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heilen,forschen / 08.11.2017
Bluthochdruckforscherin kommt ans BIH und die Charité: Ute Scholl tritt BIH Johanna Quandt Professur an

Am 1. November 2017 hat Ute Scholl die BIH Johanna Quandt Professur „Hypertension und molekulare Biologie endokriner Tumore“ am Berliner Institut für Gesundheitsforschung/Berlin Institute of Health (BIH) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin angetreten. Ute Scholl ist damit nach Petra Ritter die zweite Medizinerin, die im Rahmen von drei neu geschaffenen BIH Johanna Quandt Professuren zu Fragen der translationalen Forschung arbeitet. Gefördert wird die W2-Professur auf Zeit von der Stiftung Charité.

Bluthochdruck (Hypertonie) kann auf verschiedene Weise entstehen. Ute Scholl beschäftigt sich insbesondere mit einer speziellen Form des Bluthochdrucks, die durch eine Überproduktion des Hormons Aldosteron hervorgerufen wird. Aldosteron wird in der Nebenniere gebildet und bewirkt in der Niere eine vermehrte Salzresorption, was wiederrum zu Bluthochdruck führen kann. Scholls bisherige Arbeiten haben einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, die Ursachen dieser endokrinen Hypertonie zu verstehen. So konnte die Medizinerin zeigen, dass spezielle Mutationen von Ionenkanälen in gutartigen hormonbildenden Nebennierentumoren zu dieser Form des Bluthochdrucks beitragen. Infolge der mutierten Ionenkanäle strömt zu viel Kalzium in die Zellen ein. Dadurch werden Signalwege angeschaltet, die zu einer verstärkten Aldosteronproduktion sowie zu einer verstärkten Zellteilung führen. Selten werden solche Mutationen auch in Familien vererbt und lösen schon in jungen Jahren schweren Bluthochdruck aus.

Als BIH Johanna Quandt Professorin will Ute Scholl auf ihren bisherigen Arbeiten aufbauen und weitere kritische Signalwege bei der Entstehung von Hypertonie identifizieren. „Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit und betrifft mehr als eine Milliarde Menschen weltweit. Schwere, familiäre Formen der Hypertonie sind als seltene Erkrankungen gut geeignet, um wichtige Signalwege in der Blutdruckregulation zu identifizieren“, sagt Ute Scholl. Die Professorin wird moderne Sequenziertechnologien nutzen, um genetische Mechanismen der Hypertonie zu finden und krankheitsauslösende Zusammenhänge zu verstehen. Scholl will sich zunächst auf weitere hormonelle Störungen fokussieren, die zu Bluthochdruck führen, spezifische Blocker mutierter Ionenkanäle entwickeln und diese klinisch testen. Diese Blocker sollen schließlich eingesetzt werden, um hormonproduzierende Tumoren besser zu erkennen und zu behandeln.

„Wir freuen uns sehr, dass Frau Scholl mit ihrer innovativen und mit Preisen ausgezeichneten Forschung zum Bluthochdruck die BIH-Forschungsprogramme unterstützen wird“, sagt Professor Martin Lohse, Sprecher des BIH und Vorstandsvorsitzender des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). „Mit ihrer Arbeit werden wir eine der großen Volkskrankheiten besser verstehen und junge und alte Patientinnen und Patienten besser therapieren können.“

Ute Scholl, 1983 in Aachen geboren, studierte Humanmedizin an der RWTH Aachen, wo sie 2008 auch promovierte. Bis 2013 war Ute Scholl als Postdoc am Department of Genetics der Yale University (New Haven, CT, USA) tätig. 2013 wurde Ute Scholl über das Rückkehrerprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen zum Aufbau einer eigenen Forschungsgruppe nach NRW geholt und 2014 als Juniorprofessorin für Experimentelle Nephrologie und Hypertensiologie an die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf berufen. Ute Scholls Arbeit wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Sie erhielt unter anderem den Walter-Clawiter-Preis, den Ingrid zu Solms-Preis für Medizin sowie den Heinz Maier-Leibnitz-Preis. Seit 2016 ist Ute Scholl Mitglied des Jungen Kollegs der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

Mit den BIH Johanna Quandt Professuren unterstützt die Stiftung Charité die Einrichtung von drei W2-Professuren am BIH, gezielt für Frauen. Alle Professuren sind von Beginn an mit einer Dauerperspektive verbunden und verstehen sich daher auch als Modellversuch für einen echten Tenure Track. Eine weitere Besonderheit der BIH Johanna Quandt Professuren besteht darin, dass die Bewerberinnen das Gebiet ihrer Professur selbst bestimmen. Entscheidend für die Auswahl war die innovative und interdisziplinäre Ausrichtung mit translationalen Ansatz. Durch die BIH Johanna Quandt Professuren stärken das BIH, die Charité und die Stiftung Charité die Chancengleichheit innerhalb der Berliner Gesundheitsforschung.

Im Video erklärt Ute Scholl ihre Forschung:
https://www.youtube.com/watch?v=ic-5dTiHp20&feature=youtu.be


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Über das Berliner Institut für Gesundheitsforschung/Berlin Institute of Health (BIH)

Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung | Berlin Institute of Health (BIH) ist eine Wissenschaftseinrichtung für Translation und Präzisionsmedizin. Das BIH widmet sich neuen Ansätzen für bessere Vorhersagen und neuartigen Therapien bei progredienten Krankheiten, um Menschen Lebensqualität zurückzugeben oder sie zu erhalten. Mit translationaler Spitzenforschung und Innovationen ebnet das BIH den Weg für eine nutzenorientierte personalisierte Gesundheitsversorgung. Die Gründungsinstitutionen Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) sind im BIH eigenständige Gliedkörperschaften.

Quelle: Gemeinsame Pressemeldung von Berliner Institut für Gesundheitsforschung und Charité – Universitätsmedizin Berlin

bihealth.org

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