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 Etappensieg für das Life Science Center
Schon lange ist geplant, in der Gesundheitsregion Berlin-Buch ein Lern- und Informationszentrum der Lebenswissenschaften zu etablieren. Jetzt rückt die Realisierung in greifbare Nähe. Über das Vorhaben "Life Science Center" für Berlin-Buch und den aktuellen Stand informierten Dr. Gudrun Erzgräber, Projektinitiatorin und Geschäftsführerin der ZELL GmbH, Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführer der BBB Management GmbH Campus Berlin-Buch, und Dr. Andreas Eckert, Vorstandsvorsitzender der Eckert & Ziegler AG und Förderer im folgenden Interview:

Dr. Eckert, Berlin-Buch soll ein Lern- und Informationszentrum der Lebenswissenschaften namens Forscherschloss bekommen. Was verbirgt sich dahinter?

Hinter dem Forscherschloss verbirgt sich der Wunsch, das seit 20 Jahren vergammelnde, in Landesbesitz befindliche denkmalgeschützte Lungenkrankenhaus („Waldhaus“) einer vernünftigen Nutzung zuzuführen und es zu einem bundesweit einmaligen Lern- und Informationszentrum für die Lebenswissenschaften umzubauen. Es soll damit ein Zeichen für den Standort Buch gesetzt werden, der damit als neues Element eine touristische Attraktion erhält. Und es sollen Impulse für die Popularisierung und Vermittlung naturwissenschaftlicher Inhalte gegeben werden, sowohl für Schüler und Oberschüler als auch die breite interessierte Öffentlichkeit. Es knüpft damit an zwei sehr erfolgreiche Bucher Initiativen in diesem Bereich an, nämlich an das Gläserne Labor und den Forschergarten.

Dr. Scheller, was erwartet den Besucher dort?

Nach dem neuesten Stand der Technik ausgestattete Lern- und Mitmachlabore, vor allem aber eine hochinnovative Ausstellung mit über 100 interaktiven Stationen und Exponaten zu den Themen „Lebenszyklus“, „Wunderwerk menschlicher Körper“ und „Forschungsziel Gesundheit“ sowie ein 3-D-Kuppelkino für ein breites Publikum. Ein Mitmach-Zentrum für die Lebenswissenschaften, zwar anspruchsvoll, aber in verständlicher Sprache. Aus diesem Grund wollen wir künftig auch weg von dem Begriff „Life Science Center“.

Welches Bildungskonzept verfolgt der außerschulische Lernort?

Das wichtigste Leitbild heißt „Durch Forschen lernen“. Kinder und Jugendliche sollen für naturwissenschaftliche Fragestellungen begeistert werden, ihre Neugier für Fragen des Lebens, des Körpers und der Gesundheit soll geweckt werden. Durch selbstständiges Experimentieren können sie – je nach Alter – ganz unterschiedliche Fähigkeiten und Erkenntnisse gewinnen. In der frühkindlichen Bildung orientieren sich die Angebote am Berliner und Brandenburger Bildungsprogramm. Dabei steht zum Beispiel nicht nur die kindgerechte Vermittlung von naturwissenschaftlichen Phänomenen im Vordergrund, sondern auch die Entwicklung sprachlicher und motorischer Fähigkeiten der Kinder.

In der schulischen Bildung bietet die Geniefabrik zeitgemäße, realistische Bilder von den Naturwissenschaften. Die Experimente erfolgen in einem authentischen Rahmen, die Schüler arbeiten in echten Genlaboren und werden von Wissenschaftlern angeleitet. Die angebotenen Experimente orientieren sich am Rahmenlehrplan, so dass der naturwissenschaftlich-technische Unterricht inhaltlich durch die GenieFabrik gestützt wird. Dadurch unterscheidet sich die GenieFabrik auch von anderen Schülerlaboren, die direkt an Forschungseinrichtungen angesiedelt sind und den Schwerpunkt auf die Vermittlung institutseigener Forschungsinhalte legen. In der GenieFabrik kommen die Schüler zudem mit Experten aus unterschiedlichen Professionen und Fachgebieten in Berührung und lernen Berufsbilder und Tätigkeitsfelder in den Biowissenschaften kennen.

In die GenieFabrik fließen die gesamten Erfahrungen des Gläsernen Labors. Wird es diese Einrichtung auf dem Campus Berlin-Buch weiterhin geben?

Das Gläserne Labor wird mit seinen öffentlichkeitswirksamen Schülerlaboren vollständig in das Life Science Center integriert. In Kooperation mit dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) und dem Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) wird es jedoch auf dem Campus weiterhin Angebote zur gezielten wissenschaftlichen Nachwuchsförderung geben, z.B. Internationale Sommer-Akademien oder Praktika in Forschungsgruppen für besonders leistungsstarke Schülerinnen und Schüler. Ebenso wird der Fort- und Weiterbildungsbereich für technische Angestellte und Wissenschaftler auf dem Campus bestehen bleiben und durch die BBB Management GmbH weiter ausgebaut.

Dr. Eckert, was bedeutet die Etablierung des Forscherschlosses für den Standort Buch?

Das Forscherschloss wird mit seinen rund 270.000 Besuchern im Jahr ein touristisches Glanzlicht in der Hauptstadtregion mit weithin überregionaler Ausstrahlung werden. Darüber hinaus wird es helfen, den Standort Buch mit seinen großen wissenschaftlichen Instituten, mit den vielen Medizin- und Biotechnologiefirmen und den Kliniken als eine der ersten Adressen der deutschen Gesundheitsforschung und -wirtschaft nachhaltig zu verankern. Zudem eröffnet das Zentrum in mehrfacher Hinsicht neue Perspektiven für die Umgebung: So wird die beeindruckende Architektur des Waldhauses von Ludwig Hoffmann nach der Sanierung wieder zur Geltung kommen. Auf der Terrasse sollen künftig Gäste der Life Science Center-Cafeteria sitzen können. Der Weg durch den Schlosspark, vorbei am Künstlerhof soll als Teil der Ausstellung gestaltet werden. Im Waldhauspark wird ein Abenteuerspielplatz mit begehbaren Organen entstehen. Damit wird das Publikum des Zentrums das Angebot an gastronomischen Einrichtungen und Hotels beleben, und auch der Einzelhandel im Ort wird davon profitieren. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Zentrum soll ein Hotel mit Badelandschaft entstehen, allerdings als eigenständiges Projekt.

Dr. Erzgräber, welche finanziellen Mittel werden dafür veranschlagt?

Das Gesamtinvestitionsvolumen beläuft sich auf 27,4 Millionen Euro. Davon entfallen allein 22 Millionen Euro auf die Sanierung und den Ausbau des Waldhauses.

Wie sind Stand und Finanzierung des Projekts?

Im Juni 2009 hatte das Bezirksamt Pankow einen Antrag auf anteilige Förderung (90 Prozent) aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW, hier für touristische Infrastruktur) für die Sanierung und den Ausbau des Gebäudes bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen gestellt. Inzwischen hat der Senat den Abruf von Fördermitteln für die Erarbeitung der Bauplanung in Aussicht gestellt, und damit ist ein erster Schritt zur Umsetzung des Projektes getan. Zehn Prozent von 22 Millionen für die Sanierung, das heißt rund 2 Millionen Euro, will die Eckert & Ziegler AG aufbringen.

Wer sind denn überhaupt die Förderer dieses Projektes?

Für die Ausstellung als solche werden 5,4 Millionen Euro benötigt. Hierfür sind von der ZELL GmbH (und vorher von der Berlin-Buch Management GmbH) Sponsorenmittel und andere öffentliche Zuschüsse in Form von Absichtserklärungen eingeworben worden. Unternehmen, Stiftungen und andere öffentliche Einrichtungen haben zugesagt, sich mit insgesamt rund fünf Millionen Euro am Projekt zu beteiligen. Dazu gehören die großen Bucher Forschungsinstitute und die Charité sowie der HELIOS Konzern, mehrere lokale Medizin- und Biotechnologieunternehmen und die Technologiestiftung. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung wird drei Millionen Euro für Ausstellungsexponate, insbesondere das Kuppelkino, beisteuern. Verschiedene Sponsoren haben auch wiederholte Unterstützung zugesagt, so dass die Ausstellung, etwa durch neue Exponate, ständig attraktiv gehalten werden kann.

Wann rechnen Sie mit der Genehmigung des Bauantrags?

Dr. Eckert: Leider mahlen die Mühlen sehr langsam, man muss viele Verantwortliche sprichwörtlich zum Jagen tragen. Derzeit prüft das Bezirksamt, inwieweit es die Bauherrenfunktion, Beratungs- und Planungsleistungen selbst übernehmen kann. Welche Baukosten zu erwarten sind, kann erst nach Erstellung der Bauplanungsunterlagen konkretisiert werden. Nach vorsichtigen Schätzungen könnte eine Genehmigung des Bauantrags im Frühjahr 2011 erfolgen, wonach die Sanierungs- und Ausbauarbeiten bis Ende 2012 abgeschlossen sein könnten.

Und wann ist die Eröffnung des Zentrums geplant?

Dr. Erzgräber: Es wäre wunderbar, wenn es Pfingsten 2013 eröffnet werden könnte.
Dr. Eckert: Es darf gern früher sein.

Wer wird der Betreiber sein?

Dr. Erzgräber: Die ZELL GmbH mit Sitz in Berlin-Buch, die im letzten Jahr auch das strategische Bildungskonzept für die Laborwelt „GenieFabrik“ im Life Science Center erarbeitet hat, steht dem Bezirk Pankow als potenzielle Betreibergesellschaft für das Zentrum zur Verfügung. Insgesamt sind hohes Engagement und Kreativität erforderlich, um es mit Erfolg zu vermarkten. Hier liegt es nahe, die in Buch vorhandenen Kompetenzen und Ideen einfließen zu lassen. Vorerst wird die ZELL das Projekt in seiner Realisierungsphase weiterhin begleiten, insbesondere als Mittler und Moderator zwischen den Sponsoren sowie Unterstützern und dem Bezirk Pankow als Projektträger.

Interview: Christine Minkewitz

Weitere Informationen:

Dr. Gudrun Erzgräber
Telefon: 030 9489 2210
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