Dr. Peter Bendzko
Unternehmensgründer und Geschäftsführer der Invitek Gesellschaft für Biotechnik & Biodesign mbH
"Auf kreative Köpfe setzen"
In Peter Bendzkos Leben verlief nicht immer alles geradlinig. Fast wäre der heutige Biotech-Unternehmer Konstrukteur für radioastronomische Anlagen geworden. „Diese Studienrichtung wurde mir 1970 in der Sowjetunion angeboten, obwohl ich mich für Biophysik beworben hatte“, so der heute 51-jährige. Die russischen Bürokraten wollten einfach ihr Kontingent erfüllen. Doch bei Bendzko drehte sich schon immer alles um die lebende Materie. Am liebsten hätte er Medizin studiert, „aber ich konnte kein Blut sehen.“
Schließlich akzeptierte er ein Physikstudium in Jerewan, wobei sich die Begeisterung darüber in Grenzen hielt. Wo lag denn Jerewan? Das Blatt wendete sich, als an der dortigen Universität ein Lehrstuhl für molekulare Biophysik, damals eine brandneue Wissenschaft, eröffnet wurde. So kam Bendzko doch noch ans Ziel seiner Wünsche, Biophysiker zu werden.
Nach der Rückkehr in die DDR gehörte er zu den am modernsten ausgebildeten Forschern des Landes. Für einen Dienstvertrag an der Humboldt-Universität reichte es nicht. „Da musste man in der SED sein“, erinnert sich Bendzko. So ging er 1976 an die Akademie der Wissenschaften nach Buch ins Zentralinstitut für Molekularbiologie. Hier forschte er unter anderem erfolgreich an der Früherkennung des Herz-Infarktes. „Wir hatten damals schon einen Marker für die Früherkennung in der Hand, den hätte man aus heutiger Sicht natürlich patentieren müssen“, sagt der Unternehmer mit leichtem Bedauern.
Immer mal wieder handelte er sich auch Ärger mit den Oberen ein. Bei einem Forschungsaufenthalt in der Sowjetunion kam es zu einem Zusammenstoß mit dem sowjetischen Geheimdienst, weil seine damalige Freundin ihn unangemeldet in einem gesicherten Akademiestädtchen besuchte. Resultat: Disziplinarverfahren und dreijähriges Auslandsverbot.
In der Akademie war er von da an nicht mehr so richtig gewollt und wurde „weggelobt“ - in die strategische Planungsgruppe des Ministerpräsidenten. Die Gruppe sollte auf Basis der wissenschaftlichen und technischen Entwicklung Schlussfolgerungen für die Volkswirtschaft der nächsten 20 bis 30 Jahre ziehen. Die Ergebnisse spielten aus bekannten Gründen bald keine Rolle mehr, aber:„Hier habe ich interdisziplinäres Arbeiten gelernt“, so Bendzko „davon profitiere ich heute noch.“
Den Umbruch 1989 sah Peter Bendzko vor allem als Chance, eigene Ideen zu verwirklichen. Von denen hatte er reichlich aus seiner Zeit als Forscher. 1992 gründete er mit der Invitek GmbH eines der ersten Unternehmen in Buch. Geld hatte er keins. „Wir konnten nur auf kreative Köpfe setzen.“ Im Gegensatz zu den Banken, „die immer nur Sicherheiten wollten“.
So ist das Unternehmen langsam aber aus eigener Kraft gewachsen. Die Invitek beschäftigt heute 27 Mitarbeiter und besitzt zwei Dutzend Patente weltweit. Wichtigster Bereich im Unternehmen ist die Produktgruppe zur Gewinnung, Aufreinigung und Analyse des Erbmaterials DNA. Die Produkte kommen vor allem in der Gerichtsmedizin und der molekularen Diagnostik zur Anwendung. Besonders wenn es knifflig wird, beispielsweise weil gerichtsmedizinische Proben nur ganz geringe DNA-Spuren aufweisen oder stark verunreinigt sind, zeigt sich die Überlegenheit der Invitek-Technologie gegenüber der bisherigen und nunmehr schon zwanzig Jahre alten Technologie. So besitzt das Unternehmen gute Verbindungen zu gerichtsmedizinischen Labors weltweit, vom FBI bis zu Scottland Yard.
Die Ideen gehen Peter Bendzko nicht aus. Er hat in den letzten 12 Jahren mehrere Unternehmen gegründet. Zukünftig will er in die Therapieentwicklung einsteigen. Gute Chancen sieht er dabei auf dem Gebiet der Nanomedizin. Es gibt viele Hinweise darauf, dass die nur Millionstel Millimeter großen Nanoteilchen erhebliche therapeutische Wirkungen im Organismus haben können. Um hier Forschung und Entwicklung zu betreiben, hat er ein neues Unternehmen gegründet. Für Peter Bendzko ist eine neue Ära von Wirksubstanzen mit biophysikalischem Wirkprinzip im Kommen. Da möchte er, der Biophysiker, unbedingt dabei sein.
An dieser Stelle finden Sie Porträts von Bucher Persönlichkeiten und Einrichtungen, die wir Ihnen vorstellen möchten. Lesen Sie in unserem Archiv die Porträts der vergangenen Monate nach:
Persönlichkeiten:
Einrichtungen:
Juni 2010: Dr. Jens Peter von Kries
Wissenschaftlicher Leiter der Screening Unit am Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP)