Seit fünfzehn Jahren ist die heute dreiundsechzigjährige als Chefärztin dieser Klinik tätig. Die Rheumaklinik gehörte bis zur Wende zum Klinikum Buch und war bis 2001 auf dem Gelände des ehemaligen Ludwig-Hoffmann-Krankenhauses angesiedelt, derzeit ist die Klinik vorübergehend in einem Flachbau auf dem Gelände Karower Straße 11 untergebracht.
Schon immer hat sich die engagierte Medizinerin um mehr gekümmert, als „nur“ um ihre Patienten. Als 1989 die Wende kam, war ihr klar, dass sich die Krankenhauslandschaft im Osten Deutschlands drastisch verändern würde. Ihr Spezialgebiet, die Kollagenosen, führte sie schnell zu Vortragsreisen in die alten Bundesländer, sie knüpfte Kontakte, führte Gespräche. Viele Interessenten hatten auf die „kleine, aber feine“ Rheumaklinik am renommierten Standort Berlin-Buch ein Auge geworfen. „Unsere Klinik war auch unter Rheumatologen im Westen bekannt. Das lag unter anderem daran, dass wir ausführliche Dokumentationen über Rheumatiker hatten, ähnlich dem Krebsregister“, erzählt sie. 1993 kam es schließlich zum Trägerwechsel, die Immanuel Krankenhaus GmbH übernahm die Rheumaklinik. Dass dies ganz ohne Entlassungen über die Bühne ging, darauf ist Frau Gromnica-Ihle heute noch stolz.
Energisch war sie schon immer. Als Tochter eines Fleischereibesitzers aus einem kleinen Dorf im Erzgebirge bekam sie keinen Studienplatz, weil sie kein Arbeiter- oder Bauernkind war. Da setzte sie sich auf ein klappriges Moped und fuhr stundenlang bis nach Jena, um dort beim Rektor vorzusprechen. Der konnte ihr zunächst auch nicht helfen, war aber so beeindruckt von ihr, dass er ihr schließlich zu einem Medizinstudium in Berlin verhalf.
Nach dem Studium arbeitete Frau Gromnica-Ihle lange Jahre an der Charité als Internistin mit Schwerpunkt Hämatologie und Rheumatologie. Sie spezialisierte sich unter anderem auf Blutgerinnungsstörungen und wurde von anderen Krankenhausabteilungen bei Problemen mit Thrombosen oder bei Blutern als Expertin hinzu gezogen. Sie betreute zahlreiche Patienten, damals DDR-weit, mit Kollagenosen.
Als 1988 das Angebot kam, Chefärztin der Bucher Rheumaklinik zu werden, zögerte sie nicht lange. „Ich hatte große Lust, etwas eigenes zu machen“, sagt sie. Seitdem ist sie Chefärztin von 80 Mitarbeitern und hält in der Rheumaklinik Berlin-Buch die Fäden in der Hand.
Unter ihrer Leitung hat sich die Klinik nach der Wende zu einem bundesweit anerkannten Kompetenzzentrum für rheumatische Erkrankungen weiter entwickelt. Patienten aus allen Bundesländern kommen zur ambulanten Rheumasprechstunde, die Frau Prof. Gromnica-Ihle auch persönlich abhält. Ihr Spezialgebiet ist Lupus erythematodes, eine Autoimmunerkrankung, die vor allem junge Frauen betrifft und Probleme in der Schwangerschaft verursachen kann. „Der schönste Lohn für meine Arbeit ist, wenn die Patienten Vertrauen haben, was bei chronisch Kranken nicht leicht ist.“ Deshalb arbeitet sie auch in den Selbsthilfegruppen der Patienten mit.
In der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, der wissenschaftlichen Vereinigung der Rheumatologen Deutschlands, war sie die erste und lange Zeit einzige Frau im Vorstand, sie besucht Kongresse, ist in zahlreichen Gremien und Fachverbänden tätig, hält Vorlesungen an der Charité und ist vor allem in der Weiter- und Fortbildung von Ärzten aktiv. Bei den jährlich stattfindenden Bucher Rheumatagen, mit denen sich die Klink interessierten Bürgern und betroffenen Patienten präsentiert, ist sie die treibende Kraft. Für das Privatleben bleibt der verheirateten Mutter zweier erwachsener Kinder und stolzen Oma da kaum Zeit. Sonntags Patientenakten schreiben oder wissenschaftliche Veröffentlichungen und Vorträge vorbereiten, ist für sie die Regel.
Man hat den Eindruck, das Leben von Prof. Gromnica-Ihle ist die Rheumaklinik, sie führt es mit Freude und Engagement, aber ohne Verbissenheit. Auch von ihren Mitarbeitern wird sie sehr geschätzt. Sie fordere sehr viel, sei aber auch immer bereit, sich für die Mitarbeiter einzusetzen. Eine Mitarbeiterin bringt es auf den Punkt: „Bei all ihren vielen Aufgaben und Verpflichtungen ist sie immer noch Mensch geblieben.“
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