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Bucher Porträts
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Christel Hildenbrand
Schulleiterin der Hufeland-Oberschule
"Wir können es uns nicht leisten, einige fallen zu lassen"
Ja, es gibt sie noch. Engagierte Lehrerinnen und Lehrer, die sich für das Wohl ihrer Schüler einsetzen. Eine von ihnen ist Christel Hildenbrand, Schulleiterin der Hufeland-Schule in Buch, eine von vier Pankower Hauptschulen. „Hauptschulen haben in Berlin einen schlechten Ruf“, sagt die 54jährige Mathematik- und Biologielehrerin. Das hat sie aber nicht abgeschreckt, sich 1996 als Schulleiterin für die damals in Gründung befindliche Bucher Hauptschule zu bewerben.
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Im Gegenteil. Die Winzerstochter aus Freiburg im Breisgau hat sich seit Beginn ihrer Laufbahn bewusst für Benachteiligte und Randgruppen eingesetzt. So ging sie 1976 nach ihrem Studium nicht an eine gemütliche Dorfschule im Schwarzwald, sondern nach Westberlin - und hier ausgerechnet an eine Kreuzberger Hauptschule. „Die Stadt hat mich gereizt“, so Hildenbrand. Kreuzberg sei schon damals ein Problemkiez gewesen, es gab viele Ausländer, insbesondere Türken. Allerdings seien die Probleme nicht so existenziell gewesen wie heute. Die meisten Kinder stammten aus intakten Familien und waren gerade aus der Türkei gekommen, die Eltern hatten Arbeit. „Da standen vor allem die Sprachprobleme im Mittelpunkt.“
Zeit für Neues
Gemeinsam mit ihr wurden zu dieser Zeit viele junge Lehrer eingestellt. Es sei eine gute Zeit gewesen um Neues zu probieren, erinnert sie sich. Mit ihren Kollegen führte sie neue, mehr schülerorientierte Unterrichtsmethoden ein. Fächerübergreifende Projektarbeit und eine enge Zusammenarbeit unter den Kollegen standen im Mittelpunkt. Christel Hildenbrand hat in dieser Zeit auch die Familien ihrer Schüler kennen und die türkische Kultur schätzen gelernt. Viele Reisen in die Türkei hat sie seitdem gemacht.
Fast zwanzig Jahre arbeitete Christel Hildenbrand an Hauptschulen in Kreuzberg und Tiergarten. Ihr Umzug 1996 an den Stadtrand nach Schildow veranlasste sie, sich nach einer Stelle im nördlichen Teil Berlins umzusehen. Als Schulleiterin eine neue Schule aufzubauen, das konnte sie sich gut vorstellen. „Ich bin es gewohnt selbständig und eigenverantwortlich zu arbeiten. Das kommt wohl daher, dass ich in einem Familienbetrieb aufgewachsen bin.“ Die Schwester von zwei jüngeren Brüdern hat in ihrer Familie auch gelernt, dass eine Gemeinschaft nur funktionieren kann, wenn man die Schwächsten nicht ausgrenzt. Der katholische Glaube, den ihre Familie praktizierte, hat ihre ausgeprägt humanistischen Ideale ebenfalls beeinflusst. „Auch wenn ich heute kaum noch in die Kirche gehe“, lacht sie.
Für Intergation entschieden
Christel Hildenbrand ist anders als man sich eine Hauptschullehrerin vorstellt. Sie wirkt bescheiden, ruhig, fast mütterlich - obwohl sie selbst keine Kinder hat. Sie glaubt daran, dass in jedem Kind ein Potenzial steckt, das man fördern sollte. Die Gesellschaft könne es sich nicht leisten, einen Teil fallen zu lassen, ist sie überzeugt. Deshalb hat sie sich beim Aufbau der Schule von Anfang an für Integration entschieden. In ihrer Schule lernen heute 240 Kinder von 12 bis 16 Jahren. Die Klassen haben im Durchschnitt 16 Schüler, darunter je drei bis vier Integrationsschüler. Diese Kinder sind meist in einigen Bereichen lernbehindert. Sie haben sonderpädagogischen Förderbedarf, heißt es offiziell. „Das bedeutet aber nicht, dass diese Kinder nichts können. Oft haben sie in anderen Bereichen Stärken, die wir herausfinden und fördern wollen“, erläutert die Schulleiterin ihren Ansatz.
Das bedeutet aber auch eine bestimmte Art von Zusammenarbeit unter den Lehrern. Oft unterrichten zwei Lehrer in einer Klasse. „Nicht alle Lehrer mögen das, aber hier wussten sie von Anfang an, was auf sie zukommt und haben sich bewusst dafür entschieden“, sagt Christel Hildenbrand. Im Mittelpunkt des Konzepts der Schule steht individuelles Lernen und das Eingehen auf den Einzelnen. Dies heißt auch mehr Arbeit für die Lehrer, so müssen Unterrichtsmaterialien oft selbst erstellt werden. Manchmal müssen Kinder auch aus der Klasse genommen werden, weil sie es nicht schaffen sich über einen langen Zeitraum zu konzentrieren. Sie werden dann individuell pädagogisch betreut. Gute Erfahren hat die Schule hierbei in der Zusammenarbeit mit dem Bucher Verein Regenbogen gemacht.
Besonders wichtig findet es Christel Hildenbrand, die Schüler auf das Berufsleben vorzubereiten. In verschiedenen berufsorientierten Projekten und während der Betriebspraktika können die Schüler herausfinden, was sie interessiert und welche Anforderungen Unternehmen heute an ihre künftigen Mitarbeiter haben. Dabei bemüht sich Christel Hildenbrand besonders um den Kontakt zu Bucher Unternehmen und Einrichtungen.
Schule als Ort des Zusammentreffens
Ein Projekt für das sie sich derzeit besonders einsetzt, ist die Neugestaltung des Schulhofes. Vorgesehen ist ein offener, parkähnlicher Bereich rund um das Schulgebäude, den auch Anwohner nutzen können. „Wir wollen auf diese Weise in Kontakt mit dem Ort Buch und seinen Bewohnern treten“, sagt sie.
Selbstverständlich sollen die Schüler in die Gestaltung und die Pflege des Geländes mit einbezogen werden. Die Gestaltung des Hofes wäre ein erster Schritt zur Verwirklichung eines Traums, den Christel Hildenbrand hat: Dass die Schule im Ortsleben von Buch eine Rolle spielt und von der Bevölkerung positiv wahrgenommen wird. Dass dieser Traum wahr wird - daran wird sie gemeinsam mit ihren Kollegen alles setzen.
www.hufeland-os.cidsnet.de
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