Regelmäßige Entspannung braucht der gebürtige Leipziger auch bei seiner anspruchsvollen Doppelfunktion. Seit acht Jahren ist er Ärztlicher Leiter des Klinikums Buch. Im Jahr 2001 wurde er von HELIOS in dieser Position bestätigt, als der Krankenhauskonzern das Klinikum übernahm. Seit 1979 ist der achtundfünzigjährige außerdem Leiter der Klinik für Altersmedizin (Geriatrie) am Klinikum Buch.
„Früh bespreche ich alle Termine mit meiner Sekretärin und Referentin, bis 14 Uhr kümmere mich um meine Patienten, danach bin ich der Ärztliche Leiter des Klinikums“, sagt Prof. Schulz gelassen über seinen Tagesablauf, so als ob das nichts wäre. Im Gespräch wird klar, dass das nur funktionieren kann, weil er gut organisiert ist und ein Team hinter sich weiß, auf das er sich verlassen kann. Und er unterscheidet Wichtiges von Unwichtigem. „Zu ,Runden’, von denen vorher klar ist, dass nur geredet wird und nichts dabei heraus kommt, gehe ich nicht mehr.“
Die Arbeit mit den Patienten ist Prof. Schulz immer wichtig geblieben. Die Geriatrie profitiert heute von modernen schonenden Diagnose- und Therapieverfahren. „Dabei wird aber manchmal vergessen, dass alte Menschen viel Zuwendung brauchen, dass man mit Ihnen sprechen muss“, sagt Prof. Schulz. Die Zeit dafür nimmt er sich, macht auch gern mal einen Scherz mit den Patienten. Ihm ist es ein ganz wichtiges Anliegen, dass neben den technischen und wirtschaftlichen Aspekten im heutigen Klinikbetrieb die menschliche Seite der Medizin nicht verloren geht.
Als Ärztlicher Leiter des Klinikums Buch hat er die medizinische Verantwortung für 20 Kliniken und 6 Institute und vertritt die medizinischen Belange gemeinsam mit der Krankenhausleitung nach außen. Dabei betont Professor Schulz, dass die Chefärzte in ihren Kliniken selbständig arbeiten, trotzdem werden grundsätzliche Fragen gemeinsam geklärt. „Zum Glück bin ich als Sternbild Waage sehr diplomatisch und kann gut vermitteln. Aber nur bis zu einem bestimmten Punkt, dann gibt es Entscheidungen.“ Sehr wichtig ist ihm auch der Stammtisch der Chefärzte. Regelmäßig treffen sie sich bei einer guten Flasche Wein und reden dann nicht nur über die Arbeit.
Prof. Schulz wohnt seit 1958 in Berlin und ist, was die Medizin angeht, familiär „vorbelastet“. Sein Vater war in den sechziger Jahren Direktor der I. Medizinischen Klinik der Charité und Dekan an der Humboldt-Universität. Der Sohn aber fühlte sich zunächst eher zur Chemie hingezogen, zum Leidwesen der Eltern. „Einmal habe ich mit dem Chemiebaukasten einen Granitblock am Ehrenmal Treptow gesprengt“, erinnert er sich, „da gab es richtig Ärger.“ So studierte er dann doch lieber Medizin an der Humboldt-Universität, habilitierte sich und erhielt 1986 eine Professur an der Charité.
Die Experimentierfreudigkeit ist Prof. Schulz geblieben. Seit vielen Jahren forscht er auf dem Gebiet der Alzheimer-Krankheit. Ein europäisches Alzheimer-Forschungszentrum kann er sich in Berlin-Buch sehr gut vorstellen. Inzwischen hat er bereits europaweite Patente und fand in Buch auch eine Biotechnologiefirma, die mit ihm gemeinsam an der Weiterentwicklung von Bluttests bei Alzheimer arbeitet. „In Buch gibt es noch ein großes Potential. Mediziner und Biotechnologie-Unternehmen sollten sich viel öfter in kleinem Rahmen treffen und sich gegenseitig über ihre Arbeit informieren.“
Den Neubau des HELIOS Klinikums sieht er mit gemischten Gefühlen. Als Ärztlicher Leiter begrüßt er ihn. Das Klinikum könne dadurch eine optimale Patientenversorgung in modernsten Räumen anbieten. Persönlich hängt er an den geschichtsträchtigen Krankenhausbauten von Ludwig Hoffmann, die mit Weinlaub berankt sind und in die auch seine schweren dunklen Möbel viel besser passen. Um so mehr freut es ihn, dass HELIOS sich auch in dem Gelände an der Wiltbergstraße weiter engagieren will, indem es Tochterfirmen und Teilbereiche des Klinikums hier ansiedeln möchte.
Der Blick in den Terminkalender verrät Prof. Schulz, dass es auch heute wieder spät werden wird. Da müssen Hund und Katze zu Hause in Buchholz noch warten. Zum Glück findet heute einmal keine wissenschaftliche Konferenz statt, auf denen er auch oft anzutreffen ist. Seine beiden erwachsenen Kinder, die Tochter arbeitet als Sprecherzieherin, der Sohn studiert noch, kommen oft zu Hause vorbei, denn hier ist der Kühlschrank immer voll. Auf seinem Wassergrundstück und beim Sporttreiben erholt sich Professor Schulz, der Ärztliche Leiter des Klinikums Buch. Morgen früh wird er mit der Sekretärin die Termine des Tages abstimmen und wieder liegt ein abwechslungsreicher, vielleicht auch anstrengender Tag vor ihm.
Andreas Wolf, Christine Vollgraf
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