News

Ihre Auswahl

produzieren / 27.05.2014
Start-up in Buch: Myelo Therapeutics

 Das junge Unternehmen Myelo Therapeutics GmbH entwickelt einen innovativen Wirkstoff , der Risiken einer Chemotherapie deutlich reduzieren kann.




Gegründet wurde Myelo Therapeutics im Frühjahr 2013 zwischen New York und Berlin, wo die heutigen Geschäftsführer beruflich tätig waren, sowie Moskau, woher das intellektuelle Kapital des Startups stammt. Die erfahrenen Manager Till Erdmann und Dirk Pleimes, die in Berlin studiert haben, waren vor der Gründung unter anderem für den Pharmakonzern Bayer tätig; Till Erdmann im Marketing und Dirk Pleimes im Bereich Medical Affairs. Entsprechend sind auch die Aufgaben im neuen Unternehmen verteilt. Mit einer Größe von vier Mitarbeitern hat das Unternehmen bereits eine erfolgreiche Serie-A-Finanzierungsrunde über mehrere Millionen Euro abgeschlossen. Zu den Kapitalgebern zählen die IBB Beteiligungsgesellschaft mbH mit dem Venture-Capital-Fonds Technologie Berlin, die ELSA Eckert Life Sciences Accelerator GmbH sowie das pharmazeutische Unternehmen JSC Valenta Pharmaceuticals.

Hoher medizinischer Bedarf

„Wir entwickeln einen innovativen Wirkstoff, der Nebenwirkungen der Chemotherapie, speziell die Neutropenie und die Thrombozytopenie verhindern kann“, so Dirk Pleimes. Der Wirkstoff , für den ein hoher medizinischer Bedarf besteht, wurde vom Mitgesellschafter Dr. Vladimir Nebolsin in Moskau erforscht und ist in Russland seit wenigen Jahren zugelassen. Jetzt wird er unter dem Namen Myelo001 nach den Regeln der europäischen und amerikanischen Zulassungsbehörden im ersten Schritt für die Indikation Chemotherapie-induzierte Neutropenie geprüft.

Konventionelle Chemotherapie, die das Wachstum von Krebszellen behindern soll, beeinträchtigt auch andere schnellwachsende Zellen. Unter anderem können Haare, Haut, Magen-Darm-Schleimhäute und das Immunsystem betroffen sein. Häufig tritt eine temporäre oder dauerhafte Schädigung des Knochenmarks, eine so genannte Myelosuppression auf, die die Bildung von Blutzellen vermindert. Dies birgt die Gefahr einer Chemotherapieinduzierten Neutropenie (CIN) – eines Mangels an bestimmten weißen Blutkörperchen, den neutrophilen Granulozyten, die die Immunabwehr von Bakterien bilden. CIN-Patienten haben ein deutlich erhöhtes Risiko, an lebensbedrohlichen Infektionen wie Lungenentzündung zu erkranken. Oftmals muss bei CIN-Patienten auch die Chemotherapie unterbrochen werden, wodurch der Behandlungserfolg gefährdet sein kann.

Bisher gibt es in Deutschland nur einen zugelassenen Wirkstoff zur Behandlung von CIN, den Granulozyten-Kolonie stimulierenden Faktor G-CSF. Während das Protein G-CSF die Bildung der neutrophilen Granulozyten stimuliert, schützt Myelo001 die natürliche Blutbildung. Myelo001 wird einige Tage vor der chemotherapeutischen Behandlung verabreicht, damit es seine Wirkung entfalten kann.

„Unser Medikament basiert auf einer niedermolekularen Verbindung (small molecule), die sich fokussiert im Knochenmark anreichert. Myelo001 schützt die weißen Blutkörperchen vor der Chemotherapie und bewirkt, dass sich die neutrophilen Granulozyten insgesamt schneller erholen. Dadurch bleibt die Immunabwehr weitgehend erhalten“, so Pleimes. Myelo001 hat darüber hinaus einen antiviralen Effekt, der den durch die Chemotherapie geschwächten Patienten zusätzlich nützt. Ein weiterer Vorteil von Myelo001 ist, dass man es bequem oral einnehmen kann, wohingegen G-CSF unter die Haut gespritzt oder intravenös verabreicht werden muss.

Präklinische Tests ergaben ein exzellentes Sicherheitsprofil
Die umfangreichen präklinischen Untersuchungen von Myelo001 sind fast abgeschlossen und haben keinen Hinweis auf eine Toxizität ergeben. Myelo001 hat im Tiermodell ein exzellentes Sicherheitsprofil sowie ein breites therapeutisches Fenster gezeigt. „Derzeit planen wir das Design der klinischen Studien, mit denen wir Ende 2014 starten wollen“, erklärt Dirk Pleimes.

Dass das Unternehmen seinen Sitz in Berlin hat, ist nicht nur der Herkunft der beiden Geschäftsführer zu verdanken. Neben Lebensqualität, Start-up-Kultur und enger Vernetzung in der Gesundheitswirtschaft bietet Berlin auch gute Bedingungen für die Frühphasenfinanzierung von Life Sciences Start-ups. Auf dem Campus Berlin-Buch hat Myelo Therapeutics bereits Partner gefunden.

Neben der ELSA GmbH als Investor ist die EPO Berlin-Buch GmbH ein Partner für die In-vivo-Experimente. „Darüber hinaus ist ein Erfahrungsaustausch über den Flur mit anderen Biotech-Firmen unkompliziert möglich“, weiß Till Erdmann zu schätzen.

Text: Christine Minkewitz


Foto:
Till Erdmann und Dirk Pleimes vor dem Firmensitz auf dem Campus Berlin-Buch (Foto: Tuca Paoli)

Quelle: Campus Berlin-Buch GmbH

www.myelotherapeutics.com

Alle News im Überblick