|
|
Bucher Porträts
 |
|
|
Topp und Flott
Schuh- und Schlüsseldienst
Schuhmacher aus Leidenschaft
Sei es als Schuster, der die Schuhe neu besohlt, in denen man am besten laufen kann oder als Schlosser, der die Tür ohne viel Gehabe öffnet oder auch als Schneider, der einen Reißverschluss wieder in die Lederjacke einnäht. Mit seinem Schuh- und Schlüsseldienst an der Walter-Friedrich-Straße 1 ist er inzwischen zu einer festen Größe unter den Bucher Dienstleistern geworden.
|
|
|
Dabei ist Volodymyr Sytnik erst seit zehn Jahren in Berlin und seit drei Jahren in Buch. „Ich komme aus der Ukraine, aus der Stadt Snamenka“, lächelt der 36-jährige und beginnt in fließendem Deutsch aus seinem Leben zu erzählen. „Ich ging dort zehn Jahre zur Schule. In der Ukraine wird die Schulzeit mit einer Berufsausbildung verbunden. Ich hatte nach der Schule dann gleich einen Berufsabschluss als Schumacher.“
Doch dass wollte der aufgeweckte junge Mann zunächst nicht bleiben. Er begann ein Studium am russischen Telekommunikationsinstitut. „Ich dachte, der Kommunikationstechnik gehört die Zukunft, und mich interessierte das alles sehr“, erinnert er sich. Nach dem Studium arbeitete er dann zunächst als Ingenieur.
IT-Crash zwang zum Umdenken
Weil er sich noch weiterbilden wollte, kam er 1997 nach Berlin. Hier lernte er zunächst zwei Jahre lang die deutsche Sprache, ehe er mit einem Studium an der Technischen Universität begann. „Damals boomte gerade die IT-Branche. Junge Ingenieure wie ich setzten große Hoffnungen in diesen Wirtschafts-zweig“, erzählt er.
Doch dann kam der große Crash. So schnell, wie die IT-Firmen aus dem Boden schossen, so schnell brach die Branche wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Wirtschaftswissenschaftler meinten seinerzeit, dass das Ganze nur eine Marktbereinigung sei. Plötzlich standen aber Tausende junger IT-Fachleute auf der Straße.
„Ich machte mir seinerzeit viele Gedenken über meine Zukunft und überlegte, ob es sich überhaupt lohnt, weiter zu studieren. Was, wenn ich nach dem Studium gar keinen Job finde“, erinnert sich Volodymyr Sytnik. Nach nur 18 Monaten brach er das Studium ab.
Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, verdingte er sich zunächst als Hilfsarbeiter auf dem Bau. Da er für Probleme fast immer eine Lösung findet und handwerklich sehr begabt ist, war er binnen kurzer Zeit zum Vorarbeiter einer Dachdeckerfirma aufgestiegen. Doch dann ging die Firma Pleite.
„Von da an dachte ich mit meiner Frau darüber nach, mich selbstständig zu machen“, erzählt Sytnik. „Meine Schwiegereltern haben bereits seit längerem einen Schuh- und Schlüsseldienst im Bezirk Mitte. Sie hörten davon, dass in Buch ein Geschäft zum Verkauf steht. Ich griff schnell zu - und sprang ins kalte Wasser.“
Kundenstamm selbst aufgebaut
Der Laden in Buch lief bei der Übernahme nicht mehr gut. „Ich hatte, als ich vor drei Jahren anfing, eigentlich gar keine Kunden hier“, erinnert sich der Jungunternehmer an seine Anfänge. „Mit Qualität und Zuverlässigkeit habe ich mir Stück für Stück einen Kundenstamm aufgebaut.“
Das Wichtigste ist für Syntik bei allem die Qualität. „Da kann es manchmal schon etwas länger dauern, bis der Schuh wieder in Ordnung ist“, gesteht er. „Aber ich habe da immer den Spruch: Unmögliches erledige ich sofort, Wunder brauchen etwas länger.“
Dass Sytnik mit seinen Dienstleistungen in Buch so beliebt ist, liegt aber nicht nur an der Qualität, sondern auch an seiner freundlichen Art. Er kommt mit seinen Kunden ins Gespräch und hört älteren Damen und Herren auch mal etwas länger zu, als er eigentlich Zeit hätte. „Ich denke, es wird gerade in Buch zu wenig über die Generationsgrenzen hinweg kommuniziert. Viele sagen mir, das sei früher anders gewesen. Heute sei alles so anonym.“
Andererseits freut sich der Dienstleister, dass sich in Buch auch endlich etwas bewegt. „Das Einkaufszentrum wird endlich weiter gebaut, und Buch ist meiner Meinung nach auch schon sauberer geworden.“
Wenn Volodymyr Sytnik in den nächsten Monaten trotz all der recht erfreulichen Entwicklungen doch manchmal etwas unruhig wird, hat das übrigens einen handfesten Grund: Der Vater zweier Töchter freut sich auf weiteren Nachwuchs, der im August zur Welt kommen soll.
|
|
An dieser Stelle finden Sie Porträts von Bucher Persönlichkeiten und Einrichtungen, die wir Ihnen vorstellen möchten. Lesen Sie in unserem Archiv die Porträts der vergangenen Monate nach:
|
|
|
|
|
|