelt, ob die Migration der Zellen von den Venen in die Arterien durch ein bestimmtes Gen kontrolliert wird. „Gesucht haben wir zunächst bei den Erbanlagen, die das Aktinzytoskelett regulieren, das an allen Bewegungen von Zellen im Organismus beteiligt ist“, erzählt Gerhardt. „Dabei haben wir erstaunlicherweise gesehen, dass das Gen für ein Protein namens WASp in den Endothelzellen äußerst aktiv ist.“

Die Abkürzung WASp steht für die englische Bezeichnung „Wiskott-Aldrich-Syndrome protein“, das für die Funktion des Zytoskeletts ganz wesentlich ist. Ist es defekt, ruft es eine erbliche Immunstörung hervor. „Bislang hatte man gedacht, dass das WASp-Gen nur in weißen Blutkörperchen exprimiert wird“, sagt Gerhardt. „In Endothelzellen hingegen schien es bisher keine große Rolle zu spielen.“

Diese Annahme stellte sich allerdings als ein Irrtum heraus: „Nachdem wir in einigen Zebrafischlarven das WASp-Gen gezielt ausgeschaltet hatten, blieb die zielgerichtete Wanderung von Endothelzellen in Richtung Arterien aus und es kam vermehrt zu Shunts“, berichtet Gerhardt. Spannend sei diese Beobachtung vor allem deshalb, weil Menschen mit einem veränderten WASp-Gen mitunter auch an wiederkehrenden Aneurysmen leiden. Ein Aneurysma ist eine ballonartige Aussackung in der Wand von Blutgefäßen, meist von Arterien. Wenn es reißt, kann dies zu lebensbedrohlichen Blutungen führen.

Forschung mit menschlichem Gewebe

Als nächstes wollen Gerhardt und seine Kolleg*innen überprüfen, inwieweit sich ihre Beobachtungen auf den Menschen übertragen lassen. „Wir möchten herausfinden, ob der von uns entdeckte Mechanismus bei der Entstehung von Krankheiten eine Rolle spielt und, wenn ja, inwieweit er sich beeinflussen lässt“, sagt Gerhardt. Dabei stehe nicht nur das seltene Wiskott-Aldrich-Syndrom im Fokus ihrer Forschung. Denkbar sei auch, dass ein verändertes WASp-Gen zum sehr viel häufigeren Lungenhochdruck führen könne.

Text: Anke Brodmerkel

Abbildung: Blutgefäße eines Zebrafischembryos: die Expression des Wiskott-Aldrich-Gens ist auf dem rechten Bild abgeschwächt. Die Aktinfilamente im Zellzytoskelett sind in schwarz dargestellt, Zellkerne von Endothelzellen in rot. (© Andre Angelo Sousa Rosa /Gerhardt Lab, MDC)

Weiterführende Informationen

Literatur

André Rosa, Wolfgang Giese et al. (2022): „WASp controls oriented migration of endothelial cells to achieve functional vascular patterning“, Development, DOI: 10.1242/dev.200195

www.mdc-berlin.de

leben / 23.02.2022
Beirat für Menschen mit Behinderungen konstituiert sich neu

Engagierte für neue Wahlperiode gesucht

Nach den Wahlen im Herbst konstituiert sich auch der Beirat für Menschen mit Behinderungen neu. Aktuell sind Interessierte, die künftig in dem Gremium mitwirken möchten, aufgerufen, sich beim Bezirksamt Pankow zu bewerben.

Erwartet wird eine regelmäßige, aktive Teilnahme der Mitglieder an den turnusmäßigen Sitzungen, die alle zwei Monate freitags stattfinden. Engagierten Menschen mit Behinderungen, Träger der öffentlichen Verwaltung und Vereine der Inklusionshilfe können bis zum 25. März 2022 ihr Interesse an der Mitarbeit bekunden. Ein entsprechendes Formular und alle Kontaktdaten gibt es auf der Seite der Beauftragten für Menschen mit Behinderung im Bezirksamt Pankow unter:

https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/beauftragte/menschen-mit-behinderung/

Bezirksbürgermeister Sören Benn: "Lassen Sie uns gemeinsam das Leben der Menschen mit Behinderungen erleichtern und in unserem Bezirk die Umsetzung des Landesgleichberechtigungsgesetzes beleben und gestalten. Pankow steht für eine gleichberechtigte Teilhabe in allen Lebensbereichen".

Weitere Informationen und Anforderung des Formulars bei Ilona Struck, E-Mail: Ilona.Struck@ba-pankow.berlin.de, Tel.: 030 90295-2568.

forschen / 21.02.2022
Was der Darm über das Herz verrät

Medikamente können die Darmmikroben auf unterschiedliche Weise beeinflussen. © Isabel Romero Calvo/EMBL
Medikamente können die Darmmikroben auf unterschiedliche Weise beeinflussen. © Isabel Romero Calvo/EMBL

Veränderungen im Darm-Mikrobiom können langfristig zu Herz-Kreislauf-Leiden führen. Wie ein Team um die ECRC-Forscherin Sofia Forslund in „Nature Medicine“ berichtet, normalisieren sich einige der Abweichungen bei chronischen Zuständen aber anscheinend wieder. Medizinisch lässt sich das vielleicht nutzen.

Die Keime des menschlichen Darms beeinflussen die Gesundheit erheblich. Verstanden sind die komplizierten Zusammenhänge zwischen dem Mikrobiom und der Entstehung von Krankheiten bisher aber allenfalls in Ansätzen. Der schwedischen Bioinformatikerin Dr. Sofia Forslund, die am Experimental and Clinical Research Center (ECRC) die Arbeitsgruppe „Wirt-Mikrobiom Faktoren in Herz-Kreislauferkrankungen“ leitet, ist es einmal mehr gelungen, Veränderungen im komplexen Zusammenspiel der Darmkeime aufzuspüren, die offenbar entscheidend zur Entwicklung der großen Volkskrankheiten beitragen. Das ECRC ist eine gemeinsame Einrichtung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Bereits im Dezember hatte Forslund als Erstautorin eine Studie in der Zeitschrift „Nature“ publiziert, in der sie gemeinsam mit ihren Kolleg*innen an 2.173 europäischen Patient*innen untersucht hatte, wie sich das Mikrobiom und kardiometabolische Erkrankungen – zu denen neben Herzleiden zum Beispiel auch der Diabetes gehört – gegenseitig beeinflussen und welche Rolle die verordneten Medikamente dabei spielen.

Das Mikrobiom ist von Anfang an beteiligt

In ihrer aktuellen Veröffentlichung im Fachblatt „Nature Medicine“ beschreibt Sofia Forslund gemeinsam mit einem internationalen Team aus 62 weiteren Forscher*innen mehrere wichtige Abweichungen im Mikrobiom des Darms, die an der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beteiligt sind. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der koronaren Herzkrankheit (KHK). Dabei sind die Gefäße, die den Herzmuskel mit Sauerstoff versorgen, verengt. Die KHK gilt als die häufigste Todesursache in den westlichen Ländern. Sofia Forslund ist eine von sechs Erstautor*innen der Arbeit, die neue Wege zur Prävention von Herzleiden eröffnen könnte.

Für die Studie rekrutierten die Forschenden 1.241 Europäer*innen mittleren Alters, darunter gesunde Menschen und Patient*innen mit KHK in drei Krankheitsstadien – einem akuten Koronarsyndrom, einer chronischen KHK oder KHK mit begleitender Herzinsuffizienz. Außerdem waren auch Patient*innen ohne KHK, aber mit metabolischen Erkrankungen wie Adipositas oder Typ-2-Diabetes dabei. In Deutschland wirkten unter anderem das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) in Berlin und das European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg sowie in Israel das Weizmann Institute of Science in Rehovot an der Veröffentlichung mit.

Die Wissenschaftler*innen analysierten bei allen Proband*innen das Metagenom des Darms sowie das Metabolom des Bluts und des Urins. Das Metagenom enthält die genomischen Informationen aller Mikroorganismen, die den Darm besiedeln; das Metabolom umfasst alle am Stoffwechsel beteiligten Moleküle. „Wir haben festgestellt, dass – wenn wir den Lebensstil und die Auswirkungen von Medikamenten berücksichtigen – etwa drei Viertel der Mikrobiom- und Metabolom-Merkmale, die Menschen mit KHK von gesunden Personen unterscheiden, auch bei Menschen mit Stoffwechselerkrankungen vorhanden sind“, sagt Forslund. „Das deutet darauf hin, dass sich das Mikrobiom und das Metabolom schon lange vor dem offensichtlichen Beginn eines Herz-Kreislauf-Leidens verändern, nämlich bereits in den Vorstufen einer Stoffwechselerkrankung.“ Das wiederum spreche stark dafür, dass das Mikrobiom schon zu einem frühen Zeitpunkt an der Entstehung von Herzkrankheiten beteiligt sei.

Manche Merkmale normalisieren sich wieder

In einem weiteren Schritt analysierte das Team um Forslund Mikrobiom- und Metabolom-Merkmale, die spezifisch für die KHK und die drei untersuchten Krankheitsstadien sind – um exakte Diagnosen künftig zu erleichtern. „Zudem wollten wir herausfinden, inwieweit diese Signaturen mit einer Änderung der Medikation in Zusammenhang stehen“, sagt Forslund. „Was uns bei all unseren Analysen besonders überrascht hat, war die Beobachtung, dass sich einige Auffälligkeiten, die wir im akuten Krankheitsfall finden, anscheinend bei chronischen Zuständen wieder normalisieren“, berichtet die Forscherin. Diese Abweichungen wolle sie sich noch genauer ansehen: „Sie zu beseitigen, könnte helfen, eine akut erkrankte Person zu stabilisieren.“

Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse nach Ansicht von Forslund, dass bei künftigen klinischen Studien Vorsicht geboten sei. „Viele der Signaturen, die wir gefunden haben, sind nicht spezifisch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, sagt sie. Das müsse man bei weiteren Untersuchungen mit Patient*innen berücksichtigen. Forslund sieht auch die Grenzen ihrer aktuellen Arbeit: „Da es sich um eine Querschnittsstudie handelt, können wir keine Kausalität nachweisen, sondern nur Assoziationen aufzeigen.“

Weitere Einblicke ins menschliche Herz

Nun bleibe abzuwarten, ob Längsschnittdaten die Ergebnisse bestätigen. „Liefern soll solche Daten zum Beispiel die Berliner BeLOVE-Studie, für die wir rund 10.000 Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen rekrutieren“, sagt Forslund. Erste Resultate der Studie, an der neben dem MDC die Charité und das Berlin Institute of Health (BIH) beteiligt sind, erwartet die Forscherin in einigen Jahren. Gespannt ist Forslund zudem auf die Daten einer weiteren Untersuchung. Dafür analysiert sie derzeit gemeinsam mit Kolleg*innen das Mikrobiom von Patient*innen mit Herzinsuffizienz, bei denen die Pumpleistung des Herzens eingeschränkt ist.

Die ECRC-Forscherin war noch an einer weiteren zeitgleich in „Nature Medicine“ veröffentlichten Arbeit beteiligt. In dieser Publikation haben die Autor*innen das Mikrobiom und das Metabolom im Blut von 199 Patient*innen mit einem akuten Koronarsyndrom nach Auffälligkeiten durchforstet. Dabei haben sie unter anderem festgestellt, dass die Betroffenen, die in zwei großen israelischen Krankenhäusern behandelt wurden, im Vergleich zu Menschen ohne die lebensbedrohliche Durchblutungsstörung des Herzens deutlich geringere Mengen einer bisher unbekannten Bakterienart aus der Familie der Clostridiaceae aufweisen.

Weitere Informationen

Literatur
Sofia K. Forslund et al (2022): „Microbiome and Metabolome Features of the Cardiometabolic Disease Spectrum”, in: Nature Medicine, DOI: 10.1038/s41591-022-01688-4
Yeela Talmor-Barkan et al (2022): „Metabolomic and microbiome profiling reveals personalized risk factors for coronary artery disease”, in: Nature Medicine, DOI: 10.1038/s41591-022-01686-6

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

Pressemitteilung auf der Webseite des MDC:
Was der Darm über das Herz verrät

forschen / 21.02.2022
IT Girls in der Biomedizin - Was macht eine Informatikerin in der Gesundheitsforschung?

Lizenzfrei. (c) Pixabay
Lizenzfrei. (c) Pixabay

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) lädt am 28. April von 9.15 - 14 Uhr Schülerinnen ein:

Herzlich willkommen zum Girls‘ Day am MDC !

Wir nehmen Euch für einen Tag mit in unsere Labore! Unsere Azubis, Forscherinnen und IT-Fachfrauen zeigen Euch ihren Berufsalltag und erzählen Euch warum sie ihren Beruf gewählt haben, wie ihr Weg dahin ausgesehen hat und was daran so cool ist. Einblicke in die biomedizinische Spitzenforschung sind mit auf dem Menu. Dieses Angebot ist ab Klassenstufe 8 (mind. 13 Jahre alt).

Mehr Information zum Ablauf und zu den Themen findest Du unten.  Zur Anmeldung klicke bitte auf „Register now

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Die Hälfte der Forschenden sind Frauen; sie haben meist Biologie, Medizin oder Physik studiert, und es gibt auch Mathematikerinnen und Bioinformatikerinnen; viele haben erst nach dem Studium mit Informatik angefangen. Computer-gestützte Wissenschaft und Methoden der künstlichen Intelligenz spielen bei der Forschung eine immer wichtigere Rolle. Forschung funktioniert nur, weil sie von zahlreichen Menschen aus verschiedensten Berufsgruppen unterstützt wird, besonders von IT-Fachleuten.

Programm

9:15

Ankommen am MDC in Berlin-Buch bzw. am BIMSB in Berlin Mitte

9:30-10:20 Begrüßung und Kennenlernen der ganzen Gruppe. Was ist das MDC? Was bedeutet „Data Science“ und IT für die Arbeit am MDC?

10:20-10:30

Blitzlicht: die sechs gastgebenden Gruppen* („Hosts“) stellen sich kurz vor; Aufteilung auf die Gruppen (2 Mädchen/Gruppe)

10:30-12:30

Zeit in den Gruppen; Einblick in den Berufsalltag; Aktionen; Fragen und Antworten

12:35-13:15

Alle kommen zusammen  zum abschließenden Austausch und Feedback, Zusammenfassung, Verabschiedung

13:30-14:00

Gemeinsames Mittagessen in der Mensa in Buch bzw. Cafeteria in Mitte
Ende ca. 14 Uhr

Diese Gruppen laden jeweils zwei von Euch ein, ihren Berufsalltag kennenzulernen:

  1. Brigitte Bouman und das Team von Laleh Haghverdi entwickelt neue mathematische, computergestützte Methoden zur Analyse von biologischen Datensätzen.
  2. Untersuchungen zur Entwicklung des Nervensystems am Modell der Fliege könnt Ihr mit Miriam Faxel aus dem Team von Robert Zinzen erleben.
  3. Rebecca Knoll und Theda Bartolomäus aus dem Team von Sofia Forslund untersuchen anhand von Computermodellen, wie Herz-Kreislauf-Leiden das Leben im Darm beeinflussen und umgekehrt.
  4. Isabella Douzoglou Munoz und Johanna Elisabeth Fritsch aus dem Team von Melissa Birol erforschen, was „tanzende Spagetti“ im Gehirn anrichten.
  5. Petra Lange und ihre Kolleginnen führen Euch auf eine Roadshow durch die IT. Dort erfahrt Ihr, was Frauen in der IT alles leisten, und wie sie mit Mut, Können und manchmal Glück in diese Berufe gefunden haben.

Veranstaltungsort:

MDC (Buch und Mitte)
Robert-Rössle-Straße 10 bzw. Hannoversche Straße 28
13125 Berlin
Germany

Girl's Day 2022 am MDC

17.02.2022
Neue Kleingewässer im Landschaftsschutzgebiet Buch

Im Landschaftsschutzgebiet Buch sollen im Rahmen der Kompensation von Eingriffen durch den Ausbau der Autobahn A114 fünf Kleingewässer mit einer Gesamtfläche von 1.290 Quadratmetern angelegt werden. Drei kleinere Senken werden mit etwa 50 bis 80 cm Tiefe und zwei größere Mulden mit einer Tiefwasserzone von bis zu zwei Metern gebaut. Die geplanten Biotope bieten Vögeln, Amphibien und Insekten Lebensraum und Nahrungsmöglichkeiten.

Die Prüfung des Areals ergab jetzt, dass von dem Projekt keine erheblichen nachteiligen Umweltauswirkungen zu erwarten sind und auf eine aufwendige Umweltverträglichkeitsprüfung verzichtet werden kann. Maßgebend für die Einschätzung waren die nur geringen Einflüsse hinsichtlich der Nutzungs- und Schutzkriterien sowie die positiven Effekte auf Reichtum, Verfügbarkeit, Qualität und Regenerationsfähigkeit der natürlichen Ressourcen, insbesondere Tiere, Pflanzen und biologische Vielfalt des Gebiets. „Vorbehaltlich eines zeitnahen Abschlusses des Plangenehmigungsverfahrens und entsprechender Vergabemöglichkeit an einen Landschaftsbaubetrieb kann der Bau voraussichtlich im Winter 2022 beginnen und bis Frühjahr 2023 abgeschlossen sein“, erklärt die Bezirksstadträtin für Ordnung und Öffentlicher Raum, Manuela Anders-Granitzki.

Die Unterlagen, welche der Entscheidung zugrunde liegen, sind bei Interesse im Umwelt- und Naturschutzamt Pankow zur Einsicht zu erfragen und im Internet unter dem folgen Link veröffentlicht:

https://www.uvp-verbund.de/trefferanzeige?docuuid=D812625E-8451-43AD-9AA5-CAADA4E1F4F1&plugid=/ingrid-group:ige-iplug-be&docid=D812625E-8451-43AD-9AA5-CAADA4E1F4F1

leben / 16.02.2022
Sturmwarnung des Deutschen Wetterdienstes - Bezirksamt Pankow warnt vor Betreten der Grünanlagen

Das Straßen- und Grünflächenamt Pankow warnt für den 16. und 17. Februar 2022 ausdrücklich und dringend vor dem Betreten der öffentlichen Grün- und Erholungsanlagen. Es liegt eine aktuelle Sturmwarnung auch bis in die Nacht zum Samstag, 19.02.2022 des Deutschen Wetterdienstes vor. Örtlich kann es orkanartige Böen geben.

Aufgrund der langen Trockenperioden der vergangenen Jahre sind viele Bäume stark geschwächt und aktuell besonders gefährdet.

Trotz regelmäßiger Überprüfung der Bäume auf Verkehrssicherheit kann es daher zum Umsturz von Bäumen oder dem Abbrechen starker Äste kommen. Für Menschen, die sich in Parks und Grünanlagen aufhalten, besteht daher Lebensgefahr.

forschen / 11.02.2022
Neuer Omikron-Subtyp auf dem Vormarsch

© Felix Petermann, MDC
© Felix Petermann, MDC

Ähnlich wie zuvor in Dänemark breitet sich in Berlin ein weiterer Subtyp der Omikron-Variante aus: BA.2. Das ergab die Auswertung von Abwasserproben am MDC in Kooperation mit den Berliner Wasserbetrieben und dem Berliner Labor der amedes-Gruppe. Durch BA.2 könnte sich die derzeitige Corona-Welle verlängern.

Das Coronavirus mutiert ständig. Nach Alpha und Beta kam Delta, auch Gamma, Lambda, Epsilon und Iota kursieren in Teilen der Welt. Seit Omikron auf den Plan getreten ist, ist Delta in Deutschland fast vollständig verschwunden. Von Omikron sind zwei Subtypen bekannt, BA.1 und BA.2. In Berlin dominiert bislang BA.1. Doch Wissenschaftler*innen des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), der Berliner Wasserbetriebe (BWB) und des Laborunternehmens amedes konnten nun im Berliner Abwasser die Omikron-Untervariante BA.2 nachweisen: Anfang Januar war der Anteil kaum sichtbar, doch bereits am 13. Januar machte BA.2 ungefähr sechs und am 19. Januar ungefähr zwölf Prozent aus. Er wächst also schnell an.

 

Die beiden Subtypen unterscheiden sich in etwa 20 Mutationen voneinander. In Dänemark und in Südafrika hat BA.2 den Subtyp BA.1 nahezu verdrängt, in Großbritannien nimmt der Anteil von BA.2 seit Anfang Januar ebenfalls schnell zu. Eine Untersuchung dänischer Forscher*innen zeigt, dass BA.2 sich offenbar noch schneller verbreitet als BA.1. „Es ist möglich, dass BA.2 die derzeitige Omikron-Welle etwas verlängert“, sagt der MDC-Molekularbiologe Dr. Emanuel Wyler aus der Arbeitsgruppe „RNA-Biologie und Posttranscriptionale Regulation“ von Professor Markus Landthaler. „Die bisherigen Daten aus Großbritannien und Dänemark deuten aber eher darauf hin, dass bezüglich Krankheitsschwere und Wirkung der Impfung BA.1 und BA.2 vergleichbar sind.“

Computer-Tool sagt voraus, ob Inzidenz zu- oder abnimmt

Bei ihrer Vorhersage stützen sich die MDC-Wissenschaftler*innen auf ein computergestütztes Tool, das Vic-Fabienne Schumann und Dr. Rafael Cuadrat von der Technologie-Plattform „Bioinformatics and Omics Data Science“ von Dr. Altuna Akalin am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des MDC zusammen mit Kolleg*innen entwickelt haben. Mit „PiGx SARS-CoV-2“ können sie die Ausbreitung von SARS-CoV-2 sowie die Häufigkeit von Mutationen oder Virusvarianten aufdecken. Es funktioniert unabhängig von der Anzahl der Coronatests und den Krankheitsverläufen.

Ihre Ergebnisse decken sich mit denen der Berliner Wasserbetriebe, die in Kooperation mit dem Berliner Labor der amedes-Gruppe unter der Leitung von Dr. Martin Meixner ein eigenes Nachweis-Modell inklusive der Sequenzierung der Virusvarianten sowie eine App für die Visualisierung der Daten entwickelt haben. MDC und die Berliner Wasserbetriebe teilen sich die Arbeit auf: Während der Fokus der Wasserbetriebe auf der schnellen Bestimmung und Übermittlung der Viruslast liegt, analysiert das MDC vorrangig Untertypen und Mutationen.

Seit mehr als einem Jahr suchen die Forschenden im Berliner Abwasser nach dem Erbgut des Coronavirus. Einmal wöchentlich bereiten die Berliner Wasserbetriebe, die aktuell eine eigene Virus-Sequenzierung in ihrem Labor einrichten, Abwasserproben auf und senden diese ans BIMSB sowie an amedes. Die Wissenschaftler*innen reichern die Viruspartikel an und vervielfältigen das Virus-Erbgut mithilfe der PCR. In einem nächsten Schritt können sie mit Hochdurchsatz-Sequenzierungen sehen, welchen Anteil die einzelnen Virusvarianten unter den gefundenen Coronaviren ausmachen. Für die Abwasser-Sequenzierung am BIMSB ist insbesondere die Arbeitsgruppe von Markus Landthaler sowie die Genomik-Plattform unter der Leitung von Dr. Janine Altmüller verantwortlich.

Werden Proben aus dem Hals-Rachenraum sequenziert, wird bislang nicht zwischen Virusvarianten unterschieden. Abwasseranalysen machen das leichter: „Für ein aussagekräftiges Ergebnis über die Verbreitung neuer Virusvarianten müssen deutlich weniger Proben untersucht werden als bei der Analyse von Nasen-Rachenabstrichen“, sagt Markus Landthaler. „Außerdem können sie zur Frühwarnung dienen, da sie mit einigen Tagen Vorsprung zeigen, welche Variante im Umlauf ist. Die Daten zu BA.2 zeigen, wie empfindlich und effizient das Abwasser-Monitoring ist beim Bestimmen von Krankheitserregern. Das ist auch über SARS-CoV-2 hinaus von Bedeutung.“

Untersuchungen des Abwassers sind in Deutschland noch nicht als Teil eines Corona-Frühwarnsystems etabliert – weder für bekannte noch für ganz neue Virusvarianten. Das könnte sich jetzt ändern: Berlin ist einer von 20 Pilotstandorten im Abwasser-Monitoring-Programm, das die Bundesministerien für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU), für Gesundheit (BMG) sowie für Bildung und Forschung (BMBF) mithilfe von EU-Mitteln fördern. Projektpartner sind die Berliner Wasserbetriebe und das Landesamt für Gesundheit und Soziales. Ziel ist ein nationales Abwasserüberwachungssystem. Es soll Daten über SARS-CoV-2 und insbesondere seine Varianten im Abwasser erheben und an die zuständigen Gesundheitsbehörden sowie an eine europäische Austauschplattform übermitteln.

Weiterführende Informationen

 

forschen / 11.02.2022
ERC-„Proof of Concept“-Grant für Gaetano Gargiulo

© David Ausserhofer, MDC
© David Ausserhofer, MDC

Hochdurchsatzmethoden für die Suche nach neuen Krebsmedikamenten basieren oft auf grob vereinfachten Modellen. So vernachlässigen sie die häufigsten Zellzustände, die bei Krebs auftreten. MDC-Forscher Gaetano Gargiulo will mit einem ERC Proof of Concept Grant eine Lösung für dieses Problem finden.

Krebszellen täuschen den Körper auf perfide Art und Weise. Dabei verändern sie nicht nur ihr Erbgut und werden so vielfältiger. Sie können auch immer wieder ihren Zustand wechseln. „Wer Krebszellen mit präzisen Therapien zu fassen kriegen will, muss ihre ganze Heterogenität beachten und mögliche Ausweichmanöver einkalkulieren“, sagt Dr. Gaetano Gargiulo, der Leiter der Arbeitsgruppe „Molekulare Onkologie“ am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). Es wird immer klarer, dass die Zellzustände unbedingt dazugehören. Er und seine Kolleg*innen haben eine Technologie erfunden, die sie sichtbar machen und ihren Verlauf dokumentieren kann.

Die Zellen vieler solider Tumore, einschließlich der häufigen Lungen-, Brust-, Dickdarm- und Bauchspeicheldrüsenkrebsarten, machen sich ein Zellprogramm aus der Embryonalentwicklung zunutze: die epithelial-mesenchymale Transition (EMT). Wenn epitheliale Tumorzellen in den mesenchymalen Zustand übergehen, können sie zum Beispiel leichter durch den Körper wandern und sie reagieren anders auf Krebsmedikamente. Mithilfe ihrer neuen Technologie konnten Gargiulo und sein Team zum Beispiel zeigen, dass Immunzellen dabei zu Kollaborateuren werden können. Im Gehirn helfen sie den Zellen des Glioblastoms, in einen mesenchymalen Zustand überzugehen und so resistent gegen eine Chemotherapie zu werden. Auch beim Lungenkrebs hat das Team die Zustandsänderungen verfolgt. „Und sie sind keine Einbahnstraße“, sagt Gargiulo.

Die Erfindung der molekularen Reporter, die den Übergang sichtbar machen, war Teil eines Projekts, das der Europäische Forschungsrat ERC bereits mit einem Starting Grant fördert. Schnell war Gargiulo und seinem Team klar, dass die Technologie nicht nur für ihre eigenen Forschungsfragen relevant ist. Sie könnte die Suche nach neuen Wirkstoffen gegen Krebs effektiver machen. Das sieht auch der ERC so und fördert nun die ersten Schritte zur Kommerzialisierung der Erfindung mit einem „Proof of Concept“-Grant über 150.000 Euro. Gargiulo ist einer 166 Forscherinnen und Forschern aus ganz Europa, die der ERC in diesem Jahr so unterstützt und den Weg dafür ebnet, dass ihre Ergebnisse in breit verfügbare Lösungen übersetzt werden können.

Effektiver nach neuen Wirkstoffen gegen Krebs suchen

Gargiulos Projekt soll vor allem die Hochdurchsatz-Methoden verbessern, mit denen Wissenschaft und Pharmaindustrie nach neuen Krebsmedikamenten suchen. Um ganze Wirkstoff-Bibliotheken in einem Screening testen, nutzen sie etablierte Zelllinien als Standard-Modelle. „Dieser Ansatz ist allerdings derzeit zu grob vereinfacht. Denn Informationen zu den Zellzustände werden dabei weder erhoben noch im Prozess berücksichtigt“, sagt Gargiulo. „Dabei beeinflussen sie grundlegend, ob Therapeutika wirken können oder nicht. Und es ist mittlerweile Konsens, dass künftig eine Kombination verschiedener Wirkstoffe angewendet werden muss, um mögliche Ausweichmanöver zu verhindern.“ Mithilfe des „Proof of Concept“-Grants wollen er und seine Kolleg*innen nun einen Werkzeugkasten entwickeln, der die molekularen Reporter für oft genutzte Zelllinien nutzbar macht. Außerdem wollen sie die Nährmedien so definieren, dass sie die Zellen zielgerichtet in den einen oder anderen Zustand drängen.

„Als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können wir einen Prototyp entwickeln“, sagt Gargiulo. Doch das sei nur ein Schritt in Richtung breite Anwendung. Fachwissen zu geistigem Eigentum und eine Strategie, die die Wertschöpfung der Entdeckung fördert, seien ebenfalls unverzichtbar – etwa in Zusammenarbeit mit dem Technologietransfer-Team des MDC. „Der ERC-Grant gibt uns Zeit, uns auf diese Schritte zu konzentrieren. Das ist ein wichtiger Impuls.“ Er ist davon überzeugt, dass es sich lohnt. Schließlich verschlingen die Mängel in der Arzneimittelentwicklung derzeit Milliarden und selbst kleine Verbesserungen könnten erhebliche Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft haben. Und auf die unzähligen Patienten, die wirksame Therapien benötigen.
 

Weiterführende Informationen

AG Gargiulo
Molekulare Reporter stellen Verbündete des Hirntumors bloß

Die Gangschaltung von Tumorzellveränderungen
Pressemitteilung des ERC

investieren, produzieren / 09.02.2022
Eckert & Ziegler liefert Lutetium-177 für klinische Studien von Telix

Eckert & Ziegler (ISIN DE0005659700, TecDAX) hat mit Telix Pharmaceuticals Limited (ASX:TLX, Telix) einen langfristigen, weltweiten Vertrag über die Lieferung von Lutetium-177 (n.c.a. 177Lu) unterzeichnet. Das Radiopharmazeutikum wird für die Markierung von Prüfarzneimitteln eingesetzt, die Telix momentan in der klinischen Prüfung hat, und die in der Radionuklidtherapie (MTR) angewendet werden.

Zunächst soll Lutetium-177 von Eckert & Ziegler für die klinischen Prüfpräparate von Telix TLX591 (177Lu-rosopatamab für fortgeschrittenen Prostatakrebs) und TLX250 (177Lu-girentuximab für Nierenkrebs) eingesetzt werden.

Lutetium-177 wird für die Radionuklidtherapie innerhalb der Präzisionsonkologie verwendet. Dabei wird das Radioisotop Lutetium-177 an ein tumorspezifisches Medikament gekoppelt. Nach der Injektion reichert sich die Verbindung im Tumor an und zerstört die Tumorzellen von innen heraus unter weitgehender Schonung des gesunden Gewebes.

"Die Vereinbarung zeigt unsere herausragende Kompetenz bei der Lieferung von Isotopen an die pharmazeutische Industrie. Mit unseren Produktionsstätten in Europa, Asien und Nordamerika sind wir hervorragend aufgestellt, um die steigende Nachfrage nach diesem Isotop und den damit verbundenen Entwicklungs- und Produktionsdienstleistungen zu bedienen", erklärt Dr. Harald Hasselmann, Vorstand und verantwortlich für das Segment Medical bei Eckert & Ziegler. "Unser kürzlich geschlossenes Joint Venture mit Atom Mines LLC verschafft uns einen exzellenten Zugang zu dem knappen und unverzichtbaren Vorprodukt Ytterbium-176 und ermöglicht es uns, Lutetium-177 n.c.a. in höchster Reinheit und zuverlässig an Pharmakunden weltweit zu liefern."

"Wir freuen uns über die Vereinbarung mit Eckert & Ziegler, einem führenden Anbieter hochwertiger medizinischer Radioisotope, der nun Teil unseres globalen Netzwerks von Lutetiumlieferanten ist. Unser Ziel ist es, mit globalen Partnern zusammenzuarbeiten, die Isotope in höchster Qualität liefern, und die sich nachweislich für ökologisch nachhaltige Produktionstechnologien einsetzen. Die Beziehung zwischen Telix und Eckert & Ziegler ist eine Multi-Isotopen-Partnerschaft, und wir freuen uns, dass wir nun auch Lutetium-177 in die Lieferkette aufnehmen können“, ergänzte Dr. Gabriel Liberatore, Chief Operating Officer von Telix.

Radiotherapeutische Wirkstoffe, die vor der Injektion mit Lutetium-177 gekoppelt werden, befinden sich - für verschiedene Krebsarten - derzeit in einem fortgeschrittenen Stadium der klinischen Entwicklung.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.

Über Telix Pharmaceuticals
Telix ist ein biopharmazeutisches Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von diagnostischen und therapeutischen Produkten mittels Molecularly Targeted Radiation (MTR) spezialisiert hat. Telix hat seinen Hauptsitz in Melbourne, Australien und internationale Niederlassungen in Belgien, Schweiz, Japan und den Vereinigten Staaten. Telix entwickelt ein Portfolio von Produkten, die sich in der klinischen Phase befinden und einen bedeutenden, bisher ungedeckten medizinischen Bedarf in der Onkologie und bei seltenen Krankheiten adressieren. Telix ist an der Australian Securities Exchange (ASX: TLX) notiert.

Quelle: Pressmitteilung EZAG
Eckert & Ziegler liefert Lutetium-177 für klinische Studien von Telix

www.ezag.de

leben, heilen / 07.02.2022
Impftag in Buch am 16. Februar 2022

Mobiles Impfteam des Gesundheitsamtes Pankow im Bucher Bürgerhaus

Das Mobile Impfteam des Gesundheitsamtes Pankow ist am Mittwoch, dem 16. Februar 2022 von 9 bis 14 Uhr im Bucher Bürgerhaus, Franz-Schmidt-Straße 8, 13125 Berlin, im Einsatz.

Geimpft werden Personen ab dem 12. Lebensjahr, Minderjährige nur in Begleitung eines/einer Erziehungsberechtigten, Terminvereinbarung ist nicht erforderlich. Zum Einsatz kommt der Impfstoff BioNTech/Pfizer für Erst- und Zweitimpfung sowie die Boosterimpfung nach aktuellen Empfehlungen der STIKO. Vorgelegt werden muss ein Lichtbildausweis bzw. ein gültiges Ausweisdokument, Impfpass ist wünschenswert.

Dazu sagt Dr. Cordelia Koch, Stadträtin für Gesundheit: „Impfen schützt Leben. Impfen schützt vor schweren Krankheitsverläufen. Schon ab dem 1. Piks. Ich freue mich daher sehr über unseren Impftag und ich hoffe, dass viele Menschen am 16. Februar 2022 ins Bucher Bürgerhaus kommen.“

Weitere Informationen auf der Seite des Gesundheitsamtes:

https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/aemter/gesundheitsamt/artikel.1173657.php

forschen / 03.02.2022
Weiteres Rätsel um den Chloridionenkanal ASOR gelöst

Quelle: FMP
Quelle: FMP

Der Chloridionenkanal ASOR ist allgegenwärtig in unseren Zellen. Doch außer seiner Beteiligung am Zelltod weiß man nicht viel über seine physiologische Bedeutung. Nachdem Forscher um Prof. Thomas Jentsch vom FMP und MDC vor zwei Jahren das Gen des säureempfindlichen Ionenkanals identifizieren konnten, haben sie nun Erstaunliches über dessen Struktur und Aktivierungsmechanismen herausgefunden. Die jetzt in „Science Advances“ publizierten Erkenntnisse sind ein weiterer Schritt auf dem Weg zu des Rätsels Lösung.

Ionenkanäle haben lebenswichtige Funktionen: Sie sorgen dafür, dass Ionen wie Chlorid, Kalium oder Natrium in unsere Körperzellen ein- und ausausströmen können. Auf diese Art und Weise wird der Elektrolytgehalt in den Zellen und ihrer Umgebung reguliert und beispielsweise elektrische Signale generiert. Ionenkanäle sind aber auch sehr wichtig für intrazelluläre Organellen, deren Funktion sie maßgeblich beeinflussen. Der Chloridionenkanal ASOR ist einer von ihnen.

Doch bislang weiß man nur wenig über den Acid-Sensitive Outwardly Rectifying Anion Channel – kurz ASOR. 2019 konnte das Team von Prof. Thomas Jentsch vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin, parallel zu einer Gruppe in den USA, das Gen für den säureempfindlichen Ionenkanal identifizieren. Schon damals war bekannt, dass sich dieser Kanal nur öffnet, wenn die extrazelluläre Umgebung sehr sauer wird. Das ist ungewöhnlich, denn ein derart niedriger pH-Wert kommt normalerweise nur vor, wenn Zellen absterben – etwa bei einem Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Bis heute ist unklar, warum praktisch alle menschlichen und tierischen Zellen diesen Ionenkanal besitzen. Neuere Daten weisen darauf hin, dass ASOR eine wichtige Rolle in intrazellulären Vesikeln spielt, die normalerweise einen pH aufweisen, der sauer genug ist, um ASOR zu aktivieren. Der Mechanismus dieser Aktivierung sowie die Struktur der Pore, durch die Chloridionen strömen können, waren bisher jedoch unbekannt. Erst die Kenntnis dieser Eigenschaften würde ein Design von Pharmaka, die ASOR beeinflussen, ermöglichen. In enger Zusammenarbeit mit Strukturbiologen in New York konnten die Berliner Forscher nun neue wichtige Erkenntnisse gewinnen: Zum ersten Mal überhaupt wurde die Struktur des offenen Kanals gezeigt sowie ein neuer Aktivierungsmechanismus identifiziert.

Struktur des offenen Kanals beschrieben
Die Kollegen um Professor Steve Long am Memorial Sloan Kettering Cancer Institute erhielten mit Hilfe von Kryo-Elektronenmikroskopie hochauflösende Strukturen des Kanals bei verschiedenen pH-Werten. Aus einem Vergleich dieser Strukturen wurden Modelle für die Funktion des Kanals abgeleitet, die die Berliner Arbeitsgruppe mit Hilfe des Austauschs einzelner Aminosäuren und anschließender elektrophysiologischer Analyse überprüfte. „Was wir gefunden haben, ist für einen Ionenkanal ziemlich ungewöhnlich“, sagt Post-Doktorandin Maya Polovitskaya, eine der Erstautorinnen der Studie. „Änderungen des pH Werts führen zu einer Kontraktion der extrazellulären Domäne des Kanals, die dadurch an Membran-durchquerenden helikalen Segmenten des Kanalproteins zieht. Im Gegensatz zu anderen Kanälen, bei denen die Öffnung der Pore nur mit relativ kleinen Veränderungen der Position einzelner oder weniger Aminosäuren einhergeht, sehen wir bei ASOR eine drastische Veränderung des Membrananteils des Kanals. Dieser Prozess, den wir Transmembranmetamorphose nennen, führt zur Bildung einer Pore, durch die Chlorid fließt. Diese Umbildung unterscheidet sich daher eklatant von der Öffnung anderer bekannter Kanäle.“

Säure führt über elektrische Kräfte zur Metamorphose des Kanals
Durch den Vergleich der Kanalstrukturen bei neutralem und saurem pH kamen die Forscher auch dem zugrundeliegenden Aktivierungsmechanismus auf die Spur. Pro Untereinheit des aus drei gleichen Proteinen zusammengesetzten Kanals gibt es in der extrazellulären Domäne drei Paare von negativ geladenen Aminosäuren, die sich normalerweise elektrisch abstoßen. Bei saurem pH, das heißt einer hohen Konzentration von H+ (Protonen), lagern sich diese positiv geladenen Partikel zwischen die negativen Seitenketten der Aminosäurepaare und „kleben“ diese zusammen. Dadurch kommt es zur oben beschriebenen Kontraktion des extrazellulären Teils und der Bildung der Membranpore. Dies erklärt die starke pH-Abhängigkeit von ASOR.

Der seit Jahrzehnten bekannte Natriumkanal ASIC wird ebenfalls durch sauren pH geöffnet. Der Mechanismus der pH-Sensitivität und die Iris-ähnliche Öffnung der Pore von ASIC unterscheiden sich aber grundlegend von ASOR. „Wir haben in unserer Arbeit neue Mechanismen entdeckt und eine Grundlage zur Entwicklung von ASOR-beeinflussenden Substanzen geschaffen“, so Polovitskaya.

Was bleibt, ist die Frage: Wozu ist ASOR eigentlich gut? Eine Gruppe aus den USA konnte vor einiger Zeit zeigen, dass der Ionenkanal eine fatale Rolle beim Schlaganfall spielt. Knock-out-Mäuse, bei denen ASOR abgeschaltet war, überstanden den Hirnschlag mit weniger bleibenden Schäden als ihre Artgenossen mit funktionsfähigem Kanal.

Zelltod kann nicht der einzige Zweck von ASOR sein
„ASOR spielt definitiv eine Rolle bei Säure-induziertem Zelltod, aber eine Rolle in intrazellulären Prozessen, zum Beispiel beim Transport von Vesikeln, rückt nun mehr in den Vordergrund“, sagt Arbeitsgruppenleiter Prof. Thomas Jentsch. Er hat schon etliche Ionenkanäle entdeckt, deren biologische Funktionen beschrieben und einige davon als Krankheitsgene entlarven können. Darum ist der Forscher zuversichtlich, auch eines Tages das Rätsel um ASOR zu lösen. „Wir haben jetzt schon Anhaltspunkte, dass eine Inhibition des Kanals das Absterben von Gehirnzellen beim Schlaganfall abmildern könnte. Aber als Grundlagenforscher wollen wir natürlich auch die biologische Funktion im gesunden Organismus verstehen“, meint Jentsch. „Und dieser spannenden Frage bleiben wir auf den Fersen.“

Publikation:
Chongyuan Wang, Maya M. Polovitskaya, Bryce D. Delgado, Thomas J. Jentsch, Stephen B. Long. Gating choreography and mechanism of the human proton-activated chloride channel ASOR. Science Advances, Vol 8, Issue 5, DOI: 10.1126/sciadv.abm3942, https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.abm3942

Bildtext: Struktur des ASOR-Kanals in der geschlossenen und offenen (säureaktivierten) Konfiguration. ASOR ist ein Trimer aus identischen TMEM206-Proteinen. Jedes Protein durchquert die Membran zweimal. Man beachte die ausgeprägte Umstrukturierung des Proteins beim Öffnungsvorgang. Dies führt zur Bildung einer zentralen Pore (hellbraun dargestellt, oben rechts), durch die das Chlorid-Ion passieren kann. Ein Querschnitt auf der Ebene G (innerhalb der Membran) ist unten dargestellt. Bild: Ausschnitte aus Bild 2, aus Wang et al, Science Advances 2022

Zur Pressemitteilung auf der Website des Leibniz-Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (FMP) im Forschungsverbund Berlin e.V.
Weiteres Rätsel um den Chloridionenkanal ASOR gelöst

forschen, produzieren, heilen, bilden / 02.02.2022
Campus Berlin-Buch fördert erneut den bundesweiten Wettbewerb „Jugend forscht“

© Jugend forscht
© Jugend forscht

In dieser Woche beginnen die Regional-Wettbewerbe der 57. Runde von „Jugend forscht“

Junge Talente in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) starten im Februar in Berlin beim bundesweiten Nachwuchswettbewerb „Jugend forscht“/“Schüler experimentieren“. Das diesjährige Motto lautet: „Zufällig genial?“

Der Campus Buch ist einer der vier Standorte in Berlin. Als Paten richten den Wettbewerb aus: das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), die Campus Berlin-Buch GmbH und – assoziiert – das Experimental and Clinical Research Center (ECRC) von MDC und Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Insgesamt 38 Projekte von Schülerinnen und Schülern zwischen 10 und 18 Jahren wurden dem Campus Buch zugewiesen. Die Pateninstitutionen richten ein Programm für den Regionalwettbewerb aus – von der Einführungsveranstaltung über die Gestaltung der Präsentationen und deren Bewertung durch die Jury, bis hin zur Siegerehrung.

 „Der Wettbewerb ist jedes Mal wieder spannend“, sagt Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführer der Campus Berlin-Buch GmbH. „Ob ‚zufällig genial‘ oder einfach begeistert dabei, eigene Ideen umzusetzen – ‚Jugend forscht‘ ist ein sehr guter Ansporn, sich in den naturwissenschaftlichen und technischen Bereichen auszuprobieren und in Kontakt mit Forschungseinrichtungen oder Unternehmen zu kommen.“
 

Über den Wettbewerb
„Jugend forscht“ ist der größte und bekannteste naturwissenschaftlich-technische Nachwuchswettbewerb Deutschlands. Er ist eine gemeinsame Initiative von Bundesregierung, der Zeitschrift „stern“, Wirtschaft, Wissenschaft und Schulen. Ziel ist es, besondere Leistungen und Begabungen von Jugendlichen in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) zu fördern. In sieben Fachgebieten treten jährlich junge Forscherinnen und Forscher an. Ab Klasse 4 können talentierte Kinder in der Juniorensparte „Schüler experimentieren“ teilnehmen. Jugendliche ab 15 Jahren starten in der Sparte „Jugend forscht“. Veranstaltet wird der Wettbewerb von der Stiftung Jugend forscht e.V.
www.jugend-forscht.de
https://jufo-berlin.de/#
Pressemitteilung von „Jugend forscht“ zum Auftakt 2022

Über den Campus Berlin-Buch
Der Campus Berlin-Buch ist ein moderner Wissenschafts-, Gesundheits- und Biotechnologiepark. Alleinstellungsmerkmale sind der klare inhaltliche Fokus auf Biomedizin und das enge räumliche und inhaltliche Zusammenwirken von Forschungsinstituten, Kliniken und Biotechnologie-Unternehmen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erforschung molekularer Ursachen von Krebs,- Herzkreislauf- und neurodegenerativen Erkrankungen, eine interdisziplinär angelegte Grundlagenforschung zur Entwicklung neuer Therapien und Diagnoseverfahren, eine patientenorientierte Forschung und die unternehmerische Umsetzung biomedizinischer Erkenntnisse.
Dank exzellenter Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen im BiotechPark hat der Campus ein herausragendes Innovations- und Wachstumspotenzial. Dazu gehören als Einrichtungen der Grundlagenforschung das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), das gemeinsam von MDC und Charité – Universitätsmedizin Berlin betriebene und auf klinische Forschung spezialisierte Experimental and Clinical Research Center (ECRC) sowie das Berlin Institute of Health (BIH). Der BiotechPark Berlin-Buch gehört mit 65 Unternehmen, 820 Beschäftigten und rund 31.000 Quadratmetern Büro- und Laborfläche zu den führenden Technologieparks in Deutschland. Seit 1992 sind über 600 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln durch die EU, den Bund und das Land Berlin in den Campus Berlin-Buch investiert worden, um diese Synergien zu unterstützen.
www.campusberlinbuch.de

leben / 02.02.2022
Vorstellung Masterplan „Pankower Tor“ - Digitales Bürgerforum mit Regierender Bürgermeisterin Franziska Giffey am 9. Februar 2022

Leben, Einkaufen, Arbeiten im neuen Stadtquartier „Pankower Tor“: Mit der Fertigstellung des Masterplans wurde jetzt ein wichtiger planerischer Meilenstein des Großprojekts erreicht. Vor dem nun folgenden ersten Beteiligungsschritt im Bebauungsplanverfahren begrüßt die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey alle Interessierten am 9. Februar 2022 um 18 Uhr im Rahmen eines digitalen Bürgerforums via Live-Stream auf www.pankower-tor.de

In Bürgerforum stellen Vertreter:innen des Bezirksamts Pankow, des Senats und der Krieger Handel SE zusammen mit dem Planerteam den Masterplan „Pankower Tor“ anhand eines Modells vor. Über einen Live-Chat können Fragen an die Mitwirkenden gestellt werden.

Der Masterplan für die Hauptfläche des Vorhabengebiets zwischen Mühlenstraße und Prenzlauer Promenade ist die Grundlage für den Entwurf des Bebauungsplans, mit dem das Planungsrecht für das neue Quartier geschaffen werden soll.

In Kürze werden die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit sowie parallel die Beteiligung der Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange durchgeführt. Der konkrete Beteiligungszeitraum wird nach erfolgter Beschlussfassung durch das Bezirksamt noch gesondert öffentlich bekannt gemacht. Nach den frühzeitigen Beteiligungsschritten erfolgt (den gesetzlichen Vorgaben entsprechend) vor dem Abschluss des Verfahrens mindestens noch eine weitere Beteiligung der Öffentlichkeit zum Entwurf des Bebauungsplans.

investieren / 01.02.2022
Glycotope to spin-out its Service Business to the newly formed FyoniBio GmbH

Glycotope GmbH, a biotechnology company developing antibodies against proteins carrying tumor-specific carbohydrate structures, and CantonBio Deutschland GmbH, a subsidiary of Canton Biologics Co. Ltd., a leading Chinese CDMO, today announced the successful completion of CantonBio’s acquisition of Glycotope’s service business under the newly formed FyoniBio GmbH.

The spin-out completes Glycotope’s refocus solely towards drug discovery and development, utilizing its proprietary technology platform to develop uniquely tumor-specific monoclonal antibodies. FyoniBio, now as part of Canton Biologics Group, will continue the contract development service business and offer a broad range of ISO-9001 compliant services from cell line development to clinical bioanalysis.

Henner Kollenberg, Glycotope’s Chief Executive Officer, said “We look forward to collaborating with FyoniBio for our development needs, while Glycotope’s renewed focus solely on drug discovery and development sharpens our profile as a platform company for tumor targeting antibodies with unique specificity.”

Dr. Lars Stöckl, Managing Director of FyoniBio said “We are also looking forward to continuing the service business with a great team of long-term colleagues and long-standing existing partners as well as potential new collaborators.”

Dr. Hans Baumeister, Managing Director of FyoniBio added; “We are so happy to be able to offer extended one-stop service packages from clone and cell line development all the way to GMP manufacturing. Our portfolio in clinical bioassay services performed under GCLP quality regulations is surely an add-on for the CDMO service offered by FyoniBio and Canton Biologics.”

Dr. Xiao Shen, Founder and Chief Executive Officer of Canton Biologics said, “The acquisition of FyoniBio not only supports the international growth strategy of Canton Biologics, more importantly, through FyoniBio, Canton Biologics can significantly extend our technology platforms and service scope to better support international clients in Europe and worldwide.”

About Glycotope
Glycotope is a biotechnology company utilizing a proprietary technology platform to develop uniquely tumor-specific monoclonal antibodies. Glycotope antibodies target specific tumor-associated carbohydrate structures or protein/carbohydrate combined glyco-epitopes (GlycoTargets). Glycotope has to date discovered in excess of 150 GlycoTargets with antibodies against several of these targets currently under development.

Based on their superior tumor-specificity, Glycotope antibodies are suitable for development in an array of different modes of action including naked antibodies, bispecifics, antibody-drug-conjugates, cellular therapies or fusion-proteins.

Currently six clinical and pre-clinical programs based on this technology are under development by Glycotope or its licensing partners. Visit www.glycotope.com.

About FyoniBio
FyoniBio is a newly formed contract development and clinical lab company continuing the service business of Glycotope on the biotech campus Berlin Buch. FyoniBio is offering 20 years of experience in developing biopharmaceuticals to customers. FyoniBio is an ISO 9001 certified company and operates in part under GCLP. Comprehensive one-stop shop services, from clone development to RCB for CHO and GEX cell lines, process development ready to transfer to the GMP facility of your choice, cutting edge know-how in glycobiology (analytics and cell biology), bioassay development for a wide range of proteins. Excellent know-how in clinical PK, biomarker and immunogenicity analysis of clinical samples under good clinical and laboratory practice (GCLP). Visit www.fyonibio.com.

About Canton Biologics
Canton Biologics Co., Ltd. is a private-funded science-driven high-tech enterprise located in Canton Greater Bay Area. It is in process of international-leading cell line development, upstream, downstream process development, formulation development, physicochemical analysis and bioanalysis method development technology platforms in its R&D centre, as well as fed-batch and perfusion cGMP manufacturing in 50-2000L SUBs under the most stringent regulatory requirement in its commercial manufacturing site. Since the establishment in 2016, Canton Biologics has provided biopharmaceutical and biotech companies with high quality one-stop CMC services covering a broad range of biomacromolecule drugs including monoclonal (mono- and multi-specific) antibodies, recombinant and fusion proteins, probiotic bacteria, vaccines and recombinant viruses for cell and gene therapy. Visit www.cantonbio.com.

Quelle: GLYCOTOPE GmbH
Glycotope to spin-out its Service Business to the newly formed FyoniBio GmbH

leben / 29.01.2022
Wasserpumpe und Sonnenliegen: Die Grünfläche rund um die Gänseplastik in Buch wird 2022 erneuert

Blick in die Zukunft: Perspektive des Büros Belvedere Landschaftsarchitekten © Belvedere Landschaftsarchitekten
Blick in die Zukunft: Perspektive des Büros Belvedere Landschaftsarchitekten © Belvedere Landschaftsarchitekten

Das Bucher Bürgerhaus gegenüber der zukünftigen Baustelle feiert 2022 sein zehnjähriges Bestehen

Kunst gibt es in den Pankower Quartieren überall zu entdecken: Brunnen, Plastiken aus Sandstein oder Bronzefiguren, wie die Gruppe von Gänsen auf der Grünfläche an der Franz-Schmidt-Straße in Buch. Schon 1980 warf der Künstler Nikolaus Bode mitten im Plattenbaugebiet einen wehmütigen oder auch belustigten Blick auf das dörfliche Leben längst vergangener Zeiten. Doch die Bucher – ob jung oder alt – lieben ihre Gänse. Seit Jahren trägt jede von ihnen im Winter einen passenden, handgemachten Wollschal – der oder die Urheber:innen dieser Art von Aktionskunst blieben bisher unerkannt, auch wenn die Mitarbeiter:innen im Bucher Bürgerhaus einen direkten Blick auf die Fläche haben.

Das Bürgerhaus ist mit seinen Angeboten seit der Eröffnung 2012 ein wichtiger Anlaufpunkt für den gesamten Ortsteil geworden: Nach dem Umbau der ehemaligen Kita mit Stadtumbaumitteln sind hier das Bürgeramt Karow/Buch sowie die Eltern- und Familienberatung und ein Familienzentrum eingezogen, außerdem zahlreiche weitere Angebote freier Träger, u.a. das Stadtteilzentrum, die Stadtteilzeitung Bucher Bote und ein Second-Hand-Laden. 2022 feiert das Bucher Bürgerhaus sein zehnjähriges Bestehen – coronabedingt steht noch nicht fest, in welcher Form. Wir werden es rechtzeitig ankündigen.

In diesem Jahr wird mit Mitteln der Nachhaltigen Erneuerung auch die gegenüberliegende Grünfläche um die Gänseplastik behutsam aufgewertet und barrierefrei gestaltet. Dieser Wunsch ist unter der aktiven Bucher Bürgerschaft weit verbreitet. Schon 2019 fand dazu eine öffentliche Beteiligungsveranstaltung statt, deren Ergebnisse in die Planung des Büros Belvedere Landschaftsarchitekten einflossen.

Die Wege werden teilweise mit einem berollbaren, aber wasserdurchlässigen Natursteinbelag (Markenname Luwadur) ausgestattet. Im neuen Mosaikpflaster des zentralen Platzes mit dem Kunstwerk findet sich auch das Gänsemotiv wieder. Liegen, eine Baumrundbank, Parkbänke und Sitzauflagen auf der Beton-Einfassung des Pflanzrings aus Stauden, Gräsern und Gehölzen bieten Platz für die verschiedensten Erholungsansprüche.

Die vorhandenen Baumgruppen werden ergänzt: Kirschen, Birken-, Linden und Ahornbäume betonen die verschiedenen Zugänge. Wildsträucher und Zieräpfel schirmen die Grünfläche von der Straße ab und bieten Schutz für Vögel und Insekten. Und auch die Menschen aus der Nachbarschaft können weiterhin ihre Verbundenheit mit ihrem Quartier zeigen, z. B. wenn sie bei trockenem Wetter die Beete und jungen Bäume wässern. Möglich macht es die neue Wasserpumpe – dieser Aspekt des traditionellen Dorflebens ist in den Zeiten der Klimakrise modern und nachhaltig.

Text: Anka Stahl

www.stadtentwicklung.berlin.de

forschen, produzieren / 26.01.2022
Vereint gegen Krebs: ASC Oncology erhält ab 2022 hochkarätig besetzten Beirat

Die Verbesserung der Behandlung von Krebspatienten ist ein zentrales Thema für Betroffene, Angehörige, Onkologen und Forscher weltweit. Die
grenzüberschreitende, interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie die Etablierung personalisierter Behandlungsmethoden sind hierfür essenzielle Schritte. Durch die Gründung des mit internationalen Experten besetzten Beirates eröffnet ASC Oncology zusätzliche Perspektiven mit dem Ziel, das Reverse Clinical Engineering® für Krebspatienten in die Regelversorgung zu integrieren.

Das hochkarätig besetzte Gremium setzt sich für die Jahre 2022/2023 aus Vor- und Nachdenkern zusammen, die mit ihrer herausragenden Expertise in verschiedenen relevanten Bereichen strategisch unterstützend tätig werden:

Vorsitzende: Prof. Dr. med Angela Brand (Utrecht, Niederlande)
Die Kinderärztin und Fachärztin für Öffentliches Gesundheitswesen ist Professorin an der medizinischen Fakultät der Universität Maastricht, am Maastricht Wirtschafts- und Sozialforschungsinstitut für Innovation und Technologie der Vereinten Nationen sowie an der Fakultät für Lebenswissenschaften an der Universität Manipal in Indien. Ihre mehrjährige berufliche Erfahrung im klinischen, ministeriellen und akademischen Bereich im In- und Ausland bringt sie derzeit als Direktorin und Beiratsmitglied in diversen internationalen Gremien ein, wie etwa der Digital Health Society, dem global Health Foresight der Weltgesundheitsorganisation sowie des internationalen Konsortiums zur personalisierten Medizin.

Dr. med. Dr. rer. nat. Saskia Biskup (Tübingen, Deutschland)
Als Fachärztin für Humangenetik führt sie in Tübingen eine Praxis für Humangenetik und ist die Mitgründerin der CeGaT GmbH. Sie forscht an genetischen Erkrankungen und deren Diagnostik, einer ihrer weiteren Schwerpunkte ist die Anwendung neuer Methoden im klinischen Alltag.

Prof. Tony Ng (London, Vereinigtes Königreich)
Tony Ng ist Leiter der Fakultät für Krebs und Pharmazeutische Wissenschaften sowie Richard Dimbleby Professor für Krebsforschung am King’s College London. Darüber hinaus ist er Professor für molekulare Onkologie am University College London Cancer Institute. Seine Expertise als Wissenschaftler umfasst u.a. die Fachbereiche Medizin, Immunologie, Krebszellbiologie, Biochemie, optische Bildgebung und Zellbiophysik.

Bettina Ryll, MD, PhD (Uppsala, Schweden)
Dr. Ryll ist Ärztin und promovierte Wissenschaftlerin der Biomedizin. Sie ist Gründerin des Melanoma Patient Network Europe und war zwischen 2015 und 2018 Vorsitzende der ESMO Patient Advocacy Working Group - das erste Mal, dass diese Position von einer Nicht-Onkologin besetzt wurde. Seit Oktober 2019 ist sie Mitglied des Cancer Mission Board der Europäischen Kommission. Als Patientenfürsprecherin hat sie ein besonderes Interesse an evidenzbasierter Patientenfürsprache und der aktiven Beteiligung von Patienten an aktueller Forschung.

Till Willebrand, M.Sc. (Berlin, Deutschland)
Till Willebrand ist als Senior-Unternehmenskundenbetreuer Gesundheitswirtschaft bei der Berliner Sparkasse tätig. In dieser Funktion unterstützt er Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sowie Medizintechnik- und Pharmaunternehmen mit Finanzierungslösungen. Er bereichert als Finanzexperte den Beirat und ASC Oncology in wirtschaftsstrategischen Fragen.

Gemeinsam mit allen Mitgliedern des neu konstituierten Beirates arbeitet ASC Oncology daran, die personalisierte Behandlung von Patienten als neuen Standard in der Krebstherapie zu etablieren. Die herkömmliche Leitlinientherapie, nach der Krebspatienten behandelt werden, zeigt in lediglich 30 bis 80 Prozent der sogenannten Erstlinientherapien Wirkung. Bei der zweiten und dritten Therapierunde nimmt die Erfolgsquote drastisch ab. Das Reverse Clinical Engineering®-Testverfahren von ASC Oncology ist deshalb der konsequente, nächste Schritt der personalisierten Medizin. Onkologen und Betroffene werden von Behandlungsbeginn an mit evidenzbasierten, wissenschaftlichen Daten bei der Wahl der bestmöglichen individuellen Therapie unterstützt.

Über ASC Oncology
ASC Oncology wurde von neun führenden Wissenschaftlern der Kompetenzfelder Pathologie, Tumorbiologie, Biochemie, Biotechnologie und Molekularbiologie 2019 mit dem Ziel gegründet, sich der wichtigsten Herausforderung der modernen Onkologie anzunehmen: Patienten zur richtigen Zeit mit der richtigen Therapie zu versorgen. Dabei treten die Wissenschaftler von ASC Oncology an, durch das Reverse Clinical Engineering®-Verfahren mehr Patienten besser zu versorgen als je zuvor in der Geschichte der Onkologie. ASC Oncology - Rethink Oncology.

forschen, produzieren, leben, bilden / 24.01.2022
Ausstellung würdigt Pionierinnen

Gudrun Erzgräber vor ihrem Porträt in der Ausstellung „Berlin – Hauptstadt der Wissenschaftlerinnen“ © Sabine Gudath
Gudrun Erzgräber vor ihrem Porträt in der Ausstellung „Berlin – Hauptstadt der Wissenschaftlerinnen“ © Sabine Gudath

Dass die Nobelpreisträgerin Emmanuelle Charpentier in Berlin forscht, ist bekannt. Doch welche Forscherinnen haben die Stadt ebenso geprägt? All diesen Pionierinnen ist eine Ausstellung des BIH und der Senatskanzlei Berlin gewidmet, die bis zum 9. März am MDC und jederzeit online zu sehen ist.

Die Wanderausstellung „Berlin – Hauptstadt der Wissenschaftlerinnen“ stellt insgesamt 22 außergewöhnliche Forscherinnen vor, die Berlin als Stadt und Wissenschaftsstandort geprägt haben und heute noch prägen. Es sind Pionierinnen ihres Faches und Wegbereiterinnen für künftige Generationen von Wissenschaftlerinnen: von Agnes Harnack, die sich im Jahr 1908 als erste Studentin der Stadt offiziell immatrikulieren durfte, über Marlis Dürkop-Leptihn, die nach 118 männlichen Vorgängern im Jahr 1992 zur ersten Präsidentin der Berliner Humboldt-Universität gewählt wurde, bis zur Chemie-Nobelpreisträgerin des Jahres 2020, Emmanuelle Charpentier.

Die Inhalte können alle Interessierten auf deutsch in der Mediathek der BIH-Website abrufen. Beschäftigte des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) sowie Besucher*innen des Gläsernen Labors haben außerdem vom 24. Januar bis zum 9. März 2022 die Chance, sich die Ausstellung vor Ort im Foyer des MDC.C anzuschauen. Leider ist aufgrund der Omikron-Welle kein weiterer Besuchsbetrieb möglich.

„Die Welt der Wissenschaft gehört Euch“

Die Ausstellung ist eine Initiative des ehemaligen Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Michael Müller, und des Berlin Institute of Health in der Charité (BIH). Um Wissenschaftlerinnen in der öffentlichen Wahrnehmung mehr Sichtbarkeit zu geben, haben BIH-Expertinnen gemeinsam mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern in sogenannten Edit-a-thons neue Wikipedia-Einträge von Berliner Hochschullehrerinnen und Forscherinnen erstellt oder bestehende Einträge überarbeitet.

Zur Vernissage am 19. Oktober im Roten Rathaus sagte Müller: „Viele großartige Wissenschaftlerinnen haben Berlin über Jahrzehnte zu der führenden Innovationsmetropole gemacht, die sie heute ist. Wir wollen nicht nur informieren, sondern besonders die kommenden Generationen inspirieren und jeder Schülerin und jungen Frau zurufen: Die Welt der Wissenschaft gehört Euch!“ Auch zwei Wissenschaftlerinnen, die auf dem Campus Berlin-Buch wirkten, sind auf den Tafeln der Ausstellung gewürdigt: Dr. Cécile Vogt und Dr. Gudrun Erzgräber.

Dr. Cécile Vogt und Dr. Gudrun Erzgräber

Cécile Vogt (1875-1962) war promovierte Neurologin und gilt gemeinsam mit ihrem Ehemann Oskar Vogt als eine der Begründerinnen der modernen Hirnforschung. Sie leistete herausragende Arbeit am Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung, das 1929 in Buch einen modernen Forschungsbau in Buch bekam. Ihre bahnbrechenden Arbeiten trugen zur Aufklärung des Gehirnaufbaus bei, außerdem erforschte sie Erkrankungen des Nervensystems. Nach Angaben der Nobelstiftung war Vogt die erste Frau, die für einen Nobelpreis in Medizin oder Physiologie nominiert war, insgesamt 13-mal zwischen 1922 und 1953. 1932 nahm sie die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina zusammen mit Oskar Vogt als Mitglied auf, eine hohe Auszeichnung in Deutschland.

Gudrun Erzgräber (*1939) ist Kernphysikerin. Sie promovierte am Zentralinstitut für Molekularbiologie der Akademie der Wissenschaften der DDR in Berlin-Buch, lebte und arbeitete etliche Jahre in der Sowjetunion. Mitte der 1980er Jahre kehrte sie nach Buch zurück und begann eine Karriere als Wissenschaftsmanagerin, 1992 am Campus Berlin-Buch. Hier war sie maßgeblich an der Entwicklung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) beteiligt. Sie warb 66 Millionen Euro an Fördermitteln von Bund, Land und EU für die Entwicklung des Wissenschafts- und Technologiestandorts Buch ein und baute mit großem Engagement den Biotechnologiepark auf. Unter ihrer Leitung entstand zudem das Gläserne Labor. Das Land Berlin und die Bundesrepublik Deutschland haben Gudrun Erzgräber für ihre herausragenden Leistungen jeweils mit einem Verdienstorden geehrt. Über die Ausstellung freut sie sich: „Ich denke, das ist das auch ein kleines Element dafür, dass Frauen mehr in die Wissenschaft gehen, mehr in Führungspositionen gehen, in Vorstände, in Aufsichtsräte.“

Weiterführende Informationen

Pressemitteilung auf der Webseite des Max Delbrück Centrums für Molekulare Medizin (MDC)
Ausstellung würdigt Pionierinnen

bilden / 24.01.2022
Naturwissenschaften hautnah

Foto: Peter Himsel
Foto: Peter Himsel

Das Lernen von zu Hause fiel manchen Kindern und Jugendlichen während der COVID-19-Pandemie besonders schwer. Für diese Schülerinnen und Schülern aus Buch bietet das Gläserne Labor deshalb ab Februar Arbeitsgemeinschaften (AGs) und Projektwochen, um naturwissenschaftliche Inhalte nachzuholen und anschaulich zu vermitteln. Über den Dachverband der Schülerlabore „Lernort Labor“ wird dies vom Bundeswirtschafts- und vom Bundesfamilienministerium gefördert und ist daher kostenfrei.

Angewandter 3D-Druck und Biodiversität
Für Jugendliche aus der Hufeland-Schule gibt es zwei AGs mit je 10 Plätzen, Anmeldungen sind noch möglich. In der AG „3D-Druck“ dürfen sie einen 3D-Drucker aufbauen, lernen Kunststoffe kennen und können eigene Modelle entwerfen und drucken. Dabei kommen Chemie und Mathe zum Einsatz, auch die Wiederverwendbarkeit von Kunststoffen ist Thema. Die zweite AG beschäftigt sich mit Insekten und der rückläufigen Biodiversität. Welche Insekten lassen sich auf dem Campus und in dessen Umgebung finden, und wie viele sind auf definierten Teilbereichen der Wildblumenwiesen zu zählen? Biologie wird auch greifbar, wenn Honig der Campusbienen untersucht wird, insektenfreundliche Pflanzen gepflanzt und Insektenhotels gebaut werden.

Grundschul-Kinder entdecken Naturphänome
Mit 10 Kindern der Evangelischen Grundschule kann die „Forscher-AG“ starten. Hier steht im Mittelpunkt, mit allen Sinnen die Naturphänomene und den eigenen Körper zu entdecken. Bei letzterem wird es um Ernährung gehen, um Tastsinn und Sehvermögen. Im Labor wird dazu experimentiert, das Programm folgt auch den Interessen der Kinder. Am Ende gibt es ein Forscherdiplom.

Spannende Projektwochen
Je 12 Schülerinnen und Schüler der Oberstufe, die von den Lehrkräften empfohlen werden, können sich für die drei Projektwochen zur Systembiologie, zu Verfahren der Klonierung und zur Genschere CRISPR/Cas bewerben. Sie schlüpfen in dieser Zeit in die Rolle von Wissenschaftler:innen und Technischen Assistent:innen. Im Labor planen sie die Experimente, führen sie durch, protokollieren den Verlauf, werten sie aus und präsentieren die Ergebnisse vor Experten. Die Projektwochen vermitteln auch berufliche Möglichkeiten in der Molekular- und Systembiologie, Biotechnologie sowie Bioinformatik: Von Ausbildungen wie Technische Assistent:in, Chemie- oder Biologie-Laborant:in bis hin zu Studienfächern wie Biologie, Biotechnologie und Medizin.

Weitere Informationen zu den Arbeitsgemeinschaften: https://www.glaesernes-labor.de/de/arbeitsgemeinschaften

Weitere Informationen zu den Projektwochen: https://www.glaesernes-labor.de/de/fit-studium

leben / 21.01.2022
Der Opfer gedenken, neuen Faschismus verhindern

Lichterkette zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar 2022

Die Lichterkette vor dem ehemaligen Jüdischen Waisenhaus in der Berliner Straße 120-121 in 13187 Berlin findet am 27. Januar 2022 ab 18 Uhr statt. Die Veranstaltung anlässlich des Holocaust-Gedenktags führt die Kommission für Bürgerarbeit in Pankow in Kooperation mit der evangelischen Kirchengemeinde Alt-Pankow und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) durch. Bezirksbürgermeister Sören Benn eröffnet die Lichterkette um 18 Uhr. Anschließend findet in der Alten Pfarrkirche Pankow um 19 Uhr eine kleine Andacht mit Pfarrerin i.R. Ruth Misselwitz statt.

Weitere Informationen unter www.lichterkette-pankow.de.

bilden / 21.01.2022
MINT-Berufe kennenlernen und ausprobieren

Abb.: Schülerlabornetzwerk Genau
Abb.: Schülerlabornetzwerk Genau

Welche Berufsbilder bieten Naturwissenschaft und Technik? Das Gläserne Labor hilft Jugendlichen bei der Orientierung

Schülerinnen ab Klasse 9 bietet das Gläserne Labor seit dem vergangenen Jahr die Chance, in der Reihe „NATürlich Ausbildung!“ Berufe in den Naturwissenschaften und mit Technik-Bezug kennenzulernen. Sie lernen dort Frauen kennen, die in MINT-Ausbildungsberufen arbeiten, können selbst experimentieren und sich mit anderen naturwissenschaftlich Interessierten austauschen. Die Reihe wird bis 2023 fortgesetzt und findet abwechselnd im NatLab der Freien Universität Berlin, im Gläsernen Labor und im Mikroskopierzentrum des Naturkundemuseums statt. Hier erfolgt die Anmeldung über das NatLab. 

Am 16. und 17. März 2022 findet auf dem Campus Buch im Max-Delbrück-Communications Centrum die Ausbildungsmesse vocatium Berlin focus statt. Unter anderem gibt dort das Gläserne Labor Einblicke in MINT-Ausbildungsberufe auf dem Campus Berlin-Buch, stellt die Reihe „NATürlich Ausbildung!“ vor und lädt zu Workshops ein, die den Berufsalltag von Biologie- und Chemielaborant:innen zeigen.

Entdecken Sie das Programm von "NATürlich Ausbildung!“

News auf der Website des Gläsernen Labors
MINT-Berufe kennenlernen und ausprobieren

forschen, produzieren / 21.01.2022
Angriff auf das zelluläre Netzwerk von Krebs - Neue Option für die Entwicklung wirksamer Therapien bei Lungenkrebs?

Die Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkrebs stellt trotz wesentlicher Fortschritte nach wie vor eine große medizinische Herausforderung dar. Die zur Verfügung stehenden Therapieoptionen bedeuten in der Regel zwar eine Verlängerung der Lebenszeit können aber die tödliche Krankheit in den meisten Fällen nur für einen begrenzten Zeitraum aufhalten. Tumore können als Organe verstanden werden, die aus einem interaktiven Netzwerk verschiedener Zelltypen mit unterschiedlichen biologischen Funktionen aufgebaut sind. Tumorzellen programmieren in diesem Netzwerk gesunde Zellen um und ermöglichen damit das Wachstum und das Streuen des Krebses. Ebenso kann dieses Netzwerk auch ein Grund für das Versagen von Krebsmedikamenten sein, die nur einen Mechanismus des Tumorwachstums angreifen.

Wissenschaftlern um Stefan Langhammer, der Firma Experimentelle Pharmakologie und Onkologie in Berlin-Buch und der Universität Kiel ist es nun gelungen, mit einer Kombination aus bereits zugelassenen Arzneimitteln dieses zelluläre Netzwerk bei therapieresistenten Tumoren des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms zu durchbrechen. In experimentellen Modellen zeigte sich bei allen behandelten Tumoren unterschiedlicher Gewebetypen eine vollständige Unterdrückung des Tumorwachstums. Darüber hinaus konnte in der Mehrzahl der behandelten Tumore ein anhaltender Rückgang der Größe um bis zu 58% unter Therapie beobachtet werden, bei gleichzeitig guter Verträglichkeit. Die jetzt in einer Fachzeitschrift veröffentlichten Ergebnisse belegen die hohe Wirksamkeit einer Kombinationstherapie, die das zelluläre Netzwerk von Krebs an verschiedenen Stellen gleichzeitig angreift und bieten einen Ansatzpunkt für die Entwicklung neuer Therapieoptionen bei Lungenkrebs mit bereits zugelassenen Medikamenten.

www.epo-berlin.com

leben / 19.01.2022
Verteilung von kostenlosen FFP2-Masken für Bedürftige im Bezirk Pankow

Ausgabe an den drei Rathausstandorten ab 20. Januar 2022

Im Land Berlin gilt derzeit wieder eine verschärfte Maskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Der Bezirk Pankow verteilt ab dem 20. Januar 2022 die vom Berliner Senat zur Verfügung gestellten FFP2-Masken an Personen mit geringem Einkommen. Dazu gehören zum Beispiel:

• Personen mit Anspruch auf den Berlinpass
• Bezieher:innen von Leistungen nach dem SGB II
• Bezieher:innen von Leistungen nach SGB XII
• Empfänger:innen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG)
• Empfänger:innen des Kinderzuschlags nach Bundeskindergeldgesetz (BKGG) etc.

Die Verteilung erfolgt in den Rathäusern Pankow (Breite Str. 24a-26, 13187 Berlin), Weißensee (Berliner Allee 252-260, 13088 Berlin) und Prenzlauer Berg (Fröbelstraße 17, 10405 Berlin) jeweils im Eingangsbereich in der Pförtnerloge während der Öffnungszeiten der Rathäuser (Mo. bis Fr. 8 bis 18 Uhr, außer an Feiertagen).

Am ersten Ausgabetag (20.01.2022) beginnt die Ausgabe voraussichtlich erst ab 10:00 Uhr.

Pro berechtigter Person können bis zu fünf Schutzmasken ausgegeben werden. Die Ausgabe erfolgt solange der Vorrat reicht. Die Bedürftigkeit ist durch geeignete Dokumente (BerlinPass, BaFög, ALG, Grundsicherung u. ä.) zu belegen.

forschen / 13.01.2022
Omikron hat Berlin im Griff

Abwasserprobe vor der Sequenzierung (Foto: Felix Petermann, MDC)
Abwasserprobe vor der Sequenzierung (Foto: Felix Petermann, MDC)

Der Anteil von Omikron liegt in Berlin bei 90 Prozent. Das zeigen jüngste Abwasser-Analysen des Max-Delbrück-Centrums und der Wasserbetriebe. Anfang Dezember lag der Anteil noch bei fünf Prozent. MDC-Teams haben ein computerbasiertes Werkzeug für solche Untersuchungen entwickelt.

Wer sich mit Corona ansteckt, scheidet das Erbgut der Viren unweigerlich aus. Unabhängig davon, ob Symptome da sind oder nicht, und auch nicht nur mit der Atemluft oder dem Speichel: Im Stuhlgang infizierter Menschen ist die RNA von SARS-CoV-2 ebenfalls zu finden. Und von der Toilette aus gelangt sie mit dem Abwasser zügig in die Kläranlage.

Im Februar 2021 begannen mehrere Teams des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), im Berliner Abwasser nach dem Erbgut des Coronavirus zu suchen. Sie sequenzierten es, interpretierten die erhaltenen Daten und visualisierten die Ergebnisse in anschaulichen Grafiken. Das Resultat der gemeinsamen Arbeit haben Vic-Fabienne Schumann und Dr. Rafael Cuadrat von der Technologie-Plattform „Bioinformatics and Omics Data Science“ von Dr. Altuna Akalin, der das Projekt koordiniert hat, jetzt gemeinsam mit ihren Kolleg*innen veröffentlicht. Das am MDC entwickelte Tool ist dadurch anderen Wissenschaftler*innen, die mit ihm arbeiten wollen, zugänglich.

Von fünf auf 90 Prozent in vier Wochen

Seit Dezember fahnden die die MDC-Forscher*innen auch nach der neuen Omikron-Variante. Erste Zwischenergebnisse liegen nun vor: So stieg der Anteil von Omikron in den Abwasserproben, die das MDC untersucht hat, bereits im Laufe des Dezembers 2021 rasant: von fünf Prozent am 8. Dezember über 40 Prozent am 23. Dezember bis hin zu 65 Prozent am 29. Dezember. Am 5. Januar 2022 lag der Anteil bei 90 Prozent, Delta war praktisch verdrängt. Das Ergebnis bestätigt Analysen, die das Labor der Berliner Wasserbetriebe gemacht hat. Auch sie zeigen im Verlauf des Dezembers steigende Anteile der Omikron-Variante.

Die trübe Flüssigkeit der Berliner Kanalisation zu nutzen, um schnelle und detaillierte Informationen zur Verbreitung des Coronavirus in der Hauptstadt zu erhalten, war die Idee von Professor Nikolaus Rajewsky. Der Direktor des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des MDC nahm vergangenes Jahr Kontakt zu den Berliner Wasserbetrieben auf, die ihr Abwasser gerne zu Forschungszwecken zur Verfügung stellten.

Auf der Preprint-Platform „medRxiv“ stellen die Forscher*innen um Akalin, der Letztautor der Studie ist, das Werkzeug namens „PiGx SARS-CoV-2“ nun detailliert vor. „Es handelt sich um ein computergestütztes Tool, mit dem wir die Infektionsdynamik und die zirkulierenden Varianten von SARS-CoV-2 zeitgleich an verschiedenen Standorten grafisch darstellen können“, erläutert Schumann. „Das Wichtigste, was man in diese End-to-End-Pipeline einspeisen muss, sind die Resultate der RNA-Sequenzierungen aus dem Abwasser, die Informationen über die zu untersuchenden Varianten und ein paar Nebeninformationen zu den Daten.“

Die Ergebnisse, die „PiGx SARS-CoV-2“ in Grafiken präsentiert, sind zum einen unabhängig von der Zahl der Coronatests und der symptomatischen Krankheitsverläufe. Zum anderen können sie der Frühwarnung dienen: „Sie sagen verlässlich vorher, ob die Inzidenz in den kommenden Tagen zu- oder abnehmen wird“, sagt Schumann.

Neue Varianten frühzeitig entdecken

Um ihre Pipeline zu prüfen, analysierten die Forscher*innen von Februar bis Juni 2021 insgesamt 38 Abwasserproben aus vier Berliner Klärwerken. „Wir konnten mit unserem Werkzeug die Dynamik der besorgniserregenden Alpha-Variante rekonstruieren und haben zudem die charakteristische Mutation der Delta-Variante und deren Anstieg Anfang Juni entdeckt“, berichtet Schumann. „Somit haben wir gezeigt, dass die Pipeline funktioniert.“ 

Für die Abwasser-Sequenzierungen am MDC ist insbesondere die BIMSB-Arbeitsgruppe „RNA Biologie und Posttranscriptionale Regulation“ von Professor Markus Landthaler verantwortlich. „Der große Vorteil unserer computergestützten Methoden besteht darin, dass wir zeitgleich nach allen bekannten Variationen des Virus suchen und neue Mutationen womöglich früher als bisher erkennen können“, erläutert Dr. Emanuel Wyler, Postdoktorand in der AG Landthaler. „Mithilfe der von uns entwickelten mathematischen Modelle lassen sich bedenkliche Varianten vielleicht sogar aufspüren, bevor sie klinisch relevant werden.“

Abgeordnetenhaus debattiert

Aktuell verfeinert das Team die gezielte Suche nach Varianten wie Omikron im Abwasser und rekonstruiert die Infektionsdynamik. „Denn noch ist umstritten, wie gut sich völlig neue Virusvarianten mit unseren Methoden aufspüren lassen“, erklärt Schumann: „Bislang ist nicht ganz klar, ob die Viren-RNA im Abwasser ähnlich vollständig ist wie im Blut von Patientinnen und Patienten.“

Untersuchungen des Abwassers sind in Deutschland noch nicht als Teil eines Corona-Frühwarnsystems etabliert – weder für bekannte noch für ganz neue Virusvarianten. Dennoch überwachen die Berliner Wasserbetriebe seit Juli 2021 regelmäßig und aus eigenen Mitteln an mehreren Stellen das Abwassernetz und stehen dazu im Austausch mit dem Berliner Senat und dem LAGeSo. Derzeit berät die Politik, ob ein bundesweites Monitoring-Programm aufgelegt und mit EU-Geldern gefördert werden soll – und welche Rolle Berlin dabei spielen kann. Am 19. Januar 2022 soll es dazu eine Anhörung im Hauptausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses geben – mit den Wasserbetrieben und Daten aus dem MDC.

„Andere Länder, beispielsweise Schweden, die Niederlande und Italien, sind da sehr viel weiter“, sagt MDC-Forscherin Schumann. „Vielleicht hilft unser Tool aber dabei, die Situation auch hierzulande zu verändern.“

Literatur

Vic-Fabienne Schumann, Rafael Ricardo de Castro Cuadrat, Emanuel Wyler et al. (2021): „COVID-19 infection dynamics revealed by SARS-CoV-2 wastewater sequencing analysis and deconvolution“. MedRxiv, DOI: 10.1101/2021.11.30.21266952

Hinweis: Es handelt sich um Zwischenergebnisse und ein Manuskript, das auf einem Preprint-Server der Wissenschaft zur Verfügung steht. Bislang gab es noch keine wissenschaftliche Begutachtung der Methode (Peer Review). Bis zur offiziellen Veröffentlichung kann noch einige Zeit vergehen, möglicherweise müssen die Autor*innen das Manuskript anpassen und / oder erweitern. Da das Thema aufgrund der besorgniserregenden Omikron-Variante derzeit sehr dringlich ist, stellt das MDC es dennoch hier vor.

Weiterführende Informationen

 

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC ) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de

bilden / 13.01.2022
Noch Plätze für kleine Forscher im Ferienprogramm des Campus Berlin-Buch

Foto: Campus Berlin-Buch GmbH
Foto: Campus Berlin-Buch GmbH

Das Gläsernen Labor lädt Ferienkinder wieder ein, selbst zu Forschern zu werden:

Normalerweise experimentiert ihr bei uns zusammen mit Wissenschaftlern im Labor. Doch auch in diesem Winter werden wir online mit euch experimentieren. Wir vom Labor aus, und ihr von zu Hause. Damit wir genügend Zeit haben, auf Entdeckungsreise in den Naturwissenschaften zu gehen, werden wir drei Stunden mit euch gemeinsam verbringen. Und damit bei all dem Forschen die Bewegung nicht zu kurz kommt, wollen wir mit euch auch eine halbe Stunde Sport machen. Lasst euch überraschen, was wir alles für euch vorbereitet haben.

So ist der Ablauf geplant:
10:00 - 11:00 Uhr Experimentieren
11:00 - 11:30 Uhr Pause
11:30 - 12:00 Uhr Sport am Platz
12:00 - 13:00 Uhr Experimentieren


31. 01. Schillernde Welt der Seifenblasen

10:00 bis 13:00 Uhr, für Kinder von 6 bis 10 Jahren

Stelle mit uns eine Seifenblasen-Lösung her, damit wir viele Fragen Rund um die Seifenblasen klären können. Sind sie immer rund und wie kann man sie haltbarer machen? Und was hat das Dach des Münchner Olympiastadions mit Seifenblasen zu tun? Wie kann man sich einen Seifenblasenautomat basteln?

 

01. 02. Das Gute in der Milch

10:00 bis 13:00 Uhr, für Kinder von 6 bis 11 Jahren

Was steckt alles in der Milch? Warum ist sie so gesund? Warum ist die Milch eigentlich weiß und was kann man alles aus Milch herstellen? Das probierst du mit uns gemeinsam aus.


02. 02. Luftballon Experimente

10:00 bis 13:00 Uhr, für Kinder von 6 bis 11 Jahren

Luftballons sind sehr dekorativ und man kann mit diesen elastischen Hohlkörpern eine Menge spannender Experimente machen.
Wusstest du, dass der erste Ballon aus Rohgummi 1824 in London von dem Naturforscher Michael Faraday für seine Experimente zum Einsatz kam? Lass' uns gemeinsam spannende Experimente mit Luftballons machen.


03. 02. Lustige Küchenexperimente

10:00 bis 13:00 Uhr, für Kinder von 6 bis 12 Jahren

Die Küche ist das beste Chemielabor. Probiert es mit uns gemeinsam aus wie viel Spaß Küchenchemie machen kann. Nur wenige "Zutaten" werden benötigt.


04. 02. Was steckt in deiner Nahrung?

10:00 bis 13:00 Uhr, für Kinder von 8 bis 12 Jahren

Mineralstoffe, Vitamine, Kohlenhydrate - das soll alles in unserer Nahrung drin sein?! Was ist das eigentlich und wie kann man das nachweisen? Mit einfachen Lösungen aus der Apotheke können wir dem auf der Spur sein. Wir wollen verschiedene Lebensmittel untersuchen.

www.forscherferien-berlin.de

Zur Buchung geht es hier

heilen / 12.01.2022
Geburtenanstieg im Helios Klinikum Berlin-Buch setzt sich fort

Das Team der Geburtshilfe im Helios Klinikum Berlin-Buch half im vergangenen Jahr 3.381 Kindern auf die Welt. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Klinikum
Das Team der Geburtshilfe im Helios Klinikum Berlin-Buch half im vergangenen Jahr 3.381 Kindern auf die Welt. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Klinikum

Erneut wurde ein historischer Entbindungsrekord in Berlin-Buch erreicht: Das Team der Geburtshilfe im Helios Klinikum Berlin-Buch half im vergangenen Jahr 3.381 Kindern auf die Welt. Darunter waren 97 Zwillingsgeburten und zwei Drillingsgeburten.

„Unsere Freude ist riesig. Das sind nochmal 80 Kinder mehr als in 2020 und da hatten wir bereits einen Babyboom zu verzeichnen. Trotz Corona-Pandemie waren in 2020 so viele Kinder auf die Welt gekommen, wie seit der Wende nicht mehr. Das zeigt den guten Ruf unseres Geburtenzentrums in der Region. Ich bin stolz auf mein Team und bedanke mich bei allen Familien, die uns ihr Vertrauen geschenkt haben“, betont Prof. Dr. Michael Untch, Chefarzt der Geburtshilfe und Gynäkologie im Helios Klinikum Berlin-Buch. Und weiter: „Der größte Dank geht an unsere Hebammen, die Pfleger und Pflegerinnen sowie Ärzte und Ärztinnen in den Sprechstunden und insbesondere in unseren Kreißsälen und auf den Stationen der Geburtshilfe, weil sie immer das Wohl der Kinder und Mütter als oberste Priorität sehen, auch in Coronazeiten. Das ist nicht selbstverständlich und ging durch zusätzliche Herausforderungen wie Streiks in anderen Häusern an die Belastungsgrenzen unserer Teams. Umso mehr ist es ein Ansporn die Bedürfnisse unserer Teams genauso wichtig zu nehmen, wie das Sicherheitsbedürfnis und das Bedürfnis nach Geborgenheit der Schwangeren und Gebärenden sowie ihrer Kinder.“

Das Helios Klinikum Berlin-Buch gehört zu den größten und modernsten Geburtskliniken Deutschlands. Monatlich kommen hier mehr als 250 Babys zur Welt. Seit 2007 mit Eröffnung des Neubaus an der Schwanebecker Chaussee in Berlin-Buch ist ein stetiger Anstieg der Geburtenzahlen zu verzeichnen.

Das Geburtenjahr 2021 in Zahlen

Unter den 2021 in den Kreißsälen des Helios Klinikums Berlin-Buch geborenen Kindern sind 1.708 Jungen und 1.673 Mädchen. 67 Babys hatten ein Geburtsgewicht von unter 1500 Gramm und wurden im Perinatalzentrum versorgt.

Neben den Geburten im Klinikum gab es im letzten Jahr auch elf außerhäusliche Geburten. Die Kinder sind überraschend schon zu Hause oder im Krankenwagen auf dem Weg ins Klinikum geboren worden. Die Sommermonate Juni, Juli und August waren wieder die geburtsstärksten.

Was wir bieten

Das Geburtenzentrum ist mit vier Kreißsälen und zwei Vorwehenzimmern ausgestattet. Moderne Entbindungsbetten ermöglichen verschiedene Gebärhaltungen. Neben einer Gebärwanne für Wassergeburten gibt es Pezzibälle, Gebärhocker, Geburtsseile und Entbindungsmatten.

Auch Risikoschwangerschaften, Mehrlingsgeburten und Frühgeborene werden umfassend versorgt. Im zertifizierten Perinatalzentrum mit der höchsten Versorgungsstufe (Level 1) können auch Frühgeborene unter 1.500 Gramm Geburtsgewicht versorgt werden. Diese Neugeborenen bedürfen einer besonderen, hoch qualifizierten Medizin und Pflege. Die intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendmedizin und der Kinderchirurgie garantiert eine optimale Versorgung von Mutter und Kind rund um die Uhr.

Entbinden in Zeiten von Corona

„Wir freuen uns sehr, dass sich weiterhin so viele werdende Eltern aus der Region für eine Geburt bei uns im Klinikum entscheiden, gerade vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie. Das ist ein tolles Signal für das gesamte Geburtshilfe-Team, das sich trotz aller notwendigen Einschränkungen in der Pandemie liebevoll und professionell für unsere Patientinnen und Kinder einsetzt“, sagt Leitende Hebamme Yvonne Schildai.

Trotz der aktuellen Besuchseinschränkungen unterstützt das Geburtenzentrum werdende Mütter bei dem Wunsch, ihren Partner oder eine andere Begleitperson zur Geburt mitzunehmen. Um größtmögliche Sicherheit zu schaffen erhält die Schwangere bei der Ankunft einen PCR-Abstrich. Außerdem erhalten Schwangere und die Begleitung bei Ankunft einen Corona-Schnelltest. Das gilt auch für Genesene und Geimpfte Personen.

Um werdende Eltern bestmöglich über das umfangreiche, individuelle Angebot, aktuelle Maßnahmen und Regelungen in der Geburtshilfe zu informieren, bieten die Hebammen in Kürze wieder einen Kreißsaal-Live-Chat an. Dieser findet auf Facebook und Instagram (@heliosberlinbuch) statt.

Bei Fragen rund um die Geburt informieren wir auch unter:  Fragen rund um die Geburt (helios-gesundheit.de)


Über das Helios Klinikum Berlin-Buch

Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 1.000 Betten in mehr als 60 Kliniken, Instituten und spezialisierten Zentren sowie einem Notfallzentrum mit Hubschrauberlandeplatz. Jährlich werden hier mehr als 55.000 stationäre und über 144.000 ambulante Patienten mit hohem medizinischem und pflegerischem Standard in Diagnostik und Therapie fachübergreifend behandelt, insbesondere in interdisziplinären Zentren wie z.B. im Brustzentrum, Darmzentrum, Hauttumorzentrum, Perinatalzentrum, der Stroke Unit und in der Chest Pain Unit. Die Klinik ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als Onkologisches Zentrum und von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetiker geeignet DDG“ zertifiziert.
Gelegen mitten in Berlin-Brandenburg, im grünen Nordosten Berlins in Pankow und in unmittelbarer Nähe zum Barnim, ist das Klinikum mit der S-Bahn (S 2) und Buslinie 893 oder per Auto (ca. 20 km vom Brandenburger Tor entfernt) direkt zu erreichen.
Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 120.000 Mitarbeitenden. Zum Unternehmen gehören unter dem Dach der Holding Helios Health die Helios Kliniken in Deutschland sowie Quirónsalud in Spanien und Lateinamerika und die Eugin-Gruppe mit einem globalen Netzwerk von Reproduktionskliniken. Rund 20 Millionen Patient:innen entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios. 2020 erzielte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von 9,8 Milliarden Euro.
In Deutschland verfügt Helios über 89 Kliniken, rund 130 Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und sechs Präventionszentren. Jährlich werden in Deutschland rund 5,2 Millionen Patient:innen behandelt, davon 4,1 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland 73.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2020 einen Umsatz von 6,3 Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.
Quirónsalud betreibt 53 Kliniken, davon sechs in Lateinamerika, 70 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 15 Millionen Patient:innen behandelt, davon 14,1 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt rund 40.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2020 einen Umsatz von 3,5 Milliarden Euro.
Das Netzwerk der Eugin-Gruppe umfasst 33 Kliniken und 38 weitere Standorte in zehn Ländern auf drei Kontinenten. Mit rund 1.500 Beschäftigten bietet das Unternehmen ein breites Spektrum modernster Dienstleistungen auf dem Gebiet der Reproduktionsmedizin an.
Helios gehört zum Gesundheitskonzern Fresenius.

www.helios-gesundheit.de/kliniken/berlin-buch

bilden / 12.01.2022
Gläsernes Labor: Neue Lehrerweiterbildung zur Kohlenhydratchemie

Foto: Peter Himsel
Foto: Peter Himsel

Laborkurs für Chemielehrerinnen und Lehrer für die Sekundarstufen I & II

Das Gläserne Labor auf dem Campus Berlin-Buch bietet eine neue Lehrerweiterbildung zur Kohlenhydratchemie an, mittels einer Reihe von Versuchen wird die vielfältige Naturstoffgruppe der Kohlenhydrate vorgestellt. Dabei werden Fragen wie, Was sind Kohlenhydrate? Welche gibt es und wie kann man sie unterscheiden? besprochen. Schwerpunkt des Kurses ist das praktische Arbeiten im Labor.

In der Ernährung ist die Rolle von Kohlenhydraten gut bekannt. Kohlenhydrate bilden aber auch Polymere, so ist die Cellulose ein wichtiger nachwachsender Rohstoff, der in großen Mengen aus Holz gewonnen wird. Mit Hilfe chemischer Reaktionen der Cellulose können Celluloseester gebildet werden, die vielseitig eingesetzt werden.

Ein weiteres Produkt aus chemischen Reaktionen der Cellulose sind Cellulosenitrate, die für Sprengstoffe und Pyrotechnik eingesetzt werden, aber auch für Nitrolacke, Celluloid (Tischtennisbälle) und Klebstoffe gefragt sind. Im Laborkurs wird gemeinsam Cellulosetrinitrat (Schießbaumwolle) hergestellt und die Reaktion besprochen.

Die Arbeit mit dem Polarimeter, einem optischen Messinstrument, steht im Mittelpunkt eines weiteren Versuchs. Dort wird die Mutarotation von Glucose und die Rohrzuckerinversion polarimetrisch untersucht und protokolliert.

Der Kurs richtet sich an Chemielehrerinnen und Lehrer für die Sekundarstufen I & II. Ein Fortbildungsschwerpunkt ist der Aspekt des sicheren Experimentierens mit Schülerinnen und Schülern im Chemieunterricht. Geplant ist, für das kommende Schuljahr für Schülerinnen und Schüler Laborkurse zur Kohlenhydratchemie zu entwickeln. Die Teilnehmenden der Lehrerweiterbildung sind eingeladen, ihre Ideen und Wünsche einzubringen und das Programm der geplanten Schülerkurse mitzugestalten.

Das neue Weiterbildungsangebot ist für Lehrkräfte kostenfrei. Alle Versuche werden protokolliert. Das Kursmaterial wird gestellt.

Hier geht es zur Kursbuchung. Der erste Termin findet am 15. Februar statt.

Quelle: Gläsernes Labor
Chemie: Neue Lehrerweiterbildung zur Kohlenhydratchemie

www.glaesernes-labor.de

leben, heilen / 11.01.2022
Erfolgreiche Impfwoche in Pankow

Dr. Cordelia Koch, Bezirksstadträtin für Gesundheit, und Cornelius Bechtler, Bezirksstadtrat für Jugend (Foto: Bezirksamt Pankow)
Dr. Cordelia Koch, Bezirksstadträtin für Gesundheit, und Cornelius Bechtler, Bezirksstadtrat für Jugend (Foto: Bezirksamt Pankow)

584 Covid-19-Impfungen verabreicht

Das Bezirksamt Pankow organisierte vom 3. – 7. Januar 2022 eine dezentrale Impfwoche im Bezirk. In Kooperation mit dem Arbeiter-Samariter-Bund Berlin und der Pankower Zivilgesellschaft gelang es durch diese Form des aufsuchenden Impfangebotes 584 COVID-19-Impfungen zu verabreichen. Die Angebote konzentrierten sich auf den Norden des Bezirks. Der allergrößte Teil der Impfungen waren Drittimpfungen. Pankows Bezirksstadträtin für Gesundheit Dr. Cordelia Koch erklärt dazu: „Ich freue mich, dass so viele Menschen unser Angebot angenommen haben. Kurze Wege, nah am Zuhause der Menschen und ohne Anmeldung fiel es den Menschen leicht, sich für das Impfen zu entscheiden. Gerade auch die Zahl der Erstimpfungen zeigt dies.“

heilen / 10.01.2022
„Beste Empfehlung“: Tagesspiegel-Ärzteumfrage zeichnet drei Chefärzte im Helios Klinikum Berlin-Buch aus

Prof. Dr. Georg Hagemann, Chefarzt der Neurologie (li), Prof. Dr. Marc Bloching, Chefarzt der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (Mitte) und Prof. Dr. Daniel Kendoff, Chefarzt der Orthopädie (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken
Prof. Dr. Georg Hagemann, Chefarzt der Neurologie (li), Prof. Dr. Marc Bloching, Chefarzt der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (Mitte) und Prof. Dr. Daniel Kendoff, Chefarzt der Orthopädie (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken

Gleich drei Fachbereiche im Helios Klinikum Berlin-Buch haben bei der TagesspiegelÄrzteumfrage 2022/2023 in insgesamt 14 Kategorien eine »beste Empfehlung« von den niedergelassenen Berliner Ärztinnen und Ärzten erhalten.

Niedergelassene Medizinerinnen und Mediziner schätzen ihre Kollegen im Helios Klinikum Berlin-Buch: Die Klinik für Neurologie, die Klinik für Orthopädie sowie die Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde wurden im Rahmen der Tagesspiegel-Ärzteumfrage mit dem Siegel “Beste Empfehlung” ausgezeichnet.

Prof. Dr. Georg Hagemann, Chefarzt der Neurologie, Prof. Dr. Marc Bloching, Chefarzt der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Prof. Dr. Daniel Kendoff, Chefarzt der Orthopädie, sind stolz auf die Tagesspiegel-Auszeichnungen.

“Wir freuen uns ganz besonders, dass uns die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen auch in diesem Jahr wieder so gut bewertet haben. Wir sind stolz, dass unsere medizinische Versorgung diese Wertschätzung erfährt“, betont Prof. Dr. Georg Hagemann.

Auch Prof. Dr. Henning T. Baberg, Ärztlicher Direktor im Helios Klinikum Berlin-Buch, zeigt sich erfreut über die Auszeichnung seiner Kollegen:

“Die Auszeichnungen sind eine schöne Bestätigung unseres Engagements, unsere Patientinnen und Patienten täglich auf hohem medizinischem Niveau zu versorgen und ihnen die bestmögliche Behandlung in allen Bereichen bieten zu können.“

Orthopädie

Die Klinik für Orthopädie wurde in den Kategorien Knochenbrüche, Hüft-TEP, Knie-TEP, Bandscheibenvorfall und Schultergelenk ausgezeichnet.

Bei orthopädischen Beschwerden bietet das Expertenteam rund um Chefarzt Prof. Dr. Daniel Kendoff im Helios Klinikum Berlin-Buch alle Verfahren der modernen Orthopädie an. Prof. Kendoff ist u.a. ausgewiesener Experte für Revisionsendoprothetik für Knie- und Hüftgelenke. Jährlich werden hier über 1.400 Kunstgelenke eingesetzt. Im Rahmen der operativen und konservativen Behandlung aller orthopädischen Erkrankungen bietet die orthopädische Fachabteilung zahlreiche Spezialverfahren an.

Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

Die Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde erhielt in den Kategorien Gaumenmandeln, Nasennebenhöhlen, Mund-Rachenkrebs, Trommelfell, Hörimplantat und Vestibularfunktion eine Auszeichnung. Die HNO-Experten rund um Chefarzt Prof. Dr. med. Marc Bloching stellen mit einem spezialisierten Team und einem umfangreichen Therapieangebot den Erhalt und die Wiederherstellung des Gehörs, der Stimme und der Nase in den Mittelpunkt ihres Handelns.

Als Kopf-Hals-Chirurg und Leiter des Hörzentrums Berlin-Brandenburg hat sich Prof. Bloching auf eine interdisziplinäre, ambulante und chirurgische Behandlung von HNO-Erkrankungen sowie die plastisch-rekonstruktive Gesichtschirurgie im Besonderen der Nase spezialisiert. Zudem hat er das Helios Klinikum Berlin-Buch zum „meistempfohlenen“ Zentrum für Krebs im Rachenraum entwickelt. Die HNO-Klinik ist Teil des zertifizierten Krebszentrums Berlin-Buch.

Neurologie

Die Klinik für Neurologie wird bestens empfohlen bei Alzheimer, Parkinson, und Epilepsie. Das Team der Neurologie rund um Chefarzt Prof. Dr. Georg Hagemann behandelt sämtliche neurologische Erkrankungen kompetent mit modernster Diagnostik und Therapie. Das Team ist unter anderem spezialisiert auf Schlaganfall (überregional zertifizierte Stroke Unit), Multiple Sklerose, Parkinson, Epilepsien und Schwindel.

Tagesspiegel-Ärzteumfrage

Seit 2005 befragen der Tagesspiegel und das Hauptstadtnetzwerk „Gesundheitsstadt Berlin“ die Berliner Ärzteschaft, welche Kliniken sie bei ausgewählten stationären Behandlungen empfiehlt.

An der neuen Umfrage des Tagesspiegels haben sich knapp 2.400 Ärztinnen und Ärzte beteiligt und die empfehlenswerten Krankenhäuser für 53 Krankheitsbilder genannt, die eine stationäre Therapie nötig machen: von der Augenheilkunde über Geburtshilfe, Dermatologie, HNO und Kinderheilkunde bis hin zu Orthopädie und Urologie. Die Ergebnisse der aktuellen Befragung wurden jetzt im Magazin „Tagesspiegel Kliniken Berlin 2022/2023“ veröffentlicht.

www.helios-gesundheit.de/kliniken/berlin-buch

forschen / 10.01.2022
Die Rolle des größten Organells in Nervenzellen verstehen – Marijn Kuijpers erhält 1,5 Millionen Euro Förderung vom Europäischen Forschungsrat (ERC)

Dr. Marijn Kuijpers vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) erhält einen der prestigeträchtigen Starting Grants des Europäischen Forschungsrats (ERC). Kuijpers wird die mit 1,5 Millionen Euro dotierten Fördermittel nutzen, um das Endoplasmatische Reticulum (ER) in Nervenzellen zu untersuchen, ein großes intrazelluläres Organell.

Das Innere einer Zelle ist in voneinander getrennte Abschnitte, die Organellen unterteilt, die alle bestimmte Aufgaben zu erfüllen haben. Der Zellkern beherbergt zum Beispiel unser genetisches Material, während die Mitochondrien die für Zellprozesse benötigte Energie erzeugen. Das Endoplasmatische Retikulum (oder ER) ist das größte Zellorganell und erfüllt zahlreiche Aufgaben. So spielt es eine zentrale Rolle bei der Synthese und dem Transport von Proteinen und Lipiden sowie bei der Speicherung von Kalzium. Obwohl eine Fehlfunktion des ER mit der Entwicklung neurodegenerativer Erkrankungen in Verbindung gebracht wird, wissen wir nur sehr wenig darüber, wie dieses riesige Organell die einzigartige Funktion der Zellen unseres Nervensystems unterstützt.

Nervenzellen sind verantwortlich für unsere Fähigkeit, uns zu erinnern und alle notwendigen Lebensfunktionen zu koordinieren. Und sie haben ganz besondere Eigenschaften. Sie sind z.B. sehr groß, denn ihre Hauptaufgabe ist die Übertragung von Impulsen über extrem lange Strecken. Diese wichtige Aufgabe der Signalübertragung spiegelt sich auch in der Asymmetrie der Nervenzellen wider: Sie haben Dendriten genannte Fäden, die Impulse von anderen Nervenzellen empfangen, und einen dünnen, sehr langen Faden, das Axon, welches das Signal an andere Zellen weiterleitet. Um diese großen, funktionell sehr unterschiedlichen Strukturen wachsen zu lassen und zu erhalten, sind Nervenzellen auf die richtige Sortierung von Proteinen, Lipiden und eine korrekte Verteilung anderer zellulärer Elemente angewiesen – alles Prozesse, bei denen das ER wahrscheinlich eine entscheidende Rolle spielt. Darüber hinaus hängt die Übertragung von Nervenimpulsen in hohem Maße von Veränderungen der Kalziumkonzentration ab, was wiederum darauf hindeutet, dass das ER in diesen Zellen eine zusätzliche Rolle spielen könnte.

Das Team um Marijn Kuijpers wird innovative bildgebende Verfahren einsetzen, welche die Visualisierung von ER-ansässigen Proteinen, ER-Dynamik und ER-Prozessen, wie der Kalziumspeicherung, innerhalb der Nervenzelle ermöglichen. Im geförderten Projekt „synERgy“ erforschen die Wissenschaftler:innen die Rolle des ER in Nervenzellen, um letztlich zu verstehen, wie Defekte in der Funktion des ER zur Neurodegeneration beitragen.

Über die ERC-Grants: Das Förderprogramm des Europäischen Forschungsrats (ERC) ist eines der renommiertesten in Europa. Starting Grants unterstützen exzellente Forscher:innen, die mit einem eigenen unabhängigen Team oder Programm beginnen.  Die Grants sind mit bis zu 1,5 Millionen Euro über fünf Jahre dotiert.

Zur Pressemitteilung auf der Webseite des FMP

leben / 10.01.2022
Pankow-News des Bezirksamts erschienen

Motiv des Titelbildes: Blick auf die die Alte Pfarrkirche "Zu den Vier Evangelisten" in der Breiten Straße (Foto: Bezirksamt Pankow)
Motiv des Titelbildes: Blick auf die die Alte Pfarrkirche "Zu den Vier Evangelisten" in der Breiten Straße (Foto: Bezirksamt Pankow)

Ausgabe Winter 2021/2022 am 5. Januar 2022 erschienen

Seit der Herbstausgabe hat sich im Bezirksamt Pankow viel bewegt. Anfang November wurden alle Bezirksamtsmitglieder sowie der neue Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung gewählt und haben ihre Ämter angetreten. In dieser Ausgabe stellen sich der Bezirksbürgermeister, die Bezirksstadträt:innen und der BVV-Vorsteher ausführlich vor. Ebenso erklären wir, was zwischen dem Wahlabend und der Vereidigung der neuen “Bezirksregierung” passiert. Freuen Sie sich zudem auf Kultur- und Service-Infos.

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produzieren / 10.01.2022
Eckert & Ziegler unterzeichnet exklusiven Liefervertrag für Ytterbium-176

10.01.2022 / Insiderinformation gemäß Artikel 17 MAR

Die Eckert & Ziegler Radiopharma GmbH (EZR), der radiopharmazeutische Produktionszweig von Eckert & Ziegler, hat mit Atom Mines LLC (Texas, USA), einem Hersteller von Ytterbium und mit einem Tochterunternehmen der Pointsman Foundation (Texas, USA), einen Joint-Venture-Vertrag und exklusiven langfristigen Liefervertrag für Ytterbium-176 abgeschlossen. Die Vereinbarung hat eine strategische Dimension, da sich Krebstherapien auf der Basis von Lutetium-177 als hochwirksam erwiesen haben, der weltweite Vorrat am unverzichtbaren Vorprodukt Ytterbium-176 jedoch bisher in Gramm pro Jahr gemessen wurde. Ein neues Herstellungsverfahren, das teilweise von EZR finanziert und von Atom Mines entwickelt wurde, soll nun diesen Engpass lösen: die ersten ausgelieferten Proben erfüllten die relevanten Qualitätskriterien, insbesondere die Isotopenreinheit. EZR wird damit in die Lage versetzt, Lutetium-177 in großen Mengen für Pharmaunternehmen in aller Welt und darüber hinaus für Hunderttausende von Patienten pro Jahr anzubieten.

Obwohl sich Lutetium-177 basierte Radiotherapeutika in klinischen Studien als hochwirksam erwiesen haben, beschränkten sich die behördlichen Zulassungen bisher auf seltene Krebsarten wie neuroendokrine Tumore. Vor kurzem haben die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA und andere Aufsichtsbehörden die Zulassungen für Radiotherapeutika auf Lutetium-177-Basis auf Prostatakrebs, der zweithäufigsten Todesursache bei Krebs, ausgeweitet. Bei Arzneimittelherstellern führte dies zu Lieferunsicherheiten, insbesondere wegen der begrenzten Verfügbarkeit von Ytterbium-176.

"Wir sind begeistert von den bisherigen Ergebnissen und dem Potenzial der neuen Herstellungstechnologie", kommentierte Lutz Helmke, COO von EZR. "Atom Mines schließt eine wichtige Lücke in der Lieferkette für Lutetium-177 nca und stärkt unsere Position als Partner für globale radiopharmazeutische Unternehmen wie Novartis, Bayer oder Telix."

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit rund 900 Mitarbeitern zu den führenden Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet weltweit an seinen Standorten Dienstleistungen und Produkte im Bereich der Radiopharmazie an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.

www.ezag.de

forschen / 10.01.2022
ERC Starting Grant geht an Stefanie Grosswendt

Porträt von Stefanie Grosswendt (Foto: Felix Petermann, MDC)
Porträt von Stefanie Grosswendt (Foto: Felix Petermann, MDC)

Zellen tauschen ständig Informationen aus und sie beeinflussen sich gegenseitig – während der Entwicklung, im gesunden Gewebe und auch in Tumoren. Dr. Stefanie Grosswendt will die Prinzipien dieser Kommunikation verstehen und erhält dafür einen Starting Grant des Europäischen Forschungsrates ERC.

Mit dem ERC Starting Grant bekommt das erst 2021 etablierte Labor der Nachwuchsforscherin Stefanie Grosswendt einen Schub: Die begehrte Auszeichnung ist mit einer Förderung in Höhe von etwa 1,5 Millionen Euro über fünf Jahre verbunden. Die Gutachter*innen des Europäischen Forschungsrates suchen nach ungewöhnlichen Ansätzen, die – sofern sie funktionieren – Türen aufstoßen und erheblichen Fortschritt ermöglichen können („high risk, high reward“). Die Kandidat*innen müssen außerdem seit ihrer Promotion zwei bis sieben Jahre Erfahrung gesammelt haben und vielversprechende wissenschaftliche Erfolge vorweisen können. In diesem Jahr erhalten 397 europäische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlichster Fachrichtungen ERC Starting Grants.

Dr. Stefanie Grosswendt leitet eine BIH-Nachwuchsgruppe, die zum gemeinsamen Fokusbereich „Single-Cell-Ansätze für die personalisierte Medizin“ des Berlin Institute of Health in der Charité (BIH), der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) gehört. Ihr Labor ist ko-affiliiert mit der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie von Frau Professorin Angelika Eggert der Charité und am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des MDC angesiedelt. In ihrem Projekt „Cellmates“ will Stefanie Grosswendt untersuchen, welche Zellen Nachbarn im Gewebe sind, wie genau sie Informationen austauschen und welche Konsequenzen sich daraus ergeben. 

Wer soll ich werden und wo soll ich hin?

Wie wandelbar Zellen sind, ist während der Entwicklung eines Embryos offensichtlich. Nach und nach bildet sich aus einer befruchteten Eizelle ein ganzer Organismus. „Aber dazu muss jede einzelne Zelle erst einmal wissen, was sie werden soll und zum Teil auch wohin sie eigentlich noch wandern muss“, sagt Stefanie Grosswendt. „Deshalb bekommt eine Zelle immer wieder Signale aus ihrer unmittelbaren Umgebung – wir wollen dieses Zusammenspiel entziffern und verstehen, wie es dazu beiträgt, dass sich Zellen spezialisieren und so ihren Weg finden.“ 

Diesen fein austarierten Prozess analysiert die Nachwuchsforscherin anhand von Zellen der Neuralleiste von Mäuseembryonen. Diese Zellen sind zunächst multipotent; sie entwickeln sich dann in ganz unterschiedliche Zelltypen, von Pigmentzellen der Haut über Knorpelelemente des Kiefers bis hin zum Nebennierenmark. Geht etwas schief, können bereits vor der Geburt zum Beispiel Krebszellen des Neuroblastoms entstehen. 

„Bisher wissen wir nicht, wie komplex die Wechselwirkungen zwischen Zellen sein können und welche Auswirkungen das jeweils auf das Zellschicksal hat“, sagt Grosswendt. Sie will daher die Technologien der Einzelzellanalyse so weiterentwickeln, dass man benachbarte Zellen im Gewebe präzise identifizieren und gleichzeitig ermitteln kann, welche Signale sie sich senden und wie sie dadurch gegenseitig ihre Eigenschaften beeinflussen.

Enormes Potenzial für die medizinische Forschung

„Ein und dasselbe Signal kann unterschiedliche Antworten auslösen, je nach Zelltyp“, sagt Grosswendt. Die Zellen lesen danach andere Gene ab als zuvor, ändern mitunter sogar ihre Identität. „Diese Prinzipien der Zellkommunikation kommen nicht nur während der Entwicklung oder im gesunden Gewebe zum Tragen. Die Zellen innerhalb eines Tumors beeinflussen sich ebenfalls gegenseitig. Das kann die Genaktivität einiger Krebszellen so verändern, dass sie schwerer zu therapieren sind.“

Substanzielles Potenzial für die medizinische Forschung sahen auch die ERC-Gutachter*innen. „Das hat mich besonders gefreut, dass sie unseren wissenschaftlichen Ansatz ebenso spannend fanden wie unsere Gruppe“, sagt Grosswendt. „Wir werden unsere Methoden vielfältig anwenden können: auf Modelorganismen, Organoide – also organähnliche Mikrostrukturen – und auf Proben von Patient*innen.“ Genau deshalb passen sie so gut in den gemeinsamen Fokusbereich „Single-Cell-Ansätze für die personalisierte Medizin“ von BIH und MDC. „Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung, die ich im Vorfeld hatte – und meinen PhD-Studierenden, deren erste Datenanalysen bereits in die Bewerbung eingeflossen sind. Wir legen jetzt richtig los.“

Weiterführende Informationen

Pressemitteilung des ERC

AG Grosswendt

Einzelzellforscherin Stefanie Grosswendt ausgezeichnet

Vier neue Gruppen nutzen Einzelzellmethoden für die Medizin

Fokusbereich „Single-Cell-Ansätze für die personalisierte Medizin“ 


Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de 

 

Berlin Institute of Health in der Charité (BIH)

Die Mission des Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité ist die medizinische Translation: Erkenntnisse aus der biomedizinischen Forschung werden in neue Ansätze zur personalisierten Vorhersage, Prävention, Diagnostik und Therapie übertragen, umgekehrt führen Beobachtungen im klinischen Alltag zu neuen Forschungsideen. Ziel der rund 400 Wisenschaftler*innen ist es, einen relevanten medizinischen Nutzen für Patient*innen und Bürger*innen zu erreichen. Dazu etabliert das BIH als Translationsforschungsbereich in der Charité ein umfassendes translationales Ökosystem, setzt auf ein organübergreifendes Verständnis von Gesundheit und Krankheit und fördert einen translationalen Kulturwandel in der biomedizinischen Forschung. Das BIH wurde 2013 gegründet und wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu zehn Prozent vom Land Berlin gefördert. Die Gründungsinstitutionen Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) waren bis 2020 eigenständige Gliedkörperschaften im BIH. Seit 2021 ist das BIH als so genannte dritte Säule in die Charité integriert, das MDC ist Privilegierter Partner des BIH.

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung von MDC und BIH in der Charité
ERC Starting Grant geht an Stefanie Grosswendt

forschen, heilen / 10.01.2022
Teilnehmende für Studien zu Effekten von Fasten und natürlicher Blutdrucksenkung gesucht

Das Experimental & Clinical Research Center in Buch führt Studien zu den Effekten von Fasten und zu natürlicher Blutdrucksenkung durch.

1. Fasten mit wissenschaftlich-ärztlicher Begleitung

Sie wollten schon immer mal Fasten? Hier ist Ihre Gelegenheit!
Für die klinische Studie LEANER am Experimental & Clinical Research Center (ECRC) in Berlin Buch suchen wir

  • Gesunde Männer und Frauen
  • Normal- bis übergewichtig
  • Alter 20 bis 50 Jahre

Untersucht werden die Effekte eines 5-Tage Buchinger-Fastens auf Stoffwechsel, Blutdruck, Darmmikrobiom, Immunsystem,  Emotionsverarbeitung und nahrungsbezogenen Belohnungsaufschub.

Sie erhalten:

  • Einen ausführlichen Gesundheits-Check
  • Eine angeleitete Fastenwoche
  • Individuelle Informationen zu einer Reihe von Stoffwechselparametern
  • Eine angemessene finanzielle Aufwandsentschädigung


Mehr Informationen finden Sie auf der Internetseite der Charité.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann melden Sie sich bitte bei uns.

Tel.: (030) 450 540 234 | leaner@charite.de

 

2. Studie zu Blutdrucksenkung mit Probiotika

Ist Ihr Blutdruck entweder behandelt oder unbehandelt über 140/90? Sind Sie zwischen 50 und 75 Jahren alt? Suchen Sie nach einer alternativen Behandlung, die Ihren Blutdruck senken kann?

Dann wäre unsere HYPRO-Studie genau das richtige für Sie! Dort untersuchen wir den Einfluss eines Probiotikums (Zubereitung lebensfähiger Bakterien) auf den Blutdruck, das Darmmikrobiom und den Glucose-Stoffwechsel.

Nähere Informationen finden Sie im Studien-Flyer und auf der Internetseite der Charité.

Bei Interesse melden Sie sich bitte unter 030 450 540 234 oder hypro@charite.de .

bilden / 06.01.2022
Gläsernes Labor: Neuer Schülerkurs zu Gen-Mutationen buchbar

Arbeiten im Labor (Foto: Peter Himsel)
Arbeiten im Labor (Foto: Peter Himsel)

Das Gläserne Labor auf dem Campus Berlin-Buch bietet einen neuen Schülerkurs an, der am Beispiel einer seltenen Erbkrankheit einen praktischen Einstieg in gängige molekularbiologische Labormethoden wie PCR und Gelelektrophorese gibt. Fast nebenbei werden die theoretischen Grundlagen aus der Schule zu Arten und Auswirkungen von Mutationen sowie Stammbaumanalyse wiederholt.

Die Erbkrankheit, die untersucht wird, ist die Kinderdemenz NCL (Neuronale Ceroid Lipofuszinose). Bei NCL-Patienten kommt es durch eine Mutation zu krankhaften Protein- und Lipidablagerungen in den Zellen. Es folgt ein massives Absterben von Nervenzellen. Die Ursache für die juvenile NCL (auch CLN3 genannt) ist meist eine Deletion im CLN3-Gen auf Chromosom 16.

Im Schülerkurs wird die Weitervererbung dieser Krankheit bei einer betroffenen Familie nachgestellt. Die Schülerinnen und Schüler erhalten (fiktive) Speichelproben von verschiedenen Familienmitgliedern, isolieren die DNA aus diesen Proben und weisen mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) die Mutation im CLN3-Gen nach. Eine Gelelektrophorese im Anschluss an die PCR gibt Auskunft, welche Familienmitglieder betroffen sind. Die Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer lernen den Unterschied zwischen heterozygot und homozygot kennen und erfahren, was dies für den jeweiligen Träger und den Ausbruch der Erkrankung bedeutet.

Die Experimente des Kurses werden von den Schülerinnen und Schülern in Zweiergruppen selbstständig durchgeführt.

Der Kurs eignet sich für Schülerinnen und Schüler ab der 10. Klasse.

Das neue Kursangebot ist dank der Förderung der Hamburger NCL-Stiftung und der Berliner Sparkassenstiftung Medizin für alle Termine im laufenden Jahr kostenfrei.

News auf der Webseite des Gläsernen Labors:
Molekularbiologie: Neuer Schülerkurs zu Gen-Mutationen buchbar

produzieren / 05.01.2022
T-knife Therapeutics Appoints Ronald Krasnow, J.D., as General Counsel

T-knife Therapeutics, Inc., a biopharmaceutical company dedicated to developing novel therapeutics to fight cancer, today announced the appointment of Ronald Krasnow, J.D., who brings over thirty years of legal counsel and executive management experience to T-knife.

“I am pleased to welcome Ron to the senior leadership team at T-knife,” stated Thomas M. Soloway, Chief Executive Officer of T-knife. “Ron is a seasoned executive who has led the legal, compliance and business operations functions at several innovative biotech companies, and additionally has specialized expertise in patent law. As a rapidly growing organization with multiple pipeline programs, his contributions will be instrumental as we pursue our mission of developing best-in-class T-cell receptor (TCR) therapies to transform patient outcomes.”

Mr. Krasnow was most recently the Chief Operating Officer of Arch Oncology, a company dedicated to antibody therapies for the treatment of cancer. Previously, he was General Counsel, Secretary and Chief Compliance Officer at Menlo Therapeutics. Prior to Menlo, he served as Senior Vice President, General Counsel and Secretary of Relypsa, Inc. At Relypsa, he helped the company grow from start-up, through IPO, commercialization and acquisition as it invented, developed and marketed Veltassa, the first new drug to treat hyperkalemia approved by the FDA in more than 50 years. Earlier in his career, he focused on intellectual property and was at Symyx Technologies, Inc. where he spent 10 years in various positions, including Senior Vice President of Intellectual Property. Prior to Symyx, he was an attorney at Fish & Neave representing clients in complex patent litigation and interferences. He has also been a patent examiner at the U.S. Patent and Trademark Office. He holds a B.S. in Materials and Metallurgical Engineering from The University of Michigan and a J.D. from The George Washington University Law School. He is admitted to practice in California, New York and the U.S. Patent and Trademark Office.

Mr. Krasnow added, “I am excited by the cutting-edge science being deployed at T-knife to generate differentiated treatments for cancer patients. Their HuTCR platform has been successful in the identification of novel TCR engineered T cell therapies, and I look forward to building upon this great momentum.”

About T-knife Therapeutics

T-knife Therapeutics is a biopharmaceutical company dedicated to developing novel therapeutics to fight cancer, initially focused on T cell receptor (TCR) engineered T cell therapies (TCR-Ts), a modality that holds the potential to generate transformative responses in patients with solid tumors. The Company’s unique approach leverages its proprietary HuTCR mouse platform, a next-generation T cell receptor and epitope discovery engine that produces fully human, tumor-specific TCRs, naturally selected in vivo for optimal affinity and high specificity.

T-knife is advancing a portfolio of TCR-T product candidates against targets with high unmet medical need, including cancer testis antigens, oncoviral antigens and commonly shared tumor-driving neoantigens. T-knife was founded by leading T-cell and immunology experts using technology developed at the Max Delbruck Center for Molecular Medicine together with Charité – Universitätsmedizin Berlin. For additional information, please visit the company’s website at www.t-knife.com.

Contact

T-knife Therapeutics, Inc.

Camille Landis
Chief Business Officer / Chief Financial Officer
media@t-knife.com

Quelle: T-knife Therapeutics, Inc.
T-knife Therapeutics Appoints Ronald Krasnow, J.D., as General Counsel

produzieren / 04.01.2022
Eckert & Ziegler kauft argentinischen SPECT-Spezialisten

Eckert & Ziegler hat 100% der Anteile des argentinischen Nuklearmedizinspezialisten Tecnonuclear S.A., einem Hersteller von Technetium-99-Generatoren und einem Portfolio verwandter Biomoleküle, erworben. Diese so genannten "Cold Kits" dienen als Vehikel bei der Injektion von Technetium-99 und binden an das zu diagnostizierende Zielorgan. Zusammen mit den Generatoren werden diese generischen Tracer häufig auch als SPECT-Diagnostika bezeichnet. Sie stellen weltweit die am häufigsten verwendete Klasse nuklearmedizinischer Produkte für den Nachweis von Krebs und kardiovaskulären Anomalien dar.

Tecnonuclear mit Sitz in Buenos Aires beschäftigt 60 Mitarbeiter und erzielte im Jahr 2021 einen Umsatz von rund 10 Millionen USD. Die Produkte wurden in der Vergangenheit bereits von Eckert & Ziegler in Brasilien vertrieben, wo sie zusammen mit den Generatoren als Verbrauchsmaterial für die Singlephotonen-Emissionscomputertomographie (SPECT) verkauft werden. Tecnonuclear deckt zwar einen wesentlichen Teil der Wertschöpfungskette für SPECT-Biomoleküle ab, doch wurden die Produkte außerhalb Lateinamerikas bisher nicht verkauft.

Der Kaufpreis orientierte sich in erster Linie an der Ertragskraft von Tecnonuclear und wurde vollständig aus dem Cash Flow von Eckert & Ziegler bezahlt. Die Transaktion erfolgte ohne Fremdfinanzierung.

"In Kombination mit unserem globalen Netzwerk an Produktionsstätten, unseren finanziellen Ressourcen und unserer Expertise bei Herstellung und Vertrieb von Radioisotopen ist Tecnonuclear bestens positioniert, um uns den Einstieg in den globalen SPECT-Markt zu eröffnen", erklärt Frank Yeager, Mitglied der Konzernleitung Eckert & Ziegler und zuständig für das SPECT-Geschäft. "Die in Argentinien entwickelte Technologie wollen wir nun Patienten überall auf der Welt zur Verfügung stellen".

"Die Akquisition ermöglicht uns, die gesundheitliche Versorgung in Brasilien entsprechend den jüngsten gesundheitspolitischen Beschlüssen in Brasilien und in ganz Südamerika auszubauen", ergänzt Claudia Goulart, Mitglied der Konzernleitung Eckert & Ziegler und zuständig für das Lateinamerikageschäft. "Damit können wir regionale Gesundheitseinrichtungen bei Forschung, Entwicklung und Patientenversorgung auf Weltklasseniveau unterstützen".

Derzeit werden jährlich rund 25 Millionen Patienten mit SPECT-Diagnostik untersucht, was einem Weltmarktvolumen von rund 1,7 Mrd. USD entspricht. Mit dem Aufkommen neuer proprietärer SPECT-Tracer wird die Nachfrage voraussichtlich dynamisch steigen und 2027 ein Volumen von etwa 2,7 Mrd. USD erreichen. Abgesehen von einem kleinen Umsatzvolumen in Brasilien ist Eckert & Ziegler derzeit nicht im SPECT-Segment aktiv.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 800 Mitarbeitern zu den führenden Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet weltweit an seinen Standorten Dienstleistungen und Produkte im Bereich der Radiopharmazie an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.
 

Quelle: Pressmitteilung EZAG
Eckert & Ziegler kauft argentinischen SPECT-Spezialisten

 

leben, heilen / 01.01.2022
Neujahrsglück im Doppelpack

Die Zwillinge Lotta (re) und Jonah (li) sind die Neujahrsbabys im Helios Klinikum Berlin-Buch (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Die Zwillinge Lotta (re) und Jonah (li) sind die Neujahrsbabys im Helios Klinikum Berlin-Buch (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

Am 01.01.2022 um 0:49 Uhr erblickte die kleine Lotta und um 0:59 Uhr ihr Bruder Jonah im Geburtenzentrum des Helios Klinikums Berlin-Buch das Licht der Welt. Beide Babys erfreuen sich bester Gesundheit.
 
Im Bucher Klinikum haben sich die kleine Lotta und der kleine Jonah als erste Babys des Jahres 2022 auf den Weg gemacht.
„Zwillinge am Neujahrsmorgen, das ist was Tolles. Wir heißen die Zwillinge herzlich willkommen und wünschen der jungen Familie alles Gute für die Zukunft!“, sagt Leitende Hebamme Yvonne Schildai vom Team des Geburtenzentrums. Jonah wiegt 2950 Gramm und ist 50 Zentimeter groß, seine Schwester Lotta wiegt 2830 Gramm und ist 49 Zentimeter groß.

Für Mama Eva und Papa Andreas aus Berlin-Pankow eine schöne Neujahrsüberraschung. Auch die 4-Jährige Frida freut sich sehr über die Geburt und kann es nun kaum erwarten, ihre Geschwisterchen bald kennenzulernen. Mama Eva hat die Zwillinge in der 38. Schwangerschaftswoche spontan entbunden. Von der Geburt ist sie noch ganz schön geschafft, aber wohlauf: „Gestern am Silvester-Nachmittag wurde die Geburt dann eingeleitet. Wie beim ersten Kind war es eine schnelle und unkomplizierte Geburt. Nun freuen wir uns, dass sie da sind und sind sehr glücklich!“

Gut zu wissen:
Das Helios Klinikum Berlin-Buch hat eines der größten und modernsten Geburtenzentren Deutschlands. Monatlich kommen hier mehr als 250 Babys zur Welt. Das Perinatalzentrum Level 1 (höchster Stufe) ist pflegerisch und medizinisch auf die Versorgung von kleinsten Frühgeborenen und kranken Kindern spezialisiert. Entsprechend groß ist die Erfahrung bei der Versorgung von Mehrlingen.

www.helios-gesundheit.de/kliniken/berlin-buch/

leben, heilen / 01.01.2022
Gesundheitsstadträtin organisiert Impfwoche

Arbeiter-Samariter-Bund impft vom 3. – 7. Januar 2022 an verschiedenen Orten

Auf Initiative der Pankower Gesundheitsstadträtin Cordelia Koch wird es vom 3. – 7. Januar 2022 ein Impfangebot für die Pankower Bevölkerung geben.

„Ich freue ich mich sehr, dass ich wie versprochen in verschiedenen Pankower Ortsteilen Termine zum Impfen oder Auffrischen der COVID-19-Impfung anbieten kann. Von Blankenburg über Heinersdorf bis Buch ist ein qualifiziertes Impfteam des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) von Montag, den 3. Januar 2022 bis Freitag, den 7. Januar 2022 unterwegs, um zu impfen“, erklärt Cordelia Koch.

Wer über 30 Jahre alt ist, kann einfach ohne Anmeldung zu den Impfstationen kommen. Geimpft wird von 10 bis 18 Uhr mit dem Vakzin von Moderna. Ein Personaldokument (Ausweis, Pass) und wenn vorhanden ein Impfausweis sind bitte mitzubringen.

Montag, 3. Januar 2021:
Ev. Kirchengemeinde Berlin-Blankenburg, Alt-Blankenburg 17, 13129 Berlin

Dienstag, 4. Januar 2021:
Ev. Kirchengemeinde Rosenthal-Wilhelmsruh, Hauptstraße 153, 13158 Berlin

Mittwoch, 5. Januar 2021:
Zukunftswerkstatt Heinersdorf, Romain-Rolland-Strasse 112, 13089 Berlin

Donnerstag, 6. Januar 2021:
Ev. Gemeindehaus Karow, Alt-Karow 55, 13125 Berlin

Freitag, 7. Januar 2021:
Bucher Bürgerhaus, Franz-Schmidt-Straße 8 - 10, 13125 Berlin

Die Gesundheitsstadträtin Cordelia Koch weiter:
„Ich bedanke mich ganz herzlich bei den Unterstützerinnen und Unterstützern in den Zentren und Gemeinden, die dieses Angebot für die Nachbarinnen und Nachbarn möglich machen. Mein Dank gilt zudem den Zuständigen bei der Senatsverwaltung für Gesundheit, die uns mit Mensch und Material unterstützen.

Ohne das Impfen wird der Kampf gegen das Coronavirus länger dauern als nötig. Die Argumente, die für eine Impfung sprechen und von der überwältigenden Mehrheit der Menschen weltweit geteilt werden, sind hinreichend bekannt. Als Stadträtin für Gesundheit würde ich mich freuen, wenn Sie, Ihre Nachbar:innen, Freund:innen und Kolleg:innen reichlich Gebrauch von diesem bezirklichen Angebot machten“.

Rückfragen sind möglich per Mail an: lokales-impfzentrum@ba-pankow.berlin.de.

Alle Informationen auch im Internet auf www.berlin.de/pankow .