Heute ist dieses Konzept aktueller denn je und Berlin-Buch ist Vorreiter, wenn es darum geht Grundlagenforschung und klinische Forschung zu vernetzen. Am Standort arbeiten Institute der Grundlagenforschung wie das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) und das Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) eng mit Forschungskliniken der Charité zusammen. Die Strukturen auf dem Campus fördern diese Zusammenarbeit, so leiten beispielsweise Mediziner der Kliniken auch Forschungsgruppen in den Instituten. Hinzu gekommen sind in den vergangenen 15 Jahren innovative Unternehmen der Biotech-Branche, die die Ergebnisse der Forscher aufgreifen und in Produkte und Dienstleistungen umsetzen.
Mit der InnoRegio-Initiative „Gesundheitsregion Berlin-Buch“ hat diese Zusammenarbeit seit 2002 einen neuen Schub erhalten. Forscher, Mediziner und Biotechnologen setzten sich an einen Tisch und planten Projekte, von der klinischen Fragestellung über die Entwicklung der Methode bis hin zur Umsetzung in ein geeignetes Produkt. Möglich machte dies das Förderprogramm „InnoRegio“ des Bundesforschungsministeriums. „Das Programm sah vor, Innovationspotentiale in Regionen Ostdeutschlands zu vernetzen und damit Wertschöpfung und Beschäftigung nachhaltig zu verbessern“, sagt Dr. Andreas Mätzold, seit 2004 Geschäftstellenleiter von InnoRegio Berlin-Buch. Und darin lag auch schon die Herausforderung für Buch. Entgegen traditionellen Branchen galt es, das Programm auf die hoch spezialisierte, risikoreiche und von Anfang an international agierende Biotechnologie-Branche auszurichten. Doch nach einigen Wirren in der Anfangsphase lief die Initiative in Buch erfolgreich und endete im Juni 2006.
Insgesamt 6,3 Millionen Euro, davon 3,9 Mio. Euro Fördermittel, flossen in gut drei Jahren in sechs Teilprojekte und die Geschäftsstelle, das entspricht einer Förderquote von rund 60 Prozent. Entstanden ist ein hochspezifisches Netzwerk, das auch Partner über die Region hinaus mit einbindet. Insgesamt 27 Unternehmen, 16 Forscher und Kliniker sowie 8 sonstige Arbeitsgruppen aus Buch und Berlin-Brandenburg umfasst es. „Der thematische Schwerpunkt liegt darauf, Ansätze für molekulare Diagnostik und Therapie zu entwickeln“, so der Geschäftsstellenleiter. Jedes Projekt bildet dabei ein kleines Netzwerk für sich, regelmäßige Netzwerktreffen, moderiert durch die Geschäftsstelle, sichern den Kontakt und den Informationsfluss untereinander. Mit den Ergebnissen ist Mätzold zufrieden. Es entstanden Pilotprodukte und Dienstleistungen im vorwettbewerblichen Bereich, denn die Markteinführung sei ausdrücklich nicht mit gefördert worden, betont er.
Als Beispiel für ein Ergebnis nennt er den Chip basierten Karzinomtest für Dickdarmkrebs der Firma Invitek. Der Genchip soll es einmal ermöglichen, die individuelle Veranlagung von Patienten für diese gefährliche Krebsart zu ermitteln. Beteiligt waren an diesem Projekt Forscher des MDC, Mediziner der Charité sowie das Bucher Unternehmen Invitek. Als besonderes Projekt hebt Mätzold das Bildungsprojekt hervor, in dem das Gläserne Labor gemeinsam mit Unternehmen bedarfsgerechte Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen in den Bereichen Molekulare Medizin, klinische Forschung und Bioinformatik entwickelte.
Als Erfolg von InnoRegio sieht der Geschäftsstellenleiter auch, dass „Mauern zwischen den Einrichtungen niedriger wurden.“ Er ist sich sicher, dass der Standort Buch von den entstandenen Netzwerken und den vielseitig geknüpften Kontakten auch in Zukunft profitieren wird. „Immer mehr Firmen wollen sich vor allem deshalb bei uns ansiedeln, weil diese enge Verbindung zur Klinik einzigartig ist“, so Mätzold.
Über die Nachhaltigkeit von InnoRegio Berlin-Buch haben sich die Akteure ebenfalls bereits Gedanken gemacht. So können sie sich vorstellen, dass das InnoRegio-Netzwerk Eingang in einen Berlin-Brandenburger Ansatz findet, Stärken und Mittel im Bereich Molekulare Diagnostik und Therapie zu konzentrieren und in ein größeres virtuelles Verbundprojekt münden zu lassen. Auch in europäische Projekte werden sich einige Akteure in Zukunft wohl stärker einbringen. Am Standort Berlin-Buch könnte der Geist von InnoRegio in das geplante Experimental and Clinical Research Center (ECRC) einfließen. MDC und Charité wollen hier mit dem Helios Klinikum zusammenarbeiten, um klinische Fragestellungen noch schneller und besser aufzugreifen und umzusetzen.
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