„Unsere Hauptaufgabe ist vielmehr die hydrometeorologische Beratung“, erklärt Dr. Gabriele Malitz, Leiterin der DWD-Dienststelle am Lindenberger Weg 24. Begonnen hatte die Wetterforschung in Buch 1951 mit dem Aufbau von meteorologischen Messeinrichtungen auf dem Gelände des Hufeland-Krankenhauses. Bis 1993 befand sich am Lindenberger Weg das Forschungsinstitut für Bioklimatologie, ehe die Hydrometeorologen aus der Innenstadt nach Buch in das frühere Institutsgebäude umzogen.
Von den Bioklimatologen stammt auch das Messfeld im Garten. Dort werden heute noch einmal am Tag beispielsweise Temperatur, Niederschlagsmenge, Pollenflug und Ozongehalt gemessen. Die Betreuung übernehmen die Mitarbeiter der Hydrometeorologie jedoch nur nebenbei. „Anders als bei richtigen Wetterstationen fließen unsere Messergebnisse nicht gleich ins Internet ein“, erklärt Dr. Malitz. „Das überlassen wir dem privaten Wetter-dienst von Jörg Kachelmann, der in Buch auch eine Wetterstation betreibt und politisch gewollt auf privater Basis Wettervorhersage betreibt. Wir nutzen die erfassten Daten für unsere eigenen hydrometeorologische Arbeit.“
Allerdings ist es für Bucher Anrainer auch ganz gut, wenn sich solch eine behördliche Messstation in ihrer Nähe befindet. Dr. Malitz: „Als Helios für seinen Krankenhausneubau ein Wettergutachten benötigte, konnte man auf unsere Daten zurückgreifen.“
Aber was machen die 16 Mitarbeiter um Dr. Gabriele Malitz dann in Buch, wenn sie sich nicht um die Wettervorhersage kümmern? In erster Linie führen wir wasserwirtschaftliche Beratungen für die 16 Bundesländer durch. Die Wasser-wirtschaft ist in der Bundesrepublik nicht zentral geregelt, sodass jedes Bundesland eigene Regelungen hat. Mecklenburg-Vorpommern hat beispielsweise ganz andere wasserwirtschaftliche Fragestellungen, als Baden-Württemberg.“
Nicht nur die Bundesländer werden beraten, sondern auch die Bundesanstalt für Gewässerkunde und das Bundesverkehrsministerium. „Unsere Hauptkunden sind also politische Gremien, die unsere Dienstleistungen für politische Entscheidungen nutzen.“
Aber auch Kommunen gehören zu den Kunden der Hydrometeorologen. Durch Langzeitbeobachtungen wissen sie, mit wie viel Niederschlag in einer bestimmten Gemeinde zu rechnen ist. So können die Kommunen dann berechnen, welchen Durchmesser die Kanalisation haben sollte, welche Drainage beispielsweise unter begrünten Dächern verlegt werden muss, aber auch wie Deiche, Dämme und Schifffahrtsstraßen beschaffen sein müssen.
„Noch in den 90er Jahren zählten auch viele Architekten zu unseren Kunden, weil der DWD politisch gewollt Einnahmen erwirtschaften sollte“, so Dr. Malitz. „Inzwischen beschränkt sich unser Wetterdienst aber auf seine Kern-kompetenzen und überlässt solche Geschäftsfelder den privaten Wetter-diensten. Das ist jetzt die politische Linie, weil der Staat ja schlank sein soll und die Privaten mit solchen Geschäftsfeldern Personal einstellen, Umsätze machen und Steuern zahlen sollen.“
Auch wenn sich die Bucher Hydro-meteorologen inzwischen vor allem auf die Politikberatung in Punkto Wasserwirtschaft konzentrieren, sind sie vor allem im Winter und Frühjahr auch noch als „Vorhersager“ gefragt. „Wir entwickelten ein Schneeschmelz-vorhersagemodell. Die Ergebnisse unserer Vorhersagen werden direkt an die Hochwasservorhersagezentrale weiter geleitet“, berichtet Dr. Malitz.
Dort kann man dann anhand der Modellberechnungen aus Buch ermitteln, wie hoch nach Schneeschmelze und eventuellem Starkregen die zu erwartende Flutwelle von Flüssen sein wird. Städte und Gemeinden können danach entsprechende Vorkehrungen treffen.
Berlin-Buch liegt mit seiner Witterung übrigens im deutschen Durchschnitt. Auch hier gab es schon extrem verregnete Tage, wie den 8. August 1978, als 1,09 Meter Niederschlag pro Quadratmeter fielen. Den kältesten Tag gab es in Buch übrigens am 9. Februar 1956 mit minus 24,5 Grad und den wärmsten am 9. August 1992 mit 38,1 Grad.
Weitere Informationen zur Hydrometeorologischen Abteilung des DWD gibt es auf der Homepage und unter Tel. 030-94009425.
Foto 1: Im Messfeld im Garten der Bucher DWD-Dienststelle werden Daten zu Niederschlagsmengen und zu Windstärken erhoben.
Foto 2: Dr. Gabriele Malitz leitet die Dienststelle Buch der Hydrometeorologischen Abteilung des DWD.
www.dwd.de
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