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Dr. Uwe Möller
Geschäftsführer emp Biotech GmbH

„Man muss sich am Markt orientieren“

Wie bei so vielen ostdeutschen Wissenschaftlern hat die Wende auch in der Biografie von Uwe Möller (43) Brüche erzeugt. Der Chemiker, der seine Promotion 1992 mit dem Prädikat magna cum laude abschloss, hätte ohne Mauerfall beste Chancen auf den Posten als Forschungsleiter in einem Institut oder volkseigenen Chemiebetrieb gehabt.
Dr. Uwe Möller
„In diesen turbulenten Zeiten wurden aber überall Chemiker freigesetzt, weil die ostdeutschen Betriebe sich dem Marksituation stellen mussten, dadurch Kapazitäten abbauten oder ganz schlossen“, so Möller. An die hundert Bewerbungen habe er damals verschickt, ohne Erfolg.

Direkt nach der Wende verbesserten sich die Arbeitsbedingungen an den Universitäten - wie für so viele Forscher - auch für Möller zunächst. Sein engagierter Chef, Leiter des Instituts für Organische Chemie an der Humboldt-Universität Prof. Dieter Cech, zog für seine Wissenschaftler jede Menge Drittmittel und Industrie-Kooperationen an Land. „Endlich konnten wir so forschen wie wir wollten: Mit modernsten Geräten, Kooperationen in alle Himmelsrichtungen und nicht mehr eingeschränkt durch wirtschaftspolitisch verordnete Zwänge“, erinnert sich Möller, der der Idee des Sozialismus eigentlich zugeneigt war. Im Rahmen eines Sonderforschungsprojektes konnte Möller fünf Jahre an der Entwicklung eines neuartigen nicht-radioaktiven Nachweises von Nukleinsäuren basierend auf Chemilumineszenz arbeiten. „Wir hatten da eine Methode in den Händen, die ein enormes Potential hatte, zu einem marktfähigen Produkt entwickelt zu werden.“

Die Wissenschaftler gingen deshalb eine Kooperation mit der Göttinger Firma Biometra ein, um das innovative Diagnostikverfahren bis zur Marktreife weiterzuentwickeln. Aber Biometra wurde aufgekauft, und der neue Eigentümer hatte aus strategischen Gründen kein Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit. Mehr versprach da das Angebot des amerikanischen Gaststudenten Derek Levison - heute gemeinsam mit Möller Geschäftsführer der Firma emp Biotech - den Kontakt zu einem amerikanischen Mittelstandsunternehmen herzustellen.

„Wir fuhren zusammen nach New Jersey“, erzählt Möller. „Dort lernte ich Stewart Levison und Paul Nix kennen, Chefs von Princeton Separations und beide Wissenschaftler, die erfolgreiche Unternehmer geworden sind. Sie fanden unsere Methode höchst innovativ und fragten uns rundheraus: Wollt ihr in das kalte Wasser des Kapitalismus springen? Und wir sagten ohne Umschweife: Na klar!“ Für Möller bot sich damit eine Chance, seine wissenschaftlichen Ergebnisse weiter zu entwickeln und gleichzeitig seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Die wollte er ergreifen.

Eine Gründungsfinanzierung vom Bundesforschungsministerium in Höhe von 1,5 Millionen D-Mark wurde beantragt. Zunächst wollten Möller und Derek Levison mit Unterstützung von Princeton Separations von der Humboldt-Universität aus startend eine eigene Firma gründen. Aber das Schicksal machte einen Strich durch diese Rechnung. Institutsleiter Cech verstarb unerwartet und damit endete für die Jungunternehmer die Übereinkunft mit der Universität, dort Räume nutzen zu können. Hinzu kamen formelle bürokratische Hindernisse durch die Förderrichtlinien des BMBF. „Auch unser Förderantrag platzte, denn der hatte zur Bedin-gung, dass mehr als 50 Prozent des wissenschaftlichen Know-hows bei einem Gründer deutscher Herkunft liegen mussten“, so Möller. Also fing er wieder bei Null an.

Aber da gab es noch die deutsche Vertriebsfirma von Princeton Separations, emp Biotech. Hier wurden Möller und Levison 1997 schließlich Geschäftsführer. Sie entwickelten ein völlig neues Konzept für die Firma, das vorsah, weiter den Vertrieb für Princeton Separations abzuwickeln und parallel dazu einen F&E-Bereich aufzubauen, der zukünftig eigene Produkte in Aussicht stellte. Zunächst suchte die Zwei-Mann-Firma neue Räume in Adlershof, ein Zufall führte sie auf den Campus Buch, der damals noch nicht so bekannt war. Der Campus habe ihn aber gleich überzeugt, so Möller, insbesondere die Nähe zu Kooperationspartnern und Kunden. Da störte es auch nicht, dass die kleine Firma zuerst in einer alten Gipsbaracke unterkam, denn die günstigen Mieten waren in der Startphase sehr hilfreich.

Heute beschäftigt emp Biotech acht Mitarbeiter, betreut Auszubildende, Praktikanten sowie Diplomanden und belegt schicke Räume im Innovations- und Gründerzentrum. Die Firma stellt biologisch aktive Moleküle sowie Spezial- und Feinchemikalien „vom Milligrammmaßstab bis hin zu Mengen von einer halben Tonne“ her. Die Idee vom Anfang zum chemilumineszenten Nachweis von Biomolekülen haben die Unternehmer nicht aus den Augen verloren, jedoch habe sich die Realisierung als viel aufwändiger erwiesen als erwartet, besonders was die zu entwickelnden Geräte anging, sagt Möller. Andererseits hat emp Biotech derzeit auf Grund zahlreicher Ideen und Kooperationen eine Vielzahl weiterer Eigenentwicklungen in der Pipeline, die ein stetiges Wachstum des Unternehmens garantieren sollen.

Wie manch anderer Bucher Unternehmer mit ostdeutschem Ursprung ist auch Möller stolz darauf, immer ohne Fördermittel ausgekommen zu sein. Wenn ihm auch manchmal Zweifel kamen. „Als Ende der 1990ziger Jahre der Biotech-Boom ausbrach, entstanden Unternehmen mit zwanzig Mitarbeitern aus dem Nichts und verkündeten, in fünf Jahren an die Börse gehen zu wollen. Da haben wir uns schon gefragt, ob wir alles richtig machen.“ Beim Crash 2000 verschwand ein Teil dieser Unternehmen dann wieder sang und klanglos. Seitdem wisse er, dass ein langsames und gesundes Wachstum mehr Sicherheit bedeute. Auf der anderen Seite stehe für eigene Entwicklungen nur begrenztes Kapital zur Verfügung.

Mittlerweile hat Möller viel Spaß am Unternehmersein und die damalige Entscheidung, sein Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen, nicht bereut. Welchen Rat gibt er jungen Gründern? „Als Unternehmer muss man etwas verkaufen wollen. Man muss den Markt beobachten, Nischen suchen und herausfinden was die Kunden wollen. Zur reinen Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit, wie manche glauben, taugt der Job aber nicht – denn Chef ist der Kunde!“

www.empbiotech.de

An dieser Stelle finden Sie Porträts von Bucher Persönlichkeiten und Einrichtungen, die wir Ihnen vorstellen möchten.
Lesen Sie in unserem Archiv die Porträts der vergangenen Monate nach:
Persönlichkeiten:
Einrichtungen:
Juni 2010:
Dr. Jens Peter von Kries
Wissenschaftlicher Leiter der Screening Unit am Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) weiter
März 2010:
Hans-Dieter Ungewitter
Geschäftsführer des Autozentrums H.D.U. weiter
Oktober 2009:
Tina Walter
Praxis für Logopädie und Ergotherapie Tina Walter weiter
Mai 2009:
Steffen Hoch
Heimleiter des RENAFAN ServiceLebens LudwigPark weiter
März 2008:
Jörg-Peter Malke
 weiter
August 2007:
Dr. Uwe Möller
Geschäftsführer emp Biotech GmbH weiter
Juni 2007:
Dr. Iduna Fichtner
Arbeitsgruppenleiterin am MDC und Mitinhaberin der Firma Experimentelle Pharmakologie & Onkologie weiter
April 2007:
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Friedrich C. Luft
Leiter der Klinik für Nephrologie und Hypertensiologie an der der Franz-Volhard-Klinik weiter
Februar 2007:
Thomas Maeder
Mensaleiter auf dem Campus Berlin-Buch weiter
Dezember 2006:
Gauss-Gymnasium
Frau Dr. Stäbe-Wegemund, Direktorin weiter
Oktober 2006:
Peter Scholz
Projektmanager der Schlossparkpassage weiter
August 2006:
Michael Kowarsch
Buchladen in Buch weiter
Juni 2006:
Volker Spiegel
Geschäftsführer der L.O.S. Low Oxygen Systems GmbH weiter
April 2006:
Peter Mandelkow
 weiter
Februar 2006:
Matthias Berghahn
Filialleiter der Berliner Sparkasse in Buch weiter
Dezember 2005:
Dr. Susanne Christ
Allgemein- und Betriebsärztin weiter
Oktober 2005:
Dr. Stefan Schwartze
Administrativer Vorstand des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) weiter
August 2005:
Christel Hildenbrand
Schulleiterin der Hufeland-Oberschule weiter
Juni 2005:
Priv.-Doz. Dr. Monika Schöntube
Chefärztin der II. Kinderklinik Berlin-Buch weiter
April 2005:
Prof. Dr. Dr. h.c. Peter M. Schlag
Ärztlicher Direktor der Robert-Rössle-Klinik weiter
Februar 2005:
Dr. Peter Bendzko
Unternehmensgründer und Geschäftsführer der Invitek Gesellschaft für Biotechnik & Biodesign mbH weiter
Dezember 2004:
Kristiane Spitz
Chefredakteurin des Bucher Boten weiter
Oktober 2004:
Dr. Andreas Eckert
Vorstandsvorsitzender der Eckert & Ziegler Medizintechnik AG weiter
August 2004:
Dipl.-Ing. Andraes Heuer
Leiter des Heizkraftwerks Buch weiter
Juni 2004:
Dr. Ulrich Scheller
Leiter Gläsernes Labor weiter
April 2004:
Michael Friedrichs-Friedlaender und Aleksandra Koneva
Künstler am Künstlerhof Buch weiter
Februar 2004:
Prof. Jürgen Lichey
Chefarzt des Fachkrankenhauses für Lungenheilkunde und Thoraxchirurgie weiter
Dezember 2003:
Prof. Erika Gromnica-Ihle
Chefärztin der Rheumaklinik Berlin-Buch weiter
Oktober 2003:
Prof. Dr. med. Jörg Schulz
Ärztlicher Leiter des Klinikums Buch im HELIOS Klinikum Berlin weiter
Februar 2010:
Erste Wohnungsgenossenschaft Berlin-Pankow eG
 weiter
September 2009:
UKB Denkmal AG
 weiter
Juli 2009:
HELIOS Elternschule „Haus Kugelrund“
 weiter
Mai 2008:
Praxis für Physiotherapie Kristin Auert
 weiter
April 2008:
Reiterhof Klopsteg
 weiter
Februar 2008:
Grundschule Am Sandhaus
 weiter
Dezember 2007:
Bucher Kinderklub "Würfel"
 weiter
Oktober 2007:
BBB Management GmbH Campus Berlin-Buch
 weiter
September 2007:
"Bucher Wetterfrösche"
Abt. Hydrometeorologie des Deutschen Wetterdienstes (DWD) weiter
Juli 2007:
SV Berlin-Buch
Abteilung Kraftsport weiter
Mai 2007:
Topp und Flott
Schuh- und Schlüsseldienst weiter
März 2007:
Freiwillige Feuerwehr Buch
Sie löschen Bucher Brände ehrenamtlich weiter
Januar 2007:
Paritätisches Seniorenwohnen am Rosengarten
 weiter
November 2006:
Biosyntan Gesellschaft für bioorganische Synthese mbH
 weiter
September 2006:
Physiotherapie der Rheumaklinik Berlin-Buch
 weiter
Juli 2006:
InnoRegio Berlin-Buch
 weiter
Mai 2006:
Heinz Hammer GmbH, Mercedes-Benz-Vertragswerkstatt
 weiter
März 2006:
Kulturverein Moldova e.V.
 weiter
Januar 2006:
OTB Orthopädie-Technik Berlin GmbH
 weiter
November 2005:
Praxis für Nieren- und Hochdruckkrankheiten mit ambulanter Dialyse
 weiter
September 2005:
Technisches Hilfswerk, Ortsverband Pankow
 weiter
Juli 2005:
rennesens GmbH
 weiter
Mai 2005:
Marianne-Buggenhagen-Schule für Körperbehinderte
 weiter
Januar 2005:
Bucher Bürgerverein e.V.
 weiter
November 2004:
THURN Alpintechnik
 weiter
September 2004:
Stadtteilbibliothek Berlin-Buch
 weiter
Juli 2004:
NMR-Häuser auf dem Campus Berlin-Buch
 weiter
Mai 2004:
Bildungszentrum für Berufe im Gesundheitswesen Berlin-Brandenburg e.V.
 weiter
März 2004:
Tumorzentrum Berlin-Buch
 weiter
Januar 2004:
Hunde für Handicaps e.V.
 weiter
November 2003:
Waldschule im Bucher Forst
 weiter
Neues in Buch
Termine in Buch