News
Ihre Auswahl
forschen, produzieren, heilen / 07.07.2026
Sprung in die Welt von Big Pharma
Erfolgreiche Transformation eines Start-ups: Interview mit Dr. Christian Regenbrecht, Vice President in Translational Oncology GSK, Gründer von CELLphenomics
Ihr Start-up CELLphenomics hat sich auf dem Campus Berlin-Buch mehr als zehn Jahre erfolgreich der pharmakologischen Forschung an patientenabgeleiteten Tumor-Organoiden gewidmet. Seit 2025 gehört es zu GlaxoSmithKline (GSK). Was war der Hintergrund?
3D-Zellkulturmodelle, auch Organoide genannt, werden immer besser und aussagekräftiger, um daran therapeutische Wirkstoffe zu testen. In bestimmten Fällen und bei guter Datenlage sind die Zulassungsbehörden sogar bereit, auf Tierversuche zu verzichten. Die Modelle tragen wesentlich dazu bei, dass neue, bessere Medikamente schneller verfügbar sind. Unser Start-up hat die Organoid-Forschung vorangetrieben und sich internationales Renommee erarbeitet. Wir waren die erste kommerzielle Biobank, die in Deutschland ISO-zertifiziert wurde. Diese Hürde haben wir mit so viel Bravour genommen, dass wir seitdem in der ISO-Kommission mitgestalten, wie in Zukunft mit Organoiden pharmazeutisch geforscht wird.
Mit GSK hatten wir bereits gemeinsame Projekte durchgeführt. Sie waren begeistert von unserer Forschung, der hohen Qualität unserer Daten und dem Durchsatz an Daten und Modellen. Es gilt: Je höher die Qualität der Daten, desto höher der prädiktive Wert, desto besser die Grundlage für Machine Learning. Diese Expertise wollten sie in ihr Unternehmen holen.
Was war Ihre Motivation für den Verkauf?
Die Unternehmenskultur von GSK passte gut zu uns, und letztlich gab für mich den Ausschlag, dass wir zusammen weitaus mehr Wirkung entfalten können. Wir teilen ihre Überzeugung, Patient:innen in den Fokus zu rücken und sie schnellstmöglich mit den bestmöglichen Medikamenten zu versorgen. Jetzt verfügen wir nicht nur über größere Ressourcen, sondern finden auch viel mehr Gehör bei den Zulassungsbehörden FDA oder EMA. Auch ein sehr wichtiger Punkt: Unser ganzes Team blieb in der neuen Konstellation erhalten. Alle 18 haben einen guten und sicheren Job.
Wie verlief die Transformation zu einem Teil von GSK?
Es war gar nicht so einfach, den Kern und die Identität von CELLphenomics zu erhalten – also den Grund, warum die Leute hier gerne zur Arbeit kommen – und trotzdem die GSK-Firmenkultur zu übernehmen. Es betraf viele Kleinigkeiten, etwa hohe Anforderungen an Arbeitssicherheit oder die in England üblichen kürzeren Arbeitszeiten. Insgesamt gibt es deutlich mehr Abstimmungsbedarf in einer internationalen Pharmafirma. Es wird genau geschaut, ob Dinge tatsächlich benötigt werden, um die akuten Fragen der Firma zu beantworten.
Vieles wird leichter in den Strukturen von GSK: Dank rechtssicherer Verträge mit internationalen Partnern können wir zum Beispiel Gewebe aus aller Welt nutzen, um daraus für unsere Projekte Organoide zu züchten.
Wir haben uns vergrößert, die Labore ausgebaut und viele neue Laborgeräte bekommen. Damit können wir noch besser forschen, einen höheren Durchsatz bieten und noch bessere Qualität liefern. Die starke Struktur von GSK ermöglicht Kontinuität – wir sind gut ausgelastet, aber nicht mehr partiell überlastet wie im Start-up.
Hat sich Ihre Forschung verändert?
Ja, das würde ich ganz klar so sehen. GSK hat viele Kollaborationen und Kooperationen. Wir sind jetzt eingebettet in ein transnationales Tumor-Netzwerk, in dem führende Wissenschaftler:innen in Tokio, Oxford oder Cambridge gemeinsame Projekte und Fragestellungen diskutieren, Daten bewerten und neue Experimente entwerfen. Davon profitieren wir enorm.
Wie geht es Ihnen in Ihrer neuen Rolle?
Ich habe wieder Zeit, Paper zu lesen, kann mir Gedanken über die bestmögliche Lösung einer wissenschaftlichen Frage machen und für spannende Projekte sorgen.
Weil uns das starke Background-Team von GSK in allen Belangen unterstützt, muss ich mich weniger um Dinge wie Steuererklärungen, rechtliche Fragen oder das beste Angebot von Herstellern kümmern. Sogar drei Wochen Urlaub waren möglich.
ASC Oncology war ihr zweites Start-up, das individuelle Medikamententests an Tumor- Organoiden anbot.
Wir helfen jetzt nicht mehr nach dem Gießkännchen-Prinzip einzelnen Erkrankten, sondern einer Gruppe von Individuen. Als Teil klinischer Entwicklung können wir unsere Expertise viel strukturierter einbringen und dafür sorgen, dass Wirkstoffe schneller auf den Markt kommen.
Ein Blick zurück zu Ihren Anfängen?
2014 waren wir ein ganz kleines Start-up im „Shared Lab“. Wie unwahrscheinlich war die Transformation zu etwas sehr viel Größerem? Viele Start-ups scheitern in dieser Gründungswachstumsphase in der sich komplex entwickelnden globalisierten Welt – da muss niemand schuld sein.
Wir wurden immer sehr gut unterstützt. Und sei es durch unkomplizierte schnelle Lösungen des Campus-Managements.
Text und Foto: Christine Minkewitz / Campus Berlin-Buch GmbH
Dieses Interview erschien zuerst im Standortjournal buchinside 02/2026.
Alle News im Überblick
News Buch Berlin
Sprung in die Welt von Big Pharma
Erfolgreiche Transformation eines Start-ups: Interview mit Dr. Christian Regenbrecht, Vice President in Translational Oncology GSK, Gründer von CELLphenomics
weiter ...Weichen stellen und Synergien fördern
Interview mit Prof. Dr. Christopher Baum, Vorsitzender des BIH-Direktoriums und Vorstand des Translationsforschungsbereichs der Charité
weiter ...Alithea Bio feiert auf der VivaTech 2026 einen doppelten Erfolg für einen Durchbruch in der präklinischen Sicherheit
Das Deep-Tech-Biotech-Start-up Alithea Bio hat auf der VivaTech 2026, Europas größter Start-up- und Tech-Veranstaltung, einen spektakulären Doppelsieg errungen und sowohl den begehrten „Tech for Chang...
weiter ...Termine Buch Berlin
08.07.2026, 18:00
/ Campus Berlin-Buch, Mensa (Haus 14)
Stammtisch des Bucher Bürgervereins
Austausch zu aktuellen Bucher Themen, u.a. Verkehr
weitere Informationen09.07.2026, 17:00
/ Garten des Bucher Bürgerhauses
Festival der Gesundheit
Workshops zu Schlaf, Kreativität, Entspannung und Freundschaft
weitere Informationen27.08.2026, 10:00
CRISPR/Cas: Grundlagen und praktische Anwendung (Verschoben vom 4. Juni auf 27. August)
Der Crashkurs für Einsteiger*innen vermittelt die Grundlagen der CRISPR/Cas Technologie. Die Teilnehmer*innen sollen in die Lage versetzt werden, CRISPR/Cas Experimente selbständig zu planen und durch...
weitere Informationen