Die daraus 1941 hervorgegangene Habilitationsschrift sollte sich als außerordentlich bedeutsam für die damalige Luft- und Raumfahrtphysiologie erweisen.
1954 übernahm der Vater die Leitung eines Instituts in Albuquerque, New Mexiko, in dem die ersten amerikanischen Astronauten untersucht und ausgebildet wurden. Mit ihnen ging der Schuljunge Friedrich Luft Skilaufen und verfolgte ihre Abenteuer.
Luft wurde 1942 in Berlin geboren und verbrachte im Stadtteil Friedenau die ersten drei Lebensjahre. Der Vater war Schotte, die Mutter Russin. Die US-Army warb nach dem Zweiten Weltkrieg gezielt deutsche Wissenschaftler an, um den Sowjets die Fachleute zu entziehen. 1946 ging der Vater deshalb nach San Antonio, Texas, wenig später folgten Ehefrau und Sohn nach. Friedrich C. Luft stieg in die Fußstapfen des Vater und studierte in Colorado Biologie und in Philadelphia Medizin, spezialisierte sich auf Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen. Wie sich seine Fachrichtung von der seines Vaters unterschied beschreibt er so: „Vater war oberhalb des Zwerchfells tätig, ich unterhalb.“
Luft nahm eine Assistenzstelle an der Universität Indiana an, deren Klinikleiter der berühmte Pulmologe und Luftfahrtmediziner John Hickham war. Auch sein Militärdienst, den er als amerikanischer Staatsbürger ableisten musste, hatte etwas mit Luftfahrt zu tun. Fünf Jahre betreute er während des Vietnamkrieges amerikanische Piloten auf einem kalifornischen Stützpunkt. Ein Vietnameinsatz blieb ihm erspart. Er mutmaßt, dass es daran gelegen haben könnte, dass er in der Zwischenzeit Leibarzt von General Omar Bradley, dem Stellvertreter Eisenhowers, geworden war.
„Ich habe etwa meine halbe Karriere in den USA verbracht und die andere Hälfte in Deutschland“, resümiert Luft. In Indiana war er zwanzig Jahre und wurde ein ehrgeiziger und erfolgreicher Mediziner. Seine erste Ehe sei als Folge seines beruflichen Engagements in die Brüche gegangen, schreibt er über sich in dem Buch „Wissenschaftler im Biomedizinischen Forschungszentrum“ (herausgegeben von Luise Pasternak). Er suchte einen Neuanfang, vielleicht auch seine deutschen Wurzel, und folgte 1989 einem Ruf nach Erlangen. Hier widmete er sich besonders der Wissenschaft.
Als er 1992 schließlich nach Berlin-Buch kam, an die Franz-Volhard-Klinik für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, reizte ihn vor allem die Verzahnung von Wissenschaft und klinischer Forschung. Damit hatten in Buch in den 1920er Jahren bereits die Hirnforscher Oskar und Cécile Vogt begonnen. Heute sieht Luft diese Verzahnung nicht mehr ganz so euphorisch, sie sei vor allem ein politischer Wille, wenn auch ein verständlicher. „Von der Entdeckung des Insulins bis zu seiner Anwendung am Patienten dauerte es 1921 nur wenige Monate. Heute braucht ein Medikament im Durchschnitt elf Jahre bis es auf dem Markt ist und kostet Milliarden“, so Luft. Die Zusammenarbeit zwischen Medizinern und Grundlagenforschern sei schwierig, auch weil sie so unterschiedlich ausgebildet seien. Aber sie sei machbar und wichtig.
Luft, der auch Arbeitgruppenleiter am Max-Delbrück-Centrum ist, untersucht Gene, die für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich sind, etwa weil sie einen gestörten Fett-Stoffwechsel oder Bluthochdruck verursachen. Dazu wenden die Forscher verschiedene Methoden an, züchten Gefäßzellen im Labor, arbeiten am Tiermodell und untersuchen Patienten, die diese Störungen aufweisen.
„Wichtig für unsere Arbeit ist eine gut ausgestattete Forschungsstation im Krankenhaus", so Luft. Wenn der Neubau des HELIOS Klinikums fertig ist, wird seine Station dorthin umziehen. „Dann sind wir näher am Campus und bei den Grundlagenforschern“, freut er sich. Deshalb habe er sich damals auch vehement für diesen Neubau-Standort eingesetzt. Kurze Wege, schnell mal bei den Kollegen vorbeischauen oder ein Seminar besuchen, so etwas gehöre einfach zu einer guten Zusammenarbeit dazu. „E-Mails und Faxe kann ich auch nach Amerika schicken.“
Deutschland, Amerika, Neuanfang – diese Worte ziehen sich wie ein roter Faden durch seine Biografie. Jetzt, mit 65 Jahren, wird Friedrich C. Luft das in Buch im Aufbau befindliche Experimental and Clinical Research Center – „eine schreckliche Wortschöpfung“ (O-Ton Luft) – für fünf Jahre leiten. Und er hat für zwei Monate im Jahr einen Lehrauftrag an der Universität Iowa angenommen, einer nach seinen Worten hervorragenden Universität in Forschungsgebieten, die ihn interessieren. „Ich brauche immer wieder den Austausch, die wissenschaftliche Erneuerung“, sagt er.
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