Dr. med. Maya Niethard und Dr. Christian Regenbrecht erforschen Sarkome

Dr. med. Maya Niethard und Dr. Christian Regenbrecht erforschen Sarkome

Sarkome gehören mit etwa 4.000 Neuerkrankungen in Deutschland pro Jahr zu den selteneren Krebsarten. Häufig sind junge Menschen davon betroffen. Rund 600 Patienten mit Knochen- und Weichgewebssarkomen werden jährlich im zertifizierten Sarkomzentrum des Helios Klinikums Berlin-Buch behandelt, das zu den größten landesweit zählt. Eine Besonderheit ist, dass das Zentrum gemeinsam mit dem Start-up CELLphenomics die Forschung an Sarkomen vorantreibt. Auf 3D-Zellkulturen spezialisiert, will das Biotech-Unternehmen vom Campus Berlin-Buch erreichen, dass Therapien noch genauer auf den individuellen Patienten zugeschnitten werden können. Möglich wird dies mit Tests an Organoiden, die auf kleinen Teilen des Tumors beruhen.

Dass der Forschungscampus in unmittelbarer Nachbarschaft zum Klinikcampus liegt, ist ein Glücksfall. Hier gründete der Molekularbiologe Dr. rer. nat. Christian Regenbrecht die beiden Biotech-Unternehmen CELLphenomics und ASC Oncology, die eng miteinander verknüpft sind und an der personalisierten Krebstherapie arbeiten. Während CELLphenomics Forschung an 3D-Zellkulturen betreibt, nutzt ASC Oncology winzige, chirurgisch gewonnene Teile von Patiententumoren, um daran bereits im Vorfeld einer Therapie zu testen, ob diese bei den Betroffenen wirkt.

Mithilfe von Organoiden die Wirksamkeit ermitteln 

Für etliche solide Tumore, Karzinome, ist dieses Verfahren bei ASC Oncology bereits gut etabliert. Aus den Proben werden dreidimensionale Abbilder des Tumors in Form von Organoiden gezüchtet und umfassend molekularbiologisch charakterisiert. An den Organoiden lassen sich dann alle Therapieformen testen: klassische Chemotherapien, zielgerichtete und antiköperbasierte Therapien sowie Immuntherapien. Ein Targeted-Proteomics-Profil zeigt auf funktioneller Ebene, warum ein bestimmtes Medikament wirken konnte und ein anderes nicht. Dieses Wissen wird den behandelnden Onkologen zur Verfügung gestellt und hilft, die bestmögliche Therapie für den Patienten auszuwählen. Den Patienten bleiben unwirksame Behandlungen erspart – oder sie überstehen Therapien mit starken Nebenwirkungen besser, in dem Wissen, dass sie tatsächlich helfen.

Vorabtestung auch für Sarkome möglich 

Sarkome unterscheiden sich jedoch in ihrer Biologie und in der Therapie signifikant von Karzinomen. Zudem gibt es über 60 Untergruppen von Sarkomen, von denen gleiche Untergruppen unterschiedlich auf dieselben Medikamente reagieren können. CELLphenomics hat darum in Kooperation mit Dr. med. Maya Niethard Pionierarbeit geleistet, um eine Vorabtestung für Sarkome zu ermöglichen. Maya Niethard ist leitende Oberärztin in der Klinik für Tumororthopädie im Helios Klinikum Berlin-Buch und eine erfahrene Operateurin im Sarkomzentrum. Sie setzt auf die neue Methode, um künftig von Beginn an die bestmögliche Therapie identifizieren zu können. Oft sind Arme oder Beine von Patienten von raumgreifenden Sarkomen betroffen, so dass sich der Zeitfaktor direkt auf deren Erhaltung auswirken kann. Auch die Erkenntnis, dass der Tumor im Vorfeld der Operation bei gängigen Chemotherapien nicht ansprechen wird, wäre nützlich, um unverzüglich operieren zu können.

Versagen Standardtherapien, kommen alternative Therapien ins Spiel

Die hohe Fallzahl im Sarkomzentrum erleichtert es, die Methode zu etablieren. Dr. Niethard hat gemeinsam mit der Pathologin Dr. Rica Sauer und CELLphenomics die Entnahme von Tumorproben optimiert und so standardisiert, dass ausreichend vitales Material für Organoide gewonnen wird. Um zuverlässige Tests zu etablieren, werden an den Organoiden derzeit parallel die Therapien getestet, die in der Klinik verabreicht werden. In Einzelfällen, wenn nämlich Standardtherapien nicht mehr greifen, kann ASC Oncology auf Basis bisheriger Tests weitere mögliche Therapien vorschlagen. So zeigte sich, dass die Substanz Trabectedin, die für Weichgewebssarkome zugelassen ist, auch sehr gut bei einigen Patienten mit Knochensarkomen wirkte.

Patienten, die heute ihr Einverständnis zur Forschung an ihrem Tumor geben, tragen dazu bei, dass erstmals die Heterogenität von Sarkomen in Modellen abgebildet und erforscht werden kann. Künftige Patienten sollen direkt profitieren – diesem Ziel gilt die engagierte Zusammenarbeit von Dr. Niethard und Dr. Regenbrecht.


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