Bereits vor der Wende hatte der gebürtige Westberliner Kontakt zum FLT, arbeitete er doch gar nicht so weit weg im damaligen Westberlin, wenn auch die Mauer die beiden Stadthälften noch trennte. Nach zwölf Jahren ärztlicher Tätigkeit am FLT ist er nun selbst mit Buch verwurzelt. Kam da 1992 ein „Wessi“, der die Klinik, die sich wie alle ostdeutschen Gesundheitseinrichtungen im Umbruch befand, im Sturm eroberte und die Gunst der Stunde nutzte? Prof. Lichey hat so gar nichts von einem Klischeewessi. Der graumelierte, schlanke, neunundfünfzigjährige, der auch schon mal elf Semester Philosophie studierte, strahlt Freundlichkeit und Ruhe aus und wirkt sehr sympathisch. Ein Selbstdarsteller sei er nicht, das überlasse er anderen, sagt er.
Stattdessen konzentriert er sich lieber auf seine Arbeit. Die besteht wie bei allen Chefärzten zu einem großen Teil aus Bürokratie „die eben gemacht werden muss“. Lieber ist ihm aber die Arbeit am Patienten, drei Stunden Visite am Tag müssen sein. Der Facharzt für Kardiologie, Pneumologie und Allergologie baut dabei auf die klinische Erfahrung, die er sich während seiner siebzehn Jahre am Klinikum Steglitz erworben hat. Danach praktizierte er einige Jahre in einer Gemeinschaftspraxis. Es zog ihn dann doch wieder in eine Klinik, er setzte sich gegenüber den anderen Bewerbern durch und wurde Chefarzt des FLT. „Der Alltag in einer Praxis unterliegt in so vielen Bereichen den Reglementierungen der Krankenkassen“, begründet er den Wechsel. Das sei in der Klinik noch anders. Dabei betont er das noch. Auch in der Klinik hielten immer mehr die Themen Budget und Abrechnung Einzug. Man merkt, dass ihn das ärgert.
Die Patienten, die er betreut, sind zu 60 Prozent solche mit Lungenkrebs. Das hat sich im Laufe der 50-jährigen Geschichte des FLT geändert. Zu Beginn kamen hierher vor allem Tuberkulosepatienten und Asthmatiker. Von der umfassenden Fachambulanz der Klinik blieb nach der Wende der onkologisch-pneumologische Teil erhalten. Darüber hinaus gibt es hier eine der größten Ambulanzen für Insektengiftallergien.
Mit Veränderungen und Umbrüchen im wahrsten Sinne des Wortes, lebt Prof. Lichey von Beginn seiner Tätigkeit in Buch. „Zuerst wurden die historischen Gebäude, in denen wir uns befinden saniert“, erzählt er. Zwei Jahre knatterten die Presslufthämmer um ihn herum. Dafür sind die Gebäude des FLT jetzt Schmuckstücke auf dem von Ludwig-Hoffmann erbauten Krankenhausgelände. Und jetzt gebe es dauernd Neuerungen wegen der Gesundheitsreform. Trotzdem nimmt er solche Dinge gelassen und hofft, dass nun endlich Ruhe einkehrt.
Fachlich schätzt er besonders die gute Zusammenarbeit mit den anderen Bucher Kliniken. „In Buch konzentrieren sich alle Disziplinen, die mit onkologischen Fragen zu tun haben“, so Prof. Lichey. So arbeitet er eng mit der Robert-Rössle-Klinik für Tumorerkrankungen und dem Bereich Strahlentherapie des Helios-Klinikums zusammen. Die beteiligten Kliniken und Bereiche sind im Tumorzentrum Buch organisiert. Hier finden unter anderem wöchentliche interdisziplinäre Tumorkonferenzen statt, wo mit den Kollegen konkrete Fälle besprochen werden.
Und was macht ein vielbeschäftigter Mediziner wie Prof. Lichey in seiner Freizeit? Der Frühaufsteher arbeitet morgens an den Wochenenden an einer neuen Auflage eines Buches über Lungenembolien. Und er liest gern. Zum Beispiel Bücher über Politik, Ökonomie und Soziologie. Bei den vielen Details, die oftmals seinen Alltag bestimmten, mache es ihm immer noch Spaß in größeren Zusammenhängen zu denken. |
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