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Bucher Porträts
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Biosyntan Gesellschaft für bioorganische Synthese mbH
Dienstleister für die Wissenschaft
Seit fast zehn Jahren sind die Chemiker Dr. Rudolf Dölling (59) und Dr. Frank Kernchen (51) selbständige Unternehmer. 1989 war der erfahrene Peptidchemiker Dölling nach Buch an das damalige Zentralinstitut für Molekularbiologie der Akademie der Wissenschaften der DDR gekommen, um hier eine Gruppe „Peptidsynthese“ aufzubauen.
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Dann kam die Wende. Zwar konnte das alte Institut noch neue Geräte und Chemikalien kaufen, aber als man Ende 1990 beginnen wollte, stand bereits fest, dass die Akademie aufgelöst wird.
Synthesechemiker waren in dem neuen Institut für Molekulare Medizin nicht mehr gefragt, jetzt waren Gentechnik und Molekularbiologie „modern“.
Für die beiden Vollblutchemiker war das bitter. Wie eine Reihe anderer Bucher Kollegen fanden sie ein neues Wirkungsfeld in der 1992 gegründeten BioTeZ GmbH, die als wissenschaftliches Dienstleistungsunternehmen vor allem für das Max-Delbrück-Centrum gegründet worden war. Dies bedeutete zugleich den Übergang von der Wissenschaft zur wissenschaftlichen Dienstleistung. 1997 verließen sie die BioTeZ und gründeten im Oktober 1997 schließlich ihr eigenes Unternehmen – die Biosyntan Gesellschaft für bioorganische Synthese mbH. Was damals noch wie eine Notlösung aussah, ist heute ein erfolgreiches Unternehmen mit insgesamt sieben Beschäftigten, neben einer Laborantin alle samt Diplomchemiker.
Als Serviceunternehmen für Forschung und Industrie stellt die Biosyntan GmbH im Auftrag von Kunden Peptide her, das sind aus Aminosäuren bestehende kettenförmige Fragmente von Proteinen. „Als Dienstleister wurden wir anfangs noch von manchen Wissenschaftlerkollegen belächelt“, erinnert sich Frank Kernchen. Heute sind die Peptide der hochspezialisierten Chemiker europaweit gefragt. Denn die Wissenschaft beschäftigt sich nach der Aufklärung des menschlichen Genoms heute zunehmend mit der Frage, wie die verschiedenen Proteine im Organismus wirken und miteinander in Wechselwirkung treten. Ob bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe oder in der Diagnostik, maßgeschneiderte Peptide sind wichtige Werkzeug für viele Forschungsarbeiten.
Sparsamkeit und Effizienz
Auf einer Etage im Gründerzentrum des Campus Buch nutzt Biosyntan 300 Quadratmeter modernster Laborfläche. Hier stellen die Syntheseautomaten nach Anweisung der Chemiker bis zu 1500 solcher kostbaren Substanzen im Jahr her. Jeder Syntheseauftrag beginnt mit einer sorgfältigen Planung des Syntheseweges - dies erfordert ein breites Wissen in der Synthesechemie und enorm viel Erfahrung. Kostengünstig soll der Weg sein und schnell gehen muss es auch gehen - der Kunde erwartet nach etwa vierzehn Tagen das fertige Peptid. Das alles hat seinen Preis, 500 und manchmal auch wesentlich mehr Euro kosten einige Milligramm eines Peptids – dies sind vergleichsweise nur einige Körnchen Salz.
Mit dem Unternehmersein haben sich die beiden Chemiker und Geschäftsführer mittlerweile angefreundet. Am besten gefällt ihnen an der Selbständigkeit, alles nach eigenen Vorstellungen gestalten zu können. So haben sie sich auch dafür entschieden, die Firma ohne fremdes Geld aufzubauen und sich nicht zu verschulden. Das zwinge zur Sparsamkeit und zur Effizienz, so Dölling. „Jeden Euro, den wir ausgeben, haben wir vorher verdient.“ Die Firma kann ein gesundes Wachstum verzeichnen. „Seit dem ersten Jahr hat sich unser Umsatz vervierfacht“, sagt Dr. Kernchen. Besonderen Wert legen sie auch auf eine harmonische, fast familiäre Arbeitsatmosphäre und ein motiviertes Team. „Wenn mal besonders knifflige Synthesen oder viele Aufträge anstehen, schaut keiner auf die Uhr.“
Über Auftragsmangel brauchen sich die Peptidexperten von Biosyntan nicht zu beklagen. Der Kundenstamm der Bucher klingt wie das Who-is-who der deutschen und europäischen Pharmaindustrie. Aber auch Universitäten, Forschungsinstitute und andere Biotechs lassen in Buch Peptide herstellen. Ein sicheres Geschäft resultiert für Biosyntan aus der festen Kooperation mit der Berliner Biotechfirma Biogenes, einem führenden Hersteller poly- und monoklonaler Antikörper. „Hier machen wir 25 Prozent unseres Umsatzes“, so Kernchen.
Vertrauenssache Peptidkauf
Die Kunden schätzen an Biosyntan die Qualität und die kurzen Lieferzeiten der Produkte sowie die jahrzehntelange Erfahrung bei der Synthese schwieriger Peptide. „Niemand kann vorher sagen, wie schwierig und aufwendig eine Synthese ist und damit auch wie teuer das Produkt wird. Und sollte sich ein Peptid einmal überhaupt nicht herstellen lassen, was vorkommen kann, tragen wir das Risiko und die Kosten“ meint Dölling und ergänzt, dass das Gespräch mit dem Kunden über die Chancen und Risiken solcher Synthesen beiderseitiges Vertrauen schaffe und die wissenschaftliche Beratung der Kunden daher ein wichtiger Punkt in der Firmenstrategie sei. Das honorieren die Kunden. Einmal zufrieden gestellte Kunden bestellen immer wieder – und empfehlen die BIOSYNTAN weiter. „Peptidkauf ist eben auch eine Vertrauenssache“ so Dr. Kernchen.
Angesichts dieser Situation gibt die Biosyntan für Werbung und Marketing kaum Geld aus, sondern investiert das Geld lieber in neue Geräte und Ausrüstungen. Denn die Konkurrenz schläft nicht. Asiatische Firmen drängen auf den Markt und auch an Universitäten und Instituten bieten andere Gruppen Peptide an. Biosyntan setzt daher zunehmend auf Spezialsynthesen z.B. von farbstoffmarkierten Peptiden - bei solch schwierigen Synthesen kann dem Chemiker Dölling mit seinen über dreißig Jahren Syntheseerfahrung so schnell keiner das Wasser reichen.
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An dieser Stelle finden Sie Porträts von Bucher Persönlichkeiten und Einrichtungen, die wir Ihnen vorstellen möchten. Lesen Sie in unserem Archiv die Porträts der vergangenen Monate nach:
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